1OOO Mittwoch den 23 Mai billi9= Anits- und Anzeigeblutt für den Areis Gieren NeUl» ujer- 2. 3. 4. 5. 5. 6. * *) Die Sitzung ist öffentlich. 1. 2. 3. 4. erscheint täglich du Ausnahme des MontagS. Die Gießener Aa«ikie»ktLtter »erden dem Anzeiger fcn Wechsel mit „Heff. Landwirt^ m. ^BUlter Mr heff. «olttkunde- »KchÜ. 4 mal beigelegt. Alle Anzergen-BermlttlungSstellen deS In- und AuSlande» nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger entgegen. Zeilenpreis: lokal 12 Pfg., auSwärtS 20 Pfg. RtMliM, Expedition und Druckerei: ^chnkstraße Nr. 7. QU »«nohme »♦« Anzeigen zu der nachmittags für den folgenden Dog «rscheinenden Nummer bis norm. 10 Uhr. Abbestellungen spätesten» abends vorher. Gratisbeilage«: Gießener FamiUenbtätter, Der hessische Landwirt, Matter sür hessische Volkskunde. Bezugspreis Vierteljahr!. Mk. 2^9 monatlich 75 Psg. mit Brin^erlohn; durch die Abholestelle» oierteljährl. Mk. 1,9t monatlich 65 Psg. Bei Postbezug Mk. 2,40 oierteljährl. mit Bestellgeld. (hftt zu einem K logSübei u Sjllljtll C. Reicyelt. 7. Statutenänderung betreffs §§ 19 und 20. 8. Wünsche und Anträge. ____________ des Statuts). Wahl weiterer fünf Vorstandsmitglieder (§ 16 des Statuts). Wahl eines Stellvertreters des Vorsitzenden (§17 Absatz 4 deS Statuts). Bestimmung derjenigen Kammermitglieder und Ersatzmänner durch das Los, welche nach Ablauf von drei Jahren aus der Handwerkskammer auszu« scheiden haben (§ 4 Absatz 2 des Statuts). Bestimmung derjenigen drei Vorstandsmitglieder durch das Los, welche nach Ablauf von drei Jahren aus dem Vorstand auszuscheiden haben. Die unmittelbare Leitung der Anstalt untersteht einer Vorsteherin (Hausmutter) und einer Assistentin (Jndustrie- lehrerin). Sowohl diese, als die Mädchen wohnen im AnstaltSgebäude. Für Unterricht und Logis sind 20 Mk. pro Kursus, und für Kost und Verpflegung 1 Mk. pro Tag zu entrichten; außerdem sind nur noch etwaige Ausgaben für Arzt und Apotheke zu bestreiten. Ausführliche Programme, aus denen das Nähere über die Anmeldungen, die möglichst frühzeitig erbeten werden, zu ersehen ist, find von dem Unterzeichneten, sowie von Herrn Oberamtmann Westernacher in Lindheim erhältlich. Büdingen, den 25. April 1900. Der Vorsitzende deS landw. Bezirksvereins. Jrle. Tagesordnung: Rechenschaftsbericht des Ausschusses. Vorlage der Rechnung pro 1899/1900. Vorlage des Kostenvoranschlages pro 1900/1901. Neber Baumbesorgung und Obstverwertung als Unternehmungen der Geschäftsstelle. Referent: Direktor Dr. v. Peter. Adresse für Depeschen: Anzeiger Hießt«. Fernsprecher Nr. 51. Verschiedenes. Darm stadt, den 14. Mai 1900. Großherzogliches Ministerium des Innern, Abteilung für Landwirtschaft, Handel und Gewerbe. I. V.: Dr. Usinger. Rr. 119 Zweites Blatt Politische Tagesschau. Recht unbequem werden den merkwürdigen Streitern für die „Sittlichkeit", die im Grunde nichts als Starrsinn und /Skrupellosigkeit bedeutet, außer der so kurzen und knappen als schneidig treffenden Erklärung der deutschen Strafrechtslehrer zwei Schriften kommen. Die eine nennt sich „DasBuchvonderLexHeinz e", herausgegeben von Otto Falckenburg, mit Buchschmuck von A. Oppenheim. Dieses Buch verdankt seine Entstehung nicht ciM Entfernungen der Baumpflanzungen von den Grenzen deS Nachbars. Referent: C. Reichelt. 6. Die Obstausstellungen im Jahre 1900. Referent: öffentliche Kritik des Gebotenen, Heute aber dürfen wir an dieser Stelle wenigstens sagen, daß von allen Seiten — und das von sehr maßgebenden und musikverständigen —i .mit der größten Anerkennung, mit wohlverdientem Lobe darüber geurteilt wurde. Die Leistungen unserer einheimischen Kräfte sind allseitig anerkannt und hoch ge- schätzt — neu war uns die Sängerin, Frau Dr. H. aus Kassel. Wie sehr sie sich mit ihrer schönen, sympathischen, wohlgeschulten Stimme, durch die Innigkeit, Klarheit und das feinfühlige Verständnis ihres Vortrages in die Herzen der Gießener hineingesungen, das sagte ihr wohl damals der lebhafte Beifall, das sagte uns das allgemeine Urteil. Der Zauber der „Mdeinsamkeit" umspinnt uns noch jetzt in der Erinnerung; noch jetzt hören wir den Flügelschlag des Glückes rauschen, und voll und mächtig und jubelnd und jauchzend tönen die Glocken, die den Lenz einläuten, noch jetzt an unser Ohr und Herz. Also Dank, innigen Dank ganz besonders ihr, und auf Wiedersehen und -hören in unserer Musenstadt. Darmstädter Theater. Man schreibt aus Darmstadt: Im verflossenen Theaterjahr (2. September 1899 bis 8. Mai 1900) fanden im Hoftheater im ganzen 171 Vorstellungen statt. Nach der Kunstgattung gehörten der Oper 77, der Operette 12, dem Schauspiel 84 unir dem Ballet 9 Aufführungen an. In der Oper erschienen unter 42 verschiedenen Werken neu 3, neu einstudiert 5, in der Operette unter 3 verschiedenen Werken neu 1, neu ein» studiert 1, im Schauspiel unter 44 verschiedenen Werken Einladung zur Zjtzuug*) der Hlmdloerksklmmer ju Darmstadt auf Freitag de« 25. Mai l. I., vormittags 10 Va Ufcr, in Darmstadt, Sitzungssaal der Zweiten Kammer der Landstaude, Rheinftraße. Tagesordnung: 1. Wahl des Vorsitzenden der Handwerkskammer (§ 16 Bekanntmachung. Au die Orotzherzoglicheu Bürgermeistereien deS DistriktS-EinuehmereibezirkS Gieße« II» Wir ersuchen Sie, alsbald öffentlich bekannt machen ju laffen, daß für diesmal die direkte Steuer des ersten Ziels noch bis zum Schluffe des Monats Mai ohne Kosten b ezahlt werden können. Unser Büreau befindet sich Grünbergerstraße 12III. Gießen, den 21. Mai 1900. Großherzogliche Distrikts-Einnehmerei Gießen II. Stroh. Bekanntmachung. Am Sonntag dem 27. Mai, nachmittags 3 Uhr, findet im Lenz'schen Felsenkeller in Gießen die General- Versammlung des Oberhessischen Obftbauvereius mit nachfolgender Tagesordnung statt. Die Mitglieder des Vereins und sonstige Jntereffenten werden hiermit zu zahlreicher Beteiligung eingeladen. Der Präsident des Oberhessischen Obstbauvereins. Dr. Braden. Gießener Anzeiger General-Anzeiger JUWI«, «*' 'mvtraatM l«W iienbergerj^. Ä-1 W6’*- Bekanntmachung. Di- lanbwirtschastliche Haushaltungsschule »u Lindheim beginnt ihren 2. diesjährigen bmonatltchen «ehrkursus Dienstag ben 3. Juli.1900 Die Schule hat die Aufgabe, junge Mädchen zur Führung einer wohlgeordneten, einfachen, bürgerlichen Haushaltung vorzubereiten. Gegenstände des Unttrrichts sind: Hauswirtschaft und Milchwirtschaft, Gemüsebau, Obstverwertung, Gesundheits- und Ernährungslehre, Krankenpflege, Rechnen, Abfassung von Aufsätzen und Briefen, Buch- sühruug, sowie weibliche Handarbeiten. Auch ist für gute Lektüre gesorgt und wird der Gesang gepflegt. Die Schule besitzt einen Garten beim Hause, eigene Molkerei und Geflügelhaltung. WoMätigkeits-Konzert. Gießen, 22. Mai. Wqer^ckst uns zu'großer Freude, mitteilen zu können, daß da/ain 29. April stattgehabte WohlthaNgketts-Konzert ein sehr befriedigendes Ergebnis geliefert hat. Die G^ Samt-Einnahme betrug 809 Mark 40 Pfennig, wovon nach Abzug der Unkosten 650 Mark zur freien Verfügung blieben. Davon werden 250 Mark an die Alice-Schule .(Gwßen) lommen, der eine solche Zuwendung sehr erwunscht resp Nötig ist: 150 Mark gedenken wir der hiesigen Lesehalle zu Lbermitteln - eine Verwendung, die sicherlich allseitig vebilligt wird, und die übrigen 250 Mark sollen an verschämte Arme unserer Stadt verteilt werden * Bei diesem Abschlüsse stehen wir den verschiedenen freunden und Förderern des Unternehmens herzlichst dankend gegenüber. Vorzugsweise gilt dieser Dank den verehrten Mitwirkenden, die durch liebenswürdige Berett- »villiakeit das Zustandekommen des Konzertes ermöglichten, die uns den schönen genußreichen Abend bereiteten; dann idem teilnehmenden Publikum, ohne dessen zahlreiches Deinen Saal und Kasse leer geblieben waren und nicht minder allen denen, welche die Ansprüche auf Vergütung ührer Leistungen auf die bescheidensten Forderungen be- ßchräntten, ja sogar im Interesse der guten Sache gänzlich °Uf^Men'bcm materiellen Erfolg auf -inen «icktt aerinaeren ideellen zurückblicken können, gewahrt uns Nanz besondere Befriedigung. Die speziellen husche der Werkten Mitwirkenden ehrend, unterblieb ß Z. jegliche etwa niedriger Sensationslust, sondern ist ein Werk, das es sich zur Aufgabe gestellt hat, zum erstenmale auf ernster wissenschaftlicher und künstlerischer Grundlage einen Ueber- blick über älle Seiten des kulturellen Lebens zu bieten, die durch die Kunstparagraphen der Lex Heinze getroffen werden oder mit ihnen in einem mittelbaren Zusammenhang stehen. Tie hervorragendsten Persönlichkeiten auf, allen in Betracht kommenden Gebieten haben sich durch interessante Beiträge beteiligt und sichern dem Buche, obwohl jetzt die Würfel über die gräßliche Lex gefallen sind, einen dauernden Wert als ein Kulturdokument allerersten Ranges. Aufsätze wie: Das Nackte in der kirchlichen Kunst der alten Meister von Privatdozent Dr. Voll (mit Abbild- ungen im Text), Die Lex Heinze und die Kirchenschriftsteller von Kurt Aram, Erziehung und Stttlichkeit von Gräfin zu Reventlow, Die ästhetische Bedeutung des Nackten von Privatdozent Dr. Weese rc. rc. werden von jedem Gebildeten mit größtem Interesse gelesen werden Auf eine Rundfrage, die auch vom Auslande eingehend beantwortet ist, sei besonders hingewiesen. Die Ausstattung des Buches ist gediegen, die Vignetten sowie der farbige Umschlag von Oppenheim originell. Der Preis ist mit 1.20 Mark außerordentlich niedrig angesetzt. — ^Die zweite, unter dem Titel „Geheime Reichstagssitzungen — Lex Heinze" erschienene Schrift des Reichstagsabgeordneten für Meiningen, Dr. Ernst Müller, beleuchtet infolge der am 17. März vom Reichstagspräsidenten anberaumten geheimen Sitzung, in der über den Antrag auf Ausschließung der Oeffentlichkeit bei Diskussion des Antrages Heine beraten werden sollte, die Frage, ob überhaupt die durch die Geschäftsordnung des Reichstages vorgesehene Abhaltung einer geheimen Reichstagssitzung verfassungsmäßig zulässig sei. In sorgfältiger und, roie e§i scheint, juristisch nicht anfechtbarer Deduktion weist der Verfasser nach, pjaß der § 36 der Geschäftsordnung des Reichstags, nach dem eine geheime Sitzung eniberusen werden darf, gegen den Art. 22 der Reichsverfassung verstößt. Der Art. 22 der Reichsverfassung (Abs. 1) lautet bekanntlich : „Die Verhandlungen des Reichstages sind öffentlich." Eine Besttmmung über den Ausschluß der Oeffentlichkeit liegt nicht vor. Der bezügliche Zusatz zu § 36 der Geschäftsordnung des Reichstages beruht auf dem analogen Prinzip der Geschäftsordnung des preußischen Landtages, in dem die Abhaltung geheimer Sitzungen durch die Verfassung ausdrücklich zugelassen ist. Es unterliegt daher für den Abg. Müller keinem Zweifel, daß der § 36 der Geschäftsordnung des Reichstages verfassungswidrig ist. Daraus ergiebt sich logisch, daß die geheime Beratting und Beschlußfassung über den Anttag Heine verfassungswidrig und daher ungiltig war. Unter dem Gesichts- punkte, daß die Lex Heinze und die zu ihr gestellten Anträge als einheitliches Gesetz aufzufassen sind — eine Anschauung, gegen die von keiner Seite Widerspruch erhoben worden'ist —, ergiebt sich für Müller ferner, daß „die verfassungswidrige Beschlußfassung über den in der geheimen Sitzung abgelehnten Antrag nicht nur den abgelehnten Paragraphen Mein, sondern das Gesetz als ein einheitliches Ganzes ergreift." Der Verfasser gelangt daher zu dem Schlüsse: „Die Lex Heinze wird nach alledem, selbst wenn sie im Reichstage zu staube käme, ein totgeborenes Kind genannt werden dürfen!" ** faßfJÜ^ mm ufen. Gegen Bi- n Srüabttgel ii, ItataM ÄwTiwrH'J M Mi. J0226' tyWfc27 klm E < 67 B ft m halber sm so fr1 1 ru verlausen! Mion biO fc Aich er Ma. tot- "" Mnrasi Wne, belonbtm Vst abwben. . I Wn, 1, MnSvetz. asl neuer Anbei in; Kachrchaffe 11 neu 13, neu einstudiert 16. Die meisten Aufführungen, nämlich 8, erlebte Messagers Operette „Die kleinen Michus"; an zweiter Stelle kommen „Im weißen Rößl", „Madame Sans-Gene" und „Die Puppenfee" mit je fünf Aufführungen; viermal gegeben wurden „Als ich wieder- kam" und Fuldas „Jugendfreunde". Die übrigen Opern und Schauspiele erlebten nicht mehr als drei Wiederholungen. Vom Personal sind ausgeschjeden aus dem Verbände der Oper die Herren Bucar, Cianda, Dehn, Joachim, Michaels und O. Werner, aus dem des Schauspiels die Herren Heine, Czerny, Ehrens und Fräulein Scholtz. Neu engagiert wurde zum nächsten Spieljahr Frau Möbius- Kulm vom fürstlichen Theater in Gera. Meratur. Das Aprilheft der „D e u t s ch e n K u n st u n d Dekoration" aus dem Verlage von Alexander Koch in Darmstadt behandelt in zwei Artikeln die Jahre künstlerischer Entwickelung Otto Eckmanns und seine kunstgewerbliche Thätigkeit. Der erstere Artikel ist von Dr. E. Zimmermann- Dresden, der letztere von Dr. Osborn-Berlin verfaßt. Viele Abbildungen ergänzen diese Artikel und geben eme vorzügliche Vorstellung von dem vielseitigen, erfolgreichen künstlerischen Schassen von Professor, Eckmann ausseiner zweiten Wirkungspertode. Für uns Hesstn rst dieses tzest Professor Otto Eckmann angefertigt und: Unb es hat sich nun endlich auch als totgeborenes Kind erwiesen. Das Kompromiß in der lex Heinze ist fertig, der Friede geschlossen. Das Gesetz ist als neuer Initiativantrag eingebracht. Dieses Kompromiß enthält das Gesetz bis zuml § 184 einschließlich. Theaterparagraph und Schaufenster- oder Kunstparagraph fallen weg, mit Ausnahme der einzigen Strafbestimmung des Anbietens oder Verkaufs unzüchtiger Darstellungen usw. an Personen unter 16 Jahren. I Abg. Boerner (nl.): Zum überwiegenden Teile er- I kenne die nationalliberale Partei an, daß das Gesetz so große Vorzüge habe, daß man es nicht fallen lassen könne, | auch wenn nicht alles erreicht werden sollte. Die Fraktion I werde daher die Kompromißanträge annehmen. Staatssekretär Graf Posadowsky: Der Antrag I Alchbichler stellt das äußerste Maß von Zugeständnissen | dar, auf das die verbündeten Regierungen einzuqehen qe- I sonnen sind. I z-x 2wg-Nißler (kons.): Nach der letzten Erklärung des! Staatssekretärs ist es ja sehr schwer, für die Anträge I v. Bonin einzutreten, die ich mit unterschrieben habe. Das I Ausland schiebt oft Dinge unter, von denen der Staats- I sekretär nicht einmal andeuten wollte, was in den amerikanischen Würsten gesteckt habe. Einen Zollkrieg fürchte O wozu haben wir unser großes deutsches Heer? I (Große Heiterkeit links.) Möge die Reichsregierung endlich Zuder Einsicht gelangen, daß ihr Standpunkt nicht haltbar ist? (Lebhafter Beifall. Abg. Köhler klatscht noch besonders mit den Händen Beifall. Präsident Graf Balle- strem macht darauf aufmerksam, daß diese Form der Beisallsbezeugung im deutschen Reichstage nicht üblich ist.) Abg. Herold (Zentr.): Die Kontrolle des Pökelfleisches erscheint nach der jetzigen Formulierung des An- : träges gesichert, die Kontrolle der Hausschlachtung, eine sehr kostspielige und fast undurchführbare Maßregel, ist I beseitigt worden. Das ist eine Verbesserung der Vorlage, ! die dem Gesetze bei den Landwirten eine freundliche Aufnahme sichern muß. Wir geben die Hoffnung nicht auf, I oaß bei den neuen Handelsverträgen auch der Landwirt- I schuft der Schutz, den sie durchaus haben muß, gewährt I wird, wie denn auch die Landwirtschaft ihrerseits bereit I jft die Industrie zu schützen, soweit sie noch des Schutzes I bedarf. Abg. Holtz (Rp.): Meine Fraktionsgenossen bringen I das Opfer, den Grafen Posadowsky in dieser Frage zu I unterstützen. Die doppelte Schau, die jetzt stattfinden soll, wird dem kleinen Mann und der Landwirtschaft manchen I Schaden bringen, aber auch darüber wird hinwegzukommen I sein, wenn die heutigen Zusagen des Staatssekretärs über I die Ausführung des Gesetzes, die ja eine gewisse Be- I ruhigung gewähren, loyal gehalten werden. Im übrigen I schließen wir uns den Ausführungen der Abgg. v. Levetzow I und Herold an. Abg. Vielhaben (Arttis.): Auch heute hören wir! wieder das Argument, man müsse nehmen, was man kriegen könne. War es doch in der Kommission das sozial- | demokratische Mitglied, das mit freudig lachendem Gesicht | immer wieder als Regierungsvertreter auftrat, sodaß die | Regierungsvertreter sehr wenig zu thun hatten. Die libe- | ralen Blätter andererseits sind es, die das Kompromiß | fordern und (unter Anführung eines bekannten Wortes | des Herrn v. Miquel darlegen, die Agrarier müßten die | größten Esel sein, wenn sie das Kompromiß zurückwiesen. I Meine Fraktion lehnt die Vorlage ab, wenn das Kom- | promiß angenommen wird. Emst wird es wieder helle In aller Brüdersinn Einkehren zu der Quelle In Lieb und Treue hin. Wir wollen das Wort nicht brechen, Nicht Buben werden gleich, Wollen predigen und sprechen Deutscher Reichstag. 199. Sitzung vom 21. Mai. 1 Uhr. Der erste Gegenstand der Tagesordnung — Interpellation wegen der in Anhalt, Reuß j. L. und Lübeck erlassenen, angeblich gegen die Reichsgesetze verstoßenden Gesetze und Verordnungen zur Bekämpfung des Kontraktbruches ländlicher Arbeiter und des Streikposten stehe ns — wurde glatt und schnell durch die Erklärung des Staatssekretärs im Neichsjustiz- amt Dr. Nieberding, daß er die Interpellation zu beantworten bereit sei, erledigt. Er fügte hinzu, er könne dies nicht heute thun, sondern erst am 30. d. Mts., weil noch Verhandlungen mit den einzelstaatlichen Regierungen notwendig seien. Darauf schlug der P r ä s i d e n t, ohne auf Widerstand zu stoßen, vor, heute zunächst den vierten Gegenstand der Tagesordnung, dritte Lesung des Fleischbeschaugesetzes, vorzunehmen. . . Fbg. Freiherr w. Wan gen he im (kons.) tritt für die Beschlüsse zweiter Lesung ein, die keineswegs zu einer Verteuerung des Fleisches führen würden. Unter lebhaftem Beifall auf der rechten Seite erklärt er, daß die Vorlage für ihn und seine Freunde unannehmbar sei, wenn die Einfuhr von Pökelfleisch gestattet bleibe. Wir sehen diese Heremlassung als eine hygienische und wirtschaftliche । Unmöglichkeit an. (Beifall rechts.) Sollte sie Wirklichkeit werden, so mürbem wir bas Gesetz lieber fallen lassen. (Rufe links: Wir auch! Heiterkeit.) Abg. Dr. Pachnicke (Fr. Vg.): Die Rebe bes Herrn v. Wangenheim war nur ein schwaches Echo von bem, was im Lanbe bei ben Agrariern an Lärm über ben Wiberstanb erhoben worben ist, ben bie Regierung ben Extraforber- ungen der Agrarier entgegengesetzt hat. Ein Herr v. Trotha hat offen erklärt, das Vertrauen zur Regierung sei bis | Zum Nullpunkt herabgesuüken. (Hört! links und Heiter- | kett.) Die Regierung habe sich einschüchtern lassen aus | Furcht vor bem Auslanbe unb ber alles beherrschenben I internationalen Presse, heißt es weiter. (Sehr richtig! | rechts.) Auf diese Töne sind im Durchschnitt die Aeußer- | ungen der GesinMngsgenossen des Herrn v. Wangenheim | im Lande gestimmt, denn diese Herren können sich eben | den Luxus etwas größerer Unbefangenheit erlauben. Die | Anträge, die Freiherr v. Wangehheim mit unterschrieben | hat, verleugnen bereits einigermaßen den Standpunkt der | schroffen Absperrung, wie er in den Beschlüssen zweiter Lesung hegt. Noch weiter geht in der Mäßigung der An- | trag, der auch die Unterschrift des Grafen Klin'ckowström | trägt. Aber unannehmbar sind beide Anträge für uns | gleichwohl, weil sie beide das Prinzip der Absperrung | aufrecht erhalten. Der Reichskanzler hat sich dagegen ver- | wahrt, sie können ihm aber nicht vergeben, baß er ihren | Wünschen nicht schlankweg entsprochen hat, unb barum | richten sie immer von neuem bie Spitze ihrer Angriffe | gegen ihn. (Lachen rechts.) Grundsteinlegung des Hauses der Burschenschaft Germania. Gießen, 22. Mai 1900. Am 19. d. Mts. fand die Feier der Grundsteinlegung I des zu erbauenden Hauses der Burschenschaft Germania I statt. Schon am Morgen waren zahlreiche alte Herren I von überall in Gießen eingetroffen. Während am ganzen I Tage das Wetter sehr zweifelhaft war, hellte es sich gegen I V»6 Uhr, als der Zug sich am „Andres" versammelte. I vollständig auf. Unter Vorantritt der Regimentsmusik I zogen die alten Herren und die Vertreter der hiesigen I Burschenschaft „Alemannia" und der Burschenschaft „Arminia" zu Marburg vereint mit den Aktiven nach dem am Wetzlarerwege gelegenen Bauplatz. Hier hatten sich auf Einladung der Burschenschaft ein zahlreicher Damen- flor, ferner als Vertreter der alma in ater Ludoviciana Seine Magnifizenz Rektor Prof. Dr. Netto und der jetzige Regimentsführer Oberstleutnant Petze! eingefunden. Leider zwang Oberbürgermeister Gnauth die Rücksicht auf seine Gesundheit, der Feier fernzubleiben. Diese wurde durch folgende Rede des Rechtsanwalts Kraft (des Vorstandes des Ehrenmitgliedervereins) eröffnet: Hochverehrte Festversammlung, liebe Bundesbrüder 1 Wir sind hier zusammengekommen, um den Grundstein zu legen zu einem Hause, das den Mittelpunkt für die Hegung der geselligen und geistigen Interessen der Mitglieder der Burschenschaft Germania bilden soll. Es »st ein besonders schöner und bedeutungsvoller Platz, auf dem dieses Ger- manenhaus errichtet werden soll. Wir schauen von hier auf eine herrliche Landschaft, ein herrliches Stückchen unseres lieben deutschen Vaterlandes, wir schauen auf die Ringwälle, von denen aus unsere germanischen Vorfahren ihre Freiheit gegenüber dem Ansturm des römischen Reiches verteidigten, auf die Burgen der Gaugrafen des Mittellahngaues, der Vertreter der deutschen Kaiser. Das ist der richtige Platz für ein Germanenhaus, das Zeugnis ablegen soll von dem Kampfe und Siege einer gewaltigen Idee, der Idee der Wiederaufrichtung des deutschen Reiches auf Grund der Vereinigung und Einigkeit der deutschen Volks stämme zur Wahrung der idealen Güter des deutschen Volkes, die in unserem Wahlspruch enthalten sind: Gott, Ehre, Freiheit, Vaterland I Die deutsche Burschenschaft hat den Kampf um diese Ideale auf ihr Panier geschrieben, und daß sie in diesem Kampfe um die Wiedererrichtung von Kaiser und Reich keine unwichtige Rolle gespielt hat, dafür besitzen wir das Zeugnis keines geringeren Mannes als unseres großen Reichskanzlers, des Fürsten Bismarck Die deutsche Burschenschaft ist ob ihrer Bestrebungen vielfach beargwöhnt und verfolgt worden. Aber mit deutscher Zähigkeit scharte sich immer wieder ein Teil der deutschen Jugend um bie hochgehaltene Fahne. So auch wurde vor nahezu einem halben Jahrhundert unsere Burschenschaft Germania auf der hiesigen Hochschule gegründet, zu einer Zeit, als Deutschland weiter al- je von dem ersehnten Ziele entfernt war. Es war uns verboten, die geliebten Farben schwarz-rot-gold anzulegen; wir fügten den Farben: .Schwär; und rot" das „Grün" der Hoffnung bei. Wir hofften und sangen: Staatssekretär Graf Pofabowsky: Wir haben vorn Schutz ber Lanbwirtschaft, von zukünftigen Hanbelsver- trägen, von ber Abneigung gegen absolute Einfuhrverbote gehört, aber von ben beutschen Fleischessern ist nicht die Rebe gewesen. (Zustimmung.) Die Absicht biefes Gesetzes ist gewesen, bem beutschen Volke eines seiner Hauptnahrungsmittel in einer gefunben unb unzweifelhaften Form barzubieten. (Sehr richtig!) Davon ist aber bisher gar keine Rebe gewesen. (Wiberspruch rechts.) Wie not- menbig es ist, baß wir ein solches hygienisches Gesetz machen, beweist bie Eingabe eines Fleischerverbanbes, worin nach- geroiefen ist, baß ein Manu auch in ber Revifionsinstanz! verurteilt worben ist, weil er nach ber Aussage eines Tierarztes Fleisch von einer an Leberschwunb unb an einer unheilbaren hektischen Krankheit leibeubeu Kuh zur Wurstbereitung verwendet hatte. Ich bebaute bie Erklärung bes Redners von Her Linken, baß diese bas Gesetz ablehuen will; die Linke vergißt babei, worum es sich bei biefem Gesetz hanbelt. (Zuruf links: Nanu!) Bei bem engeren Vorstanbe des Bundes der Landwirte handelt es sich um den Schutz der Produktion der deutschen Landwirtschaft durch den neuen Zolltarif. Auf dieser Linie haben sich auef). die Ausführungen des Herrn v. Wangenheim bewegt. Ich habe Namens der verbündeten Regierungen zu erklären, daß wir für die Generalprobe oder Kraftprobe, !vie sie in den agrarischen Zeitungen gestanden hat, nicht zugänglich sind, sondern daß wir thun werden, was wir vor dem deutschen Volke, verantworten können sowohl mit Rücksicht auf das Inland wie auf andere Verhältnisse. Wir haben den festen Willen, innerhalb verständiger Grenzen der Landwirtschaft zu dienen; daran wird kein vernünftiger Mensch zweifeln nach den Erklärungen, die ich wiederholt gegeben habe schon zu einer Zeit, wo Graf Caprivi hier saß. Aber ich yjtte es für eine bedenkliche Richtung, die die landwirtschaftliche Vertretung; eiufchlägt, »wenn 'fie* eine solche Schärfe annimmt daß sie den Widerstand aller anderen Kreise der Bevölkerung gegen sich aufbringt. Sie können glauben, daß die Regierung Verständnis für die Landwirtschaft hat; aber rch kann nur dringend warnen, in dem gegenwärtigen Augenblick den Bogen zu straff zu spannen, wie ein Teil ber Vertreter der Landwirtschaft geneigt ist, es zu thun Wir find bereit, die Einführung der Wurst und der Konserven zu verbieten. Der Vertreter einer großen amerikanischen Jmporthandlung hat gesagt, daß er gegefi dies Verbot von Würsten nicht das Geringste einzuwe'nden habe. Der Streitpunkt liegt nur im Pökelfleisch. Wo ist die größere Gefahr: wenn ich sämtliche Hausschlachtungen ununtersucht lasse, oder wenn dies geringe Quantum Pökelfleisch vom Auslände eingeführt wird. Ich möchte die Herren vom Bunde daran erinnern, daß man als guter Staatsmann Rücksichten nehmen und als guter Kaufmann I Das Einfuhrverbot frvürbe die fremde Wurst nebst ber Äönferöen von Teutfchlanb fern halten, aber bie schlechte elende Wurst soll uns erhalten bleiben, die vielfach .. deutschen Schlächtereien und Wurstmachereien fabriLr, wrrd, deren Jämmerlichkeit und Unappetitlichkeit n>hPl Beschreibung spottet. Welche Unsauberkeiten in diesen ^a brikationsstätten an der Tagesordnung sind, ist unalaub lich. Die Gewerbeinspektoren werden in diese zweikelbast. Geschäftsführung gar nicht hineingelasfen. Nicht das Aus- ! land ist bevorzugt, sondern die heimische Arbeiterbevölke- rnng aufs äußerste benachteiligt, auch wenn dieses Gesell nach ben Kompromißbeschlüssen angenommen wird. Abg. Münch-Ferber (nl.): Amerika hat bereits ein Fleischmonopol, lunb es liegt Gefahr vor, daß dies Monopol auf Europa übertragen wird. Dem können wir nicht mit verschränkten Armen gegenüberstehen. Die Amerikaner werben uns niemals mit einem Zollkrieg überziehen, toenln wir Front machen. Die Hauptgefahr für das deutsche Volk besteht aber darin, daß dies Gesetz nicht zu stände kommt. (Zustimmung.) Staatssekretär Graf Posadowsky: Ich bin überrascht darüber, daß angenommen werden kann, daß über einen Akt der inneren deutschen Gesetzgebung mit einem fremden Staat verhandelt werden könne. Ich bestreite daß amtliche Verhandlungen derart je stattgefunden haben' Man hat eine Aeußemng des amerikanischen Staatssekretärs aus einer deutschen Zeitung zitiert. Der amerikanische Staatssekretär heißt Wilson und wohnt in Washington unb ist jebensalls nicht ibentisch mit bem Herrn, der in bem Blatte gemeint ist. Abg. Franken (natl.) kann sich höchstens für bag Kompromiß Aichbichler erklären. Hieraus wirb bie Diskussion geschlossen unb bie Sitzung vertagt. Schluß gegen 6 Uhr. Nächste Sitzung: Dienstag 1 Uhr. (Fortsetzung ber dritten Lesung ber L e x H e in z e, Fortsetzung ber brüten Lesung bes Fleischbeschaugesetzes.) । darauf Bebacht nehmen muß, welche Vorteile man von bem Gesetz hat. Wenn bie Wirkungen bes Gesetzes für bie | Lanbwirtschaft auch nur nebensächlich finb, so treten sie doch klar zu Tage. In einer großen Anzahl von Stäbten wird ja bereits das Fleisch in den Schlachbhäusern untersucht. Gegen die Einführung von Wurst liegen die aller» berechtigsten Bedenken vor. Daß die linke Seite gegen den Fortfall der Hausschlachtungsaufficht ist, kann uns nur angenehm fein» aber es kann nicht bestritten werden, daß gegen die Kontrolle der Hausschlachtung sehr schwerwiegende Bedenken geltend gemacht sind. Abg. v. Levetzow (kons.): Alle Konservativen sind darüber einig, daß bei diesem Gesetze die Hauptsache die sanitäre Seite ist (Zustimmung rechts), ferner darüber, daß in dem Gesetze nichts stehen darf, was die Landwirtschaft schädigt. Air sind weiter der Meinung, daß die Zusage, die ber Kanzler gemacht hat, nicht gehalten wird, auch- wenn der Kompromißantrag angenommen wird. (Redner verliest den Wortlaut jener Erklärung.) Die Erklärung sprach von gleichwertigen Untersuchungsmaßregeln; nun rtnrb bas inlänbische Fleisch am lebenben Tier untersucht, ,das auslänbische nicht, bas inlänbische Fleisch wird also strenger behandelt. Wir sind auch darin mit Herrn von Wangenheim einverstanden, daß die Fleischbeschau bei den Hausschlachtungen einfach nicht burchgeführt werden kann; nur wollen aber, wenn Kompensationen geboten werden, die ausreichen, das Gesetz nicht zum Scheitern bringen. -vW und die auf meiner Seite stehen sagen, sie reichen aus. Herr v. Wangenheim und die seine Meinung teilen sagen, । sie reichen nicht aus. Abg. Gerstenberger (Zontr.): Selbst auf die Gefahr hin, zu den größten Eseln zu gehören, bitte ich das Haus, sich auf die sogen. Kompromißanträge zu vereinigen. Daß bie Annahme des Gesetzes der Landwirtschaft Schaden bringen könnte, ist von keiner Seite nach- getoiefen. Die Linke lehnt die jetzt vorgeschlagenen Anträge ab, weil sie fürchtet, daß es nebenbei der Landwirtschaft einen Nutzen bringen könnte. (Widerspruch links.) Abg. Schrempf (kons.): In einem Berliner Blatte ist heute ein Brief eines amerikanischen Staatssekretärs; abgedruckt, in dem davon die Rede ist, daß die deutsche Regierung mit Amerika über dieses Gesetz, das doch einen lediglich sanitären Inhalt hat, Vereinbarungen getroffen habe. Ich hoffe, daß dies eine Mystifikation ist. Die zugesagte Untersuchung des Pökelfleisches wird nachgerade humoristisch; das Reichsgesundheitsamt hat oft genug erklärt, daß die Unterlagen zu einer wirklichen Untersuchung des Pökelfleisches fehlen. Es kann nur nachgewiefen werden, daß es Pökelfleisch ist; das aber wußten wir vorher. (Heiterkeit.) Für gms ist das Gesetz urrcmnehmbar, das nicht über das Kompromiß hinausgeht. Abg. Wurm (Soz.): Hätten die Agrarier bas Interesse der Lanbwirtschaft, nicht bie Interessen einzelner Landwirte im Auge, bann müßten sie bie Hausschlachtung unter bie strengste Kontrolle stellen, benn alle Stimmen der Wissenschaft, alle lanbwirtfchaftlichen Schulen predigen es immer von neuem: Wir werden der großen Viehseuchen im Laube nicht Herr, wenn nicht ganz beson- ders auch bei den Hausschlachtungen strenge Kontrolle ge- JJ. Aftd. Die Großgrundbesitzer wollen ein Monopol auf ft- LProduktion und auf den Fleischpreis, sie wollen ttul.dnse Maßregel gefallen lassen, wenn ihnen der deutsche Fleischmarkt ausgeliefert wird, wenn sie eine ordentliche Erhöhung des ^leischpreises dabei mit erlangen können. Vom heil'gen deutschen Reich und unsere Hoffnung, unser Sehnen ist erfüllt worden, Kaiser und Reich sind erstanden in ungeahnter Herrlichkeit. Da schien die Aufgabe der deutschen Burschenschaft erfüllt. Der Zufluß der studentischen Jugend zu unseren Fahnen, der vorher sehr stark war — wir zählten damals fast immer 60 Aktive — ließ nach, und unsere Burschenschaft Germania mußte zuletzt wegen Mangel an Mitgliedern suspendieren. Es zeigte sich aber, daß die deutsche Burschenschaft noch wettere Aufgaben zu erfüllen hatte. Es galt das Errungene festzuhalten, es galt, auch ferner überzeugungstreue, wackere Männer heranzubilden, die jederzeit bereit sind, für die Ideale der deutschen Burschenschaft mit ganzer Person einzutreten. So blüht die deutsche Burschenschaft auf unseren Hochschulen und nimmt mit ihren Bestrebungen eine geachtete Stellung ein. Auch unsere Germania, deren Farben die Schwesterburschenschaft Alemannia getreulich bewahrt hatte, ist wiedererstanden und steht in erfreulicher Blüte. Dir Alten fühlen uns mit den Jungen eins, obwohl manches sich in den studentischen Anschauungen geändert hat. Der beste Beweis dafür ist, daß wir uns entschlossen haben, für unsere studierenden Bundesbrüder dies Haus zu erbauen, dessen Grundstein wir heute legen. Daß wir es an so herrlicher und bedeutungsvoller Stätte thun dürfen, verdanken wir dem Entgegenkommen der Stadt Gießen und insbesondere dem unseres hoch verehrten Herrn Oberbürgermeisters Gnauth. Ich spreche an dieser Stätte unseren herzlichen Dank dafür aus. Wir danken auch herzlich den hochverehrten Gästen, die unserer Einladung gefolgt sind, insbesondere Seiner Magnificenz dem Herrn Rektor, und dem Kommandeur des Regiments „Kaiser Wilhelm". Euch, meinen jungen M Übel-Lager A. Grünebaüm < Bahnhofstr. 35. j Spezialität: Komplette 3219 WohnungseinrlchtungenJ O ®90@ Unübertroffene Auswahl, — Steter Eingang von Neuheiten.. Prompte Anfertigung nach Mass. Äug. Montanas Nachfolger Inhaber: Robert and. Max Imheuser Marktplatz 9—10. 8037 H Ä II "1 % „Möge dieses Haus Jahrhunderte stehen, und wenn dereinst die Kapsel geöffnet wird, noch im Besitze der Burschenschaft fein!* Seine Magnificenz der Rektor: »Die alma mater Ludoviciana der Burschenschaft Germania Glück und Heil!" Herr Oberstleutnant Petzel: „Möge das Germanenhaus allezeit seinen Mitgliedern sein und bleiben eine Pflanzstätte der Gesinnung, die die Burschenschaft gepflegt von alter Zeit, der Gesinnung: Alle Zeit, treu bereit für des Reiches Herrlichkeit!" Herr Dr. Dikorö: »Möge unser Wahlspruch Gott, Ehre, Frecheit, Vaterland in diesem Hause stets hochgehalten werden!" Der Sprecher der Burschenschaft: „Es wachse, blühe uud gedeihe die Burschmschaft Germania, wie aus diesen schlichten Mauern das schöne Burschenhaus stolz und herrlich erstehen wird!" Baurat Neuling: „Fest wie dieser Stein sei dieser Bund!" Der Vertreter der „Vereinigung alter Burschenschafter" zu Gießen: „Die Bereinigung alter Burschenschafter begleitet diese Feier mit ihren herzlichsten Glückwünschen. Sehen wir doch in dem zu errichtenden Baue ein Zeugnis für die Stärke und die gefestigte Kraft und die Blüte der Gießener Burschenschaft Germania, aber auch für die Treue, die die alten Herren mit der jungen Burschenschaft verbindet. Diese giebt ein schönes Zeugnis und eine gute Bürgschaft dafür, daß dieses Haus allezeit ein Heim eines echten burschenschaftlichen und nationalen Geistes sein und bleiben wird. In dieser Zuversicht wünschen wir. daß der Burschenschaft eine ungezählte Reihe von Jahren sonnigsten Glückes beschieden sei. Als Leitstern möge ihr gelten: Das Vaterland über alles!" Der Vertreter der „Vereinigung alter Burschenschafter" zu Wetzlar, Rektor Lürsen: Im Namen der Vereinigung alter Burschenschafter zu Wetzlar überbringe ich der Burschenschaft Germania die herzlichsten Glückwünsche. Möge dieses Haus bald seiner Vollendung entgegengehen, und aus ihm deutsche Männer erwachsen, die stets bemüht sind, dem deutschen Volke seine Güter zu erhalten. Der Vertreter der Burschenschaft „ Alemannia zu Gießen: „Germania vivat, cresoat, floreat in aeternum.“ Der Vertreter der Burschenschaft „Arminia" zu Marburg: „Möge der Gedanke! der deutschen Burschenschaft blühen, wachsen und gedeihen. Möge der Gründungsgedanke hoch stehen bei allen Semestern, die künftig hier leben: Dem Biederen Ehre und Achtung." Der Vertreter der Firma Stein u. Meier, Architekt Meier: „Entstehe und wachse zur Vollendung dich aus. Werde fröhlichen Burschen ein heimatlich Haus! Damit in dir walte in freundlicher Weise Die Bruderliebe in trautem Kreise; Der Brudergeist wirke für das einende Band: Gott, Ehre, Freiheit, Vaterland." Die Feier wurde beschlossen durch den Gesang des Burschenschafter-Liedes. Nachdem Photograph Uhl einige Aufnahmen der Festversammlung gemacht hatte, zog man wieder zum „Andres" zurück. — Während der Feier wurden an alle Teilnehmer Bilder des zukünstigen Hauses verteilt. Eine Festkneipe schloß den herrlich verlaufenen Tag. W. K. Wiener. 3681 3261 Käuflich bei: Für Wirte Sitz ausgeführt von 02142 3651 Walther H. Wagner Waldjagd ege« des in Marburg stundenden Unter- nerbnndstnges der Erwerbs- nnd Wirt- mit von •* Tagesordnung für die Sitzung Versammlung Mittwoch, den 23. mittags 4i/, Uhr: 1. Baugesuch Brandgasse; hier: Abweichung von straße 24. *• Herdbuchschau. Wie erinnerlich, fand vor nunmehr 2 Jahren hier eine Ausstellung des Verbands der Herdbuchgesellschaften für das Vogelsberger Rindvieh statt. Der Verband umfaßt das ganze Zuchtgebiet deS Vogelsberger Rinds, d. i. die preußischen Kreise Wetzlar, Dillenburg, Marburg, Biedenkopf, Kirchhain, Frankenberg und die hessischen Kreise Gießen uud Schotten. Auch gehört noch dazu das kleine Gebiet des Waldecker und Egerländer Schlages. Eine große Verbandsschau soll alle 2 Jahre stattfinden. In diesem Jahre wird sie am 14. und 15. Juli in Marburg abgehalten. Aus dem Kreise Gießen werden 30 Tiere ausgestellt, die von einer Kommission, die demnächst die betr. Orte bereisen wird, ausgewählt werden. Die Verbandsschauen sind ganz besonders geeignet, den Züchtern die Fortschritte der Rassezucht zu zeigen und zu lehren, wie das gesteckte Zuchtziel zu erstreben ist. Mit Preisen ist die Schau reich ausgestattet. 3611] Zwei bis drei Schüler finden Pension in gutem Hause. Näheres in der Expedition d. BlatteS. und Logis für Arbeiter. 5*02189 Renstadt 14. der Stadtverordneten- Mai 1900, nach- des W. Heß für die der Bestimmung des (Fortsetzung:. 'düng btt Kid 150 cbm Bauerde, 150 cbm Bauschutt in Gießen abzugeben. Eventuell freie Anfuhr. 3617 Heinr. Wilh. Rinn, Saugtfdjüft, Heuchelheim bei Gießen. Einziges Radicalmittel gegen Küchenkäfer, sog. 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Schäfer in dem Garten bei dem Hanse Nordanlage 1 und des Martin Steinmeyer in dem Garten bei seinem Hause Grünberger- bttibtt! fej ^en ju einem hw> 3 unb gdfüfltn 5r i bilba foQ 6; auf bttn bieftb i bitt auf eine heo ben heutigen Bati aus unfere j«w. tum M Mfa ti^WA«" । Kettfii mb W toM bei b* 'M Wei. Ver. & ««y w bit ffiieberewi gespielt hat,W B unseres p - joljt wotben. .n lei bet * i« »t erboten, »'• ’ fiten Bekanntmachung, betreffend: Wettbewerb zur Erlangung von Plänen für ein neues Tparkafseugebäude. Dar am 16. und 21. l. Mts. in rubrizierter Angelegenheit zu- Äammengetretene Preisgericht hat entschieden, daß die für die beiden besten Projekte zur Verfügung stehende Summe von 800 Mk. zu gleichen Tellen ben Entwürfen mit dem Kennworte „Sparsam" und dem Kennzeichen .„2 Pfennigmarke" zuzuerkennen sei. Als Verfasser beider Entwürfe ergab sich beim Eröffnen der Briefumschläge die Firma Stein St Meyer dahier. Das Preisgericht hat ferner dem Ausschuß der Spar- und Leihkasse den Entwurf mit dem Kennwort „Bienenkönigin" zum Ankauf empfohlen, da ein dritter Preis nicht zur Verfügung stand. Die eingelaufenen 12 Entwürfe nebst motiviertem Gutachten der Preisgerichts liegen am Touutag dem 587. nnd Montag dem 28. 1, Mts. von vormittags 9 Uhr bis nachmittags 4 Uhr im Sitzungssaal der Bürgermeisterei, Gartenstraße 2, zu jedermanns Einsicht offen. Gießen, den 21. Mai 1900. Direktion des Spar- und Leihkassevereins Gießen. Gartensand Heftes Material, stets zu haben. Anfuhr prompt und billig. 3059 C. Bübsamen, Laynstratze 11. Gewcrbebank zu Gießen Eingetr. Genossenschaft mit unbeschr. Haftpflicht. Freunden, aber lege ich ans Herz, das für euch zu erbauende Haus in dem Sinne zu benützen, in dem wjr es euch gegeben. Ihr habt es heute leicht, Burschenschafter zu sein. Gedenket eurer Lor» ganger, die unter erschwerenden Verhältnissen unsere Germania gegründtt und für ihre Ideale gekämpft haben. Haltet fest zu Kaiser und Mrch und zu unserem Wahlspruche-. Gott, Ehre, Freiheit, Vaterland, bildet euch zu überzeugungstreuen, deutschen Männern. So werdet ihr unserm teueren deutschen Vaterland die besten Dienste leisten. Ich glaube vresen unseren Wünschen keinen besseren Ausdruck verleihen zu können, als indem ich die Festversammlung bitte, in ein Hoch auf die deutsche Burschenschaft und unsere Germania einzustimmen. Die deutsche Buschen» schäft und die Burschenschaft Germania, sie leben: Hoch, hoch, hoch! Hierauf dankte der derzeitige Sprecher der Burschenschaft, cand. math. Angelberger, den Alten Herren mit folgenden Worten: „Wir feiern heute einen Tag, der in der Geschichte unserer lieben Burschenschaft einer der unvergleichlich herrlichsten sein wird, der sicher einen unauSlöschbaren Eindruck hinterläßt. Er wird uns werden zu einem Gedenk- und Ehrentag, zu einem Tage der Freude und deS DankeS. Erinnern wollen wir uns heute derer, die, erfüllt von dem Streben echt burfchenschaftltcher Gesinnung, keine Mühe und Gefahr scheumd, vor fast 50 Jahren unsere liebe „Germania ins Leben riefen. Gedenken wollen wir derer, die der langen Saat »u frischem und kräftigem Emporblühen verhalfen, die dazu beitrugen, unserer lieben Burschenschaft diesen Tag zu einem Ehrmtage zu gestalten. Ein Akt der Pietät und eine Pflicht der Dankbarkeit ist es, wenn wir uns vor Augen führen, wie unfere lieben Alten Herren, in Anhänglichkeit mit unS vereint, stets in väterlicher Sorge und Opferwilltgkett für ihr« alten Farben eintraten. Wohl find ihrer manche schon zur ewigen Ruhe gebettet, aber in dankbarer Treue wird ihr Andenken nie verblassen. M't dankerfülltem Herzen wollen wir unS heute denen nähern, die ihrer fortwährenden Güte, ihrer tbatkrästigen Unterstützung, ihrem freundlichen Entgegenkommen den glänzendsten und erhabendsten Ausdruck gaben durch daS schöne und sichtbare Zeichen bi6 im Entstehen begriffenen BurschenhauseS. Was seit einigen Jahren daS Sehnen und der Wunsch der jungen Aktiven war, da« wird jetzt in Angriff genommen, daS wird das kommende Semester uns bringen. Ein herrliches Denkmal soll von nun an Zeugnis fleben von der errungenen Größe, deren wir uns heute freuen, von den Früchten und den idealen Gütern, in deren Genuß wir jungen heute leben können, uns allen zur Erinnerung und zum Ansporn. Der gegenwärtige, festliche Augenblick ist wohl am meisten dazu geeignet, dem Ehrenmitgliederverein, der Bau- kommtsfion, der allerdings zu unserem großen Leidwesen durch das Geschick eS nicht vergönnt ist, vollständig hier zu erscheinen, vor allem aber dem rührigen Vorsitzenden unsere besondere Verbindlichkeit zu bezeugen. Mit unseren verehrten Gästen, die ich im Namen der Burschmschaft aufS herzlichste w'llkommen heiße, habm wir uns 'fier, et füllt und beseelt von tiefer Dankbarkeit, versammelt, euch Heben Alten Herrn diese unsere Gefühle zu offenbaren und zugleich in dieser feierlichen Stunde als Ausdruck unseres Dankes — denn wodurch könnten wir es wohl besser thon — daS Gelübde darzu- Lringen, unS stetig der bezeigten Wohlthatm würdig zu erweisen. So können wir der Zukunft getrost entgegensehen, denn für das Wachsen, Blühen und Gedeihen der Germania wird ein mächtiges Unterpfand geschaffen, in einem einmütigen Zusammenwirken der Stehen Alten Herren und der Aktiven, stets alö Richtschnur fest im Auge behaltend: Gott, Ehre, Freiheit, Vaterland!" Rechtsanwalt Kraft verlas darauf die von dem Kunstmaler Fritz in geschmackvoller Weise angefertigte Urkunde. Unter den Klängen der Musik wurde sie in den Grundstein versenkt. Die üblichen drei Hammerschläge wurden von den nachstehenden Worten begleitet. Rechtsanwalt Kraft: ,„w. «*ti * den unb^ s-rS Landaufenthalt wird gesucht für zwei Knaben im Alter von 13 Jahren, während der Sommerferien im Juli, in waldreicher, gebirgiger Gegend. Unterricht nicht verlangt. Off. unter L. H. 87 an die Annoncen-Expe- dition des Herrn I. C. Heß in Darm- stadt erbeten. 02181 Aus Stadt und Sand. («ttonyme Gittsendungett, gleichviel welchen Inhalte», werden grundsätzlich nicht aufgenomwen.) Gießen, 22. Mai 1900. ** GeschichtSkalender. (Nachdruck verboten.) Vor 96 Jahren, am 22. Mai 1804, starb zu Berlin der ausgezeichnete Theologe und Kanzelredner Johann Joachim Spalding, einer der mildesten und aufgeklärtesten Geistlichen deS 18. Jahrhunderts. Seine Gedanken über den Wert der Gefühle", „Vertraute Briefe, die Religion betreffend", seine Predigten, vor allem sein Buch „lieber Bestimmung deS Menschen" wurden ihrerzeit viel gelesen. Spalding wurde am 1. November 1714 zu Tribsees in Pommern geboren. FrauB. Kren«erWw.,Neuen-Bäue2,II Billigste «uSrrahmepreise für: Giesskannen, alle Größen la. verzinkte BöNschtöpfö, Mche-Men, 10Ä"ar Mche-Klanmkrn, ‘u0(Ä4fl0 Emma Senling, Wetztteinstratze 45. 3392 * I® SB* 5» ■ «M fc'- -rila yolltr,.; «tg-g 1 blks bin. kann, d-ltz 'bung inil^ .e;n .4 btfh. "gesunden b- peni StQQtäji -Der NM W in Ach 1 dm Serr?; höchstens für; "und biel^ Emil Fischbach, Ang. Noll, A. & G. 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