MV. 165 Zweites Blatt. Mittwoch den 18. Juli loog Gießener Anzeiger General-Anzeiger Alle Anzeigen.VmmttlungSstellm deS In- und Au»l«ch«L nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger entgefOL Zeilenpreis: lokal 12 Pfg., anSwärlS 20 Pf,. i»«««hme »mi Anzeige» zu der nachmittag- für de« Agenden I*g «scheinender. Nummer M »ernt. 10 Shr. LbdeKeLunge« spätestens adendS vorher. NezugspreiS vierteljährl. Mk. 2M monatlich 75 Pf,, mit Bringerlohnr durch die Abholestete» vierteljährl. Mk. IM monatlich 65 Pfg. Bei Postbezug Mk. 2,40 vierteljäh^ mit Bestellgeld GrfcheiNl ttgNch Bit »uLnahmc deS Montag. Die Gießener »«BtCUeirtfUt Werden dem Anzeiger <* „Heff. 9»afcn>trt" e. ^Blätter M heg. Volkskunde- Svtzchtl. 4 M«l deigelegt. Amts- und Anzeigeblatt für den 'Kreis Gieren. McteMm«, Gxpedition und Druckerei: Kch«k-raße Nr. 7. Gratisbeitage«: Gießener Familienblätter, Der hessische Landwirt, Klätter für hessische Volkskunde. Adreffe für Depeschen: Zugiger -tStzO«. Fernsprecher Nr. 5L Die Opfer von Peking. Es sind an die tausend Menschenleben, deren Verlust die gesittete Welt betrauert, einfache Matrosen, hervorragende Diplomaten, Kinder im zartesten Alter, vornehme Frauen, wetterharte Soldaten. Einige Aufstellungen, die man in Paris und London veranstaltet hat, lassen den Umfang des Dramas einigermaßen erraten. Eine Berechnung, die der „Figaro" vor einigen Tagen angestellt hat, umfaßt allein 171 Mitglieder der französischen Kolonie, nämlich 17 Personen der Gesandtschaft, darunter 6 Frauen und 2 Kinder, 75 Offiziere und Seeleute, die als Schutzmannschaft nach Peking gesandt wurden, 17 Beamte und Kaufleute, darunter 4 Frauen und 4 Kinder, 49 Personen, die den Missionen angehören, darunter der Bischof Favier. Fene glaubtrr man, daß drei Ingenieure und 10 Werkmeister, die beim Bau der Hankau-Eisenbahn beschäftigt waren, sich nach Peking geflüchtet haben. Auch die Anzahl der britischen und amerikanischen Staatsangehörigen beläuft sich auf mehrere Hundert. Der britischen Gesandtschaft gehörten 29 Personen an, darunter 3 Frauen und 4 Kinder. Die amerikanische Gesandtschaft zählte 22 Personen, darunter 12 Frauen und 4 Kinder. Zu dem Stab der chinesischen Seezollverwaltung gehörten 24 Erwachsene, darunter 6 Frauen, außerdem zahlreiche Kinder; diese Personen sind nur zum größten Teil Briten, es sind wahrscheinlich auch Deutsche darunter. Die britischen und amerikanischen Kaufleute werden mit 23 angegeben, nebst 8 Frauen und mehreren Kindern. Sehr zahlreich ist ferner das Missionspersonal englischer Zunge. 33 Geistliche find Missionare, 58 Frauen, wahrscheinlich auch eine Anzahl Kinder. Was die Schutzmannschaften betrifft, so mögen sie mit Einschluß der Truppenabteilungen, die kurz vor dem Abbruchs des Verkehrs mit Peking dort eintrafen, die Zahl 450 erreichen; den Oberbefehl über diese vereinigten Truppen führte nach Angabe der englischen Blätter ein österreichischer Marineoffizier. Es wird noch ein Herr W. A. Mirny erwähnt, der am Bau der chinesischen Ostbahn beschäftigt war; zwei Deutsche und zwei Russen, die als,T o u r i st e n o d e r G e s ch ä f t s r e i s e n d e in Peking weilten, mögen entkommen sein. Unter den Opfern befindet sich wohl auch die Besitzerin eines Puppentheaters, Frau D'Arc, sowie der Besitzer des Hotel de Pekin, Tallien, und seine Familie und Angestellten. Dem Lehrkörper des College of Peking, der aus etwa 25 Personen bestand, gehörten auch einige Damen an. Das deutsche Gesandtschaftspersonal bildeten: der erste Sekretär v. Below-Saleske, dem nach dem Tode des Frhrn. v. Ketteler die Leitung der Gesandtschaft zugefallen war, der zweite Sekretär Dr. von Borgen, der zur Gesandtschaft kommandierte Leutnant a la suite des r Dragoner-Regiments König Friedrich III. (2. Schlesisches) Nr. 8, v. Lösch, der zweite Dolmetscher Cordes (er ist erst vor kurzem vom Urlaub nach Peking zurückgekehrt und bei dem Angriff auf Herrn v. Ketteler verwundet worden), der Stabsarzt Dr. Velde, der als Hilfsschreiber kommandierte Seesoldat Koch vom Gouvernement in Kiautschou, der Kanzleischreiber P i f r e m ent, der Amtsdiener H u m m e l k e und der Dolmetscher-Eleve Dr. M e r k l i n g h a u s. Der erste Dolmetscher, Freiherr v. d. Goltz, hatte am 2. April d. I. einen Urlaub angetreten, der neu ernannte Legations-Kanzlist Dobrikow war noch unterwegs. Der britische Gesandte Sir Claude Macdon ald begann seine Laufbahn als Soldat. Bis 1887 war er der diplomatischen Agentur in Kairo zugeteilt, um dann nach seinem Ausscheiden aus der Armee den Posten als General- konjul in Zanzibar zu verwesen und 1888 von dort als Kommissar nach! der afrikanischen Westküste berufen zu werden. Nachdem Dr. Zintgraff im Jahre 1891 vergeblich versucht hatte, den Emir von Yola für die deutsche Herrschaft zu gewinnen, fand Major Macdonald in demselben Jahre eine freundlichere Aufnahme bei dem afrikanischen Herrscher; wenn Macdonald auch nicht gleich seinen Zweck -erreichte, so war er doch auf Grund dieser Reise später bei den in Berlin gepflogenen Verhandlungen zur Abgrenzung des englischen Gebietes der Quellslüsse und des .Kameruner Schutzgebietes in der Lage, seine Forderung Wolas und so eine für Deutschland unvorteilhafte Regelung Lurchzusetzen. 1896 wurde er zum Gesandten in China ernannt. Stephen Pichon, der französische Gesandte, 1857 geboren, widmete sich zuerst dem medizinischen Studium, gab es indes auf, um sich der Politik zu widmen. Marchese Salvago R a g g i, der Vertreter Italiens, hatte sich als langjähriger Sekretär der Pekinger Gesandt- .chaft mit den chinesischen Verhältnissen vertraut gemacht, odaß er als Ministerresident zum Nachfolger des Ge- rndten Martino aufrückte, nachdem dieser infolge des Fehlschlagens der Verhandlungen wegen Pachtung der ^anmunbai in Tschekiang im vorigen Jahre zurückgetreten Die österreichische Gesandtschaft wurde in Vertretung des beurlaubten Missionschefs, Frhrn. v. Wahlborn, durch Dr. Arthur v. R o st h o r n als Geschäftsträger verwaltet. Er war 1862 in Wien geboren, war zuerst Germanist und widmete sich schließlich dem Studium der chinesischen Sprache in Oxford unter Professor Legge. Mit 22 Jahren trat er in den chinesischen Zolldienst, uem er 13 Jahre an verschiedenen Posten angehörte. Während eines Erholungsurlaubs veröffentlichte er mehrere litterarische und geographische Arbeiten und erwarb sich in Leipzig das Doktorat der Philosophie. 1896 teilte ihn Graf Goluchowsky der neu zu errichtenden Gesandtschaft in Peking zu. Der amerikanische Gesandte Edwin H. Cong er war 1843, der niederländische Geschäftsträger F. M. Knobel 1855 geboren, der belgische Vertreter I o o st e n s war kaum 33 Jahre alt. Sir Robert H a r t, der Leiter der chinesischen Seezollverwaltung, war 1835 geboren. Er hatte einen Stab von 800 Europäern und 4000 Chinesen. Britischer Militärattache war Oberstleutnant G. F. Browne, Cockburn Sekretär der britischen Gesandtschaft, britischer Handelsattache I. W. I a m i s o n. Die übrigen diplomatischen Vertreter waren: der spanische Gesandte de Co log an, der als langjähriger erster Sekretär der russischen Botschaft in Paris bekannte Gesandte v. Giers, ein Sohn des verstorbenen Ministers des Auswärtigen, und der javanische Gesandte Baron Nishii. Unter den Damen sind besonders zu erwähnen Freifrau v. Ketteler (eine geborene Amerikanerin,Maud Ledyard, seit 1897 getraut), Lady Macdonald, die als tapfere junge Frau ihren Gatten nach Westafrika begleitet hatte, die Marchesa Salvago R a g g i, Frau Knobel, Frau und Fräulein v. Giers, Frau v. R o st h o r n, Frau Pichon, die Gemahlin des ebenfalls ermordeten ersten Sekretärs der französischen Gesandtschaft d' A n t h o u a r d, Frau C o n g e r und ihre Schwester nebst zwei Nichten, sowie Frau Denby,'diel Schwiegertochter des früheren amerikanischen Gesandten u. a. Auch der Berichterstatter der „Times", Dr. G. E. Morrison, befindet sich unter den Toten. Er war ein hervorragender Journalist, hauptsächlich bekannt als australischer Reiseberichterstatter: seine Leistungen in China entsprachen seinem vortrefflichen Rufe. Die letzten Nachrichten, die aus Peking nach der Küste und nach Europa drangen, rührten von ihm her ustd waren vom! 12. Juni. Die Wirren in China. Zu den Nachrichten über die Ermordung sämt- licherFremden inPeking schreibt die Nordd. Allg.Ztg.: Die Katastrophe in Peking ist nach den letzten Depeschen leider in das Bereich der hohen Wahrscheinlichkeit gerückt und die Hoffnung auf ein Minimum herabgestimmt. Immerhin darf man aber festhalten, daß eine authentische Nachricht noch immer nicht vorliegt. Würde sich die Nachricht bestätigen, so würden viele deutsche Familien in tiefe Trauer versetzt nnd Deutschlands Empörung würde allgemein sein über eine in der Geschichte unerhörte Frevelthat. — Nach aus London uns vorliegendem Telegramm veröffentlichen die „Times" und der „Daily Mail" ausführliche Beschreibungen der letzten heroischen Kämpfe der Europäer in Peking und der entsetzlichen Schlußkatastrophe. Danach begannen die Boxer und die aufständischen Truppen vom 25. Juni ab die englische Gesandtschaft mit einem immer stärkeren Zernierungsring zu umschließen. Täglich und auch häufig während der Nacht machte das kleine Verteidigungskorps Ausfälle, die mit starken Verlusten für die Belagerer endeten. Um 6 Uhr am Abend des 6. Juli begann die Beschießung des Gesandtschaftsgebäudes. Zwei Stunden lang wurden seine Mauern mit Granaten beworfen. Als die Chinesen zum Generalangriff vorrückten, eröffneten die Europäer ein so vernichtendes Feuer, daß die Reihen der Angreifer alsbald ins Wanken gerieten und sich unter Zurücklassung nngezählter Toten und Verwundeeen zur Flucht wandten. Gegen Mitternacht wurde abermals zum Angriff vorgegangen. Ein erbitterter Kamps folgte. Viele der Tsching'schen Soldaten desertierten, weil 'sie an den endgiltigen Sieg der Fremden nicht mehr glaubten. Der 70jährige General Wang-Weng-Thao fiel, tapfer kämpfend, an der Spitze seiner Schar, auch Prinz Tsching soll gefallen sein. Da aber seine Leiche nicht gefunden wurde, glaubt man, daß er geborgen ist. Gegen 5 Uhr morgens schien der Sieg entgiltig den Vertheidigern verbleiben zu sollen. Die Angreifer zogen sich bereits zurück; plötzlich erschien General Tungfuhsiang mit einer frischen Truppe aus dem Plane. Noch einmal begann die Beschießung des Gesandtschaftsgebäudes. Die Ueberlebenden der VerteitigungSschar bargen sich, so gut es ging. Gegen Sonnenaufgang war aber ihre Munition erschöpft. Um 7 Uhr gingen die Truppen zum Sturm vor. Da schwiegen die Büchsen der Belagerten. AufdenTrümmer» der Gesandtschaft standen sie zusammengedrängt. Die Wehrl osigkeit der Opfer entflammte die Blutgier der Angreifer. Ein letzter Ansturm, ein kurzes blutiges Handgemenge, dann hatte die kleine Schar ihr furcht- bares Schicksal gefällt. — Ein Läufer erzählt, die Fremden hätten Frauen und Kinder mit ihren Revolver getötet. Die Boxer machten die Fremden nieder wie Gra«, sie zerhackten Lebendige und Leichen. Ein in London eingetroffenes Telegramm meldet: Ein Läufer habe die Nachricht überbracht, die Fremden hätten alle ihre Frauen und Kinder mit ihren Revolvern getötet. Als die schweren Kanonen geladen waren, wurden sie alle gleichzeitig abgefeuert. Die Fremden wurden niedergemäht wie Gras. Die Boxer stürzten sich auf die Gefallenen und zerhackten die Lebenden wie die Leichen. Ein Pariser Blatt meldet aus englischer Quelle, daß eine Anzahl Frauen und Mädchen europäischer Würdenträger von Peking nach dem Norden Chinas geschleppt wurden, wo sie der schändlichsten Behandlung ausgesetzt seien. — Wie aus London telegraphiert wird, soll, nach einer Meldung des „Daily Telegraph" von den Aufständischen inPeking auch der kaiserliche Palast erstürmt und der Kaiser sowohl wie die Kaiserin-Witwe ermordet worden sein. Das Gebäude der deutschen Gesandtschaft soll verhältnismäßig am wenigsten beschädigt sein, weil es feit der Ermordung deS Frhrn. von Ketteler aus abergläubischer Furcht von den Chinesen gemieden werde. — Einem weiteren Telegramm desselben Blattes zufolge scheint die Bekanntmachung der Niedermetzelung der Fremden in Peking als Aufruf zur allgemeineu Empörung betrachtet zu werden. Die Gouverneure von Hunan, Shanfi und Kwanfi haben sich bereits den Fremdenfeinden angeschlossen und Proklamationen zugunsten der Boxer erlassen. Die Zahl der dem Aufstande bisher zum Opfer gefallenen chinesischen Christen wird auf 20000 geschätzt. — Der gegenwärtig in Wien befindliche demnächst nach China abreisende Dolmetscher Frhr. v. d. Goltz erhielt Kenntnis von einem Briefe, der kürzlich von Lady Macdonald in London eintraf. Herr v. d. Gvltz glaubt nicht, daß die europäischen Damen den Chinesen in Peking lebendig in die Hände gefallen sind, weil es in dem Briese heißt, viele Damen hätten sich mit Gift versehen und trügen dasselbe beständig bei sich. Wie das Wolff'sche Bureau erfährt, meldet der Chef des Kreuzergeschwaders, Vice-Admiral Bendemann, aus Taku pom 12. ds.: „In der Nacht auf den 11. Juli beschossen die Chinesen das Ostarsenal von Tientsin, wurden aber zurück- gewiesen. Gleichzeitig besetzten die Japaner einen Teil der Chinesenstadt. Folgendes ist das Bild der militärischen Lage in Tientsiu: Die Russen halten das Ostarsenal und das Lager auf dem linken Peiho-Ufer südlich vom Bahnhof; die übrigen Nationen stehen am rechten Ufer, teilweise in den zugehörigen Niederlassungen, die Deutschen iti der Universität (gemeint ist wahrscheinlich die Militär- und Marineschule» und im äußersten, Südosten der deutschen Niederlassung. Die deutsche Hauptaufgabe ist, den Peiho zum Verkehr mit Taku offen zu halten. Dieser ist ungehindert, täglich gehen Artillerienachsendungen nach Tientsin. Die Chinesen halten die veraltete Citaoelle in der Chinesenstadt und das Lager nordöstlich davon. Der Telegraph ist vom russischen Lager nach Taku wiederhergestellt. Alexejew mit dem Generalstab ist in Tientsin." Aus dieser amtlichen Nachricht aus Tientsin ist gegenüber den Privatberichten eine augenscheinliche Besserung der Lage zu erkennen; sie äußert sich vor allem darin, daß der telegraphische Verkehr zwischen Tientsin und der Küste wiederhergestellt und offenbar in Thätigkeit ist, sowie darin, daß durch Boote die Verbindung der in Tientsin Belagerten mit den Kriegsschiffen aufrecht erhalten wird. Den deutschen Truppen fällt die schwierige Aufgabe zu, diese Verbindung zu sichern. — Auch nach anderer amtlicher Auskunft ist in Tientsin durch die dort jetzt eingetroffenen V e r st ä r k u n g e n, an denen auch Japaner beteiligt sind, eine wesentliche Erleichterung eingetreten. Besonders bemerkenswert ist, daß die Schiffahrt von Tientsin nach Taku vollständig frei ist und daß nach amtlicher Angabe die Telegraphen-Verbindung- zwischen Tschifu und Tientsin wiederhergestellt ist. Hoffentlich trägt besonders die letztgenannte Thatsache wesentlich dazu bei, zuverlässigere Nachrichten über die Lage in Ost- asien zu erhalten. Eine Depesche des englischen Generals Donvard, aus Tientsin vom 10. ds. datiert, und in Tschifu am 13. Juli eingetroffen, besagt: Gestern (9.) früh 3 Uhr griff eine Abteilung von 1000 Japanern unter dem Befehl des Generals Fakuschima, von 550 Mann britischer Infanterie, 400 britischen Marinesoldaten, 100 Amerikanern und 400 Russen y-nter dem Kommando des Generals Donvard die feindlichen Stellungen im Südwesten der Stadt an. Dieselben wurden rasch genommen, wobei der Feind an Toten 300 Mann verlor und vier kleine Geschütze einbüßte. Sodann griffen die verbündeten Truppen das W e st a r s e n a l an, das nach kurzer Beschießung von Amerikanern und Japanern erstürmt wurde. Das ganze Gelände westlich des Arsenals war von den Chinesen unter Wasser gesetzt, ein weiteresBordringen in dieser Richtung war somit unmöglich. Der Zweck des Vorstoßes, der darin bestanden hatte, die feindlichen Geschütze zu beseitigen und den Feind mehr in westliche Richtung zu drängen, war vollkommen erreicht. Die Ehre des Tages hatten die Japaner und Amerikaner. Während Vieser Vorgänge wurden die brittsche und die französische Niederlassung von den im Nordosten stehenden chinesischen Batterien heftig mit Granaten beschossen. Die Engländer hatten kleine Verluste, die Russen und Amerikaner gar keine. Das Telegramm Donvards bespricht sodann einen Angriff der Chinesen auf die Bahnstation und bemerkt, daß auf dem Bahnhofe 100 Engländer, 100 Franzosen und 100 Japaner stationiert sind. Nach vierstüw- digem harten Kampfe wurde der Angriff zurückgeschlagen. Auf s eiten der Engländer wurden drei ManÜ getötet und 16 verwundet. Die Verluste der Franzosen und Japaner sind aber viel erheblicher. Än früheres Telegramm aus Tientsin lautet: In der Nacht zum 6. Juli machte der Feind einen sehr heftigen Angriff und versuchte, sich der Nordbrücke zu bemächtigen, die von Franzosen und Russen gehalten war. Nach' fünfstündigem Gerecht, bei dem die Chinesen acht vortrefflich bediente Geschütze in Aktion gebracht hatten, mußte sich die vereinigte Streitmacht zurüc^iehen. Aus Tschistr wird endlich vom 15. Juli berichtet: Hier ist die Nachtricht verbreitet: Das! Fort und die Chinesen- stadt von Tientsin sind am 15. von den Verbündeten unter japanischem Oberbefehl mit schwerem Verlust genommen. Angeblich kämpften auch Truppen des Shan- tungkorps gegen die Verbündeten. Seymour telegraphierte aus Taku vom 14. Juli, er glaube, daß die vereinigten Truppen von allen Forts, mit Ausnahme des Forts von Tientsin, Besitz ergriffen hatten. — Die Stärke der bei Taku und Tientsin am 10. Juli bereinigten Truppen der Mächte: Russen 149 Offiziere, 8200 Mann, Japaner 124 — 5100, England 175 — 2400, Frankreich 103 — 2400, Deutschi and 36 — 2400, Amerikaner 10 — 1300, außerdem noch kleine Abteilungen Oesterreicher und Italiener, so daß die Gesamtstärke der Vereinigten Truppen fei: 604 Offiziere und 20 700 Mann. Die Blättermeldung von der angeblichen Desertion der Chinesen-Kompagnie in Kiau tscho u beruht der „Nordd. Allg. Ztg." zufolge nach, den letzten bis zum 12. t>sß. reichenden Nachrichten vom deutschen Gouverneur in Tsingtau auf Erfindung. * * • Der deutsche Dampfer „Wittekind" ist mit dem 1. Seebataillon unter dem Befehl des Transportführers Major v. Madai in der Nacht zum Sonntag im Hasen von Port Said eingetroffen und hat bereits am Sonntagmiltag die Weitersahrt zum Suez'-Kanal angetreten. Dort wird „Wittekind" mit der das 2. See-Bataillon befördernden „Frankfurt" zusammentreffen und gemeinsam die Reise nach dem Kriegsschauplatz in China fortsetzen. Neber die Ankunft des Dampfer „Wittekind" in Port Said meldet man noch, daß, da Port Said pestverdächtig ist, niemand das Land betreten durste. Wie die „Deutsche Tageszeitung" erfährt, sollen für den chinesischen Feldzug auch die Offiziere mit Gewehren, und zwar mit Karabinern, ausgerüstet werden. — Die in Berlin formierten Bataillone beginnen heute (Dienstag), wie man uns telegraphiert, in Döberitz ihre Hebungen. Ferner meldet man aus Kiel: Die für den Kriegsschauplatz bestimmten Torpedoboote erhalten statt deS sonst für diese Fahrzeuge vorgeschriebenen schwarzen einen Hellen Anstrich. Die Boote werden gleichzeitig mit allen anderen Einrichtungen für den Tropenaufenthalt versehen. Zu dem in Potsdam neuformierten ostasiatischen Reiterregiment trafen in diesen Tagen von den verschiedenen Kavallerie-Regimentern die Freiwilligen und die Ofsiziere ein. Die Einschiffung des Regiments erfolgt am 27. Juli ohne Pferde. • • * Telegramme des Gietzerrer Anzeigers. Kiel, 17. Juli. Das Reichs-Marineamt ordnete die Beschleunig ung der Arbeiten zur Seebereitschaft des neuen Kreuzers Gazelle an. Derselbe wird nach dem Kriegsschauplatz ab gehen. Bremerhaven, 17. Juli. Hier sind 20 für China bestimmte Schiffs-Pontons eingetroffen. London, 17. Juli. Die hiesige chinesische Gesandtschaft hat noch keine Nachricht über die SLragöbie in Peking, doch wird allgemein das Schicksal der Fremden als besiegelt angesehen. Eine Differenz besteht nur noch betreffs des Datums der schrecklichen Vorgänge. Wie aus Hongkong gemeldet wird, trafen die Konsuln, durch die geplante Abreise Li-hung-Tschangs beunruhigt, Vorbereitungen, die europäischen Niederlassungen zu verteidigen. London, 17. Juli. Mehrere Blätter fordern die Entsendung von 50000 Mann nach China, andere dagegen warnen vor einem solchen Vorhaben unter Hinweis auf die bedenkliche augenblickliche Lage in Südafrika und etwaige Verwickelungen in Europa. Paris, 17. Juli. Eine Privatmeldung ans Shanghai besckgt> daß das kaiserliche Dekret, das seiner Zeit die Behörden aufforderte, die Fremden zu schützen und die Boxer auszurotten, von den Verteidigern der Distrikte Hupeh, Hunan und Huan infolge neuerlicher Instruktionen des Prinzen Tuan für aufgehoben erklärt wurde In allen diesen Distrikten wurden die Enropä er massakriert. Das Beispiel sand in Tschekiang südlich' von Shanghai Nachahmung. — Nach einem Telegramm aus Tientsin wird gemeldet: Der englische Kreuzer Terrible sei nach Shanghaikwan geschickt worden, um die dortigen in der Hand der Boxer besindlichen Forts zu bombardieren. Eine andere Depesche besagt, die Geschwader der vereinigten Mächte versammeln sich zu einem Angriff auf die Forts von Shanghaikwan, das am nordwestlichen Punkte der großen chinesisschen Mauer liegt. In Shanghai wird angenommen, daß ein Vormarsch gegen Peking längs der Mauer versucht werden soll. P a r i s, 17. Juli. iDer Kriegsminister und der Marineminister befiirworten die Bildung eines Armee-Korps von 60 000 Mann, um dasselbe nach China zur Be- sttafung der Mörder der Gesandten und übrigen Fremden zu entsenden. Es heißt, die Kammer müsse zu diesem Zweck weitere 40 Millionen Franks bewilligen. Die Bildung dieses Korps würde längere Zeit in Anspruch nehmen. Die Regierung will jedoch, zunächst die Beschlüsse der Kabinette in Berlin, London und Petersburg abwarten. Rom, 17. Juli. Das italienische Rote Kreuz beschloß, die deutschen Truppen, die sich in Genua einschiffen werden, mit Zigarren und dergleichen zu beschenken. Prag, 17. Juli. Wie verlautet, werden auf den Zügen der Staatsbahn-Gesellschaft Vorbereitungen zu deutschen Trnppen-Transporten ergriffen. Diese Sendungen- welche Ehren Anfang in Glatz nehmen, werden als Endpunkt einen italienischen Hafen haben, in welchem die Einschiffung der Truppen nach China erfolgt Petersburg, Ü7. Juli. Hier ist die Nachricht eingetroffen, daß einige russische Schiffe, die mit Artillerie und Munition an der chinksischen Stadt Alguru vor- überfuhren, pin gehalten und ihnen verboten wurde, die Fahrt auf dem Amur fortzusetzen. Deutsches Keich. Berlin, 16. Juli. Wie aus Drontheim drahtlich gemeldet wird, hielt der Kais er am Sonntag Gottesdienst an Bord der „Hohenzollern" ab und begab sich dann von Drontheim nach der Villa des deutschen Konsuls Jenssen in Gjilstad zum Frühstück. Später arbeitete der Kaiser mit den Vertretern der Kabinette. Das Wetter war herrlich, an Bord alles wohl. Dos Musikkorps der „Hohenzollern" gab abends im Parke zu Drontheim ein Konzert. Heute soll der Drontheimer Dom besichttgt und nachher ein Ausflug nach Fjeldsaeter unternommen werden. — Ein Besuch des Kaisers tn Bremerhaven steht gutem Vernehmen zufolge für Anfang August dieses Jahres bevor. Wie verlautet, beabsichtigt der Monarch unmittelbar nach der Rückkehr von der Nordlandreise dort einzutreffen, um sich von den mit den gecharterten Lloyd- dampfern nach den chinesischen Kriegsschauplatz abgehenden Truppen persönlich zu verabschieden. — Wie die „Franks. Ztg." einem Privatbriefe entnimmt, hat sich der Reichskanzler Fürst Hohenlohe am Samstag von Ragaz nach Flins begeben, wo er dem dort mit Frau und Töchtern zur Erholung sich aufhaltenden Centtumsführer Dr. Lieber einen Besuchs abstattete. Man darf woyl annehmen, daß in der Unterhaltung der beiden Politiker ^nch die.Ereignisse in China und die Einberufung des Reichstages eine Rolle gespielt haben. — Der „Reichsanzeiger" veröffentlicht die Ernennung des früheren Gesandten in Peking, Freiherrn v. H e y - fing, zum Gesandten in Mexiko. — Zu dem neuen deutsch-amerikanisch en) Handelsabkommen schreibt die „Kreuzztg.": Aus den letzten deutsch-offiziösen Kundgebungen gehe hervor, daß man unter allen Umständen vermeiden »volle, mit 9iorbamerita in handelspolitische Verwickelungen zu geraten. Diese Furcht sei kaum begreiflich, wenn man bedenke, daß Nordamerika nach den Wertziffern ungefähr dreimal soviel Waren an Deutschland abgiebt, als Deutschland Waren in Nordamerika absetzt. Die jetzigen Abmachungen wollen dem genannten Blatte einstweilen prinzipiell nicht viel mehr bedeuten, als die Erneuerung des alten Saratoga-Verttages, den Deutschland in seiner Gutmütigkeit bisher als für sich bindend erachtet hatte. Allem Anschein nach habe die deutsche Jndusttie Amerika gegenüber zum mindesten ebenso auf der Hut zu sein, wie die Landwirtschaft, und es sei nicht unwahrscheinlich, daß gerade hier die heimische Jndusttie und Landwirtschaft an einem Strang zu ziehen haben. — Nach den zuletzt eingegaugeneu Meldungen aus Kamerun beftäHgt es sich, wie die „Nordd. Attgem. Ztg." tzneldet, daß Hauptmann v. Besser am 7. Juni ein glückliches Gefecht gegen die Ekoi bestanden hat. Herr v. Besser ist am rechten Arm und an der linken Hand verwundet worden. Doch scheinen seine Verletzungen nicht ernster Natur zu fein, da er das Kommando' nicht niedergelegt hat. Straßburg, 16. Juli. Der „Fr. Pr." zufolge beschloß eine gestern stattgehabte Versammlung der Sozialisten des Mülhauser Wahlvereins einstimmig die früheren Reichstagsabgeordneten Hickel und Bueb aus der sozialdemokratischen Partei auszuschließen. Ausland. Paris, 16. Juli. Die von Minister LeygueS gestern abend in der großen Oper anläßlich der Weltausstellung veranstaltete Galasoiröe, wozu das diplomatische Korps und sämtliche Ausstellungskommissare erschienen waren, verlief äußerst glänzend. Unter den zahlreichen fremden Gästen befand sich Staatssekretär Graf Posadowsky, der mit dem Reichskommissar Richter und Regierungsrat Lewald in der Loge des deutschen Geschäftsträgers von Schloezer der Vorstellung beiwohnte. — Der Municipalrat hat gestern nachmittag die Deputation des Prager Gemeinderats unter Führung des Bürgermeisters im Stadthause festlich empfangen. Wien, 16. Juli. Die im Handelsministerium stattgehabte Konferenz der Delegierten sämtlicher österreichischer Handelskammern stimmten der von der Regierung geplanten Errichtung einer österreichischen Handelsagentur in Hamburg zu. Eger, 16. Juli. Zwischen Militär-Veteranen und Schönerianern fanden gestern abend auf den Straßen heftige Zusammenstöße statt, weil die Veteranen gegen Schönerer, Jro, Hofer und die Stadtvertretung tagsüber demonstriert hatten. Brüuu, 16. Juli. Die gestern abgehaltenen stark besuchten Versammlungen der alt-fortschrittlichen Parteien Mährens und der tschechischen Bolkspartei in Mähren, nahmen Resolutionen an, in denen sie die Körber'schen Sprachengesetzentwürfe als völlig unannehmbar bezeichnen. Zweite Verbandsausstellung der Heerdbuch- gesellschaften für das Vogelsberger Riad. Marburg, 16. Juli. Am SamStag nachmittag sand das Festessen statt. Oberpräsident v. Zedlitz-Trützschler brachte den Toast auf den Kaiser und den Großherzog aus. Den zweiten Trinkspruch brachte Landrat v. Negelein auf die Ehrengäste aus. Regierungspräsident von Trott zu Sokz dankte im Namen der Ehrengäste für die Begrüßung und Einladung zum Besuch der Ausstellung. Landrat v. He im bürg, der Vorsitzende des Verbandes, dankte für die Anerkennung, die den Bestrebungen des Verbandes von Seiten des Regierungspräsidenten gezollt worden sei. Es folgte noch eine Reihe weiterer Toaste. KreiS- amtmann Boekmann-Gießen erwiderte auf die Rede des Herrn v. Heimburg mit einem Hoch auf die preußischen Mitglieder des Verbandes. Landrat Goe decke-Wetzlar toastete auf die Mitglieder des ausführenden Komitees; Landrat Schenck zu Schweinsberg-Kirchhain gedachte der Preisrichter und brachte auf sie ein Hoch aus. Es folgten Toaste auf Landrat v. Heimburg und auf die Aussteller. Der zweite Tag der Ausstellung verlief ebenfalls ungetrübt und schön. Schon vom frühen morgen an war die Ausstellung das Ziel zahlreicher Fremder und Einheimischer. In der Festhalle begann um 11 Uhr die Generalversammlung des Verbandes der Heerdbuchgesell- schasten. Den Vorsitz führte Landrat v. Heimbnrg- Biedenkopf. Er begrüßte die Erschienenen und erteilte dann zunächst Landrat von Regel ein-Marburg das Wort. Dieser gab seiner Freude darüber Ausdruck, daß man Marburg als Ort der diesmaligen Ausstellung gewählt. Das Fest-Komitee habe sich der ihm gestellte Aufgabe gern unterzogen und versucht, ihr in vollstem Maße gerecht zu werden. Bei der ersten Verbands-Ausstellung in Gießen habe der Vorsitzende des Oberhessischen landwirtschaftlichen Provinzial-Vereins, Graf Friedrich zu SolmS-Laubach in aufopferndster Weise mitgewirkt. Heute sei dieser Herr leider durch Gesundheitsrücksichten an der Mitarbeit verhindert. Dem Vorschläge deS Landrats v. Negelein, dem Grasen ein Telegramm zu übermitteln, wurde zugestimmt. Der Vorsitzende der Landwirtschaftskammer zu Kaffel, Herr von Stockhausen, beglückwünschte den Verband zu seinen Erfolgen. Man trat alsdann in die eigentliche Tagesordnung ein. Der Vorsitzende gab einen Rückblick auf die Thätigkeit des Vereins von der Gießener Ausstellung bis heute. Die 2. Auflage des Heerdbuches sei zur Drucklegung fertig und dürste in aller Kürze erscheinen. Wer solle das aber bezahlen? Die Verbandskaffe habe nur die auf den Ausstellungen der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft errungenen Preise. Diese Summe lange aber nicht. Falls die Marburger Ausstellung einen Ueberschuß erziele, mögen die Veranstalter auch wohlwollend der Verbandskasse gedenken. Die Heerdbuchgesellschast Marburg, die sich bei der Gießener Ausstellung noch kaum gezeigt, habe ganz bedeutende Fortschritte zu verzeichnen. Sie habe die zweitbeste Leistung gezeigt und sei deshalb mit der bronzenen Staatsmedaille ausgezeichnet worden. Das Material sei in jeder Beziehung vorzüglich. Das rasche Tempo im Fortschritt sei die beste Gewähr, daß die Zucht des Vogelsberger Höhenviehes gut angefaßt würde. Der folgende Punkt der Tagesordnung betraf eine Kritik und Besprechung der Ausstellung. Landwirtschafts-Inspektor Kaiser, der hierzu das Wort ergriff, bemerkte, daß seit der Gießener Ausstellung ein Fortschritt nach zwei Richtungen hin zu konstatieren sei. Die Vogelsberger Rindviehzucht habe sich von den Kreisen Gießen und Biedenkopf strahlenförmig weiter und weiter ausbreitet. Der zweite Fortschritt liegt mehr auf technischem Gebiete. Das ausgestellte Vieh sei im Allgemeinen abgerundeter und schwerer geworden. Auch sei zu konstatieren, daß eine Reihe von Tieren vorhanden sei, deren gestreckter Körperbau auf große Milchergiebigkeit schließen laffe. Oekonomierat Leith iger-Alsfeld, trat den Aus- sührungen des Vorredners bei. Der Vogelsberger Rind- viehschlag sei für die Landwirte Mitteldeutschlands von der größten Bedeutung. Herr v. Stockhaus en-Caffel erwähnte, daß man jetzt schon bedeutend schwerere Exemplare züchte wie früher. Das sei eine Raffen-Bervollkommnung, nicht, wie einzelne meinten, ein Verlassen der Raffen-Eigentümlichkeiten. Man solle so sortfahren. Der Kreis der Abnehmer würde sich, wenn die Landwirte gutes Vieh hätten, bedeutend erweitern. Oekonomierat Leit Higer-Alsfeld wies darauf hin, daß bei dem Jungvieh manchmal große Fehler gemacht würden. Er habe viele Tiere gesehen, die in ihrer Jugend nicht genügend ernährt worden seien. Man setze die Tiere oft zu früh ab. Bürgermeister Ruth-Bellnhausen meinte hierzu, daß man die Tiere auch nicht zu früh zum Bullen lassen solle. Gleichzeitig wünsche er noch, daß bei den Tieren die Geburtsregister ganz genau geführt würden. Bürgermeister Groß- Niederweidbach wünscht, daß an den engeren Landes grenzen beim Ausbruch der Maul- und Klauenseuche den Landwirten beim Viehhandel rc. nicht so überflüssige Hemm« nisse gemacht würden. “ä1" »»?; S r« bi, 1 *8«», 'eeri>b„ch. »°r Stink l6' M ikh“ itatL be« ioaft „t? Weilen “ d" (Hjten.- 11 i« Soli 'ärtSanj unb lf des 8ets ®!M«n«u ®Wa N> Mt. Unit, ““f die Rede ™ dMßGn »ede^at Komitees; 1 gtdaihte der *- Es folgten die Aussteller. Mit f ebenfalls ’rgen an war der unb Nn- 11 W dir )eerddu^gch8- Heimbnrg. ib erteilte bann >g das Wort, id/ daß man llung gewählt. Aufgabe gern laße gerecht jit ttlg in @i?> )wirtfchoNchen ÄS-LaM tu ei bii/tt Herr Mardeit W NeMu, dm ibt zugtstiM. mer zu Kastel, en Manb zu TagrtzvMMg tiä auf die eßener Aus- HeerdbucheS fei Mze erfcheinen. tandskaste habe buMWafts- me lauge M M WM oflenb der M' M Vordurg. , nach kam ge- .erzeichnen. B ei deshalb m! worden. Das 6. Das rasche Ja« dieM [ würde. M Wfl «“ um ae* /f'eren fei. ™ n be« ®* ,ttt unb w® raufte^ ttoemeta» * i »Wf*S beten rf* SÄ* haft W®® B- xSe? 3e 2, hi-» B ® rieten w * 5J*£ Bei der Berichterstattung über die Verhandlungen, die rnit der Siegerländer Herdbuchgesellschaft geführt iworden find, erwähnte Landrat v. Heimburg, daß bte Waldecker aus der Ausstellung nicht vertreten seien. Sie wollten nicht an die Oefsentlichkeit treten, ehe fie nicht unter sich gearbeitet hätten. Vielleicht war das nicht ganz richtig, denn erst durch die Ausstellung und den Anschluß an den Verband sehe man, wie zu züchten sei. Die Siegerländer hätten Tiere geschickt und wollten in den Verband ausgenommen werden. Gestern sei aber ein Brief des betr. Vorsitzenden angekommen, in dem gesagt werde, die Siegerländer müßten erst noch weiter unter sich arbeiten, damit fie nicht wieder so minderwertig beurteilt würden tote gestern. Man werde nun abwarten müssen, bis die Siegerländer wieder von selbst kommen. Es entspann sich nun eine längere Debatte darüber, welche Farbe beim Vogelsberger Vieh die richtige sei. Svarkassendirektor Schlabach- Wetzlar und ebenso Inspektor Kaiser waren für eine em- heitliche'Farbe. Landrat v. N e g e l e i n sprach sich in gleichem Sinn aus; er hielt rot bis braunrot für die Farbe, aus die man bei der Zucht achten müsse. Besondere Helligkeit gehöre nicht zu dem Zuchtziel. Auf Vorschlag des Vorsitzenden wurde nunmehr zum Drt für die nächste Generalversammlung BiedenloPf gewählt, da dort zu gleicher Zeit ein lokales landwirtschaftliches Fest geplant sei. Die Verbands-Ausstellung in zwei Jahren dürste wieder nach dem Großherzogtum Hessen verlegt werden. Hiermit hatte die Versammlung ihr Ende erreicht. Mit einem Hoch aus die Herdbuchgesellschaft wurde die Sitzung geschlossen. Nachmittags um 3 Uhr sand die Vorführung der preisgekrönten Tiere statt. Auf dem Festplatze und dessen Umgebung entwickelte sich bis in die späten Nachtstunden hinein ein lebhaftes Treiben. Der Menschenandrang war so gewaltig, daß der .große Festplatz, dessen Wirtschaftshallen dicht besetzt waren, kaum für die Passanten reichte. Trotz der großen Hitze wurde auf den beiden Tanzböden wacker das Tanzbein geschwungen. Bei der Preisverteilung fielen folgende Preise nach Oberhessen: 1. Gruppe. Für Bullen bis zu 2 Jahren: 2. Preis, 90 Mk., Zuchthof Bingmühle, Kr. Gießen. Eine Anerkennung in Höhe von 10 Mk. erhielt Karl Fischer, Zwiefalten bet Schotten. 2. Gruppe. Für Bullen über 2 Jahre: 2. Preis, 90 Mk., Stationsbulle Großen-Linden, Kr. Gießen; 2. Preis, 90 Mk., Gemeinde BelterSheim, Kreis Gießen; 3. Preis, 60 Mk., Karl Fischer, Zwiefalten, Kr. Schotten; 3. Preis, -60 Mk., Gemeinde Sellnrod, Kr. Schotten. Eine Anerkennung in Höhe von 10 Mk. erhielt: Gemeindebulle Allendorf a. d. L., Kr. Gießen. 3. Gruppe. Für Kühe mit 3 und mehr Kälbern: 1. Preis, 100 Mk., Karl Fischer, Zwiefalten, Kr. Schotten; 2. Preis, 90 Mk., Wilh. Kunkel, Eichenrod, Kr. Schotten; 4. Preis, 50 Mk., Jul. Zimmer, Bingmühle, Kr. Gießen. Je eine Anerkennung in Höhe von 10 Mk. erhielten : Jakob Weller VII., Heuchelheim, Kr. Gießen, Johs. Weigand IV., Großen Linden. Ein Diplom erhielt: Karl Fischer, Zwiefalten, Kr. Schotten. 4. Gruppe. Für Küh e mit 1 bis 2 Kälbern: 2. Preis, 90 Mk., Karl Fischer, Zwiefalten, Kr. Schotten; 3. Preis, <50 Mk., Ehr. Pitz, Lauter, Kr. Gießen; 4. Preis Wilh. Runkel, Eichenrod, Friedrich Göbel, Laubach, Kr. Gießen, je 50 Mk. Eine Anerkennung in Höhe von je 10 Mk. erhielten : Karl Fischer, Zwiefalten, Joh. Faber X., Großen- Linden. 5. Gruppe. Für tragende Rinder. 1. Preis, 100 Mk., Karl Fischer, Zwiefalten; 2. Preis, 90 Mk., derselbe; 2. Preis Theodor Stein, Grünberg; 4. Preis Heinrich Weber X., Eschenrod b. Schotten, Ludwig Faber X., Großen-Linden, je 50 Mk. 6. Gruppe. Für Sammlungen, bestehend aus mindestens einem sprungfähigen Bullen und 10 Stück über 1 Jahr alten weiblichen Tieren, wovon die Hälfte Kühe: einen Preis im Werte von 500 Mk. erhielt Karl Fischer, Zwiefalten. Für Familien: 1. Preis, 150 Mk., Karl Fischer, Zwiefalten; 2. Preis, 100 Mk., Julius Zimmer, Bingmühle, Kr. Gießen. Eine Anerkennung im Werte von 30 Mk. erhielt Johs. Faber X in Großen-Linden. Der Zuchtviehmarkt begann heute morgen gegen <5 Uhr. Es war prächtiges Vieh ausgestellt und deshalb konnte sich auch ein lebhafter Handel entwickeln. Käufer und Händler waren genügend vorhanden. Zur Verlosung wurden 31 Tiere zum Gesamtpreise von über 7000 Mk. ungekauft. In Rücksicht auf die große Hitze fiel der für heute -nachmittag vorgesehene Festzug aus. (Oberh. Ztg.) Aus Stadt und Land. Sieben, 17. Juli 1900. ** Perfonaluachrichten. An Stelle des zum juristischen Hilfsarbeiter im Ministerium der Finanzen ernannten KreiSamtmanns Freiherrn v. Schenk zu SchWeinsberg äst, wie uns telephonisch aus Darmstadt mitgeteilt wird, bet Kreisamtmann Dr. Heinrichs zu Gießen bis auf weiteres unb für bie Dauer bes bermaligen von chm be- Heibeten Amtes znm Vorsitzenden des SchiebSgerichtS ber land- unb forstwirtschaftlichen Berufsgenossenschaft bes Großherzogtums Hessen für ben Bezirk ber Provinz Oberhessen, sowie zum Stellvertreter des Vorsitzenben beS SchiebSgerichtS für bie Sektion VI ber Hessen-Nassauischen Baugewerks - Berufsgenossenschaft ernannt worben. Der Rechner an ber Technischen Hochschule, RechnungSrat Jakob Petry von Darmstadt wurde zum Sekretär an dieser Hochschule, ber Sekretariatsgehilfe an ber Technischen Hoch- chule, Karl Reischel aus Darmstadt, zum Sekretariats- llssistenten, der Bureaugehilfe bet ber Technischen Hoch- chule, August Tram er aus Darmstabt, zum Rechner an biefer Hochschule mit Wirkung vom 1. August l. IS. an ernannt. ** Hauptmann Bartsch ist, wie ber „Rhein. Courier- schreibt, in Frankfurt mit ber Bilbung ber 8. Kompagnie deS 2. ostafiatischen Infanterie-Regiments beschäftigt. -s- Heuchelheim, 17. Juli. Gestern nachmittag würbe ber Taglöhner Peter Uhl aus Laufdorf auf ber Wiese bes Herrn Schlenke auf bem Harbthof bei Gießen beim Heuauflaben von einem Hitzschlag betroffen. Da bei dem Unglücklichen noch Lebenszeichen vorhanben waren, verbrachte man ihn in bie Klinik nach Gießen. Auf diesem Transport starb Uhl alsbald. Die Leiche wurde ber Klinik übergeben. -t. Dorheim, 16. Juli. Gestern mittag zwischen 12 und 1 Uhr erhängte sich ber hier wohnhafte unb verheiratete Werner Büttne r in der oberen Stube seines Hauses. Büttner nahm noch seine MittagSmahlzeit ein; und als seine Tochter um 1 Uhr in der oberen Stube eintrat, fand fie dort ihren Vater schon tot. Was dem Lebensmüden hierzu Veranlassung gegeben hat, ist bis jetzt noch nicht bekannt. Bleidenrod, 16. Juli. Gestern feierten wir das Be - zirks-Kri eget fest des Bezirks Homberg, verbunden mit dem 25jährigen Stiftungsfest des Kriegervereins Bleidenrod. Nach gemeinsamem Kirchgang ber hiesigen Kameraben empfingen biefe die Bezirksvereine. Nachmittags bewegte sich der Festzug nach dem Festplatz. Der Präsident des Kriegervereins Bleidenrod, Friedrich, entbot den Festgästen Gruß und Willkommen und schloß mit einem Hoch auf Kaiser und Großherzog. Frl. Auguste Friedrich überreichte dem Jubel-Verein eine Fahnenschleife mit gereimter Ansprache. Der Präsident dankte im Namen des Vereins für die Gabe der Frauen unb Jungfrauen Bleiben- robs. Pfarrer Schick von Burg Gemünden ergriff nun bas Wort zur Festrebe unb schloß mit einem Hoch auf Deutschland Im weiteren Verlauf des Nachmittags nahm Postsekretär i. P. Mayer von Gießen als Präsibial- Mitglied ber „Hassia" die Überreichung verschiedener von der „Hassia" verliehenen Ehrentafeln vor. Herr Mayer begleitete diesen Akt durch eine mit lebhaftem Beifall ausgenommene Ansprache, bie neben bem Ernst auch den Humor zu seinem Rechte kommen ließ. Der Redner wandte sich zunächst an den Kriegerverein Bleidenrod, der als Erinnerung an seine 25jährige Zugehörigkeit zur „Hassia" von letzterer ein Diplom verliehen worben sei. Er wünschte bem Verein ein ferneres Blühen unb Gebeihen unb gab der Zuversicht Ausdruck, daß derselbe auch fernerhin ein treues Glied des großen hessischen KriegerverbandeS sein möge. Zum zweiten sind ben Herren Friebrich, Vorsitzenber, sowie dem Kassier Wehrwein. Diplome aus Anlaß ihres 25jährigen Jubiläums als Vorstandsmitglieder zu Teil geworben. Herr Friebrich bankte für die Ehrungen bes Vereins, seiner Person unb bie des Herrn Wehrwein und brachte ein Hoch aus auf das Präsidium ber „Hassia" unb bas gesamte Kriegervereinswesen. — Vvm Bezirksvorstanb waren anwesenb: 1) Bezirkspräsident Schildwächter von Homberg, welcher Herrn Poftsekretär Mayer als Präsidial« Mitglied der „Hassia" ber Festversammlung vorstellte; 2) Bezirksrechner Schweißguth von Ober Ofleiden; 3) Be zirksschriftführer Bürgermeister Stroh von Lehrbach. -o- Ober Mörlen, 16. Juli. Heute morgen 4 Uhr sand man in dem durch unseren Ort fließenden Haingraben eine männliche Leiche. Wie sich herausgestellt hat, ist ber 26 Jahre alte, lebige Jakob Joseph Peppler von hier, ber wegen Krankheit noch am Tage zuvor das Bett hüten mußte, in ber Nacht in ben Haingraben gegangen unb hat sich bort ertränkt. Die Leiche war nur mit einem Hemde bekleidet. Ob Peppler im Fieber- zustand ober mit Vorsatz in ben Tod gegangen ist, konnte nicht ermittelt werden. -z- Herbstei«, 16. Juli. Am Sonntag nachmittag zwischen 4 unb 5 Uhr ging ber lebige Friebrich August Schreiner von hier in einen in hiesiger Gemarkung gelegenen Teich, um zu haben. Als gegen 5 Uhr einige junge Burschen ben Weg nach dem Teich passierten, fanden sie die Kleider des Schreiner am Ufer liegend. Bei einer Durchsuchung des Teiches fand man die Leiche. Der Verunglückte ist anscheinend beim Ueben des Schwimmens ermüdet und infolgedessen ertrunken. Laubach, 16. Juli. Der engere Festausschuß für die Feier des 25jährigen Jubiläums des Gymnasiums hat nunmehr das Programm des Festes endgiltig aufgestellt. Donnerstag, 2. August findet Fackelzug statt, mit anschließender geselliger Vereinigung. Freitag, 3. August ist morgens Festaktus im Gymnasium, mittags großes Festmahl, 5 Uhr Waldfest auf dem RamSberg, abends 9 Uhr großer Kommers im Schützenhof. Samstag, 4. August finden Ausflüge in die Umgegend statt. Die Festteilnehmer erhalten eine geschmackvoll illustrierte Festschrift, bie von Professor Röschen verfaßt ist. Sie enthält eine Geschichte der alten 1555 gegründeten Lateinschule unb bes Gymnasiums Fribericianum, außer sechs Beilagen: alten Lehrplänen, Listen, Statuten zc. -na. Darmstadt, 17. Juli. (Tel. Meld, des „Gieß. Anz." 10 Uhr norm.) Heute nacht 1% Uhr brach in der Dampfschreinerei von Flander in ber Arheilgenstraße ein Großfeuer aus, bas genährt durch den reichlich vorhandenen Brennstoff binnen kurzer Zeit die Schreinerei bis auf ben Grunb zerstörte. Die zeitweilige Winbstille war sehr günstig für bie Lokalisierung bes Feuers. Die gesamten Feuerwehren waren ausgerückt. -ch. Eberstadt, 16. Juli. Am Freitag ist Lehrer R. Oßwalb aus unserer Gemeinde wieder ausgeschieden, nachdem er am 20. April v. I. die hiesige Schulstelle als Schuloerwalter Übernommen hatte. Er hat sich in dieser kurzen Zeit nicht nur die allgemeine Liebe und Achtung der ganzen Gemeinde, sondern auch die treue Anhänglichkeit seiner Schüler erworben. Herr Oßwalb hat bie neuerrichtete zweite Lehrerstelle in Weitershain erhalten. Unsere Schulstelle ist nun befintio bem Lehrer H. Junker von Lich übertragen worden. bm. Aus Rheinhessen, 15. Juli. In Alzey haben letzter Tage die Landpoltzeidiener von Rhcinheffen eine Versammlung abgehalten, in der sie beschlossen Haben, an die zweite Kammer der Stände und an das Staatsministerium eine Petition zu richten, dafür einzutreten, daß bie Polizei- biener vom Staat angestellt und ihre Gehälter nach Zahl ber Ortseinwohner geregelt werden. In der Versammlung wurde ein komisches Bild über bie heutige Besoldung ber Lanbpolizeibiener und deren vielseitige Beschäftigung entrollt. r- Herborn, 15. Juli. Gestern beging unser Steno- graphen-Verein „Stolze-Schrey" abends im Saal des Hotels zum Ritter die Feier seines 1. Stiftungsfestes im Rahmen eines Kommerses. In seiner Begrüßungsrede hob der Vorsitzende, Herr Rühl, die Wichtigkeit der Stenographie für alle Stände, namentlich für den Kaufmann, hervor, gedachte kurz der Entstehungsgeschichte des Vereins und hoffte auf weitere Förderung durch Jung und Alt. Namens der erschienenen Vereine wurde für bie freundliche Einladung gedankt. Rechtsanwalt Raab- Gießen sprach fein Erstaunen unb seine Freude über die zahlreiche Beteiligung aus und sah in dieser einen Beweis, mit welchem Interesse weite Kreise der Entwicklung der Stenographie folgten. Der junge Verein Herborn sei keine neue Blüte ber Vereinsmeierei, er habe sich von ber richtigen Erkenntnis leiten lassen, baß es ben Zusammenschluß aller Kräfte zu gemeinsamer Arbeit gelte. Die Stenographie sei nicht nur für Leute wichtig, bie berufsmäßig viel zu schreiben haben, sie müsse baS tägliche Gebrauchsmittel, ein richtiges Hausmittel in unserem schriftlichen Verkehr werben. Lehrer Schn ei ber-Marburg warf einen Blick auf frühere Zeiten, als man im stillen Dillthal von Stenographie noch nicht- wußte. Herr Büren, Rektor i. P. ber vereinigten VolkS- unb Realschule unb Kreisschulinspektor in Herborn, gab seiner Freube barüber Ausbruck, seine ehemaligen Schüler jetzt im Verein unb in den Reihen der Stenographen zu sehen, und bedauerte, daß er selbst in seiner Jugend noch nicht Gelegenheit gehabt, so leicht die Stenographie zu erlernen. Lehrer Bender-Wetzlar knüpfte an die erwähnte Oede des stenographischen Lebens im Dillthal an. GS sei eine Lücke zwischen Hessen, Westfalen unb Rheinlanb gewesen; jetzt sei bie Verbinbung hergestellt. Die Entwicklung sei nicht sprungweise, sonbern allmählich unb systematisch fortgeschritten. Allenthalben rege sich ber Sinn für Stenographie, unb er hoffe, baß bie durch Konkurrenz anbercr Systeme brohende Zersplitterung glücklich übertounben werde, und baß ber Zug nach Vereinheitlichung, bem schon die Schulen Stolze und Schrey nachgegeben hätten, endlich zur Vereinheitlichung der deutschen Stenographie führen möge. Freund«Dillenburg beglückwünschte den Verein zu weiterem Wachsen, Blühen und Gedeihen. Wilker«Gießen sprach über ben Aufschwung ber Stenographie in jüngster Zeit, über die Schwierigkeit der Frage, welches System das beste sei. Die praktische Erfahrung sei hier die sicherste Führerin. Als mächtigste Rivalen könnten nur die Systeme GabelS- berger und Stolze-Schrey in Betracht kommen. Die Gabels- berger Schule sei erstarrt in veralteten Dogmen, bie vereinfachte deutsche Stenographie von Stolze-Schrey aber sei ber Neuzeit entsprungen, bas Beste aus Gabelsberger neh- menb, aber auf ganz neuen Grunblagen aufgebaut, em wirklich wissenschaftliches System. Er appelliere an die Gäste, die wenn auch nicht alle als aktive Stenographen sich beteiligen, doch als passive Mitglieder dem Verein beitreten tonnten, ben Verein fördern unb ihm ihr Interesse erhalten möchten. — Nach ;ben Ansprachen kamen Musik unb humoristische Vorträge zu ihrem Recht, unb bas gemütliche Zusammensein gab vielen Gelegenheit, ber fteno» graphischen Sache Interesse und Berstänbnis abzugewinnen. Vermischtes. * Paris, 16. Juli. Die Hitze hat hier einen ungewöhnlichen Grad erreicht. Heute würben 20 Fälle von Sonnenstich gemeldet. * Paris, 16. Juli. Heute nacht verunglückte ein Sohn des Bankiers Albert E l i s s e n, der 27jährige Jacques Elissen, auf einer Automobilfahrt in der Nähe von Saint Cloud. Der junge Mann blieb auf der Stelle tot. * Sunt Brandunglück von Hoboken. Der Norddeutsche Lloyd hat die Geretteten der Hobokener Brandkatastrophe für den Verlust ihrer Effekten entschädigt. Stewards, Matrosen, Heizer und Kohlenzieher haben je 200 Mark, die Unteroffiziere je 300 Mark und die Offiziere je 500 Mark erhalten. Außerdem ist allen eine volle Extra- Monatsgage als Gratifikation ausgezahlt worden. Ferner gewährt der Lloyd den Hinterbliebenen aller Verunglückten neben der gesetzlich vorgeschriebenen Rente noch eine besondere aus freien Stücken. Sport, Spiel, Jagd. Rad»Reu«e« zu Gieße«. Die am nächsten Sonntage auf dem hiesigen Sportplätze stattfindenden Radrennm versprechen nach den vorliegenden Meldungen guter Fahrer ein sportliches Schauspiel von hervorragender Bedeutung zu werden. DaS Programm, über daS wir schon früher berichtet haben und d«S nunmehr auch aus den auSHSngenden Rennplakaten ersichtlich ist, enthält viele hochinter- esiante Nummern. Der schärfste Kampf wird aber sicher wohl um die Ehrengabe der Stadt Gießen entbrennen, da insbesondere ein Frankfurter Verein, ber sich die Pflege des RennsporieS pari besonders angelegen sein läßt, alles aufbieten will, um gerade diesen Preis jetzt zu erringen, nachdem er bei dem vorjährige» Start im gleichen Rennen ganz knapp unterlegen war. Andererseits werden auch andere Vereine, und insbesondere bie Verteidiger, die Gießener „Wanderer", ihre besten und zuverlässigsten Fahrer an den Start bringen. Und da sich hiernach daS Endresultat im Voraus unmöglich absehen läßt, so ist da? große Interesse, das man gerade diesem Wettstreite allgemein entgegenbringt, vollkommen erklärlich und berechtigt. Leicht wird dem endlichen Gewinner der Steg jedenfalls nicht. Florenz, 16- Juli, Fünf Mann des italienischen fünften Lanzenregiments Novara verließen gestern Florenz zu einem Dauer« ritte nach Berlin. Die 1500 Kilometer lange Strecke soll in 20 Tagen zurückgelegt werden. An dem Dauerritte beteiligen sich ein Leutnant, ein Feldwebel, ein Korporal und zwei Gemeine. Kandel und Verkehr. Volkswirtschaft. •ietm, 17. Juli. Marktbericht. Auf dem heutigen Wochenmarkt kosteten: Butter per Pfd. X 0.90—1.10, Hühnereier per St. 6—7 4, 2 St. 11—13 H, Enteneier 2 St. 14—16 ch, Gänse« eiet per St. 11—12 H, Käse 1 St. 5—8 A Käsematte 2 St. 6—6 X E.bfen per Liter 22 H, Linsen per Liter 82 X Tauben per Paar x 0 75—0.90, Hühner per St. X 1.20—2.00, Hahnen per Stück X 0 7c—1.30, Enten per St. X 2.00—2.20, Gänse per Pfund X 0.00-0.00 Ochsenfleisch per Pfd. 68—74 X Kuh« und Rindfleisch per Pfd. 62—64 A Schweinefleisch per Pfd. 50—70 H, Schweine» fleisch, gesalzen, per Pfd. 74 X Kalbfleisch per Pfd. 64—66 4, Hammelfleisch per Pfd. 60—66 H, Kartoffeln per 100 Kilo 4.00 biZ 5.00 X, Weißkraut per St. 00—00, Zwiebeln per Etr. X 8.00—9.00, Milch per Liter 16 H. Kirschen per Pfund 12—15 Kunst und Wissenschaft. — Dem Schiffsarzt der Red Star Line in Antwerpen soll eS gelungen sein, ein Heilserum gegen die Tuberkulose zu er« finden er soll damit bereits mehrere Lungenschwindsüchtige geheilt haben. Der Erfinder, Dr. Freyße, wird seine Versuche im Pasteurschen Institut in Paris fortsetzen. Keuche Meldungen. Wien, 17. Juli. Ministerpräsident v. Körber, der heute aus Ischl hier wieder eingetrossen ist, wird sofort die Verhandlungen mit den verschiedenen Parteiführern wieder ausnehmen, da eS der dringende Wunsch der Krone ist, daß endlich eine Verständigung zwischen Deutschen und Tschechen zu Stande kommt und die parlamentarische feit wieder ausgenommen tDtr\___________________________ Seiden-Blusen ml und höher — 4 Meter! — porto- und zollfrei zugesandt! Muster umgehend; ebenso von schwarzer, weißer und farbiger „Henneberg-Seive" von 75 Pfg. bis 18,65 per Meter. 122 6. Henneberg, Seiden-Falirikant (k. ü. k. ttofl.) Zürich. A 11 (Hessen) zw. 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