90. ♦ 05.1 n 3591 rMWeuenbfat. i Plata ff;* litt- lucht Markliir^e 1, lt hiesiges Kontor E. Z, 2855 bk- Selter^ fr 83. ishaltungs- Maschinen unentische lelkäfige erne w ragen gesucht. hW m liebst yW 02204 an de h eS erbeten. löge eiter gesucht. H 8lM irenfobrif. lftrahe 6, l — ittgtte Akdkitw igung bei - Mi-V fcü, Asche, efllcht [in laumit 3681 itiniiitfti Äalter. itn von 14 bis 15$ Mer sosm «eschl yofttratze 5?/ ll. oLdtzen auf Wrt hestrch St [SM tRömÄr® ren geiutu W «Sech SahnhoM » .l,« in tinm Kv WllMrgrt Lu-viMlatz »_■_ Udchen gesucht- ( LöwengüP • Mdche« •'ginj Nr. 120 Zweites Blatt. Donnerstag den 24. Mai 1900 Bezugspreis Vierteljahr!. Mk. 2,20 monatlich 75 Pfg. mit Bringerlohn; durch die Abholestellea vierteljährl. Mk. 1,96 monatlich 65 Pfg. Bei Postbezug Mk. 2,40 vierteljährl. mit Bestellgeld. Alle Anzeigen-BermittlungSstellen deS In« und Auslandes nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger entgege». ZeilenpreiS: lokal 12 Pfg,, au-wärtS 20 Pfg. 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Das ernsthafte Einschreiten der Polizei und der Gerichte, die in der Sache auch ohne eine Klage Gyp's, ja gegen den ausdrücklichen Wunsch der Gräfin vorgegangen sind, hat mithin bereits Erfolg gehabt. Nach ihren jetzt revidierten und korrigierten Behauptungen will die Gräfin Märtel in kein „schloß", sondern in, ein einfaches Landhaus verschleppt worden sein. Das erschwert natürlich das Auffinden ihres nächtlichen Gefängnisses sehr; auch das anfänglich mehrere Meter hohe Äsengitter schrumpft jetzt zu einem gewöhnlichen Gartenzaun zusammen. Der Umstand, daß sich der Kutscher, der sie zu dem Ort, an dem sie aufgehoben wurde, gefahren hat, trotz dringender polizeilicher Aufforderungen nicht meldet, erklärt Gyp damit, daß der Kutscher sich begreiflicherweise scheue, einen oder mehrere Ausstellungsnachmittage im Justizpalast zuzubringen und dort anstatt eines Louisdor, den er auf seinem Kutscherbock verdienen könne, zwei Francs Zeugengebühr zu erhalten. Die Gräfin giebt auch noch einige andere Auf- und Erklärungen, die ihr Abenteuer glaubwürdig machen sollen . . . aber der Kutscher, der sie zur Volksversammlung gefahren, die Leute, die sie entführt haben, der Wagen, in dem sie entführt wurde, das Landhaus, in das man sie gebrracht, und aus dem,' fie unter Zurücklassung der improvisierten Strickleiter geflüchtet, sowie! der Weg, den sie gegangen, und endlich das Karottenfeld, von dem sie ihren Hunger gestillt hat, das alles ist unauffindbar. Eine Zeitungsnotiz, die aus der Polizeipräfektur stammt, macht jedoch Andeutungen dahingehend, daß; man den den Ghp'schen Erzählungen zu Grunde liegenden wirklichen Vorgängen auf der Spur sei und in den nächsten Tagen konstatieren zu können hoffe, was in der geheimnisvollen Nacht geschehen ist. Wenn da nur nicht gute Freunde der Gyp — und sie hat deren viele und angesehene — in der letzten Stunde da- ztvischenfahren? Der Krieg in Südafrika. lieber den Entsatz von Mafeking ist noch folgende Depesche Lord Roberts' aus Kroonstad nachzu- t rag en: Mahon meldet, er habe sich mit Plumer bei " Jamassibi am 15. Mai vereinigt. Er wurde von einem Burenkommando von Maatfani Siding aus verfolgt und wandte sich westwärts, um ihm zu entkommen. Am 13. wurde er im dchten Busch angegriffen, wobei er 5 Tote, 2 Vermißte und 24 Verwundete verlor. Tre Buren verloren mehr Leute an -Toten und Verwundeten als Mahon. (£tn anderer Bericht, vom 13. Mai datiert, ist von Baden- Powell eingelaufen. Darin wird die wichtige Meldung gemacht, daß aim 13. vor Tagesanbruch eine stürmende Abteilung in Stärke von 250 Mann unter persönlicher Führung Eloffs die Feldwachen überfiel und in die Stadt nnd das geschützte Feld von Westen aus das Malopothal entlang eindrang, während gleichzeitig mit heftigem Gewehrfeuer an der östlichen Front der englischen Stellung demonstriert wurde. Äe westliche Abteilung wurde mit -en nachfolgenden Burenunterstützungen handgemein und hielt sie auf, dadurch Eloff den Rückzug abschneidend, während die die Stadt verteidigenden Truppen ihn am weiteren Vordringen hinderten. Seine Streitmacht wurde in -er Finsternis getrennt; eine starke Abteilung wurde ;wischen sie geschoben, die sie vollständig einschloß. DaH Gefecht dauerte den ganzen Tag. Bei Anbruch, der Nacht ergaben sich zwei Teile und der dritte wurde unter heftigem sseuer aus der Stadt getrieben. 10 Tote und 19 Verwun- -ete ließ der Feind zurück und 108 Mann wurden zu Ge- " fang eiten gemacht, Eloff und 9 Offiziere eingeschlossen. 17 Franzosen und einige Deutsche befinden sich unter Den Gefangenen. Unsere Verluste betragen 6 Tote und etwa 11 Verwundete. Ein Telegramm des Feldmarschalls Roberts meldet: Oberst Mahon zog am 18. Mai um 4 Uhr morgens in Mafeking ein, nachdem er am 17. neun Meilen von Nafeking einen heftigen Kampf mit einer 1500 Mann star- len Buren-Abteilung zu bestehen hatte. Die letztere wurde nach fünfstündigem Kampfe und hartnäckigem Widerstande (ins ihrer starken Stellung vertrieben. Am Morgen des Kampfes war eine Abteilung kanadischer Artillerie nach tiiter Reihe von Eilmärschen zu Mahon gestoßen und leistete diesem wertvolle Hilfe. Der englische Verlust beträgt etwa' 30 Mann, die Verluste der Buren sind schwer. , Unter den in Mafeking am 12. d. M. eingefangenen Fremden befindet sich ein Franzose, Graf Bremont, und ein v. Weiß, angeblich ein Deutscher. Die schwere Ver- vundung des sesw beliebten und talentvollen „Mail"- Ko-crespondeuten, Eharles Hands, der mit der Avantgarde gegen Mctfeking vorging, wird von allen Seiten aufs schmerzlichste beklagt. Die „Daily Mail" verlor im Laufe des Krieges bereits durch Tod, Verwundung, Krankheit und Gefangennahme 15 Korrespondenten. Die „Morning Post" meldet aus Kroonstad vom 20. d. Mts.: Der Van Reenens-Paß ist offen. Der Botha-Paß wird nur leicht vom Vrede-Kommando gehalten. Marschall Roberts weiteres Vorgehen ist bis jetzt dadurch verhindert, daß in Smaldeel oer Verkehr durch Ueberbürdung stockt. Der „Telegraph" meldet dagegen, die berittene Infanterie sei bereits vorgegangen. Nach einer weiteren Meldung sind die Engländer jetzt nur noch vierzig englische Meilen von Johannesburg entfernt, das sich zum Widerstand rüstet, sechs neue Geschütze sind dort in Position gebracht. Für die Belagerung Johannesburgs )md Pretorias wurde befohlen, in Aldeshot sechs Panzerzüge bereitzustellen, jeden aus einer Maschine und vier Panzerwagen bestehend. Ein Zug ist zur Verschiffung bereit. — Lord Methuen marschiert das linke Voralufer hinauf, um mit Marschall Roberts gemeinsam zu operieren und die linke Flanke zu decken. Geineral Hunter und Bar ton sind beauftragt, die Bahn zwischen Fourten- streams und Ootsi herzustelleu und zu schützen. Es dürfte Wochen dauern, ehe der erste Eisenbahnzug mit Lebensmitteln Mafeking erreicht. Die Nachricht, daß Präsident Krüger demütigum Frieden nachgesucht habe, wird amtlich dementiert. Nach einem Telegramm des „Expreß" aus Lorenzo, Marquez hatte der Auszug der Buren aus Pretoria begonnen die Frauen und Kinder werden nach Machadadisp gesandt, das auf dem Wege nach Lydenburg gelegen ist. In einer Depesche aus Newcastle vom 22. Mai berichtet Buller, er habe von Oberst Bethune die Nachricht erhalten, daß einer Schwadron seiner berittenen Infanterie, die sich gestern aus dem Marsche nach New' castle befand, von den Buren etwa sechs Meilen südwestlich von Vryheid ein Hinterhalt gelegt wurde. Sehr wenige entkamen. Die Gesamtverluste betragen etwa 66 Mann. Bethune kehrte nach Nqutu zurück, um Vorräte zu holen, und marschiert heute nach Newcastle. Buller hatte Bethune mit 500 Mann detachiert, um nach Nqutu vorzurücken, das, wie verlautet, vom Feinde geräumt war. * Einem Briefe des leitenden Arztes der deutschen Ambulanz auf Seilen der Buren, Dr. Hildebrand, über die Beobachtungen, ;die er bei und nach dem Aufenthalte der Ambulanz in Jacobsdaal gemacht hat, entnehmen wir folgende intereffante Stellen: Es ist etwas Eigentümliches mit den Verlusten der Buren. Wenn Sie die offiziellen Berichte der Regierung lesen, würden Sie dieselben für erlogen halten. Die Buren haben aber thatsächlich stets nur geringe Verluste in sämtlichen Gefechten gehabt. Einmal weiß der Bur sich vorzüglich zu decken, und anderseits reißt er aus, wenn es gefährlich wird. Ueberhaupt ist es mit seiner Tapferkeit ganz eigentümlich bestellt. Weiß er, daß er nicht davonlaufen kann, kämpft er großartig. Meistens hält er sich jedoch ein Loch frei, steigt auss Pferd und reitet davon, sobald er seinerseits in Gefahr kommt. Die Ausländer haben daher ganz andere Verluste gehabt. Mit Vorliebe werden diese von den Burenführern in gefährliche Positionen geführt, dorthin nämlich, wo ein Bur nicht aushält. Dank ernten sie bei den Buren natürlich nicht dafür. Nur bei Paardeberg mußten die Buren stehen, daher ihre großen Verluste. — Am 17. März verließen wir Jacobsdal, packten die notwendigsten Sachen in vier Ochsenwagen und zogen mit diesen, sowie einer Karre und zwei sechsspännigen Pferdewagen über Kossy- fontein nach Bloemfontein. Wir wählten diesen Umweg, einmal weil sämtliche Farmen an der direkten Straße von Jacobsdal nach Bloemfontein völlig verlassen und ausgeraubt, andernteils, weil der Weg mit totem Vieh, den Zugtieren der Engländer, das nicht eben gut roch, gepflastert war. Soweit die Leute auf ihren Farmen geblieben, war wenig gestohlen worden, in den leerstehenden Häusern war jedoch schrecklich gehaust worden. So wars in Jacobsdal, so wars überall, wohin die Engländer gekommen. Auch wir find maßlos in unserer Abwesenheit von Hause in Ja- eobsdal bestohlen worden, Kleider, Uhr, Börse mit Inhalt, ein großer Teil unserer Habe wurde uns entwendet. Die Buren riskieren es nicht, in verschlossene Häuser zu gehen, wie die Engländer, trotzdem Lord Roberts Plündern streng verboten. Am widerlichsten ist mir immer das Ausplündern der Toten gewesen; darin leisten nun Engländer und Buren das Gleiche, ich soll noch den ersten Toten finden, der noch etwas Wertvolles bei sich trägt. ♦ ♦ Inzwischen wird in England der Mafekingrummel fortgesetzt. In Oxford führte die Maseking-Feier zu Tumulten. Eigentum wurde weggenommen und demoliert, um als Brennstoff zu Freudenfeuern zu dienen, und die Polizei mußte verschiedenemale die Menge mit Knütteln angreifen. Eine Feuerspritze trat auch in Thätigkeit und es gab Schlägereien. In Lurgan in Irland wurden zur Mafeking Feier den katholischen Einwohnern die Fenster eingeworfen und diese selbst mit Steinen beworfen und beschimpft. Zuletzt wurde Krüger im Bilde aufgehängt. In Aberdeen wurde der Lehrer des Deutschen an der dortigen Universität, Hein, im Klassenzimmer von den Studenten mißhandelt, und dann wurden an seinem Hause die Fenster eingeworfen, weil er den Buren freundlich gesinnt sein soll. Der Senat der Universität hielt eine besondere Sitzung, um die beteiligten Studenten abzustrafen. • • ♦ Telegramme deS Gießener Anzeigers. Pretoria, 23. Mai. Die Bestimmungen, unter denen die englische Regierung den Frieden annehmen wird, sind der TranSvaal-Regierung mitgeteilt worden. Die Transvaalregierung hat nach reiflicher Ueberlegung diese Bedingungen als unannehmbar bezeichnet. Man weiß nicht, welcher Art diese gewesen sind und fragt sich, auf welche Weise und durch wen diese Note der englischen Regierung an die Transvaal-Regierung gelangt ist. Die Transvaal-Regierung überreichte am 18. Mai den Vertretern der neutralen Mächte eine Note, betreffend die Verteidigung der Goldminen am Rand, in der sie erklärte, diese Minen beschützen zu möllern, soweit es in ihren Kräften liegt. Trotzdem könne aber die Regierung keine Verantwortung für das Leben und Eigentum der fremden Bevölkerung übernehmen. Pretoria, 23. Mai. Zwischen dem Generalkommissar des Präsidenten Stein und der Transvaal-Regierung wurde ein Übereinkommen getroffen, das in Form einer Zirkularnote an die Ortsvorsteher gesandt wurde. ES heißt darin, daß, wenn der Feind, was nicht zu befürchten sei, einen Teil des Gebietes von Transvaal besetze, eS den Einwohnern sreistehe, sich zu entschlie en, ob sie ihr Eigentum verlassen wollen, jedenfalls aber würden die Männer ihre Kommandos nicht verlaßen dürfen. Deutsches Keich. Berlin, 22. Mai. Der Kaiser unternahm heute früh, wie man aus Wiesbaden meldet, einen Spazierritt in der Richtung auf das Jagdschloß „Platte". In das Schloß zurückgetehrt, hörte der Monarch die Vorträge des Vertreter des Auswärtigen Amts, Gesandten von Tschirschky und Bögendorff, und des Chefs des Militärkabinetts, Generals v. Hahnke, sowie später im Beisein des Chefs des Zivilkabinetts, Wirkt. Geh. Rats v. Lucanus, und des Polizei-Präsidenten von Wiesbaden, Prinzen von Ratibor, den Vortrag des Oberbürgermeisters von Wiesbaden Dr. v. Jbell. Zum Frühstück folgte der Kaiser einer Einladung des Oberhofmarschalls a. D. Frhrn. v. Liebenau. Zur Abendtafel beim Kaiser! waren der Großherzog von Sachsen-Weimar und der Gesandte v. Brandt geladen. Der Kaiser wohnte darauf mit dem Großherzoge der Aufführung von „Oberon" im Hoftheater bei. — Der Kaiser fährt nach den bisherigen Dispositionen am Freitag Nachmittag 2 Uhr mit den Torpedobooten von Mainz bis Bingen-Rüdesheirn und von dort um! 5 Uhr in einem Sonderzug nach Mainz zurück, wo ev. der Großherzog von Hessen ein Festmahl giebt. Dann erfolgt die Rückkehr nach Wiesbaden und nad) Schluß der Theatervorstellung voraussichtlich die endgiltige Abreise. — Ein Besuch des Kaisers bei dem Geheimrat Krupp auf der Villa Hügel bei Essen ist auch für dieses Jahr vorgesehen. Gelegentlich einer Unterredung mit Herrn Krupp dieser Tage in Wiesbaden hat der Monarch geäußert, daß es ihm bisher auf der Villa so ausgezeichnet gefallen fyabe, daß er noch vor Antritt der Nordlandreife, wahrscheinlich am 26; Juni, einen Besuch dort abstatten werde. Für diesen? Ausflug in das Bergische Land sind zwei Tage in Aussicht genommen. Es ist auch nicht ausgeschlossen, daß dev Kronprinz feinen Vater begleiten wird. — Ferner ist ein Besuch des Kaisers in Str a ß b u r g bei dem Statthalter Fürsten zu Hohenlohe für nächsten Samstag vorgesehen. Für die zweite Halste des Oktober hat der Kaiser-' feinen Besuch in Elberfeld, Barmen und Vohwru^ (m wird, wie nunmehr feststeht, am 28.i d. M. sein O s fi z i e r s e x a m e n oblegen. Am 31. d. M., am Tage der großen Frühjahrsparabe der Potsdamer Garnison, wird in Gegenwart des Kaisers die Anstellung des Kronprinzen zur praktischen Dienstleistung in das erste Garderegiment zu Fuß stattsinden. Dieser Akt soll sich in,' zwei Teilen, und zwar im Hofe des Stadt- ßchlosses und im Lustgarten, abspielen. — Wie die „Rat. Ztg." von wohl unterrichteter Seite hört, sind die ^verschiedenen Gerüchte über eine bevorstehende Verlobung der Königin von Holland, auch das, welches den Prinzen Bernhard von Weimar nennt, völlig haltlos. Heiratspläne irgenbwelcher Art schweben nüfjt —(Der Kronprinz -und die> Kronprinzess in von Griechenland sind mit ihren Kindern heute vormittag zu längerem Aufenthalt aus Schloß Friedrichshof bei Kronberg eingetroffen. — Das Staats Ministerium trat heute nachmittag unter dem Vorsitz des Reichskanzlers Fürsten Hohenlohe im Reichstagsgebäude zu einer Sitzung zusammen. — Im preuß. Ministerium des Innern fand heute vormittag eine Konferenz statt, der u. a. die Minister Frhr. v. Rheinbaben und v. Thielen, Geheimrat Friedheim und zwei Direktoren der Straßenbahnverwaltung beiwohnten. Es handelte sich um die Frage, in welchem Umfange der Straßenbahnbetrieb heute und an den folgenden Tagen wiederj ausgenommen werden solle. Nachdem festgestellt war, daßs der Wiederaufnahme des vollen Betriebes schon am heutigen Tage nichts im Wege stehe, ließ der Minister v. Rheinbaben seine gestrigen Bedenken, den vollen Betrieb schon heute aufzunehmen, fallen, ordnete aber an, daß die Straßenbahinftrecken, namentlich in den Abendstunden, noch durch polizeiliche Patrouillen überwacht werden sollen, um jedem Versuch, den Vertrieb zu stören, oder die Beamten und Fahrgäste zu belästigen, vorbeugen zu können. Die am Ausstand nicht beteiligten Beamten haben Prämien erhalten. Ten ausständig gewesenen Beamten soll! dagegen am Gehalt nichts gekürzt werden. — Bei der Fortsetzung der Beratung der Deckungs- frage für die Flotte, beschloß die Budgetkommission des Reichstages heute, für Schiffsfrachtbriefe zwischen in- und ausländischen Häfen den Stempel auf 1 Mark und für Kanossemente zwischen den Häfen der Nord- und Ostsee, dem Kanal und der norwegischen Küste auf 10 Pf. festzusetzen. Ferner wurde beschlossen, auf Wunsch der Abg. v. Kardorff, Graf Stolberg und Prinz v. Arenberg, bei dem Totalisator erst vom 1. Januar 1901 ab die Verdoppelung des Stempels ' eintreten zu lassen, damit die Einzelstaaten den Ausfall bei den Rennvereinen in den Etat einstellen können. Im übrigen soll die Novelle zum Stempelgesetz, deren Beratung hiermit abgeschlossen ist, am 1. Juli 1900 in Kraft treten. Weiterhin wurde die Novelle zum Zolltarif unverändert in der Fassung erster Lesung bestätigt; dieselbe soll eben- wlls am 1.' Juli d. I. in Kraft treten. Damit hat die Kommission das Flottengesetz erledigt. Der Bericht über die Beratungen des Flottengesetzes wurde heute verlesen und genehmigt. — Nach einer Meldung aus Würzburg erhielt bei der Landtagswahl an Stelle des verstorbeiien Oertel, Dr. Freiherr Haller v. Haller stein (Sozialdemokrat) 161 Stimmen. Die Liberalen gaben 52 weiße Zettel ab. — Wie der „Börsen-Courier" berichtet, ist die von der Stempel-Vereinigung und dem Verein für die Interessen der Fondsbörse gewählte Deputation gestern vom Handelsminister Brefeld zu einer Besprechung empfangen worden. Tie Eindrücke, welche die Mitglieder der Deputation bei diesem zweieinhalb Stunden währenden Empfange erhalten haben, sind nach dem genannten Blatte als die denkbar besten zu bezeichnen. — Die „Nordd. Allg. Ztg." meldet: Sicherem Vernehmen nach ist die seit langer Zeit angestrebte Einigung über die Aufftellung gemeinsamer Grundzüge für die m e - dizinischen Promotionsordnungen sämtlick)er deutschen Universitäten durch eine Verständigung der beteiligten Unterrichtsministerien neuerdings zum Mschluß gekommen. Mit der getroffenen Vereinbarung hängt die im „Reichsanzeiger" vom 7. Mai d. I. zum Abdruck gelangte Bekanntmachung des preußischen Unterrichtsministers zusammen, wonach die an nichtpreußischen Universitäten des Reichsgebietes erworbene medizinische Doktorwürde im Sinste des § 2 des Kreisarzt-Gesetzes der von den preußischen Universitäten erteilten gleichgestellt wird, und mithin für die Anstellung als Kreisarzt in Preußen ein Unterschied in dieser Beziehung nicht mehr besteht. — 100 hervorragende Druckereibesitzer haben hier in einer Versammlung beschlossen, dem Publikum mitzuteilen, daß vom 1. Juni ab eine Erhöhung der Satz- und Druckpreise um 10 pCt. und eine Erhöhung der Papierpreise entsprechend dem jeweiligen Marktpreise eintreten werde. Einstimmig war man in der Versammlung der Meinung, daß die Truckereibesitzer zu diesem Schritte gezwungen feien, weil sie sonst nicht mehr existieren könnten. Es sind die angesehnsten Berliner Firmen, die sich zu diesem Schritte entschlossen haben, und es steht zu erwarten, daß in ben nächsten Tagen die anderen nennenswerten Buchdruckereien dieser Erhöhung zustimmen werden. Die in der Versammlung anwesenden Firmen verpflichten sich auch durch Unterschrift, während der Dauer eines halben Jahres Arbeiten, dre früher in anderen Druckereien hergestellt wurden, nicht zu übernehmen, sofern wegen der Preiserhöhung ein anderer Drucker gesucht wird. Ein Ehren- cht von sieben Buchdruckereibesitzern wurde gewählt, der rn zweifelhaften Fällen entscheiden soll, ob die Arbeit übernommen werden kann oder nicht. f en, 22. Mai. Aus Libyllenort wird amtlich gemeldet, bay sich bei dem K ö n i g A l b e r t nack) der Rück- ? t 00 or rX^€r Pürschjagb Blasenbeschwerden eingestellt haben. Auf ärztlichen Rat muß der König einige Tage das Bctt hüten. ES soll ein Spezia,arzt für Blasenleiden aus Berlin an das Krankenlager berufen werden. Karlsruhe, 22. Mai. Die Torpedoboot-Division tritt morgen' früh 9 Uhr 30 Min. die Rückreise nach Mainz an. Die Offiziere und ein Teil der Mann- fchaften wurden heute vom Großherzog empfangen. Kapitänleutnant Funke erhielt/ das Ritterkreuz 1. Klasse, die übrigen Offiziere das zweiter Klasse. — Bei dem heutigen F e st e s s e n, das die Stadt zu Ehren der Torpedoboot-Division gab, wurde folgende Antwort des Kaisers auf das gestrige Begrüßungsielegramm bekannt gegeben: „Eurer Kgl. Hoheit spreche ich meinen wärmsten Dank aus für die freundlichen Mitteilungen über den begeisterten Empfaäg, welcher meiner Torpedobootdivision in dem badischen Lande bereitet worden ist.. Ich habe mich sehr gefreut, daß auch Eurer Königlichen Hoheit Haupt- und Residenzstadt Karlsruhe es sich! nicht hat nehmen lassen, Offiziere und Mannschaften der Division, in ihren Mauern zu begrüßen und ein glänzendes Zeugnis von dem lebhaften und verständnisvollen Interesse abzulegen, welches die Herzen des badischen Volkes für unsere Flotte erfüllt. Die freudige Aufnahme, welche die Torpedoboot-Division auf ihrer Rheinfahrt überalt sgefunbew hat, bestärkt mich in der frohen Zuversicht, daß meine Bestrebung, Deutschland auch eine starke Kriegsflotte zu schaffen, dank der freudigen Mitarbeit des deutschen Volkes, unter Führung seiner erlauchten Fürsten, zu einem segensreichen Ziele führen werde. Ich bitte Eure Königliche Hoheit, auch der Bürgerschaft von Karlsruhe Meinen herzlichen Dank für ihre treuen Grüße zum Ausdruck zrh bringen. Wilhelm. Straßburg, 22. Mai. Bei dem Bürgermeister ist ein Telegramm des Kapitänleutnants Funke eingegangen, wonach die Fahrt der Torpedoboote nach Straßburg sich als unausführbar herausgestellt hat. Die Boote gehen morgen nach, Mainz. München, 22. Mai. Eine Rede, welche Prinz Ludwig in Straubing gehalten hat, wird hier wegen der auf das Reich bezüglichen Stellen sehr lebhaft besprochen. Die einen meinen, es handle sich um eine rednerische Entgleisung, andere meinen, der Prinz, der sich vor zwei Jahren mit so großer Zuversicht auf die ihm vom Kaiser bezüglich des Mainkanals/ gegebene Versicherung berufen hat, sei verstimmt, gewesen, daß es mit der Mainkanalisation nicht vorwärts gehe. Thatsache ist aber, daß eine Vers! n d i g u n g bereits erfolgt ist. Wieder andere meine", daß die Worte des Prinzen auf andere allgemeine politische Verstimmungen zurückzuführen seien, die gewissermaßen ungewollt zum Ausdruck gekommen seien. Man erinnert in dieser Beziehung an seine Moskauer Rede, auf die dann allerdings Kiel gefolgt ist. Im Grunde genommen, fanden alle Parteien in der Rede etwas, was ihnen unbequem ist.__________________ AsÄmÄ. London, 22. Mai. Das Kolonialamt ist feit einigen Tagen ohne Nachrichten von dem Gouverneur von Kumassi, der nach den letzten Meldungen von 10,000 Ashantis eingeschlossen war. Haag, 22. Mai. Die Zweite Kammer bewilligte einen Kredit von 1V2 Millionen fL, um die Bewaffnnng der Truppen durch ein neues Gewehr von 6ya mm Kaliber zu vervollständigen. Paris, 22. Mai. In der heutigen Kammerdebatte über die Interpellation Castellane, betr. die Wiederauf- nahme der DreyfuS-Angelegenheit und die all- gcmeine Politik der Regierung griff Paul de Cavaignac die Regierung heftig an, erklärte jedoch, er wolle das Kabinett nicht stürzen helfen, obgleich das mehr, als jede Oppositionspartei dazu beitrage, die Republik zu diskretieren. Waldeck-Rousseau antwortete, indem er die Politik der republikanischen Vereinigung befürwortete und verteidigte. Ribot griff ebenfalls die Regierung in einer längeren Rede an. Schließlich wird die einfache Tagesordnung, gegen welche die Regierung sich erklärt hatte, mit 298 gegen 250 Stimmen abgelehnt und alsdann eine Tagesordnung, in welcher der Regierung das Vertrauen ausgedrückt wird, mit derselben Mehrheit angenommen. In den Wandelgängen der Kammer wird über diesen Sieg des Kabinetts über die Reaktion lebhaft diskutiert. — Der „Eclair" berichtet, daß der Minister des Innern an der Wiederaufnahme der DreyfuS-Angelegenheit insofern arbeite und den augenblicklichen Waffenstillstand während der Ausstellung benutzen wolle, die Dreyfus'Affaire wieder auferstehen zu lassen. Die Sicherheits-Polizei verhandle mit Persönlichkeiten, die von dem Agenten ThompS beauftragt waren, Zeugen ausfindig zu machen, um eine Kassierung des Urteils spruches von RenneS veranlassen zu können. Madrid, 22. Mai. Der „Heraldo" berichtet, daß außer der Heirat der Prinzessin von Asturien mit dem Prinzen Karl von Caserta auch die der Infantin Maria Theresa, der zweiten Tochter der Königin, mit dem Erzherzog Ferdinand Karl von Oesterreich bevorstehe. Beide Hochzeiten sollen am selben Tage erfolgen. Bern, 22. Mai. Am Geburtstag des Königs Humbert brachte die hiesige italienische Musikgesellschaft „Filarmonica" dem hiesigen italienischen Gesandten Riva eine Ovation. Italienische Sozialisten kamen hinzu und riefen in Gegenwart des italienischen Gesandten: „Nieder mit dem König, nieder mit der Gesandtschaft, nieder mit den Mördern!" Infolge dieser Affaire hat der Bundesrat die Ausweisung der in Bern wohnenden Italiener Cattaneo, Moroni und Sarcinelli verfügt. Wien, 22. Mai. Wie von informierter Seite verlautet, wird die Gräfin Lonyay infolger hoher Vermittelung demnächst mit ihrem Vater, dem König der Belgier, eine Zusammenkunft in Paris haben. Nach dieser Zusammenkunft soll dieselbe die Erlaubnis erhalten, den Titel „Königliche Hoheit" zu führen und eine Einladung zum Besuch der königlichen Familie nach Schloß Laeken erhalten. — Wie verlautet, soll am Pfingstsonntag die Verlobung des Erzherzogs Franz Ferdinand mit der Gräfin Sophie Chotek amtlich publiziert werden. Die Hochzeit soll zwischen dem 15. und 22. Juni in aller Stille stattfinden. Das neuvermählte Paar wird seine Residenz im Belvedere stattfinden. Budapest, 22. Mai. Im Laufe der Beratung des Ordinariums des Heeresbudgets antwortete der Reichskriegsminister auf einzelne Fragen und erklärte, auf die angeregte zweijährige Dienstzeit könne die Armeeverwaltung nicht eingehen. Dies mache schon der sehr verschiedene Bildungsgrad der Bevölkerung unmöglich. Der Berliner Goethebuud und die Lex Heinze. Berlin, 23. Mai. Eine Versammlung von über 6000 Personen aus alle« Ständen füllte den Zirkus Renz bis zum letzten Plan Der Vorsitzende, Herm. Sudermann, eröffnet die Versammlung und begründet, warum der Goethebund obnn die Politiker entstanden sei. In diesem Augenblick kommt Mommsen. Sudermanns Rede wird von minutenlangem, stürmischem Beifall unterbrochen, bis Mommsen: persönlich gedankt. Der erste Redner Franz v. Liszt will nicht als Jurist, sondern als Mitbürger den Geist des Banausentums in der-Lex Heinze brandmarken. Er bezeichnet es als eine Aufgabe der Zukunft, das Pulver trocken zu halten. Reichstagsabgeordneter Schrader will nicht mehr böses über Tote sagen, als durchaus notwendig ist. Er begründet das äußerste Mittel der Ob- sttuktion, erörtert, was von der Lex Heinze übrig geblieben und fordert zur Weiterführung des Kampfes auf. Redakteur D e r n b u r g , namens der Presse, begrüßt die Frauen, die von den früheren Versammlungen ansge-. schlossen waren. Er erinnert an den heutigen Geburtstag Wagners. Abg. Tr. Müller- Mettttngen faßt die stürmische Begrüßung seiner Person als einen Protest gegen Gröber, Roeren und Stöcker auf. Er will als Zahnarzt dem Drachen die Giftzähne ausziehen, charakterisiert den berühmten Normalwemschen und macht Propaganda für den Goethebuud, der bislang negativ gewirkt und jetzt offensiv vor gehen werde. Die schlauen Teufel müssen vermehrt werden, damit die dummen Teufel. Stöckers Leibgarde, zu des Teufels Großmutter geschickt werden. Schließlich richtet er einen lebhaften Appell an die akademischeJugen d, auch an die Jugend de« Gewerbetreibenden und der Arbeiter. Abg. Heine begann mit den Worten des Boten von Marathon: Wir haben gesiegt? Es war ein Kampf gegen eine ungeheure Ueberzahl des Barbarentums. Die Unterlegenen haben nichts gerettet, am wenigsten die Ehre. Das Restchen von Theaterparagraph sei ein altes Geschütz, das vorher vernagelt worden sei. Der Kampf gegen den Heinze- geist müsse fortbauern, denn heute schon sei der Nörmal- mensch durchs Reichsgericht eingeführt. Der Goethebund möge die Heinzemänner lehren, sich noch mehr zu schämen. Heine schließt ferne Rede mit Huttens Wort: Ich Habs gewagt und meine Fehde, sie währet fort. Der letzte Redner, Ernst v. Wolzogen, beginnt! witzig, in feiner nackten Freiherrlichkeit wolle er der Freiheit und Herrlichkeit der Kunst Worte widmen. Der Sieg fei im Zeichen Goethes, des großen Antiphilisters, errungen, jetzt war's nur ein Polterabendscherz. In seinem Schlußwort sagt Sudermann, eine Art von Frühling sei heute über Deutschland gegangen. Die erste Aufgabe habe der Goethebund gelöst. Folgende Resolution wurde einstimmig angenommen: „Die Versammlung nimmt mit lebhafter Befriedigung Kenntnis von der glücklichen Wendung, welche dev Kampf gegen die kunstfeindlichen Tendenzen der Lex- Heinze durch das kraftvolle Eingreifen der links stehenden Parlamentsparteien erfahren hat, und spricht ihnen hierfür ihre wärmste Dankbarkeit aus. Sie ist überzeugt, daß dieser Versuch, das deutsche Geistesleben! dunkelmMMischem Wesen auszuliefern, nicht der letzte, bleiben wird, und giebt der zuversichtlichen Erwartung! Ausdruck, daß die aus den verschiedensten Heereslagernj stammenden Bundesgenossen in Volk und Parlament, die dieser jüngste Vorstoß einer freiheitsfeindlichen Geistesrichtung zu einander geführt, auch künftig in einmütiger Gegenwehr beisammen stehen werden." Hochrufe auf Sudermann und Heine setzten sich bis auf die Straße fort_________________ Aus Stadt und Sand. ** Wieder steht das HimmelfahttSfest vor der Thür. Hunderte von Wirten harren der Gäste, taufende erholungsbedürftiger Menschen des freien TageS. Werden sich die Erwartungen der einen, die Hoffnungen der anderen auch erfüllen? Wird das Wetter uns keinen Strich durch die Rechnung machen und uns gar statt des Festtages einen verregneten Trauertag bescheren? Werden die Schinken und Braten, die Würste und Käse und die Kaffeekuchen, die die Restaurateure zurichten, ungegessen, die Biere und Kaffees ungetrunken und die Festkleider im Schranke hängen bleiben, indes die Wirte und die zu Haufe gebliebene Menschheit mit stillem Vorwurf zum Himmel emporstarren und aus grauen Wolken endlosen Regen niederriefeln sehen? Oder wird das heutige leichte Gewölk sich teilen und eine rechte, goldene HimmelfahrtSfonne herniederlachen auf glückliche, fröhliche Menschenkinder, die die Lust des Feiertages mit vollen Zügen genießen? Wer will heute schon sagen, wie es kommen wird. Das Wetter in diesem Frühjahr ist unberechenbar und macht vielleicht schon heute nachmittag alles zu Waffer, sodaß sich dann der Antrag auf Feldbereinigung deS links der Lahn gelegenen Teiles der Gemarkung Gießen, der heute unseren Stadtvätern vorliegt, ganz von selbst erledigt ! — Bereinigungen und Reinigungen liegen jetzt überhaupt sehr nahe. Es ist jetzt eine Lust, in den Fluten der offenen Lahn seine Glieder zu reinigen. Hoffentlich wird nächstens auch der Volks garten von den ewigen Umbuddeleien gereinigt und man kann wieder fröhlich und getrpft in ihm wandeln. Der R e i ch s t a g ist von derLexHeiuze gereinigt worden, und aller Blicke richten sich feit einigen Tagen auf den Rhein, auf dem die Torpedoflottille herumgondelt, und nach des RheingauS Hauptstadt, nach Wiesbaden, zn den Maisestspielen, wo man sich wieder einmal um Lauffsche Kunst erhitzt, während in London das heftige Mafekingfieber hitzig durch die sonst so kühlen Adern John BullS tobt. AufdemsüdafrikanifchenKriegSs chauplatze geht's z.Z. weniger hitzig zu, und keinem deutschen Quintaner- Herzen macht's heute Spaß mehr, im Kriegsspiele den Bur vorzustellen. Dieser Krieg, in dem anfangs so viel Maulheldentum sich hervorthat und soviel Maultierblut statt Heldenblut den goldhaltigen Boden rötete, verläuft nach dem Empfinden unseres Herzens allgemach gar zu tragisch. Weniger tragisch war der Ausgang des Krieges, der in der * die Aeichshauptstadt entbrannt war um die Große Straßenbahn, in deren Geheimnisse wir schlichten Provinzler allerdings nicht genügend blicken können. Von den Existenzen, die dabei zum Vorschein kamen, kann man auch sagen, wie er in dem schönen Kouplet heißt: „Das find Spezialitäten Unsrer Refidenzstadt Berlin, Raritäten, Varietäten, Wie sie nirgends anders erblüh«. Mancherlei trübe Dinge, häßliche Dinge sind's, die wir hier und da um uns erblicken. Wie gut ift es doch, daß da das Himmelfahrtsfest kommt und uns unsere Blicke aufwärts richten läßt, himmelan, wo hoch über allem wüsten Erdentreiben das herrscht, nach dem die strebende, ringende Seele sich sehnt: Reinheit, Klarheit und Wahrheit! _________ 4- Viehmarkt. Der gestrige Viehmarkt hatte einen Austrieb von ca. 1000 Stück Rindvieh. Gegen alles Erwarten entwickelte sich der Handel sehr rege, trotzdem die Futteraussichten bei dem trockenen Wetter sehr schlechte fmb. Der Markt wurde überaus günstig beeinflußt durch den Bedarf an guten Milchkühen für die Badeorte. Das Geschäft in Jung- und Zuchtvieh litt allerdings sehr unter der ungünstigen Witterung. Wieder hatte der Vorhandel dem Markt das schönste Vieh entzogen. Die sehr gesuchten Oststiesen waren von den Händlern vor dem Markt zu guten Preisen abgesetzt. Einzelne Exemplare wurden dabei bis nahe an 500 Mk. bezahlt. — 1. Qualität Milchkühe wurden am Markt mit 400^ 450 Mk. bezahlt, Mittelware, die ebenfalls stark begehrt war, mit 300—350 Mk. gehandelt. Heitere Tiere, die bei unseren Märkten im allgemeinen nur schwer unterzubringen sind, erzielten bessere Preise als sonst. V-—'/»'jähriges Jungvieh zur Zucht kostete 70 bis 80 Mk. per Stück. Die Preise für Schlachtkälber hielten sich auf der alten Höhe. Turnerisches. Am Himmelfahrtsmorgen findet auf drm DünSberg eine Zusammenkunft von Vertretern der Turnvereine aus Gießen, Marburg und Wetzlar statt. ** Deutscher Flottenverein. Gestern abend hielt der Provinzialausschuß Oberhessen des deutschen Flottenvereins Unter dem Vorsitz des Geh. Hofrats Prof. Oncken im Cafee Ebel seine satzungsgemäße Jahresversammlung ab. Aus dem Rechenschaftsbericht geht her^ m, daß der Ausschuß auf ein über Erwarten günstiges Vereinsjahr zurückblickcn kann. Durch die Einzelagitation des Schriftführers, Eisenbahnsekretärs Blum, waren schon vor Gründung des Provinzialausschusses rund 750 Mitglieder gewonnen worden. Zur Propagandaspende gingen 1406 Mark ein, wovon 1000 Mark nach Berlin ab- gesührt wurden, während 406 Mark zur Deckung eigener Nrikosten der Sektion verblieben. Im ganzen wurden bis jetzt nach Berlin 2500 Mark abaeliefert. Dem Verein verbleibt noch ein Bestand von runo 821 Mark, ohne die neuen Mitgliederbeiträge für 1900, die nächstens hinzukommen werden, Bon 20 000 Exemplaren Druckschriften wurden vsm Schriftführer 18 500 verteilt; der Rest soll für neu- eirrtretende Mitglieder verbleiben. An Petitionen sind von brr Sektion Oberhessen allein 90 mit 1600 Unterschriften nach Berlin abgeliefert worden, abgesehen von den vielen Petitionen, die von den Ortsgruppen und Vertrauensmän- txeni direkt nach Berlin oder München gesandt sind. Mgenblicklich zählt der Verein 2471 Einzelmitglieder und eine große Anzahl von Vereinen mit ca. 1200 Köpfen. — Außer dem Agitationsvortrag des Marinepfarrers Heims iir Gießen selbst wurden vom Schriftführer 14 auswärtige Vorträge gehalten, und zwar zwei in Klein-Lmden, zwei in Großen-Linden, je einer in Allendorf a. d. Layn, Lang- vöns, Holzheim, Rödgen, Lauterbach, Schlitz, Brauer- tchwend, Zett, Grünberg, Londorf. Diese Vortrage haben sich als außerordentlich wirksam gezeigt und zur Erwer- bima neuer Mitglieder erheblich beigetragen. Nach Ablegung des Rechenschaftsberichts wurde dem Schriftführer einstimmig Entlastung erteilt und ihm der Dank des Provinzialausschusses für seine überaus mühevolle, aber auch dementsprechend erfolgreiche Thätigkeit ausgesprochen. —I Der letzte Punkt der Tagesordnung, die Neuwahl des Vorstandes, ergab die einstimmige Wiederwahl des bisherigen, die aus Antrag des Geh. Rats Pros. Dr. Gasfky durch 3wnif ausgesprochen wurde. Darmstadt, 22. Mai. Der Großherzog traf heute früh 9 Uhr, begleitet von Rittmeister Kraemer, auf dem Truppenübungsplatz bei Griesheim ein, um der Besichtigung von zwei Bataillonen des 5. Großh. Infanterie- Regiments Nr. 168 und zwei EskadronS des 1. Großh. Dcaq.-RegtS. (Garde-Drag.-RgtS.) Nr. 23 durch den Inspekteur der 3. Armee-Inspektion, General Feldmarschall Graf v. Waldersee beizuwohnen, und kehrte um 12 Uhr uach Wolfsgarten zurück. — Gestern trafen Graf und Gräfin zu Erbach-Schönberg auf Jagdschloß Wolfsgarten ein, nahmen an dem Lunch teil und reiften im Laufe des Nachmittags wieder nach Schönberg zurück. Mainz, 22. Mai. Die Militärbehörde will den Schießplatz der Mainzer Schützengesellschaft rur Vergrößerung eines benachbarten Exerzierplatzes verwenden. Zur Einigung über den Erwerb des Schießplatzes kam es nicht, die Militärbehörde drohte mit dem Cnteig- lungsverfahren, die Schützengesellschaft rief die Vermute, lang des Provinzialdirektors Frhrn. v. Gagern an. Dieser riet, der Verein möge der Militärbehörde Vorschlägen, daß sie der Schützengesellschaft ein gleichwertiges Gelände wie den Schießplatz überweife. Dies Anerbieten vurde von der Militärbehörde abgelehnt mit der Erklärung, das Enteignungsverfahren nehme seinen Gang. Krafdorf, 22. Mai. Der am Sonntag von Dr. Per- secke-Wetzlar abgehaltene Vortrag über landwirtschaftliche T aqessraaen, wobei besonders die zweckmäßige Verwendung von Kunstdünger und Saatgut behandelt wurde, erntete eichen Beifall. Eine lebhafte Besprechung fand sodann die Frage über die zweckmäßige Verwertung der Milch, was ben allgemeinen Wunsch zur Folge hatte, der Gründung einer Genossenschafts-Molkerei baldigst näher zu traten. IÄ. i vor iti 'M« wfenfcttW fttta Mfcl1 dn anderen ck । 6tri< durch s i Festtages ciw en die W* Kirre und W Mene MM * ein $ N Md ««'* !tn «fÄ !tf ,, I MÄ W l«9« $ \ sL: wieder et Her 5T*$ le«- ««A w* von Ä ’ bis v. den 5 das Mittel bei ■ * übrig (i MPfesL mf be0tÜBt ! Ölungen 4 Mm J At die fZ 1 Protest £ n Sanier? ^kterisiert $ Propaganda fr » »ith y e Iwenta Wen i,ni(, ffiutter qeife Hüsten CpH 1 die Jugend K erter. i des Boten em Kamps geoi lms. Die Unir m die Ehre.fr tes Geschütz, >egen den sei der Ter Gochivi * iuffar. Wort: ZM >oaen, beginnt 'olle er bei M ’m. TerSiti chWers, er- 4 Zn seinem von Frühling erste Ausgabe olution wurde cher Bestieding, welche der nuen her Lex ■ links stehen- spricht ihnen Se ist it eMMben M der letzte chen Erwartung en yeereslagm imb Parlament eihcksseindlichen ch künstig in einwerden." etzten sich bis am ** Kleine Mitteilungen aus Hefleu und den Nachbarstaaten. Am Freitag findel Ersatzwahl für den verstorbenen Landtagsabgeordneten Breimer tn Beerfelden statt. Als Kandidaten sind die Herren Schneidmühlbesitzer L. Schubart von hier und Hartmeier von Neckarsteinach vorge- chlagen. Ersterer dürfte voraussichtlich den Sieg davontrageu. — In Nieder-Wiesen bei Alzey fand am letzten Sams■ tag ein Familienstreit mit rötlichem Ausgange statt. Der Landwirt Geyer spaltete bei einem Wortwechsel seinem Schwiegersöhne Meyer mit der Holzaxt den Kopf, sodaß Meyer noch am selben Tage verstarb. Der Thäter wurde tn das Untersuchungsgefängnis nach Mainz gebracht. — Bon feinem Truppenteil der 3. Kompagnie vom Leibregiment Nr. 115 in Darmstadt hat sich der Gardist Bollhardt eit vier Tagen heimlich entfernt und wird von den Militär- und Zivilbehörden gesucht. Temperatur der Lahn und Luft nach Reaumur gemessen am 23. Mal, zwischen 11 und 12 Uhr mittags Wassir 14», Luft 17°. Rüosamen'lch^Badeanstal 1- Vermischtes. • Ein Zusammenstoß zwischen einem Torpedoboot und einer Dampfpinasse hat im Kieler kriegshafen stattgefunden. Cs wird darüber berichtet: Arn Montag erfolgte auf dem Kriegshasen eine Kollision zwischen dem Torpedoboot >9 44 und der ersten Dampfpinasse des großen Kreuzers „Vineta", wobei die Pinaffe durchschnitten wurde, und binnen 3 Minuten sank. Menschenleben sind nicht zu beklagen. Die Besatzung der Pinaffe wurde vom Torpedoboot aufgenommen. Die gesunkene Pinasse der „Bineta" befand sich auf der Fahrt vorn Kreuzer zur Reventlowbrücke, als das Torpedoboot 8 44 aus dem Schutzhafen am Düsternbrook herauskam. In der Dunkelheit wurde die Annäherung erst bemerkt, als ein Ausweichen unmöglich war. Nach der Pinasse, die zu den Dampfbeibooten 1. Klasse gehörte, wird von Tauche n gesucht. Der Unfall hat eine weitere Verzögerung in der Abreise des Kreuzers zur Folge. * Dresden, 22. Mai. Eine große Feuersbrunst hat in der vergangenen Nacht einen bedeutenden Teil der Fabrik der Gebrüder Barnewitz zerstört. Außer den Gebäuden sind auch bedeutende Warenvorräte und Modelle vernichtet. Der Schaden ist sehr beträchtlich. Ein Feuerwehrmann ist bei den Löfchungsarbeiten verunglückt. Wo Kinder find, sollte der aufregende Bohnenkaffee verpönt sein, zum mindesten aber sollte der Kaffee mit einem Zusatz von Kathreiners Malzkaffee bereitet werden, weil das Malz die Wirkung des Coffeins wenn nicht ganz aufhebt, so doch wesentlich abschwächt. Wegen seines hohen Wohlgeschmackes gewinnt Kathreiners Malzkaffee auch als vollständiger Kaffee-Ersatz immer mehr Verbreitung. Jagd und Sport. Mainz, 20. Mai. Begünstigt vom schönsten Sportwetter, fand heute auf dem Sportplatz ein internationales Radrennen statt. Die einzelnen Felder des Rennens wiesen eine recht gute Besetzung auf. Der Verlauf derselben war folgenbet: I Hauptfahren fürHerren- fahrer, 2000 Mtr., 3 Ehrenpreise. Nach 4 Vorläufen und 1 Be- fähiaungslauf: 1.1. Bettinger-Ludwigshafen, 2. G. Möder-Frankfurt a M., 3. A. Gottron-Mainz. II. Hauptfahren für Berufsfahrer, 2G00 Mtr , 3 Geldpreise: 200 Mk., 100 Mk., 50 Mk. Nach 3 Vorläufen 1 Befähigungslauf: 1. W. Arend, 2. Dirheimer-Straßburg, 3. O. Meyer- Ludwiqshasen. III. Vorgabefahren für Herrenfahrer, 2000Mtr., 3 Ehrenpreise. 1. C. Duill-Gießen (16 Mtr4, 2. Gottron-Mainz (0 Mtr.), 3. Möder-Frankfurt a. M. (10 Mtr.) IV. Vorgabefahren für Berufsfahrer, 2000 Mtr., 3 Geldpreise: 80 Mk., 40 Mk., 20 Mk. 1. Schilling-Amsterdam, 2. Meyer-Ludwigshafen, 3. Dirheimer-Straßburg. V. Tandemhauptfahrer für Herrenfahrer, 2000 Mtr., 3 Ehrenpreise. 1. Gottron-Fries, Mainz, 2. Duill- Görtz, Gießen, 3. Höflinger Bettinger, Ludwigshafen. VI. Tandemhauptfahren für Berufsfahrer, 2000 Mtr., 3 Geldpreise: 120 Mk., 80 Mk., 40 Mk. 1. Meyer-Ludwigshafen—Kirchert-Mannheim, 2. Arend- Hannover—Dirheimer-Straßburg, 3. Schilling-Amsterdam—Porte-Berlin. Arend protestiert bei diesem Rennen gegen Meyer wegen Schneidens. Der Protest wird als begründet anerkannt und sollte zwischen den zwei ersten Paaren nochmals ein Laus auf 1000 Mtr. flattfinben. Da Meyer-Ludwigshafen darauf nicht eingeht, wird dem Paar Arend- Dirheimer der 1. Preis zugesprochen.___________ Kunst und Wissenschaft. Die 30. Generalversammlung der Gesellschaft für Verbreitung der Volksbildung ist in Heidelberg am 19. d. M. von dem Vorsitzenden der Gesellschaft, dem Reichs- und Landtagsabgeordneten Rickert, eröffnet. Cs waren etwa 180 Personen erschienen, darunter Vertreter der Stadt, der Universität, des Bezirksamtes, ferner des hessischen Ministeriums des Innern, einer Reihe auswärtiger Behörden, Korporationen und Verbände. Die badische Regierung hatte eine Beschickung der Versammlung abgelehnt. Oberbürgermeister Dr. Wilckens begrüßte die Versammlung namens der Stadt Heidelberg, Prof. Dr. Osthoff namens des Ortsausschusses und des Ausschusses der Volkshochschulkurse und Oberlehrer Backes-Darmstadt namens des geschäftsfahrenden Ausschusses des Deutschen Lehrervereins. Der Vorsitzende erstattete Bericht über die Thätigkeit der Gesellschaft. Prof. Dr. Rem- Jena referierte über die Volkshochschulkurse, dem sich Stadtrat Dr. Flesch aus Frankfurt a. 3Jl. als Korreferent anschloß. In der Mitgliederversammlung sprach Abg. Rickert über „Volksbildung und Kriminalistik^, das den Anteil der Volksbildung an der sittlichen Entwickelung des Volkes behandelte, sodann Prof. Dr. Kühn-Wiesbaden über den Verkauf guter und billiger Volksschriften, und Landwirt Georg Grünewald-Lengfeld über die Bildungsarbeit auf dem Lande. Das hessische Ministerium des Jnuern hat sich als Mitglied der Gesellschaft angemeldet. , . Professor Gustav Graben-Hoffmann, der Komponist deS allbekannten Liedes „500 000 Teufel", ist in Potsdam gestorben. Graben-Hoffmann war 1820 geboren. Aus New-York wird gemeldet: Prof. Roentgen erhielt die Barnardsche Goldmedaille. Kirchliche Nachrichten. Evangelische Gemeinde. In der Stadttirche, Am 2. PfinMeierlag findet Beichte und Herl. Abendmahl für Matthäus- und Markusgemeinde im Vormittagsgottesdienst statt. Anmeldungen vorher bei dem Pfarrer jeder Gemeinde erbeten. In der Joharm-Sttrche. Am 2. Pfingftfeiertag findet Beichte und Herl. Abendmahl für die LukaS- und die Johannesgemeinde im Vormrttagsgottesdrenft statt. Anmeldungen vorher bei dem Pfarrer jeder Gemeinde erbeten. Ärmste Meldungen. Berlin, 23. Mai. Der Seniorenkonvent des Reichstages wird heute zusammentreten, um über die nächsten Geschäfts-Anordnungen bis zum Eintritt der Pfingstferien zu beraten. Man neigt dahin, noch die Unfall - V e r s i ch e r u n g s g e s e tz e durchberaten zu wollen und würde, wenn diese Absicht durchdränge, bis zum 30. d. M. Plenarsitzungen abhalten. Die zweite Beratung der Flotten-Vorlage und der 'Gesetzentwurf betreffend die Aenderung des R eichs st e m p e l g e s e tz e s würde erst nach Pfingsten im Plenum stattfinden, wenn auch der Bericht über den,' letzteren vor den Ferien fertig gestellt sein würde. Berlin, 23. Mai. Zum 700 jährigen Bergmannsfest trifft der K a i s e r am 12. Juni inHe11stedt beziehungsweise in Eisfeld ein. . Berlin, 23. Mai. Wie von verschiedenen Setten gemeldet wird, isls das Zentrum in der Angelegenheit der LexHeinze nur einem starken Druck des Präsidenten Grafen Ballestrem gewichen, der den Führern der Partei die bestimmte Erttärung abgab, daß er bei Ablehnung feines Vorschlages das Präsidium n i e d e r l e g e n werde. , Wien, 23. Mai. Kaiser Wilhelm kommt mit dem Kronprinzen im September nach Wien. Budapest, 23. Mai. In dem Steinkohlenbergwerk der Wiener Dampftchiffahrtsgesellschaft zu V a s a s erfolgte eine Explosion schlagender Wetter. DreiBergleute wurden getötet, mehrere leicht verletzt. Paris, 23. Mai. Die gestrige Kammersitzung wird als ein erfreulicher Sieg der Republikaner der koalierten Reaktion angesehen. Eine W i e d e r a u f n a h m e der Dreyfus-Affaire wird allgemein, insofern die fetzrge Regierung als Mithelferin an der Rehabttttrerung Dreysus in Betracht kommt als a u s g e sch l o sfn betrachtet Montreal, 23. Mai. Erne heftige F euer s- b r u n st verstörte Point Claire, das an den Ufern des St. Flusses lieat und größtenteils von französischen ^nadier/bewohnt ist.' 300 Personen sind obdachlos, iev Schaden wird auf 200 000 Dollar geschätzt. Gerichtssaal. ^.Gießen, 22. Mai. Strafkammer. Aus der Untersuchungshaft wird der bereits siebenmal, darunter fünfmal wegen Diebstahls beziehungsweise schweren Diebstahls vorbestrafte zweiundreißig jährige Dienstknecht Christian Schmidt aus Frankenbach, zuletzt in Gießen wohnhaft, vorgeführt, um sich wegen eines wetteren Diebstahls zu verantworten. Schm, hatte am 26. März in einer hiesigen Wirtschaft am Riegelpfad die kurze Abwesenheit der Wirtin benutzt, eine angebrochene Cigarrenkiste ihres Inhalts zu entledigen. Da sich außer ihm niemand in der Wirtsstube befand, so wäre der Diebstahl vielleicht unentdeckt geblieben, wenn sich nicht ein neuer Gast eingefunden hätte, der eine von den Cigarren wünschte, die der Angeklagte sich angeeignet hatte. Als die Wirtin in die Cigarrenkiste langte, fand sie diese leer, und erklärte dem Angeklagten ohne jegliche Umschweife, daß er die Cigarren gestohlen habe. Diese Beschuldigung wurde zwar mit aller Be« stimmtheit in Abrede gestellt, doch fühlte sich der Beklagte später bewogen, die gestohlenen 45 Cigarren der rechtmäßigen Eigentümerin zu- rückzugeben. Er erhält trotz des Rückfalles mit Rücksicht auf ben geringen Wert des gestohlenen Gegenstandes eine Gefängnisstrafe von 4 Monaten. Schöffengericht. Ein hiesiger Fabrikant hatte in einer RekurS- schrift vom 31. Juli v. Jrs. die von polizeilicher Seite gegen ihn getroffenen Maßnahmen einer scharfen Kritik unterzogen, und das Vorgehen seitens des betr. Polizeibeamten, der inzwischen versetzt worden ist, mit dem Ausdruck „skandalös" bezeichnet. Er hatte sich zur Abfassung OlYVfcAM^- WVVC) ikuA in tiynet 3Cvtcfv,»,ch trfr.n) in W*n Älietgeluche Strlieii’^eßidje lifrrrijiriifnc5 Vereine Vermietungen nach Nauheim, Friedberg auf den Winterstein. Näheres über die Abfahrt in der Steins Garten, Giessen Crchr, schult!,er Garten. Kelle und Müilcheuer Biere. Auerkuunt mögliche Küche uiijwiiyv«! v, versteigert der Unterzeichnete au Antrag der Philipp Bast Erben in Hungen öffentlich meistbietend gegen Barzahlung nachverzeichnete Gegen- künde: Bekanntmachung. Die Königliche Generalkommisfion in Düsseldorf hat den Sprzial- kommissar Herrn Schlüter mit der Leitung des Verfahrens der wirtschaftlichen Zusammenlegung der Grundstücke der Gemeinde Krofdorf- Gleiberg beauftragt, was ich hiermit zur Kmntnis der Interessenten bringe Krofdorf, den 19. Mai 1900. Grobherzogliche Bürgermeisterei Gießen. Gnauth. 02265] Zwei junge Foxterrier zu Verkaufen. Heinr. Feiling, Atzbach Nr. 85 Der Bürgermeister. Lichtenthaeler. Buchbinder, jüngerer, fucbt Stellung. Gefl. 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Neligiovsgesellschast. ____________ I Grünewald. Bekanntmachung, betreffend: Die Verwertung der Grasnutzung voa den städtischen Feldwegen rc. in der Gemarkung Gießen. Die rubr. Grasnutzungen sollen Dienstag den SS. Mai 1900 versteigert werden und zwar: nachmittags S Uhr, im Hos des Bürgermeistereigebäuder, von sämtlichen städtischen Feldwegen; nachmittags 4 Uhr, von dem Niederdruckbehälter am Lutherberg und von dem oberen Teile des Friedhofes mit Zusammenkunft an Ort und Stelle; und nachmittags 5 Uhr, von dem städtischen Gelände des neuen Friedhofs am Rodberg mit Zusammenkunft an Ort und Stelle. Gießen, den 23. Mai 1900. Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme an dem schweren Verluste, der uns betroffen hat, sagen wir auf diesem Wege unseren innigsten Dank. Elise Bramm und Familie. 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