15V. Jahrgang 1900 Sonntag de« 18. November! Gießener Anzeiger General-Anzeiger Amts- unb Zlnzergeblott für den Tkreis Giefzen. f -,E D,Ai3i3 Uezugspret» vierteljährl. Mk. 2LS monatlich 75 Pfg. mit Bringerlohn; bxrd) die Abholestelle« »icrteljährl. Mk. 1,90 monatlich 65 Pfg. Bei Postbezug Mk. 2,40 vierteljährt. mit Bestellgeld. Alle Anzrigen.BermitNmrgSstell«! deS Ja« «ad AuSlaades nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger entgegak Zeilenprei-: lokal 12 Pfg., anSwärlS 20 Pfg. Redaktion, Lspedition und Druckerei: Zch«t«raße Ar. 7. fliielme von Nnzeigen zu der nachmittagr für bea folgenden Lag erscheinenden Nummer bis Dann. 10 Uhr. Abbestellungen spätesten« abend« vorher. m. 271 Drittes Blatt Adresse für Depeschen: Anzeiger Kiehe». Fernsprecher Nr. 51. Gratisbeilagen: Gießener Familienblätter, Der hessische Landwirt, Klätter für hessische Volkskunde. frfteM tägNch mit Ausnahme de« Montags. Dir Gießener Hs«»tkie»vtätter «erden dem Anzeiger iai Wechsel mit „Hess. Landwirt- u. „Blätter str Hess. Lolkrkuude- rchtt. 4 mal beigelegt. rteilt -euchtlhti«, MerM BilVH, AberS l »So»»1 »V-'-S *«»•*"* * t***1 beweise, und entwickelte, wie auch wir modernen Evangelischen dein Wesen.unsererreligiösen Stellung entsprechend Kunstfreunde sein müßten. Der Redner ging kurz auf die bei Beratung der Lex Heinze stattgehabten Redeschlachten ein, und wies aus die Unrichtigkeit so vieler dort gegen die Kunst ausgestellten Behauptungen hin. Es fei begreiflich, daß Künstler aller Zeiten gern daS Nackte darstellten, denn der nackte menschliche Körper sei das schönste in der Schöpfung. Die Glanzperioden des griechischen Künstlervolkes lieferten uns eine Venus von Milo, einen Apoll von Belvedere usw. Wen« heute ein Künstler das Nackte darstelle, so thue er das, um sich an dem Schönsten im Reiche des Sehens z« erproben. Unrecht sei es, ihm die Absicht unterzuschieben, als habe er der Sinnenlust einen Dienst leisten wollen. Gegen diese Auffassung müsse energisch Front gemacht werden. Es seien oft nicht die Unbefangensten, die so als Beschützer der Befangenheit aufträten. Unrichtig fet es auch, daß unsere Zeit mehr an solchen „anstößigen' Kunstprodukten liefere, wie andere Zeiten, vielmehr fet die weite Verbreitung solcher Werke nur den großen Fortschritten aus dem Gebiete der Reproduktion zuzuschreiben. Man sage oft, daß eine Beaufsichtigung der Kunst notwendig sei im Interesse sittlich schwacher Menschen und auch unserer Jugend. Richtig sei dies gegenüber der Produktion, die unter der falschen Firma „Kunst rein den Zwecken der Sinnenlust diene. Solchen Werken gegenüber sei der Kampf bis aufs Messer am Platze. Im übrigen müsse man aber auf dem Wege der Erziehung und rechtzeitiger Aufklärung auf die Jugend entwirren und so allmählich das Verhältnis unseres Volkes zu seiner Kunst nach allen Richtungen hin gesunden lassen. Nach diesen mit feinem Takt unter Zuhilfenahme zahlreicher Beispiele vorgetragenen Ausführungen sprach der Geschäftsführer des deutschen Vereins gegen den Mißbrauch geistiger Getränke, E. Just über die Erfahrungen, die er in feiner Thätigkeit als Missionar in Indien gemacht hat. In den Pausen brachte ein Doppelquartett Weisen von Mendelssohn und Maier wirksam zu Gehör. Kurz und gut, es war ein wohlgelungenes Beisammensein. Am Mittwoch morgen versammelten sich die Festteil- nehmev u|nb zahlreiche Gäste int Konfirmandensaal der Johanneskirche zur Hauptversammlung. Nachdem Pfarrer Kleberger -Friedberg eine Morgenandacht gehalten hatte, erstattete Pfarrer Schlosser den Jahresbericht, dem zufolge es auf allen Gebieten rüstig vorwärts geht. Sodann wurde im Anschluß an die Vorstandssitzung folgende Resolution angenommen: „Die am 13. November zu Gießen tagende Versammlung des Vorstands, der Synodalvertreter und Mitglieder des Oberhessischen Vereins für innere Mission erklärt es angesichts der durch das Bürgerliche Gtefejk buch und das in Rücksicht darauf umgeänderte hessische Zwangserziehungsgesetz dargebotenen Erweiterung der staatlichen Fürsorge für verwahrloste und schutzbedürftige Kinder, angesichts des dringenden Bedürfnisses einer ST* Biete Floras — sah ich unlängst im Vorubergehen in der Fruchtstraße. Sie befindet sich in der Nahe des schlesischen Güterbahnhofes, wo jetzt tagtäglich die großen Ladungen von Kartoffeln eintreffen, die der Riesenmagen der Residenz während der Wintermonate verschlingen wird. In den Schaufenstern der kleinen Schanklokale dieser Straße ist die Ausstellung etabliert, und sie besteht au£ nichts anderem als — Kartoffeln. Da blicken uns mächtige blaue Knollen an, die fast die Größe eines Kinderkopfes erreichen; da reizen wunderliche Formen, die sich im Dunkel der Erde wie zum eigenen Vergnügen gebildet haben, unwillkürlich zum Lachen. Hinter diese« Schaufenstern aber sitzen die Gruppen der Groß- und Kleinhändler und verhandeln eifrig mit den Lieferanten und manches gute Geschäft, bei dem es sich um Tausende von Mark dreht, kommt hier zum gedeihlichen Abschluß. Das ist die Berliner Kartoffelbörse, die in den Herbst- und Frühlingsmonaten ihre großen Tage hat. Daß es recht ernstlich Herbst geworden ist, merkt man zu seiner unliebsamen Ueberraschung am deutlichsten im Tiergarten. Tas bunte Laub hält nicht mehr an de« Bäumen; die Wipfel sind bedenklich kahl geworden und die Siegesallee wirkt gespenfterhast auf den empfindsameren Spaziergänger. Der Lücken in der großen Denkmal-Straße find während dieses Sommers wieder merklich weniger geworden. Es wird nicht lange mehr dauer«, und die Siegesallee ist vollständig. Auch das Molttt- und Bismarck-Denkmal schreitet rüstig vorwärts. Ev bleiben dann noch die Anlagen, die für den KemperpwH beabsichtigt sind, der die Siegesallee im Süden abschlietzt. Die stolze Straße wird, wenn sie vollendet ist, — allerdings Geld genug gekostet haben; beträgt doch der Preis für jede der Herrschergruppen der Allee die Kleinigkeit von 5>0 t)W Mark. * * Zur Chinavorlage. Die Denkschrift zur Chinavorlage läßt manches tzermissen. Das, was zur Begründung der Forderung gesagt wird, ist doch nicht genügend. Sie wird also sehr Umfassender mündlicher Ergänzungen im Reichstage selbst oder in der Kommission bedürfen. Insbesondere laßt sie die Frage vollkommen unerörtert, weshalb der Reichstag nicht früher zur verfassungsmäßigen Beschluß- fessiung zusammenberufen worden sei. Auck), über die Kiele der Unternehmung beschiränkt sie sich aus An- beuöungen, die mehr oder weniger selbstver stand lick)- smd. DaS, was man in erster Linie von der Denkschrift er- tvaiten durfte, nämlid); die Lösung mancher schwierigen staatsrechtlichen Frage, läßt sie ganz vermissen. Et ist ja richtig, daß die Behandlung dieser Frage über bin Rahmen einer Etatsvorlage hinausreicht; aber bei der durchaus ungewöhnlichen Gestaltung der zu Äninde liegenden Verhältnisse hätte man füglich den sonst üblichen Rahmen überschreiten dürfen und müssen. Im großen und ganzen wird man wohl sagen dürfen, daß ks, was die Denkschrift bietet, durchaus nicht genügt, sondern der Ergänzung nach allen Richtungen hin bedarf. Zwei staatsrechtliche Bedenken steigen aber sofort auf. Tic ostasiatischen Truppenkörper sind gebildet über den Nahmen der gesetzlich fest gelegten und ohne Zustimmung des Reichstages unveränderlichen Friedenspräsenzstärke des Heeres hinaus. TaS ist unbestreitbar. Lebten wir mit China im Kriege, so würde eine solche Überschreitung unbedenklich und selbstverständlich sein. Es ist aber oft und mit denkbarster Entschiedenheit hervorgehoben worden, daß wir nicht mit Ehivia im Kriege leben. Gleichwohl legen wir diesen Bedenken zunächst wenig Bedeutung bei. Daß wir Truppen nodi China schicken mußten, liegt auf der Hand, und daß diese Truppen organisiert und in Regimenter u. sw. emgeteiit werden mußten, ist ebenso selbstverständlich Nun sind aber diesen Regimentern Fahnen verliehen Morden. Auch dagegen läßt sich grundsätzlich nichts sagen. Tie Fahnenverleihung ist Sache des allerhöchsten Kriegs- karn, und mit der Verleihung ist an sich nicht gesagt, haß der betreffende Truppenteil für die Dauer bestehen *L'lt Die Denkschrift sagt nun aber, daß es in Anbetracht kr geringen Friedenspräsenzstärke der einzelnen Truppenteile erforderlich sei, die aus dem Heere zum chinesischen Expeditionskorps übergetretenen Offiziere und Mann- seinften zu ersetzen, und zwar die Offiziere und Unter» »ssiziere möglichst bald, die Mannsck)aften beim nächsten ^kruteneinstellungstermine. Auch diese Maßregel ist an sich, verständig und geboten. Wir dürfen unser Land- ker nicht auf die Dauer schwächen. Für Ersatz der nach tiii-na gegangenen Offiziere und Mannschaften muß gesorgt werden. Lücken dürfen um so weniger geduldet vcrden, als die zweijährige Dienstzeit ohnehin höhere Ansprüche an die Mannschaftsstärke stellt als die dreijährige. Es tauckst aber die Frage auf, ob durch diese Maßregel nicht einigermaßen angedeutet werde, daß man willens sei, die ostasiatischen Truppenteile, wenigstens teilweise, dauernd als Kolonialarmee oder dergleichen bestehen zu lassen. Unseres Erachtens ist diese Frage zwar eine spätere Sorge; aber es wäre dringend zu wünschen, ja, vielleicht unbedingt zu fordern, daß die verbündeten • Regierungen darüber Auskunft geben, wie sie sich die weitere Entwickelung auf diesem Gebiete denken. Es muß jedenfalls der Anschein vermieden und der Verbäckst beseitigt werden, daß man gewissermaßen hinten herum etwas vorbereiten wolle, das man offen zu sagen sich scheut. Wir vermuten, daß der Reichskanzler fick) wird entschließen müssen, hier den Schleier etwas zu lüften. Daß die Offiziere und Mannschaften in China höhere Gebührnisse erhalten, ist selbstverständlich. Es würde sich dagegen nichts sagen lassen, wenn wir that- sächlich im Kriegszustände lebten. Ein kriegsähnlicher Zustand ist aber für das Deutsche Reich etwas neues. Immerhin chürde es Klauberei sein, wenn man gegen die Erhöhung der Gebührnisse den Umstand ins, Feld führen wollte, daß die chinesische Unternehmung kein staatsrechtlich erklärter Krieg sei. Ob die Erhöhung überall begründet sei, kann zweifelhaft erscheinen. Die einmaligen Mobilmachungsgelder, die, wie wir schon gestern mitteilten, für die Unteroffiziere 720 Mk., für die Offiziere 1200—2880 Mk. und für den Oberbefehlshaber 12000 Mk. betragen, scheinen nady Sage der Sache nicht übermäßig zu sein. Dagegen wird man wohl verschiedener Meinung darüber sein können, ob eine monatliche Besoldung von 12500 Mark (einschließlich der Dienstzulage) für den Oberbefehlshaber notwendig sei. Gewiß ist seine internationale Stellung zu berücksichtigen; aber Repräsentationsausgaben durften unseres Erachtens, wenn man sie nicht sucht, in China selten sein. Die Besoldungen der Offiziere und Unteroffiziere erscheinen im übrigen nicht zu hoch. Für heute wollen wir uns auf die Hervorhebung dieser Gesichtspunkte beschränken. Es wird im Laufe der Zeit, während die Vorlage den Reichstag und seine Kommission beschäftigt, noch Gelegenheit geboten werden, auf Einzelheiten und auf die gesamte Frage zurückzukommen. Jahresfest des Oberhesfische« Vereins für innere Mission. 8-r. Gieße«, den 15. November 1900. Schluß. Sodann sprach Pfarrer Fischer-Marburg über „Christentum und Kunst". Er ging davon aus, daß weder Christus noch seine Apostel eine knnstfeinblickse Stellung eingenommen hätten, daß auch Luther fein Gegner der Kunst gewesen sei, wie die künstlerisck>e Ausschmückung seiner Bücher und gar manche Vignette dort Igiebt es musikalische Genüsse von ersten Kräften, die sich bereitwillig in den Dienst der Sache gestellt haben; ein Riesen-Phonograph verzapft Knplets der ersten Komiker Berlins; eine Dame der Gesellschaft giebt graphologische Aufschlüsse über den Charakter nach einer schnell gelieferten Schriftprobe, natürlichi gegen Honorar, eine andere fungiert als Wahrsagerin; Öfsiziere liefern genner-Musik; aus dem Buffetsaal schallt fröhlicher Glaserklang; mit einem Worte: es ist eine Wonne, hier sein Geld auszugeben'. Amüsant ist der Kostüm-Palast, in dem große Firmen eine stattliche Annahs Püppchen mit modernsten Miniatur-Toiletten bekleidet und ausgestellt haben. Für Frauen ein sehr gefährlicher Aufenthaltsort weil er tausend Wünsche w ihren Herzen rege macht, und nur wer in der Lage ist, den Wunfchen der holden Gattin die bekannten „blauen Flügel zu leihen, sollte sich darauf einlassen, mit der Teuren hmemzuspazieren. Aber die Männer sind ja so entsetzlich unvorsichtia! Noch eine zweite Ausstellung tagt in dieser 3eit im Weickbilde Berlins. Draußen in der Hasenhaide haben sich die Esel zusammengefunden, bie dank der Bentuh- ungen des Tierschutzvereins in den letzten Jahren wieder lebhaft in Aufnahme gekommen smd, und lassen sich be- wuLn Mb zierliA unb Possierliche Gese len unb bebeutenb besser als ihr Ruf Da ihnen das Amt bas ste ben Hunden abgenommen haben, naturgemäß Nicht halb so sauer wird und sie außerdem das Publikum nicht durch das oft unerträgliche Gebell ihrer Vorgänger belaitigen, so können wir mit dem Tausch wohl zufrieden sein Obendrein verstehen sie es meisterhaft, mit den Ohren zu wackeln, und bilden dadurch das Entzücken manches drolligen Abe-Schützen, der sch vergeblich abqualt dieses wundervolle Kunststück nachzuahmen. Es giebt übrigens noch lange nicht genug Esel in Berlin, d. h. abgesehen von den zweibeinigen. Eine dritte eigenartige Ausstellung — «u» dem »c- Kerliner Kries. (Plaudereien aus der Kaiserstadt.) (Nachdruck verboten.) Veltausstelluug in Berlin — Meister Langohr i» der Hafen- foibe. — Die Berliner Kartoffelborse. — Neues aus der Siegesallee. Während sich in Paris bie Pforten bes großen Jahr- mrktes enbgütig geschlossen haben, ber ber bentschen In lufirie einen so unbestrittenen Erfolg befeueren sollte, echt plötzlich bas Gerücht burdj Berlin, baß wir infiziert find, baß ber Ausstellungsbazillus von etlichen sehr rührigen Vorstanbsbamen birett von Paris eingeschleppt worben ist- baß in den Tagen, ba bie französische Regierung kn Schlüssel umbrehte unb ber Sache ein Enbe machte, bie Krankheit hier zum Ausbruch kommt. Unb gleich in kr schweren Form einer Welt ausstellung. Aber äng- sliaen Sie sich nur nicht, geschätzte Väter reiselustiger Fa- iniCien» Wenn biese Zeilen in Druckerschwärze vor Ihre Augen kommen, ist alle Gefahr beseitigt. Wir smb flinker Vie bie lieben Franzosen : unsere Weltausstellung bauert nuc zwei Tage! Unb innerhalb bieser Zett ist bas große Ziel aller bieser Veranstaltungen ben Besuchern bie laschen tüchtig zu erleichtern, vollstanbig erreicht, unb dee„E v an a e l i sch e Fr aue n b u n b f u r A f r i ka hat ein stattliches Sümmchen für bie Einrichtung von Hanb- tverkerschulen in ben bentschen Kolonie n.zur Anfügung. Der Bazar, ber sich unter diesem etwas tnschrnchsvollen Namen in ben Sälen bes ,-Kast^ofs »ufchethan hat, zeigt natürlich, um nicht aus ber Rolle zu Men, bie verschiebensten Abteilungen, in benen bie Ereignisse ber einzelnen Nationen von leider nur zu Wnen unb daher doppelt gefährlichen Vertreterinnen älllgehalten werden. Neben biefer Straße der Nationen e ■ Yftrbti, jabixM litn ob. sooft. Mln reell n. billig v/eeM it £n!nnff; ptitiliM' wa frilittäfl. Abginig! tMxt teilt, Lalle a. mitzMahe 8. fiele He Rattialeit, Abmagem vinbelMl. Wir itbmigteit, träne, •n, fzfitpaier $ erbaut Mungen, Svbbrnii > fitchm oft dw valM zu ahver» tmb J littet ra faj** > mit -mklMeM- t an lebermann F mb nanto . iiMWJ KE?' Mn. ■ sorgfältigen Auswahl der Pflegeeltern und einer fortlaufenden sorgsamen Ueberwachung der Pflegekinder, angesichts der wachsenden Bereitwilligkeit der staatlichen Behörden, die Hilfe der Kirche und ihrer Organe der dieser Aufgabe anzunehmen, wo sie in zweckentsprechender Weise angeboten wird, für dringend geboten, uver das ganze Land hin Crziehungsvereine zu gründen, me »us Zweckmäßigkeitsgründen dekanatlich gegliedert, doch in einen Verband zusammengeschlossen und^ einander aushelfend, diese zum Heil der gefährdeten Seelen und zur Förderung des Wohls der bürgerlichen Gesellschaft unentbehrliche Arbeit leisten." Hierauf begrüßte der Sekretär des Landesausschusses, Pfarrer W a l d e ck - Darmstadt die Versammlung. Nach ihm sprach der Chefarzt des Elisabethenstiftes in Darmstadt, Tr. Coll atz, über „Stand und Aufgaben der Alkoholfrage". Deutschland komme in Be^ug aus den Alkoholverbrauch ztvar erst an siebenter Stelle, immerhin entfalle auf den Kopf der Bevölkerung 125 Liter Bier, 7 Mer Wein und 9 Liter Branntwein, gleich über 50 Mk. im Jahre, 3 Milliarden würden bei uns im Jahre für alkoholhaltige Getränke ausgegebcn. Ter Kampf gegen» den Alkohol müsse auf der ganzen Linie ausgenommen werden. Es sei eine Geselligkeit ohne Alkohol zu ermöglick)en. Herr E. Just-Hildesheim forderte zum Zusammenschluß auf. — In der Diskussion wurde der Wunsch geäußert, daß auch die Studentenschaft sich aufrasfen möge. ^iMrt Schlüsse fand folgende Resolution einstimmige Annahme: „Dtte Versammlung, tief bewegt durch die erschütternden Thatsachen der körperlichen, sittlichen und geistigen Verwüstungen, welche der Alkoholgenuß und zwar nicht nur der jetzt schon als übermäßig anerkannte, sondern jeder zum unwiderstehlichen Hang gewordene, in unserm Volk anrichtet, wie die Herren Referenten sie in ihren Vorträgen vorgeführt haben, erklärt es für eine Gewissenspflicht aller ernsten Christen aller Stände und Berufsarten gegen diesen furchtbaren Feind der Seelen, des Familienlebens und der Volkswohlfahrt mit allen Kräften, mit Wort und Schrift, vor allem mit dem eigenen Beispiel nüchternen und mäßigen Wandels, und wenn es notthut, sogar völliger Abstinenz anzukämpsen. tote* empfiehl^ dringend neben der persönlichen liebevollen Fürsorge für die einzelnen Trinker Zusammenschluß aller, die sich dieser Pflicht bewußt sind, in Lokal- und Bezirksvereinen des deutschen Vereins gegen den Mißbrauch geistiger Getränke zu gemeinsamer Arbeit und dem nötigen Aufklärungsdienst. Sie regt zur Förderung aller vorbeugenden Maßregeln, namentlich zur Gründung alkoholfreier Wirtschaften und, wo es . notthut, von Kaffee- und Wärmehallen und zum Zweck der Heilung der Trinker die Gründung eines Trinkerasyls für Hessen und Hessen-Nassau sowie von Enthaltsam- keitsvereinen zur Bewahrung der geheilt Zurückkehrenden an. Sie fordert gesetzgeberische Maßregeln gegen Trunksucht und die sie fördernden Auswüchse des Wirtshauslebens, und unterstützt die dahingehende Petition des Bundes deutscher Gastwirte an den Bundesrat, soweit sie diesem Zwecke dient." ks wurden dann noch die nötigen Schritte zur Gründung eines Verbandes, wie ihn ttc Resolution fordert, gethan. Mit einem gemeinsamen Mittagessen schloß das in allen Teilen wohlgelungene Fest. Aus Stadt und Land. Siege», 17. November 1900. •* Der historische Verein für das Großherzogtum Hessen hält seine 1. Monats-Versammlung am Montag, 19. November, abends 6y2 Uhr, im Hause der Vereinigten Gesellschaft zu Darmstadt mit folgender Tagesordnung ab: Vortrag des Gymnasialdirektors Prof. Dr. Schaedel- Gießen: ,,Haltlose loci communes der deutschen Popular-GeschichtSschreibung.- Bilbel, 14. November. Der Besitzer des Sprudels, Herr Brod, hat die hiesige Burgruine nebst dazu gehörigem Gelände für den Preis von 23 000 Mk. von dem bisherigen Eigentümer, Herrn Dr. Maley, käuflich erworben. Man nimmt an, daß ein Badehaus oder Kurhaus auf dem gekauften Grundstücke errichtet werden soll. Die Entfernung zum Sprudel ist keine sehr große, doch entspringt derselbe im Hauptteil von Vilbel (früher hanauischer Anteil), der am linken Ufer der Nidda liegt, während die Burg nahe der Brücke im sogenannten „Sachsenhausen", d. i. dem Teile von Vilbel rechts der Nidda (früher kurmainzisch), gelegen ist. Die Zuleitung des Sprudelwassers müßte daher, wie man der „Darmst. Ztg." schreibt, über oder unter der Nidda erfolgen. Darmstadt, 15. November. Zwei Raubanfälle, Mc am vorigen Sonntag zwischen 2 und 3 Uhr nachmit- i igs im Walde zwischen Rodau und Rohrbach mit größter orechheit verübt wurden, haben in der dortigen Gegend große Aufregung hervorgerufen. Erfreulicherweise sind die energisch angestellten Ermittelungen nach den nur ihrem Signalement nach bekannten beiden Thätern von raschem Erfolg begleitet gewesen, indem namentlich durch die Bemühungen des hierzu beauftragten Kriminalbeamten gestern die Feststellung der betreffenden Persönlichkeiten und ihre Üeberführung gelang. Die beiden, der 20jährige Schuhmacher Jakob Horn von Niedernhausen und der 20jährige Bildhauer Karl Hufnagel von Michelbach in Württemberg wurden in Frankfurt a. M. verhaftet, und es fanden sich einige der geraubten Gegenstände noch in ihrem Besitz vor. Die beiden sind mehrfach vorbestraft und gehören zur berüchtigten Klasse der Frankfurter Zuhälter. Hufnagel hat bereits ein Geständnis abgelegt, während Horn, trotzdem sich ein Messer, sowie die Uhr des einen Beraubten noch bei ihm vorfand, hartnäckig leugnet. Sie befinden sich in Untersuchungshaft hier und werden am nächsten Schwurgericht der Provinz Starkenburg zur Aburteilung kommen. Die Raubanfälle folgten fast unmittelbar hintereinander. Zuerst gingen die Thäter von Rodau aus einem jungen Burschen nach, gesellten sich unterwegs zu ihm und nahmen ihm an einer einsamen Stelle des Wegs mit Gewalt den kleinen vorhandenen Geldbetrag von Mk. 1.60 ab. Sie kehrten alsdann um und beraubten einen andere» jungen Menschen auf dem gleichen Weg. Dieser setzte sich zwar zur Wehre, wurde jedoch zu Boden geworfen, am Hilferufen gehindert und mit seinem eigenen Messer bedroht, bis er seine Uhr und 28 Mk. Barschaft auslieferte. Hierauf wohnten die frechen Thäter noch der Kirchweih in Groß Bieberau bei, verjubelten einen Teil ihres Raubes und begaben sich nach Frankfurt zurück, von wo sie am Samstag eingetroffen waren. (Darmst. Ztg.) Kastel, 15. November. Zu dem gestern schon gemeldete» Eisenbahnunglück wird uns noch von einem Augenzeugen berichtet: Ein Güterzug, von Hannover kommend, war auf dem Bahnhof Elze gegen 10 Uhr abends eingefahren, die Maschine des Zuges abgekoppelt und mit Rangieren beschäftigt, während von Göttingen, also aus entgegengesetzter Richtung, ein Kasseler Güterzug einlief, ohne daß das Einfahrtssignal gegeben ward. Drr Lokomotivführer des Kasseler Zuges konnte bei dem fallenden Niveau und der Schwere des Zuges (150 Achsen), da die Notbremsen versagten, diesen nicht mehr zum Stehen bringen und fuhr mit voller Kraft auf die mit Rangieren beschäftigte Maschine und drei Wagen, wrbei die letztere ca. 30 Meter weit zurückgeworfen wurde. Der Lokomotivführer und Heizer der Rangiermaschine sind, als sie sahen, daß der Unfall unvermeidlich war, rechtzeitig abgesprungen und mit dem Schrecken davongekommen. Der Zugführer des Kaffeler Güterzuges ist durch den Zusammenstoß von dem Trittbrett seines Wagens in den Kies geschleudert, wo er besinnungslos aufgefunden wurde, sich aber bald erholte und in dem Bohn'schen Hotel die erste ärztliche Hilfe empfing. Trotzdem, daß schon um 1 Uhr nachts ein Hilfszug aus Lem- hausen eintraf und die Nacht unermüdlich gearbeitet wurde, ist die Strecke heute abend noch nicht ganz frei, denn über fieben Wagen find vollständig zertrümmert und die Ladung der anderen Wagen teilweise auf dem Bahnkörper zerstreut. Der Materialschaden ist bedeutend. Vom Begleitpersonal erlitten zwei Personen leichte Verletzungen. Ungeachtet gewaltigen Wettbewerbs behauptet die ißlickensderfer ihren wohlbegründeten Ruf als einfachste, darum zuverlässigste, dabei dauerhafteste und handlichste Schreibmaschine. 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