M. 121 Samstag den 26. Mm Drittes Blatt 1900 elfen Amts- unb Anzeigeblott füv den Aveis Gieren isse. Der Schritte unternommen. angebracht. Nur die wird als Schwäche Llle Snzeigen-Bermittlmigsstellen beS In- und Auslandes nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger entgegen. Zeilenpreis: lokal 12 Pfg., auswärts 20 Pfg. Medaktwn, Expedition und Dniclerei: K4»kstraße Zkr. 7. fcifdthit täglich mu Ausnahme des Montags. Die Gießener Pl«»rrieu5rstier Iptrbtn dem Anzeiger kxi Wechsel mit „Hess. 8-mbwirt" a. „Blätter für heff. 8o(Ü!unbeN tichÜ. 4mal bcigelegt. Gratisbeilagen: Gießener Familienblätter, Der hessische Zandwirt, _____ Klätter für hessische Volkskunde. Bezugspreis vierteljährl. Ml. 2LS monatlich 75 Pfg. mit Bringerlohn; durch die Abholestellen vierteljährl. Mk. 1,9t monatlich 65 Psg. Bei Postbezug Mk. 2,40 vierteljährl. mit Bestellgeld. Sdrcffe für Depeschen: Anzeiger Hieß«. Fernsprecher Nr. 51. Lnisxheu Grenzgebietes nach Südwesten ist diese Gefahr siir Marokko noch, erhöht worden. Beide Mächte haben N Marokko? Nachdem England vor etwa sechs Jahren fernen g-'scrndten Sir Ewan Smith, der bei seiner Anwesenheit am Sultanshofe in Fez in ernste Difsevenzen mit der mrokkanischen Regierung gekommen war, fallen gelassen ■int, zurückberufen hatte, ist der englische Einfluß rn Ma- - -----—l. England hat seitdem rn> Isnabme »en Anzeige« zu der nachmittags für de« fklHMden Tag erscheinender. Nummer bis vorm. 10 Ubr. Abbestellungen späirstenS abends vorder. Marokkos Widerstandskraft und die Mächte. $511 ReilJZeiNLk Universität und Hochschule. — Eine vielversprechende Einrichtung für die Studierenden der Technischen Hochschule in Charlottenburg hat die Wildenschaft ins Leben gerufen: eine AbteUung zur Förderung des Studiums. Dieselbe soll durch Sammlung von Zeichnungen und Plänen, durch Schaffung einer Bibliothek und einer Auskunftstelle, durch Ausleihung teurer Instrumente, durch Nachweis von Speziolltteratur das Studium erleichtern, indem fie nicht etwa eine sogen. „Eselsbrücke" für träge und unfähige Studierende schaffen, sondern das lediglich zeitraubende Aufsuchen von Material überflüssig machen und dm „Schnellbetrieb" auch für die Studierenden einführen will. Die Kommilitonm sollen dadurch Zeit gewinnen, sich mit allgemeinen Wiffenschastm (Nationalökonomie, Sprachen rc.) zu beschäftigen. MM Gerichtssaal. — Ein sächsischer Gtandesherr wegen Widerstandes verurteilt. Aus Leipzig wird geschrieben: Am 31. Oktober v I. war der 27 Jahre alte Joachim Maria Joseph Franz Anton Alphony Graf von Schönburg-Vorderglauchau, Rittergutsbesitzer und erbliches Mitglied der sächsischen Ständekammer, nach Leipzig gekommen, um sich nach dem Besuch des Theaters inter poonla gütlich zu thun. Andern morgens früh 4 Uhr langte der Graf auf dem bayrischen Bahn- ßof an, wo er mit einem Schutzmann in Differenzen geriet. Er nannte ihn einen Flegel und belegte ihn mit noch anderen hier nicht wiederzugebenden Schimpfwortm. worauf der Schutzmann nach seinem Ramm fragte. Als der Graf ihm die Auskunft verweigerte, forderte er ihn auf, ihm nach der Revierwache zu folgen. Der anscheinend stark Angezechte ging auch ein Stück mit, blieb aber dann plötzlich stehen und schlug dem Schutzmann mit der Faust sehr heftig unter das Kinn. Nun zog der Schutzmann das Seitengewehr und machte den Exzedenten darauf aufmerksam, daß er eventuell davon Gebrauch machen würde. Endlich gelang es mit Hilfe eines Droschkenkuffchers, den Widerspenstigen nach der Wache zu bringen, wo er sich nach längerem Weigern schließlich legitimierte. Nach Hinterlegung einer Kaution von 30 Mk. konnte er vorläufig gehen, hatte sich aber am Samstag wegen Widerstands gegm die Staatsgewalt vor dem Landgericht zu verantworten, das ihn zu drei Wochen Gefängnis verurteilte. Mildernde Umstände wurden nicht zuerkannt, dagegen als straferschwerend in Betracht gezogen, daß der Widerstand erheblich war und einen thätlichen Angriff enthielt sowie daß der Bildungsgrad, das Alter und die soziale Stellung den Grafm verpflichteten, sich nicht in solcher Weise zu vergessen. Deshalb konnte nicht auf Geldstrafe erkannt werden. Der Graf erklärte, ihm sei jede wesentliche Erinnerung an jenen Vorgang entschwunden. als UMltUIHl Hl. Er- ■teKrutMtimi uwvwfaleait •ew-tBiwdUal.) hemnotihBrw. '«■ UV lernte M Hei d. tim n, Llebenbv/ AttMtH |rili 1 to äurildbcrurett tjatre, ijr vet "flSiibdm Otto unstreitig zurllckgegangen. Marokko keine energischen Sch! . 's B>« mrokkanischcn Regierung gegenüber rst eme entgegen- p Eomntenbc versöhnliche Politik nicht angcbrackt. Rur die Aus Stadt und Kand. Laubach, 23. Mai. Zum 25jährigen Jubiläum des hiesigen Gymnasiums ist für den 2. August, abends, ein Fackelzug zu Ehren des Grafen mit nachträglicher geselliger Vereinigung vorgesehen. Das Programm für den eigentlichen Festtag, 3. August, lautet: Morgens Uhr Schulfeier im Gymnasium, offizielle Begrüßungen, Enthüllung eines von der Stadt Laubach gestifteten Gedenkbildes, nachmittags 7,2 Uhr Festtafel, Va5 Uhr Waldfest auf dem RamS- berg mit Aufführungen von Spielen seitens der Gymnasialschüler; abends 9 Uhr großer Kommers. Statt der geplanten Illumination ist das Abbrennen eines größeren Feuerwerks in Aussicht genommen. Samstag 4. August, vormittags, Ausflug in die Umgegend Laubachs. Das Erscheinen einer besonderen Festschrift ist vorgesehen, ebenso die Herstellung besonderer Festpostkarten. Vermischtes. * Der Ursprung des Ku s s e s. Der Kuß als Liebesäußerung ist eine verhältnismäßig; neue „Erfindung". Weder Homer noch Hesiod nennen den Kuß in unserem Sinne. Hektor küßt seine Andromache nicht, als er sich „ewig von[ ihr wenden will", Paris seine Helena nicht; Odysseus, der Vielgereiste und Vielgeliebte, hat weder bei der schönen Atlantide Kalypso noch bei der Zauberin Circe den Kuß gelernt, und bei seiner Heimkehr begrüßt er seine Gattin Penelope nur mit einer Umarmung ohne Kuß. Das Sanskrit und die Hieroglyphen haben keine Bezeichnung für den Kuß. Daß bei den Japanern der Kuß noch nicht üblich ist, ist bekannt. Cesare Lombroso, der Turiner Physiologe, führt das Küssen auf die Feuerländer zurück, bei denen es eine Art mütterlicher Sorgfalt für die junge' Braut war. Die Feuerländer kennen nicht den Gebrauch von Trinkgefäßen, sie legen sich zu dem Quell nieder und verschaffen sich den erfrischenden Trank, wenn sie ihn nicht Mit den Lippen erreichen können, mittels eines hohlen Halms, eines Rohrs, durch das sie das Wasser aufsaugen. Bei dieser Methode, Wasser zu schöpfen, müßten aber die kleinen Feuerländer, die noch im hilflosesten Kindesalter find, verdursten. Also nehmen die feuerländischen Mütter das Wasser in den Mund, und indem sie ihn auf das Mündchen ihrer Pfleglinge pressen, flößen sie ihnen den Trank ein. Das' ist ganz das Verfahren der Vögel, die ihren Kleinen in die aufgesperrten Schnäbel das Wasser gießen, das sie selbst mit ihren Schnäbeln aufgeschöpft haben. Aus diesem mütterlichen „Mund an Mund" hat sich die Uebung des Küssens entwickelt, die also eigentlich, nach Lombroso, ein Atavismus ist, eine Erinnerung an jene Urzeit der menschlichen Entwickelung, da „noch nicht das Weib über die Mutter, die Liebe über die Mutterschaft triumphiert hatte". Lombroso ist meist etwas kühn in seinen Schlüssen, aber diese Hypothese hat viel für sich. Die alten Römer erklärten freilich die Entstehung des Kusses anders. Sie meinten, der Kuß sei von Ehemännern erfunden worden, die sich durch die Berührung, der Lippen überzeugen wollten, ob die Frauen in der Abwesenheit ihrer Männer Wein getrunken hätten. rin kl« Mteratur. Das Verlagshaus „Vita", Berlin 50, veröffentlicht den ersten Band einer Eine Mark-Bibliothek, dessen erste und größte Erzählung, „Wilhelm der Eroberer" betitelt, eine rührende Liebesgeschichte ohne eine Spur von Sentimentalität bildet. Der lebensvoll geschilderte Schauplatz ist das völkerwimmelnde, sonnenverbrannte, von der Hungersnot und ihren Begleitern, der Cholera und Pest, gegeißelte Indien, für roelches das spontane Vorgehen unseres Kaisers gerade jetzt die höchste Teilnahme erweckt. Kipling ist als in Indien geborener und