Nr. 118 Zweites Blatt. Dienstag den 22. Mai LWGG Alle Anzeigen-BermittlungSstellen deS In- und Auslandes nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger entgegen. ZeilenpreiS: lokal 12 Pfg., auswärts 20 Pfg. Nczugsprels vierlcljährl. Mk. 2,28 monatlich 75 Pfg. mit Bringerlohnr durch die Abholtstelle» vierteljahrl. Mk. 1,9t monatlich 65 Pfg. Bei Postbezug Mk. 2,40 Vierteljahr!, mit Bestellgeld. N««ahme een Anzeigen zu der nachmittags für den felfcnbffl Lag erscheinenden Nummer bis vorm. 10 Uhr. Lbbestellungm spätesten- abends vorher. Erscheint ttgNch mit Ausnahme des Montags. Die Gießener »««ltienölätter »erden dem Anzeiger dn Wechsel mit „Heff. Landwirt" m. Matter Mr heff. Volkskunde" »tchtt. 4 mal beigelegt. Gießener Anzeiger General-Anzeiger Amts- und Anzeigeblatt für den Aveis Gießen. «MtiOT, Expedition und Druckerei: -chntstraße Ar. 7. Oraüsbeüage«: Gießener Familienblätter, Der hessische Kandwirt, Klätter für hessische Dolkskunde. Adresse für Depeschen: Anzeiger Hie-es. Fernsprecher Nr. 51. Bekanntmachung. Betr.: Die Biehmärkte zu Gießen. Die für den Dienstag den 22. und Mittwoch den 23. Mai l. IS. bestimmten Biehmärkte nehmen an beiden Tagen vormittags 6 Uhr ihren Anfang. Bor 6 Uhr darf Vieh nicht aus den Stallungen gebracht und innerhalb der Stadt auf den Straßen nicht auf- gestellt werden. Der Auftrieb muß um 8 Uhr vormittags beendet fein; zu dieser Stunde beginnt dann erst der Abtrieb des Biches vom Marktplatz. Am Dienstag, 22. l. Mts., erfolgt der Auftrieb zum Markte sowohl entlang der Ostseite, wie der Westseite LeS Schlachthauses. Zugleich weisen wir nochmals auf die nachstehenden, von Großh. Kreisamt festgesetzten Beschränkungen, die für die beiden Biehmärkte maßgebend find, mit dem Anfügen hin, daß dieselben strengstens durchgeführt und Zuwiderhandlungen zur Anzeige gebracht werden. Gießen, den 17. Mai 1900. Großherzogliches Polizeiamt Gießen. Hechler. Bekanntmachung. Betr. Abhaltung der Biehmärkte. Der Viehmarkt in- Gießen am 22. und 23. Mai d. I. wird unter den bereits bekannt gemachten Beschränkungen, welche nachstehend nochmals folgen, gestattet. § 1. Alles zu den Viehmärkten in Gießen auf- getriebene Klauenvieh (Rindvieh und Schweine) wird beim Markteingang kreisveterinärärztlich untersucht und nur zugelassen, wenn es seuchenfrei befunden worden ist. § 2. Die Gastställe und Ställe von Viehhändlern in Gießen, Heuchelheim und Wieseck werden der veterinär- Lrztlichen Aussicht unterstellt. § 3. Vieh, welches an den Markttagen und an den vier vorhergehenden Tagen in den Bezirk der Gemarkungen Gießen, Wieseck und Heuchelheim eingebracht und daselbst eingestellt wird, muß an dem ersten Standort mindestens sieben Tage lang verbleiben und darf ihn innerhalb der nächsten 14 Tage nach Ablauf der siebentägigen Quarantäne nur verlassen, wenn es nach dem Zeugnis des Großherzvglichen Kreisveterinärarztes keine seuchenverdächtigen Erscheinungen gezeigt hat. Von dieser Qua- rantänepslicht ist das Vieh nur dann befreit, wenn es auf den Markt gebracht und der tierärztlichen Untersuchung diaselbst unterworfen wird. Alle Tiere, die vom vierten Tage vor dem Markt bis zum letzten Markttag eingestellt werden, sind sofort vom Eigentümer oder Begleiter der Tiere der Ortspolizeibehörde, und von dieser dem Großherzoglichen Kreisveterinäramt anzumelden; in gleicher Weise ist der Besitzer des Stalles zur Anmeldung verpflichtet und verantwortlich. § 4. Das Handeln auf Straßen und Plätzen der Stadt Gießen, der Orte Wieseck und Heuchelheim ist verboten. § 5. Vieh aus Gemarkungen, in welchen die Seuche herrscht, darf nicht ausgetrieben werden und wird nicht zugelassen. § 6. Zuwiderhandlungen werden auf Grund des § 328 des Reichsstrafgesetzbuchs und § 66 Abs. 4 des Reichs-Viehseuchengesetzes bestraft. Gießen, den 2. April 1900. Großherzogliches Kreisamt Gießen. v. Bechtold. Bekanntmachung. Betreffend: das Ober Ersatzgeschäft sür 1900. Das Ober-Ersatzgeschäft für 1900 wird im Kreise Gießen Mittwoch den 13. Juni im Rathause zu Lich, vormittags 8 Uhr, Freitag den 15. Juni daselbst, vormittags 8 Uhr, Eamstag de» 16. Juni in der Restauration „Zum Lonys Bierkeller", Schanzenstraße Nr. 18, zu Gieße», vormittags 8 Uhr, Montag den 18. Juni daselbst, vormittags 8 Uhr, DieuStag den 19. Juni daselbst, vormittags 8 Uhr, Mittwoch den 580. Juni im Gasthaus „Zum Rappen" zu Grüuberg, vormittags 8 Uhr, stattfinden. Es haben sich nach Maßgabe der besonders ergehenden Vorladungen an den genannten Tagen vor der Großherzoglichen Ober-Ersatz-Kommission im Bezirk der 49. Infanterie- Brigade in sämtlichen Anshebungsorteu zu gestellen: a. die für dauernd untauglich befundenen Militär- pflichtigen, soweit denselben eine besondere Ladung zugeht; b. die zum Landsturm I in Vorschlag gebrachten Militärpflichtigen; c. die zur Ersatz Reserve in Vorschlag gebrachten Militärpflichtigen; d. die von der Ersatz-Kommission als tauglich und einstellungsfähig erkannten Militärpflichtigen, einschließlich derjenigen aus früheren Jahrgängen; e. die von den Truppenteilen zur Disposition der Ersatz-Behörden entlassenen Soldaten; f. die von den Truppenteilen abgewiesenen einjährig Freiwilligen. Den Großherzoglichen Bürgermeistereien werden besondere Ladungen für die Militärpflichtigen k. H. zugehen, welche den betreffenden unverzüglich zuzustellen sind. Der Kesfischer Koetheöund. Auf Einladung des vor einiger Zeit gebildeten provisorischen Komitee'S unter dem Vorsitz des Prof. Dr. Otto Harnack halten sich am Freitagabend im Kaisersaal zu Darmstadt zahlreiche Vertreter von Kunst, Wissenschaft und Litteratur eingefunden, um Stellung zu nehmen gegen die vom Reichstag drohende Vergewaltigung von Kunst und Litteratur. Herr Prof. Harnack begrüßte die Erschienenen, und wurde durch Zuruf Herr Major v. Hehl für die Dauer des einleitenden Vortrages desselben zum Vorsitzenden bestimmt. In eingehenden, äußerst klaren und orientierenden Ausführungen gab nun Herr Prof. Harnack ein Bild über die eigentlichen Ursachen, die zur Gründung der sogenannten Goethevereine geführt haben, und sprach die Hoffnung aus, daß dem bahnbrechenden Beispiel von München, Berlin, Stuttgart 2C. gleich Darmstadt sich bald einmütig in allen deutschen Städten die Ritter des Geistes und der Kunst zusammenschließen würden, um Mann für Mann einzutreten gegen diesen Rückschritt auf wissenschaftlichem, künstlerischem und litterarischem Gebiete, damit die Freiheit des geistigen Schaffens nicht gehemmt, und durch irgend einen Vertreter der Polizei, der sich als Richter der Aesthetik aufspiele, geschändet werde. . . , Freiheit in der Kunst bedeute noch lange feine Zügellosigkeit; es drehe sich darum, daß man einen Unterschied zu machen wisse zwischen echter und falscher Kunst und die Wege finde zur regen Wechselwirkung zwischen Volk und Künstler. Die wahre Kraft und Fähigkeit | eines echten Künstlers entwickle sich aus der innern Freiheit des Schaffens, das keinerlei Einschränkung vertrage. Schon die gewaltige Bedeutung des Namens Goethe deute darauf hin, daß man in diesem Kampf den Altmeister zum Vorbild nehmen, und unter seinem Namen anstürmen wolle gegen die Verächter und Nörgler der sich immer mehr entwickelnden deutschen Kunst. Auch eine ganze Menge Aussprüche aus den letzten Lebensjahren Goethes, welche die Freiheit des Geistes über Alles setzen, zeige auf ihn als den berufensten Meister und Leitstern der heutigen Bewegung hin. Reicher Beifall begleitete die Darlegungen des Redners. Nachdem Herr Prof. Harnack nunmehr den Vorsitz wieder übernommen, wurden eine Anzahl zustimmende Telegramme verlesen, u. a. von dem in Kaiserslautern weilenden, am persönlichen Erscheinen zu seinem Bedauern verhinderten Herrn Hosschauspieler Hacker. Die Herren Rechtsanwalt Dr. Stahl und Redakteur Witt ko-Gießen kündigten ihren Beitritt an, ebenso Herr Dr. Biermer, Professor der National-Oekonomie an der Landesuniversität. Es wurde hierauf das von dem provisorischen Komitee entworfene vorläufige Statut verlesen, und nach kurzer Debatte in folgender Fassung angenommen: „Unter dem Namen „Hessischer Goethebund" ist mit dem Sitz in Darmstadt ein Verein begründet worden, welcher den Zweck verfolgt, die Freiheit der Kunst, Wissenschaft und Litteratur im Deutschen Reich gegen Angriffe jeder Art zu schützen und weitere Volkskreise zur ernsten Würdigung wahrer Kunst und Wissenschaft zu erziehen. Die Erreichung des Vereinszweckes soll durch alle gesetzlich zulässigen Mittel erstrebt werden, insbesondere durch Organisation von Rechtsschutz, durch Veröffentlichungen in der Preffe, durch volkstümliche Vorträge und sonstige Veranstaltungen. Die Mitgliedschaft wird durch Anmeldung beim VorVollzug der Ladungen ist innerhalb 5 Tagen anzuzeigen. Die Militärpflichtigen find außerdem anzuweiseu, ihre LosuugSscheiue mit zur Stelle zu bringen. Die zur Beurteilung von Reklamationen in Betracht kommenden Personen, wie Eltern, Geschwister, haben ebenfalls zu erscheinen, ansonsten auf die betreffenden Reklamationen keine Rückficht genommen werden kann, was die Großh. Bürgermeister den betreffenden Reklamanten noch besonders mitzuteilen haben. Sollte eine Ladung nicht vollzogen werden können, so ist der Grund hiervon berichtlich anzuzeigen, und ist, wenn ein Militärpflichtiger von seinem bisherigen Wohnorte weggezogen ist, zugleich anzugeben, wohin derselbe verzogen ist. Die Großherzoglichen Bürgermeister haben bei dem Ober- Ersatz-Geschäfte bis zum Schluß des gesamten Aushebungs- Geschäftes selbst anwesend zu sein, um bei der Untersuchung von Felddienstnutauglichen, sowie Invaliden ev. Anskunft geben zu tonnen, auch haben sich dieselben darum zu bemühen, daß die Militärpflichtigen, den Ladungen entsprechend, eine Stunde vor Beginn des Geschäfts'zur Stelle find, nüchtern und reinlich gekleidet erscheinen, und während des AnshebungS- gefchäftes ein anständiges und ruhiges Verhallen beobachten, was denselben vor Abreise nach den einzelnen Aushebungs- Bezirken noch ausdrücklich zu eröffnen ist. Gießen, am 21. Mai 1900. Der Zivil-Vorsitzende der Großherzoglichen Ersatz-Kommission des Kreises Gießen. _________________Boeckmann._________________ Bekanntmachung. Nachdem zur Ausführung einer Entwässerung von Grundstücken in den Fluren IX, X und XI der Gemarkung Villingen Antrag auf Bildung einer öffentlichen Wassergenoffenschaft gestellt worden ist, das Großherzogliche Ministerium deS Innern, Abteilung für Landwirtschaft, Handel und Gewerbe, als fachliche Centralbehörde das beabsichtigte Unternehmen als zweckmäßig und zulässig erachtet und die Einleitung deS Verfahrens zur Bildung einer öffentlichen Wassergenossenschaft angeordnet hat, wird hiermit zur öffentlichen Kenntnis gebracht, daß die Vorarbeiten hierzu vom 28. Mai bis zum 11. Juni l. Js. auf der Amtsstube der Großherzoglichen Bürgermeisterei Villingen zur Einsicht sämtlicher Grundeigentümer, deren Grundstücke in die zn verbessernde Fläche fallen, offenliegen. Gleichzeitig werden diese Grundeigentümer zur Verhandlung und Beschlußfassung, sowie zur Wahl ihrer Vertreter für das weitere Verfahren auf Douuerstag, den 14. Juui l. Js. vormittags 9% Uhr in das Gemeindehaus zu Villingen vorgeladen, unter An» drohung des Rechtsnachteils, daß die Nichterscheinenden, fo- stande und Bezahlung des Mitgliedsbeitrags erworben. Der Mindestbeitrag ist auf eine Mark jährlich festgesetzt. Der Vorstand besteht aus neun Mitgliedern, mit dem Recht der Cooptation, welche die Aemter des Vorsitzenden, des Schriftführers, des Schatzmeisters nnd ihrer Vertreter unter sich verteilen. Damen ist die Mitgliedschaft gestattet." Auf Vorschlag des Herrn Landtagsabg. Dr. Schroeder werden nunmehr folgende Herren in den Vorstand gewählt: Prof. Dr. Harnack, Bildhauer Ludw. Habich, Major v. Heyl, Oberstleutnant Gab, Maler Bader, Dr. Heil, Landgerichtsrat v. Hessert, Instituts- Vorsteher M. Elias, Dr. Heilbronn und Hosschauspieler Hacker. Ein Vertreter der Presse soll später noch zur Kooptation gewählt werden. Auf Anregung des Herrn Dr. Heil sollen unsere Landtagsabgeordneten ersucht werden, bei den demnächst zu eröffnenden Beratungen sofort eine Interpellation einzubringen, damit die Regierung Stellung zu der in Rede stehenden Frage nehme und ihren Einflug in entsprechender Weise bei dem Vertreter des Bundesrats geltend mache. Herr Dr. Schroeder sagt dies zu. Schließlich wurde noch beschlossen, folgende Protestkundgebung telegraphisch sofort an das Reichstagspräsidium abzusenden: „Der heute in Darmstadt gegründete Hessische Goethebund schließt sich den von dem Münchener und dem Berliner Goethebund an den Reichstagstag gerichteten Protestkundgebungen gegen die §S 184 a und b der sog. lex Heintze voll und ganz an." Nachdem der Vorsitzende noch festgestellt, daß schon 80 Beitritts-Erklärungen erfolgt sind, hofft er auf weitere recht zahlreiche Anmeldungen, besonders auf den Gesamtanschluß ganzer Vereine, und schließt die würdig verlaufene Versammlung mit herzlichem Dank an die Erschienenen. Darmst. Tägl. Anz. Waldeck-Rousseau der Kammertagung, die am Dienstna beginnt, nrcht ohne starke Beklemmungen entgegensieht Mrs erste freilich berauscht man sich noch in Frankreich an den recht anfechtbaren „Triumphen" der Weltausstellung und an den Erfolgen der französischen Expeditionen die auf den marokkanischen Gebieten langsam aber sicher Vordringen. Dieses Vordringen erregt nicht nur in Marokko, sondern auch in E n g l a n d, dessen Interessen hierdurch schwer verletzt werden, lebhafte Beunruhigung Aber die Engländer haben in Südafrika vorläufig nock alle Hände so voll, daß sie ihr Augenmerk auf andere Vorgänge im dunkeln Erdteil zur Zeit nicht lenken können. In den letzten Tagen herrschte über die Vorgänge auf dem südafrikanischen Kriegsschauplätze starke Ungewißheit. Die Nachricht von dem Entsätze Mafekings aber steht heute vollkommen fest. Die letzten Hoffnungen der Friedens- fteunde, die ein Ende des mörderischen Ringens herbei sehnen, richten sich jetzt auf die Vereinigten Staaten von Nordamerika, aber es steht für uns außer allem Zweifel, daß auch diese Hoffnungen mit einer bitteren Enttäuschung für die Buren enden werden, wie es schon mit manchen anderen Hoffnungen im Laufe dieses grausigen Krieges der F-all gewesen ist. unberücksichtigt, ebenso werden erloschene, aber in derr öffentlichen Büchern noch nicht gelöschte Rechte als fortbestehend behandelt. Friedberg, den 16. Mai 1900. Der Großherzogliche Bereinigungskommissär: S ü f f e r t, Regierungsrat. Uolitische Wochenschau. Gießen, 21. Mai. I Im Reichstage tobt der heftige Kampf um die I L e x Heinze, der die Entscheidung ' in dem 7 jährigen I Kriege bringen soll, den man um diese Vorlage führt. Die I an sich schon recht anfechtbare Vorlage der Regierung ist I so wunderlick) zurechtgestutzt und in einer Weise „bereichert" | worden, daß sie den schärfsten Widerspruch der öffentlichen I Meinung herbeiführen mußte. Trotzdem hat man sich durch I die allenthalben und endlich, seit Freitag, auch in unserer I Landeshauptstadt sich geltend mack>ende energische Protest- I beweguug steifnackigerweise nicht dazu bewegen lassen, von I den vorgefaßten Planem abzustehen. Die Heinzemänner sind I entschlossen, den Kampf durchzuführen. Dieser Tage erst | sagte Kuno Fischer, der berühmte Heidelberger Pro- I sessor, in einer Vorlesung über Geschichte der neueren Philosophie: „Wir leben jetzt in einem Zeitalter der Intoleranz. Wir erfahren soeben, wie ein Gesetz, das widerid ie sittlichen Lumpen geplant ist, gegen Ku n st und Wissenschaft angewendet werden soll. . Was aber kümmert das jene Hartnäckigen! Da sie mit ihrem Latein zu Ende sind, da sie in sachlicher Beratung für ihre gesetzgeberischen Vorschläge nichts zu er- I reichen vermochten, haben sie einen offenen Bruch der Geschäftsordnung ausgeführt. „Die Mehrheit ist Herr der Geschäftsordnung!" war das Bekenntnis der schönen Seele des Herrn v. Kardorff. Kaum war es dem Gehege feiner Zähne entflohen, als freilich der sehr viel feinere und intelligentere Graf Balle stre m erkannte, welches nicht wieder gut zu machende Unheil die leichtfertige Offenheit des Herrn v. Kardorff angerichtet habe, und er suchte die bedenkliche Aeußerung abzuschwächen. , Aber es war zu spät, das „Macht geht vor Recht" war von Herrn v. Kardorff in einer so cynisch-offenherzigen Weise I proklamiert worden, und noch dazu unter Umständen, die deutlich zeigten, daß er der, wenn auch leichtfertige, so doch korrekte Interpret der Gedanken der Mehrheit war Nun wurde auch den N a t i o n a l l i b e r a l e n die Sache zu arg, und die Erklärung des Herrn B a s s e r m a n n> zeigte, daß, wenn die Nationalliberalen auch sich bisher von der Obstruktion ferngehalten hatten, sie doch den Bruch, der Geschäftsordnung durch das Kartell nicht durch ihre Duldung unterstiitzen würden, und daß sie sich gleichfalls in der Wahl der Mittel zur Bekämpfung der Rechkslosig- keit keine Beschränkung mehr auserlegen würden. So hat denn, als man zur Beugung der Geschäftsorb- I nung die einfachsten Anstandspflichten außer acht ließ, I im Schlußakt des unter der Regie des Reichsgerichtsrats | Spahn inszenierten Heinzedramas, das sich mehr und mehr I im Sinne von Scherrs menschlicher Tragikomödie ent- I wickelt hat, eine idyllische Obstruktion eingesetzt, in I der sich die Nationalliberalen mit den Sozialdemokraten I umarmen, ein Mittel, das, so bedenklich es auch vorerst I erscheinen mag, in diesem Falle nicht zu bermeiben war I für jeden, der sich selber achtet. Diese frische, fröhliche I Opposition auf breitester Basis bietet ein wahrhaft er- I quickliches Bild in unserem Reichstage und wir sind gewiß, I daß sie zur Beseitigung des Heinzegesetzes endlich führen I wird. Trotz aller stürmischen Auseinandersetzungen aber, I die dem außerordentlich umsichtigen Präsidenten sein I schweres Amt wahrlich nicht leichter machen, sind dem I deutschen Reichstage Skandalszenen erspart geblieben, wie I sie sich, jüngst wieder in den anderen Dreibundländerrr I abgespielt haben, und wir hoffen, daß auch das Ende des I Kampfes dem Anfänge in dieser Beziehung entsprechen I wird. Heftigere Obstruktion als in Deutschland wird in I Oesterreich getrieben. Doch hat sich dort die politische I Lage in erfreulicher Weise dadurch, geklärt, daß die radi- I kalsten Elemente unter den Tschechen die Diplomatie der I jungtscheck)ischen Abgeordneten durchkreuzt haben, indem I sie es mit wünschenswertester Deutlichkeit aussprachen, I welches die eigentlichen und letzten Ziele der Tschechen sind. I Der Aufruf des tschechisch-radikalen „Vollzugsausschusses" I hat rund heraus erklärt, daß dieses Endziel in den „staats- I rechtlichen Bestrebungen", d. h. aus dem Tschechischen ins I ehrliche Deutsch übertragen, in der „völligen Sebständig- I feit" für „Tschechien" liegt, das mit dem übrigen Oester- I reich-Ungarn nur noch durch eine Personalunion verbunden I bleiben soll. Die Enthüllung dieser Pläne wird hoffentlich I die verantwortlichen Männer in Oesterreich darüber auf- I klären, daß jede Nachgiebigkeit gegen das unersättliche und | unbotmäßige Tschechen tum eine Gefährdung der öfter- I reichisch-ungarischen Monarchie bedeutet. Im Zeichen der heftigen Obstruktion steht endlich I auch das politische Leben in bem> dritten der Dreibund- I länder, in Italien. Da alle Versuche der Mehrheit, die I Obstruktion der Minderheit zu unterdrücken, vergeblich ge- I blieben sind, hat das Kabinett zur Kammerauflösung und I der Ausschreibung von Neuwahlen schreiten müssen. Mit I leichtem Herzen entschloß sich das Kabinett Pelloux nicht I zu diesem letzten Ausweg, denn wie die Neuwahlen aus- I fallen, vermag angesichts der verworrenen politischen Lage I in Italien niemand vorauszusagen. Und ob es gerade das I Kabinett Pelloux und nicht vielleicht ein anderes ist, das I aus den Wahlen als Sieger hervorgeht, liegt im Schoße I einer ungewissen Zukunft. In einer recht unbehaglichen Situation befindet sich I auch das französische Kabinett Waldeck-Rousseau. Wenn I das Ergebnis der Stichwahlen zu den Gemeinderäten in I der Provinz auch zumeist den Sieg der Regierung bestätigt I hat, so haben doch die Stichwahlen in Paris mit dem I völligen Siege der vereinigten Nationalisten aller Schat- I her ungen geendet. Nun ist Paris zwar nicht Frankreich, I aber es ist doch in ganz anderem Sinne die Hauptstadt I Frankreichs, als dies in irgend einem anderen Lande von I derMetropolis gesagt werden kann. Die Politik Frank-! reichs ist fckwn oft genug von Paris aus gemacht roorbcu j und so ist es immerhin begreiflich, daß das Kabinett j vekarmtruachuug. Betreffend. Feldbereinigung jn der Gemarkung Betteit- hausen. Auf Grund des Artikel 19 des Feldbereinigwnasqesetzes vom 28. September 1887 fordere ich hiermit die beteiligten Grundbesitzer auf, die Einträge der Eigentums- und der sonstigen Rechtsverhältnisse in den öffentlichen Büchern, insoweit dieselben den bestehenden Verhältnissen nicht mehr entsprechen, innerhalb einer Frist von drei Monaten bei dem Großh. Amtsgericht Hungen berichtigen oder ergänzen zu lassen, damit die bestehendeii Rechtsverhältnisse beim Bereinigungsverfahren berücksichtigt werden können Die Aufforderung ergeht: 1 L an diejenigen, welche Grundstücke im Bereinigungss- bezirk erworben, aber ihren Eintrag im Grund- oder Flurbuch bezw. im Mutationsverzeichnis noch nicht! erwirkt haben, um die Errichtung und Jngrossation/ ihrer Erwerbtitel oder die Berichtigung irriger Ein-, trage zu erwirken; 2. an diejenigen, welche zwar im Grundbuche stehen, aber weil sie schon vor Einführung des Gesetzes vom 21. Februar 1852 eingetragen waren, ohne Bei- - fugung des Erwerbtitels, um letzteren nach Maß-i gäbe des Artikel 28 des Gesetzes vom 21. Februar 1852 eintragen zu lassen, indem sonst, abgesehen von dem Hindernisse bei der Feldbereinigung, demnächst nur eine Bescheinigung des Besitzstandes statt einer Eigentumsurkunde ausgestellt werden wird; 3. an diejenigen, jvelche an ein auf fremden Namen im Grundbuch eingetragenes Grundstück einen Vin-^ dikatious- oder einen unter gewissen Umständen zu realisierenden An- und Rücksallsanspruch wegen eines vor Einführung des Gesetzes vom 21. Februar 1852 vertragsmäßig gemachten Eigentumsvorbehalts oder wegen einer bei der Veräußerung beigefügten . auflösenden Bedingung eines Endtermins oder einer Zweckbestimmung zu bilden haben, ohne diesen Anspruch durch, den Vermerk „streitig" oder „beschränkt" im Grundbuch gesichert zu haben, sowie an diejenigen, welche unter Nachweis der gesetzlichen Voraussetzungen die Bemerkung „gehemmt" wollen etniragen lassen; 4. an die Obereigentümer und Fideikommißberechtigten, welche ihre Heimfalls- und Successionsrechte nicht durch Eintrag der Lebens-, Erb- und Landsiedel-, Leih- oder Fideikommißqualität eines Grundstücks im Grundbuch haben eintragen lassen, um ihre Rechte, soweit dies nach Artikel 37 und 38 des Gesetzes vom 21. Februar 1852 noch zulässig ist, im Grundbuch eintragen zu lassen; ö. an diejenigen, welche Pfandrechte, Eigentumsvorbehalte, Revokations-, Resolutions- oder Nichtigkeits-, Separations- oder andere Sicherheitsrechte, die weder im Hypotheken- noch im Grundbuch gewahrt fmb, an zur Bereinigung bestimmten Grunbstücken geltenb machen können, um unter Vorlage ber be- treffenben Urkunben unb genauer Bezeichnung ber derjenigen Grundstücke, welche zur Sicherheit dienen, die Einträge in die öffentlichen Bücher zu erwirken; 6. an diejenigen, welche Realservituten, die nicht durch l „bir Bereinigung vorzunehmende neue Weg- unb Wafferungsregulierung erlöschen, sonbern noch nach derselben geltend zu machen sind, z. B. Wern und Wasserleitungs-Gerechtigkeiten zu gunsten von Grundstücken, die nicht in die Bereinigung fallen, rehm-, Thon-, Sandgrube- und Kellerberechtigungen aus zur Bereinigung gehörigem Gelände anzu- sprechen haben, ferner an die, welche solche Grundstücke zu lebenslänglicher Nutznießung, zur Benutzung als Brautgabe bis zur geschwisterlichen Tei- lung zur Sicherung einer lebenslänglick>en Leib- Haben^ °^ec Auszugsberechtigung anzusprechen 7. an diejenigen, auf deren Grundstücken in den öffentlichen Buchern solche Rechte eingetragen sind, welche sie für erloschen halten, aber noch nicht haben löschen lassen, um diese Löschung unter Vorlage der nötigen Beweise hierzu zu erwirken. Rechte der unter Pos. 1—7 genannten Art, welche nach Ablauf von drei Monaten weder in den öffentlichen Grmid- und Hypothekenbüchern, bezw. den zu den Flurbüchern gehörigen Mutationsverzerchnissen, noch in den in Gemäßheit der Anmeldungen aufzustellenden Verzeichnissen gewahrt sind, bleiben bei der stattfindelnden Feldbereinigung Deutscher Reichstag. 198. Sitzung vom 19. Mai. 1 Uhr. Das Haus ist sehr gut besetzt. 1 Bor Eintritt in die Weiterberatung der Lex I Heinze erhält das Wort zu einer Erklärung I Ab. v. Jagdzewski (Pole). Er führt aus, um feinen Zweifel darüber zu lassen, weshalb seine Maktiou I gegen den Schlußantrag stimme, sei er von seinen politi- I scheu Freunden beauftragt, folgendes zu erklären: Wir haben bis jetzt bei den einzelnen Bestimmungen der Vor läge mit der Majorität gestimmt, obgleich wir uns nicht verhehlen, daß die Fassung einzelner Paragraphen des selben uns nicht voll befriedigt. Dagegen können wir, so lange die Minorität des Hauses in den Grenzen der Geschäftsordnung die ihr nicht zusagende Vorlage bekämpft, dieser Minorität nicht hindernd in den Weg treten, daß sie ihre gegenteilige Meinung äußert und vertritt. Des^ halb werden wir gegen den Schlußantrag stimmen. (Bravo! links.) Wir werben unsere prinzipielle Haltung- so lange nicht zwingende und unabweisbare Gründe vorliegen, nid)* ! aufgeben. (Sauter Beifall links.) Nunmehr erfolgt die namentliche Abstimmung über den gestern von den Abgg. v. Levetzow (kons.) und Spahn (Zentr.) gestellten Antrag auf Schluß ber Debatte Über § 362. Der Schlußantrag wirb mit 185 gegen 118 Stimmen angenommen. Nunmehr teilt ber Präsibent Graf Bal le strem seine Absicht mit, die Abstimmungen über sämtliche zu § 362 vorliegenden Anträge folgen zu lassen. lieber jeden einzelnen Satz der Anträge sei namentliche Abstimmung beantragt. Äbg. Singer (Soz.) protestiert gegen die Vornahme ber Abstimmungen über die Anträge, ehe überhaupt eine Diskussion über biefe Anträge ftattgefunbcn habe. Die Anträge müßten biskutiert werden. Er beantrage nunmehr auch noch ausdrücklich Diskussion über die Anträge und zugleich namentliche Abstimmung. Präsident Graf B a l l e st r e m erklärt sich bereit, die Abstimmung über die betreffenden Anträge auszufetzen. Abg. Basser mann (natl.) betont, die Anträge müßten $ur Diskussion zugelassen werden, sonst könne man nicht über sie abstimmen. (Rufe links: Sehr richtig!) Er bitte, die Anträge zur Diskussion zuzulassen. Abg. Spahn (Zentr.) giebt anheim, diejenigen Anträge, über die noch nicht diskutiert sei, als § 362 a zu diskutieren. Die Abgg. Heine und Singer (Soz.) bleiben bei ihrem Verlangen. Abg. Sattler (natl.) fragt den Präsidenten, ob, wenn jetzt über § 362 und die wenigen schon diskutierten Anträge abgestimmt werde, der Präsident dann auch bestimmt über die noch nicht diskutierten Anträge zum § 362 abstimmen lassen werde. Präsident Graf B a l l e st r e in erklärt, darauf könne er nicht antworten. (Hört, hört!) Abg. Stadthagen (Soz.) beantragt, sofort zu beschließen, daß über Die betreffenden Anträge diskutiert werde. Abg. v. Levetzow (kons.) giebt zu, daß über die noch nicht diskutierten Anträge noch diskutiert toerben müsse Er bitte aber, zuerst bie Abstimmung über § 362 erfolgen zu lassen. Aba. Richter (freis. Vp.) betont bie unbedingte Notwendigkeit der Diskussion ber betr. Anträge. Präsibent Graf Balle st rem bezeichnet den Antrag Stabthagen als unzulässig, weil bas Haus sich jetzt in der Mstimmung befinde. Abg. Stadthagen (Soz.) beantragt, die Abstimmung über den Paragraph auszusetzen bis nach Diskussion ber Anträge. Abg. Richter (frs. Vp.) stimmt dem zu. Präsident Graf Bal le strem bemerkt nun, er wolle jetzt über einige der Anträge und bann über ben ganzen Paragraph abstimmen lassen. Mit bieser Abstimmung sei also bas Haus einverstanben. (Stürmischer Widerspruch links.) Die Abgg. Heine (Soz.) unb H a u ß m a n n-Böblingen (fübb. Vp.) verlangen endlich Klarheit darüber, ob die betreffenden Anträge auch wirklich zur Diskussion gestellt werden würden, falls jetzt die Abstimmungen vorgenommen würden. Der Präsident dürfe sich über ein solches Mißtrauen nicht wundern. Präsident Graf Balle strem erwidert, er lege dock den Herren keine Fallstricke, dafür sollten sie ihn doch kennen. Abg. v. Levetzow (kons.) versichert, aus den Erklärungen des Präsidenten herausgehört zu haben, daß er sich der Diskussion jener Anträge nachher nicht widersetzen werde. , Abg. Singer (Soz.) erklärt, nunmehr fernen Antrag auf Aussetzung der Abstimmungen über § 362 und bie bereits diskutierten Anträge zurückzuziehen. Demgemäß beginnen um zweidreiviertel Uhr bie namentlichen Abstimmungen. — Zunächst wird abgestimmd wie die Nichtabstimmenden als dem beantragten Unternehmen beistimmend, mit der Wahl der Vertreter einverstanden angesehen und mit ihren Einwendungen gegen die Art der Ausführung später nicht mehr gehört werden. Diejenigen Grundeigentümer und Wasserbenutzungsberechtigten, die an dem Unternehmen nicht unmittelbar beteiligt erscheinen, werden hiermit aufgefordert, etwaige Einsprachen gegen das Unternehmen in der vorerwähnten Tagfahrt geltend zu machen, widrigenfalls die Einsprachen nach Ablauf der Frist nicht mehr berücksichtigt würden und nur noch privatrechtliche Entschädigungsansprüche gegenüber dem Unternehmen geltend gemacht werden könnten. . Gießen, den 20. Mai 1900. Großherzogliches Kreisamt Gießen. I. V.: Frhr. Schenck. Bekanntmachung Großherzogliches Ministerium der Finanzen hat genehmigt, daß mit Rücksicht auf die verspätete Zustellung der Steuerzettel die Frist zur Vorbringung von Reklamationen für dieses Jahr in den Landgemeinden bis zum 10. Juli, und in der Stadt Gießen bis zum 15. Juli erstreckt wird. Die Großherzoglichen Bürgermeistereien werden ersucht, dies in ortsüblicher Weise bekannt machen zu lassen. Gießen, den 21. Mai 1900. Großherzogliches Steuerkommifsariat Gießen. I. V.: Köhler. Volksschulen haben: an im , „ , 2800 „ Vorstellung der Hochbau auf - Eine W r. 118 Stirn- 3655 Eier Zildrftie; 3655 empfehlen 8465 Sparen 3356 köpf als Schutzmarke. bei: 159 DER BESTE BÜTTERCfi 5E - 1 Leibniz Cakes nmung Ufa (N' i unb btr Debatte Pb. Herrmasn, Settersweg 33. lHÄNNÖVER|c-V CAKES-FABRIK wähl and bestbewährten Qualitäten Aug. Montanus Nachfl., Inh. R. &. M. Imheaser, Giessen, Marktplatz 9—10. am unrechten Orte, heißt sich selbst schaden I Dies trifft besonders beim Einkauf von Lebensmitteln zu, da das Billigere auch stets das Minderwertigere ist. — So z. B. find die sogenannten lose ausgewogenen Malzkaffeer meist nur gebrannte Gerste oder im günstigsten Falle geröstetes Malz, die nicht im Entferntesten den Bohnenkaffee ersetzen können. Ein wirklicher Ersatz für diesen ist einzig und allein Kathreiner'« Kueipp-Malzkaffee, der nach patentiertem Verfahren hergestellt in hohem Grade Geschmack und Aroma des Bohnenkaffees besitzt, jedoch nicht dcffen schädliche Eigenschaften. Zur Vermeidung von Unterschiebungen achte man jedoch auf die blauweiße Originalpackung mit Plombe und dem Kneipp- 1100 Mk, 1250 „ 1400 „ 1650 „ 1700 „ 1850 „ 2000 , 2200 „ 2400 „ 2600 „ Neue Zwiebel« per Pfund 8 Pfg. empfiehlt •• Eine Vereinigung haben die Cemetttwaren- fabtifett um Gießen und Wetzlar herum gebildet, um eine Preissteigerung ihrer Fabrikate herbeizuführen infolge der Steigerung der Arbeitslöhne und der Materialien. •• Der Zweiten Kammer der Landstände gingen neuerdings folgende Drucksachen zu: 1. Ein Antrag der Abgg. Molthan, Schlenger und Genossen zur Regierungsvorlage, betreffend: den Gesetzentwurf, die Gehalte der Volksschullehrer. Die Herren beantragen Artikel 1 Absatz 1 erhält folgende Fassung: Die definitiv angestellteu Lehrer WWWW Versteigerung. Nächste« greitag, den 2». Mai, vormittags 9 Uhr anfangend, wird in der Hoftaite der verstorbenen Johannes Roth VIII. Eheleute zu Rieder-Bessingen erb» verteilungshalber nachverzeichnetes Inventar als: 2 Pferde, 3 Kühe, 2 Rinder, 2 Schweine, 6 Bienenvölker, 2 schwere Wagen. 2 leichte Wagen, 1 leichtes Wägelchen (Break), 1 Karren, verschiedene Pflüge, 2 Eggen und sonstige landwirtschaftliche Geräte, ferner 1 Schrotmühle, 1 Kelter mit 2 Schrauben, 1 Häckselmaschine, 1 Htblade und Holz, Kelten, Kartoffeln, Kornstrob, sowie sämtliches Haus- und Küchengerät öffentlich meistbietend gegen Barzahlung versteigert. Nieder-Beffingen, 19. Mai 1900. I. A.: 3668 Horst, Orisgerichtsvorsteher. Für die Herren Steinmetzen. Schöne und haltbare gefleckte Bild» harrerfteine liefert in allen Dimensionen, ebenso sehr gute Schleifsteine 3614 Martin Kassier, Steinbruckbesitzer. Renfrizhairsen, Post Sulz (Württemb.) M der Lu ng M aus, ur c.me Fraklin lemen poiiti, eklären: gen der $Oi vir uns nid1 graphen bei innen wir, j? nzen der °ge bekämt g treten, ertritt iti. men. (9^.- Mg, fototy SVr und 5 Pfg. H. Arnold H«9 Marktftratze 88. 8097 seher und KreiSstraßeumeister, betreffend anderweitige Festsetzung ihrer Gehalte. Sie wünschen, daß ihre Gehaltsskala der für die Gerichtsschreiber, Kreisamtsbureauvorsteher rc. gleichgestellt wird. — 3. Ein Antrag der Abgg. j Pennrich und v. Brentano, betreffend den Rh ein verkehr i Bingen-RüdeSheim dahingehend, daß die Frage der l Errichtung einer Bingen und Rüdesheim verbindenden festen Straßenbrücke in Erwägung gezogen werden möge. — 4. Ein Antrag des Abg. HaaS-Offenbach, betreffend den GernSheimer Hafen. ** Gelandeerwerb. Die Zigarrenfirma Haas in Dillenburg hat vom Bäckermeister Löb er ein Baugelände an der Marburgerstraße (früher Leib Erben gehörig) für 20600 Mk. (6i/2 Mk. pro Quadratmeter) gekauft. Die Firma beabsichtigt, dort eine Zigarrenfabrik zu errichten. + Gründers, 20. Mai. Gestern abend fand die Hauptversammlung des Borschußvereins Grünberg (e. G. m. u. H.) statt. Nach dem Geschäftsbericht für 1899 (das 37. Verwaltuugsjahr) hat das Geschäft wiederum einen bedeutenden Aufschwung genommen. Der Gesamtumsatz ist auf 4 922 368 Mk. gestiegen; der Reingewinn beläuft sich auf 12808 Mk. Auf Vorschlag des Auffichtsratcs beschloß die Versammlung, an die Mitglieder 51/2 Prozent Dividende zu zahlen und dem Reservefonds etwa 3800 Mk. zu überweisen, sodaß sich dieser nunmehr auf rund 27000 Mk. beziffert. Die Zahl der Mitglieder beträgt 1014. — Am 3. und 4. Juli wird in unserer Stadt die Hauptversammlung des Gustav-Adolfsver- eins für das Großherzogtum Heffen tagen. In einer von Kirchenrat Pull mann einberufenen Versammlung wurde bereits über die Art und Weise, in der das Fest begangen werden soll, beraten. In einer demnächstigen Versammlung Wieseck. Feinster weisser Streusand bei guter Abfahrt stets zu haben bei Karl Kuhl. Ebenso liefere gelben Sand pro Wagen 50 Pfg. soll dann zur Wahl der verschiedenen Ausschüsse geschritten werden. Als Festlokal ist die geräumige Turnhalle in Aussicht genommen. . bm. Mainz, 20. Mai. Bei der Aufführung der Oper der M@oanSelimann" im Stadtcheat-r war am «benb bce 4. D-»mbkr 1899 da« Loschen eines Brande» darzust ll-n. Hierbei bestieg der Chorsüng-r 2. mit -wem Spritzinichiauch Ul der Hand eine an das brennende Kuliffenhaus gelehnte Leiter. Diese rutschte aber aus, sodaß der Sänger z» Boden stürzte und zwar mir dem Rücken auf die Kante der Leiter. Während anfänglich die erlittene Berleyung keine besonders schwere zu sein schien, eutwickelte sich bald eine Lungenentzündung, der L. nach einigen lßod)€n Nach Ansicht und gutachtlicher Aeußerung der behandelnden Aerzte war die Krankheit eine unmittelbare Folge innerer, bei dem Sturze erlittener Verletzungen. Die mit mehreren unmündigen Kindern hinterlassene Witwe des L. erhob nun an die Theaterleitung Schadenersatzansprüche, die auch nach Lage der Sache von der Direktion in Höhe von 4500 Mr. j anerkannt und beglichen worden sind. Da die Theater- Direktion, wie wir hören, gegen Haftpflicht (beim Augem. Deutschen Versicherungs-Verein in Stuttgart) versichert ist, so konnte sie sich für den erlittenen Verlust schadlos halten. Ä- LNs &* ’äS M. ft Stieb«. *”s h°d ®‘“«ten n .ntlt M, er »J r den bslrnnnE, J Widers^ 0«,i* ।g! II»4 51 iibt $ Verlangen Sie gratis u.franko meinen Sillnatr. Hauptkatal. über Fahrräder u. Fahrradartikel u.Sle werd, sich überzeug., dass ich b bester Quallut, unt 1J ähr.Garant, am billigst, bin. — Wlederverk. ges. Deutsche Fahrrad-Industrie, Richard Driessen, Hannover, Brüderatr. 4, „ 28.-30. • bl- beziehen. — 2. Knterzeuge für Herren finden Sie in grösster Ans- Arima Apfelwein im Zapf lii8 Frankfurter Hof. Uerberall ist das Bestreben erwacht, sich über die Grundlehre der Gesundheitspflege zu unter, richten und sicherlich wird heute niemand mehr darüber im Zweifel sein, daß mit der körperliche« Frische, Kraft und Gesundheit auch das geistige Vermögen wächst Gerade im schulpflichtigen Alter _____kommt es nur -u häufig vor, daß Kmder Mit leere« Magen oder einem überhastetem, ungenügenden Frühstück zum SchM- unterricht eilen, n>o st- dann 3 bis 4 Stunden geistig halten müffen. Wie ist eS da ,u °ern>undern, w-nn die L-'stunS^ sähigkeit des Körpers und de» Geiste- nach und nach fin», baß e, dem Kind unmöglich ist, dem Schulunterncht zu folgen. Das Kind kann nicht arbeiten, nicht geistig frisch sein, weil seine Kräfte erlahmt stn\ und weil dem Körper in seiner Nahrung nicht solche Nährstoffe M-führt wurden, die der Organismus bei geistiger Arbeit verbraucht.6c$uV pflichtige Kinder muffen ausreichend ernährt und besonders cck Frühstück muß so eingerichtet sein, daß während der SchEunden knne Erschlaffung eintritt. — Dr. med. ThemhardtS "vhl schmeckendes, dem Cacao ähnlich schmeckendes Geiränk, ist hierzu vor trefflich geeignet. Es besitzt außerordentlich hohen Nährwert und bewrrtt ein stundenlang anhaltendes Sättigungsgefühl, ber regÄmäbtgem Gebnmch erstarken die Kinder an Körper und Geist und d« Schulbesuch kann ihnen nichts anhaben; sie gedechen vortrefflich und die Folge ist, daß sie gute Zeugnisse mit nach Hause bringen. Aus Stadl und Sand. s«vo»yme Eirrsendungcrr, gleichviel welche« Inhalte-, werde« grundsätzlich «icht ausgenommen.) Gieße«, 20. Mai 1900. Geschichtskalender. (Nachdruck verboten.) Vor 95 Jahren, gm 20. Mai 1805, wurde zu Darmstadt Georg Gottfried Gervtnus geboren, der feinen Weg zur Berühmtheit mit der kauf- liiü anifchen Lauf'ahn begann. Mit unglaublicher Ausdauer drang er -vorwärts. Zurrst Posiffor in Göttingen, wurde er später Redakteur der 1847 begründeten „Deutschen Zeitung". Se ^xvVtix^t । btttii. bit Ltzzusthen. )ie Anträge , sonst könnt Lehr richtig'» *”■ iejemgen w K§362a ju r] bleiben bei LsidvA. 66. n W*X ige zum § *’ daraus könne sofort A bk" ige diskutieit überdies eiben mM § 36'2 ttW die E ch Dtsküffro« Konfirmanden Stiefel' und -Schuhe in zeher Preislage, empfiehlt zu außerordentlich billigen aber festen Preisen das Deutsch-Amerikanische Schuh-Geschäft 8664 Adolf Beverstein, über Absatz 1 des § 362. Die Annahme erfolgt mit 255 iegen 56 Stimmen. — Es folgt die Abstimmung über einen rein stilistischen Antrag Beckh (freif. 23p.) zum Absatz 2, statt „der Verurteilte" zu setzen „die verurteilte Person . Der Antrag wird mit 225 gegen 75 Stimmen abgelehnt. Weiter wiro über den Antrag Albrecht (Soz.) abgestimmt, den von Ueberweisung an die Landespolizeibehörde handelnden Absatz 2 ganz zu streichen. Der.Antrag wird mit 229 gegen 71 Stimmen abgelehnt. — Die nächste Abstimmung gilt dem Anträge Albrecht (Soz.), den Absatz 3 des Paragraphen anderweit zu fassen, und zwar in Bezug auf die Dauer des Zeitraumes der Zwangsunterbringung im Arbeitshaus. Der Antrag wird abgelehnt mit 224 gegen 77 Stimmen. — Weiter wird der Antrag Albrecht (Soz.) auf Streichung des ganzen Absatzes 3 abgelehnt mit 226 qegen 68 Stimmen. — Auch über Absatz 4 ist namentliche Abstimmung beantragt. Dieselbe ergiebt Aufrechterhaltung des Absatzes mit 238 gegen 57 Stimmen. — Die nächste Abstimmung erfolgt über den vom Abg. Deine (Soz.) beantragten Zusatz, wonach Unterstellung unter sittenpolizeiliche ?lufsicht nur erfolgen darf im Falle rechtskräftiger Aestrafung wegen gewerbsmäßiger Unzucht. Der Jntrag wird abgelehnt mit 216 gegen 76 Stimmen. - Em weiterer vom Abg. Seine (Soz.) beantragter Zusatz betr. Trennung jugendlicher von anderen Personen im Arbeitshaus wird abqelehnt mit 214 gegen 72 Stimmen, ebenso der Antrag hc'ine (Soz.) betr. Anwendung des Paragraphen auch auf iffe wegen gewerblichen Glücksspiels Bestraften mit 206 gegen 60 Stimmen. — Nunmehr wird über den unverändert gebliebenen § 362 im ganzen abgestimmt. Die Annahme desselben erfolgt mit 200 gegen 64 Stimmen. — tin Antrag Bassermann (nl.) auf Vertagung wird angenommen. — Nächste Sitzung: Montag 1 Uhr. Tages-Ordnung: Fortsetzung der heutigen Beratung. — Es ent)pinnt s.ch noch eine längere Geschäftsordnungsdebatte über die Tagesordnung. Schluß gegen 8 Uhr. Elektrische Anlagen jeder Art und Grösse. Telephone, Feuer- und Diebessicherungen, Wasserstands-Fernmelder, Sprachrohre, Haus- und Hotelklingel-Anlagen, Einrichtung von Feuertelegraphen für Städte,Fabriken u.Bergwerke. (Aalernen der Telegraphisten ani Morse und Klopfer.) Gediegenes Material. Sorgfältige Ausführung. Billige Preise. 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