M. 242 ErNes Blatt. Dimstaa den 16. Oktober 15». Jahrgang I»»» Gießener Anzeiger monatlich 75 Psg. HF mit Bringerlohn; Henerat-HiMger Bezugspreis vierteljährl. Mk. 2,90 Alle Anzeigen-VermittlungSstellen des In« und Auslandes nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger entgegen. Zeilenpreis: lokal 12 Psg., auswärts 20 Pfg. durch die Abholestellen vierteljährl. Mk. 1,90 monatlich 65 Psg. Bei Postbezug Mk. 2,40 vierteljährl. mit Bestellgeld. Annahme von Anzeigen zu der nachmittags für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis vorm. 10 Uhr. Abbestellungen spätestens abends vorher. Erscheint täglich mit Ausnahme des Montags. Die Gießener Namilienötätter werden dem Anzeiger im Wechsel mit „Hess. Landwirt" u. „Blätter für Hess. Volkskunde" wöchtl. 4 mal beigelegt. Aints- unb Anzeigeblatt für den "Kreis Giessen. Redaktion, Expedition und Druckerei: Kchutstraße Ar. 7. Gratisbeilagen: Gießener Famiiicnblätter, Der hessische Landwirt, Matter für hessische Volkskunde. ■Bf I i■ ■ BattIJXimwu»i>mfW u ii1 'imitt-„r Adresse für Depeschen: Anzeiger Hieße«. Fernsprecher Nr. 51. Amtlicher Heil. Bekanntmachung. Betr.: Maul- und Klauenseuche. In Großenlinden ist in einem Gehöfte infolge Perschleppung aus dem Gehöfte des Händlers Löb Rosenbaum in Hochelheim die Maul- und Klauenseuche ausgebrochen und Gehöftsperre verfügt worden. Gieße«, den 15. Oktober 1900. Großherzogliches Kreisamt Gießen. v. Bechtold. Politische Wochenschau. • Zur Kaiserrede von der Saalburg schreibt bie „Times": Es kann nur e i n Weltreich geben, und in Anbetracht dessen, daß zwei oder drei Staaten Besitzungen haben, die mindestens ebenso ausgedehnt sind, wie jene Deutschlands, könnte die Rede als Bedrohung des Weltfriedens erscheinen, wenn wir sie nicht als ganzes mit Berücksichtigung der Umstände, unter denen sie gehalten wurde, lesen. Richtig erwogen, ist der zwischen 1 den zwei Reichen angedeutete Vergleich vielleicht beruhigend. Man braucht kein Gelehrter wie Mommsen zu sein, um zu verstehen, daß jede Anspielung aus die Vergangenheit sorgfältig geprüft werden muß und die Vorsicht Zufriedenheit mit den bereits erzielten glorreichen Errungenschaften empfiehlt. Das Gebäude, das Anlaß zu den Betrachtungen des Kaisers gab, ist das Denkmal eines Reiches, das, wenn nicht im Verfalle, jedenfalls auf die Verteidigung angewiesen und neuen Abenteuern abgeneigt ist. Es war nicht die Pflicht des Kaisers, den Vergleich weiterzuführen, noch war Anlaß dafür vorhanden. Aber vielen wird es einleuchten, daß auch für das Deutsche Reich mit seiner glänzenden militärischen Vergangenheit die Zeit erschienen ist, das Vollbrachte zu befestigen. Die gegenwärtigen gewerblichen Verhältnisse des Landes haben Probleme geschaffen, die noch nicht gelöst sind. Wir fügen noch einen Bericht über die Aufnahme bei, die die Kaiserredeim Italien gefunden hat. Man schreibt aus Rom: Das Homburger Röm er fest hat im klassischen Lande viel Interesse erregt und ist überwiegend als Zeichen germanischen Strebens nach Römergröße gedeutet worden. Das „Giorno" schreibt: „Ein deutscher Kaiser hat lateinisch einen großen Latinisten geehrt; der greise Gelehrte hat in gleicher Sprache dem Oberhaupte seiner Nation geantwortet, obwohl der große Geschichtsschreiber andere politische Ideale hat. Alles dies ist schön, geistvoll, ergreifend und läßt verstehen, warum Deutschland solche Jugendlichkeit, Kraft und Genialität besitzt. Allgemach machen sich die Anzeichen bemerkbar, daß wir uns der politischen Winterzeit nähern. Auf dem Gebiet der äußeren Politik freilich ist diesmal die tote Zeit überhaupt ausgefallen. Aber auch in der inneren Politik beginnt sich regeres Leben zu entfalten. Die Parteien rüsten sich auf die Reichstagssitzung, und das Partei-Geplänkel, welches den Vorläufer der eigentlichen politischen Kämpfe bildet, ist bereits auf der ganzen Linie entbrannt. Im Mittelpunkt des parlamentarischen Kampfes, dem wir entgegengehen, werden naturgemäß die Handelsverträge stehen, während der Kern desselben wiederum die Getreidezölle bilden, welche schon jetzt zum hestigeff Aufeinanderplatzen der Geister geführt haben. Die eigentliche Schlacht wird freilich erst beginnen, nachdem der so oft angekündigte Zusammentritt des Reichstags endlich zur Thal geworden ist. Die Regierung hatte in dieser Beziehung nicht eilig. Nach den letzten Erklärungen, die freilich schon recht oft gewechselt haben, wird die neue Tagung jedenfalls nicht vor der zweiten Hälfte des November beginnen. An Arbeit und an Stoff und Gelegenheit zu heftigen Debatten wird es dem Reichstag nicht fehlen. Den ersten „großen Tag" dürfte es bei der zu erwartenden China-Debatte erleben, die sich allem Anschein nach zu einer parlamentarischen Schlacht ersten Ranges gestalten wird, da die Regierung sich auf mancherlei kritische Angriffe, vor allem auf einen scharfen Vorstoß von sozialdenlokratischer Seite gefaßt machen muß. Die Hoffnung der Regierung, dem Reichstage in der China- Sache bereits mit einer abgeschlossenen Thatsache kommen zu können, hat sich als unausführbar erwiesen. So schnell sich anfänglich die militärischen Operationen in China vollzogen, so langsam ist der Gang der diplomatischen Verhandlungen, die sich nun schon seit Monaten hinziehen, ohrle vom Fleck zu kommen. Es zeigt sich hierbei nur zu deutlich, daß die meisten Mächte nur mit Widerwillen und der Not gehorchend die Eintracht nach außen hin wenigstens aufrecht erhalten. Die Amerikaner verfolgen die Taktik, auf jede Note einer anderen Macht eine eigene Note zu setzen, sodaß hier allgemach ein recht unfruchtbares Frage- und Antwortspiel entstanden ist. 'Die Taktik der Engländer ist eine andere, aber nicht weniger wirksame. Sie pflegen die Noten der Mächte erst dann zu beantworten, wenn der Gegenstand, um den es sich handelt, Halbwegs erledigt ist. Die Franzosen und Russen pflegen zwar den diplomatischen Noten zuzustimmen, aber sie sind bemüht, dem glatten Fortgang der diplomatischen Verhandlungen aus dem „Verwaltungswege" Schwierigkeiten in den Weg zu legen. Diese Uneinigkeit hat denn auch ihre Wirkung auf die Machthaber in China nicht verfehlt. Bei allem äußerlichen Nachgeben haben sie sich tatsächlich auf eine Taktik des passiven Widerstandes verlegt. Die höfliche Einladung der Mächte, nach Peking zu kommen, hat der Kaiser von China abgelehnt in der Erwägung, daß der Aufenthalt in Singgansu fern vom Schuß für ihn weit angenehmer ist. Daher bieten aua) die Strafedikte des Kaisers Kwangsü nicht die geringste Garantie für seinen oder seiner Ratgeber aufrichtigen Willen, die darin ausgesprochenen Absichten auch wahr zu machen. So rückt denn die Notwendigkeit eines Winterfeldzuges immer mehr in den Be- . reich der Wahrscheinlichkeit. Der Wahlfeldzug in England geht seinem Ende entgegen und sein Ausfall ist so, wie ihn die ihres Sieges sichere Regierung ^erwartet hatte. Der imperialistische Rausch, in den die überwiegende Mehrheit des englischen Volkes verfallen ist, hat sich als stark genug erwiesen, um alle die schweren politischen Sünden zuzudecken, welche das herrschende Kabinett auf dem Gewissen hat. Die Mehrheit der englischen Nation hat durch seine Stimmabgabe bei den Wahlen die südafrikanische Politik Chamberlains gutgeheißen und sich dadurch zu seinem Mitschuldigen gemacht. Ueberraschend kommt die Absicht Spaniens, für sein Heer verhältnismäßig bedeutende Aufwendungen zu machen. Daß Spanien an Eroberungen denkt oder gar an einen Rachefeldzug gegen Nordamerika, daran glaubt wohl kein Mensch. Viel wahrscheinlicher ist es, daß die verstärkte militärische Macht den stets gefährdeten inneren Friedeu des Landes kräftigen soll. Das südafrikanische Kriegsdrama hat nunmehr gerade ein Jahr gedauert, ein Jahr mit seltenen Erfolgen, indem es dem Besiegten unverwelkbaren Lorbeer brachte, während es hinsichtlich des Siegers der Welt die Augen öffnete und ihn tief herabsinken ließ in der Achtung der zivilisierten Welt. Es ist ein wunderliches Verhalten der europäischen Kabinetts, daß sich keine Hand erhoben hat, um diesem Massenmorde an ehrlichen, glaubenstreuen Christen, von einer christlichen Nation verübt, Einhalt zu thun. Man versetze sich einmal in die Seele der angeblich so tief unter uns stehenden Schwarzen, welche einen seltsamen Begriff von der Praxis christlicher Nächstenliebe bekommen haben mögen. - Sitzung des Provinzialausschuffes. ß-r. Gieße«, 13. Oktober. In der heutigen öffentlichen Sitzung des Provinzialausschuffes, die zunächst unter dem Vorsitz des RegierungS- ratS Dr. Wagner und späterhin unter dem des Provinzialdirektors v. Bechtold fiattfand, wurde als erster Paukt das Gesuch des Maurers Heinrich Reuß zu Friedberg um Erlaubnis zur Erbauung eines Ringofens in der Gemarkung Fauerbach verhandelt. Der Kreisausschuß Friedberg hatte dieses Gesuch abgelehnt, wogegen der Gesuchsteller Rekurs verfolgt hatte. Ihm hatten sich eine größere Anzahl von Friedberger Einwohnern und auch die Stadtverordneten von Friedberg als Reklamanten angeschloffen. Bereits in einer früheren Sitzung des Provinzialausschuffes hatte der Gegenstand aus der Tagesordnung gestanden, die Entscheidung war aber ausgesetzt worden, um eine Vervollständigung des Materials über die Frage herbeizuführen, inwiefern eine Ringofenanlage schädlich aus Menschen und Vegetation in der Nachbarschaft einwirke. Zunächst wurde nach Eintritt in die Beweisaufnahme ein Gutachten des Professors Drude-Dresden verlesen. Er erklärte, daß die Rauchgase eines Ringofens auf weite Entfernungen einen Teil der Vegetation schädlich beeinflussen, woran die Errichtung eines 40 Meter hohen Schornsteins wenig ändern könne. Es wurde dann Geh. Medizinalrat Prof. Dr. G afsky- Gießen als Sachverständiger vernommen. Er stellte fest, daß die Rauchgase eines Ringofens weitaus schädlicher seien als aller übrigen Feuerungsanlagen, da sie bedeutende Mengen von Schwefelsäure enthielten, auch infolge ungewöhnlich großer Mengen von Wafferdampf die größte Neigung zur Verdichtung und zum Niederschlagen zeigten. Solche Anlagen seien, namentlich wenn sie in nächster Nähe von menschlichen Wohnungen errichtet werden sollen, mit ö. Eh. genommen werden. burger Orchester, das verstärkte Vereins- orchester, beide unter Direktion des Großh. Univ.- Musikdirektors Güstav Trautmann. Unter Mitwirkung des Akademischen Gesangvereins kommt Händels Messias (19. Dezember) in der Stadtkirche zu Gehör. Als O r ch e st e r w e r k e sind in Aussicht genommen L. v. Beethoven, Eroiten-Symphvnie, G. F. Händel, Konzert in T-dur. I. Ph. Rameau, Ballet- Suite von Felix Mottl bearbeitet. Richard Strauß, Don Juan, symph. Dichtung. P. Tschaikowsky, Sym- phonie-pathetique. Richard Wagner, Tannhäufer- Ouverture. Unter diesen sechs Orchesterwerken befinden sich vier, die für Gießen Novitäten sind, alle sechs aber bezeugen, mit welchem Ernst und musikalischem Können unser Universitäts-Musikdirektor Traut mann das musikalische Leben Gießens führt und emporhebt. Die Künstler haben bisher ihre Programme noch nicht eingereicht, wir werden jedoch auch diese rechtzeitig veröffentlichen. Ebenso lassen wir die nicht vom Konzert-Verein ausgehenden musikalischen Unternehmen in Kürze folgen. An dieser Stelle machen wir gleichzeitig darauf aufmerksam, daß die Verlosung der Plätze in den allernächsten Tagen stattfindet und N e u a n m e l d u n g e n in der Musikalienhandlung des Herrn Ernst Challier entgegen- Atteratur. Frau Gorge. Roman von Hermann Guderrnanrr. 5 0. Auflage Preis kartoniert 4 Mk. Stuttgart, Verlag der I. G. Cotta'schen Buchhandlung Nachfolger G. m. b. H. Sudermanns Erstlingswerk, Roman von der grauen Frau, die an jedes Menschen Wiege steht, hat in den weitesten Kreisen des deutschen Volkes Eingang gefunden Nicht leicht ist ein Menschenschicksal, das in gewissem Sinne das allgemeine Menschenschicksal ist, so eindringlich und ergreifend geschildert worden, wie in diesem Buche. Heiß ringt der Held der Erzählung mit jener „treuesten Hausgenossin", Frau Sorge. Seine Waffen sind unerschütterliches Pflichtgefühl, eiserner Wille, lieber furchtbare Abgründe geht der Weg, doch endlich muß das trübe Gespenst vor dem lichten Feiertage weichen, der auch dem Gequältesten „vom Himmel steigt". Jeder Zeile des Romans spürt man an, daß der Verfasser mit Herz und Seele bet feinem Stoffe war, daß er innerlich Erlebtes nieder» schrieb. Ein Blick in das ergreifende Widmungsgedicht an die alten Eltern, einfache Brauersleute in Szibben bei Heydekrug in Ostpreußen aus der Entstehungszeit des Bucheä bestätigt diesen Eindruck. Er spricht auch aus den Zügen des Jugendantlitzes, womit die gegenwärtige mit besonderer Sorgfalt ausgestattete Jubiläums-Aus» gäbe des Buchs geschmückt ist. Es ist die fünfzigste, und so hat sich glänzend dle Voraussage erfüllt, die dem Werke schon früh von berufener Seite zu teil wurde, daß es eine Siegevbahn durch die l'ilteratur unserer Tage durchlaufen werde. — Interessant ist es übrigens, die Honorare kennen zu lernen, die Sudermann für seine größeren Werke bezogen hat. Er erhielt für die ersten seiner Romane „Frau Sorge" und „Kahensteg" je 3000 Mk., für „Es war" 20 0 0 Mk.; von seinen Dramen brachte ihm die „Ehre" allein mehr als 100 000 Mk. Tantiömen; für das bloße Uebersetzungsrecht zweier Dramen boten ihm englische Vühmn 50 000 Mk. Gießener mustkakische Saison 1900/1901. Dos Gießener Musikleben wird sich, in vorliegender .Saison- in quantitativer, wie qualitativer Weise außerordentlich reichhaltig gestalten. Aber da wirklich nur Gutes, Hervorragendes geboten wird, das Eine dem Anderen, durch weise Verteilung, kein Hindernis bereitet, so ist keine Zeit überladen, trotz des Vielen nirgends ein Z u v i e l. Beginnen wir zuerst mit dem K o n z e r t < Verein, so haben wir gleich über eine Fülle hervorragender Künstler zu berichten, die neben alten bewährten, eine Reihe von Novitäten bringen werden. Der Konzert- Verein hat bereits fünf Abende vollständig fertig gestellt, für vier sogar die Daten festgelegt. Der 4. November, 8 Dezember, 19. Dezember 1900, 13. Januar 1901 ;für das fünfte Konzert ist der Februar vorgesehen, das sechste ist itod.) unbestimmt. Der berühmte Spanier Pablo de ,S a r a s a t e, der eminente Violinvirtuos hat für den 4. November zugesagt, mit ihm und nach ihm sind ebenfalls fest verpflichtet: Klavier, Frau Marie Goldschmidt-Berlin. Gesang, Fräulein HeleneStaege- «r a n n - Leipzig, Sopran. Fräulein Therese Behr- Berlin, Alt. Fräulein Clara Stapel feldt - Frankfurt, Alt. Herr Kammersänger D i e r i g - Berlin, Tenor. Herr Aug. Le im er - Frankfurt, Baß. Ensemble. Das Böhmische Streichquartett: Herren Hofmann, Suck, Radball, Wihan. Orchester: Das Hom besonderer Strenge zu Prüfen, da sie gesundheitsschädlich einwirken könnten. — Der nächste Sachverständige Profeflor Dr. Hansen-Gießen stellte fest, daß die RauchgaSentwickelung den Nadelhölzern sehr gefährlich werden könne, während Laubhölzer, insbesondere auch Obstbäume sich weniger beeinflußbar zeigten. Ob dies gerade bei Ringöfen in die Erscheinung treten werde, lasse sich schwer sagen. Es komme auch sehr auf die Lage des Ofens an, der in einem engen Thale große Zerstörungen unter den Baumbeständen anrichten, dagegen in offener Ebene nahezu unschädlich sein könne. — In seinem Plai- doyer stützte sich der Anwalt des Rekurenten, Rechtsanwalt Grünewald auf das umfangreiche Aktenmaterial über zahlreiche Ringofenanlagen in nächster Nähe von menschlichen Wohnungen und Wäldern, wie z. B. die Gail'scheu Thonwerke in Gießen. Es hätten sich nie irgendwie er- am Grabe, in dem der genannte Text nicht gebraucht wurde. h. Schotten, 12. Oktober. In nächster Zeit werden wieder von dem KreiStierarzte in einer Anzahl Orten des Kreises an Jungvieh Schutzimpfungen gegen Rauschbrand vorgenommen, eine Maßnahme, die seither vom besten Er- solge begleitet war. — Heute wurde hier der Kaufmann Sch. aus Burkhards verhaftet und in das Amtsgerichtsgefängnis abgesührt. Sch. steht im Verdachte, vor einiger Zeit bei einer Schöffengerichtsverhandlung einen Meineid geschworen zu haben. Altenburg, 13. Oktober. Dem „Alsf. Kreisbl." wird geschrieben: Die Alsfelder und hiesigen Schulknaben befinden sich aus dem Kriegspfade. Hie Städter, hie Dörfler! heißt das Kriegsgeschrei der feindlichen Parteien. Die Alsfelder Vorposten stehen bereits in unmittelbarer Nähe unseres Ortes und versetzen die hiesige ABC Schützen- Abteilung in Angst und Schrecken. Die letzteren trauen sich am Nachmittag nicht mehr in die Schule bezw. nach Hause, da der mit Steinschleudern bewaffnete Feind ein scharfes Augenmerk aus die Straße Alsfeld—Altenburg richtet und besagte Schützen zu umzingeln trachtet. Da die Alsfelder ältere, erprobte Streiter zur Wahlstatt entsenden, von denen das Gerücht geht, daß sie keinen Pardon geben, und auf der anderen Seite nur leichte Schützen der ABC- bis msusa-Abteilung stehen, so ist der tragische Ausgang des Krieges nicht zweifelhaft. Immerhin versuchen die letzteren, wenigstens die Landstraße für den Schulbesuch freizuhallen, und es wäre ihnen hierin eine Unterstützung der berufenen Organe wohl zu gönnen. nn. Darmstadt, 14. Oktober. In Anwesenheit des Großherzogs fand am Samstagabend im „Saalbau" vor ausverkauftem Hause die Wohlthätigkeits-Ver- anstaltung zum Besten der i« China verwundeten und erkrankten deutschen Krieger statt. Der Ertrag wird auf ea. 3000 Mt. geschätzt. hebliche Belästigungen von Menschen und Vegetation gezeigt. Zudem könne der § 16 der Gewerbeordnung nur Anwendung fiuden, wenn eine über das Maß hinausgehende Belästigung sicher in Aussicht stehe. Darüber habe aber keiner der Gutachter etwas Bestimmtes festgestellt. In einer Industriestadt wie Friedberg müsse sich aber jeder größere Immissionen gefallen lassen, wie anderswo. — Der Anwalt der, Reklamanten, Rechtsanwalt Windecker-Friedberg, berief sich dagegen aus die Ausführungen der heute ver- nommenen Sachverständigen, und legte dar, daß die Stadt Friedberg, die grade in jener Gegend auch in der vor der Eingemeindung stehenden Gemarkung Fauerbach ein Villenviertel entstehen lasten wolle, sich die Errichtung einer gesundheitsschädlichen Anlage in dieser Gegend nicht gefallen zu taffen brauche, zumal die Genehmigung zum Bau sicher eine Entwertung der Nachbargrundstücke zur Folge haben werde. Das Urteil lautete auf Verwerfung des Rekurses. Der nächste Punkt betraf das Gesuch des Ludwig Gräf zu Gießen um Erlaubnis zum Ausschank von Branntwein im Hause Leihgesterner Weg Nr. 7. Dem Rekurrenten war im vorigen Jahr die Errichtung einer Schankwirtschaft gestattet, dagegen die Erlaubnis zum Branntweinausschank wegen mangelnden Bedürfnisses versagt worden. Ein neues Gesuch hatte der Kreisausschuß vom 7. April 1900 abgelehnt, wogegen Gräf Rekurs verfolgt hatte. Es liegt dazu vor allem eine Aeußerung des Polizeiamts vor, daß jetzt in der Gegend (Leihgesterner Weg) infolge stark vermehrter Bauthätigkeit, auch infolge zunehmenden Besuchs der Arbeiter der Aktienbrauerei, des Bergwerks, der Gail'schen Ziegeleien ein Bedürfnis vorliege. Der Anwalt des Rekurrenten und der Vertreter des Polizeiamts sprachen sich deshalb sür Genehmigung aus. Das Urteil lautete dementsprechend. Sodann wurde verhandelt über das Gesuch des Wilhelm Amend zu Gießen um Konzessionierung eines wetteren Zimmers zum Wirtschaftsbetrieb. Zu diesem Gesuch hat sich daS Polizeiamt Gießen entschieden ablehnend ausgesprochen. Die Verhältniffe in der besagten Wirtschaft machten eine besonders scharfe Aufsicht notwendig; das sei aber bei dem in Aussicht genommenen Zimmer unmöglich, da dieses hinter dem Laden liege, auch keinen besonderen Ausgang nach der Straße habe, auch die Fenster zu hoch lägen, um durch sie beobachten zu können. Dasselbe führte der Vertreter des Polizeiamts in der Verhandlung aus, während der Rekurrent bestritt, daß in seinem Cafß Personen zweifelhaften Rufes verkehrt hätten. Das Urteil lautete auf Verwerfung des Rekurses. In nichtöffentlicher Sitzung verhandelte der Provinzialausschuß dann noch über Kreisstraßenangelegenheiten. Gießen, den 15. Oktober 1900. ** Auszeichnung. Dem zweiten HauptstaatSkaffedirektor Geh. Finanzrat Karl Weil wurde ans Anlaß der Feier seines fünfzigjährigen Dienstjubiläums die Krone zum Ritterkreuz 1. Klasse des Verdienstordens Philipps des Großmütigen verliehen. *• Personaluachrichten. Der Gerichtsassessor S t r i g l e r in Mainz wurde mit Wahrnehmung der Dienstverrichtungen eines Amtsrichters bei dem Amtsgericht Alzey beauftragt. Der Landgerichtsrat bei dem Landgericht der Provinz Starkenburg Heinrich Becker wurde zum Oberlandesge- rrchtsrat bei dem Oberlandesgericht mit Wirkung vom 20. Oktober 1900 an ernannt. Der Amtsrichter bei dem Amtsgericht Darmstadt II., Amtsgerichtsrat Friedrich ? er wurde zum Landgerichtsrat bei dem Landgericht der Provinz Starkenburg und der Amtsrichter bei dem Amtsgericht Offenbach Hermann Welcker zum Landrichter v« dem Landgericht der Provinz Starkenburg mit Wirkung 2m' Stober 1900 an ernannt. Den Amtsrichtern bei dem Amtsgericht Mainz Dr. Eduard Rossi und Jakob *eI 2 * * * * * * 9»toUrbc bcr Charakter als Amtsgerichtsrat erteilt. m zweite Hauptgewinn der Darmstädter Pferde- Äd U/ aXn ?e"pferd mit Sattel und Zaun, » §attgehabten Verlosung aus Nr. 8871 in die Kollekte des Herrn Richard Buch acker Lier Verkehr mit Deutsch-Neu- Guinea, den Marianen, Karolinen Inseln und den Marschall-Inseln finh U/n« • nicht nur Pakete bis 5 Kilogramm sondern auck^s.^" von mehr al- 5 Kilogramm "bi- To Ktto 7amm1u L die auf dem Wege über Bremen und Ja £ ?' sch-» Schiffen befördert werden. An GMhJ fin" -u ent- rtchten, bei Sendungen von 5 bie 10 Kilogramm nach den Karolinen, Martanen, Deutsch-NewGuinea und Palau Inseln: 3 Ml. 60 Pfg.; nach den Marschall Inseln srei bis Joluit gleichfalls: 3 Mk. 60 Pfg., frei bis Sydney sür 3 bis 5 Kilogramm: 7 Mk., für 5 bis 7 Kilogramm- 9 Mk., sür 7 bis 10 Kilogramm: 11 Mk. Postpackete nach Transvaal werden bis aus Weiteres zur Beförderung nicht angenommen, und zwar infolge Unterbrechung der Postverbindung über Lourenzo Marques. ** B r i e s e n a ch dem Ausland. Bei Versendung gewöhnlicher und eingeschriebener Briefe nach dem Auslande werden nicht selten von den Absendern zollpflichtige Gegenstände, Wertgegenstände, sowie im Umlauf befindliche Münzen in die Briefe eingelegt, was im Verkehr mit den meisten Ländern des Auslandes nicht gestattet ist. Da nun für die aus unzulässiger Versendung von zollpflichtigen und sonstigen Gegenständen erwachsenden Folgen lediglich der Absender selbst verantwortlich ist, so empfiehlt es sich, bei vorkommenden Fällen zunächst Erkundigungen darüber einzuziehen, ob die Gegenstände, die zur Versendung kommen sollen, im Bestimmungsland zollpflichtig sind oder nach den gesetzlichen Bestimmungen überhaupt mittelst Brief zur Versendung gelangen können. Nach den bestehenden Bestimmungen ist es im Verkehr mit dem Ausland verboten mit der Post zu versenden: 1) Mustersendungen und andere Gegenstände, die ihrer Narur nach für die Postbeamten Gefahren mit sich bringen oder die Korrespondenzgegenstände beschmutzen oder verderben können; 2) explodierbare, leicht entzündliche oder gefährliche Stoffe, lebende oder tote Tiere und Insekten, soweit hierfür nicht Ausnahmen vorgesehen sind. So können z. B. lebende Bienen zur Versendung mit der Briefpost gelangen, wenn die Bienen in Kästchen verpackt sind, die so beschaffen sind, daß jede Gefahr ausgeschlossen, jedoch eine Prüfung des! Inhalts möglich! ist. Auch naturgeschichtliche Gegenstände, getrocknete oder konservierte Pflanzen und Tiere, geologische Muster re. können mit der Briefpost versandt werden, wenn deren Verpackung den allgemeinen Vorschriften über die Warenproben entspricht und die Versendung nicht zu einem Handelszweck geschieht. — Im .weiteren ist verboten, in die gewöhnlichen und einge- sc' riebenen Briefe nach dem Ausland einzulegen: im Umlauf befindliche Münzen, zollpflichtige Gegenstände, Gold- uud Silbersachen, Edelsteine, Schmucksachen und andere kostbare Gegenstände, aber nur in dem Falle, daß das Einlegen oder die Beförderung derselben durch die Gesetzgebung der betreffenden Länder verboten ist. In Rußland gehören zu den zollpflichtigen Gegenständen auch Drucksachen, Bücher, Broschüren usw. in russischer Sprache, die in Orten außerhalb des russischen Reiches hergestellt find. Nach welchen Ländern es gestattet ist, Gold- und Silbersachen rc. mittelst Brief zu versenden, erfährt man jederzeit am Postschalter. 0 Großen-Lin d en, 14. Oktober. Gestern und heute fand hier im Gemeindehause eine L o k a l - O b st a u s- , st o l lung statt. Diese erste Veranstaltung der Art in unserer Gemeinde ist als überaus gelungen zu bezeichnen. Etwa 50 Aussteller haben sich bereit finden lassen, dazu beizutragen, ein Bild unserer Obstbaukultur zu liefern, dessen wir uns nicht zu schämen haben, und das nach dem Urteil der Preisrichter als vollkommen zu bezeichnen ist. Die Gemeindeverwaltung hatte die nötigen Mittel zur Verfügung gestellt, sodaß das aus den Herren H. Nockstadt, Baumwart zu Rödgen, Landwirt Lenz, Hörnsheim, Kreis- baumwart Heb er er, Heuchelheim, und Obstbautechniker E. Metz, Friedberg bestehende Preisgericht an folgende Aussteller Geldpreise vergeben konnte: G. Hofmann, Joh. Keßler XL, L. Menges L, PH. Schaum, Baumwart Faber, Joh. Muhl, Joh. Weigand, Ludw. Luh I., Ludw. Faber, Schlosser, Gg. Weiß III., Joh. Faber III., Joh. Schmit IV., PH-, Peppler, Ludw. Leun, Ludw. Muhl, Lehrer Hoch, I. Weil III. und H. Dern. Ferner erhielten folgende Aussteller, die teilweise auf Geldpreise von vornherein verzichtet hatten, lobende Anerkennungen für ihr ausgestelltes Obst: Pfarrer Hepding, L. Lang III. Witwe, Joh. Wagner V., Tr. Platz und Apotheker Sador. Ausgestellt waren wenig Sorten Birnen, darunter allerdings hervorragend schöne. Die Auswahl an Aepfelsorten war dagegen überaus reich. Ranstadt, 12. Oktober. Der erste Preis der Frankfurter Pferdelotterie, bestehend aus einem Landauer mit vier Pferden, ist diesmal an einen hiesigen kleinen Landwirt gefallen, der dafür 4900 Mk. ausbezahlt erhalten hat. — Melbach, 13. Oktober. Wie uns von authentischer Seite mitgeteilt wird, ist bei der in Nr. 239 mitgeteilten Beerdigung eines Selbstmörders die betreffende Amtshandlung auf Wunsch des Ortsgeistlichen von dem Pfarrer zu Wölfersheim vollzogen worden. Sie bestand in einem Gebe- Darmstadt, 13. Oktober. Unter außerordentlich lebhafter Anteilnahme wurde heute vormittag die sterbliche Hülle des Finanzministers i. P. August Weber zu Grabe getragen. Unter den Erschienenen bemerkten wir den Flugelahtutanten Major Frhr. v. Röder als Vertreter des Großherzogs, Staatsminister Rothe, Justizminister Dr. Drttmar und den Präsidenten des Ministeriums der Finanzen Gnauth, Divisionskommandeur Frhr. v. Perbandt, Mitglieder und Räte der Ministerien, Stadtkommandant Generalmajor v. Daum, andere hohe Offiziere, den Rektor der Technischen Hochschule Professor Dr. Schering, die städtischen Beigeordneten, sehr zahlreiche Beamte und Bürger. Hinter dem von einer Sanitätskolonne flankierten Leichenwagen, der den unter Blumenspenden fast verschwindenden Sarg barg, schritten zunächst die Anverwandten, die Musik, eine Abteilung der Kapelle des 25. Art. Regts., ein die Orden des Verstorbenen Tragender, sodann der Kriegerverein Darmstadt, dessen Ehrenmitglied der Verstorbene war, mit umflorter Fahne. Am Grabe, das an der westlichen Wand des neuen Friedhofs gelegen, empfing den Trauerzug die Kapelle mit dem „Jesus, meine Zuversicht". Pfarrer Vogel hielt einen liturgischen Begräbnisgottesdienst und gedachte im Gebet des Dahingeschiedenen als hochverdienten Beamten und lauteren Menschen. Sodann traten unter Niederlegung von Kränzen mit Widmung an die Gruft: Oberstleutnant a. D. Cramolini, der namens der Kriegerkameradschaft „Hassia" als deren Vorsitzender sprach, Oberkonsistorial- präsident Buchner, der namens des hessischen Landesvereins vom Roten Kreuz dem Ehrenvorsitzenden und unermüdlichen Vereinsvorfitzenden, dessen Namen in der Geschichte des Roten Kreuzes stets fortleben werde, warme Worte des Gedenkens nachrief, sodann namens des KriegervereinS Hauptmann d. L. Waldecker, der ausführte, den Dahm- geschiedenen habe der Verein mit Stolz zu den Seinigeu gezählt, sei er doch durch seine opferwillige Vaterlandsliebe und seine nie wankende Treue zu unserem Fürstenhause ein leuchtendes Vorbild gewesen; der Verein gelobe, sein Andenken treu zu bewahren und nie ersterben zu lassen. Mit einem Choralvortrag schloß die erhebende Feier um einen treuep Sohn des engeren Vaterlandes, dessen Andenken nie erlöschen wird. Darmst. Ztg. Darmstadt, 14. Oktober. Der Großherzog empfing am 13. Oktober u. a. den Direktor der Feuerwehr in Nidda Vetzberg er, den Postdirektor Wolf von Friedberg, den Geh. Negierungsrat Dr. Braden von Friedberg, den Kreisdiener i. P. Egly von Gießen. Darmstadt, 14. Oktober. In den Räumen der Landes- baugewerkschule finden soeben die Prüfungen derKreiS- bauaufseher-Aspiranten, sowie der Straßenmeister, Bahnmeister, Dammmeister und der Hoch- und Wasserbau- aufseher statt, und 53 Kandidaten aus dem Großherzogtum beteiligten sich an denselben. Die Prüfungen werden von Reg.-Bssesfor Reinherr geleitet, und erstrecken sich auf mündliche und schriftliche Arbeiten. Vorher fand in denselben Räumen eine Prüfung der Gerichtsschreiber- und Gerichtsvollzieher-Aspiranten statt, an der sich 46 Kandidaten aus dem Großherzogtum beteiligten. Diese Prüfung stand unter der Leitung des OberlandeSgerichtSratS Forch und nahm 5 Tage in Anspruch. Vom 15. bis 18. Oktober findet eine Prüfung für Hochbau-, Eisenbahn- und Wasserbaumeister statt, an der sich 40 Kandidaten des höheren Lehrfachs, insbesondere Studierende der technischen Hochschule beteiligen werden. Darmstadt, 14. Oktober. Der Vorstand des h essisch en LandeSoereins vom Roten Kreuz hat in seiner letzten Sitzung beschlossen, bei dem Komitee für die am nächsten Samstag im Saalbau ftattfindende WohlthätigkeitS- Veranstaltung zu beantragen, daß ein Teil des Reinertrags derselben zu Liebesgaben für das Weihnachtsfest unserer Truppen in China verwendet werde. Wer den Krieg von 1870/71 miterlebt hat oder ihn auch nur aus Büchern kennt, weiß, wie sehr unseren vom heimischem Herd entfernt weilenden Soldaten am Heiligen Abend 1870 durch solche Liebesgaben das Gefühl des Zusammenhanges mit der Heimat gestärkt wurde, und welche Kräftigung sie hieraus schöpften für unverdrossene, freudige Weiterersüllung ihrer schweren Pflicht. Diese Mitteilung wird das an sich schon vorhandene große Interesse unserer Bürgerschaft für )ie Veranstaltung gewiß noch erhöhen. Auch anderwärts )at man sich dieselbe Aufgabe gestellt und teilweise bereits, wie in Berlin, zu besonderer Sammlung hierfür aufgeruseu. Hier beabsichtigt man letzteres nicht zu thun; dagegen nehmen die bereits früher bekannt gegebenen Sammelstellen auch hierfür Gaben gerne entgegen. —nn. Darmstadt, 14. Oktober. Die Zimmer- meisterausdemGroßherzogtumHessen hatte« ich heute vormittag zu einer Besprechung per Schäden ihres Handwerks hier im „Kaisersaale" versammelt. Es waren über 100 Meister aus allen drei Provinzen herbeigeeilt, um an dieser wichtigen Versammlung teilzunehmen. AuS Baden war der 2. Vorsitzende des Badischen Verbandes, Zimmermeister Herrmann-Mannheim anwesend. Im Namen des Vorstandes der vereinigten Zimmermeister von Darmstadt, der die Einladung hatte ergehen lassen, begrüßte Zimmermeifter Phil. Spieß die Anwesenden in herzlicher Ansprache und begründete die Einladung mit dem Umstand, haß mau aus der am 10. Juni d. I. in Heidelberg stattgehabten Versammlung süddeutscher Zimmermeister den Beschluß gefaßt habe, in allen süddeutschen Staaten nach dem Vorbilde des Badischen Verbandes Verbände zu schaffen, die sich dann später zu einer einheitlichen Organisation zusammenschließen. Unter dem Vorsitz des Zimmermeisters und Stadtverordneten Ph. Witt- mann wird hierauf ein Bureau gebildet, das außer den beiden Vorsitzenden des Darmstädter Vereins aus folgenden Zerren besteht: 1. für Starkenburg: Ad. Brack-Auerbach, °Joh. Grünig-Pfungstadt; 2. für Rheinhessen: Wilh? Elz-Alzey, Jac. Werum-Budenheim; 3. fürOberhesse n : B. Nuhn-Lollar, H. Füller-Friedberg. Herr Witt- mann geht nunmehr in längeren Ausführungen auf die außerordentlich ungünstige Lage, in die das Zimmerhand- ■teert im Laufe der Jahre durch vielerlei Umstände geraten sei. Als Mißstände bezeichnete er zunächst die vielen meist kleinen Architektenbüreaus, deren Inhaber oft kaum notdürftig ausgebildet, dem .Handwerker den Verdienst wegnehmen, oft auch zum Schaden des Bauherrn; ferner sei bei Holz- und Arbeitslieferungen die A b s ch a f f u n g des tu bischen Maßes notwendig, auch die vielerlei Profil- Vorschriften feien ein großer Krebsschaden. Dagegen sei notwendig, die Einführung von Zeugnissen für die Arbeiter, sowie die Festsetzung der Arbeitslöhne im ganzen Verband. Da die Handwerkerkammern, der fast kein Zimmermeister angehöre, nicht hinreichend orientiert sei, muffe man ihr durch gemeinsame Eingaben die nötigen Hilfsmittel bieten. Hierauf giebt der 2. Vorsitzende des Badischen Verbandes, Zimmermeister G. Her r m a n n, in packender Schilderung ein Bild, wie man in Baden durch gemeinschaftliches Vorgehen die berechtigten Wunsche des Zimmerhandwerks durch Einführung der laufenden Maße, Schaffung von Normalprofilen re. re. erzwungen habe. Er hoffe, daß auch in Hessen durch sofortige Gründung eines Verbandes, wie schon in der Pfalz und Hessen-Nassau, auf dieses erstrebenswerte Ziel hingearbeitet werde. Nach kurzer Diskussion wird die Gründung eines Landesverb -a ri d e s der Z im m e r m e ister im Groß- Herzogtum Hessen beschlossen und alle Anwesenden erklären ihren Beitritt. Als provisorischer Vorstand gilt das seitherige Komitee mit den obengenannten Vertretern der drei Provinzen. König, 13. Oktober. Die Königin von Holland har dem Grasen zu Erbach Schönberg das Großkreuz des Ordens vom Niederländischen Löwen verliehen. — Gestern morgen fuhr die Königin von Holland in Begleitung einer Hofdame nach Kirchbrombach und von da durch das Kinziger Thal zurück. Nachmittags fuhren die Königin und die Königin-Mutter mit dem Erbgrasen und der Erb- gräfin zu Erbach-Schönberg über Forstel nach Hummetrot. Auf dem Rückweg stiegen die beiden Majestäten aus, um mit dem Erbgrasen die Strecke von Etzengesätz bis König zu Fuß zurückzulegen. Außer den Fahrten werden von den Herrschaften täglich kleine Spaziergänge in die nächste Umgebung, so nach dem Karolinentempel, dem Weyprecht- tempel und anderen Punkten unternommen. Wie man hört, sollen die hohen Gäste wiederholt ihre Zufriedenheit über die Schönheiten der Gegend ausgesprochen haben. Offenbach, 14. Oktober. Aus Anlaß der Pensionierung des langjährigen ersten Verwaltungsbeamten unseres Kreises, des Geh.-Regierungsrats Haas, hat der Verein der Bürgerbürgermeister des Landkreises Offenbach die Veranstaltung einer großartigen Ovation als Abschiedsfeier beschloffen, die am 25. Oktober zu Seligenstadt stattfinden und mit einem Festbankett in der Hofrestauration „Zum Frankfurter Hof" schließen wird. Der „Darmst. Tägl. Anz." schreibt dazu: Mit rastloser Umsicht und Thatkraft stand der Scheidende viele Jahre hindurch unter schwierigen Verhält- hältnissen unserem reichbevölkerten Verwaltungsbezirk vor. Aus den verschiedensten Gebieten begegnet man den Früchten seines emsigen Wirkens. Vortreffliche Landstraßen brachten entlegenere Kreisgemeinden mit verkehrsreicheren Plätzen in Verbindung. Viehzucht, Getreide-, Wiesen- und Obstbau, sowie auch die Feldbereinigung rc. machten durch sein Bemühen entschiedene Fortschritte. Schöne Denkmäler seiner Fürsorge für die Heranwachsende Generation fetzte er sich durch die Erbauung geräumiger und praktischer Schulhäuser. Die verschiedensten Bildungsanstalten, namentlich die Volksschulen , die landwirtschaftliche Winterschule, die Haushaltungsschule, die gewerblichen Fortbildungsschulen, fanden in ihm stets einen eifrigen Förderer. Die Krankenhäuser und andere Anstalten sind stumme und doch auch beredte Zeugen seiner vielgestaltigen Sorgen. Aber nicht allein durch seinen regen Amtseifer, sondern auch durch sein allezeit freundliches und liebenswürdiges Entgegenkommen erwarb sich Herr Regierungsrat HaaS unter allen Bevölkerungsschichten zahlreiche Verehrer. Diese werden sich die bevorstehende Ovation nicht entgehen lassen, um ihren dankbaren Gesinnungen gebührenden Ausdruck zu verleihen. Wetzlar, 14. Oktober. Die Mitglieder der hiesigen Handelskammer haben in ihrer ersten, heute nachmittag abgehaltenen Sitzung den Generaldirektsr Kaiser Hierselbst zum Präsidenten der Handelskammer und den Fabrikanten Adolf Neumann zu Bahnhof Wetzlar zu seinem Stellvertreter gewählt. ** Wetzlar, 14. Oktober. In große Bekümmernd ist eine hiesige Familie durch das Verschwinden ihres 13jährigen Sohnes versetzt worden. Adolf Schreier, ein schlanker, kräftiger, schwarzhaariger Bursche mit frischem, roten Gesicht, hat am SamStag dem 6. Oktober, morgens gegen 8 Uhr, mit dem Schulranzen auf dem Rücken die elterliche Wohnung verlassen, um zur Schule zu gehen. Seitdem haben ihn feine Eltern nicht wieder gesehen. Der Junge war mit dunkler Hose, brauner Jacke und hellem runden Hütchen bekleidet. Ein weiteres Kennzeichen ist, daß der Junge beim Sprechen stottert, namentlich dann, wenn er angesehen wird. Die bekümmerten Eltern bitten-jedermann um Nachricht über den Verbleib des Knaben. Auch werden die auswärtigen Zeitungen freundlichst gebeten, diese Zeilen abzudrucken. Nachrichten wolle man an Heinrich Berghäuser, Wetzlar, Neustadt, richten. W. Groß-Rechtenbach (Kr. Wetzlar), 14. Oktober. Gestern nachmittag eröffnete Landrats Amtsverwalter Dr. Sartorius hier im Gastwirt Amend'schen Saale in Gegenwart zahlreicher Interessenten die Obst-Ausstellung des Obst- und Gartenbau-Vereins des Kreises Wetzlar. Die Ausstellung ist überaus gut und reich mit den edelsten Sorten Birnen und Aepfeln beschickt. Ebenso sind wundervolle Trauben zur Ausstellung gebracht. Eine hervorragende Kollektion von Tafel- und Edelobst, wobei selbst Tomaten und Quitten nicht fehlen, hat Dr. Brunner-Wetzlar gestellt. Aus den Gemeinden Hörnsheim, Hochelheim, Groß-Rechtenbach, Ober- und Niederkleen, Eberskleen und Ebersgöns, Stätten, in denen der Obstkullur schon seit 25 und mehr Jahren die erforderliche Aufmerksamkeit gewidmet wird, haben durchschnittlich ganz hervorragende Leistungen gezeigt. Auch das Obst aus den Orten Dutenhofen, Münchholzhausen, Atzbach, Dorlar usw. läßt erkennen, daß man dort mit Eifer bestrebt ist, es auf diesem Gebiete den Nachbargemeinden gleich zu thun. Die Ausstellung war auch heute trotz der Ungunst des Wetters überaus gut besucht, ein Beweis, wie großes Interesse die ländliche Bevölkerung der-Obstkultur entgegen bringt. Breitenbach(KreisWetzlar), 14.Oktober. Metier einenschier unglaublichen Fall von religiösem Wahn ist von hier zu berichten. Das Dorf wird von einer ziemlichen Anzahl Frommer bewohnt. Eine Familie, bestehend aus der Mutter, zwei erwachsenen Töchtern und einem Sohn, setzte es sich in den Kopf, in den Himmel fahren zu wollen. Sie bereiteten sich durch Fasten, Beten und sonstige fromme Ueb- ungen gehörig vor, dann verschenkten sie ihre bewegliche Habe, schnitten sich die Haare ab, und erwarteten das Zeichen zur Auffahrt. Der Schäfer des Dorfes, der um die Sache wußte, wollte denn auch einen hellen Schein über dem Haufe wahrgenommen haben, und verbreitete die Mär von der vollbrachten Himmelfahrt. Befonncnere Nachbarn, die durch das Brüllen des hungernden Viehes aufmerksam gemacht waren, fanden die vier Himmelsahrcr gänzlich erschöpft und völlig entkleidet zusammen in einem Bette liegend in einer verschlossenen Dachkammer vor. Kirchhain, 14. Oktober. Gestern wurde auf hiesiger Herberge ein Handwerksbursche namens Winter verhaftet. Er soll am Raubmord beteiligt gewesen sein, der an dem Schuhmachergesellen Heinrich Schmidt aus Sontra, im August d. I. im Kloppenh ei mer Wald bei Großkarben verübt worden ist. Der Verdächtige wurde in das hiesige Amtsgerichtsgefängnis abgeliefert. Aus -em Oeschüstsleben. Prämiierung. Dr. med. Theinhardts „Hygiama" Und »Lösliche Kittdernahrung", welchen auf den diesjährigen Ausstellungen in Leipzig und Prag die höchste Auszeichnung zuteil wurde, sind auch jetzt wieder in Zwickau mit der „Goldenen Medaille" bedacht worden, ein gutes Zeichen dafür, daß sich diese wertvollen Nähr- und diätetischen Heilmittel auf der Höhe erhalten haben, die sie schon bei ihrer Einführung vor 10 Jahren einnahmen. Markus Bauer Spezial-Geschäft in feiner Herren-Garderobe. Anfertigung nach Maß in eigener Werkstätte. Gießen, Airchenplatz u- 6188 Städtischer Arbeitsnachweis Gießen Garterrftruid« 2. 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Schmidt, Gr.-Linden ... 24 Pfg. W. Weitzel von Lang-GönS . 24 Pfg. W. Steinmüller, Lang-Göns . 24 „ W. Fabel von Wieseck ... 24 „ 6. Post von Wieseck . , . . 26 „ „ 2 Kilogramm (4 Pfund) Weißbrod bei: L. Schmidt, Großen-Ltnden . 48 Pfg. W. Weitzel von Lang-Göns . 48 WNh. Fabel von Wieseck . . 48 „ W. Stetnmüller, Lang-Göns . 48 L. Steinmüller, Großen Linden 48 „ C. Post von Wieseck .... 52 o m 1 Kilogramm (2 Pfund) Schwarzbrot) bet: & ®wBe»’8inben . 22 Pfg. W. Weitzel von Lang-Göns . 22 W. Stetnmüller, Lanq-Göns . 22 „ Q ffiu Ql ? Kilogramm (4 Pfund) Schwarzbrod bet: aS* - r Bumsb: s BÄ Psg w Psö Psg. Psg. Der Brodverkänfer. Bet den hiesigen Brodverkäufern bestehen dieselben Preise wie bei den hiesigen Bäckern. Gießen, den 13. Oktober 1900. Großherzoglicher Polizeiamt Gießen. Hechler. Alice-Kochschule. Mittwoch des 17. Oktober besucht die Lehrerin, Fräulein Nenner, mit Schülerinnen des Kochkursus die Kochkunst Ausstellung in Frankfurt a. M. Frühere Schülerinnen des Kochkursus können sich daran beteiligen und werden Anmeldungen von Fräulein Renner angenommen. 6763 Arbeitsverdingung. Die Lieferung der Bauarbeiten zum Neubau eines zweiklassigen Schulgebäudes mit zwei Lehrerwohnungen für die Gemeinde Wald, girmes, als: 1. Erdarbeiten, 2. Maurerarbeiten, 3. Steinmetzarbeiten, 4. Trägerlieferung, 5. Dachdeckerarbetten, 6. Spenglerarbeiten, 7. Tüncher- u. Anstreicherarbe'cken, 8. Schreinerartieiten, 9. Glaferarbeiten, 10. Schlosser- u. Schmiedearbeiten, 11. Brunnenarbeiten (zu 2, 3 und 5 bis 11 mit Materiallieferung) soll im Submissionswege verdungen werden. Preisangebote auf vorgeschriebenem Formular sind in verschlossenem Couvert mit entsprechender Aufschrift bis Moutag den 22. d. M., nachmittags 2 Uhr, bei der Bürgermeisterei atizugeben. Zeichnungen und Bedingungen sind a. f drin Bureau der Bürger» metfterei, sowie in Gießen bei dem Architekten Gust. Hamann, Bergstraße 11, einzufehen. Angebotsformulare find auf genannten Burcaus gegen Erstattung der Kopialgebühren erhältlich. Zuschlagsfrift 14 Tage. Waldgirmes, den 12. Okt. 1900. Der Bürgermeister. ________Bernhardt. 6750 Die Herstellung von etwa 18000 qm Basalt-Reihenpflaster und die Lieferung von rd. 1800 obm Basaltpflastersteinen 2. Sorte, die Lieferung gegebenenfalls auch geteilt, soll am Samstag dem 80. Oktoder 1000, vormittags 11 Uhr, bet der Unterzeichneten öffentlich vergeben werden. Bedingungen und Angebotmuster können von dort gegen post- und bestellgeldfreie Einsendung von 3 Mark bezogen werden. Angebote sind mit der Aufschrift „Pflasterung auf Bahnhof Gießen" tiereben bis zum genannten Termin postfrei einzusenden. 6727 Gießen, den 11. Oktober 1909. Großh.Hess.Eisenb -Betriebs-Inspektion 1. Submission. Für die psychiatrische Klinik soll die Lieferung von: 5 Ctr. gute Taseläpfel, 300 „ Kartoffeln, 10 „ Weißkraut auf dem öffentlichen Submisstons, wege vergeben werden. 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