M. g49 Erstes Blatt. Mittwoch dm 24. Oktober 15». Jahrgang I»»» Gießener Anzeiger General-Anzeiger Aezugsprels vierteljährl. Mk. 2L0 monatlich 75 Pfg. mit Bringerlohn; durch die Abholestellerr »iertcljährl. Mk. 1,90 monatlich 65 Pfg. Bei Postbezug Mk. 2,40 vierteljährl. mit Bestellgeld. Alle Anzeigen-Vermittlungsstellen des In- und Auslandes nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger entgegnt. ZeilenpreiS: lokal 12 Pfg., auswärts 20 Pfg. Hrfcheist läxNch mit Lnsnahme fcef Montags. Die Gießener A«mttre«vtLtter werden dem Anzeiger im Wechsel mit „Hess. Landwirt" «. „Blätter für heff. Volkskunde" wöchtl. 4 mal beigelegt. Lna«hme von Anzeigen zu der nachmittags für den frlgmdm Tag erscheinenden Nummer bis vorm. 10 Uhr. Abbestellungen spätesten- abends vorher. Aints- und Anzeigeblutt für den Areir Gieren. Redaktion, Expedition und Druckerei: zchutstraße Nr. 7. Gratisbeilagen: Gießener Famüienblätter, Der hessische Landwirt, Ktätter für hessische DalKsKunde. Adresse für Depeschen: Anzeiger Hieße«. Fernsprecher Nr. 51. Amtlicher Heil. ' Bekanntmachung. Bei der heute abgehaltenen Gtallschau des Zucht- OereinS BtoShauseu-WeickartShaiu erhielten folgende Besitzer Preise: I. Gruppe. Biehbesitzer mit mindestens 10 Stück Rindvieh: 1. August Theiß, Stockhausen, 2. Preis, 20 Mk., 2. Karl Bingmann, „ 2. „ 20 „ II. Gruppe. 1. 2. 3. 4. 5. 6. 7. 8. 9. 10. Besitzer mit 5—9 Stück Rindvieh: Stephan Hock, Weickartshain, 1. Preis, 30 Mk., Iohs. Stein II. „ 2. „ 20 „ Heinr. Konr. Opper „ 2. M 20 „ Heinr. Becker EL „ 3. „ 10 „ Heinr. Ruppel „ 3. M 10 „ Karl Reitz, Stockhausen, 3. „ 10 „ Hr. Bräunig III., Stockhausen, Anerk. u. 5 Mk., Heinrich Jochim „ M M 5 „ JohS. Schmidt IV., Weickartshain, „ „ 5 „ Heinr. Knöß IN. M „ „ 5 „ III. Gruppe. Besitzer mit weniger als 5 Stück Rindvieh: Heinr. Konrad Rück, Stockhausen, 3. Preis, 10 Mk. Ferner erhielten als Prämie für gute Führung des Sprungregisters: Bullenhalter August Theiß, Stockhausen, 10 Mk., „ Hch. Schmidt IV., Weickartshain, 10 Mk. Für Zuchtsauen erhielten Preise: I. Gruppe. Besitzer von 3 und mehr Sauen: August Theiß, Stockhausen, 1. Preis, 20 Mk H. Gruppe. Besitzer von weniger als 3 Sauen: 1. Peter Weil, Stockhausen, 1. Preis, 20 Mk., 2. Hr. Bräunig II. „ 3. H 10 3. Hr. Knöß III., Weickartshain, 3. Preis, 10 Mk., 4. Stephan Hock H Anerk. und 5 „ 5. Heinr. Ruppel, „ „ „ 5 „ 6. Heinr. Rück, Stockhausen, „ „ 5 „ Gießen, 19. Oktober 1900. Der Direktor des Kreiszuchtvereins. Boeckmann. Bekanntmachung. Betreff.: Feldbereinigung in der Gemarkung Ruttershausen. In der Zeit vsm Dienstag, 23. Oktober l. I., bis einschließlich Montag, 29. Oktober l. I., liegen auf dem Amtszimmer der Großh. Bürgermeisterei Ruttershausen folgende Akten zur Einsicht der Beteiligten offen: 1. der Ausschlag der ungedeckten Bereinigungskosten, 2. der Beschluß der Bollzugskommission und deS Gemeinderats vom 8. Februar 1900 über die Erhebung dieses Ausschlags. Einwendungen hiergegen sind bei Meidung des Ausschlusses innerhalb der oben angegebenen Offenlegungssrist bei Großh. Bürgermeisterei Ruttershausen schriftlich einzureichen. Bemerkt wird noch, daß die Erhebung der ausgeschlagenen Bereinigungskosten durch die Gememdeeinnehmerei Ruttershausen erfolgt. Friedberg, den 13. Oktober 1900. Der Großh. Bereinigungskommissär: I. B.: Spam er, Kreisamtmann. KrrWmmkll juin LkM-kuglWu Wommen. Die Urteile der Berliner Presse über das schon bekannt gegebene Abkommen zwischen Deutschland und England sind, wie das auch nicht anders sein konnte, keineswegs auf einen Ton gestimmt. Sie gehen von dem unbedingten Beifall der einen zur schwersten Besorgnis der anderen über. Auf ersterem Standpunkt steht natürlich, wie sich's gebührt, die offiziöse Presse. Auf denselben Ton, wie die „Nordd. Allg. Ztg", deren Aeußerung wir gestern schon mitteilten, ist die Aeußerung 'der „Berl. N. N." gestimmt: „Die Vereinbarung dürfte in Deutschland ungeteilten Beifall finden. Die Aufstellung des Grundsatzes der „offenen Thür" für den Handel in China durch eine derart verpflichtende Abrede in Verbindung mit der bündigen Erklärung, den Territorialbeftand Chinas achten zu wollen, entzieht den Besorgnissen den Boden, die wegen der Zukunft des freien 5) a n d e l s auf dem P a n g t s e in den beteiligten Kreisen Deutschlands Platz gegriffen hatten. Auch der in der obigen Note klargestellte ablehnendte Standpunkt Deutschlands in der Frage neuer Territorialerwerbungen in China entspricht durchaus den Anschauungen aller ruhigen Beurteiler des chinesischen Problems, die ausschweifenden Expansionsplänen im fernen Osten vollkommen abweisend gegenüberstehen. Der im Artikel 3 enthaltene Vorbehalt "hat gegenwärtig kaum mehr als akademische Bedeutung (Wozu dann der Artikel?); er war aber an sich notwendig, da selbstverständlich weder Deutschland noch England allen zukünftigen Eventualitäten mit gebundenen Händen entgegengehen konnten. (Das thut jetzt Deutschland allein!) Wertvoll ist die für esinen solchen Fall vorgesehene deutsch-englische Verständigung, durch die Vorkehr dagegen geschaffen ist, daß England etwa das Vorgehen einer dritten Macht sich zu nutze machen könnte, um einseitig Entschließungen zu treffen, die in ihren Folgewirkungen den von ihm feierlich anerkannten Grundsatz der „offenen Thür" für mehr oder minder ausgedehnte Gebiete außer Wirksamkeit setzen würden. Die neue deutsch-englische Vereinbarung kann umsomehr auf günstige Aufnahme zahlen, als ihr jede gegen eine dritte Macht gerichtete Tendenz fehlt. (?) Sehr zufrieden ist auch das dem Grafen Bülow stets zu Diensten stehende „Berl. Tageblatt": „Bisher lag keine diplomatische Bindung von feiten Englands vor (Glaubt man denn, daß sie jetzt vorliegt?), daß es den Grundsatz, die Politik der „offenen Thür" ausrecht erhalten und überall und insbesondere im Iangisethal beobachten wolle. -Wie unsere Leser sich erinnern werden, haben wir schon im August auf die /Gefahr hingewiesen, daß England sich im Yangtsethale für das Vorgehen Rußlands, in der Mandschurei schadlos halten werde. Da Englands Machtmittel in dieser Region thatsachlich die unsrigen übertreffen, so können wir es nur mit Genugthuung begrüßen, daß es der Leitung unserer auswärtigen Angelegenheiten gelungen ist, eine Verständigung mit England herbeizuführen, die unsere berechtigten Interessen in jeder Beziehung wahrt. Aber auch in England kann man unseres Erachtens mit dem Abkommen durchaus zufrieden sein (Das glauben wir!); denn wenn man dort eine Sonderaktion am Yangtse wirklich beabsichtigte, so konnte man auch uns hinter dem Busch vermuten. Schon die ausdrückliche Versicherung, daß das deutsche Reich und Großbritannien keine territorialen Vorteile in China erstreben, beweist zur Genüge, daß der Satz, die beiden Regierungen, chürden die Freiheit des Handels wahren, „wo sie einen Einfluß ausüben können", nicht die Bedeutung haben kann, daß England und Deutschland irgendwelche Interessensphären für sich abgrenzen wollen. Es soll damit offenbar nur betont werden, daß sich jede der beiden Regierungen zur Offenhaltung der Thür insbesondere auch da verpflichtet, wo die wirtschaftlichen Interessen ihres Landes thatsächlich dominieren. England und Deutschland gehen, was die Politik der „offenen Thür "betrifft, mit gutem Beispiel voran ; die anderen Länder aber sind feier- lichst eingeladen, sich demselben anzuschließen. Damit Der Dom zu Wetzlar. Die Fachzeitschrift „D e n k m a l p f l e g e", herausgegeben im Auftrage des Königl. Preuß. Arbeitsministeriums von der Schriftleitung des „Zentralblattes der Bauverwaltung" in Berlin, bringt in ihrer Nr. 12 vom 26. September eine Besprechung des „Aufrufs zur Erhal- tilng und Vollendung des Domes zu Wetzlar"*), die wir hier wortgetreu folgen lassen: „Ueber die Erhaltung und Vollendung des ehrwürdigen Domes in Wetzlar und der auf einem der Stadt Wetzlar gegenüberliegenden .Berge befindlichen Burg, genannt „Kalsmunt" hat August Graff in Wiesbaden einen beherzigenswerten Aufruf erlassen. Der Verfasser, ein geborener Wetzlarer, nimmt sich uneigennützig mit warmen Worten- von echt deutscher Heimatsliebe beseelt, dieser Baudenkmäler an. Er will verhüten, daß vor allem der Dom durch Verfall seinem Untergange entgegengcht. Die Anfänge des Domes in Wetzlar weisen auf die früh- romanische Zeit hin, was aus dem schönen, in Abb. 2 wiedergegebenen sogenannten Heidenturmtempel zu erkennen ist. Wissen wir uns auch die merkwürdigen Schnörkel über der schönen, kräftig gewölbten Eingangspforte nicht zu deuten, so spricht doch eine längst vergangene Zeit zu uns, und Poesie webt sich um das alte Steinwerk. Der Dom in Wetzlar bietet dem Architekten ein Studienfeld, wie er es so reichhaltig selten anderswo finden wird. Um so erstrebenswerter ist es, daß dem unaufhaltsamen Verfall, dem dieses Denkmal frommer Zeiten anheimgegeben ist, Einhalt gethan wird; denn Strauch und Moos überwachsen das Quader- und Kunstmauerwerk, und auch die Regellosigkeit der damaligen Bauweise, die sich! an den abgestürzten Stollen des Turm- und Treppenbaues deutlich zeigt, sowie die sehr *) Im Verlage von K. Wald sch midt Wetzlar zum Preise von iO Pfg erschienen. notdürftige Bedachung einzelner Teile erleichtern das Zerstörungswerk nur zu sehr. Aeußerst bedauernswert wäre insbesondere der Verfall der Portale, die so charakteristisch die frühromanische Zeit im Heidenturmtempel, den Uebergangsstil im kleinen Südportal und den hochgotischen Stil in Süd- und Westportal zum Ausdruck bringen. Der Dom bietet sowohl den Angehörigen des katholischen Glaubens in seinem hohen Chor, als auch dem evangelischen Bekenntnis in seinem Längs- und Querschiff Zuflucht. Es liegt daher im Pflichtgefühl dieser beiden Kirchengemeinden, alles, was an ihnen ist, aufzubieten, um das Vermächtnis frommer Jahrhunderte zu schützen und zu erhalten. Trotzdem mit diesen vereint der Staat, die Stadt und ein Stiftungsfonds an der Erhaltung teilnehmen, so fehlt es doch stets an zureichenden Mitteln. Wenn wir uns auch kaum der Hoffnung des Verfassers hingeben dürfen, daß der Dombau der vormals freien Reichsstadt Wetzlar in ursprünglich geplanter Größe und Schönheit erstehen wird, so unterstützen wir doch gern den Hilferuf und sprechen den Wunsch aus, daß weiteste Kreise mitwirken Mögen, damit das herrliche Bauwerk vor weiterem Verfall bewahrt bleibt." Vorstehender „Besprechung" ist eine sehr schöne Ansicht von Wetzlar mit dem Dom, sowie ein Bild des Portals am Heidenturm beigegeben. Zum „A u f r u f" selbst sind außer letzteren noch Bilder des Domgrundrisses und der drei übrigen schönen Portale eingefügt. Meratur. Der Lotse, Hamburgische Wochenschrift für deutsche Kultur. 1. Jahrgang. 1. Heft. 32 Seiten. Verlag: Alfred Janßen, Hamburg. Die neue Zeitschrift nnrd eröffnet mit einer Ankündigung von Karl Mönckeberg, dem einen der beiden Redakteure. Es wird hervorgehoben, daß der „Lotse", unabhängig von irgend welchen Rücksichten auf Personen, Parteien oder Cliquen, sich mit jedem, der gleich ihm an der deutschen Mltur mitarbeitet, freimütig auseinandersetzen und auch dem Gelegenheit zur Aussprache geben will, der durch Charakter und Geschmack sich gänzlich von dem Standpunkt der Herausgeber des „Lotsen" entfernt. Sodann legt Professor Alfred Lichtwark in einem. „Wünsche" überschriebenen Artikel dar, tvcldye Erwartungen man an das Erscheinen einer hamburgischen Wochen- schrift für deutsche Kultur knüpft. Er malt es sich aus^ wie der „Lotse" nicht nur für Hamburg, sondern für alle germanischen Länder eine außerordentliche Bedeutung gewinnen könne, indem er das Studium der modernen Großstadt zu seiner besonderen Aufgabe mache. Die beiden nächsten Arbeiten enthalten Studien von Professor Gustav Schmoller über „Das Wesen der wirtschaftlichen Konkurrenz" und von Professor Kurt Breysig übet den „Imperialismus unserer und alter Zeiten". Sie umfassen je ein Kapitel und werden im zweiten Hefte fortgesetzt werden. Die Lyrik ist durch zwei Hamburger vertreten: Otto Ernst, der ein wundervolles Gedicht beigesteuert hat, und Gustav Falke. Es folgt der zum erste« Mal veröffentlichte Entwurf einer Vorrede zu einer Ausgabe der „Geburt der Tragödie" (vermutlich aus dem Anfänge des Jahres 1888), von Friedrich N ietzs ch e. Daran schließt sich eine feinsinnige Untersuchung t>e6 „Zeichenunterrichts als ästhetischen Erziehungsmittels". Ihr Verfasser, Josef Folnesics in Wien, bekämpft mit warmem Verständnisse für die Kinderscele die übliche Art, wie in den Schulen dem Kinde die Lust, mit dem Stift zu fabulieren, ausgetriebeu und ihm das Lesen unfc Produzieren systematisch abgewohnt «wird. Das tieft schließ« mit einer ruhigen Betrachtung des in Hamburg ausge brochenen Kampfes zwischen Unternehmern und Arbeiter«. Diese stammt von dem Redakteur Dr. S. Heckscher. - aoÄ äußere Gewand der neuen Zeitschrift ist schlicht. Es macht einen hamburgisch einfachen und kräftigen Eindruck; nr Berlin oder München würde so etwas kaum gemachit Werder»- ist wiederum ein neuer K r i st a l l i s a t i o n s p u n k t (einer von denen, die das Konzert der Mächte zu zersprengen drohen) geschaffen^ um den sich die Mächte gruppieren tonnen, ein neues Bindemittel für ein ge- nieinsames (??) Vorgehen in China. Ausdrücklich werden die übrigen Mächte eingeladen, sich den Erklärungen Englands und Deutschlands anzuschließen. Sie werden kaum umhin können, den obigen Grundsätzen auch ihrerseits zuzustimmen; denn sie sagen nur das, wozu sich alle bisher offen bekannten". (Dann war aber das Proklamieren dieser Grundsätze vollkommen überflüssig.) Die „Post" schreibt: „Der Schwerpunkt der vorstehenden deutsch-englischen Vereinbarung liegt Wohl in der Bestimmung, daß die Häfen an den Küsten und Flüssen Chinas dem Handel der Angehörigen jeder Nation geöffnet sein sollen. Damit'wird namentlich die diplomatische Sicherheit geboten, daß der Aufschwung, den der deutsche Handel und die deutsche Schiffahrt im Yangtsegebiet genommen hat, in Zukunft nicht gefährdet wird'durch ausschließliche Rechte, die dort von anderer Seite hätten in Anspruch genommen werden können. Daß aber die eine oder andere Macht den Wunsch hegen sollte, in China territoriale Erwerbungen zu erstreben, ist umsoweniger anzunehmen, als sämtliche Kabinette wiederholt und auf das nachdrücklichste versichert haben, daß sie keineswegs auf Gebietserweiterungen in China ausgingen. Die in Absatz 3 der deutsch-englichen Vereinbarung enthaltenen Abmachungen enthalten daher mehr die Bedeutung einer Kautel für fern kieaende M ö g l i ch k e i t e n". Weniger harmlos sieht der „Reichsbote" die Sache an: „Diese Vereinbarung zerstreut alle Gerüchte und Verdächtigungen, die alle Augenblicke zum Vorschein kamen, daß Deutschland und England in China Eroberungen machen wollten. Wenn irgend etwas im stände ist, auch bei der chinesischen Regierung solche Meinungen zu zerstören, die sich an die Pachtung von Ki- autschou anschließen, so ist es diese Vereinbarung gerade der Staaten, gegen welche solche Verdächtigungen gerichtet waren. Nachdem man in Petersburg wiederholt versichert hat, daß auch Rußland nicht an Eroberungen denke, wird man hoffentlich auch dort diese Vereinbarung gut ausnehmen und sie nicht als gegen Rußland gerichtet ansehen. Ob der im 8 3 ausgesprochenen Drohung etwas Thatsächliches, d. h. die Absicht einer andern Regierung, Annexionen vorzunehmen, zu Grunde liegt, läßt sich noch nicht beurteilen. Bekanntlich hat man in dieser Beziehung Rußland im Norden und Japan Formosa gegenüber nicht recht getraut; aber Rußland hat, wie gesagt, solche Tendenzen abgeleugnet. — Bisher haben alle Staaten die Integrität Chinas betont, und so wollen wir hoffen, daß sie auch alle diese Vereinbarungen gut aufnehmen und ihnen beitreten. Das würde für die Lösung der Ehinafrage von größter Bedeutung sein. Ob aber die Drohung in, § 3, wenn irgend eine Macht Annexionen vornehmen wollte, dann Deutschland und England zur Sicherung ihrer Interessen sich verständigen werden, bedeutet, daß sie dann auch ihrerseits Annexionen vornehmen würden, obgleich sie solche eigentlich nicht wollen, das müssen wir dahingestellt sein lassen; denn das wäre der Anfang der Aufteilung Chinas und von Konflikten zwischen den Mächte n". Zustimmend, aber sehr ernst faßt die „K r e u z z e i t - u n g" das Abkommen auf: „Wer den ermüdenden und beunruhigenden Gang der Ereignisse verfolgt hat, die während der politischen und militärischen Aktion der Mächte in China sich abgespielt haben, wird die hier zutage tretende kühne Initiative mit ungeteiltem Beifall begrüßen. Wir standen bereits mit beiden Füßen in einer Verwickelung, die lebhaft an die unbequeme Lage erinnerte, in der sich das europäische Konzert in der kretischen Angelegenheit befand. Wie wir uns damals durch rechtzeitiges Ausscheiden von einer Aktion lossagten, die einen ersprießlichen Ausgang nicht haben konnte, so haben wir jetzt die drohende Gefahr einer Isolierung in exponierter Stellung rechtzeitig pariert (?) und durch bindende Verpflichtung auf Grundsätze, zu welchen alle Mächte sich durch gelegentliche, nicht bindende Erklärungen bekannt hatten, ein Fundament zu gesunder Weiterentwickelung des chinesischen Problems geschaffen. Integrität Chinas auf dem Boden der bestehenden Verträge und Politik der offenen Thür an den Küsten Chinas: in diese Schlagworte läßt sich das deutsch-englische Programm zusammenfassen. Seine Bedeutung liegt, wir wiederholen es nochmals, darin, ,e? bin beide (??) Teile bindendes ist, und es laßt sich mit voller Wahrscheinlichkeit annehmen, daß die anderen Mächte durch die Kraft dieser Jnitia- tlve zu gleicher Stellungnahme veranlaßt sein werden. Von den Machten des Dreibundes kann das als sicher xlten, aber auch die Vereinigten Staaten, Rußland, A^.lreich und Japan dürften schwerlich andere Wege ^ Vereinigten Staaten haben in praxi »fLipÄLÄ8/.^geschlagen. Rußland hat sich Ä erklärt, daß es nicht annektieren P°?e' ^n?anfreiCl? allein können nicht be- sonderc Wege gehen., Wir glauben daher nicht, daß die rm Punkt 3 ins Auge gefaßte Eventualität überhaupt chntreten wird; sollte sie aber eintreteil, so ist es Immerhin von großerBedeiituna daß De ntifh Janb nicht alle in steht, sond ern En gl ^d «inen Genossen findet (aber einen total umuhrr täffißen), ber sich ans bie,eiben Grundsätze gebuüden hat. Es folgt daraus, dass unter allen (?) Umständen unser wohlverstandenes Interesse Berücksichtigung sinden wird Tatz aber diese Verständigung aerabe mit England getroffen worden ist, erklärt sich wohl durch die (nut großer Emphase von! der russischen Presse wiederholte Erklärung, daß Rußlands Interessen mit denen Europasnichtidentischseieii. Da bleibt eben nichts übrig, als daß diejenigen, die gleiche Interessen haben, sich zusammenthun; für unsere Stellung in China aber ist n i ch t s lv i ch t i g e r, als die bisher nie garlz vorhandene Ueber- einstimmuiig iinserer Politik mit der Englands. Endlich liegt auf der Hand, daß diese Vereinbarung den Chinesen in ihrer jetzigen Not wie ein Rettungsanker erscheinen muß, und die Stimmung und Gesinnung Chinas ist doch auch ein Faktor, der mitzählt". Eine ähnliche Anschauung der Lage finden wir in der „Voss. Ztg": „Es ist seit dem Ausbruch der chinesischen Wirren das erste Mal, daß ein Abkommen zwischen zwei oder mehreren Mächten geschlossen wird. Bisher galt der Grundsatz, daß die Gemeinschaft aller Mächte die Voraussetzung bilden müsse für alle Schritte, die Erfolg versprechen sollen. Nachdem aber ffiußland und Amerika das Konzert der Mächte verlassen haben und anscheinend bemüht sind, zu Souder- abkommen mit China zu gelangen, in denen nur die eigenen, nicht die gemeinsamen Interessen der an China beteiligten Mächte gewahrt werden, lag allerdings die Frage nahe, ob nicht durch Vereinbarungen zwischen e i ii z e l n e n Mächten die Wiederherstellung geordneter Verhältnisse besser gefördert werden könne, als es durch das Konzert der Mächte möglich war. Indem Deutschland mit Großbritannien ein Abkommen schloß, beabsichtigten die beiden Regierungen aber sicher nicht, nunmehr eine Sonderaktion in China zu eröffnen. Sie sind vermutlich von dem Gedanken geleitet gewesen, eine Grundlage für die Politik in China zu schaffen, auf der sich sämtliche Mächte mit ihnen vereinigen können. In der That enthält das Abkommen auch die Bestimmung, von seinem Inhalt die anderen Mächte zu verständigen und diese einzuladen, den in der Ueber- einkunft niedergelegten Grundsätzen beizutreten. Die Bestimmungen des deutsch-englischen Abkommens enthalten keine Ueberraschung und keinen Gedanken, der nicht schon im Laufe der letzten Monate geäußert worden wäre. Zu diesen Grundsätzen haben sich seit Ausbruch der Wirren gelegentlich alle beteiligten Mächte bekannt, und es liegt deshelb nahe, zu glauben, daß alle sich dem deutsche-englischen Abkommen anschließen werden. Das Abkommen kann ein Akt der Vorsicht sein, aber auch eine Mahnung an den, den es angeht. Es ist schon bemerkenswert, daß es gerade in dein Augenblick geschlossen wird, wo die Frage der Frie- densnnterhandlungen und die Bedingungen zur Sicherung des Friedens im Vordergrund der Erörterungen stehen. Von besonderem Interesse wird unter Umständen die S t e ll u n g Rn ß l a n d s diesem Abkommen gegenüber sein, das unter Umständen durch, sein feierliches Versprechen der beiden Mächte, keine Gebietserweiterungen in China anzustreben, auch auf die chinesischen Machthaber günstig wirken kann." Mehr in unserem Sinne schreibt die „T ä g l. Rundschau": „Tie in den englisch-deutschen Abmachungen niedergelegten Grundsätze hinsichtlich der Behandlung der chinesischen Frage sind derart, daß ihnen an sich die zum Beitritt aufgeforderten Mächte ohne weiteres zustimmen könnten. Die Politik der „offenen Thür", die hier verkündet wird, wird zweifellos den Beifall der Vereinigten Staaten, Oesterreichs, Italiens und Japans finden, Nach den Versicherungen der russischen und französischen Diplomaten mußte auch der Zweibund damit einverstanden sein. Dadurch aber, daß Deutschland und Großbritannien ohne vorherige Verhandlungen mit den anderen beteiligten Mächten sich plötzlich zu einer Sonderaktion vereinigen und die anderen Regierungen von dieser Vereinbarung erst als etwas bereits Geschehenem in Kenntnis setzen, wird nicht mit Unrecht die Befürchtung wachgerufen, daß D e u t s ch l a n d s Politik eine Schwenkung gemacht hat, die uns mit großer Besorgnis erfüllt. Wir fürchten, daß die ostasiatische Krisis an einen unheilvollen Wendepunkt gekommen ist. Zu einem abschließenden Urteil wird man erst gelangen können, wenn die Vorgeschichte des Vertrages und die Beweggründe der Regierung bekannt geworden sind." Sehr besorgt sieht auch die „Staatsbürger-Zeitung" in die Zukunft: „Die obige „Vereinbarung" zwischen Deutschland und England ist ein völlig überraschendes neues Moment in der Chinafrage, überraschend vor allem dadurch, daß ein so enges Zusa m men gehen der deutschen und der e n g l i s ch e n P o l i t i k dokumentiert wird. Denn die „Vereinbarung" läuft auf nichts weniger hinaus, als auf ein absolutes Schutz - und Trutzbündnis beider Mächte in den chinesischen Wirren. Auch kann es nicht einen Augenblick zweifelhaft bleiben, daß dieses Bündnis seine Spitze gegen Rußland richtet und gegen dessen mehr oder minder versteckte Absichten auf Okkupierung der Mandschurei. Die in dem Vertrage stimulierte Politik Deutsch,- lands betreffs der „offenen Thür" in China und die weiterhin ausgesproct)ene Erklärung, daß Deutschland den Territorialbestand des chinesischen Reiches unvermindert erhalten wissen wolle, gehen nicht über den Rahmen des bisherigen Programms der deutschen Regierung hinaus, sodaß sich in den einzelnen Punkten des Vertrages keine neue, besonders keine zu der bisherigen Haltung Deutschlands abweichende Richtung erkennen läßt — auch nicht Rußland gegenüber. Eigenartig u n d neu i st, wie gesagt, nur die F o r m ber polr- tischen Vereinbarung als Schutz - und Trutzbündnis. Welche Aufnahme dieser Vertrag bei den andern Mächten, vor allem bei Rußland finden wird, ist noch nicht abzusehen.' Wenn man auch auf beut^cr Seite gegen die einzelnen Punkte des Vertrages nichts einwenden kann, so erscheint uns doch die förmliche Sanktionierung eines deutsch-englischen Husammengehens nicht unbedenklich, zumal wenn man befürchten muß, daß dadurch die kaum wieder geschaffene Annäherung Deutschlands an Rußland gefährdet werden wird. Dieser Kaufpreis wäre für das neue deutsch-englische Bündnis entschieden zu teuer." Die Mittelstandsbewegung. In der Okiobcr-Vcrsammlung des Mittellheinilcheu Fabrikantenvereins hielt Professor Dr. Biermer- Gießen einen Vortrag über die MittelftandSbewegung, der etwa folgenden Inhalt hatte: SD!1*f?yamilbcroc0Un0 bezeichnet der Vortragende «ine h/rn Richtung, die namentlich in neuerer Zeit unter /ÄJ?" Kaufleuten mir kleinerem und mitt- ® G.schSstsbet'tebe entstanden ist, die Ausmerk- samkett weiter Kreise auf sich gelenkt hat und bereits namhafte Er- SSV» k! < £6cs unb Steuergesetzgebung zu verzeichnen hat $ ; er d^e.oung sind "Notleidende" Krassen, die sich von den kapitalkräftigen Unternehmungen in Handel und Industrie in ihren Existenzbedingungen bedroht sehen. Das Ziel ihrer Reform- vorschläge ist lokalprotektionistischer Art, das heißt sie oerlangm vdn Staat und Gesetzgebung Maßnahmen zu gunsten der Erhaltung der mittleren und kleineren Gewerbebetriebe. Der Staat soll bestimmte Unternehmungsformen, die sonst dem großkapitalistischen Betrieb und der modernen Technik gegenüber zum Erliegen kommen, im Wege einer umfassenden Gesetzreform schützen. Insoweit die großkapitalistische Unternehmungsform im Zustande ber Gewerbefreiheit «iS „höhere Unternehmungsform- über die Klein- und Mittelbetrie. e siegreich bleibt, soll deren Wettbewerb unterbunden, die Gewerbe- steiheit beseitigt und der Handwerker- und Detailiftenstand durch Privilegien, zeitgemäßere Ausbildung und festere Organisation sozial gehoben werden. Alle in dieser Richtung gemachten wirtschaftS- polttischen Vorschläge faßt man unter dem Begriff der MtttelstanbS- politik zusammen. Die Mittelstandsbewegung fußt in zwei verschiedenen Lagern, die an und für sich in technischer und berufsmäßiger Ausbildung ebensowenig gemein haben, wie in Bezug auf ihre natürlichen politischen Anschauungen. Ist ja doch die Krisis im Handwerk besonders dadurch herbeigeführt worden, daß an Stelle der Kundenarbeit der Verkauf von Jndustrieprodukten in Ladengeschäften nach Auswahl getreten ist. Die B^darfSkonzen- tration schuf Massenproduktionen und zwischen der industriellen Erzeugung und dem Maffenvertrieb ihrer Artikel durch den lokalen Handel, starb das auf Bestellung arbeitende Handwerk ab. Aus diesem Wechselverhältnis ergibt sich ohne weiteres, daß der moderne Kaufmann mit dem zünftlerisch gesinnten Handwerker solange nicht interessenverwandt ist, als beiden noch nicht das Großkapital gleichgefährlich wird. Erst dann, wo riesige Spezialgeschäfte mit einem maschenreichen Netz von Filialen, Warenhäuser, Großbazare und Versandtgeschäfte daS kaufende Publikum dem lokalen Händler abspenstig machen, und daS Publikum selbst durch genossenschaftlichen Zusammenschluß mit Umgebung deS Detailhandels sich mit Waren zu versorgen anschickt, entstehen auch im Detailhandel eine Reihe von eigentümlichen Ausschaltungsprozessen. Die Kleinhändler fehen sich nach Verbündeten um und finden sie in den durch ähnliche Bedrängnis ihnen nahegerückten Handwerkerkreisen. Der zweite Teil des Vortrags ist der Lage des Detailhandels gewidmet, zuerst einer Betrachtung über die Konkurrenz, die sich der Detailhandel selbst durch die Etablierung zahlloser neuer Geschäfte, deren Zahl der Bevölkerungszunahme weit vorausgeettt ist (in Deutschland von 1882—1895 eine Vermehrung von 78pCt.) schafft. Der Vortragende geht dann über zu den Ausschaltungsprozessen, die vom Publikum selbst in bestimmten Klaffen desselben ausgehen, zu den Konsumvereinen, Beamten- und Offiziervereinen. Die Klagen über deren Konkurrenz hält er zum Teil für antisozial, doch betont er ganz energisch, zum TeU im Gegensatz zur herrschenden Meinung, die Gewerbesteuerpflicht dieser Ge- noffenschaften und Vereine. Aber ebensowenig, wie er ein Steuerprivileg für die Genossenschaften zugestehen will, ebensowenig ist er in der Lage, Sonderbesteuerungen und Verbotsgesetze für diese Konsumenten-Vereinigungen, die großen Segen schaffen können, zu befürworten. Auch die Klagen über das Wandergewerbe finden in den neuesten wiffen- schaftlichen Enqueten keine Bestätigung. Ein radikales Verbot der Haustererei würde die armselige und fleißige Bevölkerung vieler deutscher Gegenden an den Bettelstab bringen und proletarisieren. In dem sogenannten Detailreisen sieht der Vortragende in vielen Fällen eine Belästigung des Publikums. Nicht erwiesen sei aber, daß sie schlechtere und preisunwürdigere Waren lieferten als die Händler auf dem flachen Lande. Bedenklicher schon seien die Wanderlager und Konkurs-Ausverkäufe; gegen sie gäbe aber das GeseL zur Bekämpfung des unlauteren Wettbewerbs mancherlei kräftige Handhaben. Den Schluß des Vortrags bildet die Betrachtung der Warenhäuser, Großbazare und Versandgeschäste, die sich in unserer Zeit in ungeahnter Weise ausgedehnt hatten. Wenn man von einer allgemeinen Entwick« lungstendenz in dieser Richtung hier sprechen könne, so gehöre die Zukunft den großen Spezialgeschäften und nicht dem Sammelsurium der Warenhäuser. Letztere seien zugeschnitten auf einen ganz eigenartigen Unternehmungsgeist, der nicht häufig sei. Sie seien unterstützt von einer kurzlebigen Mode in einer wirtschaftlichen Haussebewegung, sie widersprächen aber den obersten Grundsätzen der Arbeitsteilung, und gang unmöglich sei bet ihnen hinreichende Warenkenntnis der Geschäftsleiter und ein Ueberblicl über die Konjunkturen des Marktes. Ihr Komfort sei ein Übertriebener, ihre Organisation einem Kartenhaus ähnlich und ihre Koulanz eine Talmikoulanz. Immerhin kaufe man dort billiger und besser als in den Detailgeschäften der kleinen Städte, sofern sich ihre Inhaber nicht entschlossen hätten, moderne Geschäftspraktiken einzuführen, um den Bedürfnissen deS Publikums umfassend und rechtzeitig Rechnung zu tragen. Der Detailhändler unserer Tage, der sich mit hmreichendem Betriebskapital etabliere, kaufmännisch hinreichend ausgebildet sei und seine Kundschaft reell und koulant bediene, brauche auch ohne Reklame die Konkurrenz der Warenhäuser nicht zu fürchten. Die in überaus anziehender und außerordentlich fesselnder Weise zum Vortrag gebrachten Darlegungen sanden den ungeteilten Beifall der Versammlung. An die Versammlung schloß sich nachmittags eine Besichtigung der ausgedehnten Werke der Firma Dyckerhoff u. Söhne-Amöneburg, wohin sich die Teilnehmer auf einem von der genannten Firma in liebenswürdigster Weise zur Verfügung gestellten Boote begaben. Volttische Tagesschau. Seinen Amtsantritt hat Reichskanzler Graf Bülow dem Bundesrat durch folgendes Schreiben angezeigt: Berlin, 19 Oktober 1900. Nachdem Seine Majestät der Kaiser und König Seine Durchlaucht den Fürsten zu Hohenlohe- SchilltngSfürst von der Stellung al« Reichskanzler, als Präsident deS preußischen StaatsminifteriumS und als Minister der auswärtigen Angelegenheiten entbunden und mich zum Reichskanzler, Präsidenten des StaatsminifteriumS und Minister der auswärtig« Angelegenheiten ernannt hat, beehre ich mich, dem BundeSrate hierneden Abschriften der betreffenden beiden Allerhöchsten OrdreS vom 17. d. M. zu übersenden. — Gleichzeitig bemerke ich ergebenst, daß ich die Geschäfte heute übernommen habe. Die beiden Allerhöchsten OrdreS lauten wie folgt: 1. Aui Ihren Antrag will Ich St- °°n der Stellung al, Reichskanzler, iowie als Präsident Meines Staatimtnistertum« und -IS Minister der auSwS.tigen «nge-g-nb-Iten unter Se. willigung der g-i-HIichcn Pension ht-rdurchin Gnaden entbinden. Zu Ihrem N-chsalg-r hab- Ich d-n Sia.tSmintster und Staais- fikrelär des Auswärtigen Amtes Grasen m Bülow ernannt. Homburg d. He t^,O«°b°r gez. Wilhelm. 1. k. ggez. Gras von Posadowsky. An den Reichskanzler Fürsten zu Hohenlohe-Schillingsfürst, Prinzen zu Ratibor und Corvey 2 Nachdem Ich den Fürsten zu Hohenlohe-Schillingsfürst seinem'Anträge gemäß von der Stellung als Reichskanzler entbunden habe, will Ich auf G.und der Bestimmung der Verfass«,«. -es Deutschen Reiches (I V. Artikel 15) Sir unter Entbindung von <^brem bisherigen Amte hierdurch zum Retchökanzser ernennen. Homburg v. d. H, 17- Oktober 1900. gez. Wilhelm. I. R. gge». Gr«f von Poladowsky. An de» StaatSmintster und Staatssekretär deS Auswärtigen Amte« Grasen von Bülow. Aus Stadt und Land. Gießen, 23. Oktober 1900. *• Bon der Universität. Gestern hielt Lio. theol. und Dr. phil. W. Kühler eine öffentliche Vorlesung, um sich für da- Fach der Kirchengeschichte zu habilitieren. Das Thema lautete: „Reformation und Ketzerprozeß . •• Theater-Verein. Wie aus dem Inseratenteil ersichtlich, sind die ausgelosten Sperrsitzkarten bei Hrn. Ch al l i er in Empfang zu nehmen. Da die erste Vorstellung bereits am 30 ds Mts. stattfindet, liegt eine baldige Abnahme im Interesse der Mitglieder. •* Zither-Konzert. Die zweite Hauptversammlung des Main-Lahnthal-Zitherbundes, dem u. a. Vereine von Aschaffenburg, Bockenheim, Frankfurt a.M. rc. angehören, findet vom 27. bis 29. Oktober in Gießen statt. Letzterer ist fest- g-bender Verein und hat das Arrangement übernommen. DaS Bestreben'deS Bundes ist, durch geschlossenes gemeinsames Handeln die Förderung, Verbreitung und musikalische Anerkennung des Zitherspiels zu erreichen und durch Konzerte größeren Stils Beweis von den musikalischen Fähigkeiten der Zither abzulegen. Zu diesem Zwecke finden alljährlich an wechselnden Orten Kongresse statt, um in beratender Versammlung festzustellen und ins Werk zu setzen, was zur Entwickelung und Förderung der Zithersache notwendig erscheint. Wie üblich sind zwei Zitherkonzerte arrangiert. DaS erste, SamStag, den 27. Oktober im Saale des „Hotel Einhorn" in Form einer Abendunterhaltung unter Mitwirkung einiger Bundesvereine und Einzelspieler, die gelegentlich desselben ihreSpezialchöce zumVortrag bringen. Das zweite, Sonntag den 28. Oktober als öffentliches Konzert in „Steins Saalbau", in dem einem großen Publikum gezeigt werden soll, auf welcher Stufe musikalischer Leistungsfähigkeit der Bund steht. Das Bundesensemble besteht aus ca. 80 Mitwirkenden, und sind einige Nummern des Programms für diese Ensemble-Aufführungen vorgesehen. Als Solist wird der Bundesdirigent, Zitherlehrer Ad. Arnold-Straßburg, auftreten, der sich gelegentlich der diesjährigen Hauptversammlung des süddeutschen Zither- bundeS zu Rosenheim (Bayern) in zwei mit dieser Versammlung verbundenen Konzerten eines bedeutenden künstlerischen Erfolges erfreuen konnte. DaS illustrierte Fachblatt für Zitherspiel „Echo vom Gebirge" rühmte ihm in einem Berichte Beherrschung der Technik bis in die kleinsten Einzelheiten, ausgereiften Kunstverstand und Tiefe der Empfindung nach und nennt seinen Vortrag deS 3. Konzertes, A-dor von Haustein geradezu die kongeniale Nachschöpsung einer genialen Komposition. In Anbetracht dieses seltenen KunstgenuffeS steht zu erwarten, daß sich das Fest-Konzert eines großen Zuspruchs erfreuen wird. ** Stadttheater. „Die strengen Herren", das neueste Lustspiel der Herren Blumenthal und Kadelburg, bekanntlich in Berlin von der Censur verboten, dann aber Zur Aufführung frei gegeben wurde, ist im „Berliner Theater" zu Berlin am Samstag, dem 6. Oktober zum ersten Male gegeben worden und erlebte seine Erstaufführung in Frankfurt a. M. am vergangenen Samstag. Das neue Stück ist auch bereits vom hiesigen Stadttheater erworben worden und soll hier demnächst in Szene gehen. Ein Berliner Blatt schreibt darüber; Das Berliner Theater hat mit dem durch den Liebesdienst der Zensur geförderten Lustspiel „Die strengen Herren" von Blumenthal und Kadelburg dem lachlustigen Publikum einen vergnügten Abend bereitet. Das verboten gewesene Stück ist durchaus nicht „frei", aber seine gesunde Tendenz, die dem Segen des Frohsinns und des Lachens predigt und die allzustrengen Sittenrichter verspotten will, übte einen starken Reiz auf die Zuhörer aus. Es gab zahlreiche Hervorrufe nach allen Akten, denen die durch ihre entgegenkommende Bereitwilligkeit rühmlichst bekannten Verfaffer mit erfreulicher Gewandtheit Folge Nisteten. ** Landeslotterie. Die Großh. Landeslotteriedirektion schreibt uns: Nach den Auslassungen der hessischen Lotteriekollekteure würde der Absatz unserer Lose noch ein weit besserer sein, wenn nicht zwei Irrtümer im Publikum weit verbreitet wären. Der eine beruht auf dem Reklamestichwort der anderen deutschen Staatslotterieen: „Jedes zweite Los gewinnt". Dies, sagt man vielfach, sei für den Spieler vorteilhafter. Das ist unrichtig. Auch bei uns wird das durch die Einlagen gebildete Spielkapital voll ausgespielt, ja, da der von den Gewinnen für die Kollekteure und den Staat erfolgende Abzug geringer ist, als bei den meisten anderen deutschen Staatslotterieen, wird bei uns vergleichsweise mehr an die Spieler zurückgewährt. Nur ist die Form der Zurück- aewährung in Hessen eine andere. Was kann dem Spieler daran liegen, an anderen Staatslotterieen mit ein klein wenig höherer Wahrscheinlichkeit den Einsatz zurückzugewinnen? Deshalb spielt niemand. Man will doch in einer Lotterie einen Gewinn, das heißt thunlichst erheblich mehr, als man eingesetzt hat, gewinnen. Von diesem Gesichtspunkte aus ist unser Plan aufgebaut. Er hat die Möglichkeit, den Einsatz wieder zu gewinnen, mm ein wenig vermindert und das dadurch bei einer doch schon vecht ansehnlichen Anzahl von Losen erlangte beträchtliche Kapital zur Erhöhung der Zahl der wirklichen Gewinne benutzt, sodaß von keiner Lotterie so viele wirkliche und verhältnismäßig so große Gewinne geboten werden, als von der Hessischen Staatslotterie. Die Ziehung der 2. Klasse findet am nächsten Montag, den 29. d. M. ftatt. Spiellustige wollen daher nicht versäumen, zur Wahrung ihrer Spielrechte ihre Lose schleunigst zu dieser Klasse zu erneuern. Vom Hoherodskopf, 22. Oktober. Mit Ende dieses Monats wird die Wirtschaft im Klubhaus auf Wem Hoherodskopf geschlossen werden. Der Nubwirt wird für die Wintersaison nur an Samstag 5972 Blitzrührschussel Garantie Zurück* ‘ nähme. Von einer praktischen Hausfrau erfunden! Preis nur nochx 16.- (ohne Bofestigungsvorrichtg M ib). Erhält!, in feineren einschläg Geschäften: wo nicht, direkt vom alleinigen Fabrikanten kl. v. Htinersdorfl Nacht.Stuttgart- weicher auch Prospekten. la. Zeugn. grat.u.frco. versend "7 Wiederverkäufen) lohnender klebet 1. Vermischtes. * Könitz, 22. Oktober. In dem Prozesse wegen wissentlichen Meineids gegen den Kaufmann Jakob Jacobi aus Tuchel wurde der Angeklagte zu einem Jahre Zuchthaus und 2 Jahren Ehrverlust verurteilt. Die sofortige Verhaftung Jacobis wurde angeordnet. * Kattowitz, 22. Oktober. Gestern nachmittag 3 Uhr stürzte bei Reckehütte in Rosdzin in voller Fahrt ein vollbesetzter Anhängewagen der elektrischen Kleinbahn in einer scharfen Kurve um. 17 Person en wurden teils schwer, teils leichter verletzt, ein Bahnbeamter tötlich. * Von dem Aufflug des Grafen Zeppelin. Nunmehr liegt auch der offizielle Bericht über die Auffahrt des Zeppelinschen Ballons vor. Dieser Bericht, von Professor Dr. Her gesell-Straßburg lautet: Der Aufstieg begann 4 Uhr 40 und dauerte bis 6 Uhr 10 Minuten. Das Luftschiff, vorzüglich abgewogen, hatte einen Auftrieb von 1200 Kilogramm, der durch Ballastsäcke derart ausgeglichen war, daß der Ballon mit dem ganzen Auftrieb von 70 Kilogramm in die Höhe ging. Der Zweck ward völlig erreicht, der Ballon blieb konstant in einer Gleichgewichtslage von 300 Metern. Sogleich nach Freiwerden des Ballons ließ der Führer die Maschinen und Schrauben umgehen, und zwar, da das Floß, welches den Ballon trug, gegen die Windrichtung auSgczogen war, mit der Richtung des Windes, der während der ganzen Dauer der Auffahrt Ost-Nordost war. Der Ballon machte zunächst Steuerversuche, die die Zweckmäßigkeit der neuen Steuervorrichtung auch völlig erwiesen. DaS Fahrzeug gehorchte dem Steuer sofort, doch machte sich zunächst einige Unsicherheit in der Führung bemerkbar, da das Ausmaß der Steuerwirkung durch Versuche festgestellt werden mußte. Der Ballon Pendelte infolge dessen in der ersten Viertelstunde über die vom Führer gewollte Richtung etwas hinaus, doch konnte er stets durch geeignete Gegenmanöver in die gewollte Fahrrichtung gebracht werden. Nachdem die nölige Erfahrung durch diese Versuche gewonnen war, gelang die Steuerung des Ballons auch direkt gegen die Windrichtung, dem Führer- vollkommen. Bevor wir auf die Geschwindigkeit des Ballons eingeheu, verdient die wunderbare Stabilität des Ballons in Bezug auf seine Längsachse hervorgehoben zu werden. Sowohl die horizontale Lage als die leichte Steigung konnten durch Verschiebung des Laufgewichts bequem erzielt werden. Wiewohl genaue Messungen über die Fahrgeschwindigkeit des Ballons noch nicht vorliegen, können doch einige Angaben über die Fahrgeschwindigkeit gemacht werden. Zwei Motorboote, unabhängig von einander, vermochten, als der Ballon direkt gegen Wind fuhr, in seinem Kurs direkt unter ihm nicht zu folgen, da die Geschwindigkeit dieser Boote 18 Kilometer pro Stunde beträgt und die Windgeschwindigkeit, gegen welche der Ballon fuhr, nach genauen Messungen 4 Meter pro Sekunde betrug. Es er- giebt sich daraus eine Eigengeschwindigkeit des Ballons von mindestens 8 Metern Pro Sekunde. Ein unerwartetes Resultat! Der Ballon landete, in voller Fahrt auf die Ballonhalle gerichtet, durch einen unglücklichen Umstand: Landwirtschaft. L.V. Alsfeld, 20. Oktober. In der Ausschußsitzung deS landw. ProvinzialveretnS, die am 11. ds. Mts. in Gießen stattfand, wurde u. a. beschlossen, die Generalversammlung in diesem Herbst am 8. n. Mts., mittags 12 Uhr, in „Steins Saalbau" in Gießen stattfinden zu lassen. Neben der Erstattung des Jahresberichtes steht ein Antrag des Ausschußes betr. die Abänderung der Statuten auf der Tagesordnung. Dadurch, daß der Verein sich in das Vereinsregister eintragen laßen muß, sind einige Aenderungen des Statuts notwendig, um den Bestimmungen des Bürgerlichen Gesetzbuches zu genügen. DaS meiste Jntereffe dürfte aber wohl die Präsidentenwahl in Anspruch nehmen, die in Folge des Ablebens des seitherigen 1. Präsidenten, deS Grafen Friedrich zu Solms-Laubach, notwendig geworden ist. «4S°/° Zeit- u. Kraftersparnia beim Teigrnhren. Unerreicht prachtvolle Back-Resultate! Von grösstem Weit bei Herstellung von Puddinge, Mayonnaisen etc. Ausserdem als extrastirke Emailichfissel das ganic Jahr über vielfach verwendbar. eine Ballonhülle entleerte sich plötzlich aus heute noch unbekannten Gründen. Eine nähere Untersuchung wird die Gründe ergeben. Trotz dieses enormen Gasverlustes er- folgte die Landung so leicht und glatt, daß keine wesentliche Havarie eintrat. Die Versuche sollen in einigen Tagen wieder fortgesetzt werden. . • Friedrichshafen, 22 Oktober. Die gestrige dritte Ausfahrt des Luftschiffes deS Grafen Zeppelin begann bei regnerischem, beinahe windstillem Wetter um 5 Uhr. Das Lustschiff erhob sich mit der Spitze etwas nach oben, zunächst bei etwa 250 Meter Höhe, und führte, ungefähr 1 Km. vom Lande entfernt, verschiedene Wen. düngen im Auf- und Abwärtsfahren mit bestem Gelingen aus. Nachdem daS Luftschiff den Kurs gegen das schweize« rische Ufer genommen hatte und bis zu etwa 400 Meter Höhe emporgestiegen war, fuhr es bis einige hundert Meter vor der Halle bei Manzell zurück, wo eS um 5 Uhr 25 Minuten langsam bis auf den Wasserspiegel herabgmg. * Wo wächst der Wein wild? Das ist eine Frage, auf die sogar die Botaniker nicht leicht eine Antwort zu geben wissen. Selbstverständlich ist dabei nicht von dem sogenannten wilden Wein die Rede, der als Schlingpflanze zur Zier besonders in Norddeutschland allenthalben angepflanzt wird, sondern von echten wilden Reben, die nicht vom Menschen gepflanzt sind, sondern sich noch auf dem Standort befinden, den ihnen die Natur von alters her angewiesen hat. In der Pflanzenkunde war man bisher der Ansicht, daß wirklicher wilder i Wein innerhalb Europas nur noch in Rumänien und im Banat vorkäme. Diese Ansicht wird jetzt von einem Mitarbeiter der „Annales Forrestieres" widerlegt, indem darauf hingewiesen wird, daß in verschiedenen Gegenden Frankreichs die Reben an solchen Stellen wild wachsen, wo der Eingriff eines Menschen als völlig ausgeschlossen gelten kann. Im besonderen gilt dies von den Wäldern in Bearn, die bis an den Fuß der Gebirge heran eine üppige Vegetation zeigen, die ein eigentümliches Bild durch den kraftstrotzenden Wuchs von Schtingpftanzen erhält. Diese hängen in großen Guirlanden von den Zweigen herab, kriechen über den Boden hin, versperren dem die I ausgetretenen Wege meidenden Wanderer den Pfad, ent- I reißen ihm bald den Hut, bald schlingen sie sich um me I Beine---kurz: man könnte sich in die tropisck>en Urwälder versetzt glauben. Diese Schlinggewächse bestehen häufig in Elematis, Geisblatt, DornsträuckMn, oft aber | auch in der wahren, ursprünglichen Rebe, der Urahrw unseres edeln Weinstocks, vitis vinifera, mit schmalen- I Blättern und kleinbeerigen Trauben. Es ist dieselbe I Pflanze, die unter dem gleichen Himmel dank der Entwickelung durch die Menschenhand einen königlichen Wem I hervorbringt. Jene wilden Reben, die nur in Waldesdickicht wachsen, dessen Ruhe selten von einem anderen I Wesen als von Ebern und wilden Tauben gestört wird, befinden sich meilenweit von aller Kultur entfernt und I können unmöglich ihr Wachstum menschlicher Absicht ver- I danken. Höchstens könnten sie durch Vögel ausgesät und I dann verwildert sein, aber auch das ist nicht wahrschem- I lich. Danach scheint es nahezu gewiß zu sein, daß die Vorfahren unseres Weinstockes noch jetzt in ursprünglicher Urwüchsigkeit auch im westlichen Europa zu finden sind. Gerichtssaal. Frankfurt, 20. Oktober. Die Beweisaufnahme in der gestern begonnenen Schwurgerichts-Verhandlung gegen die Niederräder Wirth und Genoßen wurde erst heute vormittag geschloßen. Staatsanwaltschaftsrat Schulte führte aus, systematisch sei mit großem Raffinement eine Anzahl Ueberfälle gegen Paßanten im Walde inszeniert worden. Männer und Weiber wurden angehalten, mißhandelt, verletzt, beraubt und die Mädchen vergewaltigt. Die Seele dieser brutalen Exzeße sei der Hauptangeklagte Wirth, der sich bei solcher Gelegenheit für einen Försterssohn auszugeben pflegte. Alles wickelte sich im Dunkel deS Waldes ab, wobei die Mitangeklagten Hilfe geleistet hätten. Der Staats»« anwalt erklärte: Es würde ein Jammer fein, wenn Wirth, der schott einige Male wegen solcher Unthaten angeklagt war, auch diesmal am Zuchthaus vorbeikomme. Von mildernden Umständen könne bei einem solchen „Scheusal" nicht die Rede sein. Um 12>/a Uhr ziehen sich die Geschworenen zurück, nach einer Stunde wird das Verdikt verkündet. ES lautet gegen Wirth auf schuldig ohne mildernde Umstände, gegen die anderen auf nichtschuldig. Der Strafantrag geht auf das höchste Strafmaß: 15 Jahr Zuchthaus, 10 Jahre Ehrverlust. Das Urteil lautet gegen Wirth auf 11 Jahre Zuchthaus und 10 Jahre Ehrverlust; die drei anderen werden freigesprochen Nachpiittagen und auf vorherige Bestellung im Klub- I Haus anwesend fein. Büdingen, 22. Oktober. Am Samstag vereinigte I sich der Hauptausschuß für die I u b e l s e i e r d e s G Y m- I nasiums mit den von den Emzelausschüssen zugewähl- I ten Herren in einer größeren Versammlung, in der über I die Zeit des Festes, den FestplaH und eine vorläufige Fest- I ordnuug beraten werden sollte. Em Beschluß über den I Zeitpunkt konnte und sollte noch nicht gefaßt werden, da I die Frage noch keineswes spruchreif ist, vielmehr dem für Anfang Juni sprechenden Grunde gewichtigere für Anfang August sprechende giegenüberstehen. Bezüglich der Platzfrage fand der Vorschlag, die Wiese am Salinenhofe, aus der dann eine besondere Halle errichtet werden müßte, als Festplatz in Aussicht zu nehmen, nach längerer Debatte allgemeine Zustimmung. Die geplante Festordnung verspricht — von der eigentlichen Sck)ulfeier abgesehen — innerhalb mehrerer Tage: Fackelzug und Begrüßungsabend, Festessen, Festkommers, Ausflug nach Tiergarten, Ball, für die Unermüdlichen am letzten Tage Ausfluge in die Umgegend. Der Hauptausschuß wird später, weun die Einzelheiten in den Ausschüssen beraten smd, end- giltige Entscheidung treffen. Eine nod), Schluß der Versammlung gegebene Anregung, einen Festzug historischen Charakters, für den vielleicht die hiesigen Vereine interessiert werden könnten, zn veranstalten, konnte noch nicht zur Besprechung kommen. Büdingen, 22. Oktober. In der am Samstag stattgefundenen Generalversammlung des hiesigen Gewerbevereins, zu welcher auch die Inhaber von Ladengeschäften eingeladen, aber gerade nicht sehr zahlreich erschienen waren, wurde über die Festsetzung der 40 Ausnahmetaae, an denen die Kaufläden bis 10 Uhr offen gehalten werden dürfen, beraten und beschlossen, Großh. Bürgermeisterei, als der Ortspolizeibehörde, die diese Tage festzusetzen hat, folgende mit 10 Uhr-Ladenschluß vorzuschlagen: die sechD Tage vor Ostern, vier Tage vor Pfingsten, vierzehn Samstage, von Mitte Juni aufangend, zwei Tage vor Schottener Sommermarkt, Sommermarkt- Montag und -Dienstag, zehn Tage vor Weihnachten und zwei Tage vor Neujahr. Held en bergen, 21. Oktober. Gestern früh um fünf Uhr brach in dem nahegelegenen Schlosse Naumburg Großfeuer aus, das die Gebäude zum Teil in Asche legte. Der Brand war weithin zu sehen, da das Schloß auf einer Anhöhe liegt. Das Schloß ist Eigentum des Herrn, von Klinker. Diez, 21. Oktober. Infolge der hohen Kohlenpreye versorgt die hiesige Eisenbahnverwaltung ihre Angestellten und Arbeiter mit KohlenzuEinkaufsp reise u. Aiich die Firmen. Gebr. Schaefer hier und die Gebr. Brötz in Limburg versorgen gegenwärtig ihre Arbeiter in Freiendiez mit Kohlen, sodaß sich der Zentner dem Vernehmen nach zwischen 80—90 Pfg. stellt. Das ist eine große Wohl- that für den kleinen Mann, da in der Stadt die Kohlen zu 1,40 Mark per Zentner verkauft werden. Stoffe, Sammle, VelvefsJX Blusen, Besatz liefern wir direkt an private. Man verl. Muster unserer großen Aubwahl. & Keussen, ZLLL Krefeld. 6960 4436 HamchG M«-LsL«tKs!-Mer-T»iul Bekanntmachung Keule ^er Pfuud 50 Pfg. Köbrich. Cognac Feinste 6665 Süssrahm-Tafelbutter Turn-Verein der 6982 Der Vorstand. nod> a'n.'eaehen. 6791 KPSM1N Ofenlack I- Gas-Glühkörper . Spezialgeschäft 1 für Wäsche. . F. H. Doll. H. Gruber. . J. Kellner. . W. Schröder. Telephon 46. Eintrittspreis: Sperrsitz 1,50 Mk., 1. Platz 1,— Mk , 2. Platz 50 Pfg. Eintrittskarten im Vorverkauf bei den Herren Ernst Challier (Rudolph’s Nachf.) und Gustav Sonntag, Neuen Bäue 1: Sperrsitz 1,20 Mk., 1. Plate 80 Pfg. 6751 0 Messner. . Jes. Haustein. . t. «. Burda. . Max Schulz. 6900 Die Schulleitung: Traber Arthur Koppel, Bochum ■■ fabriziert als Spezialität: Gießen, am 18. Oktober 1900. Der Aufsichtsrath: L. Hehligeustaedt. Darmstadt, den 10. Oktober 1900. Großherzogliche Obere Bergbehörde. Emmerling. Gießen, den 18. Oktober 1900. Großhrrzogliche Bürgermeisterei G eßen. I. V.: Wolff. 1. Teil: 1. Parade-Fest-Marsch (Bandes-Ensemble) 2. Konzert III, A-Dur, Moderato cantabile-Andante-AUegro (Solo: Herr Adolf Arnold-Strassburg). 8. In Liebe vereint, Walzer (Zitherklub „ Alpengruss“, Griesheim a. M.) 4. Ein Liebeswort, Tonstück für Streich- und Schlagzither (Zither-Verein Giessen). — Pause 10 Minuten. — 2. Teil: 5. Im Dämmerschein, Romanze, (Bundes-Halbchor) 6. Traumkönig und sein Lieb, Konzertfantasie (Solo: Herr Adolf Arnold-Strassburg). 7. Die beiden Lerchen, Polka (Zitherverein „Concordia“-Frankfurt a. M.) 8. Goldflügler, Mazurka, (Bundes-Ensemble) Montag den 29. Oktober d. I., abends 7,9 Uhr, Molkerei Bnseckerthal in der Restauration Transvaal (früher Schnell), Brandaafl..: empfiehlt c. Roth ii., waiithorstr. 5. Feidbahngleise. Kippwagen etc , Weichen, Drehscheiben. 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Kceisamt^s Gießen in Nr. 238 des Gießener Anzeigers fordern wir hierdurch die Baumbesitzer der hiesigen Gemarkung zur Vertilgung beS Frostuachtspauuers durch Anlegung von Kleberingen unter dem Anfügen auf, daß der Stadt- gättner und die Feldschützen zur Erteilung von Auskunft und die Geschäfts stelle des Oberhessischen Obstbauvcrein» in Friedberg zur Vermittelung des Bezugs der erforderlichen Materialien bereit sind. Heneraf Jerfammkung mit folgender Tages»Ordnung: 1. Bericht. 2. Nechnungsablage. 3. Turnhallenerweiterung. 4. Verschiedenes. «Lvsedauireu, Schwaaeafeber«, Schwane«- Saunen u. alle anderen Sorten Vettfedern u.Daunen. Äenheit u. beste Reinigung garantiert! GuicHreisw. Bettfedern p. Pfund f ilr 0,60:0,80; 1J4; 1,40. Prima Salbvauuen 1,60:1,80. Po- larfevern: halbwelßL,- weih 2,60. Silberweike «Safe- u. Schwauenfesern 8; 8,50; 4,*5. Silberweiße «Suse- u. Schwaneavauncn5,75;7; 8; 10 JL Echt chinesische «anzSanneu 2,50; 8. Polarvaunco ö; 4:6 Ji. Jedes belieb. 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Tchweitzer in Odenhausen mit dem Eisenerz Bergwerke Max' " ” in der Gemarkung WeiterShai«, Kreis Gießen, bcliehen worden sind. Etwaige Einwendungen gegen diese Verleihung müffsn bei Vermeidung des Verlustes des Vorzugsrechtes binnen drei Monaten durch gerichtliche Klage gegen den Bergwerkseigentümer geltend gemacht werden. Während dieser Frist ist die Einsicht des Situationsrisies bei der Bergmeisterei Darmstadt Jedem gestattet. (früher Lahnthalbund) 2. Haupt-Versammlung am 27., 28. and 29, Oktober in Giessen. Sonntag den 28. Oktober, abends präzis 8 Uhr: p^OÜZgrt io Steins Saalba« Bundesdirigent: Herr Adolf Arnold-Strassburg. Verantwortlich für den allgemeinen Teil. I. B.. A. Stcffcnhagen; für den Anzeigenteil: Hans Beck. — Druck und Verlag der Brühl'schen Universitäts-Buch- und Stemdrudcrei (Pietsch Erben) in Gießen. 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