Nr. 199 Zweites Blatt. Sonntag den 26 August L^Ä>4» Gießener Anzeiger General-Anzeiger 2tmte* und Anzeigeblatt für den "Kreis Giefzen A«»ug»pr.t« mmdjäbd. Ml 1» monatlich 75 'btt- mit Bringtrlohns durch die Adholestell«» vierleljadrl. Mk. 1,* monatlich 65 Pfg. vei Postbezug Mk. 2,40 vlertrllLHU. mit Bestellgeld. Alle AnzNgen.Vermittluitg-ftellen de« In- und ÄutlanNI »ehmen «nzctgen für den Gießener Nnzeiger tnlgt|te. ZeNenprei«: lokal 12 Psg., auswärts 20 Pstz. ■rii LuAmtd-rx de« Lte W*w« *«aWU«ICAtter Gratisdeiül-r«: Gießener Familienblätter, Der hessische Landwirt, Mütter für hessische Volkskunde._________________ MMh, »W s^-ttin und »r- 7. Ldrrff« für Depeschen: Anzeiger #U|M» Fernsprecher Nr. 51. K~ Br «scheinenden Nummnr M Htm. 10 Mn. MttOMimgen **M H*r. 0— >wtrT e. „Hättet De H. B^BtunDe* geschlossen wird, sondern daß er alle Bürgschaften der Gerechtigkeit und der Dauer diele. Nock) deute wissen wir nicht, wo die Regierung zu suchen ist, mit der wir unterhandeln könnten, und wenn wir auch eine zuni Verhandeln bereite Autorität vor uns hätten, so würde diese ein wirk licher Bürge bod> erst dann sein, wenn die Ordnung im ganzen Reiche wicderhergestellt und der Aufruhr der Borer vollständig niedergeworfen wäre. Der Boxeraufruhr, der in Dschili und in Peking so schlimme Fonneu aunahm, tritt auch in allen Provinzen mehr oder minder durch kleinere Unnthen hervor; dauentde Ordnung kann daher nicht eher geschaffen werden, als bis die Macht der Boxer so vollständig gebrochen ist, daß man die Wiederkehr der Un- nthen nach menschlichem Ermessen nicht mehr zu besorgen hat. Eine Vorbedingung des Friedens ist auch die Regelung der finanziellen Frage, die an sich schon nicht einfach liegt, dadurch aber noch besonders erschlvert lvird, das; nicht eine einzelne der verbündeten Mächte, sonderst Voraussicht nach ihre Beendigung doch nicht so bald zu er- Verhandlungen amtlich ausgenommen sein lverden, wird alle zufriedenzustellen sind. Selbst wenn also die Friedens- hoffen sein. Schon seht mag darauf hingewiesen sein, damit diejenigett nicht zu sehr enttäuscht werden, die den an sich sehr natürlichen Wunsch haben, den Frieden in allerkürzester Zeit förmlich abgeschlossen zu sehen. Der „Kreuzzeitung" geht eine Zuschrift zu, in der u. a. befürwortet wird, daß es notwendig sein werde, bei der chinesischen Regierung in Peking die Forbernng zu stellen und deren Erfüllung zu erzwingen, das; der des Oberhauptes der chinesischen Regierung und diese selbst auf einen Platz verlegt werde, wo sowohl für die Ausübung des erforderlich werden könnenden Druckes auf die Regierung sowie für beit Schutz ber Vertreter brr auswärtigen Staaten unb ber fremben Staatsangehörtgen jeberzcit in ausgiebiger Weise gesorgt werden kann. Bevor diese Forderung aber gestellt werden könne, müsse unbedingt sestgestellt sein, wer nun an der Spitze des chinest- schen Staates stehe, und wenn dies gelungen sein werde, werde die zunächst zu erfüllende Forderung die sein, daß die an den blutigen Ereignissen und an den Verletzungen des Völkerrechts Schnldigen zur Verantwortung gezogen und der schärfsten Bestrafung zugesührt werden. Dailn Expreß meldet aus Shanghai, daß dortige chinesische Beamte behaupten, die Verbündeten könnten Niemanden in Peking finden, mit dem sie Un ter- Handlungen anknüpfen könnten, folglich werde Li- Hung-Tschang nue Schritte unternehmen, um die Mächte zu bewegen, über den Frieden mit ihm zu verhandeln. Die Flucht des Hofes nach Schansi wurde angeblich beschlossen als einziges'Mittel, die Mächte zu nötigen, mit Li-Hung- Tschang zu verhandeln. Einer Pariser Meldung der Wiener „Polit. Korresp." zufolge wird die militärische Aktion der Mächte in Ehina erst nach vollständiger Unterdrückung des Aufstandes und Wiederherstellung dauernder normaler Zustände ihr Ende erreichen. Dieserhalb sei eine längere militärische Besetzung Pekings, der Provinz Tschili sowie sämtlicher wichtigen chinesischen Häsen seitens der Mächte unvermeidlich. „Sun" erklärt, McKinley verschob die geplante Reise nach Chicago, weil er Informationen habe, denen zufolge E h i n a s i ch s e i n e n W a f f e n st i 11 st a n d S - B e - dingungeit füge und Friedensverhandlungen bevorständen. , , Konsular depeschen! aus Shanghai-neiden: Die Kaisenn- Witwe und Prinz Tuan rüsten eine starke Armee ans, bereit Zweck die Erlangung günstiger Friebensbebingungen sei. — lieber ben Aufenthalt ber Kaiserin-Witwe liegen icboch authentische Nachrichten sticht vor. Tie bisherigen Melbungen beruhen größtenteils aus Kombinationen. Mit ber am Samstag in Peking stattfinbenben Beisetzung ber Leiche bes ermorbeten beutschen Gesanbten Freiherrn von Ketteier soll, wie unser Berliner Korre- sponbent hört, eine große Feier verbunben werben. Die fremben G e s a n b t e n werben, wie man uns weiter aus Berlin schreibt, einstweilen in Peking bleiben. Von ihrer Uebersiebelung nach Shanghai ist vorerst keine Rebe. „Daily Expreß" melbet aus Peking: In ben Legationen ist alles wohl. Die gesamten Verluste ber* selben waren 70 Tote unb 145 Verwunbete. Das P a i a i s des Prinzen Tuan würbe von ben Verbünbeten niebergebrannt. Die „Central News" melbet aus Tschifu vom 23. bs.: Weitere Gefechte bei Tientsin haben stattgefunben. Die Ehinesen suchten bie Verbinbungslinie abzuschneiben; ber Feinb würbe zurückgeschlagen. Die Verluste ber Verbünbeten sind gering. ) ' Nach einem Telegramm aus Amoy landeten dort japanische Matrosen. Eine neine Anzahl derselben patrouillierte ben Teil ber Knlangsoo-Jnsei ab, wo die fremben Niederlassungen gelegen sind. . . r . Nach einer amtlichen Meldung ist das deutsche Matrosen-Delachement unter dem Kapitän Pohl am 18. b. MtS. in Peking eingetroffen. kennen, gezeigt, baß bie Kolonieen eine starke Abneigung gegen bie Aufnahme von deportierten Sträflingen haben. Diese Antipathie der englischen Kolonieen hat zur Be seitigung der Deportation in England geführt. Auch bei uns ist sie schon in starkem Maße hervorgetreten. Sobaltz vor einigen Jahren der Gedanke der Einführung der Deportation eingehender erörtert wurde, haben unsere Kolonieen und unsere Kolonialgesellschaft gegen diesen Plan Einspruch; erhoben. Man hat von dieser Seite darauf hin- gewiesen, daß es sehr viel wertvoller sein werde, die Auswanderung nach den Kolonieen durch Gewährung von Reiseunterstützungen zu erleichtern. Dieser Opposition der Kolonialinteressenten ist es in erster Linie zu verdanken, daß der Plan der Einsührung der Deportation vor drei Jahren vollkommen beiseite gelegt worden und daß man bisher auf denselben nicht zurückgekommen ist. Erst die Anarchistenfrage hat ihn wieder auf die Tagesordnung gebracht. Man hat nun behauptet, daß ein großer Teil der Bedenken, die gegen die Einführung der Deportation sprächen, sich beseitigen ließe, wenn man ein internatio nales Abkommen über bie Deportation von Anarchisten träfe. Dann mürben bie Kosten nicht so hoch werben unb sich unter ben Kolonieen aller in Betracht kommenben Länber gewiß schon ein Platz finbeu, wo sich Anarchisten unterbringen ließen, ohne irgenb welche Kolonialinteressen zu giefährben. Diese Darlegung ist theoretisch vielleicht richtig. Aber kann man glauben, baß ein berartiges Abkommen unter ben Völkern zu stanbe kommen unb längere Zeit aufrecht erhalten wird? Es wäre sicherlich ein schöner Gedanke, wollte man die Kulturvölker darin einig sehen, daß sie einen bestimmten Punkt ber Welt, womöglich eine einsame Insel im Weltmeer, fern von bewohnten Stätten, als Ren bez-vonS aller Anarchisten einrichteten. Die Herren Anarchisten würben sich über ein. solches Abkommen ber Volker schwerlich beklagen können. Sie sind es doch zuerst gewesen, die die Jntemattonalität auf ihre Fahne geschrieben haben. Doch es gehört ein starker Optimismus dazu, um nach dieser Richtung eine Einigung unter den Völkern als möglich zu erachten. Unb würbe ein solches Abkommen, selbst wenn fein Zustanbekommen erreicht wäre, etwaige erhebliche Meinungsverschiedenheiten zwischen verschiedenen beteiligten Staaten überdauern? Bei dem Wechsel der politischen Anschauungen bei den einzelnen Völkern würde vermutlich schon bald hie und da ein- Loch in eine solche Abmachung gerissen werden. Daß Vereinbarungen zwischen den Machten über die Anarchistenfrage vorliegen, ist allerdings richtig. Sie werden aber schwerlich zu so weitgehenden Maßregeln führen, wie es die Einrichtung einer gemeinschaftlichen Deportation der Anarchisten aller Länder fein würde. Vielmehr dürfte man schon zufrieden sein, wenn es gelänge, Einverständnis herbeizuführen über die gemeinsame Beobachtung der Anarchisten aller Länder und über die Einrichtung eines internationalen Kontrollbureaus, das stets von allen Ländern über die Ausdehnung der Anarchisten auf dem Laufenden gehalten wird und feinerseits den Polizeibehörden der Länder die erforderlichen Auskünfte erteilt. Ein solches Bureau würde unzweifelhaft von der Abreise BreSciS nach Italien unterrichtet gewesen sein. Des Ferneren wären Vereinbarungen über die Auslieferung von Anarchisten zu treffen. So ist eS doch geradezu empörend, daß die Vereinigten Staaten gegenwärtig nicht in ber Lage finb, die Mitschuldigen des Konigs- mörders von Monza an denjenigen Staat auszuliefern, in dem die Tl)at verübt worden ist. Es wird schon schwer genug halten, hinpchtlich die,er Punkte eine Einigung ber sämtlichen Länber zu staube zu bringen. ')hir wenn alle Länber bem Abkommen beitreten, wirb es erhebliche Bebeutung für bie Behanblung ber Anarchistenfrage erhalten. Weigern sich einzelne Staaten, z B Englanb ober bie Vereinigten Staaten, sich an einem berartigen Abkommen zu beteiligen, so wirb es von vornherein wenig Wert haben, benn bann würben bie Anarchisten nach wie vor in ber Lage fein, vom sicheren Platze aus Anschläge gegen bie Peinlichkeiten von Regenten unb Staatsmännern zu ersinnen unb auszufuhren. Mit Rücksicht auf biefc Umftänbe finb wir auch heute noch recht skeptisch hinsichtlich ber Bemühungen, ein internationales Abkommen über bie Anarchistenfrage herbei- zuführen Es wirb nach wie vor in erster Linie ^ache ber einzelnen Länber sein, sich dieser ruchlosen Bande zu erwehren unb bie Begehung von Verbrechen zu verhüten, wie wir sie in ben letzten Jahren in so sch recken erregen ber Weise erlebt haben._______ Tie Wirren in China. Sehr erklärlich ist es, baß ber allgemeine Wunsch nach rascher Beilegung ber chinesischen Wirren, b. h. nach einem Friebensschlusse, burch bie bereits erfolgte Einnahme von Peking neue Nahrung erfahren hat; wir besorgen aber, baß es bamit nicht so schnell gehen wirb, wie es wünschenswert wäre. Nicht bas ist wesentlich, baß ein Friebe abKmtlicher Teil. Gefunden: 2 Portemonnaies mit Inhalt, 1 Taschen- uhr, 2 Spazierstöcke, 1 Sonnenschirm, 1 Brille mit Futteral, 1 Strohhut, 1 Maßstab, 1 Sägeblatt, 1 Beil, 1 Laterne unb 1 Kiffen mit aufgesteckten Scherzartikeln. Zngeftngen: 1 Kanarienvogel. Gießen, ben 25. August 1900. Großherzogliches Polizeiamt Gießen Der Vorschlag der Anarchistendeportation. In ber Berliner „Post" befanb sich kürzlich ber Vorschlag eines AnarckMeugesetzes, in bem ben Anarchisten mit bem Strafmittel ber Deportation gebroht würbe. Wer sich zu anarchistischer Gesinnung bekenne, solle ber Deportation verfallen. Es ist schon von verschiebenen Seiten darauf hingewiesen worben, wie schwierig eS ist, eine Begriffsbestimmung des Anarchismus aufzustellen, bie eine dehnbare Anwenoung auf andere politische Richtungen aus- schließt, und wie vorsick)tig man deshalb an diese ganze ganze Art von Gesetzgebung herantreten muß. Denn es giebt einflußreiche Tendenzen, die nicht nur nicht den wirklichen Anarchismus, sondern auch andere Richtungen von einem derartigen Gesetz getroffen sehen möchten. An dieser Ächlvierigkeit ist der Erlaß eines Anarchistengesetzes schon wiederholt gefdjeitert und auch eine internationale Vereinbarung, die nur einige Hauptpunkte regeln soll, ist wesentlich aus diesem Grunde bisher nicht zu staube gekommem Ob bie erneuten Bemühungen zu einem besseren Ergebnis führen werben? Die ruchlose That von Monza hat ben Bemühungen ja gewiß einen neuen Antrieb gegeben, aber vorläufig «sieht es nodi nicht so aus, als ob sie bieses Mal beffet zum Ziele kommen werben. Heute wollen wir unS lediglich mit dem Vorschläge der Einführung ber Deportation befassen. Dieser Vorschlag ist vor einigen Jahren bei uns zum ersten Male gemacht worben, freilich nicht in Verbinbung mit ben Anarchisten., sonbern ans allgemeinen kriminal-politischen Grünben. Man hat bie Deportation empfohlen vom Gesichtspunkt einer Entlastung unserer Gefängnisse, einer Entfernung unoerbcfferlid)cr Personen aus unserer Mitte, auS bem Gesichtspunkt einer Einschränkung beS Mitbewerbs ber Ge- fängnisarbeit unb fobann einer Möglichkeit ber Kolonisation unserer außereuropäischen Besitzungen. Von biesen Gesichtspunkten würbe hinsichtlich ber Anarchisten nur ber* jenige ber Unschäblichmachung berjenigen Elemente in Betracht kommen, bie darauf auSgehen, mit Gewalt unser Staatswesen umzustürzen und einen Zustand der Gesetzlosigkeit an seine Stelle zu setzen. Trotzdem sonach der Hauptteil der Gründe, die oft für die Deportation geltend gemacht werden, hier nicht in Betracht kommt, ist es doch hervorzuheben, daß sowohl der deutsche Juristen tag als auch bie beutsche Kolonialgesell- sichaft sich vor einigen Jahren mit großen Mehrheiten gegen bie Einführung ber Deportation ausgesprochen haben. Man hat auf bie Erfahrungen hingewiesen, welche die anberen Völker mit Deportation gemacht haben. Frankreich unb Rußland haben bie Deportation noch heute, namentlich auch für politische Gefangene. Aber in beiben Sänbem machen sich Bestrebungen für eine Beseitigung dieser Strafart gcltenb. In England hat gleichfalls die Deportation mehrere Jahrhunderte lang bestanden. Doch wurde sie 1858 aufgehoben, namentlich aus Betreiben der Kolonieen, die nicht mehr länger den Abschaum der Bevölkerung des Mutterlandes bei sich aufnehmen wollten. So macht sich üb.erall das Bestreben nach einer Einschränkung der Deportation geltend, und schon dies läßt die Einführung der Deportation an sich als wenig empfehlenswert erscheinen. Es kommt hinzu, daß die Deportation eine sehr teure Strafe ist, daß jeocr Deportierte dem Staat sehr viel teurer zu stehen kommt, als ein Insasse der inländischen Gefängnisse und baß ber Nutzen ber Deportier- teuarbeit für bie Kolonisation nicht sehr groß ist unb vor allem hinter bem ber bort freien Kolonisten weit zurück- stehen würbe. D-ies wirb sich in besonbers hohem Maße bei der Deportierung fanatischer Anarchisten zeigen. Schwere Verbrecher werben sich vielleicht nut ber Zeit an ben Gebauten gewöhnen, baß sie zeitlebens in ber Kolonie bleiben müssen, unb bann ben ersorberlichen Eifer der Kulturarbeit entgegenbringen, dagegen wirb man Don Anarchisten eine ersprießliche Arbeit m bte)cr Begehung nicht erwarten können. Sie werben ihr gchizes Lehneu unb Trachten barauf richten, von jenem ein)amen Punkte ju entfliehen unb ben Gebauten an Flucht niemals auf* geben. Vor allem spricht aber gegen bie (Einführung der Deportation das Interesse unserer Kolonieen. Daß mau von anarchistischen Verbrechern keine erhebliche Kultivierung unserer Kvlonialgebiete erwarten darf, ist fchou auv- Seführt. Indessen ist dies nicht der einzige Grund. E» hat sich stets bei allen Ländern, welche die Deportation eine aus- aus Be- Chinesen anbelangt, was sie am meisten in Wut versetzt hat, ss fct wohl bekannt, daß vom Opiumkriege der Engländer bis zur Pachtung von Kiautschou die fremden Mächte selbst es waren, welche durch Durchbrechung des CeremonirM, rücksichtslose Ausnutzung von Konzessionen und Reizung des nationalen Bewußtseins durch Zeitungsartikel über die demnächst bevorstehende Aufteilung Chinas an die Mächte die „fremden Teufel" so verhaßt gemacht haben, nicht aber die unschuldigen Missionare, deren Anhang übrigens größer und aufrichtiger ist als manche denken.^ völkerung zu, die sich anschickt, den Ort zu veranlassen. AuS den umliegenden Villen fliehen viele in die Stadt, wo die Sicherheit größer ist. Die katholische Bevölkerung aus vielen Städten der Umgegend scheint gegen die Ruffen feindselig gesinnt zu sein. Sie hält Berathungen über ihr einzuschlagendes Verhalten ab. Washington, 25. August. (Kabelmeldung der „Paris- Nouvelles".) In einer gestern abgehaltenen Sitzung des Ministeriums wurde beschlossen, die zurzeit in Peking, Tientsin und Laku befindlichen amerikanischen Truppen vorläufig nicht zurückzuziehen, wie von anderer Seite verlautet hatte. Das Ministerium beschäftigte sich dann weiter mit einer langen Depesche, die von Chaffee über die gegenwärtige militärische Lage in China und den Stand der diplomatischen Unterhandlungen eingetroffen ist. Hebet den näheren Inhalt der Depesche ist bis jetzt nichts in die Oeffentlichkeit gedrungen. Nach einer Pekinger Privatmeldung protestierte der russische Truppenkommandant gegen den Beschluß seiner englischen, amerikanischen und japanischen Kollegen, die nach der Flaggenhiffung auf dem Kaiserviertel dieses nicht occupieren wollten, bevor die Regierungen diese folgenschwere Maßnahme gebilligt hätten. Der russische Protest war damit begründet, daß Rußland ftd) tn regelrechtem Kriege mit China befinde, und daß eine besondere Vollmacht zur Occupierung eines eroberten Platzes demgemäß überflüssig sei. , Der Aufenthalt des Gros der Chinesen ist nicht bekannt, man glaubt, sie begleiten die Kaiserin und den Hof. Der Korrespondent der „Times" Dr. Morrisson berichtet über die Vorgänge bei der Einnahme Pekings folgendes: Am 13. August kamen die Verbündeten in vier parallelen Kolonnen auf Peking zu, die Japaner von Norden, die Russen aus der Mitte und die Amerikaner und Engländer aus südlicher Richtung. Die Russen stießen zuerst auf Widerstand; eS fand ein heftige« Gefecht statt, woraus die Chinesen sich zurückzogen. Die Russen folgten ihnen, mußten aber bald Verstärkungen verlangen. Gleichzeitig stieß eine amerikanische Kolonne aus eine chinesische Truppe. Diese beiden Gefechte waren Veranlassung, daß die Verbündeten die Einnahme der Stadt beschleunigten. * * Kaiser Wilhelm telegraphierte an Herrn v. Below in Peking: Ich freue mich, zu erfahren, daß Sie die schwere Zeit, welche hinter Ihnen liegt, mit Gottes HUsc glücklich überstanden haben, und spreche Ihnen und dm überlebenden Mitgliedern der Gesandtschaft meinen herzlichsten Glückwunsch zur Errettung auS den großen Gefahren aus, in denen Sie alle geschwebt haben, und zu deren Abwendung Sie alle mutig mitgewirkt haben. Zur Belohnung sürJbr tapferes Ausharren verleihe ich Ihnen den Roten Adlerorden 4. Klasse mit Schwertern. Ich bitte, Anträge zur Dekorierung der übrigen Mitglieder der Gesandtschaft etnzuretchen. Die Abschiedsrede, die der König von Sach sien an die 3. und 4. Kompagnie des 6. o st asiatisch en Jn- fanterie-RegimentS gehalten, hat folgenden Wortlaut : Es sind viele Jahre verflosien, seitdem die sächstschm Truppen zu ernsten Aufgaben berufen wurden. Jetzt gilt es, das Ansehen und die Interessen Deutschlands in Ostasien zu wahren und hierzu einem übermächtigen Gegner gegenüberzutreten. Ich hoffe und erwarte, daß Ihr, die Ihr zum ersten Male inS Feld zieht, Euer» Vorfahren in Tapferkeit, Disziplin und Ertragung fchwerer Etrapazm nacheisern und, eingedenk des guten Rufes der sächsischen Armee, ruhmvoll wie Eure Vorfahren heimkehren werdet. ES ist möglich, daß Ihr nicht mehr ins Feuer kommt, aber ich bin überzeugt, daß Ihr auch dann hinsichtlich Manneszucht und Tüchtigkeit den übrigen Tellen des deutschen ostasiatischm Expeditionskorps ebenbürtig sein und Eurem Vaterlande Ehre machen werdet. Es war mir eine große Freude und ein Bedürfnis, Euch vor Eurem Weggänge noch einmal sehen und Euch meinen Segen mit auf den Weg geben zu können. Gott der Allmächtige erhalte und beschütze Euch und führe Euch zurück in die Heimat als gute Deutsche, als brave Angehörige der deutschen Armee und deS sächsischen Landes. Der Dampfer „Stuttgart", mit den auS China kommenden deutschen Schwerverwundeten an Bord, hat am 23. d. M. Neapel angelausen, wo die Verwundeten in das Militär-HoSpital übergeführt wurden. • * * Der Präsident des Organisationskomitees der belgischen China-Expedition, General Verftraeten, machte dem HavaS-Reuterschen Bureau die Mitteilung, daß er angesichts der politischen Ereignisse in China die weiteren Schritte zur Organisation einer belgischen Expeditionstruppe vorläufig eingestellt und dem Ministerpräsidenten hiervon Mitteilung gemacht habe. Diese Nachricht hat in Brüssel Befremden hervorgerufen. Man dürfte vielleicht nicht fehl gehen in der Annahme, daß die Anregung zur Einstellung der Vorbereitungen von der Regierung selbst auSgegangen ist, da diese wohl am besten die Bedenken kennen dürfte, die die eine oder die andere Großmacht ihr gegen die Absendung einer belgischen Expedition geltend gemacht haben wird. Man tröstet sich jedoch mit dem Bewußtsein, guten Willen bewiesen zu haben. Die Leitung deS Ausschusses ist aber um so unangenehmer von dieser Entscheidung berührt, als man schon für zwei Millionen Franken Verpflichtungen eingegangen war. Allenfalls aber findet man für daS angeschaffte Artilleriematerial und die sonstigen Ausstattungsgegenstände leicht Verwendung. Die für China ausgehobenen Offiziere, Unteroffiziere und Soldaten haben im Lager von Beverloo täglich Feldübungen vorgenommen unter Absingen eines Liedes mit dem Kehrreim: „Nach China, nach China sollen alle gehen." Ein Brüffeler Abendblatt meldet aus „bester Quelle", eS sei infolge der Intervention Deutschlands beschlossen worden, daß die belgische Expedition nicht abgehe. Wie verlautet, ronb ein Teil deS Expeditionskorps entlaffen werden, Der andere Teil sechs Monate lang zur Verfügung deS Organisationskomitees bleiben. — Andererseits wird behauptet, die Mächte, namentlich Deutschland, hätten die Entsendung eines belgischen Korps für überflüssig erklärt. • * ♦ Bekanntlich hat der ehemalige chinesische Gesandte Deutschlands mehrfach in scharfen Artikeln die Haupt- schuld an den chinesischen Wirren den christlichen Missionen zugeschrieben. Der „Bresl. Gen. Anz." hat darauf den Kardinal Fürstbischof Dr. Kopp gebeten, sich auf die Angriffe des Herrn v. Brand zu äußern. Welche Bedeutung der hohe katholische Kirchenfürst den Angriffen des Herrn v. Brand beilegt, geht aus der charakteristischen Antwort hervor, daß er nicht beabsichtige, auf die Aeuße- rungen deS Herrn v. Brand über die Missionen einzugehen. Ein hervorragender protestantischer MissionSleiter äußerte sich dem „BreSl. G. A." gegenüber: Wenn Herr v. Brand „ziemlich nüchtern" dem Christentum gegen-, übersteht, und selbst eine Nichtchristin zur Frau hat, so kann man daraus schließen, daß er die Berechtigung der christlichen Misstonsthätigkeit übet. Haupt in Frage stellt, was auch daraus hervorgeht, daß er, beide Religionen völlig gleichstellend, fragt: „Wie würde es Euch gefallen, wenn buddhistische Missionare zu Euch kämen/ Es ist daher eine wohlwollende und gerechte Beurteilung von dem Herrn von vornherein nicht zu er- warten. Was die Verletzung des Stolzes und des Pietätgefühles der Dasselbe fuhr sofort nach Swatow und setzte dort Abteilung Seesoldaten an Land, welche die Aufrührer einandertrieb und die Missionen befreite. Petersburg, 25. August. Nach den Berichten Kiachta nimmt die Besorgnis unter der russischen * Telegramme des Oieheuer Anzeigers. London, 25. August. Wie aus Tschifu vom 23. August gemeldet wird, hatte eine Kolonne, bestehend aus 375 Amerikanern, 70 Japanern und 500 Mann Kavallerie unter dem Befehl des Brigade-Generals De Rouard sechs Meilen von Tientsin mit einer chinesischen Kolonne einen Zusammenstoß. Die Chinesen verloren hierbei 300 Tote und die Verbündeten machten 75 Gefangene. Zahlreiche verwundete Chinesen befinden fich augenblicklich in den Spitälern der Europäer. Die Verluste der Verbündeten betragen 10 Japaner ^und 5 Amerikaner tot. ES wurden zahlreiche Fahnen und Banner und viel Kriegsmaterial von den Verbündeten erbeutet. Loudon, 25. August. „Daily Expreß" berichtet, der chinesische Botschafter in London erklärte in einem Interview, ein dauernder Friede sei unmöglich, so lange sich noch Missionare in China befinden. Loudon, 25. August. „Daily Mail" meldet auS Rom: Der italienische Gesandte sei am Arme verwundet worden, und zwar so schwer, daß der Arm amputiert werden mußte. Loudon, 25. August. „Daily Expreß" berichtet aus Shangai: Die Vizekönige deS Südens treten dafür ein, daß der Kaiser wieder auf den Thron erhoben werden soll. Loudon, 25. August. Aus Honkong wird von gestern depeschiert: Pöbelhaufen attaquierten und plünderten die Missionen in Fikien und Kiangsi. Eine Abteilung von 300 Soldaten verließ am Donnerstag Amoi in Eil Märschen um die Rebellen zu zerstreuen. Auch die französische Mission bet Swatow wurde angegriffen. Das französische Kanonenboot „Crecette" wurde von den Priestern von der gefährlichen Lage ihrer Station in Kenntnis gesetzt. Der Arreg t« Südafrika. Der ,,Standard" meldet aus Pretoria vom 22. August: Die Buren sind noch mit 20 000 Mann (?) im Felde. Ihre Abteilungen bilden eine Linie, die sich beinahe genau westlich von Belfast bis z»rn Krokodilfluß (nicht zu verwechseln mit dem Krokodilflusse oder Limpopo westlich von Pretoria) erstreckt und aus diese Weise den Eingang zu dem Boschveldt deckt, wo sich Tausende Stück Vieh befinden. Zwischen Belfast und Machadodorp stehen 5000 Buren, 2000 von ihnen westlich von Dalmanutha, wo Botha Verteidigungswerke errichtet. Eine andere Abteilung steht 3 Kilometer nordwestlich von Belfast. Krüger ist in D r i n k w a t e r südlich von Roossenkal und nördlich von Middelburg. 500 Heidelberger sind in der Nähe von Nooitgedacht. Erasmus steht 28 Kilometer nördlich von Bronkhorstspruit Station, wo er jüngst mit Grobler Fühlung hatte. Vorbereitungen sind im Gange für einen ferneren Rückzug an der Bahnlinie entlang. Diese Anzeichen schließen nicht notwendigerweise ein Aufgeben des Kampfes und einen Rückzug auf Lydenburg ein. Das nächste Ziel der Buren ist der Spitzkop, ein hoher Berg auf dem südlichen Ufer des Sandflusses. Im Südwesten von Transvaal sind die Buren angriffslustiger und feindseliger als je seit dem Entsatz von Mafeking. Eine Abteilung Buren steht 28 Kilometer nördlich von Mafeking. Wisser befindet sich mit tausend Mann zu Kumana. Dutoit hat ein starkes Kommando zu Wolmaranstadt. Ein Telegramm des Feldmarschalls Roberts aus Pretoria vom 23. d. Mts. besagt: Baden-Powell hat gestern'100 Gefangene befreit und 25 Buren gefangen genommen, darunter den Hauptmann van der Merve von der Staatsartillerie, einen Artillerieoffizier und einen Feldkornet. Patrouillen, die nach Brandwater gesandt waren, entdeckten dort Vorräte von 140000 Maustr- geschossen, 12 Kruppschen Granaten und 200 Pfund Dynamit. . ß)er Prozeß gegen den Leutnant der Staatsartillerie Hans Cordua wegen Verschwören g gegen Lord Roberts und die höhern englischen Offiziere ist am 21. August zu Eyde geführt worden. Cordua wurde aller ihm zur Lg»t gelegten strafbaren Handlungen schuldig erklärt, die Verkündigung des Urteils indessen verschoben, bis Lord Roberts es bestätigt hat. Der Angeklagte hat unzweifelhaft den von ihm geleisteten Neutralttätserd gebrochen und sich mit dem Plane getragen, Roberts gefangen zu nehmen und andere britische Offiziere zu töten. Insofern trifft ihn eine gerechte Strafe. Im übrrgen hat dieser Prozeß jedoch die englischen Scharfmacher arg enttäuscht. Der Beweis einer Verschwörung ist nicht erbracht, vielmehr Haven alte Personett, die Cordua für fernen Platt zE gewinnen suchte, jede Teilnahme schlankweg abgewiesen. Der einzige Thatgenosse Corduas ist sein Verräter, Gano, und dieser ist — englischer Detektiv. Natürlich stand dieser Mann nicht unter Anklage, sondern war der Hauptzeuge der Anklage. Er gab an, sich mit Cordua eingelassen zu haben, um seine verräterischen Absichten aufzudecken. Wenn man dagegen Cordua Glauben schenkte, so war Gano der eigentliche Urheber des Verschwörungsplanes. Aussage stand gegen Aussage, und selbst der die Anklage führende Offizier wagte nicht ohne weiteres zu behaupten, daß Gano die Wahrheit sage, sondern legte bei seinem Plaidoyer das Hauptgewicht auf die unbestreitbare Thatsache des Eidbruches und der Verschwörungsabsicht des Angeklagten. So ist also der Beweis nicht erbracht, daß Cordua nicht das, Opfer eines Spitzels geworden ist. — Lassans Büreau meldet aus Pretoria, Leutnant Cordua sei wegen Teilnahme an der Verschwörung gegen Lord Roberts vom Kriegsgericht zum Tode verurteilt worden. Lord Roberts habe das Urteil bestätigt. Bekanntlich wurden nach der Einnahme von Bloern- f on t e i n eine Anzahl von Briefen gefunden, die von englischen Unterhausmitgliedern und andern an Buren und Afrikander gerichtet worden sind. Chamberlain übersandte den Unterhausmitgliedern Abschriften ihrer Briefe und fragte, ob sie Bemerkungen dazu zu machen hätten. Labouchere hat diesen Briefwechsel veröffentlicht. Das Kolonialamt folgte mit der Veröffentlichung der übrigen Briefe. Sie zerfallen in vier Abteilungen. Die ersten drei bestehen aus Briefen, die zwischen Kap-Politikern und Beamten der beiden Freistaaten von März 1898 bis November 1899 gewechselt worden sind. Villiers Merriman und te Water raten der Transvaalregierung dringend, nachzugeben und heben die Gefahren hervor, die eine Weigerung mit sich brächte. Te Water schreibt am 14. November 1899, die Buren hatten trotz tapferen Kämpfens in Wirklichkeit nichts ausgerichtet. Wenn die Kap-Bevölkerung aufstände, würde das eine Verrücktheit sein und nur zum Verluff ihrer Freiheit führen, während die Beobachtung der Ruhe ihnen vielleicht ermöglichen würde, einigen Einfluß auf die schließliche Regelung auszuüben. Melius Villiers schreibt an Fischer, selbst ein teilweises Aufgeben der Unabhängigkeit sei besser als ihr wahrscheinlicher gänzlicher Verlust. Auch sei das nicht auf ewig, denn er sei überzeugt, ein liberales englisches Ministerium würde geneigt sein, Beziehungen der Freistaaten zu England aufs neue in Betracht zu ziehen und sogar die Londoner Konvention zu widerrufen. M e r r i m a n schreibt an den Präsidenten Steijn, er habe fich mit Lippert unterhalten. Dieser sei hoffnungslos; er stelle Krüger dar als hartnäckiger und verrannter denn je und umgeben von einer Bande selbstsüchtiger Männer, die ihn verhinderten, klar zu sehen. Er bilde sich sogar ein, er habe den Beruf, eine Versöhnung zwischen Deutschland und Frankreich herbeizuführen. Die vierte Abteilung der Briefe umfaßt den Briefwechsel zwischen Chamberlain und ben Unterhaus- mitgliedern, denen er Abschriften ihrer Briefe zugcschickt hat. Der Briefwechsel mit Ellis hat nur geringe Bedeutung. Clark schreibt an Krüger am 29. September 1899, aus einer Unterhaltung mit Chamberlain habe er den Eindruck gewonnen, dieser bedaure sein Vorgehen und werde nicht mehr die Verwegenheit haben, die Suzeränität zu beanspruchen. Ueber den Kabinettsrat desselben Tages höre er privatim, daß die Bedingungen des zu stellenden Ultimatums einer Kriegserklärung gleichkommen würden. Wenn die Depesche veröffentlicht werde, würdest die Buren sehen, daß der Krieg unvermeidlich sei. Er wünsche nicht einen Rat zu erteilen. Es könnte ihre Stellung im unvermeidlichen Kampfe stärken, wenn sie Besitz von den Pässen nähmen, um sich gegen einen Angriff zu verteidigen, doch befürchte er, dies würde sie in England moralisch schädigen. Aber was immer sie thäten, man werde in jedem Falle ihr Vorgehen falsch darstelten. Am selben Tage schrieb Clark einen ähnlichen Brief an General Joubert. Clark schreibt an Chamberlain, er habe keine Erklärungen oder Bemerkungen zu seinen Briefen zu machen. Telegramme deS Oieheuer Anzeiger-. London, 25. August. Aus Lorenzo Marquez toirb gemeldet: Die Engländer erlitten, wie berichtet wird, eine schwere Niederlage zwischen Carolino und Machadodorp. Sie verloren zahlreiche Gefangene, die nach Nooitgedacht gebracht worden sind. L o n d o n , 25. August. „Daily Mail" meldet aus Lorenzo Marquez: Präsident Krüger sei nach Batavia geflohen. (Das ist natürlich Blödsinn? D. Ji.) London, 25. August. Aus Pretoria wird telegraphiert : Leutnant Cordua, der wegen Teilnahme an der Verschwörung gegen Lord Roberts zum Tode verurteilt worden war, wurde gestern erschossen. Deutsches Reich« Berlin, 24. August. Wie aus Kassel gemeldet wird, ist heute vormittag gegen 9 Uhr das Kaiserpaar von Wilhelm shöh e abgereist, um fich nach Cronberg zu begeben. In Cronberg wurde das Kaiserpaar am Bahnhofe vom griechischen Kronprinzenpaar und Prinz und Prinzessin Friedrich Karl von Hessen empfangen. An der heutigen Mittagstafel in Schloß Fried richs- h o f nahmen teil das Kaiserpaar, die Kaiserin Frieoricy, Prinz von Wales, der preußische Generalsumsorm trug, und der Herzog von Cambridge sowie die gnechlsaien urro hessischen Herrschaften. Um 3 einviertel Uhr begleitete der Kaiser den Prinzen von Wales und den Herzog von Cambridge nach Homburg zurück, um gleichzeitig dem Prinzen von Wales dort seinen f^enbesuch zu machen Fn Cronbera traf dann der Kaiser um einhalb 6 Uhr wieder ein und unternahm bald übrigen Sberrtoaften eine Spazierfahrt nach Königstein. Das Kaiserpaar reiste gegen 10 Uhr abends nach' ®\ ■ _ Der Reichsanzeiger schreibt. Die spanische Neaierunq hat für die Anmeldung der Fordcr- unaen für die Dienstleistung und Lieferung von Kriegs- Materialien während des letzten F c l d z u g e s a u f K u b a dneftrift gesetzt, die am 4. September 1900 abläuft. Der- arttae Forderungen müssen bis zu diesem Tage M't den erforderlichen Beleystücken bei dem spanischen Kriegs-M'- nisterinm in Madrid emgereicht werden, widrigenfalls für hinfällig angesehen werden. — Die „Wcserzeitung" erfährt authentisch, ver Clbetf« Hurgische Ministerwechsel sei seit dem Regierungsantritt des neuen Großherzogs beschlossen gewesen. Er sei beschleunigt worden wegen der Berufung eines außerordentlichen Landtages zum Zweck verschiedener Vorlagen, unter andern einer über Krondotation. — Ein Militär-Zahnarzt existiert in Friedenszeiten noch nicht. Nur hin und wieder wird die Hilfe des einen oder anderen Zahnarztes in Anspruch genommen. Doch im Kriegsfälle, wenn zahlreiche >lieferverletzungen dem Ehirurgen stete zahnärztliche Hilfe unentbehrlich mack)en, werden die Zahnärzte als solche in den Sanitätsdienst eingestellt. So wurden schon 1870/71 eine größere Anzahl von Zahnärzten in den Lazaretten verwendet, und so hat auch jetzt angesichts des chinesischen Feldzuges das preußische Kriegsministerium aus den ihm vom Vereinsbunde deutscher Zahnärzte vorgeschlagenen einen (Wilh. L i p p o l d aus Rostock) gewählt und als Feldzahnarzt dem nach Ehina abgehenden Teil des Sanitätskorps beigegeben. — Eine Prote st Versammlung polnischer Sozialdemokraten in Berlin hat in- Sachen des Verbotes hes polnischen Sprachunterrichts in den Schulen eine Erklärung beschlossen, in der auf das allerenergischste gegen die Verordnung des preußischen Kultusministeriums protestiert wird. Gleichzeitig hat der in Berlin domizilierende Partei-Vorstand der polnischen sozialistischen Partei Deutschlands beschlossen, einen Agitations- Feldzug gegen den Minister D r. S t u d t zu eröffnen. Es sollen in dieser Angelegenheit überall Versammlungen obgehalten werden. — Nach einer Meldung aus München hat der dortige Magistrat heute in geheimer Sitzung beschlossen, am Setz a n w e g e von öffentlicher Beflaggung der Gebäude und Festmusik abzusehen, nachdem vor einigen Wochen eine solche schon angeordnet worden war. — Wie aus Leipzig telegraphiert wird, hat die s ä ch s i - sche Regierung ein gesetzliches Vorgehen gegen den Kontraktbruch landwirtschaftlicher Arbeiter beschlossen. Tie Bezirksausschüsse sind zur Unterbreitung geeigneter Vorschläge aufgefordert worden. Ausland. Paris, 24. August. Die nationalistische Presse bringt die sensationelle Meldung, Lo ubet beabsichtige seine Präsidentschaft nach dem Schlüsse der Ausstellung damit zu beschließen, daß er eine Botschaft an das Parlament richten .und Amnestie für Dsrouläde, Piquart und Drey- sus verlangen werde. Hierauf soll Loubet zum Ehrenpräsidenten der Republik ernannt worden. Rom, 24. August. Zur Anzeige seiner Thronbesteigung entsendet der König den General Leon Pelloux mit dem Oberst Daranzo nach Berlin, General Parravicini mit Major Palieri nach Dresden, General AvogadorS mit Major Uboldi nach München. Wien, 24. August. Die „Wiener Zeitung" veröffentlicht folgendes kaiserliches Handschreiben: Lieber Dr. v. Körber! Anläßlich Meines 70. Geburtsfestes find Mir von der gesamten Bevölkerung so zahlreiche Glück- und Segenswünsche zugekommen und auch so vielfach« loyale Kundgebungen aller Art erfolgt, daß di« allumfasiende Anhänglichkeit an meine Person in erhebender Weise ;um Ausdruck kam. Tiefbewegt beauftrage ich Sie, allseits meinen wärmsten und innigsten Dank, welcher auch in die fernste Hütte dringen soll, zu verkünden. Alle meine Völker mögen wissen, daß ich ihrem Wohle mein Lebm geweiht habe, daß ich mich glücklich schätze, ihr Gedeihen zu fördern und daß ich in der Loyalität, dem Patriotismus und dem gegenseitigen Vertrauen die festen Stützen erblicke, auf welchen die Zukunft des Vaterlandes ruht. Gott der Allmächtige segne und schütze daS Land, welches mich und meine Völker umschließt. Franz Josef. Wien, 24. August. Bulgarien trifft, wie die „N. Fr. Pr." erfährt, Vorbereitungen, Widdin, Sistowo und Nikopolis zu armieren. Trotzdem glaubt man in diplo- matischen Kreisen noch immer nicht an einen wirklichen Waffenkonflikt zwischen Bulgarien und Rumänien. — In parlamentarischen Kreisen beurteilt man die Aktion deS Ministerpräsidenten v. Körber zur Sanierung des Parlaments sehr skeptisch. Auch Körber selbst habe wenig Hoffnung und treffe bereits Vorbereitungen für die Auflösung des Parlaments. — Wie verlautet, wird der hier eintreffende König Karol von Rumänien dem Minister des Auswärtigen Goluchowski persönlich die Gefährlichkeit der macedonischen Propaganda für die Ruhe auf dem Balkan nahelegen. Bregenz, 24. August. Bei der internationalen Post, konfereuz beantragte der ungarische Delegierte die Ein. führung eines Briefportos von 10 Rappen (Centimes) im Verkehre Ungarns mit der Schweiz und umgekehrt. Der deutsche und der österreichische Delegierte bekämpften daS Zehnrappen-Porto im Verkehre Deutschlands und Oestereichs mit der Schweiz. Auch der schweizerische Delegierte verhielt sich ablehnend gegen das Zehnrappcn- Aus Stadt und Sani). Gießen, den 25. August 1900. • • Ludwigltag. Aus Anlaß des LudwiggtageS haben heute die öffentlichen Gebäude der Stadt geflaggt. * • Militärisches. Meisel, Vizefeldw. im Landw.-Bez. Gera, wurde zum Lt. der Res. deS 3. Großh. Heff. ^nf.- RegtS. (Leib-RegtS.) Nr. 117, Dr. Brüning, Oberarzt beim 3. Großh. Heff. Jnf.-Regt. (Leib Regt.) Nr. 117, zum Stabs- und Bataillonsarzt bei dem 3. Bat. 1. Nassau. Jnf.-Regts. Nr. 87 befördert, Dr. Weber, Oberarzt beim 1. Großh. H-ff. Inf. (Leibgarde-) Regt. Nr. 115, zum Drag.-Regt. König Friedrich in. (2. Schles.) Nr. 8 versetzt. • * Die Oktroierheberstelle am Seltersthor wurde dem GenSdarmen i. P. Bergemann übertragen. * * Schreiben des Grafen Waldersee. In einem der Garnison Mainz bekannt gegebenen Schreiben des Grafen Waldersee an den Korpskommandeur, General der Infanterie von Lindequist, nimmt Graf Waldersee Veranlaffung, dem 18. Armeekorps seine ganz besondere Anerkennung auszusprechen. Bei den auf Befehl des Kaisers von ihm vorgenommenen Besichtigungen der einzelnen ver- bände des jungen Armeekorps habe er nur Gutes gesehen, nnd könne er daS Armeekorps nur als ein „ausgezeichnetes" bezeichnen. Offenbach, 24. August. In der gestrigen Stadt- Verordnetensitzung brachte nach. Erschöpfung der Tagesordnung Stadtv. Ulrich nochmals die in der letzten Sitzung verlesenen, gegen den Beigeordneten Wolff gerichteten Disziplinär - Erkenntnisse zur Sprache. Er bezeichnet die Verlesung der Erkenntnisse oyne die gleichzeitige Verlesung der Wolff'schen Berichte als illoyal und verlangt, daß diese Berichte nock) nachträglich verlesen werden sollten. Tie einseitige Veröffentlichung sei ein Unrecht gegen den Beigeordneten Wolff, sie bedeute eine starke Schädigung seiner Autorität und überhaupt der städtischer, Verwaltung. „ Redner macht sodann auf besondere Umstände, die für die Erkenntnisse bezeichnend seien, aufmerksam. Redner geht dann zu Betrachtungen über den Wandel über, der sich im Kreisamt dem Beigeordneten Wolff gegenüber vollzogen habe. Unter den alten Amtmännern sei die Behandlung Wolffs anders gewesen, die hätten eben die Nebenumstände gekannt. Jetzt sei im Kreisamt, das bisher so streng gesetzmäßig verfahren, ein merkwürdiger Umschwung eingetreten. Wie man jetzt gegen Wolfs arbeite, so arbeite man nicht, wenn man gerecht sein wolle, und oer Kampf, den besonders Kreisamtmann Valckenberg gegen Wolff führe, sei illoyal und unritterlich. Wenn man Wolff jetzt wegen jeder Kleinigkeit strafe, so sehe das genau nach dem Etappenweg aus, der zur Amtsentsetzung vor dem Ober-Verwaltungs- gericht führe. Wolff werde stets nur seiner knorrigen Art wegen bestraft, weil er der Meinung sei, daß er als ein Gleichberechtigter zu Gleichberechtigten rede und diesen, da er es für notwendig hielt, auch einmal die Meinung sagte. Und wie grell steche davon nun die ganze Amtsführung des Oberbürgermeisters und die Behandlung desselben seitens des Kreisamtes und des Ministeriums ab. Redner greift auf alte, vielfach vorgebrachte Beschuldigungen zurück, die, wie die „Offenb. Ztg." schreibt, in der bekannten Art vorgebracht werden. Nachdem das eine Weile gewährt hat, erheben sich, die bürgerlichen Stadtverordneten und verlassen gemeinsam den Saal. Tie Sozialdemokraten lachen laut auf und begleiten die Weggehenden mit höhnischen Zurufen, „Adieu, meine Herren! Ta gehen sie! Haha, gehen Sie nur! Wir brauchen Sie nicht! Wir können auch ohne Sie verhandeln!" Nunmehr will der Stadtv. Ulrich fortfahren. Ter Vorsitzende läutet jedoch und erklärt, da die Versammlung nicht mehr beschlußfähig sei — (Zwischenruf des Stadtv. Ulrich: Wir brauchen auch keinen Beschluß! Oberbüraert- meister Brink, fortfahrend): — so schließe er die Versammlung. Er nahm seinen Hut und verließ den Saal, während die Fraktionsmitglieder allein sitzen blieben. — Stadtv. Ulrich, schreiend: Nun gut, meine Herren, es soll Ihnen nichts geschenkt sein; ich fahre nächstens fort, wo ich heute aufgehört habe! Mainz, 24. August. Auf der Straßenbrücke hat sich gestern nachmittag ein bedauerlicher UnglückSsall zu- getragen. Vor einem nach Kastel fahrenden Straßenbahnwagen fuhr ein Militärfuhrwerk, welches mit allem möglichen Material, Scheiben, Signalstangen mit Fahnen rc. beladen war. Der Pferdebahnkutscher gab mit der Schelle das Signal und das Militärfuhrwerk fuhr auch bei Seite, aber nicht so viel, daß der Straßenbahnwagen nicht doch noch mit dem Militärfuhrwerk zusammenstieß. Infolge dieser Karambolage wurde eine der auf dem Militärfuhrwerk liegenden Signalstangen einem auf der Brücke gehenden Soldaten derart gegen das Gesicht gestoßen, daß das Auge des armen Mannes vollständig verloren ist. Untersuchung ist eingeleitet. — In unserem städtischen Krankenhaus ist durch den Chefarzt, Medizinalrat Dr. Reisinger, an einer 58jährigen, auf der Gaugasse hier wohnenden und von Bodenheim gebürtigten Frau eine schwere Operation vollzogen worden, die durch ihren ungemein günstigen Verlauf verdient erwähnt zu werden. Der Patientin ist nämlich ein elf Pfund schweres Gewächs, das der armen Frau feit Jahren arge Beschwerden verursachte, aus dem Leib genommen worden. Die Operation ist in allen Teilen geglückt und das Befinden der Frau ein sehr gutes. — Drei Brauer einer hiesigen Brauerei sind mit ihrem Prinzipal in Differenzen gekommen und haben darauf ihre Entlassung genommen. Nach ihrem Weggang wurde im Brauhaus die Entdeckung gemacht, daß der Sied kessel im Wert von 1000 Mk. derart beschädigt wurde, daß er zum Betrieb nicht mehr verwendet werden kann. Der Polizei gelang es, zwei der Brauburschen zu verhaften, der dritte wird steckbrieflich verfolgt. Frankfurt a. M., 24. August. Wenn man über die Kaiserstraße nach dem Bahnhofe geht und blickt von dem ManSkops'schen Ührtürmchen nach der südlichen Promenadenseite, so fällt der Blick auf ein mächtig, s Gerüst, hinter dem sich massive Mauerflächen bis zur Höhe eines zweiten Stockwerkes erheben. Es ist der Neubau des Sch au » spielhauses, der mit einer für Frankfurter städtische Berhältniffe ungewohnten Energie gefördkrt wird. Schon aus den Umfassungsmauern läßt sich die zukünftige Gestaltung des Bauwerkes erraten; hochinteressant ist ein Besuch der Baustelle. Die mächtigen Kellerräume deS Bühnenraumes erkennt man in dem Wirrwarr von Balken, Steinen, Sand und Mörtel. Auch hie große Oeffnung des Zuschauerraumes, aus der die Logen- und Proszeniums mauern in die Höhe steigen, gewährt im Zustande des Entstehens einen eigentümlichen Anblick. Hunderte von fleißigen Händen regen sich, und wenn es in demselben Tempo weitergeht, wie seither, so dürfte der neue Kunsttempel mitsamt den dazu gehörigen drei Wohnhäusern an der Neuen Mainzerftraße im Herbst übernächsten Jahres fix und fertig sein. Anfänglich hielt man den Platz in der Promenade für verfehlt, doch erweist sich jetzt schon diese Annahme als irrig, denn gerade inmitten des Grüns der Anlagen dürfte das neue Theater eine neue Zierde Frankfurts werden. Kassel, 24. August. Der Besuch des Kaisers im Atelier des Professors Knack fuß gatt dem Vernehmen nach der Besichtigung namentlich eines großen Gemäldes, das den Einzug des Kaisers und dsr Kai-tz ferin i n Jerusalem darstellt. Aucsi die Kaiserin besuchte mit dem Prinzen Joachim und der Prinzessin Bik toria Luise am Mittwoch vormittag das Atelier des Künstlers. Mit dem heutigen Tage sind die Kaisertage auf Wilhelmshöhe wieder vorbei, da die Kaiserlichen Majestäten heute von der Sommerresidenz nach Eronberg und von da zu den Einweihungs Feierlichkeiten in Erfurt ab reiften. Gleichzeitig wurde auch der elegante und zahlreiche Bestand des Kaiserlichen M a r st a 11 s Wilhelmshöhe wieder verlassen. Derselbe wurde in diesem Jahre aus ca. 80 schönen Reit- und Wagenpferden gebildet, sowie zwei kleinen, reizenden Ponies, die zu der Bespannung des Gefährtes der kleinen Prinzeß Luise gehören. •* Kleine Mitteilungen aus Hessen nab den Nachbarstaaten. Gegen verschiedene Mainzer Schutzleute ist wegen grober Ueberschreitung ihrer Amtsgewalt Untersuchung durch die Verwaltungsbehörde eingeleitet worden. — Die Sektion der Leiche des in Wackernheim erstochenen Husaren Helferich hat ergeben, daß die Spitze der Heugabel da» sog. Herzohr durchstochen hatte, so daß der Unglückliche an innerer Verblutung verstarb. — Bei der in Darmstadt vorgenommenen wissenschaftlichen Prüfung für Einjährig- Freiwillige haben von 20 Prüflingen 8 bestanden. — In Wetzlar macht die Domuhr der Bewohnerschaft manche» Kopfzerbrechen. Wenn man sich in dem angenehmen Ge- danken wiegt, jetzt wird die Uhr 12 schlagen und zum Mittagcffen rufen, dann hört man sie gewöhnlich 13 oder gar 14 mal schlagen, also eine Zeit angeben, die es gar nicht gibt. Wartet man eine Stunde lang, um zur Br- finnung zu kommen, in der Hoffnung, sie werde nun die rechte Zeit angeben, dann hat man sich einer unnötigen Illusion hingegeben. Um 1 Uhr pflegt die Wetzlarer Domuhr Überhaupt nicht zu schlagen. Nachher kommt e» ihr dann wieder auf ein paar Schläge mehr nicht an. Der böse Geist der Uhr aber ist nicht etwa ihr gestörtes Schlagwerk, ein solches hat sie Überhaupt nicht; es ist der Turmwächter, der im ständigen ausschließlichen Verkehr mit der alten Uhrschraube ober uralten Schraube nervös geworden sein soll und diese ansteckende Krankheit mittelst seiner klapperigen Freundin auf feine gesamte Mitbürgerschaft tief zu seinen Füßen zu übertragen eifrig sich bemüht. Darum haben denn die Stadtväter beschlossen, die alte Uhr einer Reparatur zu unterwerfen zum Heile und Segen der guten Stadt Wetzlar. Vermischtes. * Konstantinopel, 24. August. Als der von Beirut hier eingetroffene Dampfer der MeffagerieS Maritimes Fran- caises „Niger" seine Paffagiere landete, blieb einer derselben schwer krank zurück. Die Aerzte konstatierten einer. Pestfall; die Polizei recherchiert jetzt nach den 165 Passagieren, die auf dem Dampfer waren, aber schon an Land gingen. Der „Niger" geht heute nach Blasomenes, um den Pestkranken in dortiger Quarantäne abzusetzen. Der oberste SanitätSrat ist zusammengetreten, einige Delegierte telegraphierten bereits an ihre Heimatsbehörden, daß der Konstantinopeler Hasen von der Pest infiziert fei. Landwirtschaft. Berlin, 24. August. Laut „ReichSanzerger" war der Saaten - stand im deutschen Reich im August folgender: Wtnterweizen 2,5, Sommerweizen 2,4, Winterroggen 3,0, Sommerroggen 2,5, Sommergerste 2 4, Hafer 2,4, Kartoffeln 2,3, Klee 3,1, Luzerne 2,8, Wiesen 2,8 (wobei 2 gut, 3 mittel und 4 gering bedeutet). Das heiße Wetter im Juli war den Feldfrüchten nicht zuträglich, gleichwohl sind die Ernte- ausfichten für Kartoffeln besser alS in den letzten sieben Jahren, für Sommerweizen bester als in den letzten sechs Jahren, für Hafer bester als in den letzten fünf Jahren, für Sommerroggen und Sommergerste bester als in den letzten vier Jahren. Wesenllich schlechter stehen aber Wtnterroggen, Klee, Luzerne und Wiesen. Rur Winterwetzen hält sich auf dem Durchschnitt der letzten sieben Jahre. Handel «nd Verkehr. Volkswirtschaft. Wietze«, 25. August. Marktbericht. Auf dem heutig« Wochenmarkt kosteten: Butter per Pfd. X 0.90—1.10, Hühnerei« per 6t. 0-0 A, 2 St. 13—15 H, Enteneier 2 St. 00—16 A, »Lnse- eier per St.JOO—00 H, Käse 1 St. 5—8 H, Käsematte 2 St. 5—6 A. Erbsen per Liter 24 A, Linsen per Liter 34 H, Tauben per Paa« X 0.70—0.80, Hühner per St. X 1.00—1.40, Hahnen per Stück X 0 60—1.00, Enten per St. X 1.80—2.00, Gänse per Pfund X 0.00—0.00 Ochsenfleisch per Pfd. 68—74 H, Kuh- und Rindfleisch per Pfd. 62—64 A Schweinefleisch per Pfd. 50—70 Schweinefleisch, gesalzen, per Pst». 74 Ä, Kalbfleisch per Pfd. 64—66 A. dammeUeisch per Psd. 50—70 A, Kartoffeln per 100 Kilo 5.50 bis 6.00 X, Weißkraut per 6t. 00—00, Zwiebeln per Etr. X 5.56—6.00, Mich per Liter 18 H. Bohnen per Pfund 9—15 A- Getreide. Unterstützt durch die festeren amerikanischen Berichte und allgemeine beffere Nachfrage entwickelte sich im Getreidegeschäft eine bessere Tend-nz, die eine durchgreifende Befestigung der Märkte veranlaßte. Die Offerten von Amerika, Rußland und Rumänien wurden im Laufe dieser Woche ziemlich erhöht und scheint die beffere Bewegung erst tm Anfangsstadium zu sein Roggen feft. Gerste Futtergerste fest; Braugerste sehr fest. Hafer unverändert. Mais preishaltend. Die heutigen Notierungen sind: Redwinter 2, Mk. 134,50 bis 135; Kansas 2, 134 bis 135; südrust. Weizen 134 bis 146; Rumän. 135 bis 146; ruff. Roggen 108 bis 110; amerikan. Hafer 103; rüst. Hafer 101 bis 111; Mixed Mais 91 bis 92, per Tonne cif Rotterdam. Hopfen. In Nürnberg ist es nach wie vor sehr rrchig und fanden nur einige kleinere Umsätze in 1899er Ware statt. Primahopfen behaupten bei sehr geringem Angebot ihre Preise, dagegen müffen mittlere und geringe Sorten sehr nachgeben. Die wenigen kleinen Parthieen neuer Ernte, welche an den Markt gebracht wurden, fanden geringes Interesse und gaben dieselben für die Beurteilung des neuen Gewächses auch nicht die geringsten Anhaltspunkte. Aus allen Produktionsgegenden laufen fortwährend sehr günstige Berichte über die Entwickelung der Dolden ein, anderseits haben die in der Berichtswoche an verschiedenen Orten niedergegangenen schweren Gewitter den Pflanzungen teilweise sehr großen Schaden zugefügt. In Tettnang wurde für neue Hopfen Mk. 90 pro Zentner bezahlt. In Nürnberg wurden Württemberger für Mk. 110 bis 120 pro Ztntner verkauft. To sink. Wir find nicht in der Lage eine Befferung im Tabakgeschäfte während der Berichtswoche zu melden. Mit Ausnahme von 200 Zentner, welche im Laufe der Woche in Seckenheim verkauft wurden, sind un» nennenswerte Abschlüsse nicht bekannt geworden. Gute Einlage bleibt fortwährend sehr gefragt. Die im Laufe dieser Woche niedergegangenen schweren Gewitter haben in verschiedenen Herbst- und Schneidgutorten großen Schaden angvrichtet, strichweise ganz verwüstet, sodaß eß fttr manchen Produzenten sich kam» lohnt, die Pflanzen einzuheimsen. -3« losen pfälzer Rippm geschäftslos, lose feine Mk. 9.—, gebündelte Rk. 11 bis 12. e, m e x an» o® In Lautenbach und Salmbach (Elsaß) wurde die Rebut zu Mr. per Zentner an einen Bruchsaler und Landauer Tabakhandler verkauft. Dieses Gebühren ist nur zu bedauern, und beweist wiederholt, daß das früher in solider Basis geführte Einkaufsgeschäft vollständrg auf den Kopf gestellt wird. Hierbei kann von einer Prosperität gar kerne Rede mehr sein, auch ist es unmöglich, die überseeische Konkurrenz im Schach Da die Landwirte gegenwärtig vollauf mit brr Ernte brschäf- tiat sind, ist die Fr-quenz an den Btehmärkten eine weniger gute. Der H-ndel ist dagegen überall gut vertreten, weshalb die Geschäfte im Verhältnis immer noch als flott zu verzeichnen find. In Großvieh fanden hauptsächlich prima Mastttere für Schlachtzwecke guten Absatz, während im übrigen das Geschäft mittelmäßig genannt werden kann. Kühe weniger lebhaft gehandelt, eS blieb Ueberstand; dagegen fanden Kälber und Schweine lebhaften Absatz, in letzteren waren die einzelnen Märkte sehr rasch ausverkaust. Kohle«. ES notieren: Ruhr-Fettnuß Körnung I und II Mk. 270 biS M!. 280, Nußschmiedekohlen Mk. 240 bis Mk. 250, Deutsche Anthracit-Nußkohlen Mk. 360 bis 370, englische Anthracit-Nußkohlen Mk. 420 biS Mk. 430, Ruhr-Flammnuß Körnung I und II Mk. 260 bis Mk. 270, IRuhr - Flammnußkohlen Körnung III Mk. 250 ti3 Mk. 260, Fkttschrot Mk. 220 bis Mk. 230, Rubr-BruchcokS Mk. 360 biS Mk. 380, Aussicbgries Mk. 170 bis Mk. 180. Alles per 10 To. ab Mannheim. Die Zufuhren find bei dem fallenden Master äußerst spärlich und vermögen den starken Herbst Anforderungen nicht zu genügen.. Gerichtssaal. Danzig, 23. August. Die Strafkammer beschäftigte fich mit den antisemitischen Krawallen, die in Berent am 12. und 13. Juni stattsanden. Es waren 13 Personen angeklagt und 43 Zeugen geladen. Neun Angeklagten wurden zu Gefängnis-, bezw. zu Geldstrafen verurteilt, vier freigesprochen. Halle, 24. August. Von der Strafkammer wurde der Redakteur des soz. „Vslksblattes", Thiele, wegen Beleidigung des Pastors PallaS in Herzberg zu 600 Mk und wegen Beleidigung der Naumburger Ober-Staatsanwallschaft zu 300 Mk. Geldstrafe verurteilt. Familien Nachrichten. Gestorben: Herr Ludwig Rühl in Darmstadt. — Herr Heinrich Grein in Darmstadt. Ärmste Meldungen. Loudon, 25. August. Daily Mail berichtet aus Petersburg, die Regierung habe beschlossen, die großen Eisenbahnstationen mit Krupp's chen Geschützen zu armieren. Paris, 25. August. In dem Vogesenort Schlucht,, wo sich Lord Salisbury zurzeit befindet, soll in den allernächsten Tagen eine Konferenz mehrerer europäischer Staatsmänner stattfinden. Rom, 25. August. In vatikanischen Kreisen verlautet^ der Kardinal-Staatssekretär Rampolla bereite eine Nott zur Uebermittelung an die Nuntiaturen vor. Dieselbe enthalt die gewöhnlichen Proteste betreffs der Souveränität Roms und behält sich alle Rechte über das ehemalige päpstliche Gebi-t vor. Petersburg, 25. Angust. Die hiesigen Hoskreise halten jede Auslandreise des Zaren für unwahrscheinlich. Sollte der Zar jedoch Paris besuchen, so erfolgt jedenfalls iit Berlin eine Zusammenkunft mit Kaiser Wilhelm- Uererne Ces. itschutrt. FABRIK* WM AÜGSBUBG. geschmeidig' | und wasserdicht In blau-weihen Dosen zu 10,20,40pfg. Ueberall erhältlich. Doppelt so lange hält aller Zchuhwert bei Anwendung von: 95.00 86.30 92.20 99.40 99.00 Stottern Zwei Kausbmsihk« Alle Klinik. Lehrmädchen gegen Vergütung gesucht. 5665 I. 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Angebote auf Vordruck, der bei uns er« bältlich, sind bis zum genannten Termine emzureichen. — Der künftige B.trisbsleiter des Elektrizitätswerkes, Herr Mulert, besten Bureau sich in der Neumühle befindet, ist in der Lage, Interessenten an Ort und Stelle uäh re Auskunft zu erteilen. Gießen, 24. August 1900. Das Stadtbauamt. 5662 Schmandt. Eine perfekte Köchin die auch Hausarbeit übernimmt, für ein junges Ehepaar gegen guten Lohn gesucht. Zu erfragen Ludwigstrahe 19, vart. 5645] Eine alleinstehende, unabhängige Köchin in gesetztem Alter sucht das Garnison-Lazarett. Der Unterzeichnete be- ynillUg* stätigt hiermit gerne, daß deffen Ehefrau durch einen vier- wöchentlichen, systematischen Behandlungskursus, veranstaltet von Herrn Direktor Neumann, von ihrem seit der frühesten Kindheit durch einen Schrecken erhaltenen Leiden des Stotterns, was besonders stark bei erregtem Zustande zu bemerken war, vollständig geheilt wurde. 5655 Karlsruhe, 25./12. 1899. Arz. Großmann, Werkführer bei der Großh. Bad. Staatseisenbahn. 1WT* Anmeldungen zu einem in Gießen zu errichtenden Heilkursus werden Freitag, 31. August, von u—1 und 4—7 Uhr im Hotel Einhorn I angenommen- Neumann, _________Institutsdirektor. 03498] Dienstag abend verlor ein Bäckergeselle von der Frankfurterstraße bis Klein- Linden ein Portemonnaie mit 60 Mk. Inhalt. Der ehrliche Finder wird gebeten, dasselbe gegen gute Belohnung bei Herrn Bäckermeister Weber, Frankfurterstraße, Ecke Hillebrandstraße, abzugeben. Städtischer Arbeitsnachweis Gießen Garteuftratze L. Angebot der Arbeitnehmer r 1 Metzger, 1 Schneider, 1 Hausbursche, 2 Fuhrknechte, 1 Dienstmädchen, 1 Näherin und Flickerin. Nachfrage der Arbeitgeber r 1 Drechsler, 1 Spengler, 1 Bauschreiner, 1 Metzger, 1 Schneider, 1 Schuhmacher 8 Hausburschen, 2 Putzer, 1 landwrrtsch. Arbeiter, 3 Fuhrknechte, 1 Kartonnagearbeiterin, mehrere Dienstmädchen, 2 Laufmädchen, 1 Näherin ins Haus. Lehrlinge: 2 Bäcker, 1 Buchbinder, 1 Drechsler, 1 Friseur, 1 Glaser, 1 Kellner, 1 Kupferschmied, 1 Mechaniker, 1 Sattler, 2 Schneider, 2 Schreiner, 8 Schuhmacher, mehrere Spengler gegen tägliche Vergütung, 1 Wagner. * Franks. Hyp.-Bk. unk. b. 1906 92.50 Frkf.Hyp.Tred.B.unk.b. 1906 91.80 4 dto. unk. b. 1907 99.70 4 Deutsche «rdsch.-B.unk.b. 1904 99.00 4 Vergebung !g von Zimmerarbeit. 7=6 . . 293 Die Zahl der Mitglieder betrug Ende 1898^ 5558] In der Bleichstraße ist eine kleine Mansarden-Wohnung mit allem Zubehör nebst Gartenanteil, Bleichplatz auf den 15. September zu vermieten. Näheres <4ievtgstraße 23, III.________ 03504] Ein Logis au vermieten« Krofvorferstratzs 13. (KlMUtttlltlMer-jGeMt mit ausgedehnter, bester, langjähriger Platzkundschaft, mit allen Werk- und Rüstzeugen, sowie Lager-, Geschäfts- und Wohnräumen baldigst zu verpachten oder auch zu verkaufen. Gute Rentabilität kann nachgewiesen werden. 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