M. 192 Zweites Blatt Samstag den 18. August 1SOO Gießener Anzeiger Heneral-^Un^eiger Amts* und Anzeigeblatt für den Areis Gietzen. Ä—♦*»». Du Uu^ener •■tfUnICOHcr MUR de» Änjrigt. I* 6k*f«t *rt „Hrfl. WikT *■ s» t)*f. ■•««tunbf- ■MtL tad Mfdeftt. 38e)*fl»prrU •icrteljäbrL Mk. 2M monaklich 75 Pfg. mit Bringerlohn) durch die AbholrsteL« merteljShrl. Mk. IM monatlich 65 Piz. Bei Postbezug Mk. 2,40 ourteljäK mit Bestellgeld. 10t Anzeigen-BermittlungSstellm de« In« und lnlle*l »edmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger entgeh». ZeUenprriS: lokal 12 Pfg., auswärts 20 Pfg. Mfcaka lag »Scheinenden Nummer 6Ü norm. 10 Uhr. IMijiluuyn spätesten» **M »»»her. MH», MyedNion und Druck-et: >4eflHe|t Ar. 7. —»—— GraÜsdeilasr»: Gießener FamMenblätter, Der heWche Kandwitt, Kättrr für hestifche DolKsKsnde. Adresse für Depeschen: Anzeiger #U|M. Fernsprecher Nr. 5L Amtlicher Feil. Bekauatmachung. Wir bringen hiermit zur öffentlichen Kenntnis, daß unter dem Geflügel des Bäckers Fritz Schreiner dahier die Geflügelcholera auSgebrochen ist. Gießen, den 17. August 1900. Großherzogliches Polizeiamt Gießen. ___________________Hechler.____________________ Was wird in China werden Nach einer allerdings sehr unsicher auftretenden Londoner Meldung sollen die Truppen der Verbündeten bereits in Peking eingerückt sein. Angenommen, die Nachricht bestätige sich, die einrückenden Trappen hätten die belagerten Europäer befreit und in ihren Schutz genommen — was dann? Ist der Krieg dann zu Ende? Englische Blätter hatten zu der Nachricht von der Ernennung des Grafen Waldersee die Bemerkung gemacht, voraussichtlich werde es für ihn in China nichts mehr zu thun geben, da bei seinem Eintreffen die Verbündeten schon längst in Peking eingerückt sein und die Gesandten befreit haben würden. Nach englischer und, wie eS scheint, auch amerikanischer Ansicht wäre also daS gemeinsame Ziel der Kriegführenden mit der Rettung der in Peking bedrohten Fremden erreicht und die Aufgabe der Truppen erfüllt. Daß daS nicht die Meinung der Regierungen von Deutschland, Rußland und Frankreich ist, geht, ganz abgesehen von den bestimmten Erklärungen der Staatsoberhäupter und der verantwortlichen Minister, schon auS'der einfachen Thatsache hervor, daß diese Mächte sich gerade jetzt, wo der Entsatz der Belagerten in Peking allein durch die gegenwärtig dort zur Verfügung stehenden Streitkräfte und trotz mangelnder einheitlicher Leitung in ziemlich sicherer Aussicht steht, zur Ernennung eines Oberbefehlshabers und zur Entsendung weiterer Truppenverstärkungen entschlossen haben. Sie halten eben die militärische Aufgabe der verbündeten Mächte in China noch lange nicht für erledigt, und darin stimmen wir ihnen bei, ja wir glauben, daß die eigentliche Arbeit jetzt erst beginnen werde. Zwei Forderungen vor allem sind es, über deren Durchsetzung zwischen Rußland, Deutschland und Frankreich volle Uebereinstimmung herrscht: Genugthuung für das Geschehene und Bürgschaft für die Zukunft. Das Programm ist sehr einfach und stellt gewiß das Mindestmaß dessen dar, was wir von China fordern müssen, aber seine Durchführung stößt auf einen Berg von Schwierigkeiten. Dazu gehört zunächst, daß die verbündeten Truppen nicht nur in Peking einziehen und die geretteten Fremden in ihre Mitte nehmen, sondern auch stark genug find, um die Riesenstadt zu beherrschen und die chinesische Regierung in ihre Gewalt zu bringen. Dazu würden aber die etwa 30,000 Mann, von denen ein großer Teil zur Sicherung der Strecke Taka-Peking zurückbleiben muß, doch schwerlich ausreichen. Die in Peking Eingerückten werden sich also zunächst darauf beschränken müssen, sich an einem Punkte der Stadt festzusetzen und dort die nach und nach eintreffenden Verstärkungen abzuwarten. Daun erst werden die Operationen beginnen können, die den Zweck haben, der chinesischen Regierung die Forderungen der Mächte auszuzwingen. Aber wer ist diese Regierung, und vor allem: wo ist sie? Mit dem Prinzen Tuan und den zu ihm stehenden Machthabern können die Verbündeten garnicht unterhandeln, denn deren exemplarische Bestrafung ist ja gerade das erste, was sie von der chinesischen Regierung zu fordern haben. Werden diese ferner überhaupt noch in Peking zu erreichen sein? Biel wahrscheinlicher ist es, daß sie sich, sobald ihnen die Gefahr näher aus den Leib rückt, ins Innere des Landes flüchten und den von ihnen gefangen gehaltenen rechtmäßigen Kaiser Kwangsü mit sich schleppen. An ein Nachrücken der verbündeten Truppen tausend Kilometer weit inS Innere und vielleicht noch immer weiter, falls die Hetzjagd wiederholt aufs neue beginnen müßte, ist schwerlich zu denken. Das wäre gleichbedeutend mit einem EroberungSzug durch daS ganze chinesische Reich, der einen unermeßlichen Aufwand von Geld und Menschen erforderte. Man wird sich also in dem garnicht unwahrscheinlichen Falle der Flucht der gegenwärtigen chinesischen Machthaber vielleicht mit dem Auskunftsmittel begnügen, eine provisorische Regierung einzusetzen und dieser die gemeinsamen Forderungen zu diktieren. Aber damit wäre nichts erreicht, denn sicherlich würden die von dieser Regierung gegebenen Versprechungen von keinem Chinesen beachtet werden, der sich nicht in der unmittelbaren Gewalt der Fremden befindet. Die flüchtigen Machthaber dagegen blieben auch fern von Peking die eigentlichen Beherrscher deS Rtesenreichs, deren Befehle allein von dem chinesischen Volk anerkannt werden würden. Cs wäre daher, wollen die verbündeten Mächte ihr Ansehen wahren und wenigstens in Peking und den Küstenprovinzen Ruhe und Sicherheit schaffen, die Beibehaltung einer größeren Truppenmacht für längere Zeit unumgänglich nötig, und diese Truppenmacht würde wahrscheinlich reichlich zu thun haben, um die von der fernen Regierung an allen Orten angesachten Aufstände niederzuwerfen. Aber selbst im günstigsten Fall, daß nämlich die Kaiserin- Witwe mit dem Kaiser in Peking oder doch in der Nähe bleibt und sich auf Unterhandlungen einläßt, ja alle Forderungen der Mächte bewilligt —- selbst in diesem Falle dürften die Verbündeten kaum am Ziele sein. Denn dann ist es mehr als wahrscheinlich, daß die Befehle einer in der Gewalt der Fremden befindlichen Regierung außerhalb Pekings keinen Gehorsam finden, und daß noch lange Zeit vergeht, bis die verbündeten Truppen die Aufstände, die sich dann nicht nur gegen die Fremden, sondern gegen die eigene Regierung kehren, niedergeworfen haben. Es wird dann gerade denjenigen Mächten, die heute der gegenwärtigen chinesischen Negierung am schärfsten gegenübertreten, die Ausgabe zufallen, sie gegen die von ihr selbst heraufbeschworene fremdenfeindliche Bewegung zu schützen, und ihr ihre Autorität wiederzugeben. Denn Deutschland sowohl wie Rußland und Frankreich, deren Stellung durch ein Zerreißen Chinas stark geschädigt würde, haben ein Interesse an der Aufrechterhaltung einer Centralgewalt in China. Aus Gründen, die denen dieser drei Mächte entgegengesetzt sind, allerdings auch Japan, denn das erstrebte japanisch-chinesische Bündnis läßt sich ja nur mit einer anerkannten chinesischen Centralgewalt abschließen. Anders freilich ist es mit England, dem ein Auseinanderfallen des chinesischen Reiches keine Sorge machen würde, wenn es sich nur den größten und reichsten Teil, die mittleren Seeprovinzen, zur alleinigen Beherrschung und Ausbeutung sichern könnte. Daher sind die Blicke Englands jetzt auch viel mehr aus Schanghai als auf Peking gerichtet, und es ist nicht ausgeschlossen, daß es nach vollzogener Rettung der Gesandten die Aufgabe in Peking für erledigt erklärt, und seine Streitkräfte aus Petschili zurückzieht, um sich schleunigst in den alleinigen Besitz von Schanghai zu setzen. DaS aber können weder Frankreich noch Deutschland noch auch Rußland zulassen, und es ist daher vorauSzusehen, daß ein Wettlauf von Trup.pen der verbündeten Mächte nach Schanghai entsteht, um dort die „offene Thür- auch englischen Absperrungsgelüsten gegenüber offen zu halten. An eine baldige Beendigung der chinesischen Wirren ist somit gar nicht zu denken. Wo man hinblickt, erheben sich Schwierigkeiten, von deren Bewältigung man sich heute noch keine klare Vorstellung machen kann. Und dabei haben wir von den Kämpfen, die uns in Schantung wohl kaum erspart werden dürften, vorläufig ganz abgesehen. Die 30 000 Mann, die wir nach China hinausschicken, finden dort Arbeit genug vor. Die Wirren in China. Mit Spannung und Hoffnung sieht man der Nachricht entgegen, daß es der Rettungsexpedition der Mächte gelungen sei, Pie Ausländer in Peking zu befreien; schon jetzt gehen Gerüchte um, daß die verbündeten Truppen vor oder gar schon in Peking ständen. Inzwischen wird man aber noch die Bestätigung abwarten, und einstweilen die neueren Nachrichten über den Verlauf des Vormarsches nachtragen. Bis zum Donnerstag abend war die Spannung darüber, ob die Verbündeten vor Peking eingetroffen und die Gesandten gerettet seien, noch nicht gelöst. Wir hatten in der Schilderung des Vorlaufes des Marsches auf Peking gesehen, daß die letzte datierte amtliche Nachricht aus Hohsiwu — in der Luftlinie 55 Kilometer von Peking — abgesandt war. Von dort hatte auch der britische General Gaselee am 10. August gemeldet, daß die Chinesen aus ihren vorbereiteten Stellungen, ohne erheblichen Widerstand zu leisten, geflohen seien, und daß die bengalischen Reiter die tatarische Kavallerie attackiert und unter anderm die Standarten der Generäle Ma und Sung erbeutet hätten. Vom 11. August hatte General Gaselee ebenfalls noch aus Hohsiwu gemeldet, daß Regen gefallen sei und dadurch der Vormarsch möglicherweise verzögert werden könne. Eine Verzögerung trat jedoch nicht ein, denn wir wissen, daß der amerikanische General Chaffee bereits aus Matou Nach richt gesandt hat. Diese undatierte Nachricht muß am 11. August abgegangen sein, denn inzwischen bestätigt eine Meldung der Agenzia Stefani aus Taku über Tschisu vom 14. August, daß die Verbündeten nach einem sehr beschwer lichen Marsche am 11. ds. M. inMatou ein getroffen sind. Diese Meldung fährt dann fort: „Ein starkes chinesisches Heer sperrt den Weg nach Tschangtschiawan. Ter Befehlshaber der trussischen Truppen teilt mit, daß die r ü ck Wärtigen Verbindungen bedroht feien; er befürchtet einen Angriff und verlangt Verstärkungen. Ein Bataillon Franzosen und zwei Kompagnieen Italiener, letztere vom Kriegsschiff Fieramosca, wurden gelandet." Tschangtschinwan ist der etwa 35 Kilometer von Peking entfernte Ort, wo die Engländer und Franzosen am 18. September 1860 die Chinesen zum ersten Male schlugen. Aber auch hier scheinen die Chinesen diesmal nicht stand- gehalten zu haben, denn eine sehr bestimmt lautende Meldung aus Tokio vom 14. August hat inzwischen mitgeteilt, daß die Japaner am 12. August bei Tagesanbruch Tung- tschou, den Flußhafen von Peking besetzt und bedeutende Waffen- und Getreidevorräte erbeutet hätten, nachdem der Feind sich in der Nacht, wie es scheine, nach Peking zurückgezogen habe. Die Entfernung von Tungtschou bis Peking beträgt in der Luftfinie 19 Kilometer. Früher, bevor die Eisenbahn von Tientsin in etwa fünf Stunden zur Hauptstadt führte, mußte man von hier aus, wenn inan von Tientsin in einem von Kulis gezogenen Hausboote den Peiho in zwei bis drei Tagen hinaufgelangt war, über Land nach Peking. Man bediente sich dazu gewöhnlich der in Tungtschou zu mietenden Esel, die einen auf der gepflasterten und verkehrreichen Straße, welche über die historische Aalikaobrücke führt, in etwa vier Stunden nach Peking brachten. Auch ein Kanal verbindet die Hauptstadt mit Tungtschou. Das Gelände ist wellig und von einigen tiefen Wasserrinnen durchzogen, bietet aber keinerlei Schwierigkeiten. Was nun die von der „Agenzia Stefani" gemeldete Bedrohung der rückwärtigen Verbindungen angeht, so ist bekanntlich schon früher gemeldet worden, daß größere chinesische Heerhaufen auf Tientsin in Anmarsch seien; auch wurde berichtet, der Feldtelegraph sei zwischen Pangtsun und Tientsin durchschnitten, alsbald aber wieder ausgebessert worden. Möglicherweise ist neuerdings abermals die telegraphische Ver- binbung gestört oder auch die Etappenstraße von Chinesen angegriffen worden, aber es ist anzunehmen, daß, um den Nachschub an Lebensmitteln und den Rücktransport von Verwundeten und Kranken auf dem Peiho zu sichern, die Etappen genügend besetzt worden sind, außerdem wissen wir, daß am 9. und 10. August deutsche Marinetruppen in der Stärke von 8 Offizieren und 257 Mann von Tientsin auf der Etappenstraße nachgerückt und daß ihnen am 10. von Tongku aus 160 Oesterreicher gefolgt sind. Ein russisches Regiment ist inzwischen am 15. ebenfalls mit der Bestimmung, die rückwärtigen Verbindungen zu decken, in Taku gelandet worden. Ferner sind in diesen Tagen die deutsche Marinebrigade unter General v. Döpfner, ein französisches Marineregiment und eine japanische Brigade, zusammen etwa 10 000 Manu mit 48 Geschützen, in Taku fällig und zur Verwendung auf der Strecke Tongku-Tient- sin-^Peking bereit. Es scheint also nicht, daß man sich wegen der angeblichen Bedrohung der Rückzugslinie des Rettungskorps vorderhand besondere Sorge zu machen brauche. Dus Expeditionskorps selbst hat sich denn auch durch diese Sorge' nicht beirren lassen, denn der japanische Admiral in Taku bestätigt, daß Tungtschou am 12. besetzt wurde, und fügt hinzu, am 15. August werde der Angriff auf Peking erwartet. Der Admiral würde das nicht melden, wenn ihm darüber nicht Nachricht von der Front zugegangen wäre. Somit greift eine Depesche des New- Pork Journal, das bereits die Rettung der Fremden zu melden weiß, vermutlich den Thatsachen vorauf. Diese vom 14. aus Tschifu datierte Depesche lautet: „Ich erfahre aus guter chinesischer Quelle, daß die Verbündeten am Montag vor Peking eingetroffen sind. Ich habe guten Grund zu der Annahme, daß das Heer den Einmarsch in Peking erzwang, und daß die Gesandten und ihre Freunde heute gerettet sind; wahrscheinlich befinden sie sich gegenwärtig wohlbehalten beim Heere der Verbündeten." Die Frage, ob in Shanghai britische Truppen gelandet werden sollen, zieht weitere Kreise. Reuter meldet darüber aus Shanghai vom 15. August: „In der meldet darüber aus Shanghai vom 15. August: „In einer heutigen Versammlung der Konsuln wurde kein Einspruch dagegen erhoben, daß die britischen Truppen getan* bet würben, boch erklärten bie übrigen Konsuln, baß aiuty ihre Regierungen Truppen lanben lassen würben. Der britische Konsul sprach sich aber dagegen aus und broyte, baß bie jetzt zur Lanbung bereiten britischen puppen z - rückgezogen werben würben. Me Kon sm l n )anbt f Grunb gemeinsamer Beschluß fa s s u n g Telegramm an ihre Regierungen: Wenn bie indischem "Truppen in Wusing zurückgezogen werde«, besteht große Gefahr für Shanghais Sicherheit. Diese Truppen sollten aus Grund einer internationalen Verständigung gelandet werden. Zum ausreichenden Schatz Shanghais sollten sofort mxfy mehr Truppen von den Verbündeten geschickt werden." * ♦ Die Agenzia Stefani meldet aus Taku über Tschifu vom 13.: Admiral Candiani ist hier eingetroffen. Eine Abteilung italienischer Truppen unter Befehl des Leutnants Sivianni ist in Aangtsun angelangt. Die verbündeten Truppen sind in der Nähe von Peking, nachdem sie am 9. ein chinesisches Korps, das Tungfuhsiang befehligte, zurückgeworfen haben. Aus Washington wird vom 16. gemeldet: Präsident Mac Kinley ist hierher zurückgekehrt. Das Staatsdepartement empfing ein Telegramm von Li-Hung- Tschang, in dem dieser bittet, zu veranlaffen, daß die verbündeten Truppen in Tungtschou ihren Vormarsch einstellten. An diesem Orte würden hohe Beamten mit ihnen Zusammentreffen, um mit ihnen einen Waffenstillstand zu vereinbaren. Rüstungen. Die Wiener Polit. Corr, meldet, daß die Zustimmung Oesterreichs zur Betrauung des Grafen Wal- dersee mit dem Oberkommando in China in direktem telegraphischem Verkehr zwischen den beiden Souveränen erfolgt ist. Cornely erklärt im „Figaro" die Zustimmung Frank- reichs zur Uebertragung des Oberbefehls an den Grafen Walderfee sei ein Gebot des Patriotismus und der gesunden Vernunft. Der „Russische Invalide" meldet, der Kommandeur der 20. Infanterie - Division General Mylow sei zum kommandierenden General des 3. sibirischen Armeekorps, und der Kommandeur des 11. Armeekorps General Filippow zum Kommandierenden des Landungstruppen-Armeekorps ernannt worden. In dem Abkommen zwischen der Regierung und dem Nordd. Lloyd betreffend die Stellung eines zweiten Lazarettschiffs in Ostasien ist insofern eine Aenderung eingetreten, als an Stelle des Dampfers „H. H. Meyer" der Dampfer „Wittekind" als Lazarettschiff treten wird. Die Wahl des letzteren Dampfers dürste wohl daraus zurückzusühren sein, daß er sich bereits vor Taku befindet, also schneller eingerichtet werden kann als der erst in drei Wochen zu erwartende „H. H. Meyer". Zu den vier Bataillonen Jnsanterie, die Ansang September nach China gehen, kommen noch drei Er- satzkompagnieen, je eine sür jede Jnsanteriebrigade, die voraussichtlich in einem Hasenort stationiert werden sollen. Für die anderen Truppenteile werden ebenfalls Ersatzdepots gebildet. Wie man ferner hört, wird auch eine Eisenbahnbau-Kompagnie hinausgesandt werden. Es scheint überhaupt daß man auf deutscher Seite dem Feldeisenbahnbau ganz besondere Berücksichtigung zuwendet, denn nicht nur ist bereits Anfang dieses Monats ganz bedeutendes Material für Bahnbauten hinausgesandt worden, sondern es wird jetzt wieder das Oberbaumaterial für eine 60 Kilometer lange Feldbahn auf den für Mitte September gecharterten Frachtdampfern verladen werden. Auch eine große Anzahl Wellblechbaracken, an denen zurzeit in Berliner Fabriken eifrig gearbeitet wird, werden mit diesen Dampfern verfrachtet werden. Außer den Großmächten hat auch die b e l g i s ch! e R e - gierung ihre Absicht zu erkennen gegeben, sich an dem Werke der Wiederherstellung der Ordnung in China durch Entsendung eines Truppenkommandos izU beteiligen.' Dieser Vorschlag scheint auf den ersten Blick nur dankenswert und findet auch eine gewisse Berechtigung in der Thatsache, daß bedeutende belgische Interessen in China vorhanden sind. Es entsteht hier aber die heikle Frage, wie weit dieses militärische Eingreifen Belgiens in die chinesischen Wirren verträglich ist mit der Belgien gewährleisteten Neutralität. Nach allen vorliegenden Kundgebungen sind die Mächte darüber einig, daß eine Austeilung Chinas nicht stattsinden soll. Wenn die Belgier also hoffen sollten, auf Grund ihrer militärischen Mitwirkung irgendwelche Gebietsteile oder Schutzrechte in China erlangen zu können, so würde das schonchus diesem Grunde unerreichbar sein, ganz abgesehen davon, daß die Geschichte und die Entwicklung des Kongostaates nicht dazu ermutigen, Belgien abermals mit einem ähnlichen europäischen Mandate auszustatten. • * • Telegramme des Gießener Anzeigers. London, 17. August. Nach Mitteilungen des hiesigen chinesischen Gesandten begab sich Li-Hung-Tschang nach Tientsin, um mit den dort aus Peking eintreffenden Gesandten der Mächte Friedensverhandlungen einzuleiten. London, 17. August. Nach einer Hongkonger Meldung ist die Mission Li-Hung-Tfchang in der Nähe von Nan-Hung von chinesischem Mob zerstört worden. Die Meuterer verbrannten sämtliche Häuser der chinesischen Christen. Die Behörden beteiligten sich dabei. London, 17. August. Aus Shangai wird gemeldet: Ein aus Peking zurückgekehrter chinesischer Flüchtling berichtet, daß daselbst keine Verwaltung mehr bestehe. Alles sei von den Aufständischen aufgelöst worden, Die revolutionäre Partei begnüge sich damit, ihre blutgierigen Gelüste zu beftiedigen und alle Personen, die Sympathieen für die Fremden zeigen, hinzumorden. — Li-Hung-Tschang, der die Schwierigkeit seiner Aufgabe eingesehen hat, sandte ein Memorandum an die Kaiserin, in der er die Ernennung eines hervorragenden chinesischen Staatsmannes verlangt, der ihn bei seinen Arbeiten unterstützt. Loudon, 17. August. Dem hiesigen Auswärtigen Amte ist bisher weder eine Meldung von der angeblichen Besetzung Pekings noch von Waffenstillstand.Verhandlungen zugegangen. Loudon, 17. August. Aus Hongkong wird berichtet, daß die Einnahme Pekings am vergangenen Montag durch die Truppen der Verbündeten stattgefunden habe. Einzelheiten hierüber fehlen noch. Meldungen aus chinesischer Quelle besagen, daß am Sonntag die Gesandtschaften noch Stand hielten. Die verbündeten Truppen sollen dem Feinde eine schwere Niederlage bei Tungaschao beigebracht haben, woraus sie ihren Weg nach Peking sortsetzten. New-dork, 17. August. Das „Evening Journal" veröffentlicht ein Telegramm aus Kobe, demzufolge Japan einen Waffenstillstand zwischen den Mächten und China vorgeschlagen habe. Letzteres habe den Waffenstillstand angenommen. Die Bedingungen der Mächte gingen dahin, entweder die Gesandten den Truppen der Mächte an den Thoren Pekings auszuliefern, oder den Truppen zu gestatten, die Stadt zu betreten, um die Gesandten zu holen. Japan habe die Verhandlungen eingeleitet. Der Krieg in Südafrika. Ein Berichterstatter des „Daily Telegraph" meldet aus Middelburg: Vom 2. Januar bis zum 20. Juni sollen die Buren 7000 Mann verloren haben, darunter 1000 tobt. Krüger soll sich seinen Bart haben abschneiden lassen und jetzt einen Schnurrbart, sowie einen langen Zickelbart tragen. Aus Krügersdorp meldet Reuter vom 15. August: „De Wet befindet sich jetzt, wie berichtet wird, jenseits Ventersdorp und marschiert gegen Norden, um Delarey die Hand zu reichen. Delarey steht in Rustenburg, Kitchener und die übrigen Generäle folgen De Wet auf dem Fuße." Die Meldung enthält über De Wet nichts neues; denn daß er Ventersdorp schon am 13. passiert hatte, ging aus der Depesche KitchenerS von diesem Tage klar hervor. Neu ist dagegen, daß Delarey nach Abzug der englischen Garnison und Jan Hamiltons das lange umstrittene Rustenburg nun doch besetzt hat. Damit ist eine Bereinigung De WetS mit Delarey in unmittelbare Nähe gerückt, denn die Entfernung RustenburgS von Ventersdorp, in Luftlinie rund 80 Km., vermag eine Burentruppe in zwei Tagen zu durchmeffen, wird aber dadurch noch verkürzt, daß Delarey De Wet entgegenziehen wird. Aus Twyfelaar wird vom 15. ds. gemeldet: Die Truppen des Generals Buller find hier eingetroffen (30 Km. südlich von der Station Wonderfontein), sie stießen auf keinen wirklichen Widerstand. 800 Buren mit sechs Geschützen befinden sich in der Nähe. (Twyselaar liegt 15 Km. westlich von Carolina. Buller marschiert also nicht nach Baberton, um die Buren in der'Flanke zu fassen, sondern direkt nach Norden, um sich mit French zu vereinigen.) Wie „Daily Mail" aus Lorenzo Marquez vom 15. August meldet, kam dort am 14. ds. eine russische Ambulanz an, welche aus 35 Personen, meist Mauen, besteht. Sie wurde jedoch zurückgerusen und wird unverzüglich nach China abgehen. Deutsches Keich. Berlin, 16. August. Aus Wilhelmshöhe wird gemeldet: Der Kaiser ist gestern abend 9 einviertel Uhr mittels Sonderzuges von dem Truppenübungsplätze Munster wieder hier eingetroffen. Die Fahrt zum Schlosse erfolgte in offenem Wagen. Das zahlreich herbeigeströmte Publikum empfing den Kaiser mit Hurrahrufen und Tücher- schwenken. Die Kaiserin erwartete den Gemahl im Schlosse. Heute vormittag hörte der Kaiser den Vortrag des Chefs des Generalstabes der Armee, Grafen von Schliessen. Die Kaiserin unternahm gestern nachf- mittag auf Wilhelmshöhe einen Spazierritt nach der Rasenallee mit dem Prinzen Joachim und der Prinzessin Viktoria, die auf Ponnies ritten, in Begleitung des Frl. v. Wittich, Tochter des kommandierenden Generals, und des Kchm-merherrn von Mülinen. Die Rückkehr erfolgte zu Wagen. Sowohl beim Ausreiten, als bei der Rückkehr wurden Ihrer Majestät von dem zahlreichen Publikum das lebhafte Ovationen dargebracht. — Auf Befehl des Kaisers findet am Samstag von 1 Uhr ab ein Festmahl (Frühstückstafel) zn Ehren des Geburtstages des Kaisers von Oe st erreich (f. Feuilleton) im Residenzscküoß am Friedrichsplatz in Cassel statt, an dem der von Berlin dort eintreffende österreichisch-ungarische Botschafter Graf v. Szögyenyi- Marich mit den Mitgliedern der Botschaft teilnimmt, ferner die ebenfalls von Berlin dort eintrefsenden sämtlichen Offiziere des gesamten Armee-Oberkommandos für Ostaften mit General-Feldmarschall Graf Waldersee an der Spitze, dem, wie verlautet, noch eine besondere Ehrung zugedacht sein soll. Ob die letztere, wie vermutet wird, vor versammelter Garnison mit anschließender Parade auf dem Friedrichsplatz stattfindet, oder bei dem Empfang im Residenzpalais, ist noch nicht bestimwt. Graf Waldersee, der von seiner Gemahlin begleitet sein wird, und die Offiziere des Oberkommandos für Ostasien reisen bereits an demselben Nachmittag mit dem Schnellzuge 3 Uhr 25 Min. wieder nach Berlin zurück, um von dort am folgenden Tage nach München zu fahren. Am 20. August, morgens 7 Uhr 20 Min., verläßt das Oberkommando München mittels Sonderzugs, um über Verona nach Genua zu fahren. Von Verona aus begiebt sich der General-Feldmarschall mrt einem Teil seines Stabes nach Rom'tzurn König von Stahen. Am 22. d. M. erfolgt dann in Neapel die Abreise nach Ostasien mit dem Reichspostdampfer „Sachsen". — Prinz Albrecht, Regent von Braunschweig, wird am Sonntag, 19. d. M., abends hier eintreffen, um sich am 20. früh nach Königsberg zu begeben, wo er im königl. Schlosse Wohnung nehmen wird. In seiner Ergen- schaf't als Generalinspekteur der 1. Armeeinspektwn, zu der das 1. Armeekorps gehört, wird der Prinz tn Königsberg nud in der Provinz Besichtigungen abhalten, die mit einer Parade über die in Königsberg garnisonierenden Truppen am 21. d. M. ihren Anfang nehmen. — Wie aus Münster im Elsaß gemeldet wird, ist Lord Salisbury gestern nachmittag dort eingetroffen und hat im Hotel Altenberg in der Schlucht Wohnung genommen. — Der „Reichsanzeiger" veröffentlicht die Verordnung betreffend die Einfuhrbeschränkungen wegen der Gefahr der Einschlepp ungderSanJose-Schild- laus. Die Verordnung tritt mit dem Tage der Verkündigung in Kraft. Das Blatt veröffentlicht ferner die Bekanntmachung betreffend die frachtfreie Beförderung der fürdas ostasiatischeExpeditionskorps bestimmten freiwilligen Gaben. Auslimd. Kopenhagen, 16. August. Der frühere Justizminister Rump ist heute gestorben. Sofia, 16. August. Der Konflikt zwischen Bulgarien und Rumänien, welch letzteres entschiedene Anstalten trifft, allen Bulgaren das Gastrecht zu verweigern^ solange die bulgarische Regierung den mazedonischen Terrorismus dulde, scheint dadurch ernster werden zu wollen, daß auch andere Mächte sich anschicken, die bulgarische Regierung zum Einschreiten gegen die mazedonischen Verschwörer zu veranlassen. All dem zum Trotz ist inzwischen der mazedonische Kongreß in Sofia zusammengetreten. So viel in diplomatischen Kreisen verlautet, ist ein Eingreifen in freundschaftlich beratender Form ins Auge gefaßt, wobei sl> viel als möglich, der schwierigen Lage der bulgarischen Regierung gegen die in den breiten Mafien der Nation so volkstümliche Institution des mazedonischen Komitees Rechnung getragen werden soll. Wenn auch an einem augenblicklichen Erfolge zu zweifeln ist, muß man doch nicht vergessen, daß die Mazedonier in Bulgarien die Rolle der Geister, die man nicht mehr los wird, spielen und daß vernünftige Bulgaren, ohne Verzicht auf nationale Zukunftsideale, dies voll erkennen. Es herrscht eine begreifliche Spannung darüber vor, was die bulgarische Regierung thun wird. Man sollte meinen, daß sie, wie jede anständige Regierung die Verpflichtung empfinden müßte, Mordthaten wie der jüngsten aufs schärfste entgegenzutreten und den Beschwerden der rumänischen Regierung das größte und aufrichtigste Entgegenkommen zu beweisen. Bisher hat sie das noch nicht in genügender Weise gethan, sondern sie zieht die Sache in die Länge, indem sie behauptet, ohne Beweise über die Beteiligung von Mitgliedern des macedonisch- bulgarischen Komitees gegen dieses nicht vorgehen zu können. Hoffentlich wird der Druck der auswärtigen Vertreter dazw beitragen, daß sie ein etwas rascheres Tempo anschlägt. Konstantinopel, 16. August. Die deutsche Regierung hat beschlossen, aus Anlaß des Regierungsjubiläums des Sultans eine Sondermission nach Konstantinopel zu entsenden. — Infolge der Vorstellung des englischen Botschafters wies die Pforte die Behörden in Van an, die Kurden, welche den englischen Vizekonsul in Van angriffen, energisch zu verfolgen. D» Polheibericht Ster die ßrinoriung fi ihrig kMderls. Der etwas verspätet erschienene Bericht des Polizei-Inspektors Cavaliere Galeazzi, der seit dem Attentat von Passanante den König Humbert stets begleitete, über den Vorgang bei der Ermordung des> Königs Humbert lautet: „Niedergebeugt von dem Schmerze über das gräßliche Ereignis, welches sich hier am Abend des 29. Juli abwickelte und nach 24stündigen langwierigen und mühsamen! Pflichterfüllungen finde ich erst Zeit und Ruhe, um Sie, über die genauen Umstände der That zu informieren. Der Unterpräsekt von Monza hatte mit dem Ordnungsdienst! (während des Turnfestes) den Leutnant der Karabinieri Borsarelli beauftragt, welcher sich alle Mühe gab, dem Auftrage gut nachzukommen, trotzdem sich ergab, daß die hierfür aufgebotene Mannschaft wegen des großen Zudranges des Publikums nicht ausreichte, was man wegen der nächtlichen Stunden, auf welche das Fest angesagt war, und wegen des beschränkten, vom Publikum nicht abgeschlossenen Raumes, der für die Passage der königlichen Wagen! im Innern des Festplatzes bestimmt war, hätte vorausseheN können. Nach meiner Ansicht war es auch ein Fehler, daß die lokalen und höfischen Autoritäten eine nächtlich? Stunde bewilligt hatten, um den König an einem populären Feste mit so viel fremden (!) Gesellschaften teilnehmen zu lassen, zumal vorauszusehen war, daß der Menschenandrang sehr groß sein werde. Es war sogar schon' zwischen dem Leutnant Borsarelli und dem Stallmeister Bussa für die Passage der königlichen Wagen eine, sehr lange Route und durch bevölkerte Gaffen vereinbart unb, eine viel bequemere, ljalb so lange verworfen worden; aber in diesem Punkte hielt ich es für angezeigt, so lange zu/ drängen, bis die letztere angenommen wurde. Von! den mir zur Verfügung stehenden Polizeiagenten wurden sechs auf dieser Strecke postiert und vier unter dem Bri- gabierc Casalegno im Innern des Festplatzes. Vom ersten Flügeladjutant General Avogadro hatte ich bloß den Auftrag, Nachricht zu geben, wenn auf dem Festplatz alles! bereit sei, damit Seine Majestät zu rechter Zeit eintreffen! könne, und ferner mitzuteilen, welche Autoritäten zugegen sein würden. Ilm Halo 10 Uhr konnte ich diesem Auftrage Nachkommen, und der König fuhr sofort ab und kam ohne Zwischenfall in die Einfriedigung bis zur königlichen büne, unter lautem Beifall begrüßt dnnch den Königsmarsch Man kann sagen, daß alles sehr gut verlief bis zum Schluffe des Festes, abgesehen von einigen irreden- tistischen Anwandlungen anläßlich der Zuteilung des! Preises an die tftientinische Gruppe. Inzwischen wurde der bloß neun Meter breite Raum vor der königlichen und den beiden seitlichen Tribünen, welcher nur zur Hälfte vom Publikum besetzt werden sollte, nach und nach von diesem vollständig besetzt, und als am Schlüsse des Festes die Wagen in den Festplatz sich begaben (um die königlichen Herrschaften abzuholen), konnte nur mit großer Mühe ein Durchgang durch die Menge bis zur königlichen Tribüne geöffnet werden. In diesem Augenblick, während der König sich von dem Behörden verabschiedete, drängte die Menge vom Festplatzl her in den Raum vor der königlichen und vor der rechts derselben liegenden Tribüne, welcher von den Wagen auf der Rückfahrt durchfahren werden mußte. So drängte sicht hier die Menge sehr schnell zusammen, und es war un- möglich, sie zurückzudrängen, weil hinter ihr die Stuhl- reigen waren. So lagen die Dinge, als Seine Majestät nach Verabschiedung der bis zum Wagen Ihr das Geleit gebenden Behörden in denselben stieg (zusammen mit dem Minister Ponzio-Daglia und dem General Aoogadro di Quinta-, wo er, aufrecht stehend und mit dem Hute in der Hand, sichtlich sehr befriedigt ob des Empfanges, dem allgemeinen Applaus der Menge antwortete. Ich stand an meinem üblichen Posten am rechten Kntschenschlag und hinter mir die Wachen meiner Abteilung Cerocchi und Tinti. Sobald der König sich setzte und das Zeichen zur Abfahrt gab, drängte ich mich mit Mühe vorwärts, um zu versuchen, Raum zu schaffen, und gerade in diesem Moment hörte ich hinter mir Revoloerschüfse (drei, wie mir scheint). Als ich mich sofort zurückwandte, sah ich den ttönig in den Wagen zurückfallen, einen Blick höchster Verachtung auf den Mörder werfend, der bereits von der Wache Cerocchi, dem Kutsck)er Lupi, dem Cavalieri Olivieri, Sekretär des königlichen Hauses und anderen Privaten, sowie von den Carabinieri, die sofort herbeigeeilt waren, ergriffen worden war. Wütend schrie die Menge i „Tötet ihn!" „Schlagt ihn nieder!" und jeder trachtete, bis zu ihm zu gelangen, um ihn mit Fäusten und Stöcken zu schlagen, so daß er sehr übel zugerichtet wurde. Als ich den Mörder dingfest gemacht sah und meinen Polizisten befohlen, ihn sofort zu untersuchen, eilte ich mit dem Brigadier Casalegno dem königlichen Wagen nach, welchen wir bis in die Villa begleiteten. Der König war an verschiedenen Körperteilen verwundet und starb, nachdem er kaum in sein Bett transportiert worden war, ohne daß er ein Wort hätte sprechen können. Mit dem Brigadier Casalegno untersuchte ich den königlichen Wagen, konnte aber keine Spuren oder Durchlöcherungen, von den Geschossen herrührend, auffinden, nur einige Bluttropfen auf dem linken Sitzpolster und dem Fußteppich, auf welchem gleichfalls eine Revolverkugel gefunden wurde, die allem Anscheine nach abgeschossen worden war. Unterdessen kehrte die Wache Cerocchi ganz mit Blut bedeckt zurück und brachte mir Bericht über den Mörder, welchen er mit Hülfe der Carabinieri in die Kaserne der letzteren transportiert hatte. Er berichtete, daß, als er den Mörder am Kragen packte, er von diesem einen Biß erhielt und von der Menge Stockhiebe, welche dem Mörder zugedacht waren. Er übergab mir auch einen Paß ins Ausland, ein Tagebuch und andere Gegenstände von sekundärer Bedeutung, welche dem Mörder abgenommen worden waren und dessen sofortige Identifizierung ermöglichten". Aus Stadt und Land. Gießen, den 17. August 1900. ** Der Jahresbericht der Gro ßh. Handelskammer, der uns soeben zuging, giebt in seinem Vor- wort eine Uebersickfl über das letzte Rechnungsjahr. Die günstige Lage der Industrie, von der wir im Vorjahre berichten konnten, hat auch im Berichtsjahre angehalten. Tie Ein- und Ausfuhr-Ziffern sind gestiegen, der Verkehr hat überall zugenommen. Dies gilt nicht nur allgemein für unser deutsches Vaterland, sondern auch sonderlich für Handel und Industrie unseres Bezirks. Eine ganze Reihe von industriellen Unternehmungen können auf einen ungemein befriedigenden Geschäftsgang zurückblicken. Dagegen ist eine merkliche Besserung in der für Gießen so wichtigen Rauchtabak - und Cigarre nfabrika- 1 i o n nicht eingetreten. Verschärfter Wettbewerb mit seinen «oft unvermeidlichen Folgen: Überproduktion und preisdrückender Tendenz, sowie Ueberschreitung des sechsmonatlichen Ziels seitens der Kundschaft geben hier fortgesetzt zu berechtigten Klagen Anlaß und verhindern eine erfreuliche Weiterentwicklung dieser Branche. Nach wie vor ist auch die Lage des Groß - und Kleinhandels keine sehrgute. Zu den alten Beschwerden über die Konkurrenz der großen Versandtgeschäfte usw. kommen jetzt vielfach solche über ausgedehnte Mißstände im Detailreisen, namentlich auf dem Lande. Die gesetzlichen Bestimmungen, werden in zahlreichen Fällen nicht innegehalten, und so erwächst dem Handel unseres Bezirks ein durchaus unger ed)|tfertigter Schaden. Es wäre sehr zu wünschen, wenn die Verwaltungsbehörden hier ein wach^ sames Auge auf die genannten Mißstände haben wollten. Der erfteuliche Aufschwung, den eine ganze Reihe von Branchen in Industrie, Handel und Gewerbe in unserer Provinz genommen haben, hat schon seit langer Zeit den Wunsch rege werden lassen, die Interessenten im Lande draußen zur Mitarbeit in unserer Kammer heranzuziehen. TIrs Jcchr 1899 hat uns nun die geplante Einteilung der Provinz in Handelskammerbezirke gebracht. Unsere Kammer uimfaßt die Kreise Gießen, Alsfeld, Lauter- vach mit insgesamt 18 Mitgliedern. Diese Erweiterung unleres Bezirks hat eine große Ausdehnung unseres Wir- .Mr Folge gehabt und wird hoffentlich nicht ^^bulrchen Einfluß auf die Entwickelung der von un. vertretenen Erwerbskreise bleiben. Zunächst sind wir fnrrt (Lm?Tee!lt^t.en ber neukonstituierten Kammer ! b0v Fruchahr 1900 — in der Lage gewesen, nnn IvHrhtPn V^res Jahresberichtes auf Grund von Berichten auv allen Teilen unseres Bezirks ausru- A? 39- 1898 lief der mit England ge- schlossene Handelsvertrag ab, ebenso am 30 ^uli 1899 das im Jahre 1898 bewilligte einjährige Provisorium Jedoch verbleibt mit Zustimmung des Reichstags und ^>es Bundesrats das Britische Reich mit Ausnahme von Kanada und Barbados in der Reihe der meistbegünstigten Zünder wenigstens bis zum 30. Juli 1900. Der Reichstag hat in den letzten Tagen zu einer weiteren Verlängerung dieses provisorischen Zustandes seine Zustimmung erteilt. Wie sich späterhin die Vertragsbeziehungen gestalten werden, ist noch nicht sicher vorauszusehen. Seit dem 1. Juli 1899 bat Deutschland einen Meistbegünstigungsvertrag mit Spanien, der unferm Handel mit diesem Lande große Vorteile bieten wird. Am 17. Juli 1899 ist auch der deutsch-japanische Handelsvertrag in allen seinen TeUen in Kraft getreten. Es steht zu hoffen, daß alle dsese Verträge für den deutschen Handel einen neuen Aufschwung bedeuten werden. Tie in den nächsten Jahren zu erwartende Erneuerung verschiedener großer Handelsverträge wirft bereits jetzt ihre Schatten voraus. Wir «pw? Erwartung, daß der Reichstag als der berufene 45 rtreter unserer vaterländischen Gemeininteressen trotz starker gegensätzlicher Strömungen mannhaft auf dem segensreichen Prinzip der bisherigen Handelsvertragspolitik beharren werde, da gerade dieser der glänzende wirtschaftliche Aufschwung unseres Volkes in den legten Jahrzehnten zu dankest ist. ** Landeslotterie. Bei der heule fortgesetzten Haupt- Ziehung fielen 1 Gewinn zu 12 000 Mk. auf Nr. 29 091. — 1 d. 5000 Mk. auf Nr. 31 350. - 4 L 3000 Mk. auf Nr. 21 336, 27 104, 32 598, 32 891. — 5 ä 2000 Mk. auf Nr. 4156, 10 976, 13 242, 27 122, 32102. — 10 L 1000 Mk. auf Nr. 2917, 4529, 12 221, 13 373, 15 723, 22 302, 23 722, 24 905, 29140, 31756. (Ohne Gewähr.) ** Verband deutscher Handlungsgehilfen. Die Kranken- und Begräbniskasse des Verbandes Deutscher Handlungsgehilfen zu Leipzig, dem auch der Kreisverein Gi eß e n angehört, bietet den jungen Kaufleuten zu sehr mäßigen Beiträgen eine standesgemäße Krankenversicherung in sechs verschiedenen Klassen bis zu täglich 5 Mk. Krankengeld und ohne besondere Beiträge außerdem einen Begräbnisgeld- Anspruch, der nach fünfjähriger Mitgliedschaft in der höchsten Klaffe 300 Mk. beträgt. Unter solchen günstigen Bedingungen für die Versicherten ist die Kasse stetig gewachsen und zählt gegenwärtig über 20000 Mitglieder, die Über 2139 verschiedene Orte des Reiches verteilt sind; in 315 Städten werden Zahl- und Verwaltungsstellen unterhalten. Die Kaffe steht mit 1521 Merzten und Zahnärzten, sowie mit 1350 Arznei- und HeilmütetzLieserauten in Verbindung, die Mitglieder sind aber nicht gezwungen, sich von Kassenärzten behandeln zu lassen. Für Krankenunterstützung und Begräbnisgelder zahlte die Kaffe bisher über 3 Millionen Mark aus, und ein Vermögen von 477000 Mk. in Wertpapieren stellt die Einhaltung der Kaffenleistungen sicher. Im Jahre 1899 entfielen auf je 100 Mitglieder 92 Krankenmeldungen überhaupt und davon waren 25 mit Erwerbsunfähigkeit verbunden. Die freie Behandlung wird für 26 Wochen und das Krankengeld für 52 Wochen bei jeder Erkrankung nach sechsmonatlicher Mitgliedschaft gewährt. Die Kaffenmitgliedschaft befreit von der Zugehörigkeit zu Zwangskaffen. -a- Langenbergheim, 16. August. In der Nähe des hiesigen Ortes wurden unlängst bei Nachgrabungen, die Herr Kofler Darmstadt leitete, im Walde unmittelbar am Pfahlgraben, hieb „Schweinsgraben" genannt, die Ueberreste eines römischen Kastells ausgefunden. Zahlreiche Bruchstücke von irdenen Gefäßen, sowie auch einzelne behauene Sandsteinstücke kamen dabei zum Vor- schein. Sicher birgt der Wald in hiesiger Gegend noch manche zum Teil wertvolle Gegenstände aus römischer Zeit. Es wäre sehr zu wünschen, daß solche Funde alsbald Sachverständigen vorgezeigt und, wenn von Bedeutung, an ein Museum' abgeliefert würden, um dort erhalten und wissenschaftlicher Verwertung zugänglich gemacht zu werden. Leider ist durch die Unkenntnis der Landbevölkerung sicher schon mancher interessante Fund abhanden gekommen. So sollen vor Jahren bei Abtragung des sogenannten „Römer- küppels", eines Hügels in den Wiesen westlich von Hainchen, viele derartige Fundstücke zu Tage gefördert, dann aber durch Achtlosigkeit verloren gegangen fein. Mit der Zunahme des geschichtlichen Verständnisses im Volke wird man hoffentlich diesen Ueberreften mehr Beachtung schenken. Wiesbaden, 16. August. Gestern nachmittag kam ein sehr gut aussehender junger Mann in ein hiesiges Hotel und verlangte ein Zimmer. Es wurde ihm ein Zimmer im Parterre angewiesen, welches er ablehnte, weil eS ihm zu unruhig sei. Er erhielt hieraus ein Hinterzimmer im dritten Stock, in welches er sich, nachdem er Briefpapier verlangt hatte, zurückzog. Nach kurzer Zeit ertönte plötzlich ein Schuß; den in das Zimmer eilenden Hotelbediensteten bot sich ein schrecklicher Anblick. Zwischen dem Tisch und dem Sopha lag der Fremde mit durchschossenem Schädel in seinem Blut. Der herbeigeholte Arzt stellte noch Lebenszeichen fest, woraus der Unglückliche in das städtische Krankenhaus verbracht wurde. Leider ist er doch noch gestern abend gestorben. Wie aus seinen Papieren hervorgeht, ist es ein Lehrer Eggers aus Hannover; er mag etwa 30 Jahre alt gewesen fein. Unter den hinterlassenen Papieren sand sich ein Bries an Lehrer Eduard EggerS in Bierbergen bei Hohenhameln (Prov. Hannover), welcher über die Motive zu der traurigen Thctt wohl Ausschluß enthalten dürste; außerdem wurden noch Barmittel im Betrag von etwa 120 Mk. vorgesunden. E. wohnte schon vorher längere Zeit in einer Pension in der Frankfurterstraße. Der Besitzer dieser Pension sagt auS: E. sei leidend gewesen, in der letzten Zeit habe er sogar Briefe nicht mehr angenommen. — Man darf annehmen, daß feine Krankheit den Unglück- lichenLin den Tod getrieben hat. Vermischtes. * Gsleirvitz, 16. August. Heute vormittag l/,10 Uhr entstand in Radzionkau Großfeuer in ber Nähe des Bahnhofes, wie man vermutet, durch die Funken einer vorüberfahrenden Lokomotive. Es herrschte hefttger Sturm aus westlicher Richtung. Der Brand übertrug sich durch Flugfeuer auf die Nachbargebäude, übersprang nach Osten die Dorfstraße und legte in wenigen Stunden etwa 50 Wohn- und Nebengebäude, darunter mehrere große Arbeiterhäuser in Asche. Etwa 150Familien dürften obdachlos fein. Gegenwärtig stehen noch mehrere Gebäude in Flammen. Der Schaden ist sehr groß; viele kleine Leute haben nichts versichert. Ob Menschen verunglückt sind, steht noch nicht fest. • Ein Kuß. AuS London wird berichtet: Ein Prozeß, zu dem die folgende heitere Episode die Beranlaffung gab, hat in London viel Stoff zur Heiterkeit gegeben. Lady A. ließ eines Tages ihren Wagen vor dem Hause eines Musikhändlers halten, trat eiligst ein und ließ sich einige Musikstücke geben. Sie bezahlte ihre Rechnung und verließ den Laden. Aber bald kam ihr ein neuer Einfall. »Ach, sagte sie, „ein Kuß", ehe ich fortfahre." Der Laden- jüngling betrachtete seine hübsche Kundin, schwankte eine Sekunde, dann faßte er sie um, und drückte einen glühenden Kuß auf ihre Wange. Entsetzen der Gräfin, Hilferufe, Hinzukunft des Chefs, der den Angestellten sogleich vor die Thür setzte, alles war das Werk eines Augenblicks. Der unglückliche Kommis wurde nun kürzlich vor den Gerichtshof zitiert, weil er feine Kundin gewaltthätig behandelt hatte. Er konnte sich aber verteidigen und wurde freigesprochen. „Teufel", sagte der junge Mann vor Gericht, „ich wußte nicht, daß es sich um ein Musikstück handelte!" . . . Das ist ein Wink für die Komponisten, in der Wahl ihrer Titel vorsichtiger zu sein. * Eine hübsche Jenny Lind-Anekdote erzählt ein französisches Blatt nach dem Buche, das der hessische Schauspieler Herma n n K n i s p e l der Geschichte des Darmstädter Theaters gewidmet hat: Es war zurzeit des ersten Debüts der Lind: sie hatte nur erst in Stockholm gesungen. Sehr intelligent und bescheiden, wußte sie sehr gut, was ihr noch fehlte. Sie beschloß, nach Paris zu gehen und bei Garcia Unterricht zu nehmen. Bei einem Abschiedsessen, das man ihr zu Ehren in Stockholm veranstaltete, unterhielt sie sich mit einem alten Obersten und fragte ihn über Paris aus. „Wollen Sie dort spielen?" fragte der Oberst. — „Natürlich", erwiderte Jenny Lind. „Ich will diesen Südländern zeigen, daß die Nordländer auch etwas wert sind". — „?kb", knurrte der Oberst mit boshafter Miene. — „Warum sagen Sie ach?" rief die junge Künstlerin aus. „Sie glauben wohl, daß ich in Paris feinen Beifall finden werde?" Dagegen protestierte der Soldat; das habe er nicht sagen wollen, er fei sogar überzeugt, daß Fräulein Lind ihrem Vaterlande Ehre machen werde. Fräulein Lind erkannte aber trotzdem, daß ihr Nachbar nicht alles sagte, was er dachte. Sie wollte aber alles wissen: „Ich soll Ihnen also durchaus meine Meinung sagen?" sprach ber Oberst. „Nun schön, ich will sie Ihnen sagen: Sie singen wunderbar, aber Sie gehen w i e eine Gans!" Diese Freimütigkeit mißfiel ber jungen Dame sehr. Sie drehte sich brüsk um und sprach kein Wort mehr mit ihrem „Kavalier". Nach und nad) aber verschwand ihr Zorn. Sie dachte nach, sie beobachtete. Sie erkannte, daß der Oberst nicht ganz Unrecht gehabt hatte. In Paris nahm sie Gesangunterricht bei Garcia und Körperhaltungs-Unterricht bei einem Balletmeister. Sie trat nicht öffentlich auf, sondern studierte zu Hause mit Eifer. Als sie wieder nach Stockholm kam, erfüllte sie ihre Landsleute mit Bewunderung. Sie war wie umgewandelt. Ihre prächtige Stimme war fester und sicherer geworden; ihre Bewegungen waren graziös, ihr Gang vornehm. Bei einem Empfang, den ein Minister ihr zu Ehren veranstaltete, traf sie wieder mit dem Obersten zusammen, der ihr ein so böses Kompliment gemacht hatte. Der alte Herr senkte den Kopf und wollte sich drücken, aber die Sängerin hielt ihn fest und sagte: „Herr Oberst, Sie suchte ich. Ich mutz Ihnen für Ihre Freimütigket vom vorigen Jahre danken, denn was ich in Paris gelernt habe, verdanke ich Ihnen". Der Oberst war stolz auf den friedlichen, aber glorreichen Sieg, den er soeben davongetragen hatte. Universität und Hochschule. Der Direktor des Bettiner Werkes Siemens u. Halske und Prtvaibozevt an ber Universität Berlin, Pros. Dr. RapS, wurde als ordentlicher Profrfsor und Direktor deS neu zu erbauenden elektrotechnischen Instituts an der Dresdener technischen Hochschule berufen. Mteratur. Nr. 141 vom 8. August der,Illustrierten Reise- und Bade. Zeitung", Verlag von Alwin Arnold in DreSden-Blasewitz, bringt an der Spitze einen sehr aktuellen populärwifsenschaftichen Aufsatz über die „Pflege der Klimakunde in den Kurorten", der in geschicktester Weise die Arußerungen medizinischer Autoritäten zu diesem zeitgemäßen Thema »usammenstellt. Von den deutschen Nordseebädern werden Sylt und Wyk auf Föhr geschildert. Ein interessanter Artikel Dr. Karl Jülg's über baß Eisen bad Pejo am Fuße der Ottler- gruppe und den Höhenkurort „alte Pejoiprelle" schließt sich an. AuS Bädern, Kurorten und Sommerfrischen liegen zahlreiche Mitteilungen vor, die meist zu hübschen Saisonbildern verarbeitet find. Die Rubriken „Aus den Vereinen" „Verkehrs-Nachrichten", „Sport und Touristik", „Kunst und Wissenschaft", „Ausstellungswesen",j„Litteratur" und „$er« mischtes" bringen in prägnanter Form alles neue und wissenswerte. Kirchliche Nachrichten. Svarr-elische vemeiutze. Sonntag den 19. August. !0. nach Trinitatis. Gottesdienst. Azr der Stadtklrche. DormittaaS 8 Uhr: Pfarrer Schlosser. Zugleich Christenlehre für die Neukonfirmierten der Matthäus- gemeinde. BormittagS 97a Uhr: Pfarrer Dr. Grein. BormittagS 11 Uhr: Militärgottesdienst. Pfarrer Dr. Grein. I« der JoharmeSkirche. BormittagS 8 Uhr: Pfarrer Dr. Naumann. Zugleich Ehristenlehre für die Neukonfirmietten aus der Johannesgemeinde. Vormittags 9i/i Uhr: Psarrasfistent KrauS. Beichte und heil. Abendmahl für die Lukas- und die Jo- -anneS-emeiuVe. Anmeldungen vorher bei dem Pfarrer jeder Gemeinde erbeten. ES wird wiederholt darauf aufmerksam gemacht, daß der kirchlichen Trauung auch ein kirchliches Aufgebot vorherzugehen hat, und wird dringend gebeten, eS rechtzeüig — spätestens eine Woche vcr der Trauung — bei dem zuständigen Pfarrer zu bestellen. Katholische Gemeinde. SamStag den 18. August. Nachmittag- um 47, Uhr und abends um 8 Uhr: Gelegenheit zur heil. Beichte. Sonntag den 19. August. 11. Sonntag nach Pfingsten. Vormittags von -7, Uhr an: Gelegenheü zur hl. Beicht. , um 7 Uhr: Die erste heil. Messe; vor und in derselben Austeilung der heil. Kommunion. , um 8 Uhr: Die zweite heil. Mefie. , um 9i/s Uhr: Hochamt mit Predigt. Nachmittags um 2>, Uhr: Sakramentalische Bruderschaftsandacht. Gottesdienst in der Synagoge. SamStag den 18. August 1900. Vorabend 718 Uhr, morgens 8® Uhr, nachmittags 4 Uhr SchriftrrNSurrg, SabbathauSgang 8« Uhr. M v* Seiet 03381] Wohne von heute ab Wallthorftr. 16.i Aeinhard Krev, Schneidermeister., 8ft: Unseren verebrlicken Abnehmern empfehlen die @n und 8tttt 5522 6532 I. A.: Schneider. Schutzmarke. Mer ucht Zu 9etr.: ofort gesucht. 6527 Georg Becker, Baugeschäft. Na 'st das gesucht. 5499 Bleichstratze 4. 5341 Procent 03377 Bahnhofstraße 62. Geldsortenr »rief Americ. 4.17 A-endeourser 000.00 | Oesterr. Tredit-Actien 206.50 Darmst. Bk.'Actien PerantwortUch für den allgemeinen Teil: I. B.: A. Steffcnhagen; für den Anzngenleil: Hans Beck. — Druck und Verlag der Brühl'schen UmvcrsitälS-Buch- und Stcindruckerei (Pietsch Erben) in Gießen. tzMllMillMllNyell (OtTcm yrrfdjichenfs eilen MAGGI Zs eil eil-Gesuche o Vereine n nerknnten Vernnetnngen 3 3 4 4 werbt RrttS 94.50 85.35 92.40 99.10 00.C0 4 3 5 4 98.00 00.00 100.00 98.80- 98.50 98.70 zu lt Orte Sie, Bierhändler bevorzugt. Offerten unter v. A. 5487 an die Exped. d. Bl. erbeten. 20 Frankm-St. Engl. Sovereign» Dollar» in Gold Das Stadtbauamt. Schmandt. Geld 81.35 84.35 4.1774 Brief 16.30 20.44 4.20 Procent 4,/6 Oesterr. Silberrente Gr. Hessische Obl. Stadt Darmstadt v. 1891 Stadt WormS unk. b. 1901 ä Am ®eNn 1. 5k 5 an die bit\o Liehlllm eine v s Md M wndrv oder ( M- »erben G 96.35. 96.05 26.35 40.30 42.60 Gambrinus-Wrauerei Arrtzöach. der mit Pferden um- gehen kann, gesucht. 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Zur Aufklärung sei es gesagt, daß die Verabreichung fiärkemehlhaltiger Speise dem Kinde zum größten Nachteil wird, indem der zarte Organismus für Verarbeitung schwerer Speise nicht hinreichend erstarkt ist. Wer sein Kind vor dem gefürchteten Durchfall bewahren, sich selbst aber hierbei vor Borwurf schützen will, verabreiche dem Kinde, selbst bei Darreichung der Mutterbrust wenigstens 2 mal des Tages einen Brei von Rademanns Kindermehl, und die fortschreitende Entwickelung des kleinen Lieblings wird nie durch Durchfall beeinträchtigt oder aufgehalten sein. Die Thatsache, daß Rade- manns Kindermehl ärztlich gegen Durchfall verordnet wird, mag für die Mutter die beste Garantie fein; und die Einrichtung, daß Rademanns Kindermehl in allen Apotheken, Droguerien und Kolonialwarenhandlungen, die Büchse ä Mk. 1.— und der Probebeutel ä 30 Pfg. zu haben, macht geradezu einen Versuch zur Pflicht. Reisender, längerer oder auch verheirateter, zu engagieren gesucht von leistungsfähiger Cigarrenfabrik für Hessen und Nachbarstaaten. Stellung dauernd und gut bezahlt. Eintritt sofort oder später. Gesuchter muß gewandt und tüchtiger Verkäufer sein. Offerten erbeten unter Z. W. 5455 an die Expedition dieses Blattes. SKrrtti W ans waschen. O 03365 Liefenweg 18< Uniform, überfallen. Ein zu Hilfe eilender Gendarm wurde niedergeworfen und mit dem Bayonnett bedroht. Endlich kam Hilfe. Der Gendarm wurde befreit und verhaftete die Soldaten. Die Erbitterung der Deutschen, die mehrfach verwundet wurden, ist groß. W WD Graz, 17. August. Der Schreiber Ferdinand Lew, der in dem Rufe steht, Anarchist zu sein, wurde verhaftet, weil er die Beraubung des Bergwerksbesitzers von Zang geplant hatte. Bei Lew wurden zahlreiche Waffen gesunden. Grau, 17. August. Erzherzog Friedrich, der hier an der Feier der 900jährigen Einführung des Christentums in Ungarn teilgenommen hatte, ist vorzeitig abgereist, angeblich weil der Stadthauptmann aus Furcht vor einer Demonstration der ungarischen Juden von der Citadelle die schwarz-gelbe Flagge hatte entfernen laffen. Cetiuje, 17. August. In feierlicher Audienz übergab gestern der hiesige russische Ministerrefident dem Fürsten Nikolaus eine diesem anläßlich seines 40jährigen Regierungs-Jubiläums'vom Zaren verliehene Er- Elektrizitätswerk der Stadt Gießen. Die Lieferung des für die Anlage eines städtischen Elektrizitätswerkes erforderlichen Schweißet seus in Form gewalzter Träger, rund 17 600 kg, soll Donnerstag den 23. August, vormittags 1Uhr, öff ntlich verdungen werden. Angebote auf Vordruck, der bei uns erhältlich, sind bis zum genannten Termine, unter Angabe der Lieferfrist, einzuretchen. — Zuschlagsfrist 10 Tage. Gießen, 16. August 1900. ■ ö Maggi zum Würzen I ’S Gemüse- und Kraft - Suppen I o Bouillon-Kapseln I Gluten-Kakao, 4532; A. & G. Wallenfels, Marktplatz. Ein Hetzer gefudit. AHamörirrrrs-Ararrerei Autzvach. MdrKllcht AVg»?uh-QM°- Ein Fahrbursche Berlin, 17. August. An den Stellen, die über die Absichten des Fürsten Hohenlohe unterrichtet sein müssen, ist nicht mehr bekannt, als daß nach wie vor der Reichskanzler der Ueberzeugung ist, es sei seine Pflicht, in seiner Stellung auszuharren, so lange sein Derbleiben dem Wunsche des Kaisers entspricht und seine Amtsführung vom Vertrauen des Kaisers getragen wird. Wien, 17. August. Der deutsche Bicycle-Klub aus Troppau unternahm am Mittwoch einen Ausflug in den sogen. Deutschmeister-Grund. Dort wurde der Klub von Tschechen aus dem nahen Dorf, darunter drei Soldaten in 14 Eisinb. Rentenb. Obl. 14 Buderus Obl. * 81/, Deutsche ReichSanl. 3 Preuß. LonsolS 3‘/, " 4 4 GMigkeits-Umm Lamilien-Ausflug nach Duteuhoftn 7«. (Jagdschlößchen). 03373. tslbfien. Abfahrt 3 Uhr 25 Minuten. Schußmacher für erste Herren- und Damenarbeiten wird gesucht. Zahlung erster Frankfurter Tarif. 03368 J. Klietsch, Aad-Wauheim, Fürstenstraße 4. W|*tt«lS,5n3e8IS WeimrsteiMng. Montag den 20. August d I, nachmittags 2 Uhr, wird in dem Hose Nordaulage 7 sfrii herer Lahusteiu) eine große Partie sehr guter Weißweine (Rhein- und Moselwein), sonst Ingelheimer Rotwein in Flaschen, in großen und kleinen Gebt '.ven gegen Barzahlung versteigert. 2. 3. 4. l. tfil Je rlri Wie '"Wen h ®ft»en bi Sä te Größte und berühmteste Dortmunder Gross - Brauerei sucht für ihre Hellen, dunklen Pilsener Biere einen rührigen Vertreter. Oesterr. StaatSbahn v. 1885 00.00 Jtal. staatSgar. Eisenb. 00.00 ÄL WchthMS. Freibank. 5464 Heute und morgen: O-hskvMlh 50 W Stirr-rislh 45 flfg. Weue Linsen empfiehlt J. M. Schulhof. Feinste mavinUvte Heringe empfiehlt 5529 L. Kalkhof. ' 03372] Lahnhechte und Backfische, «sterweg 1. sOesucht wird per 1. Oktober er. von 'S* Engros-Geschäft ein ernster, bestempfohlener, junger Mann für Kontor. Gefl. Offerten mit Angabe der Gehaltsansprüche und Zeugnisabschriften unter A Z 3375 an die Expedition d. Bl. Grosser Nebenverdienst. sich durch Ausnutzung seiner freien Zeit, ohne besondere Mühe, einen IflfUl schönen Nebenverdienst verschaffen will, der sende feine Adresse unter »d VN F. 8. 1996 an Haasenstein & Vogler, A.-G., Köln, Rhein. 5329 Tüchtiger, stlWud. § für sofort bei gutem Lohn gesui erfragen in Der Expedition d. Bl. 03369 Bürger-Gesellschaft. Sonntag den 19. August 1900: Uartie nach dem «Ludwigsörunnen. Bei ungünstiger Witterung von 4 Uhr ab im Irankfurter Kof- 5524 Der Vorstand. Gottesdienst der israelitischen Keligionsgeseüschast. Sabbathfeier am 18. August 1900. Freitag abend 7i° Uhr, Samstag vormittag 8 Uhr, nachmittags 4 Uhr Schrifterklärung, Sabbathausgang sso Uhr. Wochengottesdienst morgens 6*J Uhr, abends 7 Uhr. NB. Bei ungünstiger Witterung findet der Frühschoppen ebenfalls statt, während die Tour ausfüllt. 5528 5454] Tüchtiges Mädchen, welches kochen kann, per 1. Sept, oder später gegen guten Lohn gesucht. Näheres Ludwigstratze 5«, II.» 03381] In einen kleinen Haushalt wird per 1. September ein ordentliches Mädchen gesucht. Wilh. Hahn, Wiesenstraße 1. Früh morgens, eh' die Hähne kräh'n, Mußt' seither immer auf ich stehn, Weil ach! so manches Stieselpaar An jedem Tag zu wichsen war. Seit Gentners Wichse ich nehm nun. Kann ich ein Stündchen länger ruh'n, Denn damit glänzen flink und schnell, Jetzt meine Stiefel spiegelhell! 337 Zu habe« in den meisten Geschäften» IaöriKant: Karl Gentner, Göppingen. 5531] Kleines LogiS im Hinterhause zu vermieten.__________Aeueiuveg 10. 03371] Im oberen Stock 3—4,Zimmerwohnung per 1. Oktober zu vermieten. Hrüueöaum,Möbelgeschäft,Babnhofstr 3b. Hftrhtltall au prusteten. 5207 H-fllblft"» Großer Stemweq 5. Junges KiiMen &?nbi 5342_________________Bleichfiratze 4. Zm Mecktragrn Ludwig Seil, Neuen-Bäue 6. Jemand?nm Mecktragen fef. grf. FL^esangverein »»« W« o»« Heiterkeit. Samstag den 18. August: Familien-Aöend auf der Schönen Aussicht. Um zahlreiche Beteiligung wird gebeten. 5526_______________Der Borstand. Radklub Germania Hießen. Sonntag den 19. August cr.r Jrühtour über Lollar, Odenhausen, Wißmar, Launs- bach nach der Brauerei Denninghoff zurück. Daselbst um n Uhr Frühschoppen, zu dem sämtliche Mitglieder unbedingt erscheinen wollen. Abfahrt morgens 8 Uhr pünktlich vom Wallthor ab. Um recht zahlreiches Erscheinen bittet Der Vorstand. U3367] Jemand tagsüber zum Weck- und Brot-Austragen gesucht. Eduard Noll, Neustadt 49. ItWdjtn Näheres in der Exped. d. Bl 5530 5519] Solide-, fleißiges Mädchen bei