Nr. 190 Erstes Blatt. Donnerstag den 16 August 1900 Gießener Anzeiger General-Anzeiger »M tu b* Mr b* Aints* und Anzeigeblatt für den "Kreis Gietzen. MTlJUitkc ► H- •MUtunbc' bierteljäbrl. Mk. 2I, monatlich 75 Pfg, mit vriugkrlobnj durch die LbholcßeLM vierteljährl. Mk. IM monatlich 66 Ptz. Bei PostbezuD Mk. 2,40 öierteljiNI mit veftellgelb. «bk bei Kit Snjeigen-Lermiitlung-stellen bei In» anb Rust «MM ■tarnen Luzeigen für den Gießener Anzeiger entjej*, Zeilenpreis: lokal 12 Pfg., anAwäriS 2Ö Pfß. GraÜsdnUlgr«: Gießener Familienbiätter, Ker hrMtze Kandwitt, Kälter Mr hrMche öofltstante. Abreße für Depeschen: Anzeiger chNtzck». Fernsprecher Rr. 5L Sie W**n B*b* bem letriger «M Mi.« GMebibMn und Druckerei: >4effre|< Ar. 7. Amtlicher Teil. . Bekanntmachung. Betr.: DieAenderung der Postordnung vom 20. März 1900. Die nachstehende Bekanntmachung Seiner Durchlaucht des Herrn Reichskanzlers bringen wir hierdurch zur öffentlichen Kenntnis. Darmstadt, den 7. August 1900. Großherzogliches Staatsministerium. I. D.: v. Krug. Mueller. Berlin W., 4. August 1900. Aeuderuug der Postordnung vom 20. März 1900. Bom 1. Januar 1901 ab wird aus Grund der Vorschrift des § 50 des Gesetzes über das Postwesen des Deutschen Reiches vom 28. Oktober 1871 die Postordnung vom 20. März 1900 wie folgt geändert: Im § 36 erhält der Absatz X folgende anderweite Fassung: Für das Abtragen der durch die Post bezogenen Zeitungen und Zeitschriften sind im Orts- und Landbestellbezirke für jedes Exemplar monatlich zu entrichten: a. für Zeitungen, die seltener als wöchentlich einmal bestellt werden, .... 2 Psg. b. für Zeitungen, die wöchentlich einmal bestellt werden ........ 4 „ c. für Zeitungen, die wöchentlich zweimal bestellt werden, ........ 6 „ d. für Zeitungen, die wöchentlich dreimal bestellt werden,........8 „ e. für Zeitungen, die wöchentlich viermal bestellt werden,........10 „ f. für Zeitungen, die wöchentlich fünfmal bestellt werden, ........ 12 „ g. für Zeitungen, die wöchentlich sechs- und siebenmal bestellt werden,.....14 „ h. für Zeitungen, die wöchentlich achtmal bestellt werden,........16 „ j. für Zeitungen, die wöchentlich neunmal bestellt werden,........18 M k. für Zeitungen, die wöchentlich zehnmal bestellt werden, ........ 20 „ 1. für Zeitungen, die wöchentlich elfmal bestellt werden,........22 „ 3n. für Zeitungen, die wöchentlich zwölf- bis vierzehnmal bestellt werden, .... 24 „ n. für Zeitungen, die wöchentlich fünfzehn- mal bestellt werden,......26 „ o. für Zeitungen, die wöchentlich sechSzehn- mal bestellt werden,......28 „ p. für Zeitungen, die wöchentlich siebzehn- mal bestellt werden,......30 „ q. für Zeitungen, die wöchentlich achtzehn- bis einundzwanzigmal bestellt werden, 32 „ r. für die amtlichen Verordnungsblätter 2 „ Das Zeitungsbestellgeld wird für die Dauer der Bezugszeit im voraus erhoben, und zwar vom 1. des Monats ab, in welchem die Abtragung beginnt. Die Bestellung erfolgt so ost, wie Gelegenheit dazu vorhanden ist. Der Reichskanzler. I. V.: v. Podbielski. Bekanntmachung. Betr.: Feldbereinigung in der GemarkungDaubringen. In der Zeit vom Samstag dem 18. August l. I. bis einschließlich Freitag dem 31. August l. I. liegen auf dem Amtszimmer der Großh. Bürgermeisterei Daubringen die Arbeiten des 3. Abschnitts vom 1. Felde irubr. Feldbereinigung, nämlich: 1. drei Zuteilungskarten, 2. ein Verzeichnis der Zuteilung, 3. ein Gütergeschoß, 4. eine Zusammenstellung der Gütergeschoffe, 5. ein Heft Geldausgleichung über zu viel oder zu wenig erhaltenes Gelände, 6. zwei Hefte Abschätzungsverzeichniffe der Obstbäume, 7. ein Heft GeldauSgleichungSverzeichnis über den Zuviel- oder Zuwenig-Empfang an Obstbaumwert, 8. das Protokollbuch Mr Einsicht der Beteiligten offen. Tagfahrt zur Entgegennahme von Einwendungen hiergegen findet statt Montag, 3. September 1900, vormittags 9V4—lOVi Uhr, im Amtszimmer der Großherzogl. Bürgermeisterei Daubringen, wozu ich die Beteiligten unter dem Anfügen einlade, daß die Nichterscheinenden mit Einwendungen ausgeschlossen sind. Die Einwendungen sind schriftlich ab- sufaffen, zu begründen und auf Papier in Aktengröße mindestens Bogen) einzureichen. Friedberg, den 10. August 1900. Der Großherzogliche Bereinigungskommissär. Süffert, RegierungSrat.________________ Bekanntmachung Betr.: Das Auftreten von Blatternerkrankungen unter ftemden Arbeitern. Unter Bezugnahme auf di». Bekanntmachung Großh. Kreisamts Gießen in rubr. Betreff vom 6. August d. Js. im Gießener Anzeiger Nr. 186 vom 11. d. MtS. sordern wir alle Arbeitgeber, die fremdländische Arbeiter beschäftigen, aus, solche umgehend hierorts anzumelden, soweit dies noch nicht geschehen sein sollte. Gleichzeitig weisen wir darauf hin, daß alle derartigen Arbeiter sich einer Impfung haben unterziehen zu lassen, widrigenfalls ihnen der Aufenthalt im Großherzogtum durch die zuständige Behörde untersagt werden wird. Gießen, den 13. August 1900. Großherzogliches Polizeiamt Gießen. H e ch l er.__ Das chinesische Rätsel. Wie ist es möglich, daß das chinesische Reich, das vor wenigen Jahren durch das viel kleinere Japan auf einem militärischen Spaziergange fast widerstandslos überwunden und schwer gedemütigt wurde, heute der Macht des ge- sammten Europa Trotz bietet und die Aussicht hat, einen langen Widerstand zu leisten? Das ist die Frage, die sich ausdrängt und deren Beantwortung vielleicht unmöglich Denn China ist über europäische Verhältnisse sehr gut unterrichtet, wir aber sind über chinesische Verhältnisse sehr schleckst unterrichtet. Tie chinesischen Gesandten sitzen in den europäischen Hauptstädten und erfahren dort alles, was zu erfahren ihnen von Interesse ist und was zu erfahren anderen möglich ist. Die Zeitungen sind ihnen zugänglich, und in Europa giebt es blutwenig Dinge, die den Zeitungen verborgen bleiben. Die Chinesen sind scharfblickende Beobachter" «und lassen sich auch den geringsten Umstand nicht entgehen, dessen Kenntnis für die chinesische Politik von Wichtigkeit sein kann. Die Gesandten der europäischen Machte sitzen in Peking, aber sie erfahren vieles nicht, was sich unter ihren Augen zuträqt Man kann ihnen daraus keinen Vorwurf machen. Die Chinesen haben in Europa viele Beobachtungsposten, in Petersburg, London, Paris, Berlin und anderen Hauptstädten Die Beobachtungen, die an diesen verschiedenen Posten gemacht werden, dienen dazu, einander zu berichtigen Die Europäer haben in China nur den einen Beobachtungsposten in Peking. China steht mit keiner anderen Macht in einem derartigen völkerrechtlichen Verkehr wie die europäischen Mächte unter sich. Die chinesisck-e Sprache ist wie dazu geschaffen einen undurchdringlichen Schleier über chinesische Verhältnisse zu werfen Der englischen und französischen Lprack-e kann ein Fremder in wenigen Jahren so mächtig werden als sei sie seine Muttersprache. Das Deutsche und das Russische sind schwerer zu bewältigen, aber doch nicht unbezwinglich. Chinesen und Japaner, die einige Jahre hier gelebt haben, wissen sich sehr gut verständlich, zu machen. Die chinesische Sprache mit ihrem Mangel an jeglicher Biegung die chinesische Schrift mit ihrem Mangel an Zeichen für Laute und Silben erlernt niemand, der sie nicht von Kindesbeinen geübt hat, in dem Maße, daß er einem Gespräche folgen und an ihm teilnehmen könnte Und dazu kommt nun der mangelnde emn des Chinesen für die Wahrheit. Man mag im übrigen über die Moral der Chinesen denkeck, wie man will; ohne Zweifel wird ja unter den Vorschriften des Confucius vieles sein, was Beherzigung verdient. Aber eine Pflicht xur Aufrichtigkeit kennt die chinesische Sittenlehre zweifellos nicht. Den Unterschied zwischen Aufrichtigkeit und Unhöflichkeit würde ein Chinese nicht begreifen. Er ist daran gewöhnt, mit seinen Reden einen anderen Sinn zu verbinden als den, der sich aus dem Wortlaut ergiebt, und ist daran gewöhnt, daß der andere ihm gegenüber dasselbe thut. Wenn der Chinese uns als Barbaren bezeichnet, so gründet sich dieses unfreundliche Urteil wahrscheinlich darauf, daß mir im Lügen nicht dieselbe Gewandtheit haben wie er. Selbst über einer Lüge ertappt zu werden, hat für den Chinesen' nichts Beschämendes; er hat dafür immer die Entschuldigung, daß er gefürchtet hat, mit dem Auüsprechen der Wahrheit auf uns einen unangenehmen Eindruck zu machen. Die europäische Diplomatie ifa über die Vorgänge in China getäuscht worden. Daß ein Volk, nachdem es eine demütigende Mederlage erlitten hat, sich wieder erholt und gesammelt hat, ist häufig der Fall gewesen. Derselbe Vorgang hat sich in den letzten fünf bis seck>s Jahren in China abgespielt, nicht allein in einer Geräuschlosigkeit, sondern auch in einem Umfange, der überraschend wirken mußte. An Kriegstüchtigkeit, namentlich in der Geschicklichkeit, die modernen Waffen zu handhaben, hat China unglaubliche Fortschritte gemacht. Unserer Politik liegt jetzt die Pflicht größter Nüchtem- heit ob. China hat sich schwerer Verletzungen des Völkerrechts schuldig gemacht, nicht allein desjenigen Völkerrechts, welches man das europäische zu nennen pflegt, und das christliche Staaten als verbindlich anerkennen, sondern auch solcher völkerrechtlichen Regeln, die es nach seinen Hebet* zeugungen als unverbrüchlich anerkennen muß. Hierfür ist von ihm Genugthuung zu fordern, und den Ausdruck Ge- nugthuung möchten wir dem Ausdruck Rache entschieden vorziehen. Nur dadurch daß wir aus dieser Genugthuuwg, bestehen, können wir der Wiederkehr ähnlicher Ereignisse vorbeugen. Und darüber besteht für uns kein Zweifel, daß Europa stark genug sein wird, diese Genugthuung durchzusetzen. Aber davor muß sich Europa aus den verschiedensten Gründen hüten, den Versuch, diese ltzenug- thuung zu 'erzwingen, mit unzureichenden Mitteln zu be- ^Europa und Asien, die christlichen Mächte und China, stehen einander gegenüber. Die Mächte Europas haben ge- meinfame Interessen und müssen sic gemeinsam vertreten. Ist ein deutscher Gesandter ermordet und besteht die Hoffnung, daß die Gesandten der übrigen Mächte diesem Schicksal entgehen, so sind doch auch sie in höchst unziemlicher und völkerrechtswidriger Weise behandelt worden. Nur mit vereinter Kraft können die europäischen Mächte ihre Interessen wahrnehmen. _ , r In dieser Beziehung haben lebhafte Besorgnisse bestanden, die durch die Ernennung eines gemeinsamen Oberbefehlshabers doch nur zum Teil beseitigt worden sind. Daß die verbündeten Heere Hand in Hand mit einander gehen, ist notwendig, aber nicht ausreichend; auch die Diplomatie muß sich gemeinsame Ziele setzen. Wir haben die feste Zuversicht, daß die europäischen Heere gegen die weit überlegene Zahl chinesischer Kärnofer siegreich bleiben werden, aber wir müssen doch wünschen, daß dieser Sieg mit möglichst geringen Opfern erfochten wird. Und dazu wird es dienen, wenn die europäischen' Heere einem gemeinsamen Oberfeldherrn folgen und wenn diesem Oberfeldherrn- williger, durch keine diplomatischen Rücksichten gehemmter Gehorsam geleistet wird. Aber sobald der Sieg erfochten ist, müssen die euro- päischen Mächte auch darüber einig sein, wie der Sieg benutzt werden soll, wie die neue Ordnung, die hergestellt wird, beschaffen sein soll. Nach unserer Auffassung ist von China zweierlei zu verlangen, daß es dem Verkehr offene Thüren gewährt, und daß es die aufständischen Elemente unterdrückt, welche die Sicherheit der Fremden gefährden. Von einer Aufteilung Chinas sprechen wenigstens in Deutschland nur Personen, die keine Verantwortlrchkeit • tragen und bei denen die patriotische Phrase mächtiger ist als die politische Einsicht. , , Welche Absichten andere Mächte, insbesondere England und Rußland hegen, entzieht sich der allgemeinen Kenntnis. Möglich ist es, daß sie im Stillen Pläne hegen, die, wenn sie laut verkündet würden, die Einigkeit nicht allein unter ihnen, sondern unter den europäischen Machten überhaupt zerstören müßten. Die besonnene Diplomatie wird darauf hinarbeiten, das Bewußtsein gemeinsamer Pflichten bei allen Staaten wach zu halten und darauf hinzuweisen, daß ein Staat, dem dieses Bewußtsein der Gemeinsamkeit verloren ginge, sich selbst schweren Schädigungen aussetzen würde. ________ Deutschlands Außenhandel im Jahre 1899« Tas Kaiserliche Statistische Amt hat von dem den Jahreshandel von 1899 darstellenden Band (Band 128 bet Statistik des Deutschen Reichs, Verlag von Puttkammer & Mühlbrecht, Berlin) „Der Verkehr mit den einzelnen Landern in den Jahren 1899, 1898, 1897" außer den ftsther erschienenen acht Heften jüngst die Hefte XV 08^1^ Ostindien, China, Japan», XVII (Argentinien, Chile, Paraguay, Uruguay) und XVIII (Brasilien, Peru) her aus gegeben. Dem Tabellenwerk dieser Hefte geht wieder: eine kurze Besprechung des deutschen Außenhandels mit vielen Ländern im letzten Jahrzehnt voraus , . Im Spezialhandel mit Britisch-Ostindien h 1899 betragen die Einfuhr 230,5 Millionen Mark und dm Ausfuhr 65,3 Millionen Mark. Zunahme gegen 1898 beträgt in itt Einfuhr 4,4 v. H., in der Ausfuhr 14,4 v. H. HMisttsächlichfte vinfuhvartikel: ungeschälter Reis, Bau»- k-olle, Jute, Leinsaat, Raps, Sesam, Mohn, Rindshäute, Kautschuk, Indigo, Stuhlrohr; hauptsächlichste Ausfuhrartikel : wollene, unbedruckte Tuch- und Zeugwaren, chemische Fabrikate, feine Erhenwaren, baumwollene Strumpfwaren. Im Spezialhandel mit China, das zurzeit im Vordergründe steht, hat 185)9 betragen die Einfuhr 29,0 Millionen Mark (ohne Edelmetalle 21,3 Millionen Mark) nnd die Ausfuhr 50,6 Millionen Mark (mit und ohne Edelmetalle). Die Einfuhr ist gegen das Vorjahr um 10,5 Millionen Mark, gegen 1897 um 28,5 Millionen Mark, hauptsächlich wegen des Ausfalls von Gold (1897: 29,5 1898: 17,8, 1899: 7,7 Millionen Mark) und Rindshäuten, Lurückgegangen, während die Ausfuhr um 2,6 Millionen Mark gestiegen ist. An der von der chinesischen Handelsstatistik festgestellten erstaunlichen Zunahme des Außenhandels scheint Deutschlands unmittelbarer Handel mit China wenig beteiligt zu sein. Haupteinfuhrwareu sind Bettfedern, Thee, Borsten, Galläpfel, Kampher, Rohseide, Strohbänder, Hauptausfuhr- waren Anilin- und andere Theerfarbstoffe, Nähnadeln, Kriegsgewehre und anderer Kriegsbedarf, Posamentier- und Knopfmacherwaren, eiserne Dampfschiffe, wollene Tuch- waren. Im Spezialhandel mit I a p a n hat 1899 betragen die Einfuhr 16,5 und die Ausfuhr 40,9 Millionen' Mark. Erstere hat um 6,2 Millionen Mark zugenommen, während letztere wegen der seit 1899 eingefiihrten japanischen Zoll- erhöhuugen um 2,1 Millionen Mark gefallen ist. Haupt» einfuhrwaren sind Kllpfer, Reis, Seidenzeug, Kampher, Fischspeck, Strohbänder, Hauptausfuhrwaren: Wolltuchswaren, Zucker, gekämmte Wolle, Branntwein, grobe Eisenwaren, Bunt-, Gold- und Silberpapier, Theerfarbstoffe, Drahtstifte, Baumwollwaren, Maschinen, Dampfschiffe, Wollengarn, mehrfach gezwirntes. Im Spezialhandel mit Argentinien hat 1899 betragen die Einfuhr 194,5 Millionen Mark (ohne Edelmetalle 194,4 Millionen Mark), die Ausfuhr 52,3 Millionen : Mark (mit und ohne Edelmetalle). Zunahme gegen 1898 vhne Edelmetalle in der Einfuhr 35,8 v. H., in der Ausfuhr 22,5 v. H. Haupteinfuhrwaren: Schafwolle, Weizen, Rindshäute, Mais, Leinsaat, Qucbrachoholz, Kleie, Häute und Felle zur Pelzwerkbereitung, Roßhäute, Flcischextrakt, Hauptausfuhrwaren: Eisenwaren, Kriegsgewehre, Baum- wollgewebe, dichte, gefärbte, Eisendraht, Wollttuhwaren, Maschinen, Wollgarn, Geschosse, Strumpfwaren, Tafelreis, Edelmetallwaren, Telegraphenkabel. Im Spezialhandel mit Chile hat 1899 betragen die Einfuhr 93,4 Millionen Mark (ohne Edelmetalle 89 Mill. Nwrk), die Ausfuhr 28,1 Millionen Mark (mit und ohne Edelmetalle). Einfuhrzunahme gegen 1898 12,5 v. H., Ausfuhrzunahme 38,4 v. H. Haupternfuhrwaren: Chilesalpeter, Sohlleder, Kupfer, Jod, Hauptausfuhrwaren: Baumwoll-, Wollwaren, grobe Eisenwaren, Telegraphenkabel, Zucker. Im Spezialhandel mit P a r a g u a y hat 1899 betragen die Einfuhr 327 000 Mark, die Ausfuhr 255 000 Mark Beide sind gegen 1898 (mit 390000 Mark Einfuhr und 281000 Mark Ausfuhr) zurückgegangen. Im Spezialhandel mit U r ü g u a y hat 1899 betragen die Einfuhr 13,1 Millionen Mark gegen 10,3 Millionen Mark im Vorjahr, die Ausfuhr 10,4 Millionen Mark gegen 8,4 Millionen Mark im Vorjahr. Zunahme der Einfuhr ?Z'2r J*- $•' Ausfuhr 23,8 v. H. Haupteinfuhrartikel: Fleischextrakt, Rindshäute, Wolle, Guano, Hanptausfuhr- «rtikel: Zucker, Baumwollwaren, Wollwaren, Eisendraht und andere Eisenwaren. Im Spezialhandel mit B r a s i l i e n hat 1899 betragen die Einfuhr 91 Millionen Mark gegen 104,6 Millionen Mark im Vorjahr, die Ausfuhr 46,5 Millionen Mark gegen 45,2 Millionen Mark im Vorjahr. Haupteinfuhrwaren: Kaffee, Rohtabak, Rindshäute, Kautschuk, Kakaobohnen, Hauptausfuhrwaren: Eisen-, Baumwoll-, Wollwaren, Dampfschiffe von Eisen, Edelmetallwaren, chemische Erzeugnisse. Im Spezialhandel mit Peru hat 1899 betragen die Einfuhr 4,1 Millionen Mark gegen 4 Millionen Mark im Vorjahr, die Ausfuhr 7,7 Millionen Mark gegen 6,8 Mill. Mark fm Vorjahr. Zunahme der Einfuhr 4,1 v. H., der Ausfuhr 12,9 v. H. Haupteinfuhrwarcn: Guano, Cocain, Silbererze, Boraxkalk, Rindshäute, Drogen, Hauptausfuhrwaren: Baumwoll-, Woll-, Eisenwaren, Flaschenbier, Edelmetallwaren, Leder, Maschinen, Kleider und Wäsche, Wollengarn, Theerfarben. Aus Stadt und Land. Gieße«, 15. August 1900. ** Zur Kohlennot. Die Zwickauer „N. N." veröffentlichen ein „Eingesandt", für welches sie allerdings nur die preßgesetzliche Verantwortung übernehmen, das aber doch zum Nachdenken anregt. Es heißt da u. a.: „ES sind keineswegs immer die Kohlenwerke selbst, welche die PreiS- steigerung der Kohlen veranlassen, es thut dies ein Teil der Kohlenhändler, welcher ein regelrechtes Ausbeutungssystem betreibt. Die Grubenbesitzer müssen den Händlern oaS abgeschlossene Quantum zum früher vereinbarten Preis lresern, während diese ihrerseits die Kohlen meist außerhalb wachsens dort anbrmgen, wo in Folge des B darsS die Prerse enorm gestiegen sind. Die Kohlen gehen ins Ausland und fehlen hier, wodurch namentlich die Industrie ge- waltlg geschädigt wird Was sagt man zu folgendem? Ern Kohlenhändler kaufte hier Kohlen für 168 Mk. per Doppelwagen und verkaufte sie an eine Thüringer Porzellan- fabrik, die Notlage derselben sich zu nutze mackend für 260 ölfo ettoa 100Mk. theurer als im Einkauf'' Die Fabrik brauchte in der Woche zehn Ladungen: jede mit 92 Mk. Verdienst geliefert, brachte dem Händler 92 >< 10 = 920 Mk in der Woche Gewinn! .... Zwickauer und OelS- nitzer Kohlen werden hauptsächlich in der Richtung nach Kiel, Kassel und Teplitz verkauft, und von da aus werden dieselben Kohlen wieder — hierher ungebeten, wie folgender Brief zeigt: „Teplitz, 14. Juli 1900. Herrn.....in Chemnitz. Wir sind in der Lage, Ihnen heute zu offerieren: Zwickauer (!) Steinkohle 218 Mk., ungewaschene Würfel 208 Mk. 2) Oelsnitzer (!) „Deutschland" 248 Mk. für den Doppelwagen usw. Hochachtungsvoll . ..Der Chemnitzer Adressat ist Kohlenhändler, und wenn man bedenkt, daß die Teplitzer Firma bei den gegenwärtigen Preisen der Oelsnitzer „Deutschland"-Kohlen etwa 50 Mk. für Den Doppelwagen verdient, und daß der Chemnitzer Händler doch auch noch mindestens 20 Mk. verdienen will, so gehen einem wohl die Augen darüber auf, woher der Mangel und die hohen Preise der Kohlen kommen. Ein Leipziger Industrieller meldet, daß er Zwickauer (!) klare Kohle von Kassel (!) aus angeboten erhält, während von Kiel (!) aus Zwickauer Würfelkohle offeriert wird. So werden hier die Kohlen einfach von auswärtigen Händlern angekauft, und dann werden Preise verlangt, wie sie nur irgend erreicht werden können. Das Eingesandt regt an, daß die Handelskammern sich mit diesen unhaltbaren Zuständen befassen mögen. Lich, 13. August. Gestern sand hier in der Turnhalle die Bezirksvorturnstunde statt, woran sich zwölf Vereine mit 37 Turnern unter Leitung des BezirkSturn- warts F. Wiegand aus Gießen beteiligten. Die Leistungen von verschiedenen Turnern, besonders die des Herrn Müller aus Birklar, waren ausgezeichnet und fanden allgemeinen Beifall. 4- Lich, 14. August. Von allen Freunden eines erfrischenden Schwimmbades im kühlen Fluß mußte eß lebhaft bedauert werden, daß in unserer Stadt trotz der Nähe der Wetter, die gute Gelegenheit zum Schwimmbad bietet, keine geeignete Badeanstalt bestand. Zwar hatte die Gemeindeverwaltung oberhalb der Stadt an der Wetter einen Bretterverschlag errichten lassen, und es stand jedem frei, dort seinem geliebten Schwimmsport zu huldigen. Allein für Erwachsene ist dort der Bach zu seicht, und übrigens zeigte die Badeanstalt bald alle Mißstände, die nach längerem Gebrauch ohne Aussicht zu erwarten waren. Es wurde deshalb von verschiedenen Seiten angeregt, eine Gesellschaft zum Zweck der Errichtung einer Badeanstalt zu gründen, als der Stadtvorstand aus den Mißstand aufmerksam gemacht wurde, und die Suche in die Hand nahm. Er kaufte von Mühlenbesitzer Zimmer eine Liegenschaft mit einem Hause, die frühere Lohmühle, an der Wetter unterhalb der Stadt, und dort wird nun durch bauliche Aende- rung, Vertiefung des Flußbettes usw. eine den Anforderungen der Zeit entsprechende Badeanstalt hergerichtet. Hoffentlich werden dann auch die Damen einen kleinen Teil ihrer freien Zeit dem Schwimmsport widmen, so wie sie sich zu einer Damenriege im Turnverein zusammengeschlossen haben. Zu bedauern ist nur, daß nicht schon in dieser Saison die Anstalt dem Gebrauch übergeben werden konnte. Hungen, 14. August. Zur 40. Wanderversammlung und Ausstellung des Oberhessischen Bienenzüchter-Vereins am 20. August hier sind viele Anmeldungen eingegangen. Die Beteiligung von auswärts Der» spricht eine große zu werden, wozu namentlich auch die günstige Verkehrslage Hungens beitragen wird. Nicht allein Imker, sondern auch jeder andere findet zum Feste Zutritt, wo ihm Gelegenheit geboten ist, den fortgeschrittenen Standpunkt der Bienenwirtschast mit allen dazu nötigen Mitteln zu besehen. Von Jahr zu Jahr interessieren sich immer weitere Kreise für diesen Zweig der Landwirtschaft, der in manchen Gegenden sozusagen mit ein Erwerbszweig bildet, und so darf man hoffen, daß das Bienensest in Hungen recht regen Zuspruch hat. r. Melbach, 15. August. Im vorigen Sommer hat man in unferm Otte mit dem Bau eines neuen Schul- jauses begonnen, baß jetzt soweit vollendet ist, daß eß )em Gebrauche übergeben werden kann. Nächstens soll in Anwesenheit der Vertreter der Kreisschulkommission eine feierliche Einweihung stattfinden. Daß Schulhauß, das in einem Aeußem ein prächtiges Gebäude ist, enthält einen Schulsaal und die Wohnung für einen Lehrer. Schlitz, 12. August. Vorige Woche beging Herr Karl Kurz, der langjährige bewährte Bleichmeister der Firma Gg. Langheinrich, die Feier des Tages, an welchem er vor 25 Jahren in dieses Geschäftshaus eintrat. Der Jubilar jat es während dieser Zeit verstanden, sich durch treue Arbeit und Pflichterfüllung die volle Anerkennung und Zuneigung seiner Firma zu erwerben. Von dieser Anerkennung egten die Herrn Kurz an seinem Jubeltage von Seiten der Firma Langheinrich, deren Angestellten und Arbeiter gewordenen Ehrungen und Geschenke vollgiltigeß Zeugnis ab. -v. Klein-Karben, 13. August. Unser Kriegerverein, >cr erst feit einigen Jahren besteht, feierte am 11., 12. und 13. August seine Fahnenweihe. Verbunden hiermit war zugleich daß Bezirkßfest Vilbel. Ort und Festplatz waren aufs schönste geschmückt. Man sah kein Hauß, das nicht mit Fahnen und Fähnchen, Kränzen, Guirlanden, Blumen und Tannengrün prächtig dekoriert war. Zahlreiche Tannenbäume standen auf den Straßen und mehrere Ehren- )forten waren errichtet. Im ganzen Orte herrschte die lenkbar beste Feststimmung. Der geräumige Festplatz brand sich an den Ufern der Nidda in einem schattigen rastanienwäldchen. Um 2y4 Uhr bewegte sich der Festzug durch daß Dorf; 15 Vereine waren erschienen, nämlich vollzählig die 13 Vereine deß Bezirkß Vilbel und die Kriegervereine von Fauerbach und Gronau. Auch Gras Oriola von Büdeßheim, ein Förderer der Sriegerocreine, nahm an )em Feste teil. Die Festrede hielt Lehrer Kost von hier, der mit einem begeistert aufgenommenen Hoch auf den obersten Kriegsherrn, den Kaiser und auf den Protektor »es Hasfia-Verbandes, den Großherzog schloß. Die prächtige Fahne, die von den Ortsbürgern gestiftet worden ist, wurde von Fräulein Vetter mit einer sinnigen Ansprache Überreicht, und vom Präsidenten dem Fahnenträger übergeben mit dem Gelöbnis, treu zu der neuen Vereinß- fahne zu halten. Im Namen des Bezirks sprach noch Lehrer Will von Rendel. Hieran schloß sich Konzert und Tanz, und es war in jeder Hinsicht den Ansprüchen der Teilnehmer genügt, dir in großer Anzahl auß der Nähe und Ferne erschienen waren. Die ganze Feier nahm dank der günstigen Witterung den schönsten Verlauf. Darmstadt, 14. August. Im Obrrpostdirektionßbezilk Darmstadt ertrug die Wechsel stempelsteuer im Juli ü- I. 18 792,80 Mk., daß giebt zusammen mit (den Vormonaten deß lausenden Etatßjahreß 68 513,70 Mk., oder 6753,40 Mk. mehr alß im entsprechenden Zeiträume des Rechnungßjahreß 1899.__ £♦ Bundestag der deutschen Gastwirte. , Heidelberg, 14. August. Nachdem bereits gestern eine Reihe Sitzungen des Bundesvorstandes abgehalten worden sind, eröffnete heute der Vorsitzende des Heidelberger Wirtevereins, Reith, die Hauptversammlung des Bundes deutscher Gastwirte mit einer kurzen Begrüßungsansprache, an die fuh eine weitere des Vertreters der Stadt Heidelberg, Bürgermeisters Walz, anschloß, worauf der Vorsitzende Präsident F a c i u s - Leipzig den Geschäftsbericht erstattet. Daraus ist hervorzuheben, daß dem Bunde 13 Landesverbände mit über 30000 Mitgliedern angehören und daß der bayerische Verband mit 6000 Mitgliedern neu. hinzugetreten ist. Auf der umfangreichen Tagesordnung behandelt zuerst Berg- Ludwigshafen Namens des Pfälzer Verbandes die Frage der Stellungnahme des Bundes zu dem in Aussicht stehenden neuenWeingesetze. Er empfiehlt, die Knnst- wemfabrikation zu verbieten nnd eine strenge Kellerkontrolle einzuführen. In Verbindung mit dieser Frage stellt Bvuget-Metz den Antrag, die Versammlung möge sich gegen die von der Budgetkommission des Reichstags vor- geschlagene Besteuerung der deutschen Schaumweine aussprechen. Gegen diesen Antrag wendet sich Hug-Trier, da die Regierung in dem Sekt wohl eine Steuerquelle zur Deckung der Fl o t t en ko st en erblicken könne. Der Antrag Bouget wird mit sehr großer Majorität abgelehnt. Angenonrmen wird zu dieser Frage der Weinbesteuerung ein Antrag Walz- Mainz, der folgendes Der» langt: 1) Begrenzung der Kelterungs- und Verbessernngs- zeit, 2) Begrenzung der Vermehrung, 3) strenge Kontrolle durch Sachoerständige, 4) Verbot der Anwendung der Trester zur Weinbereitung und 5) absolutes Verbot des Verkaufs von stillem Kunstwein. Zu einer längeren Debatte führt die Frage des Flaschenbier Handels, der im badischen Oberland insofern in geregelte Bahnen gelangen dürfte, als die Wirte sich mit den Brauern dahin verständigt haben, daß die Biere an Bierhändler nur zu bestimmten Preisen und nicht billiger als an die Wirte abgegeben werden. In der Debatte wird betont, daß solche Verträge wohl sehr wünschenswert feien, daß aber an eine allgemeine Durchführung dieser Art von Selbsthilfe nicht zu denken sei. Wünschenswert sei vor allem, daß die Regierung dazu übergehe, den Verkauf des Flaschenbieres an Konzessionen zu binden. Demgegenüber wird betont, daß im Reichstag ein dahingehender Antrag nahezu einstimmig abgelehnt worden sei. Neff- Straßburg begründet folgenden Antrag: Der Bundesrat wolle beschließen, bei der Reichs- regierung dahin zu wirken, ein Gesetz herbeizuführen, wonach der Schänkbetrieb für V e r e i n s h ä u s e r eingeschränkt werde. Es dürfte nur an wirkliche Vereinsmitglieder verkauft werden. Ferner sollen in den betreffenden Vereins Häusern Tanzbelustigungen, Festmähler rc. nur für Vereinsmitglieder stattfinden dürfen und nicht wie bisher für jede anoere Korporation. Bei der Debatte wird nicht verkannt, daß die Durchführung außerordentlich schwierig fei. Die Versammlung beschließt, der schon ausgearbeiteten Petition auf Abänderung des § 33 der Gewerbeordnung über Konzessions- toefen rc. eine eingehendere Erklärung beizufügen, im Sinne der elsässischen Anträge. Rumetsch-Stuttgart verbreitet sich! über Reformen im Gastwirtsgewerbe, besonders über die gesetzliche Regelung der Arbeitsverhältnisse nach denl Beschlüssen der Kommission für Arbeiterstatistik. Er vertrat im Gegensatz zu den Ausführungen der Gehilfenpresse eine erneute Petition an den Reichstag, in der um eine „Milderung" der Beschlüsse gebeten werden solle. I a k o b-Erfurt vertritt im Gegensatz zu den Ausführungendes Vorredners die gefaßten Beschlüsse der Kommission, mit denen der Wirt sich wohl zufrieden geben könne. Nach kurzer Debatte wird der Vorstand des Bustdes beauftragt, die Forderungen der Gehilfenschaft im Ange zu behalten, um gegebenen Falles eine Gegenpetitivn ausarbeiten zu können. Henkel- Frankfurt begründet sodann den Antrag be$ Frankfurter Gastwirteverbandes, der Bund möge eine Petition an den Reichstag ausarbeiten, das Verbot Dow Fabrikarbeiten bei Mädchen unter 17 Jahren! betreffend. Würde ein solches Verbot erlassen, so würde das weibliche Angebot für den Haushalt sich wesentlich steigern. T h o m a n ü - Hannover plaidiert im Auftrag des nordwestdeutschen Gastwirteverbanoes für die gleiche Petition, wünscht aber, daß die Verbotsgrenze auf 18 Jahre festgestellt werde. Schließlich einigt man sich dahin, in Verbindung mit dem deutschen Gastwirteverband und dem Bunde der Landwirte eine Petition einzureichen, wonach Mädchen unter 17 Jahren im Fabrikbetrieb nicht beschäl tigt werden dürfen. Weppel - Karlsruhe berichtet über die Frage der Zollerhöhung auf Pilsener Bier und stellt bm Antrag, der Bund der Gastwirte möge bei den Berliner! Brauereien dahin vorstellig werden, daß die Brauereiew die Zollerhöhung tragen. Held- Leipzig und Henkel- Frankfurt führen aus, daß die Berliner Brauereien sich nicht um den Preis der Pilsener Biere im Auslande kümmerten. Diese Preise regulierten die sogenannten Generalvertreter, die durch hohe Lieferungsabschlüsse in der Sage seien, die Preise je nach der Abnahme hoch ober nieder zu stellen. Wenn in Berlin die Vertreter sich dazu verstanden hätten, einen Teil des Zolles zu tragen, so komme das daher, daß in Berlin der Preis des Pilsener Bieres für die Wirte bisher wesentlich höher gewesen wäre, als in' anderen Städten. Wenn unsere deutschen Brauereien fort» fahren, gutes helles Bier nach Pilsener Art zu brauen, so würde, das Publikum wohl selbst Don dem Pilsener Bier mit der Zeit abkommen, und diese Frage werde so am besten gelost. Nach diesen Ausführungen wird der Antrag, zurückgezogen. ' Die Einführung der obligatorischen Faßaiche und der regelmäßigen Nachaiche für Wein-, Beer- und Branntwein-Trausportfässer und die Einführung der Gläseraiche soll durch erneute Petitionen an ben Reichs tag angeregt werden. Mücherlein-München stellt den Antrag, der Bund möge bei dem Reichstag dahin vorstellig werden, daß der g 14.5 des Reicbsstrafgesetzbuches wie folgt »bgeändert werde: „Ter Wirt, welcher das Verweilen von Säften länger als 30 Minuten über die P o l i ze i st u n d e gestattet, wird bestraft." Jetzt sieht der Paragraph eine Strafe vor, wenn die Polizeistunde einfach überschritten ist. Rach Erledigung einiger interner Angelegenheiten wird, wie die „Franks. Ztg." meldet, beschlossen, den nächstjährigen Bundestag in München abzuhalten. Vorgeschlagen waren ferner Saarbrücken und Frankfurt a. M. Ts wird sodann der bisherige Bundespräsident durch Zuruf wiedergewählt und der Bundestag geschlossen. Vermischtes. fg * Dortmund, 13. August. Eine neue Auslegung hat der Grobe Unfug-Paragraph seitens der Dortmunder Polizei erfahren, Nämlich: auch „zwecklose Redens- arten" können einen groben Unfug darfiellen! Ein hiesiger Einwohner hatte einen Schutzmann, mit dem er bekannt ist, auf der Straße scherzhaft gefragt: „Können Sie mir sagen, wo der Weg nach Dortmund hin geht!" Er erhielt rin Strafmandat über 15 Mk., laut welchem er den Beamten „durch zwecklose Redensarten" belästigt, dadurch aber groben Unfug verübt habe. ' • Ro«, 14. August. Alle Leichen der beim Eisenbahnunglück bei Castel Guibileo Verunglückten sind jetzt identifiziert; alle find Italiener. Die verunglückten Offiziere werden morgen mit vollen militärischen Ehren be- erdigt. Der Papst, der im Lause des Tages den Bischof Anzer empfangen und dann den vom Jubeljahr vorgeschriebenen Besuch in der PeterSkirche gemacht hatte, erfuhr die Nachricht von der Katastrophe erst spät abends, er war tief niedergedrückt und begann sogleich für die Ver- unglückten zu beten. DaS Eisenbahngeleise wurde heute mittag gänzlich freigemacht. Ein Mittagsblatt meldet, daß die Kutscher, die das KönigSpaar in der Nacht nach der Unglücksftätte brachten, von den Verwundeten und Geretteten bestürmt wurden; sie forderten aber für die Rückfahrt derartig enorme Preise, daß nur die Reichsten fahren konnten. Die Entrüstung der anderen war unbeschreiblich. * Ein Eisenbahnbillet von der Erde bis zur Sonne Ein Amerikaner hat ausgerechnet, daß ein Eisenbahnbillet von der Erde bis zur Sonne 930000 Doll, oder 3 720000 Mk. kosten würde. Nach dem Taris für deutsche Eisenbahnen würde sich, bei Annahme der mittleren Entfernung in Höhe von 140 Million Kilometer, der Preis für ein Billet zweiter Klasse auf 6’/4 Mill. Mk. stellen. Die Bestimmung des deutschen Reglements aber, daß die BilletS nicht übertragbar sind, würde bei einer solchen Fahrt schwer durchzuführen sein; wenigstens müßten dieselben — und zwar bis ins zehnte Glied — vererbbar sein, denn bei einer Geschwindigkeit von 60 Kilom. in der Stunde würde die Reise 2500000 Stunden = 104166% Tage = 258% Jahre dauern. — Nachrechnen! Familien Nachrichten. Gestorben: Frau Äatbarine Wachtel ßcb. Ludwig zu Darmstadt. P. P. Den Eingang sämtlicher Saigon-Neuheiten in Tuvh und BHCk-eikUt •va für Herbst und Winter 18! zeige ergebest an BochacMungteoU Markus Bauer. Anfertigung nach Mass in eigener JVerlest Ulte. A ■ ■ (Honson) zw. Darmstadt u. Heidelberg, AUw* MhvM Hotel u. Pension „zur Krone“, Sommerfrische. Pensionsprospekt u. Führ. grat. Bes : O. Diefenbach. 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