W. 223 Sonntag dm 23 S-vtember 150. Jahrgang icnrod (RinderzuÄstvercin Lauterbach), 3. Preis, 50 Mk., Ehrenpreis der Stadt Gernsheim: H. Backhaus-Rudlos (Bezirkszuchtverein Lauterbach); in Klasse 7 (Familien) Anerkennung, 10 Mk.: Bürgermeister Ehr. PH. Heller II.-Lich; in Klasse 9 (große Sammlungen) 1. Preis, 500 Mk., Ehrenpreis der Staot Darmstadt: Bezirkszuchtverein Lauterbach; in Klasse 14 (Bullen, Vogelsberger) 1. Preis, 120 Mk.: Gemeinde Beltershain, 2. Preis, 90 Mk.: Karl Fischer- Hof Zwiefalten; Anerkennung, 10 Mk.: Zuchtviehhof Bingmühle, Karl Fischer-Hof Zwiefalten, Gemeinde Herchen- hain; in Klasse 15 (Bullech 1. Preis, 120 Mk.: Gemeinde Eschenrod; Anerkennung, 10 Mk.: Gemeinde Heuchelheim; in Klasse 16 (Kalbinnen) 1. Preis, 100 Mk., Ehrenpreis des Kreisausschusses Gießen: Th. Stein Grünberg; a k erinnern ferner an die bevorstehend- Einberufung des deutschen Reichstages, dessen Beratungen die ernsthasle Aufmerksamkeit jedes denkenden Mannes in hohem Grade beanspruchen werden. . _ bie Unb Vervollkommnung unserer Nachrichten „aus Stadt und_Land“ find wir, wie unsere Leser wohl bemerkt haben werden, in r 2 " «2 ganz besonders bedacht gewesen nnd wir werden in diesen Bemühung-n^rüstig vorwärts schreiten. Di- Zahl unserer Berichterstatter in Stadt und Land hat sich in en letzten Monaten sehr erheblich vermehrt. Tüchtige Mitarbeiter sind uns auch weiterhin jederzeit willkommen. Unterhaltung und Belehrung dienen nicht nur die mit fesselnden großen und kleinen Erzählungen und intereffanten Original.Abhandlnngen aus allen Wissensgebieten w»nSiu. k ”G*ee"*e“er FemlHenblStter“, die unser- Leser vier mal wöchentlich als Beilage zu den jeweiligen Tag-Snumm-rn erhalten, sondern auch da« nuteton des Hauplblattes, das in der bevorstehenden SaisonZüber die Borgänge auf dem Gebiete der Kunst, namentlich der dramatischen, ausführlich unterrichten wird. Den Interessen des Handels und Verkehrs zu dienen, werden wir uns fortan ganz besonders angelegen sein lassen. Wünsche in dieser Hinsicht würden wir aus dem Kreise unserer Abonnenten gern entgegennehmen und nach Möglichkeit stets berücksichtigen. Wir haben uns entschlossen, vom 1. Oktober ab einen täglichen telephonischen Kursbericht von der Frankfurter Börse zu veröffentlichen, womit wir unseren Lesern besonders entgegenzukommen glauben. Vie Landwirtschaft wird sowohl in dem monatlich einmal erscheinenden „Hessischen Landwirt“ wie in dem Hauptblatte stets zu ihrem vollen Rechte kommen. Die Ziehungslisten der Grossh. hessischen Lotterie werden wir auch in Zukunft vollständig veröffentlichen a,ifnnrt ,rfn$r* I * * * *h°,Lbrfl‘rnal9?CinranetfaTT ®TEikrUn8 unI-res Blatt-S nach jeder Richtung hin, trotz der enormen Steigerung der Papierpreise und sonstiger zur Herstellung einer 3 * "forderlichen Maier,allen, und trotz des neuen erheblich verteuerten Postzei.ungStariss - di- letzteren beiden Umstände haben in vielen deutschen Orten die V-raniaffung blätter“6 h' Abonn-m-ntSPreis zahlreicher Blatter zu erhöhen - beträgt der Abonnementspreis des „Giessener Anzeiger“ einschließlich der „Giessener Familien blätter , der M°>iaisbei ag- „Der Hessische Landwirt“ und der zwanglos erscheinenden „Blätter für hessische Volkskunde“ (redigiert von Prof Dr Strack) vierteljährlich Mk. 2,20, monatlich 75 Pfg., für die Postabonnenten Mk. 2,40 pro Vierteljahr. Abonnements werden in unserem Geschäftshause Schulstrasse 7 jederzeit entgegengenommen. Wir bitten dringend um recht baldige Bestellung, damit der Andrang in unserer Geschäftsstelle und die damit verbundenen Unannehmlichkeiten thnnlichst vermieden werden. Bestellungen durch die Post bitten wir umgehend bei dem zuständigen Postamte zu bewirken, damit keine Unterbrechung in der Zusendung eintritt. Verlag und Redaktion des Gießener Anzeigers. Abonnements-Einladung. Der „Giessener Anzeiger“ tritt am kommenden I. Oktober in das letzte Viertel seines 150., seines Jubeljahrgangs, ein. . , ®er '»Giessener Anzeiger“ rst (das älteste, reichhaltigste und für ganz Oberhessen und die angrenzenden Landesgebiete am weitesten verbreitete Organ und als solches hervorragend geeignet, Inseraten weiteste Verbreitung und Beachtung zu verschaffen. Mit Genugthuung stellen totr fest, daß sich der Gießener Anzeiger dank seiner gedeihlichen Fortentwickelung und der beträchtlichen Erweiterung seines Inhaltes nicht nur feine alten Freunde bewahrt hat, sondern fortwährend neue in stattlicher Anzahl hinzuerwirbt. Die in letzter Zeit angeknüpften vorzüglichen Beziehungen des „Gießener Anzeigers« zum Mittelpunkte der Reichspolitik ermöglichen es ihm, die Leser aufs genaueste und schnellste mit allen bedeutsamen politischen Ereignissen bekannt zu machen. , . , 3" politischer Beziehung richten wir unser Hauptaugenmerk aus China, das durch die jüngsten Unruhen im Mittelpunkte unserer auswärtigen Politik steht. Wir werden sortsahren, unsere Leser durch erschöpsende Berichte ständig und zuverlässig aus dem Laufenden zu halten. Im Lause der nächsten Monat- beabsichtigen wir unseren Abonnenten eine in mehrfachem Farbendruck vortrefflich ausgeführte und auf das genaueste orientierende Amtlicher Teil. Bekanntmachung. Betr.: die Neugestaltung des Kassenwesens; hier die Aufhebung der Großherzoglichen Distrikts-Einnehmerei Hungen. Wir bring'» hiermit zur öffentlichen Kenntnis, daß durch Verfügung des Großh. Ministeriums der Finanzen, Abteilung für Steuerwesen, die seither der Großh. Distrikts- Emnehmerei Hungen zur Erhebung überwiesenen Einnahmen an indirekten Auflagen ab 1. Oktober lfd. Js. der Großh. Distrikts-Einnehmerei Nidda zugeteilt werden. Die Zahlungspflichtigen des Distrikts-Einnehmerei- Bezirks Hungen werden hiermit darauf aufmerksam gemacht, daß sämtliche Ende September I. Js. noch rückständigen, sowie auch die nach diesem Zeitpunkte erst fällig werdenden indirekten Auflagen (als Polizei-, Forst- und Feldstrafen, Disziplinarstrafen, Gerichtsgebühren rc.) an die Großh. Distrikts Einnehmerei Nidda zu entrichten sind.— Die direkten Steuern sind ab 1. Oktober d. Js. an die betr. neu gebildeten Unter-Erhebungsstellen ab- zuführen. Huugen, den 18. September 1900. Großh. Distrikts-Einnehmerei Hungen. -____________ I. E.: Reuning. Bekanntmachung. Betr.: Die Neugestaltung des Kassenwesens. Au die Großh. Bürgermeistereien des DistriktSeiuuehmereibezirks Treis a. d. Lda. Wir ersuchen Sie ergebenst, in Ihren Gemeinden bald- gefälligst bekannt machen zu lassen, daß die Distrikts- rinnehmerei Treis vom 1. Oktober d. IS. ab aufgehoben wird. Die „große Aussprache", die auf dem sozialdemokratischen Parteitag vor sich, gegangen ist, ist auffallend zahm und ruhig verlaufen. Das könnte, nachdem der vorige Parteitag zu so stürmischen Auseinandersetzungen geführt hat und nachdem auch zu dem jetzigen Parteitag von verschiedenen Seiten scharfe Kriegsdrohungen laut geworden waren, Wunder nehmen, aber die Kunst der Diplomatie hat innerhalb der Sozialdemokratie offenbar zugenommen. Dazu kam, daß der Hauptvertreter der scharfen und unversöhnlichen Tonart, der alte Liebknecht, noch vor dem Parteitage vom politisch^en Kampfplatz geschieden war. Und der Tod Liebknechts wirkte noch weiter nach der Richtung der Versöhnlichkeit. Die Parteileitung mußte Sorge tragen, daß das Hinscheiden des nahezu allgemein anerkannten Führers die Bande des Parteigefüges lockern könnte, und sie trug deshalb umsomehr Sorge, mit weiser Vorsicht alles aus dem Wege zu räumen, was'zu einem allzu scharfen Aufeinanderplatzen der Geister hätte Anlaß geben können. So machte der Parteitag, der keinerlei Ueberraschungen brachte, alles in allem einen philisterhaften Eindruck. Mußte doch auch! die als Haupt- um das sich die übrige Welt gruppiert. Die Kultur der Weißen hat ihre Ueberlegenheit über alle Kulturen der Erde in so eminentem Maße erwiesen, daß sie rm Begriffe steht die Weltkultur zu werden. Die Geschichte derselben bezw. der Völker, die sie geschaffen, und weiterentwickelt haben, ist daher im wahren Sinne heute dre Weltgeschichte. Und um so mehr sollten wir gerade in unseren Tagen an dieser Form der Weltgeschichte, die rm Altertum schon ein Mann wie Polybius, allerdings für ern beschränktes Gebiet, die Randländer des Mittelmeers, gepflegt hat, sesthalten, weil sie heute infolge der großartigen Ausbreitung der Weißen über fast dre ganze Erde auch der gegnerischen Forderung gerecht wrrd, daß dre Welt der Schauplatz der Universalhrstorre fern sollte. Dagegen die Helnroltsche Art der Betrachtung verschlerert von allem anderen abgesehen die Genesis und heutige Bedeutung der europäischen Kultur, indem sie nach Landern ihre Entwickelungsgeschichte in bedauernswerter Weise auseinanderreißt und sre aus dem Mittelpunkt des Ganzen herausrückt. Man braucht noch lange nrcht der der alten Art die Geschichte aller nrcht-werßen Volker einfach zu unterdrücken, sondern man kann, ttne Schiller das nach alten guten Vorbildern thut, der Gelegenheit der jeweiligen ersten Berührung des betreffenden Volkes mit den vorderasiatisch^europäischen Kulturvölkern dessen seitherige Geschichte in Form eines rückblickenden Exkurses, wie die Alten, z. B. Polybius, das schon machten, skizzieren und so ^gewissermaßen ein Volk nach dem andern in die Weltgeschichte der weißen Völker einführen. Wie in der Stoffauswahl und-Anordnung ist schiller auch in der allgemeinen Auffassung von Geschichte gegenüber imodernen Auswüchsen der Historiographie in gesunder Weise reaktionär. So bekämpft er das Streben der Modernsten, die wie in den Naturwissenschaften auch ^u der Geschichte allgemeine Gesetze nachweisen mochten. „Alles geschichtliche Leben beruht auf der Gegenwirkung der großen Gesetze und des menschlichen Willens." Ein Historiker, der diesen Satz vertritt, erkennt aber auch der Persönlichkeit noch eine große Bedeutung in der geschichtlichen Entwickelung zu und hält sich ebenso fern von der beliebten Afterweisheit anderer Moderner, die nur nop Massenentwicklung sehen, die sich spgar rühmen, Weltgeschichte schreiben zu können, ohne einen Namen zu nennen. Auch die Träumereien von Kosmopolitismus sind dem welterfahrenen Verfasser fremd; er betont vielmehr neben der Persönlichkeit die Bedeutung der Nationalität mehrfach: „Loslösung der Weltgeschichte von der Nationalität ist ein Unding, geradeso wie ein geschichtlicher Held oder ein großer Schriftsteller, der nicht national wäre", oder an anderer Stelle, „der Reichtum des Menschengeschlechts ist ohne die Einseitigkeit der Nationen gar nicht denkbar, und jede Nation, die sich als solche fühlt, wird es als ihre Höchste Aufgabe erkennen, ihresStellung in der Volker- gesellschaft zu behaupten und an ihrem Teil zu der großen allgemeinen Kulturaufgabe der Menschen beizutragen. Das Ideal auf politischem Gebiet ist also nicht der Menschheitsstaat als eine einzige Organisation, sondern ein durch internationale Verträge w manchen Fragen gebundener Staatenverein." Hier spricht zu uns etwas zu deutlich der Sohn des 19. Jahrhunderts. Im allgemeinen aber tritt uns ein gesunder konservativer Sinn in den einleitenden Kapiteln entgegen, der einen nüchternen, durch keine noch so blendenden neueren Theo- rieen bethörten, selbständigen, historisch vorzüglich geschulten Denker verrät. Dies alles rechtfertigt aber noch nicht das Erscheinen einer neuen Weltgeschichte. Es fragt sich wodurch un - scheidet sich das Schiller'sche Werk von den vieler, sG°n vorhandenen Weltgeschichten. Nun, -s ist eme Arbeit, die zugleich populär gehalten ist und doch auf hohen wissen- schaftlicheu Wert Anspruch machen darf. Sie. gteöt JW nur die Erzählung ter geschichtlichen Thatsachen dre den Verfasser sich zurecht gemacht hat, sondern ste gE auch einen Einblick in die von der modernen kritischen Ge (Stsforfdntiia besonders int lichten Jahrhundert ge- Die wichtigsten Ergebnisse ter w ien^mitlichen Forschung, die m einer Unzahl von Spe- italsckristen SchriftckMi und Aussätzen verzettelt vvr- tÄ Ä nur zugänglich und beherrschbar von einer Nein n An M Stachen, sollen hier dem gebildeten Vublikum übermittelt werden. Daß diese Riesenarbeit am Ende unseres papierenen Jahrhunderts noch einmal ein Unreiner Mann zu leisten unternommen hat, ist ganz b». sonteÄ wertv-N So geht durch d°6 Danze em- -i«- 1. Preis, 100 Mk.: L. Jäckel Ill.^irünberg, 2. Preis, 75 Mk.: K. Fischer-Hos Zwiefalten; 3. Preis, 50 Mk., Ehrenpreis des Kreisausschusses Gießen: Ww. Eyr. Winter-Herchenhain; Anerkennung, 10 Mk.: K. Fischer- Hof Zwiefalten, Th. Repp-Mick-elbach, H. H>aas III.-Stem- bach, W. Vierheller-Breungeshain, Ludw. Kramer II.-Stein- bach, K. Keil-Grünberg, G. Spamer XI.-Schotten; in Saane 17 (Kühe) 1. Preis, 100 M.: I. Zimmer, Bingmuhle; Ehrenpreis von Oberamtmann Hoffmann-Hof-Gull, für die beste Vogelsberger Kuh: Ehr. P^A^br; 2. Preis, 75 Mk.: K. Fischer-Hof Zwiefalten; 3. Preis, 50 Mk.. I. Appel- III.-Herchenhain; 3. Preis, 50 Mk., ^reupreis des Kreisausschusses Gießen: Wilhelm Kinckel-Eschenrod; Anerkennung, 10 Mk.: K. Fllchn-Hof Zwiefalten, Th. Cellarius-Schotten, I. Zimmer-Bmgmuhle bei Lauter, L. Krämer II.-Steinbach Johannes Stein II.-Weickertsham, Ehr Winter Witwe-Herchenhain, Karl Schäfer II.-Michelbach; in Klasse 18 (Kühe) 1. Preis, 100 Mk., Ehrenpreis des Provinzialausschusses für Oberhessen: Joh. Phil. Kröck- Öeuchelheim; 2. Preis, 75 Mk.: Karl Fischer-Hof Zwiefalten; 3. Preis, 50 Mk.: I. Zimmer-Bingmühle bei Lauter; 3. Preis, 50 Mk.: Karl Fischer-Hof Zwiefalten; Anerkennung, 10 Mk.: Wilhelm Kiuckel-Esch^nrod, L. Wagner-Allendorf, Christoph Haas-Grünberg; i» Klasse 19 (Familien) 1. Preis, 200 Mk., Ehrenpreis des Herrn Buderus-Hirzenhain: Karl Fischer-Hof Zwiefalten; 1. Preis, 150 Mk.: Karl Winter II.- Herchenhain; 2. Preis, 100 Mk.: I. Zimmer-Bmgmühle bei Lauter; Anerkennung, 10 Mk.: Wilh. Knickel-Eschenrod; in Klasse 20 (Kleine Sammlungen) 1. Preis, 250 Mk.: Wilh. Kunkel-Eschenrod; 2. Preis, 150 Mk.: I. Zimmer- Bingmühle bei Lauter; in Klasse 21 (Große Sammlungen) 1. Preis 500 Mk.: Karl Fischer-Hof Zwiefalten; 2. Preis, 250 Mk.: Zuchtvereine Grünberg-Umgegend, Lauter und Weickertshain; 3. Preis, 150 Mk.: Ortszuchtverein Heuchel- Heim-Steinbachi-Allendorf; Anerkennung, 10 Mk.: Tierzuchtverein Herchenhain. wählen in Bewegung gesetzt habe, so müsse auch die Beteiligung an den Landtagswahlen möglich sein. Man dürfe politisch die Arbeiter nicht zu gering einschätzen. Sie seien oft nach dieser Richtung hin gebildeter als die Wähler anderer Kreise. Den Wählern des Zentrums könne man über das Treiben ihrer Fraktion die Augen öffnen. Der Antrag Berlin (die Beteiligung bei den Landtagswahlen den einzelnen Wahlkreisen zu überlassen) bedeute, die Verhandlungen auf einen toten Punkt bringen. Die Sajche, über die bereits seit drei Jahren diskutiert werde, ginge dann aus wie das Hornberger Schießen. Redner hofft, daß kein Genosse hinter seinen! kämpfenden Genossen zurück- bleiben werde, wenn es gelte, in den Wahlkampf einzu- treten. Hierauf folgten mehrere Abstimmungen, darunter zwei namentliche. Ein Amendement von Elm-Hamburg, die Entscheidung über die Beteiligung an den Ländtagswahlen den einzelnen Kreisen zu überlassen, wird gegen eine große Mehrheit abgelehnt. Nachdem das Amendement Hoffmann- Berlin (Wahlbündnisse mit bürgerlichen Parteien und Aufstellung gemeinsamer Kandidaten bei den Landtagswahlen) in namentlicher Abstimmung mit 137 gegen 93 Stimmen verworfen war, wurde die Resolution Bebel in gleicher Abstimmung mit 163 gegen 66 Stimmen in folgender Fassung angenommen: „In denjenigen deutschen! Staaten, in denen das Dreiklassenwahl-System besteht, sind die Parteigenossen verpflichtet, bei den nächsten Wahlen mit eigenen Wahlmännern in die Agitation einzutreten. Für die Landtagswahlen in Preußen bildet der Partei-Vorstand das Zentral-Wahl-Komite. Ohne dessen Zustimmung dürfen! die Parteigenossen in den einzelnen Wahlkreisen keinerlei Abmachlungen mit bürgerlichen Parteien treffen". An Stelle Liebknechts wurde Auer zum Delegierten beim internationalen Sozialisten-Kongreß in Paris, der am nächsten Sonntag beginnt, gewählt. Bruhns dankte dem Bureau für die Führung der Geschäfte. > Singer sprach den Mainzern den Dank aus. Wenn es nach ihm gegangen, wäre, würde der Parteitag wieder hier abgehalten werden. Ebenso dankte er dem Komponisten Weißheimer und den Sängern für ihre Mühe. Die Geschäfte seien ohne Ueberftürzung erledigt worden. Wenn von der bürgerlichien Presse die gegenwärtige Tagung nicht temperamentvoll genug genannt werde, so wissen wir ja, daß wir es den Gegnern nie reicht machen können. Lob oder Tadel von dieser Seite lasse die Sozialdemokratie kalt. Nach einem Hoch auf die internationale Sozialdemokratie und dem Gesang der Arbeiter-Marseillaise trenntet sich der Parteitag. Derselbe wurde am Nachmittag 2 Uhr mit einer Rheinfahrt zum Abschluß gebracht. Der Deutsche Tabakvereiu hielt am Mittwoch in Berlin eine aus allen Gegenden Deutschlands besuchte Hauptversammlung ab. Hauptgegenstand der Beratungen; war die Zollfrage, zu der Syndikus Schloßmacher (Frankfurt a. M.) und Fabrikant A. Schieck (Frankenberg i. S.) Bericht erstatteten. Es wurde einstimmig folgende Erklärung zum Beschluß erhoben: 1. Der deutsche Tabakverein billigt die Stellungnahme seines Vorftandes zu den vorbereitenden Arbeiten in Bezug auf die neue Anordnung des deutschen Zolltarifs. Derselbe verleihe der Hoffnung Ausdruck, daß die maßgebenden Stellen der Reichsgesetzgebung bei der Festsetzung des Zollsatzes für Rohtabake im Entwürfe einer neuen Anordnung des Zolltarifs in gerechter Abwägung der in Betracht kommenden, angeblich entgegengesetzten, in der That aber zusammenfallenden Interessen des deutschen Tabak- baueß und der deutschen Tabakfabrikation sich von der Ueberzeugung leiten lassen, daß eine Aenderurig des jetzigen Verhältnisses zwischen Zoll- und Steuersätze nicht angezeigt erscheint. Durch eine solche Aenderung würde das deutsche Tabakgewerbe, welches sich zu einem sehr großen Teil in einer nicht günstigen Lage befindet, auf das Schwerste beeinträchtigt werden. 2. Die Umschließungen eingeführter Tabake und Tabakfabrikate beeinträchtigen keinesfalls den Wett-Be- werb inländischer Erzeugnisse. Tie Verzollung der bisher zollfreien (größeren) Umschließungen nach ihrer Beschaffenheit bedeutet thatsächlich eine Erhöhung des Eingangszolles auf die darin verpackten Tabake und Tabakfabrikate. Die Zollerhöhung kann (z. B. bei schweren, Kisten und Fässern) sehr bedeutend werden und zumal, da sie auch die Kalkulation und Zollbehandlung wesentliche erschwert, verkehrshemmend wirken. Wir bitten daher, es bei der bisherigen Art der Verzollung zu belassen, zu deren Aenderung keine Veranlassung vorliegt. Kerman Schillers Wettgeschichte. „Weltgeschichte" ist ein zwar allgemein angewandter, .aber trotzdem recht unglücklicher Ausdruck. Wie durchaus verschieden man den in dem Worte enthaltenen Begriff aufsassen kann, zeigen die beiden neuesten Weltgeschichten, mit denen wir eben an der Wende des Jahrhunderts beschenkt werden. Für Hans F. Helmolt ist Weltgeschichte die Geschichte der gesamten Menschheit; dagegen ein großer Irrtum ist es nacy. ihm, den Teil der Welt, den man mit seinem geistigen Horizont umspannt, für die gesamte Welt zu halten: „Dem Cato galt das Römer- tum als die Erfüllung aller Geschichte, und der Chinese nennt sein Reich das Reich der Mitte." Helmolts nach ethno-geographischen Gesichtspunkten gruppierte, von den Anschauungen deS Leipziger Geographen Fr. Ratzel stark beeinflußte „Weltgeschichte" beginnt mit Amerika und den Ländern des stillen Ozeans. Ihm gegenüber ist Herman Schiller*) noch so rückständig, mit Berufung auf Ranke (Weltgeschichte l.Vorrede) den Satz auszusprechen: „Die Weltgeschichte wird sich damit begnügen müssen, allein Geschichte zu sein, nicht Anthropologie oder Ethnographie, und sie wird sich auch noch auf unabsehbare Zeit fernerhin, wie bisher, auf die im eigentlichen Sinne geschichtlichen Völker beschränken müssen." Abgesehen von Schillers Gründen für diesen unstreitig wichtigen Satz kann man gegenüber Helmolts Ausführungen noch sagen: Schreibt am Beginn des 20. Jahrhunderts ein Angehöriger der weißen Rasse eine Weltgeschichte, in der die Geschichte der weißen Völker im Mittelpunkt steht, so ist das keineswegs dasselbe, wie wenn eben ein Chinese etwa in einer Weltgeschichte das Gleiche mit den gelben Völkern thäte. Dem Chinesen heißt allerdings sein Land „das Reich der Mitte", aber es ist ein Zentrum ohne Peripherie. Im Gegensatz dazu sind Europa oder allgemeiner die Randländer des nördlichen atlantischen Ozeans heute ein wahres Reich der Mitte, Weltgeschichte von den ältesten Zellen bis zum Anfang des 20 -iabrkundells. Lin Handbuch von Dr. Herman Schiller, Berlin und^ Stuttgart W. Spemann. Bd. 1: Geschichte des Altertums 1900. 3. Die Tabakindustrie, von der Auffassung ausgehend, daß Tabak-Zoll und -Steuer Konsumsteuern sind, deren Erhebungstermine nach jahrzehntelang unangefochtener Anschauung möglichst nahe an den Zeitpunkt des Verbrauchs herangerückt werden müssen, halt zur Erreichung dieses Zweckes einen ausreichenden 3ollneöit für das geeignete Mittel. Sie betrachtet sich als Verlegerin der Zoll- und Steuerbeträge, übernimmt als solche das ganze Risiko für deren Eingang und wird oeshalb bei Aufhebung des zinsfreien Zollkredits durch die ihr. erwachsende Zinsenlast ganz empfindlich beschwert und namentlich in ihren kapitalschiwacheren Betrieben stark betroffen werden. Da eine Aufhebung zinsfreier Steuerkredite, wie sie für Zucker, Spiritus und inländische Tabake bestehen, nicht zur Anregung gekommen ist, so kann der Fortbestand der Zollkredite grundsätzlich ebenfalls nicht angefochten werden. Aus dem Tabakgewerbe heraus sind niemals Klagen über das Bestehen der Zollkredite laut geworden, vielmehr wurde nur geklagt, daß bei dem in demselben üblichen 6 monatlichen Ziel die 3 monatliche Kreditfrist eine zu kurze sei. Der deutsche Tabakverein bittet daher, es für die von ihm vertretene Industrie mindestens bei dem jetzt gewährten, wenn auch ungenügenden zinsfreien dreimonatlichen Zollkredit zu belassen, x In Punkt 5 der Tagesordnung, betreffend die Beschäftigung von Arbeiterinnen in Fabriken, wurde folgende von E. Mayer (Mannheim) begründete Erllärung zum Beschluß erhoben: „Die bestehenden gewerbepolizeilichen Vorschriften für die Beschäftigung von Frauen in Fabriken sind für die Fabriken des deutschen Tabakgewerbes als vollständig ausreichend zu erachten. Aus der Beschäftigung von Frauen in solchjen Fabriken haben sich keinerlei Mißstände ergeben, weder in sittlicher, noch gesundheitlicher, oder familiärer Beziehung. Der deutsche Tabakverein richtet deshalb an das hohe Reichsamt des Innern die ganz ergebene Bitte, geneigtes! dahin wirken zu wollen, daß e^bei den jetzigen Bestimmungen der Gewerbeordnung, bezw. dier bundesrätlichen Vorschriften vom 18. Juli 1893 über die Beschäftigung von Arbeiterinnen, welche im deutschen Tabakgewerbe nicht entbehrt werden können, sein Bewenden hat. Sollte indes gegen seine Erwartung eine dahin gehende gesetzliche Maßregel vorbereitet werden, so spricht der deutsche Tabakverein die Hoffnung aus, daß ihm rechtzeitig Gelegenheit zu einer Begutachtung der Grundzüge derselben geboten toirb".______________________ Vom sozialdemokratische« Parteitag. v. Mainz, 21. September. In der heutigen Vormittags-Sitzung wurde die Diskussion über die Beteiligung an den Landtagswahlen fortgesetzt. Stolle-Gesau befürwortet die Beteiligung an den Landtagswahlen, well er nach dem Ausspruch des verstorbenen Liebknecht stets die Offensive ergriffen haben will. D r e s b a ch - Mannheim wendet sich gegen die gestrigen Angriffe hinsichtlich! der badischen Landtagswahlen. Die Kompromisse seien notwendig gewesen, um den Nationalliberalismus zu brechen. Von Korruption sei gar keine Rede. , „ < Scho lz-Berlin und Düwell sprechen sich gegen Die Beteiligung an den Landtagswahlen aus. Hierauf wird die Debatte geschlossen r _ Das Schlußwort erhält der Antragsteller Bebel. Derselbe führt aus: In vielen Wahlkreisen lägen die Dinge viel günstiger als man glaube. Die Kompromisse sollten den 8weck haben, vor allem die Opposition im preußsichen Abgeordnetenhause zu stärken und Gesetze zu verhindern, die speziell gegen die Sozialdemokratie gerichtet seien. Auf einem früheren Parteitag sei schon der Wschluß von Kompromissen gebilligt worden. Wenn man bereits früher mit Erfolg die Wähler für das Reinere Hebet bei Stich stück des Parteitages angekündigte Rede Liebknechts über die Weltpolitik ausfallen und einer inhaltslosen Philippika Singers über die China-Politik Deutschlands Platz machen. Aus Stadt und Land. Gießen, den 22. September 1900. ** Verzeichnis der Sitzungen des Schwurgerichts pro 3. Quartal 1900: 1. Montag den 24. September, vormittags 9y3 Uhr, Anklage gegen Eduard Stöpler von Lauterbauch wegen Sittlichkeitsverbrechen. Die Anklage vertritt Oberstaatsanwalt Dr. Güngerich, die Verteidigung führt Rechtsanwalt Dr. Jung. 2. Dienstag den 25. September, vormittags 9 Uhr, Anklage gegen Andreas Dinkel von Gießen wegen Sittlichkeilsverbrechen. Die Anklage vertritt Staatsanwalt Zimmermann, die Verteidigung führt Rechtsanwalt W e i d i g. 3. Mittwoch den 26. September, vormittags 9 Uhr, Anklage gegen Josef Aulbach Ehefrau von Vilbel wegen Totschlagversuchs. Die Anklage vertritt Staatsanwalt Koch, die Verteidigung führt Rechtsanwalt HooS. 4. Donnerstag den 27. September, vormittags 9 Uhr, Anklage gegen Georg Thomas von Ober-Ohmen wegen Sittlichkeitsverbrechen. Die Anklage vertritt Staatsanwalt Zimmermann, die Verteidigung führt Rechtsanwalt E u gif ch. 5. Freitag den 28. und Samstag den 29. September, jedesmal vormittags 9 Uhr, Anklage gegen Julius Friedrich Theodor Reo von Bleichenbach wegen Meineid. Die Anklage vertritt Staatsanwalt Koch, die Verteidigung führt Rechtsanwalt Katz. ** Personalnachrichten. Der Hilfsgerichtsschreiber bei dem Amtsgericht Langen Georg Schlörb wurde zum Gerichtsschreiber bei dem Amtsgericht Nieder-Olm, und der Hilfsgerichtsschreiber bei dem Amtsgericht Vilbel Friedrich Supp es zum Gerichtsschreiber bei dem Amtsgericht Lorsch ernannt. •* Zum Ladenschluß. Für den Antrag der Versammlung des Detaillisten-VereinS, betreffend Regelung der Geschäftszeit vom 1. Oktober an durch die Verwaltungsbehörde liegen bereits 225 Unterschriften vor. Man hofft in den beteiligten Kreisen, wie man uns schreibt, eine Zweidrittel Mehrheit der betreffenden Ladeninhaber zu erhalten. — Bingenheim, 20. September. Gestern feierten wir in unserer Gemeinde das jährliche Missionsfest des Dekanats Nidda. Der Tag wurde für die Gemeinde zu einem Feiertag, an dem alle Feldarbeit ruhte. Daß ein Fest gefeiert werde, zeigten die am Eingang und Ausgang des Ortes angebrachten Willkommen-Grüße, das Tannen- grün, welches die Straßen, und die Kränze, Guirlanden und Fahnen, welche die Häuser schmückten. Nicht weniger schön war das Gotteshaus geschmückt. Den Altardienst hielt der Ortsgeistliche, Pfarrer Wiegel, während desselben sang der hiesige Gesangverein ein geistliches Lied. Die Predigt hielt über 2. Cor. 4,1 Pfarrer Freundlieb von Ulrichstein, und beantwortete drei Fragen: Wer darf, wer kann, wer will Mission treiben? Antwort: Wer den Beruf hat, wer nicht müde wird, und wer nicht seinen Vorteil sucht, sondern den der Sache des Herrn. Missionar Flad sprach vormittags über die Mission in China im Allgemeinen, nachmittags über die Ursachen der gegenwärtigen Wirren in China. Dekan Hofmeyer dankte zum Schluß dem Kirchen- und Ortsvorstand, dem Gesangverein und seinem Dirigenten, und der ganzen Gemeinde für die schöne Ge- staltuug des Festes. Die Kollekte betrug 40 Mk. In einer freien Versammlung erzählte Missionar Flad noch sehr Interessantes über das Leben der Chinesen, ihren Ackerbau, daß derselbe nicht so geführt wird, wie anderwärts, liegt in der absoluten Unsicherheit des Eigentums; da stiehlt Alles, Hoch und Niedrig, dann muß eine Menge Zeit zum Lasttragen verwendet werden, weil man keine Straßen wie bei uns, und darum noch kein Lastfuhrwerk hat. Die ungemein starke Vermehrung der Chinesen ersetzt den Abgang der Tausende, die jährlich Hungers sterben. Den alten Li- Hung-Tschavg zeichnete Flad als einen durchtriebenen Jntri- guanten. —mm■»BBS Handel und Verkehr. Volkswirtschaft. FraiklBrter Börse vorn 81. September. Wechsel auf New-York zu 0.00-00. Prämie* auf Kredit per ult Sept. 1.20% do. per ult Okt. 2.50% Diskonto-Kommandit per ult. Sept 1.00 % do. per ult. Okt. 2.40 % Lombarden per ult. Sept. 0.40%, do. per ult. Okt. 0.85 %, Deutsche Bank per ult. Sept. 0.00%. Notierungen: Kreditaktien 204.40-30-50.000, Diskonto- Kommandit 171.20-170.90-171.20, Staatsbahn 141-142, Lombarden 25.60-60, Italiener 93.70, Spanier 71.90.00, 8proz, Mexikaner 25.35, Bochumer 174.30-178.50-174.40 bz., Laura 191.50-190 bz., Harpener 175.60-90-80-90-175 bz., Gelsenkirchen 187.80-40.0 bz., Privat-Diskont 4%% G. 1% bis 2% Uhr: Kreditaktien 204.60-80-000-000.00 bz., Dis- konto-Kommandit 171.10-20-00.00.0 bz., Staatsbahn 141.70-142 bz., Lombarden 25.40-00.00 b., Laura 000-00, Berliner Handelsgesellschaft 000.00 bz., 3proz. Mexikaner 00.00 bz, 3proz. Portugiesen 00.00-00 bz., Ottomanbank 000.00 bz. Märkte. Amtlicher Marktbericht. Bei dem am 18. und 19. September zu Gießen stattgehabten Markt waren aufgetrieben 1290 Stück Rindvieh, 751 Stück Schweine. Der nächste Markt findet statt am 23. und 24. Oktober, am zweiten Tage auch Krümermarkt. Getreide. Bei anhaltend steigenden Forderungen der Exportländer blieb die Stimmung sehr fest, aiwfy die Mühlen greifen nunmehr ein, sodaß wir von einem recht lebhaften Verkauf des Getreidegeschäftes in dieser Woche berichten können. Weizen speziell liegt sehr fe stund steigend. Roggen fest, Hafer unverändert, Gerste preishaltend, Mais ziemlich unverändert. Die heutigen Notierungen sind: Kansas 2 142 bis 143, Redwinter 2, 142,50, südruss. Weizen 138 bis 153, Rumän. Weizen 139 bis 153, russ. Roggen 109 bis 115, russ. Futtergerste 105, amerikan. Hafer 106, russ. Hafer 101, Mixed Mais 98 per Tonne cif Rotterdam. Hopfen. Der Verkehr am Nürnberger Markte nimmt stetig zu, aber auch die Umsätze werden täglich belangreicher. Die Zufuhren waren in der Berichtswoche seh? groß. Nach wie vor ist die Tendenz des Marktes eine sehr ruhige und liegt das Hauptaugenmerk auf prima Ware, während auch gute Mittel sich regerer Beachtung erfreuen. Die Preise hierfür haben eine kleine Differenz gegen jene der Vorwoche aufzuweisen. Der Export beteiligte sich an den Käufen ebenfalls sehr lebhaft und legte.für seine Zwecke M. 50—70 an. Marktware kostet M. 55—100, Hallerdauer M. 70—110, Siegelgut 105—125. Baden ist ziemlich ausverkauft; man kann behaupten, daß neun Zehntel der Ernte abgenominen sind. Das Geschäft entfaltet sich! jetzt sehr ruhig. Die Preise haben gegen den Beginn des Einkaufs um ca. 10—15 Prozent nachgegeben, man zahlte M. 70—100 pro Zentner. Allmählich entwickelt sich auch der Handel in Württemberg etwas besser, obwohl noch sehr weniger Käufer dorten vertreten sind. Die Preise bewegen sich zwischen M. 80—105. Im Elsaß ist es noch sehr" ruhig und wurden bis jetzt nur ganz minimale Par- thien in der Preislage von M. 70—100 pro Zentner gekauft. Tabak. Es wurden gekauft Württemberger Tabake, und die Gegend von Bretten zu M. 22—25, Heidelsheint und Helmsheim zu M. 28—30. In der Haardt würde Büchenau zu M. 31, in Graben zu M. 30—32, die Orte Spöck Blankenloch und Friedrichsthal zu M. 34—37; Weingarten M. 26 bis 28, Untergrombach und Obergrombach zu M. 30 gekauft. Die Tabake der Orte Winden, Kandel, Herxheim- weier, Minderslachen, Scheidt, Hördt und Frankenfels, wurden von Mannheimer Firmen und Oberländer Fabrikanten zum Preise von M. 30—31 genommen. In den Orten Rheinzabern, Hatzenbühl und Erlenbach wurde M. 30 bis 32 geboten, die Eigner verhalten sich jedoch sehr reserviert. Dieselben sind teilweise noch mit dem Einheimsen der neuen Ernte beschäftigt und werden seitens der Einkäufer schon derart bestürmt, daß sie mit vollem Rechte hohe Forderungen zu stellen in der Lage sind. Es war dies auch nicht anders zu erwarten, denn die Käufer legen ein Gebühren an den Tag, woraus man schließen könnte, daß nicht ein Pfund Tabak mehr zu haben sei, doch ist natürliche das Gegenteil der Fall. Hoffenheim, stark verhagelt, wurde von 17—25 M., Zuzenhausen und! Umgegend bis zu M. 30, Hagebach (Pfalz) ausverkauft zu M. 30. In Urrloffen wurde bis zu M. 30, Ling bis zu M. 34 flott gekauft. Ueberall herrscht sehr rege Kauflust) und dürfte bis Ende kommender Woche der Einkauf der gesamten Ernte bei den Produzenten beendet sein. In Haynau wurde von einem Mannheimer Händler Sandblatt zu M. 30 gekauft. Im bad. Unterl. sind zum Teil sehr viel verhagelte Tabake und ist nur zu bewundern, daß trotzdem die Händler so enorm hohe Preise dafür anlegen. Pfälzer Rippen flau, lose feine M. 9, gebündelte M. 11. Nachträglich erfahren wir, daß im Neckarthal, die Orte Neckarelz, Diedesheim, bis M. 32, Haßmersheim zu M. 31, Erlenbach (Pfalz) zu M. 34 gekauft wurden. In Friedrichsthal wurde sogar noch zu M. 38 von Händlern am Freitag gekauft. Biehmärtte. Die süddeutschen Viehmärkte waren während der Berichtswoche fast durchgehend sehr stark frequentiert, auch das Geschäft entwickelt sich allenthalben äußerst befriedigend. Im Vordergründe des Handels stand wieder prima Großvieh; hauptsächlich war fettes Schlachtvieh sehr begehrt und rasch abgesetzt. Besonderes Interesse zeigte sich für Milchkühe und Schlachtkühe. Jungvieh fand ebenfalls lebhaftes Interesse, doch blieb hier ziemlich! Ueber- stand. Kälber waren überall rasch abgesetzt, ebenso Schweine, wovon vollfleischige Ware rasch ausverkauft wurde. Die Schafmärkte waren stark betrieben und durch-- gehends konnte man gute Qualitäten bemerken. Der Handel konnte sich nicht flott entwickeln, da sich die Käufer auf verschiedene Märkte verteilten. Es wurden größere Par- thien für Norddeutschland erworben. Prima Ware war besonders gefragt und gut bezahlt. Kohktn. ES notieren: Ruhr Fettnutz Körnung I und II Mk. 270 bis Mk. 280, Nutzschmtedekob'en Mk. 250 bi« Mk. 260, Deutsche Anthrictt-Nußkohlen Mk. 360 btS 370, englische Anthracit Nußkohlen Mk. 430 bis Mk- 440, Ruhr-Flammnuß Körnung I und II Mk. 260 bis Mk. 270, Ruhr - Flammnußkohlen Körnung III Mk. 250 biS Mk. 260, Fettschrot Mk. 225 bis Mk. 235. Rubr-BruchcokS Mk. 360 bi« Mk. 380, AuSstebgrieS Mk. 170 bis Mk. 180. Alle« per 10 To. ab Mannheim. Fallendes Wasser und Nebel gestalten die Zufuhren immer schwieriger, dabei beginnt sich starker Wagenmangel ziemlich fühlbar zu machen. Familien Nachrichten. Gestorben r Jakob Graf, Privatier, in Darmstadt. — Marie Vonderheit, geb. Vonderheit, in Zeilhard. — Johannette Anton in Darmstadt. — Adolf Ewald, Leutnant a. D., in Darmstadt. — Kätchen Hörr, geb. Schwinn, in Groß-Umstadt. — Regina Jung, geb. Jamin, in Mainz. HsL^ir machen die verehrt. Leser des Gießener Anzeigers an- läßlich des Quartalschlufses darauf aufmerksam, daß die Abhole- und Zweigstellenverwalter gleich den Zeituugs- trägern im Interesse eines geordneten Geschäftsganges gehalten find, die Haltegebühr im voraus zu erheben. Die Geschäftsstelle des Gießener Anzeigers. heitliche Auffassung, die Auffassung eines wahrhaft historisch geschulten Mannes, vielleicht das Beste an dem Ganzen, was aber die modernsten Weltgeschichten mit ihrem großen Stab von Mitarbeitern aus den Reihen der Spe- zialrsten längst daran gegeben haben. Die Zweifler aber, die das Gebiet für zu groß hielten, um von eineim Manne übersehen zu werden, hat Schiller glänzend geschlagen. Allerdings bedurfte es zu der Arbeit einer sowh' phänomenalen Schaffenskraft, wie er sie besitzt, einer solchen Belesenheit und vor allem einer solchen Gabe, schnell und sicher das Wichtige von dem Unwichtigen zu scheiden und das andere knapp und doch durchsichtig zusammenzu- fafsen. Das Buch, welches so entstanden ist, ist natürlich rein geschichtliches Lesebuch gewöhnlichen Schlages, sondern es ist nach des Verfassers eigner Angabe auf dem Titelblatt ,,ern Handbuch" d. h. ein Nachschlage^- und Lernbuch. Durch diesen Charakter als Handbuch sind neben der eben betonten prazrfen Zusammenfassung der bedeutendsten Ergebnisse der modernen Historiographie bedingt die knappen Erörter-