1900 150. Jahrgang Sonntag den 25. November ErUes Blatt» •fr. 277 Zimts- und Anzeigeblatt für den Tireis Giefzen. IW Aezugsprei» vierteljährl. Mk. 2,3t monatlich 75 Pfg. mit Brmgerlohn; durch die Abholestelle» »ierteljährl. Mk. 1,9» monatlich 65 Pfg. Bei Postbezug Mk. 2,40 vierteljShrt mit Bestellgeld. Expedition und Druckerei: -Hrlflraße Nr. 7. Alle Anzeigen-BermittlungSstellen deS In- und Auslandes nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger entgegen Zeilenpreis: lokal 12 Pfg., auswärts 20 Pfg. ckier |8 unb dn SroM dahier werden die tyi ilttn emgckden vß r. iit Sauers * K/M „Trotz, Tod! Komm her, ich fürcht' Dich nit! Trotz, eil' daher mir Deinem Schnitt! Werd' ich nur verletzet, So werd' ich versetzet In den himmlischen Garten, Auf den wir alle warten. Freue Dich, schön's Blümelein". Adresse für Depeschen: Anzeiger Hießt» Fernsprecher Nr. 51. Gratisbeilagen: Gießener Familienblätter, Der hessische Fandmirt, Klütter für hessische Volkskunde. n 24. Avvemb' Erscheint täglich eit Ausnahme des Montags. Vie Gießener ßNAllieu d kälter MUn dem Anzeiger «Ntchsel mit „Hess. feMfeirt* w. „Blätter St Hess. Volkskunde" «tßtl. 4 «al beigelegt. d franco. filier als sonst wird in unferni Fürstenhause in diesem Jahre der gemeinsame ! Geburtstag unseres Großherzoglichen Paares gefeiert. Ls ist > Totensonntag. Besonders schwer hat der Tod in diesem Jahre die j Großherzogliche Familie getroffen und muß um so herber ausgenommen werden. Der Sinn eines Monarchen für die Familie ist nie ohne bedeutenden Ginfluß «ach die Geschicke seines Landes. Wie die Familie das Urbild des Staates ist, so schärft auch die Rücksicht auf eine eigene Familie, die Liebe zu den Seinen das ver- cmtivortungsgefühl des Herrschers für seine erweiterte Familie, für das Volk, auf das das wesen eines Herrschers stets mehr oder weniger zurückwirkt. Das hessische Volk ruf) ml die streng konstitutionelle Regierungsweise seines Landesherrn, die sich niemals auch nur das Allergeringste vergeben hat. vereinzelte Mißgriffe, die auf mangelhafte Information von feiten ungeeigneter Ratgeber zurückzuführen sind, mögen ja hier und da wohl einmal ein gewisses Unbehagen erzeugen. Das kann aber nicht im geringsten i.u Betracht kommen gegenüber der hochherzigen Art, in der Grnst Ludwig sein Fürslenamt begreift und verwaltet, und die unser unerschütterliches vertrauen zu ihm legrirudet. Friedrich der Große hat einmal gesagt, daß das erste Gefühl, das ein Fürs! haben soll, die Vaterlandsliebe ist. Wir wissen, daß unser Großherzog ganz won ihr erfüllt ist. Seit dem Tage, da die Sonne von Versailles aufging, stand fein erlauchter Vater mitten unter den deutschen Reichsfürsten, die nicht eines Augenblickes Spaiune hindurch dem untreu wurden, was sie in freiem Willen erkannt hatten. Und fcks echte deutsche Nationalgefühl hat sich voll auf den Sohn übertragen, der die närn- lid)c Erkenntnis hat, daß an der deutschen Einheit niemand rütteln darf und daß sie 511 Hillen oberste Aufgabe der deutschen Reichsfürsten ist. Großherzog Ernst Ludwig ist ein Herrscher seiner Zeit, ein moderner Fürst im treffen Sinne des Wortes. Daß er den Oberbürgermeister Gnauth zum Leiter der Finanzen feines Landes machte, war ja freilich für uns Gießener schmerzlich, zeugt Herzen nagt, wo man es nicht glauben wollte, was Frei- ligrath fo herzbewegend singt: O lieb', fo lang' du lieben kannst, O lieb', fo lang du lieben magst! Die Stunde kommt, die Stunde kommt, Da du an Gräbern stehst und klagst! Darum beweisen wir unsere Pietät gegen die Toten nicht nur sinnbildlich, durch äußere Zeichen, durch Blumen, die uns sowohl als Symbol der Freude dienen wie sie unsere Gefühle der Trauer verdollmetschen. — auch das Herz soll feine Eriunerungsfeier begehen. An all das Gute und Edle wollen wir denken, das die im ewigen Frieden Schlummernden im Leben geschaffen, an all die Zärtlichkeit und Hingebung, mit der sie uns so reich beglückt haben. Und wenn die Glocken der Erinnerung klingen, steigt die Vergangenheit leise herauf und aus ihren Nebelschleiern treten verklärte Bilder aller, die der Tod zu sich berufen hat. Ihre Schatten umschweben uns, wir glauben ihre Stimme, die alten trauten Laute zu vernehmen, ein liebes Auge scheint besorgt auf uns gerichtet zu sein und der Mund slüstert die alten zärtlichen Worte — Träume, Phantasien, sie kehren nimmer zurück, die Toten! „Es ist so schwer", sagt Heine, „sich von den: Tode der Menschen zu überzeugen, die wir so innig lieben. Aber sie sind nicht tot, sie leben fort in uns und wohnen in unserer Seele". Wenn am Totenfeiertage uns die ganze Schwere des Verlustes auf die (Seele fällt, dann ist der Gedanke Trost: die Toten wohnen in unserer Seele. Fast unbewußt handeln wir oft in ihrem Geiste und wir erfüllen ahnungslos die Mahnung des woran: „Willst Du Deine Toten ehren, so lebe nach ihrem Wunsche". Wenn wir morgen vor den Grabern stehen, dann können wir Lebensweisheit schöpfen aus Moder und Staub. Sie lehren uns den wahren Wert aller irdischen Güter und sagen uns, daß auch wir einst durch die dunkle Pforte "des Todes gehen müssen, in jenes „unentdeckte Land, aus dem kein Wanderer wiederkehrt". Aber auch über dem Grau des Allerseelentages leuchten noch Sterne: der Glaube und die Hoffnung, daß nur eine geringe Spanne Zeit uns trennt. Die Idee von der Unsterblichkeit der Seele zieht durch alle Re- ligioneu des Erdkreises. Und was Sokrates und Plato einst gelehrt, an dem halten auch heute gar viele fest: Der Tod ist nicht der volle Abschied des Lebens — es giebt ein Wiedersehen! Darum wohl denen, die, wenn der „Schnitter Tod" zu ihnen kommt, getrost mit dem Liede sagen: Politische Tagesschau. Im 7. und 8. Hefte des „Lotse n" (Verlag von Alfred Janßen in Hamburg) befindet sich ein Aufsatz: „Die deutsche Kolonialpolitik wie sie ist und wie sie sein sollt e" Der als „Ein Patriot" zeichnende, offenbar sachverständige Autor weist eine Reihe von Schäden und Fehlern unserer Kolonialpolitik nach und schließt seine Betrachtungen folgendermaßen: „Heute werden bald Häfen, bald Docks, bald große Dampfschiffe u. dergl. gefordert, obwohl die betreffenden Kolonien nochl'angenichtdie erforderliche Stufe der Entwickelung erreicht haben, wenn irgend eine einflußreiche Persönlichkeit oder Behörde es anregt. Man stürzt sich in die gewagtesten und kostspieligsten Expeditionen, man schafft europäisches Vieh nach afrikanischen Kolonien und ernährt es dort mit deutschem Preßheu, unbekümmert um die Kosten. Der Reichstag bewilligt ja doch alles. Auf diese Weise kann es nie zu einer gedeihlichen Entwickelung der Kolonien kommen. Wohin eine solche Politik führt, sieht man bei den spanischen und französischen Kolonien. — Irr England sind seit langen Jahrzehnten andere Grundsätze maßgebend. Ihr wichtigster ist: jede Kolonie ist auf ihre eigenen Einnahmen angewiesen. In regelmäßigen Zeiten darf sie nicht mehr ausgeben, als sie einnimmt Dieser streng durchgeführte Satz hat wesentlich das Gedeihen der britischen Kolonien herbeigeführt. Es steht eben bei ihnen wie bei einzelnen Menschen. So wie Leute, die immer wissen, daß sie sich auf die väterliche Kasfe, auch wenn sie noch so sehr über die Schnur schlagen, verlassen können, sich gewöhnlich nicht zu den besten Bürgern entwickeln, so gedeihen Kolonien nicht, die nicht von vornherein sich genötigt sehen, ihre Kräfte voll anzuspannen. Weist man erst die deutschen Kolonien für alle nicht militärischen'Zwecke auf ihre eigenen Einkünfte an, und steuert man damit allen verfrühten Plänen und Versuchen, dann wird es besser werden, eher aber schwerlich!" ptochj f. Eichener Anzeiger Eeneral-AnZeiger Wunj di.' sr •'n«"*1 Iib«>mc Den Anzeigen zu der nachmittags für txn Ulf nrrtt Dag erscheinenden Nummer bis norm. 10 Uhr. Abbestellungen spätestens abends vorher. chegG schift tnelmi chachlungSvoll Schmitl Wen aaplanögch ri aber von der edlen Unvoreingenommenheit, von dem scharfen Blicke unseres Landesherrn, der cs versteht, den rechten Mann an die rechte Stelle zu setzen. Und fo mancher fchaffensfreudige Künstler ist durch ihn angeregt und gefördert worden. Sind auch die Grenzen unseres Landes eng gezogen, der Name unseres Herrschers als Leiter des Staats- und Volkslebens, als Schirmer des Rechts, als Förderer von handel und Gewerbe, namentlich aber der Künste und Wissenschaften reicht um so weiter. Beginnen sich doch die Künste vornehmlich in unserer Landeshauptstadt unter der in gleicher Weise schaffenden und lenkenden Hand des Großherzogs zu nie geahnter Blüte zu entfalten. Des Festtags Krone ist unsere Großherzogin Viktoria Melitta, die nun an der Seite ihres heute 32 jährigen Gemahls in ihr 24- Lebensjahr tritt Das Walten ihres Einflusses macht sich auf den verschiedensten Gebieten bemerkbar. Wir erinnern nur, daß erst im Februar d. I. auf ihre Initiative und unter ihrem Protektorat in Darmstadt eine konstituierende Versammlung des Vereins zur Besserung der Wohnungsverhältnisse Minderbemittelter in . den Städten und auf dem Lande stattfand. Damals hielt unsere verehrte Landessürstin eine sehr bemerkenswerte sozialpolitische Ansprache, die von der angelegentlichen Fürsorge der hohen Frau für die Hebung der sozialen Lage der mit Glücksgütern wenig gesegneten Familien in Stadt und Land ein schönes Zeugnis ablegte. Und wie man weiß, ist der Großherzogin wohlwollende Anregung auf fruchtbaren Boden gefallen, und man ist ihr für ihr tiefes Interesse für das Wohl des Landes und hauptsächlich der minderbegüterten Klassen von Herzen dankbar. Das Herz jedes Hessen schlägt höher, wenn er das Großherzogliche Paar vereint sieht, und voll Innigkeit steigen für Fürst und Fürstin seine besten Wünsche gen Himmel. Beiden steht nach menschlichem Ermessen noch ein langes Leben bevor; möge es gesegnet sein in seinem Wirken, dem hohen paare zum Ruhme, dem hessischen Volke zum Wohle! $y* Uhr, Totensonntag. Gießen, 24. November 1900. „Es ist ein Schnitter, der heißt Tod, Der hat Gewalt vom höchsten Gott. Hüte Dich, schon'S Blümelein." Durch die Lieder aller Völker der Erde geht eine ickvermütige Klage, daß alle Schönheit vergehen und M Blume verwelken muß. Der herrliche griechische Held Achilles und der deutsche Sigfrid, die beiden schönsten tzrldengestalten der Dichtung, werden in der Blute der Irgend jählings dahiiigerasst. In solchen Klageliedern iß! früh versunkene Jugend- und Heldenkraft spricht sich bue tiefe Trauer des Menscheuherzens aus, das nicht aus- jliren kann, über das Todesgeschick, das auf uns allen fojtet, zu weinen. Was für ein Rätsel ist doch der Tod! ^n :evfenb und abertausend Keimen ringt sich das Leven pim Licht hervor, in stärkstem Lebensdrang sucht es )ul) b» behaupten, mit innerem Schauder strebt es dem grauen- teilen Dunkel des Todes zu entfliehen, um docls-zuletzt l'iine. unentrinnbare Beute zu werden. Warum bei tiefstem Äeusdrang doch dies" unabwendbare Todesgeschick? Äelcher Weise hat das je zu ergründeu vermocht! 3n das undurchdringliche Geheimnis des Todes gkbi dem gläubigen Christen das christliche Evangelium esieil Lichtstrahl. „Der Tod ist der Sünde Sold — er ist feniitm zu allen Menschen durchgedrungeu, dieweil sie alle gejintbigt haben." Wer am Sterbebett lieber Verwandten gelniet und die bitteren Schmerzen des Sterbens und dck Todes gefühlt hat, der hat, so sagt sich der Gläubige, an seinem inneren Menschen etwas vom Gerichte Gottes Mer die Sünde erfahren. Der Tod ist ihm nicht eine blinde Naturmacht, sondern, wie das Volkslied sagt, vom knitter Tod — „der hat Gewalt vom höchsten Gott". Aber die Bibel sagt auch: „Sterben ist mein Tew i n 11". Die dunkle Pforte des Todes wird dem gläubigen Christen die Thür zum ewigen Leben, wenn All „uns mit Gnaden zu sich iu den Himmel" nimmt. Kot), Sünde und Schmerzen, die kennt man danicht 2hi-k() das Dunkel des Todes leuchtet dem ^laubigen die Herrlichkeit der ewigen, erlösenden Liebe Gottes. Das Fest,-das die evangelische Kirche morgen leieit, Zill den Schmerz, den der Verlust geliebter Toten brachte, über toinben lehren, indem es die Zuversicht begründet, baü der Entschlafenen bestes Teil uns unverloren ist, vMchoben in der Gemeinde der Seligen. Allerdingv i! solches zu überwinden sehr schwer, wo die Schuld am Der Psksta-i s- &•$>* 14 Aus Stadt und Kand. Gießen, 24. November 1900. ** Zum Totenfeste. Gedenket eurer Toten! So ruft uns der letzte Sonntag des Kirchenjahres zu. Wir wollen den Lärm des Kampfes, der bedauerlicherweise rn diesem Jahre über diesen stillen Gedenktag entbrannt rst, heute hinter uns zurücklassen, den ernsten Mahnungen, die er an uns richtet, unser Herz öffnen. Die Lieben alle, die vor uns von dieser Erde geschieden sind, stehen vor unseren Augen, grüßend und mahnend. Und die Erinnerung an all den Segen, den wir von ihnen bei ihren Lebzeiten empfangen haben, der Dank für alles Gute, das uns durch sie beschert ward, tvacht mit dem Schmerze darüber wieder auf, daß sie uns entrissen sind und wir ihnen nichts Liebes mehr erzeigen, keinen Beweis unserer Dankbarkeit mehr geben können. Das ist es, was uns hinaustreibt zu ihren Gräbern und uns die Hügel schmücken läßt, unter denen ihre Gebeine ruhen. Aber was solcher Feier ihren tiefen Sinn giebt, das ist die unausrottbar im Menschenherzen lebende Gewißheit, daß die Liebe nimmer aufhört. Gedenket eures Todes! So ruft uns das Totenfest zweitens zu. Der Weg, den eure Verstorbenen gegangen sind, steht auch euch bevor. Was ihr hier auf Erden treibt und unternehmt, erlebt und erleidet, das kommt alles zum Schluß, wenn es heißt: bestelle dein Haus, denn du mußt sterben! Wohl dem, der auf diesen Schluß bereitet ist, wenn die Summe seines Lebens gezogen wird. Wohl uns, wenn wir den Frieden haben, der nicht von dieser Welt ist, und das Leben, das kein Tod uns rauben kann! ** Geschäftspapiere. Obwohl Geschäftspapiere nunmehr auch im inneren Verkehr Deutschlands zu ermäßigtem Portosatze zulässig sind, herrscht doch vielfach noch bezüglich der Frankierung und Verpackung der Geschäftspapiere Unklarheit. Die Folge davon ist, daß nicht selten zum Verdruß der Absender unvorschriftsmäßige Sendungen mit Strafporto belastet oder überhaupt als unzulässig zurückgegeben werden. Zur Vermeidung solcher Fälle beachte man nachstehendes: Geschäftspapie.re sind zulässig im inneren Verkebr Deutschlands, im Verkehr mit den deutschen Schutzgebieten, im Verkehr mit den fremden Ländern des Weltpostvereins, ausschließlich Oesterreich-Ungarns. Geschäftspapiere nach Oesterreich- Ungarn müssen entweder af? Brief oder als Paket zur Versendung gelangen. Das Meistgewicht der Geschästs- papicre beträgt im inneren Verkehr 1 Kilogramm, im Verkehr mit den deutschen Schutzgebieten und dem Ausland 2 Kg. Geschäftspapiere müssen frankiert sein. An Porto ist zu entrichten: a' im Ortsverkehr: bis 250 Gr. 5 Pf., über 250 bis 500 Gr. 10 Pf., über 500 bis 1000 Gr. 15 Pf.; b) im Verkehr mit anderen Orten des deutschen Reiches, sowie im Verkehr mit den deutschen Schutzgebieten: bis 250 Gr. 10 Pf., über 250 bis 500 Gr. 20 Pf., über 500 Gr. bis 1 Kg. 30 Pf., über 1 Kg. bis 2 Kg 60 Pf. (über 1 bis 2 Kg. nur zulässig im Verkehr mit den Schutzgebieten und im Verkehr mit dem Auslande.) c) im Verkehr mit dem Ausland: für je 50 Gr. 5 Pf., mindestens jedoch 20 Pf. für eine Sendung. Geschäftspapiere können auch unter Einschreibung versendet werden. In diesem Falle ist außer dem gewöhnlichen Porto eine Einschreibegebühr von 20 Pf. zu entrichten. Wird eine Bescheinigung des Empfängers über die Zustellung der Sendung (Rückschein) gewünscht, dann sind außerdem noch 20 Pf. Rückscheingebühr zu zahlen. Als Geschäftspapiere, auf die die ermäßigte Taxe Anwendung findet, sind anzusehen alle Schriftstücke und Urkunden, die ganz oder teilweise mit der Hand geschrieben oder -gezeichnet sind, die nicht die Eigenschaft einer eigentlichen oder persönlichen Korrespondenz haben, wie von öffentlichen Beamten aufgenommene Urkunden, Prozeßakten, Frachtbriefe, Ladescheine, Rechnungen, Dienstpapiere der Versicherungsgesellschaften, Abschriften, Auszüge, handschriftliche Partituren oder Notenblätter, Manuskripte von Werken oder Zeitungen, korrigierte Schülerarbeiten, Militärpässe, Ueberweisungsnationale militärpflichtiger Personen, Lohn-, Dienst- oder Arbeitsbücher, sowie Quittungen auf gestempeltem oder ungestempeltem Papier. Sendungen mit Geschäftspapieren unterliegen in Bezug auf Form und äußere Beschaffenheit den für Drucksachen geltenden Vorschriften. Geschäftspapiere müssen daher derart verschlossen sein, daß der Inhalt leicht geprüft werden kann. Zu diesem Zweck müssen Geschäftspapiere entweder unter Band, auf eine Rolle, zwischen Pappstücke, oder in einem offenen Umschlag gelegt oder derart einfach zusammengefaltet sein, daß die Natur der Sendung nicht verhehlt wird: sie können sich auch unter einer leicht zu lösenden Verschnürung befinden. Geschäftspapiere, die den bestehenden Bestimmungen nicht entsprechen, werden von der Beförderung ausgeschlossen. Unzureichend frankierte Geschäftspapiere werden mit dem doppelten Betrag des fehlenden Portoteils belastet. Darmstadt, 21. November. Das vielgestaltige Leben der Neuzeit bringt immer neue bezw. verschärfte Anforderungen an die Gesamtheit und den Einzelnen mit sich, und auch auf dem Gebiete des Staatsbauwesens unseres Heimatlandes waren in den letzten zwei Jahrzehnten unseren Technikern mancherlei schwierige Aufgaben gestellt. Daß in dieser Hinsicht Hervorragendes geleistet wurde, und zwar in Entwürfen und Ausführungen von Staatsbauten für die Zwecke des Unterrichts der Rechtspflege, des Verkehrswesens u. a. m., davon zeugt eine Ausstellung von Plänen und Zeichnungen bedeutenderer hessischer Staatsbauten, mit welchen sich der hessische Staat an der diesjährigen deutschen Bau-Ausstellung in Dresden beteiligte und die nunmehr im Sitzungssaale der Großh Zentralstelle für die Gewerbe, Neckarstraße 3, der öffentlichen Besichtigung zugänglich gemacht worden sind Wir sehen da auf großen Kartons u. s. w. zwei große Verkehrswerke: die Mainzer und die Wormser Nheinbrücke, und die Pläne der großen Stauanlage bei Offenbach, ferner den großartigen Gebäudekomplex der Technischen Hochschule. Ebenfalls sehr wirkungsvoll vräsentiert sich die die umfangreiche Anlage der klinischen Neubauten der Landesuniversität Gießen, nach dem Pavillon-System erstellt. Aehnliches gilt für die Bauten auf dem aus- gedebnten Gelände des Landeshospitals Hofheim. Wie bei diesen hat man bei der baulichen Anlage der Zellenstrafanstalt Butzbach die neuesten Errungenschaften der Technik und Wissenschaft sich zu nutze gemacht. Eine Reihe von Amtsgerichtsgebäuden zeigt in der Durchführung des Entwurfs, wie man mit verhältnismäßig einfachen Mitteln doch augengefällige, ansprechende Wirkung unter voller Wahrung des Charakters solcher Gebäude erzielen kann. Gleichen Grundsätzen, wie angedeutet, ist bei den neuen Oberförsterwohnungen Rechnung getragen. Die Pläne rc. des Neuen Gymnasiums in Mainz, dessen Mittelpartie sich durch etwas reichere Renaissanceformen wirkungsvoll heraushebt, und des Neuen Gymnasiums in Darmstadt, sowie der wohlbekannte prächtige Bau der Zentralstelle mögen unseren kurzen Ueberblick über eine sehr interessante Ausstellung schließen. (Darmst. Ztg.) Offenbach, 21. November. Auf eigenartige Weise kam gestern nachmittag eine in der Kaiserstraße sitzende Obstverkäuferin zu recht erheblichen Brandwunden, die sie vermutlich für einige Tage an das Krankenbett fesseln werden. Die Frau hatte sich den üblichen kleinen, mit glühenden Kohlen frisch gefüllten Topf unter die Füße gestellt und dabei nicht beobachtet, daß ihre Kleider sich alsbald an den Kohlen entzündeten und zu brennen begannen. Ein vorübergehender Schutzmann, den der aufsteigende Qualm aufmerksam gemacht hatte, sprang hinzu und leistete thatkräftige Hilfe. Die Frau wurde zu einem in der Nähe wohnenden Arzt verbracht. — Die Versteigerung der Mainfischerei hat gestern auf dem Stadthaus stattgefundcn. Höchstbietende blieben der Fischereiverein mit 701 Mk., Herr Joseph Jakob mit 702 Mark und Herr Friedrich Koburger rmit 703 Mk. Die beiden letzten Gebote wurden von den Bietern nicht im Auftrage, sondern für sich selbst abgegeben. Da die Stadtverordneten sich mit der Genehmigung auch die Wahl unter den drei Höchstbietenden Vorbehalten haben, so würde also einem der Vorgenannten der Zuschlag zu erteilen sein. Indessen dürfte es zu einer Emtscheidung darüber zunächst noch nicht kommen, da Herr Adolf Kappus gegen die Entscheidung des Kreisausschusses Rekurs beim Provinzialausschuß eingelegt und mit Rücksicht darauf auch gegen die Vornahme der Versteigerung protestiert hat. So lange die Entscheidung der angerufenen höheren Instanz nicht erfolgt uni) rechtskräftig geworden ist, kann sonach über die Fischerei nicht anderweit verfügt werden. Frankfurt a. M., 22. November. Als im Mai d. I. ein Streik der Schreiner hier ausgebrochen war, stand der Schreiner Neuland Streikposten. Ein Schutzmann forderte ihn am.21. Mai gegen mittag auf, sich aus der fraglichen Straße und Gegend zu entfernen. Neuland ging auch fort, kam aber nach einigen Minuten wieder und wurde nun von dem Schutzmann zur Wache gebracht. Nachdem sein Name festgestellt worden war, erhielt Neuland ein Strafmandat in Höhe von 10 Mark. Das Schöffengericht spracht aber den Angeklagten frei, da das Streikpostenstehen nicht strafbar sei. Die Strafkammer hingegen hob diese Entscheidung auf und verurteilte! den Angeklagten zu einer Geldstrafe aus Grund einer Polizeiverordnung vom 10. August 1872, wonach sich der strafbar macht, der den zur Erhaltung der polizeilichen Ordnung auf der Straße ergehenden Anordnungen nicht Folge leistet. Die Strafkammer nahm an, daß es gegen mittag zwischen den Streikposten und den Arbeitern, die weiterarbeiteten, leicht zu Reibereien beim Verlassen der Arbeitsstätte kommen und die öffentliche Ordnung gestört werden könnte. Unter diesen Umständen habe sich der Angeklagte strafbar gemacht, da er sich nur zum Schein entfernt und bald wieder zurückgekehrt sei, um in der fraglichen Straße Streikposten zu stehen. In seiner Revision rügte der Angeklagte, daß er verurteilt worden sei, obwohl das Streikpostenstehen nicht bestraft werden könne. Das Berliner Kammergericht wies jedoch die Revision als unbegründet ab und führte aus, das Streikpostenstehen sei an und für sich picht strafbar; strafbar sei es nur dann, wenn dadurch gegen Strafvorschriften verstoßen werde. Dies sei hier der Fall. .Der Schutzmann habe Reibereien befürchtet und die Auffor-, derung Mr Erhaltung der Ordnung auf der Straße an den Angeklagten gerichtet; dieser hätte der Aufforderung nachkommen müssen. Für Frauen. Immer häufiger werden neuerdings Frauen als Waisenpflegerinnen verwandt. Zu Anfang des laufenden Jahres waren z. B. in Berlin 438 Frauen, 41 mehr als im Vorjahr, in diesem Amte thätig. Die weitaus größte Zahl der Waisenräte spricht sich anerkennend über die Thätigkeit der Frauen aus, nur beklagt man, daß in ärmeren Gegenden, also gerade dort, wo sie am nötigsten wären, sehr schwer Damen zu finden sind, die sich für dieses Ehrenamt eignen und zur Ueber- nahme desselben bereit sind. In einigen Fällen beschränkt sich die Thätigkeit der Waisenpflegerin nur auf die Beaufsichtigung der sogenannten Haltekinder, d. h. der Kinder unter vier Jahren. In anderen Fällen führen die Damen die Aufsicht auch über die älteren weiblichen Mündel, ja es wird ihnen gelegentlich sogar die Auszahlung des von der Stadt gezahlten Kostgeldes überlassen. Am angemessensten ist es, einer Dame etwa 10 bis 12 Fürsorgen zu übertragen, und es muß darauf gehalten werden, daß jeder Pflegling monatlich besucht wrrd. Uebrigens hat sich bei diesen Besuchen herausgestellt daß die Haltung der Pflegekinder seitens ihrer Pflegeeltern durchgehends gut ist. „In einzelnen Familien erfuhren Pflegekinder eine so liebevolle, fürsorgliche Behandlung, wie sie nur ein gutes Elternhaus zu bieten vermag". Universität und Hochschule. — Aus Chicago schreibt man der „Köln Ztg.": Der Stolz vor Fürstenthronen ist auch in Amerika nicht allzu häufig, wo ore Könige keine Kronen tragen. Die Universität Chicago ist bekanntlich eine Schöpfung Rockefellers, der den Petroleumhandel beherrscht, und Rocke- feller nimmt einen sehr persönlichen Anteil an der Leitung der Anstalt. So suchen bmn die Professoren sich sein Wohlwollen zu verdienen, besonders durch Kaihederaussprüche, die hier mit großer Leichtigkeit in die Presse übergehen. Prof. Shepardson z. B. erniedrigte sich, zu verkündigen, die Straßenausstände von heutzutage seien ein Ueherreft der barbarischen Triebe der Vorfahren vom Revolutionskrieg Er glaubte, damit der stark ausgeprägten Abneigung Rockefellers gegen alle Art Auflehnung sich gefällig zu erw'isen. Roch höher schwang sich Prof Triggs auf, der feierlich verkündigte, Rockefeller stehe auf einer Stufe mit — Gietzen, 2 ttatt. . M Iien- % im H und nal 6738 getrunken. Met im Ltem's fiittteWs ö «r, Shakespeare. Das war denn dem Standard-Oil Magnaten in New-York zu toll und er verbat sich solche Albernheiten in einem Schreiben, da- allerdings im kräftigsten Stil Shakespeares gehalten gewesen sein'mutz. Der Präsident der Universität berief also das Kollegium zusammen und gab die nötigen Verweise, und als ein Lehrer meinte, man solle den Studenten das Recht, für die Zeitungen zu schreiben, entziehen, erwiderte der Präsident, Dr. Harper, er wünsche Oeffentlichkeit, aber die Lehrer sollten sich so benehmen, daß ihre Aeußerungen und Handlungen der An- stalt Ehre und nicht Schimpf brächten. (frtue richtige Lebensweise verhindert Krankheiten. 1. Deze Mein Nr« r/wr oberen Oa, fit Ml Men, rvozu die Ve Nächsten Wi® Uhr, wird Wer affo auf seine Hesuudheit bedacht ist sollte Bohnenkaffee nur mit einem gröheren Zusatz von Kathreiners Walz- Kaffee trinken. 5>er bekömmliche „Kathreiner" wird seines Woht- geschmackes wegen auch vietsach pur MrerAöaiM cherjogio Montag in der Restaura W, zu welchm rein geladen wnder 35 li V $ Mari 3*800,( A ^Milglie 6egei b«7 »„ Stoffe, Sammle,VelvetSsS» Blusen, Besah liefern wir direkt an pr Mw ' Man vcrl. Muster unserer großen Auew & Keussen, Handlung Die nächste Drei Kunst und Wissenschaft. — «rnst Ecksteins Begräbuis. Aus D r e 8 d e n, 22. November wird geschrieben: Infolge der vornehmen Bescheidenheit deS Dichters und Schriftstellers Dr. Ernst Eckstein war auch fein gestriges Begräbnis sehr einfach. Außer den Angehörigen und nahen Freunden waren nur die Mitglieder des Ortsverbands der Pensionsanstalt deutscher Schriftsteller und Abordnungen der Litterarischen Gesellschaft und des Symposion erschienen. Die Leichenrede hielt Diakonus Coßmw« über das Wort „Ich weiß wohl, was ich für Gedanken über Euch habe, nämlich Gedanken des Friedens und nicht des Leidens." Zu einer stillen A schiedsfeier sei man zusammengekommen am Sarge eines nach langem schweren Leiden erlösten Mannes, der, auf der Höhe und in der Vollkraft seiner Jahre stehend abberufen worden sei. Gin Trost angesichts der Leiden sei es, daß Ernst Ecksteins Tod für ihn eine Erlösung war, daß er ein sanftes Ende hatte. Eine herrliche Gabe habe Gott dem Verstorbenen gegeben, sodaß er es vorwärts brachte und weit über die Grenzen seines Vaterlandes hinaus bekannt geworden fei, durch fas, was er mit seinem Humor und durch die Behandlung antiker Stoffe geschaffen habe. Namens des Symposion feierte Professor Dr. Adolf S t e r n die Bedeutung Ecksteins als Mensch und Schrift, steller und legte als Zeichen lobenden, warmen Dankes, treuen Gedenkens und ehrender Huldigung einen Lorbeerkranz nieder. Für die Litterarische Gesellschaft sprach Major Nicolai die Worte: Mögest - Du auf dem Lorbeer, den Du im Leben in so reichem und ehrendem Maße errangst, nun ausruhen in Frieden. Lorbeersei Dir auch noch im Tode gespendet! — Die Brarrn'sche drahtlose Telegraphie. Der ßdkr des physikalische- Instituts an der Straßburger UntoerfiA', Prosisso Dr. Ferdinand Braun, hielt am 16. November not einem großen Publikum im Hörsaal seiner Anstalt einen Vortriz über Verb sserungen der drahilosen Telegraphie, die er gefunden und Mit Erfolg erprobt hat. Der Vortragende gab zunächst die G.- s vichle der ganzen E findung, schilderte die Marconi'schen Versuche, bei denen schon 1897 dis auf etwa 12 Kilometer Depeschen versendet we den konnten, und dob sodann den Hauptmangel des Marconi'schen Apparats hei vor Durch jene erwähnten Versuche nämlich konnte man zu dem Feh schluh gelangen, daß Depeich-n auf weitere Entfernungen erzielt werden mußten, wenn man kiästigere Jndukttons- Avp-iiate verwendete. Dies geht aber, wie schon Hertz gefunden batte, nicht. Es gibt eine bestimmte günstigste Fu-ckentänae, da über hinaus hilft alle wettere Eneraiezusuhr nichts m«hr, die Energie der Wellen ft rgt nicht weiter, d-e M hrzufuhr ist vergeudet. Nach Prof. Braun läßt sich nun dieser Uebelstand und zugleich dteGffäh ltchkeil dn staiken Ladungen vermeiden, wenn man den Sender nicht, wie es bish-r pefdab, durch sta'i'che Ladungen, sondern durch Induktion zu elektrischen Schwingungen anregt. Der Sender stellt einen eitijfytn, nicht durch eine Funkrnstrecke unterbrochenen Metalldraht dar. Sein unteres Ende ist zu e ner Spirale gewickelt. Neben dieser, aber von ,hr getrennt befindet sich eine andere, gewöhnlich nur aus ma Windung dicken Drahtes bestehend, die sogen. Primärwmdung. Durtz die letztere entladen sich Leydener Flaschen. Dabei entstehen elektrische Wellen im Primärdraht und diese erregen solche im Senderdraht. - Hier kann man in nützlicher Weise die zugeführte Energie steigern, unv es ist theoretisch keine Grenze für die praktische Energieitelgerung abzusehen. Die so im Sander entstehenden Wellen sind ganz ungefähiltch und sehr leicht zu isolieren. Prof. Braun führte diese Anordnung vor. Er zeigte, daß die auS einem Senderdraht gezogenen, langen, Hellen Funken kaum zu spüren waren; er ließ den Geber auf einen benachbarten Empfänger wirken, in dem er Funk-n erzeugte, die eine Glüh' lampe ausleuchten ließen. Er berührte b.n Sender mit einem nassen, zur Erde abgeleiteten Bindfaden. DaS änderte an der Empfängerwirkung gar nichts, während der Paralleloerfuch mit Marconischaltun- sofort den Sender wirkungslos machte. Die Braun'sche Senderanordnung verlangt — soll ihre Wirkung voll zur Geltung kommen, — daß Sender- und Primark-els aufeinander abgestimmt sind. Aus dieser Resonanz e>Hält sich, wie der Redner an einem mechanischen Beispiele derlegte, das Ansteigen der S ndeiwellrn bis zu den überaus hohen luden. U d da sich im Sender keine U terbrechungsstclle btftwa, so sind diese Wellen schwach aedämpft, sie ha ten lange an unb ro^tu dadurch gewissermaßen nachhaltig. Sie erfüllen damit v Grundbedingung, die für elektrisches Abstimmen von einem ©ewa auf einen Empfängerapparat notig ist. Aus den Zahlen b folgt, daß die „Tra iw.üe" des von ihm benutz-en Senders, Mö unempfindlich-ren Empfängers, die des MMconüS < . Benutzung empfindlicheren Empfängers) nach dem vorl.egendtn 3" hat . Bi nun schloß seinen Vortrag mit den Worten Man hat die brabtlofe Telegraphie wohl als Funkentelegraph e b', leidmet Allerdings ist ein Funke an irgend einer Stelle bisher nicht zu ve-meiden. Er ist aber hier möglichst unschädlich gemacht. Dies ist wichtig; denn der Funke, welcher die Wellen erzeugt, verzehrt sie auch wieder, wie Saturn seine eigenen Kinder. Was hier erstrebt wurde, könnte man eher eine funkenlose Telegraph» n n^en sowie 6984 Kesultz rillkS Sltzrkjbgrhilsen Zuverl. Einkassierer Neuenweg 10. zu vermieten. 'M 5 tüchtige Schiffen bergerweg, unter Steins Garren. Am 1. 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