Erkes Blatt. Freitag de« 19. Oktober 15V. Jahrgang 1900 Alle Anzeigen-Vermittlungsstellen deS In- und Auslandes nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger entgegen, Zeilenpreis: lokal 12 Pfg., auswärts 20 Pfg. Annahme von Anzeigen zu der nachmittags für den balgenden Lag erscheinenden Nummer bis vorm. 10 Uhr. Abbestellungen spätestens abends vorher. Bezugspreis vierteljährl. Mk. 9,20 monatlich 75 Pfg. mit Bringerlohnx durch die Abholestelle» vierteljährl. Mk. 1,90 monatlich 65 Pfg. Bei Postbezug Mk. 2,40 vierkeljährt. mit Bestellgeld. Gießener Anzeiger General-Anzeiger We. 215 Kflcheiut täglich mit Ausnahme deS Montags. Die Gießener AamtklenStätter werden dem Anzeiger im Wechsel mit „Hess. Landwirt- u. „Blätter für Hess. Volkskunde- »Schtl. 4 mal beigelegt. Amts- und Zlnzeigeblatt fSr den Kni» Gieren. Redaktion, Expedition und Druckerei: Kchutstraße Kr. 7. Gratisbeilagen: Gießener Familienblätter, Der hessische Landwirt, Dlätter Mr hessische UalKsKnnde. __________ Adresse für Depeschen: Anzeiger Hieße«. Fernsprecher Nr. 51. Amtlicher Heil. Bekanntmachung. ES wird hiermit zur allgemeinen Kenntnis gebracht, daß die unterfertigte Behörde von Donnerstag dem 18. l.MtS. ab aus Grünbergerstraße 5 in das frühere Rentamts« gebärrde — Senkenbergstraße 7 — verlegt wird, und daß daselbst infolge dieser Veränderung der nächste Zahltag erst wieder Samstag den 20, L Mts. abgehalten werden kann. Gießen, deu 16. Oktober 1900. Großh. DistriktS' Einnehmerei Gießen I. Hansult. Bekanntmachung. Betr.: Großh. Obstbau- und landwirtschastl. Winterschule zu Friedberg. DaS Wintersemester der landwirtschastl. Abteilung beginnt Montag den 5. November, vormittags 9 Uhr, und endigt Mitte März. Anmeldungen sind schriftlich oder mündlich an unter, fertigte Direktion zu richten, von welcher auch Programme, sowie WohnungSauSweise und Schülerfahrscheine zu erhalten find. Letztere wolle man beizeiten einreichen, damit fie Mindestens 8 Tage vor Schulanfang den Bahnämtern der betreffenden Stationen eingehändigt werden können, andernfalls Verzögerung des Giltigkeitstermins zu erwarten ist. Friedberg, den 1. Oktober 1900. Großherzogliche Direktion der Obstbau- und landwirtschaftlichen Winterschule. Dr. von Peter. Das neue englische Parlament. Die Wahlen für das englische Unterhaus sind nunmehr beendet, und ihr Gesamtergebnis läßt einen sicheren Schluß aus die im Lande herrschende Strömung zu. Die Regierung kann mit dem Erfolge, den ihr die Wahlen gebracht, vollauf zufrieden sein; denn nicht nur, daß ihre Mehrheit in das neue Haus in der bisherigen Stärke zurückkehrt, sie hat auch ein" Anwachsen der unionistischen Stimmen bei den Wahlen zu verzeichnen. Auch darf sich die Regierung rühmen, daß sie im Grunde genommen volkstümlicher ist, als ihre liberalen Gegner, denn fast alle großen Zentren des Reiches mit starker Arbeiterbevölkerung haben konservativ, pder. richtiger, imperialistisch gewählt. Die Liberalen, deren Hoffnungen auf die Wahlen enttäuscht worden sind, dürfen sich vielleicht mit der Erwägung trösten,, daß sie jetzt die Konservativen im guten Sinne des Wortes sind; sie wollen das Reich vor einer „umstürzlerischen" Politik bewahren, deren Folgen unübersehbar sind. Daß sie trotzdem einen Mißerfolg zu verzeichnen haben, wird man bei den gegebenen Verhältnissen nicht verwunderlich finden. Es ist wahr, die Liberalen sind sehr zuversichtlich in den Wahlkampf getreten, und man kann ihnen nicht vorwerfen, daß sie etwa mit den Kampfesrnitteln rückhaltend umgegangen wären. Sie haben sich gewiß die größte Mühe gegeben, zu siegen, was ihre Niederlage für sie um so empfindlicher machen muß. Die Whigs haben ihre bedeutendsten Führer ins Treffen geschickt; diese haben in allen Wahlreden die konservative Politik sehr heftig angegriffen und den Imperialismus mit den düstersten Farben gemalt. Sie wiesen auf die unabweisbare Konsequenz der Eroberungspolitik hin und stellten das Schreckgespenst der allgemeinen Wehrpflicht vor Augen. Auch vergaßen sie nicht dabei, den Kolonialminister Chamberlain selbst persönlich aufs schärfste zu fassen; sie bezeichneten sein Vorgehen in Südafrika als von selbstsüchtigen Motiven beeinflußt. Größeren Vorrat an 2lngrisfsmitteln haben die Liberalen gewiß nicht besessen, und wenn alles das nichts genutzt hat, darf man wohl, bei der absoluten Freiheit und Unabhängigkeit der englischen Wahlen, sageü, daß die Nation in ihrer Mehrheit sich für Mr. Chamberlain und seine Politik und gegen seine Feinde entschieden hat. Tie erste Erkluküng für diese Erscheinung wird wohl sein, daß der imperialistische Gedanke Verbreitung in allen Schichten der Bevölkerung gefunden hat. In der That konnte jeder aufmerksame Beobachter seit Jahr und Tag sehen, daß die öffentliche Meinung den kriegerischen Bestrebungen der Regierung zum großen Teil günstig ist. Als die Liberalen vor einigen Wochen siegesfroh auftraten und mit verblüffender Sicherheit die bevorstehende Niederlage der Regierung voraussagten, konnte man nur für kurze Zeit an dem in Großbritannien herrschenden Geist irre werden. Aber schon die ersten Wahlergebnisse zeigten deutlich, daß von dem gehofften großen Meinungsumschwung in England auch nicht im Entferntesten die Rede sein konnte. Es mag ja sein, daß die Liberalen auch unter mangelhafter Leitung zu leiden hatten. Mer andererseits wird man doch zugestehen müssen, daß die liberalen Führer, soweit es an ihnen lag, ihre Schuldigkeit gethan, und was sie nicht qualitativ, doch wenigstens quantitativ geleistet haben; außerdem war auch auf ber anderen Seite keine Persönlichkeit von außergewöhnlicher Bedeutung zu sehen. Es entschied eben wesentlich das Programm der äußeren Politik auf beiden Seiten und von ihnen hat das der Konservativen die größere Werbekraft gezeigt. Man könnte jedoch der Ansicht sein, daß nicht so sehr der Imperialismus den Sieg der Unionisten entschieden hat, wie die Zerfahrenheit und die Regierungsunfähigkeid auf der anderen Seite. Es ist nicht ganz unwahrscheinlich, daß viele Wähler nicht wegen, sondern trotz des Imperialismus den unionistischen Kandidaten ihre Stimme gegeben haben. Die dauernde Ohnmacht der liberalen Partei hat einer ihrer Heroen verschuldet, nämlich William Gladstone, seitdem er die irische Homerule-Politik in ihr Programm ausgenommen hatte. Dadurch ist in erster Reihe die Spaltung der Whigs eingetreten, außerdem wurde diese Partei von den „reichsfeindlichen" Iren allzu abhängig. Die antiunionistischen Whigs könnten für sich allein wohl kaum eine Regierungsmehrheit bilden, sie tpären im günstigsten Falle auf die Unterstützung der irischen Nationalisten angewiesen. Ein solcher Zustand schien auch einem großen Teil der liberalen Wähler als nicht sehr ersprießlich, und so dürften sie sich vielleicht entschlossen haben, es bei dem bisherigen System zu belassen, zumal sie doch vor einer unabänderlichen Thatsache stehen, da der südafrikanische Feldzug als beendet zu betrachten ist. Mag auch so manches vorgekommen sein, was der englischen Waffenführung nicht zum Ruhme gereicht; für dergleichen zeigen die großen Wählermassen kaum Verständnis. Der schließlich in die Augen springende Erfolg sühnte mit jenen Mängeln. Daß die Regierung wahrscheinlich noch, lange Zeit in Südafrika mit der Herstellung der Ruche- beschäftigt sein wird, dünkt Vielen nicht so schlimm, als die eventuelle Aufrollung der irischen Frage, neben ber ja außerdem Südafrika mit seinen Schwierigkeiten bestehen bliebe. Wie übrigens der Sieg der Ministeriellen auch zu erklären ist, jedenfalls ist Mr. Chamberlain nicht der Mann, der darüber viel nachgrübeln wird. Die Situation hat sich nun einmal günstig für ihn gestaltet, und natürlich wird er sich bestrebt zeigen, sie gehörig auszunutzen. Das Kabinett wird eine kleine Umgestaltung erfahren; Joseph Chamberlain soll sogar in der nächsten Zeit die Leitung des Kolonialamtes an einen anderen Kollegen abgeben. Aber unter allen Umständen wird fein Einfluß in der Regierung der gleiche bleiben, und mit ber ihm eigenen Energie wird er, nach dem Siege erst recht, Idem Ziele zustreben, das er sich von Anbeginn gestellt hat. Chamberlain hat zweifellos die imperialistischen Pläne, die einst Lord Beaconsfield vorgeschwebt haben. Kaiser Kriedrichs Todestag. Gießen, 18. Oktober 1900. Am 9. März 1888 erschien Bismarck vor dem Reichstage mit der Botschaft, „daß Kaiser Wilhelm I. vormittags halb 9 Uhr zu seinen Vätern entschlafen", und daß infolgedessen „die preußische Krone und damit nach Artikel 11 der Reichsverfassung die deutsche Kaiserwürde auf Se. Majestät Friedrich III., König von Preußen", übergegangen *et- Kaiser Friedrich war damals bekanntlich hoffnungslos trank, eine Krebsgeschwulst überwucherte seine Atmungs- organe, und unglückliche Umstände ließen ihn die Operation versäumen Mid die Behandlung einem schlechten Arzte anvertrauen. So verfiel der Kraftstrotzende einer Krank- hert, die ihm nur gestattete, dem deutschen Volke durch den Heldenmut ein Beispiel zu geben, mit dem er dies fürchterliche Leiden trug. , Vom 30. bis zum 57 Jahre hatte er als Kronprinz dem Throne nahe gestanden, bisweilen zu den Staats- gefchäften hinzugezogen, meist aber ferngehalten und nur in den großen Kriegen 1866 und 1870 zu einer bedeutenden Thätigkeit berufen, nachher noch vereinzelt in der Stellung eines Inspekteurs der süddeutschen Truppen, des Vorsitzenden des Staatsrats und als Stellvertreter des kaiserlichen Vaters nachNobilings thörichtem Attentat. Oftmals hat er sich bitter darüber geäußert, daß man ihn geflissentlich beiseite schiebe. Infolge der im Jahre 1862 von der Opposition im Abgeordetenhause abgelehnten Militärvorlage und der Hilflosigkeit seines Gefamtministeriums dachte der damals 65 Jahre alte König Wilhelm vorübergehend daran, die Krone niederzulegen. Damals schon unterhielt ber Kronprinz Beziehungen zu pen Liberalen, namentlich zu dem späteren Berliner Oberbürgermeister v. Forckenbeck, dem er größtes Vertrauen entgegenbrachte, wenn diese Beziehungen auch -noch nicht so eng waren, wie ein Jahr später. '*!4tt°er bildete die Vermittelung, und dazu kamen ?och /mbere Verbindungen. Es war also anzunehmen, I oaß, wenn der König feinen Plan ausgeführt und die Krone I in Die Hande feines Sohnes gelegt hätte, das Militär- I Ministerium Roon entlassen worden und die Versöhnung der Liberalen mit der Regierung eingetreten wäre. Aber selbst liberale Abgeordnete beschworen den Kronprinzen, dahin zu wirken, daß der König seinen Plan fallen lasse. Und Pas geschah auch; der König aber berief Bismarck ins Ministerium. Laute Opposition gegen die Regierung erhob der Kronprinz, als 1863 ohne sein Wissen die Preßnovelle erlassen wurde. Auch sonst hielt er in ber Konfliktszeit und bei der Schleswig-Holsteinschen Angelegenheit nicht zurück mit Aeußerungen des Unwillens über Bismarcks Politik. Ein besonderer Ehrentag des Kronprinzen war der 16. Juli 1871. Damals zog er an der Spitze der aus dem Felde heimkehrenden bayerischen Truppen in München ein und führte sie durch das. Siegesthor dem Könige Ludwig vor. Mit Begeisterung sahen die Soldaten und Bürger aus die Heldengestalt des deutschen Kronprinzen, der die großen Stunden ber großen Zeit voll durchlebt und an ihr mitgewirkt hatte und nun heimkehrte in strahlendem Ruhmesglanz. An jenem Tage wirkte der Kronprinz für das «Deutsche Reich, wie es wohl keinem anderen be- schieden gewesen ist. Seine ungemein gewinnende Persönlichkeit, die großen Züge seines Wesens und die Verehrung und Liebe, die ihm die Bayern widmeten, schlangen ein neues starkes Band um Nord und Süd, waren ein neuer, fester Stein im Bau des Reiches. Die Liberalen rechneten darauf, daß ber Kronprinz seine Minister aus ihrer Mitte wählen ober doch ihre wichtigsten Forderungen erfüllen werde, sobald er auf den Thron gelange. Sie hatten die höchstgespannten Hoffnungen gesetzt auf den Helden von Königgrätz. Man wußte allgemein, welche Kraft und Frische er besaß. Man wußte, wie rasch er sich in der schweren Stunde der Nikolsburger Verhandlungen für Bismarcks hohe Auffassung entschieden und den Widerstand des königlichen Vaters hatte überwinden helfen. Doch es war dem abgöttisch Geliebten nicht beschieden, dre Regierungsgeschäfte in vollem Umfange in die Hand ju nehmen. Die 99 Tage hindurch, in denen er die Krone trug, hatte er unter unsäglichen Schmerzen mit dem Tode zu ringen. Bismarck leitete unter ihm die Geschäfte wie bisher, und nur einzelne Akte, namentlich die Entlassung des Ministers v. Puttkamer, sind als selbständige, in der Hinneigung zu den Liberalen begründete Handlungen „unseres Fritz" aufzufassen. Am 15. Juni 1888 erlöste ihn ber Tod, und es folgte ihm Kaiser Wilhelm II. Wenige Fürsten sind so aufrichtig und herzlich beweint worden, wie Kaiser Friedrich, der heute in sein 69. Lebensjahr eingetreten wäre. Es war ein Thränenstrom, der durch ganz Deutschland sich ergoß. Durch alle deutschen Lande, durch alle Paläste und Hütten, durch alle deutschen Schulen und durch alle Auditorien der deutschen Universitäten floß er in breiter Qual dahin. Man beweinte den Edlen, den Treuen, den Guten, und jeder, der da konnte, wallfahrtete nach Schloß Friedrichskron bei Potsdam, dem fein kaiserlicher Sohn später wieder den alten nichtssagenden Namen „Neues Palais" gab Ms sonnige Siegfriedgestalt lebt Kaiser Friedrich in den Herzen unsres Volkes für alle Zeiten fort, und wir halten es nicht für unmöglich, daß eine späte Zeit dem deutschen Kaiser Friedrich, der nach der Volkssage im Kyffhäuser thront, um hinaufzusteigen an das Licht des Tages wenn das deutsche Volk eines Retters und Helfers bedarf, die Züge des großen DulderheldenFriedrich III. geben wird, daß eine Zeit kommen wird, in ber man" tljn binftenen wird als das Ideal eines deutschen Mannes und deutschen Fürsten, von dem die Welt das Heil zu erwarten sich berechtigt findet. < _ Heute gedenken wir wieder mit besonderem Sck)merze leidvollen Heldenkaisers. Die treue und kluge Ge- . 1225 «x 'biues Lebens, die Kaiserin Friedrich ist schwer errrantt, und ihre Kinder, der Kaiser und Prinz Heinrich, u^l^en mit ihren Gemahlinnen in ihrer Nähe, vielleicht dc^ ckenßerste besorgend. Es wird von den Aerzten versichert, daß unmittelbare Gefahr nicht vorhanden sei. Klammern wir uns an diese nicht sonderlich trostreichie Bersicherung und hoffen wir, daß „unseres Fritz" gute Frau, unseres Kaisers würdige Mutter bald von ihrer schmerzhaften .Krankheit genese Aus Stadt und Land. Gießen, den 18. Oktober 1900. ** Auszeichnung. Dem Gemeindeeinnehmer Johannes Schäfer II. zu Hattenrod wurde das Allgemeine Ehrenzeichen mit der Inschrift „Für langjährige treue Dienste« »erliehen. UolMsche Tagesschau. AuS Hamm wird gemeldet: lieber die Ursachen, weshalb der Plan eines Falk-Denkmals in Hamm gescheitert ist, teilt der „Westf. Anzeiger" folgendes mit: Beigeordneter Loerbroks hat erklärt, daß im Magistrat nicht L,e geringste Neigung bestehe, einen Platz für das Falk-Denkmal zu bewilligen (1) Auch der Stadtverordnetenvorsteher, Justizrat Windthorst, bekannte sich als Gegner deS Unternehmens. Dazu kam der Rücktritt Vttschredener angesehener Persönlichkeiten vom Ausschuß. Die meisten, wie der Magistrat, begründeten ihre ablehnende Stellung mit der Rücksichtnahme auf die katholischen Mitbürger, da Falk nun einmal der Mmlster des Kulturkampfes wäre. Demgegenüber stelle ich folgendes fest: Las Denkmal sollte allem dem Schöpfer und Förderer der modernen Preußischen Volksschule und dem langjährigen Chefpräsidenten des Oberlandesgerichts Hamm gelten. Mit peinlichster Sorgfalt ist jede Abschweifung vcnmeben, und deshalb weder in Hamm, noch sonstwo »on katholischer Seite ein Protest laut geworden. Falk war Ehrenbürger von Hamm, und man konnte des schönen Glaubens sein, daß ihm auch im Tode die Ehren nicht versagt werden würden Es ist anders gekommen. Des Unvergeßlichen Nachfolger, Oberlandesgerichtspräsident Dr. Holtgreven, hat den Denkmalsplan wohlwollend beurteilt und herz- Ircher Dank gebührt auch dem zielbewußten Vorsitzenden des provisorischen DenkmcüauSschusses, Senatspräsident Geh. Ober.Justizrat Althaus ^!°'m^?^^L^^brichtsrat Theys, Rektor Bartholomäus, Prost SLrS vb ?""^Her.mannGerson. Bielen Dank auch Preußens imh Jßfft re9«ltCrt bS ?runQ $aIf8 begrüßt hatte; in Wort ^fügung. Die Geschichte wird dereinst in dieser Denkmalssache das letzte Wort sprechen. Die am 15. d. Mts. ausgegebene, mit dem 1. Oktober d. Js. abschließende Rangliste des aktiven Dienststandes der Königlich Preußischen Armee und des 13. (Königlich Württembergischen) Armeekorps" bringt einerseits eine Neuaufstellung derjenigen Teile der letzten vollständigen Rangliste, die inzwischen größeren Veränderungen unterworfen waren, andrerseits in dem erheblich erweiterten Anhänge als neuen Stoff das Reichsmilitärgericht, die erste vollständige amtliche Ueberstcht der Deutschen Land- macht in Ostasien einschließlich der Marineinfanterie und die Zusammensetzung der Ersatz-Formationen der Letzteren. Neu ist in der Rangliste die Angabe der Patente bezw. der Daten der Beförderung ohne Patent oder der Charakterverleihung bei sämtlichen Offizieren und Sanitätsoffizieren. Durch diese erfreuliche Ver- befferung hat die Rangliste für den dienstlichen wie für den privaten Gebrauch erheblich an Wert gewonnen. Dem gegenüber wird der durch diese Neuerung bedingte Wegfall der Kompagnie- rc. Nummern als ein Verlust kaum em- Pfunden werden. Die am 1. d. Mts. stattgehabte Neu- ausstellung dreier Eskadrons Jäger zu Pferde und die mit demselben Zeitpunkte eingetretenen Veränderungen im Etat der Feldartillerie-Schießschule find ebenfalls schon zu finden. An weiteren Veränderungen von allgemeinem Interesse seien kurz erwähnt: a) die Anstellung von Oberkriegsgerichtsräten und Kriegsgerichtsräten bei den Korps-, Divi- fions-, Gouvernements- 2c. Gerichten statt der ftühereu Korps-, DivifionS', Gouvernements- 2c. Auditeure, unter nheblicher Vermehrung der Stellenzahl: b) Wegfall der Kommandantenstelle in Rastatt; e) Beförderung einer größeren Anzahl älterer Zahlmeister zu dem neu geschaffenen Dienstgrade der „Oberzahlmeister". — An andere Standorte ?-Ur üer^c9t: a) die 4. Kavallerieinspektion von n.nQ* Potsdam; b) die 1. Abteilung Feld- 2* rk^'Regiments General-Feldzeugmeister (1. Branden- burgischen) Nr. 3 von Perleberg nach Brandenburg a. H.; e) bie 2. Abteilung Feldartillerie-Regiments Nr. 55 von .Aaumburg a. S.; d) vom Dragonerregiment Wedel (Pommerschen) Nr. 11 die 1. Eskadron von Ä ®.nm6inncn' di- 2. Eskadron von Gum- , e) Bom Lithauischen Ulan-nr-gj. ? 1 9L;.1k b,e 4- Eskadron von Insterburg nach Goldap, die 5 Eskadron von Goldap nach Insterburg; f) das Pom! m-r,che Pionierbataillon Nr. 2 von Thorn nach Stettin, unter liebertritt vom 17. zum 2. Armeekorps; g) das Pio- merbataillon Nr. 17 von Stettin nach Thorn, unter Ueber- tritt vom 2. zum 17. Armeekorps; h) das Mililiir-Bersuchs- amt von Spandau nach Berlin. in fein Programm ausgenommen. Aber der jetzige Kolonialminister ist kein romantischer Schwärmer. Kein politischer Phantast, sondern ein überaus kühler und, wo es nötig erscheint, auch in feinen Mitteln nicht wähler- ischer Staatsmann, der krumme Wege nicht scheut, wenn er die geraden verlegt findet. Das hat er in den letzten fünf Jahren, seitdem er die südafrikanischen Republiken in den Krieg zu Hetzen begann, reichlich gezeigt. Kein momentaner Mißerfolg und keine noch so bedenkliche Blosstellung konnte ihn von seinem Vorhaben ablenken. Tie Erfolge, die sich nun eingestellt haben, werden ihn natürlich noch viel weniger bescheiden und zurückhaltend machen. Man muß daher mit großer Aufmerksamkeit die weitere Entwickelung dieses Staatsmannes abwarten, der jetzt in Südafrika und in England selbst Triumphe feiert. Verschiedene Fragen internationaler Art und zum Teil auch solche auf innerpolitischem Gebiete zeigen, ob Chamberlain nicht jetzt seine großenglischen Pläne aufnehmen wird, die Idee, die englischen Kolonien politisch und wirt- schaftlich, enger an das Mutterland zu knüpfen. Jedenfalls har für eine Reihe von Jahren die Zeit aufgehört, wo man sich auf dem Jnselreich in „glänzender Isolierung" befand, und dies als einen glücklichen Zustand pries. Die jetzrge Politik Großbritanniens wird unbedingt lebhaftere Wechselbeziehungen zwischen diesem Staate rind den anderen Mächten zur Folge haben. -b. Zum Raubmord von Klopvenheim wird uns aus Frankfurt berichtet: Am 16. August l. Js. trat bei Fuhrmann Zeitz in Seckbach ein Handwerksbursche in Arbeit, der zu seiner Legitimation eine Jnvalidenkarte und ein Krankenkassenbuch, die auf den Namen des bei Kloppenheim ermordeten Heinrich Möller aus Sontra ausgestellt waren, vorlegte. Zeitz, der noch nichts von dem Raubmord wußte, stellte den Arbeiter ein. Am 19. August gewahrte der Dienstherr, daß der vor drei Tagen Eingestellte sich plötzlich aus dem Staube gemacht hatte unter Mitnahme von einem Paar seinem Herrn gehörigen Schaftenstiefel unb unter Zurücklassung seiner Papiere und eines Päckchens, in dem sich ein weißes und gestreiftes Hemd befanden. Bei Besichtigung des gestreiften Hemdes sah man, daß es auf den Schulterteilen von Blut durchtränkt gewesen ist und der gemachte Reinigungsversuch nicht vollständig seinen Zweck erreicht hat, sodaß noch die Blutspuren auf dem Hemde deutlich zu sehen waren. Wie Zeitz angiebt, soll der Fremdling bei seinem Ankommen besagtes Hemd getragen haben, und es sei bemerkt worden, daß es noch feruht gewesen sei. Da der am 14. August begangene Raubmord erst etwa acht Tage später entdeckt worden war, so ahnte damals Zeitz _ nicht, was seinen Arbeiter zum Aufgeben seines Dienstes bewegt hatte; obwohl das scheue Auftreten des angeblichen Möller dem Dienstherrn aufgefallen war. Fuhrmann Zeitz erstattete sofort der Polizeibehörde in Seckbach von seinem verdächtigen Arbeiter Anzeige. Von Seckbach soll der Möller auf eine Herberge nach Frankfurt gewandert sein; dort wurde er von einem Korbwarenhändler engagiert, um ihm bei dem Verkaufsstand auf der Messe behilflich zu sein. Kaum eine halbe Stunde währte seine Hilfeleistung, indem er die momentane Abwesenheit seines Herrn benutzte, um ihm seinen guten Rock für einen alten umzutauschen und das Weite zu suchen. Bei diesem Korbwarenhändler fungierte er unter dcrn Namen Georg Ermer. Noch an demselben Tage soll er mit seinem Komplizen, Schlosser Neumeher aus Nürnberg, der ebenfalls in seinem ganzen Auftreten sehr verdächtig erschienen ist, in Frankfurt gesehen worden sein. Es unterliegt keinem Zweifel, daß biefer Ermer alias Möller dieses Mordes dringend verdächtig ist. Von dem derzeitigen Aufenthalte der beiden soll bis jetzt noch jede weitere Spur fehlen — Zu derselben Sache geht uns aus Friedberg folgende Zuschrift zu: Vor einigen Tagen wurde hier ein Bettler eingesteckt. Bei Ablieferung seiner Kleider an den Haftlokalverwalter entdeckte man bei ihm den Rock des bei Kloppenheim ermordeten Möller. Er soll sich H o f genannt haben. Nachdem er seine Strafe wegen Bettelns verbüßt hatte, wurde er als des Mordes verdächtig festgehalten; er verstand aber nachzuweisen, daß er zur Zeit des Mordes nicht in der Gegend von Kloppenheim gewesen und bei demselben nicht beteiligt sein konnte. Indessen sollen sich seine Angaben über den Erwerb des Rockes nicht als wahre herausgestellt haben, wohl aber diejenigen über )einen Aufenthalt zur Zeit als der Mord geschehen ist; er wurde aus der Haft entlassen. Der verdächtige Rock ist beschlagnahmt und der Gießener Staatsanwaltschaft überliefert worden. *• Zur Neugestaltung des Kastenwesens. Die mit dem 1. Oktober ins Leben getretene Neugestaltung der staatlichen Kassestellen hat auch auf dem Gebiete des Gerichtskostenwesens einige Aenderungen gebracht. Seither sind die Gerichtskosten teils von den Gerichtsschreibern, teils von den mit dem 1. Oktober ein- gegangeneu Rentämtern und den DistriktSeinnehmereien er« loben worden. Abgesehen von einigen Arten von Gerichtsosten, deren Erhebung ganz in den Händen der Gerichtschreiber lag, bestimmte sich im übrigen die Zuständigkeit >er Gerichts- und Finanzbehörden nach der Höhe der zu erhebenden Summe, und zwar derart, daß die Gerichtschreiber alle Gerichtskostenbeträge bis zu 20 Mk., die Zinanzbehörden alle Beträge über 20 Mk. zu erheben wtten. Diese mehr auf äußerlichen als auf sachlichen Gesichtspunkten beruhende und wenig durchsichtige Regelung >atte im Geschäftsverkehr mancherlei Mißstände zur Folge. Die Neugestaltung des Kassewesens bot die erwünschte Ge- egenheit, diese geteilte Zuständigkeit in einer Weise zu beseitigen, die der Bevölkerung mancherlei Vorteile bringt. Der Kostenschuldner, der nicht am Sitze des Gerichts wohnte, bei dem seine Rechtsangelegenheit anhängig war, oder der m Falle der Zuständigkeit der Finanzbehörde nicht am Sitze des Rentamts oder der Distriktseinnehmerei wohnte, welche für das betreffende Gericht als Erhebestellen bestimmt waren, mußte, wenn er seine Kostenschuld bezahlen wollte, seither gewöhnlich entweder sich an die auswärtige Erhebestelle begeben oder sich der Post bedienen oder endlich den geschuldeten Betrag dem Gerichtsdiener gegen eine Vergütung zur Ablieferung an den Gerichtsschreiber übergeben. Infolge der neuen Anordnungen ist jetzt der Gerichtskostenschuldner in der Lage, ohne Aufwendung von Zeit und Geld den Kostenbetrag bei der Erhebe stelle eines Wohnorts zu zahlen. Die Wohlthat dieser Einrichtung wird namentlich auf dem Lande empfunden werden, wo sich die Unzuträglichkeiten der bisherigen Einrichtung insbesondere dann unangenehm fühlbar machten, wenn geringfügige Kostenbeträge geschuldet wurden, die mit den Kosten der Uebersendung deS Geldes in keinem Ver- hällniffe standen. Auch der geschäftliche Verkehr zwischen dem Rechtsanwalt und seinem Auftraggeber dürfte für die Folge eine Vereinfachung erfahren, da der in Hessen wohnende Klient keine Veranlassung mehr hat, die Mitwirkung seines Anwalts bei der Kostenzahlung in Anspruch zu nehmen. Etwaige Befürchtungen, daß die neue Einrichtung zu einer Verzögerung des gerichtlichen Verfahrens führen könne, sind nicht begründet, da die Gerichtsschreiber nach wie vor außer für die Erhebung aller Kosten im Mahnverfahren auch für die Erhebung derjenigen Gerichtskosten zuständig sind, von beten Zahlung bie Fortsetzung eines Rechtsstreits, die Vornahme einer gerichtlichen Handlung ober bie Haft bes Schuldners abhängt ober bie Ausreichung einer Schrift abhängig gemacht ist. Die Verordnung vom 8. September l. I. ist endlich auch insofern von Bedeutung, als sie die Vereinigung von Kostenansatz und Kostenerhebung in einer Hand, die bisher eine wirksame Einrichtung für bie Kontrolle unmöglich machte, fast vollstänbig auf hebt unb ncu^rbinn« bP bisherigen Verfahren verbundene, neuervings besonders hervorgetretene Uebelstände ausschließt, k^s e e?“ fl$ bcm Syst-m der GnichtS. sse, wie sie z. B. im Königreich Preußen eingeführt sind bei den Gerichtskassen wird unterschieden nnÄ «^nbete^nuna, welche dem Gerichtsschreiber, X bt yn^CbU,n9' bE« Rendanten der Kas,; Sh ®,Er ®cban !v besondere G-richtSkassen auch im Großherzogtum einzuführen, ist erwogen worden; cS sind ®berrh 3e9™ Durchführung u. a. di-Bedenken erhoben worden daß dadurch zu groß- Kosten verursacht würden und daß die Justizverwaltung namentlich im Hinblick aus den gesteigerten Bedarf an Personal unb Diensträumen zu Zwecken bes Grunbbuchs außer Stande sei, in einer allen Mrichten""^" entsprechenden Weise Gerichtskassen ein- n f. Gerichtsvollzieher der Provinz. Ob er Hessen lassen gegenwärtig bei ihren Kollegen in ^tarteuburg eine an Großh. Justiz-Ministerium und beide Staude-Kammern gerichtete Vorstellung, um gänzliche ^>e r fta aHi d^un g des Instituts zur Unterschrift zirkulieren. Butzbach, 16. Oktober. Das hiesige Altertums- miiseum erfreute sich in diesem Sommer eines ganz besonders regen Besuchs, denn gegen das Vorjahr ist die Zahl der es^ besuchenden Fremden auf das Dreifache, nämlich ca. 370 gestiegen. Weiterhin bekannt wurde die genannte Sammlung erst gelegentlich der 1898 dahier statt- ge^abten, Oberhessischen Gewerbeausstellung, während welcher sie sich in einem eigens hierzu erbauten Bauernhause in altoberhessischem Baustile befand unb die am meisten frequentierte Abteilung der ganzen Ausstellung ausmachte. Zurzeit ist die Altertumsansstellung in einem zweistöckigen, ziemlich geräumigen Gebäude neben der Großh. Realschule untergebracht, und an verschiedenen Straßenecken weisen Schilder in den alten Butzbacher Farben — rot und gelb — die Besucher zu derselben hin. Die äußerst reichhaltige unb an sehr wertvollen Gegenständen^ reiche Sammlung bietet jedem etwas, sei es dem blos Schaulustigen, dem Liebhaber oder dem ernsten Altertumsforscher. Am meisten Anziehung übern freilich bie lebensgroßen in „Hüttenberger", b. i. in der Umgegertb von Butzbach, Schützer u. a. Tracht gefieibeten Puppen,, bie zum Teil zu hübschen Gruppen, wie Großvater und Großmutter, Braut unb Bräutigam u. a. m. vereinigt sind. Einzigartig find auch bie Einrichtungen ber Wohnzimmer, fber Schlafstuben, in welchen selbst bie Wiege mit kostümierten Wickelpuppen nicht fehlt, unb der Küche in altväterlichem Stil. Doch — für Interessenten wird im Laufe des Winters wohl noch ein ausführlicher Katalog erscheinen. Jedenfalls hilft die hiesige Altertumsausstellung an ihrem Teil mit, die schöne Aufgabe zu lösen, in unserer hastenden Zeit, deren Sturzwellen überall abschleifend und verebnend thätig sind, den Sinn für das Besondere und Eigenartige der verschiedenen Landschaften ui io ihrer Bewohner, der bereits in weiteren Kreisen wieder erwacht ist, immer mehr zu pflegen und zu fördern. (Darmst. Tägl. Anz.) Bad-Nauheim, 16. Oktober. Kreisamtmann von Bechtold, der seit diesem Frühjahr mit Wahrnehmung der Dienstgeschäfte am hiesigen Polizeiamt beauftragt war, ist wieder bei dem Kreisamt Friedberg eingetreten. Polizeiwachtmeister Weiß wurde mit der einstweiligen Dienst- führung der hiesigen Polizeigeschäfte beauftragt. Vilbel, 17. Oktober. Die Aktiengesellschaft „Thüringer Akkumulatoren- und Elektrizitätswerke zu Göritz- mühl bei Saalfeld a. Saale" beabsichtigt, die Gemeinden des Landkreises Hanau und die angrenzenden Gemeinden des Landkreises Frankfurt, Homburg, Friedberg und Teile des Kreises Höchst mit elektrischem Licht und elektrischer Kraft zu versorgen und zwar durch die in Vilbel zu errichtende Nederland-Zentrale. Diese für unsere Landgemeinden höchst, wichtige Angelegenheit scheint nunmehr ihrer Verwirklichung entgegen zu gehen. Aus dem Landkreise Hanau haben bereits bie Gemeinben Erbstabt, Mittelbuchen, Ostheim, Oberissigheim, Oberborfelben, Winbecken unb Rückingen den gemeinsam mit den beteiligten Kreisbehörden unter Zuziehung einer Autorität vereinbarten Vertrag angenommen, ebenso 17 Gemeinden au§ dem Kreise Friedberg und 5 Gemeinden aus dem Landkreise Frankfurt a. M.; weitere Vertragsabschlüsse stehen in den nächsten Tagen zu er- wartem Der Preis der Energie für Beleuchtungszwecke stellt sich für Gemeinden auf anderthalben Pfennig pro 16 fertige Glühlampen-Brennstunde, für Private bi§ zu zwei unb einen halben Pfennig. Außerbem wird es noch intereffleren zu erfahren, daß den Gemeinden bie Anlage auf Kosten ber Gesellschaft herge- stellt wirb. Bad Salzhausen, 17. Oktober. Nachdem Geh. Hofrat Dr. Lepfius den Platz für die neue Bohrung auf Thermalsole bestimmt hat, werden alle Vorbereitungen zur alsbaldigen Ausführung^ des Projekts gemacht und Maschinen hexbeigeschafst. Man ist sehr gespannt auf ba$ Ergebnis, weil von der erfolgreich ausgeführten Bohrung das fernere Wachstum und Gedeihen unseres Bades abhängen wird. Eine Firma aus Halle hat die Ausführung übernommen. Offenbach, 17. Oktober. In der SerufungJ» fache des Großen Kollegs gegen das Urteil des Gr. Landgerichts, die Ausschließung des Beigeordneten Wolff aus dem Großen Kolleg betr., erkannte heute der 1. Zivilsenat des Gr. Oberlaiidesgerichts, baßZias Urte il ber Vorinstanz aufzuheben sei Neuer Dermin wurde auf den 9 Januar 1901, vormittags 9 Uhr, angesetzt. ^>n demselben sollen bie Stimmzettel vorgelegt werben, bie in ber Generalversammlung vom 20. Januar abgegeben wurden, ferner soll als Zeuge der Taxator Mederhof vernommen werden. ~ Mainz, 17- Oktober. Vor Eintritt in die Tagesordnung der heutigen Sitzung der Stadtverordnetenversammlung beantragte Stadtverordneter Dr. M a ss ereil, die Bürgermeisterei möge bei der, Regierung darüber vorstellig werden, daß die von feiten ber Regierung geplante Errichtung einer dritten Landes- irrenanstalt in Rheinhessen, unb zwar in der Näh^ von Mainz, erbaut werde. Dieser Antrag wurde einstimmig angenommen. — Nach einem Berichte des Stadtverordneten Rühl sollen für die Wiederherstellung des Kurfürst l i ch e n S ch l o s s e s im Rechnungsjahr 1900/1901 20 000 Mk. als Kosten für die Feststellung des Wirtschaftsplanes in das Budget eingestellt werden. Die Summe wurde genehmigt. — Für den Ausbau der Feldbergstraße, zwischen Bonifaziusstraße und „Hunikel", für die Asphaltierung des Fußsteiges in der Feldbergstraße und für die Erbauung eines Kanals in der Nahestraße werden 30 700 Mk. bewilligt. Wetzlar, 17. Oktober. Der Oberpräsident der Rheinprovinz hat die Genehmigung zu einer Sammlung für den Umbau der Garbenheimer Warte zu einem Bismarckturm erteilt. Gladenbach, 16. Oktober. Zwei hiesige Schul- knaben, Söhne der Witwe Gg. Nord und der Witwe K. Jmmel, beide im Alter von ccl 12 Jahren, hatten, nachdem sie es einem älteren Burschen vorher abgesehen, Stücke von ungelöschtem Kalk in eine Flasche gethan und Wasser darauf gegossen. Die Folgen blieben nicht aus; durch die Explosion wurden beide von den umherfliegenden Glasstücken tunb dem ätzenden Kalk schwer verletzt. Abgesehen von den verbrannten Kleidern wurde dem jungen Nord die Nase wie mit einem Messer durch die Glasstücke quer bis auf den Grund durchschnitten, sodaß dieselbe wieder angenäht werden mußte, auch hatte er kleinere Verletzungen an Stirn und Wangen. Beide Knaben trugen aber durch deu Malt hauptsächlich an den Augen schwere Verletzungen davon, so wurde dem N. auch die Hornhaut durch den ätzenden Kalk schwer geschädigt; ob eine Sehstörung Zurückbleiben wird, ist sehr wahrscheinlich. Dem anderen, I., wurde idiurch einen Glassplitter die Hornhaut eines Auges ganz durchschnitten, er wurde auf Veranlassung des behandelnden Arztes in die Marburger Augenklinik verbracht. Vielleicht ist durch eine Operation ein Teil des Augenlichts zu erhalten. Vermischtes. e Koblenz, 17. Oktober. In Zeltingen a. d. Mosel wurden durch Feuer acht Wohnhäuser und eine Anzahl Scheunen zerstört. * Ruhrort, 17. Oktober. Der Personenzug Oberhausen-Ruhrort fuhr aus der Station Meiderich in einen anderen Zug. Nach der „Köln. VolkSztg." wurden sechs Personen verletzt und eine getötet. * Dortmund, 17. Oktober. In dem benachbarten Horde hat der Arbeiter JegielSki seinen zwei Kindern den Hals durchschnitten; eines war sofort tot. Der Thater ist anscheinend geistig gestört. _ * Friedrichshafen, 17. Oktober. Der Zep Pelin 'sch e a» Hon wurde um 4 Uhr 30 Min. von dem Dampfer „Buchhorn" aus der Montierungshalle herausgeschleppt. Um 4 Uhr 50 Mrn. glitt der Ballon unter Zurufen der Menge in östlicher Richtung bis in die Nähe von SeemooS, wo er seit dreiviertel Stunden in einer Höhe von etwa 600 Metern balanciert, durch Drehungen und Wendungen die Lenkbarkeit beweist und noch immer in der Lust schwebt. Die Königin wohnte dem Schauspiel schon seit 3 Uhr bei. Der König kam um 5 Uhr von Althausen zurück und begab sich mit dem Dampfer „Mömpel- gard" an Ort und Stelle. Wetter: Schwacher Regen und südliche Luftströmung. — Eine spätere Meldung besagt: Nachdem das Luftschiff Zeppelins' dreiviertel Stunden lang in einer Höhe von 600 Metern balanciert und in der Nähe von Seemoos verschiedene Drehungen und Wendungen ausgeführt hatte, ist das Fahrzeug nach mehrfachen anderen gelungenen Manövern kurz vor 6 Uhr einen Kilometer von Manzell entfernt, glücklich auf See gelandet. Dieser zweite Ausstieg Zeppelins hat bedeutende Fortschritte gegenüber dem ersten Versuch gezeigt, sowohl in der Manövrierfähigkeit, wie in der Fähigkeit, gegen den Wind zu fahren, aber der Hauptpunkt in dem aufgestellten Fahrprogramm, Rückfahrt zur Aufstiegstelle, gelang nur teilweise. In der Mitte der zurückzulegenden Strecke erfolgte plötzlich auf dem See die Landung, die glatt verlief. Die Einbringung des Luftschiffes wurde in Folge der Dunkelheit sehr erschwert, sie dauerte bis 10 Uhr abends. — Die Auffstiegversuche werden bei günstiger Witterung morgen und an den nächstfolgenden Tagen fortgesetzt, da angenommen wird, daß der Gasvorrat zehn Tage aushält. Sprechsaal. (Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion keinerlei Verantwortung.) Anfrage. Warum brennen seit einem Jahre die Reiskirchener Straßenlaternen nicht? Fehlt es an der Bedienung, den Dochten oder dem Petroleum? Reiskirchen, im Oktober 1900. Viele Steuerzahler. Handel Md Verkehr. Volkswirtschaft. Frukfuter Börse vom 17. Oktober. Wechsel auf New-York zu 0.00-00. PrÄmieM auf Kredit per ult. Okt. 1.20%, do. per ult. Novbr. 3.00 %, Diekonto-Kommandit per ult, Okt. 1.10%, do, per ult. Novbr. 2.80%, Lombarden per ul*. Okt. 0.00%, do. per ult Novbr. 0.80 % Brief. Deutsche Bank 0.00%. Sotieruaxe»: Kreditaktien 201.80-202.40-201.80, Diakonto- Kommandit 170.40-170-70-50, Staatsbahn 137-000.00, Lombarden 24.60-00, Italiener 93.80, Spanier 70-40.00, Bproz, Mexikaner 25.25, Bochumer 171.20-90-80-90-20 bz., Laura 193.80-000.00 bz., Harpener 173.20-50-000.00 bz., Gelsenkirchen 182.00-000 00 bz., Privat- Diskont 4%%. 1 % bif 2% Uhr: Kreditaktien 202.000-00-00 bz., Dis- konto-Kommandit 170.50-20-000.00 bz., Staatsbahn 137 20 bz. Lombarden 24.60 00.00 b., Laura 000.00, Berliner Handelsgesell- I schäft 000.00 bz., 3proz. Mexikaner 00.00 bz, 3proz. Portugiesen 00.00-00 bz., Ottomanbank 000.00 bz , Bochumer 000.00 bz, Deutsche Bank 000.00-000 bz., Harpener 000.000 00 bz. Märkte. r. Limburg a. d. Lahn, 17. Oktober. Fruchtmarkt. (Durchschnittspreis pro Malter.) Roter W izen, Mk. 12.80, we ß?r Metren Mk. 00.00, Korn Mk. 11.50, Saatkorn Mk. 12.00, Gerste Mk. 8 50, Hafer Mk. 8 00. In die Kinderstube gehört kein Uoh«e«kaffee, weit er durch seinen cheyalt an dem giftigen Goffein die Hlerven erregt nnd den Wage« angreift. Aer ärztlich empfohlene Kathreiner's Walzkaffee ist ei« «verans wohlschmeckender u«d gesunder Ersatz für Aohnen» Kaffee und wird von den Kinder« mit Forlieöe getrunke«. 6738 Kirchliche Nachrichten. Evangelische Gemeinde. Donnerstag den 18. Oktober, abends 8 Uhr: Bivelstunde im Konfirmandensaal (Kirchstraße 9). Ev. Joh. Kap. 13, 23.1 ff. Pfarrer Dr. Grein. Die Vereinigung der konfirmierten Mädchen der Matthäus- gemeinde findet am DonnerStag Abend nicht um 6 Uhr, sondern erst um tt Uhr statt. Markus Bauer Spezial-Geschäft in feiner Herren-Garderobe. Anfertigung nach IRaf in eigener Werkstätte. Gießen, Airchenplcch u. 6188 THEE-MESSMER wird in 100,000 Familien tagt getrunken. Probepackete 60 und 80 Pfg. Niederlagen durch Plakate kenntlich. 5819 Ausgebot Bohnen, Kartoffeln, Reis ungefähr Die Lieferung des Bedarfs an: Erbsen, Linsen Bekanntmachung. behandelnde Arzt, Herr Dr. Heichelheim, wohnt Alieestraße 19. . Bestellungen für Stadtbesuche Armer werden von 9 Uhr vormittags ”1 Uhr mittags in der medizinischen Klinik und außerhalb dieser Zeit tu der Wohnung des Herrn Dr. Heichelheim entgegen genommen. Gießen, den S. Oktober 1900. 6694 Die Armen-Deputation der Stadt Gießen. ___________________________Wolff. l3.uk«eholl.Vollhttluge^A per Stück 7 Pfg., -W» neue Kismrckheringe vkltk Rollmöpse 4S neue Sardinen 04896 frisch eingetroffen, "WK Surmd-Kttf im Ausschnitt Z5® per Pfuud 1 Mark JS empfiehlt Carl Eichmann, jloriiflBlBoc. -AF Frisch eingetroffen: fst. Riesen-Rollmöpse, Rufs. Sardinen in Pikles, Reue Bismarck-Heringe, la. Rufs. Stör-Caviar, la. Astrachan-Caviar, la. franz. Oel-Sardiuen bei A. & G. Wallenfels. 6608] Markt 81. — Telephon 46. 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