M. 250 Zweites Blatt. DonnerSta« den 25. Oktober 150. Jahrgang I»GS Gießener Anzeiger General-Anzeiger Alle Anzeigen-Vermittlungsstelleu deS In- und Auslandes nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger entgegen. Zeilenpreis: lokal 12 Pfg., auswärts 20 Pfg. Uezugspreks vlerteljährl. Mk. 2,20 monatlich 75 Pfg. mit Bringerlohn; durch die Abholestellen vierteljährl. Mk. 1,90 monatlich 65 Pfg. Bei Postbezug Mk. 2,40 vierteljährl, mit Bestellgeld. Annahme von Anzeigen zu der nachmittags für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis vorm. 10 Uhr. Abbestellungen spätestens abends vorher. Grscheint Lü glich mit Ausnahme deS MontagS. Die Gießener AnmitieuStätter werden dem Anzeiger im Wechsel mit „Hcff. Landwirt" u. „Blätter für heff. Volkskunde" rvöchtl. 4 mal beigelegt. Aints« und Anzeigeblatt für den Ureis Gieren. L", ------" " ■ — Redaktion, Expedition und Druckerei: Schurstraße Nr. 7. Gratisbeilagen: Gießener Familienblatter, Der hessische Landwirt, Mütter für hessische Uotbsbunde. Adresse für Depeschen: Anzeiger Hieß««. Fernsprecher Nr. 51. Politische Tagesschau. Berlin, 23. Oktober. Der bisherige Unterstaatssekretär Frhr. von Richthofen wurde zum Staatssekretär deS Auswärtigen Amtes ernannt. Oswald Freiherr von Richthofen geboren ‘13. Oktober 1847 zu Jassy als Sohn des Diplomaten Emil von R-, studierte 1866 bis 1869 in Berlin und Heidelberg Rechts» und Staatswissenschaften, machte die Kriege von 1866 und 1870/71 mit, und trat 1876 als Hilfsarbeiter in das Auswärtige Amt. Nachdem er 1881 zum vortragenden Rat befördert worden war, wurde er 1885 als Vertreter Deutschlands zum Mitglied der Direktion der ägyptischen Staatsschuldenkasse ernannt, in welcher Stellung er eine sehr ersprießliche Thätigkeit zur Regelung der verworrenen ägyptischen Finanzverhältnisse entwickelte. Als im Oktober 1896 der Direktor der Kolonialabteilung Kayser dieses Amt niederlegte, wurde R. unter Beförderung zum Wirkt. Geh. Legationsrat als sein Nachfolger an die Spitze der deutschen Kolonialverwaltung berufen und auch zum stellvertretenden preußischen Bundesratsbevollmächtigten ernannt. Im Jahre 1897 wurde er zum Unterstaatssekretär befördert. Herr v. Richthofen gilt als gewandter Diplomat und Redner. In seiner bisherigen Thätigkeit ist er zwar redne» risch nicht besonders ausfallend hervorgetreten, was wohl daran gelegen haben mag, daß ihm Herr v. Bülow diese Arbeit abnahm. Wenn es bei der Neubesetzung dieses wichtigen Amtes vor allen Dingen darauf ankam, einen eingeweihten Diplomaten und geschäftstüchtigen Vertreter zu finden, so darf man wohl die Besetzung des Amtes mildem Erwählten als eine glückliche bezeichnen. lieber die Errichtung einer deutschen Kohlenstation im Roten Meere wird aus Massauah gemeldet: Ein deutscher Dampfer landete auf der arabischen Seite der Insel Farsan Kohlen. Es heißt, die Insel Farsan werde nur zeitweilig als Kohlenstation benutzt werden, solange deutsche Kriegsschiffe nach Oftasien gehen. Jetzt find zwei deutsche Kriegsschiffe dort. Die türkischen Behörden wiffen genau, was vorgeht. Farsan ist die größte einer Gruppe von kleinen Inseln, ungefähr zwei Stunden von der arabischen Küste entfernt, gegenüber Massauah. Es ist das Zentrum der Perlenfischerei. Eine Petroleumquelle ist dort kürzlich gesunden worden. Die Insel bietet einen vorzüglichen Hafen. Die Farsaninseln bilden eine Gruppe kleiner Eilande im süd» lichen Telle des Roten Meeres, 49 Kilometer vor der Küste Arabiens. Die Gruppe enthält zwei größere Inseln mit Perlen- und Korallen- sischerei. Auf die oben erwähnte Farsaninsel bezog sich offenbar auch die vor einigen Tagen verbreitete Meldung, daß Deutschland eine kleine Insel im Roten Meere, namens Wroan oder Uruan, erworben habe. Der Krieg in China. Das englisch - deutsche Abkommen hat die Ber- hältnisse im Aangtsethal wieder in den Vordergrund des Interesses gerückt. Eine anziehende Schilderung veröffentlicht der preußische Regierungsbaumeister Schönsee über die Kaibauten vor der deutschen Niederlassung in Hankau im „Zentralblatte der Bauverwaltung". Während bis vor wenigen Jähren in dieser für den europäischen Handelsverkehr höchst bedeutsamen Flußstadt nur die Engländer, Russen und Franzosen eine Niederlassung hatten, und zwar noch innerhalb der Stadtmauer, ist letzt außerhalb der Stadtmauer ein großer viereckiger Platz für eine deutsche Niederlassung bereitgestellt, der nicht weniger denn 1150 Meter Flußfront hat und alle Bürgschaften für eine gediegene Entwickelung bietet. Die deutsche-asiatische Bank in Berlin hat zunächst 700 Meter Länge dieser Uferfront durch den Baumeister Schönsee befestigen, ausbauen und mit sechs Treppenanlagen versehen lassen. Der Bau begann unter geschickter Benutzung des Niedrigwassers am 11. November 1899 und war schon am 1. April 1900 vollendet. Eine von der „Daily Mail" verbreitete Nachricht von einer E r k r a n k u n g des Generalfeldmars challs Ä r a f e n W a l d e r s e e an Dysenterie kann sich — wenn sie überhaupt begründet ist — nur auf ein leichtes Unwohlbefinden beziehen. Jedenfalls ist, wie die „Nordd. Allg. Ztg." erfährt, von einer Krankmeldung des Oberbefehlshabers nichts bekannt. Ein Telegramm aus Peking vom 22. meldet: Der deutsche Gesandte v. Mumm ist heute hier eingetroffen. Wie mehrere Pariser Blätter melden, erhielt der Pariser chinesische Gesandte ein Telegramm Li-Hung- Tschangs, das besagt, der französische Gesandte Prchon sei schwer erkrankt; es sei deshalb nötig, einen anderen Bevollmächtigten zu ernennen, damit die Verhandlungen keinen Aufschub erleiden. „Echo de Paris" meldet, daß wegen der Gefahr eines Aufruhrs in den südlichen Pro vinzen Chinas die französische Regierung die Bildung eines leicht beweglichen Truppenkorps v o n 3800 M an n «us verschiedenen Waffengattungen beschlossen habe. Die Truppen werden Ende dieses Monats in Marseille und Iden algerischen Häfen eingefchifft werden. Den Kern dieser Truppen werden die verschiedenen algerischen Regimenter liefern. Die Truppen werden in einem Hafen Tongkings gelandet werden. Im Bedürfnisfall sollen auch zwei Batterien Artillerie beiaegeben werden. Aus Kanton wirb berichtet, daß die Konsuln gefahrdrohende Nachrichten erhalten hätten, Kanton selbst aber verhältnismäßig ruhig sei. Nach Mitteilungen von Flüchtlingen aus Huitschau machen die A u f st ä n d i s ch e n Fortschritte. Sie werden überall von dem Volke willkommen geheißen, bezahlen alles, was sie entnehmen, und werden daher als Gäste behandelt, nicht als Feinde. Man nimmt an, daß zehn Rebellenführer vorhanden sind, deren jeder eine besondere Abteilung führt. Die im Hinterlande des britischen Kaulungebietes stehende Abteilung schlug am 15. Oktober eine starke Abteilung der Truppen des Admirals Ho; die letzteren hatten 100 Tote. Aus Aokoha m a wird vom 23'. amtlich gemeldet, die russischen und japanischen Truppenführer hätten ein Abkommen geschlossen, demzufolge Rußland allen Verkehr auf der Bahnlinie zwischen Yangtsun und Schau Haikuan und ebenso an der letztgenannten Station leitet. Die Verbündeten hätten das Recht, die Linie für militärische Zwecke zu benutzen. Rußland benutze die Bahnlinie nordwärts bis Mutschwang, willige aber ein, in der Provinz Tschili ein ausreichendes rollendes Material für Zwecke der Verbündeten bereit zu halten. Nach einer Meldung der „Daily Mail" aus Shanghai zeigt Rußland eine hartnäckige Abneigung gegen die Rückgabe der Bahnlinie Tientsin- Sch an Hai kuan und des von ihm besetzten Abschnitts der Linie Tientsin-Peking an den englischen Betriebsstab. Graf Waldersee thue sein Bestes in dieser Angelegenheit, sie falle jedoch nicht in seinen,militärischen Wirkungskreis. Sämtliche Bahnhöfe, sogar die Wagen erhielten russische Bezeichnungen und würden in russischen Farben angestrichen. Die „Wiener Pol. Korr." meldet aus Petersburg, man sei erstaunt über das Mißtrauen der englischen und amerikanischen Organe gegen Rußland, das stets an seinem Programm fest gehalten habe. Dieses Programm sei: Möglichste Begrenzung und rasche Beendigung der chinesischen Wirren unter Erhaltung der territorialen Integrität Chinas und Ausschluß von Experimenten, die dem Bestände der Dynastie oder dem Reichs- zufammenhang gefährlich werden könnten. Die Rückkehr des russischen Gesandten v. Giers nach Peking bekunde, daß Rußland nicht daran denke, seinen Platz im Konzerte der intervenierenden Mächte zu räumen. Nach der kaiserlichen Kundgebung dürfe aucb bezüglich der Mandschurei niemand bezweifeln, daß Rußland nicht über die gemeinsamen Ziele, nämlich die Sicherung der faktisch schon vorhandenen Interessen hinausgehen werde. Demgemäß sehe man in den Grundsätzen des englisch-deutschen Abkommens nur die Bekräftigung der russischen Grundsätze und werde es mit Befriedigung begrüßen, wenn durch den Beitritt aller Mächte das Mißtrauen des chinesischen Hofes gegen die Absichten Europas gebannt und dadurch den friedlichen Einflüssen in China eine sehr nützliche Verstärkung verschafft würde. Auch anderweitige Nachforschungen der „Pol. Korr." bekunden einen günstigen Verlauf der lebhaft geführten Verhandlungen der Mächte, sodaß der Beitritt aller Mächte zu den deutschenglischen Abmachungen und als praktisches Ergebnis die Erteilung übereinstimmender Weisungen an die Vertreter in Peking zu erwarten sei. Die Wiener „Abendpost" veröffentlicht einen Auszug aus dem Bericht des ,Kommandeurs des österreichischungarischen Detachements in Peking, Linienschiffs-Kapitäns Winterhalder, über die Belagerung d e r Gesa n d t s ch a f t e n. Es wird darin mitgeteilt, daß am 22. Juni die in der englischen Gesandtschaft untergebrachten gesandten > dem englischem «Gesandten! Maedonald den Oberbefehl übertragen hatten, vbwohl in der Nacht vorher die Detachements-Kommandanten dem Fregatten- Kapitän Thomann die Leitung der Verteidigung übertrugen. Trotzdem habe Thomann bis zu seinem Tode die Verteidigung in Händen gehabt. Ferner veröffentlicht die Wiener „Abendpost" das Schreiben des Admirals Seymour ein den Fregatten - Kapitän Thomann und das Schreiben des Brigadegenerals Doward an den kommandierenden Linienschiffslentnant Jndrak in Tientsin, in welchem die beiden englischen Militärs der ausgezeichneten militärischen Unterstützung und hervorragenden Tapferkeit der österreichisch-ungarischen Truppen höchste Würdigung zollten, wobei Seymour die Hoffnung aussprach, daß seine Expedition zur Festigung der glücklicherweise zwischen beiden Staaten bestehenden Freundschaft und Achtung beitragen werde. * * * Wie ans Kiel gemeldet wird, trafen Samstag abend dort 115 Mann des Kreuzers „Cormoran" unter Führung deS Oberleutnants z. S. Köhler wohlbehalten ein. Die abgelösten Mannschaften waren anfangs in Ostasien stationiert und gingen im vergangenen Jahre nach dem Samoa- Archipel, wo sie sich an der Besitzergreifung und der Flaggen- hiffung in dem neuen Kolonialgebiet beteiligten. Bor dem Antritt der Heimreise erklärten sich sämtliche Leute bereit, nach China zu gehens Dieses Anerbieten wurde dem Kaiser telegraphisch mitgeteilt. Unter Anerkennung der bekundeten Pflichttreue erwiderte der oberste Kriegsherr, daß in China genügende Streitkräfte vorhanden seien, und ordnete an, daß die Mannschaften mit dem Reichspostdampfer „Prinzregent Luitpold" die Heimreise antceten sollen. Am 25. August dampften die Wackeren von Sidney ab. Sie haben vor zweieinhalb Jahren die Ausreise angetreten. — Der Kommandeur des 3. Seebataillons, Major Christ, veröffentlicht einen überaus warmen Nachruf für die bei der Einschließung in Peking Gefallenen, den Gefreiten Gölitz und zehn Seesoldaten. ♦ * ♦ Telegramme deS Gießener Anzeigers. Berlin, 24. Oktober. Der in Peking eingetroffene deutsche Gesandte Dr. Mummvon Schwarzenstein ist dahin informiert worden, mit Li-Hung-Tschang nicht eher zu verhandeln, als bis dieser genügende Vollmachten seiner Regierung vorgewiesen hat. Berlin, 24. Oktober. Die „Post" schreibt: Von einem geheimen deutsch russischen Vertrage könne feine Rede sein, und die Ueberzeugung von seiner Existenz beschränke sich nur auf den Korrespondenten der „Daily News". Weiter sagt dasselbe Blatt, eS sei nicht recht ersichtlich, inwiefern der Artikel 3 des deutsch-englischen Abkommens Anlaß zu Verwickelungen geben soll, da doch alle Mächte mehrfach erklärt haben, daß sie keineswegs auf territoriale Erwerbungen in China ansgehen. Berlin, 24. Oktober. Wie ein hiesiges Blatt erfährt, liegen außer von den Dreibundstaaten noch keine Beitrittserklärungen zum deutsch-englischen Abkommen von anderen Mächten vor. Alle anderen Meldungen beruhen auf Kombination. Loudon, 24. Oktober. „Lastens Bureau" meldet aus Washington: Die amerikanische Regierung bestätigt die Nachricht, daß sämtliche Großmächte den Vorschlag der Gesandten in Peking angenommen haben betreffs Abschaffung des Tsungcki Namens und dessen Ersetzung durch eine einzige verantwortliche Person. London, 24. Oktober. „Daily News" melden aus O d e s - sa: Der Besuch des chinesischen Gesandten in Livadia habe zum Abschluß eines russisch-chinesischen Vertrages geführt, der vollständig unabhängig von den Vermittelungen in Peking ist. Loudon, 24. Oktober. „Central NewS" berichtet aus Shangai, daß der Tao-Tai Scheng ein Telegramm Li- Hung-TschangS erhalten hat, mit der Mitteilung, die Friedensverhandlungen befänden sich auf gutem Wege. Eine schnelle Lösung der Krisis sei wahrscheinlich. London, 24. Oktober. Bei der gestrigen Audienz? Lord Salisburys bei der Königin gratulierte ihm diese aufs wärmste zum Abschluß der anglo- deutschen Konvention, deren Zustandekommen die Königin persönlich lebhaft gewünscht hat. Die erste Anregung dazu gab, wie verlautet, eine Mitteilung, die Lord Salisbury vor circa Monatsfrist dem britischen Botschafter in Berlin zur Unterbreitung an die deutsche Regierung übermittelte. Diese wurde sehr freundlich aufgenommen, und die Verhandlungen führten bald zur Uebereinstimm- nng, wobei jedoch absolute Verschwiegenheit bis zum Austausch der Noten stipuliert wurde. Auch Rußland beeilte sich, wie aus Petersburg gemeldet wird, in einer halbamtlichen Mitteilung festziistellen, daß es dem deutschenglischen Vertrage durchaus sympathisch gegenüberstehe. Mau könne in Petersburg in den Grundsätzen des deutsch-englischen Uebereinkommens nur die Ne-? kräftigung der russischerseits «stets für die Lösung des chinesischen Programms festgehaltenen Prinzipien erblicken, und werde es mit Befriedigung begrüßen, wenn durch den allseitigen Beitritt zu demselben das Mißtrauen des chinesischen Hofes gegen Europa gebannt und dem Fremde«-- Einfluß in China eine wesentliche Verstärkung verschafft werde. Südafrikanisches. Wie aus Wien gemeldet wird, veröffentlicht die neueste Nummer des „N. W. Journ." sensationelle Enthüllungen zum Transvaalkrieg, die von dem aus Transvaal nach Berlin zurückgekehrten Grafen Otto v. Waldstein«Wartenberg stammen. Danach ist ec. wiese^ daß die Burengenerale Joubert, Lukas Meyer und Speemann Verräter waren. Joubert, der einige Häuser in Ladysmith besessen, habe, um sein Eigentum vom Bombardement zu schützen, freiwillig die Belagerung ausgegeben. Meyer wurde von De Wet erschossen Die „Times" berichtet au- Brüssel, die belgische Regierung habe Dr. Leyds mitgeteilt, daß sie einen längeren Aufenthalt des Präsidenten Krüger in Belgien nicht gerne sehen würde, da dessen Anwesenheit zu englischfeindlichen Kundgebungen Anlaß geben würde, die die belgische Regierung nicht dulden könne. • * ♦ Telegramm des Gießener Anzeigers. Paris, 24.Oktober. Präsident Krüger soll sich nach Ajaccio begeben, wo eine Villa für ihn gemietet sein soll. Diese Nachricht bedarf jedoch noch der Bestätigung. Deutsches Reich. Berlin, 23. Oktober. Aust Homburg wird gemeldet: Heute vormittag unternahm das Kaiserpaar einen Spazierrit. Zur Frühstückstafel sind geladen der Großherzog und die Großherzogin von Hessen, Großfürst Cyrrll und Großfürstin Helene von Rußland, sowie die Prinzessin Marie von Meiningen. Um 3 einhalb Uhr be- gaben sich der Kaiser, die Kaiserin und die vier Prinzen nach Schloß FriedrichDhof zur Verabschiedung von der Kaiserin Friedrich — Ter „Reichsanzeiger" meldet: Der Kaiser und die Kaiserin verlassen abends 11 Uhr Homburg und machen morgen den für den 13. d. M. beabsichtigt gewesenen Besuch in Barmen, Elberfeld und Vohwinkel. Sie treffen nachmittags 2 Uhr 20 Minuten in der Villa Hügel ein. Von dort erfolgt die Abreise am 25. d. M., abends 10 Uhr über Soest, Hildesheim und Braunschweig nach Berlin, wo die Ankunft auf dem Potsdamer Bahnhofe am 26. d. M., früh 8 Uhr 50 Min. erfolgt. , . — Im Befinden der Kaiserin Friedrich hält die Besserung, wie aus Cronberg gemeldet wird, dauernd an. Die Kräfte nehmen stetig zu, sodaß die Kaiserin gestern abend wiederum einige Zeit außer Bett zubriugen konnte. . ' . . — Staatsministerium trat, wie angekün- dlgt, heute nachmittag 3 einhalb Uhr in seinem Tienst- gebaude zu einer Sitzung, der ersten unter dem Vorsitz des Reichskanzlers Grafen Bülow, zusammen. „r. "Pvst" wird aus Wien telegraphiert, daß der österreichische Ministerpräsident v. Körber heute persön- lich beim deutschen Botschafter erschien, um seine Gluck- ernennun9 des Grafen Bülow zum Reichskanzler auszusprechen. - Wie die „Rat. Ztg." erfährt, hängt die Verleihung des Kronenordens 2. Kl. an Ernst v. Wildenbruch damit zusammen, daß der Dichter aus seiner amtlichen -Lhatigreit im Auswärtigen Amte aus Gesundheitsrück- sichten ausgeschieden ist. Reichskanzler Graf B ü l o w hat Veranlassung genommen, ihm schriftlich seine wärmste Anerkennung als einer bisherigen „Zierde des Auswärtigen Amtes" auszusprechen. Die „D. Tageszeitung" hatte die Frage aufgeworfen, wie es sich zusammenreime, daß trotz des Verbots der Einfuhr ausländischer Wurst und ausländischen Büchsenfleisches die Marineverwaltung beabsichtige, weitere anderthalb Jahre sich mit diesen ausländischen Waren zu verproviantieren und in Aussicht stelle, daß die Schiffe sich nach wie vor im Hamburger Freihasengebiet damit versorgen sollen? — Dazu bemerkt die „Rordd. Allg. Ztg.": Sofort nach dem Erlaß des Gesetzes sei angeordnet worden, daß die bezüglichen Lieferungsverträge gekündigt wurden und Neubeschaffungen ausländischen Büchsenfleisches nicht mehr erfolgen durften. Die Versorgung der Schiffe mit Büchsen- flersch im Hamburger Freihafengebiet sei ausgeschlossen, weil es Vorschrift sei, daß die Schiffe in den heimischen Gewafsern ihre Ausrüstung und den Dauerproviant von den Marmeverpflegungsämtern zu entnehmen haben. Dresden, 23. Oktober. Der König und die Königin trafen mittags in Villa Strehlen ein. Der Kräftezustand des Königs macht gute Fortschritte, die Ruhe der vergangenen Nacht war ungestört. — Der Stadtrat lehnte die Umsatzsteuer ab; er will das Vorgehen der Regierung abwarten. München, 23. Oktober. Nach einer authentischen Information der „Fr. Bayerischen Schulztg." beginnt im Februar eine Landtagssession behufs Ehrung des Prinzregenten aus Anlaß seines 81. Geburtstages und Aufbesserung der Gehälter der Lehrer und Geistlichen. Ausland. Chr istiania, 23. Oktober. Für die Aufhebung des gemeinsamen Konsulatswesens kämpfen in Norwegen beide Gruppen der Linken und sogar unter den Konservativen giebt es manche Leute, die gegen eine Trennung, wenn nur im Uebrigen die Union bestehen emzuwenden haben, aber wenigstens eine ,^c erst uach der Verständigung mit Schweden herbeifuhren wollen. ‘ ’ London, 23. Oktober. L o r d S a l i s b u r y ist nach Balmoral zur Königin gefahren Seine Reise soll mit der Neubesetzung der Stelle Gosche ns im Kabinett und den sonstigen eventuellen Kabinettsveränderunqen zusamnienhangen. a London, 23. Oktober. Eine aus Glasgow einae- troffene Depesche meldet: Angesichts der Teilnahme Rußlandsan der 1901 stattfindenden internationalen Ausstellung in Glasgow telegraphierte der russische Finanzminister Witte an den Oberbürgermeister von Glasgow: Ich benutze die Gelegenheit, um die lebhaftesten Gefühle aufrichtiger Sympathie und Hochachtung für Ihre große Nation auszusprechen. Ich freue mich daß meine Bemühungen, die Handelsbeziehungen zwischen Rußland und Großbritannien zu entwickeln, von den Briten gewürdigt werden, und hoffe, daß die Teilnahme Rußlands an der Glasgower Ausstellung ein neuer Schritt zur Herstellung und Befestigung der freundschaftlichen Beziehungen, welche so wichtig für beide Länder sind, sein werde. Paris, 23. Oktober. „La France militaire" meldet, daß der Kriegsminister den Gesetzentwurf betr. die Gestattung der Kriegsgerichte nunmehr feststellte. Das ^Hauptmerkmal der geplanten Reformen sei, daß die militärischen Richter in Friedenszeiten durch Zivilrichter ersetzt würden. Paris, 23. Oktober. Vor nahezu drei Jahren wurde Oberst Picquardt auf Grund des Urteils des Ehrengerichts pensioniert; er erhob jedoch beim Staatsrat Einspruch gegen die Kompetenz des Pariser Disziplinar- Gerichts, weil er damals einem tunesischen Schützen- Regiment angehörte. Nach dem „Gaulois" verhandelt der Staatsrat jetzt endlich jüber die Beschwerde Picquarts, und nach dem Gutachten des Berichterstatters stehe fest, daß das Plenum des Staatsrats in vierzehn Tagen mit großer Mehrheit das Pensions-Dekret annulliere. Picquart tritt dann wieder in die Rechte eines aktiven Offiziers ein, doch ist der „Gaulois" der Meinung, daß der Miegs- minister ihn sofort vor ein neues Ehrengericht verweisen müsse, das ihn wieder verurteilen werde. M ad r i d, 23. Oktober. Es gelang Azcarraga, folgendes Kabinett zu bilden: Präsidium: Azcarraga; Justiz: Vadillo; Auswärtiges: Campos; Finanzen: Allen de Salazar; Inneres: Ugarte; Oeffentlicher Unterricht: Garcia Alix; Ackerbau: Sanchez Toca; Krieg: General Linares. Als Marineminister wurde Mozo, bisher Hafen- admiral in Cadiz, ernannt. Senatspräsident wird Teja- da de Valdosera. Die Minister leisteteten heute vormittag im Königsschloß unter dem gewöhnlichen Zeremoniell den Amtseid. r- Die neuen Minister beschlossen in der gesttigen Abendsitzung, die Politik des letzten Kabinetts fortzusetzen. — Der Unterstaatssekretär des Innern, der Präfekt und der Bürgermeister von Madrid, sowie die Präsekten mehrerer Departements demissionierten. Es wird erwogen, die Garnison zu konsignieren. Bis jetzt wurde die Ordnung nicht gestört. Innsbruck, 23. Oktober. Der Tiroler Landtag tritt vor Weihnachten zu einer kurzen Session zusammen. — In Bruneck war vorgestern eine Wähler Versammlung. Anwesend waren die Gemeindevertretungen des Bezirks, Propst Walter von Jnnichen, die Dekane von Bruneck rc. Die Versammlung lehnte einstimmig Dipaulis Kandidatur ab und stellte mit allen gegen 3 Stimmen den klerikalen Landtagsabgeordneten und Bürgermeister von Sillian, Josef Schraffl, als Kandidaten der fünften Kurie auf. Propst Walter trat gegen das Schlagwort auf: Wer gegen Tipauli sei, der sei gegen den Bischof. Konstantinopel, 23. Oktober. Der Sultan rich^ tete an Kaiser Wilhelm ein Telegramm, worin er seinen Wünschen für die Wiederherstellung der Kaiserin Friedrich und bei dieser Gelegenheit den Gefühlen besonderer und unwandelbarer Freundschaft für den Kaiser neuerlich Ausdruck verleiht. Der Kaiser dankte dem Sultan in herzlichen Worten für den Beweis der Sympathie. T o k i o, 23. Oktober. Das neue Kabinett ist folgendermaßen zusammengesetzt: Präsidium: Marquis Ito, Aeußeres: Kato, Jnnerös: Suyemateu, Handel und Ackerbau: Hagaschi, Kommunikationen: Hoschi, Unterricht: Matsuda. Tie Minister für Krieg und Marine behalten ihre Portefeuilles. Ter neue Minister des Aeußern war Direktor der politischen Abteilung im auswärtigen Amt während des japanisch-chinesischen Krieges, nachher japanischer Gesandter in London, wo er bis zum vorigen Jahre blieb. New-York, 23. Oktober. Gestern abend wurden in einigen Kohlengruben in der Nähe von Wilkes- bare Arbeiter, die nicht in den Ausstand getreten waren, von aus ständischen Arbeitern angegriffen, beschossen und mit Steinen beworfen. Polizei schoß auf die Ruhestörer. Etwa 100 Personen wurden verletzt. — Die „Tribüne" meldet: In Scranton ist die Nachricht eingetroffen, der Führer der ausständischen Kohlenarbeiter, Mitchell, habe dem Anerbieten der Arbeitgeber zugestimmt. Der Streik sei somit beendet. Washington, 23. Oktober. Präsident M c Kinley begab sich nach (Santon (Ohio) und bleibt dort bis nach der Präsidentenwahl. Verband mitteldeutscher Handelskammern. Am Samstag sand in H a l b e r st a d t die dritte ordentliche Tagung des Verbandes mitteldeutscher Handelskammern statt. Dem Verbände gehören zurzeit folgende vierzehn Handels- bezw. Handelsund Gewerbekammern an: Brandenburg, Braunschweig, Cassel, Dessau, Goslar, Gotha, Halberstadt, Halle a. S., Hildesheim, Magdeburg, Nordhausen, Potsdam, Hildburg- hausen und Sonneberg. Im Vordergründe der Verhandlungen standen zwei wichtige Fragen: die Aufhebung der zinsfreien Zollkrediteund die Er Neuerung der Handelsverträge. Die Versammlung trat einstimmig für die Erhaltung der zinsfreien Zollkredite ein. Mit gleicher Einstimmigkeit einigte sich die Versammlung hinsichtlich der neuen Handelsverträge auf folgeüde Resolution der Handelskammer zu Magdeburg: Der Verband mitteldeutscher Handelskammern erklärt sich für den Abschluß der bevorstehenden Handelsverträge nach den zur Zeit herrschenden Prinzipien: 1. Der Bindung der hauptsächlichsten Tarifpositionen auf einen Zeitraum von 10 bis 12 Jahren. 2. Die Anwendung eines Generaltarifes und der Gewährung von Vertragstarifen an die vertragschließenden Staaten. 3. Der Forderung und Gewährung der Meistbegünstigungsklausel. Der Verband mitteldeutscher Handelskammern erklärt ferner, daß neben der Festsetzung der Tarifsätze in den Handelsverträgen namentlich folgende Punkte in den Verträgen — soweit sie nicht durch besondere Abmachungen geregelt sind — sorgsam zu behandeln und nach den Prinzipien der gegenseitigen Förderung des internationalen Verkehrs zu erledigen sind: 1. Das Verfahren in Zollstreitigkeiten. 2. Das Recht auf Grunderwerb und das Recht ber Freizügigkeit im Lande der Gegenkontrahenten. 5 1 Veredlungsverkehrs. ' rechten^m s."w.b Von P^nt- und Musterschutz- 7' ber Geschäftsreisenden. hygienisch verdächtiger War em Beanstandung f ^er Verband ernvfahl u. a. im Zollaeseü rusäü- lrch auszusprechen: Laß die Zollbehörden M ihrer Organe m gleicher Weise wie Post und Echenbahn haftbar zu machen sind. Von einer Verhandln ig über bie Hohe einzelner Zollsätze wurde grundsätzlich Absttmd genommen, da dies den einzelnen wirtschaftlichen Verbanden und Interessengruppen zu überlassen sei. Wobl aber glaubte die Versammlung zur Wahrung der Interessen von Handel und Industrie gegenüber den Bestreb- ungen einzelner Berufskreise, die Eingangszölle auf Roh- Produkte übermäßig zu erhöhen, Stellung nehinen zu müssen, und sprach sich in einer R e s o l u t i o n dahin aus - daß die Interessen von Handel, Industrie und Ver- dre letzte Berufs- und Gewerbezählung aus- werst, für die Zukunft Deutschlands ausschlaggebend geworden sind. Da die heimische Industrie nur bei ^sfenhaltung auch der fremdländischen Absatzgebiete gedeihen kann, ist zu fordern, daß die Zollsätze für Rohprodukte, dre rn Deutschland nicht oder nicht ausreichend erzeugt werden, über die jetzt geltenden vertragsmäßigen Sätze nicht so erhöht werden, daß dadurch der Abschluß der künftigen Handelsverträge unmöglich gemacht wird. Aus den sonstigen Verhandlungen sei noch die Annahme eines Antrages der Handelskammer zu Kassel auf Erlaß eines Checkgesetzes erwähnt, das als Grund- prrnzrpren für einen geordneten Checkverkehr die Regreß- Pflrcht, die Präsentationspflicht und die Stempelfreiheit enthalten soll. Ferner fand noch auf Veranlassung der Handelskammer zu Halle a. S. die Notlage des Kleinhandels eingehendere Beratung. Großes Interesse erregten dabei die von der Handelskammer zu Braunschweig unternommenen Erhebungen, deren Ausdehnung auf das Gebiet sämtlicher mitteldeutscher Handelskammern Beifall fand. Aus Stadt und Land. Sieben, 24. Oktober 1900. * * Perfonalnachrichteu. Der praktische Arzt Dr. med. Fritz Kullmann in Heßloch wurde zum Anstaltsarzt an der Zellenstrafanstalt Butzbach und dem Landeszuchthause Marienschloß mit Wirkung vom Tage seines Dienstantritts au ernannt; in den Ruhestand wurde versetzt der Wagen- meister in der Hessisch-Preußischen Eisenbahngemeinschaft Jakob Emil Günther zu Burgham mit Wirkung vom 1. November l. IS. an. • • Dekanatssyuode Gießen. Die heute hier tagende Dekanatssynode wählte mit 38 Stimmen Herrn Pfarrer Strack-Leihgestern zum Dekan und mit 22 Stimmen Herrn Pfarrer Dr. Naumann-Gießen zum Stellvertreter des Dekans. * * Hessische Anwalts kämme r. Nach dem soeben erschienenen Jahresbericht der hessischen Anwaltskammer waren im letzten Vereinsjahre im Großherzogtum Hessen 140 Rechtsanwälte vorhanden, abgegangen sind durch Tod 3, durch Niederlegung der Rechtsanwaltschaft 1, neu zugelassen wurden 7, so daß nunmehr die Zahl der im Oberlandesgerichtsbezirk Darmstadt zugelassenen Anwälte 143 beträgt. Ein Zulassungsgesuch wurde nicht befürwortet, und die Zulassung ist verweigert worden. Wegen eines andern Gesuchs um Zulassung sind die Ermittelungen noch nicht abgeschlossen. In der Provinz Starkenburg waren 52, in der Provinz O b e r h e s s e u; 32 (33; und in der Provinz Rheinhessen 59 (55) Rechtsanwälte zugelassen. Am 1. Oktober 1879, bei dem Ueber- gang zum neuen Verfahren, waren 114 Rechtsanwälte zugelassen. Der Vorstand besteht aus den Geh. Justizrat Metz I. (Vorsitzender), Justizrat Massot, Justizrat Schädler in Darmstadt, Geh. Justizrat Dr. Kratz, Justizrat Dr. Gu t- fleisch in Gießen, Justizrat Jockel in Friedberg, Geh. Justizrat Tr. Reinach, Justizrat Dr. Struve in Mainz; Justizrat Zuckmayer in Mainz ist infolge der Aufgabe der Rechtsanwaltschaft aus dem Vorstand ausgeschieden. Vorstandssitzungen haben 6 stattgefunden. Eine Anzahl Anwälte wurden als Verteidiger bei den Militärgerichten zugelassen Vermittelungsanträge und Beschwerden waren im verflossenen Jahre in großer Anzahl eingeengt Unerledigt blieben 15 Beschwerden. Beschwerden gegen Anwälte von anderen als Auftraggebern lagen 76 vor. In zwei Anklagen gegen Rechtsanwälte erkannte das Ehrengericht auf Freisprechung und in einer weiteren Anklage auf Warnung. Die ordentliche Kammerversammlung fand am 7. Oktober 1899 in Gießen statt. Sie war von 52 Mitgliedern besucht. Aus der Hilfskasse Deutscher Rechtsanwälte wurden in zwei Fällen 600 Mark im Bezirk der Kammer ausbezahlt. Der durch Beschluß der Kammer bewilligte Betrag von 1000 Mark ist zur Hilfskasse bezahlt worden. Die ordentlichen Einnahmen betrugen 1460 Mk., die außerordentlichen 3802 Mk. 20 Pf., zusammen 5262 Mk. 20 Pfg. Tie Ausgaben betrugen 1794 Mk. 18 Pf., das Vermögen der Kammer beträgt 3668 Mk. 2 Pf. In Zivit- prozeßsachen wurden Rechtsanwälte zur Parteivertretung im Jahre 1899/1900 im Armenrecht bestellt Oberlandgericht Darmstadt 43, Landgericht Darmstadt 230, L and - g e r i ch t Gießen 60, Landgericht Mainz 139. Ber dem Oberlandesgericht in Darmstadt wurden in 44 Fallen die Gesuche um Gewährung des Armenrechts abgelehnt. **M. Stadttheater. Gestern abend ging vor einem auf den besseren Plätzen erschreckend leeren, sonst leidlich gut besetzten Hause Schillers „M a r i a S t u a r t" in Szene. Man kann unseren sogen. „Gebildeten" die Teilnahmlosigkeit diesem Schiller sch en Drama gegenüber nicht allzu Übel nehmen. Tas Stuck, dem sein Verfasser allerdings auch tiefe Schönheiten mitgegeben hat, leidet unter einer ermüdenden Breite; es ist im Grunde nur ein letzter Akt, den der Dichter auf dem Prokrustesbette gewaltsam in fünf Akte gedehnt hat. Dazu bietet das- | Stück soviel Unwahrscheinlichkeiten in der Zeichnung der «baraktere, soviel Unmotiviertheiten im Gang der HanV- luna daß das Urteil, das der unerbittliche Kritiker Hebbel über es gefällt hat, die „Maria Stuart" sei Schillers bewußt schlechtestes Stück, wie „die Räuber" sein unbewußt schlechtestes, zwar hart, aber gerecht erscheint. Was hätte der Lichter z B. Ms der Abschiedsszene der Maria machen können? Wie hätte er hier die ganze Tragik im Geschick der Schottenkönigin noch einmal in den engen Rahmen einer Szene hineinpressen können! Aber was thut Maria? Sie verteilt mit gefühlvollen Worten Geschenke au jede einzelne Hofdame und legt vor einem improvisierten Priester eine zerknirschte Generalbeichte ab; kein Wort entringt sich ihr oder ihrer Umgebung, das uns entzückte, indem es uns packte, erschütterte, zermalmte. Wie ganz anders geht da eine ebenfalls ungerecht verurteilte Königin, die Hebbelsche Mariamne, in den Tod! . . . Die Titelrolle spielt Frl. Korn, die gestern abend zum ersten Male in einer größeren Rolle auftrat. Und, wie wir mit großer Freude konstatieren, der Abend brachte der Debütantin einen starken, entschiedenen Erfolg. Ihre Maria Stuart war eine Königin von seelenvoller. Hoheit, voll Kraft und echter Leidenschaft. Nur zeigt sich Frl. Korn noch zu befangen, zu unfrei in ihren Gesten; doch wird die talentvolle Künstlerin diesen Fehler mit ihrem öfteren Auftreten leicht abstreifen. Trefflich, war Frl. Scho el er- niann als Elisabeth, ebenso Herr Liebscher'als Bur- leigh. Herr di Balthyni spielte einen stürmischen, feurigen Mortimer, nur hätte er nicht ab und zu so fürchterlich brüllen sollen. Gut, wenn auch, wieder zu weinerlich im Ton, war Herr Reinhardt als Talbot. Nicht an seinem Platz war Herr R a m s e y e r als Graf Leicester; er spielte viel zu trocken, zu hausbacken, zu temperamentlos; auch war er vom Souffleur allzu abhängig. Die Stärke des Herrn Hofer scheint das Sprechen von Jamben nicht zu sein. Sehr lobenswert war die Regie des Stückes. . . . Zum Schlüsse spielte sich noch im Publikum eine heitere Szene ab; als der Vorhang nach dem letzten Akte gefallen war, blieb nämlich das ganze Parterre in Erwartung der Dinge, die noch kommen sollten, sitzen, wahrscheinlich glaubte man, es gäbe noch aus einem Präsentierbrett das abgeschlagene Haupt der Maria zu sehen. So gut kennt der Deutsche seinen Schiller, seinen „Lieblingsdichter", der schon so lange — wie lange kursiert das Märchen schon? — „Gemeingut der Nation" geworden ist! Hercheuhain, 21. Oktober. Seitdem auf unserem „Hipper" (Herchenhainer Höhe) das Aussichtsgerüst umgefallen, hat sich der Besuch dieses Berges wesentlich verringert, was besonders von den Gastwirten unliebsam empfunden wird. Wie die „Landpost" meldet, soll im nächsten Jahre ein massives Gerüst errichtet werden, das für diesen Berg besser geeignet ist, damit der Gegend der „Hipper" dann wieder das wird, was er vorher gewesen. x. Darmstadt, 23. Oktober. Dec „Reichsbote" erhält aus Hessen eine Nachricht (s. unsere gestrige Notiz), die er, wie er sagt, wenn sie nicht von durchaus zuverlässiger Seite tarne und als durchaus verbürgte Thatsache erschiene, für einen schlechten Scherz über landeskirchliche Verhältnisse halten würde. Sie besagt: „In unserem Lande sollen, scheint es, die Anstöße auf kirchlichem Gebiet nicht aufhören. Wie verlautet, hat das Oberkonsistorium beschloffen, in diesem Jahre das Totenfest zu verlegen. Wir feiern ebenso wie andere Landeskirchen, z. B. die preußische, das Gedächtnis der Entschlafenen am letzten Sonntag nach Trinitatis, und diese Feier hat sich in unseren Gemeinden fest eingebürgert. Der genannte Sonntag fällt diesmal auf den 25. November, der zugleich der Geburtstag des Grohherzogs und der Großherzogin ist. Vor sechs Jahren, als die gleiche Situation eintrat, sind die mit der Geburtstagsfeier verbundenen Lustbarkeiten abgesagt worden. Diesmal soll, wie bemerkt, das Totenfest verlegt werden, so daß am 25. November der Geburtstagsfeier kein Abtrag geschieht. Und einen solchen Beschluß faßt eine kirchliche Behörde! Was würde ein katholisches Kirchenregiment antworten, wenn man ihm zumuten wollte, den Allerseelentag zu verlegen, um einer Geburtstagsfeier Platz zu machen? Unsere Konsistorialräte, die am grünen Tisch sitzen, müssen keine Ahnung davon haben, wie viele ihrer Fürsorge anvertrauten Interessen sie durch den unglücklichen Beschluß verletzen, und wie sie dadurch ihr Ansehen bei den kirchlichen Kreisen mit eigener Hand untergraben." „o* Aus dem Kreise Wetzlar. In diesen Tagen wurde in den einzelnen Ortschaften durch die Ortsschelle zum Besuch der ländlichen Fortbildungsschulen aufgefordert. Es soll durch den Besuch der Abendschulen unfern Bauernsöhnen, die im Laufe des Sommers ihrem Berufe nachgingen, Gelegenheit geboten werden, ihre Kenntnisse zu ergänzen und erweitern. Sobald sich 10 Jünglinge in einer Gemeinde melden, wird der Unterricht erteilt. Die Lehrer erhalten für die Erteilung dieses Unterrichts an zwei Abenden der Woche für die 4 Wintermonate 100 Mk. Leider kommen aber in den meisten Ortschaften diese Fortbildungsschulen nicht zustande, da dieser Einrichtung zu wenig Interesse entgegengebracht wird. Mit dem 1. November beginnt der Unterricht an der landwirtschaftlichen Winterschule zu Wetzlar, die zurzeit von Direktor Dr. Perseke geleitet wird. Auch diese Schule wird von einzelnen Ortschaften gar nicht besucht, während andere Dörfer alljährlich mehrere Schüler aufweisen. Fulda, 22. Oktober. Ein hiesiges Ehepaar ist in Hast genommen worden, weil eS verdächtig ist, vor 13 Jahren einen Raubmord begangen zu haben. — Im hiesigen Amtsgerichtsgesängnisse hat sich in der Nacht vom Samstag auf Sonntag ein Mann erhängt. Es war ein schon sehr oft bestrafter Mensch, aus Poppenhausen gebürtig, der am Freitag vom hiesigen Gerichte zu einer mehrmonatlichen Gefängnisstrafe verurteilt wurde und noch weitere Strafen zu gewärtigen hatte. *♦ Kleine Mitteilungen au8 Hefseu und ben Nachbarstaaten. Am Montag starb in C ob lenz wieder ein Soldat der 7. Kompagnie des Infanterie-Regiments 68; es ist der vierte Todesfall. — Am Dienstag erschoß sich Feldwebel Konradi der 7. Kompagnie des 68. Regiments. — Ueber 50 Uhren und über 100 seltene Münzen, Medaillen, Broschen und sonstige Schmucksachen, die bei einem Einbruch in Frankfurt gestohlen worden sind, wurden im Mainzer Psandhause und bei Trödlern aufgefunden. Vermischtes. * Kaisersberg, 23. Oktober. Heute nacht um 12 Uhr wurden durch ein Großseuer mehrere Häuser zerstört, wobei zwei Familien von acht Personen umgekommen sind. Bis heute früh konnte man sechs Leichen bergen, zwei werden noch gesucht. * Altona, 22. Oktober. Der ans dem Tausch Prozeß bekannte Journalist Leckert, der sich, wie wir vor kurzem ausführlich meldeten, bei einem hiesigen Blatt unter dem Namen Larsen eine Stellung verschafft und verschiedene I Betrügereien verübt hat, ist verhaftet worden. ♦ Der Fehlbetrag des 18. Deutschen Bundesschießens beträgt nach endgiltiger Feststellung 170,000 Mk. Von den Zeichnern des Garantiefonds in Höhe von 346,000 Mk. werden vorläufig nur 16% Prozent der gezeichneten Beträge erbeten, da noch auf anderweite Zubuße gehofft wird. Die allgemeine wirtschaftliche Lage, teilweise schlechtes Wetter, sowie die gleichzeitige Anwesenheit von Barnums Massenausstellung werden als Ursachen des unerwünschten Ergebnisses bezeichnet._________________________________________ Gerichtssaal. -nn- Darmstadt, 23. Oktober. Die in allen hessischen Lehrerkreisen hinreichend bekannte und interessante Angelegenheit deS katholischen Oberlehrers •. D. Hch. Baumann, 43 Jahre alt, auS Nieder-Olm, zuletzt in Lampertheim, kam heute vor der hiesigen Strafkammer zur Verhandlung. Sie betrifft die angebliche Recht- fertigungSschrift mit der Ueberschrift „Herrn Kargs glänzende Rechtfertigung", die 61 Druckseiten ausfüllt. Da diese Schrift, fowte Baumanns erste Schrift „AuS Notwehr", sowie ganze Stöße Akten verlesen werden, füllt die Handlung den ganzen Tag aus und dauert mit H/, stündiger Unterbrechung bis nahezu 10 Uhr abends. Der Hergang ist kurz folgender: B. wurde seinerzeit als Lehrer zuerst in Hahnheim angestellt, kam dann nach Wörrstadt und wurde 1890 Oberlehrer in Bensheim. Infolge von Familtenzwistigkeiten zeigte er nun im Jahre 1898 zwei sogar mit ihm verwandte Lehrer bet der Kreisfchulkommisston an, und die Folge davon war, daß eine ganze Reihe Unregelmäßigkeiten und Differenzen auch dem B. zur Last gelegt wurden und alle drei von Lampertheim weg versetzt wurden. B erhielt ein Dekret nach Hirschhorn, schickte dasselbe aber mit dem Bemerken zurück, daß er krankheitshalber die Stelle nicht annehmen könne, es erfolgten wettere Ermahnungen, doch weigerte B. sich ganz entschieden nach Hirschhorn zu gehen, zudem dort keine Oberlehrerstelle war, und auch fein Gehalt bedeutend reduziert wurde. Schließlich gab B. auch noch eine Brochüre heraus „AuS Notwehr" betitelt, die seine Notlage schildern sollte, aber von Beleidigungen und Vorwürfen gegen die Kreisschulkommission und besonders den Kreisschul. Inspektor Karg in Bensheim strotzte; infolge davon erhielt B. von der Kreisschulkommission seine Entlassung aus dem Schuldienst, und der Verwaltungsgerichtshof bestätigte auf Rekurs das Urteil. Trotzdem hat das Großh. Ministerium das Urteil nicht vollstreckt, sondern das Urteil aufgehoben und B. nur in 100 Mk. Geldstrafe verurteilt mit dem Ansuchen, baldigst seine Stelle in Hirschhorn anzutreten. Inzwischen ließ sich B. nun nach Vorlage verschiedener ärztlicher Atteste pensionieren und erhielt 1044 Mk. Pension. Da diese ihm nun zu gering ist und er sich an Ehre, Vermögen rc. geschädigt glaubt und er annimmt, daß seine Disziplinierung und Degradation rc. s. Zt. nur die Folge ungerechter Beurteilung und er unschuldig sei, hat er den Sachverhalt nochmals in der obenerwähnten 61 Druckseiten enthaltenden Schrift „Kargs glänzende Rechtfertigung" niedergelegt, die dem Schulinspektor Karg und der Kreisschulkommission Ungerechtigkeit, Voreingenommenheit, Launenhaftigkeit rc. vorwirft und sie überhaupt in einer ganzen Anzahl Behauptungen verächtlich zu machen sucht. B. verteidigt sich sehr gewandt und behauptet, nicht beleidigen, sondern nur sein Unglück bekannt haben machen zu wollen. — Kreisschiüinspektor Karg widerlegt die meisten ihm gemachten Beschuldigungen und weist nach, daß er keine Animosität gegen B. hatte. — Der Gerichtshof behandelt die Sache mit Rücksicht auf den nervösen und krankhaften Zustand, kann aber nicht verkennen, daß aus der Form und dem Inhalt der Schrift die Absicht, zu beleidigen, hervorgehe. — B. wird daher in eine Gefängnisstrafe von 6 Wochen und in die Kosten des Verfahrens verurteilt. Den beleidigten Mitgliedern der Kreisschulkommission wird das Recht zweimaliger Veröffentlichung des Urteils zugesprochen und die sämllichen Brochüren und Herstellungsplatten konfisziert. Bon«, 22. Oktober. In der heutigen Schwurgericht s- sitzung wurde eine geständige Kindesmörderin freigesprochen. Angcklagt war die 23jährige Dienstmagd Schreiber «uS Soest, die am 15. September d. I. zu Beuel auf dem Staats bahnhof ihr zehntägiges Kind in den Abort geworfen hatte. Sie räumte heute vor den Geschworenen die That unumwunden ein, be- Hausens Kasseler Hafer-Kakao 3*/, % Reicheanleihe . do 3O/o Zl/, 0/0 Konsols . do 3% Tendenz: abgeschwäoht. . 94.90 . 86.8t . 94.95 . 86.65 . 91.70 . 94.20 42.10 . 23.80 . 25.90 . 74.5t' Kreditaktien . . . Diskonto-Kommandit Darmstädter Bank . Dresdener Bank . . Berliner Handelsges. Oeeterr. Staatflbahn Gotthardbahn . . Laurahütte . . . Bochum . . . . Harpener . . . 3Vß % Hessen . . . 5 n/o Italien. Rente . . 4°/o Griech. Monop.-Anl. 3 0/0 Portugiesen . . 3°/o Mexikaner . . . 4Vi% Chinesen . . . Telephonischer Kursbericht Frankfurt, den 24. Oktober. Hilft Kindern und Mageol. Milch verdauen. 7006 . 203.16 . 171.80 . 130.20 . 141.90 . 143.70 . 137.20 . 139.— . 197.— . 176 30 . 177.— Neueste Meldungen. Berlin, 24. Oktober. Wie die „Nat.-Ztg." hört, hak bei Beginn der gestrigen Staatsministerialfitzung Graf Bülow dem Fürsten Hohenlohe, der 6 Jahre lang an der Spitze des Staatsministeriums gestanden, warme Worte des Andenkens gewidmet. Berlin, 24. Oktober. Die Hauptverhandlung gegen den Grafen Pückler-Klein-Tschirne, den Schriftsteller Otto Böckler und den verantwortlichen Redakteur der „Staatsbürger-Zeitung", Dr. Bötticher, wegen Aufreizung zum Klassenhaß findet am nächsten Freitag vormittag vor der 7. Strafkammer des Landgerichts I statt. Es handelt sich um die Reden, die Gras Pückler und der Schriftsteller Böckler in einer Volksversammlung im Juli d. I. hier in Berlin gehalten haben und um die Wiedergabe dieser Reden in der StaatSbürger-Zeitung. London, 25. Oktober. Dem „Daily Expreß" zufolge wird Lord Cromer zum Vizekönig von Indien ernannt werden. Lord Balfour übernimmt das Portefeuille des Auswärtigen, Ritchie daS Marineministenum. Das Kabinett werde von 19 aus 15 oder 16 Mitglieder herabgesetzt werden. Paris, 24. Oktober. Ein Telegramm aus Kobe (Japan) berichtet, daß in den japanischen Meeren bei dichtem Nebel ein Zusammenstoß zwischen einem französischen Transportdampfer und einem japanischen Schiffe stattgefunden hat. Der französische Dampfer sank eine halbe Stunde nach dem Zusammenstoß. Sämtliche an Bord befindliche Soldaten und die gesamte Besatzung mit Ausnahme von drei Mann wurden gerettet. Newyork, 24. Oktober. Der Kassirer der Nationalbank ist nach Unterschlagungen in Höhe von ungefähr dreiviertel Millionen Dollar flüchtig geworden. Man hofft, eine bedeutende Summe des unterschlagenen Geldes zurückzuerlangen. Die Bank besitzt, wie sie bekannt giebt, einen Reservefonds von drei Millionen Dollars. merkte aber, sie habe fich nach ihrer Entlaffung auS der geburtshilflichen Klinik zu Bonn in einem solchen Zustande der Ratlosigkeit und Verzweiflung befunden, daß sie keiner klaren Vorstellung ihreT Handelns iähig gewesen sei. Die frühere Herrschaft deS Mädchens war auS Soest g kommen, um der Angeklagten ein über alle Maßen günstiges Zeugnis auszustellen. Sie habe sich auch sittsam aufgeführt: nur an Charakterstärke hat es ihr gefehlt. Der Vater de« Kindes, ein Metzgergefelle, ist spurlos verschwunden und konnte nicht als Zeuge ermittelt werden. Die Geschworenen verneinten die Frage der vorsätzlichen Tötung, worauf die Angeschuldigte in Freiheit gesetzt wurde. Die Herrschaft nahm das Mädchen gleich wieder mit «onitz, 23. Oktober. Im Tucheler Krawall-Prozeß wurde heute der Angeklagte Dor au wegen schweren LandsriedenS- bruchs zu 4 Monaten Gefängnis verurteilt. Die übrigen Angeklagten wurden freigesprochem .... .. «onitz, 23. Oktober. Bürgermeister DeditiuS, welcher gegen den Oberlehrer Hofrichter Schtmpfworte gebraucht hat, weil dieser ihm Parieilichkett in der Winter'schen Mordsache vorgeworfm hatte, wurde zu 150 Mk., Hofrichter in der Widerklage zu 50 Mk. verurteilt. — Der Kaufmann Rosenthal und seine ^rau aus Kamin wurden unter dem Verdachte einer wissentlich falschen Anschuldigung und Verleitung zum Meineid in der Konitzer Mordsache verhaftet.____________________________________________ _ Kunst und Wissenschaft. Wien, 23. Oktober. Die Geographische Gesellschaft wählte unter lebhaftem Beifall den Herzog der Abruzzen und den Präsidenten der Wiener Akademie der Wissenschaften Professor Süß in Aneikennung ihrer hervorragenden V.rdienste auf geo- grav»' schem und geologischem Gebiete zu Ehrenmitgliedern. HMdel und Verkehr. Volkswirtschaft. Friedberg, 23. Oktober. Der heutige Pferdemarkt war stark befahren, und man kann das zu Markt gebrachte Pferdematerial alS durchweg gut bezeichnen. Namentlich zeichneten sich die zur Prämiierung vorgeführten Fohlen durchSchönheit aus^ Bekanntmachung. Donnerstag den 25. d. M., nach- Mittags 3 Uvr, sollen dahier Neustadt 65 mehrere Schränke, Tische, ein Fahrrad, zwei Lastwagen u. v. a. zwangsweise gegen bar versteigert werden. NB. Das Fahrrad kommt voraussichtlich bestimmt zur Versteigerung. Gießen, den 24. Oktober 1900. 7010 Seipel, Gerichtsvollzieher. Versteigerung. Donnerstag den 25. d. M., nachmittags 2 Uhr Neustadt 55 Fort- setznng der Versteigerung aus der Conrad'scken Konkursmasse und zwar bezüglich r diversen Toiletten' re. Artikeln, Masren-Anzügen, Waschbütten, Flaschen, Wachsstguren re. re. 7019 Dorn, Gerichtsvollzieher. »t MM«. Wreibarsk. 6965 Heute und morgen: AfenStifch 50 M Aittsteifih 54 stfg. SchVeineMfch 45 M AimchkW nur feine Ware ä Pfund 50 Pfg. empfiehlt 04593 Konr. Malkomesius Miilisburg 19. IMT !Unentbehrlich für jeden Steuerzahler! "WW h .c A ■w B ® S V Z>as stemMAe Einkommen Anleitung und Hilfsmittel zur Anfertigung der Hinkommensteuer- Hrktärungen nach den Anforderungen des heffischen Einkommensteuergesetzes nebst kurzemAnhang überdas beiErgreifung eines Rechtsmittels zu beobacht. Verfahren. Bearbeitet von Adolf Köhler Großh. Steuer-Affessor in Mainz. 8°. 6 Bogen mit Tabellen. Mk. 1.20. Iurch jede Ikuchhandluug zu beziehen. Die „Darmstädter Zeitung" schreibt darüber: Das Werkcken ist als ein unentbehrliches Auskunftsmittel jedem Steuerpflichtigen zu empfehlen.....ES zeigt ihm den Weg . . . und kann ihm manche unangenehme und zeitraubende Auseinandersetzung mit der Steuerbehörde ersparen. Auch für Steuerveamte wird es sich nützlich erweisen können. Das „Hewervevlalt für Kessen" schreibt u. a-: Das Merkchen trägt einem vielfach empfundenen Bedürfnis Rechnung.....Rament« lich findet der Hewervetreivende und Kaufmann, sowie auch der Landwirt reichliche Ausschlüffe.....Es wird genaue Anleitung gegeben, wie der Landwirt und der Kaufmann fern wirklich steuerpflichtiges Einkommen finden kann rc. rc. $5 liege« viele Jeituugsstimmen vor, die ähnlich urteilen und das Auch empfehle«. 7017 Aei Einsendung von Wk. 1.20 vom Scrlag Hmit Atoth, Kietzen. in Kenntnis zu setzen. 7018 Die Beerdigung findet Donnerstag de« 25. Hütover er., vormittags 11 A-r, vom Sterbehause, Kanzleiberg 9, aus statt. Die Beerdigung unserer guten Gatten, Vaters, Sohnes, Bruders, Schwiegervaters, Großvaters, Schwagers und Onkels Kameraden Heinrich Hollmann, TipM, findet Donnerstag de« 25. Oktober er., vormittags 11 Uhr, statt. 7009 Die trauernden Hinterbliebenen. Bekanntmachung, beissend: Jekdvereirrtgurrg des auf dem rechten Lahnufer liegenden Feits der Hemarknng Hieße«. Nachstehende Bekanntmachung des Großh. Bereinigungskommiffärs wird hierdurch zur öffentlichen Kenntnis gebracht. Gießen, den 22. Oktober 1900. 7007 Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. I. V.: Wolff. Bekanntmachung, betreffend: Feldbereinigung des auf dem rechten Lahnuser liegenden Teils der Gemarkung Gießen. Auf Grund des Artikel 19 des Feldbereinigungrgesetzes vom 28. September 1887 fordere ich hiermit die beteiligten Grundbesitzer auf, die Ein träge der Eigentums- und der sonstigen Rechtsverhältnisse in den öffentlichen Büchern, insoweit dieselben den bestehenden Verhältnissen nicht mehr entsprechen, innerhalb einer Frist von drei Monaten bei dem Großh. Amtsgericht Gießen berichtigen oder ergänzen zu lassen, damit die bestehenden Rechtsverhältnisse beim Bereinigungsversahren berückstchtigt werden können. Die Aufforderung ergeht: 1. an diejenigen, welche Grundstücke im Bereinigungsbezlrk erworben, aber ihren Eintrag im Grund- oder Flurbuch bezw. im Mutations- Verzeichnis noch nicht erwirkt haben, um die Errichtung und Jn- grossation ihrer Erwerbtttel oder die Berichtigung irriger Einträge zu erwirken; 2. an diejenigen, welche zwar im Grundbuche stehen, aber weil ste schon vor Einführung des Gesetzes vom 21. Februar 1852 eingetragen waren, ohne Beifügung des Erwerbtitels, um letzteren nach Maßgabe des Artikel 28 des Gesetzes vom 21. Februar 1852 eintragen lassen, indem sonst, abgesehen von dem Hindernisse bei der Feldbereinigung, demnächst nur eine Bescheinigung des Besitzstandes statt einer Eigen- tumsurkunde ausgestellt werden wird; 3. an diejenigen, welche an ein auf fremden Namen im Grundbuch ein- Rechte der unter Pos. 1—7 genannten Art, welche nach Ablauf von drei Monaten weder in den öffentlichen Grund- und Hypothekenbüchern, bezw. den zu den Flurbüchern gehörigen Mutationsverzeichnissen, noch in den in Gemäßheit der Anmeldungen aufzustellenden Verzeichnissen gewahrt sind, bleiben bet der stattfindeuden Feldbereinigung unberücksichtigt, ebenso werden erloschene, aber in den öffentlichen Büchern noch nicht gelöschte Rechte als fortbestehend behandelt. Friedberg, den 13. Oktober 1900. Der Großherzogliche Bereinigungskommissär: I. V.: Spamer, Kreisamtmann. Deutsche Grundschuld-Bank. Auf Grund der Bücher und Register der Deutschen GrimcSschuBd-Bank bescheinigen wir hiermit, dass am Samstag, dem 20. Oktober er., dem Tage, an welchem der Kurs der Pfandbriefe (Real-Obligationen) der Bank um 10 pCt. gefallen ist, Pfandbriefe im Betrage von Mk. 96 835.600.— im Umlauf waren, und dass diesen Pfandbriefen (Real-Obligationen) an Deckung Hypotheken zum Betrage von Mk. 800.093.151,17 (und zwar nach Abzug eines Amortisationsbetrages von Mk. 50.171,50) gegenüberstanden. Diese Hypotheken befinden sich, wie das Hypothekenbankgesetz dies vorschreibt, unter unserem Mitverschluss. Berlin, den 22. Oktober 1900. Oie Treuhänder. Zentzytzki, Mtersmann, 7004 Justizrat. Geheimer Kanzleirat. Theater-Verein. Erste Vorstellung: Dienstag den 30. Oktober, 8 Uhr pünktlich. Cyprienne. Lustspiel in 3 Akten von Sardou und Najao. Jephta’s Tochter. von Cavallotti, Cyprienne 1 Frau Auguste Prasch • Grevenberg Beatrice J vom Berliner Theater in Berlin. 7002 R i 11 Pt H in der Musikalienhandlung Ernst Challler (Rudolph’s Nachf.) und an der Abendkasse: Loge Mk. 4.—, Sperrsitz Mk. 3.50 (letzte Reihen Mk. 2.26), Studentenkarten Mk. 1.—, Schülerkarten Mk. 0.40 Gallerie Mk. 0.60. Für Mitglieder nur im Vorverkauf (bei weiterem Bedarf) : Loge Mk. 3.60, Sperrsitz Mk. 3.—, resp Mk. 2.—. Nach Schluss des Theaters Omnibusverbindung nach verschiedenen Richtungen. Zum Augustiner 7015 Ludrvigsplah 15. &eute Donnerstag: Metzelsuppe. A Morgens: Wellfleisch, sowi: frische Bratwurst mit Kraut; abends: BV Konzert. J. Brunner. Frisch eingetroffen: la. Tafelschellflsch. Kölner Konsum-Anstalt ß g. A. KaLenöerg Yachf. Lindeuplatz 12. Bahuhosstratze 27. Xtltf»ou 1*5. 7020 Wietgeluche Stellen ? W el ii d j r verschiedenes, 7005] Ein Hausbusche gesucht. H. Krämer, «reuzplatz 11. Eine Wohnung von 2 bis 3 Rimmern von jungen Leuten zum 15. 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Februar 1852 vertragsmäßig gemachten Etgentumsvorbehalts oder wegen einer bei der Veräußerung beigefügten auflösenden Bedingung eines Endtermins oder einer Zweckbestimmung zu bilden haben, ohne diesen Anspruch durch den Vermerk „streitig" oder „beschränkt" im Grundbuch gesichert zu haben, sowie an diejenigen, welche unter Nachweis der gesetzlichen Voraussetzungen die Bemerkung „gehemmt" wollen eintragen lassen; an die Obereigentümer und Fideikommisberechtigten, welche ihre Heimfalls- ober Successionsrechte nicht durch Eintrag der Lebens-, Erb- und Landsiedel-, Leih- oder Fideikommisqualität eines Grundstücks im Grundbuch haben eintragen lassen, um ihre Rechte, soweit dics nach Artikel 37 und 38 des Gesetzes vom 21. Februar 1852 noch zulässig ist, im Grundbuch eintragen zu lassen; 5. an diejenigen, welche Pfandrechte, Eigentumsvorbehalte, Rcvokations-, Resolutions- oder Nichtigkeit»-, Seperations- oder andere Sicherheits rechte, die weder im Hypotheken- noch im Grundbuch gewahrt sind, an zur Bereinigung bestimmten Grundstücken geltend machen können, um unter Vorlage der betreffenden Urkunden und genauer Bezeichnung der Forderung und derjenigen Grundstücke, welche zur Sicherheit dienen, die Einträge in die öffentlichen Bücher zu erwirken; 6. an diejenigen, welche Realservituten, die nicht durch die bei der Bereinigung vorzunehmende neue Weg- und Wässerungsregulierung erlöschen, sondern noch nach derselben geltend zu machen sind, z. B. Weg- und Wasserleirungs-Gerechtigkeiten zu Gunsten von Grundstücken, die nicht in die Bereinigung fallen, Lehm-, Thon-, Sandgrube- und Kellerberechtigungen auf zur Bereinigung gehörigem Gelände anzusprechen haben, ferner an die, welche solche Grundstücke zu lebenslänglicher Nutznießung, zur Benutzung als Brautgabe bis zur geschwisterlichen Teilung, zur Sicherung einer lebenslänglichen Leib- zuchts- oder Aurzugsberechtigung anzusprechen haben; 7. an diejenigen, auf deren Grundstücken in den öffentlichen Büchern solche Rechte eingetragen sind, welche fie für erloschen halten, aber noch nicht haben löschen lassen, um diese Löschung unter Vorlage der nötigen Beweise hierzu zu erwirken. Ein gebrauchter, gut erhaltener Irischer oder Amerikaner Ofen zu kaufen gesucht. 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