Sonntag den26 August 1900 Nr. 199 Drittes Blatt Gießener Anzeiger 4 ml bdftlegt. General-Anzeiger IbmHm W* N»,eigen zu bcv m»ch«in«g» Mr b* Amts» ui»d Anzrigeblatt für den Kreis Gieren Vtiugsprei» vierreltShrl. Tlt. momithd) 75 Pfg mit Bring,rlchn; durch die Abholeiitlle» eiftlfllabrl. Mk. 1,M monatlich 65 Pfg. Bei PoÜdkjUß Mk. 2.40 ourtrliÄNfi mit BklleNgeld ftf4*d OgNch *a del tu eufraKT •nM dem iMyigtr 4m 'M** ■* -H**♦#••!< 7. S Adresse für Depeschen: Anzeiger chietzm». Fernsprecher Nr. 61. (Bratisbrilayt: Gießener FamUiendlütter, Der hessische Landwirt, Ktötter für hessische Volkskunde. VM- Abonnements auf den Gießener Anzeiger für den Monat September werden von allen Postanstalten, Zeitungsträgern und der Expedition, Schulstraße 7, sowie denZweig- und Abholestellen, jeder- zeit entgegengenommen._________________ Die Besetzung akademischer Lehrstühle in Preußen. Aus Anlaß jder gegen den Willen der juristischen Fakultät der Universität Bonn durch die preußische Unterrichtsverwaltung erfolgten Berufung des Königsberger Professors Zorn nach der rheinischen Musenstadt beginnt die Frage der Besetzung akademischer Lehrstühle, btc in den letzten Jahren tvicderholt schon zur Diskussion stand, die Lefsentlichkeit erneut zu beschäftigen. So wird der „vrat.-Ztg.", die das Recht der Regierung, Professuren auch ohne vorherige Befragung der Fakultäten zu besetzen, anerkannt hatte, von einem Universitätsprofessor geschrieben : „Da die Frage nicht nur für das Lebeit der Universitäten, sondern aud) für das ganze geistige Leben der Ration von Bedeutung ist, so darf vielleicht nochmals darauf zurückgegriffen werden. Gemeinhin wird die Frage in Zusammenhang mit der Freiheit der Wissenschaft gebracht und diese als unbedingter Maßstab aufgestellt. Tas ist insofern richtig, als der Professor nur dem nachstrebeu soll, lvas ü)in als Wahrheit erscheint; jeder Zwang, der ihn von diesem Wege abdrängt, muß als unsittlid) und schlicß- lid) auch unnütz bezeichnet werden. Aber das Erkenntnis- streben ist nid)t die einzige und nicht die hüd)ste Funktion innerhalb der Gesellschaft; dies Streben muß wie jede andere Sonderrichtung sid) dann gewisse Einschränkungen gefallen lassen, wenn ihr Träger unter der Autorität der (burd) die Regierung vertretenen) Gesamtheit unb als amtlich bestallter Lehrer der Jugenb wirkt. . . . 9hw wird gemeinhin vorausgesetzt, diese Freiheit werde von den Fakultäten in allen Fällen aufs sorgsamste gehütet, von der Regierung gar leicht angetastet; deshalb sei eine Berufung, die ohne ihr Zuthun oder gegen den Willen der betr. Fakultät erfolge, jedesmal ein Versuch zur Beschränk ung der freien Wissenschaft. Daß die Regierung zu einem solchen Verfahren verfassungsmäßig berechtigt ist, wurde in Ihrer Zeitung hervorgehoben. Andererseits ist fraglos, daß es starke Unzutrüglichkeiten mit sid) führen kann: es mag auf diese Weise hie und da dem Kollegium ein Mitglied ausgedrängt werden, mit dem niemand zusammen arbeiitcii oder gar verkehren will. Tod) sind bei dein zicmlid) gleidMüßigcn Rivcau der deutsd)eu Professoren derartige Mißgriffe selten. . . . Vor allem aber: ersolgen denn wirklich die gutachtlid)en Acußerungen der Fakultäten immer aus lauterstem Interesse am Fortschritt der Wissenschaft? Wer diesem holden Traum sid) hingiebt, kann nie etwas von der Unduldsamkeit wissenschaftlicher Sekten gehört haben und muß ganz vergessen haben, daß aud) die Fakultäten aus Menschen zusammengesetzt sind. Zu allen Zeiten flieht cs in den einzelnen Wissenschaften bestimmte Richt- ungen, weld)e die Wahrheit gleid; einer intellektuellen Heilsoffenbarung für sid) beanspruchen und jeden anders Denkenden burd) bas tätliche Verbamnmngsurteil „un- wissenschaftlich" von ben Lehrstühlen ausschließen wollen; dieser Einseitigkeit kann die Regierung entgegentreten, indem sie in weitestem Umfange und von uninteressierter Seite Gutachten einholt. Ferner werben btc Wünsche ber Fakultäten nicht selten baburd) „gefärbt", baß bie Fach- männer, betten natürlich bas entscheidende Wort zufällt, aus kleinlichen Beweggrünben biesen ober jenen Gelehrten fernzuhalten streben: entweder er ist ein gefährlicher Nebenbuhler oder er hat einmal einen Streit mit einem guten Freund gehabt u. dgl. m." Ter Verfasser weist schließlich darauf hin, daß hieruad) in dem Bonner Fall die Regierung durchaus nicht not» ivendigerweise im Unrecht zu sein braucht. Auch die „.ilreuz ztg." hatte sid) aus den gletchen Standpunkt gestellt wte die „Rat.-Ztg.", dabei aber noch betont, daß es ber Krone ein Recht streitig machen hieße, wenn man ber Unterrichts- verwaltung weigern wolle, daß sie die Professuren selbstständig besetze. In der „Natl. Korresp." erhält das konservative Blatt darob aus akademischen Streifen folgende Abfertigung: „Tas in neuerer Zeit immer häufiger geübte Verfahren ber Unterrichtsverwaltung, vakante Lehrstühle ztt besetzen, ohne bie Fakultäten aud) nur zu Vorschlägen anfznfordern, sittbet merkwürbigerweise in ber „Kreuzzeitung" eine warme Unterstützung. Dabei muß dieses Blatt selbst zu geben, daß den meisten Uiliversitätett ftatutarifd) das Vor schlagsrecht verbürgt ist. Als eine seltsame Logik muß eS daher bezeichnet werden, wenn ein Unterschied zwischen „Anhörung" und „Vorschlagsrecht" der Fakultäten gemacht tvird. Man sollte meinen, daß das letztere sogar das weitergehende Recht ist, unb daß deshalb der Befürchtung, es könnte sich ein Gewohnheitsrecht der „Anhörung" der Fakultäten herausbildett, jenem weitergehenden verbrieften Recht gegenüber keine allzu große Bedeutung beizulegen ist. Daß es bei der „Streuzzeitung" nicht ohne „Gefährdung der Stronred)tc" abgeht, ist selbstverständlich. Sie erwartet von der Ausübung des Vorschlagsrechts eine Verkümmerung der königlichen Prärogative der Beamten-Er- nennung. Es verlohnt sich, and) dieses dialektisd,e Kunst- stüddien in die richtige Bclend)tung zu rücken. Tie Universitätsstatuten beruhen auf königlichem Verordnungsrecht, und zwar stammen sie Ausnahmslos ans der Zeit vor dem Erlaß ber Verfassung. Wenn also der absolute König es für zweckmäßig erachtet hat, den Fakultäten ein Vorschlags- recht zu verleihen, unb barin keine Beeinträchtigung seiner Machtfülle gesehen hat; wenn er sich selbst eine derartige Beschränkung seines Ernennungsrechts auserlegl hat, so wird wohl auch für bie Gegenwart jebe Befürchtung nach biefer Richtung ausgeschlossen sein. Man sollte übrigens von einem „konservativen" Blatte Erwarten, baß seine Shm pathien mehr auf der Seite ber Erhaltung korporativer Rechte, als auf der ihrer Ersetzung durch büreaukratisdK Machtvollkommenheiten sid; befinden würden." Diese Auslassung weicht also von der in der „Rat. Ztg." in ihren Ansichten über bas Besetzungsrecht ber Unter richtsverwaltung nicht mefentlid) ab. Wenn solchergestalt bie akademischen Kreise sid) selbst noch nicht über die Frage einig scheinen, sollte man eigentlid) bie Ange legenheit auf sid) beruhen lassen können, aber mir meinen boch, man sollte ben Regierungen bas von ihnen beanspruchte Recht, vakante Lehrstühle nach eigenem Ermessen zu besetzen, streitig zu machen suchen, denn die Wissenschaft kann nur in ber Freiheit gedeihen unb verträgt ben Zwang nicht, der ihr solchergestalt angethan wird. Uolitische Tagesschau. Wie gewisse Kreise über den Prinzen von Wale« urteilen, erhellt aus einer Kapstädter Zuschrift an die „Rhein. Wests. Ztg.", die also lautet: Im Uebrigen hat ja auch bezüglich der skandalösen Zustünde im britischen MilitürsanitütSwesen kein geringerer als der samvse Prinz von Wales in einem aftor dinnor-»pooch der Royal Kollege Turgeon- dem Publikum eine Beruhigungspille appliziert. »Die Art der Verwaltung der Feldhospitäler in Südafrika gereicht dem Lande zu höchstem Ruhm und Ehre!" und der Prinz von Wales muß eS ja wissen — der Mann ist ja in allem anderen so kompetent bis herab zum Lchneidrrhandwerk, zum Westen- und Hosennähen wie zum Brauen eine« neuen .umorican driok“, warum sollte er, obgleich persönlich vorsichtiger Weise weit vom Schuß, nicht auch in dieser Lebensfrage der britischen Armee kompetent fein? Mindesten- doch ebenso kompetevt, wie er eü als standhafte Stütze des alten „berühmten" Strategen und HammelheerdenbesiegerS Methucn ist, des unentbehrlichen und seßhaften Mittelsmannes zwischen der Lhar- tered Company und — dem Prinzen von WalesI Kein Mensch hier weih, wo dieser Roberts steckt. Seit Wochen ist KitchencrS Rame in keiner Depesche erschienen, so daß schon Gerüchte umlaufen, eü sei ihm etwaS Menschliches begegnet oder vielmehr etwas Unmenschliches, wie man es wohl bei diesem „Uebermenschen" und Derwischschlüchtcr auS- brüden müßte Ein Londoner regierungsfeindliches Blatt fragt in feiner letzten, unS diese Woche zugegangenen Nummer: General Colville ist abberufen, White und Gatacre sind abberufen; aber warum ist Kitchener nicht längst abberufen für die seiner plumpen Unbefugtheit (groHH in- competenoy) zuzuschreibende scheußliche Abschlachtung britischer Soldaten bei Paardeberg? warum Methuen nicht für die ununterbrochene, seiner absoluten Dummheit (absolute ntupidity) zu verdankende Reihe von Niederlagen? warum nicht den Herzog von Teck für seine verbrecherische Unfähigkeit (criminal incupacity) bei Koorn Spruit?" Berliner Vries. (Plaudereien aus ber Kaiserstadt.) (Nachdruck verboten.) Die Berliner Brockenfammlung. — Kontrolle der Straßen- bahvwagen. — Wer kontrolliert die Ringbahn? Tie moderne Wohlthätigkeit geht eigene Wege; manche ivunberHd)c, tvie den ber Schneeballkollekten, manche bedcnk- liche, wie jene Ballfeste, auf benen zum Besten ber Armen Sekt verzapft unb Austern verhanbelt werben; einen besseren unb billigeren, in jeder Beziehung zweckentsprechenden hat |ie kaum jemals betreten, als ben der „Brockensammlung". Ter Vater dieser überaus dankenswerten Idee ist der bekannte Pastor von Bodelschwingh in Bielefeld, dessen großartige Anstalten ihn zu einem'zweiten August Hermann Franke gemacht haben. Für Berlin hat sie Pastor Diestelkamp im Verein mit gleichgesinnten Männern aller Stände ins Leben gerufen. Weit draußen im Norden der Hauptstadt, in der Reinickendorfer Straße liegt das Sammelhaus, ein sauberes, modern gebautes Magazin für tausende von Sachen, die hier aus ganz Berlin zusammen ftrömen unb einer neuen Verwendung harren. Die „Brockensammlung" ist nämlich auf der ganz richtigen Er kenntuis aufgebaut, baß es unzählige Tinge in ben besser situierten Familien giebt, bie, obgleich sie noch sehr gut zu verwenden wären, in die Rumpelkammer wandern unb dort verstauben, verrosten oder von ben Motten zerfressen merben, bis sie eines sck)önen Tages bem Lumpensammler verfallen, ber so gut wie nichts dafür giebt. Dieses Heer von alten, halb verbrauchten Sachen für alle jene zu retten, bie mit ber Not zu kämpfen haben unb über nur wenige Groschen verfügen können, wenn sie Schuhzeug, Kleiber, Möbel, Bücher, Koffer, Betten rc. kaufen müssen, ist bie dankbare Aufgabe ber „Brockensammlung". Im ersten Hof Des Gebäudes ist bie Abteilung für Nippsachen etabliert. Hier paradieren alte Vasen, Krüge, Briefbeschwerer und hundert andere Herrlichkeiten, von denen jede eine Vergangenheit hat und die interessantesten Familiengeschidsten erzählen könnte. Der Preis bewegt sick) zwisck)en fünf und zwanzig Pfennigen. Denn versck)enkt wird in ber „Brockensammlung" selten etwas. Das Gefühl, Almosen zu empfangen, ist zu nieberbrürfenb. Wer etwas zu haben wünscht, bezahlt — unb sind bie Preise aud) noch so niedrig, der erlegte Nickel giebt ber Sache trotzdem ein ganz anderes Gesicht! Weiterhin gelangt man zur Schuhwaren Abtei hing. Da blicken uns Rappen aus allen Schusterftällen an: Dandy Stiefel unb Ballschuhe, Babysöckchen, Schlaf- pantofsel, alles alt, aber ohne Defekte: denn bas Haus beschäftigt eine ganze Anzahl von Hanbwerkern, bie bie hilfsbedürftigen „Brocken" einer gewissenhaften Behandlung unterziehen, Risse zunähen, Strippen ergänzen, Knopflöcher ausbessem re. Links liegt das Kleibermagazin, wo fid) mancher .a)rme Handwerksbursck) für wenig Nickel wieder , nobel" machen kann. Auch eine Abteilung für Bücher, andere für Musik Instrumente, Betten, Möbel usw. sind vorhanden unb versorgen bie Gegenfüßler der Millionäre mit Gegenständen, bie sie sich vielleicht lange heimlich gewünscht haben unb hier en blick) so gut wie geschenkt erhalten. Auch alte Flaschen, Konservenbüchsen, Lumpen, Papier, Stanivl, Korke re. werden von ber Leitung gesammelt unb nach Möglichkeit verwertet, um mit dem Erlös den gänzlich Mittellosen beistehen zu können. Ein stiller Beobachter erlebt hier die seltsamsten Scenen. Denn die Käufer bieten ein buntes Bild des Lebens. Wie mancher tritt hier ein, ber auf ber schiefen Ebene des TaseinS immer weiter heruntergekommen ist, um sich, einen Heinen Wunsch, der ihm in glücklicheren Tagen vielleicht absurd erschienen wäre, mit ein paar seiner ersparten Groschen zu befriedigen. Hier kauft auch manch einer, dem vielleicht morgen schon Fran Fortuna lächelt und ihm in einer tollen Laune Tausende in den Schoß wirst. Möge er in besseren Tagen seine bösen nicht vergessen und seine „Brocken" dort abgeben, wo er selber einst gutes genojfen! Jedenfalls wird hier ein Stück sozialer Arbeit geleistet, das himmelhoch über ben Wohlthätigkeits-Bazaren mit Pomp unb Prunk aller Art steht. Geve bie Zukunft bec Idee bie weiteste Verbreitung. — Seit in ber Straßenbahn nach, Steglitz hinaus ehe Derrpiigast bei einem Bremsenruck abgestürzt unb dabei totlich verletzt roorben ist, beschäftigt sich bie Polizei sehr eifrig mit der Kontrolle dieser Wagen und notieret unerbittlich ben Schaffner, ber einen Gast mehr aufnimmt, als vorgeschrieben ist. Nicht anders ergeht es ben Cm» nibus-Kondukteuren. Selbst bie Vehikel ber Nacht werden plötzlich angehalten; der Schutzmann steckt feinen martialischen Kopf in ben Wagen, zählt bie Häupter seiner Liebon, unb webe, wenn es „statt sechse fieben" sind. Nur in ber Stadt und Ringbahn kümmert sich keine Menschssn- seele um die Besetzung der Plätze, unb es begegnet einem! an bestimmten Abenden fast regelmäßig, daß man, zumal wenn man ben letzten Zug benutzt, in Halenfee ober Wil- mersborf, wo bie lieben Konfektioneusen tanzen, plötzlich zehn bis fünfzehn neue Fahrgäste in das Kupee bekommt, die zwischen den Sitzen stehen müssen, da alles schon vorher besetzt war, zumal in der zweiten Klasse, denn die holden Geschöpfe fahren niemals dritter, menn ein anderer für fie bezahlt. Dieser „Andere" ist vielfach ein recht zweifelhafter Herr, für den die vierte Klasse eigentlich noch viel zu gut wäre. Unb er beträgt sich selbstverständlich aud] danach. To kommen oft Rohheiten, Zweideutigkeiten und Zoten zum Vorschein, die unglaublich sind. Unb das geht so jahraus, jahrein, jeder nimmt Anstoß daran, ein Wandel wirb nicht geschaffen. Merkwürdig! Aber der arme Em» nibus-Kondukteur bezahlt bie Mark, wenn er eine alte Frau einsteigen läßt, für die erst an der nächsten ©trauert? ecke ein Platz frei wird! er Herrn v. Bülow: antwortete v. Bülow, der steht ja an Li s 41' ist ei 5308 nunHiuti Gleicher Absatz von keiner anderen Fabrik Deutschlands erreicht! Li|iironrnninnnn»iiutiiiiimiii|ii|' 1896: 1897: 1898: 1899: tau 646 Lokomobilen 845 1263 1449 1 3W der Steuerschraube." „Majestät, Jede Hausfrau wir- erstaunt sein über -ie Wirkung. „Wo ist denn eigentlich Miquel?" «nb % Emil Pistor Nach! Inhaber: H. Selbst und L. Schussler 10 Marktstrasse 10. * ,Jn einer furchtbaren Situation befindet sich seit gestern ein junger Arzt, Dr. L., in Berlin, der >xt einem bakteriologischen Institut thätig ist und sich dort möglicherweise mit Milzbrandbazillen infiziert hat. Bekanntlich führt die Milzbrandseuche fast ausnahmslos zu einer tätlich wirkenden Vergiftung des Blutes. Heber den in ärztlichen Kreisen Aufsehen erregenden Fall werden folgende Einzelheiten gemeldet: Ter junge Mediziner hatte sich im Laboratorium eine Zigarre angezündet, die er während der Arbeit einmal auf ein danebenstehendes Tischchen legte. Als er dann die Zigarre wieder zum Munde geführt hatte, überraschte ihn der Leiter des Instituts mit der Frage: „Herr Kollege, von welchem Tisch haben Sie die Zigarre genommen?" Der Angerufene bezeichnete die Stelle. „Nun, dann dürften Sie sich mit Milzbrandbazillen infiziert haben; bei meinen Experimenten mit diesen Bazillen habe ich den Tisch benutzt!" — Ter Schrecken des Arztes isst [um so größer;, als es sich'um! Bazillen handelt, deren Lebenskraft kurz zuvor an Ratten erprobt worden war; denn die mit ihnen geimpften Tiere verendeten sämtlich. Erst innerhalb der nächsten fünf Tage wird es sich entscheiden, ob und inwieweit der Arzt mit dem Speichel zugleich die gefährlichen Krankheitserreger seinem Blute zugeführt hat. So lange schwebt der bedauernswerte junge Mann in der qualvollsten Ungewißheit über sein Schicksal. Eine Behandlung könnte nur in Sen Fällen Aussicht auf Erfolg bieten, wenn es gelänge, das Krankheitsgift unschädlich. zu machen, bevor es in die Blutbahn eingedrungen ist. * Die Königin-Witwe Marghe rita hat für die nächste Zeit die an der äußersten Grenzecke von Tirol und Italien in einer herrlichen Dolomitgegend gelegene Misurina-Landschaft zu ihrem Aufenthalte gewählt, wo die unglückliche Fürstin den ersten Stock des neuen „Grand- Hotel Misurina" bewohnt. Die wildeinsame Misurinq- Landschaft liegt ungefähr 1800 Meter hoch ganz nahe den Ampezzaner Dolomitriesen: Drei Zinnen, Cadini, Sorapiss, Antelao au s. w. Der Misurina-See gilt mit Recht als ein Juwel der gesamten Alpenwelt. Für die Königin wird regelmäßig Gottesdienst abgehalten. In der Nähe von Misurina liegen die Touristen- und Sommerfrischorte: Cortina d'Ampezzo, Schluderbach, Landro mit dem berühmten Ausblick über den Dürrensee auf den Monte Cri- stallo, dann Toblach, Niederdorf mit dem Eingang ins Pragser-Thal (Pragser Wildsee) und dem Aufstieg über Plätzwiesen auf den Dürrenstein, ferner östlich von Toblach der uralte Marktflecken Jnnichen mit seinem bekannten Mineralbad und dem landschaftlich großartigen Hochthal von Sexten. Vermischtes. * Wo ist Miquel? Jüngst hielt der Kaiser, umgeben von seinen Ministern, Generälen, Adjutanten ?c., auf einem Transportdampser an die nach China abgehenden Truppen eine Abschiedsrede. Nach Schluß derselben fragte Aus Stadt und Kan- Gießen, 26. August 1900. ** Der 9. Verbaudstag der Feuerbestattuugsvereiue deutscher Sprache findet in den Tagen vom 7. bis 9. Sep^ tember in Frankfurt a. M. statt. Das ausführliche Programm ist in der letzten Nummer des „Phönix" veröffentlicht. Darnach findet am Freitag den 7. September, abends 7^ Uhr, Eröffnung und Begrüßung der Teilnehmer des BerbandStages in der „Alemannia". Schillerplatz 4, 1. Stock, statt. Auf SamStag den 8. September, vor- mittags 9 Uhr, ist die Hauptversammlung im Festsaale der Loge „zur Einigkeit" anberaumt, verbunden mit Ausstellung der auf die Preisausschreiben eingegangenen Konkurrenzarbeiten. In der Pause von 12 bis 1 Uhr ist Frühstück, welches den Gästen vom Frankfurter Verein angeboren wird. Abends 6 Uhr ist gemeinschaftliches Abendessen im Palmengarten. Sonntag den 9. September findet Besichtigung des Offenbacher Krematoriums statt und im Anschluß daran Fahrt nach Mannheim zur Besichtigung des dortigen Krematoriums. Für Montag den 9. ist eine Rheinfahrt und Besuch des Niederwalddenkmals vorgesehen. ** Obstbau auf der Landesausstellung in Darmstadt. Infolge nnerwartet zahlreicher Anmeldungen find die Preise in den verschiedenen Gruppen der Erzeugnisabteilung in der Landesausstellung, insbesondere aber in der Gruppe Obstbau, bedeutend vermehrt worden. Es sind zirka 400 laufende Meter Tischfläche allein für Obst bestellt worden. •• Stützen der Obstbäume. In vielen Teilen Deutschlands giebt es in diesem Jahre eine ausgezeichnete Obsternte. Da richtet der praktische Ratgeber im Obst- und Gartenbau in seiner eben ausgegebenen Nummer die Mahnung an alle Obstzüchter, ihre Ob st bäume zu stützen, damit die Aeste nicht herunterbrechen! Solcher Stützen giebt es mehrere Arten. Die bequemsten und richtigsten Stützen bleiben immer die Gabelstützen, die unter die herabhängenden Aeste geschoben werden. Stmgen aber mit natürlicher, sicherer Endgabel sind besonders in größeren Mengen schwer zu bekommen. Zum Ersatz empfiehlt sich für junge Bäume eine derbe hohe Stange, an die die haltbedürftigsten Aeste angebunden werden. Ein weiteres praktisches Stützversahren besteht in zwei Stangen, die neben die Bäume in angemessener Entfernung in die Erde geschlagen werden, über die dann eine dritte Stange waag. recht genagelt wird. Auf den so entstehenden Galgen werden die Aeste gelegt. Bei höheren Aesten empfiehlt es sich, ein oben mit Filz gepolstertes Brettchen aus eine Stange zu nageln, und unter den Ast zu schieben. Auch können hohe Stangen in den Boden geschlagen werden, an die die zu stützenden Aeste mit Kokosfasern angebunden werden. Besondern Wert bekommen die Mahnungen des praktischen Ratgebers dadurch, daß die einzelnen Arten, Bäume zu stützen, klar ab- gebildtt sind, was das Verständnis sehr erleichtert. A (Hessen) zw. Darmstadt n. Heidelberg, OaCtii Hotel U. Pension „zur Krone“, Sommerfrische. Pensionsprospekt u. Führ. grat. Bee.: G. Diefenbach. lager in ^Werkzeugen,Eiseowaaren^ Haushallungsgegenständen. Die besten Speisen schmecken nicht ohne Znthat -es richtigen Gewürzes. Genau fo ist es beim Kaffee li Linde s Essenz für Kaffee ein vollkommen lösliches Pulver, kommt einem vorhandenen Be- -ürfnis entgegen, tin-e's Lffenz verleiht je-em Kaffeegetrank, einerlei ob man reinen Bohnenkaffee, Malzkaffee o-er Bei-es gemischt, o-er eine an-ere Mischung gebraucht, einen vollmun-igen angenehmeren Geschmack, feineres Aroma un- -ie überall gewünschte schöne Farbe. Man muß aber nicht zuviel nehmen — 1 gestrichener UasfeelSffel — -. h. 3 bis 4 Gramm auf 1 Liter Getränk genügen. Aus dem Gelchästslrveu. — Die Erzeugnisse der Continental-Eaoutchouc- und Guttapercha-Compagnie, Hannover, wurden auf der Weltausstellung in Paris mit der goldenen Medaille ausgezeichnet. _____ alten, 22. August. Das Sch wrm m- und B a d e 6 a s s i n sberhalb der Adamsmühle ist jetzt fertig- gestellt. Das Bassin hat eine ovale Form (10 Meter breit, 25 Meter lang) und ist zur Hälfte zum Schwimmen und zu je einem Viertel zum Baden für Erwachsene und Kinder eingerichtet. Die Abteilung für Schwimmer hat eine Tiefe von 1,80 Meter, diejenige für des Schwimmens Unkundige 1 Meter und diejenige für Kinder 60 Ctm., und sind die Abteilungen durch Barrieren so von einander geschieden, daß eine Gefahr für die Badenden ausgeschlossen ist. — Wasser-Zu- und -Abfluß können fortwährend funktionieren.- sodaß immer frisches Wasser sich im Bassin befindet; am Schwimmbassin befindet sich ein Reinigungskanal. Zweckentsprechende Räume zum Aus- und Ankleiden sind vorhanden und bietet die um das Anwesen errichtete Bretterwand Schutz gegen Wind. Mainz, 23. August. In der Nähe des Schillerplatzes hat sich dieser Tage ein heiteres Stückch'en zugetragen. In einer Wirtschaft hatte ein Unbekannter eine Zeche von 1 Mk. 50 Pfg. gemacht. Als es ans Bezahlen ging, hatte der Mann kein Geld. Der Wirt machte Lärm, es sammelten sich Leute an, aber noch ehe ein Schutzmann erschien, war der Zechpreller entkommen, verfolgt von einer Anzahl Straßeujungen. Der Flüchtling eilte in eine bekannte größere Restauration und war da plötzlich spurlos verschwunden. Als sich die Menge verlaufen hatte, entstieg der Zechpreller dem Müllkasten, der aus dem Hose stand, suchte eiligst das Weite und entkam. — Ein junger Mann erhielt vor einem Jahre einen Betrag von 90 Mk., um damit eine Rechnung zu begleichen; gestern ließ sich der Mann als Reservist nach China anwerben, und heute stellte es sich heraus, daß er die 90Mk. unterschlagen hatte. Anstatt nach China gehtS nunmehr ins Untersuchungsgefängnis. — Die ersten reisen rheinhessischen Trauben, Frühburgunder, kommen soeben zum Verkauf. Das Pfund wird je nach Qualität mit 25—30 Pfennig bezahlt. Fulda, 22. August. Der Gartenbauverein hatte beschlossen, für je 100 eingefangene Kohlweißlinge 10 Pfg. zu bezahlen. Infolge dessen sind in der Woche vom 14. bis 20. August nicht weniger als 52 520 Kohlweißlinge abgeliefert worden, davon am Montag allein 17 000 Stück. Flieden, 21 August. Der Schuhmacher Hermann Levi aus Neuhof fuhr gestern nachmittag mit seinem Fahrrad /in das Ladenfenster oes Herrn Katz hier mit solcher Wucht hinein, daß sein Kopf nur mit Mühe aus den Glasscherben herausgebracht werden konnte. Der Arzt mußte mehrere große Wunden im Gesichte des unglücklichen Radfahrers zunähen. Das Rad war gänzlich zertrümmert. fllMMiil!!----- ._____— ------------------- ... _ Eisschränke, Gartenmöbel, Obstpressen, Waschmangeln, Rasenmäher. sind die Vorzüge des Kakaopulvers und der Chokolade in Moser-Roth’s Portionen-Kakao Heinrich Lanz, Mannheim Ueber 3500 Arbeiter. Lokomobilen bis 300 PS beste und sparsamste Betriebskraft. Verkauft TtlkplM 4,21 Telegraphen Elelrtr. Uhren • Masserstanhs- Fernmelder Sicherheits- Anlagen liefert zu billigen Preisen Max Weissbäcker Hieße», Südanlage 23. Geschlechts-, Haut-, Hals, Nasen- und Ohrenleiden Spezial-Arzt Dr» Holtz, Frankfurt a. M., Zeil 44a, 4710 neben der Hauptpost der Vereinigten Chokolade-Fabriken Moser-Roth, kgl. 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