Mittwoch den 25, Juli Zweites Blatt 1900 Gießener Anzeiger General-Anzeiger Alle Anzeigrn.VermittlungSstellen deS In» und Äueiontaf nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger entgehe». ZeilenpreiS: lokal 12 Pfg., auswärts 20 Pfg. Mewe|eic Ww Anzeige« zu der nachmittags für de» -atzende» «scheinender. Stummer bis vorm. 10 Uhr. >-^efi«Lungen spätesten- odendS vorher. Bezugspreis vierkcUädri. Mk. 3M monatlich 75 Pfg. mit Bringerlohn; durch die AbholefteLro vierleljuhrl. Mk. IM monatlich 65 Pfg. Bei Postbezug Mk. 2,40 vicrteljährL mit Bestellgeld. M. 171 UstNch mt LuSnahmk des Äetrtofl. Die Gießener »e»if«*iUHtr »erden de» Anzeiger tz» Wechsel wM „Heff. L«rdwir1" ». »Blätter Mr heff. Äetofunbe* »GchL 4 »G beigelegt. Anita» und Anzeigeblatt für den Nveis Giefzen. UMHe», «xpedinon und Druckerei: KchAkKraße Ar. 7. Gratisbeilagru: Gießenrr Familienblätter, Der hessische Landwirt, Matter für hessische Volkskunde. M——WMii 111»i.iMst a»uf die Frau gefallen, die nicht nur dem Range nach unter ihm steht, sondern die bereits verheiratet gewesen ist. Frau Draga, die Braut, Witwe des serbischen Gardekapitäns Maschin, ist 42 Jahre alt, sieht jedoch, wie es heißt, jünger aus. Die Familie ihres Vaters Panta Lunjevitz ist ziemlich unbedeutend. Ms Hofdame der Königin Natalie soll die jetzige Braut des Königs häufig Anlaß ßu Zänkereien zwischen Milan und Natalie gegeben haben. Die Familie der Braut ist nur mäßig bemittelt. Sie stammt allerdings aus einem alten serbischen Wojwo- dengeschlechte. Ihr Großvater war, wie König Alexander in dem Erlaß an sein Volk sagt, einer der bedeutendstes Mitarbeiter des großen Milosch bei der Begründung des heutigen Serbien. Wojwode bedeutet Herzog und deckt sich in seiner ursprünglichen und geschichtlichen Bedeutung mit unserm Worte. Aber diejenigen, die Serbiens Königtum zum vollen Glanz der übrigen europäischen Königsfamilien zu erheben trachten — und zu diesen gehören die verantwortlichen Berater des Königs selbstverständlich in erster Linie — können in einer Heirat des Königs mit -^irem Landeskinde nicht die Förderung -ihres Strebens erblicken. Die Königsfamilie mit anderen herrschenden,' Häusern zu verschwägern uno dadurch ihre Stellung im Rate der Völker zu heben, war der Traum der serbischen Politiker; er wird, wenn der Entschluß des Königs nicht erschüttert wird, ein Traum bleiben. Aber es gießt noch! andere Gründe, die man gegen des Königs Wahl ins Feld führen kann. Die Heirat mit einem Landeskinde verschwägert den . König mit dessen Sippe und bringt ihn, wenn er nicht ein sehr starker, unabhängiger Charakter ist, notwendig mit dieser Sippe in nahe Beziehung. Wenn das schon bei andern, mehr durchgereiften Völkern eine Gefahr ist, pm wieviel mehr bei den Serben, die im allgemeinen nock), nicht soweit vorgeschritten sind in der Entwickelung, daß sie die eigenen von den allgemeinen Interessen immer trennen könnten. Und endlich kommt das böse Omen der elterlichen Ehe zwischen Milan Obrenowitsch und Natalie Ketschko hazu, die deutlich gezeigt hat, daß auch eine fürstliche Liebesheirat nicht immer zum Segen führt. Auch Milan heiratete in jungen Jahren, dem Zuge seines Herzensfolgend, im Widerspruch mit seinen Ministern ein Mädchen jaus dem Volke, die bildschöne, sechzehnjährige Tochter des russischen Obersten Ketschko und einer Rumänin, die sich dann später zu der ränkespinnenden Königin Natalie Entwickelte. Frau Draga Maschin, die Hofdame Natalies, ist mit der Königin intim befreundet, und darum ift die Ansicht in Belgrader Hofkreisen, daß Natalie nach Serbien zurückkehren, der Vermählung beiwohnen und ihren alten Einfluß zurückgewinnen wird. . König Alexander hat in seinem Erlaß geschickt alles zusammengestellt, was seinen Entschluß in einem günstigen Luchte erscheinen lassen kann. Söin stärkstes Motiv ist, daß er seiner Herzensneigung ungehindert folgt, aus der ^o^de Glück und Zufriedenheit für sich und sein Volk betont ferner, daß seine Dynastie aus dem Volke hervorgegangen sei und durch eine Verbindung mit eurer Volksgenossin nur noch festere Wurzeln im Volke schlagen werde. Er stellt diese Volksgenossin als eine der edelsten dar, besonders geeignet, das Band zwischen ihm urid dem serbstchen Volke noch fester zu knüpfen, und weist den zwychen den Zetten lesbaren Einwand daß er durch diese Heirat auf das Anknüpfen dynastisch-politischer Beziehungen verzichte, mit der Bemerkung zurück, daß sich die Politik der Herrscher und Staaten heute nicht mehr nach verwandtschaftlichen Verhältnissen, sondern nach den Interessen der Völker richte. Unzweifelhaft ift an diesen Ausführungen viel Wahres; zweifellos kann auch dieser Liebesheirat viel Segen entspringen, und auch die Bemerkungen über den Volkscharakter der Dynastie und die edle Abkunft der königlichen Braut werden auf die große Masse des Volkes ihren Eindruck nicht verfehlen. Trotzdem herrscht in Belgrad fast allgemeine Bestürzung, und nur eine Deputation des Gemeinderats und einige Privatpersonen gratulierten. Der Staatsrat, der Metropolit und der Präsident der Skupschtina Nestorowitsch beschworen den König, das Heiratsprojekt fallen zu lassen. Vergebens. Der König soll zum Präsidenten der Skupschtina gesagt haben: Möge man mein Vorgehen billigen oder nicht, äch liebe diese Frau und werde sie heiraten oder lieber dem Throne zu Gun st en meines Vaters entsagen. Auch das Kabinett Georgiewitsch bekämpfte von' vornherein die beabsichtigte Heirat. Es machte dem Könige Vorstellungen und erörterte das Heiratsprojekt vom dynastischen und politischen Standpunkte aus. Als die Vorstellungen erfolglos blieben, erfolgte die Demission des Kabinettes. Zur Zeit besteht kein Ministerium. Sämtliche Regierungs-Ressorts werden nur von Sektionschefs geleitet. Kein Politiker von Ansehen hat sich bisher geneigt gezeigt, ein Ministerium zu bilden. Folgende Ministerliste zirkuliert: Präsidium und Inneres Nikola Christitsch, Aeußeres Sima Lozanitsch, Finanzen Ilja Tschiritsch, Krieg General Milowan Pawlowitsch, Justiz Georg Stefanowitsch, Volkswirtschaft Tschiwanowitsch, Bauten Oberstleutnant Damian Popowitsch.und Unterricht Prazin Mijuskowitsch. Die Liste ist jedoch nicht definitiv. Auch der Kabinettssekretär Weykowitsch erbat und erhielt seine Entlassung. Zu seinem Nachfolger wurde Dr. Milosch Petrowitsch, der in Deutschland studiert hat, ernannt. Und schließlich hat auch der gemäßigte Vater des Königs, der edle Milan, sein Bedauern über die Verlobung sofort zum Ausdruck gebracht. Der Mann hat ja seine Erfahrungen. Milan hat seine Kur in Karlsbad plötzlich unterbrochen, ist nach' Wien abgereift und hat sein Oberkommando über das Heer niedergelegt. Ein Mitarbeiter der „Wiener Ällg. Ztg." wurde von Milan empfangen. Er gab seinem schmerzlichen Bedauern über den Schritt seines Sohnes Ausdruck. Die Demission als Armeekommandant habe er zehn Minuten, nachdem er die Verlobungsnachricht empfangen, in größter Erregung telegraphisch seinem Sohn angezeigt. Er hatte wohl Kenntnis von den Beziehungen Alexanders zu der Hofdame Natalies, von einer Heiratsabsicht aber keine Ahnung: er sei daher vollkommen überrascht. Auf die Frage betreffs der möglichen Folgen äußerte sich Milan sehr reserviert._________________________ Die LVirren in China. Nach einer Mitteilung des Chefs des Kreuzergeschwaders, Vizeadmirals Bendemann aus T a k u vom 20. ds. ist die deutsche Besatzung von Tientsin auf 300 Mann unter dem Kommando des Kapitänleutnants Weniger herabgesetzt worden. Die Nachrichten über neue Ereignisse fließen jetzt langsamer. Der französische Konsul in Tsungking am oberen Jangtse telegraphiert unter dem 18. Juli, in der Provinz Szetschuan herrsche im allgemeinen Ruhe, doch seien in den ländlichen Bezirken im Nordwesten der Provinz einige christliche Niederlassungen zerstört worden. Nach einer russischen Meldung soll es bei Weihaiwei in der Provinz Schantung zu zwei Gefechten zwischen Engländern und Chinesen gekommen sein, und laut derselben Quelle haben bei Tientsin einige Vorposten- gesechte stattgeftmdeu. Die letzten amtlichen Berichte aus Tientsin besagten, daß Aangtsun, etwa 24 Kilometer nordwestlich von Tientsin am Peiho, dort, wo die Eisenbahn vom Fluß auf Peking abbiegt, noch von Chinesen besetzt sei; vermutlich haben hier jene Gefechte stattgefunden. Die Reparatur der Eisenbahnlinie nach Taku ist vollendet und die Bahn unter russischer Leitung wieder int Betriebe. Die Verwaltung von Tientsin wird der „Times" zufolge zunächst durch ein i n t e r n a t i o nales Komite geleitet, das aus dem japanischen Oberstleutnant Aoki, dem englischen Oberstleutnant Bower und dem russischen Oberst Wogak besteht. Nach einem Telegramm aus London soll das Verhalten der vereinigten Truppen nach der Erstürmung des Fremden Viertels von Tientsin ein ausführlicher telegraphischer Bericht der Agentur Lassan im trü-bsten Lichte erscheinen. Danach war der ganze der Erstürmung folgende Tag einer Generalplünderung gewidmet. Die gesamte Chinesenstadt war überfüllt von fremden Truppen aller Nationalitäten, die mit einheimischen Pöbelhaufen und Landstreichern bei der Brandschatzung von Läden und Magazinen wetteiferten. Auf dem Wege zwischen dein Chinesenviertel und den fremden Niederlassungen bewegte sich eine förmliche Prozession von Soldaten, die beladen mit allen erdenklichen Gegenständen Silberbarren, Seidenzeug, Pelzwerk, Schmucksachen und tausend anderen Dingen, ihre Beute in Sicherheit brachten. Sachen im Werte von vielen Millionen Taels sollen gestohlen worden sein. Das sind schwere Beschuldigungen, sowohl gegen die sremden Truppen wie gegen die ausländischen Bewohner Tientsins, und jene Agentur wird sie zu verantworten und zu vertreten haben. Daß deutsche Soldaten sich bei dieser Plünderung beteiligt hätten, ist so gut wie ausgeschlossen, aber es wäre auch bedauerlich, wenn sich Herausstellen sollte, daß die Truppen irgend einer der andern Mächte sich einen derartigen Verstoß gegen die Disziplin hätten zu Schulden kommen lassen. Solche „Soldaten der Zivilisation" wären dann freilich schlecht geeignet, das strafende Sühnewerk des rächenden Richters durchzuführen. Der Pariser „Gaulois" hatte die Meldung gebracht, daß die Verhandlungen zwischen den Großmächten betreffs des Oberkommandos der vereinigten Truppen in China in.dem Sinne abgeschlossen seien, daß England den Oberbefehl über die verbündeten Flotten erhalten solle. Wegen des Oberbefehls über die Landtrupp en hätten die Großmächte Kaiser Wilhelm ersucht, den Führer zu bestimmen. Kaiser Wilhelm hätte vorgeschlagen, dieses Kommando einem französischen General anzuvertrauen. Die französische Regierung habe dieses Anerbieten dankend a b g e l e h n t. — Zu dieser Meldung erfährt unser Berliner Mitarbeiter zuverlässig, daß an dortiger amtlicher Stelle weder über die Ernennung eines englischen Flot- ten-Oberbefehlshabers,n o ch über das von Kaiser Wilhelm angeblich vorgeschlagene französische Oberkommando über die verbündeten Landtruppen irgend etwas bekannt ist. Es wird vielmehr ausdrücklich hervorgehoben, daß die Verhandlungen wegen des Oberkommandos noch nicht zum Abschluß gelangt sind. — Eine Bestätigung der Rachricht, nach der die chinesischen Zölle von jetzt ab mdcyt mehr nach Peking, sondern nach Kanton abgeliefert werden sollen, liegt einem Berliner Gewährsmann zufolge an dortiger amtlicher Stelle ebenfalls nicht vor.—Der Vormarsch aus Peking dürfte vor September unmöglich sein. Der Briefwechsel zwischen den Kaisern von China und von Japan. Berlin, 23. Juli. Nach einer aus japanischer Quelle stammenden, Tokio, den 20. Juli datierten Depesche lauten die zwischen den Kaisern von China und Japan gewechselten Briefe in ihrem vollen Text wie folgt: Der Kaiser von China an den Kaiser von Japan. Während unser Reich sich in aufrichtigen Freundschaftsverhältnissen mit oem Reiche Cw. Majestät befand, wurde der Kanzler Ew. Majestät Legation vor etwa einem Monat angegriffen und ermordet. Durch dieses Ereignis tief betrübt, haben wir Befehl gegeben, die Individuen, die dieses Verbrechen begangen hatten, zu ermorden uno zu bestrafen. Jedoch hatten die sremden Mächte, in dem Glauben, daß bei dem bestehenden Konflikt zwischen unseren christlichen und nichtchristlichen Unter» thanen unsere Regierung die Bewegung gegen die Christen unterstützt hätte, die Forts von Taku angegriffen und besetzt. So entstanden Feindseligkeiten und die Lage und die Beziehungen zu den Mächten sind immer verwickelter geworden. Westen und, Osten ftehen sich feindlich gegenüber. Ew. Majestät und unsere Staaten sind die einzigen, die den Osten aufrecht erhalten. Nicht blos auf China richten sich die lüsternen Blicke der Mächte, um ihre Pläne zur Geltung zu bringen, sondern, falls China nicht int stände ist, seine Stellung zu behaupten, so befürchten wir, daß auch für Ew. M. Reich die Lage unhaltbar werden wird. Die Interessen der beiden Reiche sind eng miteinander verbunden, und so hoffen wir, daß Ew. Majestät Angelegenheiten von untergeordneter Bedeutung in diesem Moment übersehen möchten und mit uns gemeinschaftliche Sache machen, um unsere gleichartigen Interessen zu beschützen. China ist in diesem Moment so vollständig durch seine militärischen Operationen in Anspruch genommen, um den Aufstand zu bewältigen, daß es nicht int stände ist, die von außen drohenden Verwicklungen mit den Mächten zu einem erfolgreichen Ende zu führen. Wir sind daher darauf angewiesen, auf Unterstützung desjenigen Landes zu rechnen, das wie unser Reich einen Teil von Asien bildet. Unter diesen Umständen richten wir unsere Botschaft an Ew. Majestät in einem absolut offenen und vertrauensvollen Geiste und bitten, Ew. Majestät möge solche Schritte anordnen, als für gut befunden werden, um unter Ew. Majestät mächtiger Führung den Frieden und die Ordnung wiederherzustellen. Am 7. Tage des 6. Monats int 26. Jahre. Kwangsu (3. Juli 1900). Der Kaiser von Japan antwortete: Während bisher nur gerüchtweise verlautete, daß Sn- giyama, der Kanzler unserer Gesandtschaft vor einiger Zeit ermordet worden sei, hat bisher eine positive Bestätigung dieser Nachricht gefehlt. Ew. Maj. Telegramm, das soeben angelangt ist, hat nun diese Thatsache bestätigt und uns tiefen Schmerz verursacht. Seit diesem peinlichen Ereignis hat die Insurrektion int nördlichen Teile Ew. Maj. Länder einen stetig wachsend eit heftigen Charakter angenommen und den gesetzwidrigen Handlungen wurde freier Lauf gelassen, während in Peking die diplomatischen Vertreter der fremden Mächte und die Mitglieder der Gesandtschaften umzingelt und angegriffen wurden. Es wird sogar gemeldet, daß der Gesandte einer Macht angegriffen und ermordet worden sein soll. Wir hören, daß die Truppen Ew. Maj. äußer stände sind, die Insurgenten zurückzutreibeni und zu unterwerfen. Die Handlungen der Jnsurgenwn verletzen äuf das empfindlichste das völkerrechtliche Prinzip, daß die diplomatischen Agenten mit höchster Achtung zu behandeln und ihre Personen unverletzlich sind. Eine Be- ’leibigung Zeines diplomatischen Vertreters ist ein Verstoß gegen Las Völkerrecht. Es ist kaum nötig, darauf hinzuweisen, wie schwer das Verbrechen das Gesandtenmordes ist. Wenn Ew. Majestät Regierung ernstlich die Insurrektion! zu bekämpfen sich entschlossen hat und die Befreiung der Gesandten Vns Werk setzt, würde die Lage sich verhältnismäßig günstiger gestalten. Die Unterdrückung des Aufstandes und die Rettung der fremden Vertreter ist eine Pflicht, die Ew. Majestät ebensowohl gegenüber ihrem eigenen Reiche, wie in Bezug auf die Mächte der Welt zu erfüllen haben, und dieses sollte sobald als möglich geschehen. Seit dem letzten Monat haben die Mächte starke Streitkräfte nach Tientsin gelandet, und Japan hat es für nötig gehalten, ebenfalls seine Truppen zu entsenden. Der Zweck dieser militärischen Aktion ist, die Insurrektion zu unterdrücken ünd die diplomatischen Vertreter und die anderen Fremden zu befreien. Außerdem haben die Mächte keinen weiteren Zweck im Auge. Wenn Ew. Maj. Regierung keine Zeit verlieren, die Gesandten der fremden Mächte aus ihrem belagerten Zustand zu befreien, so hoffen wir, daß die Mächte darin ein Zeichen erblicken! werden, daß es Ew. Maj. Ernst ist, einen .'Stieg zu vermeiden und das Unglück, daß sonst Ew. Maj. Lande befallen würde, dadurch zu mildern. Meine Regierung hat, wie.Ew. Maj. bekannt ist, für Ihr Land eine herzliche Gesinnung gehegt und wich, falls es die Verhältnisse gestatten, sich nicht weigern, an den geeigneten Stellen ein freundliches Wort einzulegen. Tie Bedingung ist aber, daß Ew. Majestät Regierung sofort den Aufstand unterdrücken und wirklich die fremden Vertreter aus ihrer Lage befreien. Erst dann kann Japan sich bereit finden, seinen Einfluß Lei den eventuellen Verhandlungen zwischen Ihrem Reich und den fremden Mächten zum Zweck der Erhaltung der Interessen Ihres Reiches zu verwerten. Es ist unser ernster Wunsch, paß diese telegraphische Antwort auf Ew. Maj. Botschaft Ihrerseits ernste Beachtung finden möge. Tokio, ijm 33. Jahre Meiji (1500), 12. Juli. Dieser Briefwechsel zeigt den Ernst und die Loyalität der japanischen Regiernng in seinem durchaus erfreulichen Lichte. An dieser Stelle ist cd offenbar den Chinesen nicht gelungen, einen Keil in das Einvernehmen der Mächte zu treiben, ebensowenig wie in Frankreich, wo die chinesischen Versuche eine ebenso klare wie würdige Zurückweisung erfahren haben. So wie die Dinge heute stehen, ist es ja auch jeder zivilisierten Macht ganz und gar unmöglich ge- «acht, mit China zu paktieren, und das umsomehr, als es feinen unerhörten Bruch des Völkerrechts dadurch nur fortsetzt, daß es die Gesandten, die nach chinesischer Darstellung ;a noch leben sollen, widerrechtlich in Peking zurückhält und an dem Verkehr mit ihren Ländern hindert. Demgegenüber ist es nur erklärlich, daß die Konsuln in Shanghai dem Vizekönig Li-Hung-Tschang gegenüber eine außerordentlich kühle Haltung eingenommen haben. Ein Telegramm besagt, Li-Hung Tschang sei sicher verdrossen über den üblen Empfang. Die Konsuln in Schanghai gestatten seiner Leibwache nicht, ans Land zu E°mmen. Seine Umgebung sei sehr besorgt und weigern stch, die Steife nach Peking fortzusetzen, bevor nicht Gewähr dafür vorhanden fei, daß sie dabei nicht ihr Leben riskieren. Li-Hung-Tschang zögert mit der Weiterreise und wartet die Antwort aus eine nach Peking gerichtete Anfrage bezüglich des dortigen Standes der Dinge ab. Der Vizekönig verhandelt beständig mit Scheng. Aus Schanfi sind Emissäre m Shanghai eingetroffen, um für eine halbe Million TaelS Munition zu kaufen. Kanton und Hongkong sind ruhig. — Ein neueres Telegramm des belgischen Konsuls in Tientsin, de Cartier, berichtet, daß Li-Hung-Tschang, sowie der Gouverneur von Kanton ihm versichert haben, daß die fremden Gesandten in Peking bestimmt in sicherheit seien. Dasselbe hat gestern nachmittag der Berliner chinesische Vertreter im Auswärtigen Amte versichert. — Die „Sun" sagt: Amerika werde das Vermittelungsgesuch des Kaisers von China günstig aufnehmen, sofern die Echtheit desselben durch eine chiffrierte Be- glaubigung des amerikanischen Gesandten in Peking dar- gethan wird. Rüstungen. Aus Berlin wird gemeldet: Um den ungeheueren Transport von Munition und Lebensmitteln für China bewältigen zu können, ist die Charterung weitererTrans- portdampfer von der Marineverwaltung erfolgt. Nach einer Meldung aus Kiel wurden die dortigen der Rhederei Diederichsen gehörigen Dampfer „Marie" und „Mimi" vom Reichsmarineamt nach China gechartert. Die Schiffe werden Ende Juli bezw. Anfang August mit Proviant und Infanterie die Reise antreten. Den Dampfern wird ein Marinedetachement beigegeben. Der Lloyddampser „Gera", , ^^"schiff eingerichtet, ist von Bremerhaven nach Wilhelmshaven in See gegangen, um seiner neuen Bestimmung gemäß Verwendung zu finden. Ein Sonderzug mit den deutschen Truppen traf am Montag srüh in Mailand ein und wurde dort von einer vieltausendköpfigen Menge jubelnd begrüßt. Bon offiziellen Personen waren beim Empfang der Truppen der Korpsgeneral und Divisions-Kommandeur anwesend. Nach etwa Aufenthalt, währenddessen mehrere Reden auf die Waffenbrüderschaft gehalten wurden, führ der Zua unter brausenden Evvivarufen nach Genua ab. Auf der Fahrt dahin wurden die Truppen aus allen Bahnhöfen von Vertretungen der Garnisonen begrüßt und reich bewirtet. In Genua erfolgte die Ankunft gestern morgen Dort wurden sie auf den Dampfer „Preußen" übergesetzt' der heute abdampfen sollte. v Wie reichsländische Blätter berichten, traten in Mörch- ingen beim Aufruf der Freiwilligen für das ostasiatische Expeditionskorps sofort auch zwei als zielbewußte Sozialdemokraten überwiesene Leute vor. Das Telegraphenbataillon Nr. 1 in Berlin veranstaltet heute Abend auf seinem Kasernenhofe ein Abschiedsfest für die aus allen drei Telegraphenbataillonen zusammengestellte Abteilung für China. Diese Abteilung verläßt Berlin am Freitag und fährt am Samstag von Bremerhaven ab. Sie besteht aus dem eigentlichen Telegraphendetachement und einer Trainkolonne. Die letztere verfügt über 32 Wagen. Die „Köln. Ztg." fordert in einem bemerkenswerten, an leitender Stelle veröffentlichten Artikel sofortige Kreditbewilligung für den Bau der beim letzten Flottengesetz gestrichenen Auslands schisse, die sofort in Angriff genommen werden müßten, nachdem die deutschen Küsteu durch die chinesischen Wirren entblößt worden seien. Mit der Entsendung einer ganzen Division Schlachtschiffe nach China fehle das, was zur Verteidigung der eigenen Meere nicht entbehrt werden könne. Heute dürfe die Regierung, gestützt aus die Beweiskraft der glänzenden Thatsacheu, nicht zögern; sie sei der Zähigkeit des Reichstages gegenüber nie in einer günstigeren Lage gewesen und brauche um den Widerstand der radikalen Parteien sich weniger zu kümmern, als jemals vorher. Mir besonderem Nachdruck hebt der Artikel hervor, daß gegenwärtig in Ostasien aus Grund der starken Machtentfaltung die Möglichkeit zu einer glänzenden diplomatischen Thätigkeit von einer Tragweite gegeben sei, die sich in Hunderten von Jahren nur einmal wiederhole. Seit dem chinesisch-japanischen Kriege habe die weitausschauende deutsche Politik auf dem vielbegehrten Boden des ausgedehnten chinesischen Landes Posto gefaßt, um in China das seiner Macht entsprechende Stück abzubekommen. Die „Köln. Ztg." warnt das Centrum, in ablehnender Haltung gegenüber den Auslandsschiffen zu verharren, denn bei dem Gang, den plötzlich die ostasiatischen Ereignisse genommen, sei es möglich, daß die Entscheidung in der Flottenfrage aus ihrer Hand in eine andere überginge. Eine Neparaturwerkstätte für die ostasiatischen Expeditionen wird in Tsingtau (Kiautschou) errichtet werden. Durch Vermittelung der kaiserlichen Werst in Wilhelmshaven sind in verschiedenen Orten große Bestellungen für die Ausstattung der Werkstätte gemacht worden. Auch eine kleine komplete Eisen- und Bronze-Gießerei wird mitgenommen werden. Die französische Expedition nach China wird bestehen : aus 9 Bataillonen Marine-Infanterie, 4 Bataillonen Zuaven, 3 Bataillonen Land-Infanterie, 2 Schwadronen Kavallerie, 14 Batterieen Artillerie, sowie je einer Telegraphen-, Eisenbahn-, Luftschiffer- und Ambulanz-Abteilung. — Die „Temps" bestätigt, daß es die Regierung dem Prinzen Henri von Orleans abgeschagen habe, dem französischen Expeditionskorps nach China sich anzuschließen. — Der „Liberte" zufolge soll General Negrier dazu bestimmt werden, das Expeditionskorps nach China zu befehligen. Die italienische Regierung verbot die Ausfuhr von Waffen und Munition von Italien nach China. ♦ ♦ * Telegramme deS Gteßeuer Anzeigers. Hildburghausen, 24. Juli. Der Herzog von Meiningen spendete dem Flotten-Verein 1000 Mark zur Herstellung einer besseren telegraphischen Verbindung mit dem ostasiatischen Kriegsschauplatz. Kiel, 24. Juli. Morgen früh 4 Uhr 56 Min. tritt das für China bestimmte Sanitäts-Personal und das Artillerie-Detachement unter Führung des Leutnants zur See Schleusener die Reise nach Wilhelmshaven an und schifft sich aus der „Gera" ein. Die neueste Maßnahme der Regierung, die Entsendung von Handwerkern der Kieler Kaiserwerst nach China, halte die Meldung zahlreicher Arbeiter zur Folge, die nach ihrer Untersuchung nach Wilhelmshaven fahren und sich aus der „Gera" einschiffen. Im August folgt ein zweiter Transport. — Die übliche neunmonatliche Auslandsreise der Schulschiffe „Charlotte", „Stosch", „Moltke" und „Gneise- nau" mußte ausgegeben werden, damit bei Bedarf das nötige Personal für China vorhanden sei. Hamburg, 24. Juli. Hier wird bestätigt, daß in Berlin ein Telegramm des Kaisers von China eingetroffen sei, worin dieser dem deutschen Kaiser sein tiefstes Bedauern über die Ermordung des Gesandten von Ketteler ausspricht. Bremen, 24. Juli. Neber die Truppen - Transporte nach Ostasien wird gemeldet: ES werden befördert: am Freitag den 27. Juli etwa 4000 Mann, darunter zwei Eskadrons deS ostafiatischen Reiter-Regiments, am Montag den 30. Juli etwa 1200 Mann, am Dienstag den 31. Juli etwa 1000 Mann, am Donnerstag den 2. August etwa 2800 Mann und am Samstag den 4. August etwa 3000 Mann, darunter die dritte Schwadron des Reiter-Regiments aus dem Dampfer H. H. Meyer. Loudon, 24. Juli. Ein hervorragendes Mitglied des diplomatischen Korps versichert, daß die Leitung der englischen auswärtigen Politik sehr betroffen ist über die Haltung der Washingtoner Regierung gegenüber den jüngsten Beschwichtigungen der Chinesen. Die Leichtgläubigkeit des leitenden amerikanischen Staatsmänner wird an amtlicher Stelle deshalb namentlich mit Unwillen betrachtet, weil dies die Chinesen zu der Neberzeugung bringen muß, daß die gerühmte Solidarität der Mächte mit leichter Mühe wirksam zu erschüttern ist. — Die hiesige chinesische Gesandtschaft teilt mit, sie habe von dem Vizekönig in Nanking ein kaiserliches Dekret vom 18. Juli übermittelt erhalten, worin Befehl gegeben war, die Mörder des Barons v. Kettler zu fangen, und erklärt, daß die anderen Gesandten in Sicherheit seien. Die Gesandtschaft erklärt, sie habe das größte Vertrauen in das kaiserliche Edikt. Jeder Zweifel sei Unsinn. In offiziellen politischen Kreisen herrscht Zweifel an der Glaubwürdigkeit der letzten Meldung. Loudon, 24. Juli. Der hiesige chinesische Vertreter hat ein Telegramm des Tac Tai Sheng erhalten, worin dieser berichtet, daß das Tsung-Li-Damen einen Be- amten entsandt hat, um Unterhandlungen mit den fremden Vertretern anzuknüpfen. Der Sekretär Dang-Lu wird dem Tsung-Li Damen eine Petition unter» breiten, in der die Regierung ersucht wird, die fremden Vertreter nach Tientsin zu entsenden in der Hoffnung, daß die militärischen Operationen aus diese Weise eingestellt wurden. Die Gesandtschaft berichtet, die fremden Gesandten in Peking seien bereits nach Tientsin unterwegs. Die Exchange Telegraphen-Kompagnie erhielt etn Telegramm des Sekretärs der chinesischen Ge- sandschast des Inhalts, die Gesandten in Peking find in Sicherheit und werden unverzüglich nach Tientsin abreifen. Lo n d on, 24. Juli. „Daily Mail" meldet aus Shanghai, ein hoher Beamter dieser Stadt sei von einem andern Beamten aus Kanton unterrichtet worden, daß die Europäer in Peking eine Anzahl Läufer mit Nachrichten Anfangs Juli nach der Küste abgeschickt hätten, daß dieselben aber unterwegs abgefangen und getötet worden seien. Wien, 24. Juli. Aus Warschau wird berichtet, daß die erste und zweite Schützenbrigade, sowie die erste und zweite Artilleriedivifion mobilisiert wurden und demnächst nach China abgehen. Rom, 24. Juli. Sämtliche Blätter widmeten den in Genua eingetroffenen Truppen des deutschen Expeditions-Korps schwunghafte Begrüßungs-Artikel und sind erfreut, daß auf sämtlichen italienischen Stationen, welche die Soldaten passiert haben, an den Verbrüderungs- Szenen nicht allein das Militär, sondern auch die Zivil- Bevölkerung sich beteiligt hat. Ter Krieg irr Südafrika. Feldmarschall Roberts telegraphiert aus Pretoria vom 22. d. M.: Die Buren schlossen heute eine Bahnstation 23 Kilometer östlich von Heidelberg ein, machten einen energischen Angriff auf sie und suchten sie zu zerstören. Der Ort wurde von zwei Kompagnieen Dubliner Füsiliere, nebst Bahnbeamten und Deomanry verteidigt. General Hart rückte alsbald von Heidelberg zur Unterstützung aus. Die Buren waren jedoch bei seinem Eintreffen schon zurückgeschlagen. Ferner telegraphierte Lord Roberts aus Pretoria, (wahrscheinlich über Natal) vom 22. Juli, daß Lord Methuen den Feind mit schweren Verlusten bei Oliphantsneck zerstreute, Rustenburg befreite, und sich sodann mit Baden-Powell vereinigte. General Broadwood meldet über Honingsprmt- Kronstadt: Ich verfolge das Kommando De Mets seitdem 16. Juli und wurde am 19. Juli in ein heftiges Gefech t bei Palmietfontein verwickelt. Der Eintritt der Dunkelheit verhinderte die Verfolgung des Feindes. Der Verlust der britischen Truppen beträgt 5 Tote und 16 Verwundete. Der Feind zog sich in der Nacht schnell nach Paardekraal zurück. Man glaubt, das Kommando bestehe aus 2000 Mann mit vier Kanonen und stehe unter dem Befehl Stejns und der beiden De Mets. n Eine Depesche Kelly-Kennys aus Bloemfontein vom 22. Juli besagt: Die Eisenbahn wurde in der letzten Nacht nördlich von Honingspruit a bgeschnitten. Sin Hilfszug mit 100 Hochländern wurde vom Feinde erobert. Hier traf die Meldung ein, daß eine bedeutende feindliche Truppen-Abteilung aus Honingspruit vorrückt. Mit Pretoria ist jede Verbindung unterbrochen. Die 2. und 3. Kavallerie-Brigade verfolgten den Feind. Aus Bethlehem wird vom 22. ds. gemeldet: Eine Erkundigungsabteilung mit einer Batterie Artillerie stieß gestern 10 Meilen westlich von Bethlehem auf eine starke Stellung des Feindes. Es folgte ein Gefecht. Die britische Streitmacht war nicht stark genug, die Buren von den von ihnen besetzten Hügeln zu vertreiben; sie besetzte ein Kopje, wurde aber bei Eintritt der Dunkelheit zum Rückzüge gezwungen und verlor einen Offizier und 9 Mann. Zurzeit finden kleinere Gefechte auf den Hügeln in der Nähe der Stadt statt. Ans Lonrenzo Marques sind, wie den „Central-News" gemeldet wird, vier deutsche Offiziere, die dem Präsidenten Krüger in militärischen Dingen Rat erteilten, eingetroffen. Sie haben Befehl erhalten, sich nach China zur Dienstleistung zu begeben. Der Gesundheitszustand der Offiziere ist infolge der Strapazen, denen sie sich im südafrikanischen Kriege haben unterziehen müßen,, kein besonders guter. * Telegramm des Gießener Anzeigers. London, 24. Juli. Die heutigen Morgenblätter kritisieren aufs Schärfste die Lage in Südafrika. „Daily- Mail" fragt, wie es möglich sei, daß 50000 Mann englischer Truppen gegen 5000 Buren unter Befehl gesetzt, solange kämpfen müssen, um diese zu unterwerfen. Deutsches Reich. Berlin, 23. Juli. Aus Molde, 23. Juli, meldet der kratzt: Der Kaiser besichtigte am' 20. d. den Dampfer „Auguste Viktoria" und lud einige an Bord befindliche Preußische .Herren und Damen zur Frühstückstafel. Am 21. machte der Kaiser zwei lange Spaziergänge an Land und nahm den Vortrag der Vertreter der Kabinette entgegen. Heute unternahm der Kaiser bei herrlichstem Wetter eine Partie nach Romsdal. An Bord ist alles wohl. — Weiterhin wird uns ans Bergen gemeldet: Die „Hohen- zollem" ist hier eingetroffen. Sie nimmt morgen Kohlen ein und reift übermorgen früh nach Bremerhaven ab. — Aus Homburg v. d. H. wird gemeldet, daß die Kaiserin entgegen den ursprünglichen Absichten diesen Badeort vorläufig nicht wieder auf suchen wird. Die jüngeren kaiserlichen Prinzen und Prinzessin Viktoria Luise bleiben bis Anfang August in Homburg. — Die erneut auftauchenden Meldungen, daß der Kaiser am 18. August in Wien den Kaiser Franz Joseph zum 70. Geburtstage persönlich beglückwünschen I werde, entspricht nicht den Thatsachen. Die Mitglieder der hiesigen österreichisch-ungarischen Botschaft sind bereits verständigt worden, daß sie am 18. August Gäste des Kaisers Wilhelm sein werden. — Wie die „Post" erfährt, wird sich der Reichskanzler Fürst H oh en lohe demnächst nach Werki begeben, um seinen dortigen Daushalt aufzulösen. Er hat U n t e r d e n Linden eine Villa gemietet, in der t>ie Einrichtungen des Schlosses in Werki und die umfangreichen Sammlungen von Jagdtrophäen Aufstellung finden werden. . — Dem General der Infanterie, kommandierenden General -es 18. Armeekorps v. Lindequist wurde vom Kaiser die Erlaubnis zur Anlegung des ihm verliehenen Großkreuzes des österreichischen Leopold-Ordens erteilt. — jTie Ernennung des Kapitäns v. Usedom zum Flügeladjutanten des Kaisers hat dieser der Marine durch folgendes Telegramm bekannt gegeben: „In frischer Gesundheit ist Kapitän v. Usedom mit dem größten Teile des Landungskorps zu meiner Freude auf die Schiffe zurückgekehrt. Ter tapfere und umsichtige Führer hat sich die Bewunderung aller, insbesondere des englischen und russischen Admirals erworben. Meinen kaiserlichen Dank ihm und allen, welche so mutig mitgeholfen shaben, Lorbeeren um meine junge Marine zu ischlingen. Ich ernenne denselben zu meinem Flügel- Adjutanten." 1 — Der Senatspräsident am Oberverwaltungsgericht, Peters, wurde zum Ministerialdirektor im preuß. Ministerium des Innern und Wirkt. Geh. Ober- Regierungsrat ernannt. — Die Betriebseinnahmen der preußischen Staatseisenbahnen betrugen im Juni 107,8 Millionen Mark, d. h. 12,9 Millionen Mark mehr als im Juni vorigen Jahres, oder auf 1 Kilometer 3880 Mark, d. i. eine Zunahme gegen das Vorjahr um 375 Mark. Die Einnahmen avs dem Personen- und Gepäckverkehr erhöhten sich.gegen das Vorjahr um 8,87 Millionen auf 40,9 Millionen Mark, aus dem Güterverkehr um 4,08 Millionen auf 70,53 Millionen Mark. In den ersten beiden Monaten dieses Etatsjahres wiesen die Gesamteinnahmen mit 399,9 Millionen eine Mehreinnahme von 25,38 Millionen gegen denselben .Zeitraum des Vorjahres auf. Die Einnahmen auf 1 Kilometer' betrugen in diesem Zeitraum 1’1,214 Mk., d. i. ein Mehr gegen das Vorjahr von 699 Mark. Aus dem Personen- und Äepäckverkehr ergaben die Einnahmen mit 104,7 Millionen eine Mehreinnahme gegen das Vorjahr von.9,1 Millionen und aus dem Güterverkehr mit 215,57 Millionen eine Mehrsinnahme von 16,08 Millionen Mark. — Die Frage der gesetzlichen Regelung der Hausarbeit in ber Zigarrenfabrikation geht nunmehr ihrer LösunH entgegen. Nachdem im Frühling dieses Jahres eine Anordnung aus dem Reichsamt des Innern im westfälischen Judustriebezirk Studien über die Verhältnisse der Hausindu strie in der Zigarrenfabrikation namentlich in Hinsicht au st' die Zustände der Wohn- und Arbcitsräume der Hausarbestter gemacht hatte, wurde das Reichsgesundheitsamt mit eiiier Begutachtung betraut, die jetzt an maßgebender Stelle ^vorliegt. Die Vorschläge des ~küarntce» *Tvchjen den Beteiligten zur Stellungnahme bekannt gegeben, und es ist zu erwarten, daß zu dem Behufe eine Anhörung von Sachverständigen aus dem deutschen Tabakgewerbe vom Reichsamt des Innern angeordnet wird. Es dürfte insbesondere in Betracht kommen : Die Kinderarbeit, die Beschaffenheit der Wohn- und Arbeitsräume und die Ueberwachung der Durchführung der zu erlassenden Vorschriften. Die Forderung der Mindener Handelskammer, daß minderjährigen Personen die Zulassung als selbständige Hausarbeiter verwehrt werde, soll als undiskutierbar aus den weiteren Erörterungen ausscheiden. Stettin, 23. Juli. Der Reichstags- und Landtagsabgeordnete für den Wahlkreis Randow-Greifenhagen, von Manteuffel, ist Samstag gestorben. C r o n b e r g, 23. Juli. Der Kronprinz von Griechenland ist gestern abend von Schloß Friedrichs- hof auf etwa 14 Tage nach England zum Besuche der Königin ab gereist. Ausland. London, 23. Juli. Das Kolonialamt erhielt ein direktes Telegramm des Oberst Wilcocks aus Kumassi, das die Nachricht bestätigt, daß die Stadt durch die unter seinem Befehl stehenden Truppen befreit wurde. — Im Oberhause wurde die zweite Lesung der Bill betr. das Verbot der Ausfuhr von Waffen angenommen. Durch die Bill wird die Königin ermächtigt, die Ausfuhr von Waffen und Munition zu verbieten, wenn immer das Verbot angebracht und gehalten ist, zu verhindern, daß diese Waffen und Munition gegen britische Truppen oder mit ihnen kämpfende Truppen verwendet werden. Konstantinopel, 23. Juli. Der Dragoman des französischen Konsulats in Kirk Kilise wurde von Räubern entführt. Dieselben verlangen 4000 türkische Pfund Lösegeld. Der französische Botschafter that sofort behufs Freilassung des Dragoman die nötigen Schritte bei der Pforte. — Der Zar verlieh dem 1. und 2. Sekretär des Sultans, Tahava und Izzet Bey, sowie dem Chef des Militärkabinetts, Marschall Schakir Pascha, den Großkordon des Annenordens in Brillanten. Der Umstand, daß vor einigen Tagen der Großvezier und der Minister des Aeußeren den Großkordon ohne Brillanten erhielten, beweist, daß man in Petersburg den Personen im Palast weniger Bedeutung beilegt, als den Leuten auf der hohen Pforte. Aus Stadt und Kund. Siche«. 24. Juli 1900. • * Tagesordnung für die Sitzung der Stadtverordnetem Bersammlung am Donnerstag den 26. Juli 1900, nachmittags 3i/2 Uhr pünktlich, mit Fortsetzung am Freitag den 27. d. M. um dieselbe Stunde: 1. Ueberficht über die wirklichen Einnahmen und Ausgaben des Realgymnasiums und der Realschule für 1899/1900. 2. Die Rechnung der Stadt Gießen für 1899/1900; hier: Holzabgaben aus der Hand. 3. Den Bau der Wieseckbrücke im Zuge der Goethestraße; hier: Abrechnung. 4. Den Bau der Wieseckbrücke im Zuge der Moltkeftraße; hier: Abrechnung. 5. Anlage eines neuen Friedhofes; hier: Dekretur einer Kostenrechnung und Anlage eines Parallelweges. 6. Unterkellerung der Veranda am Forsthaus zur Hochwarte. 7. Die Ortsfeuerlöschordnung; hier Anschaffung von Löschgeräten. 8. Die Stallmeisterwohnung; hier: aus gäbliche Verrechnung von Ausfall an Miete. 9. Gesuch des Moses Keßler um Erlaubnis zur Erbauung einer Feldscheuer an der Kreisstraße nach Wismar; hier: Dispens. 10. Erbauung eines Uebernachtungsgebäudes an der Frankfurterstraße seitens der Eisenbahnverwaltung; hier: Dispens. 11. Baugesuch des Balthasar Pitz für den LöberShof; hier: Dispens. 12. Vergebung der Zinsen aus der Wilson- Stiftung. 13. Ableben des Rechtsanwalts L. Labroiffe; hier: Vermächtnis desselben. 14. Erlaß eines Ortsstatuts gemäß Art. 7 des Gesetzes, die Gesindeordnung betr., vom 17, Juli 1899. 15. Erlaß einer Polizeiverordnung über die Benutzung der Trottoirs in der Provinzialhauptstadt Gießen. 16. Gesuch deS Karl Rühl um Erlaubnis zum Wirtschaftsbetrieb im Hause Brandgasse Nr. 7. 17. Des' gleichen des Joses Rüfing im Hause Bahnhofstraße 80. 18. Desgleichen der Elisabeth Sorgenfrei im Hause Neu stadt 14 * * Von der Universität. Die Herren Goetschy und Shawcroß sind vom 1. Oktober d. I. ab auf zwei weitere Jahre mit den Lectoraten für französische und englische Sprache betraut worden. ♦ * Auszeichnung. Dem Gerichtsvollzieher Rollen- Hagen, seither Bezirksfeldwebel beim Landwehrbezirk Friedberg, wurde das Silberne Kreuz des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen. ♦ * Das Gießener Schützenfest hatte auch gestern seine Anziehungskraft bewahrt. Aus den Schießständen war die Beteiligung am Schießen auf alle Scheiben, Feldmeisterscheibe (freihändig) 300 Meter, Standmeisterscheibe (freihändig) 175 Meter, Standmeisterscheibe (aufgelegt) 100 Meter und laufende Wildscheibe, äußerst rege, und bis zu Einbruch der Dunkelheit knallte es recht lebhaft. Auch die Volksbelustigungen erfreuten sich wieder eines recht guten Besuches. Heute abend findet das Fest seinen Abschluß. Das Schießen endet um 6 Uhr. Um 8 Uhr erfolgt die Preisverteilung. Zu jeder Scheibengattung kommen zwei Drittel aller Einlagen zur Verteilung. Das Volksfest wird heute nachmittag und abend fortgesetzt. ♦ * Liebesgaben für unsere Truppen. Wie wir erfahren, hat die Firma C. Klingspor hier den nach China aus« rückenden Truppen 10 000 Zigarren zur Verfügung gestellt. Die den wackeren Kriegern jedenfalls hoch willkommene Gabe kam heute zum Versandt. - tz. Oppershofen, 23. Juli. In verflossener Nacht wurde in dem Laden des Kaufmanns Johannes Rolly ein Einbruchs-Diebstahl verübt. Der Einbrecher drückte an einem in den Laden führenden Fenster eine Scheibe ein, schob den inneren Riegel zurück, öffnete eS alsdann und gelangte so in den Laden. Hier erbrach er die Ladenkaffe, nahm die ganze Schublade nebst einem darin befindlichen Geldkästchen an sich und verschwand. Am andern morgen fand man die Schublade nebst dem entleerten Geldkästchen in dem Chausseegraben nach Rockenberg zu. Der gestohlene Kassenbestand betrug ca. 30 Mark. Von dem Thäter fehlt noch jede Spur. - oe. Nösberts, 22. Juli. Der 22jährige Landwirt Eurich von hier, z. Z. in Weid-Moos, siel beim Kirschenbrechen so unglücklich vom Kirschbaum, daß er einen schweren Beinbruch davon trug. - 1. Wünschen-Moos, 23. Juli. Ein hiesiger Landwirt war heute mit Heuholen beschäftigt. Beim Zusammenwinden des HeubaumeS vorne hinter den Pferden schlug das eine Pferd aus und traf den Mann derart, daß ihm beide Beine gebrochen wurden. Er wurde alsbald auf einem Wagen in das Krankenhaus nach Lauterbach überführt. Büdingen, 22. Juli. Am 3. Mai 1901 sind seit der Begründung des hiesigen Gymnasiums dreihundert Jahre verfloffen. Vielen, namentlich den srüheren Schülern der Anstalt, wird es erwünscht sein, diesen Tag durch eine größere Feier zu begehen. ES werden deshalb alle, die an der würdigen Gestaltung derselben ein Interesse haben, von Bruno Fürst zu Isenburg und Büdingen und Gymnasialdirektor Dr. Mohr, zu einer Besprechung hierüber eingeladen, die am Mittwoch den 25. d. M. abends Si/2 Uhr im Saale des Gasthauses „Zum Stern" statt- finden soll. - nn. Darmstadt, 24. Juli. (Tel.-Meld. d. „Gieß. Anz.") Der vom Fürsten zu Isenburg und Büdingen für die Psarr- stelle in Wolf, Dekanat Büdingen, präsentierte Pfarramtsverwalter Karl Goebel ist vom Großherzog als Pfarrer für diese Stelle bestätigt worden. Mainz, 23. Juli. In den letzten Tagen sanden im hiesigen Güterbahnhof interessante militärische Uebungen statt; eS handelte sich um das rasche Ein- und Ausladen von Kriegsmaterial aller Art, und es waren auch Mannschaften aller Waffengattungen bei diesen Arbeiten vertreten. Es war erstaunlich, in welcher verhältnismäßig kurzen Zeit die schweren Geschütze aus die Waggons geladen wurden und zum Abfahren bereit standen. Bei diesem Manövrieren wurden offene und geschlossene Güterwagen verwendet. Garbeuheim, 22. Juli. Ein trauriges Geschick hat in vergangener Woche die Familie des Bergmanns Ludwig H a r t e r t heimgesucht. Als Harten, der am Freitag um 12 Uhr von der Schicht heimgekommen war, morgens gegen 3 Uhr erwachte, fand er seine Frau, die er vorm Einschlafen noch in ihrem Bette gesehen, nicht mehr vor. Da Frau Hartert in letzter Zeit Neigungen gezeigt hatte, die auf eine Trübung ihres Geisteszustandes und Schwermut hindeuteten, wurde der Mann ängstlich und begab sich auf die Suche. Seine Bemühungen waren jedoch zunächst vergeblich, bis sich am Samstagnachmittag, wo die Leiche in der Lahn an der Naunheimer Grenze gefunden wurde, die schlimmsten Befürchtungen als gerechtfertigt erwiesen. Wetzlar, 22. Juli. Landratsamtsverwalter Dr. Sartorius brachte am Schluffe des letzten KeiStagSeffenS einen Brief des Forstmeisters Busold in Krofdorf zur Verlesung, wonach die immer noch vielfach im Kreise gewünschte Errichtung eines Bismarckturmes auf dem Stoppelberg, der dem Fiskus gehört, als gänzlich ausgeschlossen bezeichnet wurde, da mit Rücksicht auf die Gefährlichkeit der Bismarckfeuer für den umliegenden Waldbestand der Fiskus sich zur Hergabe deS Berggipfels nicht bereit finden lassen könne. Erwägt man weiter, daß die Errichtung deS Bismarckturmes auf dem Stoppelberg mindestens 25 000 Mk. kosten würde, während der Ausbau derGarbenheimerW»rte nach dem zwar einfachen, aber geschmackvollen und charakteristischen Plan des Herrn Kreisbaumeisters Witte mit 5500 Mk. zu erreichen ist, so dürften auch die letzten Zweifel schwinden, die bisher gegen die Garbenheimer Warte laut geworden sind. Daß bei der Auswahl dieses Punktes für den Bismarkturm nicht etwa Stadtwetzlarer Sonderinteressen ausschlaggebend gewesen find, wie viele argwöhnen, geht schon daraus hervor, daß, von einzelnen abgelegenen Häusern abgesehen, die Garbenheimer Warte von keinem Punkt der Stadt Wetzlar selbst sichtbar ist. Die Garbenheimer Warte, inmitten des Kreises gelegen, von fast allen Bürgermeistereien sichtbar und von allen Seiten leicht erreichbar, ist nach ihrer Umgestaltung zu einem Bismarckturm künftig der gegebene Platz zur Abhaltung vaterländischer und sonstiger Feste für den ganzen Kreis. •* Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. In der Gemarkung Flonheim wurde die Leiche eines Soldaten des 118. Jnf.-Regts. aufgefunden. Der Soldat hatte sich erhängt. — Wegen Betrügereien beim Weinhandel wurde ein ehemaliger Weinhändler aus G aualges- heim, der nach Amerika geflüchtet war und vor Kurzem wieder zurückgekehrt ist, verhaftet. — Zur Unterstützung der auswandernden rumänischen Juden hat sich in Darmstadt unter dem Vorsitz deS Herrn Ludwig Trier ein Komitee gebildet, das Sammlungen in die Wege leiten wird. — In Gelnhausen erschoß sich eine wegen Zechprellereien verfolgte Frau, als ihre Verhaftung bevorstand. — In Ruhla (Thüringen wurde am Sonntag unter großen Feierlichkeiten im Dichterhain des Ruhlaer Waldes das Denkmal für den 1895 in Main z verstorbenen Komponisten und Kapellmeister Friedrich Lux enthüllt. Lux war ein geborener Ruhlaer und Ehrenbürger dieser Stadt. Seine bedeutendsten Werke sind die Opern: „Käthchen von Heilbronn", „Der Schmied von Ruhla" und „Die Fürstin von Athen". Lux war lange Jahre Kapellmeister des Dessauer Hof- und des Mainzer Stadttheaters. — Der Ri mber g-Turm, dessen Herstellung der Oberhessische Touristenverein den Hauptteil seiner Thätigkeit in der letzten Zeit gewidmet hat, ist am Sonntag dem Publikum zur Benutzung übergeben worden. Machte auch der Himmel am Morgen noch ein recht trübes Gesicht, so hatte es sich doch eine sehr große Zahl von Marburgern nicht nehmen lassen, der Einweihungsfeierlichkeit beizuwohnen. So führte denn der Mittagszug 2.01 Uhr eine stattliche Zahl von Festteilnehmern nach Caldern bezw. Brungershausen, den Stationen, die für einen Aufstieg zum Rimberg am günstigsten liegen. Handel und Verkehr. Volkswirtschaft. Gie-e«, 24. Juli. Marktbericht. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Butter per Pfd. X 0.90—1.20, Hühnerer-r per St. 6—7 4, 2 St. 11—13 Enteneier 2 St. 14—16 Gänst- eiet per St. 11—12 Käse 1 St. 5—8 Käsematte 2 St. 5—6 Erbsen per Liter 22 Linsen per Liter 32 Tauben per Paar X 0.75—0.90, Hühner per St. X 1.20—2.00, Hahnen per Stück X 0.70—1.30, Enten per St. X 2.00—2.20, Gänse per Pfund X 0.00—0.00 Ochsenfleisch per Pfd. 68—74 H, Kuh- und Rindstch 2 per Pfd. 62—64 ,4 Schweinefleisch per Pfd. 50—70 H, Schweim« fleisch, gesalzen, per Pfd. 74 Kalbfleisch per Pfd. 64—66 HammeHeisch per Pfd. 50—66 H, Kartoffeln per 100 Kilo 4.00 biZ 5.00 X, Weißkraut per St. 00—00, Zwiebeln ver Etr. X 8.00—9.03, Milch per Liter 16 H. Kirschen per Pfund 12—15 Keuche Meldungen. Berlin, 24. Juli. Bei der „Staatsbürger- Zeitung" fand gestern wieder eine Haussuchung statt. Eine Nummer des Blattes wurde beschlagnahmt mit der Begründung, daß in derselben eine Aufreizung zum Klaffenhaß enthalten sei. Dresden, 24. Juli. Der sechste deutsche GabelS- befigers'che Stenographentag beschloß, eine Revision des Systems vorzunehmen. Es wurde zu diesem Zwecke eine zwölsgliederige Kommission gewählt und für 1902 ein außerordentlicher Stenographentag nach Berlin einberufen. Ein Antrag des Vereins Wien auf Einigungsbestrebungen mit anderen Systemen wurde abgelehnt. London, 24. Juli. Oberst Wilcot sandte einen längeren Bericht an Chamberlain über die Entsetzung von Kumassi. Er berichtet, daß am 15. Juli abends er in die Stadt eingedrungen ist, und daß er das Lager der Rebellen zerstört habe. Der Oberst verließ Kumassi am 17. Juli mit den Ueberreften der früheren Garnison, die sich in einem erschreckenden Zustande befand. Paris, 24. Juli. Der Minister des Innern hat die Nr. 27 des österreichischen Witzblattes „Der Floh" wegen eines den französischen Kriegsminister beleidigenden Bildes beschlagnahmen lassen. Warschau, 24. Juli. Hier haben in den letzten Tagen Massenverhaftungen politischer Natur statt- gesunden. 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