Dienstag den 21. August Nr. 194 Zweites Blatt 1900 Eichener Anzeiger b*e ÄRjnyr Heneral -Anzeiger Amts« und Anzeigeblatt für den Kreis Gieszen M4*f#t«|c Nr. 7. Gratisbeilagen: Gießener Famitienblätter, Ker hegischk Landwirt, Klättrr für heWhc Ualksfmnde. ---- ’ ' ■1' ! ■ "fli Adrtfle für Dkpcfchen: Anzeiger Ferufprecher Nr. 51. —————ip» Das erste deutsche Ueberseekabel. Die Machtstellung Englands im Völkerkonzert beruht zum guten Teil auf seinen weitreichenden internationales Berbnrdungen. Wer eine Kabelkarte zur Hand nimmt, wird alsbald entdecken, daß die englischen Kabel die ganze Erde umspannen. Von allen Ecken und Enden unseres Planeten! aufen die telegraphischen Nachrichten in das Londoner Foreign Office. Gut unterrichtet sein ist die erste Bedeutung der Weltpolitik. England hat das frühzeitig begriffen. Sobald die Entdeckung des Kautschuks, das heute zu den gesuchtesten Produkten des Erdballs gehört, die Isolierung lang gestreckter Kupferdrähte ermöglichte, begannen von England aus die Versuche, eine telegraphische Verbindung mit Nordamerika durch den Atlantischen Ozean herzustellen. Diese ersten Versuche datieren zurück bis Lum Jastre 1857. Sie mißglückten völlig. Die Kabel, viel zu schwach, dem Druck einer Wassersäule von 2000—2700 Faden Tiefe, ein Druck von 500 Atmosphären oder von 20 Tonnen, das heißt 20 000 Kilogramm auf den Quadrat- zoll, Widerstand zu leisten, rissen. Versuche, sie wieder aufzufischen, wurden gar nicht erst gemacht. Die Technik der Kabelkonstruktion und Kabelverlegung stack noch in den Kinderschuhen. Trotzdem glückte es bereits im Jahre 1858, ein Kabel von Valencia an der irischen Küste bis New-Pork zu führen. Schon am 5. August 1858 waren die beiden Kontinente telegraphisch verbunden und der Verkehr entwickelte sich derart, daß in vier Wochen 800 Telegramme, deren jedes 400 Mk. Gebühren gekostet hatte, vermittelt werden konnten. Damit aber hatte die Herrlichkeit ein Ende, Das Kabel war wiederum gerissen. Man sah jetzt, daß weder der gefürchtete Meeresgrund, noch die nicht minder gefürchteten .Haifische den Kabeln gefährlich würden, sondern daß allein die zu schwache Konstruktion der Kabel und die Fehler in der isolierenden Umhüllung zu fürchten waren. Entweder ertrugen die Kabel selbst den Wasserdruck nicht, oder kleinste, mikroskopisch nicht einmal bemerkbare Bläschen in der Kautschukhulle platzten unter der Gewalt der auflagcrnden Wassersäule, die Isolierung war hin, das Kabel unbrauchbar. Etwa zehn Millionen Mark an Kapital halten diese ersten Versuche gekostet, und die Amerikaner, die wesentlich dazu beigesteuert, gaben die Sache nunmehr auf. Es blieb unter diesen Umständen nichts übrig, als in England selbst die erforderlichen Kapitalien aufzubringen. Zuvor aber mußte das Problem gründlich nach allen Seiten studiert werden. So hervorragende Gelehrte wie Samuel Caming und William Thompson, der heute als Lord Kelvin die allgemeine Anerkennung für seine Verdienste um die physikalische und technische Wissenschaft genießt, nahmen sich der Sache an. Sie verbanden sich mit Cyrus Field, John Pender und Tames Anderson, und unter Mitwirkung all dieser Kräfte kam im Jahre 1864 die Telegraph Con- struction and Maintenance Company zustande. Das Faktum ist in diesem Rahmen um so bedeutungsvoller, als diese ganz hervorragende Gesellschaft noch heute existiert und das deutsche Reich keinen Augenblick gezögert hat, ihr durch die zum' Zwecke der Legung deutscher Ozeankabel begründete Deutsch-Atlantische Telegraphen- g c s e l l s ch a f t die Herstellung und Verlegung des ersten deutschen Unterseekabels anzuvertrauem Aber trotz aller Sorgfalt in der Vorbereitung riß auch das am 23. Juli 1865 wiederum von der irischen Küste geführte Kabel, zu dessen Verlegung der „Great Castern" gechartert worden war, nachpem 1062 Seemeilen Kabel in den Schoß des Meeres gesenkt waren. Der „Great Eastern" kehrte unverrichteter Sache zurück, ging aber schon im folgenden Jabre mit einem neuen Kabel in See. Er sollte dies Kabel verlegen und das alte vom Vorjahre wieder auffischen. Diesmal gelang es nach unsäglichen Mühen. Am 27. Juli 1866 landete der „Great Eastern" Das neue Kabel in Hearts Content auf Newfoundland, kurz darauf fischte er das alte Kabel glücklich und landete es gleichfalls. Deutschland war damals mit dem Wiederaufbau des Reiches beschäftigt, den die Schlacht auf den Feldern bei Königgrätz soeben eingeleitet hatte. Je mehr sich das neue Reich zu einem machtvollen Gemeinwesen entwickelte, desto stärker machte sich das Bedürfnis geltend, auch auf dem Gebiete der überseeischen Telegraphie hinter den anderen Kulturvölkern nicht zurückzubleiben. Das Problem hat den kühnen Regenerator des deutschen Postwesens, hat Heinrich von Stephan jahrelang beschäftigt. Wie weit seine Vorarbeiten auf dem Gebiete zurückgehen, konnten wir nicht klarstellen, die offizielle Vorarbeit begann zu Anfang der neunziger Jahre des vorigen Jahrhunderts und nahm 1894 feste Formen an. Da das Reich die Ausführung nicht selbst übernehmen wollte, kam unter thätiger Mitwirkung des Reichspostamtes die bereits genannte Deutsch-Atlantische Telegraphengesellschaft in Köln a. Rh. zu stände. Die Gesellschaft wurde unter Führung der bekannten Welt- srrma Felten & Guilleaume in Mühlheim a. Rh. mit einem Kapital von 20 Mitt. Mark begründet. Es wurde ihr die Verpflichtung auferlegt, die erforderlichen Landungs- rechte zu erwerben, das neue Kabel herzustellen und verlegen zu lassen. Doch waren hohe Beamte des Reichspostamtes bei allen diesen Akten mit thätig. Das erste deutsche Kabel nimmt, wie die vorstehenden Bemerkungen ergeben, seinen Weg von Borkum, dem bekannten Nordseebade, aus, — Herr v. P 0 d b i e l s k i hat hier selbst das Seekabel an das Landkabel geknüpft, das von Borkum zur Station Emden läuft — durch den Kanal nach der Azoreninsel F a y a l, in deren lieblicher Hauptstadt Horta sich die Kabel einer ganzen Reihe überseeischer Kabelgesellschaften vereinigen. Von Horta läuft das Kabel in nahezu schnurgerader Rickstung durch den Ozean nach New Hork, wo es von Süden her in den Offizinen der Commercial Cable Company einmündet, die mit ihren weit über den amerikanischen Kontinent ver zweigten Linien die Weiterbeförderung der Telegramme über die Union und nach Südamerika übernommen hat. Das deutsche Kabel vermeidet danach völlig die Sandbänke bei Newfoundland, die schon so manchem Kabel gefährlich geworden sind. Das Kabel ist 4366 Knoten (1 Knoten gleich 1 englische Meile gleich eine Viertel deutsche Meile) lang, kostet mit Verlegung und Instandhaltung für dreißig Tage nach vollendeter Verlegung 19/7 Mill. Mark und wird wenigstens 25 Worte zu 5 Buchstaben, also 125 Buchstaben, in der Minute vermitteln. Der Dienst soll vertragsmäßig am 1. Oktober beginnen, thatsächlich hat er bereits begonnen, allerdings nur bis Horta auf Fayal auf dem neuen deutschen Kabel, von dort auf dem Kabel der nordamerikanischen Commercial Telegraph Cable Company und hat sich das Kabel dabei vorzüglich bewährt. Statt auf 125 Buchstaben hat man es aus 170 Buchstaben gebracht, und da aus dem neuen deutschen Kabel nach seiner Vollendung in beiden Richtungen telegraphiert werden kann, so steigert sich diese Leistung allein dadurch auf das Doppelte. Die Verlegung von Borkum bis zu den Azoren hat der Geheime Oberpostrat Bernhard geleitet, die von Manhattan-Beach bis zu den Azoren leitet der Postrat Köhler. Die Ausführung besorgt der Cl)efingenieur der Londoner Telegraph Construktion and Maintenance Com- pann, ein äußerst gewandter Techniker aus dem Gebiete. Es ist interessant, zu bemerken, daß sich der Verkehr auf dem Jnterimskabel, das Wort kostet bis nach den Oststaaten der „Union" 1,04 Mark, in den vierzehn Tagen seines Bestandes bereits außerordentlich entwickelt hat. Die deutsche Geschüftswelt wie die amerikanische hat sich des neuen Verkehrsmittels sofort bemächtigt. Nach den Mitteilungen, die uns von der Direktion geworden, ist heute bereits vorauszusehen, daß das Kabel "trotz seiner großen Leistungsfähigkeit alsbald überlastet sein wird, so daß man bereits im nächsten Sommer ein zweites Kabel wird verlegen müssen. Da das Kabel bei seiner Lage eine schnellere Vermittlung garantiert, als alle älteren Auslandkabel, ist das sehr begreiflich Das Deutsche Reich ist, wie erwähnt, an dem Unternehmen hervorragend beteiligt. Es hat der Gesellschaft den Betrieb des Kabels für 40 Jahre übertragen und ihr das Landungsrecht an der deutschen Küste einaeräumt. Für die vorbehaltene Benutzung des Kabels zahlt das Reich jährlich eine feste Vergütung von 1,4 Millionen Mark. Das Reich bezieht seinerseits die Gebühreneinnahmen aus den Kabelwaten bis zum Betrage von 1,7 Millionen Mark. Uebersteigen die Einnahmen diesen Betrag, so erhält das Reich einen Gebührenanteil von 25 Centimes für das Wort. Die Gesellschaft hat auch die Linie der Deutschen Seetelegraphengesellschaft, die seit 1896 ein Kabel von Emden-Borkum nach Vigo an der spanischen Westküste betreibt, übernommen. Dies Kabel brachte bei einem Anlagekapital von 3,56 Millionen Mark 1899 bereits 6 Proent Dividende. Es soll aber nicht bei diesen Kabeln bleiben. Zu düesem Zwecke hat die Gesellschaft im Verein mit der Firma Felten & Guilleaume in Nordenham bei Emden mit einem Kabel von 2 Millionen Mark die „Norddeutschen Seekabelwerke" begründet, die die Fabrikation und Verlegung von Seekabeln ausführen sollen, und bereits seit längerer Zeit im Betriebe sind. Auch einen besonderen Kabeldampfer „von Podbielski" hat die Gesellschaft in Glasgow bauen lassen, der am 9. November 1899 vom Stapel gelaufen ist. Die englische Presse hat diesem Stapellaufe mehr Beachtung geschenkt als ine deutsche und dabei stark betont, daß Deutschland nunmehr auch auf diesem Gebiete sich vom Auslande unabhängig zu machen beginne. Deutschland hat dabei kein anderes Interesse, als seinerseits dem Verkehr der Nationen ebenso wie andere Völker zu dienen. Der Erfola wird dem Unternehmen nicht fehlen, wenn es dieser Aufgabe stets eingedenk bleibt. Die Wirren in China. Die Einnahme von Peking ist nunmehr auch amtlich bestätigt. Der amerikanische Admiral Remey telegraphiert aus Taku vom 17. morgens 1 Uhr: Soeben habe ich aus Tientsin folgendes Telegramm vom 16. August, 10 Uhr abends, erhalten: „Peking ist am 15. August genommen worden. Die Mitglieder der Gesandtschaften sind wohlbehalten. Einzelheiten folgen binnen kurzem." Ferner ist in der verflossenen Nacht in London, wie die „Morning Post" meldet, ein Telegramm des Zollkommissars in Tschisu vom 17. August eingegangen, demzufolge die in Peking Belagerten in der Nacht zunr 15. (soll wahrscheinlich heißen vom 15. zum 16.) entsetzt wurden. Ter deutsche Konsul in Tschisu telegraphiert: Ein japanisches Torpedoboot berichte, daß Peking ge nommen und die Gesandten sämtlich befreit seien, und schließlich meldet der amerikanische Konsul in Tschisu vom 17.: „Der japanische Admiral teilt mit, daß die Verbündeten am 15. August Peking von Osten her angegriffen haben. Die Chinesen leisteten hartnäckig Widerstand. Am Albend dangen .die Japaner mit den übrigen Truppen in die Stadt ein und umringten sofort die Gesandtschaften, deren Insassen sämtlich wohlbehalten sind. Die Verluste der Japaner betrugen über 100 Mann, die der Chinesen 300 Mann." Somit waren die Gesandten und ihre Mitkämpfer am Abend des 15. in Freiheit. Von Einzelheiten des An- giffs errfahren wir bis jetzt nur, daß er von Osten l)er erfolgte, also auf das Tschihothor der Tatarenstadt und das Tungpienthor der Chinesenstadt angesetzt war, nachdem die Tage vom 12. bis zum 15. August — am 12. waren die Verbündeten bekanntlich in Tuiigtschon, 19 Kilometer vor Peking, eingetroffen — offenbar dazu verwandt worden waren, die Artillerie gegen diese Thore in Stellung zu bringen. Entgegen den bisherigen Nachrichten meldet der japanische Admiral, die Chinesen hätten hartnäckigen Widerstand geleistet, und die Japaner hätten dabei 100 Mann verloren. Man muß also annehmen, daß die Thore nicht gutwillig geöffnet worden sind, sondern znfammen- geschofsen unb erstürmt werden mußten. Auf diesen Sturm dürsten hauptsächlich die Verluste der Japaner zurückzu- führen fein. Von den Thoren aus sind dann die verbündeten Truppen entweder durch die breiten Straßen der Stadt oder aber auf dem sicherem Wege über die Mauern nach dem Gesandtschaftsquartier geeilt und haben die Ge- saandtschasten schützend umringt. Es wäre nicht unmöglich, daß die Deutschen, Oesterreicher und Italiener, die infolge der freundlichen Aufforderung des französischen Generals Frey mit den Franzosen dem Entsatzkorps in Eilmärschen folgten, noch eben zur rechten Zeit eingetroffen sind, um an dem Angriff teilzunehmen. Daß Peking trotz seiner starken Mauern und trotz des hartnäckigen Widerstandes in einem Tage genommen wurde, erhöht das Verdienst des wackern Rettungskorps, dem alle Welt wegen seines mutigen, mit den größten Anstrengungen verknüpften Marsches auf Peking zu Dank verpflichtet ist, in ganz bedeutendem Maße. Alle Berichte stimmen besonders in dem Lobe bfrr japanischen Truppen überein und teilen mit, daß sie dank ihrer vortrefflichen Ausrüstung unb Aus- bilbung erheblich dazu beigetragen haben, der Zivilisation unb bem Völkerrecht zum Siege zu verhelfen. Die Ver- bünbeten scheinen noch gerade zur rechten Zeit eingetroffen zu fein, um von den in Peking Belagerten das Schlimmste abzuwenden, denn eine neuere, nicht datierte Botschaft des amerikanischen Gesandten (Songer, die nach Ansicht seiner Regierung zwischen dem 5. und 11. August aus Peking abgegangen ist, lautete: „Seit dem 23. Juni vollständig belagert. Seit dem 17. Juli nur noch Gewehrfeuer, aber täglich und häufig begleitet von verzweifelten Angriffen. Einer noch in der letzten Nacht." Das also war der „freundschaftliche Verkehr", den die chinesische Regierung mit den Belagerten unterhalten haben will ! Die Berichte der nunmehr Befreiten werden diesen Verkehr bald durch erbauliche Einzelheiten noch' weiter illustrieren. Uebrigens erhellt aus Privatberichten englischer Blätter, daß die Chinesen alles aufgeboten hatten, um den Marsch der Verbündeten auf Peking unmöglich zu machen. So hatten sie bei Hohsiwu tiefe Gräben ausgehoben, um das Wasser des Peiho auf das umliegende flache Land abzuleiten, es zu überschwemmen und den Flußweg für die Transportmittel der fremden Truppen unbrauchbar zu machen. Einen ganzen Monat lang müssen sie nach Schätzung der Berichterstatter an diesem Werk beschäftigt gewesen sein, so umfassend waren die Arbeiten, und der Vertreter der „Morning Post" setzt hinzu: „Ohne die Benutzung des Peiho würden die Schwierigkeiten, das Heer der Verbündeten bis Peking zu bringen, geradezu unüberwindlich gewesen sein". Als aber die Verbündeten ein trafen, waren die Arbeiten ihrer Vollendung nahe, noch ein paar Tage Verzug und die Expedition wäre vermutlich gescheitert gewesen. Aus Tientsin wird vom 16 ds. abends 10 ein halb Uhr über Tschisu gemeldet: Folgendes Telegramm des japanischen Generals Aamagutschi, datiert Peking 15. August, ist heute früh hier eingegangen: „Am 14. August griffen die Alliierten Peking von der Ostfeite an. Die Wälle hielt der Mnd hartnäckig. Der Angriff erfolgte durch 5)ie Japaner unb Russen auf der Nordseite des vptti berliner Meldung des Bureau Lassan zufolge ist Hans Cardua, der angeblich Lord Roberts entsühren wollte, ein junger Deutscher, der vor wenigen Jahren Assistent am Museum in Pretoria wurde und sich zugleich in Transvaal naturalisieren ließ. Im Oktober trat er als Freiwilliger in die TranSvaalfche Artillerie ein. Botha ließ ihn in Pretoria zurück, damit er Fort Wonderboom den Engländern übergebe. Aus Pretoria wird nun vom 17. August gemeldet: Das Kriegsgericht verhandelte heute gegen den Leutnant Hans Cardua von der Staatsartillerie, der beschuldigt ist des Bruchs des Ehrenwortes und der Teilnahme am Komplott gegen Lord Roberts. Der.Angeklagte bekennt sich schuldig, erklärte aber, er sei zu dem Komplott durch englische Geheimagenten verleitet und bestritt, jemals mit Botha in Verbindung getreten zu sein. Er habe versucht, dies zu thun, doch sei er dabei abgesaßt und zurückgebracht worden. Hieraus wurde die Verhandlung vertagt. Telegramme de- Gießener Anzeiger-. Loudon, 20. August. Die Meldung über den Sieg! des Generals De Wet über die englischen Truppen, wobei 4000 Engländer in Gefangenschaft geraten und die Buren 7 Geschütze erbeutet haben sollen, wird von dem heutigen Blättern als vollständig unwahrscheinlich ausgenommen, da jede Einzelheit über das Gefecht noch fehlt und dre Meldung^ des Sieges aus Burenquellen stammt. De Wet, der den £>ieg erfochten haben soll, war vorgestern noch von Lord Kitchener und einem Teile der Truppen Methucns hart bedrängt. Sollte sich die Meldung dennoch bestätigen, so kann es sich nur um die Truppen des Generals Carrington, der bereits ausZeerust fliehen mußte, ober um bie unter dem Befehl Baden-Powells stehenden- handeln. Die Gegend, wo die Schlacht stattgefunden haben soll, muß zwischen Maseking und Rustenburg liegen, also in der Nähe der Paardeberg, wo seinerzeit Cronje sich ergeben mußte. London, 20. August. Die heutigen Morgenblätter stellen' das Komplott gegen LordRoberts als eineKomödie dar. Die gegen die Angeklagten vorliegenden Zeugenaussagen sind derart, daß sie keinesfalls eine harte Strafe für ole Angeklagten nach sich ziehen können. Was die Zeugen selbst betrifft, so sind sie meist von vorneherein kompromittierte London, 20. August. „Central News" melden aus Shanghai, die Vizekönigc des Yangtse-GebieteS baten die Konsuln daraus zu achten, daß dem Kaiser und der Kaiserin jede Beleidigung erspart werde. Wien, 20. August. Der österreichische Gesandte in China, Freiherr von ^ikan wird sich am Dienstag in Bremen auf dem LloyddaV'pser „Kaiser Wilhelm" nach New-Uork einschisfen, von dort guf der Pacisicbahn nach Vancouver fahren und von dort die Meinem öfter» ^ichischen Kriegsschiffe nach China fortsetz^u. Telegramme de- Gießener Anzeiger-. Berlin, 20. August. Generalfeldmarschall Graf Wal der fee hat heute vormiltag 7 Uhr 40 Minuten mit feinem Stabe die Reise nach China angetreten. Zur Vcr- abschiedung hatten sich zahlreiche hohe Persönlichkeiten der Ausland. ! Loudon, Id. August. Dem „Manchester Guardian^ zufolge ist eS Lord Wolseley wohl bekannt, daß die energischen Aeußerungen, die er in Aldershot that, von den Zivilbeamten im Kriegsministerium nicht gebilligt werden. Lord Wolseley hat jedoch beschlossen, den militärischen Zentren in der Provinz eine Reihe von Besuchen abzustatten und sich dort ebenfalls zu äußern. Gewisse Beamte im Kriegsministerium sind darüber sehr beunruhigt. Sie haben gestern eine Konferenz abgehalttn und heute wird wieder eine stattsinden. Die militärischem Klubs sind ganz aus Seiten Lord Wolseleys. Sie sagen, er hat alle Karten in der Hand und wird sie gut aufl« spielen. Paris, 19. August. Anläßlich der Preisverteilung ber Weltausstellung wurde der deutsche Reichs-Kommissar Dr. Richter zum Großofstzier, der Stellvertreter des Reichskommisiars, Lew al d, zum Kommandeur der Ehren legion ernannt. Generalkommissar Picard und Generaldirektor Delannay'Belleville Überreichten die verliehenen Auszeichnungen den Betrefsenden im Reichs kommissariate persönlich. — Die Verteilung der Preis.e gestaltete sich zur pompösesten Feierlichkeit, die die Ausstellung seit der Eröffnung gebracht. Punkt 3 Uhr zeigte- ein Trompetensignal die Ankunft des Präsidenten der Republik an. Er war in einem Vorsaale von dem Handelsminister und dem AuSstellungSkommiffar empfangen warben. Der Präsident hielt eine Ansprache, die jedoch in dem Riesenraume völlig verloren ging. Die Rede de« Handelsministers Millerand hatte kein befferes ^Schicksal, obwohl I zugehen und in lebhafte Hochrufe auszubrechen. Bor Ab- gang^deS Zuges erschien Graf Waldersee noch an der Thüre des Salonwagens und verabschiedete sich von seiner näheren 1 Umgebung und von seiner Familie. Als Graf Waldersee mit seiner Gemahlin dann am Wagenfenster stand, trat ein höherer Offizier vor und brachte drei Hurras aus den Generalfeldmarschall Grafen Waldersee aus, in die das anwesende Publikum begeistert einstimmte. Graf Waldersee war bei bester Laune und bemerkte auf die vielfach laut werdenden AbschiedSruse: „Gehen Sie nur nach Hause, wir werden schon sehen, was sich machen läßt". Unter den Klängen des LiedeS: „Muß i denn, muß i denn zum Städtle hinaus", brausenden Hochrufen, Tücher- und Hüteschwenken setzte sich ber Zug in Bewegung. Berlin, 20. August. Gestern ist hier eine Depesche von Li hung Tschang eingelaufen, die besagt, daß die Kaiserin.Witwe und der chinesische Hof die übliche Fahrt nach dem Westen angetreten haben und die fremden Truppen in Peking eingezogen seien. Loudon, 20. August. Der Admiral Bruce telegraphiert auS Tschisu: Ich vernehme aus japanischer Quelle, daß man immer noch in den Straßen Pekings kämpft. Yangu verhindert die Flucht ber Kaiserin. Der Feind ver- teidigt sich in der inneren Stadt, welche von den verbündeten Truppen umgeben und zerstört wird. London, 20. August. Aus Hongkong wird gemeldet: Eine Gruppe Mandarinen der südlichen Provinzen erließ einen Ausruf, worin die Einnahme Pekings durch die internationalen Truppen als eine gerechte Strafe hingestellt wird für die reaktionären Beamten, welche die Boxer unterstützt hätten. Die Proklamation erkennt die Ueberlegenheit ber Verbündeten an. * « Wvlsssche Bureau Meldet: Die deutsche Re- | fl i e t u n u auhvortetc auf das Gesuch ^^uug-Tfchgngs um Friedensu nterha ndlungen im Laute aefU | bie?ic,iQc ^ncsischv Gesandtschaft, i h“c ;rT ft * Tllb welcher Art nicht eher nu-rci Ibinu, als bis die Personen der fremden I unter!°%1C bie sonstigen Fremden Pekings füh ‘ ^ntmgents der Mächte befänden allgemein bc zeichnend für die chinesische Denkweise m die w.r Enrvpaer uns mir schwer hineinversetzen können, :ü’ f!”c. Vorstellung, die die Bi.zek'önige d?r sü dchi uesi s'che ii P r o v 1 n zen innnmelBar' bot der Einnahme Pekings an sämtliche Konsuln der Mächte in Shanghai gerichtet haben. Sie sagen in diesem Schiri ft° siöck, daß sie mit Entsetzen von der RaclMicht des Borrückens europäischer Truppen gegen Peking gehört hätten. Sie bitten aufs dringendste, diesen Vormarsch sofort ein- zustellen, da sonst die Gefahr entstände, daß die K a t s e r i u v o n C h i n a du r ch den Kriegslär m und das Schießen mit Kanonen beängstigt und erschreckt werden könne. Eine derartige Belästigung ihrer himmlischen Majestät müsse unter allen Umständen vermieden werden, und die Bizekönige bäten daher die Konsuln, den Militärbefehlshaberu jzm itelegraphieren, sofort den Vormarsch einzustellen, der sür die Nerven ihrer Majestät so beklagenswerte Folgen haben könne. Weder die Konsuln noch die militärischen Befehlshaber sind in der Lage gewesen, diese zarte Rücksicht ansznüben, und die Kaffer in von Chiu,a, ipie das Bombardement der euro päischeu Gesandtschaften zwei Monate lang allem Anschein! »ach ganz gut aushalten konnte, hat sich nun darin finden, müssen, auch den Donner der europäischen Kanonen zu vcr nehmen, wenn sie nicht, wie es nach einigen Berichten scheint, sich schon einige Tage vor Ankunft der europäischen 5 nippen aus dem! Staube gemacht hat. Wir halten cs nicht für ausgeschlossen, daß den Bequemlichkeiten und den Nerven tef Dome noch weitere respekllvidrige Belüftigungen Vorbehalten sind. Tie nahezu gro1,esk wirkende Eingabe der Bizekönige, die allem Anscheine nach ernstlich parag j?aft sie durch solche künstliche ' Vorstellungen den Vormarsch 5er berbiiiibetcn Li'UpPeB verhindern könnten, zeigt uns, wie ganz anders In den I Schädeln selbst hochstehender Chinesen sich die Wirklichkeit: ausnialt als wie bei uns. Es zeigt aber auch, daß trotz aller anarchiftisckten Vorgänge der Einflllß und die Macht der Kaiserin in den Angen ihrer Bizekönige noch jetzt so bedeute,»d ist, baß es schwerfallcn wird, die Kaiserin von der Verantwortung für den unerhörten Bruch des Völker rechts zu entlasten. Deutsches Keich. Berlin, 19. August. Zum Vortrag des Vize-Admirals Dieberichs um 9 Uhr war auch der Kolonialbirektor Dr. Stübel befohlen. Letzterer hatte ferner auch längere Konferenz mit dem Ober-Kommanbierenden ber verbündeten Truppen in China, Generalfeldmarschall Gras Waldersee. Um 11 Uhr wurde der Ches des Großen Generalstabes, General Graf von Schlieffen, vom Kaiser empfangen. Gleichzeitig hatte der Oberquartiermeister des Armee Oberkommandos für Ostasien, Generalmajor von Gayl, Vortrag bei dem Kaiser. — Zu der gestrigen Abendtasel war ber deutsche Botschafter in Paris, Fürst Münster gelabcn. Heule früh besuchte das Kaiserpaar den Gottesdienst in ber Schloßkapelle. — Wie aus Sronberg gemeldet wird, ist das Be- finden der Kaiserin Friedrich recht befriedigend. Die Kaiserin macht täglich Ausfahrten. Alle Meldungen von der Erkrankung der Kaiserin sind unbegründet. Es schreibt die „Post", unserer Meldung aus Cronberg entgegengesetzt: Schon vor einiger Zeit, als die Kaiserin Friedrich in Italien verweilte, hieß eS, daß sie an einem Nierenleiden erkrankt sei. Der Kaiser schickte damals Herrn Professor Dr. RenverS zu feiner Mutter. Auch aus Griechenland kamen unlängst Meldungen, in denen sich Besorgnis um das Befinden der Kaiserin äußerte. Weiter wird aus Cronberg gemeldet: Der Köni,* von Griechenland ist SamStag nachmittag 5 ubr mit dem Prinzen von Wales von Homburg hier einaetroffetL ,®et König wird einige Tage auf Schloß FriedrichShof Berbu",I,cn' (Sollte die .Post" nicht doch recht haben? D. Red,) .. , - Der „Reichsanzeige?" schreibt- Nachdem durch die Berufung des Bischofs Sima?" "kn erzbischöflichen Stuhl von Köln der bischöfliche Stuhl von Pader^ born zur Erledigung gekommen war, bat nach Maßgabe der bestehenden Vorschriften vom 10. Mar 1200 durch das Domkapitel der Kathedralkirche von Paderborn bie Wahl eines neuen Bischofs stattgefunden, welche atff den bisherigen Domprobst Professor ber Theologie Dr. Wilhelm Schneiber (Paderborn) gefallen ist. Dieser hat durch' päpstliches Breve vom 25. Juni 1900 die Bestätigmrg zur Ausübung des bischöflichen Amtes erhalten. Seine Majestät ber Kaiser unb König haben mittels Allerhöchster Urkunde vom 30. Juli 1900 dem Bischof Schneider die nachgesuchte landesherrliche Anerkennung als Bischof vorz Paderborn zu erteilen geruht. Die Urkunde ist dem Bischof am 14. August durch den Oberpräsidenten von Westfalen auSgehändigt worden, nachdem der Bischof ben< durch Verordnung vom 13. Februar 1887 üorge-, schriebenen Eid abgeleistet hat. Konsul in Tschi fu erhielt folgende Nachricht: Peking wurde am 15. August vom Entsatz korps angegriffen Rach hartnäckigem Widerstand stürmten abend die beiden östlichen Thore der Tataren stabt,Me anderen ti'orps das nördliche Ost t hör der Chinesen stadt (Tungpien). Die Gesandtschaften sind befreit. Die Japaner verloren 100, die Chinesen 300 100 Mann. - Tokio wird gemeldet: Die verbündeten Lruppeu, mit dem lapanischei. Kontingent in der Front, grtoen ^('['11^ von der Ost feite am Morgen des 15. August an. (Der General Yomagntschi meldet am 14.): Der $Sl1lbk verteidigte sich hartnäckig bis zum Abend. Die Japaner sprengten darauf zwei Thore, das Tschiho- und das Tnngtschithor, und drangen in die Stadt ein, wahrend die vc-rbundelen Truppen von Tungpienthore nZniilrFff,L wurde die Verbindung mit den Ä W ^sandten und deren Personal fmd wohlbehalten. v "«?ouKia Stefani" meldet aus Takn über Tschisu hi h... ^düngen aus Peking soll der K a ,upf In bi > Straßen der Stadt noch f o r t d a u e r u. Die ver ffni!hCtnIr ^schossen Punkte, an denen noch Wider- stand gcle,stet wird. Prinz Pnng habe die Kai e rin- I Wtlwe an ber Abreise gehindert. 1 11 Der Krieg in Südafrika. Die wichtigste Nachricht vom Kriegsschauplatz ?n Südafrika ist, baß die Generale French unb Buller sich thatsächlich nicht ganz 40 Meilen von ber Delagoa- bahn vereinigt l,aben. Man erwartet nun in Englanb, daß die beiden Füyrer vereint gegen General Louis Botha operieren werden, ber sich in dem sehr schwierigen Gelände zwischen Dalmauthua, Machabodorp und Nooitgebacht verschanzt haben soll; er hat Ueberfluß an Proviant unb Munition. 90 Geschütze sollen bei Machadoborp aufgefahren sein. Allem Anschein nach stehen in ber Nähe von Elanbs'Niver, wo Oberst Hoare noch immer Stand halten soll, nur ganz schwache Abteilungen von Buren. — Kommandant Olivier ist in der Nähe von Heilbronn wieder aufgetaucht, General Hunter stieß südlich Heilbronn auf ihn und zwang ihn znm Rückzug. Ein Telegramm des Generals Roberts meldet aus Pretoria vom 17. ds: Ich fürchte sehr, daß eS De Wet gelungen ist, feinen Verfolgern zu entgehen dadurch, daß er, wie ich glaube, feine Kolonne in kleine Abteilungen auflöste. Nach den letzten Nachrichten soll er sich in ber Nähe von Rustenburg befiuben. Die Lonboner Blätter veröffentlichen ein Telegramm aus Laurenzo Marques vom 18. bs. MtS.: De Wet habe 4000 Englüuber gefangen genommen unb 7 Geschütze erbeutet. Lorb Roberts räumte MibdelSbnrg. Im Wibersprnch bamit wirb ans Pretoria vom 18. bS. gemelbet: Gestern erschien De Wet von Ndrhen her bei Commanbonek, baS von Baden-Powell gehalten würbe. forberte diesen auf, sich zu ergeben. Baden-Powell fragte, | welche Bedingungen De Wet stelle. Ferner wird aus Kapstadt Vom 19. dS. telegraphiert: | Durch den Vorwand, ’Me Uebergabe Baden-Powells JlU Commanbon-k verlangen, erhielt De Wet Kc^tniS, daß vii vritische Garnison daselbst sehr stark fei. Er nahm daraufhin, von Baden-Powell verfolgt, den Marsch nach Norden auf. Nachdem die Buren bei Malmani von Car- rington geschlagen, zogen sie sich auf BuffelShoek zurück unb besetzten bort eine starke Stellung, wurden jedoch von Oberst Erroll vertrieben. Sni!?1?110?' bturrf) Engländer unb Amerikaner aus I Diplomatie unb viele Angehörige beS Militärs unb höhere WMii Zhorc“auV ber die Japaner Osfizier« eingebunden, Außerdem war -in -iußcrst zahl- durch das Tungpien Thor in die Lhinesenstadl ein Es m nicht abhalten ließ, beim wurden fofort Detachements beider Triippenabteilungen | ® fT.’.'"n beä ®r,aJe1} Waldersee so weit wie möglich vor. nach den Gesandtschaften gesandt, wo sie zusarnmentrasen. Die Berlnftc der Japaner betragen über 100 Mann, bar* unter Offiziere; bie Verluste ber Chinesen über 100 Tote." Demnach hat also ber Angriff am 14. Anglist begonnen unb Pöting ist in der Rächt vom 14. zum 15. gefallen. Man Wirb sich aus den vo»i uns gegebenen Ortsbeschreibungen erinnern, baß ber Tatniigkanal Peking in geraber Richtung von Westen nach Osten mit Tungtschvu unb bem Peiho verbindet. Etwa 5 Kilometer westlich von Tungtschou führt die historische Palilaobrücke über den Kanal. Auch die Ostthore, auf die, wie wir vermuteten, der Angriff erfolgt ist, haben wir bereits geschildert, bie beiden Thore der Talarenstabt, burch bie bie Japaner einbrangen, find bas Rordostthor (Tuugtschi) uub bas Ostthvr (Tschiho); bas Tungpienthor, bas bie Englänber unb Amerikaner nahmen, 'st das bem Gesandtschaftsquartier zunächst gelegene Nord- ostthor ber Chinefenftabt, wo ber Tatunglanal in bie Stabt hinein geht. Rnßlaud uub bie Maubschurei. Dem Petersburger Generalstabe sind folgende Rach,- , ä"llt'gangen: Bize Admiral Alexejew ist am 24. Juli von seiner Reise icach dem Norden der Lian- A111 ei' .Port Arthur zurüclgckehrt. Er 111 ^'ster Stellung bei HaitsMug, südlich von Liauyang, stehen; 3000 Chinesen stehen bei Nultschwa ug, 5000 m i t Ar title r ie bei Mulden. Sie erhalten von Norden her Verstärkungen und verschanu'U fidk Ein Erlundiguugsritt ber Kosaken längs M'R)wsluffes zwischen de... Amur und Assnri ergab, daß sich die dort aitfänige, durch falsche chinesische Gerüchte start beunruhiate n.andschnnscku' Bevölkerung vollko.nmen beruhigt ba uiih ihren Landarbeiten uachgeht. ,Vt' l,at 1,110 dessen scharfe Stimme mehr durchdrang. Beide Reden wurden mit lautem Beifall aufgenommen. Der Aus- stellungSkommissar Picard verteilte hierauf die Listen der preisgekrönten Aussteller. Es folgte noch der Vortrag der „Beschwörung deS „Roi de Lahore" von Masseuet, worauf der Präsident der Republik mit seiner Begleitung den Saal verließ. Paris, 19. August. Ein Attache der hiesigen russischen Botschaft erklärte einem Mitarbeiter der „RSpublique", die Botschaft sei von einem bevorstehenden Besuch des Zaren nicht unterrichtet. Bilboa, 19. August. In Gijon, wohin sich die königliche Familie gestern begab, verhaftete die Polizei zwei Italiener, die im Verdacht standen, Anarchisten zu sein. Rom, 18. August. AuS Anlaß der Kommentare, welche von der italienischen und auswärtigen Presse an die Ehrenbezeugungen geknüpft wurden, welche die Geistlichkeit bei den Trauerfe ierlichkeiten für König Humbert erwiesen, veröffentlicht der „Offervatore Romano" eine Note, worin erklärt wird, die geistliche Behörde ließ feierliche Exequien für König Humbert zu, um gegen das ver- abscheuungswerte Verbrechen zu protestieren, dann aber auch im Hinblick auf daS unzweiselbare religiöse Empfinden dcS Königs Humbert, welches der Verewigte noch in der letzten Zeit bei Gelegenheit des Papstjubiläums bewiesen habe. — — Den Blättern zufolge soll die Entscheidung der Anklagekammer im Falle BreSci gestern abend erfolgt sein. BreSci weigerte sich auf Befragen, einen Verteidiger zu wählen, ein solcher wird seitens der Justizbehörden ernannt. Sämtliche Anwälte Mailands baten, nicht mit der Verteidigung des Königsmörders beauftragt zu werden. Der Prozeß ist auf den 29. August festgesetzt. Den Vorsitz führt G a t t i, Rat am Appellhof. Ischl, 19. August. Die Geburtstagsfeier Kaiser Franz Josefs verlief in überaus würdiger Weise. Nach dem Gottesdienste empfing der Kaiser, umgeben von den Familienmitgliedern, Deputationen des Salzkammergutes, des Adels, verschiedener Körperschaften und der Schuljugend, welche in malerischem Zuge bei dem Kaiser vorüberzogen. Der Kaiser nahm die Glückwünsche der Deputationen, sowie eine vom Bürgermeister überreichte Adreffe entgegen, die viele künstlerische Aquarelle enthielt, und sprach allen mit weithin vernehmbarer Stimme seinen Dank für die Glückwünsche aus, die ihn so erfreuten. DaS angesammelte Publikum und die Deputationen brachen in begeisterte Hochrufe aus. Die Musik spielte die Volkshymne. Das Ganze gestaltete sich zu einer spontanen Huldigung für den Monarchen. Belgrad, 18. August. Der König und die Königin von Serbien treten von Semendria ab die Rundreise im Lande am 19. August an und werden am 24. den Ge- burtStag der Königin Draga in Jakovo feiern, wo sie zum ersten Mal das vom Volk geschenkte neue Schloß bewohnen werden. Petersburg, 18. August. Kaiser Nikolaus und Kaiserin Alexandra sind gestern nach Luga zu den Ma- növern abgereist. Rewyork, 18. August. Die Volkszählung ergab für Groß Newyork 3 437 202 Personen, d. i. in zehn'Jahren eine Zunahme von 944 611. Aus Stadt und Land. Gießen, den 20. August 1900. ♦* Auszeichnung. Dem seitherigen Garde-Unteroffizier Bott zu Darmstadt wurde das Silberne Kreuz des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen. " Landeslotterie. Bei der heute fortgesetzten Haupt- Ziehung fielen 1 Gewinn zu 100 000 Mk. mit Prämie von 400 000 auf Nr. 4377. — 4 A 3000 Mk. auf Nr. 2836, 3705, 11 598, 17 933. — 7 A 2000 Mk. auf Nr. 912, 1236, 6147, 6468, 20,548, 31 155, 32 484.-11 A 1000 Mk. auf Nr. 1890, 3402, 4832. 13 205,21 134, 21 506, 24289, 27 746, 29 063, 30 132, 31 467, = 21 A 500 Mk. ans Nr. 2070, 2817, 3066, 5272, 5328, 7344, 7509, 9189, 10006, 11 963, 13 220, 15 965, 17254, 17 959, 20 519, 21894, 23 929, 24 336, 26 071, 26 737, 27 615. - 44 A 400 Mk. aus Nr. 60, 676, 694, 1373, 1806, 1856,2451, 3024, 3201, 3618, 3776, 4124, 4283, 4377, 4845,6895, 7130, 7910, 8403, 9608, 10 750, 10 789, 11 698, 11 976, 12 380, 13 639, 13 864, 14240, 20 519, 21 410, 22 845, 23 519, 24 661, 24 675, 24 937, 25 631, 26 803, 27 859, 28 313, 28 485, 29 452, 30 195, 31 691, 31 999. (Ohne Gewähr.) 7 * Sie Bereinigung der Gießener Militär vereine veranstaltete am Samstag, wie alljährlich, eine ErinnerungS- feier an die Schlacht bei Gravelotte. Der erste Teil der Feier galt den auf dem hiesigen Friedhose ruhenden gefallenen, oder an Wunden und Krankheit gestorbenen Kriegern von 1870/71. Gegen 8 Uhr abends nahmen die Militärvereine mit ihren Fahnen am Denkmal auf dem Friedhof Aufstellung. Nachdem der von einem Teil unserer Regimentsmusik ausgesührte Choral verklungen, nahm Herr Pfarrer Dr. Naumann das Wort zu folgender Ansprache: Altgediente, liebwerte Beteranen! Ihr teuren Kameraden allzumal 1 Heute vor 30 Jahren, am 18. August 1870, wurde die furchtbar blutige Schlacht bei Gravelotte geschlagen. Unvergessen, auch nach den Jahrzehnten eines Menschenalters, bleibt dieser heiße, ruhmvolle Tag Men, die damals mitgekämpst haben, allen Deutschen, denen die Opfer und die Erfolge der Schlacht bekannt geworden sind. Die Macht der Erinnerung, und der Drang, das Gedächtnis der gefallenen und gestorbenen Kämpfer zu erneuern, hat uns heute hierher geführt an diese Kriegergräber. Bedeutungsvoll und hocherfreulich ist eö, daß wir heute als Kriegervereinigung Gießen gemeinsam hierher gezogen find. Und in besonderem Sinne bedeutsam und erfreulich ist es, daß der Marineverein den anderen Kriegerver- brndungen sich zugesellt hat; ist dies doch ein Bild davon, daß endlich auch unsere deutsche Marine der Landarmee gleich wichttg und gleich tüchttg zur Seite getreten ist. Mw alle noch Lebenden, bie alten, die einst mitgekämpst, und die Mgeren dre rm Fr,-den zu Wasser oder zu Land Militärdienst geleistet haben ehren heute in Einem Geist und Einer Liebe die gefallenen. die gestorbenen Krieger. Doch nicht an Gravelotte allein gedenken wir heute an dieser Stätte, sondern auch an alle anderen Schlachten und Siege deS deutsch, französischen Kriegs, besonders an Sedan mit allem, was die dort geführten Kämpfe und erlangten Errungenschaften für unser Vaterland bedeuten. Aber nicht die Schlachten als solche feiern wir an diesen Gräbern; nicht triumphieren wir über blutige Niederwerfung und Vernichtung der feindlichen Heerscharen, sondern wir ehren das Gedächtnis der deutschen Brüder, die als des Krieges teuerste Opfer in den Schlachten gefallen verwundet, gestorben und in fremdem, oder wie hier, auf heimischem Boden begraben worden sind; wir gedenken frohen Herzens immer von Neuem daran, daß ihr Blut geflossen ist, nicht vergeblich, sondern um öcn herrlichen Preis von Kaiser und Reich, mächtig und geachtet unter allen Völkern der Erde. Dadurch wird eine Gedächtnisfeier an Kriegergräbern, wie wir heute sie halten, von selbst ein besonderer A u ü - druck des Dankes und eine stets neue Mahnung x u deutscher Treue. Wie Vieles und Großes haben wir doch zu danken den Helden, die wn Streit gefallen sind ! Da« haben wir seit 1871 fo manches Jahr uns gesagt, froh darüber, daß das blutig Errungene nicht wieder verloren ging, sondern erhalten und gefördert wurde. Heute aber, nach 80 Jahren, dürfen wir uns ganz besonder- freuen über den mächtigen Aufschwung des kaum geeinten Vaterlandes. Deutschland ist eine Weltmacht geworden. In allen Landen und Weltteilen ist des Deutschen Name geachtet, ist des Deutschen Hand rührig und mächtig, hat deS deutschen Kaisers Wort hohe Bedeutung. Dem entsprechend haben wir zu unserer wackeren Landarmee eine deutsche Kriegsflotte erworben, stets wachsend und zu mächtigerem Wachstum bestimmt Schon haben tm fernen China in heißen Kämpfen unsere Marmctruppen d»e glänzendste Feuertaufe erhalten, sie stehen gleich kampfesmutig und opferfreudig neben unseren wackeren Landtruppen. Chinas Regierung und Pöbelvolk hat eS frech gewagt, dem deutschen Reiche Schande und Schmach anzuthun. Sonst blieb solches ungesühnt. Heute ziehen auf des Kaisers Ruf Tausende wohl bewaffnet hinaus, Landtruppen, Seebataillone, Kriegsschisse mit ihren Besatzungen, um bie Schmach ju sühnen. Freiwillige finds zumeist, die deutscher Sinn, deutsches Ehrgefühl, deutscher Mannesmut hinaustreibt wider des deutschen Reiches Feinde. Ein deutscher Feldmarschall ist Oberkommandeur geworden über die vereinten Truppen aus 3 Weltteilen I Und wie hier deutsche und französische Krieger, im Tode längst versöhnt, friedlich neben etnanbcr ruhen, so kämpfen heute beutsche und französische Soldaten unter einem Oberbefehl Schulter an Schulter wider den gemeinsamen Feind! O, wie Herrliches bedeutet doch daS Alles für unser deutsches Vaterland l Wir möchten es unseren gefallenen Kriegern hinunter rufen in die Gräber: Das habt Ihr, wackere Kriegsleute, ^stritten mit Eurem Herzblut I Und da ist es uns, als ob ihre Geister uns umschwebten und uns zuriefen: Wir sind nicht gestorben, als wir den Tod erlitten, Die Freiheit bleibt erworben, für die wir gestritten! So legen wir mit dem äußeren Zeichen des KranzeS an den Gräbern unserer Krieger unseren Dank nieder, den Dank des Vaterlandes, zum Ehrenzeugnis der Tapferkeit und Treue, mit der sie bis zum Tode sich bewährt haben. Auch den dort begrabenen französischen Kriegern, die für ihr Vaterland treu gekämpft haben und ehrenvoll gestorben sind, weihen wir den Kranz. Nicht stehen unsere Gefallenen vor unserer Erinnerung da mit ihren bleichen, von Schmerz durchfurchten Angesichtern, sondern als die Verklärten, die überwunden haben. DaS Kreuz, das ihre Gräber ziert, Sagt uns, sie haben triumphiert! Laßt uns auch die Mahnung beherzigen, die aus den Kriegergräbern uns entgegentönt, die ernste Mahnung zu deuscher Treue! Gott seis geklagt, daß diese Mahnung noch so nötig ist in unserem Vaterland! Giebt es doch gar viele Deutsche, die von solcher Treue nichts wissen wollen, die unserem Kaiser und Reich nörgelnd, feindselig entgegenstehen. Ja, erleben wir es doch in diesen Tagen, daß ganze Parteiungen und Klassen der Gesellschaft in öffentlichen Kundgebungen als die Freunde unserer Feinde sich beweisen, daß sie sogar die Partei bet rohen, grausam stecken Chinesen ergreifen, daß sie über die wackeren deutschen Freiwilligen, bie für das Vaterland hinausziehen, spotten, und es ihnen gar gönnen würden, wenn der edle Chinese sie in Stücke haut. In die Gräber unserer Krieger rufen wir es mit deutscher Entrüstung hinunter: Solches geschieht im deutschen Reich, das Ihr ruhmvoll mit Eurem Blut erkämpft habt! Da gilt es wahrlich, die Mahnung zur deutschen Treue zu be- herztgeu. Lor allem ist eB der Beruf der Veteranen, die ebmso wie die Gefallenen einst mitgekämpst haben, vaterländische Gesinnung, Treue zu Kaiser und Rlich, echt kameradschaftlichen Sinn unter sich zu pflegen, und dann auch unter den jüngeren Kameraden zu werfen und zu bewahren, die sich nach ihrem Militärdienst lm Frieden zu ihnen gesellt haben. Ist doch Krmeradfchaft und deutsche Treue nirgend« schöner als bet denen, die die Waffen trugen. Wo also die alten und die jungen Krtegrr treu zusammen stehen, da sind sie eine deutsche Macht, erhaltend, rettend, oorbildlich im Vaterland. Wir alle aber wollen an bte