Nr. 248 Zweites Blatt. Dienstag den 23 Oktober 150. Jahrgang KAOG General-AMger Alle Anzeigcn-VermittlungSstellen deS In« und Auslandes nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger entgegen. Zeilenpreis: lokal 12 Pfg., auswärts 20 Pfg. ZSrzugspreis vicrtcljöurl. Mk. 2,20 moiiaiiiri) 75 Pfg. mit Bringerlohn: durch die Al-Holestellen viepteljährl. Mk. 1,90 monatlich 65 Pfg. Bei Postbezug Mk. 2,40 viertcljährl. mit Bestellgeld. Lnuahme von Anzeigen zu der nachmittags für den f»(flcnbtn Tag erscheinenden 9himmer bis vorm. 10 Uhr. Abbestellungen spätestens abends vorher. Erscheint täglich A J JkJ mit Ausnahme des W S Gießener Anzeiger Amts- uitb Zlnzeigeblatt für den Nreis Gietzen. IMeTtion, Expedition und Druckerei: Kchukstraße Ar. 7. Gratisbeilagen: Gießener Familienbiätter, Der hessische Landwirt, Kiätter für hessische Volkskunde. Adresse für Depeschen: Anzeiger Kietze«. Fernsprecher Nr. 51. Politische Tagesschau. Die Adresse des früheren irischen Parlamentsabgeordneten Davitt, aus die wir in unserer vorigen Nummer schon hinwiesen, lautet: „Sr. Exzellenz Paul Krüger, Präsident der Südafrikanischen Republik. Hochgeehrter Herr! Ihre Anwesenheit in Holland als Vertreter von Transvaal und dem Oranje-Freistaat giebt die Gelegenheit, die lange zurückgehaltene Sympathie der Völker Europas mit Ihren Republiken in ihrem heroischen Kampfe für die Freiheit gegen den brutalen Angriff zum Ausdruck zu bringen. Am Ausdrucke solcher Sympathie und an der Bewunderung Ihres Heroismus wünscht unsere Nation, Irland, und die überwältigende Mehrheit unseres über den Erdball zerstreuten Volkes . Anteil zu nehmen. Wir sind mit Stolz uns dessen be- . wußt, daß wir den größten Teil der Besten in Irland und von Irländern im Auslande repräsentieren — den größten Teil derer, die nicht durch Interesse und Vorurteil irregeleitet und nicht durch die monströsen Anmaßungen der Regierung, unter der zu leben wir das Unglück haben, verblendet sind. Die Mehrwert von 82 gegen 21 irischen Mitgliedern des Parla- m' sichte unser Land dem an dem Kriege gegen 2Ve Nation schuldigen Ministerium entgegengeschleudert rst ein untrügliches Zeichen für die Tiefe des Empfindens, das wir ausdrücken. Es ist um so mehr unsere Pflicht, dieses unser Empfinden zum Ausdruck Zu bringen, als viele unserer Landsleute sich in den S»o ld n er sch a r en des Unterdrückers befunden yaben. Die Scham über diesen Gedanken drückt uns nieder. Der Ausbruch des Krieges fand dieselben in einer Lage vor, der sie sich einzeln unmöglich entziehen rannten. Wir glauben,, daß die meisten derselben, wenn Ue gewußt Hütten, daß ihnen je von ihren Lohnherren Vieser schändliche Krieg zur Aufgabe gemacht würde, sich E in die Stellungen begeben hätten, durch die sie iN den Krieg hineingezogen wurden. Die Art und Weise, inj der die britische öffentliche Meinung die britische Regierung und ihre Machthaber in ihren gewundenen und unehrlichen Verhandlungen vor dem Kriege und bei der nachherigen Führung desselben unterstützt hat, ■ bildet eine Rechtfertigung aller Ihrer Zweifel an Treue und Glauben bei diesen Verhandlungen und eine Rechtfertigung dafür, daß Sie die Initiative ergriffen. Wir haben das lange Kampfesringen mit gespanntestem Interesse verfolgt; bald waren wir durch die Hoffnungen, die Ihre Triumphe erweckten, erhoben, bald waren wir durch die Sorge über Ihre Mißerfolge niedergedrückt. Wir wünschten sehnlichst und wir beteten, daß das Endresultat ein anderes sein möge, als es dann wurde, und zwar auch zum Besten Englands selbst. Es kann nie den arbeitenden Millionen Englands zum Nutzen gerochen, daß das Verbrechen der zeitweiligen Niederwerfung Ihrer Republiken auf ihnen lastet und in der Zukunft ihr nationaler Vorwurf ist. Vor ein und einem Viertel Jahrhundert führte England einen Krieg mit eutei anderen Republik, und jetzt erkennen die besten V^treter der englischen Rasse es an, daß es für sie J?!e ?elt gut war, daß England besiegt wurde. Wir haben das lange Kampfesringen in Südafrika ZI! Sespanntestem Interesse verfolgt. Selten hat in der für hw fre*er Männer in edlerer Weise von Staich gehalten gegen eine Uebermacht M§£anh 3.1?S?r?enmbXe von denen bezahlt sind, welche bassen Di? sv>n5 begehren und die Unabhängigkeit eubMtoerten bcr ®er9= und Thäler Ihrer Re- vack und Bunkers benm von Marathon, Sein- Mnaens naä vorbildliche Denkmale des Die ^llebermackt der^Di-nnn genannt werden. St»® “ Ä'nf»', bU w°lch° keine sanken und kLe^ew^eLbis & wenn ihre eigenen vermeintlichen Interessen oder chr Stolz im Spiele sind, haben das Feld gewonnen Tieker Nation gehört die Schande, Ihnen die Ehre Die Zeit muß die Wiederherstellung dieses gewaltigen Unrechts mit sich bringen. Obwohl Sie gegenwärtig geschlagen sind, wie die Freiheit vordem schon auf hundert Schlachtfeldern geschlagen ist, sind Sie doch im Rechte sind Sie die Sieger, und als solche werden Sie in der Geschichte leben. Wir ehren das Andenken Ihrer heldenhaften Gefallenen. Wir sympathisieren mit den Mitgliedern Jhrev braven Nation, die in Gefangenschaft und in der Verbannung sind. Unsere Herzen bluten für die Mitglieder Ihres Volkes, die in ihrem eigenen Lande wiederum unter dem Fuße des Unterdrückers liegen. Wir bewillkommnen Ihre sichere Ankunft bei den sympathisierenden Völkern Europas und beglückwünschen Sie zur freundlichen Aufnahme, die in der Heimat des großen und freien Volksstammes, zu dem die selbst gehören, Ihrer wartet". Der Krieg t« China. ^Die Vorschläge, mit denen die chinesischen Unterhändler an die fremden Gesandten in Peking herangetreten sind, werden in London halb mit Entrüstung, halb mit Spott begrüßt. Die „Times" bemerkt, die Frechheit, mit der die chinesischen Wortführer solche Zumutungen stellten, beweise aufs neue, daß die Auffassung, die man sich von der Lage in China gebildet, vollkommen zutreffend sei. Ton wie Inhalt dieser Vorschläge zeugten von der vollkommenen Unfähigkeit der Bevollmächtigten wie des hinter ihnen stehenden Hofes, zu der Erkenntnis zu gelangen, welche ungeheuerliche Beschimpfung sie der gesitteten Welt angethan, und wie groß die Sühne sein müsse, die sie dafür zu leisten haben. Möglicherweise sei die dabei zur Schau getragene Harmlosigkeit zum Teil erheuchelt, um Chinas „Gesicht" vor den Barbaren zu retten. Wahrscheinlich aber sei sie in der Hauptsache der natürliche Ausfluß des überwältigenden Dünkels und der bodenlosen Unwissenheit Chinas hinsichtlich der eigenen Ohnmacht und der unermeßlichen Uebermacht des Auslandes. „Herr Pichon", schreibt die „Times" am Schlüsse ihrer Ausführungen, „hat es, wie wir mit Freuden sehen, verstanden, dieses unverschämte Vorgehen im richtigen Sinne zu beantworten, und es verlohnt daher gar nicht der Mühe, auf die einzelnen Punkte der chinesischen Vorschläge näher einzugehen. China läßt sich zu dem Ausdrucke des Bedauerns über die jüngsten Vorkommnisse" herbei und zu dem Versprechen, daß dieselben sich nicht wiederholen sollen. Kaiser Wilhelm hat bereits in schneidender und praktischer Weise diese wohlfeile Art der Sühne abgefertigt. Die Erwiderung des französischen Gesandten ist ein trefflicher Kommentar zu dem deutschen Telegramm an den chinesischen Kaiser. China räumt auch seine Haftbarkeit zur Zahlung einer Entschädigung ein. Ganz natürlich! Seine Bemühungen waren, seit ihm ein Licht darüber aufging, daß die Mächte siegen wurden, fortwährend dahin gerichtet, sie dahin zu bringen, für ihre beschimpfte Ehre und für das Leben ihrer ermordeten Staatsangehörigen Geld zu nehmen. Sie werden jedenfalls von ihm Entschädigung heischen für die Unkosten, in die es sie gestürzt, und für den Schaden, den es am Gute ihrer Staatsangehörigen angerichtet hat, aber keine Großmacht kann sich soweit erniedrigen, Blutgeld aus seiner Hand zu nehmen. Das einzige sonstige Anerbieten, wenn man dergleichen überhaupt ein Anerbieten nennen darf, geht dahin, die alten Handelsverträge aufs neue zu bestätigen oder abzuändern oder neue Verträge zu schließen. Dafür solle dann dem Tsungliyamen gestattet werden, wieder in Thätig- keit zu treten, und ferner soll das militärische Vorgehen! unverzüglich eingestellt werden. Herr Pichon hat daraus die Antwort erteilt, die solche Unverschämtheit verdient." Ein Telegramm aus Tientsin vom 18. ds. meldet: Ein Courier berichtet, die britische Abteilung der Expedition nach Pao tingfu besetzte am 15. Oktober die befestigte Stadt Wangtschiaku ohne Widerstand. Auch andere Kolonnen fanden keinen Widerstand. Tie Eingeborenen versorgten die Truppen in freundlicher Weise mit Lebensmitteln. Der Taotai von Wangtschiaku teilte mit, daß eine Truppenabteilung!, wahrscheinlich Franzosen oder Deutsche, die Boxer in der Umgebung von Wenan am 9. Oktober auseinander getrieben, ihnen schwere Verluste beigebracht, und auch verschiedene Dörfer nieder- gebrannt habe. General Chaffee ordnete an, zwei Kom- pagnieen sollten sich als Garnison nach Tientsin begeben. Ein Telegramm aus Tientsin vom 19. ds. besagt: Nach verläßlichen, wenn auch nicht amtlichen Berichten ist die Avantgarde der Verbündeten! am 17. ds. in Paoti n g f u eingerückt. Die Stadt ist fast völlig verlassen und es wurde kein Widerstand geleistet. Die britische Kolonne nahm 17 Mann von den kaiserlich chinesischen Truppen am 16. ds. in Wenanhsien gefangen. Sie bildeten einen Teil der 2000 Mann starken Truppenabteilung, die ausgesandt war, um die Boxer in jener Gegend zu zerstreuen. Die Gefangenen behaupten, sie hätten 200 Boxer getötet und seien auf der Rückkehr nach Patschen begriffen gewesen, als sie von der französischen Kolonne beschossen und zerstreut worden seien. Die Engländer entwaffneten die Leute, nahmen ihnen die Pferde weg und ließen sie dann laufen. Ein Reutertelegramm aus Tientsin meldet von demselben Tage: Die Nachricht von der Be- setzungPaotingfus einschließlich der Eisenbahn durch Franzosen bestätigt sich Die Stadt wurde von einem Bataillon Zuaven mit zwei Geschützen und einer Schwadron Kavallerie besetzt. Der Feind leistete während des Marsches keinen Widerstand, und als die Truppen anlangten, wehte die weiße Fahne von den Wällen der Stadt. Aus Hongkong wird vom 19. telegraphiert: Der Militär-Mandarin in Samschun berichtet: Admiral Hos Streitmacht stieß auf Empörer, von denen etwa 100 gEet wurden. Die Empörer zogen sich nördlich vom Ostflusse zurück. — Wie aus Kanton berichtet wird, macht der Auf stand am Ostsluffe große Fortschritte; er ist weit verbreitet und erinnert an den TaipingAufstand Die Missionen blieben unbelästigt. Eine Depesche des „New-Iork Herold" aus Hongkong vom 19. meldet: Die Aufrührer haben unweit Hut- schou, wo sie ihr Hauptquartier haben, eine starke Stellung eingenommen. Ihre Anführer, die offenbar Anhänger Kangyuweis find, haben einen Aufruf erlaffen, in dem sie sagen, China sei auf Gnade und Ungnade seinen Feinden ausgeliefert und für diesen Zustand seien durchaus die Mandarinen verantwortlich. Eine Abteilung Aufständischer ist nordwärts in der Richtung auf Kanton gegangen. An der britischen Grenze ist alles ruhig. Aus Yokohama wird vom 20. gemeldet: Marquis Ito hat die Kabinettsbildung vollendet. Die Minister Katsura und Aamamoto behalten ihre Portefeuilles des Krieges und der Marine, die übrigen Minister gehören zu der neuen Partei Itos. Eine Meldung aus Petersburg vom 20. besagt: Aus der mandschurischen Bahn von Wladiwostok nach Pogranitschnaja verkehren wieder regelmäßig Personenzüge, auf der Strecke Pogranitschnaja Charbm Zizikar bereits Militärgüterzüge. Die Telegraphenlinie Wladiwostok- Kaidoalowo Tschita, die von den Chinesen ebenfalls zerstört worden ist, wird mit Beschleunigung ausgebessert. Die Demobilisierung im Amurgebiet wird eifrig durchgeführt. Die Reservisten reisen auf dem Amur nach Rußland. — Russischen Dampfern ist es gelungen, aus Hankau Thee im Werte von 10 Millionen Rubel auszuführen. * ♦ * Telegramme des Gießener Anzeigers. Loudon, 22. Oktober. Aus Peihotien wckd gemeldet: Die Expeditionskolonne ist, ohne auf Widerstand gestoßen zu sein, hier eingetroffen. Die chinesischen Lokalbehörden legten eine sehr freundliche Gesinnung an den Tag. London, 22. Oktober. Die heutigen Morgenblätter kommentieren sämtlich das deutsch-englische Abkommen betreffend das Yangtsethal. „Daily Mail- erklärt, die Wichtigkeit dieser Abmachung für den Tag der endgiltigen Abrechnung mit China sei unverkennbar. Ferner meint das Blatt, Krüger werde sich nunmehr überzeugt haben, daß er von Deutschland nichts zu erhoffen hat. Die „Morning Post" glaubt, daß die neue Abmachung die russische Habgier in Schranken halten werde. Dieselbe könne gleichzeitig als Gegengewicht für Rußland in China gelten. Die „Morning Leader" billigt die Konvention mit Ausnahme des Artikel 3, der den Großmächten die Möglichkeit benimmt, unter gewisfen Umständen China aufzuteilen. — Aus Petersburg wird gemeldet, daß in dortigen Regierungskreisen die englisch-demsche Konvention gebilligt wird. New-York, 22. Oktober. Die „Sun", die als das zuverlässigste Blatt der Vereinigten Staaten bekannt ist, veröffentlicht eine Depesche aus London, wonach das deutschenglische Abkommen eine weit größere Tragweite besitze als nach dem Text des Abkommens anzunehmen ist. Es bestehe eine förmliche vollständige Allianz zwischen den beiden Nationen seit dem im vorigen Jahre getroffenen Abkommen betr. die Affairen bei Samoa und Westafrika. Damals entsprach Lord Salisbury einem von Deutschland seit 30 Jahren geäußerten Wunsche auf Abschluß eines Bündnisses mit England. Salisbury wollte aus diese Weise sein Land vor der Gefahr einer europäischen Intervention während des südafrikanischen Kriege« schützen. Das Bündnis sei nicht nur defensiver Natur; die gestrige Mitteilung biete dafür den besten Beweis. Es sei anzunehmen, daß Frankreich und Rußland von der Existenz des Vertrages Kenntnis hatten. Aber dieser Vertrag ist weitgehender und umfaffcnber, als man in Paris und Petersburg angenommen hatte. Die „©um" erfährt, daß diese Allianz, welche das wichtigste politische Ereignis der letzten beiden Jahre fei, den Zweck habe, den Frieden aufrecht zu erhalten. Durch diese Allianz werde der allgemeine Krieg, der mit jedem Tage drohender am Horizont erscheine, um Monate, vielleicht um Jahre hinauSgeichoben. Es wird offiziell ausdrücklich dementiert, daß die Vereinigten Staaten sich diesem Vertrage angeschlossen haben. Südafrikanisches. Nach einer Meldung aus Kapstadt versuchen die Engländer der Welt zu beweisen, daß der Südafrikanische Krieg mit ihren jüngsten Erfolgen bei Machadodorp und der sogenannten Flucht Krügers beendet fei, da ihnen keine regulären Burenheere mehr gegenüberständen. In Wirklich- leit verhält sich die Sache aber so, daß ihnen noch, außer De WetS flüchtigen Scharen, noch drei Truppen-Abteilungen der Buren das Feld halten; und zwar die erste unter General De la Ray bei Kommando Nek, die den Engländern unter General Clemens ganz gehörig die Zähne zeigt; die zweite wird von HraSmuS geführt, nordwestlich von Waterfal in der Nähe der Delagoabaibahn; die dritte steht unter General Grobelaar mit der Basis gegen Pietersburg zu. Am härtesten bedroht ist EraSmuS, welchem die Nahrungsmittel und die Kriegsmunition ausgegangen zu fein scheinen, sodaß er schließlich in Unterhandlungen be» tressS seiner Uebergabe treten mußte. Sein Heer soll im ganzen nur 700 Mann betragen haben, hatte jedoch die wichtige Aufgabe,'.die Delagoabahn zerstört zu halten. EraS- muS ist aber kein De Wet, und scheint seiner Aufgabe nicht im geringsten gewachsen zu sein. Auch die Buren unter Grobelaar sehen sich hart bedrängt, denn außer den Engländern ist ihnen ein weiterer Feind entstanden in den aufständisch gewordenen, hier noch sehr kriegerischen Koffern des ZoutpanSbergeS. Der Häuptling Malaboch, der erst vor wenigen Jahren von den Buren niedergerungen worden war, scheint die Fahne des Aufruhrs erhoben und eine ganze Anzahl weiterer Kaffernstämme mit sich gerissen zu haben. ES ist nicht erwiesen, ob die Engländer hierbei ihre Hand im Spiele gehabt haben, so nahe die Vermutung auch liegt, denn eS wäre kein schlechtes Gc- schäft für sie, den Teufel durch Beelzebub auStreiben zu lassen, namentlich da sie dann ja auch eine so gute Gelegenheit hätten, die entvölkerten Bergwerke Johannesburg« mit den aufständischen Kafsern frisch aufzusüllen. Aus Smila wird gemeldet: Die amtlichen Aufstell- ungen ergeben, daß die englische Regierung während des südafrikanischen Krieges von 60 indischen Häuptling en HilsSanerbietungen erhalten hatte. Alle größeren eingeborenen Herrscher stellten fast ihre gesamten Mittel England zur Verfügung, viele hatten sogar persönliche Dienste angeboten. Ein Telegramm aus Johannesburg vom 20. besagt: Eine starke Abteilung ist von hier in der Richtung nach Boysen und Kliprinerberg abgegangen, wo sich starke feindliche Abteilungen zeigten. Reuter meldet aus Lourenzo Marques vom 20. Das Kriegsschiff „Gelderland", Krüger an Bord, ist heute mittag in See gegangen und läuft die Häsen Dar es Sa- laam, Tanga, Dschibuti und Marseille an. Wie aus Durban vom 20. gemeldet wird, ist Bull er nach einem warmen Empfang seitens der Bevölkerung an Bord des „Hawarden Castle" nach England abgereift. • Telegramme deS Gieheaer Aazeigers. London, 22. Oktober. Eine Meldung aus Mafe sing besagt, wie es heißt, bemächtigte sich Lord Methuen in der Nähe von Zern st 222 Eisenbahnwagen. Loudon, 22. «Oktober. „Daily Mail" meldet aus Pretoria, daß General French im Begriffe stehe, eine große Operation in der Gegend von S t a u d e r t o u auszuführen. Paris, 22. Oktober. Die nationalistischen Blatter berichten bereits über große Vorbereitungen, die zum Em p f a n g e Krügers in Äll arsetll e getroffen werden, Es soll u. a. ein großes Bankett stattfinden. Angeblich werden Delegationen aus allen europäischen Ländern nach. Marseille kommen. Die Nationalisten sind bemüht, den Empfang Krügers zu einem spezifisch nationalistischen zu machen, um bei dieser Gelegenheit durch heroische Posen unter Benützung der herrschenden Antipathie gegen Eng land ihre bereits stark im Niedergange befindliche Sache wieder aufzuleben. Marseille, 22. Oktober. Wie verlautet, werde sich Präsident K r ü g c r von hier nach Nizza begeben, wo er den Winter verbringen will. Deutsches Reich. Berlin, 21. Oktober. Aus Homburg v. d. H. wird gemeldet: Der Kaiser ließ sich gestern durch den General v. Villaume Mannschaften des hier garnisonierenden Bataillons vorführen, die Winter-Uniformen für die verschiedenen Waffengattungen der Chinatruppen angelegt hatten. — Die Kaiserin und der Kronprinz unternahmen vormittags einen Spazierritt, später machte das Kaiserpaar mit dem Kronprinzen einen Spaziergang. — Zur Frühstückstafel waren geladen: Kriegsminister v. Goßler, General v. Billaume, Major v. Ketteier, Generalkonsul v. RekowSki und Bildhauer Professor Hertel. Aus Cron berg wird gemeldet: Gestern Abend 6 Uhr traf die Kaiserin mit dem Kronprinzen auf Schloß Friedrichs- Hof ein und kehrte eine halbe Stunde später nach Homburg zurück. Das Befinden der Kaiserin Friedrich ist andauernd befriedigend. — Der Kaiser war heute Mittag wieder über eine Stunde im Schloß FriedrichShof anwesend. Die Kaiserin Friedrich hat kurze Zeit außer Bett zugebracht. Der Kräftestand hat sich, da die Nahrungsaufnahme etwas stärker war, gehoben. Die Kaiserin hat ihren Vertrauten für die ihr zum 18. Oktober erwiesenen Aufmerksamkeiten danken und ihnen mitteilen lassen, daß sie sich besser fühle. Prinzessin Karl von Hessen fuhr gestern früh mit dem IO*/, Uhr-Zuge von (Kronberg nach Frankfurt. — Professor RenverS ist hier wieder eingetroffen. — Ans London wird geschrieben: Ein kurzer Nachtbericht besagt, daß die Königin dauernd befriedigende Nachrichten erhält. Die Besserung im Befinden der Kaiserin Friedrich macht weitere Fortschritte. Aus Athen verlautet, daß die Kronprinzessin Sophie gestern ein Telegramm deS Inhalts erhielt, daß in dem Befinden der Kaiserin Friedrich eine ausgesprochene Besserung eingetreten und die Kaiserin jetzt außer Gefahr sei. — Aus Homburg wird gemeldet: Die vier ältesten kaiserlichen Prinzen machten gestern einen Ausflug nach Rüdesheim zum Niederwald-Denkmal. — Graf Bülow wurde der „Nat.Ztg." zufolge zu seiner (Ernennung von Kaiser Franz Joseph, Viktor (Emanuel, den Königen von Schweden, Rnmnänien und anderen Herrschern, vorn russischen Minister Grafen Launsdorff, den meisten deutschen Bundesfürsten, dem Ministerpräsidenten Frhrn. von Mittnacht, Grafen GoluchowSki, Marquis Visconti Venosta u. A. persönlich beglückwünscht. Den deutschen Bundesfürsten wurde die Ernennung des Grafen Bülow vom Kaiser selbst angezeigt. In den Erwiderungen der Bundesfürsten sand deren Anerkennung für die Verdienste des greifen Fürsten Hohenlohe und ihre volle Zustimmung zu der vom Kaiser getroffenen Wahl Ausdruck. — Der bisherige erste Sekretär bei der deutschen Botschaft in Washington Freiherr Speck von Sternburg ist, der „Nordd. Allg. Ztg." zufolge, zum Generalkonsul in Kalkutta ausersehen. — Aus Frankfurt a. M. wird gemeldet. Der Kriegsminister v. Goßler traf heute früh, von Homburg kommend, hier ein und fuhr mit dem fahrplanmäßigen Schnellzug um 8 Uhr nach Berlin weiter. — Eine gestern erschienene Extra-AuSgabe des „Militär-Wochenblattes" bringt ziemlich umfangreiche Veränderungen in den mittleren und höheren Kom- mandostellen der Armee, welche der Kaiser in Homburg am 18. Oktober vollzogen hat. U. a. find zwei Generalmajore in Genehmigung ihrer Abschiedsgesuche mit Pension zur Disposition gestellt worden. Außerdem sind drei Regiments- Kommandeure aus dem aktiven Dienst geschieden. Im ostasiatischen Expeditionskorps sind mehrere Beförderungen von Leutnants zu Oberleutnants erfolgt, darunter auch diejenige d t Kommandeurs der Stabswache des Armee-Oberkom- wundos, Grafen (Eulenburg. — Mit Bezug auf neuerliche Angaben in der Presse über den Inhalt der neuen Kanalvorlage weist die „Nordd. Allg. Ztg." wiederholt daraus hin, daß eine end- giltige Feststellung der Vorlage erst nach den demnächst beginnenden kommissarischen Beratungen erfolgt. Bis dahin dürfte es sich empfehlen, Vermutungen und Kombinationen, die teils aus öffentlich geführten Vorverhandlungen, teils aus den Drucksachen der vorjährigen Kanal-Verhandlungen geschöpft find, nicht, wie es der „Hannov. Courier" jüngst versucht hat, als den zutreffenden Inhalt der Vorlage aus« zugeben. — Gegenüber einer Meldung der „Köln. Ztg." erklärt die „Nordd. Allg. Ztg.", das Finanzministerium habe keine Anweisung erlassen, daß durch die infolge Rückganges der deutschen Reichs- und preußischen Staatsanleihe den einzelnen Kaufleuten gewährte Zoll- und Steuerkredit nicht unwesentlich herabgesetzt werde. Karlsruhe, 21. Oktober. Fürst Hohenlohe wird am Dienstag von Baden nach Berlin abreifen uud die Amts- gefchäfte feinem Nachfolger offiziell übergeben. Der Groß- hezog verweilte eine Stunde bei Hohenlohe. — Wie der „Bad. Landesbote" von wohlinformierter Seite wiffen will, wird Staatsminister Nokk am 1. Dezember in den Ruhestand treten. Staatsrat Eisenlohr, der Generaldirektor des badischen Eisenbahnwesens, soll um seine Entlassung nachgesucht haben. Stuttgart, 21. Oktober. Der König fährt morgen in strengstem Inkognito über Frankfurt-Köln Braunschweig nach Potsdam und bleibt dort mehrere Tage. Dresden, 21. Oktober. Die Besserung im Befinden des Königs schreitet in erfreulicher Weise fort. Seine Majestät hat in der vergangenen Nacht mit geringer Unterbrechung gut geschlafen. Straßburg, 21. Oktober. Die Wahl der Wahlmänner für die L a n d e S a u S s ch n ß w a h l e n ist auf den 29. Oktober, die Wahl der Abgeordneten zum Landesausschuß auf den 6. November anberaumt.______________________________ Ausland. Haag, 21. Oktober. Die Königin, ihr Verlobter und die Königin Mutter sind gestern, in der Residenz eingetroffen. Als die Königin und Herzog Heinrich nach ihrer Ankunft iin PalaiS auf dem Balkon sich zeigten, wurden ihnen lebhafte.Hnldigunaen bereitet. Die Bevölkerung stimmte das Nationallied „WilhelmuS von Nassauen" au. Am Nachmittage erscheint das diplomatische Korps zur Beglückwünschung. — Die Königin Wilhelmine hat, lvie holländische Blätter melden, im letzten Sommer bei einem Zusammensein mit dem mecklenburgischen Fürstenhaus in Schwarzburg in ihre Verlobung mit Herzog Heinrich gewilligt, der sie darauf während ihres jüngsten Aufenthalts in König besuchte. Die junge Fürstin hat ihrem Bräutigam das Großkreuz des Ordens vom Niederländischen Lölven verliehen. In Amsterdam spielte an dem Abend, als sich die Kunde von der Verlobung der Königin verbreitete, gerade eine plattdeutsche Trupps die bekannte Dramatisierung der Neuter'schen „Stromtija . Im Ztvischenakt rtcfytete darauf Unkel Bräsig eine Ansprache ans Publikum, worin er „auf mecklenburgisch" beiden Ländern zu dem neuen Bunde Glück wünschte. — Der deutsche Kaiser richtete an Herzog Hem rich von Mecklenburg-Schwerin folgendes Telegramm: „Empfange aus treu mitfühlendem Herzen meinen innigen Glückwunsch. Die Aufgabe, welche Du über- nommen hast, ist schwer, entsagungsvoll und reich an Arbeit. An der Seite der zielbewußt ihres Amtes und mit klarem Blick waltenden Oranierin lvird es Dir mit Gottes Hilfe gelingen, das kernige Volk der Niederländer zu beglücken. Meine Wünfche begleiten Dick), und die teure Königin". Brüssel, 21. Oktober. In Antwerpen haben die D i a m a u t a r b e i t c r beschlossen, heute morgen zur Er- kämpsuug des achtstündige» Arbeitstages den Generalstreik zu eröffnen. Der Streik umfaßt etwa 3000 Ar beiter. Zu belgischen Mitgliedern des ständigen S ch i e d s g e r i ch t S im Haag wurden Beernaert, Baron Lambermont, Senator Chevalier Descamps, der ehemalige Minister des Innern, Roliu Jaequemyns, ernannt. — Die Sozialisten beschlossen, diejenigen bürgerlichen Parteien, die mit ihnen für das allgemeine und gleiche Wahlrecht eintreten, zur Teilnahme an der großen D e - monstration am 11. November einzuladen. tyariä, 21. Oktober. Der Gemeinderat lehnte den mncPrä^teu vorgelegten Budgetentwurf der Stadt Paris ab, weil in demselben behufs Deckung der “Manjur Neubauten Steuerzuschläge in Höhe von 11 Millionen beantragt werden. M a d r i d, 21. Oktober. General W e y l e r wurde zum General kapitän von Madrid, General Pola- v i e j a zum P r ä s i d e n t e n des Obersten Rates für Krieg und Marine ernannt. — Vergebens waren die Anstrengungen Silvelas, heute Gasset und Dato zur Zurücknahme ihrer Demission zu bewegen. Silvela, der einsah, daß eine nochmalige Ausflickung des Kabinetts unmöglich ist, begab sich zur Königin, um die Demission des ganzen Kabinetts zu unterbreiten. Die Neubildung des Kabinetts wiro schwer fein. Es ist ausgeschlossen, daß Silvela wieder mit der Neubildung betraut werde; denn nicht nur hat er seine Demission als unwiderruflich eingereicht, sondern auch die Führerschaft der konservativen Partei n i e d e r g e l e g t. (Er fei nicht, wie er erklärte, zum Staatsmann geboren. General Azearraga dürfte das Kabinett bilden und weiter- wursteln. — Im Staatshaushalt werden 654 000 Pef. für die Installierung eines Seekabels zwischen Fernando Po und Deutsch-Kamerun ausgeworfen werden. Budapest, 21. Oktober. Der I u st i z a u s s ch u ß nahm die Vorlage {betr. die EheschließungdesErzherzogs Franz Ferdinand an. Es wurde beschlossen, daß eine Vorlegung des Hausgesetzes nicht notwendig sei und daß der Erklärung des Erzherzogs, die in der dem Parlamente zugegangenen Vorlage enthalten ist, die Originalunterschrift des Erzherzogs beigefügt werden solle. Petersburg,,21. Oktober. Der deutsche Botschafter Fürst Ra doli n ist nach Jar o tschin abgereist. Botschaftsrat Graf Pückler übernahm die Leitung der Geschäfte der Botschaft. New 9) o r t, 21. Oktober. Der „New York Herald" erklärt auf Grund verläßlicher Informationen aus allen Staaten der Union, daß Me Kinley mit erhöhter Mehrheit und ein republikanischer Kongreß erwählt werde. — Depeschen aus Panama vom 8. ds. besagen, der Bürgerkrieg in Columbien dauere noch fort. Das Land werde allmählich aller Hilfsquellen beraubt. Das Innere des Landes fei verwüstet. Aus Stadt und Land. Sieben. 22. Oktober 1900. • * Kaiserin Auguste Viktoria begeht heule ihren 43. Ge° burlstag. An allen Familienfesten des Kaiserhauses nimmt das deutsche Volk aufrichtigen Anteil, eine schone Sitte unserer Nation, die ihr hoffentlich dauernd erhalten bleibt. Nicht daS kleinste Blatt in dem Ruhrncskranze des erste« Kaisers des neuen deutschen Reiches ist eS, die monarchische Ueberzeugung in deutschen Herzen vertieft, die Beziehungen deS deutschen Volkes zum Kaiserhaufe herzlich und innig gestaltet zu haben. In seinen Bemühungen, auch dieses kostbare Vermächtnis zu hüten, hat Kaiser Wilhelm 11. in seiner Gemahlin einer verständnisvolle und unermüdliche Mitarbeiterin gefunden. Das verflossene Lebensjahr hatte unserer Kaiserin schweres Leid gebracht, als fich die Augen der treuen Mutter für immer schloffen. Dem Leid, das Gott der Herr geschickt, folgte aber nur wenige Monate später, bei der Volljährigkeit des Kronprinzen, ein Freudentag. Zum erstermal erschien der vortrefflich entwickelte Prinz im Vordergründe der Oeffentlichkeit, zum Stolz des Vaters, zur Freude der Mutter. Für daS schöne FamiliA Verhältnis in unserem Kaiserhause kann die Nation nicht dankbar genug sein. Möge eS vorbildlich wirken/ Oo im Schloß oder in der Hütte geboren — überall vermag Liebe alle Schwierigkeiten zu überwinden und mütterliche ‘Sorgfalt den Kindern Gedeihen schaffen. Möge das uamilieiu glück unseres Kaiserhauses, zu dem die ^Elon m Ehrfurcht und Liebe blickt, auch fernerhin ungetrübt ^An. Die persönlichen Sympathien, die die Kaiserin sich überall in der Bevölkerung zu erwerben verstanden hat, sichern ihrem heutigen Feste weil über den Kreis der offiziellen Bekundungen hinaus eine Teilnahme, die für diesmal wegen des immer noch Besorgnis erregenden Zustandes der Kaiserin Friedrich zwar still, doch nichts destoweniger allgemeiy uud herzlich sein wird. • * erb- und Völkerkunde. Die Hauptversammlung der Gesellschaft für Erd- und Völkerkunde findet am 28 Oktober vormittags 11 Vs Uhr im „Hotel Kaiserhos" statt, der Ausflug nach Willingshausen in der Schwalm am 27. Oktober (8,18). * * Vortrag. In der Generalversammlung der Gewerkschaften am gestrigen Sonntag sprach Gewerbeinspektor Engeln über die Pariser Weltausstellung. Redner gab zunächst die Eindrücke wieder, die die Gesauitausstellung innen und außen aus den Besucher macht, und schilderte dann seine Wahrnehmungen über das, was als neu und bemerkenswert rn Bezug aus Fachtechnik, Fachbildung, Arbeiterschutz einrichtungen bezeichnet werden kann. Wie bei allen Ausstellungen, so nahm auch in Paris Die Abteilung Maschinen das lebhafteste Interesse in .Inspruch; na- mentlich in der Vervollkommnung der^ Werkzeugmaschinen für Holz und Metall trat der rege Wettstteit der Nationen w tage, desgleichen auf dem Gebiete der Elektrotechn^ Die in Deutschland gebauten Maschinen zeichneten M vor allen anderen durch genaue Arbeit aus. Redner bezeichnete es als notwendig, daß die Maschinen immer nut ^rbnimorriditunacn geliefert werden, das nachträglich« Anbringcn solch'r"verunstalte die Maschine. Erfolgreich ist die^ deutsche Industrie auf dem Gebiete des Rettungswesens thätig gewesen, und was die auf Forder- und Schutz der Gesundheit gerichteten Bestrebungen be-. treffe fo stehe Deutschland immer noch an der Spitze; mit seiner Kranken, Alters- und Jnvaliditätsversichernng stebe Deutschland einzig da, womit freilich nicht behauptet loerden solle, daß sckpin alles erreicht und iiichts weiter zu sck)afsen sei. — Der unzweifelhafte Erfolg, den Deutsch- land mit seiner, auf verhältnismäßig sehr kleinen Raum zusammengedrängten Ausstellung dem Auslande gegenüber errungen, solle die Deutschen nicht zu Ueberhebungen verleiten. — Rach ausführlicher Besprechung der Einrichtungen in den französischen Fachschulen, der Ausstellung des Reichsversicherungsamtes, der Arbeitszeit und Arbeitsweise in Paris, und alles dessen, was in Bezug auf Arbeiterwohnungen ausgestellt, gab der Redner auch einige Bilder des in Paris herrschenden sozialen Elends, der dortigen Verkehrseinrichtungen ufro. Herr Engeln schloß unter den Beifallskundgebungen der zahlreich anwesenden Mitglieder der hiesigen Gewerkschaften seinen Vortrag. Die folgende lebhafte Diskussion gab dem Vortragenden Gelegenheit, die Meinungen und Wünsche der Arbeiter in Bezug auf gewerbliche und soziale Einrichtungen zu hören uno Anfragen zu beantworten. ** Stadttheater. Vor vollem Hause wurde gestern als echtes Sonntagsstück W. Mannstädts „W a l z e r k ö n i g" gegeben. Um den allgemeinen Beifall hervorzurufen, den die recht ansprechende Darstellung des ziemlich gehaltlosen Machwerks sowohl bei offener Szene als auch nach jedem Aktschluß erzielte, bedurfte es allerdings der altbewährten Komik des Herrn Helm als reichen Lebemann Amandus Höppner im trefflichen Zusammenspiel mit Fräulein Eichenwald als Damenschneiderin Marie Pünktlich und Herrn di Balthyni als seinem nicht aus der Art der Höppners geschlagenen Neffen Guido. Nur mit dem Gesang Frl. Eichenwalds werden wir uns wohl nie befreunden können, zumal wir auch gestern abend wieder wie schon kürzlich Frl. Kuglers entschieden umfangreichere und geschultere klare Stimme daneben hören durften; selbst als „Stimme aus dem Hintergründe" drang sie noch besser durch als die in den Vordergrund gestellte. Ebenso konnten wir der Art, wie Herr Reinhardt sich den Spekulanten Bergmann dachte, beim besten Willen keinen Geschmack abgewinnen. Recht vorteilhaft wußten ihre Rollen Frl. v. Lin den au als kokette, sich anderweitig tröstende Gattin des sie vernachlässigenden Politikers Scheltenberg, den wiederzugeben Herrn R a m s e p e r ein Leichtes war, und Herr Warlitz als armer hoffnungslos liebender Kaufmann Berger aufzufassen und auszugestalten, zwei neue Kräfte, die wir gestern zum ersten Male in größeren Rollen nicht ohne Bewunderung spielen zu sehen Gelegenheit hatten. Einfach unbezahlbar wirkte im Verein mit der unglaublich dummes Aussehen verleihenden Frisur Frau Helm als Kammerjungfer Maruschka, und ebenso konnte es dem mit Recht von sich überaus eingenommenen Groom Pips, in dessen Wiedergabe Frl. W o h l b r ü ck sich wie zu Hause fühlte, an dem gewünschten Erfolge nicht fehlen. — Für den morgenden Mend ist „Maria Stuart" angekündigt, in deren Titelrolle sich ein recht hoffnungsvolles neues Mitglied unserer Bühne, Frl. Korn, uns zum ersten Male in hervorragender Rolle zeigen wird. ** Militärisches. Uhlenhaut, Lt. im 3. Großh. Hess. Jnf.-Rgt. (Leib-Rgt.) Nr. 117 zum Oberleutnant befördert, W int her, Lt. in demselben Rgt., vom 1. November ab zu einer vom Kriegsministerium zu bestimmenden Mil.- Intendantur kommandiert, Heuer, Hauptm. und Komp.- Chef, im Jnf.-Rgt. Nr. 59, in das Jnf.-Rgt. Kaiser Wilhelm (2. Großh. Hess.) Nr. 116 versetzt, Schotte, Lt. im 3. Großh. Hess. Jnf.-Rgt. (Leib-Rgt.) Nr. 117, kommandiert als Erzieher an der Hauptkadettenanstalt, unter Versetzung in das Jnf.-Rgt. Nr. 97 mit Ende Oktober von seinem Kommando enthoben, Graf zu Waldeck und Pyrmont, Oberlt. im 2. Großh. Hess. Leib-Dragoner- Rgt. Nr. 24 in das 2. Hann. Drag. Rgt. Nr. 16 versetzt, Bosse, Fähnrich im Jnf.-Rgt. Kaiser Wilhelm (2. Großh. Hess.) Nr. 116, Böiges und Brun ko w, Fähnriche im Inf. Rgt. Nr. 117, Graf zu Nidda, Fähnrich im 2. Großh. Hess. Leib Drag.-Rgt. Nr. 24, v. Trott zu Solz, Fähnrich im 1. Großh. Hess. Feld-Art.-Rgt. Nr. 25 zu Leutnants befördert, die Unteroffiziere: Scriba im Jnf.-Rgt. Nr. 168, von Urss im Drag.-Rgt. 24, von Küchler, Frhr. Schenk zu Schweinsberg im Feld- Art.-Rgt. Nr. 25 und Riedesel Frhr. zu Eisenbach, charakt. Fähnriche von demselben Rgt. zu Fähnrichen befördert, von Stoessel, Hauptm. und Komp.-Chef im Jnf.-Rgt. Kaiser Wilhelm (2. Großh. Hess.) Nr. 116, mit Pension und der Rgts.-Uniform der Abschied bewilligt; Dr. Stühlinger, Unterarzt beim 1. Großh. Hess. Jnf.- Rgt. Nr. 115, zum Assistenzarzt befördert. *• Hessische Lotterie. Wie der „B. A." bestimmt erfährt, werden die Lose vom nächsten Jahr von 33 000 aus 50 000 erhöht und die Zehntel-Einteilung in Achtel-Einteilung umgewandelt. Die Gewinn-Einteilung soll vorerst bestehen bleiben. Mainz, 20. Oktober. In der Frage des Achtuhr- » Anschlusses hat der Ausschuß des Vereins Mainzer Kaufleute beschlosst, vorerst eine abwartende Stellung ein- zunehmen, bis über die Wirkungen des Gesetzes weitere Er- sahrungen vorliegen und über die Stellung der benachbarten Städte in dieser Angelegenheit entichieden ist. -nn. Mainz, 21. Oktober. Der 13. h e s s i sche L) a n- delskammertag fand hier heute im großen Sitzunas- saale des Stadthauses statt. Es waren Ttttch?sieben Handelskammern mit ca. 32 Vertretern anwesend Ten Vorsitz führte Geh. Kommerzienrat Michel-Mainz als Beisitzer fungierte Kommerzienrat Cob lenz er-Bingen Als Vertreter der Regierung war Ministerialrat Brann als Vertreter des Kreises Kreisamtmann Mathias anwesend. Ministerialrat Braun beteiligte sich öfter lebhaft an den Debatten. Vor Eintritt in die Tagesordnung begrüßte der Vorsitzende die Vertreter der Regierung, der Stadt Mainz, der einzelnen Handelskammern und der Presse. Beigeordn. Dr. Haffner begrüßte den Handelskammertag im Namen der Stadt Mainz. Als Vertreter der Gießener Handelskammer waren der 1. Vorsitzende, Kommerzienrat K o ch, und der Handelskammersekretär Dr. Ke hm anwesend. Der hauptsächlichste Gegenstand war die Beratung eines Entwurfes eines neuen hessischen H a n d e l s k a m m e r - G e s e tz e s und der dazu vorliegenden Abänderungs-Anträge, die Über vier Stunden in Anspruch nahm. Der Entwurf stammte von der Handelskammer Mainz, und besonders hatten Darmstadt, Offenbach und Gießen eine Menge Abänderungs- Anträge gestellt. -In den Hauptzügen wurde der Entwurf angenommen. An der Debatte beteiligten sich besonders Langenbach- Darmstadt, Schloßmacher - Offenbachs Dr. Ke hm-Gießen u. a. m. Der Entwurf umfaßt zirka 36 Artikel und wird einer Redaktions-Kommission, bestehend aus Mitgliedern der Handelskammern Gießen, Offenbach, und Mainz, zur endgiltigen Fertigstellung überwiesen; nur fällt der Kreis Erbach i. O. jetzt zu Darmstadt und ein Teil des Kreises Oppenheim, der seither nach Mainz zählte, zu Worms. Der Entwurf geht nach der Redaktion an die Regierung zur endgiltigen Herausgabe. Der neue Entwurf enthält gegen das seitherige Gesetz drei grundsätzliche Aenderungen: 1) Die Wahlfähigkeit wird etwas weiter begrenzt, indem auch diejenige Firma wahlfähig bleibt, deren Etablissement im Bezirk liegt, der Inhaber aber außerhalb wohnt, 2) das Ausscheiden eines Inhabers aus dem Geschäft hindert dessen Wahlfähigkeit nicht, wenn er im Bezirk wohnen bleibt, 3) die wirtschaftlichen öffentlichen Anstalten und Verkehrsmittel sollen mehr wie seither unter Aufsicht der Handelskammern gestellt werden. — Bei Art. 7, die Wahlberechtigung bett., erklärte Ministerialrat Brayn, daß es ratsam sei, den seitherigen Modus, wonach die Firma einer der vier ersten Klassen der Gewerbesteuer angehören muß, bis zur endgiltigen Gestaltung der Gewerbesteuer-Gesetzgebung bestehen zu lassen. Ein Antrag, nach dem auch die Detaillisten eine festgelegte Anzahl Vertreter in der Kammer haben sollten, wurde abgelehnt. — Punkt 2 der Tagesordnung betraf die Umfrage des Deutschen Handelstages, betr. die Einrichtung einer Zentralhandels stelle, über die der Vorsitzende referierte und erklärte, daß nach den stattgehabten Ermittelungen das Schaffen von Handelsmuseen und Handelskorrespondenzen nicht anzustreben sei, da auch die Kosten hierfür zu hoch kommen; dagegen werde man vorerst durch zuverlässige Sammlung und Festlegung aller den Handel und das Gewerbe betreffenden Gesetze an entsprechender Stelle, Anlegung einer Auskunftsstelle re. einen Anfang machen; dies werde vorläufig -g-enügen. — Die Zulassung der hessischen Jndn- striellen zu der im Jahre 1902 in Düsseldorf stattfindenden Industrie-Ausstellung war der nächste Punkt der Beratung. Es wurde beschlossen, die Großherzogliche Regierung zu ersuchen, die Genehmigung der Beteiligung für das ganze Großherzogtum Hessen zu erwirken, nachdem der Kreis Offenbach schon die Genehmigung erhalten hat. — Eine lebhafte Debatte verursachte der nächste Punkt, nämlich die von der Handelskammer Gießen angestrebte Einführung einer weiteren Briefbestellung mit Empfangsbescheinigung, die man sich ungefähr so denkt, daß man zwischen den gewöhnlichen Briefen und den eingeschriebenen Briefen eine Briefsorte „Gegen Schein" einschiebt, die mit nur 10 Pfennig Mehrporto einfach in den Kasten geworfen und von der Post wie ein eingeschriebener Brief behandelt wird. Der Antrag wird dem Vororte zur Prüfung und entsprechenden Behandlung empfohlen. Die Postbehörden haben sich bisher dagegen ausgesprochen. Als wichtigsten und letzten Punkt behandelte man den neuen Zolltarif in sehr lebhafter Diskussion. Es wurden folgende Resolutionen einstimmig angenommen: 1) Der hessische Handelskammertag spricht sich dahin aus, daß nach Llblauf der geltenden Handelsverträge der Abschluß neuer langfristiger Verträge mit möglichst zahlreichen gebundenen Tarifsätzeri und der Klausel der Meistbegünstigung mindestens für die wichtigsten Tarifpositionen anzustreben sei. 2) Der hessische Handelskammertag ersucht die Großherzogliche Regierung bei Feststellung des neuen Zoll- tarifes auf möglichst niedrige Zölle auf die notwendigsten Lebensmittel hinwirken zu wollen. — Die übertriebenen agrarischen Forderungen sind aber entschieden zurückzuweisen, weil deren Verwirklichung eine gedeihliche Fortentwickelung des deutschen Außenhandels, welcher angesichts der starken Volksvermehrn t ujrv.-enb im Interesse der Gesamtwohlfahrt der deutschen Völker gelegen ist, unmöglich machen würde. Um drei Viertel sechs Uhr schloß die sehr interessante Sitzung, au die sich ein Festessen im Kasino Gutenberg anschloß. Vermischtes. * Regensburg, 19. Oktober. Heute früh wurde bei Barbing die Leiche des Bankiers Sim. Wiener gefunden, die dort von der Donau angeschwemmt worden war. Auch der Prokurist der Firma Bernstein ist seit vorgestern verschwunden. Der Grund dieser Vorkommnisse liegt in dem Zusammenbruch des Wiener'schen Geschäfts. In der Stadt gehen Gerüchte von großen Verlusten, die viele Kunden der Bank erleiden sollen. * D a s Lu ft s ch is f d e s Gr af e n Zeppelin. Aus Friedrichshafen, 18. ds., erhält die „Franks. Ztg." folgende Zuschrift: Ich lese heute allenthalben die Telegramme über den „erfolgreichen" zweiten Aufstieg des Grafen Zeppelin. Vielleicht haben Sie, bevor diese Zeilen in Ihre Hände gelangen, bereits ausführlichere Meldungen bringen können, die den großen Erfolg etwas zweifelhaft erscheinen lassen. So war es auch das erste Mal; aus einem Siege wurde zum mindesten eine unentschiedene Schlacht. Möglicherweise sind Ihnen demnach, auch meine Zeilen nicht unwillkommen. Sicherlich: das „Luftschiff" erwies sich, a l s l e n f b a r. Es stieg unter den Hurrarufen des vollzählig am Ufer versammelten Friedrichshafen majestätisch, und ruhig in die Lüfte, schwebte sinnig und hübsch, über den See hin, machte kleine Drehungen um seine vertikale Achse, vielleicht sogar kleine Kurven, vollführte leichte Drehungen auch um seine Horizontalachse und blieb sicher und friedlich stets ungefähr in derselben Höhe und über demselben Flecken schweben. Von einem ausgedehnteren Hin- und Herfahren, von einem Auf- und Abschweben zu größeren und geringeren Höhen war freilich nicht merklich die Rede. Man hatte das Gefühl, als ob das Luftschiff sich, sehr freute, daß es so nett da oben balancierte, und man freute sich nnt darüber; denn ohne Zweifel ist die schöne Aus- b a l a n z i e r u n g pes Fahrzeugs das gelungenste an der Aber unter welchen Umständen wurden benn btc geschilderten bescheidenen Resultate erzielt? Unter den allergunftigften: .es herrschte fast absolute Windstille ! Wie schwach der Wind war, ergiebt sich aus folgenden Thatsachen. Das Wolsf'sche Bureau spricht von schwacher südlicher Luftströmung. Der zur Feststellung der Windrichtung aufgelassene Fesselballon zeigte aber, wenn Überhaupt etwas, eine aanz schwache nördliche Strömung an. Dementsprechend nahm auch ein aufsteigen- ber papierner Versuchsballon eine sübliche Richtung. Ein zweiter freilich machte etwas später, sehr, sehr gemächlich eine nördliche Reise. Der Rauch aus ben Schornsteinen ringsum schlug bald nach Norben, balb nach Westen ober Süden. Nach alledem sind wir nicht sicher, ob bie konstatierten langsamen Vorwärtsbewegungen des Luftschiffes nicht in der Hauptsache auf Rechnung schwacher umlaufender Winde zu setzen sind. Wenn wir trotzdem oben eine gewisse „Lenkbarkeit" des Fahrzeuges zu- geb£n, so thun wir das eigentlich nur auf Grund der Beobachtung, daß dasselbe Drehungen um die Vertikal- und Horizontalachse auszuführen im stände war. Hierbei ist aber ausdrücklich festzustellen, daß bei solchen Drehungen um die Horizontalachse kein Auf- und Absteigen des Luftschiffes zu konstatieren, war, was bei nennenswerter Eigenbewegung desselben natürlich gewesen wäre. Wir fragen nun: welcher Ballon beliebiger Form würde nicht in völliger Windstille, also beispielsweise in einem geschlossenen Raum, vermöge eines etwa in feiner Gondel angebrachten Windflügels eine kleine Vorwärtsbewegung und deshalb auch vermöge eines gleiche- zeitig angebrachten ,Schjaufelsteuers eine gewisse Drehbarkeit erlangen können? In der freien Natur freilich bei dem geringsten Hauche würde solcher Ballon willenlos davongetragen werden. Nicht anders aber wäre es n cuch den,gestern gezeigten Eigenschaften auch, dem Zeppelin'schen Schaff ergangen: eine Luftbewegung von nur Stärke 1 nach der Beaufort'schen Skala hätte es lustig in die Weite entführt. Mag also vielleicht die Form dieses Luftfahrzeugs genial und richtig ersonnen sein, — eines scheint festzustehen: entweder müssen die vier Windflügel erheblich vergrößert und leistungsfähiger, oder ihre Umdrehungsgeschwindigkeit muß durch einen stärkeren Motor erhöht werden. Nach alledem ist es klar, daß weiter versucht werden wird, und wenn dies auch sonst weiter keinen Nutzen.bringen sollte, so jedenfalls einen: dem Orte Friedrichshafen. Es liegt eine gewisse Komik in der Art und Weise, wie Friedrichshafen, das so bescheidene, ruhige Städtchen, durch seinen Luftballon eine berühmte Staot werden will; und es ist gut, wenn der Humor bei einer Sache sich, zeigt. Schon vor langer Zeit begegnete man Anzeigen in Bäderzeitungen, in welchen als great attrac- tion Friedrichshafens der Zeppelin'sche Ballon gefeiert wurde. Es bildete sich hier ferner eine Motorbootgesellschaft, welche Fahrten zum Ballonhause machen läßt. Und schließlich, ist ein ganz findiges Genie sogar auf den Gedanken gekommen, Villeub aupl ätze „mit Aussicht auf die Alpen und den Zeppelin'schen Ballon" anzupreisen. Man beachte die großartige Zusammenstellung! Allzu großes Vertrauen in die baldige Verwirklichung der Zeppelin'schen Träume scheint man demnach in Friedrichshafen selbst nicht zu setzen. - Kirchliche Nachrichten. Gvaugelische Gemeinde. Montag den 22. Oktober, abends 8 Uhr: Bivelstltyde im Konfirmandensaal der Johanneskirche. Hebräerbrief Kap. 1. Gottes Offenbarung tn seinem Sohne und deffen Herrlichkeit. Pfarrer Dr. Naumann. Mittwoch den 24. Oktober: Dekanatssynov-. Vormittags 9 Uhr: Gottesdienst in der Johanneskirche. Pfarrer Gußmann aus Kirchberg. Neueste Meldungen. Crouberg, 22. Oktober. (Telephon-Meldung des „Gieß. Anzeigers".) Das Befinden der Kaiserin Friedrich bessert sich anhaltend. Gestern durfte dieselbe eine Stunde außerhalb des Bettes zubringen. Homburg v. d. H., 22. Oktober. (Telephon-Meldung des „Gieß. Anz.") Nach den neuesten Bestimmungen reist das Kaiserpaar morgen nachmittag zwischen 2 und 3 Uhr von hier ab. 6lberfelb,[22. Oktober. (Tel.-Meld. d. „Gieß. Anz.") Der Kaiser trifft Mittwochvormittag 11 Uhr zur Einweihung der Ruhmeshalle in Barmen ein. Von dort begibt er sich hierher zur Einweihung des neuen Rathauses und fährt dann mit der neuen Schwebebahn nach Voh- winkel. Von dort aus begibt sich der Kaiser direkt nach Villa Hügel bei Essen zum Besuche Krupps. Die geplante Wagenfahrt ist aufgegeben worden. Hanau, 22. Oktober. Gestern fand dahier der Bezirkstag der Gruppe Provinz Heffen-Naffau und Großherzogtum Heffen des Verbandes der Verwaltungsbeamten der Ortskrankenkassen und der BerufSge- noffenschaften Deutschlands statt. Als nächster Tagungsort wurde Wiesbaden bestimmt. Loudon, 22. Oktober. Die Admiralität beschloß die Bildung eines Reserve . Geschwaders für den Kanal. Das Geschwader wird unter den Befehl des Admirals Doel gestellt. Madrid, 22. Oktober. General Aecaraga ist von der Königin-Regentin gestern Abend empfangen worden. Nach seiner Rückkehr aus dem Palast unterhielt er sich längere Zett mit dem Herzog von Teluan und Silvela. Der General war sehr zurückhaltend. Kreditaktien 3 */i r/o Konsole . 3Vo do 86.20 Diskonto-Kommandit 94.90 Darmstädter Bank . Dresdener Bank . . Berliner Handelsges. Oenterr. Staatsbahn Gotthardbahn . . Laurahütte . . . Bochum .... Harpener . . . 3,zgr/o Hessen 5 7 Itaben. Rente 4 0 o Grieoh Monop. 3 7o Portugiesen 3 °/o Mexikaner . 4Vi °/e Chinesen . . 208.40 . 172.— . ISO.— . 142.40 . 144.— . 187.40 . 139.— . 196.50 . 176 80 . 178.— . . 86.20 . . 91.60 . . 94.15 Anl. 41 80 . . 23.80 . . 25.65 . . 76.40 Telephonischer Kursbericht Frankfurt, den 22. Oktober. 37i % Reichsanleihe . . 94.90 3 o/o do Tendenz: fest. Bekanntmachung. Unter Hinweis auf das Ausschreiben Grsßh. Kreisamtes Gießen in Nr. 238 des Gießener Anzeigers fordern wir hierdurch die Baumbefitzer der hiesigen Gemarkung zur Vertilgung deS FrostuachtspavrrerS durch Anlegung von Kleberingen unter dem Anfügen auf, daß der Stadtgärtner und die Feldschützen zur Erteilung von Auskunft und die Geschäfts- stelle des Oberhessischen Obstbauvereins in Friedberg zur Vermittelung des Bezugs der erforderlichen Materialien bereit sind. Gießen, den 18. Oktober 1900. 6960 Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. I. V.: Wolff. PersttigMilM Mittwoch den 24. d. M., nachmittag- 2 Uhr, werden im Bieker'scken Saale Möbel aller Arten, 1 vollst- Bett, i großer Ladenschrank mit Glaslhüren und Untersatz, 1 Palme mit Ständer, 2 schwere Zugpferde u. v. a. versteigert. «MO Geißler, Gerichtsvollzieher. Versteigerung. Dienstag den 23. Mts., nachmittags 3 Uhr, versteigere tcb Ren stadt 55 dahier gegen Barzahlung: 1 Wagen, 1 große, erserne Winde, 1 silbernen Pokal, mehrere Regulatoren, 1 Steppmaschine und diverse Möbel. 6954 Bor«, Gerichtsvollzieher. ÄL WchlhMS. Freibank. 6965 Heute und morgen: »Witt 56 Jfj. SchiielE» 45 üf«. Prima Hammelfleisch Keule ä Pfd. 54 Pfg. empfiehlt 04553 Fritz Schlörb, Marktplatz.___________ Primi Hammelfleisch Keule ä Pfd. 54 Pfg. empfiehlt 04552 Julius Rosenbaum Kirchenplatz. .uihew: Ntberuhmte Steinhuder Tischzeuge. Land- 2C., direct aus der Fabrik v. E. Schuster, Steinhude, in jed. Quant, in Fabrikpreis, zu beziehen. Muster frei. Man vergleiche Preis u. Qual, mit and. Off. Zwiebeln prima haltbare Winterware, 50 Kilo ab Friedbera nur 6948 2 Mk. 90 Pfg. versendet gegen Nachnahme Jacob Stern-Simon, Friedberg (Men). Knoblauch billigst. piatiinos vorteilhaftes!. 6773 franz EyserbecK Bahnhofstraße 61, I. Klavierstimmen. 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Steffenhagen; für den Anzeigenteil: Hans Beck. — Druck und Verlag der Brühl'schen UmversitotS-Buch- und Stemdruckerei (Pietsch Erben) in Gießen. 1_ «orrrfe vom 22./9. |20./10. 1 Cmttf 22 /9. 1 9 VVM * 20 /10. S Tovrfe vom 22.19. 120./10. I — 22./9. ss vom 20/10. 1 TourfL ootn 22. 9 >20 /10. s «VWkft 00w 22?9 120 16 81/2 8 81/2 8 «7, »1/2 3'/- «7, 3 87 372 37, JMißWin«. »«Usch«. D. ReichS-Snl. do...... Preuß ConfolS do...... Badische v. 86 Bayr.St.-Obl. cuHeff.St.-Obb do...... do...... Württemberg. Bremenv.1899 Hambg.v.1899 93.70 85.70 93.70 85 70 93 — 92,50 91.90 81.50 92.40 9430 85.85 94.10 85.85 92.70 92.10 99.50 91.60 81.80 3 t 17. 5 47, 4 5 6 ö7r <72 4 37a 3 Ung. Anl. . . do.Staatsrte. do.E.B.Gold v. 89 . . . . Arg. rnn. Anl. do. äuß. v. 88 do. v. 1897 ChtnefischeAnl. ,", v. 1898 Egypt. unific. . Egypt. priv. . „ garant. 77.30 90.25 101.25 69.10 62.80 88.30 99.50 98.— 75.40 99.80 100.— —4 90.55 31 4 101.— 31 —4 68.90 62.— 3« 90 — 4 98.— 98.— . 75.50 105.10 4 100 — 4 Pfälzische. . . /- Pfälzische. . . Dtsche. Eisenb. /, Südd. „ Braunschweig. Lds.-E.B.IIE. li do. IE. Allg.dtKleinb. Elffab^B.strsr. Kaschau-Oderberger v. 91 Lombarden. . do...... 99.05 97.— 90.— 91’- 96.— 97.40 90 — 67.20 100.15 92.80 96.- 90.30 91’— 96.— 97.20 4 4 37, 37, 4 4 37, 4 4 37. 4 Frkft. Hyp.- Ereditverein do. Ser. 27 . do. Ser. 28, 30, 33 . . . do. Ser. 29 . Ldw.Cred.-Bk. Hambg. Hypbk. Ser.141—250 do. 46—190 Meining. Hyp. do. neue . . do. unk. 1907 Pomm. Hypbk. 98.70 99.50 91.80 91 80 98.70 98.75 91.— 99 — 99.50 91 50 97 60 98.50 99.30 91 60 91.60 98.70 98.— 90.50 99 — 99.50 91.— 97.50 Mitteldt. . . . Nationalbk. . . Oest.Cred.-Act. Wien.Bankver. -»dsßrik-Artier Kleyer Fahrrad Henninger Brauerei. . Farbw. Höchst. Zementfabrik Karlstadt . . Bad. Anil.- u. Sodafabrik . Fabrik Griesh. Chem. Fabrik Albert.... Elektr. Boese. „ Anl. Köln „Kontinenll. Rürnbg. . „ Helios. . „ Lahmeyer „ Schuckert „ Siemens & Halske Filzfabr. Fulda Löhnbgr Mühle Faber LSchlei- cher..... MaschfGritzner Schnellpressen Frankenthal. SchuhfabrOtto Herz & Co. . Siemens Glas Nordd. Lloyd . 108.80 129 80 204 90 122.50 130.— 364.50 107.— 387.— 242.— 156.— 116.50 69.— 91.— 129.— 137.30 180.50 157.50 127.50 77.50 169.50 170.— 179.— 142.— 226.— 107.— 108.30 129 35 202 50 151.50 130.- 361.50 105.50 380.— 243 — 156.10 120.— 69.50 94.50 125 85 136.50 183.90 159.50 120 — 75.- 168.— 166.— 177.50 141,— 232.50 108.50 Hörder Bergw. Kölner „ Mannst.-Fa^on No rdst. Bergw. Phönix „ RiebeckMontan SchalkerGrub. Bochumer Guß Gelsenk. Brgw. Harpen. BrgL. Der. Königs-!'.. SifeNs-LMss. 123.- 342 25 230 — 214.75 147.80 210.60 347.— 76.75 186.80 174.50 189.25 130.— 347.— 218.— 215.2» 154.— 207.— 339 — 173.9» 183.— 175.75 195.— ß 4 6 8 4 41/6 3 5 41/, 8 6 4 31/1 4 875 37 3 4 4 6 1 1 1 4 «nslündlsch«. Griech.E.B. v. 1890 .... Griech.Monop. Italiener Rte. do...... Och.Goldrte.. Oest. Silberrte. Oest.Lokalbahn „ Galiz. Karl Ludw. - Bahn in Silber . . Portug. Staat do...... Rum. am. Rte. Rumän.v.1890 Ruffen v. 80 . Russen Gold- Anl...... Ruff. Staats- Rte., Rubel . Schweden v 80 Schweiz. . . . 37.50 93*70 58 30 97.50 96.25 72.80 99.60 36.10 86.25 73.— 97.20 96.2 37 60 94.10 5820 96 80 96.10 35.25 23.80 87 60 72 80 92.— 95.50 v 5 3 4 37i 37, »7, 4 87, 4 4 37, 37r 37, 4 4 4 4 4 4 4 4 47, Mexico v. 99 . do. Ser.I-III do. Silber. . rtÄcke'stbt. Darmstädter . do...... Gießen er (alte) do. v. 96 . . Mainzer . . . do...... Offenbacher. . Wormser . . . do...... Frankfurt a.M. Darmstadt . . Mannheimer . Münchener . . Nürnberger. . Pforzheim . . Wiesbaden . . Babenhausen . Liffaboner . . Rom H—VIII Buenos - Aires 97.30 3950 25.50 90.20 98 50 98*70 99*50 100.30 100.15 100.40 98.10 66.50 94.20 97.20 ® 41.40 4 25.60 g _ _ 3 90.70 ® 99.70 ® 99 — b 4 90*90 5 90.70 ’ 99.50 ’ 99*75 j __9 100.60 8 98.10 67.20 95.10 4 Och. Staatsb. do. I-VIII . do. v. 85 . . do. Srg^Netz Prag-Dux 96 . Raab-Oedenb. (alte) . . . do. v. 97 . . Rudolf Gold . Jtal. gar.E.B. Livorneser . . Sictl. v. 91 . ToScaner . . Ruff. Südost . do. Südwest Rjäsan-Urals? Wladikawkas . Anatolier. . . Salon.-Mon. . Ifnibtosft. Gothaer unkb. 1903 .... 98.25 83*35 75.60 69.40 68.— 97.50 56.70 96*— 96*30 95.— 96.10 55.20 99.— 98.— 75.60 70.- 68.20 97.90 57.— 60 — 97.- 93.95 94.80 94.90 94.90 97.10 54.40 99 — 4 4 37, 37. 87, 4 4 4 47, do. neue. . . do. 1905 . . Rhein. Hypbk. unk. 1904 . Westdeutsche Bodencredit in Cdln . . Ung. Lds.-Ctr. Pjgerst. Buderus . . . Eisenb. Rtbk. . Hirzh.u. Lollar KsllK'Afttnt. Dtsch.Reichsbk. Berliner Hand. Darmstädt. Bk. Deutsche Bk. . Dt. Genoffbk.. Disct.-Comm. 97.70 98.80 90.40 90.70 91 80 90.- 98*.— 94.80 148.40 143.40 129.- 184.10 106.— 170.— 142.80 182.— 116 50 132 20 128 20 102.50 96.60 93.— 89 — 90.60 91.30 90.— 97*75 94.50 147.35 148.50 130 20 185.80 105.90 171.— 4 5 37. 3 5 3 2V, 3 Oest. StaatSb. do. Südöahn Gotthardbahn. Jura-Simplon Prine Henry . Northern Pac. Transvaal . joisk hi Proc enter». Bad. Th. 100 . Bayer. Th. 100 Donau-Regul. Cüln-Minden. Madrider. . . Mein. Th. 100 Gefiert, o.l 860 Oldenb.TH.40 Raab-Grazer . Türk. frs. 400 per Stück in Mk. Ansbacher ff. 7 Augsburg, fl.7 142.20 25 50 139.95 187.— 130.90 128.60 132.10 125 — 107.80 136,90 25 — 189.— 107.— 73.70 157 75 139.— 131’— 128 30 131 30 93 95 106.— 38 90 24.50 Serben v. 95 . Spanier . . . Türk.Zoll-Obl. bo.IonD.LitB. bo.com> .Lite, do. LitD. 1 Uno. Goldrte.. 58JC 46*8( 95*2( 58*.- 100*7( 46.8t 22.2t 95 55 4 »7, 87, 37 41 Stand es hrl.),l. S.-Braunf. . . do...... do. Lich . . . Dsnbg.-Lierst. «isesd.-Sritttt. D-*stch«. i| Homburger . . 87.90 — 1 1 i 1 1 I' 1* fs 1 Grundschbk. Ser. V—VI do. i-n */, do. unk. 1906 Frkft. Hypbk. XIV..... 7, bo.xn-xni '/. do. XV. . . 98.80 98 — 90.40 99.— 92.— 92 50 98.— 93.— 89.50 98.95 91 80 92- Dresdener . . Franks. Bank . D.Eff.u. Wechselbank . . . Pfälzische Bank Schaffhsr. „ Bank f. Süddeutschland . 141.40 180.- 115.30 >31.70 127.60 101.50 Bliesenbach Bergw. . . . Concordia Bergw. . • • Dortm. Union EschwlrBergw. Donnersmarkhütte ..... 143- 263 — 84.20 215 — 211 — 135.50 255.— 83.50 210 — 217 75 Brschw.Thlr20 Freiburg, fs.10 MaUänd.fS.10 Meininger fl. 7 Pappenb. fl. 7 Venediger L. SO 128.40 12 50 24.45 130.90 15 — 24.— 23 50 23.60