Ur. 164 Zweites Blatt. Dimstaa den 17. Juli iooe Gießener Anzeiger General-Anzeiger Alle Nnzrigcn-Bermittlurig-stellen de- In. und Äu»(enN» »ehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger entgtgek. ZeilenpreiS: lokal 12 Pfg., auLwärlS 20 Pfg. Ae»»gs,rets vterieljährl. Mk. SM monatlich 75 Pfg. mit Bringerlohnr durch die AbholesteA» vierteljährl. Mk. IM monatlich 65 PsG. Bei Postbezug Mk. 2,40 vierteljith»«. Mit Bestellgeld. bsceefcmt »Ml Anzeige« zu der mtchmittagS für de» Mgcnden «scheinenden Nummer bi- Bonn. 10 ithr AddeKevungen spätesten» ademd» vorher. scheint tLgNch mit Ausnahme deS ManiaO». Die Gießener Mamttie»ßtLtter werde« dem Anzeiger I* Wechsel mtt „Heff. Landwirt" *. ^Blätter Me hast. voNSkunde- wdchtl. 4 mal deigelegt. 2lints- und Zlnzeigeblatt für den Ureis Gicfzen. Wbetafitia», Expedition und Druckerei: -4»tßraße Mr. 7. Gratisbeilage: Gießener Familienblätter, Der hesiifthe Landwirt, Klätter für hestifche Uncksksnde. B Adresse für Depeschen: Ax^tger cht-tzM. Fernsprecher Nr. 5L Die Wirren in China. Wir erhielten heute Bormittag folgendes Telegramm, das wir sofort durch Aushang bekannt gaben: London, 16. Juli. Der Berichterstatter -er „Daily Mail" in Shanghai telegraphirt: Ich lbedanere die schon gemeldete Niedermetzelung aller Fremden in Peking am 6. und 7. Juli bestätigen zu müffen. Ich bin nunmehr im Besitz -er amtlichen Bestätigung dieser Nachricht. Ich weih aus positiv sicherer Duelle, daß Prinz Tsching niemals die günstige Nachricht erhalten hat, die er durch den englischen Vertreter in Shanghai verbreiten lieh. Am 6. Juli rückten die europäischen Truppen aus der englischen Gesandtschaft vor und lieferten den Belagerern einen blutigen Kampf, in dem mehr als 115 getötet wurden. Am 7. Juli lieh der chinesische General Fusiang zwei große Geschütze vor der Gesandtschaft auffahren und eine Bresche in das befestigte Gesandtschaftsgebäude schießen. Mit Sonnenaufgang war die Munition der Belagerten erschöpft, trotzdem kämpften die Europäer Mann für Mann bis zum äußersten. Sie unterlagen schließlich und wurden auf -ie grausamste Weise um gebracht. * * * Auch dem Büreau Reuter wird aus Shanghai vom 15. d. Mts. gemeldet: Eine amtliche Depesche des Gouverneurs von Schantung besagt, -ie Geschütze der Chinesen legten Bresche in die Mauern der Gesandtschaften in Peking. Nach heldenmütiger Verteidigung und nachdem die Munition erschöpft war, wurden alle Ausländer getötet. Nach den letzten Meldungen war diese Hiobspost vorauszusehen, und wir zweifeln heute nicht mehr an ihrer Richtigkeit. Es besteht auch kein Zweifel mehr, daß die ganze Bewegung mit allen ihren grausen Mordthaten vom -Thron ausgeht und von der Regierung geleitet oder begünstigt ist. Wir stehen also jetzt, da das lange befürchtete Schlimmste sich bewahrheitet, vor einem Kriege der Mächte mit dem amtlichen China, einem Kriege nicht gegen die chinesische Bevölkerung insgesamt, sondern gegen Machthaber, die überwunden, gestraft und von der Gewalt entfernt werden müssen, damit das chinesische Reich erhalten werde und unter einer vernünftigen Regierung gedeihe und mit der übrigen Welt in Verkehr trete. Auch in diesem Falle ist nichts notwendiger als die Einigkeit der Mächte und gilt für Deutschland das Wort deS Grafen Bülow: „Wir wünschen keine Aufteilung Chinas, wir erstreben keine Sondervorteile." Im Londoner auswärtigen Amte glaubt man nicht an einen Erfolg des Versuches des Ministers des Auswärtigen Delcasso und der amerikanischen Regierung, durch die chinesischen Gesandten Nachrichten auS Peking zu erhalten. Nach einer Depesche aus Washington sandte der chinesische Gesandte in Washington, Wutingfang, am Freitag- morgen auf HayS Verlangen eine chiffrirte Depesche an den amerikanischen Gesandten in Peking, versprechend, ein hoch- gestellter Mandarin am Pekinger Hose werde dieselbe bestellen, blieb aber ohne Antwort. — Wutingfang hält die Meldung von der Niedermetzelung der Fremden für wahr. Er erblickt nach Washingtoner Telegrammen in dev Eifersucht der Mächte die einzige Ursache dafür, daß man den Legationen in Peking und damit auch der auf ihren Schutz bedachten legitimen Regierung noch nicht zu Hilfe gekommen sei, und findet damit die Zustimmung der Londoner, dem Auswärtigen Amt nahestehenden Kreise. Der „Standard" meint, es liege manches Wahre in dieser Ansicht. Das internationale Konzert hat sich durch das Hinzutreten Amerikas und Japans noch komplicirter gestaltet, und es ist nur zu wahrscheinlich, daß sich das FraSko der vereinigten Mächte in der Kretafrage jetzt in größerem Maßftabe und zu größerem Unheil wiederholt. Ein Telegramm aus Kanton besagt, LbHurrg-Tschang werde der Aufforderung, nach Peking zu reisen, keine Folge leisten, weil er hierin eine Falle des Prinzen Tuan erblickt, der ihn nur in die Hauptstadt locken wolle, um ihn um.bringen lassen zu können. Eine Tientsiner Drahtung des „Daily Expreß" schildert die Lage in Tientsin als hochernst. Am 8. Jnli wurde die Lage nur durch die rechtzeitige Ankunft von 1500 Russen mit einer Feldbatterie und acht Geschützen gerettet. Die chinesische Artillerie sei der der Verbündeten bei weitem überlegen. Langsam, aber sicher würden die verbündeten Streitkräfte zurückgetrieben. Von den geräumten Stellungen werden Kanonen auf sie gerichtet. Nach einer in Petersburg eingrtroffenen Privatmeldung sind sechs Kompagnien der Russen bei Tientsin beinahe aufgerieben worden. Von 800Mann sind nur 30 übrig geblieben. Amtliche Depeschen des Admirals Seymour aus Tientsin sind in London eingegangen. Die erste, datiert vom 9. dS., besagt: Die feindliche Stellung südwestlich der Fremdenniederlassungen wurde heute früh 9 Uhr angegriffen. Die Japaner vertrieben den Feind durch einen Flankenangriff und nahmen vier Geschütze. Kavallerie verfolgte den Feind, vervolländigte die Niederlage und tötete viele Soldaten und Boxer. Die verbündeten Truppen bombardierten uud nahmen das westliche Arsenal, erbeuteten zwei Geschütze und verbrannten das Arsenal, da sie es nicht halten können. Der Feind verlor 350 Tote, die verbündeten Truppen hatten geringe Verluste. Die zweite Depesche, datiert vom 12. dS., lautet: Die Chinesen griffen gestern 3 Uhr früh energisch die Bahnstation mit großer Truppenmacht an und wurden schließlich gegen 6 Uhr zurückgeworfen. Die Verbündeten verloren aber 1 70 Tote und Verwundjete. Die Verluste der Chinesen sind unbekannt, man glaubt aber, daß sie schwer find. Nachmittags wurden die Forts von Engländern und Franzosen bombardiert. Ein Fort und eine als Signalturm gebrauchte Pagode wurden zerstört. 1500 Amerikaner sind hier eingetroffen. Eine fühere Londoner Meldung aus Tientsin lautet folgendermaßen: In Tientsin hat sich die Lage auch durch das Eintreffen erheblicher englischer und amerikanischer Verstärkungen nicht gebessert. Die fremden Niederlassungen bilden nur noch ein großes Trümmerfeld. Der Peiho unterhalb Tientsin ist nicht mehr schiffbar, weil ihn die Chinesen oberhalb zur Herbeiführung von Ueber- schwemmungen in der Umgegend von Peking abgedämmt haben. In der Stadt selbst werden die vereinigten Kontingente mehr und mehr in die Enge getrieben. Am 8. Juli montierten die Chinesen 6 Geschütze auf dem Platze des Hauses deS früheren Zoll - Inspektors D e t r i n g und sechs weitere bei einer englischen Villa. Von da begannen sie ein höchst verderbliches Bombardement aus dieFremden. Gleichzeitig unterhielten sie von der den fremden Truppen abgenommenen Tem- perance Hall ein nur allzu wirksames Gewehrseuer. lieber dem Haupt-Quartier des Obersten Deward explodierten in wenigen Stunden 15 Granaten, die einen der Verteidiger töteten und neun verwundeten. Nach einem am 9. dS. aufgegebenen Telegramm wird für Montag ein Generalangriff auf die Chinesenstadt geplant. Hoffentlich ist er nicht wieder in elfster Stunde an einer Meinungsverschiedenheit unter den leitenden Offizieren über die Regelung des militärischen Vortritts gescheitert. Nach einem Telegramm auS Washington verhandeln die Mächte über die Legung eines neuen internationalen Kabels, um eine schnellere Uebermittelung der Nachrichten aus China zu ermöglichen. Eventuell soll das im Bau begriffene amerikanisch philippinische Kabel nach China gelenkt werden. In B e r l i n gehen an amtlicher Stelle die Nachrichten aus China außerordentlich spärlich! ein. Das liegt daran, daß der Verkehr sehr erschwert ist. Die Telegramme müssen entweder per Schiff von Tientsin ncxch Taku oder durch Japan gehen. Andererseits ist wohl niemand mehr da, der eine zuverlässige Nachricht senden könnte. Die „Post" schreibt vom 14. d. M.: Gestern überreichte der hiesige Vertreter Chinas im Auswärtigen Amte eine Note der chinesischen Regierung — welcher „Regierung" wird nicht gesagt — in der sie sich gegen die Anklagen dadurch zu verteidigen sucht, daß sie die Schuld an dem Ausbruch! der Unruhen auf das Verhalten der Fremden in China schiebt. Nach! einer Meldung aus Bremen sind als Abgangs- tage für die Transportdampfer nach, China vorläufig der 27., 30. und 31. Juli festgesetzt. Die Einschiffung der Truppen soll in Bremerhaven erfolgen. Der Transport- dampfer „Frankfurt" ist nach), Port Said abgegangen. — Wie man aus Kiel meldet, treffen infolge etngegangener Ordre in dieser Woche je 140 Mann Freiwillige der Landarmee in Kiel und- Wilhelmshaven ein zur Verstärkung der Seebataillone, welche den Friedensstand erhalten und in der Heimat verbleiben. Das Runds chreibendesGrafenBülow findet auch in den Bereinigten Staaten Anerkennung. „Der „Evening Star" in Washington bringt eine augenscheinlich offiziöse Auslassung, daß die dortigen Regierüngskreise über das Rundschreiben des Grafen Bülow sehr erfreut seien, weil die darin ausgesprvchenen Ansichten sich mit dem amerikanischen Standpunkt vollständig deckten. Den zu den ostasiatischen Truppenteilen üb er getretenen, preußischen Leutnants, wird ein einmaliges Mobilmachungs- gehalt von 1000 Mark und ein monatlicher Gehalt von. 240 Mark gezahlt. Nach einem im deutschen Reichsanzeiger veröffentlichten Erlaß des Staatssekretärs des Reichspostamts vom 13. Juli ds. I. treten für den Po st verkehr der nach Ostasien entsendeten mobilen Truppen des Landheeres und der Marine mit dem Tage der Einschiffung im inländischen Hafen folgende Aenderungen ein: „Es werden in Privatangelegenheiten der Angehörigen dieser Truppenteile als Gegenstände der Feldpost befördert: gewöhnliche Briefe bis zum Gewicht von 250 Gramm einschließlich und gewöhnliche Postkarten. Die Beförderung der Briefe bis zum Gewicht von 50 Gramm einschließlich und der Postkarten erfolgt portofrei. Für Briefe im Gewicht von mehr als 50 Gramm, sofern sie in Ostasien mit der Feldpost zu befördern sind, wird eiw Porto von 20 Pfg. erhoben Dieses Porto muß vom Absender bezahlt werden. Unfrankierte oder unzureichend frankierte portopflichtige Sendungen werden nicht befördert. Die Aufschrift der Sendungen an die Truppen muß enthalten: 1. den Vermerk „Feldpostbrief"; 2. Name, Dienstgrad oder Dienststellung des Empfängers; 3. genaue Bezeichnung des Kriegsschiffes oder Truppenteils, zu dem der Empfänger gehört. Formulare zu Feldpostkarten vrr die Truppen werden in kurzer Zeit bei den Postanstalten und den amtlichen Verkaufsstellen für Postwertzeichen zum Preise von 5 Pfg. für je 10 Stück zum Verkauf gestellt werden. Einstweilen können die gewöhnlichen ungestempelten Postkartenformulare Verwendung finden. Die Nachsendung von im Postwege bezogenen Zeitungen erfolgt gegen Entrichtung einer Umschlaggebühr, die 30 Pfg. für nur einmal wöchentlich oder seltener erscheinende, 60 Pfg. für zwei- oder dreimal wöchentlich erscheinende Blätter für das Vierteljahr beträgt. Sobald die Verhältnisse es gestatten, wird auf die Zulassung weiterer Arten von Sendungen Bedacht genommen. In der Beförderung von Postsendungen der an Bord deutscher .Kriegsschiffe befindlichen Militärpersonen durch das Marine-Postbureau in Berlin sowie in den dafür bestehenden Versendungsbedingungen; tritt im übrigen keine Aenderung ein. • • Telegramme des Gießeoer Anzeigers» Berlin, 16. Juli. Die Morgenblätter erklären übereinstimmend, daß nach der in Shanghai eingelaufenen amtlichen Meldung des Gouverneurs von Shantung, welchje die Ermordung sämtlicher Europäer in Peking bestätigt, nunmehr an derselben nicht mehr zu zweifeln sei. London, 16. Juli. Die Fremden-Kolonie von Wenchow, einem Vertragshafen, ist wohlbehalten in Shanghai angekommen. Der japanische Gesandte in London sagte einem Interviewer, er befürMe die Ausbreitung des Aufstandes der Boxer über ganz China und zwar trotz, des Eintreffens der Truppen der Mächte. London, 16. Juli. Ein Telegramm aus Tientsin vom 10. ds. meldet, daß ein Vorstoß der verbündeten Truppen gegen die chinesischen Belagerungstruppen infolge des Ausbruches von Schwierigkeiten bezügliche des Oberbefehls nicht statt- finden konnte. Bis zum 10. ds. Hattep die Chinesen hundert Granaten auf die europäischen Truppen abgeschpssen. London, 16. Juli. Nach, einem Telegramm aus Tschifu vom 13. Juli melden die Admirale in T i e n t s i n, die Hauptgefahr erscheine ab gewendet, sofern weitere Verstärkungen nicht warten lassen. Unsere Stellungen sind schwierig infolge der überlegenen Artillerie deS Feindes. Trotzdem nahmen die Japaner am Montag früh die feindlichen Stellungen zwischen der Chinesen-Stadt und der Bahnstation. Nachmittags besetzten die deutschen Truppen und die Amerikaner das Feld- Arsenal, wobei drei Angriffe des Feindes zurückge- wiesen wurden, mußten aber am Abend das Arsenal unter dem überlegenen Feuer der chinesischen Batterien wieder räumenjiund setzten es!in;B r a n d. Am Mittwoch! bei Tagesanbruch, griff die chinesische Stirn-Kolonne die wieder besetzte Bahnstation an, wurde jedoch zurückgeschlagen. Die- Chinesen haben furchtbare Verluste erlitten. Der Krieg in Südafrika. In Londoner militärischen Kreisen wird versichert, Lord Roberts habe den General French beauftragt, die von den Buren eingenommenen Stellungen von NitralSnek und Rustenburg wieder zu nehmen. Man ist in London über die Bewegungen des Burengenerals Binguen, der in den letzten Tagen dem General Clery viel zu schaffen gemacht hat, sehr beunruhigt, und man befürchtet, daß er dem General Buller, der gegenwärtig in der Nähe von Heidelberg operiert, eine Schlappe beibringen könnte. Doch rechnet man mit Bestimmtheit darauf, daß der Burengeneral De Wet nicht mehr entkommen kann und noch vor Ende dieser Woche in die Hände der Engländer fallen wird. Vielleicht aber verrechnet man sich auch. Seit Wochen ist bekanntlich das Gros der englischen Truppen im Oranje- Freistaat vergeblich bemüht, De Wet einzukreisen und gefangen zu nehmen. Molkerei-Artikel rc. , Der offizielle ErösfnungSakt ging kurz nach 12 Uhr vor sich. Zu ihm hatten sich neben den Mitgliedern des AuSstellungSkomiteS und den Preisrichtern zahlreiche Aussteller und Ausstellungsbesucher eingefunden. Der Over- prasident v. Zedlitz-Trützschler sowie der Regierungspräsident v. Trott zu Solz wohnten gleichfalls der Feierlichkeit bei. Zunächst nahm der Vorsitzende der Heerdbuch- gesevschaft des Kreises Marburg, Landrat v. Regel ein, das Wort und übergab nach längeren Ausführungen dem Oberpräsidenten die Ausstellung mit der Bitte, dieselbe als eröffnet zu erklären. Kreis Schotten 5. 2. Kühe (mit drei und mehr Kälbern, m Much oder erkennbar tragend): Kreis Gießen 5, Kreis Scholten 7. (Mit 1 bis 2 Kälbern): Kreis Gießen 10, Kreis Schotten 8. 3. Tragende Rinder: Kreis Gießen 7, Kreis Schotten 9. Sammlungen haben u. A. ausgestellt: Kreiszuchtverein Gießen, Bezirkszuchtverein Schotten, (Aussteller Karl Fischer, Zwiefalten, W. Kunkel, Eschenrod, Karl Fischer, Telegramm deS Gießener Anzeigers. Haag, 16. Juli. Die holländischen Blätter berichten, daß der Buren-General Louis Botha dem Marschall Roberts eine Protestnote zusandte gegen die unmenschliche Behandlung der gefangenen Buren seitens der Engländer. Da die holländischen Mitglieder des Roten Kreuzes sich als Zeugen dieser Vorgänge erboten, wurden dieselben als kriegsgefangen nach Kapstadt geschickt. Der Oberpräsident v. Zedlitz-Trützschler nahm darauf das Wort und führte aus: Die Generalversammlungen und Ausstellungen seien Mark- und Merksteine in der Geschichte der Gesellschaft. Gießen, Wetzlar und Frankfurt und jetzt Marburg seien solche Mark- und Merksteine. Auch diese Ausstellung würde dazu beitragen, eine Rindviehraffe zu züchten, die von hoher Bedeutung für unsere Landwirtschaft sei. Daher könne er namens der StaatSregieruug versichern, daß die Regierung mit vollem Interesse die Bestrebungen des Verbandes begleite. Der Oberpräsident erklärte sodann die Ausstellung für eröffnet. Den Dank an den Oberpräsidenten sprach Landrat v. Heim bürg-Biedenkopf, der Vorsitzende des Verbandes, aus. Er gedachte sodann des Ehrenpräsidenten der vorigen Ausstellung, des Grasen zu SolmS Laubach, deffen Sympathien für das Gelingen der Ausstellung hier auszudrücken er beauftragt sei. Der. Redner sprach sodann der Stadt Marburg den Dank aus für die freundliche und bereitwillige Ausnahme. Der Dank des Verbandes gebühre auch allen denen, die zum Gelingen der Ausstellung beigetragen haben, den Mitgliedern der Komites und Kommissionen, den Preisrichtern und Ausstellern, die wichtige häusliche Ausgaben hintangesetzt hätten, um die Ziele des Verbandes fördern zu helfen. Wenn er (Redner) zurückblicke auf die Gießener Ausstellung, dann müffe er sagen, daß sich die Hoffnungen, die man damals gehegt, erfüllt hätten. Freilich solle damit nicht gesagt sein, daß alle Ziele der Verbandes erreicht seien. Roch seien nicht alle Gegenden, für die das Vogelsberger Rind Bedeutung haben, organisiert, noch seien nicht alle Fehler herauSgezüchtet, auch sei noch nicht das Durchschnittsgewicht erreicht. Daß dieses noch zu steigern sei, sehe man an einzelnen Thieren. In dieser Beziehung sei noch zu arbeiten; aller Fleiß, alle Arbeit, Verständnis und Würdigung züchterischer Grundsätze bedürfen aber zum Gelingen der Kontrolle der erzielten Resultate, um das große Ziel, das der Verein sich gestellt habe, zu erreichen. Dazu solle die Ausstellung dienen. Und da müffe er betonen, daß diese Ausstellung beschickt sei aus zwei Großh. Hessischen und acht preußischen Kreisen, die sich über vier Landwirtschastskammerbezirke erstrecken. Eine solche große Ausstellung sei aber sehr kostspielig und daS gerade in einer Zeit, in der die Landwirtschaft schwer UmS Dasein kämpfen müsse; da sei eS nicht allein mit der Selbsthilfe gethan, da müsse man Staat und Kommunen zur Seite haben. Um so größeren Dank schulde man daher der Regierung für deren Entgegenkommen, deren höchsten Vertreter in der Provinz man hier begrüßen dürfe. Der Redner schloß mit einem Hoch auf den Oberpräsidenten. Oberbürgermeister Schüler bewillkommnete sodann im Namen der Stadt die Vertreter des Verbandes. Die Stadt habe es als einen Vorzug und eine Ehre betrachtet, die Ausstellung in ihren Mauern beherbergen zu können. Sie wünsche, daß es den Besuchern hier wohl gefallen möge, und daß die Ausstellung der Landwirtschaft zu dauerndem Segen, dem Verbände zu wachsender Blute gereichen möge. , Damit hatte der Eröffnungsakt sein Ende erreicht. ES schloß sich daran ein Rundgang durch die Ausstellung. (Oberh Ztg.) Aus Stadt und Land. Gießen, 16. Juli 1900 Zweite Verbandsausstelluug derHeerdbuch gesellschaften für das Vogelsberger Rind. Marburg, 14. Juli. Marburg steht in diesen Tagen im Zeichen der landwirtschaftlichen Ausstellung. In den Straßen wehen die Fahnen, und der Kämpsrasen, sonst die Stätte ernster militärischer Arbeit, dient heute friedlichen Zwecken. Nachdem gestern abend bereits in der Festhalle eine Versammlung des AuSstellungs.Komites und des Preisgerichts stattgefunden hatte, wurde heute früh die Ausstellung dem Publikum geöffnet. Bereits in den ersten Stunden entwickelte sich bei dem prächtigen Wetter ein reges Treiben auf dem Festplatze und auf den dazu führenden Straßen, das noch mehr zunahm, als um 10 Uhr das Konzert auf dem Festplatze begann. Der Kartenverkauf gestaltete sich recht flott. DieViehauSstellung ist mit vorzüglichem Material beschickt. Sie zeigt prächtiges Vieh Vogelsberger Raffe aus den Kreisen Biedenkopf, Frankenberg, Gießen, Hallenberg, Kirchhain, Marburg, Schotten, Siegen und Wetzlar. Der Katalog weist ca. 300 Nummern aus. 1. Bullen (bis zu 2 Jahren): darunter Kreis Gießen 1, Kreis Schotten 2. (Ueber 2 Jahre): Kreis Gießen 5, und Rechtsanwalt Grünewald dies befürwortet hatten, den Arbeitern anläßlich der ersten ordentlichen Gewerken- v«sEmlung IM Mark zu spende,r - 5000 ®«'*»» Atabr werden dem Direktor zu werteren Bohrungen rn noch nicht aufgeschlossenen Feldesteilen zur Verfügung gestellt, obwohl nach den vorhandenen Berechnungen Und Gutachten die bereits aufgefchilössenen Erzlager eure Förderung wie seither und eine verstärkte auf mehr denn 100 Jahre gewährleisten; so erklärte ausdrücklich Generaldirektor Roetzel, bekanntlich einer unserer bedeutendsten Fachmänner. In den Grubenvorstand wurde ueugewahlt Direktor Hilgenberg-Dusse darf; wledergewahlt wurden die seitherigen Vorstandsmitglieder Dr. Pfahl-Bonn und Rechtsanwalt Grünewald-Gießen. - Die Verdienste der Herren Roetzel, Pfahl und Pascoe uin dre l^t- wickelung des Werkes wurden besonders anerkannt. - Laufe des Tages besichtigten die Gewerken dre Gruben, die ein glänzendes Bild eines reichen, geradezu wunderbaren Erzvorkommens gewähren, und die Betriebsemrlchtungem von denen namentlich dre neue Trockenbaggerer ins Auge fällt — Der verstärkte Betrieb des Werks wrrd rn Zu^rnft eine stärkere Belegschaft bedingen, und die Sorge der^Ber- waltung ist namentlich darauf gerietet, tuchtrge Mberts- ** Von der Universität. Dr. phil. Max Schwarzmann aus Karlsruhe hielt am 14. Juli eine öffentliche Vorlesung über die geschichtliche Entwickelung der geometrischen Krystallographie um sich für das Fach der Miuera- logie zu habilitieren. ** Die ordentliche Gewerkenversammlung der Gewerkschaft Gießener Braunsteinbergwerke, vormals Fernie, fand am Samstag hier rm Hotel Viktoria statt. Man schreibt uns darüber: 33 Gewerken mit 718 Kirnen waren anwesend. Herr Notar Rorn- held führte das Protokoll. Dr. Pfahl aus Bonn, der Vorsitzende des Grubenvorstandes, präsidierte der Versammlung und erstattete den Rechenschaftsbericht, aus dem \mr hervorheben, daß ein Betrag von 6000 Mark dem Kux zu Grunde liegt und daß im Jahre 1899 450 Mark toto Mx zur Verteilung gelangten, Preise und Absatz habeni suh, in den zwei erstjen -Quartalen 1900 Sehobem sodaß in Zukunft, zumal große Aufträge für dieses und dav nächste Karl skiscker Htotetfllteu itti. stuntci, Mtjujciuuu, avun ^yi|u#ti, ■ Jahr vorliegen, höhere Ausbeute zu er var c Zwi^lttn, 'dw-rs! Besitzer Ich-. »aberX Großenlinden (Kreis Gießen), Julius Zimmer, Bmgmühle bei Lauter I 0 J Betriebsbericht, aus dem hervorgeht, daß (Kreis Gießen), Karl Fischer-Gteßen. I Vkrk etwa 550 Arbeiter beschäftigt. Es wurde auf An- Die Ausstellung landwirtschaftlicher Ma- I Gewerken Bürgermeisters Leun von Großen- schinen und Geräte rc. ist u. A. beschickt von Louis I Linden beschlossen, naclchem noch Generaldirektor Roetzel Moll-Grünberg: Dampfdreschmaschinen und Lokomobilen " """......" der Firma Lanz in Mannheim, Feuerspritzen, Wagen usw. M. Rosenthal-Gießen: Ackerpflüge, Eggen, Selbstbinder, Molkerei-Gerätschaften und sonstige landwirtschaftliche Geräte. Fr. Hollmann u. Söhne, Oberndorfer Hütte bei Braunfels: Handdreschmaschinen, Fegmühlen, Rübenschneidmaschinen, Handmähmaschinen, Heuwender rc. Heinr. Holl mann u. Komp., BurgsolmS: Fegmühlen, Futterschneidmaschinen, Mähmaschinen, Garbenbinder, Obstpreffen, legem andererseits regeln soll. — Mit Bezug ans die Nachricht, daß das Postchek- I Verfahren vorläufig nicht eingeführt würde, teilt die I „Nordd. Allgem. Ztg." mit, daß über die Frage der Ein- führung des Postchek-VerfahrenS überhaupt noch keine end- I gütige Entscheidung getroffen ist. — Die Bestellungen von Wurst- und Büchsen- I fleisch für Deutschland sind, nach der „Deutsch, «llg. Korresp.", in Chicago in so großem Maßstabe eingetroffen, I daß die Zahl der für Trichinenschau angestellten Personen in den Schlachthäusern um 25 vermehrt werden mußte. I Der Export der bestellten Waren muß vor dem 5. Oktober, I an welchem Tage däS deutsche Fleischbeschaugesetz in Kraft I tritt, erfolgt fein. Auch auS Frankreich und England ist I die Nachfrage stark gewachsen. Gegen die katholische „Germania" ist wegen! zweier Artikel über den Konitzer Mord seitens des Ober- I fiaatsanwalts Wulff in Marienwerder Straf an trag ge» stellt worden. I Karlsruhe, 15. Juli. Um 11 Uhr fand der feierliche I Einzug des Prinzen Max und feiner Gemahlin I Marie Luise statt. Auf dem Bahnhofe war eine Ehren- I kompagnie aufgestellt, sowie die Generalität und daS ge- I samte Offizierkorps erschienen. Der Großherzog und die Großherzogin begrüßten daS junge Paar, worauf die Ein- I fahrt in die Stadt erfolgte. Einer Abteilung des Leib- I Dragoner - Regiments folgte der myrthenbekränzte ä la Daumont bespannte Wagen, dahinter zum Schluß eine I weitere Abteilung Dragoner. Am Rathanse hatten die städtischen Behörden, daS Präsidium der Zweiten Kammer und die Vertretungen der der Städteordnung unterstehenden Städte mit Oberbürgermeister Wilckens (Heidelberg) Aufstellung genommen. Oberbürgermeister Schnetzler begrüßte das junge Paar mit einer herzlichen Ansprache, woraus der | Prinz etwa folgendes erwiderte: „Mein lieber Herr Oberbürgermeister, ich möchte Ihnen meinen herzlichsten Dank aussprechen, zugleich auch im Namen der Prinzessin, für die freundlichen Worte, mit denen Sie uns zum Willkommen begrüßt haben. Sie werden begreisen, daß sie gerade in diesem Augenblick so bedeutungsvoll zu meinem Herzen sprechen. Der helle Jubel, der bei unserem Einzug in die Vaterstadt uns cntgegenschallte und die lieben Worte, welche Sie uns gewidmet, lassen deutlich erkennen, daß wir hier mit offenen Herzen empfangen werden. Ich bin mir wohl bewußt, daß wir biefe Liebe und Achtung und erst noch zu erwerben haben, und ich bin überzeugt, daß die« un« leicht gemacht wird, wenn ich die augenblickliche Stimmung, welche ich soeben zu beachten Gelegenheit hatte, in Betracht ziehe. Empfangen Sie nochmals meinen herzlichsten Dank." Stadtrat Kölle überreichte der jungen Prinzessin ein prächtiges Rosenbouquet mit Orchideen durchsetzt. Es folgte hierauf die Auffahrt zum Schloß durch die spalierbildenden Vereine, Korporationen und Schulen und von dort die Fahrt nach dem Palais des Prinzen Max. München, 15. Juli. Die Hochzeit des Prinzen Albert von Belgien mit der Herzogin Elisabeth findet im Herbst in Tegernsee statt. Nachmittags wurden sie über den Peihv zurückgetrieben und gezwungen, das letzte Ufer-Fort zu räumen, das eng tische Schiffs-Geschütze beschossen. Die Verluste der Chinesen weroen aus 8 0 0 Tote und Tausende von Verwundeten geschätzt. Wir erbeuteten sechs Geschchtze. Unsere Verluste an beiden Tagen betragen 200 Tote und Verwundete. r, _ Wie,:, IG. Juli. In hiesigen diplomatischen Kreisen -ist man der Ansicht, daß, falls es sich bestätigen sollte, daß der chinesische Ober-Kommandant den General Stößel ouf- gefordert habe, Tientsin und Taku zu räumen, demnächst nichts anderes übrig bleibe, als den offenen Kriegszustand in China zu erklären. jLustan). Paris, 15. Juli. Die ftuttbgebungen, die aus Anlaß des gestrigen N a t i o n a l f e st e s vor der Statue der Stadt Straßburg stattfanden, sowie die Auffahrt zum Paradefelde in Longstemps verliefen unerwartet ruhig, dank der Ueberlegenheit der sozialistischen und republikanischen Kundgeber, die auf wenigstens 120 000 Mann geschätzt wurden. Sämtliche Sozialisten und Republikaner trugen eine rote wilde Rose im Knopfloch und übertönten durch die Rufe: „Es lebe die Republik!" und „Es leben die Soldaten!" die iHufe der Nationalisten: „Es lebe Jamont, es lebe die Republik!" Die Auffahrt erfolgte programmmäßig I wie alljährlich. Präsident Loubet sowie der Kammer- und der Senatspräsident wurden mit begeisterten Hochrufen auf die Republik begrüßt. Loubet richtete nach der Parade in Longcharnps an ben Kriegsminister ein Schreiben, in dem er sagt, die Besichtigung zeigte ihm, daß die Ausbildung und Manneszucht der Truppen nichts zu wünschen übrig lasse. Die für notwendig erachteten Aenderunaen in der Ausrüstung seien jetzt dank der Mitlvirkung des Parlaments und des Patriotismus der Führer und ihrer Untergebenen verwirklicht worden. Sie böten eine Sicherheit für die Gewalt der Armee, die die beste Bürgschaft für die Andauer des Friedens bilde. Die beifälligen Kundgebungen, die den Zöglingen der Militärschulen und den Truppen bereitet worden seien, seien ein Beweis dafür, daß Frankreich Vertrauen zu feiner nationalen Armee habe. Loubet schließt mit der Bitte, der Kriegsminister möge dem Militärgouverneur von Paris und den ihm unterstellten Truppen seine Glückwünsche und diejenigen per Regierung und der Republik übermitteln. Nachdem das große Feuerwerk auf dem Konkordien-Platze abgebrannt war, entstand em furchtbares Gedränge. Eine ungeheure Volksmenge begab sich nach der tttue Rohale, die jedoch abge- sperrt »var. In dem hierdurch entstandenen Gedränge wurden 3 0 P e r s o n e n, meistens Frauen und Kinder, verletzt. Die republikanischen Blätter sind mit dem Verlauf des Nationalfestes äußerst zufrieden, und fordern ihre Parteigenossen auf, in Zukunft überall dort in aefckflofsenen Reihen aufjutre'ten, wo die Feinde der Republik Skandal machen könnten. Wien, 14. Juli. Die Kanzlei des Abgeordnetenhauses sandte dem In n g t scheche n-Klu b eine Rechnung über 567 Kronen für die von den Jungtschechen in der am 8. Juni stattgehabten Obstruktions-Sitzung d e - molierten Gegenstände. Krakau, 15. Juli. Der „Czas" erfährt aus angeblich, sicherer Quelle, der verstorbene russische Minister des Auswärtigen, Graf Murawiew, habe nach einer überaus h e f t i g e n A u s e i na n d^r s e tzu n g m i t d e m Zar e n Selb st mord begangen. Er habe dem Zaren einen Brief hinterlassen, in dem er diesen beschwor, seine, Murawiews China-Politik zu befolgen. Deutsches Mich. Berlin, 15. Juli. Aus Aalefund wird gemeldet: Der Kaiser ist nach vortrefflicher Fahrt bei bestem Wohlsein hier eingetroffen. DaS Wetter,ift warm, aber nicht ganz klar. An Bord ist alles wohl. — In einer Beilage zum „Reichsanzeiger" wird im Anschluß an den im vorigen Jahre veröffentlichten Ent- wurf eines Gesetzes, betreffend baß Urheberrecht an Werken der Litteratur und der Tonkunst, der vorläufige Ent» wurf ej'nes Gesetzes über daS Verlagsrecht veröffentlicht, welches die RechtSverhältniffe zwischen Schriftstellern und Komponisten einerseits und ihren Ver« fite dB jis B 126 N ben \W vo 8< w I r fr ei n bi bet P bu ja b n n G so so im ■60j aü BIC W uni Di » vo lie, M mol btt M In -jv wil 1. bt tr iir uni bit btr ulQ t I i T e fa Es bei um bta ta Dof N Tk 'üif he, biei to N All U ?et I Aus Rand und Rand könnte man kommen, wenn man schönen Teint, zarte, sammtweiche Haut gehabt hatte und all diese Schönheiten durch den Gebrauch sodascharfer Toilettseifen verloren hat. Wie beugt man solchem Verluste vor? Sehr einfach! Gebrauchen Sie zum Waschen deS Gesichtes rc. nichts anders, als Doerings bewährte Eulen-Seife. Für die Toilette der Damen wie zum Waschen der Kinder nichts besseres, nichts empfehlenswerteres. Für *0 Pfg. erhält man dies- Seife überall. 1903 Ein deutsche- Hausbuch. Man hat viel darüber geklagt, daß gerade in Deutschland das Recht unpopulär sei, daß es nur von einem gelingen Bruchteile der Gebildeten der Nation verstanden werde, Äen breiteren Schichten des Volkes aber zumeist eine unbekannte Größe bleibe. Diese Klage ist nur zu berechtigt! Nur langsam bricht sich bei uns die Rechtskenntnis Bahn, und wer mit den Volkskreisen in nähere Berührung kommt, der stößt auf eine Menge unhaltbarer Reckstsanschanungen, fälschlicher Rechtssätze, ja, man kann sagen ein ganz besonderes „Volksrecht", das von dem geltenden Rechte weit abweicht, und teils einer mißverständlichen Auffassung der geltenden Rechtsgrundsätze, teils überhaupt freier Erfindung seine Entstehung verdankt. Bei der hohen Bedeutung aber, welche das Recht gerade in einem so mächtig fluktuierenden Volksleben einnirnnift wie es dasjenige der Gegenwart ist und vielleicht in noch er- höhterem Maße das der Zukunft sein wird, muß dafür gesorgt werden, daß unser Volk mit seinem Recht vertraut wird, daß es an ihm den sicheren Führer durchs Leben besitzt, den es braucht, wenn es nicht auf Jrrpfade gelangen will. Treten wir doch schon mit der Geburt in das Rechtsleben ein und bleiben mit ihm in Beziehungen bis über unser Lebensende hinaus! Es soll nun nicht verkannt werden, daß zur Popularisierung des deutschen Rechtes in letzter Zeit viel geschehen ist. Wohlfeile Gesetzessammlungen, gemeinverständliche Kommentare, Einzeldarstellungen mit Beispielen aus der Praxis usw. sind m großer Zahl erschienen und haben das Ihre zur Verbreitung der Rechtskenntnis beigetragen. Em Werk, welches dem Laien aber den gesamten Rechtsstoff in volkstümlicher Darstellung und einer Gruppierung vorführt, die ihm ein schnelles Orientieren möglich macht, ist jetzt in dem „Lexikon des deutschen Rechtes, unter Mitwirkung von Fachmännern herausgegeben von Joseph Kürschner" (Berlin, Hermann Hillger's Verlag) erschienen und verdient, daß wir ihm einige empfehlenswerte Worte mit auf den Weg geben, wenn es auch am besten für sich selbst spricht. Professor Kürschner hat in seinen/ verschiedenen lexiko-graphischen Werken bereits den Beweis erbracht, daß er für diese Form der Darstellung eine glückliche Hand besitzt. Gerade bei dem vorliegenden Werke ober waren erhöhte Schwierigkeiten zu überwinden. Märkte. Grünberg, 14. Juli. Frachtmarkt. Weizen 00,00—00,00 Mark, Korn 16,25—00,00 Mark, Gerste 00,00—00,00 Mark, Hafer 17 50—00,00 Mark, Erbsen 17,00—00,00 Mark, Linsen 00,00—00,00 Mark, Kartoffeln 5,00-0,00 Mark. Darmstadt, 16. Juli. (Telephon Meldung des „Gieß. Anzeigers", 12 Uhr mittags.) Der Großherzog traf gestern nachmittag 2*3 hier ein, um die zum oft* asiatischen Korps kommandierten Mannschaften der 25. (Großh. Hess.) Division, die sich in Darmstadt zu Kompagnie- Verbänden gesammelt hatten, vor ihrer Abreise nach Karlsruhe, wo sie mit den Freiwilligen vom 13., 14. und der anderen Division des 18. Korps zu Regiments-Verbänden formiert werden, zu besichtigen. An die auf dem Bahnhofs- platz versammelten Mannschaften richtete der Großherzog folgende Ansprache: „Kameraden! Bei Eurer Abreise zum ostafiatischen Korps bin Ich gekommen, um Euch noch einmal zu sehen. Ihr geht zu einem ernsten Kampf; zeigt Euch als echte Soldaten, gute Deutsche und treue Hessen, damit, wenn Ihr zurückkommt, wir stolz auf Euch und Eure Hessentreue sein können. Herzlich sage Ich Euch allen Lebewohl und auf Wiedersehen! Gleichwie beim Diensteintritt Euer erste« Hurrah unserem obersten Kriegsherrn gegolten hat, so wollen wir auch heute beim Scheiden aus Eurer alten Hessen- Division rufen: Seine Majestät der Kaiser: Hurrah, hurrah, hurrah!" Nach der um 396 erfolgten Abreise der Mannschaften kehrte der Großherzog nach Schloß Wolssgarten zurück. Kouih, 16. Juli. Gegen die „StaatSbürger- Ztg." und ihre Mitarbeiter ist ein Strafverfahren wegen Aufreizung zum Klassenhaß eingeleitet worden, nachdem zahlreiche Juden sich mit einer Beschwerde an den Minister des Innern gewandt hatten. Die kürzlich in der Redaktion der „Staatsbürger-Zeitung" von der politischen Polizei vorgenommene Haussuchung steht damit in Zusammenhang. In Anklagezustand versetzt werden sollen der Verleger Wilhelm Bruhn und der Bürger, meister a. D. Zimmer, von denen die für aufreizend er- achteten Artikel geschrieben worden find. Meratur. Kürschner- Lexikon des deutschen Rechts. Der unermüdliche Joseph Kürschner, dem die Litteralur auf dem Gebiete der praktischen Hand- und Nachschlagebücher viel zu verdank-'N hat, tritt jetzt wiederum mit einem Werke an die Oeffentlichkeit, das ohne Phrase als schlechterdings „unentbehrlich", auf dem einschlägigen Gebiete bezeichnet werden muß. Nachschlagebücher aus dem Gebiete des Rechtslebens, namentlich jetzt, wo das neue deutsche bürgerliche Recht in Kraft getreten ist, giebt es viele und darunter viele sehr empfehlenswerte. Dieses Kürschnersche Buch aber übertrifft unseres Erachtens, nach einer bestimmten Richtung hin, alle. Sein Vorteil besteht, abgesehen von der außerordentlichen Reichhaltigkeit, die sich gegenüber den zahlreich vor. liegenden populären Sammlungen etwa wie zu 20 verhält, dann, daß der Benutzer ohne weiteres im stände ist, sich über jede einschlagende Materie ganz genau zu orientieren, da alles in alphabetischer Anordnung unter dem entsprechenden Schlagworte zu finden ist, und an jeder Stelle nicht etwa nur ein bestimmter Gesetzesparagraph vermerkt ist, sondern alles zusammengetragen ist, was sich auf den betreffenden Gegenstand oder Begriff bezieht. Hervorragende Rechtspraktiker und Rechtsgelehrte, aber auch Männer aus dem praktischen Leben, aus den Bank- und Verkehrskreisen, aus der Jndustriesphäre u. s. w. haben an diesem Werke mitgearbeitet, das sich auf alle Sphären des öffentlichen Lebens erstreckt und somit als ein unfehlbarer Ratgeber bewährt. Das Buch ist in zwei Bänden zum Preise von 20 Mk. käuflich und erscheint im Verlage von Hermann Hillger Berlin, Leipzig, Eisenach. Die typographische Ausstattung und die dadurch erzielte Uebersichtlichkeit sind nur zu rühmen. wählt die Stadtverordneten-Bersammlung auf Grund des Artikels 37 der Städte-Ordnrrng einen Kontrol-Ausschuß von fünf Stadtverordneten, dem auf Ansordern die über die gefaßten Beschlüsse erwachsenen Akten vorzulegen sind. Derselbe hat nady Prüfung dieser Akten der Stadtverord- neten-Bersammlung Kenntnis von seinen Wahrnehmungen zu geben und erforderlichen Falles Anträge zu stellen, welche die Ausführung der Beschlüsse der Versammlung in dem Sinne, wie sie gefaßt wurden, sichern." Dazu werden als Ausschußmitglieder vorgeschlagen die Stadtv. Heiles, Schmidt, Bröning, Ulrich und Feistmann. Stadtv. Feiste | ma n n erklärt, daß er ablehne, weil er mit der Tendenz des Antrags nicht einverstanden sei; der Antrag stelle ein Mißtrauen gegen die Geschäftsführung des Oberbürgermeisters dar — (Oberbürgermeister Brink: Das erblicke ich selbst nicht darin!) Stadtv. Feistmann, fortfahrend: Das mag ja sein; ich habe einmal diese 9Iuf= fassung. — Stadtv. Ulrich: Oberbürgermeisterlicher als der Oberbürgermeister! Stadtv. F e i st m a n n: Unter Umständen allerdings! — Ich'bin der Meinung, daß die Beschlüsse der Versammlung bisher gut ausgeführt wurden daß zu einer solchen Mißtrauenskundgebnng kein Anlaß norHegt. — Stadtv. Ulrich: Die Einsetzung des Ausschusses sei in der That nichts weniger als ein Vertrauensvotum, sie bedeute eine Abwehr gegen die Art, wie die Beschlüsse der Versammlung bisher ausgeführt wurden. Stadtv. Stadtmüller I. meint, es sei klar, daß der Oberbürgermeister die Beschlüsse nicht richtig ausführe. Er verweise nur daraus, daß er auch den Beschluß über die Gehaltserhöhung für den Beigeordneten Wolff beanstandet habe. Dazu habe doch kein Grund Vorgelegen, und i er verstehe nicht, warum der Oberbürgermeister so etwas thue. — Oberbürgermeister Brink macht den Redner darauf aufmerksam, daß er sich) da in einem Irrtum befinde. Er habe den Beschluß nicht beanstandet, er habe nur berichtet, wie das vorgeschrieben sei. Daß die Genehmigung des Kreisamts so lange gedauert, verstehe er selbst nicht, keinesfalls aber trage er die Schuld daran. Er habe Herrn Wolff die Erhöhung auch gewiß nicht mißgönnt; aber er habe doch persönlich; der Zukunft gegenüber seinen Standpunkt in dieser Sache wahren wollen, und darum habe er dem Bericht die Bemerkung über die Abstimmung angefügt. Er erblickt übrigens m dem Antrag kein Mißtrauensvotum, weil er thatsächlich alle Be- schlüsse^isiauf drei,-die >er pflichtgemäß beanstanden mußte, ausgeführt habe. Man könne keinen Beschluß nennen, der nicht ausgeführt worden sei. — Stadtv. Ulrich! bemerkt darauf, die Thatsachen bekunden das Gegenteil. — Die Dringlichkeit wird einstimmig anerkannt und der Antrag Ulrich alsdann gegen 4 Stimmen angenommen. Mutzten doch die zu behandelnden Gesetze in eine gleich* mäßige Form gebracht und unter bestimmten Gesichtspunkten geordnet werden, obwohl sie in den verschiedensten. Zeiten entstanden sind, und nicht das Gepräge einer einheitlichen Redaktion an sich tragen. Aber das Wagnis ist vortrefflich gelungen, und das neue Rechtslexikon, das schon einen Vorgänger in dem Holtzendorff'schen besitzt, aber weit umfassender hinsichtlich des Stoffes ist, bildet; ein deutsches Hausbuch dem wir die weiteste Verbreitung! wünschen. In zwei stattlichen, elegant ausgestatteten Bänden, ergänzt durch eine Sammlung von 533 Formularen, Kontrakten, Klagen, Gesuchen, Eingaben rc., wird das gesamte deutsche Reckst in alphabetischer Anordnung wiedergegeben, und auch den laudesgesetzlichen Bestimmungen Raum vergönnt, wo es das Interesse erfordert. Verfassung; und Staatsbürgerrecht, Münzwesen, Maß- und Gewichtssysteme, Militär- und Marine, Reichsbeamte, Konsulats- wesen, Reichsschuldbuch, Bank- und Börsengesetzgebung, Zoll-, Steuer- und Stempelgesetze usw., zum Teil recht komplizierte Materien, werden ebenso klar und übersichtlich behandelt wie die großen neueren und älteren Gesetze, z. B. das Bürgerliche Gesetzbuch, das Handelsgesetzbuch, die, Wechselordnung, die Zivilprozeßordnung usw., kurz, man sieht das vollständige Gebäude des deutschen Rechtes vor sich ausgerichtet. Es liegt ein gewaltiges Stück Arbeit in diesem neuen Kürschner'schen Werke. Wir wollern hoffen, daß der Arbeit auch ihr Lohn wird, und das Lexikon; als ein echtes deutsches Hausbuch aller Orten einen Ehrenplatz in der Hausbibliothek findet. - xft.» in gewinnen und durch gute Löhne, durch geeignete Wohlfahrtseiltrichtungen und dauernde Beschäftigung an I M3 ^L^J^a^ungen von Bettlern und Land- I strei«Ärn^im Großh. Hessen erfolgten auf des 8 361, 3 und 4 des R.-St.-G-B. im Jahre 1899 rechtskräftig 1267 davon in der Provinz Starkenburg 563, m O b e r h e s s e n 238, in Rheinhessen 466 In den lepen sechs Zähren 1894 bis 1899, betrug die Zahl m Starfenbnrg 1197, 972, 8^7, K 99?,' W m! 466', also zusammen im Großherzogtum 2^7, 2583, 2244, 1968 165 1267. Also innerhalb sechs Jahren hat sich die Zahl der Bestrafungen nm über die Hälfte verm i. n dei4. In ringst A nz a h l Bestrafungen ergangen. Auch irn Verhältnis zur Bevölkerung bemessen, kamen m allen Jahren auf Rheinhessen die meisten, aus O b e r h e s s e n bterue = iTg ft e n ^eftrafungen. - Nach § 362 des R.-St-G-B. kann bei der Verurteilung zur Haft zugleich erkannt werden, daß die verurteilten Personen nach verbüßter Strafe der Landespolizei zu überweisen seien, ^uf Grurch dieses Paragraphen sind im Jahre 1899 in der Provinz Starken Burg 92, in Oberhessen 60, in Rheinhessen 53, zusammen 205 gerichtliche Überweisungen an die Landes- volizeibehörde erkannt worden. Im Jahre 1899 sind infolge gerichtlicher Ueberweisungen an die Landespolizeibehörden in dem Arbeitshaus zu Dieburg 19/ und in dem I Filialarbeitshaus zu Gießen 10 Personen untergebracht worden- 36 der Ueberwiesenen gelangten Nicht zur Aufnahme Die Gesamtzahl der in den Arbeitshäusern auf Grund polizeilicher Anordnungen untergebrachten Personen betrug am 31. Dezember 1899 1/8, und zwar befanden sich hiervon 172 im Arbeitshaus zu Dieburg und 6 im Filialarbeitshaus zu Gießern § Münzeuberg, 15. Juli. Gestern wurde der nahezu 60jährige Knecht Gr ätz er in einer Scheuer erhängt aufgefunden. Nach gerichtsärztlicher Feststellung liegt Selbstmord vor, der offenbar in melancholischem Zustande begangen worden ist. — Die Heuernte ist bei uns zu Ende und hat einen mittelmäßigen Ertrag auszuweisen; der Durchschnittspreis ist 3 Mk. per Zentner. -oe- Bermuthshain, 14. Juli. Den in den 60 er Jahren stehenden Taglöhner Lorenz Dietz sand man heute morgen vor der Thür seiner Wohnung auf einer niedrigen Treppe liegend tot vor. Jedenfalls hat ein Schlaganfall seinem Leben einem Ende gemacht, als er aus seinem Haus gehen wollte. Am Kopfe fand man eine kleine Wunde, die jedenfalls infolge des Falles entstanden ift.j r- Grebenhain, 15. Juli. Die 82jährige Lehrerwitwe Greb befand sich gestern allein mit einem Enkelkinde in der Wohnung, da sämtliche HauSinsaffen mit Heumachen beschäftigt waren. Sie trug das einjährige Kind auf dem Arm, als sie im HauSgang auSglitt und ein Bein brach. Der Briefträger, der gerade auf seinem Bestellgang begriffen war, befreite sie aus ihrer peinlichen Lage nnb sorgte für ärztliche Hilfe. Die Frau hatte schon eine halbe Stunde so gelegen und, wäre nicht der Briefträger zufälligerweise hinzugekommen, so hätte die Frau in ihrem Zustande noch 3 bis 4 Stunden dort liegen können. Groß Felda, 13. Juli. Das 50jährige Dienst.jubiläum des Lehrers Gerhard in Stumpertenrod wird, wie nunmehr amtlich angeordnet worden ist, am 1. August gefeiert werden. Wegen der notwendigen Borbereitungen zu dieser Feier find bereits die berufenen Vertreter der Gemeinde und die Kollegen des Jubilars in Verbindung getreten. Herr Gerhard amtiert feit zirka 20 Jahren in Stumpertenrod, vorher wirkte er in den Orten Gunzenau und Wallenrod im Kreise Lauterbach. (Oberh. Ztg.) Darmstadt, 16. Juli. (Telephon-Meldung des „Gieß. Anzeigers", 12 Uhr mittags.) Der Großherzog und die Großherzogin besuchten gestern den Gottesdienst in der Kirche zu Langen. An der Mittagstafel in Wolfsgarten nahm teil Leutnant Muther (Jnf.-Reg. Nr. 1'17), der sich „nach Ostasien kommandiert" gemeldet hatte. Offenbach, 14. Juli. In der- letzten Stadtver- ordneten-Versamrnlung kam es, wie wir in letzter Nummer bereits kurz meldeten, über die Abgabe der Berichte durch den Stadtv. Ulrich an die „Abendzeitung" wieder einmal zu erregten Debatten, denen wir aus der „Ossenb. Ztg." folgendes entnehmen: Stadtv. Boehm bemerkt, es sei durchaus nicht nötig, daß es jedesmal zu persönlichen Beleidigungen komme. (Zwischenruf: Wer ist denn schuld daran? Man verdächtigt uns ja!) Wenn es nicht möglich sei, ruhig und sachlich zu verhandeln, so werde er in Zukunft jedesmal bei derartigen Anlässen die Versammlung verlassen und mit ihm auch seine Freunde. Es sei nicht jedermanns Sache, in dieser Weise zu verhandeln. Stadtv. Ulrich bemerkt, der Oberbürgermeister möge nur unparteiisch fein, dann fei alles gut; aber er mißbrauche sein Amt zu Parteizwecken. Wenn Berichte erlassen würden, die richtige Konduitenlisten und geheime Dossiers seien, dann könne man nickst still dazu sein. Die Drohung des Stadtv. Boehm könne ihn nicht hindern, Protest zu erheben gegen die Art und Weise, wie der Oberbürgermeister sie bei den oberen Behörden herabsetze. Stadtv. Heiles verweist auf die Geschäftsordnung, die auf Grund der Städteordnung aufgebaut sei. Stadtv. Heilmann erklärt: Der Oberbürgermeister gebärde sich, als ob der Stadt wer weiß was geschähe durch die Soziale demokraten. Die Hauptsache sei die, daß der Oberbürger- meisder keine Ruhe wolle. Sie würden aber nickst stille halten, wenn man sie auf die Ohren schlagen wolle. — Die Versammlung beschließt nunmehr, auf ihrem Beschluß zu beharren und den Stadtv. Ulrich! als Vertreter in den Kreis- Ausschuß zu entsenden. Stadtv. Ulrich bringt folgenden Antrag ein, für den er die Dringlichkeit beantragt : „Die Versammlung wolle beschließen: Um sich Ueberzeugung ^rvon zu verschaffen, ob und wie ihre Beschlüsse durch den Oberbürgermeister Brink zur Ausführung gelangt sind, Sport, Spiel, Jagd. —nn. Darmstadt, 16. Juli. Der Radfahrerverein Darmstadt feierte gestern sein 15 jähriges Stiftungsfest, verbunden mit Rennen, bei dem Karl Duill-Gießen den Wanderpreis des verstorbenen Prinzen Wilhelm gewann und im Drei-Kilometer-Fahren zweiter wurde, und mit Fahnenweihe, zu der Herr Hornberger-Gießen int Auftrage der „Wanderer" ein Fahnenband überreichte. Handel «ud Verkehr. Volkswirtschaft. Frankfurter Börse vom 14. Juli. Wechsel auf New-York zu 0.00-00. Prämien auf Kredit per ult. Juli 1.70% do. per ult. Äug. 3.300/», Diskonto-Kommandit per ult. Juli 1.70%, do. per ult Äug. 3.20%, Lombarden per ult Juli 0.70%, do. per ult. Aug. 1.05%. Deutsche Bank per ult. Juli 0.00 %. Notierungen: Kreditaktien 209.30-40-30-60, Diskonto- Kommandit 174.90-80-175.00, Staatsbahn 140.40-00, Lombarden 26.40 Italiener 93.20, Spanier 71.70-73, Bproz. Mexikaner 26.35, Bochumer 193-198.20 bz., Laura 211.50-211 bz., Harpener 183 20-183 bz.* Gelsenkirchen 188 bz., Ungar. Goldrente 00.00, Oesterr. Coupons 00 00. Amerik. Coupons 0 00, Privat-Diskont 3%% G. 1% bis 42% Uhr: Kreditaktien 209.6000-00 bz., Diskonio- Kommandit 175.00 bz., Staatsbahn 144.40 bz., Lombarden 25.40, Bochumer 000-00 bz., Aerliner Handelsges. 148.60 b6. Kunstverein. Die Gemälde-AuSstelluug im Turmhaus am Braud bleibt wegen vollständigem Wechsel der Gemälde vou heute Dienstag au 4 Tage geschloffen.__________ 4914 Eisenbahnverein Metzen. Einladung zum Sommerausflug nach Frankfurt a. M. am 18. und 85. Juli 1900. Der Eisenbahnverein Gießen unternimmt am 18. und 25. Juli d- I- einen Sommerausflug nach Frankfurt a. M., wozu alle Vereinsmitglieder nebst Familienangehörigen ergebenst eingeladen sind. Abfahrt von Gießen an beiden Tagen vorm. V5 Uhr. Ankunft in Frankfurt a. M. vorm. 931 Uhr. Rückfahrt von Sachsenhausen abends 815 Uhr. Ankunft in Gießen abends 10« Uhr. Das Nähere besagen die auszugebendm Teilnehmerkarten, welche bei den einzelnen Dienststellen bezw. bei der Station Gießen in Empfang zu nehmen sind. Um eine recht zahlreiche Beteiligung wird noch besonders gebeten. 4916 Der Vorstand drs Eisenbahnvereius Gietzerr. Wirtschafts Mebernassme Einem geehrten Publikum, meiner werten Nachbarschaft, sowie Freunden und Bekannten diene zur gefl. Kenntnisnahme, daß ich die Restauration zum Anker 3W* 23 Steinstraße 23 "W Übernommen habe. Durck aufmerksame Bedienung und Verabreichung von nur vorzüglichen Speisen und Getränken, werde ich meine verehrte Kundschaft zufrieden zn stellen suchen. Mit der höflichen Bitte, mein neues Unternehmrn durch häufigen Besuch zu unterstützen, empfehle ich dasselbe bestens. 4921 Hochachtungsvoll Wilhelm Wagner. plötzlich verschieden ist. Gießen, den 15. Jvli 1900. Die trauernden Eltern: Wilhelm Lenz und Iran geb. Schmidt. Todes-Anzeige. Verwandten, Freunden und Bekannten hierdurch die traurige Mitteilung, daß heute vormittag 73/4 U)r unser liebcs Söhnchen Danksagung. Für die mir bewiesene herzliche Teilnahme an dem schweren Verlust ', der mich betroffen, spreche ich hierdurch meinen innigsten Dank aus. Gießen, den 16 Juli 19JO. 02954 Maria Sänger, geb. Käh. p ilrrlkiflrritiincii, Versteigerung. Dienstag den 17. d. MtS., nachmittags 2 Uhr, versteigere ick Neustadt 66 dahier gegen Barzahlung: 1. Fahrrad, nock gut erhalten; 2. 1 Break, 2 Rollwagen und 1 anderen l Wagen, 1 eiserne Winde und Möbel aller Art. Versteigerung zu 1 bestimmt, zu 2 teilweise. 4898 Born, Gerichtsvollzieher. Mttwoch den 18. Juli l. I., nachmittags 8 Uhr, werden im Bieker'schen Saale versteigert: Möbel aller Arten, i Nähmaschine, 1 Faß Rot- und 1 Faß Weißwein, 1 Regulateur, 50 Stück Palmen, 3 Lorbeerbäume, 1 Uhr mit goldener Kette, 2 Zugpferde u. a. m ' 4911 Geißler, Gerichtsvollzieher. Uin P fr hin ii ii cu Staut. Schlachthaus. Freibavk. 4923 HeaLe «ud morgen. Schmiuesskilch 25 M. 02952] Johannisbeeren, auch schwarze, Stachelbeeren und Sauerkirschen zu haben.Bergstraße 17. 311 verkanten 02956) «affeebrenner für 50 bis 60 Pfund mit Kühlsieb zu verkaufen. Grünbergerstraße 3a, Vermietungen 4920] Der mittlere Stock, 5 Zimmer nebst Zubehör, Grünbergerstraße 22, ist auf den 1. Oktober zu vermieten. __________________Heinrich Faß. 4919] Eine größere und kleinere Wohnung sofort zu vermieten. _______Adolf Geisse, Seltersweg 2. 4840] Geräumige Wohnung (7 Zim.), welche renoviert wird, nebst Mitbenutzung deS Gartens, Bleichplatzes und Trockenbodens per Oktober d. I. oder später zu vermieten. Näheres bei A. 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Pech er L Co. tu Herford Nr. 80 in Westfalen. vernntwertttch für b« eHgeineinU|m. Ftrnsprtchtr 91 r. 61. Nr. 164 Drittes Blatt Orfchiini lägNch »it LuSmohlNk bei Dir Gießener »■«ittenßtäller Werden de» Ängrigrr «■ «ech-el *H „Hcfl. •*b»ttr R. „«artet Mr heß. WoNSkundt- »AchLl. 4wri bdgtlcgt. Vermischtes. i&io L?«1 $ e V a n’ f a u f 1 ft o 1 e n, der am Diens- 9 Grünewald Lei Berlin stattfinden sollte, ist aus Gießener Anzeig er Heneral-Anzeiger Erißer als 200 Meter ift bk Länge über Deck, llnb bk HSHe 13 Meter bifl zum Promenadenzrtt, •i* „Deutschland-, „Deutschland" über alle», über alles in ba Würde man diese Rechnung -aus das ganze Jahr, ans •>UokPra«e wt«rtdfai#rL Mk IM monatlich 66 Pfg. Bei Postbezug Mk. 2,40 uirrleljlH mit veflellgeld. Wunderbar ist feine Bauart, imponierend «orm, 23,000 Tonnen Deplacement, oa« ist enorm) ttebertrtfft selbst „Kaiser Wilhelm", wie fleU «ii* sestaestillti m« „Deutschland", „Deutschland" über «Ulf; alle« in der 'uno 16 Schotten in der Quere und dazu ein Xift.VZ1 .ne./ wallte nutz ihn geben Barnum & Bailen bilden die aröüte Sdiaiiftcnimn I ^twas genauer au sah, geivahrte matt aus dem 5« &br Xi ci" eingelegte« Wappen und dckrunter ans einem das ganze Ensemble in 70 eigens dazu konstruierten Eisen I bahnwagen befördert wird, die vier Scurderzüge bilden. I * 1 Unter 12 gewaltigen Zelt-PavillonÄ luar in Ehemnill das I ' . \c•! , 1 ,-Jhgimrnt zu Fuft (^anze ausgestellt, deren größter begueme Sitzplätze für I rL Jn^cu stbkiucn. Diese Rauten flößten den ca. 15 000 Personen cnithält. VP V I I kampflustigen Herren einen solchen Respekt ein, daß sic aus Die t ä g I i ch e n Un kosten dieses Riesennnlerneb . I YÜX ^nd seiner Pistolen Weiternngen mens Pnd auf 30000 Mark angegeben I s"r sich befürMeten, den Kamps zn verschieben und sich erst In vier Sonberzügen, bie zusat tuen 1200 Meter rann I ?uxm anderen Ptstolenkasten nmznseheu beschlossen, warett, kant nach und WDi? ««Igelten führest sie daher nach Berlin Zurück. \ Entladung ging in höchst praktiscl-er Weise von statten. Die I (VII nJn lV.cr" b c.r V Y t rt i f f c. Richt eine verfrühte gesamten für den Straften Verkehr eingerichteten Fahrzeuge I sondern ein wirkliches Erlebnis ift wurden von einem Wagen zum andern gezogen unb am I ^Durcheinander von Friedrich Schrautm aus Frei- (ftleisenbe vermittelst einer Fahrbahn ntib mit Hilfe einer I ; Sv ,c^! ^ller Roman, dessen Schauplatz teils daS Brcinse auf die Straße herunter gelassen und dann sofort I tcl.Id Chicago ist. Schramm madste vor etwa in schneller Folge nach bem S in Kappel a Rh die Bekanntschaft eines bot die Entladung der Pferde, Elefanten nsw. keine Schwie- I ^ibfthen Xtnd nicht nnbentittelteu Mädchens nnd verhei rigkeiten, da die Wagenkasten sehr tief lieaen und jedem I Latcte in^ ,f)m- Das Eheglück war aber nur von Wagen eine Ladebrücke beigcgeben ist Das Ganze wurde I D^uwr, Frau Sck^ramm kehrte zn ihrer Mutter heim zu einem Feftzuge durch die Stadt arrangiert ' I bC!l‘ 1)nf,c Schramm eine Dem ^uge voran fuhr im einfachen Zweispänner der I ^Mabende Witwe, Frau Lina Küster, kennen gelernt nnd als einzige Zierde das wehende Sternenbanner der Ber- I P I!fl ? zweite Ehe ein. Fran .Wster hatte drei einigten Staaten" trug, der „Gctieralmanager" der Gesell- I a ?r CkV(U? clrle Hans, ^lugnste und Gretchen. Bald schuft, ein mächtiger Mann, der wie ber gute Seift iiber beut bcif ^Heit fiedelte das Ehepaar nach Elsteago über «Oonzen Unternehmen schwebt und in souveräner Gewalt I dit beiden Mädchen mit, ivahrend HanS in Den Riesenapparat in allen [ciueii eiuÄelnen $eüeit w ?'utschland znri ckblieb. Fran Sckwamu. Rr. 2 scheint aber regulieren hat. Im lociten Abftand nndi henr Direkti.i„s I Chicagoer Klima nicht gut bekommen zu feilt, sie Landauer wurde bann bie Parade mit einer Kavallerie- I !Cß!cJ 1)111 UU? J!arb\ vorher aber hatte sie teftaimm^ Truppe der Vereinigten Staaten eröffnet Dieser f»Tote ein I arisch ihr ganzes Vermögen ihren Kindern vermaclst, nnd von M P ferden, ^di e "zu j e^ vie r nÄe n e i n an der ae?vaii n t 'hrt^tte hatte das Rachsehen. Er ihußte sich aber zu waren, gezogener Prunkwaaen auf bnn ff E Helsen Nnd heiratete kurzerhand seine älteste Stieftochter fabelte Lsai?d " Er^nlichbie S^eit mit berler > *1«^ W diese muß ein Haar in der' Ehe mit ihm Kittscher, der ein fd^tuliar unenhoirrbar^ Knäuel von Bügeln in ber Hand hielt, diese Masse von Pferden zn lenken vermochte. Run folgte eine Reihe von offenen Käfigen mit Bären, Tigern, Panthern, Leoparden nsw., in deren Mitte die Bändiger saßen. An diese schlossen sick- rin Glockenspiel, die männlichen und weiblick)en Neitkünst- ler, berittene Damen des Hypodroms, Eow Boy-Reiter, eine Anzahl von römischeit Renn- und Triumphwagen, die von Damen und Herren gefahren wurden, ein Musikwagen mit einem schottischen Dudelsackorchester, acht geschlossene, in Rot und Gold gehaltene Prnnkwagen mit wilden Tieren, ritte Reihe von Kamelen, die von Arabern und anderen Asiaten geritten wurden. Hinter diesen kam die ans 10 Stück bestehende Elefatttenherde; dann folgten Wagen, die den: deutschen Märchen getoidmet waren, zum Teil von Zebras gezogen, ein Wagen Amerika, sieben goldene Käfige mit seltenen Tieren, ein RiesLitiortzelwagen, ein großer Triuniphwagen mit allegorischen Gestalten, und eine lange Reihe von Reitern und Reiterinnen in den Trock)ten des D?. und 16. Jahrhunderts, sowie des späteren Mittelalters. Den Schluß des Zuges bildete ein mit Dampf betricbeuled A?llwga Musikwerk, dessen mehr kräftige als hartnonisdie weithin burd), die Straßen schallten. .. Das Resultat der Eröffnungsvorstellung in Chemnitz 4000 Besuchern soll in Deutschland bisher das (1,. x . ^gebnis einer Anfangsvorstellung gewesen sein. Uh. 6ei!).c,1,1 fot9cnben Abenden tvaren die Sck)austell- Äunb 14000 Personen besucht, zwei Rach, Kp 1 S UnPeu wohnten je ca. 10 000 Schaulustige ^^u im ganzen in drei Tagen 61 000 Personen, Mittel w ;a« ,(,°r ^rcifartcn besaßen. Die Einnahmen, t)T0 Person, kann zu 180(XX) Mark in lUigenommen werden. Der Verkauf von Füh ^brn, Programmen, Ansid;tSpostkarten nsw. sowie eine hE^oricte soll noch 10(XX) Mark eilige bracht haben, sodaß bie ganze Einnahme in brei Taaen in ^hemnift sich ans 190(XX) Mark beläuft Rechnet man nu bie ^glichen Unkosten zn 30000 Mark, also 00(DO Mark "b-, ° verbleibt immer noch der Reingewinn von ivu uiäj lot an. A. Holterhoff Söhne, Seltersweg 20. Schürzen Handschuhe in jeder Kreistage. 4262 (gegründet 1872; Vermögen Ende Programm: Jubiläums 2953 3 c kV 4450 empfiehlt Silligst n 4221 VerDiedeneg Tin uvvluuifcn n n n C 1 N 6 5 in B Besitzern von Pferden, Fuhrwerken, Hunden, Aerzten, Apothekern, Radfahrern, Jägern und Schützen und Kirchengemeinden, Für Damen: Gestickte Reise-Plaids von xAL 1.—, 1.20 1.50 bis S.50. Industriellen Unternehmern, Handwerkern, Land- und Forstwirten, Inhabern v. Handelsgeschäften, Hausbesitzern, Gastwirten, Politischen Gemeinden Grossen-Linden: Anton Ohly. 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