Nr. 165 Erstes Blatt. Mittwoch den 18. Juli 1900 Gießener Anzeiger General-Anzeiger «>«»h»e AO« T»z«t-en zu bet «LchmtttagS für b« Derrn. 10 Nhr. »ev^et. Alle Lnzngen-Bermittlung-steSen der In- und lulle*» nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger cntgtge«. Zeilenpreis: lokal 12 Pfg., aultoirtl 20 Pf,. *•( «scheinenden Nummer bis spätestens M* Nezugrprei» tzierteljährl. Mk. SM monatlich 75 Pf,, mit vringerloh«; durch die AbholeftelK« »ierteljährl. Mk. IM monatlich 65 Pfg. Bei Postbezu, Mk. 2,40 viert UjLtz« mit Bestellgeld. ftfMrt ttgNch Mit TrnMuchMe M Die Sich-er »«M,rre«ßtttt-r •mV* dem Anzeiger im mit „peff. Ärndmirt" e. ^Blätter fk Heß. SoNSkunde- et*L4*d detgeiegt. Amts- und Anzeigcblatt für den Kreis Gieren. Oflrcbitüm und Druckerei: ><«<#r*6t Nr. 7. Gratisbeilage«: Gießener FannlienbMer, Der heWhe Kan-wirt, Klätter für heUche DMskvnde. Adresse für Depeschen: A«zeiger Oteftau Fernsprecher Nr. 5L Amtlicher Teil. Au die Heere« BertraueusmSnuer deS HilfS- veveius für die Geisteskranke« in Hesse«. Für die Stellen der Küchen- und Waschmädchen in hiesiger Anstalt ist bei freier Station ein jährlich um 50 Mk. von 200 Mk. an bis zu 350 Mk. und bei Beförderung bis 450, 500 und 600 Mk. steigender barer Lohn vorgesehen. Wir ersuchen um vorerst briefliche Zuweisung geeigneter gesunder und intelligenter Bewerberinnen, die wenn kräftig, vom 16. Lebensjahr ab angenommen werden. Die Bewerberinnen selbst wollen sich an die aus den Jahresberichten des HilssvereinS bekannten Herren Vertrauens- Männer oder und zwar zuerst brieflich hierher wenden. Heppenheim, den 24. Juni 1900. Großh. Direktion der Landes-Irrenanstalt. Dr. Bieberbach, Medizinalrat. Der Gesandte«- und Fremden-Mord zu Peking. Tropfen um Tropfen ist uns die Nachricht über die Schrecknisse in Peking übermittelt worden und allmähliche haben wir uns daran gewöhnen müssen, dem Entsetzlichen, das wir noch, vor wenigen Wochen kaum zu ahnen wagten, ins. Auge zu sehen. Heute, wo General Manschikai, der Gouverneur von Schantung, amtlich von dem Geschehenen Mitteilung gemacht hat, ist kein Zweifel mehr gestattet, der Gesandten- und Fremden-Mord in Peking ist eine historische Thatsache, eines der schauerlichen Merkzeichen, die die Weltgeschichte von Zeit zu Zeit aufzurichten pflegt, eine Unthat, die selbst in der blutgetränkten Vergangenheit des Orients kaum ihres Gleichen findet. Gefühl nnt) Phantasie sträuben sich dagegen, das Schwanken zwischen Hoffnung und Verzweiflung, die Leibesqualen und Seelen- fottern auszudenken, die diese Märtyrer unserer Zivilisation bis zu dem Augenblick erduldet haben mögen, wo sie in einem heroischen Entschluß wahrscheinlich zu Ver- vrechssrn wurden aus Mitleid und aus Barmherzigkeit und mit der letzten Kugel das eigene Weib, das eigene Kind niederstreckten, um sie der Mordwut der Horden zu entziehen, ibite da draußen die Mauern umheulten. Im Vergleich! zu dem Lose, das diesen Leuten gefallen, war der Tod des Freiherrn v. Ketteler fast ein mildes und gnädiges Geschick. Vielleicht werden wir nie in vollem Umfange erfahren, was in diesen Schreckenstagen vom 12. Juni bis zu dem schließlichen Ende in Peking gelitten worden ist, aber des darf man versichert sein, daß die Männer und auch die Frauen, deren einzige Schuld darin bestand, daß sie dort im äußersten Osten die Kultur des Abendlandes mit all ihren guten und, wenn man will, auch ihren schlechten Seiten vertraten, wie Helden — das bestätigt auch die Meldung Manschikais — gefallen sind und noch im Tode den Sieg der Kultur des Westens über die des Ostens besiegelt haben. So haben sie schon in der ersten Schlacht den schließlichen Ausgang des Krieges entschieden, denn was jetzt entbrannt ist, ist ein Kulturkampf in der umfassendsten Bedeutung des Wortes, ein Kampf auf Sein oder Nichtsein zwischen zwei schnurstracks sich widerstrebenden Weltanschauungen. Dieser Kampf datiert nicht erst von dem Blutopfer in Peking; er hat begonnen an dem Tage, als die ersten Sendboten des Christenglaubens und abendländischer Wissenschaft, Technik und Industrie hinauszogen nach dem Osten, aber man hoffte allgemein, er werde in friedlichem Ringen ausgetragen werden können. Aus dieser Täuschung haben uns die Pekinger Blutthaten furchtbar aufgeschreckt; die Zivilisation des Westens muß heute, sie mag wollen oder nicht, mit Feuer und Schwert, mit Kleinkalibergewehren und Steilschußgeschützen siegen oder — unterliegen. Zartfühlige Gemüter haben, chinesischer als selbst die Chinesen, geglaubt, von vornherein uns, den Europäern und Abendländern, die Schuld an allem Unheil deshalb aufbürden zu müssen, weil sie hinausgegangen sind über das Meer und ungebeten den Feind in seinem eigenen Lager aufgesucht haben. Aber gerade, daß das geschehen, ist ein Zeichen der Sieghaftigkeit unserer Zivilisation, ein Beweis, daß unsere Kultur expansiver, ausbreitungsbedürftiger und ausbreitungskräftiger, mit einem Worte stärker ist als die des Ostens. Es mag grausam erscheinen, Leuten, die behaupten, den herrlichen Weisheiten des großen Konfutse nachzuleben, den christlichen Glauben als das Heil des Heils aufzuzwingen, oder ihnen, die in der Bedürfnislosigkeit ihr Glück zu finden meinen, die sogenannten Segnungen unserer Kultur zu bringen und damit in ihnen Bedürfnisse zu wecken, aus denen wir selbst wiederum unjein Nutzen ziehen. Aber auch die Natur ist grausam in dem Kampfe ums Dasein, zu dem sie ihre Geschöpfe in die Welt setzt; der Löwe frißt das Lamm, der Stärkere den Schwächen auf, und wenn irgendwo das Wort, Macht geht vor Recht seine Bedeutung hat, so besteht sie darin, daß die mächtigere Kultur der schwächeren nicht das Recht zugestehen kann, sich gegen sie abzuschließen. Wenn wir daher grausam sind, so sind wir es in einem natürlichen Drange, aus einer wirtschaftlichen Notwendigkeit, der wir uns nicht entziehen können. Aber.gleichviel ob die Wirklichkeit sich in philosophischer Konstruktion erfassen läßt oder nicht: Thatsache bleibt es, daß das Chinesentum, wenn auch nicht die Regierung! oder das Volk von China, uns den Kampf aufgezwungeuj und durch die Pekinger Blutthaten die Form bezeichnet hat, in der er durchgeführt werden muß. Nicht daß wir Gleiches mit Gleichem vergalten, daß wir, wie viele Leute im Lande der Mitte ernstlich! zu besorgen schiein^n, nun auch den Gesandten, die der „Sohn des Himmels" uns als jeine Vertreter geschickt, die Köpfe abfchneiden müßten, daß die Truppen der Zivilisation in China den Boxern gleich sengen tumb brennen sollten; aber ber schrecklichste Frevel, bet je gegen bas Völkerrecht begangen worben, muß vor- bilblich geahnbet unb ein für allemal muß bie Lehre aufgestellt werden, baß bieses von ber Kultur des Westens ersonnene Grundgesetz bes internationalen gesitteten Menschen- unb Völkerverkehrs auch ein Kulturzwang ist, ben der Wester: zu seinem eigenen Nutzen unb Frommen ber Welt, wenn sie es nicht anders will, mit Gewalt auferlegt. Mitten in bie ängstlichen Zweideutigkeiten der ersten Ueberraschung hat Kaiser Wilhelm das Wort „Rache" geworfen, und obwohl es dem natürlichen Gefühl wie eine Erlösung klang, ist ihm dieses Wort vielfach verdacht worden. Es mag in einzelnen Fällen edler und größer sein, nach Maßgabe des biblischen Trostes: „Die Rach^ ist mein, spricht ber Herr" seine Rache zu vertagen, aber es giebt Dinge ich Menschen- wie im Bölkerleben, bei denen der Verzicht auf Rache ein Verbrechen gegen das eigene Dasein ist, weil er als Schwäche, wenn nicht gar als Feigheit ausgelegt werden würde. Die Erkenntnis der Schwäche seines Gegners aber ist die Stärke des Chinesen, sie richtet seine Widerstandskraft auf und stählt seinen Mut. Heute nun beschränkt sich die Ahndung an dem Chinesentum nicht mehr nach nationalen Grenzen, es giebt heute keine deutsche, englische oder französische Rache mehr, die Rache ist Vach der Schreckens künde aus Peking allen gemein/ die gesamte abendländische Zivilisation muß sich für sie stark machen. Wie nun ist die Rache unter der mildern Form, die unsere Weltanschauung uns vorschreibt, zu üben? Es ist internationaler Brauch geworden, wenn Wilde und Neger sich am Leben des Abendländers vergreifen, die ganze Ortschaft, zu der die Mörder gehören, ^usammen- zuschießen und niedvrzubrenuen. Soll aber die Strafe gelinder ausfallen bei einem auf seine alte Kultur stolzen Volke wie die Chinesen, die sich zum großen Teile der Schandthaten, die sie verübt, bewußt sein mußten, als bei Wilden und Kannibalen? Sicherlich nicht, denn die höhere Kultur ist für sie ein erschwereUder Umstand. Die Konsequenz aus alledem wäre daher, daß Peking, die Stadt mit den drei Mauern, die Chinesen-, die Tartaren- und die kaiserliche Stadt von Grund aus zerstört würde und daß dann, falls die Mächte es aus politischen Gründen für erforderlich halten sollten, an demselben Platze die Regierungszentrale wiederum zu errichten, die Chinesen gezwungen würden, auf den Trümmern der alten ihre neue Hauptstadt wieder aufzubauen als eine Stadt ohne Mauern und Festungswerke, als eine nach den Grundsätzen des Abendlandes gedachte und durchgeführte offene Stadt, in der jeder Frewde frei und unbehelligt aus- und ein- und seinen Geschäften nachgehen kann. Wir wissen nicht, wie man im Rate der Mächte darüber denkt, aber vielleicht wird sich dort ein Cato finden, der für diese Folge immer und ümmer wieder sein ceterum eenseo in die Wage wirft. Freilich haben die jüngsten Ereignisse überall in der Welt die Erkenntnis geweckt, daß diese Rache am Chinesentum nicht so einfach zu vollziehen ist wie die Bestrafung eines! afrikanischen Mstendorfes. Dafür aber stehen Heuer in Asien auch ganz andere Güter auf dem Spiel, denn es gilt heute nicht mehr den Schutz der Kulturarbeit eines halben Jahrhunderts — sie wird voraussichtlichi in der Bewegung, die Tag um Tag um sich greift, größtenteils vernichtet werden — es gilt jetzt die letzte Probe auf die Lebenskraft und die Zukunft zweier Kulturwelten. Aus dieser Probe muß das Abendland als Sieger hervorgehen und sollten .die Opfer für den Augenblick noch so groß, der Einsatz noch so schwer sein; und es wird Sitger bleiben, wenii bie Mächte, bie seine Kultur vertreten, sich bes furchtbaren Ernstes bei’ Lage bewußt bleiben, unb Schulter an Schulter bis zum Ende zusammenstehen. Drum ist jetzt piehr denn je die Losung jene kaiserlich^ Mahnung, die schon vor Jahren in Wort und Bild durch die Lande ging; „Völker Europas, vereinigt euch und wahret eure heiligsten Güter!" Umgehung der Warenhaussteuer. Die mittleren und lleinen Gewerbetreibenden haben seit Jahren alles Heil von einer Umsatzsteuer für ihre gefährlichsten Konkurrenten, für die Warenhäuser erwartet. Jhr ganzes Agitieren und Petitionieren war auf die Einführung solcher Steuer gerichtet. Allmählich zeigte sich denn!guch der Erfolg. Es war ein gewisses Vorspiel, daß sächsische Gemeinden eine erhöhte Steuer den Konsumvereinen auferlegten. Erfolg war freilich nicht davon zu. merken; aber man tröstete sich mit der Hoffnung, der Erfolg würde schon kommen, wenn nur erst der Staat gleiche Steuern ein führte. Endlich gab Herr v. Miquel dem Wrängen nach und erllärte sich zu einem Versuche; bereit. Das hat er ja immer von neuem wiederholt, sowohl int preußischen Landtag, wie gegenüber den verschiedenen Deputationen, die ihn Namens der angeblich schwer gefährdeten Warenhäuser um Abwendung des drohendem Unheils baten: es könne sich bei dem Gesetz vorläufig um snichts weiter handeln, als um einen Versuch. Der Zweck des Gesetzes aber stand von Anfang an aller Welt klar vor Augen; es galt, den Umsatz der Warenhaus-Inhaber dadurch zu schmälern, daß inan sie mittels einer zweiprozentigen «Umsatzsteuer nötigte, ihre Preise um zwei Prozent zu erhöhen. So hoffte man die mittleren und kleineren Gewerbetiseibenden konkurrenzfähig zu erhalten. ' Da hatte man aber die Rechnung gänzlich ohne die schlauen Inhaber dev Warenhäuser gemacht: noch ehe das Gesetz in lKraf tigetireten ist, haben' .sie umfassende Maßregelu zu seiner Umgehung getroffen. Wie seit einigen Tagen, bekannt geworden ist, hat der Inhaber, eines' großen köaret^ Hauses in Köln und München, Leonhard Tietz, der auch in Berlin demnächst ein riesiges Warenhaus eröffnen wird, an die Fabrikanten, bie bie l§hre haben, seine Lieferanten zu sein, ein Rundschreiben gerichtet, mit folgender Aufforderung : *,>- Sie belieben gefl. Kenntnis zu nehmen unb mir dies durch Rückgabe des betgefügten Koupons durch Ihre Unterschrift versehen zu bestätigen, daß Sie mir vom 1. Oft. 1900 ab für meine fämt- lichm Geschäfte bet franko Lieferung und franko Emballage 2 Prozent Warenskonto (die von Ihnen an der Endsumme der Faktura zn kürzen sind) und 2 Prozent Kafsaskonto (die von mir bei der Regulierung in Abzug gebracht werden), anerkennm. Offerten werden schon von heute ab nur zu vorstehenden Konditionen evtgegen- genommen. Mau beachte hieran zunächst formal zweierlei: das kannibalische Deutsch und den Ton, der das ganze Schreiben beherrscht. Das sie volo, sie jubeo absoluter Monarchen ist ein Kinderspiel gegen diesen Despotismus. Dann aber der Inhalt! Zwei Prozent sind der höchste Satz, den das Gesetz an Umsatzsteuer zuläßt, aber auch erst bei einem Mindestumsatz von jährlich 400 000 Mark; das war die Grenze, über die die preußischen Kammern nach längerem Hin und Her sich verständigten. Diese zwei Prozent soll nun statt des Warenhausinhabers einfach ganz und gar der Fabrikant tragen, und zwar in der Weise, daß er, «um ein Warenskonto dieser Höhe seine Rechnungen gleich selbst kürzt. Erstlich erinnert dies Verfahren formell, wie materiell lebhaft an die in gleicher Rücksichtslosigkeit erglänzenden böhmischen Brauereien, die auch erklären: Uns geht die Erhöhung des Bierzolles gar nichts an, ^en „Flottenzoll" können die Konsumenten tragen. Zweitens aber vergegenwärtige man sich die Lage der Fabrikanten. Weit verbreitete und berechtigte Klage ist schon seit geraumer Zeit in den meisten Zweigen? auch der Großindustrie: An Aufträgen fehlt es ja nicht, aber bie Preise finb so gebrückt, besonbers durch schmutzige Kon- kurrenz, daß nichts für ben Fabrikanten übrig bleibt. Ist es nun auch vielleicht nicht ganz so arg — benn sonst müßten ja bie Fabrikanten verhungern —, so ist boch so viel sicher: ber Gewinn, mit bem unsere Industrie arbeitet, ist sehr bescheiden. Dazu kommt dann ein weiteres. Es steht außer jedem Zweifel, daß die Inhaber der Warenhäuser ihre Lieferanten bisher schon nach Möglichkeit in den Preisen gedrückt haben. Wenn die Fabrikanten sich in diesen Zwang fügten, so war für sie die Erwägung entscheidend, daß diese Auftraggeber große Posten bestellten und als ständige Abnehmer noch immer einen gewissen Wert behielten. Aber wie nun, wenn die Preise ohne weiteres noch um zwei Prozent gedrückt werden? Bleiben bann biefe Auftraggeber auch nur „in gewissem Sinne" noch gute Kunben? Die Frage muß verneint werben. Es mag bei mir jemanb noch so große Posten bestellen, wenn seine Preise so niebrig schraubt sinb, baß ich nichts mehr verbiene, bann ist es mit ber guten Kunbschaft vorbei! Ober soll man an der Herstellung der Ware noch etwas, herausschlagen? Die Rohmaterialien noch etwas minderwertiger nehmen und der Herstellung noch etwas weniger Sorgfalt 'zuwenden? Auch dieser Weg ist ungangbar. So weitherzig der Inhaber des Warenhauses, sagen wir kurz der Warenhäusler, ben Käufern gegenüber ist, so engherzig ist er gegen bie Fabrikanten. Entdeckt er ba die geringste Abweichung der Ware vom Muster, so wird sie sofort zur Verfügung gestellt, oder als Ramsch zu halbem. 'Einkaufs- :ulib vollen PerkaiifsMise doppelt willkoiimieti ntticificn. llnb pocl» sind die zwei Prozent Warenskonto iiodil nidd inlk'kS. hat der Fabrikant den Fakturbetrag um zwei Prozent gekürzt, so kürzt der WarenuduAler den gekilrzteu Wettafl dberwats, indem er auch stir jtd)i noch zwei Pro -ent Kassas kouto in Abzug bringt Also aud)< hur „enMl dieselbe Methode lote bei den Pilsener Brauereien: während dort der ^llansichlag 8,40 Mk. für das Helto- liier beträgt, lverden dem nonsnnienten 10 Mark mehr obaenommen; während hier die Umsatzsteuer im höchsten Falle zwei Prozent beträgt, miift der Fabrikant um vier Prozent bluten. Die Steuer, die deu Warenbüusler tresseir soll,' wird dem Fabrikanten ausgebürdet: die zlvei Prozent, ^iit die der Warenhäusler erleichtert werden soll, wandeln sich in seinen Händen um eine eben so hohe Ver inehrnng seines ReingdwiiOies. Seine Konkurrenzkraft gegenüber dein Mittel und Kleingewerbe soll vermindert werden er erhöht sie aber in genau demselben Maße. So lvird das (ve f e tz nicht nur u in gangen, sondern, der 's w e d d e s ch e s e tz e S in sein W egenteil vor r v I) r 1. Giebt es dagegen kein Mittel? Ein gesetzliches kaum. Mr wissen mir e i n Mittel, das ist der e n t s djil o s j C n C, e i u m ülige Widerstand der Fabrikanten. Politische Tagesschau. werden, betrieben werden sollte. Der Bau dieses Fort« wurde von 1200 afghanischen Soldaten Überwacht, und da der Platz natürlich hart an der Grenze liegt, so ahen die Afridis eine günstige Gelegenheit vor sich, um inen Racheakt vorzunehmen. Eine Bande von 600 wohl lewasfneten Kriegern machte einen überraschenden Nachtan- griff, tötete eine große Anzahl der Afghanen und schlug die ldrigen in die Flucht. Dann machte sie sich in aller Muße daran, den ganzen nahezu vollendeten Bau des afghanischen ZortS zu demolieren, und die Anlage dem Boden gleichzumachen. Sobald dem Emir dieser Nebersall gemeldet wurde, gab er den Befehl, eine starke Militärtruppe von über 1000 Mann nach der Grenze zu senden, und die Herstellung des Forts neuerdings in Angriff zu nehmen. Ob es inzwischen gl weitern Kämpfen gekommen ist, wird noch nicht gemeldet; ebenfalls bürsten sich aus biefem Vorfälle aber weitere Konsequenzen ergeben, ba Abburrhaman natürlich durchaus nicht gesonnen ist, die Sache aus sich beruhen zu lassen, und auch bereits bei der indischen Negierung Vorstellungen gemacht hat, die auf eine energische Bestrafung des schul- rigen Asridi-StammeS dringen. Aus alle Fälle kommen den Engländern diese neuen Sturmzeichen sehr ungelegen, und das indische Gouvernement soll angewiesen sein, dem Emir das größte Entgegenkommen in dieser Angelegenheit Bekanntlich haben vor einiger Zeit im ReichSjuflizamte Besprechungen stattgesundcn mit Vertretern des Zeitung«. wcsenS, des Buch« und MusikalienverlagS, der Wissenschaft- lichen und UnterhaltnngSlitteratur ivegen einer Abänderung der jetzt geltenden Bcstimmnngen über da» Verlagsrecht. Auf Grund der stattgehabten Vorberatungen ist von der Regierung ein „Entwurf eine« Gesetzes über das Verlagsrecht" auvgearbeitet, und im Reichsanzeiger veröffentlicht worden zu dem ausgesprochenen Zwecke, den Entwurf der Kritik zu unterbreiten um die ihm noch anhaftenden Mängel kennen zu lernen. Die ReichSregierung geht von dem richtigen Standpunkte aus, daß es für sie von großem Werte fein muß, die Anschauungen noch weiterer Jnterefseutenkreise zu lernen, um eventuell vor der Einbringung einer Vorlage im Reichstage die erforderlichen Aenderungen vornehmen zu können. Der Entwurf eines Verlagsrecht Gesetzes schließt sich an den im vorigen Jahre veröffentlichten Entwurf eines Gesetzes, betreffend das Urheberrecht an Werken der Sitte- Tdtur und der Tonkunst. Cr regelt ausführlich die 23er* hältniffe zwischen Verfasser und Verleger, und entspricht einem in dieser Hinsicht schon längst empfundene« dringenden Bedürsnisfe. Denn über die Rechte und Pflichten von Ver- saffern und Verlegern herrscht bisher noch manche Unklarheit, die dieser Gesetzentwurf beseitigt. Aus deu 52 Paragraphen wollen wir vorläufig nur das Wichtigste herauSgreifen. Der Verfasser verpflichtet sich, dem Verleger da« in Betracht kommende Werk für befielt eigene Rechnung zur Vervielfältigung unb Verbreitung zu überlassen, wogegen ber Verleger nun auch gebunben ist, da« Werk thatsächlich zu vervielfältigen unb zu verbreiten. (Sine solche BesugniS steht bem Verfasser währenb ber Dauer de« Urheberrechts nicht zu, nur in den folgenben Fällen ist ihm eine Vervielfältigung unb Verbreitung gc- stattet: 1. für bie Nebersctzung in eine frembe Sprache, 2. für bie Wiebergabe einer Erzählung in dramatischer Form oder eine« Bühnenwerks in der Form einer Erzählung, 3. für umfangreichere Bearbeitungen eines Werks der Tonkunst. Wichtig ist noch die Bestimmung, daß die Rechte aus dem VerlagSvertrage übertragbar sind. Sonst enthält der Entwurf noch Vorschriften über die Höhe der Auflage, über die Festsetzung bcS Preise« und Über da« Rücktritts- recht vorn Vertrage für beide Teile. Wie schon zu Anfang gesagt, kann man c« der Regierung nur Dank wissen, daß sie eine so wichtige Materie, wie e« das Verlagsrecht ist, nicht lediglich vom grünen Tische ans behandelt unb bie Interessenten in auSgebehntem Maße zu Worte kommen lassen will. Hoffentlich fällt die Anregung zur Kritik aus guten Boden und läßt ein Gesetz erstehen, da« alle Beteiligte voll befriedigt und allen berechtigten Wünschen gerecht wird. Seit einiger Zeit wird in Kreisen, die ber englischen Regierung nahe stehen, vielfach von Unruhen gesprochen, bie unter ben AfridiS neuerbing« wieder im Entstehen sein sollen, und wenn auch vorläufig irgend welche ernstliche Befürchtungen noch nicht laut werden, so wird doch im Stillen bie Möglichkeit eines neuen Krieges an ber silbischen Nordwest Grenze diskutiert. Die indische Regierung soll thalsächlich bereit« wieder ernsthafte Schwierigkeiten im Ver- fchr mit den Afridi-Stämmen finden unb auch barüber ein- gehenb an da« Lonbouer Kolonialamt berichtet haben. Seit dem letzten Feldzug gegen die Afridis, während dcffen der Emir von Afghanistan sich bekanntlich energisch weigerte, sein Verhalten zu Nngunsten der Engländer zu ändern unb die Asridis in der einen oder andern Weise zu unterstützen, ist der gegenseitige Haß zwischen Afghanen unb AfribiS außerorbeiitlich gewachsen und hat bereit« zu verschiebenen Streitigkeiten und kleineren Scharmützeln Veranlassung gegeben. Der Emir Abburrhaman hat burchaus keinen Versuch gemacht, die Freundschaft ber AfribiS wieder zu gewinnen, ober ihnen zn Liebe seine Haltung gegen Englanb zu wechseln. Er hat andererseits aber mit iinnachstchtlicher Schärfe an ber Sübgrenze seines Lanbes rücksichtslose Maßregeln angeordnet, um räuberische Einfälle zu verhindern und um in flagranti gefangen genommene Afridi» zu bestrafen. Vor kurzem erst gab der Emir seinem Grenz- kommandanten ben Auftrag, in der Nähe von Dacea an der Straße, bie vom Khhber Paß nach Kabul führt, ein Fort zu errichten, das zur Beschützung von Reisenden unb Handelsleuten dienen sollte, gleichzeitig aber auch als eine Zollstation bestimmt war, von wo an« bie Erhebung von Steuern unb Einfuhrzöllen aus alle Karawanenartikel, die nach Afghanistan eingeführt zu zeigen.__________________ ________ Mttshrriqik drr «r. HkWka Smkklit'Mpklilm«. Fortsetzung. Im Bezirk Gießen fanden 575 Revifioncn in 450 verschiedenen Anlagen statt, darunter 82 in der Stadt Gießen, glcifbi 40,6 Prozent fcimtlid^r Anlagen. Bon diesen wurden 434 von dem Inspektor in 388 Anlagen mit 6844 Arbeitern vollzogen und 141 von der Assistentin in 90 Anlagen mit 4143 Arbeitern. Die entspred-enden Zahlen in ben anderen Bezirken sind: Darmstadt 740 durch Inspektor und Assistent, 336 durch die Afsistentin, Offenbach 343 : 267, Mainz 347 : 271. Bezüglich der zu revidierenden Anlagen sind gegen früher Veränderungen eingetreten der Art, daß für die Folge die Roßhaarspinnereieu, Haar und BorslenzurWereieii, Bürsten- und Pinselmarhereieii, sowie die Anlagen, in denen Thomasschlackenmehl gemahlen oder gelagert wird und alle Getreidemühlen, die Arbeiter bc fchäftigen, unb auch foldje handwerksmäßigen Betriebe ohne niotorifdH* Kraft, mit mehr als 5 Arbeitern (früher 10) der Aufsicht der Beamten unterstehen. Der Verkehr der Beamten mit den Arbeitgebern scheint verhältnismäßig rege gewesen zu sein, wie auch, der mit den Arbeitern, wenn auch nodh nicht häufig genug. Diese letztere Klage sollte eigentlich iiifty! Vorkommen. Wir glauben, es liegt an ungerechtfertigtem Mangel an Vertrauen zu de n B e a m 1 e ii seitens d e r A r beit e r *). Diese sollten erkannt haben, daß die Regierung es gut mit ihnen meint und darum in allen Angelegenheiten, wo es sich um Rat, Hilke, Abstellung von Schäden, Beschwerden, Mangel an gesetzlichen Schutzvorrichtungen re. handelt, die aus den Inspektionen alle wahrzunehmen unmöglich ist, sich daran gewöhnen, den bestellten Vertreter als ihren gegebenen Vertrauensmann anzuseheii. Von dieser Seite ist gewiß mit größerer Sicherheit ein unparteiisches Urteil zu erwarten, als von anderer. Zu gleicher Zeit wird da durch den Beamten mehr Gelegenheit gegeben, in Verhält iiiffe hineinzuschauen, die ihnen im anderen Falle ver borgen bleiben müssen. Eine offene Aussprache wird alle Zeit ein offenes Ohr finden und nach Erkenntnis der Mängel wird an deren Abstellung Sorge getragen. Auch ans per Seite der A r b c i t g e b e r könnte noch in a n ch e S V o r urteil sich 1 e g e n. Rach dem Berichte war der Verkehr ber Beamten mit denselben, wie im Vorjahre, an genehm; Enipfindl Meilen seien nicht direkt bemerkt worden. Daraus gebt hervor, und es ist auch bekannt, daß manche Fabrikbesitzer sich nody nicht völlig mit der staut lichen Aussicht nbgefunben haben unb würden das, nach unserer Ansicht, für beide Teile, Arbeitgeber wie Arbeiter, so wohlthätige Institut ber Fabrikinspektion bald wieder zur Seite schieben und besonders bie — Assistentin. Das geht nun wohl nicht mehr an, obwohl die Ansicht nidjt unvertreten ist, die den Arbeitgebern lästige, den Arbeitern aber nichts nützende staatliche Aussicht abzuschaffen. Wir können aber sagen, gerade diese Einrichtung hat tu den wohlgesinnten Fachkreisen nidyt allein, sondern auch, und ba vielleicht nOjdy mehr, in ben diesen Angelegenheiten Interesse entgegenbringeuden Laienkreisen einen ungemein günstigen und wohlthuenben Einbruck hervoraernsen, namentlich im Hinblick aus bie sozialdemvkratische Ag> tation. Den ost übertriebenen Berichten der soztalbemo- frati du'ii Blätter können jetzt authentische, auf genauer Sachkenntnis und amtlichem Material beruhende entgegen gestellt werden. Wir wollen und können nicht sagen, daß in den gelverblichen Anlagen, in dem Verhältnis der Arbeitgeber zu ihren Arbeitern und Arbeiterinnen u. bergl. alles niifs befte eingerichtet sei, aber um Schaden avzn stellen, sadymännisclie Urteile, wo sie angerufen werden, ab geben zu können, überlwnpt uni eine gesunde soziale T Hali gleit zn entfallen, dazu sind die Inspektoren da und sind innen Afsistentinnen beigegeben. Wir halten bie Inspektion für ein, wenn auch kleines, Mittel, ber sozial bemoTratie nach und nach ihr Wasser abzugraben. Wir wünschen ibiarnm eine v e r ft ärkt e A u f s i di t. Für bas ganze weite (Miet ber Provinz Oberhessen nut feinen 1109 zu beaufsichtigenden Anlagen (zählen wir bie Berg betriebe hinzu, so |inb eS 1131', die ll r>2.) (1l561), zur Zeit des stärksten Betriebes aber 13 609 (14 ^00) Arbeiter bekräftigen, ein GeU'erbeinspektor mit einer Assi teut", die in Mainz wohnt unb anchi bie Anlagen RheinkKsseu« ,vi VcouftWtgen Hol. mir sagen. baS ist zn iwnifl, nur em Vhtfann, drin rin grbstcri-r Fortgang sich anschiiesici nmp. Eb Iinrnti-U boller 1899 nur 10,6 Prozent ber Anlagen beanssMigt merben. Wenn demnach olle Ameietnliolb 3nl)ie eine Anlage inspiziert werben kann, so kann bo für die Mutter, die zur Ernährung ber* Familie sich hat überanstrengen müssen. Schluß folgt. Aus Stadt und Kand. Gießen, den 17. Juli 1900. -1. Gruningeu, 16. Juli. Gestern fand in der Gastwirtschaft von Bingel die angezeigte Obstbau-Versammlung der Ortsgruppe Grüningen statt. ES hatten sich außerdem noch manche Freunde des Obstbaues ein» gefunden. Lehrer Eckel begrüßte und eröffnete die Versammlung. Obstbautechniker Metz betonte, neben Belehrungen aller Art sei vorerst der Zweck der Versammlung^ die Mitglieder der Ortsgruppe aufzuforderu und zu begeistern für die im September stattfindende große Landes- Ausstellung in Darmstadt. Keine Gemeinde sei so reich begabt an Obst und Obstbäumen wie Grüningen. Oberheffen dürfe ja nicht hinter den südlichen Provinzen zurückbleiben. Die Beteiligung der Ortsgruppe wurde einstimmig be» schlossen. Sodann hielt Herr Metz einen praktischen Vortrag über ba« Entfernen und Stehenlafsen der sogenannten „Räuber", sowie über ba« ..Beschneiben" ber Bäume im ersten Jahre. Ueberhaupt lauschte bie Versammlung trotz ber Hitze aufmerksam bem Vortrag. Zum Schluß saud noch eine Verlosung von 5 Aepfelhochstämmen unter ben Mitgliebern statt. Lehrer Eckel stattete Herrn Metz für alles Gebotene im Namen ber Versammelten gebührenden Dank ab. , x -d- Ettingshausen, 16. Juli. Landwirt Heinrich Buchner fand heute auf seinem Kartoffelfeld eine vollständig tr> schöpfte Brieftaube. Er meldete den Fund der hiesigen Bürgermeisterei und pflegt das zutrauliche Tierchen. Zeichen: Am linken Bein auf einem Messtngring • 018 K 115, rechtes Sein: Gummiring M 935, rechter Flügel: 215/76, linker Flügel: 215/76, J 1899 T. -pf. Nidda, 16. Juli. Gestern hatte ber Gau IX bc« RabfahrerbunbeS eine Fernfahrt hierher unternommen. AllerbingS war nur bie Beteiligung von ©üben her, besonders au« Frankfurt a. M., eine sehr rege; gegen 200 Fahrer hatten sich beteiligt. Die hiesigen Fahrer und Fahrerinnen waren ihnen auf einer ^Mour bis Nieder- Wöllstadt entgegengefahren, wo gemeinschaftlich das Frühstück eingenommen wurde. Der Versammlungsort hier war Kraft« Saalbau und Garten, wo Herr Geißler-Nidda die Gekommenen herzlich begrüßte. Eine eigen« zu diesem Zwecke engagierte Musikkapelle au« Friedberg konzertierte nachmittags und abend«. Die hiesige Bevölkerung bctei ligtc sich zahlreich: auch hatten viele Gebäude Flaggen- schmuck angelegt. — Ferner hatte der Eisenbahnverein Friedberg mit einem Extrazug vormittags eine Fahrt nach Salzhausen gemacht und zog unter Begleitung der hiesigen Feuerwehrkapelle nachmittags hlerher m die Raume der Brauerei „zum GambrinuS", woselbst die Gäste mit Frauen und Kindern bis 8 Nhr versammelt blieben, um bann tvieber mit ihrem Extrazuge nach Hause zu fahren. -dd- Wallernhaufeu, 16. Juli. Am Sonntag stürzte ein zu Pfingsten konfirmierter Junge von einem Heuwagen unb blieb auf der Stelle tot. Er hatte ba« Genick gebrochen, Die Teilnahme an bem Geschick ber schon mehrfach schwer heimgesuchten Familie ist allgemein. ' K. »eninelDaulen, 15. Juli. Heiß tvar ber Tug, die Sonne sandte glühende Strahlen nieder, lein kiihlcnbes Lüstchen regle sich, unb doch herrschte in unserem lieblichen Dürschen, da« am Fuße dc« DünSberg« liegt, fröhliche« Treiben. War doch Alt unb Jung von nah und lern zahl- reich erschienen, um unser Mission-fest mitjufeiern. Um 2 Uhr war SestgotteSdieust in nitsereni neuen, schönen GotteShause, da« kaum die Zahl ber Andächtigen zu fassen vermochte. Hiernach bewegte sich cm großer Zug von Fest, teilnehmern nach bem nahen Walde, wo noch verschiedene Ansprachen durch Geistliche gehalten wurden. mter bem dichten Lanbdache, umgeben von würzigem WaldeSdnst und geschützt vor der Glut der Sonne, horchte d>e Menge mit Spannung den erbaulichen Worten. Die Lieder, die die Gemeinde fang, wurden von einem Bläserchor begleitet. Wohl mancher «n-flügler, der sich ursprünglich den Dün«. berg zum Ziele feine« Wandern« gesetzt Hatte, kehrte in unserem Festorte ein. Der Ausstieg war yämltch auch bet der drückenden Hitze gar beschwerlich, auch die Aussicht von dem Turme sehr verschleiert und wenig lohnend. §*§ Dillenburg, 15. Juli. DaS 23. Lahnthal- SängerbundeSfefi wurde am Vorabend durch Böllerschüsse, die vom WilhelmSturm abgeseuert wurden, und durch einen imposanten Fackelzug, der sich von der Bahnhofstraße nach dem WilhelmSplatz bewegte, eingeleitet. Hieraus vereinigten sich die Teilnehmer und ein zahlreich erschienenes Publikum in dem bis aus den letzten Platz besetzten Gartenlokal der Oranienbrauerei, um den Klängen des von der Kapelle des hessischen Pionier-Bataillons Nr. 11 unter persönlicher Leitung des Kapellmeisters Nossow meisterhaft auS- geführten Konzertes zu lauschen. Reicher Beifall belohnte die Kapelle. — Nach dem Weckruf am Sonntagmorgen wurden die ankommenden Vereine gegen Uhr am Bahn- Hos mit Musik empsangen. Gegen 10 Uhr versammelten sie sich samt einer zahlreichen Zuhörerschaft zur General- probe in der Reithalle. In Verhinderung deS Bundes- dirigenten, Herrn Weißgerber, übernahm Herr Paul Polster, Dirigent des Bäuerischen Gesangvereins-Gießen, aus allgemeinen Wunsch die Leitung und verstand mit großem Geschick, die chm unerwartet zugesallene schwierige Ausgabe zu lösen. Nachmittags gegen 3 Uhr bewegte sich der durch Vorreiter eröffnete, von zwei Musikkorps begleitete Festzug, bestehend aus dem Ehren-AuSschuß, der Stadtvertretung, Dem Hauptkomitee, den in Weiß gekleideten, mit Achsel- schleisen in den Nassauer Farben geschmückten Festdamen, den auswärtigen und hiesigen Gesangvereinen, dem Turnverein, sowie dem Radsahrer-Klub Dillenburg, der sich auch durch einen Festwagen, sowie durch großartig geschmückte Räder besonders auSzeichnete, von der Bahnhofstraße durch die mit Ehrenpforte und Tannengrün geschmückten Straßen der Stadt nach dem Festplatze. Hier erfreute der festgebende Verein die Sänger durch einen Begrüßungschor, worauf Bürgermeister Gierlich, Ehrenpräsident des Gesangvereins Dillenburg, die Festrede hielt. Er begrüßte die Anwesenden, dankte für das zahlreiche Erscheinen der von Nah und Fern herbeigeeilten Sänger, betonte die Schwierigkeit, die die Veranstaltung eines solchen Festes in sich birgt, hoffte jedoch, daß es den hiesigen Einwohnern gelänge, die ihren Sängern auf früheren Sängersesten gebotene Gastfreundschaft in diesen Tagen voll und ganz zu erwidern. Die mit großem Beifall ausgenommene Rede schloß mit einem dreifachen Hoch aus den Förderer und Beschützer des Gesanges, Kaiser Wilhelm H, woraus das Musikkorps die Nationalhymne intonierte. Nunmehr begannen die Einzelchöre der teilnehmenden Vereine in der Reithalle, die durchweg von guter Schulung und eifrigem Studium seitens der Dirigenten und Sänger zeugten. Gegen 6 Uhr folgten aus dem Festplatze die unter Begleitung des Orchesters vorgetragenen, sehr beifällig auf- genommenenGesamtchöre, sowie der von Herrn Paul Polster- Gießen komponierte und gedichtete „Nheingruß". Am Schluß nahm der Präsident des sestgebenden Vereins Veranlassung, Herrn Polster für seine Aufopferung zu danken, und ein Hoch aus ihn auszubringen. Im weiteren Verlaus des Festes wechselten Musikvorträge und Tanz miteinander ab. Gegen 10 Uhr wurde ein in jeder Beziehung gelungenes Feuerwerk abgebrannt und der an den Festplatz anstoßende Wald bengalisch beleuchtet. Der Montagmorgen war einem Besuche der herrlichen Umgebung der Stadt, sowie einer Besichtigung des Wilhelmsturms gewidmet. Vormittags 10 Uhr fand aus dem Klomann'schen Garten der Sängertag statt. Vertreten waren sämtliche Bundesvereine und zwar: Harmonie-Gießen, Liederkranz- Weilburg, Liederkranz - Marburg, Liedertafel - Marburg, Orpheus-Butzbach, Männergesangverein-Wetz- lar, Cäcilia-Lich, Männergesangverein-Grünberg, Bauer'scher Gesangverein-Gießen, sowie Liederkranz-Dillenburg. Der Vorsitzende, Herr S t r e m m e l, eröffnete den Sängertag, begrüßte die Vertreter und erstattete Bericht über den letzten Sängertag. Die Wahl des nächsten Vorortes fiel auf Wetzlar, nachdem sich der Vertreter zur Uebernahme des 24. Lahnthal-Sängerbundes- festes bereit erklärt hatte. Gegen die Rechnungslegung des Bundeskassierers, Herrn Storch-Butzbach, wurden Einwendungen nicht erhoben. Herr Schneider-Marburg erstattete einen kurzen Bericht über den Vortrag der Einzelchöre. Danach erhielt der Bauer'sche Gesangverein-Gießen das Prädikat „sehr gut", Harmonie-Gießen „befriedigend" und die übrigen Bundesvereine „gut". Der Referent konstatierte mit Genugthuung, daß alle Vereine in edlem Wetteifer ihr bestes Können eingesetzt, und daß aus dem Gebiete des Gesanges ein ersreulicher Fortschritt zu verzeichnen sei. Nachdem der Vorsitzende allen Bundesvereinen sür ihre Teilnahme und thalkräftige Unterstützung gedankt, schloß derselbe mit einem dreifachen Hoch aus den „Lahnthal- Sängerbund" den 23. Sängertag. Hieraus begaben sich die Teilnehmer in das Gartenlokal des Herrn Neuhofs, das bereits bis auf den letzten Platz besetzt war. Hier konzertierte die Kapelle des 11. Pionierbataillons und erfreute die zahlreichen Hörer durch Vortrag eines auSerwählten Programms. Am Nachmittag bewegte sich der Festzug wiederum wie am vorhergehenden Tage nach dem Festplatz, wo sich trotz der tropischen Hitze ein zahlreiches Publikum eingesunden hatte. Für Tanzbelustigung und Kurzweil aller Art war hier genügend gesorgt. Vor dem Scheiden von Dillenburg dankte Herr Schneider-Marburg im Namen sämtlicher auswärtigen Vereine dem Verein „Liederkranz"-Dillenburg, wie auch den Bewohnern für die gastfreundliche Aufnahme, welche die Sänger in der herrlichen Dillstadt gesunden, und schloß mit einem beifällig ausgenommenen Hoch auf die gastfreundliche Stadt Dillenburg. Herr Stremmel-Dillenburg erwiderte und vereinigte sein Hoch auf die auswärtigen Sänger. Hierauf nahmen dieselben Abschied, um in ihre HeimatS- orte zurückzukehren. Frankfurt a. M., 16. Juli. Direktor Jensen-Dresden, der, wie wir bereits mitteilten, sür den neu vereinbarten Posten eines Leiters der Oper in Aussicht genommen ist, wurde von dec „Neuen Theater-Aktiengesellschaft" aus die Dauer von 6 Jahren zum nächsten 1. November gegen ein festes Jahresgehalt von 15,000 Mk. und eine Wohnungsentschädigung von 3000 Mk. jährlich verpflichtet. Vom genannten Zeitpunkte ab beschränkt sich die Thätigkeit des Intendanten Claar auf die Leitung des Schauspiels. Für den Schauspielhausdirektor find vom 1. November 1901 ab 15,000 Mk. festes Jahresgehalt, ferner 3000 Mk. Wohnungsentschädigung, außerdem 2000 Mk. jährlich als Dramaturg auSgeworsen. Markus Bauer Spezial-Geschäft hi feiner Herren-Garderobe. Anfertigung nach Maß in eigener werkfiätte. Gießen, Airchenplatz ________________________ ^7 NAFVACOn n- chron- Kranken z. Notiz, dass m. Kuren gegen Wvl VUpvll Herzerreg., Magenverstimmung, Angst, Zwangs- gedanken, Schwäohezust. etc. auch d. Saison in Auerbach, Hessen stattfinden. Spezifisch wirksam bei veralteter Darmträgheit. Prospekte über Eigenart und Erfolge frei. 1929 Dr. Borcherdt. W V U c« PS 05 ES cs 05 s Schutz Mätke* Natürliches kohlensaures Tafelwasser Hervorragend durch ungemein lieblichen, angenehmen Geschmack und leichte Verdaulichkeit. 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