15V. Jahrgang Dienstag den LV. November 1900 Gießener Anzeiger General-Anzeiger Amts- und Anzeigeblatt für den Ureis Gietzen Bezugspreis viertrljährl. Mk. 2,28 monatlich 75 Pfg. mit Bringrrlobn; durch dir Aoholrstelleu virrteljährl. Mk. 1,90 monatlich 65 Psg. Bei Postbezug Mk. 2,40 viertrljährl. mit Bestellgeld. Berlin, wird gemeldet: Jagdgesellschaft Alle Anzeigen-BermittlungSstellen deS In- und Auslande» nehmen Anzeigm für den Gießener Anzeiger entgegen, Zeilenpreis: lokal 12 Pfg., auswärts 20 Pfg. WeWNW*, Expedition und Druckerei; >4*r^r*6t Nr. 7. leeeNme von Anzeigen zu der nachmittags für de« faßende» tag erscheinenden Nummer bis vorm. 10 Uhr. Abbestellungen spätestens abends vorher. Adresse für Depeschen: Anzeiger Kietze«. Fernsprecher Nr. 51. Gratisbeilagen: Gießener Familienblätter, Der hessische Landwirt, Mittler für hessische Dolkskun-e. Vieh. — Roberts meldet ferner von Angriffen auf britische Patrouillen und Geleitmannschaften, die an verschiedenen Punkten stattfanden. Die Buren, die FickSburg besetzt halten, erwarten, daß sich De Wet mit ihnen vereinigen werde. Sie haben eine feste Stellung in den Bergen des Freistaates inne und sind mit Kleidern und Lebensmitteln für zwei Jahre versehen. Ein Gefecht wurde am 14. d. M. in der Nähe von Ed in bürg (Halbwegs zwischen Springfontcin und Bloemfontein) geliefert. Die Buren wurden vertrieben. „Standard" meldet aus Durban vom 15. ds.: Nach Meldungen aus Stan der ton ist der dortige Bezirk noch immer beunruhigt. Die dort ansässigen Buren stoßen wieder zu ihren Kommandos. — „Daily Telegraph" meldet aus Pietermaritzburg vom 15. ds.: Die englische Garnison von Vryheit ist eingeschlossen. Die Stadt wird geräumt, es wurde Stellung auf den Hügeln genommen, die den Platz beherrschen. Die Garnison hat für sechs Monate Proviant. Der bisherige Generalkonsul der südafrikanischen Republiken in Lourenzo Marques Pott wurde amtlich angewiesen, nicht mehr die Flaggen der Südafrikanischen Republik und des Oranje-Freistaats aufzuziehen. Telegramm deS Gietzeuer Anzeigers. Marseille, 19. November. Dr. L e y d s ist gestern in Begleitung seines Privatsekretärs hier eingetroffen. . Ni*« lititnjtitol. '«»ImrfetailBm, “flen5arbeno.Jlk.L50: "pre ’nbriWt. nt tl*«। »on Mi, fa laityti und ätiipfn sorgt. 6' nt. 272 Zweites Blatt jon emet nfiffwn 5 7.ML Dkulsches Reich. 18. November. Aus Groß-Strelitz Der Kaiser begab sich gestern mit der nach Sucholona und der Fasanerie. chrschetnt täglich mit Ausnahme des MontagS. Die Gießener Dßlmtlteubtätter «erben dem Anzeiger im Wechsel mit „Hess. Luidwirt" «. „Blaller pr heff. Volkskunde- vbchtt. 4 mal beigelegt. meldet sodann, daß sich die Missionare verhältnismäßiger Ruhe erfreuten. Der Glaube an die Unverwundbarkeit der Boxer sei nach den letzten Niederlagen stark erschüttert. Zwar stehe das Räuberwesen in Blüte, doch scheine von dieser Seite den verfolgten und fast von allem entblößten Christen ein gewisses Mitleid entgegengebracht zu werden. Der kaiserliche Generalkonsul in Shanghai, Dr. Knappe, hat am 15. ds. die Reise nach Nanking angetreten auf S. M. Linienschiff Kurfürst Friedrich Wilhelm, an dessen Bord der Geschwaderchef Kontre-Admiral Geißler sich befindet. Zurzeit befinden sich auf hem Aangtse an der Nähe von Nanking auch eine Anzahl englischer Kriegsschiffe und ein französisches Kriegsschiff. Die Reise Dr. Knapps hat Verhandlungen mit dem Vicekönig zum Zweck, wie verlautet, auch über die Verproviantierung des chinesischen Hofes, die von Nanking aus betrieben wird. Es wird daher wohl richtig sein, wenn aus Shanghai depeschiert wird, der Vicekönig von Nanking dürfte vermutlich gezwungen werden, entweder seine Hand dazu zu bieten, daß die weitere Verproviantierung von Singanfu aushört und der Hof nach Peking zurückkehrt oder leine den fremden Mächten unfreundliche Haltung offen zu dokumentieren. Zweideutigkeiten sollen länger nicht geduldet werden. Eine Million Taels, die in verschiedenen Provinzen des Südens und im Zentrum gesammelt wurde, ist jetzt nach Nanking unterwegs, wo sie em Spezialkommissar übernehmen soll. Fünf große Transporte, die von Truppen aus den Wusungforts begleitet werden, harren hier der Weiterbeförderung. Sie sollen eine halbe Million Taels, den Tribut der Kwan- tung- und Tschekiang-Provinzen mitführen, und die Verbündeten müssen dem zuschauen, ohne etwas machen zu können. Nach einer telegraphischen Meldung des Chefs des Kreuzergeschwaders ist die io eite re Heimsendung von Mannschaften, ausgenommen die mit dem Dampfer „Köln" unterwegs befindlichen, erst im Frühjahr des nächsten Jahres zu erwarten. * * * Telegramme des Gießet»er Anzeigers. London, 19. November. „Daily News" melden aus Shanghai, der Kaiser habe auf Verlangen des Taotai Scheng dieVermittelungdesGouverneursvon Schantung angenommen. Loudon, 19. November. Aus Peking wird vom 17. gemeldet: Der französische Gesandte Pichon stattete heute Li-Hung-Tschang einen Besuch ab. Li Hung-Tschcmg teilte ihm den Wortlaut der letzten kaiserlichen Dekrete mit. Daraus geht hervor, daß dem Prinzen Tu an der Adelstitel genommen, und daß er wie auch Prinz Tsching vorläufig iuS Gefängnis gebracht werden sollen. Später sollen beide nach dem SlaatSgefängnis von Mukden überführt werden, wo sie bis zu ihrem Tode verbleiben sollen. Prinz Traings, der bereits degradiert ist, wird auch eingesperrt. Prinz T sch ui-Seng ist auch verurteilt. Er darf seinen Palast nicht verlassen. Prinz Duelan hat fein Gehalt verloren und ist um eine Rangstufe zurückversetzt. Der Zensor Dungien ist um zwei Rangstufen zurückversetzt. Der Justizminister wurde degradiert, be- hält jedoch sein Amt bei. Aynhien ist gleichfalls verbannt. Die übrigen Dekreten betreffen Tungfusiang und erklären, daß es unmöglich sei, sich seiner Person zu bemächtigen, da er über bedeutende Truppen-Abte lungen verfüge. Seine Bestrafung ist vertagt, bis man sich seiner Person bemächtigt hat. New-York, 19. November. Der amerikanische Gesandte in Peking, Conger, wurde benachrichtigt, daß ihm die Entscheidung darüber belasten werde, ob die von der chinesischen Regierung angeordnete Bestrafung der Boxerführer genügend sei, und daß er auch ermächtigt sei, darüber zu entscheiden, ob die chinesische Regierung gewillt ist und die Macht habe, die angeordnete Bestrafung durchzuführen. Präsident Mac Kinley und Staatssekretär Hay haben ihre Meinung über die zu verhängenden Strafen nicht ausgesprochen, da sie der Ansicht sind, Conger sei bester in der Lage, über die Schuld der Boxerführer und die Angemessenheit der Strafe zu urteilen. Buren und Engländer. Feldmarschall Roberts berichtet aus Johannesburg vom 16. ds.: Die Generäle Bartou und Douglas, ersterer von Potchefstroom, letzterer von Ventersdorp kommend, besetzten am 16. ds. KlerkSdorp, ohne auf Widerstand zu stoßen. Douglas hatte Tag für Tag Geplänkel mit dem Lichtenburg. Kommando; er nahm dabei 15 Buren gefangen und erbeutete viele Schafe und Rind— Wie aus Homburg v. d. H. telegraphiert wird, trifft der Kaiser Mittwoch früh 8 Uhr 40 Min. dort ein und reist Donnerstag abend 10 Uhr wieder ab. Der Kaiser trifft nächste Woche zum Besuch in Hamburg ein und wird einer Vorstellung im Deutschen Schauspielhause beiwohnen, mit dessen Direktor, Freiherr v. Berger, der Kaiser kürzlich beim Reichskanzler Bülow zusammentraf. — Heber das Befindender Kaiserin Fried- r i ch wird gemeldet, d aß der Gesundheitszustand leidlich sei. Die Reisepläne sind jedoch zurückgestellt worden. Die Nachricht, daß eine Villa in Bordighera für die Kaiserin gemietet sei, wird an unterrichteter Stelle lediglich als eine Kombination bezeichnet. — lieber den Strafvollzug gegen den Prinzen Prosper v. Are n b e r g-Meppen, der zur Verbüßung der ihm auferlegten fünfzehnjährigen Freiheitsstrafe vor einigen Tagen dem Gerichtsgefängnisse in Hannover zugeführt worden ist, liegt jetzt eine amtliche Erklärung vor. Der Direktor der Strafanstalt, Thikötter, läßt sich dahin aus, daß die Mitteil" ungen über Beköstigung, Beschäftigung und Beaufsichtigung des Gefangenen durchweg thatsächlich unrichtig sind. Bei der Behandlung des internierten Prinzen fänden irgend welche Abweichungen von den Vorschriften der Gefängnisordnung nicht statt, auch hätten solche bisher nicht stattgefunden. — Der englische Kolonialminister Chamberlain sollte dem „B. T." zufolge heute in Berlin c in treffen. — Die Ernennung des früheren Landrats Dr. Goe- d e ck e aus Wetzlar zum Geh. Finanzrat und Vortragenden Rat im preuß. Finanzministerium ist amtlich bekannt gegenben worden. Dr. Goedicke trat 1883 in den Justiz- oienst, ging 1887 zur Staatsverwaltung über, wurde 1890. von der Stellung als Regierungsassessor bei der Regierung in Lüneburg zum Oberpräsidium in Coblenz berufen und hat seit 1896 das Landratsamt in Wetzlar verwaltet, bis er im Frühjahr dieses Jahres als Hilfsarbeiter inS Finanzministerium gezogen wurde. — Zur Präsidentenwahl im Reichstags schreibt die „Köln. Ztg.".": Wenn die Konservativen für die Besetzung dev ersten Vizepräsidentenstelle an der Kandidatur des Herrn v. Fr e g e-Weltzien festgehalten haben, so wollten sie damit offenbar bestätigen, daß sie in ihrer Fraktion, da der frühere, bestens bewährte Dr. v. Levetzow nicht in Betracht kommen kann, kein anderes Mitglied besitzen, das durch geistige Schärfe, logische Klarheit, außergewöhnliche Geschäftskenntnis und vornehme Bescheidenheit sich mit Herrn v. Fr ege zu messen vermag. Außerdem hat die Wahl das Gute, daß Herr v. Frege meist, wenn er den Vorsitz führt, selbst beim trockensten Verhandlungsstoff für einige Aufheiterung des Hauses zu sorgen pflegt. — Die „Germ." schreibt: DieZentrumsfraktiow des Reichstages beschloß, ihre Anträge bezüglich der Arbeitskammern, der Berufsvereine und der Ge^ k,„ fite“ 88 Lft 11: Stück 45 V '/MO Stück NA ;6töd 85 Psg., 'n,1'0 Stück 28 Ml •fr, ® fifit tlt. ,lv 1 Graf MM MH- Der Krieg itt China. Nach mehrfachen vergeblichen Versuchen ist es dem Prinzen Tsching und Li-Hung-Tschang gelungen, von dem Grafen Waldersee empfangen zu werden. Frhr. v. d. Goltz von der deutschen Gesandtschaft biente dabei als Dolmetscher. Die chinesischen Unterhändler haben ersichtlich die Beschwerde der Kaiserin wegen bei Expeditionen ins Innere Chinas zum Ausdruck gebracht und um Einstellung dieser militärischen Unternehmungen gebeten. Die Antwort des Feldmarschalls lautete, daß dies erst dann geschehen könne, wenn alle chinesischen Truppen aus der Nähe d es besetzten Gebiets zurrtck- aezogen sein würden. Es ist erwiesen, daß dort, wo Die bewaffneten Banden auf chinesische Truppen stoßen, beide gemeinsame Sache gegen die Fremden machen. Wo bie ansässige Bevölkerung allein geblieben ist, dort hat sich auch bald Beruhigung eingestellt. Daß man an den tzrenzen des besetzten Gebiets nicht neue Ansammlungen dulden darf, ist einleuchtend. Fraglich aber bleibt, ob die chinesischen Truppen überhaupt noch jemandem gehorchen, und dann hätte eine zustimmende Erklärung von Tsching, Li-Hung-Tschgng „und anderen" — wie die amtlichen Mitteilungen während der Belagerung der Gesandtschaften unterzeichnet wurden — keinen Wert. Die Ex- ped ition Graf 2) o r k wird in der Lage fein, etwas über der Zustand im Nordwesten der Provinz Tschili zu erkunden. Die Kolonne des Obersten s2)orf hat am 14. November Tschatau, nordwestlich von Peking an der Großen Ruuer, erreicht, wo abends vorher chinesische Kavallerie, gestützt auf die Nachhut stärkerer Sreitkräfte gewesen ist. Aus London wird gemeldet: Infolge eines Pro- memorias des Taotai Sheng erwartet man ein Edikt mit dem Todesurteil 2) ohsiens. England protestierte gegen die Versetzung Yosthangs aus Honan nach Wmhgng, wo er den Vizekönig Changchitung ersetzen sollte. Molge eines Berichts Li-Hung-Tschangs und des Prinzen tetiiung wird der VersetznngSbefehl aufgegeben werden. Ferner wird aus London berichtet: Laffans Büreau nteübet aus Shanghai, Prinz Tu an befinde sich in Haft in Ning-Hsia in Schausi, und Gouverneur Yohsien sei zu Pinan unweit Singanfu verhaftet. Beide bereiteten sich jedoch zur Flucht vor. — Der „Standard" meldet aus.Shanghai vom 15. November: Das kaiserliche Edikt, dus befiehlt, daß die Prinzen Tuan und Tschwang auf Lebenszeit ins Gefängnis gelegt werden sollen, bestimmt, fcife sie in das Gefängnis des Kaiserhauses in Mukden fii bringen sind. Die Washingtoner Depeschen über chinesische Angelegenheiten tragen immer eine besondere Farbe. Man braucht nicht in den Lärm einzustimmen, der sich in London kegen angeblicher Trennung der Vereinigten Staaten von der verbündeten Staatengruppe erhebt, denn Beweise einer thatsächlichen oder beabsichtigten Trennung sind nicht vorhanden. Das Gebäude der Uebereinstimmung der ttächte ist zwar augenblicklich fest genug, doch kann es durch unnötiges Rütteln nichts an vermehrter Festigkeit Minnen. Aus Washington wird jetzt gemeldet, daß die Washingtoner Regierung nach dem New York Herald der er Ansicht ist, da ß der chinesische Erlaß vom 13. November betreffend die Bestrafung mehrerer hoher Beamten nicht weit genug gehe. Das Kabinett habe daher be- stlossen, den Gesandten Conger anzuweisen, er solle baren f bestehen, daß General Tungfuhsiang bestraft verde und daß die Strafen für einige der in dem Edikt angeführten Beamten noch verschärft werden. Die Mächte haben in dieser Frage schon gesprochen, und die Regier- ling der Vereinigten Staaten habe ohne Vorbehalt dem Vorverträge zugestimmt. Dadurch ist die Frage der Be- (kafiingen theoretich erledigt, und es handelt sich jetzt um die Vollstreckung. Es ist bekannt, daß noch zahlreiche christliche Missionare im Innern Chinas weilen oder den durch die Behörden fanatischen Banden zum Opfer gefallen sind. Die aus jenen entlegenen Gegenden in die Welt dringenden Nachrichten sind überaus spärlich Dankenswert ist es, daft die Scheuler Mission jetzt in Brussel einige Mitteilungen macht, die einem vom 20. September datierten Hefe des Provinzialsuperiors der Ostmongolei entnommen sind. Ter Brief enthält Einzelheiten über das Martyrium des Missionars Segers, der am 24 Juli auf befiehl des Unterpräfekten von Langpmghften nach jch-weren Mißhandlungen lebendig be- gr aben wurde. Das Schreiben beruhigt sodann die An- -ctzörigen über das Ergehen der übrigen in der Ost- mo ugolei wirkenden Missionare. Alle Missionare des sud- lichaen Teiles des Vikariats, 20 an der Zahl, feien in der bchchöflichen Residenz vereinigt. Nur Pater Conard fei «niffi seinem Posten an der Grenze der Mandschurei ver- Mieeben und gebe in einer Mitteilung von Ende August in«, daß sieben Missionare im Gebiete der schwarzen Keivässer auf ihren 'Posten ausharrten. Der Superior Werg f vohrnmg jofonota W bei Expedition d. Mttt meinem Neicku WM hrereS-AMenvohiM :hör Mb ju venne- i SMHorYrate 1l. •re s-.^umnaMnunp c L Januar, totl M Rtutau echottstnch Hinterhaus.__________ rwWohnung, 5 Zim xx zu vermieten, Mftt, Merstraße! kleines Familuntoai^ nmer WeMgS W ijtxm. Slictstratzi vermieten. hrlmüraße S. seckrS Zimmer und Mt zu vermieten. aeM — Merwohnung eten, Trünbemechr, -eher per Modo tKdÜlyen m, den«11'Äs bei Werbegerichte wieder einzubringen, desgl. über Sicherung des Wahlgeheitnnisses. Gleichfalls soll die Regierung über ihre Stellung der Kohlennot gegenüber interpelliert werden. Daß die Fraktion sich auch mit dem Jesuitenantrag beschäftigt hat, braucht wohl nicht erst gesagt zu werden. — Die „Berl. Neueft. Nachr." schreiben: Elsässische und polnische P r o t e st l e r, Pfarrer Winterer an der L-pitze, haben im Reichstage wiederum den Antrag auf Aufhebung des sog. Diktatur-Paragraphen eingebracht. Da die Gründe für die Aufrechterhaltung der dem Statthalter in diesem Paragraphen übertragenen Vollmachten des ehemaligen Oberpräsidenten unverändert fortbestehen, ist weder jetzt noch überhaupt in absehbarer Zeit daran zu d enken, daß derartigen Anträgen oder Beschlüssen Folge gegeben werde, die ungefähr gleichbedeutend sind mit Anträgen auf Entfestigung von Metz und Straßburg. Eher wäre preußischerseits in Erwägung zu nehmen, außerordentliche Vollmachten für die obersten Behörden der Provinz Posen einzuführen. — Bei der Chinadebatte am Montag wird — so ist wenigstens bisher festgestellt — Abg. Dr. Lieber im Namen des Zentrums sprechen. Dr. Lieber ist ziemlich frisch hier eingetroffen und hat sich von der schweren Krankheit leidlich erholt. Seitens der Nationalliberalen / wird Bass ermann das Wort ergreifen. Eugen Richter vertritt die Freisinnige Bolkspartei und zum Redner der Freisinnigen.Vereinigung ist Rickert bestimmt. — Auch! die „Kreuzzcitung" erklärt, daß in den Nackftragsetat für die Chinaexpedition eine Indem nitätsklausel ausgenommen werden muß. — Dem B u n d es r a t ist der Entwurf eines Gesetzes wegen Verwendung überschüssiger Reichseinnahmen aus dem Rechnungsjahre 1901 zur Schuldentilgung zur Beschlußfassung zugegangen. Danach sollen, wenn im Rechnungsjahre 1901 die den Bundesstaaten zustehenden Ueberweisungen aus den Erträgen an Zöllen, Tabaksteuer, Branntweinverbrauchsabgabe und Zuschlag zu derselben, sowie an Reichsstempelabgaben die auf- zubringenden Matrikularbeiträge übersteigen, drei Vierteile des Ueberschusses an den den Bundesstaaten aus dem Ertrag der Zölle und der Tabaksteuer zu überweisenden Beträgen gekürzt und zur Verminderung der Reichsschuld zurückgehalten werden. Uebersteigen dann im Rechnungsjahre 1903 die Matrikularbeiträge das Etatssoll der Ueberweisungen für die gleiche Periode um mehr als den Betrag der für das Rechnungsjahr 1901 über die Matrikularbeiträge hinaus erfolgenden Ueberweisungen, so soll der Mehrbetrag insoweit unerhoben bleiben, als auf Grund der vorstehenden Bestimmung Mittel zur Schuldentilgung verfügbar geworden sind. — Der Handwerkskammer tag beschloß mit 31 gegen 15 Stimmen, die Frage des Befähigungsnachweises für die Tagesordnung des nächsten Hand- werktskammertages zurückzustellen. Ferner wurde beschlossen, bei den Landesbehörden hinzuwirken, daß der Jnnungszwang sich auf Großbetriebe und Mittelbetriebeerstrecke, die handwerksmäßige Arbeiten mit handwerksmäßig ausgebildeten Hilfskräften herstellen. Zum Vororte des Handwerkstages wurde Hannover gewählt. In den Ausschuß wurden gewählt die Kammern von Berlin, Lübeck, Dortmund, Breslau, Dresden, München und D a r m st a d t. Sodann wurde ein Antrag angenommen, wonach unzweifelhafte Handwerksbetriebe von der Eintragung in das Handelsregister frei sein sollen. Ferner wurde ein dreigliederiger Ausschuß zur Vorbereitung von Anträgen zur Gewerbeordnungsnooelle gewählt. Der Handwerkskammertag wurde sodann geschlossen. — In einer Zwickauer Versammlung des Evangelischen Bundes ist jüngst eine Resolution beschlossen worden, die dem sächsischen Kultusministerium die Erwartung ausspricht, daß das sächsische Gesetz, betreffend die Oberaufsicht des Staates über die römisch-katholische Kirche in allen seinen Teilen aufrecht erhalten und auch gegen den Prinzen Max angewandt werde: dieselbe Versammlung beschloß, an den Bundesrat eine Petition um Beibehaltung des Jesuitengesetzes zu richten. — Beide Beschlüsse veranlassen die „Köln. Volksztg." zu folgender Forderung: „Es wird doch die höchste Zeit, daß das sächsische Ministeriuin die belfernden Maulhelden einmal ernstlich zur Ruhe verweist, sonst veranstalten sie nächstens noch Straßenputsche zur Rettung des Evangelium s." Ausland. London, 18. November. Der Staatssekretär hat die Vorschläge der indischen Regierung bezüglich einer Verbesserung des Transportwesens des Heeres genehmigt. Die Vermehrung auf dem Friedensfuße beträgt 26 Offiziere, 55 Unteroffiziere, 273 eingeborene Offiziere, 291 Tierärzte, 4400 Treiber, 2143 Kameele und 506 Ponies. Glasgow, 18. November. Lord Rosebery hielt als Rektor der Universität an die Studenten eine Ansprache, worin er u. a. ausführte: Bor 50 Jahren sah die Welt noch ruhig zu, wie die Briten unkultivierte Länder ent- deckten und annektierten. Damals pflegten die fremden Länder über unsere HandelSthätigkeit noch zu spotten, jetzt werde über jede Meile Landes, das noch nicht auf der Landkarte verzeichnet sei, Streit erhoben. Jede Nation wünsche jetzt eine Nation von Handelsleuten zu sein. Die Engländer, die einst eine Art Monopol hatten, haben jetzt um ihre Existenz zu kämpfen. Das 20. Jahrhundert werde eine Periode scharfen und erbitterten Wettbewerbs unter den Nationen sein, wahrscheinlich noch mehr auf dem Gebiete der Werte des Friedens als des Kriegs Die Nation müsse daher noch kaufmännischer werden, ganz gleich, ob es sich um Krieger, Kaufleute oder Staatsmänner handle. — Lord Rosebery nahm die Führerschaft der liberalen Partei an. Paris, 18. November. Die Nationallisten schlagen Skandal wegen eines Geldschwindels bei Ordensverleihungen. Sie nennen den Kolonialministcr Deerais und feinen Sohn als die Bloßgestellten. Dem „Figaro- zufolge wird der Sohn Decrais gegen feine „Verleumder- energisch vorgehen. Das Blatt ^Voltaire- erklärt, daß die Affaire ihren Abschluß vor dem Schwur- gericht finden werde. Der junge Decrais erklärte seinen Freunden gegenüber, es fei ihm ein Leichtes, die Beschuldigungen zurückzuweisen. — Die nationallistische Presse bezeichnet bereits Gaston Meunier als den mutmaßlichen Nachfolger des Ministers Decrais. — Wie aus Fontainebleau gemeldet wird, fand zwischen zwei Offizieren der dortigen Garnison ein Duell statt. Sie waren über die Haltung Lebandys verschiedener Meinung. Wie verlautet, werden vom Kriegsminister in den nächsten Tagen eine ganze Reihe Strafversetzungen infolge der Affaire Lebandy-Kollentz vorgenommen werden. — Der Einführer des diplomatischen Korps Crozier sprach heute Nachmittag im Auftrage des Ministers des Aeußern Delcasso auf der deutschen Botschaft vor, um die Freude der Regierung über das Mißlingen des Breslauer Anschlags zum Ausdruck zu bringen. Rom, 17. November. Der Vatikan wies die s p a n i s ch e Geistlichkeit unter Androhung der strengsten geistlichen Strafen an, sich jeder Teilnahme an irgendwelcher politischer Bewegung zu enthalten. Bukarest, 18. November. Komplottprozeß. Der Ches der Sicherheitspolizei erklärt, Trifanow habe ihm nach der Ermordung Fitkowskis über einen Verschwörungsplan gegen den König von Rumänien Enthüllungen gemacht, die dem Minister des Auswärtigen zur Kenntnis gebracht wurden. Karambnlow erklärt, sowohlKorniakow als Bogdanow hätten gesagt, es werde leicht sein, einen Anschlag gegen den König auszusühren, da dieser fast ohne jede Begleitung in den Straßen promeniere. (Lebhafte Bewegung.) Auch der Präsident erklärt, Bogdanow habe ihm selbst gesagt, daß der König am 18. Dezember 1899 von Arsow und Orsniakow am Dimbowitza-Quai verfolgt worden fei. (Große Bewegung.) Konstantinopel, 18. November. Für die Geldknappheit der türkischen Regierung ist es charakteristisch, daß die Pforte beim internationalen Sanitätsrat eine Anleihe von 100 000 Pfund nachsuchte. Livadia, 18. November. Kaiser Nicolaus brachte den gestrigen Tag gut zu, er schlief ein wenig. Der allgemeine Zustand ist befriedigend, das Befinden ist gut. Um 9 Uhr abends war die Temperatur 38,7, der Puls 64. Die Nacht hindurch schlief der Kaiser sehr gut. Heute morgen war das Befinden gut, der Kopf ganz klar. Um 9 Uhr morgens war die Temperatur 37,6, der Puls 68. — Es ist unrichtig, daß der Zustand der bekanntlich in gesegneten Umständen sich befindenden Zarin Besorgnisse rechtfertige. (Daß zu ernstlichen Befürchtungen kein Anlaß vorliegt, beweist schon der Umstand, daß unser groß- herzoglichesPaar,das zu Vergnügungszwecken in Paris weilt, keinen Anlaß gefunden hat, feinen Aufenthalt dort abzukürzen, und erst am Dienstag nach Darmstadt zurückkehren wird.) Prozeß Sternberg. Berlin, 17. November. Bei Beginn der heutigen Verhandlung im Sternbergprozeß teilt der Vorsitzende mit, daß der-Gerichtshof die beantragte Vernehmung des Chef-Redakteurs der „Post", Kronsbein, abgelehnt habe, weil der betreffende Artikel zu dieser Strafsache in keiner Beziehung stehe. Bei dieser Gelegenheit kommt der Vorsitzende aus eine gestern vom Angeklagten Sternberg zu dieser Sache gemachte Bemerkung zurück. Diese erhebe eine unerhörte Verdächtigung gegen die hier auf dem Podium sitzenden Beamten, denn er habe gesagt, daß vielleicht amtlich mit dieser Sache befaßte Personen diesen Artikeln nickst fern stehen könnten. Sollte der Angeklagte noch einmal eine solche dreiste Anschuldigung erheben, dann werde ihn der Gerichtshof sofort in die höchste zulässige Ordnungsstrafe nehmen. Es werden nunmehr einige von der Verteidigung geladene Zeugen vernonimen. Frau Goerz bekundet über einen Vorfall, bei dem die Frieda Woyda vor sieben Jahren eine unzüchtige Handlung mit einer kleinen vierjährigen Gespielin begangen hat. Diese That- sache ist durch den Detektiv-Direktor Schulze vermittelt worden. Auch die Zeugin Frau E l i s e Z i cke r t bekundet eine unzüchtige Handlung, die die Woyda vor Jahren mit dem kleinen Sohne der Zeugin begangen haben soll. Eine ähnliche Sache sagt die Zeugin Frau Müller über die Woyda aus. Die Woyda erklärt auf die Frage des Staatsanwalts, was sie zu diesen Aussagen zu bemerken habe, sie könne sich dieser Dinge nicht mehr entsinnen. Justizrat Dr. Sello betont, oaß sie früher zugegeben, mit einem kleinen Jungen Dummheiten begangen zu haben. Frieda Woyda behauptet, sie habe dies nur gesagt, weil Frau Müller es ihr zugeflüstert habe. Frau Müller bestreitet dies entschieden. Nach einer kurzen Pause wird .Kriminalkommissar v. Tresckow befragt, welches Ergebnis seine Recherchen nach den Briefen der Pfeffer im Hause Wilhelmstraße 47 gehabt haben, v. Tresckow antwortet, das Suchen habe bisher keinen Erfolg gehabt. Der Vorsitzende bittet, aifi Dienstag vormittag, an welchem Tage der Prozeß erst mittags 12 Uhr beginnt, das Suchen nach den Briefen fortzusetzen. Auf Anregung des Justizrats Dr. Sello und des Verteidigers Fuchs I wird die Zeugin Frau Blümke darüber befragt, ob sie während des jetzigen Prozesses mit ihrer Schwester Frieda über den Prozeß und ihre Aussage gesprochen habe. Die Zeugin bejaht dies. Die Frieda bleibe dabei, daß sie jetzt die Wahrheit sage und alle ihre früheren Bekundungen unwahr seien und nur auf Einflüsterungen des Zeugen Stier st ädter beruhten. Die Zeugin Woyda wird nochmals aufgerufen und sehr eindringlich vom Vorsitzenden befragt, wie sie denn zu gewissen Einzelheiten gekommen sei, die sie vor dem Untersuchungsrichter Hamel als angeblich geschehen bekundet hat. Die Woyda bleibt immer dabei, daß Stier st ädter ihr alles das vor erzählt habe. Zeuge Stier st ädter bestreitet 1 ÄS w\e ?%s*l Wo w .„nitreten.B öd" W Sahen dW oodenW 'Äwjl ;;Lr der We itbem 10 M- W teil* »»*1 Muer Wirtel (Ä wurden folge» k,wn/slommande« Cidjenauer, ■ 4. .^ommerzienrW ^nmersten» i sheio , I ftreit, 12 W Toimerstag i|t| fctT bie AemteW nahmen Besch« mhlÜMge bie SymMieW •• National Cast Wl c fo,idhn Strtin t dikteur Slaurei redraßipolilif r< ; SM M Wheim .Äbirefh’on ha :bie Personen : bni letzten Jahre die Behauptungen des Mädchens. Die Woyda ruft' Es ist doch wahr! Ich sage jetzt die Wahrheit Stier st ädter entgegnet: Um dem Mädchen alle diese Einzelheiten zu sagen, hätte ich ja 24 Stunden Zeil haben müssen, während der kurzen Droschkenfahrt war es ja ganz unmöglich. Die Woydableibtwiederum dabei, daß sie die Wahrheit sage. Der Vorsitzende giebt sich unendliche Mühe, von der Zeugin herauszubekommen, wie sie denn zu diesen Einzelheiten gekommen sei. Der Vorsitzende wiederholt: Frieda, geh doch in Dich und sage mir die Wahrheit Du mußt mir eine Erklärung dafür geben, wie Du zu diesen Einzelheiten gekommen bist. Kind, sage doch bie Wahrheit! Die Woyda bleibt dabei, daß Stier- städter ihr alles erzählt habe, daß sie früher gelogen und jetzt die Wahrheit sage. Rechtsanwalt H e i- nemann fragt hierauf den Zeugen St i e r ft ä b ter, was er dazu sage. Zeuge erwidert: Wenn ich das alles höre, kann ich nur sagen: Entweder hat die Frieda früher schrecklich gelogen, oder sie lügt jetzt. Eine Mitschülerin der Frieda bekundet einige unanständige Ausdrücke, die sie von derselben gehört haben will. Die Woyda bestreitet dies und erklärt auf verschiedene Vorhaltungen der Verteidigung: Na, ich will mich ja auch gar nicht loben. Der Vorsitzende will dann an einzelne der ehemaligen Hausgenossen der Familie Woyda einige Fragen der Sach verständigen gerichtet wissen, die sich aus die Eltern der Frieda, deren Gesundheitszustand rc. beziehen. Physikus Dr. Stürmer hält es für notwendig, daß die Sachverständigen näheres über das Vorleben der Eltern erfahren und über das Geistes- und Triebleben des Mädchens durch besondere Exploration unterrichtet werden. Er halte es für nötig, daß er durch längere Unterhaltungen mit der Woyda in die Lage komme, die ihm wichtig erscheinenden Momente festzustellen. Die Eheleute Blümke erklären sich damit einverstanden, daß die Sachverständigen sie zum Zwecke der Exploration der Frieda besuchten. Der Gerichtshof hält diese Vorbesuche nach § 80 Str.-P.-O. für unzulässig. Zeugin Frau Kahlert weiß nichts von einer etwaigen Krankheit der Eltern der Woyda. Zeugin Albrecht sagt aus, die Frieda habe ihr im September erzählt, sie habe mit ihrer Schwester eine Erbschaft gemacht und komme jetzt in eine höhere Schiule. Die Frieda bemerkt, sie könne sich nicht erinnern, so etwas gesagt zu haben. Die Verhandlung tüitb, hierauf abgebrochen und auf Montag vormittag vertagt. . Aus Stadt und Land. Gießen, 19. November 1900. Se. Kgl. H. Prinz Heinrich von Preußen nebst Gefolge und Dienerschaft reiften heute früh mit dem v-Zuge 7 Uhr 57 Min., von Kiel kommend, hier durch und nahmen das vorher in der Bahnhofrestauration telegraphisch bestelltr Frühstück im Salonwagen ein. • * Eiseubahnpersoualieu. Der Hilfsbahnwärter Georg Görnert aus Grünberg ist vom 1. November ab auf Posten Nr. 73 in der Gemarkung Klein-Minden zum Bahn» Wärter ernannt worden. Zum 1. Januar 1901 find in den Ruhestand versetzt: der Bahnwärter Heinrich Zimmer auf Posten Nr. 2 in Gießen, der Weichensteller Ludwig Volk I. in Gießen, der Weichensteller Heinrich Dechert in Lauterbach und der Verwalter der Haltestelle Peter Krauß in Ehringshausen; zum 1. Februar 1901 ist in den Ruhestand versetzt: der Eisenbahnsekretär Heinr. Grüniger in Gießen, zum 1. April der Großh. Stationsvorsteher Lotz in Lauterbach. • • Die Kohlenabgabe seitens der Stadt, die, wie meldet, laut Stadiverordneteubefchluß an Einwohner mit einem eingeschätzten Einkommen bis zu 1500 Mk. in Mengen von höchstens fünf Zentnern er folgen soll, nimmt wie wir hören, dieser Tage ihren Anfang. Der Preis soll für den Zentner 1,15 Mk. betragen. Laudeslotterie. Als Ziehungstage für die fünfte und letzte Klasse der 2. Klaffenlotterie sind der 19., 20., 21., 22., 27., 28., 29. und 31. Dezember festgesetzt. * » Tyroler Konzert. Unter Hinweis auf den Inseraten- teil machen wir auch an dieser Stelle auf das Konzert aufmerksam , das die Kapelle Lechner morgen abend im Spnck'schen Lokale in Klein-Linden geben wird. * • Das Offenbacher Eisenbahnunglück wird in -ec Zweiten hessischen Kammer zum Gegenstände einer Anfrage an die Regierung gemacht werden. Die Landtag-- abgeordneten von Brentano, Dr. Frenay, Hahn, Molthan, Pennrich, Schlenger und Dr. Schmitt haben folgende Anfrage eingebracht: „Das furchtbare Eisenbahnunglück bei Offenbach hat in den weitesten Kreisen der Bevölkerung tiefgehende Erregung hervorgerufen. Es besteht die Ansicht, daß eine schuldhafte menschliche Handlung nicht vorliegt, daß aber auch der am fraglichen Abend herrschende Nebel oder andere Zufälle den Unfall wenigstens in seiner entsetzlichen Ausdehnung nicht erklären. Es werden gewichtigste Stimmen laut, nach denen Fehler in der Berwaltung, veraltete Konstruktionen der sogenannten V-Wagen, insbesondere fehlerhafte Anlagen von Licht- und Schutzvorrichtungen, die andererseits unangebrachte Sparsamkeit in Bezug auf Anlage von weiteren Bahngleisen und in Bezug auf Anstellung von geeignetem und genügendem Wärterpersonal an der Ausdehnung des Unfalles mitge- wirkt haben Wir fragen deshalb bei der großherzoglichen Regierung an, ob die stattgehabten Ermittelungen die Richtigkeit oder das Unzutreffende dieser Ansicht ergeben haben? Wir fragen gleichzeitig an, ob die Regierung gewillt ist, in energischer Weise im Lande der hessisch- preußischen Eisenbahngemeinschaft dahin zu wirken, daß etwa bestehende Mißstände beseitigt und unangebrachte Sparsamkeit ohne Rücksicht aus den finanziellen Effekt für die Zukunft vermieden werde! Die Voruntersuchung ist, da das Bahnpersonal der beiden Züge noch nicht hat vernommen weiden können, noch nicht zu Ende geführt. Zuständigen Orts erwartet man den Schluß für heute ober morgen. Erst dann wird entschieden werden, ob und gegen wen ein Strafverfahren zu eröffnen ist. Alle Meldungen Über ein bereits eingeleitetes Strafverfahren sind lediglich Kombination. *♦ Ost asiatisch er Hilfsverein Gieße n. S» der von einem provisorischen Komitee der vereinigten Mi-- litärvereine auf den 15. ds. in das „Hotel GroßherzoDl von Hessen" zur Konstituierung eines hiesigen ostasiatl-' scheu Hilfsvereins einberufenen Versammlung wurden. j Auheim SurM (14,890 Deutsche, ' (16,380 Deutsche i (15,910 Deutsche der letzten Suifi Erwartungen, 1 beten des neuei hatte, gingen al abgegeben: 18 • 302,506, ferne der Kinderheim alfo der vorjähl daß in der letzten strombäder o. 116,512 m Ich Tages betrug c 1763 ThmnaU Darchadt, Äfenburg u 1 gegen das La Mang be: Zr 6 fotbemOberlanb an. InM Wssenbach bom 9. der bekanntlich Sender geblieben Mtschcidung noch -ko. Marburg, macht« verreist Mk drn ä’Ä”; i! l1’®»»» i L.; ,‘ad" Stau i I " m ®aale ' Zvgcsanj f Ödenden i l beraten. I&ss5 ’S, 1 SÄ™ ' TJwd "eben 11 KM ^Handlung wir ntag öormith; Lei! all. Bad Nauheim, 17. November. Die Großherzogliche Mtbirettion hat eine vergleichende Uebersicht über die Personen- und Bäderfrequenzziffer,n der drei letzten Jahre herausgegeben. Danach waren in Bad- Nauheim Kurgäste in dem Jahre 1898: 19,534 Gäste J 4,890 Deutsche, 4644 Ausländer), 1899: 22,411 Gäste I Ln>r Sem Vorsitze des Herrn M ö b u s die Statuten be- | |U--n und angerwmmen und damit der Verein gegründet. -2r Zweck dieser Vereinigung ist laut § 1 seiner Statuten, y nach China ausgerückten Mannschaften des 2. Großh. eff. Infanterie-Regiments „Kaiser Wilhelm" Nr. 116, öiuie Söhne Gießens anderer Truppenteile und hier an- Sjsige Reservisten während des Feldzuges zu unterstützen und in eine Fürsorge für deren Familien und Hinterbliebenen einzutreten. Mitglied kann jeder werden, der durch einmalige oder regelmäßige bestimmte Beiträge oder sonstige Gaben den Verein in seinen Bestrebungen unter- sjützt oder dies bisher schon bethätigt hat. An freiwilligen _jen sind dem provisorischen Ausschuß bis jetzt 1988 M 10 Pfg. zugegangen; der bisherige provisorische Ver- ivalter der Kasse, Herr Bruch Häuser, erstattete Bericht übeu die Verwendung der eingegangenen Verträge. Der beim Bankhause A. Heichelheim deponierte Kassenbestand isi beute 996 Mk. 93 Pfg., nachdem den nach China ausge- zogenen Unterossizieren und Mannschaften des hiesigen Re- gim-cnts und in anderen Regimentern stellenden Gießenern sedc in 10 Mk. bar ausbezahlt worden sind. Die Rechnung hmibe geprüft, für richtig befunden und dem seitherigen Siechner Decharge erteilt und Dank für seine Thätigkeit ausgesprochen. Der Vorstand besteht aus 12 Mitgliedern, tzs wurden folgende Herren gewählt: 1. Oberst und Re Kimen tskommandeur v. Dewitz, 2. Kaufmann Hermann Eichenauer, 3. Stadtverordneter Louis E m m e l i u s, 4 Kommerzienrat Georgi, 5. Stadtverordneter Kirch, 6 Kommerzienrat Koch, 7. Architekt Grünig, 8 Heinrich Bruchhäuser, 9. Heinrich Bo m- mersheim, 10. Karl M.öbus, 11. Georg Heb- jlteit, 12. Kaufmann Fischbach. Für kommenden Tomnerstag ist eine Sitzung des Vorstandes geplant, in ber die Aemter verteilt, sowie über die weiteren Maßnahmen Beschluß gefaßt werden soll. Der schöne und lthätige Zweck des Vereins .dürfte illm im Voraus d^e Sympathien aller Kreise unserer Stadt sichern. •• National-sozialer Verein. Am Samstagabend fand ta Cafä Ebel eine gut besuchte, vom hiesigen national lojiilcn Verein einberufene Versammlung statt, in der Re- btor Maurenbrecher aus Berlin über die Handels- vertragSpolitik redete. Sein Vortrag erntete lebhaften 01 WÄ - ja 91 ÜHu; . •tr die $n J* 1 e? lr geben s Ä?. »SW KM ¥ ^agen der U °JL beziehen. ' ^?ottoenbig, bai f ,unb Uieblebr Joration unterricht 1 o bur$ länge? Me £age komme, h te Mzustellen. $ llt einverstanden, d bec Exploration i E-diese Vorbesuc, Zeugin .Frau KM 'khett der Eltern^ 's. die Frieda 1m n^it ihrer Schffttn jetzt in eine hoher e sich nicht etinnen ’ 1900 n Prenhe» mbst i rüh mit dem v-Zl er durch und nch. i telegraphisch befiil ilsSbahwätter @tt 1. Kooember ab oi n-linden zum W ar 1901 find in hi Hinrich Zinnnei Weichensteller £ubn>' ir Heinrich Dicht der Haltestelle Pc bruar 1901 ist in.1-' ir heinr. Grülli'k» ßh. StationSvoch' Stadt, V«, M ; an VoOCiOW “ Der W l°! t str die sück sind der 19., 20- ber festgesetzt- auf den W* uf das Saniert oil1 morgen abends i geben wird. fiA Md in a Gegenstände es -den. DieLan «- haben WD^ M-orgE ul, nach ° ■sS-d d ^7 «gfoae vonv. LxSE MH a daS w Di» nwen we^ .ein ®Diäten' , „Hotel E ä bies'Sb' nZ (16,380 Deutsche, 6031 Ausländer) 1900: 21,662 Gäste '(15,910 Deutsche, 5752 Ausländer). Mithin besuchten in der letzten Saison 749 Gäste weniger das Bad. Die hohen Erwartungen, die man im Frühjahr durch das Hervor- tietin des neuen Sprudels in die diesjährige Saison gesetzt hüt«, gingen also nicht ganz in Erfüllung. Bäder wurden abgegeben: 1898: 260,119, 1899; 304,472 und 1900: -302,.506, ferner in jeder Saison etwa 10,000 Bäder in der Kinderheilstätte „Elisabethenhaus". Die Bäderzahl ist also der vorjährigen Saison fast gleich, auffallend ist nur, daß in der letzten Saison mehrSprudel-undSprudel- sirombäder gegeben wurden, nämlich 123,106 gegen 116,512 im Jahre 1899. Die höchste Bäderabgabe eines tagieß betrug am 17. Juli 1900 1115 Sprudel- und , 1763 Thermal-Sool-Bäder. Darmstadt, 17. November. Prinz Maximilian zu Isenburg und Büdingen in Wächtersbach hat .MM das Landgerichtsurteil, das seine Klage auf Ein- Moing der Zwangsvollstreckung abwies, Berufung Leidem Oberlandesgericht eingelegt. Termin steht am 7. Januar 3901 an. Inzwischen ist durch Beschluß des Amtsgerichts Lsfenbach vom 9. b. Mts. bie Versteigerung vom 1. Oktober ii der bekanntlich ber Fiskus mit 79,41,000 M. Höchster lend er geblieben ist, genehmigt worben, boch ist diese Entscheidung noch nicht rechtskräftig. -ko. Marburg, 17. November. In einem Hause der Schwanallee machten sich gestern abend zwei Mädchen, deren Herrschaft verreist ist, Feuer in ihrer Kammer. Als man fyute den ganzen Tag nichts von den beiden bemerkte, ging nach eingetretener Dunkelheit eine Nachbarin in das um nachzusehen. Sie fand die Kammerthür ver- Mossen und erhielt auf ihr Rufen keine Antwort.' Nichts Gutes ahnend, holte sie einen Schlosser herbei. Nachdem dieser die Thür geöffnet hatte, bot sich ein schrecklicher Lnblick. Das ältere Mädchen, die 36 Jahre alte Marie Konrad in aus HerSfeld, lag tot im Bett, das jüngere, di- Katharine Becker aus Neukirchen bei Ziegenhain, ffb noch schwache Lebenszeichen von sich. Sie »urlve sofort in die Klinik geschafft, doch wird an ihrem «ustkommen gezweifelt. Als Ursache der Katastrophe Äjvbe Kohlengas festgestellt, das dem Ofen entströmt war. -ad- Frankfurt a. M., 18. November. Gestern tagte hier im Saale der polytechnischen Gesellschaft die Ver- fantmlung der Vertreter der Kohlenkassen des MÜA'RheingebieteS, um über die Paragraphen des ihnen mH er zugesandten Entwurfs des Gesellschaftsvertrags der zu gründenden Kohlen.Einkaufsgesellschaft m. b. H. zu beraten. Die Gesellschaft konstituierte sich wib die mit Bmigen Aenderungen angenommenen Statuten sollen mit 1901 in Kraft treten. Vertreten waren 35 Kaffen, u. a. Sergen, BonameS, Bockenheim, Bischofsheim, Fulba, Dießen, Hanau, Homburg v. b. H., Offenbach, Vilbel, NvrviS, Wiesbaben u. f. w. • * Kleine Mitteilungen aus Hefieu und den Nachbarstaaten. Die Pläne für eine zweigeleisige Eisenbahn von Ivsüheim nach Mombach unb mit Anschlüssen nach Mannz unb Wiesbaben sinb soweit fertiggestellt, baß die Siegt erung soeben die Pläne zur Einsicht der Jntereffenten chn gelegt hat. __________________________ Vermischtes. • Kiel, 18. November. Beim Aufsuchen ihrer Bojen Rieten gestern Nachmittag in der Kieler Bucht die beiden erstklassigen Panzerschiffe „Kaiser Friedrich III.N | und „Kaiser Wilhelm II." zusammen. Die Abteilung 2 deS „Kaiser Wilhelm II." liefjvoll Waffer. DaS Schiff wird morgen nach der kaiserlichen Werft gebracht. * London, 18. November. Aus Can ton kommt die Meldung, daß 200 Häuser durch eine Feuersbrunst zerstört worden find. • Paris, 18. November. Ein Duell zwischen einem Anwalt des Appellationsgerichtes und einem andern Anwalt fand hier statt. Bei zweimaligem Kugelwechsel war der Ausgang des Zweikampfes resultatlos. Der Grund des Duells liegt in privaten Streitigkeiten. * Zürich, 18. November. Der Justizdirektor von Zürich hat die Verfügung ber Staatsanwaltschaft, das Strafverfahren gegen Hans Böcklin, ben Sohn bes berühmten Mannes, wegen seiner Unzurechnungsfähigkeit einzustellen, nicht genehmigt, fonbern verlange, baß Böcklin, der am 19. Juli seine Geliebte erstechen wollte, wegen Totschlagsversuchs vor das Schwurgericht gestellt wird. Kunst und Wissenschaft. Aus Darmstadt wird geschrieben: Etwas verspätet gelangte Sudermanns Komödie „Die Schmetterlistgsschlackt" am hiesigen Hof« theater zum erstenmale zur Aufführung und fand eine beifällige Aufnahme. Auch derjenige Teil des Publikums, der anfangs geneigt war, das Stück von der scherzhaften Seite aufzufaffen, wurde nach und nach ernst gestimmt, zumal auch die Vorstellung selbst alles, was eine komische Wirkung erzielen könnte, möglichst vermied, und durchweg in würdigem Ton gehalten war. Grrichlssaal. — Zum Prozeß Sternberg. Bestechungen haben in der Sternberg'schen Angelegenheit zweifellos eine große Rolle gespielt, das ist der Eindruck aller, die die Prozeßverhandlungen verfolgt haben. Jetzt erzählt die „Post", wie der V-rsuch gemacht worden ist, ihren Metteur zu bestechen, damit er den Verfaffer eines Artikels über den Prozeß nenne. Eine Reche von Personen war dabei thätig, ein angeblicher Affeffor Obst, ein Jnseratenagent Wolff und seine Frau und ein Herr Tanner. Man traktierte den Metteur mit Champagner, Zigarren usw., bot chm 300 Mk. und versprach wettere reichliche Entschädigung sowie Sorge für seine ganze Zukunft. Das sollte sogar in einem notariellen Vertrag festgelegt werden. Die „Post" meint, der Zweck der Leute Sternbergs sei, ihre ganze Meute auf den unbequemen Verfasser zu Hetzen, wie sie überhaupt die Preffe mundtot machen wollten. — Aus Sternbergs Vergangenheit werden in den „M. R. R." allerlei interessante Dinge veröffentlicht. Seit mehr alö 20 Jahren macht Sternberg schon von sich reden, bald in der Welt oder Halbwelt, in der man sich nicht langweilt, bald an dem Ort, an dem er seine Millionen zusammenraffte, an der Börse Er hat viele Opfer auf dem Gewissen, denn es war das unabwendbare Schicksal der Sternberg'schen Unternehmungen, sie gingen zu Grunde und die Aktionäre verloren chr Kapital. Eine der ersten „Gründungen" August Sternbergs war die Vereinsbank. Sie wurde 1881 ins Leben gerufen und schien sich entwickeln zu wollen, denn sie verteilte im ersten Jahr 12,75 Prozent Dividende. Sie entwick lte sich auch — ganz im Interesse Sternbergs. Die Dividenden sanken und langten schließlich auf dem Nullpunkt an. Die Aktien wurden an der Börse gar nicht mehr notiert und konnten höchstens als Tapeten Verwendung finden. Die Aktionäre jammerten, aber bei der Liquidation schien ihnen wenigstens ein kleiner Teil ihres Vermögens gerettet werden zu sollen — man bot ihnen 40 Prozent. Das war an und für sich schon mehr als eine Pleite erster Güte; zu einem hervorragend skandalösen Betrug wurde sie aber erst dadurch gesteigert, daß man den Aktionären die 40 Prozent nicht in bar gab. Wenn Sternberg jemand die Taschen leeren wollte, so besorgte er das Geschäft gründlich, und so gab er ihnen die 40 Prozent in Aktien der Skaskaer Kohlenwerke. Das war eine der vielen Gruben, die er anderen gegraben hat. Sternberg ist ein Meister der Schiebungen gewesen. Er gründet Banken, diese gründen wieder andere Unternehmungen, und nun werden die Millionen zwischen diesen verwandten Instituten hin- und hergeschoben, daß kein Mensch mehr klug daraus wird. Nur über den schließlichen Verbleib ist man sich klar, sie gelangen alle in den Arnheim Sternbergs. Das Schieben war auch ein Charakteristikum der Weimarer Bank. Das Gesamtkapital dieser Bank wurde durch 11720 Stimmen repräsentirt und von diesen gehörten 8000 der „Häuser- und Grundbesitzer-Aktiengesellschaft", die sich rühmen kann, auch von Sternberg gegründel zu sein. Die Aktien dieser Gesellschaft aber befanden sich hinwiederum im Eigentum der Weimarer Bank, die von der Aktiengesellschaft ein Kapital von 9 Mill. Mark zu fordern hatte. Der Mitarbeiter der „M. N. N." präzisiert dieses Verhältnis kurz dahin, daß zwei Drittel aller Aktien der Weimarer Bank sich in deren eigenem Besitz befanden. In der Bilanz vom 15. Januar 1894 waren Kontokorrent Debitoren mit nicht weniger als 17111490 Mark aufgesührt. Die Grundbesitz Aktiengesellschaft hatte im Jahre 1892 auch Kreditoren für 9 392651 Mk. und das bei einem Aktienkapital von 50010 Mk. Zwei Jahre später arbeitete dieses herrliche Unternehmen schon mit einer Unterbtlanz von zwei Dritteln des Grundkapirals. Dem genannten Blatt ist natürlich die Verantwortung für die Behauptungen, die von hier aus nicht nachgeprüft werden konnten, zuzuweisen. Elberfeld, 17. November. Die Strafkammer verurteilte gestern den Rechtsanwalt Dr. Nolben wegen P'Lvarikation zu drei Monaten Gefängnis «uf Grund deS S 356 Reichsstrafgesetzbuchs, der bestimmt: „Ein Advokat, Anwalt oder ein anderer Rechtsbeistand, welcher bet den ihm vermöge seiner amtlichen Eigenschaft anvertrauten Angelegenheiten in derselben Rechtssache beiden Parteien durch Rat oder Beistand pflichtwidrig dient, wird mit Gefängnis nicht unter drei Monaten bestraft. Handelt derselbe im Einverständnis mit der Gegenpartei zum Nachteile seiner Partei, so tritt Zuchthausstrafe bis zu fünf Jahren ein. Handel und Verkehr. Volkswirtschaft. Grünberg, 17. November. Fruchtmorkt. Weizen 15,76—15,94 Mark, Korn 15,50—00,00 Mark, Gerste 13,66—14,00 Mark, Hafer 12 44—13,00 Mark, Erbsen 17,30—00,00 Mark, Linsen 00,00—00,00 Mark, Samen 00,00—00 Mark, Kartoffeln 4,10—0,00 Mark. Tabak. Hamburg, 18. November. Das Geschäft hielt sich in ruhigen Grenzen. Für Domingo-Tabake ließen die Preise etwas nach, was bei den großen Zufuhren kaum anders zu erwarten war. Die an den Markt gebrachten 1200 Seronen fanden zu sehr schlEem Preise Aufnahme, doch hofft man, daß die für bie nächste Zeit avisierten ca. 10,000 Kolli wieder einen besseren Preis erzielen dürften. Brasil- Tabake kamen in letzter Woche nicht an den Markt, und auch Havanna wurde nur in geringen Posten gehandelt. Ca. 10,000 Packen Yara- Cuba und Cuba>Tabake, welche für Regwzwecke begeben waren, sind aufgeworfen worden und dürften demnächst wieder an den Markt kommen. In unserer Schwesterstadt findet dieser Tage eine Einschreibung für ca. 700 Ballen Klodjen Java Loedneadjang-Tabak teils Schneidegut, teils für Zigarren statt, welche hier Interesse hervorrust. Alles per Vi Kilo Kg. Havanna: Deckblatt, gut und fein braun 6—18 Mik., do. ord. braun und braun 4-6 Mk., do. und Einlage, gemischt 3—4 Mk., Emlage 0,90—3 Mk Durchschnittspartien 1,50—4,50. Domingo: 8, 88, 888 0,55—0,75, FF 0,45 - 0,60, F 0,35—0,50, A 0,25—0,40. Columbia: Ambalema prima 0,55—0,76, sekunda und tertio 0,35—0,65, Carmen prima 0,45—0,60, sekunda und tertio 0,30—0,45. Mexiko 0,60—3,00. Brasil: Patent und Patent fino 0,80—1,40, Primas 0,70—0,85, Sekunda 0,65—0,75, Tertia 0,60-0,70. Refugo 0,45 biS 0,60. St. Felix Patent und Patent fino 1,50—2,50, Prima 1,00 bis 1,50, Sekunda 0,85—1,00. Tertia 0,70—0,85. Rio Grande. Durchschnittspartien 0,30—0,50. Paraguay 0,20—0,40. Nordamerika! Seedleaf Deckblatt 1,00—1,50, do. Umblatt 0,50—0,70, do. Filler 0,35 bis 0,45. Sumatra und Java 0,25—5,00. Borneo 0,50—5,00. Kirchliche Nachrichten. Svavgelische Gemeinde. Montag den 19. November, abends 8 Ubr: Bibelstimde iw Konfirmandensaal der JohanneSkircke. Hebräerbrief Kap. 8. Treue gegen den treuen Gottesboten Christus und die Ruhe deS Bolle- Gottes. Pfarrer Dr. Naumann. DienStag den 20. November, nachmittags b'/r Uhr, Bereinigung ber konfirmierten Mädchen ber Lnkasgemeinbe im Schwesternhaus (Johannesstraße). Pfarrer Euler. Familien Nachrichten. Gestorben: Adolf Strauß in Offenbach. Neueste Meldungen. Berlin, 19. November. Die Drucklegung ber neue« Kanal-Vorlage ist im Ministerium ber öffentlichen Arbeiten bereits beenbet, sodaß ber Entwurf dem Lanbtage bei besten Wieberzusammentritt zugehen wirb. Nicht nur ber Rhein -Elbe-Kanal werbe in unveränberter For« toteber aufleben, fonbern auch ber Umbau ber Berlin- Hohen-Saathener Wasserstraße. Die Verbesserung ber Verbindungen von ber Ober zur Weichsel werbe vorgeschlagen werben. Auch ber masurische Kanal soll in Angriff genommen werben. Die gesamten Baukosten find angeblich auf 420 Millionen Mark veranschlagt. Danzig, 19. 9toüember. In Worla ereignete sich ein schwerer Unglücksfall. Eine Anzahl,Mädchen, die von ber Arbeit aus einer Cementfabrik zurückkehrten, setzten bei Ueberschreiten eines Baches ben Brückensteg in schaukelnde Bewegung. Derselbe brach zusammen. Fünf Mädchen fielen ins Wasser. Nur drei von ihnen konnten mit Mühe gerettet werden. Dresden, 19. November. Gestern abend ist der Dichter Ernst Eckstein nach langem Leiben im Alter von 55 Jahren gestorben. (Eckstein war 6. Februar 1845 zu Gießen geboren. Er ftubierte hier unb in Bonn, in Berlin unb Marburg Sprachen, ßitteratur und Philosophie, 1868 ging er nach Paris, wo er seine „Pariser Silhouetten" verfaßte, bie hier in Gießen 1873 erschienen. 1872 — 1874 lebte E. in Wien als Rebakteur an ber „Neuen Fr. Presse". Von bort siedelte er nach Leipzig über, wo er bie „Dtsch. Dichterhalle" unb baS Witzblatt „Schalk" redigierte. Seit 1884 lebte E. in Dresden. Seine bekanntesten Schriften sinb bie in etwa 100 Auflagen erschienene Humoreske „Der Besuch im Carcer" unb bie Romane„Die Claubier", „Prusias" unb „Aphrobite". D.Reb.) Frankfurt a. M., 19. November. Der gestern hier versammelte national-soziale Lanbes-Verein für Hessen, Hessen-Nassau unb Walbeck konstituierte sich enb- gültig unb wählte Marburg zum Vorort und ben Redakteur Erdmannsdörfer-Marburg zum Vorsitzenden. Redakteur Dc. Maurenbrecher-Berlin hielt einen Vortrag über Handelsverträge und Brotwucher, indem er sich scharf gegen das Agrariertum wandte. Die Versammlung nahm einstimmig folgende Resolution an: Die Versammlung ist sich der ernsten Bedeutung der bevorstehenden Entscheidung über die zukünftige deutsche Handelspolitik voll bewußt. Bei der großen Gefahr für die Zukunft unseres Wirtschaftslebens im Ganzen und besonders für die Lebenshaltung der deutschen Arbeiter- Bevölkerung, die in den agrarischen Plänen auf Verdoppelung der be- stehenden Getreidezölle liegt, richtet der national soziale Landesverein an alle auf der linken Seite des politischen Lebens stehenden Männer, insonderheit an alle national-sozialen des Bezirkes die dringende Aufforderung zu gemeinsamem Protest gegen die agrarische Politik ^sich zusammenzuschließen. Rom, 19. November. Die Verhandlungen zwischen der deutsck^n ReichD-Regierung und dem Vatikan wegen Errichtung einer katholischen FakultätzuStraß- b u r g sind gescheitert. Valparaiso , 19. November. (Kabel - Meldung der „Paris-Nouvelles".) Die Stadt ist abgebrannt. Einzelheiten fehlen noch. Börsennachrichten. Berlin, 17. November. 8. 15-18 unk. b. 1900 8. 19-20, unk. b. 1905 8. 13, 14 8. 21, 22, unk. b. 1905 81.50 M. 81.507» 75.00 M. 99.50 , 90.50 „ 89.80 . 89.30 „ 89.80 „ 80.50 „ 80.50 , 4 o/o do. 4 o/o do. 3< z 0/o do. 31/,0/j do. 4 ®/0 Deutsche Grundschuld-Bank 1 u. 2 4% do. 8. 5/4 unk. b. 1904 31/29/' do. 8. 7/8, unk. b. 1906 4 ü/o D. Hyp.-Bank (Berlin) 8. 10 unk. 1908 SV.o/o do. unk. 1905 4 % Preuss. Hyp--A -Bank 8. 8-12 Telephonischer Kursbericht Frankfurt, den 19. November. 3g zu vermieten. 0'946 Seltersweg 34. 7514 stratze L7. M. Langsdorf. ®X Brramöertli* fit fc* O%mtxnt» Xtti: P. öittUj fflr ten S^lyntrik mrL Meg der ÄetoeNW«**. naH «Hiakrutfmi Mtedfch Irk» in •Mw» verschiedenes ikrmirhnuwn IkMWwn- ksp Für die vielen schweren Verluste, innigen Dank Die Beerdigung findet Dienstag den 20. November, nachmittags 4 Uhr, vom Sterbehause, Wallthorstraße 6, aus statt. (Offene stellen Danksagung. Beweise herzlicher Teilnahme bei unserem sowie auch den Herren Postbeamten sagt q unverändert weiter betreibe. Q Indem ich für das meinem seligen Manne in so reichem Maße geschenkte Vertraue« bestens OGs-elsch 50 W. JiWJLB 752Ö] Ein sauberer HauSbursche für sofort oder später gesucht. .qu erfragen in der Exp. d. Bk. Spezial-Geschäft für Wäsche und Braut-Ausstattungen. Grösstes Lager in fertiger Wäsche für Damen, Herren und Kinder, Annerod, den 19. November 1900. Großherzogliche Bürgermeisterei Annerod. Horn. 7531] Crednerstratze 1: Wohnung, 3 Zimmer nebst Zubehör, zu vermieten. N'iberes bei M. Langsdorf._______ 7-32] Eine Wohnung, 6 btS 7 Zimmer nebst Zubehör zu vermieten. Ludwig» humoristischem Konzert Peter Herr. Seltersweg Ecke Flockstrasse. Seltersweg Ecke Flockstrasse. Spar- null Öotfdju^-Bcrrin MM (E. G. m. u. H ). Kienstag den 27. Wovemöer 1900, aöends 8V2 Nhr: Mädchen auf einige Stunden vormittag» gesucht.Schtllerstraße 5. 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Der Voranschlag der Gemeinde Annerod für das Jahr 1901/1902 liegt vom 21. November 1900 an acht Tage lang auf dem Bürgermeisterei-Büreau zur Einficht der Jnteressentea offen. Bekanntmachung, öetreffend: Kandelskammerwayleu. Auf Grund des Gesetzes vom 17. November 1871, die Handelskammern betreffend, finden an dem unten bezeichneten Termin Neuwahlen von Mitgliedern der unterzeichneten Handelskammer statt, und zwar find: 1. für Hießen-Stadt 3 Mitglieder zu wählen an Stelle des verstorbenen Mitgliedes Scheel, an Stelle des freiwillig ausgeschiedenen Mitgliedes Kommerzienrat Wort mann und des nach den gesetzlichen Bestimmungen ausschetdenden Mitgliedes Kommerzienrat Heichelheim, 2. für Hießen-Land 1 Mitglied an Stelle des nach den gesetzlichen Bestimmungen ausfchndenden Mitgliedes Stein ecke-Lollar. Wiederwahl ist zuläsfig. Wahlberechtigt sind hierbei diejenigen Kaufleute und Gesellschaften, welche als Inhaber einer Firma in einem der für dm Bezirk der Handelskammer geführten Handelsregister eingetragen stehen und einer der vier ersten Klaffen der Gewerbesteuer angehören. Die Wähler für Gießen Stadt müffen überdies in der Stadt Gießen ihren Wohnsitz haben, die Wähler für Gießen-Land in einer der nachstehenden Gemeinden: Albach, Mendorf a. b. Lahn, Mendorf a. d. Lda., Allertshausen, Men-Buseck, Annerod, Bersrod, Beuern, Burkhardsfelden, Clrmbach, Daubringen, Garbentetch, Großen-Buseck, Großen-Linden, Hausen, Heuchelheim, Klein« Awden, Lang-Göns, Leihgestern, Lollar, Mainzlar, Oppenrod, Reiskirchen, Roggen, Rutlershausen mit Kirchberg, Staufenberg mit Friedelhause.:, Winnerod a* ^ß*' ^l0^e' Watzenborn mit Steinberg, Wiestck, on . 8lP,e b-r Wahlberechtigten liegt 10 Tage lang, und zwar vom -0. d. Mts. b.s inkl. 29. d. M s. auf dem Büreau der Firma A. Heichel- heim, Sudanlaqe 13, von 9 bis 12 Uhr vormittags und 3 bis 6 Uhr nachmittags zur Einsicht offen. Einwendungen gegen den Inhalt der Liste, welche nur innerhalb dec erwähnten zehntägigen Frist zulässig find, müffen bei der Handelskammer vorgebracht werden. Nur Diejenigen sind zur Teilnahme an der Wahl berechtigt, welche in die festgestellte Liste ausgenommen sind. Termin zur Wahl ist bestimmt auf Dienstag den 4. Dezember d. Ä. b‘S 12 U6t "°r°"Uab», für Gt-ßen-Stadt m o d 6 o Uhr nachmittags. Al« Wahlkommiffär wird für Gießen,Land Herr Rinn-LeuSelb-im für Gießen-Stadt Herr Katz. Gießen fungieren. " ’ ' Di- Wahl findet auf dem Büreau der Handelikammer, Nordanlaae 15 part., rechts, statt. ' Vogelreuter Seine Frau Trude Georg Marikka Die Weßkalnene Hoffte Plötz Die Mamsell Eine Dienstmagd Gießen, am 19. November 1900. Großherzogliche Handelskammer. Koch. Dr. Kehm. Anfang 77a Uhr. 7530 fKm tüchtiges Dienstmädchen gesucht. 04944_____________SelterSweg 62. 7523] Ordentliches, fleißiges Lauf- e$ WA bauet btt y.ro'61 Daun von m vinzchuteu To Fiit bit too gtwMchtu in der Itii schließlich gel einschließlich. Tage der Gi 12 W Milli Ablauf diests vulwejr aliba llüSgWgS] enthalt Müch nächste, von b AnSgangöstafl streckt sich qu Wfifdjtn As H. bortigeSft entnehmen: 5 ^urteiiung i0 •w Zuhörer eü fanden gefange solche Hochflut ne angefachte < ln9 offenbar i jnhuden jn Ur TO nicht ar Ä« „ «ntt »ii ‘ »ein di- ; fernen f0 , ZM s--L iet Sbee S?6«6ate9 Äe- i-np° Ntentale $rn SSu y Mi Wer________________ K Sauerstoff-Waffer H Hermann Sudermann. Personen: Hans Ramseyer? Emmy Ernst. PlatzBertreter Miltklnindschafl, »X leichtverkäuflichsr Artikel der Nahrung^ mittelbrancde. Reisevertreter für größeren Rayon werden ebenfalls um Offerten gebeten unter Z R 1336 durch Haasen- stein & Bögler, A. G., «öl«. 7»iS 7517] Von einer alten deutschen, gut eingeführten Feuer - Verficht Gesellschaft wird tüchtiger Agent gesucht. Offerten unter J V 179 et Haasenstein & Sogler, Akt.- «es, Frankfurt a. M.__ Schreibgehilfe gesucht. Zu erfragen in der Expedition. 7524 Tüchligtk WrlMM findet bei hohem Lohn dauernoe Stellung M. Rosenthal, 7499 Liebigstr. 13. Generalv ers ammlung der Restauration Karl Dorseld. Tagesordnung: 1. R-wisionsbericht. 2. Versck'edeneS. Hüt den AusfichtSrat: Dorfeld. Tiner werten Kundschaft und einem verehrlichen Publikum die ergebene Mitteilung, daß ich die von meinem seligen Manne feit 26 Jahren betriebene 8 Glaserei —- Einrahmegeschäst R 7 Kanzteiöerg 7 ^nbtrütl Libreville, )er am zunächst di nomisch festzust Mission der Ht Jahre in Osi< Wrnvg der ü. Restorff, bt viffenschaMe Schulz aus §l LegleiluiigSman ersehen ist. d Mnial'SoIbat Iamitte Keivel. Londorf, den 19. November 1900. 7527 Neue Apritzoftn-MalMklade Mklange-Marmklüdk. Gnstav Maltkr, Möusblirg 13. 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