1900 Zweites Blatt Amt— und Anzeigeblatt für den Tlrei» Gieren Mittwoch den 24. Januar Bezugspreis Vierteljahr!. Mk. 2,20 monatlich 75 Pfg. mit Bringcrlohn; durch die Abholestelle» vierteljährl. Mk. 1,90 monatlich 65 Pfg. Bei Postbezug Mk. 2,40 vierteljährl. mit Bestellgeld. Alle Anzeigen-Dermittlungsstellen deS In- und Ausländer nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger entgegen. Zeilenpreis: lokal 12 Pfg., auswärts 20 Pfg. •tebeltien, Expedition und Druckerei: Kchutstraße Ar. 7. abgeschafft werden müßten. Es sei unerhört, daß die Arbeiterschaft nicht organisiert werden könne. In der ganzen Vorlage komme die Verbeugung vor dem Zentralverbande deutscher Industrieller zum Ausdruck. Staatssekretär Gras Posadowsky äußert seine Ge- nuathuung darüber, daß anerkannt werde, welche Fort- chritte die Vorlage enthalte. Dem Abg. Stadthagen, der wünsche, daß dem Arbeiter sein volles Privatrecht zugut komme, dem Unternehmer aber nicht, indem dieser auch ohne jedes Verschulden zahlen solle, wolle er, Redner, erwidern, darauf werde weder die Regierung, noch, wie er glaube, die Mehrheit des Reichstages eingehen. Wenn man wünsche, daß die Unfallfürsorge für Gefangene den betreffenden Unternehmern aufgebürdet werde, so solle man doch bedenken, daß dann die Unternehmer einfach die Löhne an die Gefangenen entsprechend herabsetzen wurden. Auf eine anderweite Regelung der Karenzzeit bitte er dringend, hier zu verzichten und die Sozialdemokraten ersuche er, die Verabschiedung dieses Gesetzes nicht zu sehr zu erschweren. w , Das Haus vertagt alsdann, die Weiterberatung auf morgen 1 Uhr. Schluß 6 Uhr 15 Min. Gratisbeilagen: Gießener "Familienblätter, Der hessische Landwirt, Mittler für hesslsche Volkskunde.__________________ Adrefse für Depeschen: Anzeiger Hieße«. Fernsprecher Nr. 51. * Vorn Kriegsschauplatz. Es ist unmöglich ein vollständig genaues Bild von den Operationen nördlich des Tugelaflufses zu entwerfen, da die in den vorliegenden Telegrammen angegebenen Ortsbezeichnungen auf den Karten fast ohne Ausnahme nicht zu finden sind. So viel aber läßt sich sagen, daß die beiderseitigen Streitkräfte an verschiedenen Punkten schon hart aneinander geraten sind und daß am Sonnabend den ganzen Tag über schwer gekämpft worden ist, ohne daß es den Engländern gelungen wäre, eine der 5>auptpositionen der Buren zu nehmen, ja nach der Privat-Meldung aus Londoner Kreisen war General Warren von Alton Homes nach Süden auf das nördliche Ufer des Tugela zurückgeworfen worden. General Warren hat die Aufgabe, mit dem linken englischen Flügel den rechten der Buren via Alton Homes zu umgehen, während der rechte Flügel der Engländer (General Lyttle- ton) die Potgieters (Wagon) Drift zu decken hat und das Zentrum zum Vorstoß direkt auf Ladysmith beordert ist. Bis jetzt scheint nur Warren, unterstützt durch General Clery, und eine die Buren vor Potgieters-Drift in Schach haltende Bewegung Lyttleton's im Feuer gestanden zu haben. Er hat „einen Bergrücken nach dem andern genommen", die „wichtigste Position liegt aber noch vor ihnen". Die Verluste der Engländerr sind bereits bedeutende. Am Venterspruit (südlich von Alton Homes) verlor Warren nach amtlicher Angabe 290 Verwundete (darunter 11 Offiziere), Lyttleton ^bei seiner Rekognoszierung an der Potgieters Drift 16 Tote, Verwundete und Vermißte, das sind zusammen 306, wobei Warrens Tote noch nicht mitgerechnet sind, da ihre Zahl noch nicht feststeht. Wenn General Buller telegraphiert, bis Sonnabend abend sechseinhalb Uhr seien „etwa 100 Verwundete" nach Spearmans Lager gebracht worden, so ist das natürlich keine abschließende Angabe. Haben die Engländer aber schon beim ersten Ansturm, beim Angriff aus die vorgeschobenen Positionen Schalk Burgher's so empfindlich gelitten, was mag ihnen erst bevorstehen, wenn ihre Kavallerie und Infanterie gegen die eigentlichen Verteidigungszentren der Buren vorgehen werden'. Zweifellos ist die Lage der vereinigten Republikaner keine besonders beneidenswerte, da sie nicht nur dem Entsatzheer Bullers entgegenzutreten, sondern auch gegen Eo- lenso auf der Wacht stehen, die nach dem Orangestaat führenden Pässe besetzt halten und die Cernierung und Beschießung von Ladysmith aufrecht erhalten müssen. Wenn General White gehofft hatte, schon durch den Anmarsch Bullers Luft zu bekommen, so hat er sich getauscht, die Buren sind weit entfernt davon, den Gürtel um ein paar Löcher weiter zu schnallen, vielmehr haben sie neues Geschütz aufgefahren und bombardieren Lager und Stadt energischer denn je. Es bleibt ihnen auch nichts anderes übrig, wenn sie nicht riskieren wollen, daß die Besatzung im kritischsten Moment einen Ausfall macht und den gegen das englische Entsatzheer Kämpfenden vernichtend in den Rücken fällt. Rach einer Meldung aus Bullers Lager verlautet, daß die Buren fast ihre gesummten Streitkräfte im nördlichen Natal in Stärke von 48 000 Mann zwischen Bullers Truppen und Ladysmith zusammengezogen haben. Ob sie dort über so viele Leute verfügen, erscheint uns zweifelhaft, aber es ist sehr wahrscheinlich, daß ein Teil der Truppen Cronje's vom Modder-River und anderen Teilen des Kriegsschauplatzes herangezogen worden ist, so daß Joubert dem englischen Heerführer am Tugela möglicherweise überlegen ist. Auch am Sonntag hat, wie uns ein soeben eingelangter Bericht meldet, der Kampf zwischen Warren und dem rechten Burenflügel weiter getobt. Man meldet aus: Keß euer Anzeiger Henerat-Anzeiger London, 22. Januar. Aus Durban wird uns Montagnacht berichtet: General Warren erneuerte, verstärkt durch die Brigade Hart und Artillerie, am Sonntag den Angriff, der den ganzen Tag über wahrte. Die vordersten Schützenlinien wurden von den ihn halbkreisförmig umklammernden rech en Burenflügel abgeschlagen. Warren kampierte nachts in verdeckter Stellung vor dem Feinde, um heute den Angriff zu erneuern. In der Hauptsache wird unsere Meldung durch das folgende Telegramm bestätigt: London, 22. Januar. Eine Depesche des Generals Buller aus Spearmans Kamp vom 21. d. Mts. besagt: Warren war den ganzen Tag im Gefecht, besonders auf dem linken Flügel, den er zweimal vorwärts warf. Das Terrain ist sehr schwierig, und da sich das Gefecht stets bergan entwickelt, so ist es schwer, genau zu sagen, wie viel wir an Boden gewinnen, doch glaube (!) ich, daß wir thatsächlich Fortschritte machen werden. Das klingt schon recht kleinlaut. Jedenfalls vermag Bullers Armee, wie ein englischer Korrespondent sagt, sich „nur langsam tastend" vorwärts zu schieben. Auch bei den Kämpfen am Sonntag werden die Engländer nicht unerheblichen Abgang an Toten und Verwundeten zu verzeichnen gehabt haben. Noch schweigt darüber der Telegraph. Aus London, 20. Januar wird noch geschrieben: Eine Meldung aus Durban klärt uns über die Konfusion in den ersten Nachrichten General Bullers von der Front auf; der englische Oberstkommandierende hat vorsichtshalber den englischen, und besonders den ausländischen Spezialkorrespondenten, überhaupt die Erlaubnis verweigert, mit an die Front zu kommen und dieselben angewiesen, stach Pietermaritzburg resp. Durban zurückzukehren. Auch in Frere und Chieveley wird keiner von ihnen geduldet. Bei General Buller befinden sich nur zwei Korrespondenten und zwar auch nicht als solche, sondern in ihrer Eigenschaft als Offfziere der Natalfreiwilligen. Diese bedienen die „Times of Natal" und ein Durbaner Blatt und sind als Offiziere natürlich sozusagen einer doppelten Zensur unterworfen resp. angehalten, absolut nur im Sinne des englischen Kommandos zu berichten. Die Korrespondenten der europäischen und amerikanischen Blätter sind darauf reduziert, aus diesen Quellen zu schöpfen und dieselben bestenfalls durch nach Pietermaritzburg resp. Durban auf anderen Wegen, d. h. durch Eisenbahnwärter, Trainknechte, Kafiernläufer u. s. w. gelangende Gerüchte oder mindestens nicht kontrollierbare Meldungen zu ergänzen. Das erklärt zur Genüge die Einseitigkeit der in den letzten Tagen eingegangenen Meldungen auf der einen Seite, die alle auf dieselbe Quelle deuteten, sowie andererseits den unglaublichen Wirrwarr und die schreiendsten Widersprüche derselben unter sich. Dazu kommen dann noch die freiwilligen Zuthaten und die Ausschmückung der Londoner Jingo- und Sensationspresse, sowie die Streichungen der Zensur, die ihrerseits allein genügen, um eine Meldung ganz oder halb unverständlich zu machen, oder dieselbe geradezu in ihr Gegenteiizu verkehren. Wir sind soweit gekommen, daß man ehrlicher Weise sagen muß: „Absoluten Glauben darf man gar keiner, auch nicht den Meldungen der eigenen Korrespondenten, entgegenbringen, denn die Zensur macht stets selbst aus den letzteren was sie will." Seitdem Lord Roberts, oder besser gesagt, Lord Kit- chener (denn dieser ist der wirkliche Urheber des Befehls) eine noch strengere Quarantäne über die Vertreter der Presse in Südafrika verhängt hat, wird es den dort maßgebenden Faktoren noch mehr und noch länger als bisher gelingen, die thatsächlichen Ereignisse in der von ihnen selbst gewollten Beleuchtung erscheinen zu lassen, und die Aufgabe einer unparteiischen und ehrlichen Berichterstattung wird noch schwieriger, undankbarer und mühseliger werden, als. sie es bisher schon gewesen. General Warren, welchen einige Uebereisrige bereits vorgestern die rechte Flanke der Buren umgehen ließen, befand sich am 18. abends noch, wie der Korrespondent der „Times" konstatiert, drei Kilometer vom Tugela entfernt, und hatte vor sich die über zehn Kilometer im Westen, Norden und Osten sich ausdehnende befestigte Stellung des Feindes, welche aus drei hinter e i n a n d e r- lieqenden Verteidigungslinien besteht, deren dritte die höchsten K o p j e s u m f a ß t, von denen aus General Joubert mit Schalk Burgher, Lueas Meyev und Viljone nicht nur den Thalweg beherrscht, m welchem General Buller sich engagiert hat, sondern auch sämtliche nach Ladysmith von Süden führende Straßen. Der Korrespondent der „Times" selbst bestätigt dies mit dem AM- fügen, die Stellung des Feindes sei mehrere englische Meilen tief. Rechts voii General Warren halt General »«nähme von Anzeigen zu der nachmittags für den felgenbfn Tag erscheinenden Nummer bis vorm. 10 Uhr. Abbestellungen spätestens abends vorher. Deutscher Reichstag. 182. Sitzung vom 22. Januar. 1 Uhr. Bei sehr schwach besetztem Hause wird in die erste Beratung der Unfall-Versicherungsgesetze eingetreten. Abg. Trimborn (Zentr.) drückt feine Genugthuung darüber aus, daß bei diesen Reformgesetzen die früheren Kommissionsbeschlüsse berücksichtigt worden seien. Namentlich sei es erfreulich, daß die Bau-Unfall-Versicherung auf sämtliche bei Bauten thätige Handwerker erstreckt werde. Daß im übrigen das Handwerk nicht einbezogen sei, werde von seinen Freunden gebilligt, ebenso, daß andererseits häusliche Dienstleistungen der Versicherung unterworfen würden. Dankenswert sei auch die Erhöhung der Rente für die Kinder. Sehr erwünscht würde feinen Freunden die Erhöhung der Vollrente von zweidrittel auf dreiviertel des Arbeitsverdienstes sein. Ein fernerer Wunsch seiner Partei sei das Verlassen des berufsgenossenschaftlichen Systems zu Gunsten des territorialen. Dringend notwendig seien Vertrauensärzte für die Versicherten, bei denen diese sich unentgeltlich Rat holen könnten. Er, Redner, werde hierfür mit der Zähigkeit eines Buren kämpfen. (Heiterk.) In der Kommission werde man flott arbeiten müssen, da man nicht wissen könne, ob nicht wie der Blitz eine Auflösung komme, und die Erledigung dieser Vorlagen dadurch verzögert werde. z . Abg. v. Richthofen (kous.) halt eine sorgsame Prüfung der Vorlage für geboten, aber nicht vom Standpunkte der gewerblichen Arbeiter allein, sondern vom vaterländischen Standpunkte aus. Miit den neuen, für Unfall- und Invalidenversicherung gemeinsamen Schiedsgerichten sei seine Partei eiinverstanden, obwohl die territoriale Gliederung der Schiedsgerichte namentlich den ländlichen Arbeitern die Vertretung ihrer Interessen erschweren durste. Trotzdem stimmten seine Freunde zu, aber in der Erwartung, daß auch die anderen Parteien der Vorlage beiträten. t „ Abg. Rösick e - Dessau (wildlib.) bedauert, dast sticht die bei der Invalidenversicherung geschaffene abgeschwächte Form des Unterbaues für die Unfallversicherung nutzbar gemacht werde. Das Verfahren werde hierdurch klarer für den Arbeiter, und das sei eine Hauptsache für denselben. Notwendig sei auch ,daß die Fristen für Einlegung der Berufung verlängert würden. Dem Verunglückten müsse mehr Zeit gelassen werden, sich zu entscheiden, ob er die Berufung einlegen wolle. Mit dem einheitlichen Schieds- aerichtswesen sei er einverstanden. Die Versicherunas- pflicht der Bauhandwerksbetriebe sei dankenswert. Aber solle nun auch der Tischler versicherungspslichtig und zwar dauernd sein, der nur gelegentlich einmal das Anschlägen von Fenstern auf einem Bau unternimmt? H^r werde man einen Ausweg suchen müssen Sehr zu empfehlen ei der Wunsch des Abg. Trimborst, daß den Berufungs- ^- nossenschaften schon nach zwei Jahren (statt fünf) mcht mehr gestattet sein solle, die Rente einseitig herabzusetzen. Abg. Stadthagen (Soz.) meint, diese Vorlage sei weit davon entfernt, dem modernest Rechtsgedanken Geltung zu verschaffen. Nicht einmal die Vollrente werde den Arbeitern gewährt! Herr Trimborn habe ganz recht, wenn er sagt, daß die Berufungsgenossenschaften vor allem Amtlich« Teil- Bekanntmachung. Betr.: Maul- und Klauenseuche. , Da die Maul und Klauenseuche noch immer in grotzerem Umfange herrscht, sehen wir uns veranlaßt, das Verbot deS Handels mit Klauenvieh im Umherziehen gemäß § 56 b der Reichsgewerbeordnung bis 28. Februar d. IS. zu verlängern. Zuwiderhandlungen unterliegen der Bestrafung nach § 147, Ziffer 7 a der Gew.-O. Gießen, den 22. Januar 1900. Großherzogliches Kreisamt Gießen. v. Bechtold.___ Gießen, 20. Januar 1900. Betr.: Die Einsendung der für die Landeswaisenanstalt zu erhebenden Kollekten und Büchsengelder. DaS Großherzogliche Kreisamt Gießen e* die Großh. Bürgermeistereien des Kreises. Unter Hinweis auf unser Ausschreiben vom 10. Februar 1877 (Amtsblatt Nr. 3) empfehlen wir Ihnen, am 31. d.Mts. die unter Ihrem und eines Gemeinderatsmitgliedes Verschluß stehenden Waisenbüchsen zu öffnen und deren Inhalt bis längstens zum 31. März ds. Js. durch eine Kosten nicht verursachende Gelegenheit an uns abzuliefern. v. Bechtold. Nr. IS Erscheint täglich mit Ausnahme des MontagS. Die Gießener Karnikieusttätter werden dem Anzeiger tm Wechsel mit »Hess. Landwirt" u. glätter Mr heff. Volkskunde" wLchtl. 4 mal beigelegt. Lyttleton die niedrige Uferböschung auf dem Nordufer des Tugela etwa drei Kilometer diesseits von den dortigen Burenpositionen. Oberst Dundonald machte bekanntlich am 17. mit einigen hundert Reitern einen kleinen Rekognoszierungsritt in nordwestlicher Richtung auf die Straßen nach Alton Homes, wobei er nur mit Not der Gefahr entging, abgeschnitten zu werden und zurückkehrte, nachdem er feststellte, daß auch dort die Straße von einem starken Burenkommando in fast unangreifbarer Stellung besetzt gehalten werde. Rechts von General Lyttleton, aber fast ganz noch auf dem südlichen Tugela-Ufer stehen die Brigaden Hart und H i l d a p r d s, denen gleichzeitig der Schutz des Lagers anvertraut ist, welches General Buller unter der Deckung der auf dem Aliceberge stationierten Artillerie angelegt und befestigt. In diesem Lager will der englische Oberbefehlshaber die von Frere aus mitgeführten bedeutenden Proviant- und Mnnitionsvorräte aufspeichern und es scheint, als beabsichtige er hier eine Art provisorische Operations-Basis und zu gleicher Zeit ein Z en fr um zu schaffen, um das er seine Truppen für den Fall wieder sammeln könne, wenn sein Vormarsch zum c Entsätze von Ladysmith endgiltig scheitere. In hiesigen militärischen Kreisen macht sich in Bezug auf diesen Punkt eine Ansicht geltend, die auf den ersten Augenblick recht unglaubhaft klingt, aber Vielleit doch, wenn auch nicht etwa der direkten Lage und den heutigen That- sachen entsprechend, doch vielleicht die Intentionen des einen Teils derjenigen wiederspiegelt, welche ein mehr oder weniger in die Wagschale fallendes Wort mitzusprechen haben, es heißt, General Buller werde allerdings versuchen, Ladysmith zu entsetzen, sei aber hauptsächlich deshalb nach Springfield gekommen, um, falls er nicht ohne besondere Schwierigkeiten General White die Hand reichen kann, sich vielleicht nach Westen gegen die dort in den Fre i- staat führenden Pässe Bezuidenhout, Ban- reenspaß u. s. w. zu wenden, und direkt auf Harry s in ith respektive Bloemfontein zu marschieren, wo er dann den inzwischen vom Oranjefluß respektive Belmont heranrückenden Generalen Me- thuen und Frenck die Hand reichen, und die unter K i t ch e n e r und Roberts vom Süden heran f k o m menden neuen Verstärkungen abwartcn werde. Aber alles das kann gerade so gut eitle Kombination sein, zumal es auf der Hand liegt, daß General Buller, ebenso wenig wie er in einigen Parforcemärschen nach Ladysmith gelangen kann, auch nicht imstande wäre, die Bahn nach den Freibeitspässen frei zu machen, geschweige denn, sich dieser selbst zu bemächtigen. Ten Hauptvorstoß im Zentrum wird voraussichtlich Buller selbst unternehmen, wobei er, wie schon angedeutet, auf die Mitwirkung Warren's von der linken Flanke her rechnet. Das aber hat zur Folge, daß er zunächst die Klärung der Verhältnisse dort abwarten muß. Damit hapert es aber reckt bedenklich. Es geht langsam, sehr langsam voran — oergaus — und so vergehen für Buller kostbare Tage, die obendrein den Buren neue Kräfte zuführen dürften, und sie in den Stand setzen, sich noch fester zu verschanzen. General Buller, der angeblich zur Zeit über etwa 30 000 Mann verfügt, hat sich zu einer schwerwiegenden Operation entschlossen, ohne- die Ankunft weiterer Verstärkungen abzuwarten. Daraus darf man den Schluß ziehen, daß Lord Roberts keine weiteren Truppen für Natal b e st i m m t hat. Die ersten Bataillone der 6. Division mußten etwa am 10. Januar vor Kapstadt anlangen und konnten dann am 14. bei Durban sein. Hätte eine solche Verstärkung in Aussicht gestanden, so würde Buller nicht schon am 10. die Bewegung nach .Springfield und auf den Tugela eingeleitet haben. * * e Telegramme des „Gießener Anzeiger". London, 23. Januar. Obgleich man in der letzten Nacht ein Telegramm über die Kriegs-Operationen des Generals Buller erwartete, ist ein solches vom Kriegsamte nicht veröffentlicht worden (!!) Dasselbe ließ gestern eine Note anschlagen, in welcher mitgeteilt wird, daß außer der Verlustliste vom Sonntag keine Nachrichten im Laufe des gestrigen Tages eingetroffen sind. Auch bei den Telegraphen-Agenturen waren bis heute morgen feine neuen Meldungen eingegangen. Die Ungeduld des Publikums wächst infolge deffen stündlich. DaS Kriegsamt giebt die Verluste an Gefallenen vom 21. dss. Mts. wie folgt an: 1 Offizier und 5 Mann tobt, 3 Offiziere und 75 Mann verwundet, 8 Mann vermißt. London, 23. Januar. „Daily Mail" veröffentlicht ein Telegramm aus Durban, wonach die Offiziere des Frei- willigeu-Regiments abgedankt haben wegen der Unzuträglichfeiten, welche sich zwischen ihnen und den Offizieren der regulären Armee herausgestellt haben. Die zurückgetretenen Offiziere werden sich nach Kapstadt begeben, um ihre Klagen der Kap Regierung zu übermitteln. „Daily Mail" drückt die Meinung aus, daß der Konflikt durch die strenge Disziplin bei den regulären Truppen hervorgerufen wurde, und glaubt, daß Millner und Roberts den Zwischenfall bald beilegen werden. London, 23. Januar. „Daily Telegraph" berichtet aus Kapstadt: Der Transportdampfer, welcher gestern mit 2600 Manu englischer Truppen in Kapstadt eingetroffen ist, erhielt Befehl, unverzüglich nach Durban weiterzufahren. London, 23. Januar. Mehrere Blätter bringen die Meldung, daß ein Beamter des Kriegsministeriums erklärt habe, man erwarte stündlich eine wichtige Meldung vom Kriegsschauplätze. London, 23. Januar. In der Schlacht am Sonntag eröffneten die Buren das Artillerie-Feuer bei Tagesanbruch. General Marren ging um 5 Uhr mit seiner Infanterie vor. Die Artillerie nahm Aufstellung im Rücken und in der Ebene. Die Infanterie rückte bis auf 100 Meter an die Stellungen der Buren heran. Es war vor allem ein Artilleriekampf der Engländer bei dem die Buren ihre Truppen mit großer Zähigkeit hielten. Sie hatten angeblich nur 10 Geschütze im Feuer. General Buller meldet den Verlust eines toten und eines verwundeten Offiziers und von 21 Mann 6 Mann vermißt. — Die Admiralität befahl die Indienststellung von 4 Kriegsschiffen für die australische Station, 3 für China und eines Kreuzers zum Transportdienst. Deutsches Reich. Berlin, 22. Januar. Der Kaiser hörte heute vormittag den Vortrag des Chefs des Zivilkabinetts v. LueanuS und Marinevorträge. — In dem Befinden des Finanzministers Dr. v. Miquel ist eine Besserung dngetreten. Der Minister ist heute fieberfrei, muß jedoch noch das Bett hüten. — Zum Gouverneur der deutschen Samoa- Inseln wird dem Vernehmen nach ein Marineoffizier ernannt werden, wie dies auch für Kiautschou geschehen ist. — Ter als Landrat zur Disposition gestellte Abgeordnete Baarth hat sich, wie in Abgeordnetenkreisen erzählt wird, endgiltig geweigert, die Ernennung zum Regierungsrat bei der Regierung in Schleswig anzunehmen. — Die „Nat.-Ztg." schreibt: Unser Mitteilung, daß zum Präsidenten der Seehandlung der Geheime Oberfinanzrat Hewenstein aus dem Finanzministerium bestimmt sei, ist bestritten worden. ES wird sich aber durch die Ernennung demnächst ergeben, daß sie zutreffend war. — Wie die „Nat.-Ztg." hört, hat die deutsche Regierung sofort Protest gegen die B eschlagnahme der Segelbarke „Marie", sowohl des Schiffes, wie der Ladung, eingelegt. Die Frage, ob und wann Getreide Kriegskowrcbande ist, gehört zu den durch die englischen Versichere ngen an Deutschland offen gelassenen Fragen. — T i e neue Kanalvorlage wird nach der Thronrede, mit welcher der Landtag der preußischen Monarchie. vor einigen Tagen eröffnet worden ist, folgende Kanäle umfassen: Erstens den Rhein—Weser—Elbe-Kanal, d. h. die Verbindung des Dortmund—Ems-Kanals einerseits mit dem Rhein, andererseits mit Weser und Elbe; ferner die Kanalisierung der Weser von Hameln abwärts bis Minden i. W. — Von Minden abwärts bis Bremen wird die Kanalisierung auf Grund eines Staatsvertrages zwischen Preußen und Bremen auf Kosten der Freien Stadt Bremen zur Ausführung kommen. Dem würden folgende Wasserstraßen neu hinzukommen. Die Herstellung eines Groß- schiffahrtsweges zwischen Stettin und Berlin, die Beschaffung ausreichender Vorflut im Oderbruche durch einen Kanalbau, die Verbesserung der Verhältnisse an der unteren Oder, sowie an der Spree und der Havel, wo die Landwirtschaft über mangelnde Vorflut und lästige Hochwasser seit tanger Zeit klagt. Ferner die Verbesserung der Schiffahrt auf der Warthe und Netze einschließlich des Bromberger Kanals bis zur Weichsel und schließlich die Herstellung des Masurischen Seekanals. Zu diesen Wasserstraßen kommen die Verkehrsverbesserungen, welche nach der im vorigen Jahre t\n der Kanalkommission von den Vertretern der Staatsregierung unter ausdrücklicher Billigung Sr. Majestät des Königs abgegebenen Erklärung für die oberschlesische Industrie in Aussicht genommen sind. Es ist ferner hinzuzurechnen, daß der Ausbau der Lippe-Kanali- fierung der Provinz Westfalen überlassen werden soll. Die Bereitwilligkeit dazu hat die Kgl. Staatsregierung ebenfalls in der oben genannten feierlichen Erklärung ausgesprochen. So würden durch' die neue Kanalvorlage sowohl im Osten wie im Westen die z. T. seit langen Jahren gehegten Wünsche der Freunde der Wasserstraßen wie auch weitere Kreise der Landwirtschaft befriedigt werden. — Die Bereitstellung der zur Flottenvorlage erforderlichen Mittel soll bekanntlich der jährlichen Feststellung durch den Reichshaushaltsetat unterliegen. Als Gesamtkosten für 16 Jahre werden, wie der „Staats- Ztg." berichtet wird, in der Begründung der Vorlage angegeben: 1. Anleihen im Betrage von 769 Millionen Mark. 2. Eine durchschnittliche jährliche Steigerung der aus ordentlichen Einnahmen zu deckenden Marineausgaben von 11 Millionen Mark. Die jährlichen Gesamtaufwendungen für die Marine, einschließlich Pensionen und Schuldzinsen, sollen in annähernd gleichen Jahresraten, von 169 Millionen Mark im Jahre 1900, auf 323 Millionen im Jahre 1916 steigen. Es wird ausdrücklich betont, daß die Deckung der jährlichen Steigerung ohne neue Steuern erfolgen solle, sollte dieses in dem erforderlichen Umfang sich nicht ermöglichen lassen, so wäre vorübergehend der Anleihebetrag zu erhöhen. Dresden, 22. Januar. Die Herzogin Adelheid von Schleswig-Holstein hatte eine sehr unruhige Nacht. Sie schlief kaum eine Viertelstunde und verbrachte den größten Teil der Nacht in sitzender Stellung. Der Puls ist befriedigend. Ausland. Wien, 22. Januar. Die Verständigungskonferenz ist auf den 29. Januar einberufen worden. Dieselbe wird sowohl von den Deutschen, als auch von den Tschechen beschickt werden. Lemberg, 22. Januar. Anläßlich einer Vorstellung, welche gestern abend von der russischen Nationalkapelle „Nadina Slawionski" im ruthenischen Nationalhause gegeben wurde, veranstaltete eine Anzahl polnischer Studenten eine Demonstration. Sie fangen polnische Lieder und zertrümmerten die Fensterscheiben. Schließlich wurde die Ruhe durch Militär und Polizei wiederhergestellt. 22 Studenten wurden verhaftet. Konstantinopel, 22. Januar. Nusret Bey, der Sohn des Botschafters in Wien, Sadaullah Pascha, flüchtete nach Aegypten. Lokales und Provinzielles. " Empfänge. Seine Königliche Hoheit der Groß- Herzog empfingen am 22. Januar den Generalleutnant z. D. Freiherrn Schilling von Canstatt, den Landgerichtsrat Wehner von Gießen, den Professor Dr. Storck vom Realgymnasium in Mainz, den Geheimen Justizrat Dr. Reatz von Gießen, den Rechtsanwalt und Notar Hallwachs, den Regierungsasseffor Dölp, Assistenten am Steuerkommissariat in Gießen, den Pfarrer Fischer, Anstaltsgeistlichen zu Marienschloß, den Hauptlehrer Klein, Dirigenten der Fachschule in Erbach, den Fabrikanten Dr. W. Merck; zum Vortrag den Staatsminister Rothe, den Hofjägermeister Frhrn. van der Hoop, den Kabinettsrat Römheld. ** Stadttheater. In der morgen Mittwoch stattfindenden Volksvorftellung wird das Volksstück: „Berlin, wie es weint und lacht" zur Aufführung gebracht. — Donnerstag geht das reizende Moser'sche Lustspiel: „Der Salontiroler" in Szene. ** Gießener Rudergesellschaft. Arn letzten Samstag veranstaltete, wie wir bereits gestern meldeten, die hiesige Rudergesellschaft in Steins Saalbau ihr diesjähriges Strand fest. Mit vieler Mühe und auch vielen Kosten war zu diesem Zwecke der Stein'sche Saal in einen Festplatz verwandelt, wie er schöner kaum gedacht werden konnte. Felsgrotten und Fontänen, Sekt- und Bierbuden, Tombola und Erholungszelte, für alles war gesorgt; zwischendurch liefen geschäftig Blumenmädchen und Zigeunerinnen, Postkartenverkäuferinnen und Japanerinnen dem ganzen einen malerischen Anstrich gebend. Einen geradezu imposanten Anblick bot die meisterhaft arrangierte Fels- Partie, die fast bis zur Decke des Saales reichte, mit Hunderten von bunten Lämpchen einen feenhaften Eindruck erweckend. Dadurch, daß die weitaus größte Anzahl der Damen und Herren, dem Wunsche der Gastgeber entsprechend, in Hellen Sommerkostümen und Toiletten erschienen waren, wurde der Charakter des Festes ganz vortrefflich gewahrt. Leider war durch die überwältigende Menge und den großen Umfang der Dekorationen der Raum des Saales bedeutend eingeschränkt worden, sodaß eine große Anzahl der Anwesenden zeitweise Sitzplätze überhaupt nicht finden konnte, und auch die beiden „Erfrischungsbuden^ nur wenigen Unterschlupf gewährten. Der Platzmangel machte sich namentlich bei Beginn des Tanzes sehr fühlbar. Einen reizenden Anblick bot die über die obengenannte Felspartie geleitete Polonaise. Den leiblichen Genüssen aus der bewährten Stein'schen Küche und dem bekannten Keller wurde im Nebensaale wie auch im Festsaale fleißig zugesprochen. Das Fest, das natürlich in dem erwähnten Tanze seinen Abschluß fand, dauerte bis zum frühen Morgen. Am Sonntag nachmittag vereinigte die meisten der Teilnehmer als Nachfeier eine Partie nach dem Windhof. Unstreitig darf das Fest des Rudervereins als eines der gediegensten und gelungensten der Saison gelten. * * Polizeibericht. Ein wegen schweren Diebstahls von der Staatsanwaltschaft zu Wiesbaden verfolgter Fabrikarbeiter logierte sich gestern abend unter falschem Namen in einem hiesigen Gasthof ein. Derselbe wurde von der Polizei erkannt und verhaftet. * * Lose. Wie wir hören, werden die ersten Lose der Hessischen Laudeslotterie heute Dienstag, den Kollekteuren zugehen. * * D i e reichste Stadt ist nach den Ergebnissen der Einschätzung der Vermögenssteuer für 1899 wie bisher Frankfurt a. M. mit einem Durchschnittsvermögen von 197 306 (1897 192 977) Mark, dann folgt Essen (Krupp), wo das Durchschnittsvermögen die starke Steigerung von 150 515 Mark auf 173 401 Mark erfahren hat. Noch stärker war die Zunahme bei der drittreichsten Stadt Charlotten- burg mit 161326 gegen 125 318 Mark. Charlottenbnrg hat damit Berlin, Wiesbaden, Aachen und Bonn überflügelt. Kr. Fauerbach bei Nidda, 22. Januar. Bei der in voriger Woche in hiesigem Walde abgehaltenen Treibjagd ereignete sich eine recht niedliche Geschichte, welche Zeugnis von dem Witz und den Einfällen des gewöhnlichen Mannes ablegt. Aus einer Fichtenschonung, in welcher das Wild ziemlich fest saß und nicht heraus wollte, hörte man einen Treiber plötzlich rufen: „Heraus Engländer, zu den Buren." Die anwesenden Schützen haben sich darüber sehr ergötzt. * * Ereignisse aus dem Jahre 1807. (Aus der Dorfchronik zu Bleichenbach). Im Herbste dieses Jahres ist der Kurfürst von Hessen (Bleichenbach gehörte damals zum Kurfürstentum Hessen) vor Napoleon I., Kaiser der Franzosen, aus dem Lande geflohen. Eine provisorische Regierung, der Primas von Frankfurt a. M. verwaltete das kurhessische Amt Ortenberg, bis zu Ende des Jahres 1810, allein im Jahre 1811 wurde Bleichenbach mit mehreren anderen Orten dem Großherzogtum Hessen einverleibt- Jn der Gemarkung Bleichenbach lagen damals zwei Domänen, das Hanauische und das Rosenbachische. Diese Güter enthielten 510 Ortsmorgen, der Morgen zu 160 Ruten gerechnet. Für eine ganz geringe jährliche Abgabe hatten die Bewohner Bleichenbachs dieses Gut in Pacht. Sie entrichteten nämlich von jedem Morgen ohngefähr eine Meste Frucht als Pacht. Mancher Ortsbewohner hatte 30, 20, 10, 6, 8, 4 und 2 Morgen in Pacht genommen und Kaiser Napoleon I. verschenkte mit mehreren anderen Domänen des Amtes Ortenberg dieses Gut einem französischen General, dessen Name unbekannt blieb. Dieser General schickte den Hofrat Geyger von Assenheim als Bevollmächtigten hierher, um das Gut den Ortsbewohnern dahier und die Domänen anderer Orte an deren Bewohner zu verkaufen. Er bot den Morgen um den beispielslos billigen Preis von 15 Gulden an, allein die Bewohner Bleichenbachs erklärten: „Das Gut gehört unserem Kurfürsten und wir kaufen es nicht; denn, wenn wir es verkaufen, so fallen wir in Ungnade!" Hierauf kaufte ein hessischer Beamte aus Darmstadt die Domänen und verkaufte sie wieder im Jahre 1812 an den Domänenhändler Trackert aus Heidelberg. Als Trackert im Jahre 1812 genanntes Gut in Besitz nehmen wollte, weigerten sich die Pächter es heraus zu geben. Es wurde daher auf ge ic ersten Lose ber ch den ßrgebnijjen für 1899 wie bisher ^niltsvermögen von olgt Essen sKrupp), rke Steigerung von en hat. Noch stärker n Stabt Charlotten- Charlottenburg hat Bonn überflügelt. anuat. Bei btt in ibgehaltenen XwV he Geschichte, weiche Jen des gewöhnlichen mng, in welcher das i wollte, hörte man Engländer, zu den sich darüber sehr CKuft der Doch dieses Jahres ist gehörte damals zm l Raü« d-r 8» ne provisorische ole ■ ®' 6“®t°T1810 UZ- LKF dieses Gtt (jne hatte r «M« lit t«"1 (««“iS Mr ifann* 6 ^geooH'- l Üi*® tottl d°- » CÜw« 8tW°6?‘« e an ^bkispielsl^ , um de" Aewoh"^ allem ftu1' gehört ver. » . 5iel UVunb DCP , Doiuä"^. ^hjjndl^ b‘"TS"[Ä J,rt iM r.A die Ät ** ■ ®. $D?trrf «>*. £*•«**: ässs ä» ft?» sM ,’?4 jjSÄ hs:ä ! füngierte Feig, ?Ql? reichte, mit Maften Eindruck Pjte Anzahl der Weber entsprechend, n "schienen waren ^trefflich gewah^ 'ge und den gchn ' Saales bedeutend - ^Zahl her D>- 'cht finbtn tonnte, >ur wenigen Unter, sich nameMchdei reizenden AMick geleitete Polonaise, ährten Stein'schcn im Mrnsaale wie t. Das Fest, das men Abschluß sand, Sonntag nachmittag als Nachfeier eine darf das Fest dcr itt und gelungensten eren Diebstahls von verfolgter Fabrik« litt falschem Namen bt wurde von der walsame Weise Trackert überliefert. Zur Zeit der Ernte ritten Landdragoner, vier bis sechs an der Zahl, im Felde herum, um die Trackerschen Arbeiter, die mit Abernten und Einheimsen der Feldfrüchte beschäftigt waren zu beschützen. Als endlich Napoleon aus Deutschland vertrieben war, erhielt der Kurfürst von Hessen sein Land wieder, jedoch nicht das Amt Ortenberg. Die Bewohner hiesiger Gemeinde lebten in der festen Hoffnung, ihren alten Kurfürsten und somit ihr Pachtgut wieder zu erhalten, allein dies geschah nicht und sie wurden deshalb unruhig, sodaß selbst die im Großherzoglichen Militärdienste stehenden jungen Soldaten desertierten. Der damalige Amtmann in Ortenberg machte der Militärbehörde hiervon Anzeige und dieselbe schickte am 24. Dezember 1812 ein Kommando Großh. Hessisches Militär, bestehend aus 150 Mann Infanterie und 150 Kavallerie hierher. Mehrere Hitzkopfe der Bewohner Bleichenbachs rotteten sich in einem Haufen zusammen, bewaffnet mit Heugabeln, Prügeln, Dreschflegeln, schossen, schimpften, läuteten Sturm mit den Kirchenglocken, warfen, in den Straßen umherziehend, mit Steinen auf das Militär, das sich bis dahin ruhig verhielt und ganz in der Stille des Abends wieder abzog. Mit Anbruch des folgenden Tages war aber Bleichenbach mit Soldaten umstellt. Alle 20 bis 30 Schritte hielt ein Reiter und stand ein Infanterist; die übrigen zogen in die Straßen des Ortes, welcher in den Kriegszustand versetzt wurde. Bei einer Patrouille, die ständig die Vorposten revidierte, wurde dem Ortsbürger Weigand Emrich VI., der sich widerspenstig gegen die Vorposten benahm und nicht stille gestanden halte, sondern fortlief, trotzdem er mehrmals zum Stehenbleiben angerufen worden war, in den Hals geschossen, sodaß er zu Boden stürzte. Obgleich die Wunde wieder geheilt war, so mußte er doch nach einigen Jahren an den Folgen derselben sterben. Die Ortsbewohner, die abends vorher Aufruhr und Lärm gemacht hatten, wurden ermittelt, gefesselt und als Rebellen abgeführt. Das Militär wurde größtenteils in deren Häusern einquartiert und das Verhör auf dem Rathause begann, wobei nicht selten diejenigen, die sich aufs Leugnen legten, mit Prügeln zum Geständnis gebracht wurden. Nach Ablauf von einem Vierteljahr zog das Militär wieder ab. Durch verschiedene Vorstellungen an Se. Königl. Hoheit den Großherzog wurde Begnadigung erteilt, weil es sich herausgestellt hatte, daß die Leute wegen Anhänglichkeit an ihren früheren Landesfürsten dieses Hebel begangen hatten. Nach dieser Zeit fügten sich die Leute und kauften dem Domänenhändler Trackert das Gut und den Zehnten ab für 56,000 Gulden. Nun war Ruhe! Bingen, 22. Januar. Die Leiche eines neugeborenen Kindes wurde gestern früh in der Waschküche eines hiesigen Hauses gefunden. Näheres über den geheimnisvollen Vorgang wird die eingeleitete Untersuchung ergeben. Lorsch, 22. Januar. Unter der Anschuldigung, ihr neugeborenes Kind ermordet zu haben, wurde die 25 Jahre alte' Katharina Knüstler aus Kirschhausen, Kreis Heppenheim hier eingeliefert. Das Kind wurde auf dem Speicher der elterlichen Wohnung tot aufgefunden. Die Knüstler behauptet, das Kind sei erfroren. ♦* Kassel, 22. Januar. Eine schwere Sachbe- schädig n n g wurde gestern abend gegen einhalbzehn Uhr in der Hohenzollernstraße verübt. Ein Fremder betrat, wie uns mitgeteilt wird, ein Wein-Restaurant im stark angeheiterten Zustande, belästigte die Gäste und mußte das Lokal verlassen. Aus Aerger hierüber soll er im Weggehen eine drohende Aeußerung gemacht haben. Kurze Zeit darauf flog ein dicker Backstein durch die Spiegelscheibe des Schaufensters dem Geschäftsinhaber direkt vor die Füße. Derselbe sprang sofort hinaus und bemerkte noch, wie der Attentäter fortlief. Mit Hilfe eines Sergeanten vom 167. Infanterie-Regiment, sowie anderer Personen, gelang es schließlich, den Flüchtling, einen hier sich vorübergehend aufhaltenden Ausländer, festzunehmen und der Polizei zu übergeben. Tie zertrümmerte Spiegelscheibe hat einen Wert von ca. 600 Mk. Wenn auch der Schaden in der Hauptsache durch Versicherung gedeckt ist, so erleidet der Geschäftsinhaber in Anbetracht der demolierten Goldinschrift der Firma rc. einen Verlust von ca. 200 Mk. Arbeiterbewegung. Breslau, 22 Januar. Zu dem Strike auf der „Hohenzollern- grube" erfährt der „Brest Gen Anz.", daß die ausständigen Bergleute am Samstag Abend im Zechenhause einen Exzeß verübten. Die &en- darmerie mußte mit der blanken Wasfe einschreiten und zur Abschreckung der lärmenden Menge die Karabiner laden. Es gelang erst nach scharfem Einhauen die Tumultuanten von der Grubenanlage zu vertreiben. Heute morgen fuhren auf der „Hohenzollerngrube" 520 Mann der ausständigen Belegschaft wieder ein. Der Strike ist daher fast beendet. Dagegen hat auf der Florentinergrube eine Belegschaft von 40 Mann am Samstag die Arbeit eingestellt. , Wien, 22 Januar. Auf Antrag des Abgeordneten Becher beschloß die deutsche Fortschrittspartei, die Negierung auszufordern, in der Angelegenheit des K o h l e n a r b e i t e r st r i k e s schleunigst zu intervenieren, da die Situation h o ch e r n st sei. Wien, 22. Januar. Das Ackerbouministerium hat beschlossen, den Arbeitern der ärarischen Schächte des Bruxer Reviers in nächster Zeit wöchentliche Lohnauszahlung und den Achtstundentag vom 1. Januar 1905 ob zu bewilligen. . Prag, 22. Januar. Im westlichen bohmr>chen Kohlenrevier ist heute der G e n e r a l st r i k e ausgebrochen. Zur Aufrechterhaltung der Ordnung sind Truppen dorthin beordert worden. Klagenfurt, 22. Januar. Die Differenzen zwischen den Arbeitern und Weikbesitzern des Kärnthener Kohlenreviers sind b e, - gelegt. Die Hauptforderungen der Arbeiter wurden bewilligt. Dandel und Verkehr. Volkswirtschaft. Stetzen, 23. Januar. Marktbericht. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Butter per Pfd. 0.70-0.85 Hühnereier ver St. 8—9 4, 2 St. 00—00 H, Enteneier 1 St. 0—0 H, Ganfe« eier per St. 0-00 H, Käse 1 St. 5—8 H, Käsematte 2 St. 6-6 A, Erbsen per Liter 20 Linsen .per Liter 30 Tauben per Paar X 0.00—1.(0, Hühner per St. JL 1.00-1.20, Hahnen per Stück X 1 20—2.00, Enten per St. X 2.00—2.40, Gänse per Pfund X 0.50—0.70, Ochsensieisch per Pfd. 68-74 * Kuh- und Rindfleisch per Pfd. 82—64 H, Schweinefleisch per Pfd. 60-72 4 SchAim- SM aefahen, per Psd. 76 -ä, Kalbfleisch per W>. «-»• A !öamme!ste>,ch per Psd. 50-60 X Sar offeln per 100 «U° "S bi- 4 50 X, Weißkraut per St. 00—00, Zwiebeln per Etr. X 6.60-6.00, Milch per Liter 16 H. Grünberg, 20. Januar. Fruchtmorkt. Weizen 14,70—15,00 Mark Korn 15,00—00Mk-, Gerste 14.62—14,75Mk-, Hafer 13,36-13.40 Mark, Erbsen 00.00—00.00 Mk., Linsen 00 Mk. Neueste Meldungm. Depeschen deS Bureau „ Herold'. Berlin, 23. Januar. Die „Deutsche TageS-Zeitung" kann positiv versichern, daß der Kaiser bei der Audienz der Präsidien des Abgeordnetenhauses keinerlei politische Gegenstände berührt hat. Es ist selbstverständlich, daß, wenn der Kaiser dem Präsidium des Herrenhauses gegenüber solche Aeußerungen gethan haben sollte, diese nicht so indiskret sein würden, sie der Presse zu übergeben. Berlin, 23. Januar. . Wie den „Berl. Reuest. Nachr." aus Petersburg gemeldet wird, sind bei Niutschwang große Goldlager entdeckt worden. Die russische Regierung rüstet eine Expedition aus, um Maßnahmen zur Ausbeutung zu treffen. , Berlin, 23. Januar. Die Telephon-Verbindung Berlin-Paris wird vermutlich Ende Februar dem Betriebe übergeben werden können. Der Postdirektor von Nancy hat sich im Auftrage der französischen Regierung nach Metz begeben, um mit dem dortigen Postdirektor die nötigen Anordnungen für die Eröffnung zu treffen. Posen, 23. Januar. Einer Blättermeldung zufolge ist den höheren Verwaltungsbeamten in der Provinz Posen ein Rundschreiben ihrer vorgesetzten Behörde zugegangen, in welchem eine strenge Ueberwachung der polnischen Vereine angeordnet wird. Wien, 23. Januar. Uebereinstimmende Nachrichten aus Dux-Brüx und Teplitz melden, daß mit dem gestrigen Tage im ganzen Braun kohlen - Revier 33,000 Mann in den Ausstand getreten sind. Auch die Porzellanfabriken und Glashütten haben die Arbeit eingestellt. Im ganzen Aussee'r Bezirk liegt die Arbeit still. Ruhestörungen sind bisher nicht vorgekommen. Militär hält die Oidnung in den Ausstandsgebieten aufrecht. Prag, 23. Januar. Der Verwaltungsrat der elektrischen Straßenbahn zeigte dem Stadtrat an, daß er wegen Kohlenmangel den Betrieb ein stellen müsse. Der Stadtrat beschloß, den Straßenbahnbetrieb vorläufig mit Pferden aufrecht zu erhalten. Nancy, 23. Januar. Gestern wurde hier ein Meeting zugunsten der Buren abgehalten. Zahlreiche Redner drückten ihre Bewunderung über die Haltung der Buren aus und beglückwünschten den französischen Oberst Villeboi, den französischen Generalstabs-Chef der Buren zu seinem Erfolge. London, 23. Januar. „Morning Leader" meldet aus New-York, daß mehrere Offiziere, welche sich im kubanischen Kriege ausgezeichnet haben, zwei Kompagnieen bildeten, die binnen Kurzem zu den Buren nach Transvaal gehen. _________ Darmstadt, 23. Januar, 1 Uhr 45 Min. nachmittags. (Telephon-Meldung.) Die heute mittag 12 Uhr zusammen- gptretene konstituierende Versammlung der evangelischen Landessynode wählte zum 1. Präsidenten den Geheimen Justizrat Weber-Offenbach, zum 2. Präsidenten Professor Stamm- Gießen. Zu Schriftführern wurden Rechtsanwalt Brandt-Mainz und Dekan Puhl mann-Alsfeld ernannt. Morgen vormittag finden die Wahlen zu den Ausschüssen statt. Drucksachen, Rechnungen, Aactnren, ßircukare, Briefbogen, Amschtäge mit Airmendruck fertigt billig KrShlW Univ.-Ach- u. Wrndutti, Schulstratze 7. Kunst-Ausstellung. ausstellung im Turmhaus am Brand ist täglich von 11 bis 1 Uhr mittags mit Ausnahme des Samstags geöffnet, Mittwochs auch noch von 3 bis 5 Uhr nachmittags, an Sonn- und Feiertagen von 11 bis 3 Uhr ununterbrochen. Eintritt für Nichtmitglieder an Werktagen 50 Pfg., an Sonn- und Feiertagen 20 Pfg. Konversations- Lexikon (auch i> Umtausch gegen Mter(eWerke) sowie alle andern Bücher j liefert gegen Teilzahlungen von monatl. 3 M. an IL 0. Sperling, Bachhandlung, Stuttgart V1L * iicliÄiflitmiidjiiniien Bekanntmachung. Donnerstag den 25. d. M„ nachmittags 3 Uhr, versteigere ich Neustadt 65 dahier: 1 Sekretär, 2 Sofas, mehrere Tische, Kleiderschränke, Kommode, Spiegel, Bilder, 1 Regulator, 1 Nähmaschine u. a. m. Die Versteigerung findet voraussichtlich bestimmt stack. Gießen, 23. Januar 1900. 646 Seipel, Gerichtsvollzieher. Cacao garantiert rein, per Pfd. Mk. 1,50, Mk. 1,80, Mk. 2 und Mk. 2,40, Halemlao peM.b‘ Ä. Chocoladen per Psd. 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