Nr. 193 Sonntag den 19. August Viertes Statt 1900 Gießener Anzeiger General-Anzeiger >füi «WiRtnkn ihimom M htul X Me. 2lmte* und Anzeigeblatt für den Kreis Gieren femtwter b. Rätter > H- BMÜhmbt- Xe T-gni-T »«■IHcaHifter »it>m Mai L»zeiger M< en*d|ra-8mnitNee<*Mra M>nk laüoM «N*ax «Ä-eigm für Ma Gießener Anzeiger mtgeya. Aeilenprei»: lokal 18 Pfg., oMSroirtl 30 Pfg. S<»ugrpretL »terteltährl Mk. 3M monatlich 75 Pfg. mit Vringerlotznz durch die AbholesteR« aierteljihrl. Mk. IM monatlich 65 PfA. vei Postbezug Mk. 3,40 DifrtrijiK mit vestellgel» MMn, e<>«M*Un ontz O4«M,«ß« >c. 7. OraÜsbeÜazr«: Gießemr Familienblätter, Der heWße KanLwirt, Kälter Mr heUche UMstwn-e. »»reffe für Depesche«: AazetOer Gieß WB, Fernsprecher Nr. 5L Nach den Jschler Konferenzen. Herr v. Körber ist von Ischl, wo er mit Kaiser Franz Josef konferiert hat, zurückgekehrt. Natürlich werden Andeutungen über die Art, wie er die österreichisch^ Parlamentskrise lösen will, laut. Dieselben gehen dahin, daß, wie man der „N. Fr. P." meldet, bis aus weiteres Oktroyirungen irgend welcher Art, ferner die Auflösung des Abgeordnetenhauses und die Wiederaufnahme der Verständigungskonferenzen ausgeschlossen erscheinen. Der Aktionsplan der Regierung gehe vielmehr auf die baldige Einberufung des Reichsrats, aber einzig und allein unter der Voraussetzung, daß von vornherein gewisse Garantien für eine durch die Obstruktion ungehinderte Thätigkeit des Abgeordnetenhauses erlangt werden können. Das Ministerium werde den Reichsrat nicht einberufen, wenn ihm solche Zusagen seitens der in Betracht kommenden Parteien fehlen sollten. Das ist gewiß recht schön gesagt, aber wie denkt sich die österreichische Regierunng die Erlangung von Garantien und glaubt sie wirklich, sich auf diesem Wege gegen alle Eventualitäten sichern zu können. Die Parteiführer haben gewiß nicht die Macht, selbst wenn sie Herrn v. Körber den Gefallen thun wollen, auf seine Vorschläge einzugehen, die Arbeitsfähigkeit des Parlaments vollstänoig zu verbürgen. Es wird gemeldet, daß Herr v. Körber beabsichtige, hervorragende Parteiführer ins Ministerium zu berufen und sein Kabinett entsprechend von Grund in folgendem * Bericht (aus dem Jahresbericht der Großherzogt Handelskammer): Der Verein zählte 98 Mitglieder. Die Geschäfte des Vereins wurden in 10 ordentlichen, 1 außerordentlichen Vorstandssitzung und 1 Generalversammlung erledigt. Der Kassenbestand betrug am 23. Nov. 1899 353 Mk. 56 Pfg. Durch Delegierte wurden beschickt 4 Detaillistev- konferenzen in Frankfurt a. M. Verfehlungen wider das Gesetz gegen den unlauteren Wettbewerb wurden erledigt: 3 Fälle durch Briefe, 1 durch Klage, in 3 Fällen wurde von einer Verfolgung Abstand genommen. Einer Eingabe an Großh. Kreisamt bezüglich verlängerter Ofsenhalllmg der Geschäfte an Sonntagen vor Ostern und Weihnachlerr und gelegentlich des Schützenfestes wurde stattgegeben. (Sine weitere Eingabe an diese Behörde erstrebte die Erlaubnis zum Offenhalten der Ladengeschäfte am 24. Dezember (einem Sonntag) bis 9 Uhr und an Sylvester 1899 (ebenfalls einem Sonntag) bis 7 Uhr. Erneut sind, und zwar mit Erfolg, bie Redaktionen hiesiger Zeitungen ersucht worden, Reklamen für auswärtige Versandtgeschäfte ün redaktionellen Teil zu vermeiden. Zur Herbeiführung eines einheitlichen Ladenschlusses wurden die Inhaber neugegründeter Geschäfte aufgefordert, sich der bestehenden Vereinbarung, der zufolge in der Regel der Ladenschluß um 9 Uhr abends erfolgt, anzuschließen. Mit Ausführung der auf der am 6. Oktober 1898 in Gießen stattgehaften 6. Detailliftenkonferenz gefaßten Beschlüsse beschäftigte sich am 5. Februar 1899 eine Kommissionssitzung in Frankfurt am Main. Es wurd(e' dort u. a. folgendes beschlossen: 1. Für eine Erweiterung des § 4 des Gesetzes zur Bekämpfung des unlauteren Wettbewerbs einzutreten: 2. bezüglich gemeinschaftlicher Aufmachungen für Garne dahin zu wirken, daß alle Warenverpackungen für den Verkauf mit der vollständigen Stückzahl resp. Gewicht und Meterzahl versehen werden, die sie bei der letzten Packung gehabt haben. Dezimaleinteilung: 1 Kg. gleich 100 Geb. zu je 10 Gramm, 1 Kg. gleich 50 Geb. zu je 20 Gramms 1 Kg. gleich 20 Geb. zu je 50 Gramm. Nähgarne dürfen nur nach dem Dezimalsystem verkauft werden. Es wurde in dieser Sitzung ferner mitgeteilt, daß die Regierung erklärt habe, sie wolle es den Gemeinden überlassen, Bestimmungen über das Offenhalten der Schaufenster an Sonntagen zu treffen, und daß von ihr die Vornahme von Erhebungen über die Lage des Kleinhandels schließlich abgelehnt worden ist, da man der Reichsregierung nicht vorgreifen wolle. Zur Aufstellung der Berichte für den Jahresbericht der Großh. Handelskammer wurde für jede Branche eine Kommission ernannt. *• Eine goldene Medaille aus der Pariser Weltausstellung errang, wie wir in Nr. 191 meldeten, das landwirtschaftliche Institut der Universität. Der Verfertiger der Modelle, für die die Auszeichnung verliehen wurde, ist, wie wir hören, unser Goelhestraße 35 wohnender Mitbürger Mechaniker Wilhelm Schmidt. ** Omnibus Betrieb. Anläßlich des morgen in Wieseck stattsindenden Kirchweihfestes wird die OmnibusgeseS- schäft Sonntag und Montag nachmittags von 3 Uhr ab einen regelmäßigen Omnibusverkehr zwischen Wieseck und Wallthor einrichten. Der Fahrpreis ist der bei weiteren Touren übliche. Die Touren nach dem Schiffenberger Wald werden an beiden Tagen eingestellt, die Stadttouren am Sonptag nachmittag in gewohnter Weise beschränkt. Lanbach, 17. August. Am Dienstag weilten hier ent Untersuchungsrichter und die Staatsanwaltschaft aus Gießen. Es handelte sich um einen Notzuchtsversuch, begangen an einem hier bediensteten Mädchen aus Ostpreußen. Der Inhaftierte, G. Th. aus Ober-Ohmen, wurde durch Fußgendarm Dörr zu Ruppentenrod vorgeführt. Das Gericht begab sich an den Ort der That, etwa 20 Minuten von hier entfernt, rechts vor dem Eingänge in den Wald nach Lauter gelegen, wo das betreffende Mädchen morgens 6 Uhr damals mit Feldarbeiten beschäftigt war. Der Angeklagte soll geständig gewesen sein. Worms, 17. August. In WormS wird, wie schon kurz gemeldet, am 18. August, dem Gedenktag der Schlacht bei Gravelotte, in Anwesenheit zahlreicher Vertreter der Handwerkerintereffen die wohlvorbereitete Maschinen- und Werkzeug- Ausstellung für daS Kleingewerbe eröffnet. Die Ausstellung sieht davon ab, durch kunstvolle Darbietungen zu glänzen, sie verfolgt vielmehr den praktischen Zweck, vermittelst der zahlreichen Maschinen die Verwendung der elektrischen Kraft für eine große Reihe von Gewerben, insbesondere für die Schreinerei, Küferei, Metzgerei, Schuh- macherei usw. vorzuführev. Außer diesen im Betrieb dar gestellten Maschinen bieten die elektrische Anlage und die wohlgeordneten Werkzeugkollektioncn so viel des Interessanten und für den thätigen Handwerksmeister Nützlichen, daß der Besuch durchaus empfohlen werden kann. Frankfurt a. M., 17. August. Eduard Strauß kommt auch in diesem Jahr wieder nach Frankfurt und Vermischtet. * Ein Berliner Hazardspieler hat in Niederrad bei Frankfurt a. M., dem bekannten Sportplätze, ein klägliches Fiasko erlitten. Der Glücksspieler, ein früherer Schlächtergeselle Paul Gärtner aus Berlin, wollte sich von hier nach Baden-Baden begeben, um seine Kunst gelegentlich der dortigen sportlichen Veranstaltungen aus- zuüben. In Niederrad schien ihm der Boden zu einer kleinen „Probe" recht günstig zu sein; er fand auch bald em paar Dumme, denen er die Taschen ganz gewaltig leerte. Man schöpfte ob des kolossalen „Dusels" des Bankhalters Verdacht, benachrichtigte die Polizei, und diese nahm den Gauner fest unter gleichzeitiger Beschlagnahme der reichgefüllten Bank. Der Gauner führte sein eigenes Handwerkszeug, wie mehrere Spiele gezeichneter Karten, präparierte Würfel und Becher rc. mit sich. * Ueber den Schmuck, den die Monarchen zu tragen pflegen, wird geschrieben: Kaiser Wilhelm II. trennt sich nicht von einem winzigen Armbande, das die Man scheite verhüllt. Der Zar hat eine Repetiruhr, die 4000 Rubel wert ist. Die Königin Viktoria liebt es, sich mit Juwelen! imller Art zu bedecken. Sie besitzt ein Kollier ailS (Wölb Und Perlen, das fast drei Pfund wiegt. Die gießt im zoologischen Garten zwei Konzerte, die am 27. und 28. August stattfinden werden I jnntze Königin Wilhelmina von Holland dagegen verab- I scheut allen Schmuck. Sie trägt- nur in den Ohren zwei Brillanten. Die Königin von Spanien wechselt sehr oft- mal ami Tage die Ringe, deren sie nicht weniger als 274 besitzt. Der verstorbene König Humbert trug stets eine kleine Skapmlierkette aus Platina. König Leopold von Belgien besitzt eine wertvolle Sammlung alter Uhren. ($in!e derselben, die Marie Antoinette gehörte, ist ein Shinftroctf von unschätzbarem Werte. Der «Lultan ist mit einem Kettenbund aus Gold und Silber bekleidet. Seine Hände sind überladen von Ringen verschiedenster Form. Der Prinz von Wales hat an der linken Hand einen Diamanten. Der Papst, der trotz seines hohen Alters noch stolz ist auf seine schönen Hände, trägt gleichfalls an der linken Hand einen einzigen Saphir. Mteratur. Als „K ü n st lerin n e u - N u m m e r" erscheint das neueste (25.) Heft der „M odernen Kunst" (Verlag von Rich. Bong, Berlin, Leipzig, Wien, Stuttgart. — Preis des Heftes 60 Pfg.). Es ist ein genialer Gedanke, einmal in vollendet schöner Reproduktion zusammenzustellen, was von weiblicher Küustlerhand in neuer Zeit hervorragendes geschaffen worden ist und damit gewissermaßen eine internationale Revue über die Malerei der Frauen zu bieten. Es gelangen eine ganze Anzahl Werke von Malerinnen zur Veröffentlichung, die sich den besten Schöpfungen männlicher Zünftler würdig anreihen. Die Symbolik in der Malerei vertreten mit höchster Virtuosität die geniale Cornelia Pazka und die geistreiche Gräfin Krasrewska; als bedeutendste Genre-Malerinnen werden Virginie Demont Breton, Marianne Stokes, Clara Walther und Marie Raphael genannt, während die Porträtmalerei in Therese Sck)wartze, Bertha Weymann, Jean ne Bauck, Dora Hitz, Sophie Koner, An tonie de Banuelos und Julie Wolfthorn ausgezeichnete Vertreterinnen aufzuweisen hat. Als ausyezeichnete Landschaftsmalerinnen zeigen sich in ihren Bildern Tina Blau, Luise Begas von Parmentier und Sientje Mesdag van Houten. Auch die Tiermalerei, das Stillleben, die Blumen- und Früchte-Malerei ist mit glänzenden! künstlerischen Leistungen von weiblicher Hand vertreten. In interessantester Weise macht Jarno Jessen in einem Aufsatze „Meister-Malerinnen der Gegenwart" auf die Eigenart jeder Künstlerin aufmerksam. Eine kleine Novelle aus dem Bühncnleben „Das Miniaturbild" von AloiK Prasch vertritt in bester Weise die Belletristik ; Moritz von Reichenbachs „Wanderndes Volk" ist ein vorzüglicher moderner Roman, während der Zick-Zack-Bogen wieder eine Reihe interessanter kleiner Abbildungen bringt, darunter Sarah Bernhardt als „Herzog von Reichstadt" und das originell wirkende Porträt des chinesischen Kommandanten der viel genannten Taku-Forts. Dem Charakter der ganzen Nummer entsprechend find die großer! Holzschnitt-Beilagen, ebenfalls nach Werken weiblicher Künstler hergestellt. je !Z y*« dauernde Beschäftigung. 03356 Reisenden. ^icherstraße 7. Gießen, den 15. August 1900. 03335 (Achön möbliertes Zimmer zu vermieten 5485 Diezstraße 10, 1. Etage. /L erärrmiger -Zade« mit 2 Schaufenstern zu vermieten. Mahuhofstr. 58. [8871 Th. Brück, Kchloßgaffe 16 4170 sofort gesucht. 5527 Georg Becker, Baugeschäft. 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