Mittwoch de» 22. August 1900 Erstes Blatt Amts« und Anzeigeblatt für den Kreis Gieren. «««•Mae W« l*|tt|ee ju bet jSr I* Jil|inl« Stf «ßchii»tnber. Guineer Hl wnn. M W glcjne*prcu wtertdjäbrl. Ml. IM monatlich 75 P>, mit Cnngetiobn; durch bu Ldholc-rL«M merlkljährl Mk \M monatlich 65 vei Postbezug «k. 2,40 DurteljiNL mit vestestgeld. Lle Lnz«ßkn-vermiMu»ß«fteLev bei In- und luilouHF uehrnen A«,eigen für den Gießener Anzeiger eutgig». Zeileupreii: lokal 12 Pfg., euiroärti 20 Pfg MMMm, e^Kbltwn und 3)rudern: >4el#t<6< Nr. 7. Adresse für Depeschen: A«,tiger GiitzMU. Fernsprecher Nr. 5L GrMsbeüagr«: Gießener Familienblätter, Der hrWche Landwirt, Kälter für ßeMche DMÄwnde.______________ AMicher Teil. Bekanntmachung. DaS Proviantamt in Hanau kauft gesunden, trockenen And gut gereinigten Roggen und Hafer, sowie gutes, gesundes Heu und Roggenstroh. Zur schnellen Abfertigung wird es wesentlich beitragen, wenn daS Getreide zu einem gleichmäßigen Gewicht eingesackt wird. Die Adresse für Bahnsendungen ist: „Proviant-Amt in Hanau—Nordbahnhof. Fracht- und Absuhrkosten von der Bahn trägt Verkäufer. Die Absuhrkosten betragen für Roggen und Hafer 6 Pfg. für Heu und Stroh 15 Pfg. pro Gentner. Alles Nähere ist bei dem genannten Proviant-Amt zu erfragen. Die etet*er Werben dem Anzeiger te «MM ■* .H-ö •**e*r m. JBUtVx O* H Mlfunbr1 mit einem Jubel ausgenommen, der selbst für Italien ganz ungewöhnlich genannt werden muß. Nicht nur daß jeher Latz mit langem Beifall begleitet wurde, in dem der König seines Vaters, seiner Mutter und Gattin, der Dynastie und des Heeres gedachte, gerade in dem Teil der Rede, der noch am ehesten programmatisch genannt werden kann, wurden die stürmischsten Ovationen laut. Als er erklärte, er besteige den Thron furchtlos und ziel- bewußt, er kenne seine Königspflichten, aber auch seine Recl)te, er wolle für Italien den inneren Frieden wie den äußeren und rechne aus die loyale Mitwirkung aller Vaterlandsfreunde, da erzitterte der alte Sitzungssaal des Palazzo Madama, so orkanartig durchbrauste der Jubel die Luft, der Jubel derselben aber, gegen die sich so eigentlich der Wunsch des Volkes nach stärkerer Kron- initiative richtet.' Auch, sie riß der Augenblick und ihr monarchisches Gefühl unwiderstehlich fort. Natürlich wäre ein zu großes Vertrauen schon letzt verfrüht und einfacher Optimismus. Nicht mit Worten kuriert man Italiens schwere Leiden, nicht mit Applaus schließt man die Wunden, aus denen die Nation blutet. Nur ist es andererseits auch nickst rickstig, wenn man an der Rede des Königs bemängelt, daß sie nur im Allgemeinen von Msichten spricht, ohne anzugeben, wie fte in die That umgesetzt werden sollen. Man darf nicht vergessen, daß der Rede vom 11. August ein ganz bestimmter Charakter von vornherein zugewiesen war. Es war und ist offiziell beschlossen worden, im Laufe des Sommers die Session der Kammern zu schließen und die neue Session im November mit einer Thronrede des Königs zu eröffnen. Dieser erst wird die Aufgabe zufallen, speziell einzugehen auf die Pläne und Gedanken, durch die die neue Aera sich von der alten zu unterscheiden gedenkt, während sich der König jetzt nur im allgemeinen einführen wollte. Auch für den Herbst wird man aber gut thun, zu erwägen, daß Viktor Emanuel III. nicht anders konnte, als zunächst das Ministerium im Amte zu lassen, das er vorfand. Es darf daher nicht Wunder nehmen, wenn auch» die Thronrede im November nicht gleich eine radikale Umwälzung in den Anschauungen bringt, ganz abgesehen davon, daß Zwangskuren dem Lande nicht von Nutzen wären Da der König Initiative und energische Aktion der Krone ausdrücklich angekündigt hat, so kann man nicht daran zweifeln, daß diesen Worten ganz bestimmte Handlungen folgen werden. Inzwischen ist über d.ie neue Aera auf einem Gebiete schon eine Diskussion eröffnet worden und zwar von keinem Geringeren als Francesco Crispi, Italiens bedeutendstem Staatsmann selbst. Wohl angeregt durch die Nachricht, daß der neue Monarch sich stets eifrig als Freund einer sozialen Reformgesetzgebung bezeichnet habe und sich in diesem Punkt einen Bewunderer Deutschlands nennt, tritt Crispi in einem Artikel der „Tribuna" auch seinerseits für ein Programm ein, das positive soziale Reform mit strenger Unterdrückung des Umsturzes vereinigt. In seiner geistvollen Art führt Crispi aus, wie sehr Italien darunter leide, daß die Funktionen der einzelnen sozialen Klassen nicht in innerer Übereinstimmung stehen und daß eine soziale Reform großen Stils in Italien nur die Versöhnung von Kapital und Arbeit erstreben dürfe. Verwerflich wäre daher jede Gesetzgebung, die einseitig nur das Kapital oder nur die Arbeit schützt; letzteres besonders, weil in Italien der kleine Besitzer und Handwerker dieselben sozialen Erfordernisse habe, wie die Lohnarbeiter. Deshalb müsse man rasch gute, soziale Reformgesetze beschließen. Anscheinend und theoretisch hat der greise Staatsmann mit Allem Recht, nur in der italienischen Praxis erhebt sich ein Widerspruch. Wir haben hunderte von Fällen die beweisen, daß es in Italien nicht genügt, ein Gesetz ru machen, man muß auch daran festhalten, day es ausgeführt wird. Um nur ein Beispiel der jetzigen Praxis gerade ia zum Juni 1900. III. Die Jnteressenzonen der einzelnen Mächte werden üou der bis dahin amtlichen chinesischen Regierung natürlich' nicht anerkannt, denn hierdurch würde letztere die Ansprüche- und Anrechte auf große Gebiete gut heißen. Schon die Bezeichnung „Jnteressenzone" (deutsch: Einflußgebiet), eines der heute am häufigsten gebrauchten Schlamvörter, ist leichter gesprochen als bündig erklärt. Die Begriffe der verschiedenen Einflußgebiete, welche gewissermaßen von den Mächten mit einem kühnen Strich, auf der Landkarte gezogen sind, haben vorläufig eher die Bedeutung von Fingerzeigen als diejenigen einer feststehenden Abgrenzung. Sie geben an, daß die betreffende, an dem bezüglichen Gebiete „interessierte" Macht Eingriffe einer anderen m das von ihr bezeichnete Gebiet unangenehm vermerken werde. Wenn es vielleicht verfrüht sein dürfte, schon jetzt die Umgrenzung dieser Einflußgebiete näher zu bestimmen, da die Anschauungen der Mächte teils weit auseinander gehen, teils nicht klar ausgesprochen sind, so ist der Beginn der jetzigen Wirren doch ein Zeitpunkt, in welchem die ungefähre Lage der genannten Gebiete in Erwägung gezogen werden'muß. r r u 1 Wir gehen davon aus, was die Machte auf dem chinesischen Festlande selbst unbeschränkt besitzen. Es sind vorerst nur kleine Stücke, nämlich: Rußland: Port Arthur und Talienwan, Deutschland: Kiautschou, England: Wei-hei-wei, Hongkong mit Kaulung, Frankreich: Tongking. Die anderen an das Meer angrenzenden Landmassen gehören zu den Einflußgebieten der Mächte mit Ausnahme der Provinz Tschili, in welcher Peking und Tientsin liegen. Hier, am Mittelpunkt der chinesischen Zentralregierung und zugleich am Ausgangs- und Brennpunkt des Aufstandes gegen die Fremden, berühren sich die Interessen aller Mächte, wodurch das einheitliche Eingreifen m beruhigender Weise gefördert wird. Rußland, die Hauptmacht in Nordasien, hat bereits dre Hand auf die ganze Mandschurei gelegt und dieses Land mit Item Netz seiner Bahnbauten, zu welchem ständige Truppenkommandos gehören, durchzogen. Ter Golf von Liau-tung wird von Rußland beherrscht: im Osten besitzt e* Port Arthur, im Westen reicht fein Einfluß bis Schan- hai-kwari, dem Endpunkt der jetzt so viel genannten und heiß ti mftrittenen Eisenbahn nach Taku-TientsimPeking. Korea, seit 1897 unabhängiges Kaiserreich, kann, obgleich es nicht direkt die chinesische Frage berührt, bei Abwägung der letzteren unmöglich außer Betracht bleiben. Durch Vertrag von 1896 hat Japan auf jeden Einfluß in Korea verzichten müssen und hiermit die bittere Erkenntnis empfuw den, daß sein siegreicher Krieg ihm nicht die so sehnlichst erhofften Früchte gebracht hat. Aeußerlich hat Rußland nicht mehr Rechte in Korea als Japan; beide Staaten dürfen eine gemeinsame Kontrolle der koreanischen Finanz- wirtschaft ausüben, sowie zum Schutze ihrer Telegraphenlinien und Niederlassungen kleine Gendarmeriekommanvos halten. In Wahrheit nimmt aber Rußland die bevorzugte Stellung in Korea ein, denn es hat die dortigen einge borenen Truppen durch seine Instrukteure ausgebildet luw umschließt das Land von allen Seiten territorial So hat es auch vor wenigen Monaten den Hafen von Masampo (an der Südspitze von Korea, nicht weit roeftlid) der Stavt Fnsan) erworben und dort die ersten Anlagen zu dem längst begehrten, eisfreien Kriegshafen im Stillen Ozean zetrvssen Japan hat nachgegeben, weil es wegen der militärisch angeblich wenig hervortretenden Bedeutung °°n Masampo keine ernsten Berwickelungen wollte, ig einerseits durch die inneren politischen -^'^^ketten, andererseits aber durch »je drohend herauM-henden cht- befischen Wolken jetzt nicht erwünscht sein konnten, japanischen Parlamente hat Eraf Ito die unzufriedenen Summen damit vertröstet, daß Japan auf der Insel Tfu- sima dicht vor Mafampo einen Kriegshafen besitzt, welcher jene fragwürdige russische Erwerbung völlig beherrscht. Ta die jetzigen Wirren hauptsächliche den tcoroeu Chinas berühren werden, so ist nicht zu bestreiten, daß hauptsächlich! Rußland und Japan betroffen suid, wenn auch alle anderen Mächte durch die blutigen Thaten zu Peking in Mitleidenschaft gezogen sind und daher nicht zurückstehen können. Rußland und Japan aber sind natürliche Widersacher an Ostasien, ein Punkt, welcher sich nicht bemänteln läßt und bei Beurteilung des militärischen Eingreifens der Mächte gegen China zu beachten ist Japan, das verhältnismäßig nur kleine Jnselreich, sucht nicht allein für seine kraftvoll aufstrebende Industrie, sondern auch -für seinen beruhigend schnell anwachsenden Menschenüber- sluß geeignete Msatzgebiete. Ein solches Gebiet glaubten die Japaner im nahegelegenen Korea und den benachbarten -mandschurischen Landstrichen gefunden zu haben. Aber kaum haben fke China stegreich aus dem Feld egeschlagen, La. macht "ihnen Rußland den Preis streitig, indem es selbst Korea ^nd die Mandschurei als Durchgangsgebiete nachdem Ozean fordert. Rußland ist auf dem besten Wege, seinen großen Plan zu verwirklichen- Schon besitzt es in Wladiwostok und Port Arthur starke Stützpunkte, wenn aber erst die sibirische Bahn bis Wladiwostok und bis Port Arthur — beide Linien durch die Mandschurei — fertig sein wird, so muß Rußland militärisch und politisch der mächtigste Staat in Ostasien werden. Zur Zeit geht die Bahn bis Strjetensk in Sabaikalien, 1903 spätestens wird die Mandschurei durchquert sein. Allerdings ist der Kampf in China für Rußland dennoch etwas zu früh ausgebrochen, immerhin aber kann es mit Hilfe jener Teilstrecke und der Amur-Tampfschiffahrt Truppen nach China werfen. Die Gegnerschaft zwischen Rußland und Japan in Ostasien birgt eine unheimliche Menge von Zündstoff, allein beide Staaten — und mit ihnen alle in Ostasien interessierten anderen Mächte — verhehlen sich nicht, daß die Wirkung des Zusammenstoßes furchtbar sein wird. Hierin aber liegt wiederum die Gewähr, daß die Mächte eine vorsichtige, den Krieg vermeidende Politik einschlagen werden. An das russische Einflußgebiet reiht sich nach Süden hin die, wie gesagt, noch nicht beanspruchte Provinz Tschili mit Peking, doch strebt Rußland nach Einfluß auf die Provinz Schansi (westlich und südwestlich von Tschili). Der Bau der chinesischen Zentralbahn (Peking-Kaiföng-HanLau am Jang-tse-Kiang) würde das norochinesische Netz mit den Häfen am mittleren Jang-tse-Kiang, mit dem Hauptproduktionsgebiet des Thees um Hankau, verbinden. Diese Bahn vereinigt russische und englische Interessen; sie soll, wie es bei ihrer Konzession hieß, allen Mächten zugute kommen und das so oft gebrauchte Schlagwort der „Politik der offenen Thür" in China bewahrheiten. Uebrigens hat gerade die Anlage dieser Bahn die Gemüter stark erregt, da-sie das Her^ Chinas durchfchneidet. Deutschlands Einflußgebiet umfaßt die stark bevölkerte, wichtige, aussichtslose Provinz Schantung, ein Land mit bedeutenden natürlichen Schätzen, doch nicht ohne Gefahr für Kämpfe mit der ziemlich hoch stehenden Bevölkerung. Deutschland hat nicht gezögert, das Hinterland von Kiau- tschou durch die Eisenbahn Tsintau-Tsinau zu erschließen und dieser Hauptlinie ein Netz von Nebenbahnen anzugliedern. Leider scheint der auch, in Schantung ausbrechende Aufstand dre Bahnbauten gestört zu haben. England, welches sich an der Nordostspitze von Schantung in Wei-hei-wei festgesetzt hat, ist durch die Verpflichtung gebunden, daß es nicht in den deutschen Einflußkreis nach Schantung übergreifen wird. Tschifu (Nordküste von Schantung) hat sichj bis jetzt internationale Bedeutung erhalten. Das Thal des Jang-tse-kiang, die Hauptader des zentralen Chinas, betrachtet England als sein Einflußgebiet, obwohl gerade hier die Interessen aller Nationen an der Schiffahrt auf dem gewaltigen Strome beteiligt sind. Englands Absichten erstrecken sich vorzugsweise aus die Provinzen Kiangsu (mit Shanghai), Nganhwei (mit Nanking), Hupe (mit Wutschang und Hankau), doch, dürfte es nicht leicht sein, gerade diese dicht bewohnten Länder gegen andere Ansprüche oder Gegenströmungen zu behaupten. Aus die südlich sich anschließende Provinz Tschekiang (mit Hangtschou und Ningpo) scheint Italien seine Aufmerksamkeit gerichtet zu haben, wenngleich diese Aussichten mehr ideellen als praktischen Wert haben dürften. Ebenso fraglich sind die Hoffnungen Japans auf die der japanischen Insel Formosa gegenüberliegenden Provinz Fokion (mit Futschou und Amoy) nebst deren Hinterland Kianasi. Die Südprovinzen Kwangtung (mit Kanton) und Kwangsi, sowie die gebirgige, von kriegerischer Bevölkerung bewohnte Binnen-Provinz Jünnan beansprucht mit Nachdruck Frankreich- welches das dem Namen nach noch chinesische Tongking längst förmlich einverleibt hat. Indessen macht England sowohl Kwangtung als Hinterland von Hongkong, wie auch Jünnan als Grenzland des britischen Birma (Hinterindien) streitig. Französische und englische Ansprüche stehen sich hier ziemlich schroff gegenüber. Aus Stadt und Kaud. Gießen, den 21. August 1900. * * Personaluachrichten. Dem Psarrverwalter Jakob Biegler zu Pfeddersheim, Dekanat Worms, wurde die evangelische Pfarrstelle daselbst übertragen. • • Auszeichnung. In der Kollektivausstellung der deutschen Gesellschaft für Mechanik und Optik in Paris wurde in der Abteilung L: „Metrologie", und in Abteilung HL b.: „niedere Geodäsie", der Mathematisch- physikalischen Wertstätte von W. Spörhase, vormals C. Staudinger u. Co. hier, die goldene Medaille erteilt. * * Das Regierungsblatt, Beilage Nr. 22, vom 18. August enthält: 1. Bekanntmachung, die Wahl der Beisitzer zum Schiedsgericht in Bauunfallfachen des SelbstversicherungS- verbandes der Kreise des Großherzogtums Hessen betreffend. — 2. Bekanntmachung, die Organisation der Unfallversicherung betreffend. — 3. Bekanntmachung, das Schiedsgericht für Invalidenversicherung im Großherzogtum Hessen betreffend. — 4. Bekanntmachung, die Organisation der Unfallversicherung, sowie der Invaliden- uud Altersversicherung betreffend. — 5. Vorlesungsverzeichnis der Großherzoglich Hessischen Ludwigs-Universität zu Gießen für das Winterhalbjahr 1900/1901. — 6. Bekanntmachung, Vorarbeiten für eine elektrische Straßenbahn von Bad-Nauheim nach Friedberg betreffend. — ?. Bekanntmachung, Vorarbeiten für eine Kleinbahn von Gernsheim nach Zwingenberg betreffend. — 8. Bekanntmachung, den Steuerausschlag zur Bestreitung der Bedürfnisse der Land- udenschaftskasse für das Rabbinat Darmstadt II für 1900/1901 betreffend. — 9. Bekanntmachung, die für das Etatsjahr 1900/1901 zur Bestreitung der Kommunalbedürs- niffe der Stadt Bingen zu erhebenden Umlagen betreffend. — 10. Bekanntmachung, die Umlagen, zur Bestreitung der Bedürfnisse der israelitischen Religionsgemeinde Gensingen ür 1900/1901 betreffend. — 11. Bekanntmachung, die für >aS Jahr 1900/1901 zur Bestreitung der Bedürfniffe der israelitischen Religionsgemeinde des Kreises Mainz. — 13. Dienstnachrichten. — 14. Konkurrenzeröffnungen. • • Krankenkassen und Aerzte in Hessen. Die Aerzte deS Großherzogtums Hessen sind bestrebt, mit den Krankenkaffen des Landes andere, für sie günstigere Vereinbarungen zu erreichen. Nach einem Beschlüsse des Landesverbandes der )esfischen Aerzte werden darüber statistische Erhebungen von amtlichen Aerzten des Landes gemacht, wie hoch sich aus hren Einnahmen das Honorar für die Einzelleistung, resp. ür jeden einzelnen Besuch berechnet. Auf Grund dieses fier gesammelten Materials sollen dann weitere Schritte in neser Angelegenheit gethan werden. b. Klein Linden, 20. August. Gestern hielt unser Kriegerverein eine 30jährige Gedenkfeier der Schlacht bei Gravelotte ab. Nachdem der Verein um 722 Uhr an dem Gottesdienst teilgenommen hatte, ver- ammclte er sich am Nachmittage in der Gartenwirtschaft iur „Burg". Die ganze Gemeinde beteiligte sich an der chönen Feier, und die geräumigen Gartenanlagen waren kaum ausreichend, um die Teilnehmer alle auszunehmen. In der Festrede wurde aus die geschichtliche Bedeutung des Tage- hingewiesen und der gefallenen Veteranen gedacht. Sie schloß mit einem Hoch auf den Kaiser und unseren Landesherrn, Großherzog Ernst Ludwig, worauf der hiesige Posaunenchor das Lied „Heil Dir im Siegerkranz" intonierte. Unser hiesiger Posaunenchor nahm überhaupt regen Anteil an der Feier und trug durch seine Musikvorträge viel zur Verherrlichung des Festes bei, was auch in einer späteren Ansprache rückhaltlos und mit Dankbarkeit anerkannt wurde. Wohl noch nie ist der Schlachttag von Gravelotte in so erhebender Weise in unserer Gemeinde begangen worden. ! Grurtterg, 20. August. Mit dem am 23. dS. MtS. hier stattfindenden Vieh markt soll auch eine Fasel- schau verbunden werden. Von den vorgesührten Tieren werden die schönsten angekört werden. — Nach altem Brauche tagt am 25. August, dem LudwigStage, die Hauptversammlung des Spar- und Leihkasseverein S Grünberg, der sich aus sämtliche zum früheren Kreise Grünberg gehörigen Gemeinden erstreckt. -nn. Bon der mittleren Nidda, 20. August. Dank des seit einigen Tagen herrschenden schönen Wetters ist man mit den Erntearbeiten eher zu Ende gekommen, als man vor 14 Tagen bei der Ungunst der Witterung zu hoffen wagte. Nun zeigt es sich auch, daß der viele Regen nicht 'geschadet hat; denn es ist nichts ausgewachsen. Mit dem Ernteaussall kann man recht wohl zufrieden sein, wenn es auch nicht nötig werden wird, so viele Strohhausen ins Feld zu setzen, wie in den letzten Jahren. Im Durchschnitt wurden auf dem sog. kleinen Morgen (% Hektar) gebunden: Weizen 1 Fuder (30 Gebund), Korn V/a, Gerste V]a, Hafer 1% Fuder. Bis jetzt wurden im Durchschnitt auS- gedroschen vom Fuder Weizen 3, Korn 2y3, Gerste 3 und Hafer 4 Doppelzentner. — Von Jahr zu Jahr steigert sich bei uns im Landwirtschaftsbetrieb die Zuhilfenahme der Maschine. Die Aberntungskosten waren darum dieses Jahr trotz der fehlenden Arbeitskräfte nicht höher als früher. — Die Hackfrüchte haben sich bis jetzt ebenfalls recht schön entwickelt und versprechen einen sehr guten Ertrag. Nieder Florstadt, 18. August. Beim Häuserbau in der Nähe der Dorslinde stieß man beim Graben der Keller auf einige wohlerhaltene Skelette. Dieselben lagen nur etwa einen halben Meter tief. Die Leute erzählen, sie rührten von hier in früherer Zeit begrabenen Ruffen her (1813), doch scheint dies sehr unwahrscheinlich zu sein. Ein Skelett zeichnete sich durch die Dicke der Knochen aus, ein anderes (das sich im Besitze des Herrn v. Leonhardi befindet) ist wegen der Länge des Schädels sehr bemerkenswert; es scheint von einem Germanen aus den ersten Jahrhunderten n. Ehr. G. herzustammen. Ein Grab war mit weißem Sandstein ausgestellt, was auf römischen Ursprung hindeutet. Neben Knochenresten fand matt darin die Reste eines Halsbandes, in Perlen und runden Steinchen bestehend (im Besitze von Dr. Metzner). Allem Anscheine nach hat man es mit einer römisch-germanischen Grabstätte zu thun. (N. F. Ztg.) b. Friedberg, 20. August. Der hiesige Veteranen- und Militärverein feierte am 19. und 20. August den 30. Gedenktag der Schlacht bei Gravelotte und zugleich die Einweihung der neuen Vereinsfahne. Eine kleine Vorfeier fand bereits Samstagabend auf dem Festplatze statt. Am Sonntag früh 6 Uhr war Weckruf. Um Va9 Uhr marschierte der Verein nach dem Friedhose, wo er eine Gedenkfeier am Grabe der Krieger abhielt, die 1870/71 hier beerdigt wurden. Mehrere Kränze wurden niedergelegt und auch der Veteranen gedacht, die bereits in frühem Siechtume verstorben sind. Hieraus nahm der Verein mit den bereits eingetroffenen Gästen am Gottesdienste teil. Von 11 bis 12 Uhr war Konzert auf dem Fefiplatze, und während dieser Zeit wurden die auswärtigen Vereine empfangen, die sehr zahlreich aus der Nähe und Ferne eintrasen, sodaß ca. 25 Vereine anwesend waren. Der stattliche Festzug bewegte sich um Vi3 Uhr vom Mainzerthor aus durch die prächtig mit Fahnen^ und Blumen geschmückte Kaiserstraße nach der Burg und dem großen Festplatze auf der städtischen Seewiese. Hier hielt Präsident Dönges die Begrüßungsrede; er besprach die Bedeutung des Tages, nahm Abschied von dem alten, teueren. Panier und begrüßte die neue Fahne; sein Hoch galt dem Kaiser und Großherzog, worauf die Musik „Heil Dir im Siegerkranz" spielte. Oberstleutnant Cramolini, der Vor- itzende des HassiaverbandeS, weihte nunmehr die neue Zahne und betonte die wichtige Bedeutung, die die Fahne chon seit alters her hat; er forderte zu Treue für Kaiser und Reich, Fürst und Vaterland auf und übergab die Fahne dem Präsidenten und dieser dem Fahnenträger, der versprach, der Fahne treu zu sein bis zum Tod, wie kS einem echt deutschen Krieger geziemt. Hieraus überreichte- Geh. RegierungSrat Dr. Braden das vom Kaiser verliehene Fahnenband mit Fahnennagel. Seine markige Ansprache chloß mit einem Hoch auf daS liebe deutsche Vaterland. Präsident DongeS übernahm dieses Zeichen der Huld des obersten Kriegsherrn mit Worten innigster Dankbarkeit. Er agte, Bänder und Nägel seien von jeher Befestigungsmittel gewesen, und so solle das Fahnenband und der Fahnennagel uns fortan noch inniger und fester mit dem geliebten Kaiser verbinden. Im Namen des Vereins legt Redner >as feierliche Gelöbnis ab, allzeit dem Wahlspruch treu zrr ein: „Mit Gott für Kaiser und Reich!" Unter Leitung >eS Dirigenten Hertel wurde hieraus daS erhebende, feierliche Weihelied vorgetragen. Die ehemaligen Friedberger Jäger, )ie recht zahlreich erschienen waren, versammelten sich alS- rann uud feierten im Beisein eines ihrer Führer, Oberstleutnant Cramolini, ein frohes Wiedersehen. Es begann nunmehr bei Konzert und Tanz ein lebhaftes Treiben auf )em Festplatze. Kaum vermochte der geräumige Festplatz die Zahl der Gäste zu fassen. In jeder Hinsicht hatte der sestgebende Verein den Wünschen der Teilnehmer Rechnung getragen. An die verschiedenen WirtschattShallen reihten sich Buden an Buden; ein Doppelkarussell, Schieß- und Photographiehalle, Waffelbäckerei u. s. w. waren vorhanden. Bei einbrechender Dunkelheit stellte der hiesige Turnverein prächtige Pyramiden und lebende Bilder, die die Feieraußerordentlich verschönerten. Einen erhebenden, herrlichen Verlaus nahm daS ganze Fest dank der günstigen Witterung und den genauen Vorbereitungen des festgebenden Vereins und dank der schönen Musikvorträge, die von der Kapelle des 2. bayerischen Jäger-BataillonS (Aschaffenburg) auS- geführt wurden. § § Seder», 19. August. Große Aufregung mußte heute eine hiesige Familie erleben. Ein hiesiges Mitglied des Kriegervereins war auf daS Kriegerfest nach Ober- Seemen gegangen, während die Ehefrau nebst zwei Kindern zu Hause blieb. Das älteste derselben, im Alter von drer Jahren, entfernte sich' am Nachmittag aus der Wohnung, und die Mutter war der Meinung, daß dasselbe wie gewöhnlich mit seinen Kameraden spiele. Als es aber zu lange blieb, ging die Mutter aus die Suche, aber nirgends war das Kind zu finden. Nach langem Suchen kam man auf den Gedanken, daß es wohl nach Ober-Seemen gegangen sei, um zum Vater 'zu kommen. ES wurde nun dorthin geeilt, und richtig war der kleine Racker, obwohl schon die Dunkelheit eingetreten war, noch aus dem Festplatze. Er hatte also den Weg über den Berg, nahezu eine Stunde, ganz allein gesunden. §§ Hercheuhain, 19. August. Von Seiten des Tiefbau- amtS Franksurt a. M. sind durch einen Beamten kürzlich verschiedene Quellen in den Gemarkungen Herchenhain, HartmannShain, dem Oberwald usw. zum Ankauf ausgesucht worden. Es sind geaichte Waffertröge an die Quellen gelegt worden, und die Messung der Leistungsfähigkeit jeder Quelle ist dem hiesigen Flurschützen übertragen worden. Allem Anschein nach ist jetzt der Ankauf weiterer Quellen in unserem Vogelsberg sicher. Dem Vernehmen nach sollen diese Quellen zusammen mit der Wafferleitung Fischborn nach Frankfurt a. M. geführt werden. ft Bermuthshain, 20. August. Das fünfjährige Söhnchen des hiesigen Landwirts und Musikus Jakob Lauser fiel von einer Leiter in der Scheuer rückwärts in die Tenne, wobei das Kind einen Schenkelbruch erlitt. Darmstadt, 17. August. Der Jahresbericht der Darmstädter Handelskammer für 1899 führt in seinem allgemeinen Teil, nachdem er das Wirtschaftsjahr 1899 im allgemeinen als ein sehr gutes bezeichnet hat, folgendes über die bevorstehenden Handelsvertragsverhandlungen aus: „Wenn wir auch die Zustimmung zum Fleischbeschaugesetz mit Bedauern wahrgenommen haben, so wollen wir doch auf das bestimmteste hoffen, daß sich die Reichsregierung dem Drängen der Agrarier gegenüber stark genug erweisen wird, um die einseitige Ausgestaltung der Handelsverträge zu verhindern. Es wäre ein nationales Unglück, wenn die Reichsregierung die Redaktion der Handelsverträge unter dem Drucke weitgehenden Eigennutzes der Agrarier vornehmen würde. Nichts konnte der überwältigenden Mehrheit des deutschen Volke» größere Einbuße verursachen, als eine Tarifpolitik, die kurzsichttgew und egoistischen Bestrebungen nachgiebt. Industrie haben ein warmes Interesse an dem Wohlergehen der Landwirtschaft, aber auch den anderen Faktoren- der Nationalwirtschaft muß er wohl-rgeh-n, wenn durch den U-b-rschuß ihrer Produlte da« Ausland für alle- das bezahlt werden soll, wofür wir dem Auslande für die Be- dürfnisfe de» täglichen L-benS unter allen Umstanden tribul- vstichtia find. Eine Tarifpolitik, die uns in Zollkriege mit wirtschaftlich befteundeten Nationen treibt, schädigt nicht minder Industrie wie Handel. Möge darum die deutsche ReichSreaierung beim Abschluss- neuer Handelsverträge von dem Streben geleitet werden, unsere auf den Export an. gewiesene Industrie aus dem Weltmärkte konkurrenzsähig zu erhalten und unserem Handel die Wege zu gedeihlicher Wirksamkeit zu ebnen, denn daS Wohlergehen der immer rascher wachsenden Bevölkerung Deutschlands erfordert, daß seine industrielle und kommerzielle Thätigkeit im Gesamt- interesse deS Reiches erhalten und gefördert werde.- Aus dem Jahresbericht der Grotzh. Handelskammer zu Gießen. Verkehrswesen. A. Eisenbahnwesen. Im Laufe des Jahres übernahm Herr Thome- Frankfurt als Nachfolger des hochverdienten Eisenbahn^ Drrettionspräsidenten Becker die Amtsgeschäfte als Präsident der Königlichen Eisenbahndirektion Frankfurt a.M. Die Kammer sieht in der seitherigen verdienstvollen Thätigkeit des Präsidenten Thome auf dem Gebiete des Verkehrswesens eine Bürgschaft für ein segensreiches Wirken desselben in seinem neuen Tirektilonsbezirke. Unsere Bemühungen uni Verwirklichung des Bahn Projekts Mücke - Ulrichstein - Rixfeld setzten wir fort. Um eine Grundlage für unser Eintreten zu haben, ließen wir uns von dem Eisenbahnkomitee Mücke- Ulrichstein eine, ausführliche Rentabilitätsberechnung vor- lcgen. Bei der zweiten Kammer der Landstände wurden wir deswegen mit einer Eingabe vorstellig. Auch im Berichtsjahr war es unser unablässiges Bestreben, für Verkehrserleichterungen auf den für unfern Bezirk wichtigen Linien einzutreten. Schon bei Ausgabe unseres vorjährigen Jahresberichtes konnten wir mit Genugthuung seststellen, daß vom 1. Mai 1899 ab die Einlegung von Schnellzügen Gießen-Betzdorf Hagen und eines Schnellzugpaares auf der Main-Weser-Bahn erfolgt sei. Jedoch bot uns der Umstand, daß zwischen Mittag und Mitternacht kein Schnellzug mit dritter Klasse Frankfurt verläßt, Veranlassung im Verein mit Schwesterkammern und anderen Interessenten aus Beseitigung dieser Verkehrserschwerung, die weit über Kassel hinaus schmerzlich empfunden wird, hinzuwirken, und ließen wir demgemäß durch unfern Vertreter im Bezirks-Eisenbahnrat Frankfurt a. M. den Antrag stellen . „Verehrlicher Bezirks-Eisenbahnrat wolle das Bedürfnis der Einlegung eines Nachmittags- Schnellzuges mit dritter Klasse, Abgangszeit etwa 4 Uhr 20 Min. — wie im Sommerfahrplan-Entwurf für 1897 vorgesehen war — anerkennen und aufs neue dafür eintreten". Zu bedauern ist nur, daß unsere Bemühungen, bis jetzt von Erfolg nicht gekrönt worden sind. Angesichts des stetig wachsenden Verkehrs mit dem rheinischwestfälischen Industrie- und Koblengebiet muß das Fehlen einer durchgehenden Schnellzugsver- vindung.Gießen-Köln schwer empfunden werden. Wir ließen daher im Bezirks-Eisenbahnrat beantragen: 1. Wetterführung des Schnellzuges Nr. 81 von Betzdorf nach Köln. 2. Anbringung eines Schnellzugs für die Teilstrecke Köln-Betzdorf mit Anschluß an Zug Nr. 82. Auch dies unaufschiebbare Verkehrsbedürfnis harrt leider noch seiner Befriedigung und wird dieser Antrag darum bis zu seiner definitiven Erledigung den Bezirks-Eisenbahnrat stets aufs neue zu beschäftigen haben. Seit längerer Zeit bemüht sich die Kammer, zu erreichen, daß der von Mainz 12 Uhr 43 Min. in Frankfurt a. M. ankommende, den Verkehr von den Pfälzerbahnen vermittelnde Zug Anschluß finde an den 12 Uhr 40 Min. abgehenden Schnellzug Frankfurt- Kassel. Die zuständige Eisenbahndirektion hat sich trotz der geringen Zeitdifferenz, deren Ausgleichung dem Uebel- stand abzuhelsen in oer Lage wäre, unserm Wunsche bis jetzt gegenüber ablehnend verhalten. Doch wurde uns in letzter Zeit die Zusicherung zu Teil, daß bei der nächsten internationalen Fahrplan - Konferenz der beantragte Anschluß befürwortet werden solle. Auch im Betriebsjahre traten wir unausgesetzt für Einlegung eines Frühzuges vor Zug 523 Gr e ß e n - A ls s el d und eines Gegenzuges zwischen den Zügen Nr. 528 und 530 ein. Doch lehnte die Eisenbahndirektion eine Zugvermehrung ab, da die geringe Frequenz eine solche fiskalische Aufwendung zurzeit nicht rechtfertige, lieber eine kleine von ihr bewilligte VerkehrSerleichLerung konnten wir bereits'in dem letzten Jahresbericht Mitteilung machen. Im vorjährigen Jahresbericht konnten wir eine ausführliche Darlegung über den Stand des Eisenbahnprojektes Alsfeld-Hersfeld geben. Obwohl der hessische Landtag in seinen beiden Kammern unserer Regierung die Förderung dieses Projektes anempfohlen hat, obwohl durch Anlage der Bahnstrecke Hersfeld-Treysa nur noch eine Anschlußstrecke Nieder-Aula-Hersfeld herzustellen nötig ist, ruhte bisher die Angelegenheit. Die Kammer hat beschlossen, aufs neue in geeigneter Weise Anregung zu geben, damit endlich diese für die wirtschaftliche Entwickelung jener Gegend und den Durchgangsverkehr so wichtige Linie zur Lttrsführung kommt. Es sollen Anträge sowohl an den Landtag wie an den Minister der öffentlichen Arbeiten in Berlin abgehen. Im nächsten Jahresbericht werden wir in der Lage sein, über den Erfolg Mitteilung zu machen. 13. Heuttülverlsulmlüug des EevtrsLoerbaildes deutscher Sauf- leute und Sewerbelreideuder Stettin, 19. August. Heute trat hier unter dem Vorsitz seines langjährigen Präsidenten Senator Schultze-Gifhorn die diesjährige (13.) Generalversammlung des Zentraloerbandes deutscher Kaufleute und Gewerbetreibender, der ältesten, größten und rührigsten Jnteressen-Vereinigung des gewerblichen und kaufmännischen Mittelstandes, zusammen. Aus der Tagesordnung stehen u. a. ein Referat des Stadtverordneten Kaiser-Breslau über die verderbliche Wirkung der täglich neu auf tauchenden Syndikate für den Detailhandel, sowie eine Stellungnahme zu den bekannten Aeußerungen des Oberbürgermeisters Bender-Breslau. Hierzu haben die Berliner Vereine der Kolonialwarenbranche folgenden Antrag gestellt: Der Zentralverband erklärt es für dringend erforderlich, daß dem Oberbürgermeister Dr. Bender- Breslau für seine empörenden Beschimpfungen des Kleingewerbe- und Kleinkaufmannsstandes im Herrenhause, geschehen am 12. Juni d. Js., die gebührende Antwort gegeben wird: mit Rücksicht darauf, daß sie in der Oesfentlichkeit gemacht wurden, ist auch eine Rechtfertigung der Oefsentlichkeit gegenüber in geeigneter Weise erforderlich. Der Vorstand wird ersucht, diesen Auftrag auszuführen. Der Provinzialverband für Schlesien und Posen wünscht, daß das Gesetz vom unlauteren Wettbewerb dahin abgeändert werde, daß insbesondere bei den Ausverkäufen, Konkurs-, Totalausverkäufen rc. Nachschübe resp. Neuanschaffungen von Waren unbedingt verboten werden. Konknrswaren sollen nur in se paratenRäumen ausgeboten werden. Tie Gerichtsbehörden sind zu ersuchen, die freiwilligen Ausverkäufe durch Mc Gerichtsvollzieher, welche erstere den seßhaften steuerzahlenden Handels- und Gewerbestand aufs Schwerste schädigen, zu verbieten. Derselbe Verband beantragt, „die Staatsregierung resp. den Bundesrat dringlich zu ersuchen, die in der teilweisen Steuerfreiheit der Konsumvereine leider bestehenden Privilegien endlich zu beseitigen, um gleiches Recht und gleich Pflichten für alle zu schaffen." Ein weiterer Antrag betrifft die Frage des Saccharin, Zuckerin rc. und lautet: „Der Verbandstag hält .die Verbreitung des Verkaufs von Saccharin, Zuckerin, wie aller künstlichen Süßstoffe für eine weitere Sclstidigung im Kolonialwarenhandel und empfiehlt, diesen Artikel nicht zu führen und bei den gesetzgebenden Körperschaften vorstellig zu werden, daß eine entsprechend h o h e B e ste u e r - ung solcher Süßstoffe eintrete." Der „Verband selbständiger Kaufleute für Rheinland- Westfalen" beantragt: 1. bei der Regierung vorstellig zu werden, daß die Gewerbesteuer ganz aufgehoben wird; falls dies in absehbarer Zeit nicht angängig, daß auch die Rechtsanwälte und Aerzte zur Gewerbesteuer herangezogen werden. (Verein Bielefeld.) 2. Gleichstellung der Beamten in der Steuerzahlung mit den übrigen Staatsbürgern. (Verein Dortmund.) Der ,,Verein zur Wahrung städtischer und geschäftlicher Interessen in Koblenz" wünscht ein Verbot des Nach>- schiebens Yon Waren bei Ausverkäufen, die Errichtung von Detaillistenkammern und eine Kritik der Warenhaussteuer. Vom hannoverschen Verbände wird beantragt, 1. auf eine höhere Besteuerung der Wanderlager hinzuwirken und 2. gegen die Zentrale für Spiritusverwertung vorzugehen. Vom Verbände der Kaufleute der Provinz Sachsen, Anhalt und Braunschweig ist der Antrag eingebracht, daß der Zentralverband beim Reichspostamt vorstellig werde, daß für den Klein verkauf von Postwertzeichen eine entsprechende Vergütung gewährt werde. Schließlich wird noch vom Schutzverein in Greifswald (Pommern) die Forderung erhoben, „daß der Befähigungsnachweis wieder eingeführt werde und zwar in der Weise, daß jeder, der ein Geschäft oder Handwerk anfangen will, drei Jahre gelernt haben muß." Vermischtes. * Koburg, 19. August. Eine furchtbare Brandkatastrophe hat das benachbarte Dorf Großwalburg heimgesucht. Gegen 11 Uhr brach unmittelbar neben der Kirche Feuer aus. In einer Viertelstunde stand der südwestliche Teil des Dorfes in Flammen. Nach zwei Stunden lagen 18 Wohnhäuser und 24 Scheunen mit Nebengebäuden in Asche. Menschenleben sind nicht zu beklagen, doch sind viele Vorräte verbrannt. Die Koburger Feuerwehr wurde in einem Extrazug zur Brandstelle befördert. Nach mehrstündiger Arbeit war der Brand gelöscht. * Budapest, 19. August. Der Advokaturkonziplent DolmonkoS wurde von dem Oberst eines Jnfaut.-RegtS., das über den Zollamtsplatz marschierte, durch Säbelhiebe schwer verwundet. DolmonkoS soll angeblich das Pferd des Obersten mit dem Stock geschlagen und sodann den Obersten mündlich insultiert haben. Die Untersuchung ist eingeleitet. • Agram, 19. August. Die 300 Mtr. lange Eis en- brücke zwischen den Stationen Sulcan und Lucin stürzte Freitagvormittag in dem Augenblick ein, als ein Personenzug in voller Fahrt die Brücke passierte. Die Lokomotive stürzte in den Zsils Fluß, die Personenwagen fielen glücklicherweise aus das stehen gebliebene Brückenteil; der Heizer und Lokomotivführer konnten sich retten. Die Ursache des Einsturzes ist in den Regengüsien der letzten Wochen zu suchen. __________ _ Kunst md Wissenschaft. Parts, 19. August. In der Klaffe VIII (Stiche und Lithographien) erhielten von Deutschen große Preise: Köpping und Menzel; goldene Medaille: Forberg, Meyer und der Original-Radierungsverem; silberne Medaillen: Fechner, Holzapfel, Krüger, Doris Raab und Wolff. In Klaffe IX (Skulpturen, Medaillen- und Steinschneider) große Preise- Begas, Cipris Breuer, Robert Diez; goldene Medaillen: Adolf Brüt:, Adolf Hildebrand, Erich Höfil, Max Kruse, Rudolf Maison, W. Rüemann, Walter Schott, Franz Stuck, Louis Tüaillon; silberne Medaillen: Gustav Eberlein, Heinrich Epler, Ernst Geyger, Bernhard Heising, Ernst Herter, Hermann Wolz, Willy Widmann. In Klaffe X (Architektur) große Preise: Radke und Seidl; goldene Medaillen: Haller u. Cie, Hocheder, Licht, Thiersch; silberne Medaillen: Eggert, Ende, Griesebach, Hauberiffer, Littmann, Hoffmann, Olzen, Roßbach, Schmechten. Schaperstraße 5). Die Monatsschrift hat e» sich zur Ausgabe gemacht, Kenntnis und Verständnis für den geschrchrUchen und künstlerischen Wert unserer deutschen Burgen zu verbreiten und nach Möglichkeit zu erreichen, daß diese Zeugen deutscher Vergangenheit vor dem Verfall bewahrt oder durch sachgemäße Bauarbciten in befferen Zustand gesetzt werden. Diese Ziele verfolgt der „Burgwart" durch Berdftentlichung größerer Aussätze historischen, architektonischen und kulturgeschichtlichen Inhalts, die durch zahlreiche gute Illustrationen geschmückt werden, während in einer sehr sorgfältig redigierten Rubrik ,®urgfnf4nu" über alle Vorgänge auf dem Gebiet der Burgenkunde berichtet wird DaS vornehm auSgestattete Blatt ist Organ der „Vereinigung zur Erhaltung deutscher Burgen-, die unter dem Protektorat Er. Hoheit des Herzog» Ernst Günther zu Schleswig, Holstein steht. Wegen der Mitgliedschaft (Beitrag 10 Mk. jährlich, einschließlich kostenfreier Zustellung de» „Burgwarts") wende man sich an den Schriftführer Bodo Ebhardt, Grunewald-Berlin, Jagowstraße 28a, wegen kostenloser Zusendung von Probenummern des „Burgwarts" an den Verlag. jan-mittschast. Lauterbach, 19. August. Am vergangenen Dienstag besuchte Landrat v. Steinmann mit der Körkommission des KreiseS Hünfeld unter Führung des Kreisrats Dr. Wallau und KreivkulturtechnikerS Kunz eine Anzahl Orte des KreiseS Lauterbach, um sich über den Stand der Simmenthaler Rindviehzucht im Lauterbacher Bezirk zu informieren und geeignetes Zuchtvieh für den Kreis Hünfeld, welcher auch die Reinzucht de« Simmenthaler Rindviehschlag» anfirebt, einzukaufen. Be« sichtigt wurden die Viehbestände in Maar, Angerübach, Stockhausen und Hof Rudlos, wohin noch teilweise Vieh aus den Orten Reuters, Sickendorf, Steinfurt u. a. gebracht worden war. In sämtlichen Orten sprach sich die Hünfelder Kommission in der anerkennendsten Weise über den Stand der Simmenthaler Rindvichzucht im Kreiß Lauterbach aus. Besonders konnte man in Angersbach und Rudlos wahrnehmen, wohin klare, zielbewußte und mit Verständnis durchgeführte Zuchtbestrebungen fuhren müffen. In Angersbach waren circa 100 Stück Großvieh Simmenthaler Reinzucht von nur kleineren und mittleren Landwirten in einer Kollektion zusammgestellt worden, wie sie schöner wohl kaum ein anderer einzelner Ort in weiterer Umgebung aufroelfen kann. Gewiß ein Zeichen, was durch Zusammenschluß der zersplitterten kleineren Kräfte zu erreichen ist. Auch an dieser Stelle sei bemerkt, daß, wie bereit- in anderen hochentwickelten Zuchtgebieten die rationelle Viehzucht hauptsächlich in den Händen der kleineren und mittleren Landwirte liegt, wir auch im Vogelsberg allmählig dahin gelangen müffen, daß diese Landwirte, zu Zuchtvereinigungen zusammengefaßt, die eigentlichen Träaer der ganzen Viehzuchtbestrebungen bilden und denselben hierdurch der Hauptnutzen auS einer rationellen Gestaltung unserer Rindviehzucht zuteil wird Den Beweis, daß wir im Lauterbacher Kreis auf dem besten Wege hierzu sind, haben die stattaehabten Besichtigungen zur Genüge erbracht. Im ganzen hat die Hünfelder Kommission sechs Zuchtbullen, zwei in Maar, drei in Angersbach und einen in Rudlos, angekauft und noch weitere Ankäufe für die nächste Zeit in Aussicht gestellt. Wenn ans dem beschrittenen Weg, nur reinrassiges, erstklassiges Vieh zu züchten, fortgesahren wird, so dürfe mit Sicherheit zu erwarten sein, daß der KreiS Lauterbach immer weitere Absatzgebiete für gutes Zuchtmaterial finden wird, wodurch dann auch die Landwitte einen größeren Nutzen auS den für die Viehzucht gebrachten großen Opfern erzielen werden. L. 9L Gerichtssaal. Homberg, (Bez. Kaffel) 19. August. Der Bürgermeister Gohlke hier, der mit der Stadtverlretung in Fehde lebt und fein Amt gekündigt hat, hatte sich um die Bürgermeifierstelle in Cranz bei Danzig beworben und war in engere Wahl gekommen. Die dortige Stadtvertretung hatte sich nun um Auskunft an die hiesige gewandt. Als solche sandte man ihr das Kreisblatt ein, worin das Antwortschreiben der Stadtvertretung auf die Kündigung des Bürgermeisters veröffrntlicht war, indem e» heißt-, die Amtsniederlegung Gohlke'S fei feine erste und einzige flute That für die Stadt. Dies hatte zur Folge, daß Herr Gohlke in Cranz nicht gewählt wurde. Hierauf hat er jetzt Magistrat und Stadtverordnete hier, 24 Personen, wegen Beleidigung und Vermögens- schädigung verklagt. Termin steht am 6. Oktober vor hiesigem Amtsgericht an. Saatfeld, (Ostpr.) 19. August. Die Eidesvtrweigerung des Rittergutsbesitzers List vor einem jüdischen Assessor hat ihren Abschluß gefunden. Nachdem Herr L. im Juli zu 200 Mk. Geldbuße und zur Tragung der Kosten eines neuen Termins verurteilt und seine Beschwerde vom Landgericht Braunsberg zurückgewiesen war, erschien Herr L. zum neuen Termin vor demselben jüdischen Affeffor mit den Worten: „Gezwungen von der Gewalt des Staates, will ich den Eid leisten" und schwur. Herr L., der zur Eidesformel noch Zusätze murmelte, wurde wegen Ungebühr vor Gericht zu 100 Mk. Geldstrafe verurteilt, die er sofort bezahlte. Amr-ei mrtz Verkehr. Volkswirtschaft. Frankfurter Bö ne vem XO.| Angwit. Wechsel auf New-York zu 0.00-00. PrMmiea auf Kredit per ult Äug, l.O5°/o, do. per ult Sept. 2.30%, Diskonto-Kommandit per ult. Äug. 0.95 %, do. per ult Sept 2 %, Lombarden per ult Äug. 0.45%, do. per ult Sept. 0 95%. Deutsche Bank per ult. Äug. 0.00%. Notierungen: Kreditaktien 206.70-20-30, DtekontO- Kommandit 175-174.50-60.00.0000, Staatsbahn 188.70, Lombarden 25.50-00.00, Italiener 93.90, Spanier 71.60, Bproz, Mexikaner 25.25, Bochumer 188 00-00.00 bz., Laura 203.70 B. 60 G., Harpener 180.70-180.00- bz., Gelsenkirchen 191.00-00-00-00 bz., Privat- Diskont 4Vs°.O- 1% bis 2% Uhr: Kreditaktien 206.20-00 bz., Die- konto-Kommandit 174.60-00.00 bz., Berliner Handelsgesellschaft 000 bz., Staatsbahn 138.60 bz., Lombarden 25,50-00 b., Laura 00-00 3proz. Mexikaner 00.00 bz. P. P. Den Eingang sämtlicher Saison-Neuheiten sr in Tuch und Buckskin m /fir Herbst und Winter 187 °n Hochachtungsvoll Markus Bauer. Anfertigung nach Mass in eigener Werkstätte. Mrratur. w. Bekanntlich wird für jede Synodalperiode, d. i. alle 5 Jahre, ein Gesamtbericht über die Verhältniffe und Zustände der hessischen evangelischen Landeskirche von dem Großh. Oberkonsistorium erstattet und der Landessynode vorgelegt. Dieser Bericht umfaßt so ziemlich das ganze kirchliche Leben, von den Behörden an bis zu dem, was sich in den Gemeinden wichtigeres zugetragen hat. Soweit es angeht, enthält er auch die Beurteilung der sittlich-religiösen Zustände sowie dessen, was in Kirche und Schule zu deren Hebung und Besserung geschieht. Ist es auch tatsächlich unmöglich, die Gesamtheit der religiös, sittlichen Erscheinungen des Zeitraumes in einem solchen Spiegelbilde zusammenzufassen, so wird doch das hier zusammengestellte alles wesentliche bringen und einen vielerseits erwünschten Ueberblick verschaffen. Diesmal ist der Bericht auch im Buchhandel (bei Johannes Waitz in Darmstadt) -um Preise von 25 Pfennig zu haben. — «Der Burgwart. Zeitschrift für Burgenkunde und das ganze mittelalterliche Befestigungswesen" hat mit der uns vorliegenden Juli-Nummer seinen zweiten Jahrgang begonnen (Preis jährlich 5 Mk-, Verlag fürs Deutsche Haus, E. A. Krollmann u. Co., Berlin W. 50, Seiden-Blusen m. wo und höher — 4 Meter! — porto- und zollfrei zugesandt l Muster umgehend; ebenso von schwarzer, weißer und farbiger „Henneberg-Seide" von 75 Pfg. bis 18,65 per Meter. 122 G. Henneberg, Ä-Fatritaiii (L 6. L Zürich. „Concentrierte Essigsäure ist ein sehr gefährliches Produkt“ sagt der bekannte Proseffor Dr. Maerkrr in der Deutschen Tageszeitung vom 7. Januar 1898 „welches außerordentlich stark ätzend wirkt und auch in kleinen Mengen genossen, den Tod herbeiführen kann. Schon aus diesem Grunde dürste die Essigessenz nicht für Speisezwecke verkauft werden.“ 4534 Z>1e A»weyr«ommfssto« des Aentschen M-faSrikanten-AerVaades. sB-öbliertes Zimmer mit Kabinett zu m vermieten. Löberstraße 3. 4436 40331 Zwei gebrauchte Fahrräder billig zu verkaufen.»eustadt 14« Kaufen $fe nur Schutz- Markö> vorn, Gerichtsvollzieher. 5547 von 9 Uhr ab. 4684 Hosbäcker Noll, Mäusburg 12 E 428) Professor Bischof 1825. Professor Frey tag 1876. 5 XA vermieten. Bahnhofpratze 58. 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