W. 896 Zweites Blatt ießener Henerat-An^eiger Zlnrts- und Anzergeblcrtt fiu» den Avers Giefzen t> l Der Krieg in China. ‘SSt**, YJqnßspreis virricliährt. Ml. 2LH monatlich 75 Psg, mit Briiigcrlohn; durch die SlbfioUfltÜc» viertcljährl. Mk. 1,90 mouatilch 65 Pfg. Bei Postbezug Mk. 2,40 vicrteljährt, mit Bestellgeld. Buch- u.Steindrut jetscb Erben) , Schulstrasse 7. Alle Anzeigcn.Vcrmittlung-rstellen deS In- und Auslandes nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger entgtgra, Zeilenpreis: lokal 12 Pfg., auswärts 20 Pso PAifttir., Expedition und Druckerei: Nr. 7. ‘ Lm »en Anzeigen zu der nachmittag- für de» i »Izntden Tag erscheinenden Nummer bi« vorm. 10 Uhr. Atdrpellungrn spätesten- abends vorher. McM l«,Nch en Ausnahme deS 9Renta|8. tu Gießener Zß.«uitte«Stä1ter «Wtltn dem Anzeiger timVlltzfel mit „Heff. Blmhirt" u, „Blätter Nltf lt|. »olkSkunde- »Mkl fxttl de,gelegt. Gratisbeilage«: Gießener Familienblätter, Der hessische Kandmirt, Kälter für hesslsche Volkskunde. Nach einer Meldung aus London erfährt „Daily Graphic", daß alle Machte ihre Zustimmung zum Text der Ko l le k t i v n o t e gaben. Amerika acceptierte auch die ursprünglich beqnstandeten deutschen und fran- Adrcsfc für Depeschen: Anzeiger •. Fernsprecher Nr. 51. Aus angeblich zuverlässiger Quelle wird der Agentur Havas aus Tientsin berichtet, der Kaiser von China habe folgende zehn Bedingungen angenommen: 1. Bezahlung einer Entschädigung von 700 Millionen TaelS in sechzig Jahresraten, die durch das Likin verbürgt werden sollen. 2. Errichtung eines Denkmals für Frciherrn v. Ketteler. 3. Besuch eines dem kaiserlichen Hofe nahe verwandten Prinzen in Berlin. 4. Besetzung der Lerkehrswege zwischen Taku und Peking durch die fremden Truppen. 5. Bestrafung der Boxexbeamten. 6. In Provinzen, wo Fremde mißhandelt wurden, werden die Staatsprüfungen auf fünf Jahre eingestellt. 7. Abschaffung des Tsungliyamen. 8. Die fremden Gesandten müssen vom Kaiser jederzeit empfangen werden. 9. Einfuhrverbot von Waffen und Munition. 18. Schleifung der Festungen im Binnenlande und an der Küste zwischen Schanhaikwan, Taku und Peking. Dem „TempS" wird aus Schanghai vom 15. Dezember gemeldet: Ich habe den Prinzen Tsching gesprochen, der die Gerüchte über die Rückkehr des kaiserlichen Hofes in°Abrede stellte. Er erklärte, China werde seinen Schadenersatz durch Jahresraten bezahlen, aber keine Anleihe aufnehmen. Das Hauptquartier des fünften deutschen Regiments in Tientsin, das vom 13. bis zum 20. Oktober von einem deutschen Posten besetzt war, ist niedergebrannt. Das Regiment befand sich auf einer Expedition. , Mten Lindes. Pl is f w Eine Tientsiner Drahtung des „Standard" klagt über das Borgehen der Deutschen, das von vielen Leuten als Vertilgungspolitik betrachtet werde. Tie deutsche Streitkraft sei soeben von einer Expe- ditton gegen G e n e r a l M e i in Tsangtschanfu am großen Kanal zurückgekehrt. Sie schlug die Truppen des Ge- nerals, plünderte sein Gepäck und befreite einige gefährliche Boxer, die er gefangen genommen hatte. Dieses Verfahren sei um so bedauerlicher, als Mei sehr thätig dre Boxer unterdrückt und der Kaiserin Trotz geboten habe. Von den Engländern in Tientsin werde die unheilvolle Thätigkeit der Teu tschen sehr bedauert. Man fürchte, sie könne die Beruhigung des Landes verzögern. Die Buren. Drr englische General Clements hat sich der Um- sctqlliißung auf dem Witvatersberg bei Hekspoort entzogen unter Einbüßung eines großen Teils des Twains den Rest nach Commandonek geführt. Seine Bskilulste sind schwer, sagt Kitchener in'seiner amtlichen MKLmg: getötet sind freilich nur 5 Offiziere und 14 Mann, Mrv ermißt, d. h. gefangen genommen 18 Offi- zinere und 55 5 Mann. Das ist in der That eine Vtrrlu stziffer, die nur wenige Gefechte des lang re 'Ittigen Krieges übertroffen haben. Unter den G!efa»genen befinden fich die vier Kompagnien der NbUhiuinberland - Füsiliere, die die Berbindung zwischen MlMnlS und dem am Nordabhang der MagalieSberge iletfeaben Broadwood aufrechterhalten sollten, und ihre Wichr sträflich vernachlässigt haben müffen, denn dadurch, dmtz ks gelang, sie zu überrumpeln, kam das ganze Lager Eltt-vmis in die kritische Lage, weil eS von der Höhe, wo M halben, beschossen werden konnte Was den Eng- liiiwbc tu diesen Verlust noch fühlbarer macht, ist dick! Thmsache, daß gleichzeitig De Wet entkommen ist. Lor) Kitchener berichtet aus Pretoria vom 14. Dezember «dtneral Knox trieb De Wet nordwärts nach TyabMchu und Ladybrand, der Linie, die von den britischen besetzt war. De Wels Streitmacht, etwa 3000 UJ“ stark, machte im Laufe des TageS verschiedene Ver- , Dienstag den 18 Dezember 150. Jahrgang LSOO I suche, mit Hilfe einer von Norden her operierenden Buren- I macht die Linie zu durchbrechen. Diese Angriffe wurden I abgeschlagen, obwohl es einigen Buren gelang, vom Süden I her durch die Linie zu kommen. In einer späteren De- I vesche meldet Lord Kitchener weiter: „Beim Passieren der I britischen Linie in der Nähe von Thabanchu erlitt De Wet I beträchtliche Verluste. Die Briten erbeuteten einen Fünf- I zehnpfünder, den die Buren ihnen bei De WetS Dorps I genommen hatten, und mehrere Munitionswagen. Sie I nahmen 22 Mann gefangen. Einem Teil der feindlichen I Truppen gelang es nicht, nach Norden durchzukommen." De Wet hat also schließlich doch, wenn auch unter Zurücklassung eines Teils seiner Leute, eines bei De Wets Dorp erbeuteten Geschützes und mehrerer Munitionswagen, die englische Linie zwischen Thabanchu und Ladybrand durchbrochen und sich mit den Burenkorps vereinigt, die bei Fouriesburg und Ficksburg ihr Zentrum haben, und deren Unterstützung ihm gewiß von großem Nutzen gewesen ist. Die Taktik, die ihm auch hier wieder geholfen hat, ist die der Auflösung seiner Truppen in kleine Abteilungen. Wie die südafrikanische Presse mitteilt, hat der englis che ^General Bruce Hamilton in Ventersburg (Oranje- Freistaat) folgende Bekanntmachung erlassen: Die Stadt VenterSburg ist zum größten Teile niedergebrannt und aller Lebensmittel entblößt worden als Strafe für die wiederholten Angriffe, die Burenhaufen auf die Eisenbahn in der Nachbarschaft gemacht haben. Die im Orte zurückgelassenen Weiber und Kinder der Buren mögen sich an Letztere um Nahrungsmittel wenden, falls sie nicht Hungers sterben wollen, denn von der Bahn aus werden keine Nahrungsmittel hingesandt werden! Zu der bevorstehenden Einwanderung von Kapland- Buren, die in den beiden Republiken gekämpft haben, nach Deutsch - Südweftafrika wird von bestunterrichteter Seite mitgeteilt, daß die vorhergehenden Verhandlungen mit der deutschen Regierung zu einem für die Buren befriedigenden Abschluß gelangt sind. Darnach ist ihnen der gewünschte Ankauf von Land in Groß-Namaqua- und Damara Land gewährleistet worden. 50 Kap-Kolonisten, die zurzeit in Amsterdam mit ihren Familien weilen, haben von dem deutschen Kolonialamt ein Schreiben erhalten, in dem die gegenseitige Uebereinkunft festgelegt worden ist. Gleichzeitig find auch die für die Uebersiedelung benötigten Papiere übersandt worden, sodaß die Abreise in die neue Heimat am 5. Januar erfolgen kann. * Telegramme des Gießener Anzeigers. Limerick, 17. Dezember. Entgegen der Opposition des Bürgermeisters ernannten die Gemeindebehörden einstimmig den Präsidenten Krüger zum Ehrenbürger der Stadt. Die letzten Nachrichten aus der Provinz beweisen, daß die anti-englische und burenfreundliche Bewegung überall in Irland bedeutend zunimmt. Loudon, 17. Dezember. Wie aus zuverlässiger Quelle | verlautet, wird Lord Roberts bei seinem beabsichtigtem 24stündigen Abstecher nach St. Helena, um sich von den dortigen Verhältnissen zu überzeugen, auch eine Rücksprache mit General Cronje haben. Deutsches Reich. Berlin, 16. Dezember. Wie aus Saupark b. Springe gemeldet wird, begab sich der Kaiser vorgestern vormittag mit den Jagdgästen in das Revier Gersiek, wo bei günstigem Wetter ein eingestelltes Jagen auf Sauen stattfand. Nachdem im Jagdzelt ein Frühstück eingenommen worden war, wurde in Hollerbruch ein zweites Treiben auf Sauen und Damwild abgehalten. Um 61/* Uhr erfolgte die Abreise des Kaisers nach Potsdam. — Ueber die Einführung eines Jnterims-Feld- marschallstabs hat der Kaiser unter dem 26. Oktober 1900, am 100. Geburtstag Moltke's, eine Kabinetsordre erlaffen, die bestimmt, daß alle Generalfeldmarschälle „neben dem großen Feldmarschallstab einen Interims-Feldmarschall- stab (Reitstock) führen." Die Kabinetsordre lautet: 1 " > ' —"?*v ijuit. Oberbürgermeister Kirschner, umgeben von Vertretern des Magistrats und der Stadtverordneten erwartete am Branden- burgerthor den Zug, um im Namen der Stadt die Heimgekehrten willkommen zu heißen. Da dieser Punkt des Festprogramms sich bereits um 2 Uhr abspielte und die Begrüßung vor dem Zeughause erst auf 3 Uhr festgesetzt war, zudem daö Kaiserpaar, der Kronprinz und die andern Prinzen von Potsdam noch nicht in Berlin eingetroffen waren, blieb der Zug bis nach Auffahrt der Allerhöchsten Herrschaften vor dem Brandenburgerthor aufgestellt. Um dreivierteldrei Uhr setzte sich der Zug wieder in Bewegung. Am Opernplatz bildeten die hiesigen Marine- und Krieger- Vereine Spalier. Auf dem ganzen Wege, den die Zurückgekehrten passierten, tönten ihnen laute Hochrufe entgegen D-.r Feldmarschallstab wird geführt: 1. bei Paraden, auch beim Vorführen emes Regiments als Chef, sofern nicht der Degen gezogen wird; 2. bei R^krutenvereidigungen; 3. bei Trauerfeierlichkeiten mit militärischen Ehrenbezeugungen; 4. bei den Mir und Ihren Majestäten den Kaiserinnen und Königinnen, sowie den auswärtigen Herrschern zu erweisenden militärischen Ehrenbezeugungen auf Reisen, sofern großer Empfang befohlen ist; 5. bei Denlmalseinweihungen von weil regierenden Herrschern; 6. bei Reichstags- und Landtags^ Eröffnungen oder deren Schluß, bet Kirchen Einweihungen sowie ähnlichem — Aus Anlaß der heute Nachmittag 1/x2 Uhr auf dem Lehrter Bahnhofe erfolgten Ankunft der abgelösten China- Kämpfer hatte sich eine zahlreiche Menschenmenge eingefunden. Die militärischen Gebäude und eine Anzahl öffentliche und Privatgebäude hatten geflaggt. Pünklich i/z2 Uhr lief der Zug von Wilhelmshaven auf dem Bahnhof ein, erwartet vom Gouverneur von Berlin und einer Kompagnie des 2. Garde-Regiments zu Fuß mit Spielleuten, Regimentsmusik und Fahne. Nach Vorstellung und Begrüßung formierten sich die China-Krieger, um zum Branden- burger Thor zu marschiren. Den Zug eröffnete die Marine- Kapelle, der vier Kompagnien Marine-Soldaten, in deren Reihen die auf den Taku-Forts erbeutete chinesische Fahne und die beim Sturm auf diese Forts geführte Reichs- KriegSflagge getragen wurden, folgten. Tann kamen die er ’ ■ .x । von den deutschen Mannschaften auf den Taku-FortS er- zosischen Vorschläge. Ferner unterzeichneten alle Mächte beuteten Geschütze, deren Bespannung das 1 Garde ^eld- °.n Instrument, worrn he hd> verüm»teten «„*. Anilltne Regiment gestellt hatte Hinter diesen folqtkÄe 1 Begleit-Kompagnie mit Musik. Als der Zug am Branden- Grosse Frankfi MltfUrtB M.E ;uschkuivt«r»ol,^ dutiegierung sprach lich gMttkN EG Dikchrrd chr tiefstes B .vv.W- Berlin, 17. Dezember. Tas Reichsmarme-Amt imnbc nach Mitternacht von Personen, die Angehörige a<»s dem Schiffe haben, aufgesucht. Ter Staatssekretär wc ^ich'itz begab sich) heute vormittag zum Kaiser, um *öictid)t zu erstatten. — Tas Schiff befand sich! auf der Mhkdc bei Malaga, um Schfeßversuche vorzunehmen, als esv Mlich, von einem gewaltigen, in solcher Heftigkeit fejCIen dagewesenen Sturm überrascht wurde. Es towbeii vergeblich Versuche gemacht, das Feuer der Tampf- keksstl ainzuzünden. Tie Anker rissen sick) los und das SZ^iss wurde auf einen Felsen geworfen, wo es Kttrschellte. Schließlich ragte nur noch der Mast her- nnH. Als alles verloren war, stürzte sich die Mannschaft ins Meer und versuchte sichi -durch Fest- äiiiflhii an Brettern und Rettungsgürteln zu retten, allein vianbr eiter Blut st reifen zeigte bald, daß viele der Uglücklichen ,an den Felsen zerschmettert wurden. Die BÄlcrden thaten ihr möglickfftes. Es wurden Rettungs- bcwfcr abgesandt. Der Bürgermeister stellte das .Rat- hc^ius für die Geretteten zur Verfügung. Mannschaften vrch Roten Kreuz schafften zahlreiche Verwundete ins S.Wl. Auch die Mitglieder der deutschen Kolonie bete iiEigten sich am Rettungswerk. Eine riesige Menschen- MMße wohnte auf der Moole dem traurigen Schauspiele be>i_ Tas Boot, in das sich der Kapitän Kr e tz s ch m a n n m tilt mehreren Offizieren gerettet hatte, schlug um, und bi ft f affen ertranken. Die Königin-Regentin und ein Instrument, worin sie sichj verpflichteten, bei Durchs b1ln9uiib ®inerfeinCibKänb(u^en $ina "u I der Zug am! pflegen, bis die Bedingungen der Kollektivnote anaeiwrn- I ^rgerthor angelangt war, machte-das Ganze halt, men find ö ■ hiimprniPifTPr m....... ein Bote gesucht jsf k'mmg des Gletzenal hort 06s ZvttgtS -«u ht. edtc D«s deutsche Schulschiff „Gueiseuau" ’ gekentert. HLUte früh erhielten wir folgendes Telegramm: Madrid, 17. Dezember. (Tel. des G. A.). Nach einer iÄdbuig der „Agenzia Fabra" strandete das deutsche Schul- >vtziff „Gneisenau" in der Bucht von Malaga. Das Schiff Wtrtf. Angeblich ertrunken 40 Personen. (Nach Er- kiludigragen au amtlicher deutscher Stelle bestätigt fich die Mnchricht von der Strandung des Schiffes.) Im Laufe des Vormittags liefen dann noch folgende Lieschen und telephonische Meldungen ein: Madrid, 17. Dezember. (Fabra-Meldung ) DieStrandung d«^„Gneisenau" erso!gte Sonntagvormittag. Infolge plötz lichm Sturms befahl der Kommandant schleunigst „Dampf u i stachen", die Sturmesgewalt riß die Ankerkette los und amldos strandete „Gneisenau" am Hafeneingang. Das Schiss fank bis zur Mitte des Mastwerks. Die Mannschaft spmng in die Fluten. Trotz heldenmütigen Rettungswerks eiLnnkea etwa 100 Mann, darunter Kapitän Kretzschmann. TiLe Ächörden brachten die Geretteten im Rathause und im Wchitul unter. r»i . - . o ---.-Jen dem deutschen Botschafter in JdHriö ihr tiefstes Beileid über das furchtbare Unglück owÄ Es sollen im ganzen 40 Mann umgekommen sein, uiM. diesen befinden fick; auch spanische Seeleute, die siich bei den Rettungswerken beteiligten. ! ij 2er Kommandeur des Gießener Bezirkskommandos, O!üeptleutuant De t ring, dessen Sohn sick) an Bord t.Gneisenau" befand, erhielt heute früh folgende er- rul'cke telegraphische Meldung: „B e i Strandung '2 „Gneisena u" gerette t". ■ Heuchelheiv gtfc Mieten an Sie gesM 'M Unitiofi* w -'MA Fnterr/i i7 WiM z» ml hiM ti. E M leiBte btre Leute zu nöi, Wiesbaben. Walter 722EQ22S1 SS® Manchem stehen noch die ausgestandenen Strapazen auf dem Gesicht geschrieben, Mancher hat beim Sturm auf die Taku-Forts ein Glied seines Körpers verloren. Der Kaiser, umgeben von den in Berlin anwesenden Prinzen des königlichen Hauses, der Generalität von Berlin, sämtlichen hiesigen Marine-Offizieren, den militärischen Bevollmächtigten der deutschen auswärtigen Staaten, sowie Abordnungen aller Offizier-Korps der Garnison Berlin, erwartete vor dem Zeughause die heimgekehrten Krieger. Unter dem Spiel der beiden Musik Korps schritt der Kaiser die Front ab und befahl den Einmarsch der Marine in den Lichthof des Zeughauses, wo sich dieselbe aufstellte. Der Kaiser ließ sämtliche verwundete und dekorierte Mannschaften vortreten und unterhielt sich mit jedem Einzelnen über die Art der Verwundung und der Gelegenheit, aus der die Dekorierung erfolgte. Jedem Einzelnen schüttelte der Kaiser kräftig die Hand. Alsdann hielt er ungefähr folgende Ansprache: Als Ich Euch mit banger Spannung ziehen ließ, konnte man noch nicht überblicken, wie sich die Verhältnisse gestalten würden; aber ich wußte, daß ich mich auf Euch verlassen konnre. Im Namen des deutschen Volkes sage ich Euch hiermit Dank. Ihr habt Euren Fahneneid gehalten und jeder von Euch wird in schwerer Stunde an den Fahneneid gedacht haben und es wird Euch die Bedeutung desselben klar geworden sein. Eure Land hat nicht gezittert und das Auge hat sich nicht getrübt, und so habt Ihr in schwerem Kampf den Sieg errungen. Der Herr der Heerschaaren hat Euch geführt und hat Euch geschützt und Euch wieder glücklich und sicher in die Heimat zurückkehren lassen. Dafür seid Ihr und müssen wir ihm dankbar sein. Das Auge des hochseligen Kaisers Wilhelm und seines edlen Sohms ruht» auf Euch. Ich habe Euch in die Reichshauptstadt einziehen lassen, damit auch das deutsche Volk Ge legenheit habe, Euch seinen enthusiastischen Willkommengruß zu bieten. Von heute an ist kein Zweifel mehr darüber, daß Heer und Marine eins sind, eine kann sich auf die andere verlassen, eine zollt der andern die gleiche Achtung, und darüber soll niemand mehr im Zweifel sein (hier sprach der Kaiser mit erhobener Stimme und schwenkte mit der Rechten den Marschallstab), daß, wo ich meine blauen Jungen hinsetze, sich niemand darüber setzt. Nun seid Gott befohlen und empfängt nochmals meinen kaiserlichen Dank. Der Feierlichkeit im Zeughaus wohnte die Kaiserin mit der Prinzessin Viktoria Luise bei. Nach Schluß der Feier nahm der Kaiser vor dem Zeughaus über die Marine-Abteilung und die Ehren-Kompagnie den Parademarsch ab. Vorher hatte der Kaiser die eroberten Geschütze in Augenschein genommen. Sitzung der Stadtverordneten Gießen am 15. Dezember 1900. Einziger Gegenstand der Tagesordnung: Einführung des Herrn Bürgermeisters Mecum. Beigeordneter Georgi eröffnete die Sitzung um 5 Uhr nachmittags, und schlug vor, die beiden amtsältesten Stadtverordneten, Petri und Wallenfels, zu beauftragen, Provinzialdirektor Geh. Rat v. Bechtold und Bürgermeister Mecum einzuführen. Nach Eintritt der genannten Herren ergriff Provinzialdirektor v. Bechtold zunächst das Wort. Nach der am 18. Oktober erfolgten Wahl des seitherigen 1. Beigeordneten von Solingen, Heinrich Anton Mecum, an Stelle des zum Präsidenten des Finanzministeriums ernannten Oberbürgermeisters Feodor Gnauth, und nachdem die Wahl die Bestätigung Sr. Königl. Hoheit des Großherzogs gefunden, liege ihm ob, den neuen Bürgermeister der Pro- vinzialhauptstadt Gießen in Eid und Pflicht zu nehmen. Bevor er zu dieser Amtshandlung schreite, weise er auf die hohe Bedeutung dieses Amtes hin. Den erfreulichen Fort- schritten, die die Stadt in ihrer Entwickelung gemacht, seien neue Aufgaben gefolgt. Er habe die Neberzeugung, daß Herr Mecum das Vertrauen, das die Stadtverordneten durch seine Wahl in ihn gesetzt, zum Wohle der Stadt rechtfertige Er rufe ihm ein herzliches Willkommen entgegen. Möge der Segen Gottes ihn begleiten. Er ersuche nunmehr den Bürgermeister, den vorgeschriebenen Eid abzulegen. Bürgermeister Mecum that dies mit den Worten: „Ich schwöre, das mir anvertraute Amt eines Bürgermeisters der Provinzialhauptstadt Gießen mit Treue, Eifer und Gewissenhaftigkeit zu verwalten, so wahr mir Gott helfe." Nach Verlesung oes über die Amtsverpflichtung ausgefertigten Protokolls übergab der Herr Provinzialdirektor Herrn Bürgermeister Mecum die Insignien, die er als Bürgermeister zu tragen berechtigt ist. Die Ansprache, die Bürgermeister Mecum an die Versammlung richtete, lautet: Hochverehrter Herr Geheimer Rat! Meine sehr geehrten Herren Beigeordneten und Stadtverordneten! Ihnen, Herr Geh. Rat, darf ick wohl in erster Linie meinen wärmsten, tiefgefühlten Dank dafür aussprechen, daß Sie in eigener Person meine Verpflichtung entgegengenommen und mich in mein verantworlungsreicheS Amt eingeführt haben. Ich möchte diese Ge- legenbeit nicht vorübergehen taffen, ohne namens der Stadt Gießen das Gelöbnis unverbrüchlicher Treue und unwandelbaren Gehorsams gegen den angestammten Landesfürsten und die Großherzogliche Staalsregterung zu erneuern. Ihnen gegenüber, Herr Geh. Rat, möchte ich die Bitte aussprechen, daß Sie wie bisher, so auch in Zukunft der Stadt und deren Verwaltung Jbr freundliches Wohlwollen bewahren und ihr auch fernerhin mit Rat und That zur Seite stehen. Umgekehrt gebe ich namens der Stadt, welche ich jetzt zu vertreten die Ehre habe, die Versicherung ab, daß Staats- regierung, Provinzial- und Kreisverwaltung diese Stadt stets auf ihrem Posten finden werden, namentlich wenn es sich um die Verbesserung der Lage der wirklich Hilfsbedürftigen und Notleidenden handelt Der städtischen Vertretung gegenüber sageüch hierdurch herzlichsten Dank für das Vertrauen, welches sie mir bei meiner Wahl entgegenbrachte, indem sie mich für fähig und würdig erachtete an der Spitze der Verwaltung dieses aufblühenden Gemeinwesens zu stehen. Es bedarf wohl keiner besonderen Versicherung, daß es mir vornehmste Pflicht sein wird, so viel an mir liegt, das Wohl der Allgemeinheit und jedes einzelnen Bürgers zu fördern. Für den einzelnen Beamten wird es kaum möglich sein rechtzeitig zum einzelnen Punkt zu erkennen, wo eine Verbesserung oder ein Fortschritt wünschenswert ist, er wird auch nicht immer in der Lage fein, sofort und mit unfehlbarer Sicherheit das beste Mittel zur Abhülfe zu finden. Ich bitte deswegen jeden einzelnen um seine Mitarbeit, ich bin jedem dankbar für eine freie Meinungsäußerung und nehme einen guten Rat jederzeit und von jedem gern entgegen, wie ich mich auch von meiner einmal gefaßten Meinung gern zur befferen Ansicht bekehren lasse. M. H. Es möchte manchem. scheinen, als ob die Entwickelung unserer Stadt nach Vollendung der jetzt in Ausführung begriffenen und demnächst in Angriff zu nehmenden Arbeiten einen gewiffen Abschluß erreicht haben würde ; aber ich meine, daß ein im Fortschritt begriffenes Gemeinwesen, wie Gießen, auch in Zukunft nicht ruhen und nicht rasten darf, denn Stillstand ist Rückschritt. Es wird Pflicht der Verwaltung sein, mit offenem Auge zu wachen, und die Entwicklung anderer Gemeinden sorgfältig zu beobachten, damit wir von diesen nicht Überflügelt werden. Die Verwaltung muß Ihnen über neue Fragen immer frühzeitig Vortrag halten, auch wenn die Zeit zur Lösung derselben noch nicht gekommen sein sollte, denn je früher man die Neuerungen ins Auge faßt, desto besser können sie vorbereitet und durchgeführt werden, wenn die Bedürfnisfrage sich nicht länger verneinen läßt. Ich rechne dahiu namentlich solche Anlagen, welche die sanitären Verhältnisse der Stadt zu derbeffetn ober durch zu erhoffenden Gewinn die Einnahmen zu 'S’ben im Stande sind. Nack) der eifrigen und vorsorglichen Tätigkeit meines AmtS- vorgängers wird es mir kaum möglich fein, in gleichem Maße nutzbringend zu arbeiten wie dieser; ater er soll mir allezeit ein leuchtendes Beispiel sein, welchem nachzueifern ich jederzeit eifrig bestrebt sein werde. Auch Sie, meine Herren Beamten, bitte ich um Ihre eifrige Mitarbeit. Der Rat und die Anregung eines alten, erfahrenen Beamten sind jederzeit wertvoll und schätzenswert und werden von mir immer gern entgegengenommen. Ich versichere Sie, daß jeder Beamte bei mir ein offenes Ohr finden wird. Sie alle, meine Herren, welche in diesem Saale versammelt siud, bitte ich nochmals herzlichst um ein einmütiges Zusammenwirken, dann wird es zum Wohle und Gedeihen unserer ltebm Stadt Gießen fein. Beigeordneter Georgi ergreift hierauf das Wort zu folgender Ansprache: Hochgeehrter Herr Bürgermeister! Nach Einführung in Ihr Amt, habe ich die Ehre, Sie im Namen des Stadtvorstandes als nunmehrigen Bürgermeister der Stadt Gießen zu begrüßen. Sie sind in diese verantwortungsvolle Stelle durch freie Wahl der Stadtvorstandes berufen worden und wird derselbe allezeit bereit sein, im Verein mit Ihnen die Interessen unserer Vaterstadt zu. fördern. Es erwarten Sie große, wichtige und schwierige Aufgaben, deren Vorbereitung und Ausführung der Stadtvorstand vertrauensvoll in Ihre Hände legt, und ist sich jeder Einzelne von uns bewußt, daß zur gedeihlichen Entwickelung unseres Gemeinwesens seine getreue Mitarbeit erforderlich ist. Sie finden zu Ihrer Unterstützung eine geschäftskundige, arbeitsfreudige Beamtenschaft. Nach Schluß der Sitzung werde ich mir erlauben, Ihnen die Herren einzeln vorzustellen, und gebe ich der Hoffnung Ausdruck, daß das seitherige gute Einvernehmen zwischen Verwaltung und Beamten fortbestehen möge. Nun, meine Herren, liegt mir noch eine weitere Pflicht ob. Wahrend der bürgermeisterlosen Zeit hat Herr Beigeordneter Wolff die Geschäfte der Verwaltung mit großer Umsicht und Hingabe geführt, und ist eS mir eine angenehme Pflicht, ihm dafür Anerkennung und Dank des Stadtvorstandes auszusprechen. Indem ich dies hiermit thue, möge er mir gestatten, bei dieser Gelegenheit wiederholt der Hoffnung Ausdruck zu geben, daß seine bewährte Arbeitskraft unserer Verwaltung noch recht lange erhalten bleiben wolle. Provinzialdirektor v. Bechtold sprach hierauf dem Beigeordneten Wolff Namens der Kreisverwaltung seine Anerkennung für die Führung der Bürgermeistereigeschäfte aus. — Nach Aufhebung der Sitzung stellte Beigeordneter Georgi die Stadtverordneten einzeln dem Herrn Bürgermeister vor. Prozeß Sternberg. Berlin, 15. Dezember. In der heutigen Verhandlung wird zunächst Rechtsanwalt M o d l e r vernommen. Er erzählt, eines Tages sei die Pfeffer zu ihm gekommen und habe ihn in Sachen des Sternbergprozesses um Rat gefragt. Sie habe gesagt, daß Freunde Sternbergs an sie heranträten, um Briefe, die in ihrer Hand seien, gegen Bezahlung zu erhalten. Sie wisse nicht, was Sternberg von ihr wolle, in den Briefen stehe rstckst viel belastendes; sie habe auch mit der Woydasache gar nichts zu thun. Er habe ihr geraten, die Hand davon zu lassen, da'sie sich event. einer Begünstigung schuldig machen würde. Frl. Pfeffer habe dann den Wunsch ausgedrüüt, daß er einmal mit Dr. Werthauer Rücksprache nehme. Er habe dies auch gethan und zugleich Dr. Werthauer gefragt, was denn da vorgehe. Als Frl. Pfeffer noch ein zweites Mal bei ihm gewesen sei, habe er, Zeuge, wiederum geraten, die Hände ganz davon zu lassen. Beim ersten Besuche schon habe die Pfeffer gesagt, daß die Freunde Sternbergs ihr den Vorschlag gemacht hätten, den Justizrat Kleinholz als Schiedsrichter damit zu betrauen, zunächst die Briefe selbst zu prüfen. Der Staatsanwalt glaubt hier feststellen zu können, daß Dr. Werthauer gestern die Sache so dargestellt habe, als ob Modler ihm gewissermaßen angeboten habe, Briefe zu kaufen. Rechtsanwalt-M o d l er entgegnet, das gerade Gegenteil sei der Fall. Rechtsanwalt Dr. W e r t h a u e r bemerkt, er habe die feste Meinung gehabt, daß oie Briefe vielleicht wieder solche Belastungen enthielten, deren Unzutreffendes und Unmögliches sofort nachzuweisen wäre, sodaß sie zur Entlastung Sternbergs dienen könnten. Staatsanwalt Braut fragt Dr. Werthauer, ob er denn wirklich glaube, daß jemand die ganze etwas phantastische Schilderung von dem Umwege, Belastungsmaterial zum Entlastungsmaterial zu machen, ernst nehme. Vielleicht könne Dr. Werthauer dies als Vertreter Sternbergs sagen — aber als Zeuge! Zeuge Dr. Wert Hauer : Ich muß doch sehr bitten, daß das, was ich als Zeuge hier sage, als durchaus ernst genommen wird. Der Vorsitzende fragt den Zeugen, ob er die Briefe, ioenii er sie verlangt haben würde, dem Gerichte überreicht hätte, wenn sie Betastendes enthalten hätte? Dr. W e r t h a u e r entgegnet, er würde, wenn Belastendes in den Briefen gestanden hätte, ohne Zustimmung seines Mandanten und der übrigen Verteidiger nichts mitgeteilt haben. Da er aber überzeugt sei, daß Sternberg nichts mit der Woyda vorgehabt habe, so glaube er, daß er die Briefe auch mit etwaigen Belastungen dem Gerichte überreicht haben würde. Rechtsanwalt W r o n k e r bemerkt, wenn Dr. Werthauer sage, er würde es für seine Pflicht gehalten haben, auch Belastendes dem Gerichtshöfe zu unterbreiten, so müsse er im Standesinteresse und im öffentlichen allgemeinen Interesse hiergegen Einspruch erheben. Die Verteidigung leide in diesem Prozesse so viel, daß es nötig sei, den Standpunkt der ehrenwerten Verteidigung klar zu stellen. Wenn in einem solchen Briefe Belastendes für den Klienten eines Verteidigers stehe, so gebe es für den Letzteren nur einen Weg: er dürfe darüber nicht sprechen, sondern müsse in einem solchen Falle seine Ver- der teihigung niederlegen. Er, Wronker, sage hiermit öHPh lich, daß es eine Pflichtverletzung des Ver digers fein würde, wenn er Briefe mit belastend Inhalt dem Gerichte mitteilen würde. Ehe die Vernehmung der Sachverständigen beging er klärt Rechtsanwalt Wronker, in einem- AM-/ „Post" werde der gestrige Tag als ein Unglüchtag hu- die Gesamtverteidigung bezeichnet, da Dr. Werthavu n-^ enthüllt habe, daß der Brieshandel unter Zustimmung iw Verteidiger stattgefunden; Dr. Sello werde als er huf re r Söldner des V e r b r e,ch e n s bezeichnet und sämtlich^ übrigen Verteidiger ebenso. Er, Wronker, bc- zeichnet diesen Vorwurf der „Post" als völlig unzutreffend; alle beteiligten Ohrenzeugen würden das Unzutreffende bestätigen können. Es folgen die Gutachten der medizinischen Lach verständigen. Physikus Dr. Puppe giebt als Schluß gutachten, das die vier Sachverständigen schon vor dcei Wochen einstimmig gefaßt haben, dahin ab: „Die pü chiatrische Untersuchung und Beobachtung der Friede Woyda haben ergeben, daß ihr Seelenleben insofern von dem normalen abweicht, als sie ihrer körperlich krank haften Beschaffenheit und der beginnenden Pubertal- entwickelung wegen zu Fehlern der Auffassung und Wiedergabe des Erlebten disponiert ist. Dieser Mang.'! und der daraus entstehende Hang zur Unwahrheit roerbüi wahrscheinlich unterstützt durch eine abnorme sexuelle Anlage. Inwiefern danach die Aussagen der WmA glaubwürdig sind, ist im Einzelfalle diesen ärztlichen Feststellungen gemäß zu entscheiden. Gerichtsphysikus Dr. Stürmer erklärt: Dieses Kind befinde sich, in einer bedeutungsvollen Lebensphoü', in der Pubertät. Bekanntlich komme es hierbei im Crga nismus nicht nur zu • einer Unmasse iwdtfigiict körperlicher, sondern auch äußerst tiefgreifender scher Veränderungen, aus denen sich je nach den Umständen die edelsten und gemeinsten Seiten der weiblichen Natur entwickeln könnten. Frieda Woyda lei ein sehr begabtes, mit vorzüglichem Gedächtnis ausgestatteler, zum Sinnlichen geneigtes Kind. Dazu komme,datzcs in einer Umgebung gelebt habe, und es obskure Buder zu sehen Gelegenheit gehabt habe, die es vollends zu vergiften geeignet waren. Er bemerke nochmals, daj; er bei seinem früheren Gutachten verbleibe. Sachverständiger Dr. Albert Moll schließt sich dem allgemeinen Gutachten durchaus aus. Frieda Woyda sei ein .And von deutlich; krankhafter Veranlagung, die eine sexuelle Grundlage habe. Ihre unwahren Darstellungen hätten ein sexuelles Beigemisch, sie sei degeneriert und diese Grundlage weise deutlich auf ihre Unglaubwürdigkeit hin. Geh. Med. Rat' Prof. Dr. Eulenburg behandelt in einem längeren wissenschaftlichen Vortrag die UrfiiiM/. denen Frieda Woydas Hang zur Unwahrheit entst-nw und giebt eine nähere psychiatrische Analyse über ihre Geisteskräfte. Ihr Gemütsleben und ihr Triebslebeu zeun anormal. Liebe, Freundschaft und RespektsgeM seun ihr vollkommen fremd. Auch von Scham und Reue IW man nichts an ihr bemerkt. Auch er schließe sich dem allgemeinen Gutachten voll an. Der Vorsitzende teilt nun den Eingang einer anonymen Karte' mit, in der behauptet wird, Fneoa Woyda seien 500 000 Mark für eine günstige Aussage versprochen worden und daß sie nach Schluß der Verhano- lung nach Amerika abgeschoben werden solle. Gerichtsphysikus Dr. S t ö r m e r hält die Ehlert iyeM für zurechnungsfähig noch für eidesfähig unt) enippen • deren Unterbringung in eine Anstalt. Die Ehlert ‘ eine „rüdige Kröte", aber eine krankhafte, schwachsmni-w Ueber die Callis könne er sich nicht äußern, weil nicht genügendes Material besitze. Nack)dem die Verteidiger noch verschiedene W an die Sachverständigen gestellt, werden diese entw'* ■ Cs wird bann nochmals Dr. Möhring verrinn Er rickstet scharfe Angriffe gegen die GlaubwürdW der F r a u L i e b e r t, die Feindseliges gegen den W vorgebracht hatte. Bei dem Wortgefecht, das sich zwlM dem Zeugen und der Zeugin entspinnt, bricht: h’lj» in einen derart heftigen Weinkrampf aus, daß t>tc Handlung auf einige Zeit unterbrochen werden W’ . Danach tritt die Schwägerin der Liebert, die jetzige b" Dr. Mö'hring, vor, um gleichfalls die Aussagen der b Liebert als falsch hinzustellen. . Die Angeklagte Sch Bing, die außer der günstigung auch der Beleidigung angeklagt ist, grem -' daß sie bei einem den Blümke's gemachten Besuch Polizeibeamten beleidigt habe. c FrauMiller wird über einen von ihr gestern ave in Begleitung ihres Mannes dem Tr. Werthauer a g statteten Besuch befragt. Sie bekundet, daß der Bl, der Erörterung von Rechtsfragen, betreffend ihre -- usw., gegolten habe. Als sie das Gespräch aus Prozeß habe bringen wollen, habe Dr. Werthauer gl i 0I» er würde sich nur in Gegenwart zweier Zeugen dieso z v $ Die^Beweisaufnahme ist. damit geschlosseu. der Vereidigung der noch nicht vereidigten 30 Z 9 führt zu längeren Erörterungen. , w-ibe Staatsanwalt Braut beantragt, eine dieser Zeugen nicht zu vereidigen, da sie der T verdächtig erscheinen. Darunter befinden sich d ' 1 wW.l™reL> e'*Äl «nicht ^btzhep^r, ■ • •S'5&| ui «WblchvbI . Wochen» gehalten und der Staal LdaßeraufsemM jren ist, weiß ma,| Herrn Schulze tlj» ; v. m Lternbergschen I Sic ^erausforderu« «lueil bildet den & Ieilens der teflfeft/ • eilo. Hierbei scheint nu fein, daß die Heraus! : to;W!Cr Zum Zwei ntspreche. ~ lüftet Dr. Sell nc.dpcm der Gerichtshof (Hei Begiinstigunc rffch! plaidieren. An S ffuitsanwalt Tr. Fuch Lngellagte Wender wir! D /Angeklagte Schedinc tii idigt werden. Tie Pla linde 'geführt : hto \W\\. M erwartet rund Äenoffen wurde i wernommen. Bei der -genommenen Angeklag! maä Briefschaften abg mgstnislos verlausen, b ri Prozeß, nicht ein, - k Aufwendungen des Hin iniiih 20000 Mark b> ** Hmvolle Bein Wan der hiesigen l ■ alischen Instituts Dr. dingen erhalten. Di Sroffen. L ?? y°*Wte, finnfi n beni ^Umstadt Diedrich < AE Et Md dkl 3 rw-girih s «Öl ernannt .Ä* W M6. He n|t,n S’W abends 6 1 Rechtsanwalt Dr. Werthauer entgegnet er ausdrücklich gesagt, daß er ohne Zusti'mniuV, fernes Klienten und der M i t v e r t e i d i g c r nicht-- geethan haben würde. Als bei verschiedenen Fragen db der Rechtsanwalt Fuchs I. an den Rechtsanwalt ' ler stellt, der erstere öfter vom „Kollegen" Wertha^ spricht, wirft Reechtsanwalt Wronker halblaut hc zwischen: „Rechtsanwalt Werthauer." Rechtsanwalt Dr. Werthauer weist dies- Zwischenruf mit gehobener Stimme als eine Ungei zurück, die er sich nicht gefallen lasse. Er halte die oes Anwaltstandes ebenso hoch, wie Wronker. Re§ anwalt Wronker nimmt hierauf den Zwischenruf zurüj Sternberg setzt in längerer Ausführung ausciv ander, daß es nicht unlogisch sei, wenn seine Freunde st in den Besitz des Briefes hätten setzen- wollen, mit dessen Hilfe es vielleicht hätte gelingen können, die Fäden de- Komplotts zu entwirren. Men Anff « ^llen BÄ! MÄNAl LvS ttnorerft einaM^n B. g fotnn hkh mit Msten 3 &4S 42 km Zähren ÖIOnil; p jeher $ flanken 'e aut Än^ein i#1 ; tii»1 eLl nMkn W ob eu fflr'ie® ® W-j ®lJTr Setto □■ii) ^enfo t*n n er 8h de« ' !(t« »t? * & et°«he’W an r °°m"sS15ts“«5 «»Muer” 1 TO? Lrtdatier stimme n(= • ®tti[ajje H die gtr*l 9en können, die? i®*t*big[nbt j *' r? eine,n Ai ?®8 als ein Unatin *t, ba^ S °"d°,7.-rZuftL r “ "”be "lii ^bchens bewirft eben,. Er, F W als völlig Unze n wurden das UiM en der medizinische ^uppe giebt al« : wvMtandigen schon f haben, dahin ab: j lö Beobachtung dci" lhr Seelenleben infofe s fie ihrer körperlii der beginnenden ehlern der Äussch- ispomert ist. Tiesnk Hang zur ünwahch? urch eine abnorme > i die Aussagen bfii Einzelfalle diesen e ntscheiden. ärmer erklärt: T. rtungsvollen Leber: komme es hierbei einer Unmasse äußerst tiefgreifebenen sich je nd'- gemeinsten Seite w - nten. Frieda M )em Gedächtnis^ Kind. habe, nnd-4 J V *, Jif es W Er Enterte niKtjmi fren verbleibe. #«'1; E «us. N [)ajtei VerackMS:Ä:n hre unwahm''Krisch, sie sei W* J ich aus ihre W-- jr Eulenburg ftlichen Bortrag « - , zur Unwahrheit t hiattische Analyse ,en und ihr Trieb fl und Respektsg- Luch er fW1 Ann d« ««’. -kW. MI[(tiebt«i rr. Glaub" f,sfe psfes- »*$>; die -«k/ WA °eA'^ k i6r^j er«***#* bell' JJ M i'e < r-'W 1 -t nüii1 1 »all" „ $ift, ,.,'ä>lo>!^' o0 d--'AM * dl ein' ify hfiintn’1 3 Gerichtssaal Kreditaktien . . 96.25 88 10 Diskonto-Kommandit Tendenz: fest. die früher leider unumgängliche Ueberbauung des . 211.50 . 177.40 . 132.50 . 146.00 . 149.70 . 143.CO . 142.00 . 152.90 . 182 50 . 174 50 Hyp'-A.-Bank 8. 8-12 8. 15-18 unk. b. 1900 8. 19-20, unk. b. 1905 . 8. 13, 14 8. 21, 22, unk. b. 1905 3V,% 4°/o 4O/o 4 */Q 8V, °/e 3V.°/o mtm mit Fug als ein Ereignis für Gießen bezeichnen. Zum eichrnmale nach Jahren öffnen sich die Räume der Stadt- zu einer musikalischen Aufführung größeren Stils, zr.ll! caftenmale wird die durch den Umbau erheblich ver- äiiiitrte Raumdisposition und die aus ihr sich ergebende Wilstik an einem monumentalen Werk kirchlicher Kunst sich zur belvähren haben. War der längliche, überwölbte Raum v»m jeher der Entfaltung des Tones günstig, so ist ihm di-nch die Entfernung der zweiten Empore, die so häßlich dw schlanken Aufbau der oberen Säulen durchbrach, eine SNeimerung der Akustik zuteil geworden, die — bei der ^nscchsrheit, die auch heute noch akustischen Berechnungen — als ein unschätzbarer, in diesem Maß garnicht eiHssüer Gewinn betrachtet werden muß. Einen idealen 55>°Msaal nannte diesen Kirchenraum ein Mann, der im Gslici: der Musik, speziell der kirchlichen, als Autorität gilt, UA.d milcht zuviel ist mit diesem Ausdruck gesagt. Daß MM die früher leider unumaänalicke Ueberbauuna des Preuss. do. do. do. do. Darmstädter Bank . Dresdener Bank . . Berliner Handelsges. Oesterr. Staatsbahn Gotthardbahn . . Laurahütte . . . Bochum . . . . Harpener . . . . 96.35 . 88.20 . 93.80 . 95.20 43.80 . 25.60 . 25.50 . 78.60 der Majoratsherr v. Solms Braunfels als Nebentitel führt. Die meisten ftandeSherrlichen Hausgesetze sind inbezug auf nebenbürtige Eheschließungen schärfer als diejenigen regierender Häuser gehalten. - Baron Hungen hinterläßt drei Töchter und einen Sohn. R. Der 1000. Kaffenschrank. In der vorigen Woche stellte, wie wir bereits mittedten, die Firma F. Krog- mann ihren 1000. Kassenschrank fertig Um dieses Ereignis würdig zu begehen, versammelte Herr Krogmaun am Samstag seine Arbeiter und Freunde zu einer kleinen Feier auf „LonyS Bierkeller", die sehr schön verlief. Einer Ansprache des 1. Gesellen folgte eine des Herrn Krogmann und der verschiedenen eingeladenen Gäste, die sämtlich in ein Hoch auf das fernere Blühen und Gedeihen der Firma ausklangen. Ein flottes Tänzchen beschloß die schone Feier. *♦ Aus dem Theaterbureau. Dienstag den 18. dS., wird als 8. Volks-Borstellung Charlotte Birch Pfeiffers einaktiges Lebensbild „Dorf und Stadt" zur Aufführung gelangen. — Der berühmte Affendarsteller Mr. Johnson gastiert hier am Donnerstag den 20. und । Freitag den 21. ds. MtS._______ Gießen, 17. Dezember. Ttrafkammer. Als Berufungsinstanz verhandelte die Strafkammer gegen den Bilderhändler der Firma Münch und Wehn zu Darmstadt, Hch. Lauer, der gegen em Urteil deS Schöffengerichts Laubach auf eine Geldstrafe von 5 Mk. Berufung em- eingelegt hatte, während der Staatsanwalt von diesem Rechtsmittel des u «vv>»HUU». V-...... ....I geringen Strafmaßes wegen Gebrauch gemacht hatte. Das Urteil lautete Dr. Voqel ging zunächst I auf Freisprechung. — Der 27jährige mehrfach vorbestrafte Karl SUP - • • - - - ■ muth aus Berstadt wird verschiedener Zechprellereien beschuldigt, die er in einigen Fällen unter Vorspiegelung ausgeführt hat, er sei Hufs- schaffner und beziehe als solcher ein monatliches Gehalt von 9o Mk. Unter derselben Vorspiegelung hat er es verstanden, bet einem Bekanmen einen Pump von 3 Mk. und bei einem Wirte ohne diese einen solchen von 2 Mk. anzulegen. Das Urteil lautet, unter Anrechnung von zwer Monaten der Untersuchungshaft, auf eine Gefängnisstrafe von 1 Jahr, sowie auf Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte für die Dauer von 3 Jahren. — Wegen Beleidigung der örtlichen Steuer-Veranlagungs- kommission zu Weckersheim, deren Mitglieder er „Gewitterhunde nannte, hatte sich der 70jährige Eierhändler Fr. Wilh. Schönwolf aus Wecker-- heim vor dem Schöffengericht Friedberg zu verantworten, war aber freiaesprochen worden, weil das Gericht von der Ansicht ausgegangen war, daß der Angeklagte die Absicht zu beleidigen mcht gehabt und chm auch das Bewußtsein einer strafbaren Handlung gefehlt habe. Die Kammer verurteilte den Angeklagten zu einer Geldstrafe von o Mark. femiten gekommen sei. Diese bekämpften die Sozialdemokratie am liebsten mit der Heugabel. Er hält dem Dr. Vogel das widerspruchsvolle Verhalten seiner Parteigenossen gelegentlich der Zuchthausvorlage vor, und flickte auch sonst den Antisemiten am Zeuge. Als er aber auf die Abgg. Werner und Hirsche! zu sprechen kommt, die nach seiner Behauptung Juden gegen Entgelt Berichte geliefert haben sollen, schneidet ihm der Abg. Kohler, bet Freund der Genannten, unter großem Lärm das Wort ab mit der Bemerkung: „Sie kommen hierher, um Unfug zu machen, S i e reden wie ein Bube und nicht wie ein anständigerMensch." Nachdem sich der unbeschreibliche Lärm gelegt hat, ergreift Krumm-Gießen das Wort, um den Standpunkt der Sozialdemokratie zu vertreten. Er spricht von den Gefahren der Getreidezollerhöhung und betont die Notwendigkeit offener Grenzen und des Exporthandels. Der deutsche Bauer werde von den Zöllen keinen Vorteil haben, dagegen könne mit Abschaffung der indirekten Steuern und der progressiven Einkommenssteuer geholfen werden. Nachdem noch „Genosse" Lindenstruth-Wieseck gesprochen hatte, entgegnete Dr. Vogel. Ihm erwiderte Ärunttn noch einmal. Ein Versuch ErdmannsdörfferS, nochmal zu Worte zu kommen oder zur Geschäftsordnung zu reden, scheiterte an der unerschütterlichen Weigerung Köhlers, der wiederholt äußerte: „Ungezogene Buben dulden wir nicht in unserer Versammlung". (Laute Rufe: raus, raus!) Nach einem kurzen Schlußwort, in dem er dem Sozialdemokraten Krumm für sein „entgegenkommendes Verhalten" dankte, schloß Dr. Vogel mit einem abermaligen Hoch auf das deutsche Vaterland, in das auch die Sozialdemokraten einstimmten, die Versammlung. — Wie wir hören, wird Redakteur Erdmannsdörfser aus Marburg gegen den Bürgermeister Köhler aus Langsdorf Privatklage erheben. •* Freiherr v. Hungen f. In Augsburg ist int 53. Lebensjahre der österreichisch-ungarische Konsul a.^D. Freiherr v. Hungen gestorben. Er war ein Prinz von Solms- Braunfels, sein Vater war österreichischer Feldmarschall, leutnant, seine Mutter eine geborene Prinzessin von Löwenstein-Rosenberg,tzund verwitwete Prinzessin Salm-Salm. Als er eine Bürgerliche heiratete, nahm er mit kaiserlicher Bewilligung den Namen Frhr. v. Hungen an, einen Titel, den Altars uns erspart bleibt, daß aus idealer Höhe die I Klänge herniedertönen, ist auch vom künstlerischen I Standpunkt eine so bedeutende Verbesserung, daß dagegen I einige Unbequemlichkeiten, vor allem der Umstand, daß ein I Teil der Zuhörer der Musik den Rücken kehren muß, nicht I ins Gewicht fallen. Sicherlich wird man sich schnell an die | neuen Verhältnisse gewöhnen und dem Konzertverein, der I durch die großen Schwierigkeiten des Unternehmens sich I nicht hat entmutigen lassen, wie dem Kirchenvorstand, der sich entschlossen hat, geistlicher Musik da« Gotteshaus wieder I einzuräumen, eß aufrichtig danken, daß uns eine weihevolle I Aufführung des Messias bereitet wird, für die eine wahrhaft 1 würdige Stätte in Gießen sich sonst nicht gesunden fjätte. I •• Postalisches. Nach einer Verfügung der Ober- I postdirektion Darmstadt werden an allen hessischen Poft- I anftalten am Sonntag dem 23. Dezember die Postschalter I zur Annahme von Postpacketen wie an den Werktagen ge- I öffnet sein; desgleichen zur Abgabe von Postwertzeichen am Sonntag dem 30. Dezember. I *• Deutscher Verein. Im überfüllten Saale des Gast- I Hauses zum Löwen sprach am Sonntag nachmittag der I deutsch-soziale Reichstagsabgeordnete Liebermann'scher Rich- I tung, Dr. Vogel, über „soziale Zeit- und Streitfragen". Die Versammlung wurde, obwohl vom deutschen Verein berufen, von dem Bauernbündler, dem Reichstags- und Land- I taodabgeorbneten Köhler- Langsdorf geleitet, der in feiner Einleitung betonte, daß die verschiedenen antisemitischen Richtungen zwar sehr verschiedene Meinungen hätten, aber | im Antisemitismus einig seien, r 2"“"xrt auf den Prozeß Sternberg ein, und meinte daß „Juden und Judengenossen" es fertig gebracht hätten, daß unsere I Polizei aus ihrer bisherigen Intaktheit herausgeriffen worden sei, und daß Rechtsanwälte sich dazu hergäben, ein offenbares Unrecht zu verteidigen. Er sprach dann über den Konitzer Mordprozeß, in dem nach seiner Ansicht von richterlicher und polizeilicher Seite eine Begünstigung der Juden ftattgefunben habe. Hierauf ging er zur Besprechung der Sozialdemokratie, versuchte das Berechtigte an ihr anzuerkennen, kritisierte dann die, „von Juden ihr gebrachten" unhaltbaren Theorien und erwies sich, fortwährend von lauten Zwischenrufen der anwesenden Sozialdemokraten u. A. unterbrochen, als Agrarier und Mittelstandspolttiker. Zwar soll der Arbeiter volle Koalitionsfreiheit haben, aber er soll sich eine eminente Zollerhöhung auf Getreide gefallen lassen, damit der Bauer höhere Getreidepreise erzielen, und so dank seiner größeren Kaufkraft ein besserer Abnehmer städtischer Jndustrieprodukte werden könne. Die Statistik beweise, daß immer mit steigenden Getreidepreisen hohe Arbeitslöhne Hand in Hand gingen. Der Arbeiter solle li/2 Pfennig für das Pfund Brod ruhig mehr bezahlen, sonst könne der Bauer nicht mehr bestehen, wandere in die Stadt ab, und drücke dann durch Arbeitsangebot die Löhne, oder wandere aus und mache als Bauer im Ausland dem deutschen Inländer Konkurrenz. Der Redner brach bann eine Lanze für den deutschen Binnenmarkt, bekämpfte die Warenhäuser und das Filialunwesen. Einem eifrigen Zwischenrufer bemerkte er, daß er praktischer Arzt sei, und ihn gleich untersuchen könne, und erging sich weiter in längeren Ausführungen über unsere „gefährlichste Partei", die Freihändler. Nach einem Appell zugunsten der Buren schloß er seine Rede mit einem Hoch auf das deutsche Vaterland. — Nach ihm sprach der Redakteur der Hessischen Landeszeitung, Erdmannsdörfser- Marburg, der an den Vorredner die Frage richtete, warum er mit seiner sozialen Gesinnung zu den Gießener Anti- 45.50 M. 45.50 „ 00.00 „ 96 50 B 88.00 „ 77.80 , 77.80 M. 77.80 „ 72.00 „ 72.00 . . Börsennachrichten. Berlin, 15. Dezember. Neueste Meldungen. (Telephon Meldungen des „Gießener Anzeigers".) Berlin, 17. Dezember. Die Trauerkunde von dem Untergänge des Schulschiffes „Gneisenau" verbreitete sich heute Vormittag wie ein Lauffeuer durch die ganze Stadt. Ihre Wirkung war um so größer, als sie den glänzenden Einzug der aus China heimkehrenden Marine Mannschaften unmittelbar folgte. Das Admiralitätsgebäude und das Reichsmarineamt wurden alsbald von den in Berlin lebenden Angehörigen bestürmt, jeder fürchtete für die ihm Nahestehenden das Schlimmste, und schon die Ungewißheit führte zu ergreifenden Szenen. Kurz nach 9 Uhr kam ein Telegramm mit der Kunde an, däß der größte Teil der Besatzung gerettet und die Bergung noch im Gange sei. DaS Telegramm ist unterzeichnet vom ältesten Navi- gationsossizier, Kapitänleutnant Werner. Daraus muß man schließen, daß außer dem Kapitän Kretzschmann auch der erste Offizier, Kapitänleutnant Berninghaus, nicht mehr unter den Lebenden ist. Der Vorsteher des Nachrichten- Büreaus des Reichsmarineamtes erteilte den angstvoll Harrenden, soweit es ihm möglich war, Auskunft. Es wurde auch sofort telegraphisch der Auftrag gegeben, so schleunigst wie möglich genau Nachrichten über die Verlustlisten hierher gelangen zu lassen. Die Verlustliste wird bald erwartet. Witebsk, 17. Dezember. Ein entsetzliches Verbrechen wurde auf dem Rittergute Adamowo verübt. Der reiche jüdische Pächter Gabriel Abramowicz, seine Frau, fünf Kinder und drei Dienstboten wurden überfallen und grausam ermordet. Die Raubmörder entflohen, nachdem sie alles Geld und Wertsachen geraubt und daS HauS in Brand gesteckt hatten. flkl SMtäanwalt Dr. Heinemann schließt «diesen YMsührungen an; desgleichen die Rechtsanwälte iom ter rind Mendel. Craatsanwalt Braut tritt den Ausführungen der 31/2% do. 8. 7/8, unk. b. 1906 40/0 D. Hyp.-Bank (Berlin) 8. 10 unk. 1908 do. unk. 1905 3Va % Reichsanleihe . 3 o/o ' do 3Vi % Konsole . , . 3O/o do ... 31/2 0/0 Hessen . . . 5°/o Italien. Rente . . 4 0/0 Griech. Monop.-Jftil, 3 0/0 Portugiesen . . 3% Mexikaner . . . 4'n ist, weisj man nixi)t. Ebenso ist der Aufenthalt L!«c)iau Suchard unbekannt, die in dem Tetektlvbureau ,\)errn Schulze thätig war und mehrfach Auftrage in dien Sternbergschen Sache zu erledigen hatte. Sie Herausforderung des Staatsanwalts Braut zum 'Hliell bildet den Gegenstand der Untersuchung leitend der Anwaltskammer gegen den Justizrat Dr. ; 2e110. Hierbei scheint der Gedanke maßgebend gewesen - W jein, daß die Herausforderung des Staatsanwalts als - Src.eBgegner zum Zweikampf nicht der Würde deA An- lPüli; entspreche. Zustizrat Dr. Sello und Dr. Wert Hauer werden, 1 lädpcin ber Gerichtshof ihre Vereidigung wegen mutmaß- ll.tbeu Begünstigung Ster nder gs abgelehnt hat, r ichi plaidieren. An Stelle der beiden Verteidiger wird MhEünwalt Dr. Fuchs L das Plaidoyer halten. Tie Angeklagte Wender wird durch Rechtsanwalt Heinemann, i?Le Äingeklagte Scheding von Rechtsanwalt Wronker ver- tiribigt werden. Die Plaidoyers dürsten Donnerstag nach- licitiag. zu Ende (geführt werden, sodaß in später Stunde tiü? Urteil zu erwarten ist. Im Verfähren gegen Wolff i.nb Genossen wurde das Sternbergsche Kontor-Personal ttetnommciL Bei der neuerdings in Untersuchungshaft c Müin menen Angeklagten Wender wurde eine Haussilchnng ritit Briefschaften abgehalten. Dieselbe ist, wie es heißt, engcbniislos verlausen. Die G er ich ts kosten im Stern- 1 isg Prozeß, nicht eingerechnet Honorare und besondere 1 Tw nbungen des Angeklagten werden bis heute auf runö 2 0 0 00 Mark veranschlagt. Aus Stadt und Zand. Gießen, 17. Dezember. * * Ehrenvolle Berufung. Wie wir hören, hat der orb. Zas. an ber hiesigen Universität und Direktor des physi- ''.Mea Instituts Dr. Paul Drude einen Ruf nach Tü- chi iige n erhalten. Die Entscheidung ist noch nicht ge- dflfklL * - Personalnachrichten. S. K. H. der Großherzog hat aut 15« Dezember dem Amtsrichter bei dem Atmsgericht G?vß°Umstadt Friedrich Kolb den Charakter als „AmtS- -1 Msrat" erteilt und den Amtsrichter bei dem Amtsgericht Sschiten Dr. Hermann von Ackermann zum Amtsrichter bd bem Amtsgericht Seligenstadt, mit Wirknng vom 11. Zinuar 1901 ernannt. * • Oberhesfische Gesellschaft für Natur- und Heilkunde. DD nächste Sitzung findet Dienstag (nicht Freitag) den . -».Dezember abends 6 Nhr im Auditorium des zoologisch rn Instituts statt. (Vergl. die Anzeige im heutigen Jn- j:|itienteil!) " Oberhesfischer Geschichts-Verein. In Berichtigung innftred Referats über die letzte Sitzung des Oberhessischen GüstichtSvereins wollen wir bemerken, daß es auf einer rrniizm Auffassung der Mitteilungen der betreffenden Redner brtt, wenn angegeben wurde, das alte Kanzleigebäude sdlinicht zum Teile zu einem Absteigequartier für LZe.Kgl. Hoheit den Großherzog eingerichtet werden. Das Wegmteik ist von dem Referenten mitgeteilt worden, derselbe ti.iljedoch bemerkt, daß voraussichtlich nicht alle für das Wchu.m vorgesehenen Räume aus Mangel an Mitteln mft eingerichtet werden konnten, daß dies vielmehr nur 2'iptfyen würde, wenn sich ein weiterer Bedarf ergebe. B, S. Kirchenkonzert. Die Aufführung des Messias, dEvnS am nächsten Mittwoch geboten werden soll, darf 4 % Deutsche Grundschuld-Bank 1 u. 2 40/0 do. 8. 5/6 unk. b. 1904 Ein willkommenes Weil» nachtsgeschenk K“u8„ie“ « stets Freude bereitet, ist die in fast jeder Familie so hoch geschätzte Pat. Myrrholin-Seise. An Feinheit und vorzüglichen Eigenschaften zu rationeller Hautpflege ist sie einzig in ihrer Art und deshalb auch der bevorzugte Liebling der Damen. Die Pat. Myrrholin-Seife ist überall, auch in den Apotheken, in Kartons S 3 Stück (Mk. 1.50) erhältlich. Nach Orten ohne Niederlage versendet die Myrrholin-Gesellschaft m. b. H. in Frankfurt a. M. 2 Kartons franko gegen Nachnahme von Mk. 3. aiM Blümke, Tr. Möhring, die Hedwig Ehlert, dw Frau llNcr. Was die Vereidigung des Justizrats Dr. Seiko b Misst, so könne er angesichts dessen, wie bie eaaje 16"£I liege, die Vereidigung nicht beantragen; auch nicht . 1 x bes Rechtsanwalts Dr. Werthauer. '.Rechtsanwalt Fuchs I bemerkt bezüglich der bean- t realen diichtvereidigung des Tr. Sello, daß erst geprüft inerten müsse, ob ein sostlfes Verfahren überhaupt zu- Mif sei. Es liege nicht der geringste Verdacht vor, .')?]« Dr. Sello sich der Begünstigung schuldig gemacht twjien könnte. Ebenso liegt es mit Dr. Werthauer. ~en s;,cu- der Briefe habe Tr. Werthauer vollkommen aufge- Telephonischei* Kursbericht Frankfurt, den 17. Dezember. Habe wieder ein Quantum 8148 Neidhart, Schirmfabrik Hl. Levi Schwesterchen Ottilie Gießen, den 17. Dezember 1900. 8158 Die trauernde Familie 8163 wir unseren tiefgefühlten Dank. 8156 Leschhorn. 8164 8165 Der Vorstand. 7818 Cmnts mit firme •nirfwortli* für >« TM-. * Wut., ffa te. M oti »»lM »„ t.iWr Itai.rtfÜW^U». u»> 6«.,»rufcrd (Si.tf* «°»<») 'n lHictiu*lnd)c MUeil-GeMk Graf Meng Ella, dessen Tochter Rosen Lemke, Rendant Karoline, d. Frau Gertrud,) ihre Anna, ) Töchter Eberhard Graf Meng Sebald, Schriftsteller Leo Kraft, Musiker Friedrich, Diener Charlotte Dekanntmachung. Es wird hiermit bekannt gemacht, daß der Kaufmann Friedrich Teipel in Gießen durch Beschluß Großh. Amtsgerichts Gießen vom 26. November 1900 wegen Trunksucht entmündigt wordrn ist. Gießen, den 13. Dezember 1900. nach kurzem, schwerem Leiden im noch nicht vollendeten 4. Lebensjahre. Familie Kaspar Eisenbach, Die Beerdigung findet Dienstag den 18. Dezember, nachmittags 4 Uhr, vom Sterbehause, Schulstraße 4, aus statt. Möbliertes Zimmer mit voller Pension für jungen Beamten sofort gesucht. Offerten mit Preisangabe unter F 8 Nr. 05264 an die Expedition d. Bl.__ Erine autoritative Aufklärung Bon anderer Seite Donnerstag den 80. und Freies den 2i. d. MtS.r Gastspiel des berüh«t-st" Affeudarftellersd. Keg-nwa» Kerrn I. Johnson. Die Beerdigung findet Dienstag den 18. Dezember, nachmittags 3 Uhr, vom Sterbehause, Kaplansgaffe 10, aus statt. süchtige Schreiner gesucht. Grüne bautn, Mböelgesch., Bahnhofstr. 35. 8150] Wegen Verheiratung meines Mädchens suche ich für Januar oder Anfana Februar ein braves Mädchen. -QS Frau Zlauhelmer, Bleickstrake 15. Kaufmann, 24 I. alt, militärfr., w. im Kolonial-, Eisen- u. Baumot.-Geschäft gel und sp. im Kolonial- v. Cigarrengesch. tdälig war, auch kl. Reilcn bes. hat, sucht bauende Stellung, am liebsten m hiesiger Stadt. Prima Zeugnisse u. Referenden Gest. Offerten unter G W 8152 an die Expedition dieses Blattes erbeten. ^Allgemeiner Deutscher A Versicherungs-Verein Stuttgart Die trauernden Eltern: Heinrich Babel und Fran, geb. Zoll. Gießen, am 1. Dezember 1900. Spar- und Leihkaffe Gießen. Doering. Todes-Anzeige. 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WkMrdikvS Sur Einführung und zum Verkauf eines sehr vornehm ausgestatteten und beliebten Witzblattes (10 Pfg.-Verkauf) am hnsiaen Platze wird eine 8147 befähigte Persönlichkeit gesucht. Genährt wird außer den anfangs notwendigen Einfübrungskosten eine angemessene Berkaufsprovislon, Offerten bitte unter J. C. 9356 an Rudolf Mosse, Berlin 8>V., zu richt Fra» Ama Ksadch Kayn Wilwk nach langem Leiden sanft verschieden ist. Um stille Teilnahme bitten siel Die trauernden Hinterbliebenen. Gießen, den 17. Dezember 1909. Oberhkff. Gesellschaft für UM- nnb Heilkunde. Nächste Sitzung: Dienstag den 18. Dezember, abends 6 Uhr, im Auditorium des zoologischen Instituts. Tagesordnung: Professor Spengel: Demonstration zoologischer Obsikte mittelst der Projektionsapparates. Todes-Anzeige. Verwandten, Freunden und Bekannten die schmerzliche Mitteilung, daß gestern nachmittag 41/» Uhr unsere liebe Mutter, Großmutter und Schwiegermutter von Anzeigi" w »jMändigt und bemerkt: Das Ergebnis bei Zab B; iwu 6eteN: Son einer M 5447,5 Jtgr. Okergut, Btiorlkn iß; 789,5 fiy. SaMl oi.ia'Dw. M Ry. Die Nachricht, daß i'l-tt von Anhalt auf be l'Mch den Herzog von A Foausgesetzesunölandes IWWbee Äg,4„ «W 6t)e nut * 'f* «- EÄ’Wfc als psa*' II: «ad «S* ;* ein dS* fr feulö blt Aermiitnnaen AAntatzal ps geb.a toiiV Derhalli tam DWl!»Schrochm hat, wie ♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦♦ Giessener Stadtthe^r DienStag den 18. Dezember lvvv: 8. VolksvorftellE Der Bnreaukrat Lustspiel in 4 Akten von G. von $W- Itlihorrnf Die Aeußerung gegen £UlUillUp* Margaretde Schneider von hier nehme ich als Unwahrheit zurück. Saasen, den 12. Dezember 1900. 05262 «atharine Schmitt. MW Nicht uninteressant ■ tidfi KreWrr von W\ dankbare Erfolge aV scher Interessent in der» xM schreck: ■ Die Aussätze über die Z» ida Whl gelesen, allem trofcb gLtoritSt der,W fattff ^ett^W^eorbnetergeh JöebilMzer mit großem «er! Enrfastung weiL foMe es werben müsse, soll mq M erfHden." 'Herr W do pfcti haben, weil er seit * sc: mit wachsendem Ersol chkreichen Gütern früher nich Kren aus feinem Gute Hütt sldche mit Tabak bepflanzt. loMol und verkaufte ihn zu 24 1»IK)) ergab aus den betreffen lüteVerwaltung an eine badisä z tifcaft?. Das ist ein gerade bSitionitofltn bei diesem £.ua Danksagung. Für die herzliche Teilnahme bei dem Hinscheiden unseres lieben, unvergeßlichen Kindes A ■■ , sowie für die trostreichen Worte des Herrn Pfarrer Dr. Naumann sagen Max Hofer. M'ladelaChaM' Eintrittspreise: Loge Mk. V-, 40 Pfg., Gallerte 20 Pig. Personen: , Willy Remoarot. Lucre Kugler Siegfr. Lacbmann. Hiero:,. Liebscher. Emmy Ernst Gertrud Korn. Henny Wohlb'U»' Hans Ramikyer. Arno dl BalthYlN. 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