Freitag dm 26 Oktober tS«. Jahrgang mit Ausnahme dcS Heneral-Aiyeiger Alle Anzeigen-Vermittlungsstellen deS In« und Auslandes nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger entgegen. Zeilenpreis: lokal 12 Pfg., auswärts 20 Pfg. Bezugspreis vicrteljäbrl. Mk. 2,20 monatlich 75 Pfg. mit Bringerlohn; durch die Abholestellen vicrteljährl. Mk. 1,90 monatlich 65 Pfg. Bei Postbezug Mk. 2,40 vierteljährl. mit Bestellgeld. Annahme von Anzeigen zu der nachmittags für bm folgenden Lag erscheinenden Nummer bis vorm. 10 Uhr. Abbestellungen spätesten« abends vorher. Nr. 251 Zweites Platt Erscheint täglich j Ä 4* mit Ausnahme dcS d MGießener Anzeiger Anits- und Anzeigeblatt für den 'Kreis Gieren. Ikbeftien, Expedition und Druckerei: Kchutstraße Ar. 7. Gratisbeilagen: Gießener Familienblätter, Der hessische Landwirt, Mütter für hessische UslKsKunde. Adresse für Depeschen: Anzeiger Hietz««. Fernsprecher Nr. 51. Das Kaiserpaar in Barmen Elberfeld. Barmen, 24. Oktober. So lange das Deutsche Re-sch besteht, haben die beiden Schwesterstädte an der schwarzblauen Wupper noch nie einen Kaiser in ihren Mauern begrüßt. Die freudigste Feststimmung erfüllte darum Elberfeld und Barmen schon seit langen Wochen und um so empfindlicher war vor zehn Tagen die Enttäuschung gewesen, als kurz vor dem angesetzten Termin der Besuch des Kaiserpaares im Augenblicke der höchsten Erwartung verschoben wurde. Nun holten heute die Majestäten nach, was sie neulich wegen der bedauerlichen Erkrankung der Kaiserin Friedrich versäumen mußten. Um 10 Uhr 3 Minuten verkündete das Läuten aller Kirchenglocken Barmens das Einlaufen des Kaiserlichen Zuges. Das 39. Infanterie-Regiment in Düsseldorf mit der Regimentsmusik und den Spielleuten waren schon gestern hier angekommen und stellten die Ehrenkompagnie auf dem Bahnhof. Aus dem Bahnhof wurde das Kaiserpaar vom Kommandeur des VII. Armeekorps v. Bülow empfangen. Auf dem Festplatze vor dem Bahnhof wurden die hohen Herrschaften von -einer Deputation der Stadt Barmen empfangen. Die hier aufgebauten Tribünen, die Fenster der umliegenden Häuser und der ganze Platz war mit Menschenmassen angefüllt, die dem Kaiserpaar stürmische Huldigungen entgegenbrachten, und die dem dahineilenden Wagen stets vorschreitend sich weiterpflanzten. Der kaiserliche Wagen, mit vier prächtigen Rappen a la Daumont bespannt, fuhr in scharfer Gangart durch die festgeschmückten Straßen und nur wenige Augenblicke war das Kaiserpaar den huldigenden Massen sichtbar. Der Kaiser trug die Generalsuniform, darüber den grauen Mantel; die Kaiserin hatte eine große braune Pelzboa um den Nacken geschlungen und trug einen großen Kapotthut. Dem offenen Wagen ritt eine Halbschwadron Husaren vorauf, eine zweite Halbschwadron folgte. Bald langte der stattliche Wagenzug vor der einzuweihenden Ruhmcshalle an. Die Kaiser Wilhelm - undKaiserFriedrich- Ruhmes Halle wurde von der Stadt Barmen zum Andenken an die beiden ersten Kaiser Deutschlands nach dem Entwürfe des Direktors der Königlichen Baugewerkschule Barmen-Elberfeld, Hartwig, erbaut, „um in ihr die Thaten und die Geschichte unserer großen Herrscher durch Darstellung der bildenden Kunst zu verherrlichen". Sie ist also eine Kunsthalle, deren kultureller Zweck sich vorteilhaft von anderen patriotischen Erinnerungsschöpfungen auszeichnet. Der Kaiser schritt sofort die von dem 39. Infanterieregiment gestellte Ehrenkompagnie ab. Die Kaiserin begab sich unter das Prunkzelt, wo sie Exzellenz von Rheinbaben, der zu ihr getreten war, die Hand zum Kusse reichte und sich noch längere Zeit mit ihm unterhielt. Nach Abschreiten der Ehrenkompagnie nahm der Kaiser Stellung neben seiner hohen Gemahlin, die nunmehr huldvoll die hellroten Rosenknospen von dem Töchterchen des Oberbürgermeisters mit einem kleinen Willkommenscherz entgegennahm. Nach einer Ansprache des Oberbürgermeisters Dr. Lentze schritt der Kaiser sofort interessiert auf die K o l o s s a l f i g u r Kaiser Wilhelms I. zu, die er lange betrachtete und eingehend besichtigte. Tann wandte er sich dem Marmorbilde Kaiser Friedrichs zu, von dem er sich aber bald wieder nach der Gestalt seines Großvaters zurückwandte. Der Kaiser, der den weiten, lang herabfallenden Pellerinenmantel geöffnet hatte, begann lebhaft mit dem Helm in der Hand auf die Gestalt seines Großvaters zu weisen und zu dem Oberbürgermeister und dem Bildhauer Eaüer Bemerkungen zu machen. Auch die Ruhmeshalle selbst schien sein lebhaftes Interesse in Anspruch zu nehmen. Er wies 'mit besonders lebhaften Gesten auf die hochragende Glaskuppel, auf der das Sonnenlicht spiegelte, und schien über den Eindruck voll beftiedigt. Auch der Kaiserin und dem Direktor Hartwig gegenüber machte der Kaiser wiederholt Bemerkungen über die beiden Kaiserdenkmäler und die Ruhmeshalle. Neun weißgekleidete dekolletierte Ehrenjungfrauen traten nun der Kaiserin entgegen, die in poetischer Form von Fräulein Schwarzenstein von U.- Barnten begrüßt wurde und huldvoll einen prächtigen Strauß entgegennahm. Aus 'die nun folgende hfede des Oberbürgermeisters Dr. Lentze erwiderte der Kaiser: Den liefert Dank Namens der Kaiserin und in meinem Namen für den Empfang seitens Ihrer Stadt bitte ich Sie der Bürgerschaft kund zu thun. Die freudigen Gesichter und wundervolle Ausschmückung der Häuser und Straßen Ihrer Stadt sind Zeugen von den Gefühlen, die die Bürgerschaft beseelen und denen Sie in so geeigneter Weise soeben Worte verliehen haben. Ich habe es tief bedauern müssen, daß ich die Stadt auf unseren Besuch habe-warten lassen müssen; allein die Sorge um das in G e f a h r schwebende Leben meiner Frau Mutter ließ mich nicht von ihrem Krankenlager weichen. Ich bin nunmehr froh, daß mir ihr Zustand gestattet, den Besuch auszuführen, wenn auch des Herzens freudige Bewegung durch den Schatten, der über ihr liegt, noch getrübt ist. Sie hat mich aber ersucht, auch in ihrem Namen der Stadt einen Gruß zu überbringen. Dieses Auftrags entledige ich mich! hiermit. Daß Ihre Stadt besonders auf Handel und Wandel und das Schaffen der Industrie angewiesen ist, das weiß die Welt längst. Aber Ihre Leistungen stehen frei und offen vor allem Volke da und Sie brauchen sich dessen wahrlich nicht zu schämen. Daß es stets mein erstes Ziel und meine größte Arbeit ist, für mein Volk und seine arbeitenden Teile den Frieden nach Möglichkeit zu erhalten, dafür habe ich vor wenig Tagen erst das Ueber einkommenmit demmächf- tigsten germanischen Staate außer unserem Volke getroffen. So hoffe ich in die weite Zukunft hinaus, ein gemeinsames Streben auf dem offenen Weltmärkte für unsere beiden Völker zu gewährleisten, in freundschaftlichem Wettkampfe, ohne Schärfe. Alles aber, was wir fühlen, denken und thun, vereinigen wir in dem Wunsch^, daß Gottes Segen auf der Arbeit der Bürger Ihrer Stadt auch in der Folge ruhen und sie blühen und gedeihen möge. Nachdem die Majestäten sich in das goldene Buch eingezeichnet hatten und nach einem kurzen Rundgang durch die Gemäloegallerie verließen die Majestäten, die sich bedeutend länger als ursprünglich beabsichtigt auf- gehalten hatten, unter dem Jubel der Bevölkerung die Ruhmeshalle und bestiegen die Wagen zur Weiterfahrt nach Elberfeld. Elberfeld, 24. Oktober. Um 11 einhalb Uhr verkündeten Böllerschüffe von der Hardt die Einfahrt der-Majestäten in das E l b e r f e l d e r Stadtgebiet. Vor dem Rathausportal wurden die Majestäten durch den Bürgermeister Funck empfangen. Oberbürgermeister Funck geleitete das Kaiserpaar die Treppe, die durch Orchideen, Lorbeerbäume und Blumenarrangements fast in einen Laubengang verwandelt war, hinauf in den Sitzungssaal. Hier war ein großer Baldachin errichtet, unter dem das Kaiserpaar Platz nahm, um den Ehrentrunk in dem kostbaren, von den Frauen und Jungfrauen Elberfelds gestifteten Pokal einzunehmen. Die Rede des Kaisers bei Entgegennahme des Ehrentrunkes im Festsaale des Rathauses lautete wie folgt: Für die uns dargebrachte Huldigung und für den Empfang, den die Bürgerschaft der Stadt Elberfeld uns bereitet hat, sagen wir Beide, die Kaiserin und ich Die Hraphokogie. Nahezu 30 Jahre sind gegenwärtig vergangen, seitdem der französische Abbee I. H. Michon (1806 bis 1881) zum erstenmale das Wort „Graphologie" gebrauchte. Damals ist das neue Wort allgemein bekannt geworden; man weiß, daß es dienen will als Bezeichnung für eine Wissenschaft, die behauptet, daß sich aus den Handschriften der Menschen Schlüsse auf deren Charakter bilden ließen, also: Handschriften-Deutungskunde. Dieser Behauptung stehen weite Kreise gegenwärtig noch zlveifelnd gegenüber. Man bedenke jedoch, wie lange andere Entdeckungen gebraucht haben, um sich die allgemeine Anerkennung zu erringen. Tie Graphologie aber ist gegen- wartig.noch nicht 30 Jahre ult, sie ist noch „eine werdende Wissenschaft" und dennoch ist es ihr bereits gelungen, nicht nur in Frankreich, ihrem Geburtslande, schon allseitig anerkannt worden zu sein (auch von der Gelehrtenwelt); während der letzten 10 bis 15 Jahre hat die Graphologie auch in Deutschland, England, Italien usw. Eingang gefunden, auch erfreut sie sich der thatkräftigen Teilnahme von Professor Dr. W. Preyer und Prof. C. Lombroso. Fort und fort im alltäglichen Leben wiederholt es sich bei uns allen, daß wir irgend jemand erkennen an der Art und Weise wie er geht, an bestimmten Gesten oder am Klang der Stimme. In allen Bewegungen prägt sich der Charakter in eigenartiger Weise aus. Das gleiche ist es mit den Schreibbewegungen, die außerdem den Vorzug haben, daß sie dem Auge unmittelbar sichtbar werden und bleiben. Man wird hier einwenden, daß ja die Handschrift gelernt werde; Schreiben wird gelernt und von manchem auch Schönschrift, aber niemals die Handschrift; Gehen und Schreiben müssen wir freilich lernen, aber die kleinen, scheinbar nebensächlichen Eigenheiten, die wir unwillkürlich und ohne es zu wissen, hinzuthun, werden uns nicht gelehrt; in diesen Eigenheiten äußert sich der Charakter. Die Beobachtung aller dieser Eigenheiten der Handschriften ist freilich), nicht leicht. Mehrere Jahrhunderte hindurch sehen wir unvollendete Ansätze zu diesen Beobachtungen; Männer und Frauen wie Leibniz, Goethe, Lavater, A. und W. v. Humboldt, G. Sand spielen in der Vorgeschichte der Graphologie eine Rolle. Seit der Mitte dieses Jahrhunderts häuften sich die Ansätze immer mehr. Das epochemachende Verdienst des bereits genannten Mbee I. H. Michon beruht nun zunächst darin, daß dieser alle zerstreuten Ansätze sammelte, prüfte und sichtete, daß er sodann eigene Forschungen anstellte und endlich das Ergebnis seiner 30 jährigen Studien veröffentlichte unter dem Namen „La Graphologie" Durch feine fünf Hauptwerke, die in der Zeit von 1871—1880 erschienen, machte Michon seine Ergebnisse den gebildeten Kreisen Frankreichs zugänglich und regte diese zunächst zur Weiterführung seiner Forschungen an. Von Franzosen machten sich um die Entwickelung der Graphologie neben und nach Michon besonders verdient: E. de Vars, Ad. Varinard, Rougement, P. Varinard, I. Crepieux-Jamin, Dr. Helot, Dr. Heri- court, G. Bridier usw. In Deutschland öffnete zunächst nur „Schorers Familienblatt" seine Spalten für graphologische Aufsätze und Beurteilungen; hier machte sich besonders Dr. Eugen Schwiedland verdient. Trotzdem kam die Graphologie in Deutschland bis 1894 nicht darüber hinaus, als harmlose, wenn auch interessante Familienunterhaltung in der Öffentlichkeit angesehen zu werden. Von dem Berliner W. Langenbruch angeregt, hatte sich aber inzwischen der Universitäts-Professor der Physio- logie Dr. W. Preyer mit der Graphologie beschäftigt und trat seit Anfang 1894 öffentlich für sie ein. Und bald begann eine neue Epoche in der Geschichte der Graphologie und zwar nicht nur für Deutschland. Die Zeit der Anfänge, die Kindheit der Graphologie, ist überwunden. Man behandelt die Graphologie nicht mehr als eine auf Täuschungen beruhende Spielerei. Irrtümer laufen zwar auch heute noch manchem Graphologen von Fach unter, aber schließlich gehören Irrtümer und Mißverständnisse zur Entwicklung jeder „werdenden Wissenschaft". Ein deutsches „Lehrbuch der Graphologie", von L. Meyer (Laura v. Albertini), in populärer Form ist in zweiter Auflage kürzlich im Verlage der deutschen Verlagsgesellschaft Union in Stuttgart erschienen. Der Nutzen der Graphologie ist namentlich der zur Erlangung von Menschenkenntnis, und von Selbsterkenntnis, ihr Wert ist zum großen Teil erzieherischer Natur. Aus den Handschriften kann erkannt werden, welche von allen wichtigen Eigenschaften die Schreiber besitzen und in welcher Stärke; solche Eigenschaften sind: Aengstlichkeit, Anstand, Ausdauer, Bescheidenheit, Bildung, Egoismus, Ehrgeiz, Eifersucht, Eigensinn, Einbildungskraft, Einfachheit, Energie, Freigebigkeit, Geduld, Gefühl, Geiz, Gutherzigkeit, Haltlosigkeit, Härte, Heiterkeit, Hochmut, Kleinlichkeit, Klugheit, Kunstsinn, Launenhaftigkeit, Liebenswürdigkeit, List usw. Man sieht, die Graphologie behauptet sehr viel zu können. Und woraus gewinnt sie nun alle diese oft sehr unangenehmen Ergebnisse (d. h. 'für die jeweiligen Schreiber)? Auf welche Eigenheiten der Handschriften muß die Graphologie sehen? Auch hier möge eine oberflächliche Aufzählung genügen : da ist auf Rundungen und Ecken, auf die Gedrängtheit oder Weite, auf Fraktur und Antiqua, auf Anwachsen und Abnehmen der Worte, auf die Lage der Schrift, auf Querstriche, auf die Einfachheit der Schrift oder Schnörke- leien, auf die Interpunktion, auf i- und u-Zeichen, auf die Linienrichtung, auf die Größe der Schrift, auf ihre Regelmäßigkeit oder Unregelmäßigkeit, auf ihre Dickheit oder Dünnheit re. zu achten. Eine dicke Schrift z. B. bedeutet, wenn sie einen gemeinen, groben, unschönen Charakter hat, grobe Sinnlichkeit und Materialismus; sonst aber, wenn jene Zeichen fehlen, ernste Lebensauffassung, Pflichttreue, ringende, langsame, aber tiefe Natur. Die sehr rechts-schräge Lage der Buchstaben läßt auf Leidenschaftlichkeit, eine sich fast ganz nach rechts legende Schrift auf Empfindlichkeit schließen rc. Tie praktische Bedeutung der Graphologie springt hiernach wohl jedem in die Augen. Die Bedeutung der Graphologie erstreckt sich aber noch weiter; so z. B. ist sie berufen, die dringend notwendige Reform der gerichtlichen Schriftexpertise herbeizuführen. Anfänge dazu sind bereits gemacht, indem der genannte Graphologe Langenbruch bei den Berliner Gerichtsbehörden als Schreibsachverständiger beamtet ist. Ob die Hqndschrift der Geisteskranken etwas de- sonders charakteristisches habe, ist seit lange eine Streitfrage unter den Graphologen. Man sollte meinen, daß sich' eine starke psychische Störung tu der Handschrift ans- drücken müßte. Tas ist aber nicht ohne weiteres der Fall, doch eine mehr oder minder starke Nervosität, -L-chswäche, Unklarheit, die der Geisteskrankheit so oft vorausgehen, lassen sich deutlich aus der Schrift erkennen. Der Krieg Lu China. Aus Peking wird vom 21. Oktober nach New-York gemeldet: Das Datum der Konferenz der Gesandten mit Tsching und Li-Hung-Tschang ist noch un- bestimmt. Einige Gesandte find noch ohne Weisungen: zwei Gesandte find abwesend und einer ist krank. Eine Pariser Meldung der „Wiener Pol. Korr." weist auf em vor zwei Jahren zwischen Frankreich und China getroffenes Jntegritäts - Uebereinkommen j hm, wonach Frankreich vor der Möglichkeit stehe, Truppen nach Kanton zu senden, zur Unterstützung regulärer Chinesen gegen Aufständische. Jedoch werde Frankreich nur im Einvernehmen mit den anderen Mächten vorgehen. Zu der Bemerkung der „PetersburgSkija Wjedomosti", daß das deutsch-englische Abkommen in keiner Weise gegen Rußland gerichtet sei, bemerkt eine halbamtliche Kundgebung des Reuter'schen Bureaus, daß diese Auffassung vollkommen richtig sei und daß das Abkommen auch die russischen Eisenbahn-Konzessionen in der Mandschurei nicht berühren wolle. Das Abkommen, dem hoffentlich alle Mächte zustimmen würden^ bezwecke die Aufrechterhaltung des Gebietsbestandes Chinas unbeschadet etwaiger zwischen den Mächten über den Bau von Eisenbahnen im himmlischen Reiche zustande kommender Abmachungen. Aus Hankau wird vom 23. gemeldet: Die hiesige deutsche Kolonie hat an den Reichskanzler Grasen v. Bülow nachstehendes Telegramm gerichtet: Die Deutschen HankauS begrüßen das deutsch-englisch^ Abkommen I als beste Garantie für erfolgreichen Schutz ihrer Interessen im Aangtsethal. , * * * Telegramme des Gießener Anzeigers. Berlin, 25. Oktober. Aus Shanghai wird gemeldet: I Chinesische Blätter verbreiten die höchst unglaubwürdige I Nachricht, daß Gras Waldersee den Vizekönig Liukunyi I verständigt habe, daß 10,000 Mann der Alliirten nach Nanking und 40,000 Mann nach dem Iangtsegebiet ziehen I würden. Liukunyi habe eine Proklamation erlassen, die be- I sagt, daß der Vormarsch durchaus friedlicher Natur sei und I daß die Einwohner nichts zu fürchten hätten. Loudon, 25. Oktober. Bis jetzt ist noch keine Ant- ! wort an Li-Hung-Tschang und den Prinzen Tsching I geschickt worden. Die Gesandten werden vielmehr gemeinsam I die zur Basis eines ArrangementS^erforderlichen Bedingungen I aufsetzen und sie in Form eines Ultimatums den Bevoll- I mächtigten Chinas überreichen, da sonst die Verhandlungen ! auf unabsehbare Zeit hiuauSgeschoben werden würden. I Telegramme beS Gießener Anzeigers. Paris, 25. Oktober. Die französischen Frauen- Vereine beschlossen, an die Königin Wilhelmine eine Sympathie-Adresse zu senden, und sie zu beglückwünschen, daß sie dem Präsidenten Krüger ein Asyl gewährt habe. a Genf, 25. Oktober. Präsident Krüger hat den Bundesrat um seine Vermittelung zwecks Herbeiführung günstigerer Friedensbedingungen gebeten. Krüger hat versprochen, während seiner Europa Reise auch der Hauptstadt der Schweiz einen Besuch abzustatten. Südafrikanisches. Aus Kapstadt wird vom 24. gemeldet: General , French begegnete auf dem Marsche von Carolina nach «blhel anhaltendem Widerstande und verlor 36 Tote Auch sonst hatten die britischen Truppen mehrere Scharmützel, daber fielen insgesamt 50 Mann. . 5, Die „Times" meldet aus Kapstadt vom 24., daß die postalische Ausfuhr von Rohgold aus Transvaal verboten ist. Das „Wiener Fremdenblatt" vernimmt, bei der end- gtltrgen Regelung der politischen Verhältnisse der südafrtkantschen Republiken wird ein Beamter des österreichisch-ungarischen Konsulats in Kapstadt dorthin zur Wahrung der Interessen der österreichisch-ungarische n Staatsangehörigen entsandt werden. Vorläufig ist der gegenwärtige Vizekonsul in Kapstadt Frhr. v. Pittner dazu ausersehen. Dr. Leyds, der gestern abend in Paris eingetroffen c ' S dem „Malin" zufolge, wahrscheinlich mit der französischen Regierung über die Frage verhandeln, unter welchen Bedingungen Präsident Krüger durch Frankreich und Holland reisen könne. — Die in Marseille lebenden Ausländer haben an das Empfangskomitee das Ersuchen gerichtet, an der Begrüßung Krügers teilnehmen zu dürfen. Sämtliche englische Berichterstatter in China melden einstimmig, day das deutsch-englische Abkommen in den britischen Geschäftskolonieen beifällig ausgenommen werde. Nach einer Meldung des „Daily Telegraph" aus ?phimn9 Sao* 1 orSarte Uchtomskl in einer Unter- enthalte nichts neues, Rußland habe stets die Absicht bestritten, daß es chinesisches Ge- den wolle, es könne nach dem Friedensschlüsse ^?m5^^'.öurückerstatten und werde nur einen ^■^)C^Urerl -a(§ Pfand bis zur Begleichung der LL«rgung besetzt halten, müsse aber eine größere Schutze der Bahn gegen immerhin mögliche Angriffe aufrecht halten. Wie der „Daily. News" aus Shanghai berichtet wird, hatte T s ch a n g t s ch i t u n g laut einer Hankauer Konsulardepesche vom 19. ds. erklärt, er habe noch keinen Absetzungserlaß erhalten, übrigens befürchte er sowohl wie Lmkunyi eine derartige Ankündigung. Wenn dem Auslande daran liege, sie im Amte zu halten, so müßte un- verzuglich em Gesuch in dieser Richtung dem Kaiser über- toüfbc äu spät sein, wenn man den ^dsetzungserlaß abwarten wollte. Der britische und der frarizofische Generalkonsul erklärten auf Befragen, es sei I möglich das Gesuch des Taotais von Shanghai um Verhaftung chinesischer politischer Flüchtlinge abzu- lehnen, da Shanghai keine Kolonie, sondern nur eine ausländische Niederlassung sei, man könne höchstens Seit suchen, die Leute warnen und ihnen damit die Möglichkeit geben, zu entrinnen. Nach einer ^weiteren Meldung aus Shanghai er- kme aus -taiyuenfu am Sonntag einqeganqene zu- I verlässige Depesche, die Prinzen Tuan und Tschwang verweilten noch dort und erwarteten die über sie zu verhängende Strafe, die in Peking (nicht in Sinqanfu) von den dort zurückgebliebenen Mitgliedern des Kaiser- von ganzem Herzen unseren wärmsten Dank. Wenn es uns erst heute vergönnt ist, in Ihren Mauern zu erscheinen, so liegt das daran, daß uns bange Sorge an das Krankenbett meiner hohen Mutter gefesselt hielt. T'Unk, hat es die Wendilng zum Besseren gestattet, daß chir heute Ihrem Wunsche entsprechen tonnten. Meine Frau Mutter, die Lebensgefährtin des Kaisers^Friedrich III., dessen Standbild Sie in so herr- Ucher Schöne vor Ihrem Hause stehen haben, entbietet ^zhnen von ihrem Lager durch mich ihren Gruß. Ich freue mich von ganzem Herzen, daß ich der Einladung, die Sie an mich vor Jahren gerichtet haben, Ihr Haus zu weihen, entsprechen kann. Ich beglückwünsche ° Sie zu dem stolzen Bau, den Sie aufgeführt haben. Möge in seinen Räumen immer der alte gute deutsche Bür- gersinn walten, gemeinsam zu wirken, unb gemeinsam große Ziele zu erringen, und möge der Handel und die Industrie dieser Stadt, die allseitig anerkaiint sind, aus dem Weltmärkte ihren Ruhm von Jahr zu Jahr mehren, -raß mir Gott aber die Möglichkeit verleihen möge und die Kraft und die Fähigkeit, den dazu notwendigen Frieden zu erhalten und zu , bewahren und, wenn es nötig ist, zu er- zwingen das sei mein erstes Gebet an dieser Stelle. I hn- den Pokal auf das Wohl der Stadt und auf .^reJ Bürgerschaft und zum Heil dieses Hauses, das ich damit weihe. s.pr ^E^^rpaar Zeichnete sich in das goldene Buch Elberfeld em. Bor der Abfahrt nahm der Kastei noch den Rapport der Kriegervereine, von denen I Fahnendeputationen Aufstellung vor dem Rathause genommen hatten, entgegen. ' I . Kaiserpaar stieg am Schwebebahnhof um 2 Uhr I o .Nmuten sofort nach Vohwinkel ein. Deutsches Reich. I ~ , B e r l i n, 24. Oktober. Aus Essen wird gemeldet: Das Kaiserpaar traf erst 3 Uhr 15 Min. in Villa Bericht^)", weshalb die Ruhrthalfahrt unterblieb, (s. bes. — In der gestrigen Sitzung des Preußischen Staats Ministeriums hat der Ministerpräsident Graf von Bülow in einer einleitenden Rede die Verdienste seines Vorgängers, des Fürsten Hohenlohe, gedacht. Tann «oll, wie ein Berichterstatter angeblich offiziös meldet, eine allgemeine Besprechung über die Politische Lage und I die Aufgaben der nächsten Landtagssession stattgefunden haben. Dabei soll sich keine Neigung gezeigt haben, diese Session mit größeren Vorlagen zu belasten über welche die öffentliche Meinung noch nicht geklärt sei und deshalb soll auf ein Schuldotationsgesetz und auch auf die Ka u a l v o r l a g e verzichtet werden. Die letztere Behauptung bedarf jedenfalls noch der Bestätigung. — In der Sitzung soll bereits das von der ,Leipziger Volkszeitung" veröffentlichte Schreiben des Generalsekretärs des Zentralverbandes deutscher Jn- dustriellen Mr Sprache gekommen sein. Man nimmt in Kreisen M, daß der durch dieses Schreiben enthüllte Vorgang, für welchen Graf Posadowsky die Verantwortung trägt, zuni RücktrittdesStaats- ' * F e t a,r $ führen kann. Das .Schreiben, in bem mit- geteut wird, daß das Reichsamt des Innern von dem Zentralverband Geld für agitatorische Ztvecke verlangt und erhalten habe, wird in politischen Kreisen sur echt gehalten. Man ist auf die Erklärungen des Reichsamts des Innern sehr gespannt. — In einer heute Mittag abgehaltenen Versammlung, welche in sich die angesehensten Vertreter der Berliner Jndurstie und des Berliner Handels vereinigte, wurde beschlossen, zur Einleitung einer energischen Agitation für Aufrechterhaltung der Handelsverträgeund zur Wahrung unserer Handels- und industriellen Interessen eine Versammlung von Vertretern der Industrie und des Handels aus ganz Deutschland für die nächste Zeit zu berufen. — Bei der Reichstagsstichwahl im Wahlkreise Hofgeismar-Rinteln wurde Dr. Vogel (Antis.) mit 1479 Stimmen Mehrheit gewählt. . überraschenden Fall erzählt Laura Meyer in ijrem Lehrbuch. Mau legte ihr eines Tages ein Schrift- ftucf Mit undeutlichen, unsicheren, auf- und abwoqenden lie Zonnte f°f°rt erklären, daß der Schreiber ^.ochsten Grade nervös fern müsse, ihre eigentliche An- ficht, daß er geistesgestört erscheine, unterdrückte sie Bald nachher ging die Nach,richt ein, daß der Sckweibende, für ®eit' •ber ?rie^ geschrieben war, nichts befurchtet hatte, in eine Irrenanstalt gebracht werden mußte. ist damit nicht gesagt, daß man nun unbedingt aus feder Handschrift eines Geisteskranken seinen Sustand muste erkennen können. Laura Meyer kommt im Gegenteil zu dem Schluß, daß sich in den meisten Fällen geistige Storung nicht in der Schrift auspräge. Indessen ist damit nicht ausgeschlossen, daß die Graphologie bei der Feststellung der Prognose gute Dienste leisten forme So berichtet zum Beispiel ein Psychiater, der die Graphologie studiert und ihren Wert als Hilfsmittel erkannt hat: „Letzten Frühling gelang es mir, bei ernem &Tanfen die Prognose dadurch festzustellen, daß ich aus der Schrift nachweisen konnte, die Gehirnkrankheit m mehrere Jahre früher begonnen, als die An- ^?o?^en annahmen. Aus der bloßen Untersuchung hätte ich das sicher nicht schließen können." ' B J ^lgende Zeichen, die unter Umständen der ^de^.n^???/oehen und daher oft auch prophylaktische dene^rnnk^iä; ^“fige Begleiterscheinungen verschie- - ^ettsformen. Bei Verfolgungswahn: ängsi- 'n9 P^iers, das von oben bis unten U"d quer beschrieben wird, als ob der Scbireiber besurchte, nickst Raum zu finden für seine Gedankenfülle I " swnlose Uebertreibungen und Anhäufungen Bei Vara- lyse ist das charakteristische Merkmal das Unordentliche der Schrift: ausgelassene Satzteile oder Buchstaben Wörter Silben, defeke oder ganz fehlende Interpunktion Un^ regelmaßigkeiten der Schrift, der Zeilenabstände und der Zeilenrichtung Verwirrung, Jneinandergre fen der Linien Verwickelung der Schleifen der Ober- imh en' “ÜU In den allermeisten, nicht ganz frifd^n Fällen^ist auch Zittern vorhanden. 0 ucn q r Liele§KaUel \et)X vieles mehr findet man in dem Lehrbuche der Graphologie von Laura Meyer, — das wir unsereii Lesern zur eingehenden Lektüre angelegentlichsk empfehlen. " | bestimmt werden würde. Der Hof sei noch in I 9' Gesundheit der Kaiserin sei durch die I gle/^erben vnd die Ermüdung der Reise stark ange- I ^l?6kong wird vom 18. September ge- I schrieben, daß das Er)cheinen der Tageszeit- I Jungen m Santon noch immer verboten sei und I man infolgedessen auf Gerüchte angewiesen sei. Es I Le! Nllerrngs richtig, daß die Zeitungen immer voll von I gewesen seien, aber die Angst vor dem Vizeköniq I yc- nvch wenigstens noch etwas in Ordnung gehalten I Jetzt seien an Stelle der Zeitungen anonyme Flugschriften I 9Cme-trn' ^.?mch viel frecher lügen, und da sie unent- I Weltlich verteilt würden, einen noch viel größeren Leser- I ireis hatten, als vorher die Zeitungen. Sie seien geschrieben und offenbar das Werk von ^pbÄi^-s^vien. In der Hauptsache enthielten sie alle die Mitteilung, daß die fremden Teufel im Norden fürchterlich geschlagen worden seien, und nun um Frieden Preis flehten. Einige behaupten sogar, daß. I ^ina letzt chen Frieden diktiere, die Fremden sollten das ! Innere Chinas vollkommen verlassen, und nur noch in den ^ertragshäfen bleiben. Alles Land, das je von China abgetreten worden sei, solle zurückgegeben werden, be- ^nders genannt wird da Hongkong, Weihaiwei, Formosa, Kiautschou und Port Arthur. Endlich solle eine Million Ar^gsentschädiaung an China gezahlt werden. Die beschrankten Chinesen glauben das natürlich, und das I oei'anocrte Benehmen, das die Kulis in der letzten Zeit I 1?irb ?us dem Einfluß dieser Litteratur I eulart Die Behörden m Kanton hätten einen schwachen I Ersuch gemacht, die Verfasser dieser Broschüren fes^n- I iteUen, er fei aber ergebnislos verlaufen. Inzwischen I nehme der Fremdenhaß immer mehr zu. I ^?n9fon9 wird vom 23. gemeldet: Nach ! Berichten aus Kanton wurde 16 Kilometer unterhalb I Kanton em Boot mtt ungefähr 100 Passagieren von Pi- I *C a ,u § 9 p 1 ü n t) e r t; die Räuber entkamen mit I itjrer Beute, ^n Kanton befürchtet man, daß die Räu- I bcreien zunehmen werden, je mehr die Jahreszeit vor- I ® h Oktober. „Daily Mail» meldet aus Chinas ^be den Kaiser von 2i6Smial((66nn 9 ""ch Peking zurückzukehrcn. g'°ubt, daß der Kaiser innerhalb sechs - "er Hauptstadt eintreffen wird. ' depeschiert m7r sP J°ler' «US Washington wird Englands Verständinn>,"^>k. ru beweisen, Deutschlands und bezwbe^ .Hf,ionen außerhalb Chinas Kanal finLf L st? Hemisphäre und den Nicaragua- se retär ^av b^?^^9^reisen keine Beachtung. Staats- balb mit dem Rllckzug seiner Truppen aus der Mandschurei Unb ^u'sch°-nb keinen Ä““ P-k.ng für Ende November angekündigt wird. Die energische Haltung der Machte sowie die Furcht bEforatCCrb™^UhOn ^a6e K°'s°r, der eine Entthronung und werde nF Europäer günstiger gestimmt und werde sich nunmehr alles von ihm erreichen lassen. ~ Aus Tientsin wird vom 22. gemeldet: General P? p b e l l yt piit der linken Seitenkolonne des von Dientstn nach Paotingfu abmarschierten Erpedi- tionvteils am 17^ Oktober in Pafang angekommen. Pa- sang war wachrend der letzten zwei Wochen von 1500 Mann I l^^rlich-chmesischer Truppen besetzt gehalten worden, von ^ü^^ooobe, Ankunft der Engländer südlich abzogcn. Cm chinesischer General war am 13. in einem Gefecht mit Avxern bei Pantuhaiwu schwer verwundet worden. In Nenanhsten ist ein Schreiben des Prinzen Tuan aufgesunden worden, das Befehl erteilt, die Expedition mi sLumpfgelande zu vernichten, und das von der chinesi- zu liefernde Waffen zur Verfügung stellt. General Campbell marichiert südwärts weiter nach Pao- ^ugfU", der übrige Teil der von Tientsin abgegangenen Expeditwn hat sich am 18. Oktober mit der von Peking abgegangenen Expedition unter General Gaselee ver- enngt, unb so wird angenommen, daß die ganze Er- pedition am 21. Oktober Paotingfn erreicht habe. Aus London wird vom 24. depeschiert: Der „Globe" j patte gestern gemeldet, die englische Regieruüg habe den Hasen -ifdjingroantao am Golf von Liotung gepachtet. Wie das Reutersche Büreau heute erfährt, ist in hiesigen amtlichen Kreisen von einer Pachtung dieses Hafens nichts bekannt. Nach früheren Meldungen sollte Tschingwantao zur Winterstation für das britische Geschwader ausersehen I Ausland 3Vi % Reichsanleihe . 3% do Gotthardbahn 23.70 Laurahütte Tendenz: fest. 91.60 Berliner Ilandelsges. 94.10 Oosterr. Staatabahn 25.85 74.21 Bochum Harpener 94.90 86.8( 95.— 86.65 wurden alle drei solidarisch zu 3000 Franks Schadenersatz verurteilt. Rom, 24. Oktober. Seit zwei Tagen ist das Gerücht von einer Erkrankung des Papstes verbreitet. In Wahrheit hat der Leibarzt Lapponi dem Papste nur Schonung verordnet. Der Papst ist übrigens so wohl, daß er heute die Kardinale Cretoni und Ferrata empfing, die ihren Dank für die Verleihung der neuen Aemter abstatteten. Am Samstag wird der Papst wieder in der Peterskirche Pilger empfangen. — Ein aus Südamerika gut bedientes Blatt bringt aus Buenos-Aires die Alarmnachricht, eine Kommission angesehener Bürger Bolivias habe sich zum Präsidenten Argentiniens begeben und ihm die Einverleibung Bolivias angeboren. Der Präsident wies den Vorschlag zurück. Doch heißt es, daß bei der nächsten Zusammenkunft mit dem Präsidenten von Brasilien, die in Buenos- Aires stattfindet, über die Teilung Bolivias zwischen Argentinien und Brasilien werde verhandelt werden. Budapest, 24. Oktober. Der Kaiser reiste heute abend nach Wien ab. — Der Gemeinderat beschloß heute einhellig, dem Parlament eine Adresse zu unterbreiten, mit dem Antrag, die Zollgemeinschaft mit Oesterreich aufzu- heben und ein selbständiges, ungarisches Zollgebiet zu errichten. Dieser Beschluß ist auf fortgesetzte antiungarische Agitationen in Oesterreich zurückzusühren. Alle Redner gaben der Meinung Ausdruck, das jetzige Verhältnis zu Oesterreich sei unhaltbar, weil es den ungarischen Handel und die Industrie schädige und die Entwickelung hindere. New-York 24. Oktober. Eine Depesche der New- Yorker „Tribüne" aus Scranto'n zufolge äußerte sich der Führer der ausstä ndischen Kohlenarb eiter, Mitchell, dahin, daß spätestens am Montag alle Arbeiter die Arbeit wieder aufnehmen werden. * Bruchsal, 24. Oktober. Gestern abend 9/,stündigem Rundgange eingehend und wohnten längere Zeit dem Unterrichte, welchen Herr Direktor Prof. Dr. Schädel in der Prima erteilte bei. Vom Gymnasium aus begaben sich die Herren nach dem Realgymnasium und der Realschule, um auch diese in Augenschein zu nehmen. •* Die Zahl der Todesfälle (ausschließlich der Totgeborenen) betrug in der Woche vom 7. bis 13. Oktober in Mainz 21, in Darmstadt 16, in Offenbach 11, in Worms 12 und in Gießen 5, zusammen 65, darunter 13 im ersten Lebensjahre. Todesfälle pro Jahr und 1000 Einwohner kamen auf Mainz 13,4, Darmstadt 11,8, Offenbach 13,2, Worms 16,4 und auf Gießen 10,5 ^ohne 2 Ortsfremde 6,3). — Die Todesursache anbelangend, verstarben an Masernl (Offenbach), an Scharlach 1 (Mainz), an Rachenbräune (Diphtherie) 3 (2 in Offenbach, 1 in Gießen), an Keuchhusten 1 (Darmstadt), an Diarrhöe und Brechdurchfall 3 (je 1 in Mainz, Offenbach und Worms), an Wochenbettkrankheit 1 (Mainz), an Lungenschwindsucht 8 (6 in Mainz, je 1 in Darmstadt und Worms), an akuten entzündlichen Krankheiten der Atmungs' organe 4 (3 in Darmstadt, 1 in Gießen), an Gehirnapoplexie 6 (je 1 in Mainz, WormS und Gießen, 3 in Darmstadt), an allen übrigen Krankheiten 35 (11 in Mainz, 6 in Darmstadt, 7 in Offenbach, 9 in WormS, 2 in Gießen; gewaltsamen Tod erlitten 2 Personen (in Darmstadt). schlossen, den 56 in China weilenden Soldaten des hiesigen 118. Infanterieregiments eine Weihnachtsgabe, bestehend in Cigarren und Chokolade, zu übersenden. Zu diesem Zweck wurden 500 Mk. bewilligt. Mainz, 24. Oktober. In der heutigen Stadtverordnetenversammlung kamen die in der jüngsten Kommissionssitzung in Sachen der Straßenbahn gefaßten Beschlüsse zur Beratung. Stadtv. Dr. Schmitt beantragte, einen Sachverständigen in der Person des Baurats Riese- Frankfurt a. M. zu bestellen, um von diesem eine Abschätzung des gesamten Straßenbahnunternehmens vornehmen zu lassen. Von dieser Abschätzung wird es abhängen, ob die Stadt das Unternehmen 1904 erwerben wird oder nicht. Ein weiterer Antrag ging dahin, zu beschließen, daß sich eine Deputation zum Finanzminister Gnauth begebe, um ihn zu ersuchen, für die Folge keine Konzessionen mehr für die Errichtung solcher Nebenbahnen zu erteilen, die mit Mainz und Darmstadt in Verbindung kommen, ohne beide Stadtverwaltungen zuerst zu befragen, ob sie gewillt seien, diese Neben-Eisenbahnen selbst zu er- ! bauen. Beide Städte wollen die Zusicherung erlangen, i daß ohne ihren Willen von einer Privatgesellschaft die 1 städtischen Straßen nicht mehr zu Zwecken von Nebenbahnen 1 in Anwendung kommen dürfen. Beide Anträge wurden einstimmig angenommen. Auf ein Referat des Kommerzienrats M. M. Mayer wird eine Steuer-Ordnung des Oktroiaufsichtsdienstes beschlossen. Verschiedene,nicht rentable Erheberstellen werden eingehen und der Nacht postendienst für die Oktroibeamten wird abgeschafft, wofür ein Patrouillendienft eingeführt wird. — Namens der Hospitiendeputation berichtete Stadtv. Ring über den Verkauf des Hospitiengutes in Biedesheim. Da das Anerbieten für die Stadt vorteilhaft ist, wurde der Verkauf genehmigt. — Der Vereinsdiener Fuchs aus Höchst, der nach Unterschlagung von 3000 Mk. geflohen war, hat hier in Mainz einen Selbstmordversuch begangen. Er wurde schwer verletzt ins Hospital gebracht. Frankfurter Stadttheater. Herr Kammersänger Aloys Burgstaller, der am SamStag dem 27. Oktober im Opernhause auf vieles Verlangen nochmals die Partie de« Siegfried in Richard Wagners „Siegfried" als Gast singt, kann nur das eine Mal in Frankfurt austreten. Die Preise für diese Gastvorstellung sind die normalen großen Preise des Opernhauses. Christiauia, 24. Oktober. Das Storthing wurde Heute durch den Kronprinz Regenten feierlich eröffnet. Der iMste Sohn des Kronprinzen Gustav Adolph leistete den Verfassungs-Eid. Die Thronrede hebt hervor, die Begebungen zu den fremden Mächten seien unverändert freundschaftlich. Nach kurzer Besprechung des Krieges in Südafrika, der chinesischen Unruhen, der Haager Konvention und Errichtung des Nobelinstituts, dessen erste Preisver- leilung am 10. Dezember 1901, dem Todestag Nobels statt- sinden soll, wurden Gesetzentwürfe angekündigt betreffend vaö allgemeine bürgerliche Strafgesetz, Anmeldungspflicht für Reifende und Ausländer rc. Loudon, 24. Oktober. Der „Globe" brachte gestern eine Meldung betr. Pachtung des Hafens von Tschinge- vantao durch die englische Regierung. Wie das Bureau Reuter heute erfährt, ist in hiesigen amtlichen Kreisen von einer Pachtung dieses am Golfe von Lmtong gelegenen 8Ve°/o Konaols . 3 % do 3Vz °/o Hessen 5 "/» Italien. Rente 4 0/y Griech. Monop 3 0/0 Portugiesen 3% Mexikaner . 41/e % Chinesen . Handel und Verkehr. Volkswirtschaft. Märkte. b. Friedberg, 24. Oktober Mchdem der gestrige Pferdemarkt bei gutem Geschäftsgang verlaufen war, herrschte auch bei dem h°utigen Faselvieh- und Schweinemarkt eine große Kauflust. Obwohl die Tiere in großer Menge aufgetrieben waren, erzielten die Verkäufer doch schöne Preise. Auch der Krämermarkt war sehr rege. — Heute nachmittag um 3 Uhr wurden die Fohlen, die zur Verlosung kommen, auf der Kaiserstraße von den Ländlern vorgesührt und von der Verlosungskommission angekauft. Bei der heute abend von 5 Uhr ab tm Saale der „Drei Schwerter" stattgefundenen Verlo su n g wurden folgende Hauptgewinne gezogen: 1. Preis auf Nr. 1545, 2. PrerS auf Nr. 2895, 3. Preis auf Nr. 3831, 4. Preis auf 2170, 5. Preis auf 10 610, 6. Preis auf 1803, 7. Preis 5413, 8. Preis auf 3454, 9. Preis auf 959. Der erste Preis ist ein Fohlen im Werte von 600 Mk. Der dritte Preis, ebenfalls ein Fohlen nn Werte von 400 Mk. fiel an einen Landwirt in Melbach. n. Ortenberg, 24. Oktober. Für unfern stadt- und landbekannten sogen. „Kalten Markt", der in diesem Jahr in die erste Hälfte der nächsten Woche fällt, ist wegen der in hiesiger Gegend herrschenden Maul- und Klauenseuche der Auftrieb von Rindvieh verboten. Schweine dürfen aufgetrieben, jedoch nut zu Wagen transportiert werden. Im übrigen erleidet der Markt keine Einschränkung und dürste seine alte Anziehungskraft auch in diesem Jahr beweisen. Limburg d. Lahrrl, 24. Oktober. Fruchtmarkt. Durch, schnittspreis pro Malter. Roter Weizen, alter, 00.00 Ml., neuer 13.00 Mk, Weißer Weizen —.— Mk., Korn 00.00 Mk., neues Korn 11.70 Mk., Gerste 0.00 Mk., Hafer, alter, 0.00 Mk., neuer 6.10 Mk., Erbsen —Mk., Kartoffeln —Mk. *• Hessische Landeslotterie. Wir hatten von der Meldung eines Mainzer Blattes Notiz genommen, derzusolge für die im neuen Jahre beginnende 3. Hessische Lotterie eine Vermehrung der Lose auf 50 000 geplant fei. Wie wir nun zuverlässig erfahren, ist diese Meldung nicht ganz zutreffend. Die Lotteriedirektion hat sich allerdings entschlossen, die Zahl der Lose zu erhöhen, da die Nachfrage sehr groß ist, jedoch soll fit für zukünftig nicht 50 000, sondern 45 000 betragen. Natürlich wird auch die Zahl der Gewinne erhöht und zwar von 11000 auf 15 000, sodaß das Gewinnverhältnis von 1 : 3 keine Abänderung erfährt. A Saasen, 22. Oktober. Vorige Woche weilte die I Unter such ungskommission von Gießen drei Tage hier und in Göbelnrod und vernahm Zeugen über die I Messeraffaire, welcher Schmidt zum Opfer fiel. Oer I mutmaßliche Thäter, Römer aus Göbelnrod leugnet bis jetzt, I von dem Messer Gebrauch gemacht zu haben. Vilbel, 23. Oktober. Aus dem Landkreis Hanau haben I weiterhin die Gemeinden Langendiebach, Bruchköbel, Marköbel und Wachenbuchen beschloss n, sich an das geplante I Elektrizitätswerk in Vilbel anzufchließen. Darmstadt, 24. Oktober. Die „Darmst. Ztg." ven öffentlicht das Ausschreiben des Oberkonsistoriums, wonach wegen des Geburtstages des großherzoglichen Paares das Totenfest in diesem Jahre acht Tage früher wie sonst gefeiert wird. Darmstadt, 24. Oktober. Die „Frankf. Ztg. I schreibt: „Nachdem erst im Sommer dieses Jahres von der MaimNeckar-Bahu-Direktion die Gerüchte über Aspirationen Preußens lauf den Erwerb der Main- Neckar-Bahn dementiert worden find, werden uns setzt wieder Angaben über eine sogenannte „Reorgani - sationder Verwaltung'^ der Main-Neckar-Bahn gemacht, die im Falle der Durchführung in der Sache Nichts anderes bedeuten würden, als eine völlige Inbefitz - nahmedurchPreußen, wenn auch die Form gewahrt bleiben würde. Wegen der Bestimmtheit, mit der uns | diese Angaben gemacht werden, wollen wir sie der Öffentlichkeit nicht vorenthalten, wenn schon wir uns nicht für alle Einzelheiten verbürgen können. Bekanntlich war schon im Sommer eine Dreimännerkommission, bestehend aus den Bevollmächtigten der drei-Vertragsstaaten, Preußen, Hessen und Baden, zusammengetreten, um einen Reorganisationsvorschlag für die Verwaltung der Mam-Neckar- Bahn Mszuarbeiten. Sie gelangte zu dem Vorschläge, daß eine ganz erhebliche Anzahl von definitiven Beamtenstellen aufgehoben werden sollte. Da die Direktion aber erklärte, mit dem dann verbleibenden Personal nicht auskommen zu können, wurde eine zweite Konferenz verabredet, die aber wegen Erkrankung des hessischen Mitgliedes vorerst nicht zu stände kam. In jüngster Zeit wurde darauf, nach einer Vorbesprechung in Mainz, eine Konferenz in Bingen abgehalten, in der folgende Pläne ventiliert worden sein sollen: Die Verwaltung der Main-Neckar-Bahn soll nach Mainz verlegt und der dortigen hessis ch -p reu- ßischen Eisenbahndirektion unterstellt werden. Dieser Direktion, an der Hessen formell.bereits beteiligt ist, . soll ein badischer Kommissar zur Wahrung der badischen Interessen beigegeben werden. In Darmstadt soll nur eine Betriebs und Verkehrsinspektion verbleiben, die der zweiten Betriebsinspektion der Gemeinschaftsbahn, deren Organisation von allem Anfang an darauf zugeschnitten worden sein soll, angegliedert werden könnte. .Soweit unsere Informationen. Es wäre von weittragender politischer und wirtschaftlicher Wichtigkeit, zu erfahren, ob dergleichen Absichten thatsächlich bestehen". Worms, 24. Oktober. Die Stadtverordneten be- Landwirtschaft. — Gegenwärtig reist Landwirtschaftslehrer Kiepe vom Bunde der Landwirte im Kreise Alsfeld und hält in kleineren und größeren Orten Vorträge, behufs Gewinnung neuer Mitglieder für Den Bund, und Bildung von Ortsgruppen. . ...... Neueste Meldungen. Crouberg, 25. Oktober. (Tel.-Meld. d. „Gieß. Anz") Das Befinden d er Kaiserin Friedrich ist fondauernd befriedigend. Der Appetit ist gut, Temperatur und Puls sind normal. Die Patientin darf täglich einige Zeit das Bett verlassen. Köln, 25. Oktober. (Tel.-Meldung des „Gieß. Anz.") Der Schnellzug 83 von Betzdorf (ab 706) entgleiste heute früh in der Nähe von Urbach. Die Maschine und 12 Wagen gerieten aus den Schienen, jedoch haben Menschen keine ernstlichen Verletzungen davongetragen. London, 25. Oktober. Aus Kapstadt wird gemeldet. Der frühere Ministerpräsident der Kap-Kolonie, Schreiner, hat sein Abgeordneten-Mandat nieder- gelegt. London, 25. Oktober. Aus Tokio wird gemeldet: Während die Kaiserin von Japan gestern einen Ausflug int offenen Wagen machte, warf ein Individuum einen Holzschuh nach ihr, der die Kaiserin jedoch nicht in der beabsichtigten Weise traf. Der Attentäter, der sofort verhaftet wurde, scheint geisteskrank zu sein. Haag, 25. Oktober. Tie Vermählung der Königin findet a m 17. Januar statt. Budapest, 25. Oktober. Als der Kaiser gestern aüs Gödöllö kommend vom Bahnhose nach der Hofburg fuhr, wurde ein Mann verhaftet, der bei der Vorbeifahrt des Kaisers Schmähworte ausstieß und Bresci hoch leben ließ. Der Verhaftete ist der 25 jährige, von italienischen Eltern stammende, aber in Wien geborene Handlungs-Commis Max Dolp, der wegen Majestäts-Beleidigung bereits mit zwei^Jahren Kerker verurteilt worden ist. New Y ork, 25. Oktober. Infolge eines Konfliktes zwischen Arbeitswilligen und aus stündigen Grubenarbeitern schossen d i e Aus ständigen auf ihre arbeitenden Kameraden. Mehrere derselben wurden verwundet. Polizei mußte zur Aufrechterhaltung der Ordnung einschreiten. Telephonischer Kursbericht. Frankfurt, den 25. Oktober. Die Beerdigung findet Freitag den 26. Oktober, nachmittags 2»/2 Uhr, in Lollar statt. 7037 .-7" Danksagung Friedr. Gerhard Gießen, den 24. Oktober 1900. 04603 Gießen, Elberfeld, den 24. Oktober 1900. 7034 Schrotmühlen Meine Wohnung an ruh. Leute sofort Zu vermieten._______Südanlage 3. 5. (S»in schönes, unmöbliertes Zimmer zu vermieten. Kreuzvlatz 10, II. 4927 um. Ciue Grube Mist zu mkaufku 6969 Westanlage 44. 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