1 IW. 1. Nr. 115 Erstes Blatt.________Freitag den 18 Mai 1900 Gießener Anzeiger Heneral-An^eiger Erscheint tügNch mit Ausnahme des MontagS. Die Gießener K«milterrvkLtter »erden dem Anzeiger fan Wechsel mit „Hess. Landwirt" u. »Matter für heg. Volkskunde" »dchtt. 4 mal beigelegt. Bezugspreis viertcljährl. Mk. 2M monatlich 75 Pfg. mit Bringerlohn; durch die Abholestelle» vierteljährl. Mk. 1»9G monatlich 65 Pfg. Bei Postbezug Mk. 2,40 vierteljährt. mit Bestellgeld. Alle Anzeigen-LermittlungSstellen deS In- und Ausländer nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger entgegen. Zeilenpreis: lokal 12 Pfg., auswärts 20 Pfg. »«nähme von Anzeigen zu der nachmittags für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis vorm. 10 Ubr. Abbestellungen spätestens abends vorher. Aintr« und Anzeigeblutt für den Gieren. lii iiins fett SLchof. hrll. für. er. H6L 6» ML 3 vetty Sw 1SVL. Vertreters des Auswärtigen Amtes, Grafen v. Tschirschky- Bögendorf. Um 1 Uhr begrüßte der Kaiser den Prinzen und die Prinzessin Aböls von Schaumburg-Lippe, die auf Einladung des Kaisers während der Festwoche im Schlosse Wohnung nehmen. An der Frühstückstafel beim Kaiser nahmen die Schaumburg-Lippe'schen Herrschaften und der Großherzog von Sachsen-Weimar teil. — Die Reform des Kolonialrats, die der Kolonialdirektor v. Buchka in der Budgetkommission des Reichstages ankündigte, soll u. a. auch darin bestehen, daß eine Anzahl von Reichstagsabgcordneterr zu Mitgliedern des Kolonialrates ernännt werden soll. Jetzt setzt sich der Kolonialrat fast ausschließlich aus Vertretern der in den Kolonien thätigen Erwerbsgesellschaften zusammen, also aus Interessenten, während die Zuziehung von Parlamentariern eine Gewähr dafür böte, daß auch das Interesse der Allgemeinheit gewahrt würde. Die Fühlung mit dem Reichstage würde auf diese Weise hergestellt, was zur Förderung her Geschäfte des Kolonialrats nur beitragen könnte. — Das preußische Abgeordnetenhaus hat heute den Antrag von Mendel (kons.), die Regierung aufzufordern, in dieser Session entsprechend einer früheren Zusage des Landwirtschaftsministers einen Gesetzentwurf gegen den Kontraktbruch der ländlichen Arbeiter sowie gegen die Verleitung zu demselben einzubringen, gegen die Stimmen der Freisinnigen und eines Teiles der Nationalliberalen angenommen. Die Denkschrift betreffend die Kornhausbauten wurde durch Kenntnisnahme erledigt. — In der Budgetkommission des Reichstags wurde heute die Beratung des F l o t t e n g e s e tz e s erledigt. Die §§ 6 und 7 haben in der Subkommission eine veränderte Form erhalten. Abg. Gröber (Zentr.) erklärte ausdrücklich, daß, wenn eine ausreichende Deckung nicht gefunden werde, das Zen trums auch im Plenum die Flottenvorlage nicht annehmen könne. Bei der Abstimmung wurde § 6 nach der Fassung der Subkommission, § 7 mit einer vom Abg. Dr. Paasche beantragten Abänderung und einem vom Abg. Müller- Fulda beantragten Zusatz angenommen, desgleichen eine vom Abg. Müller-Fulda vorgeschlagene Resolution. — Der Erklärung Gröbers wurde in manchen parlamentarischen Kreisen eine ungünstige Vorbedeutung für das Schicksal der Flottenvorlage beigelegt. Sie hah aber, wie von unterrichteter Seite verlautet, nur den Zweck, den Bestrebungen auf eine weitere Ermäßigung des finanziellen Gesamt-Effekts der Börsensteuer wirksam vorzubeugen, ohne den Spielraum für die Festsetzung der Steuersätze für die verschiedenen Geschäfte einzuengen. Nach Ansicht des Zentrums würde eine weitere Ermäßigung der Gesamtsumme nicht mehr die Sicherheit bieten zur vollständigen Deckung der Flottenkosten. — Die beiden konservativen Anträge zum Fleischbeschaugesetz sind nunmehr den Parteien zur Beratung und Beschlußfassung zugegangen. Der Antrag, der auf dem Boden des Kompromisses! steht, hat 20, der andere, der eine andere Fassung der Beschlüsse zweiter Lesung darstellt, 28 Unterschriften erhalten. Die übrigen drei Mitglieder der deutsch-konservativen Partei haben sich ihre Stellungnahme Vorbehalten; doch, stehen« zwei von ihnen auf1, d'em Boden dey Beschlüsse zweiter Lesung. Wie die übrigen Parteien sich dazu verhalten werden, steht heute noch nicht fest. Auf der Seite der Mehrheit der konservativen Partei steht die deutsch-soziale Reformpartei, ferner die Abgeordneten des Bundes der Landwirte und des bairischen Bauernbundes. Die freikonservative Partei dürfte sich in ihrer großen Mehrheit; für das Kompromiß erklären. Von den Nationalliberalen ist die Mehrheit für das Kompromiß. Das Zentrum^ scheint neuerdings dem Kompromisse geneigter geworden zu sein. Ob bei solcher Sachlage das Fleischbeschaugesetz überhaupt zur Erledigung kommt, ist nach bei; „Dtsch Tgsztg." sehr fraglich. — Der „Reichsanzeiger" veröffentlicht einen Erlaß des Staatssekretärs des Neichsmarineamtes, vom 9. Mai d. I. betr. Einstellung von E i n j ä h r i g-F r e i w i l l i g e n in die Stammkompagnien der Marineteile in Kiautschou. Köln, 16. Mai. Einet vom Verein gegen das Unwesen in Handel und Gewerbe sowie von der Ortsgruppe Köln des deutschen .nationalen Handlungs- gehilfen-Verbandes einberufene, in verflossener Nacht stattgehabte Versammlung zur Veranstaltung einer Kundgebung für die Warenhaus st euer gestaltete । sich zu einer Radau-Versammlung, wie Köln noch; keine erlebt hat. Alle Redner wurden mit anhaltendem Gebrüll, Pfeiffen, Hinaus- und Schluß-Rufenj unterbrochen. Mit drohend erhobenen Stöcken rückte man einzelnen Rednern zu Leibe, weshalb Polizei requiriert wurde. Vier Schutzleute wurden an verschiedenen^ Stellen im Saal postiert. Sin Polizei-Kommissar nahm neben dem Vorsitzenden Platz, ein anderer postierte sich im Saal. Indes auch diese Maßnahmen nutzten wenig. Als schließlich nach Annahme einer, die Einführung der Warenhäussteuer empfehlenden Resolution die Versammlung auseinanderging, , stimmte ein Teil derselben das Lied: Deutschland, Deutschland über «Nes an, während der übrige Teil die Arbeiter-Marseillaise fang. — -------- ---TT?;------r---- ~-----t— --- Ausland. London, 16. Mai. Ein Vertreter des „Daily Telegraph" interviewte Mr. Edwart Grogan, der kürzlich den Kiwudistrikt erforschte. Mr. Grogan erklärte sich von Verles Meldung wenig überrascht. Die Deutschen hätten ein fünfjähriges Chaos geschickt zum Vorwärtsdringen benutzt. Britische Interessen seien bei dieser Frage nicht berührt. Die Besorgnis betreffs der natürlichen Grenzen, die Deutschland respektiert wißen wolle, würde nicht ernst genommen, da dieser Grundsatz bereits thatsächlich berücksichtigt werde. Die von Deutschland in Besitz genommene Kiwu-Negion sei ein herrliches Land. Brüffel, 16. Mai. lieber die Meuterei der im Fort Chinkakassa befindlichen Gefangenen BatatellaS wird noch folgendes gemeldet: Sie bemächtigten fich am Tage nach Ostern des Forts und bombardierten von dort Boma mit drei Nordenfeldt Kanonen, während sie glücklicherweise die ebendort befindlichen Krupp'schen Kanonen nicht zu Hand haben wußte». Zwei Tage später wurde das Fort von den Kongotruppen gestürmt. Paris, 16. Mai. Das Kriegsgericht zu Nantes hat gestern über den Feldwebel Benedetti, Aufseher des Militärgefängnisies, abgeurteilt. Benedetti hatte einen Gefangenen, der ihm einen Krug an den Kopf warf, durch einen Revolverschuß getötet. DaS Kriegsgericht sprach den Angeklagten einstimmig frei. — Der Appellationsgerichtshof bestätigte die Verurteilung Sebastian FaureS zu 2 Monaten Gefängnis und 100 Frs. Geldbuße wegen der anarchistischen Kundgebungen am 20. August v. I. anläßlich der Erstürmung der Josefskirche. Palermo, 16. Mai. Der die Untersuchung im Maffiaprozeß führende Gerichtsrat Nigro ist plötzlich gestorben. Alle Anzeichen sprechen dafür, daß derselbe vergiftet worden ist. Wie», 16. Mai. Die deutschnationale Stu deutenschaft überreichte dem akademischen Senat eine Schrift, in der sie die Autorität des Rektors und des akademischen Senats anerkennt und sich dem erlassenen Farbenverbot zu fügen verspricht, dagegen die Bitte ausspricht, den klerikalenVerbindungen zuverbieten, bei Auffahrten an der Universität Waffen zu tragen, da sie sich durch ihre Ansichten über den Zweikampf dieses Rechtes selbst begeben hätten, ferner den neuen klerikalen Verbindungen auch das Farbentragen zu verbieten, weil in dem Ueberhandnehmen der klerikalen Berbindungen eine drohende Gefahr für die Erhaltung des deutschen Charakters der Universität liege. — Die Mitglieder des Klubs der Linken setzten ein Komitee zur Ausarbeitung eines Gesetzentwurfs über die deutsche Vermittelungssprache ein. Budapest, 16. Mai. Der Reichskriegsminister kündigte im Heeresausschuß der ungarischen Delegation an, daß er nächstes Jahr von der Delegation die Beschaffung neuer Geschütze verlangen werde. Konstantinopel, 16. Mai. Ein außerordentlicher Abgesandter wird in der nächsten Woche nach Berlin reifen, um dem deutschen Kronprinzen den Jmtiaz-Orden in Brillanten zu überreichen. Die Torpedoflottille in Mainz. Mainz, 16. Mai. Vom gestrigen Vormittag haben wir noch nachzu- tragen, daß die Offiziere auch den hohen Dom besuchten. Bei dem Frühstück der Mannschaften hielt Herr Zerbe eine Begrüßungsansprache. Der Vorsitzende des hiesigen Marinevereins, Leidemer, und der Obermaschinistenmaat, Salvatori, dankten der Altmünster-Brauerei für den Empfang der Marinemannschaft. Die Kapelle vom Feld-Ar- tillerie-Regt. Nr. 36 konzertierte während des Frühstücks. Um 1 Uhr begann in der Stadthalle das von der Stadt den Mannschaften der Torpedoboot-Division gegebene Fe st essen. Von der Bürgermeisterei waren dabei anwesend Beigeordneter Haffner, Finanzrat A m e n d, Rechnungsrat Walther. Die Tischmusik hatte die Kapelle vom 3. Bataillon des Regiments Nr. 80 gestellt. Beigeordneter Haffner begrüßte die erschienenen Seeleute Namens der Stadt und erwähnte bei dieser Gelegenheit das große Interesse, das die Stadt Mainz für die Marine bezeugt habe. Mit einem Hoch auf Kaiser und Großherzog schloß der Herr Beigeordnete. Namens der Mannschaften dankten für den herzlichen Empfang Deckoffizier S t r e h l o w und Obermaschinistenmaat Salvatori. Nach dem Festessen begaben sich die Torpedo-Mannschaften mit der Musikkapelle in die Aktien-Bierbrauerei. Die Gerstenrampe war in einen Festraum verwandelt wor-> den und machte mit ihren Tannenguirlanden und Fahnen' einen ffeundlichen Eindruck. Von dem die Torpedoboot-Division im Auftrage des Kaisers begleitenden Photographen aus Kiel wurden mehrere Aufnahmen der Festversammlung gemacht. Der Photograph hat den Auftrag, in jedem Aufenthaltsort der Torpedoboote zwei Aufnahmen zu machen, die später in einem Album vereinigt werden. Als wir gegen 7 Uhr die Brauerei verließen, herrschte dort bei Musik und Gerstensaft noch großer Festjubel. Einen glänzenden Verlauf nahm das F e st m a h l, das die Stadt Mainz den Seeoffizieren im Gutenberg-Kasino gab. In dem prächtig geschmückten Saal (inmitten einer geschmackvollen Pflanzendekoration leuchteten die Büsten des Kaisers und Großherzogs) versammelte sich der Oberbürgermeister mit den Beigeordneten, einer großen Anzahl von Stadtverordneten, verschiedene hohe Offiziere, darunter General der Infanterie Baron v. Collas, Stadtkommandant Generalmajor v. Zastrow und die Generalmajore Düring und v. Kayser, Provinzialdirektdr Freiherr v. Gagern sind sonstige Spitzen der Civilbehörden, Vertreter der Presse u. a., im ganzen etwa 60 Personen. Die Tafelmusik hatte die Kapelle des 117. Jnf.-Regts. gestellt. Den Reigen der Toaste eröffnete Oberbürgermeister Dr. Gaßner : Mein Hoch gilt dem Kaiser und unserem Großherzog. Provinzialdirektor Freiherr v. Gagern weihte sein Glas dem alterprobten Heere und dessen jüngerer Schwester, der jung aufftrebenden Flotte, worauf die Kapelle das Flagglied intonierte. Kapitänleutnant Funke dankte in seinem und seiner Kämeraden Namen für den begeisterten Empfang im schönen Mainz. Die Rede klang aus in ein Hock) auf Oberbürgermeister Dr. Gaßner. Auf ein während des Banketts an den Prinzen Heinrich abgesandtes Begrüßungstelegramm ist heute vormittag aus Schloß Frredrichshof folgende Antwort eingegangen : „Oberbürgermeister Dr. Gaßner-Mainz? Für die mir gelegentlich, der Anwesenheit der Rhein- Torpedoboots-Division übersandten Grüße der Mainzer bitte ich, meinen aufrichtigsten Dank sagen zu dürfen. Heinrich, Prinz von Preußen." Der Empfang, den dis See-Offiziere nach dem Fest- Essen im Gutenberg-Kasino beim Ruder-Verein in dessen mit Fahnen und Hunderten von Wimpeln schon von außen schön geschmückten Bootshause fanden, war ein ungemein herzlicher und erffeuender. Mik kräftigem Hipp, Hipp, Hurra empfangen, wurde den Gästen zuerst ein föfU !.^r Ehrentrunk kredenzt. Rechtsanwalt OÖ begrüßte darauf tue Gäste Namens des Ruder-Vereins und brachte unter großem Beifall dem obersten Chef der Manne, dem eifrigen Förderer des Rudersvortes ein tönendes dreifaches Hipp, Hipp, Hurra aus. ' Kapitänleutnant Funke dankte für den liebenswürdigen Empfang für sich, und Namens seiner Kameraden und weihte dem Ruder-Verein ein kräftiges Seemans-Hivv Hipp, Hurra. Kommerzienrat M elcher s toastete aufs die deutsche Marine. Vom Erkerfenster auss betrachteten die Marine- Offiziere das wundervolle Rheinpanorama und freuten sich, daß sie Gelegenheit hatten, den Skuller des Vereins, Gangloff, und den Lichter bei der Arbeit zu sehen. Vom Ruderverein aus begaben sich die Offiziere in die Stadthalle zu dem vorbeschriebenen Abendfeste. Zu Ehren der Torpedoflottille wurde gestern ein Abendfest in der Stadthalle in Form eines Promenade-Konzertes von. der Stadt Mainz veranstaltet. Hierbei konzertierten die Musikkapellen vom 1. Nass. Jnf.- Regiment Nr. 87 und vom Pionier-Bataillon Nr. 11. In ausgiebigster Weise wurde darauf der Kunst Terpsichores gehuldigt. Daß sich, daran die hier so gefeierten Seeratten unermüdlich beteiligten, kann man sich denken, tanzt dach der Seemann, wenn er an Land ist, für sein Leben gern. Die Beteiligung war eine recht zahlreiche. An dem auf dem Podium erhöht stehenden Ehrentische hatten ihre Plätze eingenommen Gouverneur Baron von Colläs, Provinzialdirektor Geheimerat Frhr. v. Gagern, Oberbürgermeister Dr. Gaßner, Kommandant Generalmajor von Zastrow, Generalmajore Düring und v. Kayser und Landgerichtsdirektor Lippold mit ihren Damen. Erwähnen wollen wir übrigens noch, daß jeder Marinesoldat für Mk. 1.50 und jeder Maat und Obermaat für Mk. 2.— Bons erhalten hatte. Heute vormittag um acht Uhr erfolgte die Abfahrt der Torpedobootdivision nach Worms, Mannheim-Ludwigshafen und eveut. Straßburg. Oppenheim, 16. Mai. Der „Mainzer Anz." meldet: Die Torpedoboot-Flottille ist gegen 11 Uhr in Oppenheim eingetroffen. Die Verbindungsbrücke am Ufer konnte die Belastung der vielen Daraufftehenden nicht tragen und stürzte ein. Mehrere Personen fielen in den Rhein. Die Offiziere und Mannschaften der Torpedoboote sprangen sofort in das Wasser und retteten sämtliche Leute. Nach einstündigem Aufenthalte setzten die Boote die Reise nach Worms fort. — Dagegen berichtet die „Frankf. Ztg.", daß etwa 200 Personen in den Strom sielen. (In dieser Meldung scheint der „Frankf. Ztg." ein arger Druckfehler untergelaufen zu fein. Jedenfalls soll es statt 200 nur 20 heißen. Denn wenn 200 Personen in einem Knäuel ins Wasser, und noch gar in den reißenden Rhein- strom stürzen, geht es entschieden nicht ohne zahlreiche Opfer ab. Und nult sollen auch noch gar alle 200 von den paar Offizieren und Mannschaften der Torpedoboote gerettet sein? D. Red.) Am wahrscheinlichsten klingt folgende Meldung: Nierstein, 16. Mai. Heute morgen besuchte die Torpedoflottille auch Nierstein. In vier Booten, von denen zwei an der Köln-Düsseldorfer und zwei etwas oberhalb an der Niederländer Landebrücke anlegten, gelangte die Flottille kurz vor 9 Uhr hier an. Ein überauzahlreiches Publikum am Ufer begrüßte sie. Leider sollte der Begrüßungsakt nicht ohne Unfall vorübergehen. Auf der Niederländer Landebrücke, auf der der Stadtrat von Oppenheim sowie ein großer Teil der Landbevölkerung der Umgegend Aufftellung genommen hatte, neigte sich infolge zu großer Belastung das Brückenschiff so stark auf die Seite, daß ein Teil der darauf stehenden Personen auf die Torpedoboote und in den Rhein stürzte. Die hierdurch entstandene Panik trieb die noch auf der Brücke stehende Menge in wilder Hast dem Lande zu, wobei viele Personen meist unerhebliche Verletzungen davontrugen. Die Verletzten erhielten die erste Hilfe im nahen Brückengebäude. Die ins Wasser GefaUenen wurden durch die rasche Hilfe der Matrosen der Torpedoboote vor dem sicheren Tode des Ertrinkens bewahrt. Ob nicht dennochPersonen ertrunken sind, ist zurZeit noch nicht fest gestellt. Das Gerücht geht, daß noch eine ganze Anzahl Personen vermißt toerbe, it. a. noch drei (Ähulkinder aus Deinsheim. Aus Stadt und Land. ** Die Großherzogin hat den Oberbürgermeister Morneweg in Darmstadt auf Grund des § 6 der 93er» einsfatzung zum Vorsitzenden des Viktoria-Melita- V er eins Heilstätten-Vereins für das Großherzogtum Hessen ernannt. ** Personalnachrichte«. Der Großherzog empfing am 16. Mai den Leutnant v. Kietzell, Adjutant des Kadetten-Korps, den Leutnant ä la suite der Armee Wolfgang Erbprinz zu As enbürg und Büdingen, den Ministerialrat Dr. Best, den Ortsgerichtsvorsteher Ebernat von Ober-Mumbach, den Brückenmeister i. P. Hartmann von Worms, den Stenerkommisiär Fay von Alzey, den Archivar i. P. Betz, den Gymnasiallehrer Professor Prof ch von Offenbach, den Landwirt Peter Steinbacher von Zell, die Regierungs- und Bauräte Everken unb 93 em er von Mainz, die Lehrerin Fräulein Schweickhardt von Mainz; zum Vortrag den Staatsminister Rothe, de» Justizminister Dr. Dittmar, den Finanzminister Küchler, den Ordenskanzler Generalmajor z. D. v. Herff, den Kabinettsrat Römheld. — Am 16. Mai wurde der Amtsrichter bei dem Amtsgericht Darmstadt I, AmtSgerichtSrat Philipp Hill zum Oberamtsrichter bet dem Amtsgericht Lauterbach mit Wirkung vom 1. Juni 1900 an, der Oberamtsrichter bei dem Amtsgericht Beerfelden Heinrich Breidenbach zum Amtsrichter bei dem Amtsgericht Darmstadt II, der GerichtSassesior Theodor Dietz aus Lardenbach zum Amts« richter bei dem Amtsgericht Beerfelden unb der Gcrichts- affeffor Ernst August H irf ch aus Langen zum Amtsrichter bei dem Amtsgericht Höchst ernannt. — Dem Amtsrichter bei dem Amtsgericht Darmstadt II Heinrich Breidenbach wurde der Charakter als „Amtsgerichtsrat" erteilt. — Der o ' la stkdtMg IP dadurch not! MkheilS- 1380 Mk- c Mage floatoMten von 361,280 \M bei ungen das sichst in de MlaMl Ehrlichen! 3L(\\ des 1 tragt Ann "h gtnügenbe dieses Semi neuere ft Sprache zu nach der Za " @nii die Bursch, -einleguug i Der Zug ver Bon dort toi ÄaMe den Mfiudm toi " tu M tytx 2 dir den yi Nachtlager in Begleitu Frankfurt 1. Die in diesem i Borhalle ui ter Gedenkt -u-1 erhielt der Sanmlu' Siwbtn Vernein! und I. W L- Wagn erkennung !! 6e der Bau ei geprobt. Jetzt aber die Mhlei wniget G diguirg verl Nerleitur Hellen Sic Entschädige ^on Gedern h- 0? fort Jie Somiiur daiu, um Mer Ctre -NP Audene § LVie®>! M 60« z W nur *edern-Gr. *"rde bet' U gäW ff* °"s Uern iu bebei *««83 10 d, .. ($tiW KE N", MA zu Ludwig B heim wll Gericht MUS der Ui ’■ 1100 ®t 4630 । eifern« ,®a SdinpfW Uutenrngeo; lagen handel fit zu Friedberg, die Errichtung von Dienstwohnungen für | , Gendarmen; die botanischen Gärten zu Gießen I ; und Darmstadt (Berichterstatter: Abg. Häusel), die I neuen Kliniken und das Universitätsgebäude I (Aula) zu Gießen (Berichterstatter: Abg. Häusel), die I Blindenanstalt in Friedberg, die Entschädigung für getötetes I und gefallenes Vieh in Seuchefällen, sowie Schutzimpfungen I gegen Tierseuchen, den Beitrag zu den Kosten für Er- I richtung von Lungenheilanstalten, und endlich die Lokal- | forstverwaltung und Forstschutz. Darmstadt, 16. Mai. Der Großherzog wohnte I heute vormittag der Besichtigung des 2. Großh. Dragoner- I Regiments (Leib-Dragoner Regiments) Nr. 24 auf dem I Weiterstädter Exerzierplatz bei. Heute mittag 12 die Kunst und Wissenschaft. — Historischer Verein für das Großherzogtum Hessen* Den letzten Vortrag in diesem Frühjahr hielt am 14. Mar " Darmst in Anwesenheit des Prinzen Wilhelm Oberlehrer Lw. D^ Preuschen über das Thema: Der Gießener Pietistenstreit und ferne Bedeutung f die hessische Kulturgeschichte. Die .Darmst Ztg beschränkt. sich' in kurzen Zügen den reichhaltigen Inhalt des.wtereffanten Vortrag anzudeuten, dem ein umfangreiches Aktenmaterial des Großh. Hau und Staatsarchivs zugrunde lag. Der Streit führt des 17. und in den Beginn des 18. Jahrhunderts, und mW tn fernem Verlauf Licht nicht nur auf die Verhältnisse an der Universität Gießen sondern auch auf die geistigen Regungen, die damals unter dem Namen des Pietismus sich, von Spener und semen Freunden ausgehend bald in ganz Deutschland geltend machten. Dre lutherische Küche hatte da schwer/Amt Übernommen, die zerfallenen Ordnungen nach denen m befferen Zeiten daS gesamte kirchliche Leben geregelt gewesen: war 'wwder herzustellen, und diese bedeutende Aufgabe wurde auch gelost wdem m verhältnismäßig kurzer Zeit geordnete Zustände wlederhergestellt waren. Allein eine freie Entwickelung des Lehrens und Denkens ^and sich nirgends, auch nicht auf den Universitäten, die in ^en sämtlichen Fakultäten unter den strengen traditionellen Ordnungen dnKich standen Und hier setzte der Pietismus ein; Gießen war die erste deutsche Hochschule, an der das Wehen des neueu Geistes zu spüren war u»d wo die neue freiere Richtung zuerst Boden gewann. In anschaulicher Weise schilderte Redner dre mannigfaltigen Streitigkeiten, vie i unter den Anhängern und Gegnern der neuen Gedanken ?usbrachen, sie waren in ihrer Art alle treffliche Männer, die es mit ihre hohen Aufgabe ernst meinten. Die Streitigkeiten, an denen sich auch die Bürgerschaft beteiligt hatte, wurden schließlich durch ^ landesherrliches Dekret beendet, das den vollen. Sieg des Pietismusbed »tete. Rur zwei Professoren weigerten sich, die Entscheidung des Fürsten zu unter chreiben und verloren ihr Amt. Mit mancherlei wteiessanten Einzelheiten aus dem Aktenmaterial Über die Sache wußte der Vortragende seinen Ausführungen lebhafte Farben zu verleihen; alle schlossen sich gern dem Dank an, den ihm am Schluß der Vereinspräsident im Namm der Erschienenen aussprach. N . . a- — Wiesbaden, 16 Mar. „Oberon" m der Wiesbadener Bearbeitung (melodramatische Ergänzung von I. Schlar, Umdichtung von I. Laufs), mit welchem Werk heute die Musikfestspiele eröffnet-wurden wurde lebhaft, auch bei offener Szene, mehrfach assplaubmrt I Der Versuch, Webers Kompositlonsnummern mit dem übrigen xeu I der Oper zu größerer Einheit zusammenzuschließen er chemt hauptsächlich gelungen, doch dürfte der Hauptersolg der p^ch"gen ^usstat!tun« I zuzuschreiben fein. Musikalisch gelang das meiste vorzüglich. Der Kaiser war bis zum Schluß der Aufführung anwesend. I München, 15. Mai. Die Beerdigung Hermann LeviS I fand heute nachmittag auf dem östlichen Friedhöfe umer großer Be- I teiligung aus Kunst- und Theaterkreisen statt. DU (Stabt war durch I den 1. Bürgermeister vertreten. Am Grabe sprach General Jntm- dant v Perfall. Intendant v. Poffaet legte namenS der Hofdühne, I Profchor o. Lenbach namens der Künstlersereinigang ^Allotria einen I Kran» am Grabe nieder. Der Beerdigung wohntm Graf Hochberg, I Mottl, Musikdirektor Kniese und Kommerzienrat v. Groß auS Bay- I reuth bei. Der Schwager detz Verstorbenen, Kausmann Lindeck aus I Mannheim, vertrat mit Frau und Tochter und mit LeviS Schwester I Frau Oberst Mock auS Paris, die Familie. Da Levi aus der I israelitischen Religionsgemeinschaft ausgetreten war, ohne einer I anderen sich anzuschließen, waren geistliche Zeremonien unterblieben. t tritt die ttod; hast braW he BMW > erste Mm sallenen rouibw orpeboboote vor hi,. 06 itid)' b,ihnt4" ieit vermiß' Teinsheim^ 16. a §6 d« jletjoghwN“ herM firmte W Hetzer , i. Hartha» < btnS* eb« ««S iaertchl w ««d Dem n6(i4 ^.Sestern f eines ®r. *Itetg on A. x Euust Tem an k-KiMer ,Q.n N benler 'bist, für feh Zahlreich( ,ur Baron voi r v- Gagein W ®encrQ!' : unb v. Kaysg n Tamen. (h r Marinesoldül " für Mk. 2.- die Abfahi! lheim-Lublvigs- rAnz"mM in Lppenheim am llferkomlt icht tragen und ■ efen in den - ber Torpedo- tteten sämM n die Mbit et d/e„Mnkf. fielen. V ein arger ’ soll es statt en in einem nben Nstein- e zahlreiche 200 von bei eboboote ge- elbung: besuchte die vier Booten, b M etwas aalegttn. ge- i. 6in überall! e. Leider sollte übergehen. Aus : Stabtrat von inbbcööftenina , neigte sich kenschiff so ta\i\ stehenden ben ^hti» tragt Annahme. , x r । •• Fran-ofische Vorträge Lektor Goetschy hat fich, ; genügende Beteiligung vorausgesetzt, bereit erklärt, im Lause dieses Semesters an sechs Abenden öffentliche Borträge über »euere französische Litteratur in französischer Tprache zu halten. Die Höhe des Eintrittspreises wird nach ber Zahl der Teilnehmer bemessen werden. •• Grundsteinlegung. Samstag den 19. d. Mts. wird die Burschenschaft Germania das Fest der Grundsteinlegung ihres Burschenhauses am Wetzlarer Weg feiern. Der Zug versammelt sich ya6 Uhr am Restaurant „Andres". Bon dort wird er sich unter Vorantritt der Musik nach der Baustelle bewegen, wo um s/*6 Uhr die offizielle Feier stattfinden wird. •• Eine Zigeunerbaude hatte fich gestern Gießen als iitel ihrer Tagereise auserkoren, und jene bekannte Stelle, die den poetischen Namen „Saumarkt" führt, zu ihrem Nachtlager ausgewählt. Heute morgen verließ die Bande in Begleitung der Polizei unsere Stadt in der Richtung auf Frankfurt a. M. zu. 1. Die bei der Euthüllungsseier unseres Kriegerdenk«al8 tu diesem niedergelegten Gedächtniskränze sind in ber Vorhalle unseres Rathauses oberhalb und zu beiden Seiten -er Gedenktafeln aufgehängt worden. -u- «uf der gestrigen BezirkStierschau in Schotten erhielt der ^uchwerein des Kreises Gießen den zweiten Sammlungspreis mit 250 Mk. Nach Großen- Kinden kamen folgende Einzel-Preise: Für Bullen Gemeinde, erster Preis mit 120 Mk.; I. Faber X. Rib I. Weigand. Für Kühe: zweiter Preis mit je 75 Mk., L. Wagner und Conrad Schäfer Wwe., für Kühe Anerkennung mit je 10 Mk. ii Qebern, 16. Mai. Im vorigen Jahre wurde endlich der Bau einer Wasserleitung beschlossen und die Quellen geprobt. Nun dachte man, bald reines Wasser zu haben, ^etzt aber stellen sich neue Schwierigkeiten in den Weg, da bk Mühlenbesitzer, welche glauben, einige Tröpflein Wasser weniger über das Mühlrad laufen zu sehen, eine Entschädigung verlangen, die nahezu den Anlagekosten der ganzen Wasserleitung gleichkommt. Da jedoch die Wiese mit den Quellen Eigentum der Gemeinde ist, so wird jedenfalls die Entschädigung höchst knapp ausfalleu, und die Bewohner von Gedern werden sich bald der Annehmlichkeiten einer Oberförster der Oberförsterei Grebenhain, Otto Weber I in Grebenhain wurde in die Oberförsterei Seligenstadt, der I Oberförster der Oberförsterei Wahlen Hermann Eidmann in Wahlen in die Oberförsterei Babenhausen, der Ober- I Erster der Oberförsterei Romrod, Kar Schlotterer u «temrob in bie Oberförsterei Hoch'Weisel mit dem Wohnstz I ,11 Butzbach, der Oberförster der Oberförsterei.Schotten, Ludwig Block zu Schotten in die Oberförftere Schaaf- ’ heim mit dem Wohnsitz zu Babenhausen versetzt. - Der Gericktsassessor Reuß in Gießen wurde mit Wahrneh- I i und"s^° niüng der Dienstverrichtungen eines Amtsrichters bet dem ÜtS \ am,T,5‘®»tHenn»amm«ab« 8°,dst°nd° liegt ein Se- L ti<6t d-S Ersten Ausschusses über die Regierungsvorlage. «treffend■ Neue Kliniken IN Gießen vor. Für die « orderten 21,130 Mk. soll ein Kohlenschuppen am Kessel- tau« mit 8800 Mk. errichtet werden und Verbesserungen der Warmwasserversorgung in der psychiatrrschen Klinik mit 1700 Mk. vorgenommen werden, während der Rest von 4630 Mk. für den bereits ausgeführten Umbau des gußeisernen Dampfsammlers und zur Herstellung einer zweiten Dampfleitung nötig ist. Da es sich nach den in den Erläuterungen angegebenen Gründen um unaufschiebbare Anlagen bandelt, beantragt der Ausschuß Genehmigung der srgesorderten 21,130 Mk. — Ferner schlägt die Regierung füc Besoldungen der Forstwarte in abnormalen Fgrstwarteien den Betrag von 2000 Mk. vor. Tue Mehr- sorderung ist durch eine Vergrößerung der Forstbezirke und dadurch notwendig gewordene Vermehrung der Forstwartstellen gerechtfertigt. Ebenso wird für Vikariatskosten tn Krankheits- und Verhinderungsfällen der Betrag von 1380 Mk. angefordert. Der Ausschuß beantragt, beide Beträge zu bewilligen. — Des weiteren beantragen die Abgeordneten Häusel und Gen., die angeforderte Summe von 361,280 Mk. zu bewilligen und die Regierung zu ersuchen, bei dem Bau von staatlichen Dienstwohnungen das Einkommen der betreffenden Dienststelle thun« lichst in der Weise zu berücksichtigen, daß die auS dem Baukapital und der baulichen Unterhaltung sich ergebenden jährlichen Kosten in der Regel nicht mehr als den vierten Teil deS Diensteinkommens betragen. Der Ausschuß bean- Niedergirmes, den 17. Mai 1900. Familie Tag. Kaff.npreis . . . . L Mk. 0.50 Verantwortlich für den allgemeinen L«l: P. Wittko; für den Anzeigenteil: H@emarfung6f «vorerst nod) । & tvirl markt am 21 werden darf. Gießen, Gr @3 wird daß die nach k •übit die ühta Men nrnil einer ÄnMs April 190( 100 Kg. betr Hafer M Gießen G Aus T r An dem üsiatifchen übergegang. ausgesamme s-nd. Uie, ladung, und dar. Pekan 'N Söul bon der Insel und guten S Men Iahri Ntten. 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