M. 196 Erstes Blatt. Donnerstag den 23. August 1900 Heneral-An^eiger Aints- und Anzeigeblutt für den Atreis Giefzen Lllr Anzeigen.BrrTnilklungSkkllea bei In- und Hilft oM »edmen Anzeigm für den Gießener Anzeiger entgeGm. Zeilenprei«: lokal 12 Pfg., aultodrti 20 Psg. Basel*e He Uszeige« zu der Nechmittegr fit d* Miels Bsg «scheinenden Nummer dis Hnn. 16 Wjc. ■Mtefcmyn ipikesten» rtirtl »»eher 2ez»grpr,le dierieljährl. Ml JJt monatlich 75 Pjg. mit vrmgerloh«; durch die AbholefteL* vierteljährl. Mk. IM monatlich 65 Pstz. Bei Postbezug Mk. 2,40 oitrtelUK mit Bestellgeld. Irschetel Utzklch ... mu de« W D MGreßmer Anzeiger ■MH, «gped'tion und Druckerei: >4*f#te|< Mr. 7. Gratisbeilage«: Gießener FamttienblStter, Ker hejfihhe Kandwick, Kätter für heUche Uolkskande. «brtfft für Depeschen: Zuzeiger chNtzM. Fernsprecher Nr. 6L gggg^—■■ Amtlicher Feil. Gießen, den 20. August 1900. Bet r.: Die Feuergefährlichkeit der beweglichen Damps- dreschmaschinen. Das Grotzherzogliche Kreisamt Gießen an die Großh. Bürgermeistereien der Landgemeinden des KreiseS. Da wir die Wahrnehmung gemacht haben, daß die nachstehend abgedruckten Bestimmungen nicht genügend bekannt zu sein scheinen, so bringen wir dieselben zur Beachtung hiermit in Erinnerung, und empfehlen Ihnen, die Besitzer von Dampfdreschmaschinen von dem Inhalt nachstehenden Ausschreibens in Kenntnis zu setzen. v. Bechtold. 5. Gießen, am 22. Juli 1889. Betr.: Wie oben. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen aa Großh. Polizeiamt Gießen und die Großh. Bürgermeistereien als Lokalpolizeibehördeu und die Großh. Gendarmerie des Kreises. Die Vorsichtsmaßregel, wonach die Lokomobilen der Dampfdreschmaschinen von Gebäuden und seuerfangenden Gegenständen, Waldungen ünd öffentlichen Wegen bei CokeS- unb Steinkohlenseuerung mindestens 25 Fuß, bei Holz-, Braunkohlen- und Torfheizung mindestens 100 Fuß entfernt aufgestellt werden sollen, hat sich in der Praxis öfters als nicht durchführbar erwiesen. Großherzogliches Ministerium des Innern und der Justiz hat es deshalb unter der Voraussetzung, daß die Lokomobilen mit Steinkohlen und CokeS geheizt werden, und mit das Funkenwerfen wirksam verhindernden Funkenfängern versehen sind, für zulässig erklärt, daß die Polizeibehörden die Genehmigung zur Aufstellung von Lokomobilen der Dampfdreschmaschinen in einer Mindestentsernung von drei Metern von Gebäuden und seuerfangenden Gegenständen zc. zu erteilen. Nach § 10 der Verordnung vom 4. August 1857, die Anlage und den Gebrauch von Dampfkeffeln betreffend, ist zur Aufstellung von transportablen Dampfmaschinen in jedem speziellen Falle die Genehmigung der Polizeibehörde einzuholen. Die Polizeibehörden wollen sich Inhalts dieses Aus- schreibens bemeffen, und das Polizeipersonal auweisen, sich bei gegebener Gelegenheit von der ordnungsmäßigen Beschaffenheit der Funkensänger, sowie davon zu überzeugen, daß Stroh und sonstige leicht feuersangende Gegenstände nicht in einer Entfernung von weniger als drei Metern von der Lokomobile gelagert werden, sowie daß beim Betrieb nur mit Brennöl und nicht mit Petroleum gespeiste Laternen angebracht werden. Zugleich empfehlen wir den Polizeibehörden, die Besitzer von Dampfdreschmaschinen von dem Inhalte dieses Ausschreibens in Kenntnis zu setzen. __I. V.: I o st, RegierungSrat. Bekanntmachung. Der Geflügelbestand des Unternehmers Conrad Rüb- samen dahier erscheint Cholera verdächtig. Sperre ist verhängt. Gießen, den 21. August 1900. Großherzogliches Polizeiamt Gießen. Hechler. Bekanntmachung. Wir bringen hiermit zur öffentlichen Kenntnisnahme, daß zwecks Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung bis auf weiteres die Lahnstraße nur in der Richtung vom Neustädter Thor nach der Neumühle hin und der von ' horten nach der Hammstraße führende Weg nur in der an- gegebenen Richtung mit Fuhrwerken befahren werden darf. Gießen, den 20. August 1900. Großherzogliches Polizeiamt Greßen. Hechler.____________________ Bekanntmachung. DaS Proviantamt in Hanau kauft gesunden, trockenen und gut gereinigten Roggen und Hafer, sowie gutes, gesundes Heu und Roggenstroh. Zur schnellen Abfertigung wird es wesentlich beitragen. wenn daS Getreide zu einem gleichmäßigen Gewicht eingesackt wird. Die^.Adreffe für Bahnsendungen ist: „Proviant-Amt in Hanau—Nordbahnhof. Fracht- und Abfuhrkosten von der Bahn trägt Verkäufer. Die Abfuhrkosten betragen für Roggen und Hafer 6 Pfg. für Heu und Stroh 15 Pfg. pro Centner. Alles Nähere ist bei dem genannten Proviant Amt zu erfragen. _____________________________________________ Bekanntmachung. Betr.: Feldbereinigung in der Gemarkung Staufenberg. In der Zeit vom SamStag, 25. August l. IS., bis einschließlich Freitag, 31. August l. IS., liegen auf dem Amtszimmer der Großherzoglichen Bürgermeisterei Staufenberg folgende Akten zur Einsicht der Beteiligten offen, nämlich: 1. Die Rechnung über die Einnahmen und Ausgaben rubr. Feldbereinigung nebst den dazu gehörigen Urkunden; 2. der Ausschlag der ungedeckten Bereinigungskosten; 3. der Beschluß der Vollzugskommission und des Gemeinderats vom 23. Mai I. IS. über die Erhebung dieses Ausschlages. Einwendungen hiergegen sind bei Meidung des Ausschluffes innerhalb der oben angegebenen OffenlegungSfrist bei Großherzoglicher Bürgermeisterei Staufenberg schriftlich einzureichen. Friedberg, 15. August 1900. Der Großherzogliche Bereinigungskommiffär: Süffert, Regierungsrat. Steijn. Aus dem Burenlande ist eine neue Trauerkunde gekommen. Sie ist noch unbestätigt und es bleibt der Hoffnung Raum, daß nur der Wunsch der Vater des Gedankens .war, daß der tapfere Steijn, der Führer der Buren von Oranje, noch unter den Lebenden weilt. Auf den ruhelosen, von wilder Romantik umgebenen Zügen des tapferen De Wet soll eine feindliche Kugel den unermüdlichen Mann getroffen haben, und der Heldentod im Felde soll den Abschluß seines in Treue und Ehren verbrachten Lebens gebildet haben. Noch läßt es sich nicht feststellen, ob das Gerücht die Wahrheit verkündet. Aber wer dürfte staunen, wenn all die seelischen Kämpfe und Leiden, wenn das tiefe Leid um die verlorene Freiheit sich vereint hätten mit den ungeheuren physischen Strapazen, um dem Leben Steijns ein Ziel zu setzen? Welch schöneres Ende für ihn, der allen Lockungen der Engländer zum Trotz und den sicheren Untergang vor Augen festhielt an dem gegebenen Wort, und in der Stunde der Not seine Burghers zu den Brüdern am Vaalfluß führte! Es liegt etwas von der Heldengröße der Nibellmgen in diesem Manne, der den Tod aufgerichtet hinter sich sah und dennoch vor ihm nicht zurückwich, und mögen seine Feinde ihn als Rebellen schmähen, so wird doch überall, wo Mannestugend noch im Werte steht, sein Andenken gepriesen werden. Es ist gar mancher geschieden von den Männern, die als die Führer des Burenvolkes galten. Piet Joubert ruht in der Erde, auf dem Felseneiland Napoleons trauert Cronje, der tapfere Villebois fand den Heldentod, und jetzt soll auch Steijn den Weg in jenes Land angetreten haben, in dem nicht mehr um des roten Goldes willen ganze Völker hingeschlachtet werden, in dem man nicht mehr die Freiheit mordet. Es ist ein eigenes Verhängnis, das über dem Burenvolke waltet. Aber es ist auch ein Zeichen der ihm innewohnenden, verjüngenden Kraft, daß immer neue Namen siegreich aus dem Nebel auftauchen, und wenn auch die Anderen starben, so wird man nocklange sprechen von Botha und De Wet, von Delarey und Olivier, die mit wenig tausend Streitern der ganzen Heeresmacht eines Weltreichs lächelnd Trotz bieten. Tenn es sind in Wahrheit nur ein paar tausend Mann, die ihnen folgen, die den Feldherrnruhm der Kitchener und Roberts zerstören und der Welt die Lehre geben, daß das Heldentum noch nicht ausstarb unter der Sonne. Und je größer die Zahl der scheidenden Alten ist, je Heller sich die Namen der Jungen abheben von den düsteren Blättern einer düsteren Geschichte, desto gewaltiger und bezwingender steht vor unseren Augen die Gestalt des letzten und größten unter den Burghern, des einsamen Hirten seines Volkes, Paul Krüger. Es ist der alte, harte Bauerntrotz, der ihm den Nacken steift, aber es ist auch iene todesmutige Treue gegen sicb selbst, die auch vor der letzten Folgerung nicht zurückschreckt, die das Schlachtfeld nicht verläßt, so lange noch einer lebt. Und wie das Gold, um dessent- willen das Bauernblut im fernen Weltteil fließt, das Gleichnis bildet zu jenem unseligen Hort, der im Rhein versank — „Wer's je besitzt, muß sterben eh's ihn freut", singt Volker der Spielmann — so steigt auch, wenn der Blick auf die letzten, todesmatten Kämpfer fällt, das Bild der Heinen Heldenichgr heraus, die sich um Hagen scharte. Noch lebt Hagen, der gewaltigste unter ben Burgundern, wenn auch das letzte Los ihm längst geschüttelt wurde. Uiid doch scheint es, als habe die Welt das Interesse verloren an dem gewaltigen Epos, das wir durchleben. Man hat sich gewöhnt, die Vernichtung des Burenvolkes als ein unabweisbares Verhängnis zu betrachten, und so finden die auf Sensation gestimmten Nerven nicht mehr ihre Rechnung. Für jene Heldengröße, die nicht mehr um Lohn und Gewinn, nicht mehr um Sieg und Freiheit, sondern nur noch um einen Tod in Ehren kämpft, ist: das Verständnis geschwunden, und in ben Abenteuern von China versinkt bic Teilnahme für bie tragische Schlußszene, die in den Bergen um Lydenburg sich abspielt. Ja, wir haben uns schon, ohne Scheu und ohne Sck)am, an ben Gedanken gewöhnt, daß ein Chamberlam zu seinem Ziele gelangt, daß der Viercleur von ben Masten sinkt und bleiern unb schwer sich bie Knechtschaft auf bas Burenvolk lagert. Wir vernehmen ohne Erregung, wie man die gefangenen Kämpfer nach fernen Inseln schleppt und wie man sie als deportierte Sträflinge behandelt, wir lesen ruhigen Blutes, wie man Frauen und Kinder hinaustreibt aus ihrem Heim und wie man Farmen niederbrennt, die einem Feinde Obdach gewährten. Eine englische Gewaltherrschaft steht im Süden des bunHeti Erdteils nicht nur bevor, sondern sie ist bereits eingeführt, und rücksichtslos genug wird man daran gehen, dem Burenvolk ben Stempel bes Helotentums aufzudrücken. Die Brutalität triumphiert und der niederdeutsche Bauer erliegt derUeber- macht. Noch wehren sich die Burghers, immer wieder vernimmt man von ihren Siegen. Aber Hagen erschlug Irina und Rüdiger und all 'die anderen und mußte dennoch! sterben mit all 'den Seinen. Und so wird auch Krüger fallen, wenn auch immer wieder der Heldenmut der Buren blutigen Lorbeer pflückt. Sie machen tausende von Gefangenen und haben keine Stätte mehr, sie zu hüten; deshalb geben sie immer wieder die Gefangenen frei, ritterlich und stolz, und sind doch nur arme, arbeitsharte Bauern. Vielleicht wird man es einst, vielleicht sogar schon bald erkennen, daß dort unten im Süden Afrikas ein weit kostbareres Gut auf dem Spiele stand und verloren ging, .aüs in dem chinesischen Osten. Denn wenn hier unser Handel um seine Interessen ringt, so schneidet dort die Sichel tief in das Mark des niederdeutschen Volkstums. Nun heißt es, daß der wackere Steijn, der Führer der Oranjer, fiel — wenn auch der Leib des greifen Krüger in der Erde ruht, dann wird die letzte Hoffnung gesunken sein, daß doch vielleicht noch einmal, lebenskräftig und frisch, das Burenvolk emporwächst auf seinem alten Boden. Aus dem Jahresbericht der Großh. Handelskammer zu Gießen. Verkehrswesen. B. Postwesen. Am 16. Februar wurde dem Reichstag ein vom Bundesrat beschlossener Entwurf einer Fernsprechgebührenordnung vorgelegt. Gegen denselben wandte sich bie Kammer in einer eilenden Eingabe an den Reichstag mit dem Antrag: „Hoher Reichstag wolle den 8 9 der Vorlage genehmigen, die übrigen Teile derseloen aber ablehnen und einer Neuordnung der Fernsprechgebühren nur auf Basis eines verbilligten Abonnementssystems mit feststehenden Jahresgebühren, ferner Sätzen einer Skala von 150 Mark bis 60 Mark zustimmen." Der der beabsichtigten Neuordnung zu Grunde gelegte Berechnungsplan sei verfehlt. Nur eine auf Verbilligung der Jahresabonnements beruhende Aenderung der Gebühren mit einem höchsten Satz von 150 Mark für Plätze ersten Ranges mit Zwischenstufen bis zu 60 Mark könne als wirkliche Verbesserung angesehen werden. Die Gebühr dürfe für Städte mittlerer Größe höchstens 100 Mark betragen, wie denn auch eine seinerzeit von der Kammer veranstaltete Umfrage gezeigt habe, daß sich in der Stadt Gießen bei Einführung dieses Satzes die Anschlüsse um etwa 50 Prozent vermehren würden. Besonders zu begrüßen fei die von der Kammer bereits mehrfach befürwortete Einführung einer Zwischenstufe für Ferngespräche bei 50 bis 100 Kilometer Entfernung zum Satze von 50 Pfg. Das Gesetz ist inzwischen in bekannter Fassung in Kraft getreten. Im Interesse des wichtigen Expreßboten- dienstes der Zeitungen, dessen Beseitigung die Annahme einer Anzahl von Bestimmungen des dem Reichstag im Februar 1899 vorgelegten Entwurfs eines Post- gesetzes zur Folge gehabt haben würde, traten wir bei Reichstag und Bundesrat für Ablehnung dieser Bestimmungen ein. . , , Wir betonten in unserer Eingabe, daß die Beseitigung des Expreßbotendienstes in den Provinzstädten und auf Sem Lande als eine äußerst unangenehme Maßregel em- pfunden werden würde, und daß eine Entschädigung dafür von der ReichIPostverwaltung in keiner Weise geboten werden könne. Wir erklärten u. a. auch, daß allein der Expreßbotendienst es für Gießen und andere Nachbarstädte von Frankfurt a. M. ermögliche, die dort erscheinenden Blätter noch am Tage ihrer Ausgabe in den genannten Städten zu bestellen, die Morgenblätter etwa 2 Stunden früher als bei der Beförderung durch die Post zum Austrag kommen zu lassen, und Deren Behändigung an die Abonnenten an Sonn- und Feiertagen überhaupt zu bewirken. Am 3. März 1899 richtete die Handelskammer Mannheim in einer ausführlich begründeten Eingabe an den Reichskanzler die Bitte: „bei Festlegung der Ausführungsbestimmungen des Vertrags mit dem Norddeutschen Lloyd die Aufnahme einer Vorschrift in Erwägung zu nehmen, nach welcher die Reichspostdampfer der drei Hauptlinien nach China, Japan und Australien auf der Aus- und Heimreise Rotterdam anlaufen möchten." Die Eingabe wurde entsprechend der Stellungnahme einer größeren Anzahl von Schtvesterkammern und des deutschen Handelstages unterstützt, da Rotterdam den deutschen Exportinteressen viel näher liegt als Antwerpen. Gleichzeitig wurde eine Umfrage über die Höhe des von hiesigen Firmen nach Ostasien exportierten Warenbetrags unternommen und das Ergebnis der Mannheimer Kammer mitgeteilt. Vor Drucklegung dieses Berichts erfahren wir, daß vom 13. Juni 1900 ab versuchsweise die Reichspostdampfer der ostasiatischen Linien auf jeder zweiten Ausreise Rotterdam — und zwar neben Antwerpen — anlaufen werden. Im Berichtsjahre machten sich weitgehende Bestrebungen geltend, welche die Einführung einheitlich e r P o st w e r t z e i che n bei sämtlichen deutschen Postverwaltungen bezweckten. Wir unterstützten die leider bis jetzt erfolglose Bewegung. Entsprechend einer Eingabe der Handelskammer Essen richteten wir im November 1899 an den Herrn Staatssekretär des Reichspostamts die Bitte, die hohen Portokosten für Briefe schwereren Gewichts nach dem Auslande einer Revision zu unterziehen. Tie Herabminderung der Portosätze bedeute eine außerordentliche Erleichiterung des Verkehrs mit dem Auslande. Zudem könne erfahrungsgemäß daran festgehalten werden, daß infolge der sicher sich wesentlich steigernden Zunahme dieser Korrespondenz ein fiskalischer Ausfall nicht zu erwarten stehe. Eine Antwort ist bis jetzt nicht eingelaufen. Von zuständiger Seite wurde die Einrichtung verschließbarer AbholungsfächerindenPostämtern angeregt. Wir ^erkannten nicht, daß die Einführung solcher unter Verschluß des Empfängers stehender Fächer für die Geschäftswelt manche Vorteile biete, beschlossen jedoch, von einem Eintreten für diese Institution abzusehen, da an mittleren und kleineren Plätzen ein fühlbares Bedürfnis nach solchen Fächern nicht hervorgetreterk ist. Aus Stadt und Land. Gießen, den 22. August 1900. ♦* Das Regierungsblatt Nr. 61 vom 20. August enthält die Bekanntmachung, die Ausgabe von Schuldverschreibungen der Stadt Bingen auf den Inhaber betreffend. ** Grand prix. Aus der Pariser Weltausstellung wurde der Firma Schiedmayer, Pianosortesabrik in Stuttgart (Vertreter Wilh. Rudolph-Gießen), für ihren dort ausgestellten , wunderbar schön ausgestatteten Konzertflügel (Wert 20,000 Mk.) die höchste Auszeichnung, der grand prix, zugesprochen. ** Der Ausflug Der Gießen er Kriegervereine nach den Schlachtfeldern bei Metz und den Spicherer Höhen, der vier Tage dauerte, nahm, vom schönsten Wetter begünstigt, seinen programmmäßigen Verlauf. Jedem der Teilnehmer, 32 an der Zahl, war ein vollständig ausgearbeiteter Reiseplan ausgehändigt wor-, den, der in seiner Genauigkeit und Ausführlichkeit nichts zu wünschen übrig ließ. Am 16. August sanden sich die Teilnehmer morgens 5 Uhr auf dem hiesigen Bahnhof ein. Nach ca. 8 stündiger Fahrt in Metz angekommen, wurden wir, so schreibt man uns, von Mitgliedern des Kriegervereins Metz empfangen und nach dem Sammelplatz, bezw. ihren Quartieren geleitet. Abends fand den Gästen zu Ehren ein Konzert statt, gegeben von der Kapelle des 174. Regiments. Am 17. früh morgens fuhren wir auf fünf Wagen nach den westlich von Metz gelegenen, Schlachtfeldern über Gravelotte und Mars-la-tour und besichtigten sämtliche Denkmäler und Massengräber unter der vorzüglichen Führung des 1. Kassierers des Metzer Krieger-Vereins, Herrn Pfennings. Auf Einzelheiten einzugehen, würde zu weit führen. Am 18. morgens teilte uns beim Antreten der Führer mit, daß der Gouverneur von Metz, Exzellenz von Froben, sämtliche Ausflügler für diesen Abend zum großen Zapfenstreich eingeladen habe, ausgeführt von sämtlichen Musikkorps der Garnison. Da wir aber programmgemäß abends 6,35 nach Saar- mußten, konnten wir der Einladung leider ^^^-ootge leisten. Nur drei Teilnehmer blieben zurück und kamen am anderen Morgen nach Saarbrücken nach. Wrr gingen also am 18. auf die nordwestlich von Metz liegenden Schlachtfelder bei Amanweiler. Hier wurde von dem 2. Vorsitzenden des Kriegervereins Gießen, Herrn Bommersheim, namens der Reisegesellschaft, unserm vortrefflichen Führer, Herrn Pfennings, unter entsprechender Ansprache ein Geschenk als Dank für seine liebenswürdige, uneigennützige Bemühung überreicht. Von hier ging es nach St. Privat und von da nach dem Denkmal der hessischen Division, wo die Ausflügler freudig überrascht waren, einen Gießener Veteran, Herrn Louis Petri, 1. Vorsitzender des Veteranen-Vereins unser harrend,। dort anzutreffen. Herr Petri schilderte uns in ergreifenden Worten den vor dreißig Jahren dort in der hessischen Division kämpfend verlebten, unvergeßlichen Tag, sodaß alle zu Thränen gerührt wurden. Mancher suchte die Stelle auf, an der er verwundet wurde und liebe Kameraden den Tod fürs Vaterland starben. Namens des Kriegervereins Gießen ergriff dann Herr A. Dickore das Wort und legte unter entsprechenden Worten einen prachtvollen Kranz mit weißer Schleife am Denkmal nieder mit der Inschrift: „Der Kriegerverein Gießen den gefallenen Helden der 25. (Hess.) Division". In seiner Ansprache hob Herr Dickore besonders hervor, daß die allgemeine Schmückung der Kriegergräber besonders durch die Vereinigung zur Schmückung der Gräber geschehe, die vom Metzer Kriegerverein ins Leben gerufen sei und dem er dafür den allseitigen Dank aussprach. Dann führte der Redner aus, daß es vielen von den Helden, die den Tod fürs Vaterland starben, nicht mal vergönnt sei, in deutscher Erde gebettet zu fein, und schloß mit den Worten: „Doch wer den Tod im Heldenkampfe fand, ruht auch in fremder Erd' im Vaterland!" Hierauf legte dann Herr P fen n i n g s, der Führer der Gesellschaft, persönlich einen Kranz nieder und führte aus, daß er eingedenk der heutigen Feier dies fortan am Denkmal der hessischen Division thun werde. Nachdem wir in Gravelotte zu Mittag gegessen hatten, ging's über Ars a. d. Mosel zurück nach Metz, von wo wir alsdann zur obenangegebenen Zeit nach Saarbrücken abfuhren. Am Bahnhof St. Johann wurden wir durch Vorstandsmitglieder des Saarbrücker Kriegervereins nach einer Stunde gemütlichen Beisammenseins in unsere Quartiere geführt. Am andern Morgen, den 19., wurden wir von den Herren wieder abgeholt, und es ging nach dem Lulustein auf dem Exerzierplatz von Saarbrücken, von dort nach dem Ehrenthal und schließlich nach den Spicherer Höhen, wo wir staunend unserer Kameraden gedenken mußten, die im Kugelregen solche Höhen zu erklimmen und zu nehmen vermochten. Die nötigen Erläuterungen an diesem Tage gab uns ein Vorstandsmitglied des Saarbrücker Kriegerverems, Herr Kopelke, unter Einflechtung eigener Erlebnisse am Tage des Sturms der Spicherer Höhen. Dann ging es zum gemeinsamen Mittagmahle in das Vereinslokal des Saarbrückener Kriegervereins, wo diesem Verein und den liebenswürdigen Führern herzlichster Dank ausgesprochen wurde. Von dort begaben wir uns direkt zum Bahnhof zur Rückfahrt nach Gießen. Die in diesem wohlgelungenen, zur allseitigen Zufriedenheit verlaufenen Ausfluge erhaltenen Eindrücke werden den Teilnehmern ihr Leben lang unvergeßlich fein. ** Von der hessischen Landeslotterie. Die Ziehungen der ersten hessischen Landeslotterie sind zu Ende und nach ihrem Verlauf kann nun mit Genugthuung verzeichnet werden, daß Zweck und Ziel, die vornehmlich zu ihrer Neueinrichtung Veranlasfung gaben und denen trotz mancherlei Bedenken auch die Vollberechtigung für die Gründung nicht versagt werden konnten, in der Hauptsache in vollem Maße erreicht worden find. Das hesfische Geld fließt jetzt nicht mehr zum Lotteriespiel nach anderen Bundesstaaten ab, und der letzteren Staatskassen werden jetzt nicht mehr zum Teil mit dem Geld hessischer Lotteriespieler gefüllt. Die hessische Landeslotterie verschafft vielmehr aus der Spiellust der Landesangehörigen, die sich sonst stets nach auswärts bethätigte, unserem eigenen Staate jetzt einen erklecklichen Ueberschuß, der ihm umso beffer zu statten kommt, als seine finanziellen Leistungen an fick von Jahr zu Jahr sich steigern und durch solche freiwilligen Zuschüsse die obligatorischen Steuerbeiträge einige Erleichterung erfahren können. Das Ergebnis der jetzt abgeschloffenen ersten Lotterie soll, wie der „Mainz. Anz." schreibt, für die Staatskasse ein wider Erwarten günstiges Resultat ergeben haben, da von den 33 000 Volllosen im ganzen nur eine unverhältnismäßig kleine Zahl, wie es heißt 1500 Stück, unabgesetzt geblieben ist. Der erste Erfolg der neuen Lotterie war demnach in Bezug auf die ihr vom Publikum bereitete Aufnahme ein ganz bedeutender, und in entsprechendem Maße wird sich der Endüberschuß dann beträchtlich höher stellen als zuerst vorgesehen war. Der höchste diesmalige Treffer von Mk. 500 000 (100 000 Mark Gewinn und Mark 400 000 Prämie) kam am letzten ZiehungStage aus dem Glücksrad und fiel nach Groß-Umstadt in Starkenburg. Ebenfalls zu Starkenburg gehört Groß-Bieberau, wohin der zweitgrößte Treffer von Mk. 300000 kam. Den dritthöchsten Treffer von Mk. 200000 holte sich Worms und nach Offenbach gingen die Treffer von Mk. 50000 und Mk. 30000. — Mainz fiel nur der Gewinn von Mk. 40000 zu, aber die Prophezeihungen, daß Oberhessen gewiß die dicksten Brocken bekommen werde, haben sich nicht erfüllt. Zum Schluß noch eine Aufklärung über die Ziehung der Prämie von Mk. 400000, da darüber auf vielen Seiten noch Unklarheit herrscht. Diese Mk. 400000 werden immer erst am letzten ZiehungStag der 5. Klasse gezogen und sie fallen dem höchsten Gewinn zu, der an diesem Tage noch zu ziehen ist. Ist an dem Tage kein einzelner größter Gewinn mehr in der Ziehungstrommel, sondern von dem noch auszulosenden größten Betrag mehrere gleichwertige Treffer zu ziehen, so erhält der davon zuletzt gezogene die Prämie von Mk. 400000. Sind nur noch niedrigste Gewinne zu ziehen, so kommt sie in diesem Falle ebenfalls dem zuletzt gezogenen zu, aber die letztere Even tualität dürfte kaum je eintreten. „i“ Rodheim a. Bieber, 21. August. Heute morgen wurde hier vom herrlichsten Wetter begünstigt das zweite Bezirkstierschaufest abgehalten. ES wurde nach dem Eintreffen des LandratS v. Heimburg eröffnet, und der dazu gewählte Platz war bald von einer großen Menschenmenge angefüllt. Zu der Bezirksschau waren etwa 50 Tiere aufgetrieben, darunter zunächst sämtliche Bullen der 8 Ortschaften des Bezirks Rodheim. Die Prämierungskommiffion hatte bei der reichen Beschickung der wohlgepflegten Tiere keine leichte Arbeit, und so konnte erst nach 12 Uhr zur Preisverteilung geschritten werden. Der Landrat hob in seiner Ansprache hervor, daß diese zweite Bezirksschau schon einen regen Fortschritt in der Veredlung deS Vogelsberger Rindes zeige, indem sämtliche zur Schau gebrachten Bullen in daS Herdbuch aufgenommen seien. Doch sei unter den Kühen und Rindern noch hier und da eine kleine Bean standung, die bei fortgesetzter Pflege bald schwinden werde. Einen ganz besonderen Fortschritt wies die Gemeinde Frankenbach auf; während ihre Bullen bei der ersten Be- 1 zirksschau ausgeschloffen wurden, erhielten sie diesmal die beiden ersten Preise mit je 30 Mk. Unter den ausgestellten Kühen fiel der erste Preis mit 30 Mk. nach Bieber. Nach Schluß der Prämiierung wurde unserm Landrat ein kräftiges Hoch von der tausendköpfigen Menge ausgebracht. Dann bewegte sich ein langer Zug durch die Hauptstraße unseres Dorfes, geleitet von zwei MusikkorpS, nach der Villa des Kommerzienrats Gail, wo Herr von Heimburg abgestiegen war. O Kloppenheim, 20. August. In dem an der Straße nach Vilbel fich hinziehenden Walde ist in letzten Tagen eine grauenhafte That, vermutlich ein Raubmord, vollbracht worden, wie eine dort aufgefundene männliche Leiche zu erkennen gibt. Etwa 200 Schritte von der Straße entfernt, fand man gestern in einer Schlucht den entseelten Körper halb entkleidet mit zertrümmertem Schädel und zer- schlagenem Gesichte, das die Erkennbarkeit des Erschlagenen zur Unmöglichkeit machte. Einige Schritte davon waren zwei große Blutlachen, dabei ein ca. 2 Pfund schwerer, scharfkantiger Stein, in ein rotes Taschentuch gewickelt, das mit großen Blutflecken besudelt und vom Schlagen mit dem Stein durchlöchert war. Etwas seitwärts hiervon lag ein ca. 10 Pfund schwerer Stein, der ebenfalls vollständig mit Blut bedeckt ist. Auch befinden fich an diesem Stein Teile der Kopfhaut und darangeklebte Haare des Unglücklichen. Der Leichnam war bereits in Verwesung übergegangen. Bei dem Ermordeten fanden fich keine Papiere vor, die die Persönlichkeit desselben feststellen laffen. Unweit von der Leiche im Gebüsch sand man einen schwarzen Filzhut und eine Sammetklappmütze, ferner eine leere Flasche iw der anscheinend Branntwein gewesen ist. Auch ein Exemplar des „Frankfurter Generalanzeigers", eine Nummer des „Evangelischen Sonntagsblattes", eine Ausgabe des „Kleinen Witzblattes", eine Sägenfeile, ein Kneuel Garn und Kordes eine Tüte mit Kreide und eine solche mit Nägeln lagen amThat- orte zerstreut umher. Auch sind in dem Buschwerk noch abgerissene Hosenknöpfe gefunden worden. Der Leichnam war . nur noch mit Hemd und Rock bekleidet und lag in einigen Schritten Entfernung von den Blutlachen auf dem Rücken, mit dem Kopf rücklings in einen Graben überhängend» Solche Lage erleichterte es dem Räuber, dem Erschlagenen die Hosen auszuziehen. Die mit Blut getränkten Strümpfe lagen unter dem Leichnam; neben ihm ein Vorhemd und die ausgezogenen Stiesel. Die Sache gewinnt somit den Anschein, daß der Unglückliche sich hat auSruhen wollen, von dem Mörder überfallen worden ist, der ihm zuerst mit dem in das Taschentuch gewickelten Stein auf den Kopf geschlagen hat, bis der Ermordete zusammengesunken ist; dann wird der Mörder von dem großen, mit Blut getränkten m- Verkehr. Volkswirtschaft. Fruklirler Börte vorn 81. August. Wechsel auf New-York zu 0.00-00. Prlmlei auf Kredit per ult. Äug. 0.950/q, do. per ult Sept. 2.20%, Diekonto-Kommandit per ult. Äug. 0.80 %, do. por ult. Sept 1.90 %, Lombarden per ult Ang. 0,40%, do. per ult Sept. 0.80 %• Deutsche Bank per ult. 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