Nr 195 Zweites Blatt. Mittwoch den 22 August l«K>O Mefi4 ■Ü UJmVm M Du •wfrnwr »e*W4«eir*t(ru*t*: Mr. 7. jMBBMP—■ Grüüsdeüatze«: Gießener ZamilienblStter, Ker hcWchr Kandmirt, Klätter für heMche UMsknndr. Adresse für Depeschen: Anzeiger $lt|—. Fernsprecher Nr. 61. Das weitere Programm? Wie ein drohendes Gewitter hängt es über dem von dem Sohne des Himmels geräumten Peking. Die Gesandten sind befreit. Aber die rechte Freude über diesen unerwartet raschen Erfolg will sich nicht einstellen. Vielleicht ist daS daraus zurückzufüyren, baß die londoner Skandalblätter in den beiden letzten Monaten allzureichlich von dem durch Schiller den Müttern zugewiesenen Vorrechte des „Irrens" Gebrauch gemacht haben. Wenn täglich 24 Stunden hindurch in London und Shanghai gelogen worden ist, daß sich die Balken bogen und die Käbeldrähte krümmten, so kann man wirklich die Lust an solchen Ereignissen verlieren. Es ist ja gewiß mit großer Freude zu begrüßen, daß sich dieser Gesandtenmord als eitel Sensationsmache erwiesen hat, und daß sich die Vertreter Europas wacker so lange gegen den Ansturm der mongolischen Horden verteidigt haben. Aber ein gewisses Gefühl der Beklommenheil kann man doch nicht unterdrücken, wenn man an die kreisenden Berge des biederen Hofpoeten Horaz und an das dabei zu Tage geförderte Mäuslein denkt. Was fangen wir jetzt mit alle den vielen Programmen für den Ehina- krieg an? In Peking stehen wir, aber wie soll man dort den Frieden diktieren? Denn daß die Mitglieder des famosen Tsungli-Yarnen nicht einmal mehr flüchtig den europäischen Heerführern zu Gesichte gekommen sein werden, ist ziemlich wahrscheinlich, sie werden wohl mit dem Kaiser zusammen ausgerissen sein. Auch sonst ist vieles nicht programmmäßig verkaufen. Im letzten Augenblick, als alles, was den Zopf trägt, schon die Beine unter den Arm genommen hatte, sind durch den französischen General Frey die geringen Kontingente der deutschen, österreichischen und italienischen Marinemannschaften noch herbeigelotst worden, etwa wie ein Schauspieler, der sein Stichwort überhört hat, vom Regisseur aus den Coulissen geholt wird. So hat auch der Dreibund am Einzuge in Peking teilgenommen. In die Lage, darüber nachzudenken, ob Pardon gegeben werden soll und ob Gefangene gemacht werden sollen, sind unsere Truppen offenbar gar nicht gekommen. Und nicht einmal die „Kölnische Zeitung" hat mit ihrem „Pardon wird euch nicht gegeben" Recht behalten, auch die Chinesen haben sich auf ihrer Flucht keine Zeit zu solchen Gedanken genommen. Auch das hat sich also nicht programmmäßig abgewickelt. Während nun die europäischen Gesandten das traditionelle Pferde- und Rattenfleisch von der Speisekarte absetzen, und die Truppen der Verbündeten sich die stinkenden Augiasställe chinesischer Wohnungen zu Quartieren Herrichten, wird man sich in Peking darüber klar werden, daß n u nmehrälleinTeutschlandeineSonder- ftellung ein nimmt, da nur der deutsche Gesandte ermordet worden ist. Die Aufgabe der anderen Mächte ist im wesentlichen gelöst. Es gilt nur die Wiederkehr solcher Ereignisse durch irgend welche Maßregeln dauernd unmöglich zu machen, dann können sie — nachdem man die nötigen photographischen Aufnahmen des Schauplatzes der Ereignisse gemacht hat — da offiziell kein Krieg mit China besteht, wieder heimkehren. Nur Deutschland steht mit seiner zu fordernden „blutigen Genugthuung" und dem proklamierten Rachekrieg allein da. Und die Frage drängt sich von neuem auf: Was wollen wir eigentlich in China? Wiewill man eine starkeRegierung in Peking ein setzen? Und vor allem: Worin soll die geforderte Genugthuung für den Mord unseres Gesandten bestehen? Und schließlich, wie weit können toir lauf dieIibrigen Mächte heute noch rechnen? Das sind ernste Fragen, die uns bewegen, wenn heute Graf Waldersee als Höchstkommandierender post festum, nachdem er in zwei Wochen die dringend notwendigen Abschiede und Empfänge erledigt und die noch dringender notwenwendigen Reden gehalten, die Ausreise nach China antritt. Unsere besten Wünsche begleiten ihn auf dieser Fahrt, und sie sind um so herzlicher, je ernster wir die Lage auffassen. Die Wirren in China. Im Lichte der neuesten Nachricküen sehen sich die Dinge in Peking doch etwas anders an, als sie nach dem verhältnismäßig glatt verlaufenen Vormarsch der Verbündeten und nach den ersten Meldungen über die Einnahme der Stadt erscheinen mußten. In Erweiterung des bereits mitgeteilten Telegramms der „Agenzia Stefant" berichtet jetzt auch der britische Admiral Bruce aus Tschifu vom 19. August - „Ich höre aus japanischer Quelle, daß ein Teil von Peking in Flammen steht, der Kampf in den Straßen dauert fort, Yunglu verhinderte dieKaiserin, Peking zu verlassen, die Verbündeten um- Mgeln und beschießen die innere Stadt, wo mau ihnen den letzten Widerstand entgegenstellt". Nachdem bereits bte erste Meldung, Peking fei gefallen, ohne Widerstand zu leisten, dahin berichtigt worden war, daß die Thore gesprengt werden mußten, die Chinesen auf den Wällen tapfer standhielten, und die Japaner 100 Leute verloren, wird nunmehr mitgeteilt, daß der Kampf in den Straßen fortdauere und ein Teil der Stadt in Flammen stehe. Ten letzten Widerstand leisten die Chinesen in der „inneren Stadt", die bei Abgang des Telegramms aus Peking — die Angabe, wann es dort aufgeaeben wurde, fehlt — von den Verbündeten umzingelt uno beschossen wurde. Es ist nicht ganz klar, was mit dieser „inncrn" Stadt gemeint ist, deren Einnahme das eigentliche Ziel sein muß, nicht nur, weil ihre Besetzung auch erst den Besitz von Peking bedeutet, sondern auch weil die Kaiserin-Regentin, wie die neuesten Nachrichten behaupten, sich noch im Palast aufhält. Ist das richtig, so bleibt es dock) immer noch zweifelhaft, ob diese energische Frau, deren Ruhe nun die „fremden Teufel" trotz.brr Eingabe der Vizekönige mit ihren Kanonen zu stören gewagt haben, lebend in ihre Gewalt fallen wird; jedenfalls aber würde es die Abwickelung der Dinge beträchtli chikr leichtern, wenn es ben, Verbündeten! gelänge, die Hand auf die Kaiserin und ihre Ratgeber zu legen. Freilich wird ben Prinzen Tuan unb seine Genossen wahrscheinlich ihr böses Gewissen zur Flucht getrieben haben, und die, wie ihr Neffe Yunalu, noch bei ihr ausharren, dürfte die geringste Schuld treffen. Jedenfalls aber beweisen die Meldungen von Kämpfen um die „innere Stadt", daß die verbündeten Truppen sich nicht an der Befreiung der Gesandten genügen lassen, sondern die Eroberung der Hauptstadt vollenden wollen. Damit wächst auch die Wahrscheinlichkeit, daß die deutschen Marinetruppen unter Kapitän Pohl, die dem Entsatz- korps nachgeeilt sind, und am 15. ds. in Matou standen, noch früh genug ein getroffen find, um an der Eroberung des Kaiserpalastes teilzunehmen. Der moralische Eindruck der Einnahme der Hauptstadt macht sich bereits in ben Provinzen in Kunbgebungen der Gefügigkeit und Versicherungen der verantwortlichen Beamten, sie würden Ruhe und Frieden halten, bemerklich. So wird der „Times" aus Hongkong vom 19. ds. gemeldet. Die Mandarinen in den K wa n g - Provinzen sind ängstlich darauf bedacht, für die Ausländer zu sorgen. In Kundmachungen weisen sie darauf hin, daß Ruhestörungen im Norden sich verschlimmert hätten durch das Verhalten mehrerer der höhern Staatsmänner, die mit den Boxern verbündet gewesen seien. Die Einnahme von Peking müsse als eine gerechte Strafe angesehen werden. Die Mandarinen erklären weiter, Sache der Verbündeten fei es, ben Frieben wiedierherzustellen. Der Zar hat, wie ber „Russische Regierungsbote" melbet, bem Generalleutnant Lene witsch nachstehende Depesche zugehen lassen: „General Lenewitfchf-Tschifu. Ich begrüße Sie innig zu ber schnellen Einnahme von Peking. Für die erfochtenen Siege verleihe ich Ihnen den St. Georgs-Orden 3. Klasse. Den heldenmütigen sibirischen Truppen meinen wärmsten Dank! Stellen Sie dem Admiral Alexejew diejenigen vor, die sich ausgezeichnet haben. Nikolaus". Wie der zweite Admiral des deutschen Kreuzergeschwaders meldet, ist ber Generalmajor Höpsner mit ben Seebataillonen am 15. August um 5 Uhr nachmittags in Taku eingetroffen. Das Wetter fei für bie Ausschiffung ungünstig, bis zum 16. abends werbe die Ausschiffung aber beendet fein. Die Marinebrigade ist noch am 16. in Tientsin eingetroffen, wie bereits mitgeteilt worden ist. Kapitän Pohl (Kommandant der Hansa), so meldet der deutsche Admiral weiter, hat am 14. vormittags Hohsiwu erreicht, am 15, um 9 Uhr vormittags, war er in Matou und be- ab ichtiate, dort zu bleiben, bis bie Verbindung mit Kapitänleutnant Hecht (S. M. S. Hertha) hergestellt ist, da für weiteres Vorgehen Proviant unbedingt erforderlich ist. Hecht hat Yangtsun am 15. mittags verlafsen. Die Gesundheit der Mannschaften ist trotz großer Anstrengungen aut Somit sind die deutschen Seesoldaten, bie auf Veranlassung dies französischen Generals Frey dem Entsatzkorps nachgerückt waren, nicht mehr früh genug eingetroffen um an dem Angriff auf Peking teilzunehmen. Der unerquickliche Zwist darüber, wer Shanghai und den Yangtse schützen soll, scheint glückliche beigelegt zu fein. Laut etnep Reutermeldung aus Washington vom 18. haben die Mächte ein Uebereintommen getroffen, wonach die Admirale der in Shanghai vertretenen Mächte bei der lieber- wachung der chinesischen Yangtseflotte gemeinsam handeln, statt daß der britische Admiral die Aufgaben allein ausführt. Dementsprechend werden denn auch, wie Reuter aus Shanghai vom 18. mitteilt, von französischer Seite Vorkehrungen getroffen, um 150 Matrosen in der französischen Niederlassung Shanghais an Land zu setzen, da an diesem Tage dort britische Truppen gelandet wurden. Die „Agenzia Stefani" meldet aus Taku über Tschifu von gestern: „Nach Meldungen aus Peking soll der Kampf in den Straßen der Stadt noch fortdauern. Die verbündeten Truppen beschossen die Punkte, an denen noch Widerstand geleistet wird. Prinz Yung habe die Kaiserin- Witwe an ber Abreise gehindert. Ein Bataillon italienischer Marinesoldaten ist hier gelandet unb marschiert schleunigst nach Peking. Fortdauernb treffen hier russische Truppen ein." — Aus Shanghai wirb gemeldet: Nach Mitteilungen aus amtlicher chinesischer Quelle ist L i p i n g h e n g, ber berüchtigte Fremdenhasser, der in dem Kampfe vom 10. August verwundet wurde, am 12. August gestorben. — Die Ausschiffung ber englischen Truppen ruft keinerlei Erregung unter ben Eingeborenen hervor; etwa 100 Mann französische Truppen würben gelandet Wie es heißt, wird der Kreuzer der Zollbehörde nach Tientsin gehen, um bie in Peking Befreiten an Bord zu nehmen. Aus Berlin wirb gemelbet: Generalmajor von H0psner telegraphiert: Die Drahtverbinbung mit dem russischen Führer ist aufgenommen; habe Abjutanten zu ihm geschickt. Das Detachement ist vorausfickstlich am 17. abends in Tientsin versammelt, bann erfolgt ber Eilmarsch nach Peking. Rußland uud die Mandschurei. Nach Telegrammen bes Generals Grodekow an den Kriegsminister in Petersburg aus Chabarowsk vom 17. d. M. melbet General Rennenkampf vom 17. b. M. vom Paffe über den Chin gan: Der Paß ist nach blutigem Kampfe eingenommen. Der Feind erlitt burch meine bei Nacht ausgeführte Umgebung feiner Flanken unb feines Rückens einen starken Schlag. Unsere Verluste sind noch unbekannt. Drei Offiziere finb gefallen. Unter ben Trophäen befinben sich vier Kruppsche 67 Millimeter-Geschütze. Einzelheiten folgen später. Ich gehe mit ber Kavallerie zur entscheibenben Verfolgung über. Es ivetben noch mehr Geschütze eingebracht, bie alle gut erhalten finb Die Infanterie wirb bie Nacht in Sintschon zubringen. Eine große Menge Munition ist erbeutet. Der Sotnyk Arseniew ist gefallen. • • * Telegramme de- Gießener Anzeigers. Berlin, 21. August. Wie au« Rom depeschiert wirb, bespricht die gesamte italienische Presse mit Enthusiasmus bie Mission des Grafen Waldersee und seinen Besuch am römischen Hof. Die Ankunft WalderseeS findet heute abend 8 Uhr, die Audienz beim König Viktor am Mittwoch statt. Auf den folgenden Tag ist die Abreise festgesetzt. Die königliche Familie suspendierte den bereits angefetzten Aufenthalt in Capo di Ponte bis auf weiteres. London, 21. August. Amtlichen chinesischen Mitteilungen auS Shanghai zufolge sind weitere drei hohe Beamte geköpft worden. ES sind dies Hsu Tung, Mitglied des kaiserlichen Sekretariats, Ordner der privaten An gelegenheiten, Yi-Liu Yan und Li Cham, letzteres Mitglied des Ministeriums des kaiserlichen Hauses, die ersten beiden sremdenfeindlich, letzterer fremdenfreundlich gesinnt. Der Kaiser und die Kaiserin befinden sich in den Händen deS Prinzen Tuan, 60 Meilen westlich von Peking. Lihung Tschang ist nach dem Norden abgereist. London, 21. August. „Daily Mail" meldet aus Rom: Der Befehlshaber des italiemschen Kriegsschiffes „Sir Mosta" in Taku hat ein Telegramm erhalten, worin mitgeteilt wird, daß am Samstag blutige Kämpfe in Peking stattgefunden haben. In dem Telegramm wird dringend um Verstärkung ersucht. Der italienische Kommandant hat infolgcdeffen einer MatrosewAbteüung von 400 Mann Befehl gegeben, in Eilmärschen nach Peking zu gehen. London, 21. August. Ein Telegramm aus Yokohama an die »Daily Mail" berichtet, daß Japan gegenüber Deutschland dasselbe Mißtrauen und dieselbe Feindschaft an den Tag legt, wie gegenüber Rußland. Die allgemeine Ansicht Japans sei, daß Japan infolge seiner Mitwilkung an der Regelung der chinesischen Wirren auch eine dementsprechende Rolle neben den europäischen Großmächten bei der enbgiltigen Regelung spiele. Das Telegramm meldet weiter, die japanische Regierung treffe Anstalten, um eine Anleihe von einer halben Milliarde zu machen. Die Regierung hat durch andere Maßregeln eine außerordentliche Thatigkeit in Voraussicht möglicher Eventualitäten an den Tag gelegt. London, 21. August. „Daily News" meldet au« Washington, die Entsendung von weiteren TruppenVer- stärkungen nach China sei an maßgebenden Stellen al« wahrscheinlich betrachtet worden. London, 21. August. Daily Expreß meldet aus Petersburg: Eine Verständigung mit England über die in China zu befolgende Politik fei erzielt worden. Die Ruffen be- fetzen im Ganzen 13 befestigte Plätze Der Krieg tu Südafrika. Aus den sich widersprechenden Nachrichten über De Weis aggressive Thätigkeit in der Nähe von Rusten- burg geht jedenfalls soviel hervor, daß der unternehmende Mann nach den Anstrengungen deS Marsches keine lange Pause gemacht, sondern sofort mit Baden-Powell, der nach Jan Hamiltons Abzug wieder auf sich selbst gestellt ist, Fühlung genommen hat. Daß sich Baden-Powell mit 4000 Mann bei dem Kommando Nek, der zwischen Rusten- burg und Pretoria liegt, schlankweg hätte gefangen nehmen lassen, entspricht nicht den Beweisen hartnäckiger Tapferkeit, die er während der Belagerung von Maseking gegeben hat. Anderseits ist eS wieder nicht wahrscheinlich, daß Baden Powell zu De WetS Verfolgung übergegangen ist. Denn er hat sich schon Delarey gegenüber nur mühsam in der Offensive halten können und dürste nach dessen Vereinigung mit De Wet den Buren noch weniger gewachsen sein. Es ist nämlich nicht zu verkennen, daß De Wets kühner Zug neues Leben und neuen Mut in die Reihen der Buren gebracht hat. Nach Schätzungen englischer Berichterstatter ist seine kleine Schar auf 7000 Mann angewachsen. In das Kapitel der ungenügenden Occupation gehört, was General Clery aus Greylingstad vom 18. August meldet: „Etwa 80 Buren überraschten bei Doornkop am 14. ds. einen Rittmeister und 20 Dragoner. Der Rittmeister wurde leicht verwundet, ein Dragoner wird vermißt. Die Verluste der Buren sollen bedeutend sein." DaS Zusammentreffen Oliviers mit Hunter südlich von Heilbron am 15. war nicht so harmlos, wie englische Meldungen es anfangs hinstcllten. Roberts muß jetzt vielmehr eingestehen, daß Hunter 3 Tote, 50 Verwundete und 1 Vermißten hatte. Auch Olivier zeigt sich also noch in ungebrochener Unternehmungslust. Um die aus Kapstadt gemeldeten Operationen Carringtons und Lord Errolls zwischen Ottos Hoop und Zeerust nachzuprüsen, fehlt jeder amtliche Anhalt. Auch von Kitchener, der bekanntlich den Obersten Hoare am 15. in ElandSriver entsetzt hat, liegt keine Meldung vor. Nach einer Lassan-Meldung aus Pretoria vertrieb General PagetS Brigade am 17. ds. die Buren aus dem den Horniespaß 16 Kilometer nördlich von Pretoria umgebenden Gebiet und machte am 18. ds. den Paß durch Sprengung mittels Dynamit ungangbar. (Nach der Entfernungsangabe handelt es sich um den von der Eisenbahn und dem Aapiesflusse durchschnittenen Höhenzug zwischen Wonderboom und De onderste Port.) — Nach einer Meldung der „Daily Mail" aus Kapstadt vom 18. ds. bauen die englischen Militärbehörden eine direkte Bahn von Johannesburg nach dem Vaalslusse, sodaß, falls die niederländische Bahn die Benutzung ihrer Linie durch das Verlangen eines Schiedsverfahrens verhindern sollte, die neue Bahn eine rein englische Verbindung von Kapstadt nach Johannesburg ermöglichen wird. DaS Londoner KriegSamt teilt mit: Die Worte in Clerys Telegramm aus Greylingstad vom 18. ds.: 80 Buren überraschten u. s. w., könnten vielleicht gelesen werden: 80 Buren sind in der Nähe des Doorn Rips von einem Rittmeister mit 20 Dragonern überrascht worden. (Die Sache bedarf also noch weiterer Aufklärung.) Der Gouverneur der Kapkolonie Miln er teilte einer Abordnung von geflohenen UitlanderS mit, daß es für sie unmöglich sei, vor Beendigung des Krieges nach Transvaal zurückzukehren. * . • Aus Pretoria wird gemeldet: Feldmarschall Roberts hat folgende Proklamation erlassen: Alle Personen, die ihren Eid, neutral zu bleiben, brechen, machen sich der Todesstrafe oder einer Freiheits- oder Geldstrafe schuldig. Alle Bürger, die innerhalb der britischen Occupation wohnen, die den Neutralitätseid nicht geleistet haben, werden als Kriegsgefangene betrachtet und fort- geschafst. Alle Häuser und sonstigen Gebäude derjenigen Farmm, die Feinde beherbergen, sollen dem Erdboden gleichgemacht und den Besitzern dieser Farmen Geldbußen auferlegt werden. Die Bestimmungen dieser Proklamation werden rücksichtslos durchgeführt werden. Einer Meldung der „Franks. Ztg." aus Pretoria zufolge ist der Angeklagte Hans Cordua 23 Jahre alt und sieht noch jünger aus. Er spricht englisch mit leichtem fremden Accent. Major Erasmus sagt aus, Cordua sei 1896 aus Deutschland nach Transvaal gekommen und habe damals in die transvaalsche Artillerie eintreten wollen. Dies wurde abgelehnt, weil er nicht naturalisiert war. Bei Ausbruch des Krieges machte er einen zweiten vergeblichen Versuch,, in die Artillerie einzutreten. Erasmus nahm ihn dann als seinen Sekretär nach Swaziland und spater nach Ladysmith mit; später begab er sich in den Orarije-Freistaat, und als dort in einem Lager Mangel an Offizieren herrschte, wurde er Offizier. Erasmus bezeichnet Cordua als tapfer und sehr begierig, gefährliche Pläne auszuführen. Cordua selbst wurde dann vernommen. Er sagte, das Komplott rühre von demDetektiv Gano her, unter dessen Einfluß er die ganze Zeit gestanden habe. Gano verschaffte ihm die Uniform eines Montmyrencyschen Kundschafters; in dieser Uniform sollte er durch die englischen Linien hindurchkommen, um sich dann mit Botha in Verbindung zu setzen. Gano legte ihm arte Einzelheiten des Planes dar und sagte, er selbst sei des englischen Dienstes überdrüssig. Gano versah ihn auch beständig mit Getränken. Als Cordua im Begriffe war, die englischen Linien zu passieren, nachdem ihm Gano einen Paß ausgestellt hatte, sah er ein, daß das Komplott thöricht sei und wünschte nach Pretoria zurückzukehren. Cordua entlastete alle Mitangeklagten. Gano, der dann selbst vernommen wurde, ist spanischer Abkunft und hat lange in Südamerika gelebt. Er gab zu, daß er immer Whisky auf dem Tische hatte, wenn er mit Cordua sprach, doch habe er nur als Detektiv ihm gegenüber gehandelt. Er gab auch zu, daß er Cordua seine eigene Uniform gab und ihn dazu aufforderte, durch die englischen Linien hindurchzugehen Er gab ferner zu, daß er Cordua den Paß ausgestellt habe, er (Gano) habe sich absichtlich verdächtig gemacht, um verhaftet zu werden. Der Verlauf der Verhandlungen laßt also erkennen. daß die ganze Sache sich darum dreht, ob Cordua oder der Detektiv Gano glaubwürdiger ist. Politische Tagesschau. Die finanzielle Seite der deutschen Expedition nach China wird offiziös zum ersten male jetzt gefireift in einer Aus- assung der „Berl. Pol. Nachrichten", welche, weil diesem Organ nahe Beziehungen zu Herrn Miquel zugesagt werden, Anspruch auf ernstere Beachtung hat. Es heißt in der halbamtlichen Veröffentlichung: „Angesichts der Erfahrungen der letzten Jahre, in denen mit dem Herbste regelmäßig eine starke Inanspruchnahme des Geldmarktes und demzufolge eine entsprechende Berfteifung des Geldstandes eingetreten ist. scheint es durchaus erklärlich, wenn man in Bankkreisen die Entwicklung des Geldmarktes eifrig beobachtet und sich für Vorkommendes rüstet. Es scheint aber im Interesse einiger Finanzkreise zu liegen, die Lage des Geldmarktes ungünstiger erscheinen zu lassen, als sie thatsächlich ist. Als Mittel zur Erreichung dieses Zwecks dient vor allem die Behauptung, daß das Reich aus Anlaß der Chinaexpedition im Begriff stehe, sehr erhebliche Summen von Reichsschatzanweisungen auf den Markt zu werfen. Zu einer olchen Annahme liegt kein Grund vor. Durch das Reichshaushaltsetatsgesetz ist allerdings wie alljährlich so auch in diesem Jahre die Ermächtigung nicht nur zur Begebung der Anleihe zur Deckung der Ausgaben des außerordentlichen Etats, sondern auch zur Begebung von Reichsschatzscheinen zur Deckung eines vorübergehenden Uebersteigens der Ausgaben über die Einnahmen erteilt worden. Abgesehen davon, daß zur Zeit Reichsschatzscheine überhaupt nicht umlaufen, liegt in der etwaigen Flüssigmachung des für 1900 vorgesehenen Reichsschatzscheinkredits nichts außergewöhnliches. Vielmehr handelt es sich lediglich um ein alljährlich regelmäßig wiederkehrendes Finanzmanöver. Für die Annahme aber, daß darüber hinaus in hohem Betrage Reichsschatzscheine ausgegeben werden sollten, fehlt es an jeglichem Anhalte. Zur vorläufigen Deckung der Kosten der Chinaexpedition steht nicht nur der Ueberschuß des letzten Finanzjahres im Betrage von mehr als 32 Millionen Mark zur Verfügung, sondern es unterliegt auch keinem Zweifel, daß die Bundesstaaten in der Lage sind, erforderlichenfalls durch Anstehenlaffen der ihnen auf Grund der Klausel Franckenstein zu- tehenden Zahlungen aus der Reichskaffe das Reich der Notwendigkeit, außerordentliche Schritte zur Beschaffung der Geldmittel für die Chinaexpedition zu thun, zu entheben. Ganz abgesehen davon, ob angesichts der Aenderung in der Lage der Industrie und des Handels eine so starke herbstliche Inanspruchnahme zu erwarten ist wie in den Vorjahren, fehlt es sonach an jedem Grunde, sich auch noch dazu wegen etwaiger Belastung desselben mit einer außergewöhnlich hohen Summe Reichsschatzscheine Sorge zu machen/ Die Auslassung verrät, wie die „Saale-Ztg." schreibt, )ie Dialektik des vielgewandten Herrn Miquel und betätigt lediglich die Befürchtungen, daß die umfangreiche Beteiligung Deutschlands in China Kosten verursachen wird, )ie zu den Interessen, welche das Reich im Osten hat, aum in Einklang stehen. Daß von dem 32-Millionenüber- chuß, aus den die offiziösen Organe in der letzten Zeit mit lesonderer Genugtuung hingewiesen haben, etwas übrig ileibt, ist ausgeschlossen, der Hinweis aber, daß von der Ausgabe einer „außergewöhnlich hohen Summe" Reichschatzscheine kaum die Rede sein könne, klingt sehr verdächtig und scheint anzudeuten, daß eine China-Anleihe bereits zur Erwägung steht. Deutsches Reich. Berlin, 20. August. Aus WilhelmShöhe wird gemeldet: Das Kaiserpaar besuchte gestern vormittag den Gottesdienst in der Schsloßkapelle. Am Nachsmittag wurde eine Ausfahrt in neun Wagen zum Essigberg hinter der Sichelbach unternommen. Der Kaiser, in grauem Zivilanzuge mit Strohhut, und die K a i s e r i n mit dem Prinzen Joachim und der Prinzessin Viktoria Luise fuhren in offenem Wagen über die Löwenburg durch das Drusel- thal, überall von den zahlreichen Sonntagsausflüglern, stürmisch begrüßt. Der Kaiser dankte überall freundlichst durch Abnehmen des Hutes. Am Rande des Waches am Essigberg wurden die Wagen verlassen. Der Thee wurde im Walde eingenommen. Abends traf der Erbprinz zu Hohenlohe-Langenburg zum Besuche ein. Zur Abendtafel war auch der kommanoierende General des 11. Armeekorps v. Wittich geladen. Heute morgen ritt der Kaiser allein aus und hörte später die Vorträge des Chefs des General- stabes und des Chefs des Geh. Zivil-Kabinetts. Der Erbprinz von Hohenlohe-Langenburg reiste heute nachmittag 3 Uhr wieder ab. — Staatssekretär ,Tirpitz traf heute vormittag hier ein. , — Ueber den bevorstehenden Besuch des Kar ser- paares in Stettin berichtet die „N. Stett. Ztg.": Die Ankunft des Kaisers erfolgt am 7. September nachmittags, die Stunde der Ankunft des So Überzugs ist noch nicht festgesetzt. Den Kaiser begleitet auch die Kaiserin, beide treffen mit Gefolge ein. Ferner treffen hier ein der Erzherzog Franz Ferdinand von Oesterreich, Prinz Maximilian von Baden, Prinz Heinrich, Prinz Albrecht, Regent von Braunschweig, und dessen, Sohn Prinz Friedrich Wilhelm und Herzog Ernst Günther zu Schl e sw e g - H o l stei n, sämtlich mit Gefolge. Auf dem Bahnhöfe findet großer militärischer Empfang statt, wozu die Spitzen des Militärs befohlen sind, während der Kaiser von den Spitzen der Zivilbehorden im königlichen Schloß empfangen wird. Um 6 Uhr Rehmen der Kaiser und seine Umgebung an einem von der Provinz gegebenen Festessen im Landhause teil, um 8 Uhr beginnt die Festfahrt auf der Oder. Abends wird die Stadt er- leuchtet.^ie $ai|erin Friedrich- wird sich auf ärztliches Anraten in Kürze nach Italien begeben und oorr längeren Aufenthalt nehmen. Am gestrigen Sonntag weilte Professor Ren Vers im Schloß FriedrichDkron. «re em Berliner Blatt von bestunterrichteter Seite erfahrt, lewer die Kaiserin Friedrich zeitweise an heftigen neuraigifchen Schmerzen, die eine fortgesetzte ärztliche Behandlung als notwendig erscheinen lassen. Doch ist sie weder bettlägerig, noch in ihrer sonstigen Thätigkeit irgendwie behindert. — Die Prinzen Eitel Friedrich und Adalbert trafen gestern vormittag aus Plön in Kiel ern und begaben sich du Bord fier ^,Jduna", (um -eine Fahrt in See M Wachen. — Der norwegische Vizeadmiral v. Krogh, der kürzlich mit seinem Geschwader längere Zeit in Krel war, richtete an den Generalinspekteur der Marine, Admiral v. Köster, folgende Drahtung: ,,Rach Norwegen zurückgekehrt, bitte ich Euere Exzellenz, für die prächtige Aufnahme und für alle uns während unseres Aufenthalts in Kiel erwiesene Freundlichkeit meinen besten Dank entgegenzunehmen, v. Krogh". — Prinz Albrecht ist heute abend zur Inspizierung des 1. Armeekorps in Königsberg i. Pr. eingetroffen. Morgen findet Parade und Besichtigung des Tilsiter Dragoner-Regiments statt, dessen Chef der Prinz ist. — Aus Oldenburg wird gemeldet: An Stelle der bisherigen Minister Jansen, Flor und Heumann ernannte der Großherzog den Geheimen Regierungsrat Millich zum Minister des Innern, Oberregierungsrat Ruhstrat zum Finanzminister und Oberstaatsanwalt Ruhstrat zum Justiz- Minister. — Zu der morgen beginnenden Bischofs-Kost- ferenz in Fulda sind erschienen Kopp (Breslau), die Erzbischöfe von Köln und Freiburg, der Armeebischof, der Weihbischof Likowski (Posen), die Bischöfe von Trier, Münster, Paderborn, Osnabrück, Limburg, Mainz, Kulm und Ermeland. Ausland. Bern, 20. August. Die belgische Regierung verlangt die A u s l i e f e r u n g des nach der Schweiz geflüchteten Attentäters Sipid o. Belgien hat bisher ein Auslieferungsgesuch nicht gestellt. Da die Schweiz nur solche flüchtige Ausländer ausliefert, die wegen eines Verbrechens angeklagt oder wegen eines solchen bereits verurteilt find, so müßte sie die Auslieferung Sipidos verweigern. — Die belgische Regierung hat dem Bundesrat den Abschluß einer Vereinbarung über Heimschasfung flüchtiger junger Leute vorgeschlagen. Man glaubt, Belgien machte den Vorschlag in der Voraussetzung, der Attentäter Sipido sei nach der Schweiz geflüchtet. Der Bundesrat ist geneigt, eine solche Vereinbarung abzuschließen. Mailand, 20. August. Der Königsmörder BreSci hat zu seinem Verteidiger den Advokaten Filippo Turati, sozialistischen Abgeordneten des fünften Mailänder Stadl- Wahlkreises, erwählt. Turati hat die Verteidigung angenommen. Belgrad, 20. August. Der Königin Draga wurde heute mittag vom russischen Geschäftsträger Mansurosf ein kostbares Brillantenkollier mit Smaragden und Solitären als Geschenk des Zaren überbracht. — An König Milans Stelle ist heute der General im Ruhestande Mihai lo Sretschkovits zum Armeekommandanten ernannt worden. Er ist jedoch, einem neuen im Amtsblatt heute veröffentlichten Statut zufolge, dem Kriegsminister untergeordnet. Der Hofstaat des Königs Milan ist aufgehoben; seine Adjutanten wurden ihrer Posten enthoben. Konstantinopel, 20. August. Der Abschluß des fran- zösischen Handelsvertrags wurde bisher wegen Differenzen bezüglich der Kündigungsklause! verzögert. Die Pforte hat sich jetzt mit dem Botschafter Constanz über die Formel geeinigt, nach deren voraussichtlicher Annahme in Paris die Unterzeichnung des Vertrages erfolgen wird. Der Sultan ist dem Wunsche des Bukarester Kabinetts betreffend die Sistierung des Disferential-TarifeS entgegengekommen, und das Zustandekommen eines Provisoriums von mehreren Monaten ist bevorstehend. Aus Stadt und Kand. Gießen, den 21. August 1900. Tagesordnung für die Sitzung der Stadtverordneten- Versammlung am Donnerstag den 23. August 1900, nachmittags 3elh-it-n der Reise um dl- Welt wird aus den betreffenden Abschnitt d-S demnächst erschemenden neuen SandbucheS der R-ichslini-n verwiesen 5 .* Prüfung t« Sina»,such. In diesem Jahre findet wieder -in- Prüfung im Finanzfach 2. Kategorie lSteuer- „„sseber und Pfandin-ist-r rc.) statt. Wir machen alle auf kivilversoronngSsch-m dienenden Mllitärp-rsonen, sowie uuch Zivilanwärl-r, die fich dem obigen Berns- widmen wollen um so mehr daraus ausmerksam, weil d>- Prüfung cn der Regel nur alle zwei bis vier Jahre stattfindet. Ob der Betreffende bereits den Zivilversorgungsschein hat oder -nicht, ob er drei oder zwölf Jahre gedient hat, ist für die Zulaffung zur Prüfung ohne Bedeutung. Dagegen an- stellungsberechtigt sind nur Militäranwärter; nach diesen lolgen die Militärpersonen über acht Jahre Dienstzeit und Leute, die eine Stelle innehaben, die Militäranwärtcrn Vorbehalten ist, und dann erst kommen die Zivilanwärter. Zu Vikaren von Stellen werden in der Regel nur die letzteren verwendet. — Das Einkommen beträgt: a) bei Steueraufsehern 1. bei Kommandierung zur Probedienstleistung unb bei Vikaren: 1260 Mk. fix und Gebühren (100 bis 300 Mk.), 2. bei fester Anstellung: 1300 bis 1800 Mk. fix, 100 bis 150 Mk. Stationszulage, 100 bis 400 Mk. Gebühren und Dienstkleidung, im Durchschnitt 1825 Mk.; 1)) bei Brückengelderhebern 2100 bis 2800 Mk.; c) bei Pfandmeistern 1800 bis 4000 Mk. - Nachdem nun die Städte über 3000 Einwohnern zur Erlangung von vielen Stellen, welche nicht die Absolvierung der Finanzprüfung 1. Kategorie voraussetzen, das Bestehen der obigen Prüfung bereits gefordert haben oder noch fordern, bieten sich auch hier, wie beim Staate, aber mit noch etwas besierem Gehalte, für strebsame und tüchtige Leute recht gute Aussichten. Bei der Ueberfüllung in den Berufen können wir nur raten, raschen Entschluß zu fassen und die günstige Gelegenheit Nicht vorübergchen zu lassen, wenn auch in allernächster Zeit nicht sofort Stellen für alle Bewerber offen sein sollten. — An Kenntnissen in obiger Prüfung werden verlangt : Gute saubere Handschrift, frei von orthographischen Fehlern, gute Ausdrucksweise, Dezimal- und gemeine Brüche, Regeldetrie, Zinsrechnung, Teilungsaufgaben, Flächen- und Körperberechnungen mit besonderer Berücksichtigung von Kreis, Bottichen und Fässern, das Allerwichtigste von der Verwaltung des Landes, der Kreise und der Gemeinden, sowie von der Festsetzung und Erhebung der Staats- und Gemeindesteuern, dann ausführlicher: Zölle und Reichs» steuern und das gesamte Beitreibungsversahren. Voraussetzung der Zulaffung zur Prüfung ist: guter Leumund und gesunder Körperbau, Alter nicht unter 20 Jahren. -i- Bieber (bei Rodheim), 20. August. Schulbau. Wegen der großen Schülerzahl ist es schon längst ein Bedürfnis geworden, hier eine zweite Schule zu errichten. Auf Einladung der Gesamtgemeindevertretung von Bieber, Rodheim und Fellingshausen fand heute morgen unter dem Vorsitz des Kreisschulinspektors Pfarrers Vömel- Rodheim im Schulsaale zu Bieber eine Versammlung statt. Die Berufenen sollten den von der KreiSbauinipektion zu Biedenkopf entworfenen Voranschlag und Zeichnung in Augenschein nehmen. Nach wenigen kleinen Abänderungen wurden diese Vorlagen genehmigt und der Regierung zu Wiesbaden zur weiteren Prüfung vorgelegt. Der Bau der Schule wird im nächsten Frühjahr in Angriff genommen. Die Leitung des Baues soll einem Architekten aus Gießen übertragen werden. + Lich, 19. August. Wie alljährlich, bewegte sich auch heute unter den Klängen eines Trauermarsches der Kriegerverein durch die Straßen unserer Stadt nach dem Friedhöfe, um das dort stehende Kriegerdenkmal mit einem frischen Kranze zu schmücken. Am Nachmittag sand auf dem Teichdamm an der Gießener Straße ein Preisschießen statt. Wie vorzüglich geschossen wurde, beweist der Umstand, daß von 12 Preisen der erste mit 39, her letzte mit 30 Ringen erlangt wurde. — Der Verein „Kampfgenossen" beging seine Gravelottefeier durch ein gemeinsames Essen im Gasthaus „zum Adler". -j- Grünberg, 20. August. Wie in vielen Orten, so wurde auch hier seitens des Kriegervereins eine Gravelotte- seier veranstaltet. Nachdem der Verein gestern dem Vor- mittagSgotteSdienst angewohnt hatte, begaben sich die Mitglieder im Zug nach dem Denkmalsplatz und nahmen an dem mit Eichenlaub sinnig geschmückten Kriegerdenkmal Aufstellung, vor dem Kamerad Pfarrer Koch eine von patriotischem Geist getragene, eindrucksvolle Gedächtnisrede hielt. — Nachmittags um 3 Uhr wurde das schon an den zwei vorauSgcgangencn Sonntagen angefangene Preis schießen fortgesetzt, woraus dann abends im Vereinslokal „Zum Englischen Hof" die Preisverteilung vorgenommen wurde. Den 1. Preis errang Schlossermeister H. Schmidt, den 2. Chr. Kreuder und die Ehrenscheibe Molkereibesitzer H. K. Zimmer. — Dem Vernehmen nach beabsichtigt der Krieger- verein, im kommenden Herbst sein 25jähriges Jubiläum unter entsprechender größerer Feier, zu der auch Nachbarvereine eingeladen werden sollen, zu begehen. Als Tag des Festes ist der 4. November in Aussicht genommen. — Eine hier veranstaltete Sammlung von Beiträgen für die Pflege Verwundeter in Ostasien ergab den recht anseh- lichen Betrag von 206 Mk. Butzbach, 20. August. Heute früh mit dem Zuge 5.08 Ahr verließen wieder neun Angehörige des hiesigen Bataillons, die sich freiwillig für das ostasiatische ExpeditionS- KorpS gemeldet hatten, unsere Stadt. Die Betreffenden wurden mit allen militärischen Ehren an die Bahn geleitet, wozu eine aus den 4 Kompagnieen zusammengesetzte Kompagnie und die RegimentS-Kapelle befohlen waren. Auf dem Perron des Bahnhofes nahmen die Freiwilligen vor der Front der Kompagnie Ausstellung und der derzeitige Führer des Bataillons, Hauptmann v. Grundherr hielt eine kernige Ansprache an die Scheidenden. Die Rede schloß mit einem Hurra auf Kaiser und Großherzog, worauf die Musik die Nationalhymne spielte. In dem einlaufenden Zuge befanden sich auch die Freiwilligen des Gießener Regiments. Nachdem die hiesigen „Chinesen" eingestiegen, ertönte zum Abschiede nochmals ein dreimaliges begeistertes Hurra und die Musik setzte zu der Weise ein: „Muß i denn, muß i denn." Die Leute, die der 9. Kompagnie des ostasiatischen Jns.-Regts. zugeteilt sind, begeben sich vorerst auf den Truppenübungsplatz bei Darmstadt, wo sie mit den . anderen süddeutschen Freiwilligen Zusammentreffen. Wünschen wir ihnen Allen, baß sie gesund und wohl wieder j urückkehren. -ö- Ober-Seemen, 20. August. Gestern fand hier ein Krieger fest, verbunden mit Fahnen wer he des hiesigen zfriegeroereins, statt. Das Dorf war großartig geschmückt: kein Haus oder Häuschen war zu sehen, das nicht mit Fahnen, Fähnchen, Kränzen und Willkommgrüßen geziert war. Fünfzehn Vereine waren erschienen und von nah und fern war eine große Menschenmenge bei herrlichem Wetter herbcigeströmt. Um 2 Uhr wurde der Festzug aufgestellt, und mit 2 Kapellen wurde der end lose Zug 'durch das Dorf nach dem Festplatze gleitet. Lehrer Keller begrüßte mit kernigen Worten die erschienene.it Vereine und Festgenossen, worauf der hiesige Gesang-Ber- einj unter der bewährten Leitung des Lehrers Sittel ein patriotisches Lied zum Vortrag brachte. Pfarrer Fritsch ergriff alsdann das Wort zu seiner Festrede. Mit begeisterten Worten wies er auf die Bedeutung der Kriegervereine und der Fahne hin, anknppfend an die Inschrift der neuen Fahne: „Hoch die Fahne, die Wehr zur Hand!" Seine allen Anwesenden zu Herzen gehende Rede schloß er mit einem dreifachen Hoch auf den Kaiser und den Großherzog. Regierungsrat Schönfeld aus Schotten richtete warme Worte an die Versammelten und schloß mit einem Hoch auf den hiesigen Kriegerverem. Ein endloser Beifallssturm zeigte deutlich, welchen gewaltigen Eindruck seine Rede hinterlassen hatte. Verschieden^ Gesangsvorträge des hiesigen Gesangvereins und des Gesangvereins „Liederkranz" aus Gedern trugen sehr zur Verherrlichung des Festes bei. Letztgenannter Gesangverein ließ es sich nicht nehmen, nebenbei dem Geheimen Regierungsrat Schönfeld eine Ovation darzubringen> der -seinen Dank und seine Bewunderung über den schönen Gesang und die gute Schulung unter der bewährten Leitung des Dirigenten Lehrer Schaad in Gedern aussprach und in lobender Anerkennung dem Dirigenten die Haich drückte. Die Feststimmung war eine außerordentlich gute und allzuschwer schien die Trennung zu werden; So z. B. konnte man sehen, daß von einem Vereine nur der Präsident und Fahnenträger und von einem anderen nur der Präsident allein den Rückweg antraten; denn alle anderen Mitglieder hatten schier noch keine Lust, ins stille Heim zurückzukehren. Möge der Kriegerverein, der das schöne Fest veranstaltete, blühen und gedeihen! Darmstadt, 20. August. Nach dem am Samstag ab. gehaltenen Regiments-Exerzieren, das an die Leistungsfähigkeit unseres Garde-Regiments die höchsten Anforderungen stellte, sammelte Oberst Rüdt v. Collenberg die Truppen im Viereck um sich und hielt eine den rühmlichen Anteil des Regiments an der Schlacht bei Gravelotte schil- derndc Ansprache, die in ein Hurra auf Kaiser und Groß Herzog ausklang. Alsdann traten die 17 Mann, die sich neuerdings freiwillig nach China gemeldet haben, vor und wurden mit berzlichen Worten vom Oberst im Namen des Re- giments verabschiedet. Mit einem Handschlag entließ er sie aus dem Regiment, das sie jederzeit nach ihrer Rückkehr freudig willkommen heißen würde. Heute gehen dieselben nach Frankfurt zur Einkleidung, um sodann auf dem Griesheimer UebungSplatz formiert zu werden. Die Ausreise der neuen Formationen soll in etwa 4 Wochen stattfinden. Darmstadt, 20. August. In der gestrigen Generalversammlung des mit über 500 Mitgliedern über ganz Hessen verbreiteten Lose-Vereins „Fortuna 3-, wobei es ziemlich lebhaft herging, wurde infolge der innerhalb des Vorstandes ausgebrochenen Zwistigkeiten mit großer Majorität beschlossen, nach Beendigung der 5. Ziehung der hessischen LandeS- Lotterie außer den Gewinnanteilen auch das angesammelte Stammkapital auszuzahlen. Ein großer Teil der Anwesenden, darunter auch die seitherigen Vorsitzenden, h ben ihren Austritt erklärt, und es steht die Gründung eines neuen Vereins in Aussicht. Darmstadt, 20 August. Nach einer Meldung des „D. Tgbl." wurden am SamStag früh zwei Soldaten des Infanterie-Regiments Nr. 115 bei der Rückkehr von einer Hebung auf der Straße ohnmächtig. Sie sollen sich indeffen bald völlig erholt haben. — Nach einer weiteren Meldung werden auf dem Griesheimer UebungSplatz zu den neuen Truppcnformationen für Ostasien nur ein Bataillon und die 9. Kompagnie des 4. bayerischen Infanterie-Regiments formiert. Sie werden vom 22. August bis 1. September dort bleiben. Offenbach, 20. August. Am vergangenen Dienstag gab gelegentlich der Fertigstellung eines Hausbaues im benachbarten Hausen der Bauherr das übliche Freibier, und daran thaten sich denn, wie gewöhnlich, die beteiligten Handwerksleute gütlich. Ein Teil derselben bezechte sich hierbei gehörig, und einzelne sollen fast besinnungslos gewesen sein. Der Maurer Karl Ott besonders, der nach Angabe der sjßitün außer einer gehörigen Portton Branntwein auch zirka 30—40 Gläschen Bier getrunken haben soll, konnte gegen das Ende der Kneiperei kaum mehr stehen, suchte verschiedentlich Händel und fiel endlich, seiner Sinne nicht mehr mächtig, mehrere Mal gegen Tische und Stühle und auf die Erde, sodaß er an mehreren Stellen blutete. Zum Schluß brach er bann im Hof zusammen und wurde von mehreren der noch Anwesenden nach seiner Behausung, die in der Nähe lag, gebracht. Wie die Zeugen angeben, wurde Ott, und zwar auf seinen Wunsch, nicht in die Wohnung, wo sein Sohn krank lag, sondern in die Scheune gebracht und auf Stroh gebettet. Am anderen morgen fand man ihn als Leiche. Obwohl nun der Arzt, welcher den Totenschein aus stellte, konstatierte, daß der Tod durch Herzlähmung infolge übermäßigen Alkoholgenusses eingetreten sei, entstanden in dem Orte vcrschiedentliche Gerüchte, infolge dessen der Sohn des Verstorbenen Anzeige bei der Staatsanwaltschaft erstattete. Vergangenen Freitag, als die Beerdigung ftatt- fiuden sollte, fand auf Veranlassung des hiesigen Amtsgerichts eine Leichenschau statt, und gleichzeitig ordnete der Vertreter der Staatsanwaltschaft eine Voruntersuchung an. Dabei wurde indeffen die Grundlosigkeit der Gerüchte festgestellt und nachgewiesen, daß Ott eines natürlichen Todes infolge übermäßigen starken AlkoholgenuffeS gestorben war. Mainz, 19. August. Unter bem Vorsitz des Landtags* abgeordneten Molthan, des Präsidenten des Vereins Mainzer Kaufleute, hatten gestern die Vorstände der Kaufmännischen Vereine eine Versammlung, die eine Resolution faßte, wonach vom 1. Oktober ab um acht Uhr abends allgemeinerLadenfchluß eingeführt werden oll. Der Verein Mainzer Kaufleute wurde ersucht, Listen zirkulieren zu lassen, um die Zustimmung der Kaufleute zu diesem Beschluffc zu erlangen. Abgeordneter Molthan brachte hierauf die Errichtung einer Handelshochschule in Hessen zur Sprache. Die Versammlung sprach sich in einem Beschluß dahin aus, daß, nachdem einmal die Gründung einer Handelshochschule in Hcffen bestimmt erfolgen werde, die Stadt Mainz als bedeutendste Stadt in Heffen und als die bedeutendste Handelsstadt des Landes, das erste Anrecht auf die Errichtung einer Handelshochschule habe. In diesem Sinne soll bei den Landständen und bei der Handelskammer gewirkt werden. Stadtverordneter Heerdt gedachte nunmehr in einer längeren Ausführung der von der Firma H. A. Disch eingeführten Erhöhung der Trajekt- gebühren zwischen Mainz und Kastel. Die Versammlung mißbilligte die Erhöhung und richtete das Ersuchen an die Abgeordneten, diese Angelegenheit in der Zweiten Kammer zur Sprache zu bringen. •* Kleine Mitteilungen au8 Heffen und den Nachbarstaaten. In Gambach wurde durch den Polizeidiener Petry ein Arbeiter verhaftet. Der Mann, etwa 36 Jahre alt, wurde wegen Lohndifferenzen von seinem Arbeitgeber entlaßen. Er hat nun aus Rache gegen denselben die Reifen dessen erst vor wenigen Wochen neu gekauften Fahrrades mit einem Messer durchschnitten. — In Lütersheim hat sich in der Wohnung des Oekonomen Billerdeck ein schrecklicher Unglücksfall zugetragen. Zwei zu Besuch anwesende Knaben von 6 und 9 Jahren hatten dort unter dem Bette ein Gewehr entdeckt, mit dem sich der ältere zu schaffen machte. Plötzlich entlud sich ein Schuß und traf den kleinen Knaben tötlich in den Unterleib; leblos brach der Ge- troffene zusammen.___ ________ Universität und Hochschule. — In der philosophischen Fakultät der Universität Halle hat sich Dr. C. Steinbrück mit einer Untersuchung „Ein Beitrag zur Frage der Rentabilität der Milchviehhaltung" sür das Fach der Landwirtschaft habilitiert und wird im nächsten Wintersemester über „Die Statistik deS Landbaues" und „Grundzügc der Agrarpolitik" lesen. — Der Direktor der Fachschule für Holzindustrie in Villach, Dr.Pltwa, wurde interimistisch mit dem Lehramt für mechanische Technologie und des forstlichen Bau- und Maschinen-Jngenierwesens an der Wiener Hochschule für Bodenkultur betraut. — An der gleichen Hochschule wurde der Konstrukteur Hermann D au b als Privatdozent für land-und forstwirtschaftliche Hochbauten bestätigt. — Der Entdecker des Gelben Fieber-Bazillu», Prof. Dr. Domingo Fraire, ist in Rio de Janeiro im Alter von 50 Jahren gestorben. Prof. Fraire war der bedeutendste Vorkämpfer der Feuerbestattung in Südamerika. Landwirtschaft. Berlin, 20. August. Saatenstand in Preußen um Mitte August: Winterweizen 2,6, Sommerweizen 2,6, Winterspelz 2,1 Winter - roggen 3,1, Sommergerste 2,6, Hafer 2,5, Kartoffeln 2,4, Klee 8,4, Luzerne 2,9, Wiesenheu 3,0. Gegenüber den Jultberichten lauten die Nachrichten für August weniger erfreulich. In den Provinzen Ostpreußen, Brandenburg und Sachsen konnten bei hinreichenden Niederschlägen die Erntearbeiten gleichwohl ohne wesentliche Störung fort; geführt werden; aus dem westlichen Teile deS Staatsgebiets aber kommen Klagen, daß durch den unaufhörlichen Regen und die häufigen Gewitter das Einbringen des Getreides unmöglich gemacht würde. Für die Futterpflanzen waren die Niederschläge von wesentlichem Nutzen. Meratur. — Im 14. Jahrgang erscheint jetzt die Zeitschrift „Hessenland*, welche, unter Mitwirkung einer großen Anzahl namhafter hessischer Gelehrten und Schriftsteller 1886 von F. Zwenger gegründet, nunmehr von Herrn Dr. Wilhelm Grotefend, Verlag von Friedrich Scheel in Caffel, herausgegeben wird. Das Blatt betrachtet es als seine Hauptaufgabe, den hessischen Sinn wachzuhalten, und die Anhänglichkeit an engere Heimat zu kräftigen, ohne jedoch in irgend einer Weise fich mit Politik abzugeben. So haben die Herausgeber deS „Heffenland" es mit sicherem Takt verstanden, schon länger als ein Dezennium den Lesern in Stadt und Land allmonatlich zweimal eine ebenso interessante, alS belehrende Leküre zu bieten, an welcher Alt und Jung sich zu erfreuen vermag. Die Zahl der Mitarbeiter vergrößert sich von Jahr zu Jahr, und für die scheidenden Kräfte treten frische ein, wie denn auch die ge» feierte Anna Ritter seit vorigem Jahre eine Anzahl bisher noch ungedruckter Gedichte im „Hessenland" veröffentlicht hat. Bemerkt sei noch, daß der Abonnementspreis für diese vaterländische Zeitschrift vierteljährlich nur 1 Mk. 50 Pfg. beträgt. — Hohentwiel und Ekkehard in Geschichte, Sage und Dichtung von Dr. Karl Weiß, Wiser u. Frey, Verlagsimstatt Merkur, Leipzig, 8 Lieserungen zu 1 Mk. Die erste unS vorliegende Lieferung dtesis Werkes enthält eine Würdigung des berühmten Scheffel'jchen Romans und führt un6 in das heganer Land, dessm Eharakter, Geschichte, Land und Leute sie schlldert. Prachtvolle Illustrationen schmücken daS Buch, dessm roettenn Lieferungen man mit Spannung entgegensehen kann. Wenn letztere daS halten, was die erste Nummer verspricht, so wird das Werk zum Verständnis deS Schrffel'schen Romans und im weiteren Sinne auch des schönm Stückchens Erde, auf welchem derselbe sich abspielt, wesentlich beitragen. Arbeiterbewegung. Berlin, 20. August. Die schon seit langem fühlbare Kalamität der Teuerung der Kohlenpreise hat nun ihren Höhepunkt erreicht, da mit dem heutigen Tage fast sämtliche Kohlenarbeiter Berlins, etwa 20000 Mann, in den Strike eingetretm sind. Die Kohlenarbeiter verlangen zehnstündige Arbeitszeit und 40 Pfg. Stundenlohn. Der Verband der Kohlengroßhändler hat fürs erste jede Verhandlung mit bet* sozialistischen Transportarbeiter-Verband abgelehnt, aber der Lohn» kommission Zugeständnisse gemacht. Statt der geforderten 4 Mk. Tagelohn wurden 3,75 Mk. bewilligt; ebenso sollen die Löhne für die Akkord» arbeit um etwa 20 Prozent aufgebessert werden Die Arbeitszeit soll wie bisher 11 Stunden mit zweistündiger Pause betragen. Nur wenige ältere Leute bliebm bei der Arbeit. Schutzmannschaften standen heute bei den großen Kohlenlagern am Görlitzer und Schlesischen Bahnhof, um etwaige Ausschreitungm der Strikendm zu verhindern. Da die Kohlenhändler gegenüber den Strikenden sich solidarssch verhalten, aber nicht in der Lage sind, ohne genügmdes Arbeitspersonal dem Bedarf gerecht zu werden, so werden sie wahrscheinlich schon mit dem morgigen Tage ihre Plätze schließm. Auch alle Waggonsendungen die nach Berlin unterwegs waren, werden zurückgehalten, da das Standgeld auf den Bahw- Höfen erhebliche Kosten verursacht und kein Ausladepersonalvorhanden ist. Hamburg, 20. August. In einer gestern stattgehabten Versammlung beschlossen die Stauer, in eine Lohnbewegung einzutreten und wählten eine Lohnkommission. Erstrebt wird Erhöhung des Lohnes, Regelung der Arbeitszeit und Beteiligung der Arbeiter am Arbeüs- nachweis. Handel und Verkehr. Volkswirtschaft. »Men # 21. August. Marktbericht. Auf dem heutig Wochenmarkt kosteten: Butter per Pfd. 1.20 bühnereier per St. 0-0 A, 2 St. 13-15 A, Enteneier 2 St. 00-16 A, Banfe eier per St'.O0-00 A, Käse 1 St. 5-8 A, KäsemEe 2 St. 5-6 A, Erbsen per LÜer 24 A, Linsen per Liter 54 A, Tauben per Paar •* 0.70—0.80, Hühner per St. X per.t.^ X 0 60-1.00 Enten per St. X 1.80-2.00 fcfinfe JW 0.00-0.00 Ochsenfleisch per Pfd. 68-74 A, Kuh« und Rindfletsck per Pfd. 62—64 A Schweinefleisch per Pfd. b0—70 A, Schwerne. fleisch, gesalzen, per Pfd. 74 A, Kalbfleisch per Pfd. 64—66 A Hammelfleisch per Pfd. 50—70 A. Kartoffeln per 100 RUo 5.50 btt 6.00 JLt Weißkraut per St. 00—00, Zwiebeln per Etr. X 5.50—6.00 Milch per Liter 18 A> Bohnen per Pfund 9—15 A- Ärmste Meldungen. Paris, 21 August. Die ausständischen Kutscher beschlossen in einer gestern stattgesundenen Versammlung, daß alle Kutscher, welche Unterstützungen erhalten, sich verpflichten müsien, die Arbeit erst dann wieder auszunehmen, wenn dies von der Leitung der Ausständischen beschlossen wird. Dünkirchen, 21. August. Die hiesigen Hafenarbeiter beschlossen gestern abend, in einen allgemeinen Busstand einzutreten. Konstantinopel, 21. August. Die türkischen Behörden befürchten den Ausbruch einer revolutionären Bewegung für den 13. September, am Jubiläumstage des Sultans. Eine große Anzahl von Verhaftungen ist aus diesem Anlaß angeordnet worden. A 11 AvKfl oVl (Hessen) zw. Darmstadt u. Heidelberg. Hotel U. Pension „zur Krone«, Sommerfrische. Pensionsprospekt u. Fahr. grat. Bee : G. Diefenbach IVL i Konversation}; - Lexikon uek ran MteneWerke) sowie alle andern Bt gegen Teilzahlungen von monatl. 3M. an * Sperling, Buchhandlung, Stuttgart VIL * Schott 1870 5579 Anmeldungen werden in der Schule angenommen. Antwerpen. Cmerts mit firm» nach 03 Procent J.M. Schulhof. Stadt WormS unk. b. 1901 4 4 Geldsortenr Brief C. Röhr & Co. 03427] Stübchen mit Bett zu berm., Waus bürg 9. 2889 auch mit Kost. 206.40 Darmst. Bk.-Actien FSahnhofstrahe 34. 03430 Section Verantwortlich für den allgemeinkri Teil: I. B.: A. Steffexhagen; für den Anzeigenteil: HanS Beck. — Druck und Verlag llerWedeilts Vermietnnnen Miet g etliche ri eeeine Eene Stellen 3u verknusen 3 3 4 4 94.90 85.80 92.40 99.40 OO.CO 4 1000] 59/ 690 91 [400] 815 21 96V 99 (400 ) 32 1 " :i>n<>0i 504 44 47 677 797 817 953. - bec Brühl'fch-N und Steiadruckmi (Pi-tsch Erbin) in /§[ucke jungen, flinken Arbeiter zum Reinigen und Reparieren von Herren- und Damengarderobe. 03440 Kar» Herr, Lindenplatz 9. 03443] Ein Pferdeknecht sofort ge- sucht. Ehr. Haubach I. 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