M. 190 Zweites Blatt. Donnerst«« den 16. August 190« Meßmer Anzeiger •Hfl. 4 *e( beifdeflt Heneral-Un^eiger Amts« und Anzeigeblatt für den Kreis Gieren Air Ln-elgm-vermittiangSftrllev bet I«. tm> XuAtaM «hmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger ratfegeu ZeUenpreiS lokal 12 Pfg., auswSrlS 20 Pf,. findet U4effr«l« »r. 1. Gratisbeüagr«: Gießener Familienvlüttrr, Ker heWche Kandwitt, Kälter für heische DMsIwn-r. •1 Edrefie für Depeschen: A^etger chlotzE. Fernsprecher Nr. 5L Amtlicher Teil. Bekanntmachung. Wegen vorzunehmender Arbeiten wird die Westanlage zwischen SelterSweg und Bahnhofstraße am 16. l. MtS. von 6 Uhr morgens bis 12 Uhr mittags für den Fuhr- werksverkehr gesperrt. Gießen, den 15. August 1900. Großherzogliches Polizeiamt Gießen. Hechler. Beanstandung der Steuererklärungen. Zu dec vielerörterten Frage der allgemeinen Zuverlässigkeit der abgegebenen Einkommen st euererklärungen nnd der Notwendigkeit ihrer sorgfältigen Prüfung durch die Deranlagungsbehörden findet fich in dem jüngst erschienenen Heft 40 der „Mitteilungen aus der Verwaltung der direkten Steuern im preußischen Staate" ein bisher nicht veröffentlichtes beachtenswertes Material, welchem nachstehende Angaben entnommen sind, die auch für Hessen gerade jetzt beachtenswert sein dürfen. Von den im ganzen Staate 1899 abgegebenen 482 526 Steuererklärungen sind 120 894 oder 25,1 v. H. förmlich beanstandet worden. Außerdem find noch vor der förmlichen Beanstandung 29 727 oder 6,2 v. H. der Steuererklärungen infolge der von den Steuerbehörden erhobenen Bedenken von den Steuerpflichtigen berichtigt worden. Bon den förmlichen Beanstandungen haben 96 358 oder 79,7 v. H. zu einer Abänderung der Steuerangaben geführt, während nur 24 536 oder 51,1 v. H. derselben trotz erfolgter Anfechtung bei der Veranlagung unver- ändert geblieben sind. Im Berichtigungsverfahren sind 509 811 000 Mk. oder 28 v. H. mehr an steuerpflichtigen Einkommen und 7 160 000 Mk. oder 34,1 v. H. mehr an Einkommensteuer festgestellt worden. Die weiteren statistischen Nachweisungen bestätigen die bekannte Thatsache, daß die Zahl der Berufungen und Beschwerden gegen die Einkommen- und ErgänzungSsteuer zurückgeht, obgleich die Zahl der Censiten anwächft. Wegen Zuwiderhandlungen gegen die Einkommensteuergesetze sind in dem dreijährigen Zeiträume vom 1. Oktober 1896 bis zum 30. September 1899 3986 Straffälle anhängig gemacht worden, bei denen an Strafen 1191 161 Mk. und an Nachsteuern 443 659 Mk., zusammen also 1 634 820 Mk. festgesetzt worden sind. Welche Vorgänge zur Straf- verfolgnng Anlaß geben können und mit welchen Schwierig- ckeiten die Prüfung der Steuererklärungen unter Umständen zu kämpfen hat, ergiebt sich aus einer Zusammenstellung von Beispielen, die in der obenerwähnten amtlichen Quelle mitgeteilt werden. Einige Fälle seien hier aufgeführt: Ein Gewerbetreibender, welcher sein Einkommen für zwei Steuerjahre auf 13 041 Mark angegeben halt-, während dasselbe in Wirklichkeit 66 264 Mark betrug, führte neben den eigentlichen Geschäftsbüchern drei kleinere Bücher mit unrichtigen Angaben, lediglich zur Begründung der von ihm alljährlich erhobenen Einkommensteuer-Berufungen. Er ist zu 11 984 Mark Strafe verurteilt worden. Aehnliche Buchführungsmanöver find wiederholt aufgedeckt worden. Zwei Viehhändler wurden mit je 4000 Mark Strafe belegt, weil fie in vier Steuerjahren 30 000 Mark Einkommen zu wenig deklariert hatten. Gegen zwei Bierbrauereien wurden Strafen von 30 000 und 25 000 Mark verhängt, weil ihre Steuerangaben entsprechend hinter der Mirklichkeit zurückgeblieben waren. 6in höherer Kommunalbeamter halte sein Einkommen aus Kapitalvermögen auf 600 Mark angegeben; thatsächlich war das Einkommen sechsmal so groß. Nach seinem Tode ist die Nachsteuer eingezogen Morden. Ein Rentier, welcher sein Einkommen aus Kapitalvermögen auf 14 200 bezw. 19 500 Mark angegeben hatte, während es fich auf 65 314 bezw. 75 905 Mark bezifferte, wurde zu einer Geldstrafe von 17 250 Mark verurteilt. Einem hochangesehenen Fabrikanten, welcher sich zuerst „mit Entrüstung" gegen jede Beanstandung seiner Steuerdeklaration gewehrt hatte, wurde nachgewiesen, daß er in drei Steuerjahren nicht, wie von ihm angegeben, 142 000, sondern 197 000 Mark Einkommen gehabt hatte. Gr zahlte 20 800 Mark Strafe. Ein hochangesehener Weinhändler, welcher voller Enttüftung gegen die Anzweiflung seiner Steuerangaben protestiert hatte, hat letztere mit Bewußtsein und Vorbedacht abweichend von den Bilanzen gemacht. Er hatte für 6 Jahre zusammen 590 000 Mark deklariert, während sein wirkliches Einkommen über eine Million bettagen hatte. Gegen den Kontravenienten sind zusammen 130 000 Mark an Strafen festgesetzt worden. Ein Rentier, der seine Einnahmen aus Spekulationsgewinnen völlig verschwiegen, und dadurch 447 099 Mark der Besteuerung entzogen hatte, muhte 18 966 Mark Nachsteuer und außerdem 14000 Mark Strafe zahlen. Ein Kommis hatte die alljährlich erhaltenen Provisionen verschwiegen, auch sein Gehalt zu niedrig angegeben, und mußte gegen 5000 Mark Nachsteuer und Strafe zahlen. Die Erben eines Bankdirektors, welcher mehrere Jahre hindurch je 140 000 Mark zu wenig deklariert hatte, mußten 33 035 Mark Nachsteuer zahlen. Zur Zahlung von Nachsteuern und beträchtlichen ©trafen wurden u. A. verurteilt: ein Kaufmann, der sein steuerpflichtiges Reineinkommen willkürlich gekürzt hatte, ein Arzt, der das ihm durch Beerbung seines Schwiegervaters zugefallene Vermögen verschwiegen hatte, zwei Kaufleute, die alljährlich die gesamten Kosten ihres Haushalts von ihrem steuer- vflichtigen Änkommen abgerechnet hatten, em Rechtsanwalt, der die seiner Ehefrau alljährlich zufließenden Kapitalzinsen nicht angegeben hatte, ein Fabrikdirektor, der den Staat um 23 060 Mark Einkommensteuer verkürzt hatte, rc. rc. Die angeführten Beispiele mögen genügen zum Nachweis, daß eine gründliche Prüfung und Erörterung der Steuererklärungen nicht nur zur Erreichung einer gerechten und gleichmäßigen Veranlagung unerläßlich ist, sondern auch im wohlverstandenen Jntereffe der Steuerpflichtigen selbst liegt, da dadurch in zahlreichen Fällen das Strafverfahren und die Erhebung einer Nachsteuer vermieden wird. In welchem Umfange das Berichtigungsverfahren der Steuerbehörden den Censiten gegenüber unter Umständen platz - greifen muß, ergiebt sich aus der Thatsache, daß für das Steuerjahr 1900 bei einer einzigen Unterkommission einer Veranlagungskommission 22 Censiten ihr Einkommen um 1 882 291 Mark zu gering angegeben hatten. Die Wirren in China. Während die chinesische Regierung oder das, was sich chinesische Regierung nennt, noch immer Anstrengungen macht, um durch diplomatische Winkelzüge die militärische Aktion der Mächte zu Hintertreiben, kommt aus Washington die Meldung des amerikanischen Generals Chaffee, daß die Verbündeten b e r e i t s a m 10. d. in*Hohsiwueingetro,fen sind. Hohsiwu liegt Halbwegs zwischen Tientsin und Peking am rechten Ufer des Peiho. Es geht aus dieser Nachricht hervor, daß die Verbündeten sofort nach dem Siege bei Yangtsun den Vormarsch angetreten haben, wobei sie die Eisenbahn verließen und dem Laufe des Peiho folgten, der für kleine flache Boote bis in die Nähe von Peking schiffbar ist. Schon früher war von Kennern des Landes auf diese alte Straße hingewiesen worden, die fich nad). der Zerstörung der Eisenbahn namentlich dadurch empfiehlt, daß auf ihr der Transport von Kriegsmaterial, Kranken und Verwundeten erheblich leichter ist. Tie Chinesen sollen zwar den Lauf des Peiho stellenweise durch Versenkung beladener Dschunken gesperrt haben: doch steht zu hoffen, daß man diese Hindernisse wird überwinden können. Der Umweg, den man auf der Peiho-Route machen muß, wird ausgeglichen durch die größere Leichtigkeit des Transports. So erfreulich es ist, wenn jetzt alle Mächte die Verzögerungsversuche der chinesischen Diplomatie zurückgewiesen haben, so glauben wir doch, daß die Thatsache des rücksichtslosen Vorgehens auf die chinesischen Machthaber einen noch weit größeren Ändruck ausüben wird. — Im Laufe des Dienstags werden auch die Llohddampser Frankfurt und Wittekind mit der Brigade des Generals v. Hopfner vor Taku Anker geworfen haben. General v. Höpffner wird seine Abteilung dem Befehl des ältesten russischen Generals — wahrscheinlich des Generals Line- witsch — unterstellen, von dem es alsdann abhängen wird, ob die deutschen Truppen sofort mit möglichster Beschleunigung an d ie Front gebracht werden. Der Umstand, daß Lord Salisbury, dem Rate seines Arztes folgend, gestern abend nach der Schlucht (f. Ausland) abgereist ist, wird in Londoner politischen Kreisen als ein Anzeichen dafür aufgefaßt, daß das Einverständnis der Mächte in der chinesischen Frage vollständig fortdauert, und die Ankunft europäischer Truppen zu Hoh- siwu, Halbwegs Peking, erweckt die Hoffnung, daß der Entsatz der Gesandtschaften nahe bevorsteht. Bon Kanton wird gemeldet, daß der dortige englische Konsul eine vom 6. ds. datierte chiffrierte Depesche Macdonalds aus Peking erhalten hat, worin es heißt: „Unsere Lage ist verzweifelt, inzehn TagenistunserLebens- mittelvorratznEnde. Falls wir nicht entsetzt werden, ist ein Allgemeines Gemetzel wahrscheinlich. Die Chinesen erbieten sich, uns nach Tientsin zu eskortieren, aber an Cawnpore denkend, verweigern wir die Annahme des Angebots." Der amerikanische Konsul hat eine chiffrierte Depesche Congers von demselben Datum erhalten, worin der Absender sagt, daß die Gesandten von kaiserlichen Truppen gelagert werden und die Lage verzweifelt sei. Er setzt hinzu: „Wir halten auf unbestimmte Zeit hin aus, was immer die Folgen sein mögen." — Der „Times" wird aus Shanghai vom 12. August berichtet, die englische Regierung habe dem Vicekönig Tschantschitung 75 000 L. zu viereinhalb Prozent geliehen, der Betrag sei zur Bezahlung der Provinzialtruppen erforderlich Dies Vorgehen, meint die „Times", kann nicht versehlen, einen guten Einfluß zu üben.". — Nach einer Meldung der „Central News" aus Newyork vom 13. ds. sandte Kaiser Wilhelm dem Präsidenten Mac Stinte ty eine Dankdepesche für die Zustimmung zur Ernennung: WalderseeS als Befehlshaber der verbündeten Truppen in China. Die Depesche spiele darauf an, daß die Gr äs iw Waldersee eine geborene Amerikanerin sei. Aus Tientsin wird gemeldet: Bei 9 a n g t f u n hatten die Chinesen nur den (Äsenbahndamrn besetzt Nach kurzem Widerstande traten sie den Rückzug nach Hohsiwu an. Dorthin war direkt von Peitsang die chinesisch Haupt macht geflohen mit General Ma und dem Generalgouver neur von Tschili. Aus Peking ging dem russischen Obersten Woyczak eine Meldung zu, wonach in der Nach vom 31. Juli auf den 1. August die Beschießung der Gesandtschaften von den Chinesen wieder aufgenommen wurde. Der europäisch Kirchhof wurde geschndet. Die Fremden haben nur noch bis zum 8. August Lebensmittel. (Nach Meldung des britischn Gesandten bis zum 16. August.) Aus Tokio wird bezüglich der Einnahme und Zerstörung der Eingeborenenstadt von N i u t s ch w a n g durch die Russen am 5. ds. gemeldet, daß die russische Flagge an demselben Abend im Zollgebäude gehißt wurde. Admiral Alexejew teilte den Konsularbehörden mit, daß die vorläufige russisch Verwaltung eingesetzt würde im Interesse der Russen, der Fremden und der Chinesen, und daß die Reche und Privilegien, die alle bisher genossen, ihnen auch für die Zukunft unverkürzt verbleiben würden. — In einem chinesischen Pulvermagazin hat in Shanghai eine Explosion stattgefunden; es ist bis jetzt nicht bekannt, wie groß der angerichtete Schaden ist. Ausländer werden zu dem Pulvermagazin nicht zu- gelassen. Central News meldet aus Kanton vom 12. August: Die chinesischen Generäle nahmen gestern eine eingehende Besichtigung der die Stadt umgebenden Forts vor. 8000 Schwarzflaggen haben Befehl erhalten, von hier abzurücken, angeblich um die Kaiserin zu beschützen. In dem in Paris im Elysee abgehaltenen Mitt i st e r r a t e machte der Minister des Auswärtigen Del» casse, folgende Mitteilungen: Der französische Konsul in Shanghai hat neuerdings seiner Besorgnis wegen Aufrechterhaltung der Ruhe in der Stadt und ihrer Umgebung Ausdruck gegeben, und hinzugefügt, daß Maßregeln getroffen würden, um nötigenfalls die französische Nieder- utffung zu schützen. Eine aus Taku eingetroffene Depesche vom 8. August besagt: In. einer nach den letzten militärischen Operationen abgehaltenen Beratung der Truppenbefehlshaber wurde beschlossen, den Vormarsch auf Peking fortzusetzen. Der Gouverneur von Jn- dochina schließlich telegraphiert, daß nach einer Meldung aus englischer Quelle das Entsatzkorps sich jetzt (?) 25 Kilometer von Peking befinden solle. Dem Standard wird aus Tschungking gemeldet, der Vizekönig aus Szetschuan habe Befehl aus Peking, alle Fremden zu zwingen, die Provinz ohne Verzug zu verlassen. — Daily Telegraph berichtet aus Washington vom 13. ds., Admiral Remey meldet bei der Besetzung von Hohsiwu seien die Chinesen nach einigen Schüssen ge- geflohen. Verluste seien nicht zu verzeichnen. Rüstungen. Wie der Chef des deutschen Kreuzergeschwaders nach Berlin meldet, befindet sich S. M. S. Gefion seit dem 14. Juli zum Schutz der deutschen Interessen in Shanghai, I l t i s ist unterwegs dorthin, Schwalbe und Seeadler haben ebenfalls Befehl erhalten, nach Shanghai zu gehen. Ueber die Einschiffung der 7000 Mann n ach Oftasien wird folgendes bekannt: Tie Abfertigung erfolgt in drei Gruppen am 31. August, 4. und 7. September von Bremerhaven aus. Bei der Organisation wird man' sich in allem an das Muster der ersten Einschiffung halten, die sich durchaus bewährt hat. Aus Brüssel wird gemeldet: Die Zahl der Personen aus dem bürgerlichen Stande und dem Heere, die sich für das Freiwilligen-Bataillon gemeldet haben, war bis gestern auf 3000 gestiegen. In erster Linie sollen die Bewerber aus der Infanterie berücksichtigt werden. Diese sind 10 Feldwebel, 161 Sergeanten, 131 Gefreite, 31 Spielleute und 355 Gemeine. Der ausführende Ausschuß für das Bataillon hat mit Genehmigung des Kriegsministers im Armeedepot zu Antwerpen große Vorräte an Lebensmitteln für die Reise und den ersten Auf-- enthalt in China bestellt. Kaiserliche Auszeichnungen für Offiziere ««d Mannschaften in China. Nachdem die Vorschlagsliste für die zu dekorierenden Offiziere und Mannschaften, rmlche sich in den Kämpfen in China besonders ^"Melchuek, hier eingelaufen und vom Kaiser eingehend geprüft ist, hat derselbe durch Ordre vom 10. August eine größere Anzahl Ordensverleihungen augeordnet. Kapitän-Leutnant Kühne durch Feuer zerstört. DaS „Reuter'sche Bureau" meldet auS Cradock vom 13. dss. MtS.: Gin Telegramm Midlandney'S aus ...... 8 Dryburg besagt, General Carrington verbrannte seine I gruppen anfangen oder auf mehr als eine dieser WareN- I ©ine hochbedeutsame Neuerung im Dienstbetrieb der Kriminalpolizei, die bezweckt, mehr Aussicht auf die Ermittelung der Thäterschast bei schwersten Verbrechen, Der Krieg iu Südafrika. Es ist offenbar dem Burensührer De Wet wieder gelungen, den Engländern zu entwischen. Wie er daS hat fertig bringen können, ist schwer zu sagen. Am 6. August überschritt der geschickte Burensührer auf dem Rückzüge von Vredeport, verfolgt von Lord Kitchener, den Vaal bei De Wels Drift. Lord Methuen stand direkt aus seinem Wege zwischen Potchesstroom und Lindeque, am 7. fand ein heißer Kamps bei Vinters Kroon, ungefähr 4 englische Meilen nördlich De Wels Drift statt. Lord Methuen trieb die Buren aus ihrer Stellung, aber anstatt sie auf den Vaal zurückzudrängen, wo sie Lord Kitchener in die Hände gefallen wären, ließ er sie unbegreiflicher Weise ostwärts entkommen. De Wet eilte so schnell er konnte vorwärts, vermutlich um sich mit den Buren zu vereinigen, die die ganze Gegend zwischen Rustenburg und Zeerust mobil gemacht haben. Lord Kitchener folgte ihm ziemlich scharf in Verbindung mit Lord Methuen, und sein Hebergang über die Eisenbahn am SamStag wurde von einer dritten britischen Abteilung unter General Smith- Dorri en gesperrt. Aber auch dieser Abteilung scheint De Wet entkommen zu sein. Die Pacifizierung des westlichen Transvaals wird nun noch schwerer sein, denn ein solcher Führer wie De Wet kann sehr große Schwierigkeiten bereiten. „Daily Mail" meldet aus Lorenzo Marques vom 13. August, die Buren haben Machadodorp verlassen. Sie besetzten Watervaal-Onder mit Gewalt. — Ein bedeutender Teil der Zelte und Baracken im Lager Vorräte in Zeerust und zog sich nach Malmani zurück. Viele Flüchtlinge sind in Vryburg angekommen, das für den Fall eines Angriffes gut gerüstet ist. Ein Telegramm Lord Roberts aus Pretoria vom 13. ds. meldet: Methuen und Kitchener sind noch immer auf der Verfolgung De Wet's und Steijn'S begriffen. EineDepesche Kitchener's vom 14. früh 8 Uhr aus Schoololaats, 8 Meilen östlich von VenterSdorp, besagt: In der vergangenen Nacht sprengte De Wet drei seiner Wagen in die Luft, 60 gefangene Engländer und ein Offizier entkamen aus dem Lager und erzählen, Steijn dürfe das Lager nicht verlassen, er werde unter Ueber- wachung gehalten. De Wet habe sich genötigt gesehen, einen Teil seiner Munition im Stich zu lassen, auch dreißig völlig erschöpfte Pferde habe er zurückgelassen. Die Gefangenen bestätigen die Meldung, daß Methuen ein Geschütz De WetS genommen habe. Gestern wurde der Haupttrupp des Feindes mit gutem Erfolg beschossen. Der Zug Bullers nach Norden hat vorzügliche Ergeb- niffe gehabt. Ein Feldkornet mit 182 Mann vom Standertonkommando habe sich gestern ergeben. Präsident Krüger soll den Sitz der Transvaal- Regierung von Machadodorp nach B ab er ton verlegt haben. Telegramm des Gietzeuer Anzeigers. London, 15. August. Ein Telegramm des „Daily Telegraph" aus Pietermaritzburg meldet, daß die Buren die Telegraphen-Linie 7 Meilen von New- Castle abgeschnitten haben. Der englische Vorposten hatte diese That nicht bemerkt und auch die Urheber derselben nicht ausfindig machen können. vom Stabe des „Iltis" und Hauptmann v. Knobelsdorfs vom 3. Seebataillon, welche sich besonders hervor- gethan, erhielten den Roten Adler-Orden 4. Klasse mit Schwertern, Hauptmann Gens, ebenfalls vom 3. See- bataillon in Tsingtau, die Schwerter zum Roten Adler- Orden 4. Klasse. Den Kronen Orden 4. Klasse mit Schwertern erhielten die Oberleutnants z. S.: v. Klitzing (Hansa), Petze! (Gefion), v. Bülow, Otto (Kaiserin Augusta), Hauers (Hertha), die Leutnants: Hilmers (Hertha), Becker (Hansa) und Cretius (3. ©eebataiaon). Die Schwerter zum Kronen-Orden 4. Klasse erhielt Ober- I leutnant z. S. v. Natzmer (Hansa). Mit dem Militär- Ehrenzeichen 2. Klaffe wurden eine größere Anzahl Maate, Obermatrosen, Matrosen, Seesoldaten u. s. w. ausgezeichnet; sie gehören den großen Kreuzern „Hertha", „Hansa", „Kaiserin Augusta", dem kleinen Kreuzer „Gefion", dem Kanonenboot „Iltis", dem 3. Seebataillon an. Der schwer verwundete Kapitän-Leutnant Schlieper, erster Offizier auf dem großen Kreuzer „Hansa" (jetzt zur Marinestation der Nordsee kommandiert), ist zum Korvetten-Kapitän befördert worden. Der einst vielgenannte Kommandant des kleinen Kreuzers „Falke", Korvetten-Kapitän Schönfeld er (Viktor), welcher sich vor Samoa so taktvoll und so umsichtig benahm, ist Fregutten-Kapitän geworden. Herr Schönfelder ist jetzt Mitglied der Schiffsprüfungskommission. Fregatten-Kapitän Paschen vom Reichsmarineamt, bekanntlich Vertreter der Marine im Stabe des Grafen Walder- see, hat den Roten Adler-Orden 3. Klasse mit der Schleife erhalten. • ♦ Telegramme deS Gießener Anzeigers. Kassel, 15. August. Der Kaiser beabsichtigt am 18. August vormittags im Wilhelmshöher Schlosse in Anwesenheit der Generalität dem Grasen Waldersee einen I Marschalls-Stab zu überreichen. Darnach findet j ein Abschiedsmahl im Schlöffe statt. Hannover, 15. August. Gestern abend brachten Tausende dem Grasen Waldersee vor seinem Hause lebhafte Ovationen dar. Der Feldmarschall erschien mit seiner Gemahlin auf der Terrasse und hielt wiederholt Ansprachen an die Menge. DaS Publikum sang patriotische Lieder und brach in stürmische Hochrufe aus. Waldersee fährt heute abend nach Berlin. Seine Reise nach Rom ist wegen Geschästs-Ueber- bürdung aufgegeben. Hannover, 15. August. Die Gräfin Waldersee wird ihren Gemahl nicht nach China begleiten, dagegen wird sie ihm das Geleit bis Genua geben. Auch an dem Galadiner beim Kaiser in Wilhelmshöhe wird die Gräfin teilnehmen. London, 15. August. Nach einer Meldung aus Shanghai glaubt man dort, daß heute, spätestens morgen die verbündeten Truppen Peking besetzen und die Gesandten befreien werden. Paris, 15. August. Außer der bereits bekannten prinzipiellen Zustimmung Frankreichs zur Entsendung eines höheren Osfiziers in den internationalen KriegSrat, dem Waldersee präsidieren wird, wird Delcassß in dieser Angelegenheit nichts verlautbaren, bis der Bericht deS Berliner französischen Geschäftsträgers in Paris eintrifft. Dieser hat der deutschen Regierung den Wunsch des französischen Ministeriums bekannt zu geben, über die Obliegenheiten des Generalissimus eine die große Oeffentlichkeit orientierende Aufklärung zu erhalten, die geeignet ist, viele in dieser Sache bewußt und unbewußt begangene Irrtümer zu beseitigen. Lissabon, 15. August. Der „Staatsanzeiger" veröffentlicht ein Dekret bezüglich des Verbotes der Waffenausfuhr von Portugal und seinen Kolonien nach China. Portugiesische Truppen sind in Macao gelandet. Es herrscht dort Ruhe. Washington, 15. August. Im hiesigen Kriegsrat erwartet man, daß Peking am Samstag oder Sonntag von Osten und Süden angegriffen wird. gruppen ausdehnen, oder eine nach § 3 der Warerchaus- steuer unterliegende Verkaufsstelle iu Preußen errichten, hiervon, wenn nicht nach den Verhältnissen des Betriebes von vornherein ausgeschlossen ist, daß der Gesamtumsatz die warenhaussteuerpflichtige Höhe erreicht — neben und unabhängig von der nach der Gewerbeordnung und dem Gewerbesteuergesetz erforderlichen Anmeldung — der von dem Finanzminister zu bestimmenden Behörde vorher ober, gleichzeitig Anzeige zu wachen. Der preußische Finanzminister hat auf Grund dieser Vorschrift durch Erlaß vom 8. August 1900 bestimmt, daß die gedachten Anzeigen zu machen sind für Verkaufsstättet^ in Berlin bei der Direktion für die Verwaltung der direkten Steuern daselbst, in den anderen Gemeinden von mehr als 20 000 Einwohnern beim Gemeindevorstand und in allen übrigen Gemeinden (Gutsbezirken) bei der Bezirksregierung. Auf Verlangen ist eine Bescheinigung der Anzeige binnen einer Woche zu erteilen. Es wird in deml Erlasse noch besonders darauf aufmerksam gemacht, daß ohne Rücksicht auf die Höhe des Jahresumsatzes nur Unternehmungen der im § 1 des Gesetzes bezeichneten Art, welche ihren Sitz außerhalb Preußens haben, zur Anzeige jeder in Preußen unterhaltenen Verkaufsstätte verpflichtet sind, sofern in derselben der Kleinhandel mit mehr als einer der im § 6 des Gesetzes unterschiedenen Warengruppen angefangen oder auf mehr als eine dieser Warengruppen ausgedehnt wird. Alle anderen Gewerbetreibenden sind nicht verpflichtet, die besondere Anzeige zu machen, wenn nach den Verhältnissen des Betriebes von vornherein ausgeschlossen ifo daß der gesamte Jahresumsatz die Höhe von 400 000 Mk^ erreicht ■ ..... Deutsches Reich. Berlin, 14. August. Vom Truppenübungsplatz Loburg wird gemeldet: Der Kaiser stellte den Großherzog von Mecklenburg-Schwerin L la suite des Garde-KürassierregirnentS und ernannte den Rittmeister Prinzen von Schoenburg vom Leibgardehusarenregiment zum dienstthuenden Flügeladjutanten. Gestern abcnd fand im Barackenlager ein großer Zapfenstreich statt. Heute früh exerzierte der Kaiser die Garde-Kavalleriedivision. Zuerst fand Exerzieren statt, sodann ein Feuergefecht mit Artillerie, am Schluffe eine große Attacke und Vorbeimarsch. Der Kaiser und die Truppen kehrten gegen ein Uhr ins Barackenlager zurück. Abends fuhr der Kaiser nach Loburg, um von dort aus die Fahrt nach Munster anzutreten, wo er Mittwoch morgen 7 Uhr 30 Minuten auf dem Truppenübungsplatz in der Provinz Hannover eintreffen wird. Um diese Zeit stehen dort die Truppen bereis und zwar die 38. Jnfant.-Brigade (Regimenter Nr. 73 und 74), ferner die 2. Abteilung des Feld-Artillerie-Regiments Nr. 26 und die 1. Abteilung des Feld-Artillerie-Regiments Nr. 62, die 5. Eskadron des Königs-Ulanen-RegimentS, die 4. Eskadron des Dragoner-Regiments Nr. 16 Uelzen und die 2., 3. und 4. Kompagnie deS Pionier-Bataillons Nr. IO aus Minden. Der kommandierende General des 10. Armeekorps , Generalleutnant von Stünzner, wird sich anr Dienstag morgen von Hannover nach Celle begeben und den Hebungen der bis Munster manooerierenben Truppen beiwohnen. Die Angriffsübung beginnt am Mittwoch morgen nach der Ankunft des Kaisers auf dem UebungSPlatze Munster, und zwar unter Hinzuziehung schwerer Artillerie mit Scharfschießen. Nach Beendigung der Uebung und dem Frühstück im Offizierkasino zu Munster verläßt der Kaiser um 4 Uhr nachmittags die Station Munster. — Aus Kassel wird gemeldet: Die Kaiserin besuchte gestern vormittag mit dem Prinzen Joachim und der Prinzessin Viktoria auf Wilhelmshöhe unter Führung des HofgärtnerS Virchow die Treibhäuser und Blumenanlagen. Am Nachmittag wurde eine Spazierfahrt mit Gefolge in drei Wagen über Niederzwehren, Neue Mühle bis nach j Freienhagen unternommen. Die Rückkehr nach Wilhelmshöhe i erfolgte abends nach 6 Uhr. — Das „Mainz. Journ." schreibt: Obgleich man die Angelegenheit sehr geheim hält, so verlautet doch nach der Meldung eines Berliner Blattes aus London, daß im Kreise der königlichen Familie große Besorgnis über das Befinden der Kaiserin Friedrich herrscht; sowohl Kaiser Wilhelm, als die Königin von England sollen tief bekümmert sein über die andauernde und ernste Krankheit der Kaiserin. . t . .. - Wie aus Kiel gemeldet wirb, haben heute ine Kriegsschisse im Kieler Hase«, fo»it die öffentlichen und viele Privalgebäude der Stadt anläßlich des he», tigen 39 Geburtstages des Prinzen Heinrich I aus Ostende gemeldet wird, wird der Schah I von Persien nach einem Besuche am Brüsseler Hofe dem König von Sachsen in Dresden einen Besuch abstattem I _ Die Buren-Abgeordneten sowie der Gesandte I Dr. LeydS und der Legations-Sekretär van der Höven I haben sich heute früh nach Petersburg begeben. I — Aus Paris wird telegraphiert, Kapitän Siegel I habe im Namen des deutschen Kaisers der sran- I zöfischen Regierung Beileid zu dem Untergange deS I Torpedokreuzers „Framse" ausgesprochen. I — Der Erzbischof v. Stablewski hat, wie aus .Posen berichtet wird, ein Schreiben an den Kultus - I Minister gerichtet, in dem er um Auskunft bat, auS welchen Gründen und warum ohne Beftagung der geist- I lichen Behörde der Religionsunterricht ln polnischer Sprache in den Schulen aufgehoben und durch den d-utsch-n^rs-tzt w°rd-u Jei.^ ^tschast-r @raf Lanza, bc, Gen-raladjutanten des König Humbert ernannt I wat^bUibt jetzt nach dessen Tode aus dem hiesigen Politische Tagesschau. Die „Berl. N. Nachr." haben mit einem Artikel, be- I titelt „Eine strategische Küstenbahn", einen I Gegenstand zu erneuter Verhandlung gestellt, der schon I öfter erörtert worden ist. Der „Voss. Ztg." schreibt man I darüber von der Nordseeküste: I Eine Eisenbahnverbindung zwischen Wilhelmshaven, I dem Reichskriegshafen an der Jade, und Bremerhaven, dem wichtigsten Handelshafen an der Wesermündung, hat I hier zu Lande schon oft von sich! reden gemacht. Es ist ja I allerdings auf den ersten Blick seltsam, daß zwei wichtige I Plätze, die in der Luftlinie nur 30 Kilometer voneinander I entfernt sind, auf eine Eisenbahnverbindung von etwa I 170 Kilometer angewiesen sind. Allein das hat seine ganz I natürliche Ursache darin, daß die Eisenbahn doch die Weser I überschreiten, also Bremen berühren muß, denn unterhalb I Bremens ist keine Brücke über dem Strom und läßt sich I auch wegen der Breite und der Uferverhältnisse wohl schwer I eine anlegen; höchstens bei Berne-Farge wäre es möglich, I da aber von Farge aus wieder nur auf weitem Eisenbahn- I umwege Bremerhaven erreicht werden kann, so würde herz- I lich wenig damit gewonnen fein. Heber Oldenburg-Nor- I denham hat man eine Verbindung von 120 Kilo Nieter I Länge, was schon eine ansehnliche Abkürzung bedeutet. I Allein damit ift eine Dampfschiffahrt von Nordenham nach Bremerhaven, das am andern Ufer liegt, verbunden. Ein- und Ausladen von Truppen aus Eisenbahnzügen in Dampfer erfordert höchstens bei Infanterie ohne Train eine geringe Zeit; für Artillerie, Kavallerie und Tram ist aber so viel Zeitverlust damit verbunden, daß die 50 Kilo- meter Umweg über Bremen gar nicht in Betracht kommen, zumal die Dampferfahrt von Nordenham nach Bremerhaven auch wieder etwa eine halbe Stunde erfordert. Daß man im Fall eines plötzlichen Angriffs auf Bremerhaven gerade Truppen aus dem dann doch wahrscheinlich gleichfalls gefährdeten Wilhelmshaven und nicht aus Oldenburg oder Hannover nach der Wesermündung senden wird, wagen wir zu bezweifeln. Genug, eine kürzere Eisenbahnverbin- düng zwischen den beiden wichtigen Hafenstädten hat immer ihren großen Wert. Daher hat man vor einigen Jahren eine Bahn von Varel (Station der Eisenbahn Oldenburg- Wilhelmshaven) nach Nordenham geplant. Von Wilhelmshaven nach Varel sind etwa 25 Kilometer, von Varel nach I Nordenham ebenfalls etwa 25 Kilometer, die Entfernung würde also auf 50 Kilometer heruntergebracht, wozu allerdings noch 'bäe zeitraubende Umschiffung in Nordenham und Dampferfahrt nach Bremerhaven käme. Der olden- burgische Landtag ist nach seinen letzten Erfahrungen in Eisenbahnangelegenheiten sehr schwierig geworden, und es ist keine Aussicht, daß er die Bahn genehmigt; namentlich- auf Nordenham mehr zu verwenden, hat er gar ferne Lust gezeigt. Die Bahn ist ja auch, wenn überhaupt, von vorwiegend strategischer Bedeutung, so daß das Reich sie eigentlich übernehmen müßte. Endlich ist noch ein anderer Plan aufgetaucht — und gerade dieser wird in den „Berl. N. Nachr." verfochten — eine Bahn von dem kleinen, I Wilhelmshaven gerade gegenüber gelegenen Küstenort Eck- I warderhörn nach Nordenham zu bauen. Die Entfernung beträgt 30 Kilometer, 5 zu Wasser und 25 zu Lande, roobei jedoch 10 Kilometer Dampferfahrt von Nordenham nach! I Bremerhaven nicht vergessen werden dürfen Die Ver- bindung wäre also die kürzeste, aber ne hatte den Nachten I einer zweimaligen Unterbrechung durch die Dampfschmahrt. Truppen müßten in Wilhelmshaven >ps S-lpff, rn E - warderhörn vom Schiff aus die Bahn in Nordenham von der Bahn aufs Schiff und in Bremerhaven vom Sch^s an Land geladen werden. Daß das nut Jnfanterre ohne^Tra.n angeht, mag zugegeben werden, obwohl der Äettgcwi n I gering bleibt; daß ein solcher Weg aber für 2lttiflene uno Reiterei ausgeschlossen ist unterliegt einern Zweifel^ Dal>er kommt die Linie über ecf^clrber^orn |triÄeutuna I nicht in Frage. Sie wird lediglick). eine gewsfe ^deutung I für den Ortsverkehr haben und daher dem oldenburgischen I Eisenbahnwesen überlassen bleiben. r , f o 8 io hP§ mit dem 18. d. Mts. in Kraft tretenden LouiS Bothas bei Dalmanthua wurde letzten Samstag ^feb*1900 bie ©arenbau