Freitag den L0 Juli Erstes Blatt. 1900 Lw Anrts- und Anzeigeblutt für den Areis Gieren. 1. 2. 3. 1. Kranken- und 2. Kranken- und 3. Kranken- und 4. Kranken- uud Sterbekasse zu Rödgen, Sterbekasse zu Wieseck. v. Bechtold. itt 37 W IM Vnluste m recht regen Alle Anzeigen. 8 ermttttungSstelleu deS In« und emtaufczfc nrhmm Anzeigen für den Gießener Anzeiger entgeh», ZeilenpreiS: lokal 12 Pfg., auswärts 20 Pfg. «Edition und Drucker«: K4«kAratze Nr. 7. Seee^ec »m Anzeige« zu der ««^mittag» für Vä ZOiGevdco L«ß «scheinenden Nummer bis vorm. 10 SttcheLnngen spätesten- ebe®M vorher. 18. e 50 pfg. Mezugsprets »ierteljährl. Mk. 2I» monatlich 75 Psz. mit Bringcrlohnr durch die AbholesteS« vierteljährl. Mk. monatlich 65 Pf^ Bei Postbezug Mk. 2,40 öiertt^ätot mit Bestellgeld GralrskeilagM: Gießener Famitiendlatter, Der heWche Landwirt, Kliitter für hessische Volkskunde. Adreffe für Depeschen: Anzeiger Fernsprecher Nr. 51. Die SUOcmr KL«Uie»bt»tter d-erdr« de« Anzeiger te ■*< «Heff. ksndwtrt" e. «Blätter Dr Hess. «etttkunde» «Schtt. 4 wri deigelegt. Vertretern; _ J für Nachlaßmassen, die der Steuerpflrcht unterliegen, von deren Verwaltern; in allen anderen Fällen von dem Steuerpflichtigen selbst und zwar hinsichtlich seines eigenen Vermögens sowohl, als auch des Vermögens, das ihm nach Art. 10 des Gesetzes bei der Besteuerung zuzurechnen ist. BeiAbgabedieserErklärutigenistbesoti- ders zu beachten, daß Schulden und Lasten nur dann an dem rauhen Vermögen abgezogen werden können, wenn das Bestehen unddieHöhedieserSchuldenundLastennach- qewiesen wird. , Zwecks Herbeiführung einer zutreffenden Veranlagung des Grundvermögens, bezüglich dessen eine gesetzliche Verpflichtung zur Abgabe von Erklärungen nicht besteht, ist die Einreichung freiwilliger Erklärungen über die Höhe den Wert desselben und die es belastenden Schulden in eigenem Interesse des Steuerpflichtigen sehr wünschenswert, da hierdurch unter Umständen einer irrtümlichen Veranlagung mid den hieraus erwachsenden Weiterungen vorgebeugt wird. Anknüpfend an diese Mitteilungen richten wir an die hiernach zur Abgabe von Vermögenssteuererklärungen Verpflichteten unserer Bezirke hiermit die Aufforderung, ihre Erklärungeil unfehlbar bis zu dem angegebenen Termin an die betr. Bürgermeistereien oder direkt an uns gelangen zu lassen. Die bei den Bürgermeistereien einlaufenden Steuererklärungen werden, und zwar insoweit verschlossen, uneröffnet, an die Vorsitzenden der betr. Veranlagungskommis ionen abgegeben werden. Die Formularien zu den Steuererklärungen, welchen ein Auszug aus dem Gesetz und der hierzu erlassenen Anweisung beigefügt ist, hat der Steuerpflichtige von der Bürgermeisterei des Wohnorts zu beziehen. Gießen, Grünberg, jungen und Nidda, 29. Juni 1900. Die Großherzoglichen Steuerkommissariate izert 49(8 ^Wlheli Bekanntmachung. Betreffend: Ankauf von Simmenthaler Zuchtvieh durch den landw. Provinzialverein von Oberhessen. Der landw. Provinzialverein beabsichtigt um die Zeit voll Ende August bis Mitte September durch eine Kommission von Sachverständigen, Zuchtvieh der Simmen- thaler Rindviehrasse und Saaner-Ziegen aus den betr. Originalzuchtgebietell einzuführen. Der Import erstreckt sich nur auf wirklich. gutesZuchtmaterial von Bullen, jungen Kühen, Kalbinnen, Ziegenböcken und Ziegen. Der Durchschnittspreis dürfte sich in der Schweiz für Bullen auf 700 bis 900 Mk., für Kühe und Kalbinnen auf 600 bis 800 Mk., für Ziegenböcke auf 40 bis 60 Mk. und für Ziegen auf 30 bis 50 Mk. stellen. Die Ankaufskosten, die der Verein trägt, sind hierbei außer Betracht gelassen. Durch den event. Vereinsnachlaß dürfte sich der Preis noch etwas niedriger stellen. Beteiligen können sich am Bezug: Einzelzüchter, Gemeinden und Zuchtvereine, und sind die Bestellungen schriftlich bis zum 2 0. August d. Js., unter Angabe des Geschlechts und der sonstigen Wünsche bei den Zuchtvereinen, oder direkt bei der Geschäftsstelle des landw. Vereins für die Provinz Oberhessen in Alsfeld anzumelden. Die angekausten Tiere werden unter den Bestellern versteigert. Erreicht der Steigerlös nicht die Höhe der Ankaussumme, jo wird der Fehlbetrag prozentualisch dem Steigpreis der einzelnen Tiere zugeschlagen. Uebersteigt der Steigerlös die Summe der Ankaufspreise, so erfolgt eine Rückvergütung nach demselben Maßstabe. Der Provinzialverein bestteitet, wie schon gesagt, die sämtlichen allgemeinen Kosten des Kaufs (alle Kosten abzüglich der Ankaufspreise). Außerdem kann, soweit die vorhandenen Mittel reichen, auf Antrag der Besteller ein Teil des Steigerlöses und zwar bis zu 20 Prozent für foche Tiere, die von Zuchtvereinen und deren Mitgliedern oder von Gemeinden bestellt sind, an einen einzelnen Besteller jedoch nicht mehr als für 2 Stück, nachgelasssen werden. Ort und Tag der Versteigerung der angekauften Tiere unter den Bestellern wird später mitgeteilt. L a u b a ch , den 10. Juli 1900. Der Präsident des landw. Vereins für die Provinz Oberhessen. Friedrich Graf zu Solms-Laubach. ;gene , - bis 4,—, V- bis 4,-> L bis 25,-; W N »e* 02983 w * Gießener Anzeiger General -Anzeiger Verzeichnis der eingeschriebenen Hilsskassen im Kreise Gießen. ' Sterbekasse zu Watzenborn-Steinberg, Sterbekaffe zu Garbenteich, Bekanntmachung. Betreffend: Die Abgabe der Vermögenssteuer-Erklärungen ^ixm Zwecke der Veranlagung für das Steuerjahr 1901/02. Nach Artikel 19 des Gesetzes die Vermögenssteuer betr., vom 12. August 1899 haben die von der Kommission für die Einkommensteuer erster Abteilung zu veranlagenden, ein jährliches Einkommen von 2600 Mark und mehr besitzenden Betriebsunternehmer (Personen die Land- und Forstwirtschaft oder ein Gewerbe betreiben), die zum ersten Male mit Anlage- und Betriebskapital zur Vermögenssteuer veranlagt werden, eine schriftliche Erklärung mber das im land- und forstwirtschaftlichen oder gewerb- lßchen Unternehmen verwendete Anlage- und Betriebs- kiapital und die es belastenden Schulden abzugeben. Ferner sind nach! Art. 25 desselben Gesetzes diejenigen, deren sonstiges Vermögen (Kapitalvermögen usw.) nach Abzug der darauf lastenden Schulden einen Wert von 3000 Mark und mehr hat, zur Abgabe einer schriftlichen Erklärung über dieses Vermögen verpflichtet. Zu diesen Erklärungen sind die vom Gr. Ministerium der Finanzen festgesetztenFormularien zu verwenden; die- elben sind je nach der Wahl der Steuerpflichtigen offen oder verschlossen spätestens bis zum 81. Juli d. I, ohne daß der Pflichtige deshalb eine besondere Aufforderung abzuwarten hat, bei der Bürgermeisterei des Wohnorts oder auch unmittelbar bei dem betreffenden Steuer- Decke ein Käfig mit Kanarienvögeln, Strohmatten auf dem Boden und, um das Maß des ärmlichen Eindrucks voll zu machen, hing auf einem Strick, der durch die den ,Empfangsraum" umgebende Außengallerie gespannt war — Wäsche zum Trocknen aus. . . Diese Szenerie wird verständlich, wenn man erfährt, daß Li-Hung-Tsck)ang Armut heuchelt, um sich vor Angriffen zu schützen. Wenn Li-Hung-Tschang eine Unterredung gewahrt, so geschieht dies mehr, um zu fragen als zu antworten, und seine Art, Konversation zu machen, berührt erfrischend in ihrer ans Rücksichtslose streifenden Aufrichtigkeit. Seme Unterredung mit einem Grandseigneur, den eine Mission, den Kongostaat betreffend, nach! Pettng geführt hatte, lebt heute noch in der Erinnerung der Eingeweihten. Auf die Schulter eines hochgewachsenen Dieners gestützt, zu dem Li- Hung-Tschang sich herabbeugen mußte, um sie zu berühren, erschien er (im Gewand von gelblich-weißem -einen mit einem blauen Leinengurt, den eine Messingschnalte schloß, darunter mauvefarbene seidene Beinkleider, die nut schwarzen Bändern über weißen Wollstrumpfen festgehalten waren.o bedeckten Halbschuhe aus schwarzem Sammt, die auf einer Sohle aus Hellem Filz ruhten. Nachdem erden Gast begrüßt und in seinem Fauteuil Platz genommen hatte, bat er ihn, dasselbe zu thun, und der Diener brachte Zigaretten. . Nachdem der Staatsmann den Interviewer über England und Frankreichs den Papst und die Fristen uii China über die Schwäche der Menschen und ihre Starke über Confueius, das Schicksal und die Weisheit mterviewt hatte, kredenzte er seinem; Gaste Sekt und trank selbst davon, was zu dessen sttller Verzweiflung den Schluß der Unterredung bezeichnete. Zum Glück erinnerte er sich am nächsten Tage daß ihm sein Besucher auch als Arzt empfohlen worden war, und da einer seiner Enkel erkrankte,bat er den Herrn nochmals in sein Haus. Und bre Unterredung dieses Tages ist es, die das Seelenleben des chinesischen Staatsmannes in die rechte Beleuchtung rückt. Einige seiner Ausspruche muten m ihrer aktuellen Beziehung auf die jetzigen Verhältnisse doppelt interessant an- Die Mächte betrachten China als Pastete, von der sie nach Appetit und Laune einige Scheiben .abzuschneiden gedenken." — „Die Kanonen repraseuttereu nicht das Recht auf den Besitz eines Landes. Und das Recht ist der Wille des Volkes. Die Chinesen aber wollen Chinesen bleiben. — Unsere Ansichten von dem Leben sind himmelweit von den Ihrigen verschieden. Bei uns lebt das Individuum für feine9 Familie, bei Ihnen für den Staat. Deshalb verabscheuen wir den Krieg und fürchten jede Veränderung, die den Menschen von der Scholle entfernt. Wenn man Eure sozialen Krisen erkennen gelernt hat, sagen Sie selbst, ob es wünschenswert zu bezeichnen wäre, daß der Gegenstand Ihrer bittersten Sorgen, die soziale Frage, wie ste Europa jbeherrM zu einer chinesischen sozialen Frage wurde - 'einem jUebchmehrszU den vielen, die ^r bereits besitzen! — Sie sagen, daß wir uns europäischem Einfluß; entziehen wollen. Haben wir Unrecht? Erinnern Sie sich daß zu Beginn unserer europäischen Beziehungen 20000 .chwbM.^ Ansiedler innerhalb einer Woche in Luzon (größte Phi- lippineninfel) von den Spaniern 9?totet rourben. roar nicht gerade ermutigend, um unser Reich den "tnvitt- FatoreTiu eröffnen. Und was veranlaßt ©« eigenttufi uns als „Wilde" zu betrachten? Sie berufen sich auf die Ermordung von Europäern. Finden Morde Nicht auch in Europa statt?' Und die Verfolgungen. ? Nehmen Sie an daß unsere Buddhisten in Ihrem Land Bekehrungs- versÄe anstel en würden und die Proselyten mit der Beeidung, daß ihnen ihre neue Religion zu toten verbietet, sich der Militärpflicht entziehen wurden oder sich weigerten, andere Anforderungen Ihrer Gesetze zu erfüllen' Bei uns hat es niemals religiöse Verfolgungen gegeben (?). Wir sind zu klug, um jemand die Art ausdrängen zu wollen, aus welche er seinen Gott anbeten will das kommt bei Ihnen vor, bei uns niemals. Man wirft uns die Doppelzüngigkeit unserer Politik vor? Der Reihe nach setzt Ihr uns das Messer an die Kehle um un^ w berauben. Wenn wir die Spitze des Eisens fühlen, sagen wir, was man von uns zu hören verlangt, und nehmen es selbstverständlich zurück, sowie wir uns nicht mehr bedroht glauben. Aber ist das nicht seit undenklichen Zelten die Diplomatie aller Länder gewesen? Würde Frankreich, trotz des Frankfurter Vertrages Deutschland im Besitze Elsaß-Lothringens lassen, wenn! es sich stark genug suhlte, es zurückzuerobern? Genau so verhält es sich „bei uns nut den Provinzen, die Europa uns entteißt. Glücklicherweise schützen uns Eure gegenseitigen Nebenbuhlerschaften vor größeren Verlusten, denn Ihr haßt Euch gegenseitig noch mehr, als wir Euch! hassen . . . Daß wir den Raub nickt durch Liebesbeteuerungen quittieren können, kann man wahrhafttg nicht erwarten. Der Norden den Russen die Mitte und ein gutes Stück vom Süden den ^ngunweri, der Rest den Franzosen und - anderen, und nichts für die Chinesen? Mer fünfhundert Millionen Menschen kann man nicht so ohne weiteres verschwinden lassen. * 4wten tagt- LS Mdrii ■15° ’’’ Galten tu melber" Ki-'M kommissariat abzuliefern. . . Den außerhalb des Großherzogtums wohnenden Steuerpflichtigen werden die Formularien zu den Steuererklärungen durch die betreffenden Steuerkommissariate zugesendet, an welche die abzugebenden Erklärungen innerhalb vier Wochen unmittelbar einzusenden sind. Nach Art. 32 des Gesetzes sind die Vermögenssteuererklärungen abzugeben: ... m für Minderjährige, für Abwesende, sowie für Personen die aus anderen Gründen unter Vormundschaft oder Pflegschaft gestellt sind, von deren gesetzlichen Nr. 167 Bit deS Wifit. 4947 N xo\x M Amtlicher Teil. Gießen, den 16. Juli 1900. Betr.: Die Ausführung des Gesetzes über die Krankenversicherung der Arbeiter. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen au die Gr. Bürgermeistereien uud Krankenkasse«, vorstände deS Kreises. Das nachstehend abgedruckte Verzeichnis der in unserem Kreise zugelasienen, den Anforderungen deS § 75 des Kr.- B-rf.-Ges. v. entsprechenden eingeschriebenen Hilsskassen teilen wir Ihnen unter dem Ansitzen zur Kenntnis mit, daß die Mitglieder dieser Kaffen von dem Beitritt zur Gemeindekrankenversicherung bezw. zu einer nach Maßgabe deS Krankenversicherungsgesetzes errichteten Krankenkasse befreit find. Krug' Ulrich. Frenz. Schmitt. Li-Hung-Tschangs Bekenntnis. Im Nordosten Pekings, in einer kleinen, stillen Sttaße, in einem bescheidenen kleinen Häuschen, in dessen Eingang ein Thürhüter träumt, umgeben von einem grünen, hölzernen Wandschirm, den zwei hohe, mit Wassergrasern — dem Schutze vor bösen Geistern — gefüllte Porzellanvasen flankieren, wohnt Li-Hung-Tschang, der Mann, der die größte Machjt in Händen gehalten, die vielleicht jemals vor rhm ein Staatsmann besessen. Dieser einstige Vizekönig Generalissimus der Land- und Seemacht, allmächtiger Machthaber in Zeiten gefährlicher Krisen dieser märchenhaft reiche Unternehmer, Minen-, Werften-, Banken- und Domänen-Besitzer, welche die Größe von Provinzen erreichen, Vieser Krösus, dessen Reichtümer, wie Shanghayer Geldmänner versichern, alle Millionäre beider Welten vor Neid erbleick)en lassen könnten, wohnt wie ein kleiner Rentier, der sich von den Geschäften zurückgezogen hat, um in Ruhe seine bescheidenen Zinsen zu verzehren, ^n dem Salon deS Empfangspavillons, den man betritt, wenn man zwei ungefähr 8 Meter lange und 4 Meter breite, mit Ziegeln gepflasterte Höfe durchschritten, bilden drei große grüne, mit gelben Zeichen bedeckte Papierbilder den einzigen Wandschmuck, der sich über einer gelben Holzkonsole befindet, deren einziger Schmuck eine Räucherlampe und zwei Zinnleuchter bilden. Rechnet man das Mobiliar, bestehend in einem runden Tisch, vier Stühlen, drei Fauteuils, einem kleinen Sopha und zwei Schemeln dazu, alles aus Mahagoni und mit altem, grünem Möbelplüsch bezogen, so wird man das Erstaunen des Besuchers begreifen, der den „Salon" des Vizekönigs betritt. An der ift; nicht schwer, uns zu schlagen, aber uns zu erobern weniger W).t. EÄ geht damit wie mit den chinesischen Mahlzeiten. Ein mutiger Europäer wird sie genießen können, aber ob er sie verdaut, das bezweifle uf) • spielen mit Eurem Neid, Eurer gegenseitigen Begehrlichkeit; wir geben, was man verlangt, selbst das, was man uns durch Verträge versprochen hat, niemals zu verlangen. Wir thun es, aber wir sorgen dafür, daß England, das stärker ist als die anderen, Euch verbietet, zu nehmen, was Ihr nehmen möchtet. Die internationale Politik beruht eben auf der Furcht: der, die einem nahegelegt wird, und der, die man empfindet . . . Und was Sw alle nicht ohnen, das ist der Grad grenzenloser Energie, der die es Land und seine Bewohner, die Kaiserin und alle erfüllt! Es ist in Betracht gezogen, daß diese Ansichten des ch-inesischm Staatsmannes vor ungefähr vier Monaten geäußert wurden. - bach, Mainz mit Kastel, Worms, Gießen, Bad Nauheim. Sie sollen betragen bei einem Gehalt von 2100 M.: 300 M., bei 2400—4500 M.: 400 M, bei 4800 M. und 5000 M.: 800 M. Das erweiterte Oberkonststorium hat alS Anfangstermin für bte Neuregelung mit Rücksicht darauf, daß im lausenden Jahre das neue Gehaltsgesetz zwar noch nicht vollständig durchgeführt wird, die Gehalts- aufbefferung sich durch die gewährten Zuschüsse aber doch schon fühlbar macht, den 1. Oktober d. Js. festgesetzt. Für die Geistlichen tn den vorbezeichneten Städten wird also mit diesem Tag die Herabsetzung der bisherigen Zulagen, für die Geistlichen in anderen Orten, welche bisher Teuerungszulagen erhielten, deren Wegfall eintreten. Bezüglich der bisher ausschließlich wegen Schwierigkert des Dienstes gegebenen Zulagen werden wir in den einzelnen Fällen prüfen, ob deren Weitergewährung angezeigt erscheint. Sollten wir Streichung oder Kürzung verfügen, so werden wir die Aenderung ebenfalls mit 1. Oktober d. Js. eintreten lassen." * Stenographische System-Einheit. Auch von Kreisen, die ganz außerhalb der stenographischen Bewegung stehen, ist vielfach der Wunsch ausgedrückt worden, es möchte der Zersplitterung aus diesem Gebiete des Schristwesens ein Ende gemacht und so der Kurzschrift eine allgemeine Verwendbarkeit im Haushalte des Volkes eingeräumt werden. Wenn nun auch eine Zusammenschmelzung aller verschiedenen deutschen Stenographie- systeme nicht möglich ist, weil zum Teil die Grundlagen zu sehr voneinander abweichen, so würde doch voraussichtlich die Frage der stenographischen Einheit für Deutschland praktisch gelöst seiu, wenn sich die beiden größten Schulen, die von Stolze-Schrey und Gabelsberger, zu einer Bereinigung ihrer nahe verwandten System- formen entschließen könnten. Vom deutschen GabelS- berger Stenographenverein zu Wien ist für den bevorstehenden GabelSberger'schen Bundestag der Antrag gestellt, eine Einigung der beiden Systeme anzubahnen. Aus diesem Anlässe hat sich der Vorstand des Stenographenverbandes Stolze Schrey mit der Angelegenheit beschäftigt und in seiner letzten Sitzung die Erklärung abgegeben, daß die Schule Stolze-Schrey grundsätzlich bereit sein würde, an dem Ausbau einer deutschen Einheitskurzschrist mitzuwirken, wenn der ernste Wille bei allen Beteiligten vorwaltet, durch daS Zusammenwalten tüchtiger Systemkenner und -Forscher einen Fortschritt über das bisher Geleistete hinaus zu erzielen, daß sie aber Einigungsverhandlungen dann als zwecklos ansieht, wenn den Vertretern einer Schule von vornherein eine gebundene Marschroute bezüglich Festhaltung dieser oder jener Zeichen oder Darstellungsarten gegeben wird, wie dies in einer früheren Erklärung des GabelSberger'schen Bundesvorsitzenden geschehen ist. • • Orpheum Ensemble. Auch die gestrige Vorstellung des Ensembles in den „Bier Jahreszeiten" hatte sich, wie man uns mitteilt, wieder großen Besuches und reichen Beifalles zu erfreuen. Da dasselbe nur kurze Zeit hier ist, so versäumen wir nicht, Interessenten daraus nochmals hinzuweisen. * * Zoologisch-wissenschaftliche Ausstellung. Die Hamburger zoologisch-wissenschaftliche Ausstellung wird 4 Tage lang von SamStag ab auf Oswaldgarten zur Schau gestellt. Die Ausstellung hat in letzter Zeit die Städte Limburg, Koblenz, Wetzlar besucht, und die betr. Lokalblätter sprechen sich sehr lobend über die Sehenswürdigkeiten aus. In der Abteilung: Lebende Tiere sind u. a. Hyäne, indischer Schakal, fliegender Hund, Ichneumon, der seltene Löwenasfe, Nasenbär, Agutis, Stachelschwein, Waschbär, Moschusbeuteltier; ferner eine 27 Fuß lange Riesenschlange, 250 Pfund schwer. In der zweiten Abteilung findet man naturwissenschaftliche Präparate und Sammlungen, darunter einen Kugelfisch, einen Haifisch, fliegende Fische, eine Muschel- und Conchylien-Sammlung rc. Besonders seien die Schulen darauf aufmerksam gemacht. DaS weitere ist aus dem Inseratenteil ersichtlich. * • Kühle Zimmer. Wenn die Sonne es gar so gut I meint, wie in diesen Tagen, und die schwüle Luft die ! Temperatur noch härter empfinden läßt, dann dürste es I wohl zweckmäßig sein, an die Vorschriften zur Erhaltung eines kühlen Zimmers zu erinnern. Die erste Hauptsache, wenn morgens das Thermometer draußen höher steigt, als die Stubentemperatur, ist, die Fensterflügel schließen. Kommt dann die Sonne, so sind Rouleaux oder Jalousieen herab- zulasien, doch ja nicht bei geöffnetem Fenster, denn sonst kommt die Hitze doch in« Zimmer. Ist die Sonne fort, so bleiben die Fenster immer noch etwas geschlossen, bis draußen das Thermometer ein wenig gefallen ist. Daraus erfolgt die Oeffnung, und zwar, was die zweite Hauptsache, der oberen Fensterflügel. Ein Oeffnen der unteren Fensterflügel, wie eS der Bequemlichkeit wegen in der Regel geschieht, hat keinen besonderen Nutzen. Die warme Luft im I Zimmer ist besonders oben an der Decke. Diese Luft muß zuerst hinaus. Sie thut uns aber nicht den Gefallen, nach I unten zu kommen, sie will, wie eben alles heutzutage, oben hinaus, darum müssen die oberen Fensterflügel geöffnet I werden. Kann man dann für kurze Zeit Zugluft schaffen, so wird der Erfolg sicherlich nicht auf sich warten lassen. ß M-imLiudeu, 19. Juli. Die Philipp Weigel'schen (IX.) Eheleute gedenken nächsten Sonntag ihre golden - och zeit zu feiern. Beide sind noch sehr rüstig. - L. LaugGöns, 17. Juli. Herr Anton Boller und I Frau feierten vor einigen Tagen daS seltene Fest der go l- I denen Hochzeit. Butzbach, 18. Juli. Die Zu s amm enkun ft der evang. Arbeitervereine Gießen, Friedberg und Butzbach am Sonntag nahm einen überaus ve- friedigenven Verlauf. Vom Bahnhof auä führten wir unsere Gäste, etwa 200, auf der Taunusstraße nach dem Zipfenwalde, der an vielen Stellen einen H^Urch^n Aus- I blick auf die Stadt, die Wetterau, ihr '-Tintenfaß und I viele Dörfer bietet. Von da an erstiegen wrr trotz, der I Hitze den „Schrenzer" und besichtigten den 1899 wi^reic I errichteten römischen Holzturm, die Reste emes römischen I Steinturmes, den in seiner ursprünglichen Tiefe blos- I gelegten Pfahlgraben und den ,^LeidigshaiN unter : kürzerer Besprechung der einzelnen Punkte durch Pfarrer - | Loos- Butzback).. Gegen einviertel 5 Uhr gelangten wir Politische Tagesschau. Der letzte europäische Brief aus Peking, der in London vorliegt, ist ein langes Schreiben eines englischen I Dolmetschereleven vom 10. und 11. Juni. Es ist | mehr ein Stimmungsbild, als eine Reihe von Ereignissen, was diese« junge Blut seinen Angehörigen eingesandt hat. Der Briesschrciber ist ganz entzückt, daß er in so aufregender Zeit mit dabei sein kann. Er versichert ein über das andere Mal, um alles in der Welt möchte er bei der Geschichte nicht fehlen. Wir hören, wie Missionare ermordet worden sind, wie ganz in der Nähe von Peking ge- I mordet und gesengt wird, wie tags vorher erst auf der I europäischen Rennbahn die große Tribüne niedergebrannt, wie am 10. Juni nachmittags ein paar andere Eleven nur durch die Schnelligkeit ihrer Pferde dem Tode entrannen und einer genötigt war, sich eines Verfolgers mit dem Re- volver zu erwehren. Nebenbei wird erzählt, wie, nach An- I gäbe eines Mitgliedes des Tfungliyamen, am selben Nach- I mittag die Kaiserin in Hellem Zorn vom Sommerpalast in die Stadt gekommen sei und gegen die hochfahrende Art der Ausländer in letzter Zeit getobt habe. Die englische Gesandtschaft war gut bewaffnet und hatte Lebens- I mittel für acht Tage. Daß die Dinge einigermaßen bedenklich lagen, erkannten die jungen Leute daran, daß nicht nur I Missionare aus der Gesandtschaft Zuflucht gesucht, sondern daß auch Sir Robert Hart, das Haupt des Seezollamtes, I am selben Abend die Damen seiner Beamten dort in Sicher- I heit gebracht hatte. Gerüchte kamen von neuen Verstärkungen, I die im Anzug seien. Die Bahn war unterbrochen. Der Postdienst wurde zu Esel befördert und war schon damals I recht zweifelhaft. Die Chinesen hatten große Geschütze aus I demTschienmienthor ausgepflanzt, wild aussehendes fremdes | Kriegsvolk war in der Stadt zu sehen, kurz die Lage er- I schien drohend genug, aber die jungen Leute freuten sich | königlich über den ungeheuren Ulk und die Möglichkeit einer I kleinen Belagerung. Nur die Gegenwart der Übrigens recht I tapferen Frauen und der Kinder machte ihnen einige Be- I Hemmung. I Aus Stadt und Kand. Gießen, den 19. Juli 1900. Der Zweiten Kammer der Landstande ging 1) die Vorstellung des Sekretärs bei der Technischen Hochschule, Rechnungsrats K o ch zu Darmstadt, betreffend die Regn- lierung seiner Pensionsverhältnisse, zu, und 2) die Vor- | fiellung der Ortsvorstände von 13 rheinhessischen Gemeinden, betreffend die Errichtung eines Amtsgerichts zu I Sprendlingen. Militärisches. Mit Wahrnehmung einer offenen I Assistenzarztstelle wurde Dr. Stühlinger, einjährig-freiwilliger Arzt vom 1. Großh. Hess. Drag.-Regt. (Garde- I Drag.-Regt.) Nr. 23, beauftragt, unter gleichzeitiger Versetzung zum 1. Großh. Hess. Jns.-(Leibgarde-)Regiment Nr. 115 und Ernennung zum Unterarzt des Friedens- I standeS. ** Das Verordnungsblatt für die evangelische Kirche des GroßherzogtumS Hessen Nr. 13, ausgegeben am 13. Juli, I enthält: Ausschreiben deS Oberkonsistoriums an die evangelischen Pfarrämter (Nr. 15) vom 6. Juli: „Auf Anregung der Großherzogin hat sich der im Jahre 1896 I gegründete Viktoria-Melitta-Verein zur Errichtung von Genesungs- I Häusern für die fünf größeren Städte des Grohherzogtums zu I einem Landesverein mit dem Sitz in Darmstadt umgestaltet, unter gleichzeitiger Aenderung, bezw. Erweiterung seiner Aufgaben derart, daß I die Fürsorge für Lungenkranke in erster Linie den Vereinszweck I bilden soll. Er will 1. für Lungenkranke des Großherzogtums Hessen, I ohne Unterschied des Standes und des Bekenntnisses, Heilstätten, 2. all- I gemeine Genesungsheime erricht?» und unterhalten, 3. für hilfsbedürftige I Angehörige der in die Heilstätten und Genesungsheime aufgenommenen I Personen Fürsorge üben und 4. den aus den Anstalten des Vereins ent- I lassenen Personen zur Erlangung von Arbeit behilflich sei«. Zur Er- I reichung und Verwirklichung seiner Absichten bedarf der Verein der Mit- I Hilfe, namentlich in Bezug auf die unter 3. und 4. aufgeführten Be- I strebungen. Es wird beabsichtigt, Vertrauenspersonen-Bezirke einzurichten, wo vornehmlich auch auf Ihre Mithilfe gerechnet wird. Wir zweifeln nicht daran, daß Sie dem menschenfreundlichen und auch sozial bedeutsamen Unternehmen gerne Ihre Mitarbeit, wo sie begehrt wird, widmen werden, und empfehlen Ihnen daher, demselben alle mögliche Förderung angedeihen lassen, insbesondere das Ihnen etwa angetragene Amt eines | Vertrauensmannes, wenn irgend möglich, übernehmen zu wollen." Ausschreiben deS Oberkonsistoriums an die evangelischen Geistlichen (Nr. 16) vom 7. Juli: „Mit Inkrafttreten des neuen Gehaltsgesetzes werden die Ein- kommensverhältnifle der Geistlichen sich im allgemeinen wesentlich verbessern, so daß es nicht mehr gerechtfertigt erscheint, Zulagen in so großem Umfang und so hohen Beträgen wie bisher zu gewähren. Eigentliche Teuerungszulagen werden für die Zukunft nicht mehr gegeben werden, vielmehr werden sich die Zulagen grundsätzlich auf solche wegen Schwierigkeit des Dienstes beschränken. Bei den an Geistliche in den größeren Städten zu gewährenden Zulagen wird allerdings auch die durch diese Geistlichen zu leistende Repräsentation für die Festsetzung der Höhe mit bestimmend sein, so daß über solche Zulagen nach wie vor das erweiterte Oberkonsistorium entscheidet. Rach Beschluß dieser Behörde sollen derartige Zulagen künftig nur gewährt werden an die Geistlichen von Darmstadt mit Befsungen, Offenaus der „Wilhelmshöhe" an, wo die eigentliche Tagung stattfinden sollte. Die Eröffnung bildete ein Lied des, gemischten Chores des Gießener Vereins, das mit den noch folgenden, schön vorgetragenen und gut gewähltes Liedern viel Stimmung machte, was umsomehr anerkannt werden soll, als eine Musik für diese Zusammenkunft nach den beendeten Verhandlungen der Vereine nicht mehr zu haben gewesen war. Dem Eingangslied folgte die herzliche Begrüßung aller Erschienenen durch den 1. Vorsitzenden des Butzbacher Vereins, der im Anschluß daran ausführte, weshalb sich dieser Ort so gut für eine Zusammenkunft evang. Arbeitervereine eigne. Die Rede schloß mit einem Hoch auf Kaiser und Großherzog. Im weiteren Verlaufe wechselten mehrstimmige Gesänge des genannten Chors und einstimmige Lieder, die die ganze Versammlung, sang, mit weiteren Ansprachen. Pfarrer Dr. Grein auA Gießen redete von den Früchten, die er sich von dieser Zusammenkunft versprach, von den Aufgaben der evang. Arbeitervereine, die mit noch viel mehr Eifer aller einzelnen Mitglieder angepackt werden müßten, von den Stücken, in denen wir von den Sozialdemokraten lernen könnten, aber auch von der praktischen Arbeit, auf die die evang. Arbeitervereine bereits zurückblicken könnten. (Hilfskassen, Konsumwesen, Wohnungen.) Den evang. Arbeitervereinen galt sein Hoch — Fabrikant Bindewald- Friedberg lenkte die Blicke auf den stolzen Bau des deutschen Reiches, der so verschiedene Elemente und Parteien umfasse, dem gegenüber auch, die einzelnen Gruppen eine so verschiedene Stellung einnähmen, an dessen behaglicher Einrichtung wir auf dem Wege besonnenen Reform zum allgemeinen Nutzen weiter Mitarbeiten wollten. Die Ansprache des zweiten Vorsitzenden des Butzbacher Vereins, Herrn Flach, gab der Freude über den schönen Verlauf der Zusammenkunft Ausdruck, der recht geeignet gewesen sei, aufgetauchte Bedenken und Befürchtungen gegenüber unserer Vereinssache zu beseitigen, und schloß mit herzlichen Tankesworten an den gemischten Chor, sowie an alle Frauen und Jungfrauen. Die erwachsene Jugend erfreute sich inzwischen an mancherlei Spielen; auch zu einem kleinen Tänzchen wurde ihr verhalfen, weil sie so sehr fleißig gesungen hatte. (Butzb. Z.) n. Rieder-Florstadt, 18. Juli. Gestern ereigneten sich hier zwei Unglücks fälle, die aber beide glücklicherweise einen verhältnismäßig guten Ausgang nahmen. Vormittags nach 11 Uhr stürzte ein Schüler der Oberklaffe von plötzlichem Unwohlsein, wahrscheinlich einem Hitzschlag, betroffen aus der Straße hin. Hätte ihn nicht ein Mitschüler rasch zur Seite gerissen, so wäre ihm das Hinterrad eines beladenen Wagens im nächsten Augenblick über den Kopf gegangen, ohne daß dem Fuhrmann, der den Unfall nicht bemerkt hatte, irgend ein Vorwurf zu machen gewesen wäre. Am Nachmittag brachte man einen jungen Zimmergesellcn von der Arbeit heim. Er hatte sich beim Behauen eines Baumstammes mit dem Beil in den Fuß gehauen. Aerzt- liche Hilse war bald zur Stelle. -b. Vilbel, 17. Juli. In unserem Städtchen fand am Sonntag und Montag das 25jährige Stiftungsfest des Kriegervereins statt. Eine große Anzahl Kriegervereine aus der Nähe und Ferne waren erschienen. Die Veteranen von hier, die am Feldzug 1870—71 teilgenommen, ;atten Einladungen erhalten und nahmen auch am F^zug teil. Prächtig waren Ort und Festplatz mit Fahnen, Gmr- anden usw. dekoriert. Um 2 Uhr bewegte sich em ansehn- icher Festzug durch die Straßen der Stadt nach dem Fest- ilatz, der dicht an den Usern der Nidda liegt. Der Juxplatz bot vielerlei Vergnügungen. Dank der herrlichen, allerdings etwas heißen'Witterung nahm die ganze Feier einen schönen, würdigen Verlauf. . r- Bettenhausen, 18. Juli. Der Spinnstuben- unfug und die Zuchtlosigkeit unter der hlesigen, namentlich auch weiblichen Jugend hat hier erschreckende Grenzen erreicht. Auch aus der Umgegend kommen radau- lustige Burschen zum Besuche der hiesigen Spinnstuben. So trugen sich in der Nacht von Sonntag aus Montag, veranlaßt durch Burschen aus Bellersheim, hier große Straßenskandale zu. Das geradezu viehische Gebrüll brachte viele Leute aus den Betten. Alle Aufforderungen der Ortspolizei zur Ruhe hatten nur neues Gebrüll zur Folge. Da schon wegen einer hier kürzlich vorgekommenen Spinnstubenschlägerei Verhandlungen vor dem Amtsgerichte bevorstehen, so wäre zu wünschen, daß die Polizeiorgane einmal ihr besonderes Augenmerk daraus richten wurden, daß bei Zuteilung gesalzener Strasbesehle auch die weibliche, hauptsächlich schuldige Jugend nicht leer ausgmge. Denn wenn die Eltern unbegreiflicher Weise dulden, daß sich ihre Töchter bis nachts 2 Uhr und noch länger m und außerhalb des Dorfes hernmtreiben, dann hat eben der'Staa. im Interesse der Sittlichkeit solchem Treiben energisch Einhalt zu gebieten. , , , 88 Gedern, 18. Juli. Heute nachmittag erhängte sich die Ende der 40er Jahre stehende Ehesrau des im Frühjahr verstorbenen Glaser« und Schreiners Christen Ackermann in ihrer Küche mittelst eines Stranges. Sie hinterläßt 4 Kinder. Sie litt in letzter Zeit an Schwermu und soll sich öfters geäußert haben, sie könne Nicht mehr leben. Zufällig hinzugekommene Nachbarn schnitten den Strick durch, um die A. vielleicht noch retten zu können, jedoch zu spät. Nach Aussage des Arztes hatte sie ihr Vorhaben schon vor etwa 2 Stunden ausgeführt. 88 Greb-uhm», 17. Juli. Di- beinahe bv Jahre a Ehesrau des Landwirts Batthas-r H-rchenrüder fühl sich heute nachmittag beim H-umachen plötzlich» unwohl setzte sich, um etwas auszuruhen D,e Angehörigen suhr-« inzwischen -inen Wagen Heu nach Hause; als sie wi-d- kamen, sanden sie di- Frau tot vor. Em Hitzschlag hatte ihrem Leben ein Ende gemacht. . 9 § Bleichenbach, 17. Juli. Gegenwärtig schweben Verhandlungen zwischen der Gesellschaft des Elektrizität - Werkes bei Melbach in der Wetterau und vielen Ge« meinden des Kreises Büdingen zum Anschluß an die Leitung- Bei den Ortseinwohnern wurden Formulare abgegeben, aus denen die Bedingungen ersichtlich sind, unter denen der SNw I .‘iNta >e??en- mit m Weiteren y 9enannteit Sammlung ’ ?on btefen 1 »« tttn« » «Iler ein, L »«»beit Wen lernen «. auf die aen konnten. P eöang. Ar- '"dewald- 'n Bau des te und Pnr- tzrnppeu m W\ v-. e desonneney Mitarbeiten 'den des Butz- über den mt. der recht und Hefürcht- eseitigen, und mWen Chor, 'ie erwachsene ?rlei Spielen; erholfen, weil (Nb. Z.) ereWeten sich Michnweise i. Dvmittagr lasse von plötz- chlag, betroffen WtftyHet rasch wad eines be- : den Kops ge- a Unfall nicht i gewesen wäre ZimmM? Deinen ejautn. iM- itchen sand am der In# Krieger- frschienen. Die 1 /genommen, d) am zchnen, A'v $ ein ansehn- nach dem Fest- egt. Der Jup der herrlichem die ganze Feier lpinniiud^ 'der Mn« itr *t* tOBlW» * tB Spin«?««“ ef OJlontag,«» , hier Miste ®tk« Aussordmmgem M toW* >« P°li!«i°rS°« #> "X S** St» ltg enetflif* ®* tillall l.» jm Eheftau « einer« -SttEuB le« *' >fiebl enrüd^ ' -i( «SÄ uitb"' , ■ tat« flbp e$“>6 B 1,0 h;e >>>.;«< Anschluß erfolgen kann. Die Anlage wird von den meisten Bürgern mit Freuden begrüßt. Q Hain Grundau, 17. Juli. Unweit unseres Dorfes läßt eine Frankfurter Firma eine Zement-, Falzziegelund Blendstein-Fabrik errichten. Gegenwärtig werden die PlanierungSarbeiten vorgenommen. Nach der Station Mittel-Gründau soll ein eigener Schienenstrang gelegt werden. Die Fabrik wird in einem Jahre eröffnet; etwa 1200 Arbeiter sollen in ihr beschäftigt werden. Ober-Rosbach, 18. Juli. Die in früheren Jahren in schwunghaftem Betrieb gewesenen von Köppenschen Manganerzgruben bei Ober-Rosbach sind von zwei .Herren nunmehr käuflich erworben worden. Seit einiger Zeit haben diese verschiedene Versuchsarbeiten vornehmen lassen, wodurch das Manganerzlager in vorzüglicher Qualität neu erschlossen worden ist. Auf Grund dieser Aufschlüsse sind bereits verschiedene Schächte niedergebracht, worunter ein Maschinenschacht, in dem in letzter Zeit das Manganerzlager fest, geschlossen angetroffen wurde, dessen Mächtigkeit bis heute noch nicht festgesteNt ist. Die z. Z. gewonnenen Erze werden täglich auf der Bahnstation Fried- verg verladen. Darmstadt, 17. Juli. Innerhalb eines Jahres ist in unserm Großherzogtum zum zweitenmale der Fall zu verzeichnen, daß die zur Besetzung ausgeschriebene O Kerle h r e r st e l l e an einer Volksschule u n u m w o r b e n geblieben ist. Der Stadtvorstand von Alzey hat jedoch mit klarem Blick den Stein des Anstoßes erkannt und nach dem Vorbilde Neu-Isenburgs nicht nur die Dienstzulage des Oberlehrers von 600 auf 800 Mk. erhöht, sondern auch das Anfangsgehalt auf 1800 Mk. festgesetzt. Mit dieser Gehaltsordnung ist Alzey unter allen hessischen Städten, Offenbach ausgenommen, an die erste Stelle gerückt. Offenbach zahlt den Höchstgehalt eines Lehrers und eine Vergütung von 600 Mk. -nt- Griesheim, 18. Juli. Heute nachmittag erschoß sich auf dem Lagerplatz ein Husar von dem Regiment Nr. 13. Was den jungen Mann, den Sohn einer achtbaren Familie aus Frankfurt, zum Selbstmord getrieben hat, ist bis jetzt nicht bekannt. Mainz, 17. Juli. Bei den am Samstag stattgeh chten Uebungen der Pioniere in der Nähe von Biebrich stieß ein Floß, das rheinabwärts durch die von den Pionieren fertiggestellte Pontonbrücke fahren wollte, gegen diese Brücke an, worauf sich das Floß vollständig gegen die Brücke legte. Durch diesen Zusammenstoß fiel eine große Anzahl Brücken- baumaterial in den Rhein, welches von den Pionieren wieder aufgefischt werden mußte, wobei eine größere Anzahl Pioniere in das Wasser stürzte. Die Brücke mußte nun teilweise abgebrochen werden, um das dagegenliegende Floß durchlassen zu können. — In der Nacht vom 14. zum 15. Februar wurde bekanntlich der Glaser Hapel, als er nach Hause gehen wollte, auf dem Bahnhofsplatz von einem Unbekannten ohne jede Veranlassung überfallen und mittelst eines Messers derart verletzt, daß der Unglückliche infolge der erhaltenen Verletzung im Hospital verstorben ist. Eine lange nach dem Vorfall ausgesetzte Belohnung zur Ermittelung des Thäters hatte keinen Erfolg, und so hat nunmehr die Staatsanwaltschaft die Belohnung zur Ermittlung des unbekannten Thäters auf 500 Mk. erhöht. -äs- Mainz. 17. Juli. Die Gutenbergausstel- lung im kurfürstlichen Schlosse ist jetzt bereits über drei Wochen geöffnet und hat an Anziehung durchaus noch nicht verloren. Der außerordentliche Zuspruch aus allen Kreisen und aus weiter Ferne ist durch das in der Ausstellung Gebotene erklärlich. Bietet diese doch eine Uebersicht sowohl über die Entwickelung der Druckkunft als über die Leistungen der graphischen Künste sowie des gesamten Buchgewerbes in so reichhaltiger und hervorragender Weise, wie dies nur durch das Zusammentreffen besonders glücklicher Umstände bei der Gutenbergfeier ermöglicht werden konnte. Diese einzig in ihrer Art dastehende Ausstellung wird nur noch bis nächsten Sonntag den 22. Juli einschließlich daueru. Sie ist täglich von 10 bis 6 Uhr bei freiem Eintritt geöffnet. Mainz, 18. Juli. Nach einer soeben erlassenen Verordnung der hessischen Steuerbehörden müssen in Heffen im Gegensatz zu den anderen Bundesstaaten die Angehörigen des Heeres und der Heeresverwaltung, die Fahrräder in Privatbesitz haben, auch die bestehende Steuer entrichten. Auf Ersuchen des hiesigen Kreisamtes ist dies den betreffenden Militärs letzter Tage durch das Gouvernement mitgeteilt worden. Für sämtliche, nicht ausschließlich dem Dienste dienende Fahrräder müffen die An- gehörigen des MilitärftandeS eine Steuer von 5 Mk. bezahlen, und zwar muß die Steuer an die l Kreiskasse entrichtet werden. Wie verlautet, will man militärischerseits Schritte thun, daß diese ausschließlich hessische Fahrradsteuer für die militärischen Kreise wieder abgeschafft wird. (DaS wäre eine Bevorzugung des Militärs vor dem Zivil, die der Berechtigung entbehrt. Entweder verbleibt die Steuer auf Fahrräder in Privatbesitz von Zivil und Militär oder man läßt sie überhaupt fallen. Ein drittes kann es u. E. Überhaupt nicht geben.) Bom Rhein, 18. Juli. Der Fremden- und Reiseverkehr am Rhein wird in diesem Jahr durch die Pariser Weltausstellung sehr ungünstig beeinflußt. Mit Ausnahme von Köln, das von Norddeutschland vielfach als Ausgangspunkt zur Reise nach Paris benutzt wird, ist der Verkehr im Vergleich zu früheren Jahren ein ganz geringer, und es klagen insbesondere die Besitzer der kleineren und Mittelhotels, welchen ihre üblichen Gäste aus Nord- und Süddeutschland «ast ganz fehlen. In den größeren Hotels an den Hauptvlätzen des Rheins ist der Verkehr insofern etwas belebter, als dieselben meistens mit den großen englischen unb amerikanischen Reisegesellschaften Vereinbarungen getroffen haben, die ihnen eine gewisse Anzahl Fremden sichern, die in diesem Jahr weniger aus Engländern als aus Amerikanern besteht. Erfahrungsgemäß ist der Verdienst !bei solchen Gesellschaftsreisen für die Hoteliers ein weit geringerer als bei Einzelreisenden. Im Spätjahr, wenn sich die Pariser Ausstellung zum Ende neigt, hofft man durch die von Frankreich zurückkommendm Fremden noch etwas Ersatz für den gegenwärtigen Ausfall zu bekommen. Wetzlar, 17. Juli. Als einen Nachklang zu der großen Festsymphonie des vorigen Jahres, wo ganz Deutschland seinen Goethe feierte, dürfen wir es auffassen, daß der Jahrestag der Ankunft Goethe's in Wetzlar (etwa 20. Mai 1872) in unserem Nachbarorte Garbenheim, wo Goethe „für gewöhnlich seine Niederlage hatte-, durch Anbringung eines neuen Erinnerungszeichens gefeiert wurde. In dem Saale der Wirtschaft von Friedrich Henopp, des Nachfolgers der Frau, die „Wein, Bier, Kaffee schenkt", und unter deren Linden Goethe manche Stunde verlas und verträumte, ist von einem Goetheverehrer sein Bild nach May (1776) in der Werthertracht, blauer Frack und gelbe Weste, angebracht worden, und darunter folgende Verse, die Goethe's Sommerleben in Garbenheim-Wahlheim kurz zu- sammensassen: Goethe in Garbenheim 1 7 72. Noch webt um diese Wipsel sacht An ihn ein Rückgedenken, Der in des Volkstums tiefen Schacht Hier lernte sich versenken. Ec trug sein übervolles Herz Hierher so manchen Morgen, Ec mischte sich m Emen Schmerz Und teilte Eure Sorgen. Dies Heim erkor sich seine Wahl, Sein Herz fand hier Erquickung, Genas von starrer Formen Qual Und leidensvoller Schickung. Sein Malerauge hat bei Euch Manch frisches Bild gewonnen, Wenn er der Stadt beschränktem Reich Aufatmend war entronnen. Und wenn datz ländliche Gericht Er sich anS Feuer rückte, Ward Leben ihm HomerS Gedicht, Das täglich ihn entzückte. So leb' er fort in treuem Sinn, Nie dürft ihr ihn vergessen, Ihn, den zu dauerndem Gewinn Ihr sommerlang besessen. ** Kleine Mitteilungen aus Heffen und den Nachbarstaaten. Kaufmann Georg Schmidt, Inhaber der in Darmstadt bestehenden Firma Emil Vierheller (nicht zu verwechseln mit der Firma Gebr. Vierheller), hat sich erschossen. — Dem Schäfer Konrad Schütz in Ehringshausen ist in Anerkennung der der dortigen Schäfereigesellschaft 50 Jahre lang geleisteten treuen Dienste das Allgemeine Ehrenzeichen verliehen worden. — In Treisbach wollte ein junger Bursche mit seinem mit zwei Kühen bespannten Wagen aus der Lehmgrube Lehm abfahren. Als er in die Grube ein- suhr, stürzte Plötzlich mit donnerndem Getöse eine hohe Erdwand auf das Gefährt und verschüttete es vollständig. Der junge Bursche, der bis an die Brust von Erde bedeckt war, wurde schwerverletzt herauSgezogen. Die eine Kuh war sofort tot und die andere mußte getötet werden. Der Wagen ist auch total demoliert. Zum Schicksal Andrees. Nack) längerer Pause kommt wieder einmal ein Zeichen von Andree: Die Schwimmboje Nr. 3, an der Südküste von Island aufgefischt und mit der Jahreszahl 1896, dem Jahr, in dem ursprünglich die Auffahrt stattfinden sollte, versehen. Aber sie bildet ein ebenso schlimmes Zeichen wie die im September 1899 beim König-Karl-Land gefundene Pollarboje, denn es fehlt der Deckel, und in der Röhre war keine Nachricht, so daß nun wohl endgiltig angenommen werden muß, daß der Ballon ins Meer gefallen i st. Das Dunkel, das über der Andreeschen Expedition weilt, wird auch durch diesen Fund nicht gelüstet, doch dieser bildet nach; der „Voss. Ztg." von neuem eine Bestätigung für die Annahme, daß sich die Katastrophe in der Gegend bei oder hinter Franz- Josef-Land abgespielt haben muß, von wo aus dann, die drei bis jetzt gefundenen Schwimmbojen mit der Strömung in westlicher Richtung getrieben wurden. In diesem Monat sind es drei Jahre her, daß Andree abfuhr, und es ist nun natürlich nicht mehr darauf zu rechnen, daß die Lustschiffer noch leben. Schon eine Schiffsexpedition, die drei Jahre wegbleibt, ohne etwas von sich hören zu lassen, giebt Anlaß zu Bedenken, um wieviel mehr eine Ballonexpedition, deren Luftfahrt selbst nur von kurzer Dauer sein konnte und der alle Hilfsmittel fehlen, um Ueberwinterungen mit Ruhe entgegensehen zu können. Das Geschick, das Andree und seine Begleiter betroffen hat, ist um so trauriger, als ihm nicht der Vorwurf erspart werden kann, beim Ballon nick)t die nötige Vorsicht angewandt zu haben. Im großen und ganzen hatte Andree sein Unttzxnehmen mit außerordentlicher Umsicht ins Werk gesetzt, und schon fyie Füllung und. Aufbewahrung eines so riesigen Ballons im stürmischen arktischen Gebiet war eine bedeutende Leistung. Selbst Fachleute hatten keine Idee, wie Andree mit den vorhandenen Geldmitteln einen sichern Aufbewahrungsort für den Ballon schaffen wollte, und dock) wurde dies schwierige Problem mit Herstellung der zerlegbaren, hölzernen Ballonhalle leicht gelöst. Verwun- derlich war der Entschluß Andrees, nachdem sich bei dem Aufenthalt auf Spitzbergen im Jahre 1896, wo wegen Ausbleiben günstigen Windes die Abfahrt verschoben werden mußte, ein außerordentlicher Gasverlust zeigte, nicht einen neuen und bedeutend größeren Ballon zu bauen, obwohl ihm die Mittel dazu angeboten wurden. Er begnügte sich damit, einen Streifen einsetzen zu lassen, wodurch der 4800 Kubikmeter betragende Umfang um 300 Kubikmeter vermehrt wurde, was jedoch belanglos war. Hierzu kam gleich bei der Abfahrt der Verlust eines Teils der Schlepptaue. Da sich die Schwebefähigkeit des Ballons als ungenügend erwies, war gleich von vornherein das Gelingen der Polarfahrt sehr in Frage gestellt. Der Ballon mußte sicherheitshalber im stände sein, sich weit längere Zeit, als die eigentliche Fahrt dauern konnte, in der Luft zu halten. Wie weit es in dieser Beziehung die Ballontechnik bringen kann, darüber wird möglicherweise die wissenschaftliche Dauerfahrt Aufschluß geben, die in einiger Zeit von einem Nachbarort Berlin s aus unter Leitung des Meteorologen B e r s o n von statten gehen wird. Das Unternehmen, das durch die Bemühungen des Herrn Zekeli in Potsdam zu stände gekommen ist, sollte schon am 15. Juli vom Sportpark Friedenau aus beginnen, aber gegenwärtig ist noch nicht einmal der Ballon fertig. Dieser wird etwa doppelt so groß sein, wie der Andree'sck>e Ballon, dock) wird man einen Maßstab für die Beurteilung der Andreeschen Fahrt dabei kaum gewinnen können, da Andree mit Hilfe seiner den Boden berührenden Schlepp- taue stets in gewisser Höhe Mer den Erdboden bleiben wollte, was eine bedeutende Reibung üud gleichzeitig eine große Verringerung der Fahrgeschwindigkeit im Gefolge hatte. Eine solche Verwendung der Schlepptaue kann in unseren Gegenden natürlich nicht in Frage kommen, doch soll bei der deutschen Dauerfahrt versucht werden, der Temperaturveränderung des Gases durch eine teilweise dreifache Hülle und Ventilation vorzubeugen. Damit hofft man dann, den Ballon einen Monat hindurch in der Luft halten zu können, und es bleibt nun abzuwartett, wie sich das Ergebnis in Wirklichkeit gestaltet. Jedenfalls deutet aber auch dieser bevorstehende Versuch einer Dauerfahrt größeren Umfangs darauf hin, daß man mit der Möglichkeit rechnet, dem Ballon größere Aufgaben zuzuweisen. Ist Andree einje solche Aufgabe auch nicht geglückt, so wird seine Fahrt doch in mancher Hinsicht anregend wirken, wofür schon die in Aussicht stehende Dauerfahrt einen Beweis liefert. Universität und Aschschule. — Aus Heidelberg wird geschrieben: Unser großer Anatom, Geheimrat Prof. Dr. Gegenbaur wird demnächst in den Ruhestand treten. Gegenbaur ist 72 Jahre alt und im letzten Jahre viel krank gewesen. — Der Physiker Prof. Ludwig Boltzmann in Wien hat der Berufung an die Leipziger Hochschule Folge geleistet und wird bereits in den nächsten Tagen dorthin übersiedeln. — In Heidelberg verstarb am 17. d. M. im 80. Lebensjahre Jakob Erhardt, der seit 1846 bis 1896 langjähriger Vorstand einer sehr beliebten Privatlehr, anstatt daselbst gewesen. — Aus Erfurt teilt man unterm 17. d. M. mit: Heute ist der Stadtarchivar Prof. Dr. Karl Beyer, ein bekannter Altertumsforscher, im 52. Lebensjahre gestorben. — Zum Direktor der Technischen Hochschule in München wurde für die nächsten 3 Jahre der Profeffor der Mathematik und Mitglied der Akademie der Wissenschaften, Walther Dyk,.ernannt. Kunst und Wissenschaft. Zur Erfindung der Buchdruckerknnst. ES kommt uns zufällig eine aus dem Jahre 1895 stammende Nummer deö ,L>ann. Cour." in die Hände, in der wir folgendes lesen: „Armer Gutenberg, mit Deinem Ruhm alS Erfinder der Buchdruckerkunst wird cs nun bald vorbei sein! Der „Foaia Diecesana" zufolge, dem offiziellen Organ des rumänischen BtStumS von Karansebes, soll eS rem Architekten und Altertumsforscher Adrian Diaconu gelungen sein, in den Ruinen der ehemaligen römischen Kolonie „Berfovta" bei Bogsan, unweit Temesvar, Beweise dafür vorzufinden, daß die Romer, speziell Angehörige der IV. Legion Flavia Felix, schon im II. Jahrhundert n. Chr. die Typographie mit verstellbaren Lettern kannten und im Castrum stativum von Bersovia auSübten. Auch soll, so heißt es wörtlich weiter im „H. C.", „nach der Behauptung dieses Herrn, auS einer Stelle imC'cero (aus welcher?) ganz klar hervor- gehen, daß die Römer thatfächttch das Drucken mit einzelnen Typen kannten. Schließlich soll diese Entdeckung bereits durch zwei Mitglieder der Bukarester Akademie der Wissenschaften geprüft und für richtig befunden worden sein! (ES ist wohl mit ziemlicher Sicherheit anzunehmen, daß diese Meldung deS rumänischen Blattes zur Kategorie der sogenannten „Sauregurken-Blüten" Soweit das genannte hannoversche Blatt. Wir können unsere Verwunderung nicht unterdrücken, daß der Redaktion des „Hann- Cour." Ciceros rhetorische Schriften unbekannt zu sein scheinen. In einer dieser Schriften, wenn wir nicht irren in „De oratore“, fpricht Cicero ahnungsvoll die ganze Theorie der Lettern aus, indem er vom Redner sagt, daß er, im Besitze aller Regeln, doch ebenso wenig schon die ganze Redekunst innehabe, wie jemand den Homer besitzen würde, wenn er sämtliche Buchstaben, die in Homers Dichtungen vorkommen, etwa von Metall angefertigt, in einem Haufen vor sich liegen hätte. Bücher zu drucken verstand man bekanntlich schon lange vor Gutenberg: man schnitt eine ganze Seite in Holz. Bekannt ist auch, daß jeder vornehme Römer einen Siegelring trug, mit dem er nicht nur Bilder, sondern auch Schriftzüge in Siegelwachs druckte, wie eS die Aegypter schon anderthalb Jahrtausende früher gethan hatten. Ja, die römischen Kaiser besaßen Stempel, mit denen sie ihre Namen unter Dekrete druckten, -o. Handel rmd Verkehr. Volkswirtschaft. Frankfurter Börse vorn 18. Juli. Wechsel auf New-York zu 0.00-00. Prämien auf Kredit per ult. Juli 1.35%, do. per ult Aug, 2.75%, Diskonto-Kommandit per ult. Juli 1.85%, do. per ult. Aug. 2.85%, Lombarden per ult Juli 0.55%, do. per ult. Aug. 1.00%. Deutsche Bank per ult. Juli 0.00 %. Notierungen: Kreditaktien 208-207 70-80-0, Diskonte- Kommandit 175.70-40-60.00, Staatsbahn 140.30-000, Lombarden 25.50 Italiener 92.90, Spanier 72.40-00, Bproz Mexikaner 25.40, Bochumer 194.80-000 bz., Laura 211.30-212.00 bz,, Harpener 187-000 00 bz., Gelsenkirchen 191.50-80.000 bz., Ungar. Goldrente 00.00, Oesterr« Coupons 00.00, Amerik. Coupon« 0 00, Privat-Diskont 4% G. 1% bis 2% Uhr: Kreditaktien 207.80-206-60 bz., Diskonto- Kommandit 175.60-174.50-60 bz., Staatsbahn 140 30 bz., Lombarden OO.OO’bz., Bochumer 000-00 bz.. Berliner Handelsges. 148.50-148 bz., Spanier gestern 72-72.20 bz , Htrpener 186.20-185.50 bz. Märkte. Gießen, 19. Juli. (Amtlicher Marktbericht.) Bei dem am 17. und 18. Juli fiattgehabten Markt waren aufgetrieben 1353 Stück Rindvieh, 547 Schweine. Der nächste Markt findet statt am 7. und 8. August, am letzteren Tage auch Krämermarkt. Limburg a. b. Lahn, 18. Juli. Fruchtmarkt. Durchschnittspreis pro Malter Roter Weizen 14.09 Mk-, Weißer Weizen —Mk., Korn 12.00 Mk., Gerste 9.40 Mk., Hafer 7.49 Mk., Erbsm —Mk., Kartoffeln —Mk. Markus Bauer Spezial'Gefchäft in feiner Herren-Garderobe. Anfertigung nach Maß in eigener werkftätte. Gießen, Airchenplatz y. 187 A e* AyUa a!» (Hessen) zw. Darmstadt u. Heidelberg, MÄUU Hotel u. Pension ,,zur Krone*1, Sommerfrische. Pensionsprospekt u. Führ. grat. Bes,; G. 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