Nr. 196 Zweites Blatt. Donnerstag den 23 August 1900 Gießener Anzeiger M H. V-Wtuud, Heneral-UHeiger ■ leg *4*rnt entern Numma M wnn. X W». Tw >e*WUwlUlUt tewlm tetw Äajcigrr 6* eit ,$><«. 3Snuo*prrb »tcrlkljährl. Mk 1.2M monalUch ™ PI». mit Brmgrrlohn) durch bie AbholkßrLe» Difrtdjabrl Mk IM monatlich 66 Pfg. Bei Poftdkzntz 1RI. 2.40 oifrtdjil* mit ©rßeHgeÜ. Alle Änjeifltn»6trmittluaglßeflen bei In- unb äuIImM Nehmen Anzeigen für den Gießmer Anzeiger entgeg« Zeilenpreis: lokal 12 Pfg., OMimärti 20 Pfß. unb Zlnzeigeblatt für den Ureis Gieren. Mtattm, •g^cMUn und SnMkeei: MefWretc Nr. 7. Gratisbeilüge»: Gießevrr Famitientüütter, Der hcWtze Landwirt, Kälter fftr heWhe Vslkslmndr. Adreße für Depefchm: Aazetger chich^M. Fernsprecher -fr. 5L ■gggggg———Xi Die Wirren in China. Unsere Vermutung, daß mit der „innern" Stadt, die als das Ziel der Operationen der Verbündeten in P e ki n g bezeichnet wurde, die „verbotene Stadt" gemeint sei, in der sich die Kaiserpaläste befinden, ist inzwischen durch ein japanisches Telegramm bestätigt worden. Die Japaner hielten den Kaiserpalast umschlossen, offenbar in der Hoffnung, dessen für die Verbrechen in Peking verantwortliche Insassen in -ihre Gewalt zu bekommen. Ob das gelingt, ist immer noch zweifelhaft, denn neuerdings heißt es wieder, die Kaiserin und ihr Anhang seien trotz der spätern Ableugnung aus Peking geflohen. Daß die Nachrichten über die Ereignisse in Peking so spärlich eingehen, ist vermutlich auf eine Störung des Feldtelegraphen Peking-Tientsin zurückzuführen. Nach Berichten aus amtlicher chinesischer Quelle, die Reuter aus Shanghai vom 20. mitteilt, sind in Peking noch drei hohe Beamte enthauptet worden, und zwar Hsutung, Präsident des Lipuamtes, der Zivilverwaltung, Lischan, einer der Minister des kaiserlichen Haushalts, und Lienyuan, Mitglied des Tsungliyamens. Tie beiden erstgenannten hegten fremdenfeindliche Gesinnung, Lienyuan dagegen war ein Freund der Fremden. General Zunglu soll von dem Prinzen Tsching gefangen gesetzt worden sein. Der Kaiser und die Kaiserin-Regentin hielten sich etwa 95 Kilometer westlich von Peking aus und würden von dem Prinzen Tuan bewacht. Li-Hung-Tschang habe sich! alsbald nach Norden begeben. Gegen den Rückzug des Hofes in die alte Hauptstadt Singan in Schensi scheinen Bedenken entstanden zu sein. So meldet die „Times" aus Shanghai vom 20. ds.: Vor kurzem von Schensi einae- kroffene Missionare glaubten, daß zwei Gründe die Kaiserin-Regentin veranlaßt hätten, nicht nach Singanfu zu gehen. Der erste Grund sei der Mangel an Wasser infolge längerer Dürre in jener Gegend, der zweite Grund der, daß die ihrer Mehrzahl nach aus Mohammedanern bestehende Bevölkerung Schensis eine feindliche Stimmung gegen die Kaiserin-Witwe zeige, hauptsächlich aus Furcht vor den Truppen Tungfuhsiangs. Die Vizekönige des Südens hätten die Kaiserin in diesem Sinne gewarnt. Li-Hung-Tschang hat nach einer Meldung der „Times" au£ Shanghai vom 18. August die Nachricht erhalten, die Kaiserin und der Hof seien unter dem Schutze der Kansutruppen — ihr Befehlshaber.ist Tungsuhsiang — in nordwestlicher Richtung von Peking auf Hsuenkwafu geflohen, in der Absicht, später nach Südwesten zu ziehen und zunächst in der Sommerresidenz von Wutaihsien in Schansi — etwa 320 Kilometer südwestlich von Peking — Aufenthalt zu nehmen. Von den Gesandten ist weitere Nachricht nicht eingetroffen, von ihrem Urteil aber wird es wesentlich ab hängen,, nnej sich bas ^Strafgericht der Mächte gestaltet und gegen wen es sich zu richten hat. Der „New York Herald" meldet aus Peking vom 17. August: Entgegen dem Plane, den die Befehlshaber der verbündeten Truppen angenommen hatten, marschierten die Russen am 14. August voraus und besetzten an diesem Tage den Ausgang des östlichen Tschihothores, konnten aber das zweite Thor (vermutlich die innere Thor- burg) nicht einnehmen. Um 2 Uhr nachmittags drangen die englischen und amerikanischen Truppen durch das den Gesandtschaften nächstgelegene Thor (das Tungpienthor der Chmesenstadt) in die Stadt ein und begegneten nur schwachem Widerstand. Die Japaner hatten bei dem Nord- ofkthore (Tungtschi) größere Mühe. Nachdem sie einen ganzen Tag gekämpft hatten, gelang es ihnen, das Thor gegen Mitternacht zu sprengen. Die Belagerten wurden wohlbehalten vorgefunden, sie waren aber etwas erschöpft. Der amerikanische Gesandte Conger erklärte: „Am Tage vor der Ankunft der Verbündeten haben die Chinesen noch einmal versucht, uns niederzumetzeln. Der Prinz Tsching, Vorsitzender des Tsungliyamens, hatte uns angekündigt, daß die chinesischien Offiziere unter Androhung von Todesstrafe den Befehl erhalten hätten, die Feindseligkeiten ein» zustellen. Nichtsdestoweniger wurde die Beschießung fortgesetzt, und wenn die Verbündeten heute nicht eingetroffen wären, so hätten wir morgen unterliegen müssen." In elf Tagen fielen 2000 Geschosse auf die Gesandtschaften. In der kaiserlichen Stadt leisteten die Chinesen verzweifelten Widerstand. Die Verbündeten drangen am Mittag des 15. in die Stadt. Das Gerücht, wonach die chinesischen Behörden den Gesandtschaften Lebensmittel verschafft hätten, ist gänzlich unbegründet. Die Gesamtzahl der Opfer unter den Belagerten, die sich in die Gesandtschaften geflüchtet hatten, beläuft sich auf 67 Tote und 120 Verwundete. 1 Nach einer Meldung ans London hat der dortige chinesische Gesandte dem Lord Salisbury ein Telegramm Lihung-TschangS überreicht, worin Lihung-Tschang um die Ernennung eines Bevollmächtigten zur Eröffnung der Verhandlungen ersucht, da die Gesandten in Peking nun befreit seien. Eine gleichlautende Note ist an alle Mächte übersandt. — Der Berichterstatter der „TempS" meldet aus Shanghai, die Kaiserin-Regentin sei geflohen und habe einen Schatz von 50 Millionen mit sich geführt. Die Kaiserin sei jedoch von japanischer Kavallerie eingeschlossen. — Der amerikanische Gesandte Conger teilte mit, die ganze gegen dieFremden gerichtete Bewegung sei von der chinesischen Regierung ausgegangen; die Boxer habe sie nur als Vorwand benutzt; diese hätten nicht einmal Kanonen gehabt. Wie der Petersburger Berichterstatter der „Times" aus gut unterrichteter Quelle erfährt, wünscht Rußland, daß die mandschurische Frage den Gegenstand gesonderter Verhandlungen zwischen Rußland und China bilden soll. Die russische Flagge weht noch immer allein über dem VertragS- hafen Niutschwang. Am 13. August wurde der russische Konsul zum Zivilverwalter und der Vertreter der Russischen Bank zum Assistenten für daS Zollwesen ernannt. Rußland und die Mandschurei. In einem am 20. August beim Generalstab in Petersburg eingegangenen Telegramm berichtet General Orlow, daß am 14. ds. die Kosakenbrigade von Dschamete aus mit einem weitern Kosakenregiment und einer Batterie nach heftigem Kampfe mit 700 Mann feindlicher Truppen den Paß von Iakoschi einnahm und noch in der Nacht den Vormarsch fortsetzte. Am 15. dS. morgens besetzten die Truppen Menduche. Die Russen verloren 3 Tote und 6 Verwundete. Rüstungen. Eine der großen Schwierigkeiten, die unsere Armeeleitung in' China zu überwinden haben wird, ist die Unterbringung unserer Truppen während des Winters. Selbst in den größern Städten wird es nicht immer leicht sein, für bedeutende Truppenmassen Quartiere zu finden, die den gesundheitlichen Anforderungen auch nur einigermaßen entsprechen. Die vorhandenen chinesischen Regierungsgebäude und insbesondere die Kasernen befinden sich durchweg in ganz schlechtem Zustande «und sind so schmutzig, daß sie alle Vorbedingungen zur Verbreitung schwerer Krankheiten enthalten. Als wir Tsingtau besetzten und ohne vorherige Vorbereitungen unsere Truppen, so gut es eben ging, unterbringen mußten, legten wir sie in die alten chinesischen Kasernen. Unsere Truppen begaben sich sofort mit Feuereifer daran, diese Augiasställe zu reinigen, und in einen menschenwürdigen Zustand zu versetzen, was aber nur in höchst mangelhafter Weise gelang. Bis wir eigene Gebäude in Tsingtau aufrichteten, war daher die Unterbringung unserer Truppen sowohl der Offiziere wie der Mannschaften recht unbefriedigend, und diesem Umstand ist auch zum Teil die Schuld beizumessen, wenn viele unserer Leute in ihrer Gesundheit scljwer geschädigt worden sind. Es ist unter solchen Umständen nur anzuerkennen, wenn unsere Kriegsverwaltung dafür Sorge trägt, unsere Truppen in jeder Beziehung so auszurüsten, daß sie der Einwirkung eines fremden wnd hich! ungefährlichen Klimas soweit pls möglich enthoben werden. Hierzu gehört die Errichtung von Baracken, ihre vollständige Einrichtung, Vorkehrungen zur Beschaffung von brauchbarem Trinkwasser, große Anhäufungen von Proviant und aller der zahlreichen Bedürfnisse für eine Armee von 20 000 Mann. Es wäre ja gewiß bei weitem porzuziehen, wenn man sich'das alles wenigstens zum Teil an Ort und Stelle beschaffen könnte, wenn das aber schon bei gewöhnlichen Verhältnissen außerordentlich schwer, wenn nicht unmöglich sein würde, so ist daran gar nicht während der jetzigen kriegerischen Wirren zu denken. Aus diesem Bedürfnis für N a ch s ch i ck u n g von V o r r ä t e n und M a t e r i a l aller Art ist es zu erklären, daß die Reichsregierung außer den schon ftüher genannten österreichischen Dampfern „Borneo" und „Jenny" auch noch den österreichischen Dampfer „Emilia" und die engftschen Dampfer „Caithness" und „Claverhiss" gemietet hat. Die vermittelnde Rhederei Tiderichsen in Kiel wird überdies noch mehrere Dampfer verschiedener Nationalität für Rech-- nung der Marine nach Ostasien expedieren, da durch das Vorhandensein einer ungewöhnlich starken Kriegs- und Handelsflotte in Ostasien der Kohlenbedarf über das gewöhnliche Maß derart hinausgehl, daß man mit der Möglichkeit eines zeitweiligen Versagens der örtlichen Quellen rechnen muß. Daß durch die großen Transporte von Materialien und Vorräten ganz bedeutende Kosten verursacht werden, ist selbstverständlich, doch muß die R ü ck s i ch t auf die Kosten unseres Erachtens zurücktretenf wenn es sich um die Ge s u n d h e i t u n s e r e r T r upp e n handelt. Ueber diesen Punkt dürften Meinungsverschiedenheiten wohl nirgends bestehen. e * * Das „M ilitär-Wochenblatt" veröffentlicht die Stellenbesetzung der Verstärkung des ost asiatischen Expeditionskorps. Danach! sind neu formiert das 5. und 6. ostasiatische Jnf.-Regt., eine ostasiat. Jägerkompagnie, die 4. Esk. des ostasiat. Reiterregiments, die 3. Abth. des ostasiat. Feld-Art.-Regts., eine halbe leichte Feldhaubitz-Munitionskolonne, eine 2. Bakterie des ostasiat. Bataillons schwerer Feldhaubitzen, eine 3. Kompagnie des ostasiat. Pionier-Bats., eine 2. und 3. Eisenbahn Bauiger Thätigkeit aus dem ca. 4 Meter tiefen Kanal tot -erausgegraben wurden Der starke Regenfall der letzten Tage wird wahrscheinlich Ursache dieses Unglücksfalles fein. Gericht und Polizei waren zur Stelle. Darmstadt, 21. August. Mit der Regelung deS Submissionswesens wird sich nach dem Vorgänge der layerischen Handwerkerkammern auch die hessische tn einer ihrer nächsten Tagung zu beschäftigen haben. Nach einem Bericht der „Darmst. Z'g." hat auf eine Anregung deSLandlagsabg. Schubert hin der Gewerbeoerein Beer eiben zwei dahinzielende Anträge an die Handwerkskammer gelangen lasten Sie bezwecken, dem Klein- gewerbe die Mitwirkung an den in Aussicht genommenen Bauten und gewerblichen Unternehmungen zu ermöglichen, und lauten: „1 Dtc Handwerkskammer wird dringend gebetm, dahin zu wirken, daß die SubmifstonSformulare und das ganze Submissions- Verfahren tn Zukunft so gestaltet -werden, daß das Kleingewerbe mehr Berückstchligung finde'. Die Voranschläge sollen sp-zifiztrrt ausgearbeitet und dtc Einsichtnahme den Handwerkern ermöglicht werben, damit diese frübzetttg genug die detaillierten Voranschläge, Bedingungen rc lernen lernen, ihre DubmissionSrtngaben dementsprechend gehalten können und das (Sennaluntemebmettum nicht auf Kosten deS Kletndandwnk» gefördert wird. 2. Die Handwerker- kammer möge anstreben, daß die Steinindustrie im Odenwald und hessischen Neckarkhal durch die hessischen Baubehörden mehr berück stchltgt wird. Die Pfälzer Industrie, die — wenn auch unabsichtlich — von helsischest Baubehörden begünstigt wird, müßte von her Konkurrenz bd h.ssischen Bruten ausgeschlossen werden." Darmstadt, 20. August. Auf dem landwirtschaftlichen Genossensck)aftstag zu Halle a. S. wurde der Geh. Regierungsrat Haas in Offenbach zum Berussan walt der deutschen land lv irisch ast- lichen Genossenschaften gewählt, und er gab bei Annahme der Wahl die Zusicherung, den Rest seines Lebens ganz der genossenschaftlichen Arbeit zu widmen und seine anderweiten beruflichen Pflichten zu lösen. Infolgedessen steht in.H essen ein großes Avancement auf den verschiedensten Gebieten bevor. Denn selten hat wohl ein Mann soviel Aemter und Posten in der Hand gehalten und mit erstaunlicher Arbeitskraft bewältigt, wie der jetzt über sechzigjährige Geheimrat Haas. Er ist Mitglied des Reichstags, Mitglied und Präsident der Zweiten hessischen Kammer, Präsident des hessischen Landwirtschaftsrats, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Provinzialvereins für Starkenburg, dazu Kreisrat in Offenbach a. M. mit allen an diese schwierigste und umfänglichste hessische Kreisverwaltung geknüpften Funktionen. Auch auf genossenschaftlichem Gebiete ist er vielseitig in Anspruch genommen: als Anwalt und Vorsitzender des Allgemeinen Verbandes der deutschen landwirtschaftlichen Genossenschaften, Direktor des Verbandes der hessischen landwirt- schaftlichen Genossenschaften, geschäftsführender Vorsitzender der Bezugsvereinigung der deutschen Landwirte, Präsident der Landwirtschaftlichen Genossenschaftsbanl in Darmstadt, Vorsitzender der Versicherungskasse der landwirtschaftlichen Genossenschaftsbeamten, Mitglied des Verwaltungsrats der Preußenkasse, Vorsitzender der Deutschen Kornhaus-Kommission rc. Er wird also auch in Zukunft nicht zu feiern haben, und wie man sieht, hat er bisher eine Aufgabe weit über eines Menschen Kräfte auf den Schultern gehabt. Wenn er auch wegen mancher Handlung und noch mehr wegen mancher Unterlassung Angriffe von verschiedenen Seiten erfahren mußte, so ist es doch gewiß ein Beweis ungewöhnlichen Wollens und Könnens, daß er in jeder Thätigkeit zahlreiche Verehrer und Freunde erworben hat. Erfreulich ist jedenfalls, daß er, als es eine Auswahl in seiner Thätigkeit zu treffen galt, sich schließlich doch dem Gebiet zugewandt hat, auf dem er sich am unbestrittensten Anerkennung und Verdienste erworben hat. Sagte ihm doch vor zwei Jahren in der Festrede auf einem genossenschaftlichen Jubiläum der hessische Ministerpräsident mit etwas Ironie und etwas Begeisterung, daß seine Thätigkeit „auf diesem Gebiete" allgemeinsten Beifalles sicher sei. Worms, 20. August. Der Arlilleristen-Verein WormS hat, wie der Wormser „Gen.-Anz " meldet, einen sehr zeit- gemäßen Beschluß gefaßt, der auch von anderer Seite Nachahmung verdient. Ein Kamerad brachte nämlich bei Besprechung der Beteiligung am Sedan-Fest den Antrag ein: In Anbetrackt des Umstandes, daß gegenwärtig deutsche und französische Soldaten im fernen Ostasien Schulter an Schulter kämpfen, und daß somit der Eine wie der Andere auf dem Schlachtfelde auf gegenseitige Freundschafts- und Liebesdienste angewiesen sei, sehe der Artilleristen Verein von einer Beteiligung am Deutschen Fest in diesem Jahre ab, da es geradezu als ein Hohn auf die Menschlichkeit betrachtet werden müsse, wollte man die Niederlage eines Volkes, dessen Söhne jetzt auf fernen Schlachtfeldern unter dem Oberbefehl eines deutschen Generals kämpften, und mit dem man sonach auf freundschaftlichstem Fuße zu verkehren gezwungen fei, auch im gegenwärtigen Augenblick noch verherrlichen. Der Antrag wurde seitens der Versammlung lebhaft begrüßt und mit Einstimmigkeit zum Beschluß erhoben. Wetzlar, 21. August. Den Gemeindevorstehern Cornel' US in Stockhausen und Schäfer in Daubhausen ist das Allgemeine Ehrenzeichen verliehen worden. Kermischter. t • Sine« Spatzenkrieg führt seit einiger Zeit der Eisen- i bahnfiskuS auf dem Schlesischen Bahnhofe in Berlin i Die Sperlinge haben sich nämlich, wie die „Freis. Ztg." t erzählt, über dem Bahnsteig A. unter der GlaSdecke zu ) Hunderten eingenistet, wodurch sie aber weder dem Bahn- - personal noch dem Publikum einen besonderen Gefallen erwiesen haben, denn den Herren Spatzen ist es natürlich ) sehr „schnuppe", ob sie die Zeichen ihrer irdischen Bergäng- i lichkeit aus luftiger Höhe auf eine karmoifinrote Dienstmütze c ober auf einen gerade stolz vorüberschaukelnden Cylinderhut t herniedersausen lassen. Auch das einem solchen Attentat ti voraufgehende und folgende Triumphgezwitscher bet ge- - fieberten Gesellen wollte die undankbare Welt durchaus zu widerlichem Gepiepse und Gekreische stempeln. Die Sterlinge sollten also fort. Aber — wie? Hier konnte lern Kammerjäger helfen! Endlich griff man zu einem verzweifelten Mittel: man räucherte die Eindringlinge aus und half gleichzeitig mit dem armdicken Strahl einer großen Feuerspritze noch energisch nach. Dem vereinten Wirken von Feuer und Wasser vermochte schließlich selbst die Pomadigkeit der Sperlinge nicht Stand zu halten, und sie zogen — ein HauS tvcitzr, zu den Bahnsteigen B., C. und D. Das war natürlich noch schlimmer. Nach kurzer Zeit mußte die Feuerspritze wieder in Thätigkeit treten, die Sperlinge wurden zum zwcitenmale exmittiert und zogen „hohnpiepsend" wieder in ihr altes Domizil, den Bahn- leig A. • lieber einen Dauermarsch von Königsberg i. Pr. nach Paris und zurück berichtet die „Königsb. Hart Ztg " folgendes: Herr Otto Ribbe, der an einer vom Internationalen Sportverein veranstalteten Konkurrenz teilgenommen hat, hat sich auf unserer Redaktion von seinem „Spaziergang" nach Paris zurückgemeldet. Herr Ribbe, dem man die Strapazen der langen Wanderung kaum anmerkte, ist am 15. Februar ansgcbrochen, und am 7. August nach Zu rücklegung einer Strecke von 4500 Kilometer glücklich wieder hier eingetroffen. Dieser Dauermarsch — Herr Ribbe hat in Paris nur so lange Station gemacht, als zur Erledr düng feiner Geschäfte erforderlich war — ist der längste seiner Art. An der Konkurrenz haben sich zehn Angehörige verschiedener Nationen beteiligt, Herr Ribbe war der einzige deutsche Teilnehmer. Sechs Bewerber haben den Kampf unterwegs aufgeben müssen. Herr Ribbe glaubt begründete Aussicht zu haben, den ersten Preis, eine Summe von 20 000 Fr., zu erhalten. • Hamburg. 17. August. Die Blfterfchwäne vergiftet. Ein ruchloser Frevel ist gestern abend verübt worden, indem ein leider unerkannt gebliebene« Subjekt die Schwäne in der Binnenalster mit vergiftetem Brot fütterte. Nicht weniger als 16 Schwäne fraßen von dem wahrscheinlich mit Strychnin vergifteten Futter. Die Böge! starben bereits in zwei Minuten. Die toten Tiere trieben nachher auf der Alster umher. Hoffentlich gelingt es der Polizei, den ruchlosen Burschen zu fassen. Die vergifteten Alsterschwäne wurden heute zum Zwecke einer gerichtS- ärztlichen Untersuchung auf dem Schlachthof eingeliefert. Arbettrrbewrgun-. Main), 21. August. Am Montag war das Gerücht verbreitet, am Nachmittag fände in der Fabrik zwischen der Direktion der Leder» werke und der Lohnkommission der Sinkenden eine gemeinschaftliche Sitzung zur Beratung der Forderungen statt. Leider entsprach das Gerücht der Wahrheit nicht, denn es haben bis heute noch keine EinigungS- Verhandlungen stattgefunden, und hat bi- jetzt der Vorstand der Leder- werke, trotz seiner früheren gegenteiligen Versicherungen, wenig Geneigtheit, mit der Lohnkommission vor dem Gewerbegericht zu erscheinen. Die Strikenden halten dagegen fest an dem Standpunkt, daß nur vor dem Gewerbegericht als Einigungsamt oder vor Oberbürgermeister Dr. Gaßner gemeinschaftlich über die ausgestellten Forderungen beraten werden könne. Der Vorstand der Lederwerke hält den Strike für deshalb nicht gerechtfertigt, weil ein großer Teil der Strikenden 30 Mk. und mehr verdient habe und weil zweitens die Aktiengesellschaft bis heute noch leine Dividende an ihre Aktionäre habe auszahleu können, das Geschäft also nicht prosperiere. Die Verkürzung der Arbeitszeit von 11 auf 10 Stunden soll unter der Bedingung bewilligt werden, wenn in den 10 Stunden das gleiche Arbeitspensum wie in den 11 Stunden geleistet werde. In diesem Sinn wird von dem Vorstand der Lederwerke ein gedruckter Aufruf an jeden einzelnen Arbeiter ergehen mit der Aufforderung, die Arbeit wieder zu beginnen. Die zehnstündige Arbeitszeit soll dann auf einen Monat probeweise emgeführt werden, um festzustellen, ob in dieser Zeit dasselbe geleistet wird, wie bei der alten Arbeitszeit. Einen Verlust nach dieser Richtung glaubt das Geschäft nicht ertragen zu können. Eine Wiederbeschäftigung der vor dem Strike gekündigten ca. 20 Arbeiter, darunter die Vorstandsmitglieder des Verbandes nichtgewerblicher Arbeiter, könne unter keinen Umständen eintreten, dieselben seien wegen Arbeits- mangel entlassen worden Unter solchen Verhältnissen dürste der Strike uoch lange nicht beendet sein. Die Zahl der Strikenden hat sich inzwischen noch vermehrt, es sind jetzt einschließlich der Arbeiterinnen 550 Personen im Ausstand. Am Sonntag wurden 6000 Mk. Strike- gelder ausgezahlt, weitere Gelder sind noch genügend vorhanden. Aon heute ab werden ca. 200 Sinkende bei Erdarbeiten beschäftigt. In einer gestern abend abgehaltenen Versammlung wurde beschlossen, nicht eher die Arbeit wieder aufzunehmen, bis sämlliche Forderungen bewilligt sind. Paris, 21. August. In Marseille nimmt der Ausstand der Hafenarbeiter bedrohliche Formen an. Gestern schien es, als ob et dem Admiral Besson, der im Auftrag der Regierung die Bermitttung übernahm, gelingen würde, eine Verständigung herbeizuführen. Heute suchten die Etriker die Ausladung der neu angekommenen Schiffe zu ver- hmdern, wobei das Militär einschreiten mußte. Die englische Penmsular and Oriental-Company beabsichtigt infolgedeffen, ihre großen ostafiatischen Frachten in Genua auszuladen. Einer späteren Meldung zufolge ist durch Uebeinkunft der Schifffahrts-Gesellschaften mit den Hetzern, Kohlen- trägern und Matrosen der Ausstand beendigt. Die Arbeit wird morgen wieder ausgenommen werden. Paris, 21. August. Die Zahl der strikenden Kutscher nimmt stetig ab; viele treten wieder bei den Unternehmern ein, welche ihre Bedingungen angenommen haben. Eine weitere Anzahl, nämlich diejenigen, die regelmäßig blos zur Eommersaison nach Paris kommen, kehren in die Provinz zurück Sport, Spiel, Jagd. Cassel, 21. August. Au dem Tage, als Graf von Waldersee in Cassel vom Kaiser Abschied nahm, traf au[ Wilhelmshöhe ein viersitziger Automobilwagen ein, der, von einem Rittmeister vom Train und einem Wagenführer geführt, die Fahrt von dem Schießplätze Loburg bei Magdeburg nach Wilhelmshöhe gefahren war. Das Gefährt, ein stattlicher Wagen, ist mit Hellem Stoff ausgeschlagen, während die Seitenteile in blauer Emaillefarbe gehalten find. Der Wagen, der auf dem Loburger Uebuuas- platze den Truppenführern zur Benutzung diente, lostet 32 000 Mark. Der Kaiser wird in diesen Tagen Versuchs-Fahrten mit dem Automobil unternehmen. Das Terrain ist ein durchaus schweres, da im Habichtswalde die Fahrstraßen zumeist steil sind. Es soll versucht werden, die höchsten Steigungen zu überwinden. Sollte sich das Gefährt bei diesen Versuchen bewähren, so dürften weitere Automobilfahrzeuge für militärische Zwecke in absehbarer Zeit zur Anschaffung gelangen. Klteratur. — Im Verlage von A. Schröder, Sttliu "W- Potsdamerstr. "84a beginnt soeben ein Werk zu erscheinen, für das ftch alle Kreise des deutschen Volkes in hohem Grade inteteffteren werden. Das Werk be« handelt die Ereignisse in China und betitelt sich: „Der Krreg rn China" nebst Oner Beschreibung der Sitten, Gebräuche und Geschichte des Landes von Major z. D. I. S ch e i b e r t. Das Werk enthält, neben der eigentlichen Kriegsgeschichte auch eine interessante Darstellung der geschichtlichen Entwicklung des Landes und fuhrt dem Leser sowohl die inneren als auch die äußeren Verhältnisse des großen astatlschen Reiches in gründlich sachgemäßer und doch allgemein verständlicher Werse vor Augen. Jede der 30 Lieferungen des Werkes enthält noch ein farbiges Tafelblld und kostet nur 30 Pfg. Zu beziehen ist das Werk durch alle Buchhandlungen. Briefkasten -er Redaktion. H. W.-Darrbrirrgerr. 1. 60 Pfg. 2. b reldf Geld orten: Brief Geld- 16.28 Franz. Banknoten 81.30 20.40 Oesterr. bto. 84.50 4.17 Americ. 4.177a