848 Erstes Blatt Diensta« dm 23. Oktober 15». Jahrgang I»»» Keneml-Anzeiger Alle Anzeigen'Vermittlungsstcllen des In- und Auslandes nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger entgegen. Zcilenpreis: lokal 12 Pfg., auswärts 20 Pfg. Bezugspreis vierteljährl.' Mk. 2,20 monatlich 75 Pfg, mit Bringerlohn; durch die Abholcstelleo vierteljährl. Ml. 1,90 monatlich 65 Pfg. Bei Postbezug Mk. 2,40 vierteljährl. mit Bestellgeld. Lunahme von Anzeigen zu der nachmittags für den feljaiben tag erscheinenden Nummer bis vorm. 10 Uhr. Abbestellungen spätestens abends vorher. Erscheint täglich Ä Ä mit Ausnahme dcS ™ V ('nelicncr ilnyiflcr wöchtl. 4 mal beigelegt. 1 Amts- und Anzeigeblatt für den IW* Gisfzen. Redaktion, Expedition und Druckerei: Kchutstraße Ar. 7. Gratisbeilagen: Gießener Familienblätter, Der hessische Landwirt, Ktätter für hessische UalKsKunde. umwwmi———»»rjLuumu. wuwctti Adresse für Depeschen: Anzeiger Hieße». Fernsprecher Nr. 51. Amtlicher Heil. Gießen, den 18. Oktober 1900. Betr.: Ermittelung der landwirtschaftlichen Bodenbenutzung im Deutschen Reich. Das Grobherzogliche Kreisamt Gießen au die Großh. Bürgermeistereien deS KreiseS. Diejenigen von Ihnen, welche mit der Auflage vom 10. September 1900 (Gießener Anzeiger Nr. 214) noch im Rückstände sind, werden an deren sofortige Erledigung erinnert. I. B.: Dr. Wagner. Bekanntmachung. Zur Verhütung der Verschleppung der Maul- und Klauenseuche wird die Abhaltung des auf den 23. Oktober dss. Js. in Braunfels anstehenden Viehmarktes an die Bedingungen geknüpft, welche durch meine, den Markt zu Leun betreffende Bekanntmachung in Nr. 168 des diesjährigen Kreisblattes veröffentlicht worden sind. Der Auftrieb beginnt um 9 Uhr vormittags. Aus der Provinz Oberheffen des Großherzogtums Hessen und den preußischen Kreisen Marburg, Biedenkopf, Usingen, Dillenburg und Weilburg und den Orten Hochelheim und Klein-Rechtenbach deS diesseitigen Kreises dürfen Rindvieh, Schweine und Schafe nicht aufgetrieben werden. Ferner ist das Durchtreiben von Tieren dieser Arten durch Hochelheim und Klein-Rechtenbach diesseitigen Kreises verboten. Wetzlar, den 17. Oktober 1900. Der Landratsamtsverwalter. Bekanntmachung. Betr.: Abänderung der Gewerbeordnung durch das Reichsgesetz vom 30. Juni 1900, hier die Lohnzahlbücher. Unter Hinweis auf die Bestimmung in § 134 Abs. 3 der Gewerbeordnung, wonach in Fabriken für minderjährige Arbeiter Lobnzahlungsbücher einzurichten sind, veröffentlichen wir auf Anordnung Großh. Ministeriums des Innern nachstehend das Muster für dieselben. Die Arbeitgeber find verpflichtet, auf ihre Kosten für die bei ihnen beschäftigten minderjährigen Arbeiter Lohnzahlungsbücher zu beschaffen und dieselben ordnungsmäßig zu führen. Gießen, den 19. Oktober 1900. Großherzogliches Kreisamt Gießen. I. V.: Dr. Wagner. Muster für das Lohuzahluugsbnch. Letzte Seite. Bestimmungen der Gewerbeordnung über Lohnzahtungsöücher. (8 134 Abs. 3.) ®runb'besTlUa £ ^^?^"bere Bestimmungen auf ^lunS°buch-InzuUG-n. I» ÄtÄ'i i* jeder Lohnzahlung der Betrag deS verdienten Lohnes einru- (sagen; -s M b-t d-r Lohnzahlung d-m Mlnd-rjShrlg-n °^°r seinem gesetzlichen Vertreter auszuhändigen und von dem Empfänger vor der nächsten Lohnzahlung zurückzureichen A^f das Lohnzahlungsbuch finden die Bestimmungen be§ \ no Satz 1 und des 8 Hl Abs. 2 bis 4 Anwendung. II. Das Lohnzahlungsbuch muß den Namen des Arbeiters Ort, Jahr und Tag seiner Geburt, Namen und letzten Wohnort seines Vaters oder Vormundes und die Unterschrift des Arbeiters enthalten. Die Eintragungen find mit Tinte zu bewirken und von dem Arbeitgeber oder dem dazu bevollmächtigten Betriebsleiter zu unterzeichnen. Die Eintragungen dürfen nicht mit einem Merkmal versehen sein, welches den Inhaber des Lohnzahlungsbuches günstig oder nachteilig zu kennzeichnen bezweckt. Die Eintragungen eines Urteils über die Führung oder die Leistungen des Arbeiters und sonstige durch dieses Gesetz nicht vorgesehene Eintragungen oder Vermerke in oder an dem ^ohnzahlungSbuche sind unzulässig. Seite 2 und 3 sowie folgende. Jahr 190 Lohnwoche Ueber- stunden An».> vM I H Betrag des verdienten Lohnes Krankenkasse 'S) Jnval., Der- ficher. U b z Strafen Dor- schvss- $ ü g für verdarb Material 4 Summa Ausgezahlter Lohn Unterschrift des Arbeitgebers oder Betriebsleiters Unterschrift des Arbeiters oder seines gesetzlichen Vertreters von bis Jt JL. 1 JL Bekanntmachung. Es wird hiermit zur öffentlichen Kenntnis gebracht, daß sich das Kaffenlokal der unterzeichneten Behörde vom 20. d. Mts. ab Bleichstraße Nr. 16 1. St. befindet, und sind sämtliche Zahlungen dahin zu leisten und die Bezüge hier in Empfang zu nehmen. Zahltage werden abgehalten: Dienstag, Donnerstag und SamStag von vorm. 8—12 und nachm. 2—4 Uhr. Die Bürgermeistereien des Amtsbezirks werden ersucht, vorstehendes bekannt machen zu lassen. Großh. Distriktseinnehmerei Gießen II. Dieter. Gießen, den 19. Oktober 1900. Betr.: Herbst-Kontrollversammlungen. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen ee die Großh Bürgermeistereien des Kreises. Nachstehende Bekanntmachung wollen Sie auf ortsübliche Weise zur öffentlichen Kenntnis bringen. I. V.: Dr. Wagner. Bekanntmachung. Bei den diesjährigen Herbst'Kontrollversammlungen im Kreise Gießen haben zu erscheinen alle zum Hauptmeldeamt Gießen gehörigen: 1. Offiziere, Sanitätsoffiziere und Beamten der Reserve. (Kleiner Dienstanzug: Mütze, Waffenrock, Achselstücke, lange Hosen oder hohe Stiefel beliebig, bei schlechter Witterung Paletot). 2. Reservisten, sowie die zur Disposition der Truppen- teile und der Ersatzbehörden Entlassenen aller Waffen. 3. Diejenigen der Landwehr 1. Aufgebots angehörigen Mannschaften, welchen ein besonderer Gestellungsbefehl zum Erscheinen bei der Herbst - Kontrollversammlung zugegangen ist. Die Ersatz-Reservisten haben bei der Herbst-Kontrollversammlung nicht zu erscheinen. Nachstehend ist angegeben wo und zu welcher Zeit die Kontrollpflichtigen anzutreten haben. A. Zu Gießen im Oswaldsgarten, für die Bewohner von Annerod, Allen- dorf a. d. Lahn, Burkhardsfelden, Gießen mit Schiffenberg und Herrnwald, Großen Linden, Heuchelheim, Kleinlinden, Langgöns, Leihgestern, Oppenrod, Watzenborn und Steinberg, Hausen, und zwar: Am 5. November 1900. 1. Appell vormittags 9 Uhr: Offiziere, Sanitätsoffiziere und Beamten der Reserve, sowie sämtliche Reservisten der Infanterie, welche in den Jahren 1893, und 1894 eingetreten sind. 2. Appell nachmittags 2 Uhr: Sämtliche Reservisten der Infanterie, welche in den Jahren 1895 und 1896, eingetreten sind. Am 6. November 1900. 1. Appell vormittags 9 Uhr: Sämtliche Reservisten der Infanterie, welche in den Jahren 1897, 1898 und 1899 eingetreten sind. 2. Appell nachmittags 2 Uhr: Sämtliche zur Disposition der Truppenteile und der Ersatz-Behörden entlassenen Mannschaften aller Waffen, sowie sämtliche Reservisten der Garde, Jäger, Kavallerie, Feld- und Fußartillerie, Pioniere, Eisenbahn-, Telegraphen- und Luftschiffertruppen, des Trains (einschl. Krankenträger), Sanitäts- und Veterinärpersonal, Büchsenmachergehilfen, Oekonemiehandwerker, Marinemannschaften und alle übrigen im Reserve-Verhältnis stehenden Mannschaften. B. Zu Lollar am 7. November 1900, vormittags 8 Uhr 45 Minuten, an dem Bahnhof für die Bewohner von Allendorf a. d. Lumda, Altenbuseck, Bersrod, Beuern, Climbach, Daubringen mit Heibertshausen, Großen-Buseck, Lollar, Mainzlar, Rödgen, Ruttershausen mit Kirchberg, Staufenberg mit Friedelhausen, Treis a. d. Lumda, Trohe, Wieseck. C. Zu Grünberg am 8. November 1900, vormittags 9 Uhr 15 Minuten, am westlichen Ausgange auf der Straße nach Gießen für die Bewohner von Allertshausen, Beltershain, Geilshausen, Göbelnrod, Grünberg mit der Dickelsmühle, Neumühle, Stadtmühle, Steinmühle, Obere und Untere Ziegelhütte, Latzmühle, Hattenrod, Harbach mit der Kolbenmühle und Sommermühle, Kesselbach mit der Nabcnauischen Papiermühle, Lauter mit der Artztmühle, Bingmühle, Georgen- hammer, Strellesmühle und Walkmühle, Lindenstruth, Londorf mit der Burg Rabenau, Burgmühle, Schmittmühle, Reitzenmühle und Ziegelhütte, Lumda (Groß und Klein), Odenhausen mit Appenbörnerhof, Queckborn, Reinhardshain, Reiskirchen, Rüddingshausen, Saasen mit Bollenbach, Veits- berg und Wirberg, Stangenrod, Stockhausen, Weickartshain, Weitershain mit dem Hainer-Hof, Winnerod. D. Zu Hungen am 9. November 1900, vormittags 9 Uhr 30 Minuten, an der Post für die Bewohner von Bellersheim, Bettenhausen, Hungen, Inheiden, Langd, Langsdorf, Muschenheim mit Hof-Gill, Nonnenroth, Obbornhofen, Rabertshausen mit Ringelshausen, Rodheim mit Hof-Graß, Röthges, Stein- heim, Trais-Horloff, Utphe, Villingen. E. Zn Sich am 9. November 1900, nachmittags 3 Uhr, in der Amts- gerichtsstraße für die Bewohner von Albach, Birklar, Dorf- Gill, Eberstadt mit Arnsburg, Ettingshausen, Garbenteich, Grüningen,. Holzheim, Lich mit Albacher-Hof, Kolnhausen und Mühlsachsen, Münster, Nieder-Bessingen, Ober-Bessingen, Ober-Hörgern, Steinbach. Befreiungsgesuche sind bis längstens 8 Tage vor dem Appell auf dem Dienstwege (durch das Hauptmeldeamt) ein- zureicheu und müssen durch die Bürgermeisterei bezw. bei Beamten durch die vorgesetzte Behörde beglaubigt sein, werden aber nur im dringendsten Notfälle genehmigt. Die Leute haben in bürgerlicher Kleidung zu erscheinen. Stöcke, Schirme, Pfeifen und Zigarren sind vorher wegzulegen. Die Militärpapiere (Paß mit eiugeklebter Kriegsbeordernug und Führuugs reugnis) müssen zur Stelle sein. Sämtliche Mannschaften stehen im Laufe des ganzen Kontrolltages bis einschl. Mitternacht unter dem Militärgesetz. Gießen, den 17. Oktober 1900. Großherzogliches Bezirks-Kommando Gießen. D et r i n g, Oberstleutnant und Kommandeur des Landwehrbezirks Gießen. Bekanntmachung. Betreff.: Feldbereinigung in der Gemarkung Ruttershausen. In der Zeit vsm Dienstag, 23. Oktober l. I., bis einschließlich Montag, 29. Oktober l. I., liegen auf dem Amtszimmer der Großh. Bürgermeisterei Ruttershausen folgende Akten zur Einsicht der Beteiligten offen: 1. der Ausschlag der ungedeckten Bereinigungskosten, 2. der Beschluß der Vollzugskommission und des Gemeinderats vom 8. Februar 1900 über bte Erhebung dieses Ausschlags. Einwendungen hiergegen find bei Meldung des Ausschlusses innerhalb der oben angegebenen Offenlegungssrm bei Großh. Bürgermeisterei Ruttershausen schriftlich em- 8 Bemerkt wird noch, daß die Erhebung der ausgeschlagenen Bereinigungskosten durch die Gememdeemnehmerer Ruttershausen erfolgt. Friedberg, den 13. Oktober 1900. Der Großh. Bereinigungskommissär: I. 95.: Spanier, Kreisamtmann. Politische Wochenschau. In dieser Woche ist die schleichende Reichskanzlerkrisis, die in den letzten Monaten immer mehr eine akute Form angenommen hatte, endlich zum Ausbruch und gleichzeitig zur Lösung gekommen. So sehr hatte man sich an diese schleichende Kanzlerkrisis gewöhnt, daß ihr endlicher Ausbruch zum Schluß doch überraschend kam. Aber gerade angesichts der chinesischen Angelegenheiten schien die Thätigkeit des greisen Fürsten Hohenlohe, der schon früher zumeist eine mehr Massive als aktive Rolle gespielt hatte, so in den Hintergrund getreten zu fern, daß sein jetzt gleichzeitig mit der Einberufung des Reichstags zum 14. November erfolgter Rücktritt thatsächlich nur als die logische Konsequenz der Ereignisse, die sich schon früher vollzogen hatten, erscheinen konnte. Es wird wenige geben, die nicht beim Scheiden des greisen Fürsten Hohenlohe mehr der großen Opfer, die er dem Vaterlande gebracht hat, gedenken, als. des nun einmal nicht fortzuleugnenden Umstandes, daß seine Thätigkeit als Reichskanzler eine mehr negative als positive war. Wird Graf Bülow, der ihm als Reichskanzler und preußischer Ministerpräsident gefolgt ist, auf diesen beiden exponierten und gefahrvollen Posten glücklicher und erfolgreicher sein, als sein Vorgänger, der sein dornenvolles Amt weniger aus Neigung, denn aus Pflichtgefühl und aufopferndem Patriotismus übernommen hatte? Wird dem Grafen Bülow das Glück, das ihm während der dreijährigen Amtsthätigkeit als Staatssekreär des Aeußeren hold war, auch weiter treu bleiben? Diese Frage wird erst eine spätere, aber nicht.zu ferne Zeit beantworten, denn bereits bei der China-Debatte, mit der die Thätig- feit des Reichstags beginnen dürfte, wird der neue Reichskanzler den ersten schweren Ansturm zu erleiden haben, dessen Ausgang vielleicht von entscheidender Bedeutung für die Stellung des Reichskanzlers zu den Par- teiens ein wird. Und auf einen schweren Ansturm muß Graf Bülow sich gefaßt machen, denn selbst bei den Parteien sein wird. "Und auf einen schweren Ansturm muß werden gegen mancherlei Einzelheiten dieser Politik mehr oder minder starke Bedenken geltend gemacht, die im Reichstage zum Ausdruck kommen werden. Aber die günstige Aufnahme, deren sich Graf Bülow bisher noch jederzeit bei den Parteien zu erfreuen gehabt hatte, scheint eine gewisse Bürgschaft dafür zu bieten, daß die China- Debatte ein glückliches und versöhnliches Ende nehmen wird. In der China-Affaire selbst ist freilich in letzter Zeit nur ein sehr mäßiger Fortschritt zu verzeichnen gewesen, aber niemand wird so ungerecht sein, die Schuld hieran der deutschen Diplomatie aufzubürden, die nicht nur mit dem passiven, aber deshalb nicht weniger wirksamen Widerstande der chinesischen Regierungskreise, sondern auch mit dem noch immer im Uebermaß vorhandenen Meinungsverschiedenheiten unter den Mächten zu rechnen hat. Zwar besteht die Hoffnung, daß jetzt, wo Graf Waldersee einerseits und der chinesische Unterhändler Li- Hung-Tschang andererseits in Peking eingetroffen sind, die Verhandlungen rascher als bisher in Fluß geraten werden. Aber Angesichts der diplomatischen Zwischenspiele, die wir in den letzten Monaten erlebt haben, wird man gut thun, jeden Optimismus in Bezug auf die Entwickelung der chinesischen Angelegenheiten ad acta zu legen und sich auf tbie Möglichkeit weiterer Komplikationen gefaßt zu machen, sei es, daß diese durch die Schuld des offiziellen Chinas, sei es, daß sie durch Eifersüchteleien und Sonderbündeleien einzelner Mächte entstehen. Der Wahlfeldzug in England, der mrt so großer Leidenschaft geführt wurde, daß die englischen -Staatsmänner keine Zeit fanden, ihr gewohntes Rankespiel in China fortzusetzen, ist in dieser Woche zu Ende -gegangen und hat, wie nicht anders zu erwarten war, mit dem Siege der Regierung geendet. Aber dieser -sieg ist nichts weniger als glänzend, denn die Mehrheit der Regierung ist um 20 Mandate hinter derjenigen zurückgeblieben, welche sie bei den Wahlen von 1895 errungen hatte, und sie beträgt nur wenige Sitze mehr, als die Regierung sie vor den letzten Wahlen besaß. Aber freilich, wenn auch der von ftter Regierung erhoffte Zuwachs an Mandaten ausgeblieben ist, so darf man sich doch darüber keinen Täuschungen hingeben, daß der Ausfall der Wahlen einen Sieg der imperialistischen Politik bedeutet, denn selbst unter den Liberalen hat diese Politik unverkenn- Lare Fortschritte gemacht. . Aller Voraussicht nach wird es erst schlimmer kolonial- politischer Ersahrungen bedürfen, um das englische Volk aus dem Taumel der imperialistischeu Politik, in den es die Erfolge in Südafrika versetzt haben, aufzurütteln. Für die nächste Zeit aber sind solche Erfahrungen nicht zu erwarten, denn die Unterdrückungspolitik in Südafrika geht erfolgreich ihren Gang, wenn auch der Widerstand der Buren noch lange nicht sein Ende erreicht hat und zu den prahlerischen Redensarten der Roberts und Buller wahrlich kein Grund vorhanden ist. Freilich an dem Endresultat wird weder dieser letzte verzweifelte Widerstand der Buren, noch die Reise des greisen Präsidenten Krüger nach Europa etwas lindern. Präsident Krüger, der sich zunächst nach Holland wenden dürfte, ist dort eines begeisterten und herzlichen Empfanges sicher, aber Mehr als dies kann er nicht erwarten. Begeisterung und herzliche Freude herrscht auch zurzeit iu H o l l an d , denn die jugendliche Königin Wilhelmine hat ihr Herz, das sie bis dahin treu getyütet vollendeten 18. Lebensjahr bis zu 500 Ml. zum u n A. bis ) n n n » die 1600 Mk. 15 Dienstjahren nach n ir tt H ii H n u 1800 2000 2200 2400 18 21 24 27 n n n 800 1000 1200 1400 1600 r ii' n n ( 5 ( 9 (13 (17 (21 von II n n n Die vom n da n *♦ Persoualuachrichten. Dem Dekan des Dekanats Groß:Gerau und Pfarrer zu Königstädten, Karl Fink, wurde die evangelische Pfarrstelle zu Zwingenberg, Dekanat Zwingenberg, übertragen. Der Hochbauaufseher bei dem Hochbauamt Mainz, Thomas Nessel, wurde aus sein Nachsuchen und unter Anerkennung seiner langjährigen, treugeleifieten Dienste mit Wirkung vom 16. November d. I. in den Ruhestand versetzt und ihm die Krone zu dem silbernen Kreuz des Verdienstordens Philipps des Großmütigen mit den Schwertern verliehen. •* Der Zweiten Kammer der Landstände ging u. a. 1. ein Bericht des Ersten Ausschusses zu, über a) den Antrag des Abg. Dr. Schroeder und Genossen zu Kapitel 114 Titel 4 der „NachtragSsorderungen des Großherzoglichen Finanzministeriums zu dem aus 1900/1901 erstreckten Hauptvoranschlag der Staatseinnahmen und Ausgaben", betreffend Vergütungen der Steuerkommissariatsgehilfen,' b) die Vorstellung der Steuerkommisfariatsgehilsen, be- 20. 24. 28. 32. 36. 17. „ 20. „ 24. „ 28. „ 32. „ 36. „ B. Für „ 30 „ 2600 „ Der Ausschuß beantragt die Regelung des Diensteinkommens der Steuerkommifsariatsgehilfen im Sinne der Antragsteller thunlichst zu beschleunigen und die Vorstellung der Steuerkommissariatsgehilfen, die Regelung ihrer Gehaltsverhältniffe betreffend damit für erledigt zu erklären. 2. ein Bericht des Ersten Ausschusses über die Vorstellung des Eisenbahn-Komitees Mücke—Ulrichstein, betreffend das Bahnprojekt Mücke—Ulrichstein—Rixfeld. Das zur Betreibung des Baues der Bahn Mücke—Ulrichstein Rixfeld gebildete Eisenbahnkomitee hat eine Eingabe an die Stände gerichtet, worin um Uebernahme des Baues dieser Linie auf Staatskosten ersucht wird. Es wird dieses Ansinnen zunächst mit der wirtschaftlichen Notlage begründet, in welcher sich die Bewohner des Vogelsberges uns ramentlich die an der projektierten Bahnlinie interessierten Gemeinden befinden. Die Interessenten sind der Ansicht, daß die Frage der Rentabilität hier zunächst nicht in Frage kommen könne, wo es sich um die unabweisbare Förderung der Existenzbedingungen einer Bevölkerung in einer armen, dem Verkehr noch so wenig erschloffenen Gegend handelt; zudem wird eine steigende Rentabilität des Unternehmens infolge der sicher zu erwartenden Neugründung von industriellen Anlagen sowie des weiteren Ausbaus des Bahnnetzes in der Provinz Oberhessen erwartet. Die Petenten weisen ferner auf das große Interesse hin, das der Staat selbst an dem projektierten Bahnbau habe, da derselbe eine beffere Verwertung des Holzes aus den verschiedenen staatlichen Forsten ermögliche. Die Hoffnung der Interessenten, es werde ein kapitalkräftiger Unternehmer um die Konzession zum Bau und Betrieb der Bahn sich bewerben, hat sich nicht erfüllt. Die Regierung, um ihre Stellung gegenüber der Eingabe befragt, er«- klärt, daß der Bau der Bahn nach dem vorliegenden Kostenüberschlag eine» Aufwand von etwa 2 Millionen Mark erfordere und daß bei der vormaligen Finanzlage und den augenblicklichen Verhältniffen des oelv- marktes nicht daran gedacht werden könne, die Bahn auf Staaksroiren zu erbauen. Zum mindesten müsse erst abgewartet werden, ms dw bereits bewilligten Bahnen, insbesondere diejenige von ^"^roacy nacy Gedern erbaut sei und Erfahrungen über die Entwickelung des Verkehrs auf dieser Linie vorliegen. Die Regierung habe “^oroen,9ec ~?r°n9 lassung, dem Ansinnen zu willfahren, als über die Führung der Bahnlinie unter den Interessenten die größten Memungsverschiedenbeü n bestehen ; erstrebe doch ein anderes Bahnkom'tee die ^ung der Bahn von Schotten über Ulrichstein und Groß-Alda nach Burg: und Nieder- Gemünden. Im übrigen behalte sich die Regierung vor, m eme nähere Prüfung der Frage einzutreten und zu geeigneter Zeit auf die Ange- leaenbeit »urückrukommen Der Ausschuß, welcher in seiner Gesamtheit der Ansicht ish daß der weitere Ausbau des Bahnnetzes in der Provinz Oberhes en und namentlich im Vogelsberg sich als eme unabweisbare Pflicht des Staates mit Rücksicht auf den Notstand der dortigen Bevölkerung immer dringender erweist, fann «®s wicbt der seitens der Negierung vorgebrachten Grunde sich nicht ent- Sn und hält die Frage des Bahnbaues msolange noch nicht für fruchtreif, ali nicht eine Einigung der Interessenten zu Stande gekommen ist Der Ausschuß beantragt deshalb die Vorstellung des Eisenbahnkomitees Mücke—Ulrichstein—Rixfeld zunächst für erledigt zu erklären. 3. ein Bericht des Ersten AusfchusseS über a) den Antrag des Abg. Dr. Heidenreich, betreffend den Bau einer Nebenbahn von Wahlen nach Hammelbach undb) die!Vorstellung der Gemeinden Hammelbach und Litzelbach m gleichem Betreff. 4. ein Bericht des Ersten Ausschußes über a) die Vorstellung der Bahnkommission des Vereins Mainzer Kaufleute, betreffend die Erbauung einer Bahn durch Rheinhessen (von Mainz nach Elsheim), b) den Antrag des Ab- i geordneten Molthan und Genossen, die Erbauung einer Nebenbahn Mainz-Eff-nh°im-EISh->m. 5 -in Bericht de« Ersten Ausschusses über die Regierungsvorlage betreffend die Ausbeutung des K°hl-ns°ld-s der Braunkohle^rube LudwigShoffnung. 6. ein Bericht des Ersten Ausschusses über den Antrag des Abg. H°rn und Genossen, betreffend I ea» Abänderung des Hundesteuergesetzes vom 12. August 1<.99. 1 ^n Berich, d s Ersten «usschusfts über die Regierungsvorlage betreffend die Anstellung eines fünften Arztes -e. I bei der'Frauen.Abteilung des LandeShosPitalS m Hofhetm. 8 ein Bericht des Ersten AuSfchuffeS über den Antrag des Abg. Ulrich und Genossen, betreffend die Bollsschule. •* Omnibus. Fahrplanäuderung. Der Vorstand der r^ninibuSaeiellschaft teilt uns mit, daß er, den Bedürfnissen ^ Verkehrs sowie geäußerten Wünschen Rechnung tragend, eine Aenderung dcS Winterfahrplans insofern cintreten lassen treffend ihre GehaltSverhältnisse. Die Großherzogliche Regierung hat in den Nachtragsforderringen des Finanzministeriums in Kapitel 114 unter Titel 4 die Vergütungen der Steuerkommifsariatsgehilfen wie folgt in Vorschlag gebracht: 6i8------"-i-*- "" " r erre n". *) Wenn nicht anders bemerkt, Anfang 7 Uhr. Konkursverfahren. Heber den Nachlaß der verstorbenen Frau Marie von Oven geb. Schäfer, Ehefrau des Gutspächters Victor von Oven zu Hungen, wird, da Ueberfchuldung vorliegt, heute am 19. Oktober 1900, vormittags 11 Uhr, das Konkursverfahren eröffnet. Der Kaufmann Julins Ferrdt in Hungen wird zum Konkursverwalter ernannt. Konkursforderungen sind bis zum 12. November 1900 bei dem Gerichte anzumelden. Es wird zur Beschlußfaffung über die Wahl eines anderen, bezw. Beibehaltung des gegenwärtigen Verwalters, sowie über die Bestellung eines Gläubigerausschuffes und eintretendenfalls über die tu § 132 der Konkursordpung bezeichneten Geoen- stände auf Msettag den 5. November 1900, vormittags •y, Uhr, und zur Prüfung der angemeldeten Forderungen auf Montag deu 19. November 1900, vormittags 9‘/2 Uhr, vor dem unterzeichneten Gericht Termin anberaumt. Allen Personen, welche eine zur Konkursmaffe gehörige Sache in Besitz haben, oder zur Konkursmaffe etwas schuldig sind, wird aufgegeben, nichts an den Nachlaß zu verabfolgen ober zu leisten, auch die Verpflichtung auserlegt, von dem Besitze der Sache und von den Forderungen, für welche sie aus der Sache abgesonderte Befriedigung in Anspruch nehmen, dem Konkursverwalter bis zum 5. November 1900 Anzeige zu machen. Großh. Amtsgericht zu Hungen. Veröffentlicht: 6913 Koch, Gerichtsschreiber. Bekanntmachung. Das 4. Ziel Gemeindesteuer, sowie die fälligen Holz- und HengraSgelder können bis zum 1. November noch ohne Kosten anher entrichtet werden. Zahltage: Dienstaa, Donnerstag und Samstag. Gießen, den 20. Oktober 1900. Stadtkaffe Gießen: Doepfer. Dienstag den 23. Oktober 1900, nachmittags 2Vs Uhr, sollen die Grundstücke der Carl Sack L Eheleute Erben, wie solche im „Gießener Anzeiger" vom 13. und 14. Oktober näher bezeichnet sind, auf hiesigem Ortsgericht nochmals öffentlich meistbietend freiwillig erbverteilungshalber versteigert werden. Der Zuschlag wird sofort erteilt. Gießen, den 18. Oktober 1900. Großh. Ortsgericht Gießen. Gros. 6909 2. Born, Gerichtsvollzieher. 6920 Versteigerung. Dienstag -en 23. Oktober Js. versteigere ich im Auftrag der Konkursverwaltung des I. Conrad dahier gegen Barzahlung: 1. 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