1OOO 150. Jahrgang onntag den 10 Dezember §!r. 295 Sechstes Blatt Amts- unb Zlnzeis-blatt für den Ureis Gieren Uezugsprets vierleljährl. Mk. 2,91 monatlich 75 Pfg. mit Bringcrloha; durch die Abholegell«» vierleljährl. Äik. 1,91 monatlich 65 Pfg Bei Postbezug Mk. 2,40 vierleljährl mit Bestellgeld Expedition und Druckerei: lch»kstr«ße Ar. 7. nicht durch „Gefühle der Ethik" leiten lassen dürfe, hat kummervoll sein interessantes Haupt geschüttelt. Ungünstige Finanzen, deren rückläufige Bewegung allmählich sich m einen Tauerlauf verwandelt, wirtschaftlicher Niedergang, große Anleihen, das sind Flammenzeichen, unter denen das alte Jahrhundert - die obrigkeitliche Genehmigung vorausgesetzt - in dem Abgrund ber Geschichte verschwindet. Aber so unerquicklich hier die Lage ist, so trifft doch die Regierung nur ein kleiner Teil der Schuld: Hätte die größte Partei des Reichstages sich nicht Mit Händen und Füßen gegen die Finanzreform gesträubt, so würden wenigstens die übelsten Folgen vermieden wer- deii so würden die Einzelstaaten nicht in dem Maße, wie es jetzt der Fall ist, in Mitleidenschaft gezogen werden. flbrefie für Depeschen: Anzeiger Fernsprecher Nr. 51. frf4tlxt tägtich rv fluamibmt des PirRtQfll. |ee iliceiritttr wrltii dem Anzeiger »lischst« mit „Hefl. krteirt" * „Blätter in Öo.Ktunbe* 4 mal beigelegt. Gratisbeilage«: Gießener Familien blätter, Der hessische Landwirt, Matter für hessische Volkskunde. Beiträge zur Erziehung der deutschen Jugend mit besonderer Berücksichtigung der Pflege der Liebe zu Fürst und Vaterland, Kaiser und Reich, für Schule und Haus bearbeitet von Ed. H a r tm a n n, G Y m - nasiallehrer zu Gießen. —Preis drosch. 1.80 Mk., eleg. geb. 2.50 Mk. Auf dieses sehr gesunde Anschauungen und beherzigenswerte Ratschläge enthaltende Buch sei hierauf aufmerksam gemacht. Es ist fürwahr ein Merkchen, das Geist und Herz in gleicher Weise erfrischt und erhebt. Ein Mann der Praxis und langjährigen Erfahrung, der mit dem ganzen Wesen der Kinder nach) Körper und Geist vertraut ist, spricht hierin mit leichtverständlich^r und doch inhaltsreicher Sprache zu uns. In ansprechender und glatter Form führt uns der auf pädagogischem Felde vorteilhaft bekannte Verfasser die wichtigsten Fak- , toren der Kindererziehung vor Augen. Mit Recht bespricht der Verfasser die Wichtigkeit der Gesundheitspflege, die religiös-sittliche, die Charakter- und Gemütsbildung der Jugend in erster Linie und ausführlich, denn sie bilden die sichersten Stützpunkte in allen Lagen des Lebens. Sehr schön zeigt der Verfasser die vielfach verkehrte Erziehungsweise mancher Eltern, welche die Thätigkeit dtt Schule hemmen und in hohem Maße schädlich auf die körperliche und geistige Entwicklung der Kinder wirken. Strenge fordert er eine sorgfältige Ueberwachung der Hausaufgaben und giebt interessante Belehrungen über Körperhaltung, Reinlichkeit, Beleuchtung, Schonung von Auge und Ohr, sowie über Haushaltung, Familienleben, Mädchenerziehung und andere. Wenn das Vorwort mit dem Wunsche schließt: „Möge das Merkchen gute Aufnahme finden", so können wir uns dem nur anschließen und die mit Fleiß und sachverständigem Urteil zusammengestellten Beiträge für Schule und Haus als nützliches, brauchbares Weihnachtsgeschenk sehr empfehlen, weil wir überzeugt sind, daß es in den Händen von Eltern und Lehrern nicht ohne wohlthuenden Einfluß auf die Erziehung der Kinder sein wird. k- Vermischtes. * Als Heiratsschwindler gefährlichster Sorte hat sich in B e r l i n ein gewisser G r a v e n h o r st entpuppt. Gravenhorst wird wegen vieler Schwindeleien und wegen 'Bigamie von der Kriminalpolizei verfolgt. Er verließ seine erste Frau nad} 15 jähriger Ehe, auv der eine jetzt 14 Jahre alte Tochter hervorging, tm Jahre 1896 und ging nach Amerika. Dort lernte er seine zweite Frau Johanne, geborene Dressel, die Tochter eines Bauerngutsbesitzers aus Gemünden in Oberfranken, kennen. Die Bekanntschaft führte nach kurzer Zeit zur Ehe, der ein jetzt 17 Monate altes Kind entsproß. Die erste Frau, von deren Vorhandensein die zweite keine Kenntnis hatte, liegt augenblicklich im Charlottenburger Krankenhause. Sie hat einen Beinbruch erlitten und verliert das Bein. Gravenhorst kam im September d. I. nach Deutschland und wohnte mit seiner Frau in deren Heimat. Am 19. v. Mts. fuhr er angeblich nach Braunschweig, um eine Erbschaft von 40 000 Mark zu erheben, die ihm von seinem Vater zugefallen sein sollte. Diese Erbschaft war jedoch, wie sich jetzt herausstellt, Schwindel. Gravenhorst fuhr in Wirklichkeit nach Berlin und verlegte sich hier auf den Heiratsschwindel. Durch ein sehr sicheres und gewandtes Auftreten gelang es ihm, Zutritt zu einem adeligen Klub zu bekommen, in dem er u. a. die Herren v. S., v. A. und v. B. kennen lernte, v. S. vermittelte seine Bekanntschaft mit einem Fräulein T. in Schöneberg, die früher Gesellschafterin und Reisebegleiterin hochstehender adeliger Damen war und ebenfalls dem Klub angehört, in dem schon wiederholt Heiraten zu stände gebracht wurden. Gravenhorst ging unmittelbar auf sein Ziel los, die Dame durch ein Heiratsversprech^n zu beschwindeln. Ohne einen Pfennig Geld zu besitzen, mietete er bei einem Fräulein H., bei dem auch Fräulein v. D. wohnt, ein möbliertes Zimmer. Volitifche Tagesschau. !Bei der jetzt im Gange befindlichen ersten Lesung des | iieiäshaushaltsetais für daS Jahr 1901/1902 hört man so manches harte Wort über den Stand der Reichsfiaauzeu; i- ist daher sehr der Mühe wert, einmal einen genaueren blick darauf zu werfen. Wir legen dabei den Golhatschen hsskalender für 1901 zu Grunde, und ziehen zur Ber- olrichung die Jahrgänge von 1895 und 1898 heran, also fitittäume von je 3 Jahren. Zunächst für 1901. Da sind em wir, daß der Etat des Deutschen Reiches tn Cm nähme und Ausgabe balanciert mit dem Betrage von etwas öder zwei Milliarden, nämlich 2 066 644 012 Mk. Don tm Einnahmen in dieser Höhe werden nur 85 868 411 Mk au6 außerordentlichen Deckungsmitteln bestritten, d. h. aus ^leihen oder durch die Ausgabe von solchen Schatzan «eisvngen, die nur kurze Frist laufen. Zu ihrer Ausgabe ist der Reichskanzler für den Bedarfsfall ermächtigt, aber nur Ibis zum Betrage von 175 Mill. Mk. Man kann solchen 6taib der Einnahmen als günstig bezeichnen; denn rund 86 Mill, sind von 2066 Mill, nur wenig über 4 Prozent. F eil ich wird diese Höhe der laufenden Einnahmen mit durch {aite Heranziehung der Bundesstaaten zu Matrikularbei trägrn erreicht; andrerseits ist aber auch das nicht be- benÖid), denn der größte Teil davon wird wieder zurück gezahlt. Im ganzen ist dieses Bild also nicht ungünstig. Weniger freundlich wird daS Bild, wenn wir die Zahllen früherer Jahre daneben stellen. Im Jahre 1895 dckrmgen die Einnahmen und Ausgaben nur 1286546460 Mavk, im Jahre 1898 aber 1372852493 Mk. Während ol(o der Gesamtbetrag des Etats in den Jahren 1895 bis 1898 nur um 86 Millionen und 300000 Mk. gestiegen ist, tag die Steuerung in dem nächsten dreijährigen Zeit- in fast 694 Millionen Mark. In etwas gleichmäßigerer Beige stiegen die Matrikularbeiträge; beliefen sie sich 'm Sahire 1895 auf 397V8 Millionen, so waren sie 1898 ichom auf 485V, Millionen (also um 38 Millionen) ge Lieg en, nach abermals 3 Jahren aber auf 527*/8 Millionen (h. |. um 92 Millionen in 3 Jahren). Außerordentliche Dcckungsmittel wurden 1895 gebraucht 1301/4 Millionen, 1898 aber 913/4 Millionen und 1901, nie oben angegeben, 853/t Millionen. Diese Zahlen ge itzchren indessen kein ausreichendes Bild über den außer nrdentlichen Bedarf des Reichs; daS erhalten wir erst durch 'Hedineinanderstellen der Summen, die die Reichsschulden an ,-be n. Im Jahre 1895 betrug die Reichsschuld 1860 Millionen, m Jahre 1898 schon 2246»/* Millionen (Zunahme für drei IM flageigen zu der nachmittag« für bt» Keg erscheinenden Nummer bi« norm. 10 UV Wbkfttaungen spätesten« ebeoM vorher. Jahre 386Va Millionen) und im Jahre 1901 gar 2468 Millionen (also weiteren Zuwachs während dreier Jahre um rund 222 Millionen). Eine Schuldenlast von 2468 Millionen gegenüber einem JahreSetat von 2066 M llioaen ist n cht viel; ja wir können getrost sagen, daß das Deutsche Reich unter den Staaten mit vollständigem Budget noch unerreicht günstig dasteht. Nehmen wir z. B. Preußen, so finden wir neben dem letzten JahreSetat von 2472 Millionen in Einnahme und Ausgabe eine Schuldenmenge von fast drei- facher Höhe, nämlich 6592 Millionen Mark. Hessen hat, wie der Finanzminister Gnauth am Donnerstag ausführte, eine Schuldenlast von 313 049 959 Millionen Mark. Belgien: Etat 453, Staatsschuld 2607 Millionen. Frankreich: Etat 3548, Staatsschuld 30 055 Miüirnen. — Die Höhe unserer Reichsschuld ist es nicht, die zu Bedenken Anlaß gibt, sondern nur ihre rapide Steigerung. Werden doch im neuen Etat allein 400 Millionen Mark gefordert, die durch Anleihe gedeckt werden müssen. In dieser Hinsicht ist, wie wir schon auSführten, größte Vorsicht geboten. Nun ist die Etatsdebatte beendet und Stille wird für kurze Zeit wieder einziehen in die heiligen Hallen des Reichstages. Der Weihnachtsmann mit Aepfeln und Nüssen steht vor der Pforte. Wenn es erlaubt ist, gegen die obrigkeitliche Genehmigung den Anfang Des zwanzigsten Jahrhunderts auf den ersten Tag des kommenden Eismonats zu verlegen und sich, dem alten ehrlichen Adam Riese folgend, noch immer als einen Sohn des neunzehnten Jahrhunderts zu fühlen, so wird man, auch ohne zu den politischen Gourmanos des Herrn v. Bollmar zu gehören, doch nicht umhin können, das Facit zu ziehen: Das alte Jahrhundert hat fein abgeschnitten! Schon die Einleitung zu den großen Debatten der jüngsten Tage, die im natürlichen Laufe der Dinge den Kernpunkt hätte bilden müssen, wenn nicht doch die Gefühle zuweilen stärker wären, als die nüchterne Erwägung, schon die Kritik unserer Finanzverhältnisse bot ein wenig erfreuliches Bild. Selbst der säuselndste Offiztosus konnte es nicht über sich gewinnen, aus dem Bilde, das Herr v. Thielmann zeichnete, Erfreuliches herauszulesen, und die Kritik, die von den einzelnen Parteirednern gefallt wurde, bot bei dem gemeinsamen stark pessimistischen Grundton wahrlich keinen Anlaß, fortan der Zukunft mit sattem Behagen entgegenzublicken. Der Vertreter des Zentrums hat die Finanzlage des Reiches als äußerst unerfreulich hingestellt, und auch Dr. Sattler, der den schönen Satz aussprach, daß die Regierung in ihrer Politik sich Weiynachts-Litteralur. Ludwig Büchner, Kaleidoskop. Skizzen und Wätze aus Natur- und Menschenleben. Mit einem Vorwort: „Zur Geschichte der volkstümlichen Naturforschung" .ton Wilhelm Bölsche. Verlag von Emil Roth in Hießen. geb. 7 Mk. — Ludwig Büchners naturphilo- Icphische Hauptwerke sind in aller Welt Händen. Aber "nie große Lebensarbeit des rastlosen Meisters ist mit ihnen nodti) längst nicht erschöpft. In unerschöpflicher Fülle Huden sich in seinem Nachlaß noch meisterhafte kleinere kliays und Skizzen über die verschiedensten Gegenstände Himmels und der Erden. Alle sind, so schwierig der Stoff sein möge, im edelsten Sinne an das Volk gerichtet und beim Verständnis des schlichten Mannes aus der Menge m j ener unnachahmlichen Art, wie sie eben Büchner eigen har:, angepaßt. Der noch rechtzeitig zu Weihnachten erscheinende Band vereinigt einen bunten Strauß solcher Geiistesgaben des verstorbenen Freidenkers und Volks- slemndes, die kein Verehrer seiner bekannten älteren Lchviften entbehren kann. Neben dem Naturphilosophen kommt hier auch der Mediziner in Büchner zu Wort, her geistvolle Reiseschilderer, der Biograph, der fein gezeichnete Porträts von Zeitgenossen giebt. Es fehlt nicht an politischen Streiflichtern, wie denn kaum eme große ckbuelle Frage der Gegenwart unberührt bleibt. Buchners knaare Freunde erhalten unschätzbare neue Beiträge zum MQMtbilde seiner kühnen, erfolgreichen Persönlichkeit. Ser: aber Büchner bisher nicht kannte, dem bietet das Bucht eineen unerschöpflichen Reichtum sachlicher Aufklärung über die eigene Beit und ihre treibenden Ideen. Der Wert des kamides ist erhöht durch eine in Form eines Vorwortes bWefügte längere Studie aus der Feder des bekannten fopoularisators moderner Naturwissenschaft, Wilhelm kölsche, die eine Entwickelungsgeschichte des Begriffs .Lixolkstümliche Naturgeschichte" giebt. Napoleon I. Revolution und Kaiserreich. Herausgegeben von Dr. I. v. Pflugk-Harttung, Kgl. Archivar am Geh. Staatsarchiv und ordentl. Universitäts- Professor a. D., unter Mitwirkung von General v. Barde- lebcn, Oberst Keim, Oberst v. Lettow-Borbeck, Professor Du Moulin-Eckart, Kapitän z. S. Stenzel. — Berlin. I. M. Spaeth. — Mit Recht sagt der Herausgeber in der Einleitung: „Es giebt nur wenige Gegenstände von solcher Großartigkeit und Wirkung, wie die Geschichte des gewaltigsten Sohnes der Revolution. Viele Verhältnisse, in denen wir heute leben, sind durch seine Willenskraft, durch sein Genie, durch seine erbarmungslose Eisenfaust eröffnet, stehen noch jetzt unter seinem Sterne." Zu der Wichtigkeit des Gegenstandes, der von hervorragenden Kennern bearbeitet ist, gesellt sich eine geradezu glänzende Ausstattung durch nahezu 500 Bilder, unter denen sich eigens für das Werk angefertigte Holzschnitte befinden. Unter diesen nehmen die zahlreichen, scharf gearbeiteten Porträts eine wichtige Stellung ein, sodaß man hier fast alle namhaften Männer und Frauen der Zeit vereinigt findet: ein reicher und dauernder Schatz für den Besitzer. Auch das ist rühmend zu erwähnen, daß sich das Werk ebenso fern vom Vergötterungsstandpunkte hält, als es die Bedeutung seines Helden auch nicht zu verkleinern sucht, sondern daß überall nach geschichtlicher Wahrheit in schöner Form gestrebt ist. Nach alledem können wir das Werk nur empfehlen. Hmnarilttsches. * I» Farbladen. CommiS: „Sie wünschen, mein Backfisch: ^Rate F.rbe" CommiS: „Welche giOa ce, bitte." Backfisch (ve l gen): „Scham t!" („Mst 'chen-r Jugend.") * Tröstlich. Kranker: „Ich had* so'che Angst, Herr P o» fesior. Was fehlt mir b nn ria" ", ?" Professor: „Nur keine Aufregung; die Krankheit wird schon der Totenschein ergeben." Gießener Anzeiger z/^ P /*** Alle Anzeigen-BermittlungSstellen de« In- und AuSlaadtS / VA/IH ÖY A I ■ tVt TT 1 Vl 0 P F nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger entgegto 1 vLF F Zeilenpreis: lokal 12 Pfg., auswärts 20 Pfg. etc. ete. empfiehlt in grösster ■ Die neues belehrende; Gesellschaft Selbstbeschäfögi Hrägn-SiD ZM-M5 ^cuis-MW DLG M KinderOP c. Röhr i per Ps«°d 611' ftiirit fjgllifr N® Miem' V I1 (1^ la franz. Italien. ' fafelros* faielieiö611 Dattel”».; Seine erste Sorge war Geld zu bekommen. Fräulein v. D. schaffte, weil ihr angehender Bräutigam ohne Mittel die Erbschaft nicht erheben zu können vorgab, alles heran, was sie entbehren oder bekommen konnte, zum Teil von ihrer Schwester. Gravenhorst aber wandte sich hinter ihrem Rücken auch an seine Wirtin Fräulein H-, machte ihr schließlich! eine Liebeserklärung und schlug ihr vor, mit ihm nach England zu fliehen, nachdem sie ihre Wohnungseinrichtung verkauft hätte. Fraulein H. ging aber darauf nicht ein, und auch jeder Versuch des Werbers, sie anzupumpen, schlug fehl. Unter der Hand aber knüpfte Gravenhorst noch mit einer Hauptmannswitwe in Charlottenburg, einer Witwe R. und einer anderen Dame an, deren Persönlichkeit noch nicht bekannt ist. Dieser vielfache Schwindel ging so lange gut, bis der Bericht erschien, daß Herr von Gravenhorst vermißt wurde. Nun fanden seine Beziehungen zu Fräulein v. D. einen sehr dramatischen Abschluß. Die Dame trat Gravenhorst entgegen und verlangte Aufklärung. Er machte Ausflüchte und erklärte, daß die Zeitungsmeldung unwahr sei. Plötzlich, lud er vor den Augen der Dame einen Revolver. Fräulein v. D. jedoch, der er früher schon gesagt hatte, er werde noch sie und sich, erschießen, wenn er nicht die Mittel bekomme, die Erbschaft zu regeln, zog nun ihrerseits den Revolver, den sie stets bei sich, trug, und feuerte einen Schuß auf ihn ab, ohne zu treffen. Gravenhorst ließ vor Schreck seine Waffe fallen und entfloh. Seinen Koffer, den Ueber- zieher u. a. m. ließ er zurück. Die Kriminalpolizei verfolgt ihn jetzt, ein Steckbrief ist bereits ausgefertigt. Fräulein v. D. aber wurde verhaftet. Ob sie in berechtigter Notwehr den Schuß abgefeuert hat, steht noch dahin. Die Angaben der Frau Gravenhorst, daß sie von dem Treiben ihres Mannes keine Kenntnis gehabt habe, begegnet Zweifeln. Die Frau ist bereits zweimal vernommen worden. • • Weibliche Rechtsanwälte. Aus Paris wird geschrieben: Bor wenigen Jahren wurde Fräulein Chauvin abgewiesen, als sie im Justizpalast ihren Antrag auf Zulassung zur Anwaltschaft in glänzender Rede vor den versammelten Richtern begründete. Jedoch fand sie vollen Beifall bei den zahlreichen Zuhörern. Inzwischen ist aber ein Gesetz ergangen, kraft deffen Frau Petit den Eid als Anwältin zugleich mit siebzehn männlichen Rechtskundigen ablegen konnte: „Ich schwöre, als Verteidiger oder als Rechtsbeistand, nichts zu sagen oder zu veröffent lichen, daS gegen die Gesetze, Ordnungen, guten Sitten, Sicherheit des Staates oder den öffentlichen Frieden gerichtet wäre, niemals gegen die den Gerichten und Obrigkeiten gebührende Achtung zu verstoßen." Frau Petit erhob dabei ihre schöne, kleine, m't vielen Ringen beschwerte Frauenhand mit einer so anmutigen Bewegung, zog dabei mit der linken Hand den weiten rechten Aermel des AmtS- kleides so gesch'ckt zurück, daß sie allgemein bewundert wurde. Dann machte sie sofort von ihrem Rechte Gebrauch, setzte sich neben ihren Mann auf eine der den Anwälten vorbehaltenen Bänke. Sie ist eine mittelgroße, hübsche Gestalt, blond, und hat das kleine Stumpfnäschen, das als Besonderheit schöner Pariserinnen gilt. Ihren Talar hatte sie mit einer Watteau-Falte aus gestattet und hatte einen höheren Halskragen angelegt, als ihn ihre männlichen Kollegen tragen. Ihr Gatte ist Anwalt, folglich wird sie seine Mitarbeiterin. Nächstens leistet nun auch Frl. Chauvin den Eid. Paris hat dann seine zw«i ersten Anwaltinnen. Aber dann ist es zu Ende. Es giebt keine weiteren weiblichen Rechtskundigen in Frankreich, und auf den Hochschulen keine einzige französische Rechtshörerin. In Paris giebt es an zweitausend regelrecht geprüfte Rechtskundige, wovon die Hälfte in der Liste der Anwaltschaft eingetragen ist. Jedoch üben nur fünf- bis sechshundert wirklich den Beruf als Anwalt aus, und von diesen nehmen etwa zehn jährlich 100 000 Fr. und darüber ein; etwa dreihundert verdienen weniger bis herab zu 10000 Fr. Die übrigen bleiben unter dieser Z ffer, bringen es nur allmählich etwas höher, oder bleiben immer zurück. Biele giebt es auch, die von ihrem Berufe überhaupt kaum leben können. * Ue6er den furchtbaren Skandal im Kleinen Theater zu Petersburg entnehmen wir russischen Blättern folgende Einzelheiten: Der fruchtbare Dramatiker Krylow hat in Gemeinschaft mit einem gewissen Litwin einen Vierakter verfaßt, der in der gedruckten Ausgabe „Die Kinder Israel" heißt. Der littera- rische Verein brachte das Stück unter dem veränderten Titel „Die SchMuggler" im Kleinen Theater am 7. ds. zur Aufführung. Wir befinden uns an der russischdeutschen Grenze. Sarah Goldenweiser, die schöne junge Tochter eines frommen jüdischen Kaufmanns, liebt einen Christen, den Untersuck)ungsrichter Goranin. Das Mädchen kämpft einen schweren Seelenkampf, da es gläubig in den Satzungen der jüdischen Religion aufgewachsen ist. Die Verfasser lassen diesen Konflikt jedoch links liegen und befassen sich mit einer weniger interessanten Episode aus dem Schmugglerleben. Sarah flieht zuletzt aus dem elterlichen Hause und wird vom eigenen Vater getötet. Das Drama ist sehr nüchtern und farblos; trotzdem entfesselte es den Skandal, der in den Annalen der Petersburger Theater einzig dastehen dürfte. Das „Kleine Theater" war brechend voll, und es gährte unheilkündend im Parterre und auf den Gallerten. Kaum war der Vorhang in die Höhe gegangen, so begann ein Pfeifen und Zischen, daß man kein Wort von dem Dialog auf der Bühne verstehen konnte. Alles im Zuschauerraume erhob sich, die Stühle wurden durcheinander geschoben. Der Saal erdröhnte von Pfeifen, Winseln, Gebrüll und Geschimpfe an die Adresse der Verfasser, des Regisseurs und der Darsteller. Der Vorhang mußte herabgelassen werden. Als er sich wieder erhob, flogen gegen die Schauspieler Aepfel, Gurken, Gummischuhe, ja sogar ein Opernglas. Das Publikum protestierte damit gegen den Versuä) einer Judenhetze auf der Bühne. Die Demonstrationen wiederholten sich beim Versuch einer Wiederaufnahme des Stückes und erreichten ihren Höhepunkt, als es sich erwies, daß ty Verfasser Krylow und Efron fein getaufter Jude) in Angriffen auch die Religion Der Juden nicht verschon^ Die leidenschaftlichen Erörterungen, die sich, an den Sb,, dal in der Presse und im Publikum knüpften, zeri», nur zu deutlich, welch, unverantwortliches und frevelhastn Spiel diejenigen betreiben, die nationale Leidenschaft^ durch die Bühne anfachen. Sie hätten sich durch Weigerung der Schauspielerin Jaworsny, einer Polin, noch eines Schauspielers, eine Rolle in dem judenhetzerischen Stück zu übernehmen, warnen lassen sollen. Litwin-Krylow'sche Stück ist bereits in Odessa ausgepsisfe,, in Chersson, Charkow und Jekatarinburg polizeilich verboten worden. Das Pasquill war der kaiserlichen Bühn, zur Aufführung eingereicht, wurde jedoch von Direkt Fürst Wolkonski schroff zurückgewiesen. Kunst und Wissenschaft. " Aus Mainz schreibt man: Als Cyprienne beschloß Frl. Ruhden ihr Gastspiel. Am 11. ds. gastierte Herr Goss Regensburg. Der noch sehr jugendliche Sänger fand nti: seinem Valentin in der Oper „Faust" nur mäßigen Beifall Heute gingen „Die Neuvermählten" in Szene. Das junge Ehepaar wurde von Frl. Schachert und Herrn Bauer ftimrn ungsvoll gespielt. Das darauffolgende entzückende Vers Lustspiel „Durchs Ohr" von Will). Jordan gaben die Damen Schachert, Pflüger und die Herren Brehm nnd Pichon mit prächtiger Wirkung. Handel und KerKrhr. Uolkswirtschssl Mannheim, 14. Dezember. Pfälzer Taba' Die Abhängungen der neuen Tabake nahmen in letzter Zeit ihren Fortgang; das bisherige Wetter war indessen jin die Entwickelung des Gewächses nicht recht geeignet, we> infolge zu gelinden Wetters die erforderliche Auslaugung des Blattes nicht vollkommen möglich war und sich über dies hier und da ein nicht unwesentlicher Bestandteil faule: Blätter zeigte. Der Einkauf der noch bei den Pflanzea lagernden 1900er Tabake setzte sich in verflossener Noch fort. Doch haben einige Orte zum Teil feuchte Wa? abgehängt, von deren weiterer Entwickelung man nicht bei Beste erhofft. In der Rheinpfalz fanden Ankäufe in Heßheim in der Preislage von 27—28 Mk. für 50 Kilo statt Mehr Bewegung war im Einkäufe in der badischen Umgegend. Walldorf setzte Partien zu 24—28 Mk. ab, tu Heißenheim gelangte der größte Teil des diesjährigen (h Zeugnisses zu 24—27 Mk. zum Absätze. Was den Handck mit alten Tabaken betrifft, so konnte sich derselbe aus bescheidenen Grenzen nicht herausbewegen. Im Korber gründe des Interesses standen Einlagesachen wie entrippt-’ Einlagen. In 1898er Einlagesachen kam einiges zu .W bis 39 Mk. zum Verkauf. Entrippte Einlage würbe zu b- bis 71 Mk. gehandelt. Auch 1900er Sandblätter waren ve>. unveränderten Preisen im Verkehr. Rippen haUen em mittelmäßiges Geschäft. Lose feine Sachen bedangen du^ schnittlich 8.75 Mk. und gebündelte Ware zu 12 Mk. Handel mit loser Pfälzer Ware blieb belanglos. Eau äs Cologne ,8Udt Mailand* M* ®iw grell aus ®tofflaI An Das 1 für Konserven I C. G. Kleinl W^. (5ng*tauf $u Ong 8101 Fh. Lüdekisg. H. Kühn, 8120 empfiehlt 7921 Zahn & Nagelbürsten' Nähmaschinen- Nadeln J. Mendelsohn. Bahnhofstraße 39. Lang-Gön», den 14. Dezember 1900. Großyerzogliche Bürgermeisterei Lang Göns. Br ückel. Röthges, drn 1b. Dezember 1900. Großh-rzogliche Bürgermeisterei Röthges. Metzger. B^tuuutmuchung. Der Voranschlag der Gemeinde RöthgeS für das Jahr 1901/>902 üe.it vom 17. d. M. au auf dem Bürgermeisterei'Bureau zur Einsicht tnr Interessenten acht Tage lang offen. beste Qualität in grosser Auswahl empfiehlt die 8106 Löwew-Drogerie, W. Kilbinger. Bekanntmachung. D r Voranschlag der Gemeinde Laug-GönS für da» Jahr 1901/1902 liegt vom 17. 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Probenumrnern verlange man sraii» «Ud franko von der Expedition der Berliner Morg - v Zeitung, Berlin SW. JnsevtiouSpreis trotz der großen Auflage nur 60 Pfg« vro^Zeile^^^ Kkllinkl jMorgrn - ZitW mit den beiden Beiblättern Tägliches fnmilienHott». Illustrierter Wksscmd Feffelnde Erzählungen. Belehrende Artikel aus allen Gebieten, namentlich avS der Haus-, Huf- und Gartenwirtschaft. Sprechsaal. Briefkasten- 160000 Abonnenten! 1 WkilMchts-Kjßchrn « 25, 50 und 100 Stück Gigarren. Wein, Kognak, Punschessenz. Otto Scheel, Sahuhosstr. 5y. rs 8112 । Grosse Auswahl zu billigen Preisen. II. Tichy Seltersweg 43. Die so beliebten echten Nürnbrgr. Lsbkuchen aus der ältesten Lebküchnerei von Georg Goetz-Nürnberg empfehlen zu den billigsten Preisen Heörüder Adami MäuSburg 14. 7607 Bekanntmachung. SDie diesjährige Hauptversammlung hat uns aus den Ueberschüffen pro 1899 wieder Mttjel zur Verfügung gestellt, um im nächsten Sommer eine Anzahl armer skrophulöser Kuder in der Kinder-Heil anstatt zu Bad Nauheim behufs G-brauchs einer Bad kur unter« Jr’JWn zu können. Es ergehe daher an diejenigen Bewohner des Spar« kaffenbezirks Gießen, welche solche kranke Kinder haben, aber selbst nicht in der Lage sind, die Kosten zu bestreiten, dte Aufforderung, sich bet ihiem Pfarramt oder der betr. Bürgermeisterei zu melden. Bei der Anmeldun m ein ärztliches Zeugnis abzu-zeben, m welchem die Notwendigkeit eine, »abcftir bescheinigt sein mutz. Es können auch solche Knder, welch un[ere kosten eine Badekur durchgemacht haben, nochmals be- rücksichtigt werden, wenn dies ärztlicherseits für notwendig erachtet wird . , l *!iry?mtcr un& Bürgern istereten ersuchen wir, uns die eir »^^ldunoen mit den ärztlichen Attesten und einer Besch, niauua ?u,ns?nd^Elofigk.tt der betr.ffenden Eltern bis zum RO.Jaunar ISoi zuzusenden. Später entlaufende Gesuche können nur dann b.ückncht.gt CtT 5e?’*ettl9 ang meldete Kinder ausfallen sollte... - unter 3 Jahren, sowie Knaben über 14 unb Mädchen Über 15 Jahre in die Anstalt nicht ausgenommen werden. Gießen, den 30. November 1900. Direktion des Spar« und Leihkaffeverein» Gießen. Wiener. 7944 Eau de Cologne gegenüber I ; dem Jäliehp/atr. I Präs w WHlt in beliebigen g __8role Sch !SS*' ^schnhe, ~~—____ deut. MMW Wkihmchtsskslykilke 1627 Oefen und Kochherde. Emil Fistor Nachflg., Eisevhavdluug, Telephon 61. 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