Sonntag den 16. September 150. Jahrgang 1900 Drittes Blatt. Gießener Anzeiger General-Anzeiger Amts- und Anzeigeblatt für den Ureis Gietzen. e*e«|»4 M lejtigra zu tet „chmittias ffc tee gliyl i» Wßchckmuteu 9himewr M hob. N Wr. 3**B*r e. Oe M MteflWmtte- 5M4K. 4 wt tefctfeft. «< La-rigen.Bermittlimz-ßeN«, te- A«. nutz ratet «rhmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger eutgeGM, Zeilenpreis: lokal 12 Pfg., auSwärtt 20 Pf«. Kejagspret» vterteljahrl. Mk. »M monatlich 75 P^. mit Bringerlotznj durch die AbholeßeGM »ierteljährl. Mk. IM monatlich 65 Pßz. Bei Postbezug Mk. 2,40 vierteljäßÄ mit Bestellgeld. K». 217 tegklch «it de« Die Sich«« 9ramt«l(iH(t Sterte« tee Anzeiger Btrtlira, AtzteteNo« und DruAevet: Nr. 7. Graüsdeüsgm: Gießener FamAendtütter, Ker hrWchr Landwirt, _______ KStter Mr tzeMche ValkÄmnde. Ldre-e für Depesche«: £«sei«et -teßtete Fernsprecher Nr. 5L Die Wirre« in China. Unser Berliner Mitarbeiter schreibt uns: „Entgegen der Meldung der „Daily Mail", nach der Rußland keine Anstalten zur Räumung Pekings treffen werde, weil nur Frankreich als einzige Großmacht dem russischen Vorschlag ohne Vorbehalt zugestimmt habe, können wir aus Grund unserer hier eingezogenen Erkundigungen berichten, daß nach Ansicht hiesiger Kreise Rußland an seiner Räum- ungSidee genau so bestimmt festhält, wie Deutschland und England sich gegen die Zurückziehung der Truppen aus Peking erklärt haben. Auch der aufrichtige Wunsch Rußlands, die Einigkeit unter den Mächten zu erhalten, wird hieran nichts ändern. Man nimmt an, daß auch Rußland, ebenso wie Amerika, Lihungtschang als offiziellen chinesischen Friedensunterhändler anerkennen und daß Frankreich sich auch hierin Rußlands Ansichten anschließen werde. Wenn nun auch Rußland, Frankreich und vielleicht sogar Amerika die Truppen aus Peking zurückziehen und die kriegerischen Maßnahmen in China einstellen sollten, während England, Japan und Deutschland auf der militärischen Besetzung Pekings bestehen würden, so wäre die Sicherheit des europäischen Friedens noch lange nicht gefährdet. Deutschland wird gerade jetzt, nachdem festgestellt ist, daß Freiherr von Ketteler auf höheren chinesischen Befehl ermordet worden ist, die volle Strenge walten lassen und sich nur mit einem Frieden einverstanden erklären, der eine volle Sühne für das scheußliche Verbrechen und die weitestgehende Garantie dafür bietet, daß die Deutschen in China genau so unbehelligt leben können, wie die Chinesen in Deutschland. Daß diese Prinzipien von allen beteiligten Mächten als unbedingt erforderlich anerkannt werden, steht außer allem Zweifel. Jede Macht hat das größte Interesse daran, daß ihre Unterthunen auch nn fremden Lande geschützt sind. Wenn auch die Ansichten über die Wege, die zu diesem Ziele führen, verschieden sein mögen, das Endziel des Vorgehens in China ist bei allen Mächten das gleiche und es ist deshalb geradezu thöricht, von einer Gefährdung des europäischen Friedens zu reden, die angeblich durch die chinesischen Wirren herbeigeführt werden könnte." Die „Post" schreibt: Welche Folgerungen sich für die. deutsche Politik aus der Pekinger Meldung ergeben, daß der Mörder des deutschen Gesandten sich in der Gewalt der deutschen Truppen befinde und erklärt habe, „auf höheren Befehl" gehandelt zu haben, läßt sich zurzeit noch nicht sagen, da zuvor nähere Mitteilungen abgewartet und namentlich der Mörder auch mit jenen Personen konfrontiert werden muß, die sich während des Mordes in der Nähe des Freiherrn v. Kettler befunden haben. In Berliner politischen Kreisen schenkt man, der „Kreuzzeitung" zufolge, der Nachricht von einem russischen Ultimatum an China keinen rechten Glauben und möchte sie lieber als eine unbegründete Ausstreuung Li- Hung-Tschangs betrachten. Auch die Wiener „Pol. Korresp." konstatiert, daß an amtlichen Stellen, die unbedingt Kenntnis davon haben müßten, von einem Ultimatum Rußlands an Li-Hung-Tschang absolut nichts bekannt ist. Ein Telegramm aus Schanghai berichtet, daß Li- D^^ll^Tschang nach Peking abgereist ist. Em Telegramm aus Tientsin meldet, daß dieFriedens- der Vertreter der Großmächte that- sachlich mrt dem Prinzen Tsching begonnen haben. Der Prinz unterbreitete den Gesandten ein Programm über die ven Großmächten zu machenden Konzessionen. Die chine- srsche Regierung schlage vor, mehrere Provinzen in Pufferstaaten umzuwandeln, die Führer der Borer zu bestrafen und außerdem Rußland Zugeständnisse im Norden zu wachen. Wie verlautet, weigert sich der deutsche Vertreter, mit dem PrinzenTsching in Unterhandlungen zu treten. Der „Times" (wohlgemerkt: einem Blatte, das spezifisch englische Anschauungen vertritt!) wird aus Peking vom 4. September gemeldet: Rußland beschloß, die Gesandtschaft ausPeking zurückzuziehen und nur Militär dort zu lassen. Die anderen Mächte dürften diesem Vorgänge folgen und Peking nur unter gemeinsamer Militärkontrolle der Verbündeten belaffen. Bei der letzten Konferenz erklärte der russische Kommandeur, Rußland werde 15000 Mann dort überwintern: der deutsche Kommandeur erklärte, Deutschland sei bereit, ebensoviel dort zu lassen; der japanische General stellte die Belassung von 22 000 Mann in Aussicht. Prinz Tsching traf in Peking ein nach einer Audienz beim Kaiser lenseits der großen Mauer. Die Kaiserin behielt seinen Sohn als Geisel. Nach Meldungen aus Taku vom 13. d. MtS. herrscht in Peking vollständige Ruhe; die geflüchteten Einwohner kehren zurück. Die Russen sangen an, die Gesandtschaften zu räumen, und wegen angeblicher Verpflegungsschwierigkeiten den Abzug der Truppen vorzubereiten. Der Kaiser von China habe Partingfu zu seiner provisorischen Residenz gemacht, der Hof sei aber bereit, nach Shanghai zu flüchten, wenn die Umstände dies möglich machen sollten. Ueberraschend ist demgegenüber folgende Meldung aus Konstantinopel vom 14. September: Das russische Schiff „Harbain" hat als viertes Schiff innerhalb drei Tagen mit 1000 Mann und 24 Geschützen an Bord den Bosporus auf der Fahrt nach China passiert. Eigentümlich berührt auch angesichts der Haltung Deutschlands und des vollständig der deutschen Politik zustimmenden Verhaltens Oesterreichs folgende Meldung aus Rom: Admiral Candiani befahl den italienischen Truppen in Nan-Tsai-TsinQuartier zu nehmen, um eine „Anhäustmg von Truppen in Peking wegen der dort herrschenden Teuerung zu vermeiden". In der „North China Daily News" liegt die seinerzeit kurz mitgeteilte Angabe des Reitknechts des Herrn v. Ketteler über den Verlauf der Dinge in Peking und die Ermordung des deutschen Gesandten vor. Dieser Reitknecht hatte Peking am 9. Juli verlassen und erzählt, Dunglu sei anfangs den Boxern entgegengetreten, am 23. Juni aber habe er mit Tungfuhsiang gemeinsame Sache gemacht und sich an dem Angriff auf die Gesandtschaften beteiligt, Tung habe vom Tschienthore und Dunglu vom Haitethore aus angegriffen. Der Reitknecht begleitete die Herren v. Ketteler und Cordes am 20. Juni auf dem Wege zum Tsungli-Darnen. Der Gesandte habe eine Büchse in der Hand gehalten und sich in einer Sänfte tragen lassen. Als sie sich dem Damen näherten, sahen sie chinesische Soldaten mit Gewehren. Der Reitknecht, der vorausgeritten war, hörte einen Schuh und als er sich umdrehte, sah er, wie der Gesandte verwundet war, die Büchse aber noch in der Hand hielt. Der Reitknecht galoppierte dann voraus zu dem Damen und machte den dort versammelten Ministern von dem Vorgefallenen Mitteilung. Als er mit den Kulis zurückkehrte, traf er eine Abteilung deutscher Seesoldaten, die gerade angekommen waren. Von dem Gesandten fand er keine Spur mehr; der Dolmetscher Cordes wurde in der belgischen Gesandtschaft verwundet aufgefunden. Nach Meldungen aus Kiating und Siufu int Westen der Provinz Szetschuan wurde dort Ausländern gehöriges Besitztum ausgeplündert und niedergebrannt. In Siufu wurden alle Ausländer aufgefordert, sich unter behördlichen Schutz zu stellen. Aus Taku wird gemeldet: Bald nach der Einnahme von Peking hatten sich die in Peking und in der Nähe von Peking befindlichen chinesischen kaiserlichen Truppen zurückgezogen, die Boxer blieben aber um Tientsin herum. Die Einwohner von Tschenghai südlich von Tientsin haben nun die provisorische Verwaltung gebeten, 1000 Mann japanischer Truppen zur Unterdrückung der Boxer zu schicken. Darauf verliehen am 8. September die Alliierten in der Stärke von 3000 Mann Tientsin, um gegen die Boxer vorzugehen. Gerüchtweise verlautet, der Generalgouverneur von Tsitsikat habe sich vergiftet. Nach Aussage von Gefangenen soll der chinesische General Pao im Kampfe mit den Russen bei Jackschi getötet sein. Ein Brief des „Temps" aus Tientsin stellt fest, daß nach der Einnahme der Chinesenstadt die deutschen Truppen die einzigen waren, die sich streng der Plünderung enthielten, wie sie denn überhaupt während der ganzen kritischen Zeit sich nicht allein durch ihre Tapferkeit, sondern auch durch ihre Manneszucht hervorthaten. Aus Taku wird telegraphiert: Der Typhus fall, dem der Hauptmann Frhr. v. Rheinbaben am 3. September erlag, steht völlig vereinzelt da. Der verstorbene Offizier war schon auf der Ausreise krank. Das deutsche Truppentransportschiff Valdivia hat am 13. September Gibraltar passiert. Die in Marokko ansässigen Franzosen haben bem' französischen Gesandten in Tanger 5000 Pesetas für verwundete und kranke Soldaten in China übergeben. Nach den jetzt in Paris eingegangenen Berichten des Obersten Pelacot über die Kämpfe um Tientsin am 11. und 13. Juli betrugen die französischen Verluste 30 Mann tot, 142 verwundet. * * * Telegramme des Gieherrer Anzeigers. Berlin, 15. September. Der österreichisch-ungarische Geschäftsträger Dr. v. Rosthorn in Peking erklärte in einem Interview, die chinesische Regierung habe am 49. Juni den Gesandten eine formelle Kriegserklärung überreicht mit dem Bemerken, die Einnahme der Taku-Forts sei Europas Kriegserklärung gewesen und werde als solche von China acceptiert. Daher müßten die Gesandten binnen 24 Stunden abreisen. Zwei Noten an das Tsung li Damen blieben unbeantwortet. Am 20. Juni sagte Freiherr v. Ketteler: „Ich muß ins Tsung li Damen gehen, weil die deutsche Regierung eine schnelle Erwiderung verlangt." Die andern Gesandten blieben zurück. Eine Viertelstunde später meldeten fliehende Diener Kettelers Ermordung. Cordes sah ihn von Soldaten Tung- fuh-siangs erschießen. Darnach hielten die Gesandten den Kriegszustand für perfekt. Am selben Tage wurde die österreichische Gesandtschaft niedergebrannt. Zuweilen herrschte Waffenstillstand, wobei die Chinesen ihre Toten begruben. Dr. v. Rosthorn erklärte, durch den Tod Kettelers wurden die andern Gesandten gerettet. Berlin, 15. September. Wie mehrere Blätter melden, hat das Reichspostamt die Zulassung von Privat- Päckereien an unsere Truppen in Ostasien beschlossen. Die amtliche Bekanntmachung soll baldigst erfolgen. — Von vorzüglich unterrichteter Seite wird die Nachricht als durchaus unzutreffend bezeichnet, daß die Entsendung eines neuenTruppen-TransportesnachiChina ihrer Verwirklichung immer näher rücke, daß von allen tropendienstfähigen Offizieren sämtlicher Waffengattungen, auch denen des Beurlaubtenstandes bis zum 15. Oktober ein genaues Verzeichnis einzureichen sei und daß jeden Tag eine bezügliche Ordre des Kaisers zu erwarten stehe. Thatsächlich handle es sich nur um Vorbereitungen, damit der Nachschub bereit gestellt werden könne, der entweder durch Okkupation Petschilis oder durch kriegerische Begebenheiten erforderlich werden könnte. Von der Bildung neuer Cadres verlaute nichts. Die Ziffer der überzählig gebliebenen Mannschaften, die sich bisher freiwillig gemeldet, soll sich auf mehr als 100 000 belaufen. Kiel, 15. September. Nach den neuesten Bestimmungen gelangt der in der vorigen Woche sistierte große Munitionstransport nach China nun dennoch zur Ausführung. 48 Waggons sollen von Kiel nach Bremerhaven abgehen. Man hat sogleich mit der Verladung begonnen. — General-Major von Höpfner meldet: Am 28. August ist der S e e s o l d a t B r a u n s von der zweiten Kompagnie des 1. See-Bataillons an Disenterie gestorben. Am 27. August ist der Seesoldat Sand- kühler von der ersten Kompagnie desselben Bataillons im Peiho ertrunken. D anzig, 15. September. Heute früh ging bet zweite Munitionstransport für China mittels Extrazuges von hier ab. London, 15. September. Die heutigen Morgenblätter Drücken ihre Unzufriedenheit über die Haltung Englands in der chinesischen Angelegenheit aus und sind der Ansicht, daß England eine allzu kleine Rolle im europäischen Konzert spiele. Sie verlangen eine Vermehrung der englischen Flotte in den chinesischen Gewässern. „Morning Poft" bemerkt, daß Salisburys Politik in der chinesischen Frage niemals sehr hervorragend gewesen sei. „Daily Mail" erklärt, daß man in England nicht ohne Besorgnis sei über die Fortdauer der Landung fremder Truppen im Dangt- se-Gebiete, das bisher ausschließlich als unter englischem Einfluß stehend betrachtet wurde. Die Großmächte wollten durch die Landung beweisen, daß der europäische Einfluß und nicht der englische in dieser Gegend vorherrschen müsse. Frankreich und England hätten dagegen keine Truppen in Sch an tun g gelandet, um die deutsche Empfindlichkeit in dieser Gegend nicht zu verletzen. Das Blatt schließt mit der Aufforderung, die Regierung möge in kürzester Zeit eine unzweideutige Erklärung ihrer Politik veröffentlichen. London, 15. September. Der „Daily Mail" zufolge ist die Antwort Englands auf die russischen Vorschläge gestern nach Petersburg gesandt worden. Dieselbe soll in höflichen Worten gehalten sein, jedoch absolut negativ lauten. Shanghai, 15. September. Li-Hung-Tschg>ng besuchte ftente borgen den deutschen Gesandten Dr. Mumm von Schwarzenstein. Die Unterredung dauerte 35 Minuten. Zugegen war nur der Dolmetscher Legationsrat Freiherr von der Goltz. Die Unterredung wurde durch russische Vermittelung zu Stande gebracht. Der Krieg in Südafrika. Aus dem jetzt vorliegenden Berichte Roberts' vom 12., dem ersten nach seiner Rückkehr aus Pretoria zur Front, ergiebt sich mit Klarheit, daß der Widerstand der östlichen burischen Abteilungen nicht schwächer geworden ist. Allerdings ist ihnen das Gelände außerordentlich günstig. Pole-Carew war am 12. erst bei der Station Nooitgedacht und beabsrchtrgt am 13. ds. nach Station Goodman vorzurucken'. und schützte Pole-Carews rechte Flanke. Er konnte von da aus mit French, der noch weiter südlich operiert, durch Signale Verkehren und meldete Roberts, daß French am Morgen des 12. in ein heftiges Gefecht verwickelt sei, und daß er selbst ihm zur Hilfe eile. French hatte am 10. den Komatisluß bei Slomoslot überschritten und war in das Gebirgsland westlich von Barberton eingerückt. Montag und Dienstag hatte er keinen Widerstand gefunden, dagegen Mittwoch morgen. In seinem Berichte vom 13. ds. aus dem Hauptqartier Machododorp meldet Roberts nichts von dem Fortgänge dieser Operationen. Buller hatte am 11. die Kreuzung der Wege von Osten und Süden beim Spitzkvp erreicht. Die Buren, die ihm gegenüberstanden, schienen fick) geteilt zu haben: ein Teil schien nach Nelspruit, also in südöstlicher, der andere durch die Sahiedrift in nördlicher Richtung abgezogen zu sein. Jan Hamilton war wieder zu Pole-Earew beordert worden, er hatte die Farm Helvetia am 12. erreicht und sollte am 13. nach Watervalonder gehen. Nach dem letzten Berichte Roberts vom 13. meldet Buller, daß seine Truppen den S p i tz k o p vollständig in Besitz genommen haben. Er fand dort Mundvorrat der Buren im Gesamtgewicht von 300 000Pfund und zwar hauptsächlich Reis, Zucker und Kaffee sowie 300 Kisten mit Munition. Trotz des Vordringens Bullers ist die Gegend zwischen Lyden- burg und Machododorp keineswegs frei von Buren. Roberts muß vielmehr wieder von einem „unangenehmen Zwischenfall" Melden, der sich hier abgespielt hat. Ein Jngenieurzug unter Leutnant Meyrick, berichtet er, der unter einer Bedeckung vom 19. Husaren-Regiment entsandt worden war, um die Telegraphenleitung zwischen Machododorp und Lydenburg wiederherzustellen, wurde in der Nähe des Punktes, wo die Straße über den Krokodilfluß führt, angegriffen. Leutnant Meyrick und ein Korporal wurden verwundet. Alle Ingenieure kehrten in das nächstgelegene Lager zurück; aber von der Bedeckungsmannschaft hat man keine Nachricht. Schlimm für die Buren ist, daß sie ihren Botha zur Zeit entbehren müssen. Botha ist nämlich, wie Roberts gleichfalls berichtet, durch Krankheit gezwungen worden, sein Kommando an Viljoen abzugeben. Da ist in der That ein größerer Verlust für die Buren als die Wegnahme eines Teiles ihrer Vorräte. Von den Vorgängen im westlichen Transvaal berichtet Roberts: General Hart nahm am 11. September Potchef- stroom wieder ein, indem er die Buren durch einen Handstreich überrumpelte. Eine Privatdepesche aus Lissabon bestätigt, daß Präsident Krüger sich in Lourenzo Marques befindet und bereit ist, sich nach Europa zu begeben. Er betrachte sich noch immer als Präsidenten einer unabhängigen Republik und nicht als ein Ausgewiesener. Er Mill den letzten Versuch machen, um die Staatsoberhäupter Europas persönlich zu veranlassen, zu Gunsten der Unabhängigkeit der südafrikanischen Republiken einzutreten. — Ein Telegramm aus Kapstadt berichtet, daß Lord Roberts eine Proklamation erlassen hat, worin er den Buren die Flucht Krügers mitteilt und ihnen klar macht, daß jeder Widerstand unnütz sei. Die Truppen des Generals Botha seien umzingelt und ihre Gefangennahme sei nur eine Frage weniger Tage. Telegramme deS Gieheuer Anzeigers. London, 15. September. Aus Lorenzo Marquez wird gemeldet: Es ist dem Präsidenten Krüger untersagt worden, den Besuch der Beamten Transvaals, die ihn aus der Flucht begleiteten, zu empfangen. Rom, 15. September. Das Blatt Capitale meldet, daß der holländische Konsul in der DelagowBai seinen Kollegen in Messina telegraphisch ersucht hat, dort eine Villa für den Präsidenten Krüger zu mieten. 2. Armeekorps v. Langenbeck das Großkreuz des Roten Adlerordens mit Eichenlaub. — Ueber die Frage, ob General'Major von Liebert nach Afrika zurückkehren, oder eine anderweitige Verwendung finden wird, ist nach der „Krzztg." eine Entscheidung noch nicht getroffen. — Der nationalsoziale Pfarrer a. D. Naumann oll neulich aus einer Zusammenkunft in Vieselbach im Großherzogtum Sachsen-Weimar seinen Getreuen den Rat gegeben haben, überall da, wo sie eigene Kandidaten nicht mrchbringen könnten, für die der Sozialdemokratie einzutreten. Leipzig, 14. September. Eine Broschüre mit dem ensationellen Titel: „Meine Beziehungen zu Seiner Majestät Kaiser Wilhelm II. Aufklärung über den ^önigSmord in Italien, die DreysuSaffaire im Lichte der Wahrheit" von W. C. Elisabeth geschiedene Gräfin von Wedel-Bsard, Verlag von Cäsar Schmidt in Zürich, ist auf Veranlassung einer auswärtigen Behörde, da der Jn- )alt der Schrift gegen § 95 des Reichsstrasgesetzbuches (Majestätsbeleidigung) verstoßen soll, polizeilich reschlagnahmt worden. München, 14. September. Zur Bekämpfung einer etwaigen weiteren Kohlenteuerung ermächtigte die rayerische Staatsregierung die Generaldirektion der bayerischen Staatsbahnen, im direkten Verkehr mit den rreußischen und hessischen Staatsbahnen und anderen an der Tarismaßuahme beteiligten Staats- und Privatbahnen für Steinkohlen, Braunkohlen, Koks, Briketts, Torf und Torsbriketts im Versandt von deutschen Seehäsen und deutschen binnenländischen Umschlagplätzen mit sofortiger Giltigkeit auf die Dauer von zwei Jahren die billigeren Frachtsätze des Rohstofftarifs auf den bayerischen Staatsbahnen anzuwenden. Deutsches Reich Berlin, 14. September. Aus Stettin wird gemeldet. Der Kaiser begab sich früh 51/* Uhr ins Manövergelände. Erzherzog Franz Ferdinand und die anderen Fürstlichkeiten folgten um 5% Uhr dorthin nach. Der Kaiser kehrte um 2i/4 Uhr aus dem Manövergelände zurück und nahm mit dem Erzherzog Franz Ferdinand das Frühstück ein. — Aus Swinemünde wird dann gemeldet: Der Kaiser traf kurz vor 7 Uhr mit dem Hochseetorpedoboote „Sleipner" hier ein und begab sich an Bord der Jacht „Iduna". Gleichzeitig mit der Ankunft des Kaisers traf der kaiserliche Hofzug ein. — Das Manöver schloß heute nach 11 Uhr. Roth mit drei Divisionen und einer Kavalleriedivision stand westlich von MadursenS, Blau, vom Kaiser geführt, stand ihm gegenüber mit drei Divisionen, Front nach Osten; außerdem stand nördlich von Rot die blaue 42. Division und die Gardekavalleriedivision. Nach hartem Kampfe wurde die rote Partei zum Rückzüge auf Nordwesten gezwungen, zum Schluß von der Gardekavallerie attakiert. Um 235 Uhr reiste der Erzherzog Franz Ferdinand ab. — Von den am Schluffe der großen Herbstübungen erfolgten zahlreichen Ernennungen, Beförderungen und Versetzungen in der preußischen Armee sind folgende hervorzuheben: Generalleutnant Frhr. v. Falkenhausen, kommandierender General des 13. (Württembergischen) Armeekorps zum General der Infanterie, Generalleutnant von Stünzner, kommandierender General deS 10. Armeekorps, zum General der Kavallerie befördert. Herzog Albrecht von Württemberg, Generalmajor und Kommandeur der 4. Kavalleriebrigade, zum Kommandeur der 51. (1. Württembergischen) Jnsanteriebrigade ernannt. Oberst v. Ditt- mar, Kommandeur des 3. Garde-Ulanen-RegimentS mit der Führung der 4. Garde-Kavalleriedivision beauftragt, Oberst v. Wallenborn, zuletzt Kommandeur des Leib- Garde-Husaren-RegimentS, zum Kommandeur der 33. Kavalleriebrigade in Metz ernannt. — Der „ReichSanz." veröffentlicht eine große Anzahl von Auszeichnungen von Offizieren des Gardekorps und des 2. Armeekorps aus Anlaß der großen Herbstübungen. Es erhielten u. A.: Der kommandierende General des Gardekorps, v. Bock u. Polack die königliche Krone zum Groß- Politische Tagesschau. Ein eigenartiges Schauspiel wird man demnächst wieder einmal in Frankreich erleben. Präsident Loubet hat ämtliche Bürgermeister des Departements, in dem die Ma- töver stattfinden, zu einem Diner eingeladen. In der Einübung wird gesagt, dadurch solle die Einigkeit zwischen Volk und Armee offen zu Tage treten. Diesem von der als kosmopolitisch verschrieenen Regierung zu veranstalten- )en Bürgermeistermahl, daS in dem Tuilerienpalast in Paris stattfinden soll, setzt der auf sein ausschließliches Nationalisten- tum pochende Pariser Gemeinderat ein internationales Bürgermeisteressen in Vincennes entgegen! Da sich nahezu 20000 Maires für das Tuilerienbankett vom 22. September angemeldet haben und überdies noch andere Gäste, Senatoren, Abgeordnete, Generalräte, Magistratspersonen sich einfinden werden, so trifft das Speisehaus Potel-et-Chabot Vorbereitungen für 22 000 Teilnehmer. Ueber den Preis hat man sich noch nicht geeinigt, aber das steht schon fest, daß das Bankett allein über 200 000 Fr. kosten wird. Da man zuerst nur auf 12- Ins 13 000 Personen zählte, so muß für eine Ver-, vollständigung deS Tischzeuges gesorgt werden, im ganzen für 8400 Meter Tischtücher, 180 000 Teller u. s. w. Im Tuileriengarten selbst richtet man zwölf Küchen ein, deren jede 30 Köche und Küchenjungen beschäftigen wird. Die Bedienung geschieht durch Angestellte, die das Haus liefert und durch Kanzleidiener, Portiers u. s. w. der Ministerien und Verwaltungen. Was die Mundvorräte betrifft, so erfährt man, das 2500 Stück Geflügel, Hühner und Enten, bestellt werden, ferner 1000 Ochsenlenden, 750 Pfund Butter und mindestens 50 000 Flaschen verschiedener Weine, den Champagner noch nicht mitgerechnet. — Potel-et-Chabot haben auch das Bankett in Vincennes übernommen, sind aber noch im Ungewissen darüber, für wieviel Leute sie da werden sorgen müssen. Zuerst war von 1800 die Rede, dann nur noch von 1200 und jetzt von noch weniger. Wenn der Präsident des Pariser Gemeinderats, Gräbauval, eines Trostes bedürfte, so kann er sich sagen, seine tausend oder weniger Gäste werden aus den gleichen Laboratorien und zum gleichen Preise besser gespeist werden, als die 20 000 oder mehr des Präsidenten der Republik. Ausland. Lemberg, 14. September. Unter Führung des Fürsten Adolf Scrpieha gründete hier ein Konsortium zahlreicher hoher Aristokraten eine Bank mit 10 Millionen Kronen Kapital, die in Kartellverbindung mit der Kolonisationsbank in Posen treten soll. Als Direktor dieser neuen Bank wird das Herrenhausmitglied Dr. v. Marchwicki genannt. In Tulcsa (Dobrudscha), wo nächste Woche in Anwesenheit des Königs Manöver und die Enthüllung des Denkmals der Wiedervereinigung der Drobudftha stattfindet, wurde eine Verschwörung zur A n n e k t i e r - ung der Dobrudscha durch Bulgarien entdeckt. Mehrere Professoren des dortigen bulgarischen Gymnasiums und andere Bulgaren wurden in Untersuch- 11 n 9S e'lOg9rna b , 14. September. Das Amtsblatt berietet, daß gewesene Minister des Kabinetts Wladan Georgiwrc große Summen aus den Dispositionsfonds als fingierte Staatsauslagen behoben haben. Bu kare st, 14. September. Ministerpräsident Earp erklärt, daß für Rumänien weder ein Konflikt m i t B u l g a r i e n , n o ch eine Veranlassung zu Rüstungen vorhanden sei. Rumänien habe die Großmächte auf die revolutionäre makedonische Propaganda aufmerksam gemacht und überlasse ihnen alle notwendigen Maßregeln. Rumänien werde die Ruhe und Sicherheit des eigenen Landes durch strenge Handhabung der Grenz- und Polizer- maßregeln gegen bulgarische Einwanderer schützen. — Das rumänische Zigarettenpapier -Mo - n o p o l wurde der Berliner Diskonto-Gesellschaft für 15 Mill. Francs auf 12 Jahre verpachtet. Hutton hielt am 12. die Hochebene südlich der EisenbahnlMkreuz des Roten Adlerordens mit Eichenlaub und Schwer- tern am Ringe, sowie der kommandierende General des Elektrizitätswerk Gieße«. Von der städtischen Verwaltung wird uns auf Grund! >er Verhandlungen in der Stadtverordnetensitzung vonk 13. d. M. der folgende Artikel mit der Bitte um Veröffentlichung Zugestellt: Bei den Vorbereitungen zur Einführung elektrischer Beleuchtung in unserer Stadt ist mehrfach der Wunsch geäußert worden, es möck)ten einige gemeinverständliche Erläuterungen über die neuen Einrichtungen und über die dabei vorkommenden Maßeinheiten gegeben werden. Nachstehende Zeilen sollen diesem Wunsche- Rechnung tragen. Bei der seitherigen Oel- und Gasbeleuchtung wird die Arbeit, welche bei der Verbrennung in der einzelnen Flamme entsteht und die Quelle des Lichtes bildet, durch einen chemischen Prozeß entwickelt und man weiß aus Erfahrung, daß bei Verbrennung eines Leiters dieser Stoffe in bestimmten Lampen, während einer bestimmten Zeitdauer eine Helligkeit der Beleuchtung erzielt wird, welche derjenigen einer gewissen Anzahl Kerzen gleichkommt. Als Einheit dient eine Kerze von bestimmtem Material-Querschnitt und Lichtstärke. Wir wissen hieraus, daß wir zur Beleuchtung unserer Wohnräume, Läden, Straßen u. s. w., d. h. zur Entwickelung der dazu nötigen Arbeit oder Energie während einer bestimmten Zeitdauer so und soviel Liter Oel oder Kubikmeter Gas nötig haben. Beide lassen sich leicht messen. Anders bei der elektrischen Beleuchtung. Hier wird diese Arbeit oder Energie, welche zur Lichterzeugung erforderlich ist, in einer elektrischen Zentrale durch Maschinen erzeugt und als elektrischer Strom (Energie) durch Drähte den Berbrauchsstellen zugeführt. Der Verbrauch dieses Stromes muß demnach als Kraft gemessen werden. Zur Erläuterung einer solchen Messung wollen wir den Vergleich mit den leichter verständlichen Wasserkräften heranziehen. Das Wasser läßt sich durch geeignete Vorrichtungen zu großen Arbeitsleistungen benützen. Die Größe derselben hängt ab von dem Gefälle, welches nutzbar gemacht werden kann und an der Wassermenge, welche in der Sekunde zur Verfügung steht. Aus dem Produkt beider berechnet sich die Anzahl der Pferdekräfte, welche durch diese Wasserkraft als Arbeit oder Energie geliefert wird. — Aehnlich ist es bei dem elektrischen Strom; je größer die Spannung des elektrischen Stromes (entsprechend dem Gefälle der Wasserkraft) und je größer die Stromstärke (entsprechend der Wassermenge), um so größere Arbeit vder Energie wird in der Zeiteinheit geleistet. Um den Verbrauch an Elektrizität zu bestimmen, muß also einerseits die Spannung, anderseits die Stromstärke und die Dauer des Verbrauches gemessen werden: die Maßeinheiten hierfür sind auf Grund wissenschaftlicher Untersuchungen wie folgt festgesetzt worden: Maßeinheit für die Spannung gleich 1 Volt (V), „ „ „ Stromstärke gleich 1 Ampere (A), „ „ „ Zeiteinheit gleich 1 Sekunde (Sek ). Beide ^ersteren miteinander multipliziert geben die Maßeinheit für die Arbeit oder Energie in einer Sekunde gleich 1 Volt—Ampere oder kurz bezeichnet 1 Watt (W). Hiernach wird die Stärke der Glühlampen angegeben, während die Stärke der Bogenlampen wegen der statt- sindenden Schwankungen in der Spannung nach Ampere angegeben werden. Diese Maßeinheiten sind aber sehr klein und man hat tzum praktischen Gebrauche eine Mehrheit derselben verwendet, indem man 1000 Watt gleich 1 Kilowatt (K.--W.) bezeichnete und die Zeitdauer auf eine Stunde ausdehnte. Nach solchen Kilowattstunden wird nun der Verbrauch von elektrischer Energie durch geeignete Zähler (Elektrizitäts-- tnesser) bestimmt und verrechnet. Wie hoch sich dieser Energieverbrauch in den einzelnen Fällen berechnet, sei im nachstehenden erläutert. Eine 16 kerzige Glühlampe (Normallampe) braucht bei 220 Volt Spannung 0,23 Ampere Stromstärke. 0,23 Ampere mal 220 Volt gleich rund 50 Watt pro Sekunde. Eine Kilowattstunde gleich 1000 Watt kostet in Gießen 65 Pfg., demnach kommen auf diese 1000 Watt 50:1000 gleich 20 Glühlampen zu je 16 Normalkerzen (N.-K.). Diese 20 Glühlampen würden also eine Stunde zusammen brennend 65 Pfg. kosten, eine Glühlampe mithin pro Stunde 3,2 Pfg. „ , , Die Preise der einzelnen Glühlampenbrennstunden sind bei den verschiedenen Kerzenstärken folgende: 1 Glühlampe 10 N.-K. gleich 40 Watt gleich 2,6 Pf. 1 16 „ ,, 50 ,, ,, 3,2 ,, 25 „ „ 78 „ „ 5,0 „ 1 „ 32 „ „ 100 „ „ 6,5 „ In Betreff der Bogenlampen sei bemerkt, daß eine solche nicht allein brennen karm, es müssen deren mindestens zwei sein. Ter Strom durchfließt erst die eine Lanrpe, darnach die andere, sodaß beide Lampen zusammen ebensoviel Strom (Energie^ verbrauchen wie eine Lampe verbrauchen würde. Bei einer Lampe müßte, um die Spannung für diese soweit herunterzudrücken, ein großer Widerstand vorgesetzt werden, welcher über die Hälfte der Spannung vernichten müßte. Eine derartige Einrichtung ist sehr unrationell und teuer. Tie Bogenlampenbrenn- stunde kostet für 2 Bogenlampen für 2 Ampere von ca. 160 N.-K. gleich 6,0 Pf. 3 , „ „ 250 „ „ 10,0 „ 6 „ „ „ 580 „ /, 14,0 . Tas Paar Kohlenstifte kommt für 10 bis 1-stündige Brenndauer je nach der Stromstärke aus 6 bis i ps- zu ssää erÄtert sehr die Verwendung der elektrischen Beleuchtung SL oder zu sonstrgen Dekorationszwecken. Weiter empfiehlt sie sich in ntebrigcn Sälen, Zimmern, Bureau" und bergt, in welcken sich Personen aufbatten, eine andere Beleuchtung zu viel Litze ansstrahlen und die s*nft verschlechtern würde. , 1 Bogenlampen eignen sich besonders für große Raume- 2 nutu für di' 'S W W an < Lag War Inst iünl Treib Aleift gmy an bi je m hiesi der Spai Monti $ut& in eine tzW toi: i)c ♦ enthal lagert SchaL ftifiun Robert Spieltv Lechast •o- 10 Uhr Iw Fe ** W ui von Kinde um d Dem der (3 die U wurde kleine < unb fr fetten, brauten Freunde Wer «oi H Hei! Lebewohl ixxi r rr x l I xxxxxxxxxxxxx wegen Geschäfts-Aufgabe 6124 X Llch bltte’ Interesse einer ^rgkältjgea Bedienung, für grössere Einkäufe möglichst die Vormittagsstunden zu wählen. | X XXXXXXXXXXXXXXXKXKXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXXUNXXXXXXXXXX Hallen, freie Plätze und bergt, wo Glühlampen unrationell und viel zu tßuer sein würden. Pfennig. 320 725 1000 1520 2000 2400 2910 4410 6000 s- W. u. * Loudon, 15. September. Lord Salisbury, der gestern zum ersten Male das Auswärtige Amt besuchte, hatte eine einstündige Unterredung mit dem deutschen Botschafter. Er unterhielt sich dann längere Zeit mit dem chinesischen Legations-Sekretär. Loudon, 15. September. Der französische Transportdampfer Adour wurde südlich von Hongkong von einem Cyklon überrascht. Eine Anzahl Pferde und Maulesel wurden über Bord gespült. Rom, 15. September. Granetti, der Mitschuldige BreScis, soll sich augenblicklich in Zermatt in der Schweiz versteckt halten. RewAork, 15. September. Die Lage in Galvestone hat sich gebessert. Lebensmittel treffen reichlich ein. Die meisten Leichen sind beerdigt. Die Subskription zur Unterstützung der Bedürftigen beträgt bereits über eine Million Dollars. TelephorrischeMelduugerr deSGiefteuerAuzeigerS Müucheu, 15. September. Geheimrat Professor von Plauk ist gestorben. (Dr. v. Plank, geboren 1817, war ein bedeutender Lehrer des Zivilrechts. D. Red.) Petersburg, 15. September. Einer Meldung der „Rusfia" zufolge ist gestern auf der Strecke Kursk-Sebasto- pol ein Güterzug entgleist. 15 blinde Passagiere, die den Zug benuhteu, wurden teils getötet, teils verwundet, 20 Güterwaggous find zertrümmert. Loudon, 15. September. Daily Telegraph meldet aus Lourenzo Marquez: Präsident Krüger wird nominell gefangen gehalten. Er befindet fich im Regierungsgeb'äude, wo er scharf überwacht wird; jeder Zutritt zu ihm ist streng unter- sagt. — Standard meldet aus Magadodorp vom 13.: General French traf in D ab er t en ein und fand 3000 Frauen und Kinder vor, die aus Pretoria und Johannesburg geflüchtet waren. — Die Buren haben zwischen Helvetiu und Schoe- mausdrift einen Wagen der englischen Telegraphen Sektion mit Bullers Postsachen erbeutet. — Die „Times" melden aus Shanghai: Bezüglich der Bestrafung des Prinzen Tu an und seiner Mitschuldigen erklärte Li-Hung-Tschaug es für wünschenswert, daß die Berbün- beten eine Liste zusammenstellen über die, welche sie für verantwortlich halten, und ihre Forderungen dementsprechend stellen. = 8 = 18 = 25 — 38 = 50 = 60 = 72 = 110 = 150 Vermischtes. * Em neuer Kouiher Mord, von dem wir in unserer Nr. 207 (2. Bl.) nach böhmischen Blättern berichteten, ist nicht verübt worden. Der Pfarrer von Könitz in Böhmen (nicht in Westpreußen) sandte einem schlesischen Blatte folgende Berichtigung: „Zum Berichte des „Tagesboten" teile ich mit, daß der Konitzer Pfarrer dies schreibt, also lebt und nicht gestorben ist. Auch das andere bezüglich seiner Köchin ist nicht wahr, da dieselbe in aller Ruhe ihre Geschäfte führt und noch niemals vor dem Gerichte, auch nicht als Zeugin, stand. Der Bericht der „Lid. Nov." besagt jedoch, daß eine Wirtin in der Nachbarschaft von Könitz, wo der Pfarrer gestorben ist, verhaftet worden war. Dazu erkläre ich, daß über Auftrag der Staatsanwaltschaft in Olmütz die Wirtin (Hrabel) von Jesenetz, jetzt jedoch schon nach dem Tode des Pfarrers in Sluzin bei Proßnitz wohnhaft, am 17. August verhaftet wurde und beim Ge- richte in Könitz verhört worden war, aber nach geschehener Untersuchung im Auftrage der Staatsanwaltschaft am 22. August als unschuldig ganz frei entlaffen wurde. Ein Nachspiel mit dem Verleumder ist zu erwarten. Zboril, Pfarrer zu Könitz, Gottlob gesund und am Leben." Wir entnehmen diese Erklärung des beschuldigten Pfarrers Zboril der „Germania", die an anderer Stelle noch weitere Be. merkungen macht, aus denen sicher zu entnehmen ist, daß die grausige Mordgeschichte erfunden ist. * Vom Orkan in Texas. In Galveston zählt man 300 Typhusfälle. Die Militärbehörden beschlagnahmten alles Betriebsmaterial der Eisenbahnen, um den Zuzug zur Stadt zu verhindern. 10,000 Frauen und Sinbcr wurden fortgeschafft. Der Gouverneur schätzt den Materialschaden auf 40 Millionen. ♦ Bom südafrikanischen Duell teilen die „Bert N. N." mtt, daß der Regierungsrat Freiherr v. Eber stein an einem angeblich in Dar-eS-Salam stattgehabten Zweikampf nicht beteiligt gewesen Ist. * .herausgezahlt haben. Ferner verlangen sie, daß die- zehnstrmdthe Arbeitszeit sofort oder längstens bis zum 1. Januar ein- geführt werde, nicht erst am 1. April. Weiter fordern sie bei lieber- stunden, Sonntags- und Nachtarbeiten 12 Prozent Zuschlag. Auf dieser Grundlage soll heute nochmals mit dem Chef, Geheimen Kommernenrat Michel, verhandelt werden. 5 Nr. 215 gemeldete Prämiierung bezieht sich auf die von Herrn Hermann Heller hier vertretene Firma „Deerina Hervester Comp., Chicago. Sie bestand in 1 Grandprix 2 goldenen nnd 1 silbernen Medaille und erfolgte für Mähmaschinen rc. auf der Weltausstellung in Paris Marburg, 14. September. Zwei Radfahrer wollten die altberühmte ^Stiftskirche des Städtchens Wetter Stmern besichtigen und ließen sich zu dem Zwecke die Schlüssel geben. Sie hielten sich längere Zeit in der Kirche auf und lieferten dann die Schlüffe! wieder ab. Als man einige Zeit nachher die Kirche wieder betrat, fand man den Kirchenkasten erbrochen und seines Inhaltes beraubt. Die Radfahrer waren damit verschwunden, jedenfalls um an anderen Orten dasselbe Manöver zu versuchen. - Kleine Mitteilungen aus Heffen und den Nachbarstaaten. In Frankfurt stürzte sich der Rechtsanwalt Dr. S. Marx aus seiner Wohnung in der Goethestraße in den Hof hinab. Schwer verletzt wurde er in das Krankenhaus verbracht, wo er kurz nachher starb. Kunst und Wissenschaft. fAn6 “ JSfi* Jurtstentage. In den ständigen AuS. Mutz wurden wieder-, bezw. neugewahlt: Prof. Dr. Brunner- Berlin, Prof. Dr. Eck-Berlin, Prof. Dr. Enneccerus-Marbura Lustizrat Goldschmidt Berlin, Ministeri«!- rat v.Schuell-Munchm.OberlaadeSger.-Präs. Hamm-Köln, Prof.Pfsff- Wim, Dr. Wildhagm-Leipzig, Prof. Kahl-Berlin, Geh^Rat Prof. Dr. Strohal-Leipzig, Thinius-Berlin Thomsen-Münster, VierhauS-Berlin, Dr. Wilke-Berlin, Freiherr v. Pechmann-Munchen, Dr. OlShausen-Leipzig. y 9 Der Energieverbrauch, bei Elektromotoren schwankt bei den verschiedenen Konstruktionen etwas und hierfür sind nur ungefähre Mittelwerte angenommen. Da der Preis für die Kilowattstunde in Gießen auf 25 Pf. festgesetzt ist so stellen sich, die Preise für die Motoren wie folgt Vs Pa. (Pferdestärke) ca. 260 Watt = 6 Pfennig. Arbeiterbewegung. Mainz, 14. September. In einer Versammlung der Streiken- gin tTr?en *eUtc’°" ber Direktion der Lederwerke die schriftlichen Vorschläge zur Verlegung des Streiks vorgelegt, die gestern schon roSrr?en finb- Die Streikenden stimmten nicht in allen Punkten .u; .Den Abzug von Mk. 5 für dre Witwen- und Waisenkasse wollen sie sich zwar gefallen lassen, den Rest des einbehaltenen Wochenlohnes Aandei Kerkrhr. Uolkswirtsihast. eitltx, 15. September. Marktbericht. Auf dem heutig« Wochenmarkt kosteten: Butter per Pfd. A 0.90—1.10, Hühnern« per St. O-o 4, 2 St. 13—16 Entenein 2 St. 00—16 X Gänse» der per SL'OO—00 H, Käse 1 St. 5-8 Käsematte 2 St. 5-6 * «rosen per Liter 24 4, Linsen per Liter 34 H, Tauben per Paa» •* 0.65—0.80, Hühner per St. A 1.00—1.40, Hahnen per Stück x 0.65-0.00, Enten per St. A 1.80-2.00, Gänse per Pfund 0 00—0.00 Ochsenfleisch per Psd. 68—74 4, Kuh- und Rindfleisch per Psd. 62—64 4 Schweinefleisch per Psd. 50—70 4, Schweine- fletsch, gesalzen, per Psd. 74 A, Kalbfleisch per Pfd. 64—66 4, Harmnelstesich per Pfd. 50—70 Kartoffeln per 100 Kilo 5.00 bis 6.00 Weißkraut per St. 00-00, Zwiebeln per dtr. A 5.50—6.00, Milch per Liter 18 Bohnen per Pfund 8—10 H. Daun der Marktzeit von 8 Uhr morgens bis 2 Uhr nachmittags. Während der nsten drei Stunden der Marktzeit darf im Umherziehen nicht feilgeboten werden. würzt den Kaffee wie das Salz die Suppe. (Original-Marke in Dosen.) Die kleineren Motoren sind für Handwerker besonders nützlich, da sie wenig Platz wegnehmen und sich allen Verhältnissen anpassen lassen. Sie können an der Decke, oder an Wänden, oder direkt an die Arbeitsmaschinen in jeder Lage befestigt werden, und bedürfen keiner besonderen! Wartung; eine zeitweilige einfache Reinigung genügt zur Instandhaltung der Motoren. Auch, ist kein besonderer Raum zur Aufstellung nötig, da der Elektromotor keine Dünste und Wärme ausstrahlt. Für Hausindustrie zum Trerben von Nähmaschinen aller Art, Tabakschneidern, rZ-lerschhackmaschrnen und bergt ist der Elektromotor sehr geeignet, indem man denselben direkt unter die Maschinen an die Gestelle befestigen und durch Drehen eines Schalters je nach Bedarf in und außer Betrieb setzen kann. Das Gießener Werk wird, wie bekannt, im Drei-Liter syftem 2 Wal 220 Volt erbaut, ein System, das sich für die hiesigen Verhältnisse am besten eignet. Auch wird hierbei der große Vorteil erzielt, daß je nach dem Zweck mit einer Spannung von 220 oder 440 Volt gearbeitet werden kann M. Aus Sla-t und Land. Gießen, 16. September 1900. •* Der Abendzug 1038 hält Sonntag den 16. und Montag den 17. September auf Station Schiffenberg zur Fahrt nach Gießen. ®i.nc sehr häßliche Schlagerei entstand gestern abend m einer hiesigen Wirtschaft zwischen einem Wirt und einem Geschäftsreisenden, bei der es arge blutige Köpfe gab. Wie wir hören, hat die Polizei einschreiten müssen. ** Brandstiftung? Zu der in unserer vorigen Nummer enthaltenen Notiz betr. eines im Packraum des Spielwaren- lagers im ehemals Reinig'schen Hause ausgebrochenen Schadenfeuers ist nachzutragen, daß wahrscheinlich Brand- stlstung vorliegt. Nach Vernehmung einer Anzahl Zeugen Yaven sich die Verdachtsmomente gegen den Eigentümer der Sp.-lwar-nhandlung, Müller, so gehäuft, daß gestern seine Verhaftung erfolgte. in m‘l°" Daubringen, 14. September. Heute vormittag gegen 10 Ilhr brach in der Hofraite des Heinrich Braun II. hier Feuer aus, das die bis zum Dach angefüllte Scheuer ergriff und trotz aller Löschversuche vollständig einäscherte. Tleber die Entstehung des Brandes ist nichts bekannt. Braun soll nicht versichert gewesen sein. Vt Lich, 14. September. Gestern hatte der Erbprinz von Solms-Lich seinen Geburtstag. Die Kinderschul- Kinder zogen deshalb in festlichem Zuge vor das Schloß, um dem nun Fünfjährigen ihre Glückwünsche darzubringen. Dem Geburtstagskinde wurde ein Liedchen gesungen und der Gesang durch ein Stück Kuchen belohnt. Damit war die kleine Ovation beendet. — Ein rührender Abschied wurde gestern zwei jungen Amerikanern bereitet, die als kleine Jungen bei den Großeltern hier einige Jahre weilten und heuer den Sommer hier bei Verwandten verbracht hatten. Für gestern Abend war die Abreise festgesetzt, doch brauchten sie nicht einsam die Stadt zu verlassen, sondern Freunde und Bekannte gaben ihnen in stattlichem Zuge unter Vorantritt einer Musikkapelle das Geleite zum Bahnhof. Heitere Weisen waren unterwegs ertönt, doch das Lebewohl mag manchem wehe gethan haben. — Die in w i 6103 Crossen a. 0., den 13. September 1900. Harry Darlington. Ida Seelbach9 geb. Darlington. Todes-Anzeige. Freunden und Bekannten hierdurch die traurige Mitteilung, dass unsere innig geliebte Mutter Frau Ida Darlington geb. Kroeber heute früh von ihrem langen, schweren Leiden durch den Tod erlöst worden ist. Todes - Anzeige. Allen Verwandten, Freunden und Bekannten hiermit die Mitteilung, dass es Gott dem Allmächtigen gefallen hat, heute abend 6*/- Uhr unseren innigst geliebten Sohn, Bruder und Schwager Herrn Karl Schäfer nach jahrelangem, mit Geduld ertragenem Leiden zu sich zu rufen. 03860 Familie Schäfer« Mainzlar, den 14. September 1900. Die Beerdigung findet Montag den 17. September, nachmittags 2 Uhr, statt. amt abWdtu. 03859 03853 und 6123 empfiehlt Keller zu vermieten. Hroße Mühtgasse 21. Verantwortlich für Im elgemeinm Seil: P. «Mute: für Itu Unzei»mt«tr XtC — % -Dich alflbal weg E Früh-Burgunder Most Somtag dk« 16. Skpt. Der finber des braunrn N»rte- movllaies »«d der Krille, weicher beobachtet wurde und letztere ans dem judwigsplatz wegwarf, wird erfncht, dasselbe auf dem Daligi- FÜR JEDEN TISCH! FÜR JEDE KÜCHE! Montag den 17. September a. c.: er Uebung. *•! . _ Abmarsch 8ff, Uhr vom Spritzenhaus. Das Sommando^. Od-snsteigerung. Donnerstag den 20. d. M, von nachmittags 4 Uhr au, soll das Obst, als Aepfel (meist Tafelobst), Birnen und Zwetfchen, von dem Freiherrlich van der Hoop'scheu Gute bei Rodheim a. Bieber an Ort und Stelle versteigert werden. 6107 Zusammenkunft bei der Schmitte. WvechkigerW. I Freitag den 21. September b. I., von vormittags 10 Uhr an, soll das hiesige Gemeindeobst, sowie das auf dem Fürstlichen Hofgut dahier, bestehend aus Aepfeln, Birnen und Zwetfchen, versteigert werden. Die Zusammenkunft ist beim Ort, am Weg nach Dorf-Gill. Eberstadt, am 14. Septbr. 1900. Großh. Bürgermeisterei Eberstadt. Görlach. 6102 in ( yben ti D ist einzig in seiner Art, um jeder Suppe und schwachen Fleischbrühe überraschend kräftigen Wohlgeschmack zu verleihen. — Wenige Tropfen genügen. Reisender I Tüchtiger, junger, verh. Mann sucht die Vertretung einer leistungsfähigen, mittl. Cigarrenfabrik für den Rayon Hessen, Rheinland und Westfalen gegen Fixum und Spesenzuschuß. — Offerten unter Z. 03827 an die Expedition d. Bl. erbeten. humoristischeVorträge Stadt München Schl ossgasse 9. Viel Geld kann man verdienen durch hochlohrrende Fabrikation täglicher Massenartikel, wozu Fachkenntnisse nicht erforderlich inb. Zahlreiche Anerkennungen. Katalog gratis 6106 Heinr. Heine«, Broich, Ruhr.^ itr g! oder i i 1. 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