M 22V Zweites Blatt. Donnerstag den 20. September 15V. Jahrgang 1900 Gießener Anzeiger UtM Mit Mu«»>hW, bei Amts« und Anzeigeblatt für den Areis Gissten 3 »'B'S n«k Di— Ave Anzeigtn-Bkrmittlun-Sftellm bei An« und ÄuilanX nehmen Anzetgm für den Siebener Anzeiger entge-e« AetlenpreiS: lokal 12 Pfg., auswärts 20 Pf- Mb« b*w Anzeiger Me Anzeigen zn bet —chmitta-l Mr b* feil*** e*| »scheinenden Nummer M Hrm. HO SHr. »iß!» g« Mittefteni eb*M v-tzer. GrsÜrörüLSttt: Girßrnrr Famüirntltätter, Der heUche Landwirt, KStKr Mr heWhe UstKsKnnde. Bezugspreis Vierteljahr!. Ml. 9.38 monatlich 75 Pfg. mit Bringerlohn) durch die Abholestelle« Vierteljahr!. Mk. IM monatlich 65 Pf-. Bei Postbezug Mk. 2,40 vierteljätz«. mit Bestellgeld. »dreße für Depeschen: Anzeiger Giche« Fernsprecher Nr. 5L Die Wirren in China. Wie die „Nordo. Allg. Ztg." mitteilt, ist durch den Staatssekretär Grafen Bülow an die deutschen Botschaften in London, Paris, Petersburg, die Regierung in Washington und Wien und an die Gesandtschaft in Tokio das nachstehende Zirkular-Telegramm ergangen: Die Regierung des Kaisers erachte als eine Vorbedingung für den Eintritt in diplomatischen Verkehr mit der chinesischen Regierung die Auslieferung derjenigen Personen, welche als die ersten und eigentlichen Anstifter der gegen daS Völkerrecht in Peking begangenen Verbrechen festgestellt sind. Die Zahl der ausführenden verbrecher- ischen Werkzeuge ist zu groß; den zivilisierten Begriffen würde eine Maffen-Exekution widersprechen. Auch liegt eS in den Verhältnissen, daß selbst die Gruppe der Letter nicht wird vollständig ermittelt werden können. Die Wenigen aber, beten Schuld noiorisch ist, sollen ausgeliefert und bestraft werden. Die Vertretungen der Mächte in Peking werden in der Lage sein, in dieser Untersuchung vollgültiges Zeugnis abzulegen oder beizubringen. Aus die Zahl der Bestraften kommt es weniger an als auf ihre Eigenschaft als Hauptansttfter und Leiter. Die Regierung glaubt auf die Einstimmigkeit aller Kabinette in diesen Punkten zählen zu können. Eine Glrichgültigkett fegenüber dem Gedanken einer direkten Sühne würde gleichbedeutend ein mit Gleichgültigkeit gegen eine Wiederholung deS Verbrechens. Die Regierung des Kaisers schlägt deshalb den beteiligten Kabinetten vor, ihre Vertreter in Peking zur Bezeichnung derjenigen leitenden chinesischen Pnsönlichkeilen aufzufordern, über deren Schuld an der Anstiftung und der Durchführung der Verbrechen jeder Zweifel aus- geschlossm ist. Aus Shanghai wird telegraphiert: Hiesige chinesische Zeitungen behaupten, daß infolge der angeblich zu hohen Forderungen der Machte zwischen diesen einerseits und dem Prinzen Tsching und General Aunglu andererseits Differenzen nusgebrochen sind. Die Mächte sollen angeblich verlangen: 1. Daß die Mandschurei und der ganze Distrikt von Tientsin temporär unter die Verwaltung der Verbündeten gestellt werden. 2. Die chine- sischc Regierung ünuß die Führer der Boxer verhaften und sie den Mächten zur Bestrafung ausliefern. 3. Die Vizekönige im Mngtsethal sowie in den anderen Provinzen werden dahin instruiert, daß alle See- und Yangtse- Fluß-Häfen von den verbündeten Truppen besetzt werden. Aus London wird gemeldet: Nach einem Telegramm aus Shanghai erließ derKaiservonChina ein Edikt, in dem er das zwischen den Vizekönigen abgeschlossene Uebereinkommen zur Aufrechterhaltung der Ordnung in den mittleren und südlichen Provinzen gutheißt. In dem Edikt Heißt xs weiter, ergäbe gute, und schlechte eingeborene Christen, aber alle müßten gleich unparteiisch behandelt werden, solange sie sich Ruhestörungen enthalten. In Tschifu und im Pangtsethal ist alles ruhig. Nach Depeschen aus Hongkong hat Liuyangfu, der Cef der Schwarzflaggen, infolge der Einnahme Pekings seinen Truppen Befehl gegeben,, den Vormarsch dahin einzustellen und nach Canton zurückzukehren. Man meldet aus Shanghai: „Die hiesige englisch^ Presse spricht eine Drohung gegen Rußland aus, indem sie erklärt, englische Schiffe seien zum Kampfe gegen den russischen Kreuzer bereit, der Befehl erhalten hatte, Li-Hung-Tschang zu begleiten. Der Kreuzer ist zurückbeordert worden. — In Sch antun g befinden sich viele Boxer, und man glaubt, daß viele Monate vergehen werden, ehe eine Beruhigung des Landes möglich sein wird." Nachrichten vom Westfluß zufolge sieht man dort in jeder Stadt chinesische Truppen eifrig exerzieren. Chinesische Kanonenboote fahren wieder den Fluß auf und ab. Augenscheinlich ist eine Aktion beabsichtigt, doch ist es unmöglich, zu sagen, welcher Art sie sei. Der Fluß- dampser Sandpiper kreuzt im Flußdelta, der Flußdampser Robin ist nach Kanton abgcgangen. Wie der „Post" von maßgebender Seite bestätigt wird, sind die Nachrichten von Boxerangriffen auf das Gouvernementsgebiet von Kiautschou unzutreffend. Dre Shanghaier Blättermeldungen, auf die sich die „Post" bezog, sind wahrscheinlich auf einige kleinere Scharmützel zurückzuführen, die zwischen deutschen Patrouillen und umherstreifenden Boxerbanden stattgefunden haben. Verluste sind auf deutscher Seite hierbei nicht eingetreten. — Von der ostasiatischen Nachxichten- Expedition des Deutschen Flotten-Vereins sind heute folgende Telegramme zur Lage in China eingegangen: Shanghaier Zeitungen berichten, daß die Boxer die auf dem Wege von Peking nach Paotingfu liegende, ca. 50 Kilometer von der Hauptstadt entfernte Ortschaft Tschutschon niedergebrannt haben. Ein weiterer Vormarsch der Deutschen unter General v. Höpfner auf Paotingfu soll vor der Hand unmöglich sein, da die Wege für Artillerie unpassierbar sind. Außerdem bestätigt sich die Nachricht von einem Angriffder Boxer auf amerikanische Truppen bei Maton (ca. 34 Kilometer von Peking) auf der Straße nach' Tientsin. Dev Angriff wurde zurückgeschlagen. In Kanton und Shanghai liegen alle Geschäfte darnieder. 12 000 chinesische Arbeiter jn Kanton sind ohne Arbeit; man befürchtet daher ernstliche Unruhen. General v. Lessel ist in Tientsin angelangt. Drei Bataillone, zwei Schwadronen, zwei Batterien, eine Pionier-Kompagnie sind jetzt dort versammelt. Es fand ein! herzlicher Empfang durch den russischen Kommodore Do- mizirow statt, der zwei Schwadronen der Prianmurski- Dragoner als Ehrenwache stellte. Aus Hongkong wird vom 18. September telegraphiert: Generalfeldmarschall Graf W a l d e r s e e ist an Bord des Kreuzers „Hertha" weitergereist. • * e Telegramme des Gießener Anzeigers. London, 19. September. Ein Telegramm aus Port Said meldet die Ankunft eines deutschen Transportdampfers mit 700 Soldaten an Bord nebst großen Munitions-Vorräten. Derselbe setzte die Weiterreise nach Taku fort. Wien, 19. September. Die Cirkulardepesche des Grafen v. Bülow wird von der hiesigen Presse in zustimmender Weise besprochen. Die Forderungen Deutschlands werden als bescheiden und unzweifelhaft dem Völkerrechte nach als begründet erachtet. Trotzdem aber wird der Besorgnis Ausdruck gegeben, daß duvch dieses Telegramm die Friedensverhandlungen eine Verzögerung erfahren würden und daß einzelne Mächte versuchen werden, Deutschland an die Wand z u d r ü ck em und die Mission des Grafen Waldersee gegenstandslos zu machen. Petersburg, 19. September. Das 21., 22. und 23. Schützen-Regiment werden an Bord der „Sicilia" aus Odessa nach Ostasien abgeheu. — Die Telegraphen- und Post-Verbindung zwischen Tschita Chailar und Zizikar ist wiederhergestellt. In der Mandschurei ist alles ruhig. Auf der Strecke von der russisch-chinesischen Grenze bis Chailar wird eifrig an sd;er Wiederherstellung der zerstörten Bahnlinie gearbeitet. — Aus Porr Arthur gingen dieser Tage mehrere Truppen-Abteilungen nach Chaitschen ab, wo noch chinesische Aufrührer Hausen. Weitere Truppen-Abteil- ungen sollen demnächst folgen. Der Krieg in Südafrika. Man meldet aus Brüssel: Der erste Sekretär der Transvaal-Gesandschaft, van Boeschoten, der hierher aus dem Haag tznrückgekehrt ist, bestätigt, daß Präsident Krüger in Holland erwartet wird. Zuvor aber wird Krüger wahrscheinlich in Brüssel Aufenthalt nehmen, um an dem offiziellen Sitze der Gesandtschaft der beiden südafrikanischen Republiken die weiteren Maßregeln zu beraten. Aus Pretoria läuft die Mitteilung ein, in der ersten Oktoberwoche sei die Abreise Lord Roberts' zu erwarten, zunächst nach Natal zur Besichtigung der dortigen Schilachtfelder; dann weiter nach Europa, da der eigentliche Krieg bis dahin als beendet zu betrachten sei. Man nimmt in Pretoria an, daß die letzten Heerhaufen der Buren, die von wirklichem Belang seien und noch über einiges Geschütz verfügten, jetzt schon im Zustande der Auflösung seien und vor dem Ende des Monats über die portugiesische Grenze gedrängt sein -vürden. Aus Lourenzo Marques wird berichtet, daß an der portugiesischen Grenze, besonders bei Komati die Grenztruppen verstärkt worden sind. Es wird niemand von den portugiesischen Behörden durchgelassen. Die Züge verkehren jetzt nur bis zur Grenzstation Ressano Garcia, wo portugiesische Patrouillen die Grenze scharf bewachen. — Reuter veröffentlicht folgende Depesche: Lourenzo Marques: Bei Komatipoort wird fortdauernd gekämpft. Alle verfügbaren Mannschaften sind nach der Grenze gegangen. Man macht sich darauf gefaßt, daß, die Brücke über den Komatifluß zerstört wird. * » * Telegramme des Gießener Anzeigers. Amsterdam, 19. September. Die holländischen Angestellten der von Lord Roberts beschlagnahmten Niederländischen Eisenbahn werden durch Vermittelung der holländischen Regierung England um Schadenersatz verklagen. London, 19. September. Aus Lourenzo Marques wird gemeldet: Präsident Krüger verließ gestern den Gouvernements-Palast und hielt eine längere Ansprache an die nach der Delagoa-Bai geflüchteten Buren, die er aufforderte, die Hoffnung nicht fallen zu lassen und den Widerstand fortzusetzen. — Ein Ambulanz-Transport vonM Verwundeten, darunter vier Engländern ist in Lourenzo Marques eingetroffen. Die Verwundeten haben an den letzten Gefechten in der Umgegend von Komatipoort teilgenommen. London, 19. September. Die Blätter veröffentlichen einen Brief Chamberlains an seine Wähler, worin er diesen mitteilt, daß die Ursache der Neuwahlen die Regelung der südafrikanischen Angelegenheit sei. Haag, 19. September. Dr. Leyds kehrt Ende diesen Woche nach Brüssel zurück und wird den Präsidenten Krüger nach seiner Ankunft in Eurtopa auf seinen Reisen; nach den verschiedenen Höfen begleiten. Lissabon, 19. September. Es wird hier bestätigt, daß die holländische Regierung dem Präsidenten Krüger ein Kriegsschiff für seine Reise nach Holland zur Verfügung gestellt hat. Deutsches Berlin, 18. September. Der Kaiser nahm gestern in Swinemünde den Vortrag des Vertreters des Auswärtigen Amts, Grafen Wolfs-Metternich, entgegen. — Der Kaiser sandte von Potsdam an den Prinzen Georg von Sachsen folgendes Kondolenztelegramm: „Der schreckliche Unglücksfall, der Euch in so tiefe Trauer versetzt, hat uns tief erschüttert. Wir senden Dir und den Deinigen Unsere innigste, wärmste Teilnahme und bitten Gott um seinen reichsten Trost für Euch. Wilhelm." — Aus Elbing wird gemeldet: Die Kaiserin traf heute 7 Uhr 20 hier ein. Vereine mit Fahnen bildeten Spalier. Die Stadt prangt in Flaggenschmuck. Die Kaiserin fuhr sofort weiter und langte um 8 Uhr 50 in (Sabinen an. Wann der Kaiser eintrifst, ist noch unbestimmt, man nimmt aber an, daß er heute abend in (Sabinen ankommen wird. Der kaiserliche Hofzug ist bereits in Dirschau, um den Kaiser über Elbing nach (Sabinen zu bringen. Es ist aber auch möglich, daß der Kaiser auf dem Wasserwege eintrifft. Freitag abend beabsichtigt das Kaiserpaar nach Marienburg zu reisen. Die Kaiserin kehrt wahrscheinlich von dort nach Berlin zurück, während der Kaiser nach Rominten geht. — Der „Reichsanz." veröffentlicht die Verleihung des Großkreuzes des Roten Adler-Ordens mit Eichenlaub und der königlichen Krone an den Generalinspekteur der Marine und Chef der Marinestation der Ostsee, Admiral v. Köster. — Die Vorarbeiten zur Revision des Krankenversicherungsgesetzes gestalten sich so umfangreich und sind noch so wenig vorgeschritten, daß in unterrichteten Kreisen bezweifelt wird, ob es möglich sein wird, diesen wichtigen Entwurf schon in der bevorstehenden Session dem Reichstage vorzulegen. — Straßburger Blätter bringen aus Saargemünd folgende unglaubliche Meldung: Ein Cigarrenhändler Schmitt aus Saargemünd sei vor einem halben Jahre nach der Kapkolonie gereist, um sich in geschäftlichen Angelegenheiten nach Transvaal zu begeben. In Kapstadt sei er jedoch von den Engländern als Spion fest genommen und fein Gepäck beschlagnahmt worden. Alles Dorweisen von Papieren, daß er Deutscher sei, habe nichts geholfen, er sei gefangen gehalten und nach der Insel Ceylon gebracht worden. Von da aus hat er jetzt einen Brief an seine Gattin in Saargemünd geschrieben, in dem er sich bitter über die unwürdige Behandlung seitens der Engländer beklagt: Seit einem halben Jahre wird dieser Mann widerrechtlich in einem englischen Gefängnis fest gehalten. Karlsruhe, 18. September. Der Großherzog hat auf den 1. Oktober den Minister des Innern Dr. Eisenloh r auf Ansuchen, ihn seines Amtes zu entheben, unter besonderer Anerkennung seiner langjährigen ausgezeichneten und erfolgreichen Dienste in den Ruhestand versetzt, und den Präsidenten des Verwaltungsgerichtshofes Dr. Schenkel zum Präsidenten des Ministeriums des Innern und zum Geheimen Rat erster Klasse ernannt. Dr. Eisenlohr wurde das Großkreuz des Ordens Bertholds I. verliehen. — Der „Badische Landesbote", die „Badische Landes- zeitung", „Badische Presse", und der „Bolksfreund" erklären, daß sie sich genötigt sehen, infolge der beträchtlichen Erhöhung der Papiererzeuguisse und sonstiger zur Herstellung einer Zeitung erforderlichen Materialien, sowie des neuen verteuerten PostzeitungStarifS einen Aufschlag des Bezugspreises um monatlich 10 Pfg. eintreten zu lassen. Metz, 18. September. Auf dem im Bau begriffenen Fort „Veste Kaiserin" wurden zwei angebliche Spione verhaftet. Sie geben an, der Advokat Pierre de la Gorze und Sohn aus Lille zu sein. Heber die bei ihnen gefundenen Photographieen, bei deren Aufnahme sie von dem Posten überrascht wurden, gaben sie an, daß sie keine militärischen Geheimnisse hätten aufnehmen wollen, sondern einfache Vergnügungsreifende seien, denen die Aufnahmen als Erinnerung bienen sollten. Die vorgefundenen Platten werden entwickelt werden, und erst dann wird sich zeigen, inwiefern die gemachten Angaben richtig find. Inzwischen wurde noch ein dritter angeblicher Spion von demselben Fort und unter ähnlichen Umständen eingebracht. Ausland. Haag, 18. September. Tie Generalstaaten wurden mit einer Thronrede eröffnet, worin es heißt, daß in den freundschaftlichen Beziehungen zu den auswärtigen Mächten keine Aerrderung eingetreten sei; nur die Beziehungen zu China seien infolge der dortigen Unruhen gestört. Tie Konventionen der Friedenskonferenz seien von beinahe allen Mächten ratifiziert worden. Es sei zu hoffen, daß das demnächst im Haag zu errichtende Bureau detz internationalen Schiedsgerichts seiner Aufgabe, der friedlichen Beilegung von Streitigkeiten der Völker untereinander, entsprechen werde. Tic beklagenswerten Ereignisse des Krieges in Südafrika und die chinesischen Unruhen machten die Anwesenheit der Seestrcitkräfte in jenen Küstenstrichen wünschenswert, um, wenn erforderlich, die Landsleute zu beschützen. Ter Stand der Finanzen sei günstig, jedoch eine Vermehrung der Geldmittel nötig zur Deckung neuerlicher Ausgaben. Tie Lage in Atjeh bessert sich dank der Wachsamkeit des Heeres und der Flotte. Paris, 18. September. Der Kriegsminister teilt in einer amtlichen Note mit, daß die französischen Truppen in der Sahara ein heftiges Gefecht mit den arabischen Grenzstämmen gehabt haben, Tie Operationen sollen in der Gegend der Stadt Tim- mimam stattgefunden haben. Tie Franzosen hatten 26 Tote und Verwundete, darunter 2 Offiziere tot, 2 verwundet. Es sind sofort Verstärkungen nachgesandt. Budapest, 18. September. Die serbische Regierung empfahl dem König Alexander, die frühere Regierung wegen verbrecherischer Manipulationen mit Staatsgeldern unter Anklage zu stellen. Tie Hauptbeschuldigten, der Ministerpräsident Georgiewic, Finanzminister Petrovic und der Minister des Innern, Gensic, sind ins Ausland geflüchtet und drohen, falls das Amtsblatt weitere Enthüllungen bringt, mit kompromittierenden Gegenenthüllungen. — Gerüchtweise steht eine Versöhnung zwischen dem Exkönig Milan und Natalie sowie die Abreise des Ersteren aus Biarritz bevor. Belgrad, 18. September. Der Ministerpräsident und Minister des Aeußern, Jovanvvitsch, hat an den König Alexander anläßlich seines Namenstages eine Ansprache gerichtet, in der er namens der Regierung die besten Wünsche für die Gesundheit des Monarchen und für das Glück und den Fortschritt der serbischen Nation ausdrückte. Er wies ferner darauf hin, daß das Ministerium bei dieser Gelegenheit zum erstenmale im Familienheim des Königs erschien, das die Königin Draga schmückt, deren gesegneter Zu st and dem Vater ein teures Kind, der verdienstvollen Tynastie Obrenowitsch einen edlen Sprossen verheißt. Gießeu,§19. September 1900. ** Der Zweiten Kammer der Landstande ging ein Antrag des Abgeordneten Schönberger über Artikel 88 des Gesetzes vom 17. Juni 1899, die Ausführung des Bürgerlichen Gesetzbuchs, zu. Der Artikel 88 des fraglichen Gesetzes enthält die Außerkraftsetzung der Vorschrift des § 910 Absatz 1 Satz 2 des B. G. B., wonach die fast ein Jahrhundert alte Klage der Besitzer von landwirtschaftlich benutzten Grundstücken gegen die Ungerechtigkeit des sogen. UeberhangeS bei Waldbeständen in gerechtester Weise beseitigt wird. — Ferner ein Antrag des Abgeord. Köhler- LangSdors, betreffend die Einrichtung einer staatlichen Mobiliar-Feuerversicherungs-Anstalt für Hessen, in dem beantragt wird, die Zweite Kammer wolle beschließen, die Regierung um alsbaldige Vorlage eines Gesetzentwurfs über die Einrichtung einer stasatlichen Mobiliar- Feuerversicherungs-Anstalt zu ersuchen. *• Hessische Handwerkskammer. Der Sekretär der hessischen Handwerkskammer hat nunmehr den Voranschlag für das erste Rechnungsjahr festgestellt; dieser Voranschlag schließt in Einnahme und Ausgabe mit 10,420 Mk. ab. Die von den einzelnen Kreisen des Großherzogtums zu den Kosten der Handwerkskammern zu leistenden Beiträge sollen zur Hälfte in diesem und im nächsten Jahre erhoben werden. •• Militärisches. Messer, Lt. der Ins. 1. Ausg. des Landwehrbezirks Gießen, wurde der Abschied bewilligt; Clößner, Lt. der Res. des Jns.-Rgts. Kaiser Wilhelm (2. Großh. Hess.) Nr. 116, wurde zum Oberleutnant befördert. ’* Der Kaufmännische Verein hat beschloffen, in seiner Fachschule auch einen DamenkursuS einzurichten, in dem im kaufmännischen Rechnen, Buchführung u. s. w. Unterricht erteilt wird. Das Nähere werden die in den nächsten Tagen erscheinenden Inserate besagen. Zirkus Blumenfeld. Morgen abend wird der Zirkus Blumenfeld, dem der beste Ruf vorausgeht, hier seine 'nuugsvor stell ung geben, in der gleich über 80 Pferde vorgeführt werden sollen. Das unS vorliegende Programm ist ein äußerst reichhaltiges, und wenn es daS hält, was es verspricht, dürfte uns so Hervorragendes seit langer Zeit hier nicht geboten sein. V- Klkiu-Lmd-N, 18. September. Der hiesige Turn- «-rein rüstet sich aus nächsten Sonntag ,u einer kleinen Festlichkeit in dem Saale der „Deutschen Eiche». Es soll dar Stiftungsfest gefeiert und das Abturnen damit verbunden werden. Neben Frei- und Geräteübungen werden auch Stabübungen zur Vorführung kommen. d. Friedberg, 18. September. Infolge des plötzlichen Ablebens des Prinzen Heinrich von Hessen wurde die Ankunft des Großherzogs in unserer Stadt in letzter Stunde abgesagt. Wie man jedoch hört, so wird der Großherzog noch in diesem Herbste einige Tage hier Aufenthalt nehmen. Darmstadt, 18. September. Die Prinzessin Friedrich Karl von Hessen traf heute mittag mit Zug 12 Uhr 15 Min. zum Besuch in Wolfsgarten ein, nahm an der FrühstückStasel teil und reiste im Laufe des Nachmittags wieder ab. Darmstadt, 18. September. Die Leichte des Prinzen Heinrich von Hessen wird am Donnerstagmorgen hier eintreffen. Tas Leichenbegängnis findet vom Ludwigs- bahnhof aus statt. Ter Trauerzug bewegt sich, durch die Rheinstraße, Alexanderstraße, Tieburgerstraße, Stiftstraße, Erbacherstraße zur Rosenhöhe. Tie Stunde der Beisetzung ist noch nicht bestimmt. — Auf dem Palais in der Königin-, straße Nr. 21 in München weht die Hessenflagge auf Halbmast. Prinz Heinrich war vor seiner Erkrankung mit den Seinen von längerem Aufenthalt in einem belgischen Seebad nach München zurückgekehrt. Am Samstag verschlimmerte sich der Zustand des Mauken in solcher Weise, daß denen, die um ihn waren, keine Hoffnung mehr auf sein Aufkommen blieb. Bon den Angehörigen des Prinzen waren in den letzten Tagen im Trauerhause anwesend seine Witwe Baronin Dörnberg und die Söhne aus erster und zweiter Ehe, Graf zu Nidda und der jugendliche Baron Dörnberg. Mit dem Prinzen Heinrich von Hessen verschwindet aus den hohen Gesellschaftskreisen in München eine allgemein, bei Hof wie beim Publikum hochgeschätzte loyale und liebenswürdige Persönlichkeit. Wie sein verstorbener Bruder, Prinz Wilhelm, hatte Prinz Heinrich, dessen Mutter die Schwester der Königin-Mutter Maria von Bayern war, seit langem eine Vorliebe für München. Darum errichtete der Prinz dort seinen; zweiten Haushalt, erwarb später ein Haus in der Seestraße in Schwabing, das er seit 1899 an den Minister Freiherrn v. Crailsheim verkaufte, und siedelte dann nach seinem neuen Besitz, Königinstraße 21, über, wo er nun} seinen Tod gefunden hat. Zu ben größeren baierischen Hoffestlichkeiten war Prinz Heinrich, von Hessen stets geladen. Als Vertreter des bairischen Prinz-Regenten nimmt Prinz Alfons von Baiern an der Feier der Beisetzung in Darmstadt teil. Der Prinz wird von seinem persönlichen Adjutanten, Frhrn. v. Reitzenstein, begleitet sein. — Der Prinz-Regent ordnete eine' sechstägige Hoftrauer an. — Der Heimgang des Prinzen berührt insbesondere die 2. Garde-Ulanen in Berlin, die in den Kriegen seinem Kommando unterstanden. Der Ehrentag des Prinzen bleibt für alle Zeiten der 19. Januar 1871, die Schlacht von St. Quentin. Ein von Prof. Emil Hünteu gemaltes Bild hat den Prinzen bei dieser Attacke verewigt. Am 19. Januar 1896 richtete der Kaiser an den nun Heimgegangenen folgendes Telegramm: „Eurer Großherzoglichen Hoheit sende ich in dankbarer Erinnerung an ihr mutiges Vorgehen als Führer der kombinierten Garde-Kavallerie-Bri- gade an der Spitze der 2. Garde-Ulanen in der Schlacht bei St. Quentin, bei der 25. Wiederkehr dieses Ehrentages, meinen besten Gruß". Mit besonderer Liebe hingen die alten 2. Garde-Ulanen an ihrem Feldzugs-Kommandeur, und als sie sich 1874 zu einem Kriegerverein zusammen- thaten, übertrugen sie dem Prinzen Ehrenmitgliedschaft und Protektorat. Vermischtes. * Kolomea, 18. September. Die Eisenbahnbrücke bei Lubliczna stürzte in dem Augenblicke ein, als ein Lastzug dieselbe passierte. 12 Waggons stürzten in die Tiefe. Angeblich ist niemand verletzt. Gerichtssaal. Gießen, den 18. September. (Schöffen ge richt.) Wegen Beleidigung des Stations-Vorstehers aus Abendstern wird gegen einen invaliden Bahnarbeiter aus Kinzenbach auf eine Geldstrafe von 30 Mk. erkannt. — Einer der hier streikenden Maurer, der sich des Widerstands gegen die Staatsgewalt, nämlich gegen den. Polizeidiener zu Lang-Göns schuldig gemacht hatte, erhielt deswegen und wegen Körperverletzung eine Gefängnisstrafe von vier Wochen, auch wird er wegen groben Unfugs in eine Haftstrafe von einer Woche genommen. — Ein hiesiger Viehhändler, der beschuldigt wird, sich gegen das Reichsviehseuchengesetz vergangen zu haben, wird freigesprochen. — Die Urteilsverkündigung in einer Sache wegen Sachbeschädigung gegen einen hiesigen Universitätsprofessor, der eine den Singvögeln nachstellende Katze getötet hatte, wird ausgesetzt, und die Verhandlung in einer gegen einen auswärtigen Handelsmann schwebenden Sache wegen Zuwiderhandlung gegen das Gewerbesteuergesetz wivd vertagt. — Der frühere Hausbursche eines hiesigen Geschäftes erhält wegen Betrugs und Unterschlagung eine Gefängnisstrafe von drei Wochen. Zum Schluffe wird noch in zwei Privatbeleidigungsklagen verhandelt. (Strafkammer.) Gegen die Viehhändler Juda Stern II und Löb Stern aus Wieseck war im vorigen Jahre seitens des hiesigen Steuerkommissariats wegen Uebertretung des Art. 1 des Gewerbesteuergesetzes bezw. § 25 der Gewerbesteuerordnung ein Strafbefehl in Höhe von je 88.32 Mk. erlassen worden, weil diese Behörde von der Ansicht ausging, beide Brüder betrieben einen gemeinschaftlichen Viehandel mit Gehilfen und seien aus diesem Grunde als Viehhändler im großen zu betrachten, während die Gewerbepatente auf Viehhändler im kleinen lauteten. Gegen diesen Strafbefehl hatten sie Einspruch erhoben. Da vor dem Schöffengericht durch Zeugen erwiesen wurde, daß die Angeklagten Briefumschläge benutzten, die die Firma I. u. L. Stern führten, und an einem Markttage oft 20—30 Stück Vieh absetzten, so lautete das Urteil auf Verurteilung der Angeklagten in die angesetzte Strafe samt der Kosten unter solidarischer Haftbarkeit. In der Berufungsinstanz war das Urteil zwar bestätigt worden, doch nicht insoweit es auf solidarischer Haftbarkeit lautete, weil sich die Strafkammer von einem gemeinschaftlichen Geschäftsbetriebe nicht zu überzeugen vermochte. Tie gegen das zweitinstanzliche Urteil eingelegte Berufung hatte den Erfolg, daß der Strafsenat Großh. Oberlandesgerichts Zurückverweisung zur nochmaligen Verhandlung vor der Strafkammer verfügte, indem in der Urteilsbegründung darauf hingewiesen war, daß nach Auffassung der obersten Instanz unter einem Viehhandel im großen ein Geschäft zu verstehen sein dürfte, das mindestens mit einem Betriebskapital von 30 000 Mk. arbeite und kaufmännisch, gebildete Gehilfen beschäftige. Da dies für die A.ngesagten nickst zutrifft, so mußte auf Freisprechung tionj Strafe und Kosten erkannt werden. — Nack)dem eine Berufung in Sachen gegen Konrad Hartmann auH Rödgen wegen Nichterscheinens des Angeklagten verworfen worden war, wird in die Verhandlung gegen den Kutscher Heinrich Schwarz «us Frankfurt a. M., zur Zeit in Untersuchungshaft, eingetreten. Ter Angeklagte, der 24 Jahre alt und mehrmals, darunter bereits dreimal wegen Betrugs vorbestraft ist, hat sich wieder wegen Betrugs und zwar in mehreren Fällen zu verantworten. Schwarz hatte es durch sein sicheres Auftreten verstanden, unter Vorlage eines günstigen Zeugnisses und unter Ver- heimlichlung seiner Vorstrafen im Juli v. I. bei dem hiesigen Rechtsanwalt Grünewald als Kutscher Verwendung zu finden und lohnte zunächst auch das in ihn gesetzte Vertrauen durch Anstelligkeit und gute Führung. Bald aber zeigte er sich, zunächst versteckt, in seiner wahrest Gestalt. Durch Vorspiegelung falscher resp. Unterdrückung, wahrer Thatsachen wußte er seinem Dienstherrn resp. dessen Büreauvorsteher in mehreren Fällen um höhere Geldbeträge zu beschwindeln, außerdem benutzte er den Kredit seiner Dienstherrschaft, um sich Waren und bares Geld zu verschaffen. Bei einem hiesigen Schneidermeister, der ihm früher auf Rechnung seiner Dienstherrschaft eine neue Livree geliefert hatte, ließ er sich im Auftrag seiner Dienst- Herrschaft und zwar angeblich als das ihm zugedachte Feriengeschenk, einen patenten Zivilanzug im Werte von 70 Mark anfertigen, einen Uhrmacher legte er herein mit einer Taschenuhr nebst 2 Ketten im Werte von zusammen 33 Mark, bei einem Kürschner entnahm er auf Rechnung seines Herrn an zwei verschiedenen Tagen zwei Hüte im Werte von 6,50 Mk. und pumpte bei demselben einige Tage später, angeblich zur Bezahlung einer Rechnung für die Dienstherrschaft den Betrag von 5 Mk. Unter ähnlichen! Ausreden betrog er eine hiesige Firma für gelieferte Waren um 21 Mk. und die Witwe eines Sattlers, nachdem ihm sein Dienstherr am 20. September v. I. schon den Laufpaß gegeben hatte, um 12 Mark für einen für feine Dienstherrschaft bestellten Koffer; ja, nach Lösung seines Dienstverhältnisses b'vgab er sich sogar in Begleitung eines Vertrauen erweckenden Genossen in eine hiesige Wirtschaft, wo beide aßen, tranken und sich an Champagner gütlich thaten, ohne daß der Angeklagte, der den Gastgeber gespielt hatte, die 15,41 Mk. betragende Zeche zu begleichest vermochte, vielmehr den vertrauensseligen Wirt, bei dem er schon mehrmals Einkehr gehalten und die gemachte Zeche bezahlt hiftte, bedeutete, die Rechnung seinem Herrn zu behändigen,*der sie honorieren würde. Auch einem Herrn in Frankfurt am Main, wohin er am 26. September, als ihm in Gießen der Boden unter den Füßen zu heiß wurde, abdampfte, wußte der Angeklagte noch den Betrag von 3 Mk. abzuschwindeln, unter dem Vorgeben, er habe die Hunde seines Herrn in die Hundeausstellung zu bringen, und es fehle ihm hierzu der fragliche Betrag. In 11 Fällen wird der Angeklagte der ihm zur Last gelegten Verbreichen und Vergehen überführt, obgleich er entweder leugnet, oder seine Vergehen im günstigsten Lichte darzustellen versucht; nur in den wenigsten Fällen ist er geständig. Ta der Hauptbelastungszeuge wegen schwerer Krankheit nicht erschienen war, und ine versuchte kommissarische Vernehmung sich als unmöglich erwies, eine solche auch für unabsehbare Zeit kaum mögliche sein dürfte, so verzichtet in der Nachk- mittagssitzung, die um 4 Uhr begann, der Staatsanwalt auf Aufrechterhaltung der bezüglichen von dem Angeklagten in Abrede gestellten Anklagepunkte und giebt anheim, für die nicht als erwiesen zu betrachtenden Straf- thaten auf Freisprechung zu erkennen und da, wo angängig, mildernde Umstände zuzubilligen, im übrigen aber die,ganze Strenge des Gesetzes walten zu lassen. Tas Gericht tritt der Ansicht der Anklagebehörde im großen ganzen bei. Das Urteil lautet auf etne Zuchthausstrafe von 4 Jahren 10 Monaten und 14 Tagen, sowie auf. eine Geldstrafe von 5 mal 150 Mk. gleich 750 Mark und Aberkennung der bürgerlichen? Ehrenrechte für die Dauer von 5 Jahren. Wegen Vergehens gegen § 330, 8 St.-G.-B. Führung eines fälschest Namens, wird Ms eine Gefängnisstrafe von 14 Tagen erkannt, die dupch die erlittene Untersuchungshaft als verbüßt gilt. — Zuw Prozeß Israels«. Nach dem „Konitzer Tagebl." ist gegen das den Handelsmann Israels» sreisprecbende Urteil von der Staatsanwaltschaft Revision angemeldet worden. Sport, Spiel, Jagd. o Gießen, 18. September. Der Weinhändler August Schwan erhielt auf der vom 16. bis 17. ds. Monats zu Erfurt abgehaltenen Spezial-Pinscher-Ausstellung für „Max-Kismet" vier erste und drei Ehrenpreise, darunter den vom Spezml-Klub für den besten rauhhaarigen Pinscher als Zrenpreis gestifteten silbernen Becher, sowie den Ehrenpreis der Stadt Er^rt Für H'lde-Hardthof" mer erste und zwei Ehrenpreise, sowie „Grethel-Gießen" (selbst gezüchtet), zwei erste und einen zweiten Pre's. Arbeiterbewegung. Leipzig, iS- September. Gestern Abend wurde der Streik beziehungsweise die Lohnbewegung der Buchbindergehilfenschaft Deutschlands von der Einigungs-Kommission nach 12stündiger Beratung durch Vergleich zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern beendet. Die Forderungen der Gehilfen sind teilweise bewilligt. In Stuttgart, Leipzig und Berlin werden sämtliche Ausgesperrten beziehungsweise Ausständigem die Arbeit wieder aufnehmen. MMrl ««b Verkehr. Volkswirtschaft. Märkte. O Gießen, 19. September. Der gestrige Rindviehmarkt hatte einen Auftrieb von ca. 1200 Stück Vieh. Milchkühe in guter Qualität, ganz besonders aber schwere Ware, waren wieder sehr gesucht, obgleich bei der zu Ende gehenden Saison die Badeplätze, sonst die besten Abnehmer für schweres Milchvieh, keinen Bedarf mehr dafür haben. Käufer vom Main, sowie von der Dill machten diesesmal den Markt, während Großhändler aus Frankfurt a. M. durch ihre Ankäufe das Geschäft in Jungvieh belebten. Der Handel wickelte sich von Anfang an flott ab. In der vergangenen Woche waren von hiesigen Händlern Transporte von ostpreußischem Schlachtvieh eingeführt worden. Die Tiere fanden für den lokalen Bedarf, Rinder mit 60 bis 62 Mark, Ochsen zu 67 bis 69 Mark pro 60 Kilogramm Schlachtgewicht, willige Abnehmer. Die Marktpreise stellten sich für Milchvieh 1. Qualität 425 bis 460 Mk., 2. Sorte 360 bis 400 Mk., 3. Sorte 200 6<3 250 Mark pro Stück. Rote Kühe aus den umliegenden preußischen Kreisen, die stark am Markt vertreten waren, waren zu verhältmsmäßig billigen Preisen zu haben. Junge Mastrinder gingen mit 90 bis 110 Mark pro- «■ Rheinieche* Technikum Bingen lör Minen bau and KleUroleehoik. Programme kostenlos. mit Sicberbeits-Regulator Beliebteste Oauerbrandheizung. Solid, sparsam, bequem. fltsundc Zimmerluft, moderne formen, reiche Auswahl jeder Preislage. Epochemachende Patente verbesserte Systeme. 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Geheimräte, Präsidenten und Sekretäre der Zweiten Kammer der Stände, die Präsidenten der Landeskosiegien die Mitglieder des Staatsministeriums, die Geistlichkeit, die Kammer und Hoffuuker, das Ofsizierkorps und die Militärbeamteu, die Zivilbeamten nach der Reihenfolge der Ministerien und die Hosoeamten. gaben bi« zum 25. September richten an ben Vorstand des evangel. Marienstifts zu «ich. Der Zuschlag erfolgt binnen acht Tagen._____________ 6174 Am Eingang zum Mausoleum wird die Leiche vom Waaen genommen und unter dem Vorantritt des Oberzeremonieu. des StaatSministers und des Geistlichen nach dem Mausaleurn überführt und von Hofprediger Ehrhardt unter oen Ehreubezeugungeu der Trauerparade eingeseanet 68 ist eine Hoftrauer von 6 Wochen befohlen. m 19. September. „Standard" meldet aus ^Ew-York: Die deutsche Anleihe ist überzeichnet worden, ungerechnet die Anmeldungen aus der Provinz Loudon, 19. September. „Daily Mail" meldet vom l«. aus Loureuzo MarqueS: Bei VirtorSSpruit fand eine il8to^e$tCi)(S‘V‘1'^ Sa,t $it Bureuverluste sind Itl)wet. — Au der Grenze wurde ein Portugiese von MB/™1“""?'" Sel5,et Gi,,e portugiesische Batterie ist d'e Grenze abgegangen, jedoch bei Kilometer 63 m den Koffern überrumpelt morden. DaS Gefecht mit den- seiven dauert an. Feinste geräucherte jrMsnrter Mrülhev, a Paar 25, 30 und 35 Pfg., desgl. Wiener Würstchen, ä Paar 20 Pfg., sowie Aufschnitt, ü Psd. 70 Pfg. bi« 1,20 Mk. empfichlt 6187 F. Schreiner, Seltersweg 65. Zv 6eb. Beamten-, am liebsten Lehrer- TQtmltc (nicht bei alleinstehenden Damen) für alteren Gymnasiasten gute Pension nut vollständigem Familienanschluß gesucht. Gest. Anerbietungen unter W A Nr. 03900 an die Expedition d. Bl. erb. | Beginn des Winter - Semesters am 2. November 1900. । Programm durch E. Ehrich. Worms. TelephonischeMeldougendesGietzeuerAuzeiaers. Darmstadt, 19. September. Ordnung für das Leichenbegängnis des Prinzen Heinrich von Hessen ttm Donnerstag, dem 20. September, 9 Uhr vormittags: Eine Abordnung von drei Offizieren nimmt in Aschaffenburg die bis Mtn von dem Major und persönlichen Adjutanten geleitete Arche m Empfang. Die Ankunft mit Extrazug auf dem MamNeckar-Bahnhof in Darmstadt erfolgt um 9 Uhr vor mittag. Der Sarg wird alsbald von 6 Offizieren unter von 12 Unteroffizieren auf den vor dem Bahnhofs- flmn«"6 Wtcnbc“ Leichenwagen gebracht. Die dort ausgestellte .Lerche mit präsentiertem Gewehr und eröffnet unter dem Geläut aller Glocken den Drauerzug, der fich i« nachfolgender Ordnung durch die Rhein- ?raße, Dieburgerstraße, Stiftsstraße und Erbacherstraße nach bem Mausoleum bewegt: Der Hoffourier, zwei Kammerdiener, bet Oberbürgermeister, bie Beigeorbneten uud die Stadt- von Darmstadt, die Deputationen der Krieger- fömcra&fdjöft Hasfia, des 2. Garde-Ulanen-Regts., des Husaren- Nr. 7, des Leibregimeuts Nr. 115, des Leib-Dragoner- Nr. 24, Hofprediger Ehrhardt, der Oberzeremonien- ?cr persönliche Adjutant Major Frhr. v Starck, die Ordensträger, der Leichenwagen mit 6 Pferden bespannt zu Wo'erlein, prakt. Arzt, versehen? Fälscher i P atronen Ia.Marke. toerben gerichtlich verfolgt. Alleinige Fabrikation und Versand von AeauI A WvÄII eizv decker, Ludwigshafen a. Rhein, Äleich- **' **17011 SOllIlG ftraße 25. Niederlagen überall gesucht.' Seltersweg 12. 5537 . Darmstadt, 19. September. Die Beisetzung des Prinzen Heinrich von Hessen wird am 20. Sep- »°HfiVta98 9 U6r' im Mausoleum aus der Rosenhohe stattftnden. Mainz, 19 September. (Sozialdemokratischer ‘ e 1‘ ‘ ) In der gestrigen Nachmitiagssitzunq sprach Rerchstllge>-Abg. Singer ein und drei Viertel stunden Meine langhaarige, braune Pudel-pointer |6unbm Bella MM seit Samstag, dem 15. d. Mts., Pffl ® Halsband mit Messing- beschlag, Gravierung Dr. Kempff-Gießen, Hundemarke 784. Vor Ankauf wird gewarnt. Wiederbringer erhält gute Be- lohnung. Dr. Karl Kempff, 6141 Gießen, Marburgerstraße 65. Brauer-Akademie ___Worms 1290 Nach ihm sprachen Schön lan k-LeivLia Verliil '■Vrnittpirt \ i o < 0/ -V 0 | m Q 1t 1tc -oernn, Fraulein Rosa Luxemburg, Müller- Munchen undLedebour-Dresden. Müller brach e eine verurteilende Absolution wegen des Transvaal- lr’.e^.eö die Ledebour dahin ergänzte, daß die Sozialdemokratie allen Unterdrückten ihre Sympathie zu- wende. .Klyth-Leipzig beantragte einen Zusatz über Se bic Unternehmer-Verbände betreffend, Äe die Unterdrückung der Arbeiter-Verbände bezwecken' •£-Jru& ^er „Chauvinismus" und die „Militärische Ruhmsucht" darin verurteilt (5§' noch Dr. Quarck-Frankfurt a. M., Hug- Sin Letzterer beantragte einen Zusatz btc Berufung des Grafen Waldersee betreffend. Dieser S”tr<^9 touroe bann wieder zurückgezogen. In seinem ÄÄrto't- br?A-n Ringer-Berlin die Einmütigkeit Reim« hervor. Es existiere in den Partei kein Befürworter der China-Politik. UtWn^ und Müller werden einstimmig anaenowmen, die Resolution Kloth wird abgelehnt. Plauen Schlnü^r^-I^^ Begrüßungs-Telegramme, die bei Sitzung noch verlesen werden. Um 7 Uhr 5 9^rr?nrbieQ ^Beratungen auf heute morgen vertagt mirh September. Wie ein Berichterstatter hört, tvirb Reichskanzler Fürst Hohenlohe selbst beim Zu» für'hie1 VhLbCmÄRei1,la£le6 bie @rünbc darlegen, die für die späte Einberufung der Abgeordneten zu der diesjährigen Zession maßgebend waren. , , Wie», 19. September. In einer vertraulichen tschechi- ^r^,r^rehrfh-m^lU^9 der Jungtschechensührer Dr. Herold die Tschechen davor, sich in ihrem Kampfe all- « «I» ök- ^^?^ige Bundesgenossen zu verlaffen. Tie die Tschechen brauchten Deutschland nicht cLL* 7Äen' von Frankreich und Rußland be- Mt würden, sei irrig. Frankreich blicke selbst ängst-- auf Deutschland, das mit der erste Faktor in Europa fei. New-York, 19. September. Die Kohlenpreise sind nfolge des Ausstandes in den Anthracitgruben in Penn- ? Ü25 ^co ^onne gestiegen. Die Zahl der Ausständigen beträgt 140,000 Mann. ° V 03915] Heute Donnerstag trifft auf dem Brandplatz eine Ladung Weisskraut em. Billigste Preise. Der Verkauf dauert, von 8 Uhr bis 12 Uhr mittags. in bie Stiftskirche zu L.ch zu liefern, I . foß vergeben werden. OCUtß ftllßJß___ ..?^rungslustige ^wollen ihre Ein- « Ikomplette, fast neue Badewan^ rt ÖGJB.Oj,j|llSCll© ^-^dadeofen und zwei Zimmeröfen »ab"-«.' 8«.»«, e<»,Ow, gl”: ÄÄ*' M Nrr ßolfflhappen Prompter Versandt nach auswärts. ?,!L Hermann Thiele auf dem Luther- i. ».schch-f. Knabenhandarbeit. jn dem einen derselben sollen die Schüler mit Pavvarbeiten >mh cCm ruderen mit Kerbfchnittarbeiteu beschäftigt werden. Zur Beteiliauna Stof« h?eCS ""«7 Ältere Schülerbe! Volkschule somohklSMch Äen £CWen (U8tere 8°” ,L 3«6« •») S Werkzeuge und Materialien, welche den Schülern während der gestellt werden, sind von jedem derselben zwei Mark zu ent- S.*“ '**“ "* «ÄSäSSÄ'H ließen, den 18. September 1900. 6179 G^rgi, Beigeordneter. Hahn, Oberlehrer. ilieberlgge bei Bär & Wetterhahn, Gieße«, llortanlagt. Kodsliesmsi-. Die Lieferung von 200 Centner Koks (Hütten, oder Gaskoks mit entsprechender Preisbestimmung), frei ,..».?SetS.L„h„JPreisemässiriiiiff vormittag» 9 Uhr bei der Zügelhütte. ö 6 Winnerod. L. Meivmann, ...J __ ■ । au i aflrraaer; iGeidÄÄSäeid «tühf V- Darlehen Job. Fr. Schaaf. %'t fiteter$e,f°nen Bürgschaft und ienommierW$a6rtabgef(bäft ü!@ie6en, 901™« «Mfenfkf» Wetzveiuftra,« 4«. lu. Vogler. Caffet. “s “ M Linoleum as ■ znm Aekegen ganzer Zimmer, und Linoleum-V orla^en. •««« Zimmer wird fachmännisch ansaettid-L ”70 1 K»tcaT!c.^r,k »usiitut, ifnÄe. Th. Brück, Sihloßgasse 16. 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Es giebf unseres Wiffens kein % bUr<^ ba8 $üten von Vieh auf Ihren Wiesen V' vorausgesetzt, das Sie mit dem Vieh zu Ihren Wiesen ge- ohne die Grundstücke anderer betreten zu müssen. Dann 2igung deS betreffenden Besitzers nötig. Heilanstalt „Hygiea“ cm rj« n r vormals Oskar Hoepfner Anjß , Molikestraßc 8. 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Samstag den 22. und Sonntag den 23. September: Letzte Vorstellungen. oe a ’S Freiw. Gail'sche Feuerwehr. Zu der morgen Donnerstag den 20. d. Mts. angesetzten Gesamtübuug Antreten pünktlich um 8 Uhr abends am Spritzen« hause. — Zahlreiche Beteiligung wird erwartet. 6184 Das Kommando. Logensitz Mk. 3.-, Sperrsitz Mk. 2.-, 1. Platz Mk. 1.60, 2. Platz Mk. 1 —, « Gallerte 50 Pfg. Militär ohne Charge und Kinder unter 10 Jahren zahlen: Sperrsitz Mk. 1.—, 1. Platz 75 Pfg., 2. Platz 60 Pfg., Gallerte 30 Pfg. Danksagung. Allen denjenigen, welche an dem uns betroffenen herben und schmerzlichen Verlust so regen Anteil nahmen, sowie auch für die zahlreichen Blumenspenden sagen innigsten Dank 03905 Heorg Simon und Krau. Herr Ludwig und Miß Ewards - als graziöse Rettkünstler. Ein Monstre-Tablea« M mit 66 zusammen dreff. Pferden, 5" ausgezeichnete Sensationspiöcen von ** Master Kidjerad. ______ Mehrere Arbeiterinueu per sofort oder später gesucht. 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September, nachmittags 4 Uhr, vom Sterbehause, Ludwigsträsse 10, aus statt. Vermietungen (Offeiu’ Stellen.