M. 198 Erstes Blatt Samstag den 25. Auguft 1900 jTianit rr lej Shime* Mf hob. 10 W- •ierttljälrl VN. >M monatlich 76 Piß. mit vringerlotzA; durch di« LLHolrsteLoM vierlelfLhrl. Vtt. IM menatlid; 66 Piß. Sri Postbkzuß IN. 2,40 oitrtd^* ■U vrstrllgk» M< InidfltB-SetmitHuxgltfnee M>nl lutaaM «tzWkv Änjngcn für den Gießener Anzeiger extfcf*, 3dktq>rdl: lokal 12 Pf,., aiutoirtl 20 Pf,. Vie »i Homer »e*t(4«e»Htt4*ffk«tc Nr. 7. Gratisdeitaze«: Girßemr ZamitienblStter, Der heWhe Landwirt, Kälter Mr tzeMche DMÄumde.______________ NM" Abonnements auf den Gießener Anzeiger für den Monat September werden von allen Postanstalten, Zeitungsträgern und der Expedition, Schulstraße 7, sowie denZweig- und Abholestellen, jeder- zeit entgegengenommen._________________ AmÜicher Ml. Gießen, 22. August 1900. Betr.: Die Voranschläge der Landgemeinden des Kreises Gießen pro 1901/1902. Das Grohherzogliche Kreisamt Gießen au die Grotzh. Bürgermeistereien des KreiseS. ■ Mit der Ausstellung der Gemeinde-Boranschläge für 1901/1902 ist jetzt zu beginnen. Sie wollen besorgt sein, baß die Einsendung derselben zum vorgeschricbenen Termin — 15. November — bestimmt erfolgt. Wir beziehen uns auf unser gedrucktes Ausschreiben vom 21. August 1895, und empfehlen Ihnen, dasselbe bei Ausstellung der Voranschläge zur Hand zu nehmen. Insbesondere verweisen wir bezüglich der Aufstellung der Beilage 2 aus poB. 5 desselben. Die beiden achttägigen Offenlegungsfristen sind genau einzuhalten. Der Beginn der zweiten Offenlegung darf mit dem Datum des Kreisblattes, in welchem die betr. Bekanntmachung enthalten ist, nicht zusammenfallen. v. Mechtolk. Bekanntmachung. Betreffend: Feldbereinigung in der Gemarkung Ringelshausen; hier die Arbeiten des III. Abschnittes. In der Zeit vom Dienstag, 28. August l. IS. bis einschließlich Montag, 10. September l. IS. liegen auf dem Amtszimmer der Großh. Bürgermeisterei Rabertshausen die Arbeiten des HL Abschnittes rubr. Feldbereinigung, nämlich: I. 1. 6 Zuteilungskarten, , 2. 1 Zuteilungsverzeichnis, 3. 1 Band Gütergeschosse, 4. 1 Band Zusammenstellung der Gütergeschosse, 5. 1 GeldausgleichungSverzeichniS über den Zuviel- oder Zuwenigempfang von Geländewert, 6. 1 Abschätzungsverzeichnis der Obstbüume nach dem alten und neuen Stand, 7. 1 Geldausgleichungsverzeichnis über den Zuviel- oder Zuwenigempfang an Obstbaumwert, 8. das Protokollbuch. n. Bezüglich der aus der Gemarkung RabertS- Hausen infolge Grenzregulierung zugezogenen Grundstücke: 1. 1 Zuteilungskarte, 2. 1 ZuteilungSverzeichniS, 3. 1 Band Gütergefchoffe, 4. 1 Band Zusammenstellung der Gütergefchoffe, 5. 1 GeldausgleichungSverzeichniS über den Zuviel oder Zuwenigempsang an Geländewerk, 6. 1 Abschätzungsverzeichnis der Obstbäume nach dem alten und neuen Stand, 7. 1 GeldausgleichungSverzeichniS über den Zuviel- oder Zuwenigempfang an Obstbaumwert, zur Einsicht der Beteiligten offen. Tagfahrt zur Entgegennahme von Einwendungen hiergegen findet statt: Dienstag, 11. September l. IS. vormittags von 10 bis 11 Uhr auf dem Amtszimmer der Großh. Bürgermeisterei Rabertshausen, wozu ich die Beteiligten unter dem Anfügen ein- lade, daß die Nichterscheinenden mit Einwendungen ausgeschlossen sind. Die Einwendungen sind schriftlich abzufassen, zu begründen und aus Papier in Aktengröße mindestens i/8 Bogen einzureichen. Friedberg, 21. August 1900. Der Großh. Bereinigungskommissär. Süffert, Regierungsrat. Die Sedanfeier. Bon verschiedenen militärischen Seiten ist, wie wir gestern bereits kurz mitteilten, die Anregung gegeben worden, von einer amtlichen Feier des Sedantages in diesem Jahre abzusehen, weil eine solche Feier alljährlich die Em psindlichkeit der Franzosen von neuem zu reizen Pflegt und weil wir in diesem Jahre diese Empfindlichkeit besonders zu schonen haben, da wir auf einem beschränkten Kriegsschauplätze mit den Franzosen in Waffenbrüdersck)aft stehen. Nun ist allerdings die Sedanfeier von Anfang an nicht gedacht worden als ein Siegesfest den Franzosen gegenüber, sondern als eine Feier der Aufrichtung deö Deutschen Reiches. Der zweite September ist kein Schlachttag ; an ihm ist Uin Flintenschuß gefallen, nachdem an drei vorhergehenden Tagen blutig gekämpft worden war. Als sich die Nachricht verbreitete, daß die Sä)lacht von Sedan zur Gefangennahme des französischen Heeres geführt habe, verbreitete sich in allen deutschen Herzen die Ueberzeugung, daß die vertragsmäßige Waffengemeinschaft zwischen dem Norddeutschen Bunde und den süddeutschen Staaten, die so herrliche Erfolge gezeitigt hatte, sich in ein festes und dauerndem Band verwandeln werde. Unter den Tagen, welche die KaiserproNamation vom 18. Januar vorbereiteten, ist der zweite September der wichtigste gewesen. Diese Erwägung hat hauptsächlich dahin geführt, bett zweiten September zum Tage eines nationalen Festes zu machen. Zu diesem innerlichen Grunde kommt ein sehr äußerlicher. Die erste Hälfte des September eignet sich, zur Abhaltung von Festen, die im Freien gefeiert werden, ganz besonders. Die große Hitze ist beendigt, aber die Herbststürme haben noch nicht begonnen. Die Erntearbeiten sind vorüber: von den Sommerreiscnden ist der größte Teil in die Heimat zurückgekehrt. Eine Absicht, die Franzosen durch ein Pochen auf unsere Waffenthaten zu reizen, hat gewiß niemand gehegt. Wir alle wissen, daß die Franzosen tapfere Soldaten sind und auch in diesem für sie unglücklich verlaufenen Kriege zahl reiche Proben ihrer Tapferkeit abgelegt haben. Wir alle wissen, daß es eine Zeit gegeben hat, in der die Franzosen alle Völker der Welt an soldatischer Tüchtigkeit überragten, und wenn sie diesen Ruhm heute nicht mehr in Anspruch, nehmen können, so mögen wir daraus schließen, daß es wahrscheinlich keinem Volke der Welt beschieden fein wird, das Kriegsglück dauernd an sich zu fesseln. _ Um es zu widerholen: Unsere Absicht war, am ^eban- tage einen wichtigen Mschnitt in unserem inneren Ver- sassungsleben und nicht einen kriegerischen Erfolg zu feiern. Die Franzosen haben diesen Unterschied nickst begriffen. Sie haben das Unglück nationaler Zerrissenheck: nicht erfahren, können also auch nickst wissen, wie sehr es als ein Glück empfunden wird, aus solcher Zerrissenheit zur Einheit zu gelangen. Sie sehen in unserer Sedan, feier nichts als ein Siegesfest und fragen, bei welckicn anderen Nationen eS Sitte ist, Erinnerungen an Kriegs- thaten in dieser Weise zu verewigen. Die Freudenfeuer, die zur Erinnerung an die Schlacht bei Leipzig auf den Gebirgen am Rheine emporloderten, sind schon nach we nigen Jahren erloschien. Man kann bei der Prüfung in der Geschickste das Urteil „gut" erhalten haben und doch außer stände sein, zu sagen, an welchem Kalendertage die Schlacht bei Roßbach geschlagen worden ist. 9?un fragt es sich, ob es für uns ein Herzensbedürfnis ist, an der Feier des Sedantages festzuhalten. Und diese Frage verneinen wir. Der Deutsche hat für die Begehung von nationalen Festlichkeiten weniger Anlage wie ein anderes Volk. Gelehrte, welche die Völkerpsychologie zu ihrem besonderen Studium gemacht haben, mögen die Ursachen ermitteln, wenn sie können. Eine allgemeine und dauernde Teilnahme, wie sie die Franzosen für die Feier des Bastille sturms, die Amerikaner für ihren DnnksagungStag, die Belgier für ihre Unabhängigkeitsfeier, die Skandinavier für oie des geschichtlichen Hintergrundes entbehrende, aber als nationales Fest behandelte Mittsommernachtsfeier haben, wäre bei uns nicht denkbar. Im Jahre 1871 wurde die Erinnerung an die Grofi- thaten des vorhergegangenen Jahres noch mit voller urwüchsiger Begeisterung gefeiert. Auch in den nächsten zwei, bis drei Jahren war die Theilnahme des Volkes noch unverkennbar. Dünn verflog der Spiritus mehr und mehr. Leuau. Von Paul Wittko. (Nachdruck verboten.) 's ist eitel nichts, wohin mein Äug' ich Heftel Das Leben ist ein vielbesagtes Wandern; Ein wüstes Jagen ist's von dem zum andern, Und unterwegs verlieren wir die Kräfte. Große Dichter sind in einem gewissen Grade auch «immer Darsteller ihres eigenen Lebens. Ihre Dichtungen sind Lebensberichten, abgelegt vor dem Beichtstühle der Welt. Versenken wir uns in die Blätter der Weltlitteratur, so mach)en wir immer und immer wieder diese Beobachtung. Jeder echte Dichter dichtet sich selber, er giebt sein Innerstes der Welt, die sich von dieser inneren Wahrheit ergreifen und erschüttern läßt. Seeleneindrücke, nicht zufällige Ursachen schmieden zumeist das Einzelschicksal. Je weiter der Abstand von Wille und Kraft, desto sicherer, daß in dem Streite zwischen Altem und Neuem, zwischen Erziehung und Erkenntnis, zwischen Pflicht gegen andere und Recht auf sich selbst, — daß in solcher Tragödie schwankende Naturen unterliegen. Zu den Dichtern, die fast ausschließlich sich selbst dichteten, und zu den Menschen, die in jenem angedeuteten Streite zu Grunde gingen, gehört Lenau (bekanntlich eigentlich Mkolaus Niembsch Edler v. Strehlenau), dessen 50. Todestag der 22. ds. M. war. In einem Briese vom 19. Juli 1840 sagt er: „Meine sämtlichen Schriften sind, da ich für Thaten keinen Raum finde, mein sämtliches Leben", ein andermal nennt er seine Poesie ein Selbstopfer, und an einer dritten Stelle endlich sagt er: „Me Poesie, bin ich selbst; mein selbestes Selbst ist die Poesie". Es ist ein eigentümlich unbestimmtes Halbdunkel, das des Dichters Individualität umgiebt. Obwohl er sich eine Zeit lang zum Gelehrten berufen fühlt, ist er durch und durch eine Künstlernatur. Man könnte ihn, den Menschen Lenau, fast als den Tichtertypus unserer Tage ansehen. Dieser unstete Drang, diese schon in seiner frühesten Jugend getadelte eigensinnige Ungeduld, diese launische, überreizte Stimmung, dieses ständige hypochondrische Gefühl des Unglücklichseins, diese ausnehmende Abhängigkeit von seinen Nerven, dieses „einsame Menschentum" - das sind ßüge denen wir im modernen Leben auf Schritt und Tritt begegnen. Ein Mensch von ungemein reichem Geist lautem Gewissen, aber früh gebrochenem Willen kommt es ihm nicht in den Sinn, gegen seine innere Unrast, das Zweiseelentum in seiner Brust anzukämpfen. Fortwährend abhängig von äußeren und inneren Eindrücken, entrüstet er sich zwar darüber, aber er flieht immer mehr in sich selbst, als daß er Anfechtungen abwehrt. Ja, er ertötet sogar ganz rationell in sich alle Lebenslust und Lebenskraft Er belauert, umschleicht, beobachtet sein Inneres bis ins Kleinste. Aber gerade darum bleibt er in den Händen des Schicksals ein Spielball, den es bald hierhin bald dorthin, selbst über den Ozean schleudert. Sein geistiges Leben währt 42 Jahre (er wurde geboren am 13. August 1802 zu Czalad in Ungarn), aber er findet keinen Beruf, kein Heim, kein Weib. Im Alter von 20 Jahren schon verteidigt „Ter Unbeständige" in einem ebenso überschriebenen Gedichte mit guten Gründen seinen fortwährenden Wechsel des Studiums. Er studiert ohne praktischen Lebenszweck, aber, wie einer feiner Freunde sagt, mit dämonischem Fleiß. Von der Philosophie wird er zum Jus, und vom Jus zur Medizin getrieben, besteht überall die beiden ersten Prüfungen glänzend, läßt es aber zu keiner dritten, abschließenden kommen. Er strebt nack) einer Philosophie-Professur, geht aber bald daraus auf eine Ackerbauschule, um Landwirtschaft zu studieren. Dann ist er drauf und dran zum Dr. med. zu promovieren und sich in Heidelberg zu habilitieren, gelangt aber bald wieder zu anderen Entschlüssen. UeberaU ein wehrloses. Unterliegen feinen jeweiligen Einfällen. lieber ein Jahrzehntlang führt er ein Wanderdafein. Zumeist hält er sich bei Freunden oder Verwandten in Stuttgart ober in Wien auf, und wird von diesen unheilvoll verwöhnt. Niemals kommt er vom Weibergängelbande los. Schon seine Mutter verzärtelt den vergötterten Sohn über alle Maßen, macht ihn aber dadurch unfrei, eigenwillig, bequem, launenhaft, selbstsüchtig und mißtrauisch. Sobald er aus ihren Händen ist, taumelt er in einen unglückseligen Liebesrausch. Als Student verliebt er sich in ein schon sehr verblühtes und zänkisches Frauenzimmer von zweifelhaftem Ruf in untergeordneter Stellung — sie ist Haushälterin bei einem bürgerlichen Stadtrat Wiens — und kommt viele Jahre von diesem Weibe nicht los. Acht seiner schönsten Gedichte erzählen von diesem unwürdigen, ihn zerrüttenden Liebeshandel, durch den er um seine besten Jugendjahre betrogen wird. Es wird ein, Töchterchen geboren, das aber nicht den Namen des angeblichen Vaters erhält. Dem langen Liebesrausche folgt, als er an der Treue seiner Geliebten begründeten Zweifel zu hegen beginnt, bis sie ihm endlich offen einen griechischen Handelsmann vorzieht, ein fürchterlicher Katzenjammer, und er findet mit allen seinen großen Gedanken, von Gewysens- bissen und körperlichen Schmerzen gefoltert, offenbar den. Folgen einer unglücklichen Veranlagung, weder zum Leben "und das Phlegma blieb übrig. Es war von der Feier nrcht viel mehr zu sehen, als was amtlich angeordnet war. In Berlin war es in dieser Beziehung am schlimmsten. Einige große Städte — wir wollen nur des Beispiels halber Leipzig, München und Bremen nennen — haben! sich dadurch ausgezeichnet, daß sie es längere Zeit hindurch verstanden haben, dem Sedanfest einen größeren Schwung zu geben. Allmählich sind auch! dort die Farben verblaßt. Es können ja für diese Erscheinungen Gründe geltend gemacht werden, die erfreulicher Art sind. Ter Besitz des Gutes nationaler Einheit ist uns mit der Zeit so vertraut geworden, daß uns die Befürchtung, es könne jemals wieder verloren gehen, fern bleibt. In einem Menschenalter ist ein neues Geschlecht herangewachsen, das stets nur ein mächtiges und einiges Deutschland vor sich gesehen hat weit) den Zustand nicht aus eigener Anschauung kannte, in dem ein von einem preußischen Gerichtshof gesprochenes Urtell in Sachsen nicht vollstreckt werden konnte und in dem sieben grundverschiedene Münzsysteme eine Reise durch Deutschland erschwerten. Die Frage ist schon längst erörtert worden, ob die Sedanfeier in ihrer jetzigen Gestalt noch zeitgemäß ist, und die Antwort darauf muß lauten, es sei besser keine Feier zu haben, als eine solche, die den Charakter des Erzwungenen trägt. Wohnt das Verlangen, den Erinnje- rungstag festlich zu begehen, nicht mehr im Herzen des deutschen Volkes, so ist es ein Fehler, die Feier durch An-, ordnungen von oben her aufrecht erhalten zu wollen. Die Frage, ob die Sedanfeier noch zeitgemäß ist, ist schon längst aufgeworfen worden, ohne dabei auf die französischen Empfindungen besondere Rücksicht zu nehmen. Run kommt in diesem Augenblicke allerdings ein besonderer Umstand hinzu. Tie französische Regierung hat eingewilligt, französische Truppen dem Oberbefehl eines deutschen Feldmarschalls zu unterstellen. Die Einwilligung ist allerdings in sehr unfreundlicher, mürrischer Form erfolgt; ob ihr eine große praktische Bedeutung bei- zumesfen ist, ist zu bezweifeln. Aber trotzdem müssen wir uns vergegenwärtigen, wie schwer es den Franzosen geworden ift, zu einem solchen Entschlüsse zu kommen. Ter ; Entschluß, auf eine offizielle Sedanfeier zu verzichten, kann uns nicht schwerer werden. Wenn wir uns auch bewußt sind, mit «unseren bisherigen Feierlichkeiten eine Unfreundlichkeit gegen die Franzosen nicht beabsichtigt zu haben, so können wir uns doch nicht verhehlen, daß sie sie als eine Unfreundlichkeit empfunden haben. Patriotische Begeisterung für das Deutsche Reich wird niemals erlöschen, aber diese Begeisterung ist nicht an bestimmte Formen gebunden, denn jede Form kann und muß sich mit der Zeit überleben. Im rechten Augenblicke wird diese Begeisterung den rechten Weg finden, um sich Ausdruck zu geben. Veränderte Zeiten bedürfen veränderter Mittet. Sitzung der Stadtverordneten Gießen am 23. August 1900. Anwesend die Beigeordneten Georgi, Grüneberg und Wolff, die Stadtverordneten Brück, Emmelius, Euler, Faber, Flett, H anau, Haubach, Helfrich, Huhn, Jughardt, Keller, Loos, Orbig, Schmal! und Wallenfels. Der Vorsitzende, Beigeordneter Wolfs, bemerkt nach Eröffnung der Sitzung, daß die Ferien der Stadtverordnetenversammlung diesmal einiger dringlicher Beratungsgegenstände wegen unterbrochen werden mußten. Beigeordneter Georgi bringt hierauf folgendes Schreiben des Herrn Präsidenten Gnauth zur Kenntnis der Versammlung: An die Stadtoerordneten-Versammlung der Stadt Gießen, zu Händen des Herrn Beigeordneten, Kommerzienrat Georgi, Gießen. Die Zuschrift, welche Sie unterm 11. ds. Mts. wir haben zu- gehen lassen, die darin enthaltene Mitteilung meiner Erwählung zum Ehrenbürger unserer lieben Stadt Gießen, wie die Begründung dieses einstimmigen Beschlusses der Stadtoerordneten-Versammlung haben mich hoch erfreut; wenn es überhauptmöglich war, daSBand zwischen der Stadt Gießen und mir, das mein dortiger Aufenthalt und eine nahezu 1bjährige Arbeit in der Stadtverwaltung geknüpft, noch enger zu schließen, so mußte dieser Beschluß es thun, der nunmehr auch äußerlich die Unlösbarkeit der Beziehungen zwischen Gießen und mir bekundet. noch! zum Sterben den rechten Mut. Später verliebt er sich in ein vortreffliches Mädchen, Lotte Gmelin, die Tochter eines Professors der Rechte an der Universität Tübingen. Sie begeistert ihn zu seinen wundervollen „S ch i l f l i e - Lern", die zu dem schönsten gehören, was die deutsche Lyrik besitzt, er kann es aber zur Heirat nicht kommen lassen, do seine materiellen Verhältnisse es, wie er glaubt, unmöglich machen. Alsdann läßt er sich zwölf Jahre lang von einer verheirateten Frau regieren und verlobt sich zwischendurch mit der bekannten Opern - Sängerin Katharina Unger. Das Verlöbnis geht aber sehr bald auseinander und endlich findet der Zweiundvierzigjährige ein liebenswürdiges Mädchen von sanfter Anmut und holder Weiblichkeit, Marie Behrens aus Frankfurt a. M., das er zu seiner Frau zu machen sich entschließt. Er wird trotz seiner Jahre ein überaus feuriger Liebhaber, schreibt aber gleichzeitig an seine verheiratete Freundin: „Wenn Sie es nicht wünschen, dann verheirate ich mich nicht", und bald darauf: „Meine ganze Seele gehört Ihnen auf ewig". Fragen wir nach den tiefsten Ursachen von Lenaus wandelbarem Charakter, seinem gährenden turbulenten Temperament, dem unruhig Flackernden in seinem Wesen, der weichlichen Rückgratlosigkeit seines Handelns, nach den Ursachen feiner unsteten und zerfahrenen Lebensweise, seinem unmäßigen Weingenuß usw., so kommen wir von dem kranken Enkel und Sohn zu Großvater und Vater Beide waren unbezähmbarer Spielwut ergeben, beide erschütterten ihre Gesundheit durch Ausschweifungen. Eine Schwester Lenaus starb früh an einem Gehirnleiden, sein Vater pn der Schwindsucht. Rach dem Tode ihres ersten Gatten heiratet die Mutter einen Arzt ohne Praxis und die Familie lebt in erbärmlichen Verhältnissen. So giebt uns des Dichters Lebensgang anschaulichen Unterricht im Empfangen Sie mit der städtischen Vertretung meinen herzlichen Dank für die große, mir erwiesene Auszeichnung und seien Sie versichert, daß ich eS für alle Zeit mir zur besonderen Ehre rechnen werde, in allen unser Gießen berührenden Fragen als Bürger dieser Stadt mit Ihnen zu fühlen und zu arbeiten. Das Lob aber, welches beim Rückblick auf mein dortiges Wirken meiner Thütigkeit und meiner Person gezollt wird, kann ich Nicht ohne starke Einschränkung gelten laffen: was immer von meiner dortigen Thatigkeit gesagt wird, so darf doch niemals vergeßen werden, daß der Bürgermeister — schon nach der Städteordnung — lediglich berufen ist- die Beschlüße der Stadtoerordneten-Versammlung vorzubereiten und auszuführen. Darum muß auch bei diesem Anlaß ich wiederum hervorheben, welch großer Anteil an der Entwickelung unseres Gießener Gemeinwesens eben der städtischen Vertretung zukommt, und wie dieses erfreuliche Er, gebnis nur zu erzielen war aus der seltenen Einmütigkeit heraus, mit welcher unsere Stadtoerordneten-Versammlung seit Jahren in den allermeisten wichtigen Fragen ihre Entschließungen getroffen hat. Die Fortdauer solchen Verhältniffes auch für die Folge ist mein dringendster Wunsch für unsere Stadt, wie ganz besonders für meinen Nachfolger. Mit wiederholtem, tiefgefühltem Dank für die mir erwiesene große Auszeichnung, und mit herzlichen Grüßen an die städtische Vertretung verbleibe ich in treuer Anhänglichkeit an unsere Stadt und deren Bürger Ihr ganz ergebener Darmstadt, 13. August 1900. F. Gnauth. Zu Punkt 2 der Tagesordnung: Errichtung eines städtischen Elektrizitätswerkes, teilt Beigeordneter Georgi mit, daß Verträge wegen Lieferung von Maschinen abgeschlossen, die nötigen Umbauten an der Neumühle in die Wege geleitet seien. Neber die Arbeiten der mit dem Projekt betrauten Kommission wird eingehend Bericht erstattet. Der Eigenart des Umbaues wegen konnte ein Voranschlag über die Gesamtkosten nicht vorgelegt werden; es wurde beschlossen, die Arbeiten aus der Hand, bezw. in beschränkter Submission zu vergeben. Um betr. der Führung der Kabel durch die Stadt das nötige vorbereiten zu können, hat man in der Kommission es für zweckmäßig gehalten, vorerst Erhebungen über die Anzahl der Privatanschlüsse anzustellen, zu welchem Zwecke eine Bekanntmachung erlassen werden soll, in welcher unter Hinweis auf die Bedingungen über die Abgabe von Energie zur Anmeldung von Privatanschlüssen eingeladen wird. In der Generaldiskussion über die Bedingungen veranlaßt Herr Hanau eine Debatte über den Strompreis; er beantragt schließlich Herabsetzung des Preises für Beleuchtung auf 60 Pfg. pro Kilowattstunde, für Motoren, Heizung und elektro-chemische Zwecke auf 20 Pfg. Der Antrag wird abgelehnt, und der auf 65 bezw. 25 Pfg. lautende, im Entwürfe niedergelegte Antrag der Kommission zum Beschluß erhoben. Die daraus ebenfalls genehmigten Bedingungen lauten: Sttomliefenmg. § 1. Das städtische Elektrizitätswerk liefert elektrische Energie zur Beleuchtung und Arbeitsleistung, sowie zu sonstigen gewerblichen Zwecken in Gemäßheit nachstehender Bestimmungen. Die Lieferung erfolgt Tag und Nacht ohne Unterbrechung in ausreichender Menge, soweit das vorhandene Leitungsnetz und die Betriebsmittel es zulassen. Von der Verpflichtung zur regelmäßigen Lieferung von Energie ist das städtische Elektrizitätswerk ohne Entschädigungs- berechtigung infolange und insoweit entbunden, als durch Betriebsunfälle, höhere Gewalt und andere unabwendbare Ursachen oder infolge von Kriegsereignisfen, Streik oder behördliche Anordnungen oder wegen Ausführungen von Messungen, neuen Anschlüssen usw. der Betrieb des Werkes gestört ober unterbrochen ist. Anmeldung zum Strombezug. § 2. Anträge zum Bezug elektrischer Energie sind an das städtische Elektrizitätswerk, Neumühle, oder an die Bürgermeisterei zu richten unter Benutzung der daselbst kostenlos erhältlichen Formulare und Bedingungen. Ist der Antragsteller nicht selbst Eigentümer des Hauses, für welches Darwinismus, so lehrt er von der Heimsuchung der Vätersünden. Die wunderlichen und zerrütteten Verhältnisse im Elternhaufe waren es, die Lenau zu einem tief unglücklichen Menschen machten, darum die Schwermut in seinem Blick, darum der müde Zug im durchgeistigten Gesicht. Darum enthalten seine Briefe so viele große Reden über weitgehende Pläne, und doch ist er so willenlos, so ganz ohne Thatkraft und Selbstzucht, daß ihn selbst der Tod seiner über alles geliebten Mutter nicht aufrüttelt. Wir sehen also erbliche Belastung, körperliche Entartung, verwahrloste Erziehung tragen Schuld an dem zwiespältigen Charakter Lenaus. Von seiner Umgebung unverstanden, sowohl seinem Temperament und Willen nach, wie in seinem späteren geistigen Schaffen, gewinnt er zu Hause nie die notwendige Ruhe, und zeitlebens wird er von übler Unruhe geplagt. Er hat von Kindheit auf ein weiches, Anschluß suchendes Gemüt und viel Güte, kann aber selbst bei kleinen Anlässen in einen unbegreiflichen Berserkerzorn geraten. In seiner Brust hängen' durcheinander ungeordnet anerzogene Gefühle und selbsterworbene Ansichten. Das wirft ihn in ibjie wechselndsten Stimmungen. Bald ist er weich, bald hart, bald nachgiebig, bald unduldsam. Zwei Todfeinde trägt er, wie er selbst einmal sagt, in sich selber herum wie Stein und Stahl; diese Todfeinde sind sein heftiges Gemüt und seine reizbaren Nerven. In seiner Kindheit war Niki, wie er von seiner Mutter genannt wurde, sehr fromm. Er betete nach dem im Hause seiner katholischen Eltern eingeführten Gebrauche sein Morgen^ und Abendgebet recht fleißig, und hatte eine besondere Freude daran, vor einem zum Altar her- gerichteten Stuhl die Messe zu lesen; späterhin ministrierte er dem Priester die Messe. Doch früh beginnen die Zweifel, und in peinvollem Schluß gesucht wird, so ist die Zustimmung des Haus- Eigentümers dem Antrag schriftlich beizufügen. Bei Genehmigung des Antrags wird dem Antragsteller auf Verengen die voraussichtliche Höhe der von ihm z« tragenden Kosten für den Anschluß mitgeteilt. Hansanschlüffe. § 3. Die Anschlüffe an das Straßennetz werden ausschließlich durch das städtische Elektrizitätswerk bestimmt und ausgeführt, ebenso die Lieferung und Anbringung des Haus- anschlußkaftens, ElektrizitätSmeffers und Hauptausschalters mit Zubehör. Genannte Teile, sowie das Leitungsmaterial bis zum Anschlußkasten werden von dem städtischen Elektrizitätswerk geliefert und bleiben Eigentum desselben. Die Kosten dieser Zuführungen werden auf die Länge vom Hauptkabel bis zur Grundstücksgrenze in der Regel vom Elektrizitätswerk übernommen, die übrigen Kosten trägt der Grundstücksbesitzer. Liegen außergewöhnliche Verhältniffe bezüglich des Grundstücks vor, fo unterliegt der betreffende Anschluß besonderer Vereinbarung. Etwaige Aenderungen und Ausbesserungen an den Hausanschlußleitungen und den dazu gehörigen Apparaten, welche durch Verschulden oder auf Antrag des Abnehmers veranlaßt sind, werden ausschließlich vom städtischen Elektrizitätswerk auf Kosten des Abnehmers ausgeführt. In den Wintermonaten, besonders aber während der Zeit starken Frostes werden in der Regel keine Anschlüffe ausgeführt. Im Uebrigen erfolgen die Anschlüsse möglichst nach der Reihenfolge der eingegangenen Anmeldungen. Ausführung elektrischer Einrichtungen im Innern der Gebäude und Grundstücke. § 4. Die Ausführung elektrischer Einrichtungen vom Elektrizitätsmesser ab, kann außer durch das städtische Elektrizitätswerk auch durch zugelaffene Installateure erfolgen. Die von der Großh. Bürgermeisterei festgesetzten und maßgebenden JnstallationSbedingungen sind gegen eine Gebühr von 50 Pfg. im Bureau des städtischen Elektrizitätswerkes, Neumühle, erhältlich. Dem städtischen Elektrizitätswerk steht daS Recht zu, die Ausführung der Arbeiten jederzeit zu überwachen. Nach erfolgter Anmeldung über die Fertigstellung der Anlage seitens des Installateurs findet eine Abnahmeprüfung auf Grund der Jnstallationsbestimmungen statt, nach welcher, wenn die Anlage den Anforderungen genügt, der Anschluß erfolgt. Im verneinenden Falle wird der Anschluß verweigert, und findet später eine nochmalige Prüfung statt. Eine Prüfungsgebühr wird seitens des städtischen Elektrizitätswerkes für die erste Prüfung nicht erhoben, sobald die Anlage sachgemäß ausgeführt worden ist. Die Kosten jeder weiter notwendigen Nachprüfung sind dem städtischen Elektrizitätswerk vom Installateur zu ersetzen. Das städtische Elektrizitätswerk übernimmt durch die Abnahme der von den Installateuren ausgeführten Arbeiten keine weitere Garantie; der Betreffende bleibt dem Auftraggeber allein für die solide Ausführung seiner Arbeiten haftbar. Das städtische Elektrizitätswerk behält sich das Recht vor, die Anlagen von Zeit zu Zeit zu prüfen; auch ist es bereit, über innere Einrichtungen Rat und Auskunft zu erteilen. Ohne vorherige schriftliche Genehmigung seitens des städtischen Elektrizitätswerkes dürfen keinerlei Aenderungen vorgenommen werden. Elektrizitätsmesser. § 5. Die dem städtischen Elektrizitätswerk gehörenden ElektrizitätSmeffer werden von diesem gegen FeuerSgesahr versichert. Die Größe und der Standort der Meffer wird vom Werk bestimmt und müffen dieselben auf Verlangen, sobald es die Verhältniffe erheischen, mit einem verschließbaren Schutzkasten umgeben werden. Für getrennte Teile einer Anlage können verschiedene Elektrizitätsmesser aufgestellt werden. Für Motorenbetrieb, elektrochemische Arbeiten, Heizung u. f. w. wird stets ein besonderer Meffer verwendet. Seelenzwiste ringt er sich den Glauben der Väter vont Herzblut ab. Zwischen Glauben und Wissen aber schwankt er sein Lebenlang. So wird er, wie Auerbach sagt, der Dichter der reinen Skepsis. „Das Ringen nach absoluter Wahrheit, und nach der subjektiven, die, aus dem innersten Kern des eigenen Wesens geboren, nichts überkommenes an sich hat, ist nirgends dichterisch mächtiger hervorgetreten, als in Lenau". Aus seinem angenommenen Standpunkt aber wird er nicht heimisch. Im Alter von 28 Jahren, entsteht das Gedicht „Glauben, Wissen, Handeln", das den besten Kommentar zu seiner Lebensentwickelung giebt, und noch pack; sechs Jahren ist er in seinem „F a u st" über die ganze Reihe der Daseinsrätselfragen, die er hier aufwirft, mit sich nicht ins Klare gekommen. Erst in den „Albigensern" ist seine Weltanschauung reifer, geschloffener. Der Verlust seines Glaubens, für den der llnglülckiche nirgends Ersatz findet, ist, das sagen uns die meisten seiner Dichtungen, ein Grund seines ständigen seelischen Schmerzes. Dieser Schmerz des Zweifels lähmt ihn und nagt an ihm und fesselt ihn in Gestalt von allerlei Erinnerungen und Gefühlen an die Vergangenheit, von dessen Boden sich sein denkender Geist losgerissen hat. Das allmähliche Erliegen der heiligsten Empfindungen zerreibt seinen Lebensnerv, beugt seine Willensfreiheit, und es entsteht durch den Zwiespalt zwischen Kopf und Herz seine innere Zerrissenheit. Mit diesem Zweifel geht er zu Grunde. _ . T . Schluß folgt. Kunst und Wissenschaft. — Die philosophische Fakultät der Universität Jena hat dem Maler Gabriel Max in München an seinem 60. Geburtstage bie Doktorwürde honorie oauea »erliehen. Die vierteljährlich zu zahlende Miete beträgt: für Elektrizitätsmesser biß zu 2 Silowatt . . Mk. 2.— ff n » w * • • H 2.20 * ff H H 10 .....2.45 „ .. über 10 H . . „ 3.40 Die Miete wird vom Tage der Inbetriebsetzung dcS ElektrizitätSmesierS oder, sosern der Betrieb des städtischen Elektrizitätswerke- eröffnet ist, von dem Tage der Betriebs- sähigkeit der Anlage an gerechnet, gleichviel, ob elektrische Energie verbraucht wurde oder nicht. An den Leitungen, welche vom Elektrizitätsmesser für Motoren u. s. w. sichtbar liegend abgehen, dürfen keine Abzweigungen für Beleuchtungszwecke angebracht werden, mit Ausnahme einer Lampe zur Beleuchtung des Motoren- raumes, über deren Anbringung das städtische Elektrizitätswerk entscheidet. Das Ablesen der Messer erfolgt monatlich einmal durch Beamte deS städtischen Elektrizitätswerke- und wird dem Abnehmer über den jeweiligen Stand seines Zählers Notiz gegeben. Bleibt ein ElektrizitätSmeffer stehen, zeigt derselbe unnötig ober wird er wegen Ausbesserung entfernt, so wird für die Dauer der unrichtigen ober unterbrochenen Messung derjenige Verbrauch in Rechnung gestellt, der mit Rücksicht auf den sonstigen durchschnittlichen Verbrauch nach billigem Ermessen sich ergiebt. Werden von beteiligter Seite Zweifel über die Richtigkeit der Angaben eines ElektrizitätSmesierS erhoben, so wird letzterer von dem Elektrizitätswerk auf seine Richtigkeit geprüft, nachdem der Abnehmer vorher davon in Kenntnis gesetzt und zur Beiwohnung bei der Prüfung eingeladen worden ist. DaS Ergebnis ist für beide Teile maßgebend. Wenn eine von dem Abnehmer beantragte Prüfung ergiebt, daß der Messer nicht zum Nachteil des Abnehmers gezeigt hat, so hat letzterer die Kosten der Prüfung zu tragen; in allen übrigen Fällen trägt dieselben das städtische Elektrizitätswerk. Ergiebt sich eine Unrichtigkeit von mehr als + 5 Prozent, so wird dem Abnehmer die im vorher- gehenden Kalendermonat zu viel bezahlte elektrische Energie in Abzug gebracht, bezw. die zu wenig angezeigte Energie nachträglich berechnet. Strompreis. § 6. Die elektrische Energie für die verschiedenen Gebrauchszwecke wird zu den nachstehend verzeichneten Ansätzen berechnet: a. Energie für Beleuchtungszwecke: 65 Psg. pro Kilowattstunde; b. Energie für Motoren, Heizung und elektrochemische Zwecke: 25 Psg. pro Kilowattstunde. Ausgenommen sind Motoren zum Betrieb von Dynamomaschinen zur Erzeugung elektrischen Lichtes, sowie die Abgabe von Energie zum Laden der Akkumulatoren für Beleuchtungszwecke. Hierfür gilt der Preis unter a. Am Jahresschluß wird Rabatt nach folgenden Stufen gewährt, nämlich bei einer Jahreszahlung für Strom verbrauch: a. von mindestens 201 Mk. bis 500 Mk. 2 pCt. b. „ n 501 „ „ 2000 „5 „ c..... 2001 „ „ 10000 „ 7,5 „ d. n „ 10001 H 10 „ Der Rabatt, bezw. der Rabattsatz einer höheren Stufe kommt jedoch nur insoweit zur Anwendung, als dadurch die Jahreszahlung nicht unter den Höchstbetrag der Jahres- zahlung der vorhergehenden Stufe gemindert wird. Bon Teilen einer Mark wird Rabatt nicht berechnet. ZohlungS- enb Sicherheitsleistung § 7. Die Zahlung der vom Werk ausgestellten Rechnungen für den Stromverbrauch erfolgt monatlich an einen der dazu beauftragten städtischen Beamten, die Zahlung über Anschlußarbeiten, Ausbesserungen und sonstige Arbeiten oder Lieferungen innerhalb 4 Wochen nach Zustellung der Rechnung. Erachtet das städtische Elektrizitätswerk eine Sicherheit für erwachsende Forderungen für Stromverbrauch. Elektrizitätsmesiermiete, Arbeiten und Lieferungen für geboten, so hat der Abnehmer eine solche je nach Größe der Anlage zu leisten, andernfalls wird der Auftrag nicht ausgesührt. Material- u. s. w. Lieferungen § 8. Die Abnehmer sind nicht gebunden, ihren Bedarf von Apparaten u. s. w. von dem Lager des städtischen Elektrizitätswerkes zu beziehen. Ueberwachuug elektrischer Einrichtungen. § . Der Eintritt in die Räume, in welchen sich ber Elektrizitätsmesser, sowie elektrische Einrichtungen befinden, ist den sich ausweisenden Beamten des städtischen Elektrizitätswerkes zwecks Kontrolle ungehindert zu gestatten. Die Prüfungen und Revisionen der Anlagen und Elektrizitätsmesser finden nur Wochentags in der Zeit von vormittags 9 bis 12 und nachmittags von 3 bis 5 Uhr statt. In dringenden Fällen ist, sobald es die Sicherheit des Werke- erheischt, der Eintritt auch außer den genannten Zeiten zu gestatten. Sobald eine Störung an einer elektrischen Anlage eintritt, ist dies dem städtischen Elektrizitätswerk sofort mitzuteilen. Bei einer merklichen Erwärmung der Leitungen oder Apparate ist durch Oeffnen des betreffenden Schalters der fragliche Stromkreis, eventuell der Hauptausschalter am Zählerbrett auszuschalten. Anschluß elektrischer Anlagen mit eigenem Betriebe. § 10. Elektrische Anlagen, welche vorher von einer anderen Stromquelle gespeist wurden, oder noch gespeist werden, und Anschluß an baß städtische Elektrizitätswerk erhalten sollen, müssen, bevor fie angeschlosien werden lönnev, auf Grund der JnstallationSdestimmungen des städtischen ElektrizüätSwerkeS untersucht werden. Diesbezügliche Anmeldungen haben dann nach §§ 2 und 3 zu erfolgen. Beendigung deß Sttombezugeß. § 11. Die Dauer des Vertrages für Lieferung und Entnahme elektrischer Energie beträgt, vom Tage der In betriebsetzung, bezw. BetriebSsähigkeit einer Anlage an ge rechnet, 3 Jahre, und gilt derselbe demnach, wenn nicht gekündigt, stets aus ein weiteres Jahr verlängert. Will der Abnehmer den Vertrag lösen, so hat er dies 3 Monate, bei Wohnungswechsel innerhalb der Stadt jedoch einen Monat vorher schriftlich beim städtischen Elektrizitätswerk anzuzeigen und gilt die Abmeldung stets vom Tage der Ueberweisung oder der Uebergabe der Mitteilung an die Post an. Strornentziehung. § 12. Das städtische Elektrizitätswerk ist berechtigt, die Lieferung elektrischer Energie sofort zu unterbrechen, wenn: 1. der Abnehmer vor erteilter Genehmigung seitens des städtischen Elektrizitätswerkes die Anlage in Betrieb nimmt; 2. die Anlage ohne Genehmigung des städtischen Elektrizitätswerkes verändert wird; 3. durch Anhängen von Gegenständen an die Leitungen, wie in Schaufenstern beim Dekorieren u. s. w. Feuers- gefahr entstehen kann; 4. der Abnehmer die Anlage durch einen nicht zu- gelasienen Installateur ausführen läßt; 5. die in § 9 angegebene Revision nicht gestattet wird; 6. aus der Art der Verwendung des elektrischen Stromes sich Störungen in den Anlagen benachbarter Abnehmer ergeben und den zur Beseitigung der Störungen getroffenen Anordnungen nicht Folge geleistet wird; 7. die fälligen Zahlungen nicht pünktlich erfolgen; 8. die Beseitigung deS Elektrizitätsmessers beantragt wurden ist; 9. in der Haushaltung eine gefahrbringende Störung eintritt oder grobe Verstöße gegen die Sicherheitsvorschriften vorliegen; 10. während neun aufeinanderfolgenden Monaten kein Energieverbrauch stattgefunden hat. In diesen Fällen hat der Abnehmer die Kosten zu tragen, welche auß der Unterbrechung der Stromzuführung entstehen. Streitigkeiten. § 13. Entstehen zwischen dem städtischen Elektrizitätß- werk und dem Abnehmer über die Außlegung und Anwendung vorstehender Bestimmungen Meinungsverschiedenheiten, so ist zunächst die Entscheidung der Stadtverordneten- Versammlung anzurufen. Wird durch die Entscheidung ber Stadtverordneten Versammlung eine (Einigung nicht erzielt, so hat über die strittigen Punkte unter Ausschluß des Rechtsweges ein Schiedsgericht in Gemäßheit des X. Buches der Reichszivilprozeßordnung zu entscheiden. § 14. Die Großherzogliche Bürgermeisterei behält sich daß Recht vor, mit Zustimmung der Stadtverordneten-Ver- sammlung Aenderungen oder Zusätze an vorstehenden Bestimmungen jederzeit vorzunehmen. Auf Antrag deß Beigeordneten Georgi wird beschlossen, daß in der Neumühle befindliche Bureau deß Elektrizitätßwerkß telephonisch mit der Bürgermeisterei zu verbinden. Nachdem ber Versuch, baß im Gießener Stabtwalbe ansallende Nutzholz durch gemeinschaftliche Submission zu verwerten, sich alß vorteilhaft erwiesen, wirb beschlossen, baß gleiche Verfahren auch bezüglich beß für 1901/1902 zu fällenden Holzeß einzuschlagen. Der behufs Ausführung beß Giebels am Dr. Koeppe- schen Neubau in ber verlängerten Alicestraße ersorber- liche DiSpenß von ber Bestimmung beß § 18 beß Orts- bauftatutß wirb befürwortet, bie Errichtung eines Stall- gebäubeß in Holzarchitektur bei dem Neubau beß Stabt- vcrordneten Kirch in berfelben Straße genehmigt, und bezüglich beß Neubaues beß Bankier Kurz ebenba befür- wortet baß Gesuch um Gestattung eineß bie vorgeschrieoene Höhe um zwei Meter überfteigenben Giebelbaueß. — Weiter stimmt die Versammlung für Außführung einzelner Teile beß Dachgeschosseß in Holzkonstruktion am Neubau ber Firma Birkenstock u. Schneiber am Brandplatz und für Dißpenß von den Bestimmungen beß § 56 ber Auß- führungßverorbnung zur Allgemeinen Sauorbnung (Anlage von Durchfahrten betreffenb). Die Errichtung eineß Erkerß am Neubau beß Balthasar Pitz, Ecke Löberßhof unb Sanbgasse, wirb befürwortet. Dem Gesuche um Abgabe von Baugelänbe an ber Crebnerstraßezur Erbauung eineß Hauseß für bebürftige Professoren Witwen bezw. -Töchter war burch früheren Beschluß ber Stabtverorbnetenversammlung ftattgegeben worben. Ein nachträgliche Gesuch um Vergrößerung beß abgetretenen Gelänbeß nach ber Tiefe konnte wegen barauß sich ergebenber Stückelung anberer Bauplätze nicht genehmigt werden, dagegen genehmigte die Versammlung die Dergröße- rung der Front von 15 auf 20 Meter. Die Versteigerung von drei Bauplätzen am Riegel- Pfad und zwei Bauplätzen an ber Liebigstraße ergab im einzelnen 25 768 Mk. Auf erfolgteß AuSbieten aller fünf Plätze zusammen legte Bauunternehmer Winn ein Gebot von 26 150 Mk. ein. Eß wirb beschlossen, auf letztereß Gebot den Zuschlag zu erteilen, soferu Käufer sich verpflichtet, innerhalb ber ihm gesetzten Frist an ber Liebigstraße einen Platz, am Riegelpfad zwei Plätze zu bebauen. An Stelle der veralteten, feit 1877 gültigen Polizeiverordnung über baß Droschkenwesen, sowie beß ebensallß für miftonßbebürftig erachteten Droschken- tarifß sollen neue Bestimmungen treten. U. A. soll bie Bestimmung, daß die Droschken viersitzig sein müffen, gestrichen werden; anstatt einer Laterne sollen deren zwei an der Droschke angebracht fein; ferner soll den Droschkenkutschern verboten werden, sich auf den Halteplätzen im Innern der Droschken aufzuhalten; eine weitere Bestimmung besagt, daß die Droschken in den Monaten Mai biß ein- schließlich September von morgen- 6% biß abends 9 Uhr, in den übrigen Monaten von 7*/, morgen- bis 8*/a Uhr abend- in Dienst zu stellen sind. Bei Fahrten nach außer halb tritt an die Stelle der Berechnung von Zeitfahrt die Berechnung nach Streckenfahrten. Die Versammlung beschloß im Sinne ber gestellten Anträge. Da- Gesuch de- Architekten Kockerbeck um Erlaubnis zur Herstellung eine- Bohlenbelag- über ben Stabtbach in ber Sonnenstraße wird nicht beanstandet. Infolge Umbau- der Neumühle muß der dort befind liche Krankenstall entfernt werden; eß wird beschlossen, denselben hinter den neuen Viehmarktplatz zu verlegen. Auf Gesuch der Omnibu-gesellschaft soll in der von ihr gepachteten Hofraite „Zum Pfau" eine Dunggrubc angelegt, sowie eine Waschküche errichtet werden. Die Gesuche von Joh. Gg. Bauer um (Erlaubniß zum Wirtschastßbetrieb im Hause Wallthorstraße 28, Otto Luft um Erlaubnis zur Au-dehnung seines Wirtschaft-- betrieb- auf feinen Garten am Neuenweg, PH. Mank um (Erlaubniß zum Ausschank von Branntwein in dem Hause „An den Bahnhöfen" Nr. 20 werden befürwortet; baß Gesuch ber Firma Kölner Konsumanstalt um Erlaubnis zum Kleinhanbel mit Branntwein im Hause Bahn- hosstraße 27 wird beanstandet. Aus Stadt und Kand. Gießen, ben 24. August 1900. ♦♦ Finauzmiuister Knauth. Wir lesen in ber „Frkf. Ztg.": Von einer Seite, bie unterrichtet fein könnte, erfahre ich, baß ber neue Präsibent beß Finanzministerium- Gnauth bie Ansichten feineß Amt-vorgängerS Küchler über bie Finanzlage beß GroßherzogturnS unb bie Neben- bahnf rage vollstänbig teilt. Er wirb also bie Nebenbahnvorlage im wesentlichen in ber seitherigen Gestalt aufrecht erhalten. ! Grimberg, 23. August. In einer von Bürgermeister Zimmer einberufeneh, im Gasthaus „Zur Pinn" gestern abenb abgehaltenen Versammlung ber Geistlichen, Lehrer unb Vereinsoorstände beschloß man, auch in biefem Jahre roieber baS Seb anfest alß Jugend- und Volkßsest in herkömmlicher Weise zu feiern. Die Festrede übernahm Rektor Dr. Busch von der hiesigen höheren Bürgerschule. S. Darmstadt, 22. August. Heute abend kam die 9. Rompaguie des (auf der Reise nach China uoroußgc- eilten) 4. ostasiatischen Infanterie Regiments unter dem Kommando des Hauptmanns und Kornpagniechefs Otto, seither im Inf. Regiment Nr. Bl, hier an, und würbe von dem Division^ Kommandeur, dem Stadtkommandenr unb zahlreichen Offizieren unb der Kapelle des Großh. Artillerie Regiments empfangen unb marschierte alsbald nach dem Uebuugsplatz ab. Die Soldaten wurden in Frankfurt am Main eingekleidet. Die Kompagnie ist speziell ans Angehörigen des 18. Armeecorps zusammengesetzt. 17 Mann, die im Großh. Hess. Jns.-Regirncnt Nr. 115 gedient haben, sind darunter. Außer dem erwähnten Kommandeur gehören der Kompagnie noch folgende Offiziere an: Oberleutnant Schneider, seither im Jnf.-Regt. Nr. 117, Leutnant Fiedler, seither im Jnf.-Regt. Nr. 37, Leutnant Fanro, seither im Ins.-Regt. Nr. 47, Leutnant v. Seebach, seither im Inf. Regt. Nr. 117, ferner die Offizier Aspiranten Bi^c- feldtvebel Eichentler ans Mainz und Wernicke, Kompagnie- jeldwebel ist der seitl-erige Sergeant Weingärtner vom Jnf.-Regt. Nr. 118. Die Kompagnie hat 25 Unteroffiziere, 18 Gefreite und 162 Mann, außerdem, 2 Radfahrer. — Die Leute sind mit Khakianzügen io. ausgerüstet und erhalten morgen Gewehr unb Seitengewehr, um nach en. 10 tägiger Hebung am 3. September von hier im Bataillonsverband nach Bremerhaven verlaben zu werden. Am 4. September erfolgt die Verladung auf dem Dampfer. Die Leute waren alle in bester Stimmung und wurden von allen Seiten herzlichst gegrüßt. — heute abenb um 10 einhalb Uhr kam das nur aus Baiern bestehende 2. Bataillon, 5., 6. und 7. Kompagnie des 6. Ostasiatischen Ins. Regts. unter dem Kommando des Majors Rühl von Würzburg hier an, wurde von dem Stadtkommandanten, zahlreichen Offizieren und der Kapelle des Dragvner-Regiments Nr. 24 begrüßt und begab sich gleichfalls nach dem Schießplatz. Die Baiern tragen nicht Khakianzüge, sondern Liteivken. Gim-el *ni Verkehr. Volkswirtschkst. Frankfurter Börse vem 88. August. Wechsel auf New-York zu 0.00-00. Prluilee auf Kredit per ult Ang. O.951/o, do. per ult Sept. 2.300/$, Diekonto-Kommandit per ult, Ang. 0.80 %, do. per ult. Sept 1.90 %, Lombarden per ul*. Aug. 0.40%, do. per ult. Sept. 0.80 %. Deutsche Bank per ult. Aug. 0.00%. JVotleruegeu : Kredit aktien 205.80-50-00, Diakonto- Kommandit 173.80-50-70.0000, Staatsbahn 187.50, Lombarden 25.20., Italiener 94 50-C0 Spanier 72.30, Bproa Mexikaner 25.20, Bochumer 184,70-185.40-80-40 bz., Laura 199.50-200 bz. Harpencr 175.90.00 bz., G. Gelsenkirchen 188.50-00-00-00 bz., Prlvat- Dtskont 4 Ve 0 o 6. 1% bis 2% Uhr: Kreditaktien 205.20-204.70,90 bx., Di»- konto-Kommaridlt 173.50-173.80.60 bz., Berliner Handelsgesellschaft 000 bz., Staatabahr 187 40 bz., Lombarden 25.20-00 b., Laura 00-00 3proz. Mexikaner 25 30 bz Schistsnachrichle« Der Postdampfer „Frießland der .Red Star Linie", in Antwerpen, ist laut Telegramm am 20. August wohlbehalten in Rew-Aork angekommen. P. P. Den Eingang Amtlicher Saigon-Neuheiten in ^Puch und PfUCkttkl'H -w für Herbst und Winter 187 tei9« »rgtbenat an Hochachtungsvoll Markus Bauer. Anfertigung nach Mast in eigener Werket Ulte. 5624 eine 5614 Stadtkaffe Gießen: Doepfer. Mit Bezug auf Vorstehendes empfehle ich mich zur Vermittelung von 6605 6590 Adolf Bieler, Westanlage 62 verkauft 5602 Wilh. Haas, Bleichstraße 18. in Born. 6616 Sohutz- Matket empfiehlt 5603 k 4334 4283 5398 Professor Frcytag 1876. Professor Bischof 1825. Kt'. Ourrab! öichst odne Schwefelsäure rrvgr.Mselse. Lieh -1849 bei Apotheker W. Weber. Bruchsteine 024 Frühkartoffeln CsVklts mit fitniB •erewtwertli* ftr I« «leemtiiien «ckl: P. «iHHi taa W. yrrfiliMfiics FEUERWER OJ OO Xfl ÖD ao CD cn .s 5 gJ.M. Schulhof. Z SE Bekanntmachung. 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