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Landwirt- u. „Blätter für heff. BolkSkunde- «Lchtl. 4 mal beigelegt. Nrzugsprei» viertcljährl. Mk. 2LS monatlich 75 Pfg. mit Bringerlohn« durch die Abholestelle« vicrteljährl. Mk. 1,90 monatlich 65 Pfg. Bei Postbezug Mk. 2,40 vierteljährl. mit Bestellgeld. Alle Anzeigen-LermittlungSstellen deS In« und Auslandes nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger entgegen« Zeilenpreis: lokal 12 Pfg., auswärts 20 Pfg. Annahme von Anzeigen zu der nachmittag- für bett fotgenden Tag erscheinenden Nummer bis vorm. 10 Uhr. Abbestellungen spätestens abends vorher. Amts- unb Anzeigeblatt für den Are»» Gieren. Rebefncn, Expedition und Druckerei: Ichutfiraße Ar. 7. IW»»»»— Adresse für Depeschen: Anzeiger Kietze». Fernsprecher Nr. 51. Gratisbeilagen: Gießener 'Familu'Mütter, Der hessische Landwirt, Matter für hessische Uolltsknnde. Amtlicher Feil. Gießen, 16. November 1900. Seit.: Unterrichttszeit in der Fortbildungsschule. Die Grotzh.Kreisschulkommisfion Gießen tut die Lchulvorstände und Bürgermeistereien des KreiseS. Da das Ausschreiben obigen Betreffs der obersten ÄlMlbehörde ibom 5. Oktober l. I. (Amtsblatt Nr. 17) zu Mißverständnissen geführt hat, geben wir zu demselben im Auftrage der obersten Schulbehörde folgende Erläuter- imgen: 1) Die gegebenen Bestimmungen setzen nicht die Stunden des Fortbildungsunterrichts für die einzelnen Gemeinden einheitlich fest, sondern sie b e st i m m e n nur die Zeit, bis zu w e l ch e r d i e s e r Unter-, richt regelmäßig beendet sein soll. 2) 'Die in den rein Landwirtschaft treibenden Getue indcn sehr vielfach verbreitete Ansicht, daß der Unterricht in der Fortbildungsschule an mindestens zwei Wochentagen von 5—7 Uhr abgehalten werden müsse, ist mmichtig. Bei Festsetzung der Unterrichtsstunden soll vielmehr auf die örtlichen Verhältnisse und Betz L r f n i s s e und die W ü n s ch e derSchulvorstände RücksicU genommen werden, namentlich kann überall da, wo die Vor abend st unden zur Erteilung des Fortbild ungsunterrichts unge- eiigneterscheinen, dieser Unterricht aufeinv frühere Zeit, etwa die Stunden von 1—3 Uhr nach mittags, verlegt werden. Thatsächlich ist diese Zeit bereits in einer größeren Anzahl von Gemeinden auj Antrag der Schulvorstände gewählt worden. Es steht ferner nichts entgegen, die Unterrichtsstunden, anstatt an Mi Wochentagen von 5—7 Uhr, an 4 Wochentagen von 6—7 Uhr festzusetzen, da die Arbeiten auf denn Felde, sowie die Waldarbeiten zu dieser Stunde! während der Wintermonate überall beendet sind. Auch kann für die Monate November und Februar die Zeit von 6—7 Uhr, für die Monate Dezember und Januar diejenige von 5—7 Uhr gewählt werden. 3) Da, wo örtliche Verhältnisse dies angängig er- Mnen lassen, kann auf Antrag des Schulvorstandes mit unserer Zustimmung auch die Einrichtung getroffen werden, daß der Fortbildungsunterricht an zwei stunden wöchentlich während des ganzen Schuljahres erteilt wird. 4) Nach Ziffer 3 unseres Erlasses vom 5. Oktober I 1900 kann, falls besondere Verhältnisse in einer Gemeinde die Ausdehnung des Fortbildungsunterrichts bis nach 7 Uhr abends notwendig erscheinen lassen, dies ausnahmsweise zugelassen werden, wenn die Mehrzahl der Fortbildungsschüler außerhalb ihres Wohnorts beschäftigt ist. Die Zulassung einer solchen späteren Unterrichtszeit bis 8 ein halb Uhr abends kann nicht nur in solchen Gemeinden eintreten, in welchen die Mehrzahl der Fortbildungsschüler in auswärtigen Fabriken beschäftigt ist, sondern auch da, wo ,dieselben regelmäßig außerhalb ihres Wohnplatzes mit Wald-, Feld- oder sonstigen Arbeiten beschäftigt sind und behufs ihrer Teilnahme an dem Fortbildungsunterricht eine längere Weg- strecke zurückzulegen haben. 5) Auch kaun der Unterricht in Gemeinden mit geringerer Zahl der fortbildungspflichtigen Schüler auf die nach Artikel 17 des Volksschulgesetzes zulässige geringste Stundenzahl beschränkt werden. Wir erwarten, daß die Schulvorstände in den einzelnen Gemeinden dafür Sor^e tragen, daß alsbald der Unterricht in einer der vorstehend angegebenen Arten eingerichtet wird. v. Bechtold. Bekanntmachung, Betr.: Die Nachsuchung der Berechtigung zum einjährig freiwilligen Dienst auf Grund von Schulzeugnissen. Diejenigen jungen Leute, welche auf Grund ihrer Schul- zeugniffe die Berechtigung zum einjährig freiwilligen Dienst nachsuchen wollen, werden hierdurch auf die nachfolgenden, bei Anbringung der Gesuche zu beachtenden Vorschriften mit dem Anfügen aufmerksam gemacht, daß hiernach unvollständige Gesuche ohne weiteres zurückgegeben werden. 1. Das Gesuch ist bei der unterzeichneten Prüfuugs- Kommisfion nur dann einzureichen, wenn der sich Meldende im Großherzogtum gestellungspflichtig ist, d. h. feinen dauernde» Aufenthaltsort hat. 2. Die Berechtigung zum einjährig freiwilligen Dienst kann nicht vor vollendetem 17. Lebensjahr und muß spätestens bis zum 1. Februar des Jahres nachgesucht werden, in welchem das 20. Lebensjahr vollendet wird. Der Nachweis der Berechtigung zum einjährigen Dienst ist bet Verlust des Anrechts spätestens bis zum 1. April desselben Jahres zu erbringen. (Wenn z. B. mit Rücksicht auf das Lebensalter die Einreichung des Gesuchs nicht weiter hinausgeschoben, das vorschriftsmäßige Schulzeugnis aber erst am Schlüße des Schuljahreausgestellt werden kann.) In solchen Fällen ist in dem Gesuch anzugeben, daß das Schulzeugnis bis 1. April nachfolgen werde. 3. Das Gesuch muß von dem Betreffenden selbst geschrieben fein und ist hierzu ein Bogen in Aktenformat (nicht Briefpapier) zu verwenden. Auch ist die nähere Adreffe anzugeben. 4. Dem Gesuche sind folgende Papiere beizusügen: a) Geburtszeuguis; b) Die Einwilligung des gesetzlichen Vertreters mit der Erklärung, daß für die Dauer des einjährigen Dienstes die Kosten des Unterhalts, mit Einschluß der Kosten der Ausrüstung, Bekleidung und Wohnung von dem Bewerber getragen werden sollen; statt dieser Erklärung genügt die Erklärung des gesetzlichen Vertreters oder eines Dritten, daß er sich dem Bewerber gegenüber zur Tragung der bezeichneten Kosten verpflichte und daß, soweit die Kosten von der Militärverwaltung bestritten werden, er sich dieser gegenüber für die Ersatzpflicht des Bewerbers als Selbstschuldner verbürge. Die Unterschrift des gesetzlichen Vertreters und des Dritten, sowie die Fähigkeit des Bewerbers, des gesetzlichen Vertreters oder des Dritten zur Bestreitung der Kosten ist obrigkeitlich zu bescheinigen. Uebernimmt der gesetzliche Vertreter oder der Dritte die in vorstehendem Absätze bezeichneten Verbindlichkeiten, so bedarf seine Erklärung, sofern er nicht schon kraft deS Gesetzes zur Gewährung des Unterhalts verpflichtet ist, der gerichtlichen oder notariellen Beurkundung. c) ein Unbescholtenheitszeuguis, welches für Zöglinge von höheren Schulen (Gymnasien, Realgymnasien, Ober-Realschulen, Progymnasien, Realschulen, Realprogymnasien, höheren Bürgerschulen und sonstige« Militärberechtigten Anstalten) durch den Direktor der Anstalt, für alle Übrigen jungen Leute durch die Polizei-Obrigkeit oder ihre vorgesetzte Dienstbehörde auszustellen ist. d) das Schulzeugnis. Sodann wird noch besonders bemerkt: *) Ibsen« sämtliche Werke erschienen soebeni m einer vorzüglichen iu-Wen Ausgabe, die auf 9 Bände berechnet ist (4 Bd. Preis 3,50 Mk.), 'i sb. Fischer in Berlin. Hießener Meaterverein. Wir werden in der nächsten Theatervereins-Vorstellung eittS der bedeutendsten nordischen Dramen, das in den lchten Jahren verhältnismäßig recht selten auf den deutschen Rhnen erschienen ist, Björnstjerne Björnson s „Fallis- jement", auf uns wirken lassen, mit Herrn Adolf Zürgensen, königl. preußischem Schauspieler in Kassel, i!6 Gast. Das bürgerliche Schauspiel „Ein Fallissement" bedeutete ini Jahre 1875, als der damals 43 jährige Dichter eS «röffentlichte, einen außerordentlich kühnen Schritt realistischer Dairfteöung des Lebens der Gesellschaft mit all ihren Aus- ckchsen. Die stimmungsvolle, spannende Exposition be- tzilhrte, daß die Bühnentechnik des Dichters schon damals tine beträchtliche Höhe erreicht hatte. Die Motivierung ier Handlung zeigt freilich manche Schwächen, die Charak- ttri-stik aber die noch unerschöpfte Kraft sicherer Menschen- ^rstellung. DaS Drama ist eins der kernigsten Erzeug- Mr der nordischen Litteratur geblieben, und unsere Theater- jteunbe werden also Gelegenheit haben, durch dieses Stück M greisen Dichter nicht nur schätzen, sondern lieben zu ürmen In dieser Björnson'schen Dichtung wurzelt sittlicher Idealismus fest im Boden der gegebenen Zustände und larattere Dieser Idealismus ist eine Notwendigkeit der M-rischen Fabel, er schlägt daher nicht, nach älteren >m«schen Mustern, ins Blaue, sondern wirkt wohlthuend mb. reinigend wie ein Gewitter. Obendrein enthalt das Mi in der Rolle des Advokaten Berent eme ungewöhnlich -teilbare Ausgabe für einen hervorragenden Darsteller, die M z. B. Possart in Mönchen und Wien- IN Dresden nicht «Mhen $a(tMg crinncrn Jbs-nS*) »Stützen der Gesellschaft" lebhaft an seines Landsmanns „Fallissement". Da sie zwei Jahre später als dieses das Licht der Bühnenlampen erblickten, so ist anzunehmen, daß Ibsen für feine schärfere und einschneidendere Satire die Björnsons zum Muster genommen hat. Vielen unserer Theaterfreunde dürfte es übrigens nicht bekannt sein, daß die beiden norwegischen Poeten durch enge Familienbeziehungen miteinander verbunden sind. Ibsens Sohn Sigurd ist mit BjörnsonS Tochter Bergliot vermählt. Frau Bergliot war von ihrem väterlichen Hause her an Luxus und Geselligkeit gewöhnt; allein sie hat Verzicht darauf geleistet, seit sie weiß, daß ihr Gatte nicht eben Behagen daran empfindet. Hübsch und von Natur sehr lebhaft, war sie in Paris, wo sie einen großen Teil der Jugend verlebte und somit auch ihre Erziehung erhielt, Mittelpunkt der Kreise, in denen ihr Vater verkehrte. Ihre Schönheit wurde nicht minder bewundert als ihr Geist. Vor allem ihre Stimme. Denn Bergliot Björnson sang wunderschön — mit Schmelz und tiefer Innerlichkeit ihrer Empfindung; man behauptet sogar, daß der Zauber, der von ihrer Stimme ausging, hauptsächlich den jungen Sigurd Ibsen fesselte und ihn veranlaßte, der Tochter des Rivalen seines Baiers um den Ruhm, der erste Dramatiker des Nordens zu sein, Hand und Herz zu bieten. Sigurd dagegen ähnelt in Anschauung und Wesen seinem Vater. Er ist still, verschlossen, zuweilen sogar in sich gekehrt. Allen Vergnügungen abhold, findet er in dem Frieden des Haushaltes das Glück seines Lebens. Vom Vater hat er auch den Sinn für Litteratur geerbt, ebenso wie der Bruder seiner Gattin, Björn Björnson, deffen kürzlich entstandenes Drama „Johanna" von der Kritik außergewöhnlich gut ausgenommen worden ist. Es ist erfreulich, daß die Direktion Kruse u. Helm sowohl dieses Drama als des alten Björnson gewaltiges neuestes dramatisches Werk, „Neber unsere Kraft" (Verlag von Albert Langen in München), uns noch für diese Spielzeit in Aussicht gestellt hat. Von den sonstigen Werken Björnsons, des Vaters, möchte ich noch hervorheben den lebensvollen, künstlerisch vollendeten Roman „Das Fischermädchen", ein Buch von urwüchsiger Frische und einfacher Größe, von Stimmungsgewalt und sinnlicher Unmittelbarkeit, — und die beiden kleinen Dramen „Zwischen den Schlachten", eine ergreifende Episode altnorwegischen wortkargen Trotzes, der Mann und Weib beinahe von einander treibt, und „Die Neuvermählten", die lebendige Darstellung eines rein menschlichen Konflikts, der tausendfach, wenn auch selten in der Schärfe und Stärke, mit der Björnson ihn schildert, wiederkehrt. Die 58. Lieferung des ausgezeichneten großen Prachtwerkes „Das 19. Jahrhundert in Bildnissen*) (Berlin, Photographische Gesellschaft, A Lfg. Mk. 1.50) enthält u. a. verständig geschriebene Biographien und vorzügliche Porträts Ibsens und des alten Björnson, das letztere von der Hand des Meisters Lenbach. Aus Roman Wör- nerS Björnson Biographie erfahren wir, daß das „Fallissement" in Italien entstanden ist. Von dem für Mittwoch erwarteten Gast sei noch erwähnt, daß Herr Jürgensen einen bemerkenswerten, allerdings nicht ganz einwandsfreien Aufsatz „Neber daS Verhältnis des Regisseurs zum Schauspieler" in der „Frkf. Ztg." vor einiger Zeit veröffentlicht hat. _________ P. W. •) Es sei bemerkt, daß die genannte Lieferung außer fünf anderen Aufsätzen und Porträts auch Bild und Lebensbeschreibung von Ludwig Büchner bringt. Aus Frankfurt a. M. wird geschrieben: Gelegentlich der Veranstaltung, die demnächst im hiesigen Schauspielhaus zum Besten des Denkmals für „Frau Rat" geplant wird, ist zum ersten Male in Frankfurt die Vorlesung von Goethes „Urfaust" in Aussicht genommen, und zwar unter Mitwirkung von Hedwig Niemaun- Raabe und Aloys Prasch (dem Gatten der Frau Prasch- Grevenberg. D. Red.) eine beträchtliche Erhöhung des Staatsvennögens zu verzeichnen ist. Aber immerhin repräsentiert jene Summe für einen Staat wie Hessen eine ganz bedeutende Schuldenlast, die eine väterlich sorgende Staats-Regierung nur den notwendigsten Forderungen folgend erhöhen barf, am allerwenigsten aber durch Bevorzugung eines einzelnen Standes zu Lasten der Gesamtheit, wie es nach dem jetzigen Entwicklungsgang der Landeskreditkasse geschehen müßte, zumal die im Bau begriffenen und andere genehmigte Nebenbahnen und die sehr notwendigen Erweiterungen einiger Bahnhöfe, namentlich unseres Gießener, die StaatsschMen um einige Millionen noch erhöhen werden. So erheischen denn die Entwickelung der Landes- kreditkasse selber und der hohe Stand der Staatsschulden, wie der Umstand, daß die ländlichen Kreditverhältnisse sich gebessert haben und andere Stände gerade bei der jetzigen Verteuerung des Geldes der sozialen Hilfe des Staates gleichfalls bedürfen, eine prinzipielle Aen- derung zum allgemeinen Nutzen. Die Staatsregierung glaubt dem dadurch entgegenzukommen, daß sie die Landstände zur Errichtung einer Pfandbrief b a n k ausfordert. Die Landeskreditkasse soll zwar nicht eingehen, ihre Thätigkeit aber eine bedeutende Einschränkung erfahren. Unter Ausscheidung aller Privatdarlehne für Nicht-Meliorationszwecke soll sie ihre Mittel nur noch für Meliorationen und als gänzlich neuen Punkt zur Unter st ützungder Wohnungsbest re b- ungen und überhaupt zu Zwecken von allgemeinem Interesse unter Aufsicht des Ministeriums des Innern hergeben dürfen. Eine entsprechende Vorlage darüber wird den Ständen demnächst zugehen. Zur Befriedigung des privaten Realkredits ohne Einschränkung der Verwendung soll aber die unter Aufsicht des Finanz-Mi- ifteriums stehende neu zu errichtende Pfandbriefbank dienen durch allgemeine Gewährung vor» Annuitäten-Dar- lehen (unkündbare Darlehen mit Rückzahlungszwang nach bestimmten Prozentsätzen). ______________________________ Der Mordauschlag auf den deutschen Kaiser. Breslau', 17. November. Die Attentäterin Selma Schnapka stand am 17. vor dem Breslauer Schöffengericht unter der Anklage des Widerstandes gegen die Staatsgewalt und Erregung ruhe störenden Lärms. Der erste Staatsanwalt wohnte der Verhandlung bei, die unter ungeheurem Andrange des Publikums stattfand. Die Schnapka bejahte mit einem gewissen Stolze die Frage, ob sie das Attentat auf den Kaiser begangen habe. Sie gab an, sie werde auf Betreiben der Kaiserin heimlich verfolgt (!) Die in der Verhandlung entstandenen Zweifel über die Zurechnungsfähigkeit der Frau veranlaßte die Vertagung der Verhandlung. Es wurde beschlossen, die Schnapka einer Irrenanstalt zur Beobachtung zu überweisen. Am 16. d. Mts. fand eine Alarmirung der Garnison statt, die aber mit dem Attentat nicht zusammenhängt. Der Kaiser hatte sie von Drachenberg aus befohlen. Es wird bestätigt, daß der Kaiser den Vorfall gar nicht bemerkte. Der Erbprinz von Sachsen-Meiningen, der dem Standorte der Schnapka zunächst saß, sah, wie sie einen Gegenstand schwang und nach dem Wagsn warf. Der Kaiser legt dem Vorkommnis keine Bedeutnng bei. — Er hat nach seinem Eintreffen im Breslauer Kasino des Leibes- Kürassier-Regiments, sowie er über das Resultat der ersten Feststellungen unterrichtet worden war, dem Wunsche Ausdruck gegeben, es möge in seiner Gegenwart des Vorfalls in der Gartenstraße nicht Erwähnung gethan werden; eS lohne sich nicht, von der That einer mutmaßlich Wahnsinnigen viel Aufhebens zu machen. Dieser Wunsch des Kaisers war für die Breslauer Behörden bezüglich ihres Verhaltens in der Angelegenheit bestimmend. So ist u. a. auch seitens der Stadt Breslau keine Kundgebung irgendwelcher Art an den Kaiser gelangt. zu pes. d. daß die Schulzeugnisse, mit Ausnahme der Reifezeugnisse für die Universität und die derselben gleichgestellten Hochschulen, und Reifezeugnisie für bie Prima der Gymnasien, Realgymnasien und Ober- Realschulen, sämtlich nach Muster 18 zur Wehr-Ordnung vom 22. November 1888 — Reg.-Bl. Nr. 27 von 1894 — ausgestellt sein müssen. Im übrigen wird auf die Bestimmungen der §§ 88, 89, 90,93 und 94 der angeführten Wehr-Ordnung verwiesen. GroßherzoglichePrüfungS-KommissionfüreinjährigFreiwillige zu Darmstadt. Der Vorsitzende: Wick. Zweck «ud Smrichtuug der durch Gesetz zu gruudtudru hessischen Wudbriefbauk. i. Zur Beschaffung eines billigen Realkredits für die damals sehr darniederliegende Landwirtschaft hatten im Jahre 1890 Regierung und Landstände zur Errichtung einer Landeskreditkasse sich entschlossen. Wenn man auch« der allgemeinen Ansicht war, sowohl innerhalb der Regierung, als auch bei den betreffenden Ausschüssen der Kammern, daß ein dringendes Bedürfnis für die Vermehrung der Kreditanstalten nicht vorhanden fei, so war doch andererseits nicht zu verkennen, daß im eigenen Lande Gelegenheit zur Beschaffung von Darlehen mit Tilgungszwang (sog. Amortisations- oder Annuitätendarlehen), die von Seiten des Gläubigers unkündbar sind, noch nicht genügend geboten war. Die Sparkassen gewöhnlichen Schlages glaubten sich mit unkündbaren Darlehen nicht abgeben zu können, da sie meist auf für sie kündbare Spareinlagen angewiesen sind. Das in Hessen sich stark entwickelnde Genossenschaftswesen hat wenigstens zum größten Teil diese Seite der Darlehen unberücksichtigt gelassen. Die in unserem Lande am meisten verbreiteten Genossenschaften Offenbacher Systems kennen Darlehen mit Tilgungszwang nicht, während die Raiffeisenvereine, die nur Annuitätendarlehen geben, unter der Konkurrenz jener stark zu leiden haben. So hat denn die Landeskredrtkasse eine wirklich! vorhandene Lücke ausgefüllt. Aus dem Wege des Staatskredits wurden darauf Darlehen gegeben, die zur Ausführung von Wiesenkulturen, Bachregulierungen, Entwässerung von Grundstücken nach dem Bachgesetz von 1887 und Zusammen- legungen von Grundstücken und Anlage von Feldwegen nach dem Feldbereinigungsgesetz verwendet werden sollen. Außerdem konnte die Landeskreditkasse Darlehen geben, derer Gemeinden, andere Korporationen, Konsortien und Private zum Schutz egegenUeb er schw emmungen und zur Drainierung oder anderweiten Entwässerung von größeren Flächen bedürfen. Endlich dürfte die Kasse in Anspruch genommen werden von Kommunalverbänden und Gemeinden zur Bestreitung von Grunderwerbs- und Baukosten von neuen Kreis st raßen, sowie von Gemeinden zur Bestreitung der Kosten der Neuanlage von Wasserleitungen. Die günstige Wirkung des Instituts wurde in der ländlichen Bevölkerung allgemein verspürt und die Hilfe so oft begehrt, daß im verstossenen Jahre die Landstände sich §|u einer weiteren Ausgabe von 10 Mill. Mark Schuldverschreibungen verstehen mußten, von denen bereits 2 Mill, begeben sind, sodaß im Ganzen jetzt ungefähr 13 eine halbe Mill, zur Befriedigung der Bedürfnisse der Landeskreditkasse auf- zenommen werden mußten. Es ist nicht zu verkennen, daß das wohlgemeinte Institut seinen Gründern über die Köpfe gewachsen ist und diese sich nach einer» Einschränkung der Thätigkeit der Kasse umsehen mußten. Man glaubte durch das Gesetz vom 4. Oktober 1899 etwas erreicht zu haben. In den letzten Jahren ist zwischen Nennwert und Kurswert eine bedeutende Differenz entstanden. Die Kasse gab nun ihre Darlehen zu demselben Zinsfuß, wie ihre Schuldverschreibungen lauteten, zahlte aber in barem Gelbe den Darlehensuchenden den vollen Betrag ohne Abzug aus. Hierdurch entstand einbedeutenderVer- 1 u ft. Das. neue Gesetz vom Jahre 1899 ermächtigte die Landeskreditkasse, die Darlehen in Auslieferung von Schuldverschreibungen im Nennwert des Darlehens «oder durch Barzahlung des Wertes der Schuldverschreibungen nach dem jeweiligen Kurswerte zu leisten. Ein spürbarer Rückschlag bezüglich der Inanspruchnahme der Kasse scheint durch diese Bestimmung nicht eingetreten zu sein, woran die Verflauung auf dem Geldmärkte wesentlichen Anteil hat. So mußte denn zu anderen Mitteln gegriffen werden, um der nicht beabsichtigten Ausdehnung einen Damm entgegen zu setzen, zumal die Voraussetzungen, unter denen die Landeskreditkasse gegründet worben war, nicht mehr in ihrem vollen Umfange zu Recht bestanden. Der Hebung der bedrängten Landwirtschaft hat das Institut seine Entstehung zu verdanken und ist auch seinem Wirkungskreis gerecht geworden. Es ist aber eine nicht zu leugnende Thatsache, daß die Verhältnisse der Ländlichen Bevölkerung sich nicht unwesentlich gebessert haben und mithin eine so einseitige, den Staats- tcedit schwer belastende Bevorzugung nicht mehr für sich beanspruchen können. Es sind andere Stände da, die «iner gleichen Unterstützung, Beschaffung billigen Real- tcedits, bedürfen und die eine sozial fürsorgende Regierung nicht aus dem Auge lassen darf. Wir nennen nur den Handwerker st and, den Handcls-Ge- »erbestand, den kleinen Fabrikbetrie.b, zur Erhaltung eines gesunden Staatsbetriebs notwendige Münde, die unter der Uebermacht des Großkapitals stark zu leiden haben. Warum sollten diese in der Landwirt- |d)üft gebotenen Vorteile auf die Dauer vorenthalten werden, zumal auch sie Staatsbürger sind tvie jene und in nicht minder schwierigen Verhältnissen stehen und zu den Unkosten selber mit beisteuern müssen? ' Ferner ist nicht zu verkennen, daß die hessischen Ekhuld - Verschreibungen von allen Bundesstaaten den niedrigsten Stand an der Börse notieren. Von ungefähr BO Mill. Mark Schulden im Jahre 1890 sind wir jedoch «uf ca. 300 Mill, gekommen, wenn auch freilich den Passivkapitalien gegenüber durch den" Erwerb der früheren hessischen Ludwigsbahn und den Bau von Nebenbahnen Politische Wochenschau. Das Ereignis der vergangenen Woche ist die Thronrede, mit welcher der Kaiser die neue Sitzung des Reichstages eröffnet hat. Sie hat wenigUeberraschungen gebracht und im ganzen eine günstige Aufnahme gefunden. Nur der Punkt, der die Unterlassung der Reichstags-Ein« berufung betrifft, Wied noch den Anlaß zu lebhaften Redeschlachten geben. Aber dadurch wird die nachträgliche Bewilligung der Kriegskosten nicht in Frage gestellt. Wenn offiziös thuende Berichterstatter mit dem Brustton der Ueber- zeugung versichern, daß eine Nichtbewilligung des Nachtrags- Etats für die China-Expedition mit der Auflösung des Reichstages beantwortet werden würde, so werden mit solchen Erklärungen lediglich offene Thüren eingerannt. Aber der Reichstag wird mit der Feststellung und Wahrung seiner verfaffungSmäßigen Rechte gegenüber dem Vorgehen der Regierung nicht zögern. , Aus China, das in dieser Woche einen breiten Raum in den Verhandlungen des Reichstages einnehmen wird, ist inzwischen eine so Überraschende als erfreuliche Meldung gekommen, wonach endlich zu hoffen ist, daß bte oft nutz- brauchte Phrase von der „Einigkeit der Mächte" tn Betreff der Friedensverhandlungen endlich zur Wahrheit werden wird. Freilich bis auf eine Macht hat sich diese Einigkeit noch nicht erstreckt — auf China selber! Die zu stellenden Friedensbedingungen der Verbündeten sind übrigens maßvoll und eindrucksvoll. Bedenklich aber klingen die Nachrichten, nach denen die Boxer unter Leitung des unangenehmen prinzlichen Herrn Tuan sich wieder rühren und, falls die Regierung den Fremden nachgiebt, Front gegen beide zu machen beabsichtigt. Kenner der chinesischen Ver- hältniffe schenken diesen Gerüchten Glauben, während die Geneigtheit des Kaisers ober vielmehr der Kaiserin zu ehrlichem Friedensschluß starkem Zweifel begegnet. Zweifel und Mißtrauen auf Schritt und Tritt können auch den Mächten im Verkehr mit dem heuchlerischen Gegner nicht genug empfohlen werden. Die neusWdingS von englischer Seite ausgesprengte Verdächtigung, daß noch eine andere Macht nichts von de« Konzert der Mächte wissen wolle, nämlich die Vereinigten Staaten vonAmerika, h-t von Washington aus prompt einen entschiedenen Widerspruch erfahren. Es wäre auch nicht ersichtlich, welchen Anlaß die amerikanische Regierung hätte, den Hecht int ostasiatischen Karpfenteich zu spielen, denn die Wahlen sind vorbei und ein Anlaß zu Wahl, manöoern lag mithin nicht mehr vor. Ueber den AuSganz der Wahlen herrscht unter den Republikanern eitel Freude, denn die republikanische Mehrheit sowohl bei der Präsidentenwahl als auch im Kongreß hat sich nach der enbgütigew Feststellung als noch größer erwiesen, als die Republikaner selbst es erhofft hatten. Mac Kinley hat übrigens dem Lande alsbald nach seiner Wahl eine Art Morgengabe überreicht, indem er den Ankauf eines weiteren Restes des spanischen Kolonialbesitzes abschloß. Wie ein Schwimmer bas Gewand abwirft, um in seinen Bewegungen freier zu fein, so wirft Spanien die traurigen Ueberreste seiner einstmals glänzend gewesenen Kolonialmacht ab, um, ein Tropfen ist'S auf heißem Stein, sich ungestört der inneren Politik widmen zu können. Spanien ist ein typisches Bild für die Gerechtigkeit der Weltgeschichte. Als Amerika entdeckt war und eine Hochfluth spanischer Glücksritter und Abenteurer nach dem neuen Erdteil zog, da flössen goldene Ströme in das Mutterland. Bis aufs Blut wurden die unglücklichen Ureinwohner gepeinigt und ihrer letzten Habe beraubt. Die Indianer sollen gesagt haben: Diese Weißen sind keine Menschen, denn Menschen können nicht so grausam sein, es müssen Teufel sein. Und einem gefangenen Spanier schütteten sie flüssiges Gold in den HalS: Unersättlicher, der du nie genug Gold bekommen konntest, hier hast du reichlich! — Nie hat Spanien nennenswerte Auf- wendungen für seine Kolonien gemacht, sie wurden geplündert und verarmten, bis die Eingeborenen zur Verzweiflung getrieben wurden. Nun kommt die Vergeltung. Ein Stürk nach dem andern bröckelt ab, und daß das wirtschaftlich entsetzlich notleidende Mutterland noch seine Existenz fristet, verdankt es nur dem Umstand, daß die anderen Staaten jetzt zu sehr mit anderen Problemen beschäftigt sind. Wäre Don Carlos ein Mann der tyat ober auch nur ein Mann von den Eigenschaften eines dritten Napoleon, dann könnte er kaum einen besseren Zeitpunkt finden, um sich die Krone anzueignen. Von dieser Seite aber braucht die Dynastic nicht sonderlich besorgt zu sein. Auch aus Frankreich dringen Gerüchte, daß die Prätendenten sich lebhafter rühren, vergeblich jedenfalls, denn die französische Regierung stand kaum jemals im Innern gefestigter als jetzt. Besondere Sorge verursacht ihr aber die bevorstehende Ankunft des Präsidenten Krüger aus französischem Boden, da irgend welche Vorkommnisse ihre Bemühungen, die strengste Neutralität zur Schau tragen, durchkreuzen können. Vom sÜdafrikanischenKriegSschauplatz laute« die Nachrichten zur Zeit für die Engländer günstiger, aber die bisherigen Erfahrungen bieten allen Anlaß, der englischen Kriegsberichterstattung mit dem größtmöglichen Wh trauen zu begegnen. Mit den Russen haben auch wir Hessen zur M Anlaß zu großer Sorge um den Schwager unseres LeM«' Herren, den jungen Zaren, der schwer erkrankt liegt. Er, der ideal veranlagte Monarch war > oo^elch absoluter Herrscher, in Wirklichkeit nicht der ^nve Getfl bei der russischen Staatsmaschine, aber °r .*Letonte Friedensliebe war doch ein Faktor, ber eincn Einfluß auf die europäische Politik »lcht verfehlt hat. Nikolaus II., ber im 33. Lebensjahre steht, rst mit einer besonbers starken Konstitution nicht ausgestattet; aber er ist in ber letzten Zeit zusehenbs kräftiger geworben. An sorgsamer Pflege fehlt es ihm nicht, da die Z a r i n A l e x a nd r a, bas Muster einer Hausfrau und liebevollen Gattin^ selbst seine Pflegerin ist und streng darüber wacht, daß alle ärzt« lichen Borschrist-n sorgstllig befolgt werden. PMische Tagesschau. Oberstaatsanwalt Lantz wird dem preußischen Justiz Minister Schönstedt persönlich über den Ausgang des Konitzer Meineibsprozesses Vortrag halten. Der Graudenzer Gesellige beginnt inzwischen sehr scharfe Artikelserien gegen bie Staatsanwälte, Richter und UntersuchungS- beamte im Konitzer Prozesse, die durch unnötiges Reizen ber christlichenBevölkerung an ber in ber Stabt herrschenben Verbitterung die Hauptschuld trügen. Noch in ber letzten Sitzung hätte der Gerichts« Präsident den verdächtigen Lewy stets mit „föerr" angerebet, bie Frau Kreisschulinspektorin Rhobe nur mit „Zengm Rhobe" usw., auch sei nicht wie üblich den Geschworenen für ihre vierwöchige anstrengende Thätigkeit gedankt worden. In den parlamentarischen Verhandlungen müsse die Frage eingehender behandelt werden, warum die Behörden so handelten usw. — Die „Berl. Neuesten Nachr." erhalten eine Zuschrift von „hochgeschätzter" Seite, worin dargelegt wird, daß die vollständige Aussage Masloffs, die durch w Anklage der Staatsanwaltschaft hinweggeräumt werden sollte, durch den Geschworenenspruch unberührt geblieben sei, W gewissem Sinne bie Feuerprobe bestauben habe; bieselve könne von benjenigen, die von ber Schulb Lewys überzeugt seien, mit Recht nach wie vor als gewichtiges Belastungsmoment verwertet werben, obwohl burch ben Geschworenev- spruch anberseits bie belangreiche MaSloff'sche Aussage cus ber Wahrheit entsprechet nicht autoritativ festgestellt P Die „Deutsche TageSztg." hält es für eine bringen6 Pflicht bes Justizministers, ein sofortiges Einschreite der Staatsanwaltschaft gegen Lewy durch Anwei Al , ittaM WL Spiele \ SeruM Ars w «Ä iibtn Wohnung lie9;- nietben; man Das kling! Seite festgestellt eines älteren L« Der damals r jmniifl W » .St«"181 Agellagkn tu geht, bch a) bie 18. Mrj d. Z. gehört, er habe 1 fernem Keller mit lich drei Männer «inchsee« tragen bei LewyS eine PiMgranm Er Leig, daß jie i Adlern Öormgram 6’. $aN unb 6 " kitzMlg nur zum kleinen ttreisauSschuß z' Heißler in S' seiner Dlunvskes! Gchler, hatte c uagm erhoben, oesurchte. Der zu machen, bas weniger Besah zeugung größt werde. Der: d ' nachgesch Weller auf Mwnant bat DaS Verfaßen Äöenborf a. Ld wirtschast mutzt hatte btt heim In dt« 524 gute Nttscha triebene. In Leute bisher a Wrmtiftera ott bcs iinterlec Atter' Mt unb btsba betrieb. Der Ge Legen das Stbflrf bti w onen das Bed Ä* toe0eri 01 Erteilung, 8 (Tgl. Anz.) demselben weiter verbreitete. *) Wenn nicht anders bemerkt, Anfang 7 Uhr. Hlm rasch zu räumen, öewillige vo« heute an auf meine AusverKaufspreife nochmals 10 °|o Rabatt. XS. Weimersheim Nachfolger 13 Kvenzplatz 13 6124 lichen Arbeiten, der Finanzen und für Handel und Gewerbe sind die städtischen Behörden in Hanau kürzlich veranlaßt worden, sich in Hinsicht auf die Fortsetzung der Mainkanalisierung von Offenbach nach Hanau und Aschaffenburg über die Frage der Anlegung eines Sicherheitshafens und der Herstellung eines Eisenbahnanschlusses des anzulegenden Hafens an den Hanauer Ostbahnhof schlüssig zu machen. Von der Erfüllung dieser Forderungen macht die preußische Staatsregierung den Vollzug des auf das Kanalisierungswerk bezüglichen Staatsvertrages mit Bayern und Hessen abhängig. Auch die hiesige Handels^ kammer hat dadurch erneuten Anlaß gefunden, sich mit dieser Angelegenheit zu beschäftigen und die Einzelheiten, soweit sie sich bis jetzt überblicken lassen, in einer Verkehrs- ausschußsitzung zu erörtern. -ko. Marburg, 18. November. An den wissenschaftlichen Vorlesungen fürLehrer und Lehrerinnen, die vom 9. Januar bis 27. März 1901 hier abgehalten werden, nehmen 217 • Personen teil. Die Vorlesungen finden jeden Mittwoch von 4.40 bis 7 Uhr statt, und zwar liest von 4.40 bis 5.20 Prof. Dr. v. Below: Deutsche Wirtschaftsgeschichte; von 5.30 bis 6.10 Prof. Dr. Ed wa rd Schroeder: Geschichte der deutschen Sprache im Rahmen einer kurzen Geschichte der deutschen Litteratur; von 6.20 bis 7 Uhr Prof. Dr. Paul Natorp: Die Psychologischen Grundlagen der Pädagogik. Die Zeit ist so gewählt, daß diejenigen Teilnehmer, die um 4.15 aus der Richtung von Laasphe in Marburg eintreffen, die erste Vorlesung noch besuchen können, und die in der Richtung nach Gießen fahren, den Zug, der um 7.34 vom Südbahnhof abfährt, noch erreichen. Die Vorlesungen finden wahrscheinlich vorläufig in der Aula der städtischen Schulen statt, da^die Universität, die gern einen Hörsaal zur Verfügung gestellt hätte, keinen besitzt, der die volle Teilnehmerzahl faßt. Der vorbereitende Ausschuß hat sich mit einem Besuch um Fahrpreisermäßigung für die Teilnehmer an die betr. Eisenbahndirektionen gewendet, das hoffentlich Erfolg haben wird. Hanau, 17. November. Von den Ministern der offent- sung zu veranlassen, da die größten öffentlichen Jntereffe» auf dem Spiele ständen, nämlich „das Vertrauen der Be- | völkerung in die preußische Rechtspflege". — Mehrere | Blätter lassen sich aus Könitz melden, es werde vornehmlich »durch den Kriminalkommissar Wehn eine angeblich neue 'Spur in der Winter'schen Mordangelegenheit verfolgt. Es wird darüber gesagt: „Als Ausgangspunkt der neuen Recherchen dient der Schneidermeister Plathsche Sack nebst Packpapier, in welchem der Leichnam Winters gefunden wurde. Es ist jetzt eine Richtung gefunden warben, wo die Packleinwand geblieben sein kann. Ueber bcn gegenwärtigen Stand der Ermittelungen wird größtes Stillschweigen gewahrt. Auch in Berlin finden dieserhalb Nachforschungen statt. In den nächsten Tagen wird ein Haus, welches in der Nähe der Winter'schen Äohnung liegt, einer gründlichen Durchsuchung unterzogen weben; man spricht auch schon von Nachgrabungen usw." DaS klingt sehr geheimnisvoll, ist aber, wie von anderer Seite festgestellt wird, chatsächlich nur eine Wiederaufnahme eiaeS älteren Verdachtes gegen den Schneidermeister Plath. Der damals bereits vernommene Schneidermeister habe jedoch sein Alibi an dem kritischen Sonntage nachgewiesen, zumeist durch Aufenthalt am Skattisch. — Wie wir in der artif. „StaatSbürgerztg." lesen, haben die Verteidiger der Angeklagten eine Erklärung veröffentlicht, aus der hervor- geht, daß a) die Behauptung Maßloffs, er habe in der Nacht vom 11. zum 12. Mär, d. I. im Lewy sch en Keller Licht gesehen und Stimmen qei-ört, er habe ferner in geheimnisvoller Weise den alten Lewy aus fernem Keller mit zwei andern Personen auf den Hof treten und schließlich drei Männer einen schweren Gegenstand nach der Spüle deS VünchseeS tragen sehen; b) die Aussagen der Frau Maßloff, daß sie bei Lewys eine der Winterschen Kette gleichende Uhrkette und das Ph»otogramm Ernst Winters aufgefunden; c) die Aussagen der Frau »arg, daß sie unter der Wäsche Lewys ein Taschentuch mit rot ge- flifitem Monogramm E. W. gefunden, durch die Schwurgerichtsverhandlung dr Mauloß und Genoffen nicht widerlegt worden find. Aus Stadt und Kand. Gießen, 19. November. ** Sitzung des Kreisausschuffes. In seiner heutigen, nut zum kleineren Teil öffentlichen Sitzung verhandelte der ^veisausschuß zunächst über ein Gesuch des Heinrich Geißler in Staufenberg um Erlaubnis zur Erweiterung seiner Dampfkesselanlage. Einer seiner Nachbarn, Kaspar Hnßler, hatte gegen die beabsichtigte Ausdehnung Einwend- uagen erhoben, weil er eine Gefährdung seines Anwesens fürchte. Dem Reklamanten versuchte man vergeblich klar zu machen, daß in dem Betriebe eines vergrößerten Kessels L>r Niger Gefahr liege, als wenn der kleinere Kessel zur Er- zemgung größerer Dampfkraft noch stärker wie bisher geheizt werde. Der Beschluß des Gerichts lautete auf Erteilung b v nachgesuchten Erlaubnis unter der Bedingung, daß Ge- siichsteller auf daS Dampfrohr einen Kühler aufsetze. Der Rrklamant hat die Kosten des Verfahrens zu tragen. — DuS Verfahren über das Gesuch des Eberhard Ranft in Mendorf a. Lda. um Erlaubnis zum Betriebe einer Gast- lvictschaft mußte ausgesetzt werden. — Ein gleiches Gesuch hallte der Heinrich Theiß XX. in Weitersheim eingereicht. dem 524 Einwohner zählenden Dorfe bestehen zwei gute Wirtschaften, darunter eine vom Konsumverein begebene. In diesen beiden Wirtschaften vertrugen sich die Lernte bisher ganz gut. Doch ist das Dorf feit der letzten Bikrgermeisterwahl in zwei Parteien gespalten, von denen die des unterlegenen Kandidaten sich nun in den von der siegenden Partei stark benutzten Lokalen nicht mehr wohl fühlt und deshalb die Gründung einer „Parteiwirtschaft" betrieb. Der Gemeinderat hatte sich in seiner Mehrheit gegen das Bedürfnis ausgesprochen. So lautete denn auch der Beschluß des Gerichts, trotzdem mehrere Auskunftspersonen daS Bedürfnis bejaht hatten, auf Abweisung des Gesuchs wegen mangelnden Nachweises eines Bedürfnisses md Verurteilung deS Gesuchftellers zur Tragung der Kosten und zur Leistung eines AversionalbetrageS vvn 5 Mk. in bie KreiSkaffe. Auszug aus den Kirchenbücher» der Stadt Gieße«. Evangelische Gemeinde. Getränte. Matthäusgemeinde. Den 10. November. Johannes Eckert, Schneidermeister zu Gießen und Emilie Anna Elisabeth Wilhelm, Tochter des Destillateurs Philipp Wilhelm zu Gießen. Lukasgemeinde. Den 10. November. Karl Schneider, Schmied zu Gießen, und Maria Fißler, Tochter des Schuhmachers Martin Fihler zu Grünberg. Den 11. November. Fritz Cyrkay. Schlaffer in Altendorf und Karoline Hartmann, Tochter des verstorbenen ElsenbahnschaffnerS Hartmann zu Gießen. Johannesgemeinde. Den 11. November. Johannes Schneller, Former zu Gießen, und Johannette Deichhardt, Tochter des Knechts Johannes Paul Deichhardt zu Nieder-Wöllstadt. Den 14. November. Emil Hambsch, Fabrikant zu Bruchsal, und Johanna Elisabeths Emma Moll zu Gießen. . Getauft». Mat thäusgemeinde. Den 11. November. Dem städtischen Arbeiter Heinrich Braun ein Sohn, Hermann, geboren den 15. Oktober. Den 15. November. Dem Schuhmacher Karl Anton Lehr eme Tochter, Johanna Sophie Auguste Therese, geboren den 27. September. Denselben. Dem Küfer und Wirt Julius Wellhdfer ein Sohn, Karl Arthur, geboren den 10. Oktober. Markusgemeinde. Den 11.,November Dem Fabrikarbeiter Friedrich Schäfer eine Tochter Emma, geboren den 27. Oktober. Denselben. Dem Schmiedemeifier Heinrich Adam Lindenstruth eine Tochter, Auguste Katharine, geboren den 10 September. LukaSgemeinde. Dem Holzbildhauer Karl Schmidt eine Tochter, Ottilie Elisabeth Anna Marie Alwine, geboren den 9. August. Denselben. Dem Hilfebremser Johannes Heinbuch ein Sohn, Karl Christian, geboren den 26. September. Den 12. Norember. Dem Ocergärtner Heinr. Ernst Walter Köhler eine Tochter, Martha Margarethe Ottilie, geboren den 26 Oktober. Militärgemeinde. Den 11. November. Dem Feldwebel Adam Weber eine Tochter, Emilie Bertha, geboren den 23. September. Beerdigte« Lukasgemeinde. Den 13. November. Sophie Curtman, geb. Gebhardt, Witwe des Seminardirektors Wilhelm Curtman, 97 Jahre alt, starb den 10. November. Spttlplsv der orreilligteu FrlmkstrLer StMhester. Opernhaus. Dienstag, 20. November, y27 Uhr: „Tristan und Isolde". Mittwoch, 2l. November: Geschlossen Donnerstag, 22. November: „Das goldene Kreuz" hierauf „Cavalleria rustioana“. Freitag, 23. November, Va8 Uhr: „Die Puppe". Samstag, 24. November: „Mignon". Sonntag, 25. November, *27 Uhr: „Walküre". Montag, 26. November: Geschloffen. Dienstag, 27. November: Zum ersten Male „Rüthkäppchen", Märchen-Oper in 3 Akten von A. Fr. Boieldieu. Schauspielhaus. Dienstag, 20. November: „Die Maus". Mittwoch, 21. November: Geschloffen. Donnerstag, 22. November: Zum ersten Male „Antö", Italienisches Volksdrama in 1 Akt von Nani, hierauf „Cyprienne". Freitag, 23. November: „Die Maus". Samstag, 24. November: Zum ersten Male wiederholt „Antö", hierauf „Liebelei". Sonntag, 25. November, 3V$ Uhr: „Nora"; abends „Faust" I. Teil. Montag, 26. November: „Die strengen Herren". Tritt tu,h S Atz h die Berei»; ***** i a"” eitel Jtem M der endgiltia, ® d'° NublÜMt äRotgengabe fa Heftel in । 'Ie ein SchwiuM Regungen freiet» len Überreste tüt Mt ab, um, th ^yftört der innetti chnnWcheS Biü . ”16 Statuta tB*. scher Glücksritter ati l°9- da flößen goldiv ufs Blut wurden V. und ihrer letzten He! haben: Diese Weiß können nicht fo gre >nd einem gefangen, m den HalS: Ur ikonmen konntest, feien nennenswerte ch , fie wurden geMnl i zur Berzweif/^ gt irgeltung. Ein )aß das toiit^flftü h feine frist- die äderen Sianli ^üfti^t W W •t auch nut ein Ma: layvievn, dann köv den, um sich die Sir braucht die Dym en Gerüchte, daß , vergeblich jebenfe' kaum jemals im In: rge verursacht ihr fi identen fttftgerj che Porkommnifse pe l&t zur Schau tch« egSschauplatzlair ülanbtt günstiger, o allen Anlaß, der- em größtmöglichen. Total-AasVerljanf wegen Geschäftsaufgabe. mir Steffen ä« w «trantt *>b t * "5 oft w 'At v»W - 'A * geworden. An ■ ■ r00Ue« t waäjt, TOtrben^^^ < JA * ”b“. -häl'gkeu 0 bie s-xS äsä > * Herr Lektor Goetschy hält seinen zweiten öffentlichen Vortrag am Mittwoch dem 21. ds. Mts. um 5 Uhr über „La Marquise de Rambouillet“. • * Heatervereil». Ad. Jürgensen, der Charakterdarsteller des Kasseler HoftheaterS, der am Mittwoch dem 21. d. M. in BjörnsonS Schauspiel „Ein Fallissement" gastiert, ist den Mitgliedern deS Theatervereins nicht fremd. Mancher wird sich noch der ausgezeichneten Vorstellung in Steins Saal erinnern, in der Kleist'S „Zerbrochener Krug" und zwei kleine Lustspiele („In Zivil" und „Sie ist stumm") durch Mitglieder des Kasseler Hoftheaters zur Darstellung kamen. Jürgensen spielte damals den Dorfrichter Adam, die Hauptrolle in dem Kleist'schen Lustspiel, in brillanter Maske und über jedes Lob erhaben. Einige Bilder dieses hervorragenden Charakterspielers find in den Schaufenstern der Herren Challier und Frees auS^ gestellt. (Siehe auch das Feuilleton in der heutigen Nummer.) •• Stadttheater. Aus dem Theaterbureau wird uns geschrieben: Sudermanns „Johannisfeuer" gelangt auf vielfachen Wunsch am Dienstag nochmals zur Aufführung. Am nächsten Freitag wird als Volksvorstellung G. E. Lesfings Meisterwerk „Nathan der Weise" gegeben. Für kommenden Sonntag ist Henrik Ibsens berühmter dramatischer Epilog „Wenn wir Toten erwachen" in Vorbereitung. — Auf das bevorstehende Gastspiel Carl William Büllers sei bereits heute aufmerksam gemacht. Der bekannte Künstler tritt in „Do ctor Wespe", „Zirku's- leute" und „Pechschulze" auf. Darmstadt, 17. November. Gestern Morgen gegen 5 Uhr wurde die Feuerwache alarmiert unter Meldung: Feuer Landwehrstraße Nr. 79, Palmkernölfabrik. Die Wache, am Platze angekommen, verlangte weitere Hilfe, worauf der dritte Zug alarmirt wurde. Es war indem nordöstlichen Lagerschuppen der Fabrikanlage ausgckommen. Der Schuppen war bis zum Dach gefüllt mit Palmkernmehl, welches zum Teil in Säcke gefaßt, zum Teil lose aufgeschüttet war. Das Feuer hatte sich unter dem Fußboden ausgebreitet und war infolgedessen nur unter den schwierigsten Verhältnissen zu bekämpfen. Man dachte ein Ausräumen der Ware verhindern zu können, aber alle Anstrengungen blieben vergeblich. Es mußte zu dem Ausräumen geschritten werden, um den Herd des Feuers aufzufinden. Die Arbeiten nahmen den gestrigen Tag und die Nacht in Anspruch und werden heute fortgesetzt. Der Schaden an Gebäulichkeiten ist gering. Dagegen wird sämtliches Mehl unbrauchbar fein. Als Entstehungsursache des Feuers ist Selbstentzündung des Mehles anzunehmen, wodurch an einer Stelle der Fußboden durchgebrannt und sich dann das Feuer unter 7498 Kirchenplatz 11, Eingang Schlotzgaffk. Erni Fischbach. >4«tf 7522 wird öisslgft besorgt. 6778 I. A. Schneider 7495 7519 sowie 6984 to Arbeiten Kakao entölt, garantiert rein, eingdroffen, zwar: Kaffee-u. 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Alle diejenigen, welche Forderungen an diesen 9!achlaß zu bilden haben, werden aufgefordert, diese Forderungen, soweit dies noch nicht geschehen, binnen 8 Tagen bei Gericht oder bei dem Nachlaßpfleger, Heinrich Kreiling VIII. zu Wieseck, anzumelden, als sonst sie bei der Regulierung des Nachlaffer nicht be* rückstchtigt werden könnten. 7515 Gießen, den 16. November 1900. Großherzogliches Amtsgericht. MMieu-Vttßkigkrnug. DieuStag, deuLO.Nov. d.J., nachmittags 2 Uhr, werden in dem Hause Grüudergerstr. 821 nachverzeichnete Mobiliar-Gegenstände gegen Barzahlung versteigert: 1 Sekretär, 8 Kommoden, ein« und zweithürige Kleider- schräuke, 2 SophaS, 2 Betten, 1 Eckschrank mit GlaSaufsatz, Tische, Seffel, Stühle^ Spiegel, 1 Real, 1 große Waschbütte sowie Haus- und Küchengeräte. Prima Kognak, Epezialmarke, garantiert, franz. Verschnitt, ärztlich empfohlen, per Literflasche 2 Mk., ist der preiswerteste und beliebt wegen seine- vorzügl. Geschmackes. Ferner gelten meine französischen Kognaks unt. 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