190© Mittwoch den 16 Mai 1208 Amts- und Anzeigeblatt füv den Uw» Gieren. Nen Hi all. gtgstiseh nent ?811| W fdt, M ergnßr«^ 4. , tadchj igen fieHhUst, Expedition und Druckerei: -4»lstrahe Ar. 7. durchgesetzt habe, daß die Rue des Nations am Tage der Einweihung des deutschen Palastes für den Wagen- verkehr geöffnet werde. Man macht also dem deutschen Unternehmen trotz oder vielleicht wegen der von Berlin aus ausgewandten Höflichkeit in der kleinlichsten Waise chicanöse Schwierigkeiten. bot, trat Levi damit in die bedeutendste Epoche seines Lebens ein. Einer der feinsinnigsten Kenner der Wagner'schen Meisterwerke wurde er 1882 ausersehen, zum ersten mal in Bayreuth das Bühnenweihfestspiel, den Parsival, zu dirigieren. Der ungeheure Erfolg dieser ersten Parsivalauf- führung gehört der Musikgeschichte an. Fortan blieben Richard Wagner und Hermann Levi in innigster Freundschaft mit einander verbunden. Wagner, wohl wissend, was er dem genialen Kapellmeister verdankte, hat ihn oft vor versammelter Künstlerschaar als sein „alter ego* gefeiert. Alle Triumphe, die Hermann Levi erlebte, alle Ehrungen, die ihm die Großen der Erde boten, nahmen ihm nicht die Bescheidenheit, die uns als eine der sympathischsten Seiten seiner Wesenheit entgegentritt. Levi hatte, um ein Wort deS alten Fontane zu gebrauchen, „keinen Sinn für Feierlichkeit". Jede Ovation, die seiner Person galt, bedrückte ihn. Inmitten seiner Künstler war sein Platz, hier war er allen ein väterlicher Freund, ein wahrer Wohlthäter, wenn es Sorgen und Schmerzen zu lindern galt. — Der Ruf des großen Dirigenten war auch in das Ausland gedrungen. Levi — der 1870 als Krankenpfleger die deutschen Truppen begleitete — war einer der ersten deutschen Künstler, die nach dem Krieg in Paris den Dirigentenstab schwangen und der Kunst Richard Wagners in Frankreich die Wege bahnten. Auch in Madrid dirigierte er vor einer begeisterten Menge. Damals geschah es, daß ihn die Königin im engsten Fa- milienkreise empfing und ihn aufs liebenswürdigste unterhielt. Levi, im Begriff aufzubrechen, wird von der Regentin zum Bleiben genötigt. Da öffnet sich eine Seiten- thür, der kleine König springt herein, gibt Levi die Hand und fragt: „Wie geht es in München der Tante Paz?" Levi war im Palais der Prinzessin Paz in München ein oft und gern gesehener Gast. Mit begeisterten Worten hatte einst Meister Lenbach dem Fürsten Bismarck von seinem Freunde Hermann Levi All« Anzeigen-LermittlungSstelle» be» Ja- und Auslandes nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger entgegen. Zeilenpreis: lokal 12 Pfg., auswärts 20 Pfg. Bezugspreis Vierteljahr!. Mk. 2,20 monatlich 75 Pfg. mit Dringerlohn; durch die Abholestellev viertcljährl. Mk. 1,96 monatlich 65 Pfg. Bei Postbezug Mk. 2,40 vierteljährt. mit Bestellgeld. 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Ein Reutertelegramm aus Stonehill Farm vom 14. ist dagegen ausführlicher Es lautet: Nach viertägigem Marsche in östlicher Richtung bis zum Fuße der Helpmakaarshöhen, auf denen der linke Flügel des Feindes stand, griff die zweite Brigade (Hildyard) am Sonntag (13.) den Feind auf der linken Flanke an. DundonaldS 3. Kavalleriebrigade bedrängte die Buren im Centrum, während Bethunes berittene Infanterie auf den äußersten rechten Flügel gegen Pomery vorgmg. Der Feind wartete jedoch den Angriff nicht ab." Danach ist also auch hier eine Umgehung des linken feindlichen Flügels gemacht worden und entgegen den bisherigen trüben Erfahrungen Bullers gelungen, weil sie geheim gehalten und schnell ausgeführt wurde. Ob damit die ganze Stellung der Buren auf den Biggarsbergen unhaltbar geworden ist, läßt sich noch nicht sagen. Buller stellt die Besetzung von Dundee in nahe Aussicht. Indessen erinnert man sich, daß seine Prophezeihungen nicht immer eingetroffen sind. Aus Kroonstad wird dem Reuter'schen Bureau vom 12. gemeldet: Präsident Steijn hat sich nach Heilbron begeben, nicht nach Lindley, und hat Heilbron zur neuen Hauptstadt erklärt. Ueber 400 Bürger haben ihre Waffen ausgeliefert. 8000 Buren mit 20 Geschützen flohen aus Kroonstadt. Sie rannten aus den Schützen- gräben und ließen die Befestigungswerkzeuge im Stich. Präsident Steijn geriet in solche Erregung, daß er die Fliehenden mit Faustschlägen und Fußtritten zurückzuhalten snchte. Der Landdrost schickte einen Vertreter an Roberts; dieser forderte den Landdrost auf, persönlich zu kommen und Kroonstad zu übergeben. Hieraus fand ein festlicher Einzug der Truppen unter den Klängen der Nationalhymne statt, während Roberts mit seinem Stabe auf dem Marktplatze hielt und eine amerikanische Dame die britische Flagge auf dem Rathhaus hißte. Die wenigen englischen Einwohner riefen Hurrah, während die Holländer schweigend zuschauten. Roberts machte eine Anzahl Gefangene, darunter auch Ausländer. Man glaubt, daß die geflohenen TranSvaalen unter Botha und Dewet den Uebergang über den Vaalfluß verteidigen werden. Der Krieg iu Südafrika. Während Lord Roberts nach den großen Anstrengungen der letzten beiden Wochen feinem Heere irt Kroonstad einige Tage Pause gönnen muß und auf den übrigen Kriegsschauplätzen wenn nicht Ruhe, so doch nur geringe Thätigkeit herrscht, was namentlich dem ausgehungerten Mafeking verhängnisvoll werden kann, ist General Buller endlich aus langem Schlummer erwacht. Eine Reuter- Depesche aus Pietermaritzburg vom 14. mittags besagt: „General Buller meldet amtlich, es sei ihm gelungen, die Biggarsbergpässe zu forcieren. Die Besetzung von Dundee wird heute erwartet." ES hat lange gedauert, bis Buller wieder dazu übergegangen ist, den eigentlichen Zweck seiner Anwesenheit in Natal der Verwirklichung näher zu bringen. Die Thätigkeit dieses Generals ist nicht geeignet, in den Herzen der Engländer viel angenehme Gefühle zu erwecken. General White, der die belagerte Stadt vier Monate lang verteidigt hat, wurde wie ein Triumphator in seiner Heimat empfangen und als Held von Ladysmith in überschwänglicher Werse gefeiert. Ob General Buller wohl ein ähnlicher Empfang bereitet werden wird? Man sollte meinen, daß die Reihe der von ihm begangenen Fehler zu groß ist. Er hat beinahe zwei Monate unter schweren Verlusten vergeblich versucht, das Burenheer vom Tugela zurückzudrängen, und dieses Ziel schließlich nicht aus eigner Kraft erreicht, sondern dadurch, daß das siegreiche Vordringen Lord Roberts im Freistaate die Buren zwang, ihre Truppen in Natal zu schwächen. Seit dem Entsatz von Ladysmith aber am 28. Februar hat er in vollkommener Unthätigkeit verharrt. Wenn aus Natal etwas zu berichten war, so hatte nicht Buller, sondern die Buren dazu Anlaß gegeben, die verschiedene Versuche gemacht haben, die Engländer zu umgehen und abzuschneiden. Jedenfalls haben die offensiven Versuche der Buren gezeigt, daß ein Angriff auf die besetzten Bergpässe große Opfer er- forden und wahrscheinlich keinen Erfolg haben würde. Wie dem auch sei, der jüngste Erfolg der Engländer in Nata ist gleichfalls nicht das eigene Verdienst Bullers, sondern abermals eine Wirkung von Roberts Vorgehen im Frei- Nr. 113 Erstes Blatt. Meßmer Anzeiger Heneral-Anzeiger gesprochen. Den Kanzler lockte es, den seltenen Mann kennen zu lernen, und er lud ihn sogleich nach FriedrichS- ruh ein. Levi verbrachte dort die anregendsten Stunden, mußte seinen Besuch wiederholen, und unterhielt auch nach Bismarcks Tod mit dem Fürsten Herbert und dem Grafen Rantzau die freundlichsten Beziehungen. 1896 schied Levi aus seiner Stellung und genoß nun das otium cum dignitate. An der Seite einer hochgesinnten Frau, die er erst vor wenigen Jahren zum Altar geführt hatte, waren ihm in seiner herrlichen Villa zu Parten- kirchen, in seinem Heim zu Florenz und München Tage reinster Freude beschieden. In seiner Muße nie müßig, machte er sich ans Werk, die Libretti der Mozart'schen Meisteropern zu bearbeiten und ausländische Operntexte zu übersetzen. Levi war auch als feiner Litteraturkenner geschätzt. Hier in seiner Vaterstadt reifte in ihm der Gedanke, die in Goethes Werken zerstreuten Novellen zu sammeln und in einem Band unter dem Titel „Goethes Novellen" herauszugeben. Das Buch, dessen Erscheinen er nicht mehr erleben sollte, wird demnächst der Oeffent- lichkeit übergeben werden. — So ließen sich noch immer neue Züge finden, das Bild des vortrefflichen Mannes zu vervollständigen. Zum Schluß sei seiner Thätigkeit als Komponist gedacht. Mit Recht hat er oft über die „Kapellmeistermusik" seiner Kollegen gescherzt. Levi hat darauf verzichtet. Epigonenhaftes zu schaffen. Was er uns als Unvergängliches gegeben hat, sind seine tiefempfundenen, tn ihrer Art bedeutenden Liedkompositionen. Hier wandelt er feine eigenen Wege und behauptet seinen Platz neben den besten Meistern. Wer kennt nicht seinen „Letzten Grup , der von Tausenden gesungen über Länder und Meere letzte Gruß ist es, den di- «a.-rstM ihrem großem Sohn- hiermit darbringt. Eh-- simem Andenken. Kermann Levi t- Aus München kommt die Trauerkunde, daß unser berühmter Landsmann, Generalmusikdirektor Hermann Lem, »erschieden ist. Während es seinem Vater, dem Oberrabbiner Dr. Benedikt Levi, vergönnt war, über das neunzigste Lebensjahr hinaus sich körperlicher und geistiger Frisch- zu -rsreuen, ist sein Sohn Hermann im 61. Jahre einem tückischen Herzleiden zum Ops-r gefallen. Hermann Levi wurde 1839 zu Gießen geboren. Schon aus dem Gymnasium erregte gelegentlich eines Akius lein musikalisches Talent di- allgemeine Bewunderung. In den sünsziaer Jahren begab er sich zu Bincenz Lachner und vollendete 1859—61 seine Studien aus de« Konservatorium zu Leipzig. Als Dirigent bethätigte er sich zuerst IN Saarbrücken, ging dann als Leiter der Oper nach Rotterdam, von dort nach Karlsruhe, um 1872 einem Ruse an die Hosoper in München zu folgen. Der Kunststadt an der Isar blieb er bis zum Beschluß seiner künstlerischen Thätig- leit, ja bis an sein Lebensende treu. Hermann Levi gehört zu den berühmtesten Dirigenten der Neuzeit. Werk ihn je am Dirigentenpult stehen sah, dem bleibt seine ünstlerische Eigenart unvergessen. Den «örver vollkommen in der Gewalt habend hielt er mit scharfem Auge den mächtigen Apparat des Orchesters und der Bühne in seinem Bann. Dre Künstlerschar vor ihm ,nd über ihm floß in einen harmonischen Strom zusammen, »em sein Genius Ziel und Richtung gab. Orchester und Sänger blickten mit größter B-r-hrung zu ihm empor. Es ist bezeichnend sür die Schlichtheit des Mannes, daß er bei I-inem Scheiden aus dem Amt vor die Frage gestellt, ob er »inen hohen Orden oder die Ehrenmttgliedschaft der Münchener Hoskapelle annehmen solle, sich für di- Zugehörigkeit zu seinen Künstlern entschied. Als König Ludwig Richard Wagner die Frenndeshand «nn°d»i« »." «»,-tS-n zu der »-chinittag- st- dm ,.I,n>dn> r«f -rtch-tn-ndm Nummer M °°rm. 10 Uhr. Abbestellungen spätesten- abenbS vorher. Politische Tagesschau. Daß die Eröffnung eines deutschen Hauses auf btt französischen Weltausstellung kein EreigmS gewöhnlicher Art, sondern auch ein p olitisches Ereignis ist, unterliegt keinem Zweifel. Die französischen Zeitungen beschäftigen sich eingehender damit, als mit der Eröffnung der übrigen Nationalhäuser, wie sie jetzt jeder Tag mit sich bringt. Hierzu kommt, daß am Mittwoch eine kleine Vo^ eröffnung stattgefunden hat, zu der fast ausschließlich Franzosen eingeladen waren. Man wollte diesen das erste Urteil über das innere des deutschen Hauses lassen und ihnen damit einen neuen Beweis der Höflichkeit geben. Der politische Wert dieses Höflichkeitsbeweises soll noch durch besondere Umstände erhöht worden sein, die man jetzt von französischer Seite erfährt. Die Pariser Zeitung „Matm" macht sich zum Sprachrohr dieser Umstände. Sie nennt jenen Empfang am Mittwoch, zu dem von den Vertretern der Preffe nur die französischen eingeladen worden waren, eine „R6ception Imperiale“ und schreibt dann darüber u. A. folgendes: . „eine charakteristische Einzelheit, in der man gleichzeitig die Liebenswürdigkeit wiederfindet, die Kaiser Wilhelm seinen rem gesellschaftlichen Kundgebungen beilegt, und die auch von einem beständigen Wunsche Zeugnis giebt, jeder seiner Handlungen einen persönlichen Stempel aufzuprägen, ist der Umstand, daß die Liste der vom deutschen Botschafter, Fürsten von Münster, im Einvernehmen mit dem Reichs- kommifsar, Dr. Richter, zur Teilnahme an jenem Empfang bestimmten Personen dem Kaiser nach Berlin übermittelt wurde, und daß die Einladungen dann an jede dieser Personen durch Telegramme erfolgten, die mit dem Namen des Kaisers unterzeichnet waren. Es war also der deutsche Kaiser selber, der am Mittwoch m seinem Hause an der Seine empfing. Ist es nach dem Gesagten noch nötig, besonders zu erwähnen, daß dieser Empfang glänzend und wohlorgamstert war? Lakaien in kaiserlicher Livree durcheilten beständig die verschiedenen Räume und boten den Besuchern champagnergefullte Gläser und alle erdenklichen Erfrischungen dar. Der allgemeine Ton des Empfanges «ar der einer Causerie de ealon. Man kam und ging unter den üblichen gesellschaftlichen Formen. Es ist klar, daß Kaiser Wilhelm gleich- »eitig mit der schönen Ausstellung seines Landes einigen bevorzugten Parisern ein Muster seiner Liebenswürdigkeit (un plus aimables mauiSres) zeigen wollte. Man faucht einen Herrscher nicht zu lieben und kann doch anerkennen,
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Ser^äUtii(Teä ju Rußland ist gleichlautend mit der Thron^ rebe. Betreffs des T r a n s ° a a l k r i - g e s drückt Goluchowsk, die Zuversicht aus daß derselbe keine gefährliche Rück. Wirkung auf die Beziehungen der Großmächte untereinander haben werde, da eine Vermittelungsaktion weder stattlinden noch Aussicht auf Erfolg haben würde, «eil Eng?änd si» ablehnend verhält. — In seiner heutigen D-IegationSrede sprach Stoma Goluchowski das vollste Mißtrauen namens der Czechen aus. Goluchowski sei bei allen Kabinetten seit 1895 zugleich Hebamme und Engelmacherin wesen. Der Redner befürchtet, die Deutung des Berliner Kaiserbesuches werde das Verhältnis zu Rußland trüben. In Serbien und Bulgarien habe Oester« reich alle Sympathie verloren. Rach dem Schlußwort des Referenten Bacquehem wird dem Grafen Goluchowski Vertrauen votiert.
Belgrad, 14. Mai. Der frühere Minister Tau. schanowic wurde wegen Urkundenfälschung zu fünf Jahren Kerker in leichten Feffeln verurteilt, doch wurde diese Strafe mit der von ihm noch zu verbüßenden neunjährigen Gefängnisstrafe inelfJahreKerkerinleichten Fesseln zusammengelegt.
Washington, 14. Mai. Im Senat erklärte Hale bei Fortsetzung der Beratung der Flottenvorlage, er glanbe nicht, daß die Notwendigkeit der Vermehrung der Flotte dadurch gegeben sei, daß man für die unmittelbar bevorstehende oder spätere Zukunft Feindseligkeiten mit Deutschland befürchte. Dieses große Land sei mit den Unionstaaten durch unlösbare Bande in Gestalt von 10 Millionen Menschen deutscher Abkunft verknüpft, die heute zu den besten Bürgern der Uuionstaaten gehörten.
Mfferbam^ ,Nation wege Tie pini über, woran her Rw m'izierDle Ankunft i Heinthor 1)< Militär und llncvereins, hesiischen A Spalier bild Halle begab« ,sort Pritze! UMckaye jaitrovo be dir QWe zum Gor Meldung fommanbi gemeldet t stieg am S jn der Sic die fremden ihnen ein ( Äichelsberg- Gchner üb 'Ärauß pr 1 Uhr fand Großherzog Tiner ftatt, nur ein Hei Mtärbehör ichasteu w wirtet.
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Rüdesheim, 14. Mai. Gestern vormittag begaben srch die Offiziere und Mannschaften der bei Rüdesheim eingetroffenen Torpedoboote nach dem Niederwalddenk- mal. Auf dem Denkmalsplatz hatten 21 Vereine mit Fah- nen sich zu einem Festzuge zusammengeschlossen. Nachdem begeisterte Ansprachen gehalten und der führende Offizier den Dank für den Empfang ausgesprochen hatte, wurde an den Kaiser folgendes Huldigungstelegramm abgesandt.
„An des Kaisers Majestät, Schloß Urville. Die zur- Feier der Anwesenheit Eurer Majestät Torpedoboots- Division am Nationaldenkmal versammelten Tausende sprechen Eurer Majestät mit unterthänigstem Danke für die Entsendung der Division die freudige Zuversicht ans, daß unsere aufblühende Marine unter Führung teurer Majestät die Machtstellung des Reiches und damit den Schutz der Lebensinteressen aller seiner Bewohner weiter und in alle Zukunft wahren wird."
Gegen 2 Uhr war die Feier beendet. Für den Nach- .. . .. v ~ -----o— ■ mittag und Abend sind in Rüdesheim verschiedene Festsind mehrere Abanderungsantrage zur zweiten Lesung der lichkeiten in Aussicht genommen. Bei Eintritt der Dunkel» - —*■— heit wird das Nationaldenkmal festlich beleuchtet.
(?) Bingen, 14. Mai. Am zweiten Tage des anläßlich der Anwesenheit der Torpedoflotte dahier gefeierten Festes fand vormittags eine Besichtigung der Torpedoboote durch die Herren des Stadtvorstandes und die Spitzen der Behörden statt. Seitens der Besatzung wurde auf das Be- reitwilligste und Eingehendste Bau und Einrichtung der Boote erläutert. Hieran schloß sich eine Spazierfahrt auf. den Scharlachkopf und Rochusberg. In den behaglichen, Räumen der Schützenhalle wurde den Festgäften seitens unseres Oberschützenmeisters G r ä f f ein erquickender Trunk gereicht. Nachdem noch die Rochuskapelle besucht morden war, folgten die Festgäste nebst Begleitung einer Einladung des Kommerzienrats Mey zu einer Besichtigung feiner neu eingerichteten und prächtig ausgestatteten' „Villa Sachsen" nebst Anlagen und zu einem opulenten Frühstück. Hierbei brachte der Gastgeber einen Toast auf den Kaiser und Großherzog, einen weiteren auf die
über die Obstruktion int Reichstage mit folgenden Worten: Die Mehrheit des Reichstages darf sich nicht von der Minderheit durch die fortgesetzte Obstruktion tyrannisieren, lassen, es ist ihre Ehrenpflicht, Sorge zu tragen, daß dieses Mal nicht wieder die Obstruktion den Sieg davon trägt, sowohl wegen der hohen idealen Bedeutung eines besseren Schutzes der christlichen Sittlichkeit, als auch weil ein solcher Sieg den Beginn des Ruins eines gesunden Parlamentarismus bedeuten könnte. Ein Erfolg der Obstruktion kann aber nur verhindert werden, wenn die Mitglieder der Mehrheitsparteien vollzählig zur Stelle sind. - Richter nennt in der „Frei s. Z t g." die Suspension des Senioren-^ konventes das „ungeschickteste Auskunftsmittel", auf das der Präsident verfallen konnte, da der freie Ausschuß „gerade in Zeiteit gegenseitiger Erregung aus formalen geschäftlichen Gründen ein Mittel ist, Oel auf die Wogen zu gießen". Der blinde Eifer des Parteimannes habe den Grafen Ballestrem nach jeder Richtung zu einem Verhalten geführt, wie es sich niemals zuvor ein Präsident des Reichstages erlaubt hat, und er fügt hinzu: „Die Folgen werden sich bald genug fühlbar machen". Vorher wird der Präsident daran erinnert, daß es den „Parteien der sogenanntem Obstruktion" zunächst nur darauf angekommen sei, der Schlußmacherei der Mehrheit ein Ziel zu setzen, also einer Taktik des Zentrums und eines Teils der Konservativen, die den Grafen Ballestrem selbst so empört habe, daß er den Präsidentensitz abtrat und das Haus verliest Das stimmt, später setzte sich die Obstruktion allerdings „höhere" Ziele.,— Der „Vorwärts" erweitert die Vorwürfe der „Freis. Ztg." dahin, daß der „stramme Rittmeister" auf dem Präsioentensitz, der Schöpfer einer „Präsidentendiktatur", so verfahren habe, wie er gethan, weil die Lex i Heinze sich in offener, ehrlicher Weise nicht zur Annahme bringeit lasse, es habe ihrethalben „gemogelt" werden inüffen, daher hätten die „Heinzefr^unde" unter sich verhandelt.
Deutsches Reich.
tv6.!8trlin' 14' 2el Kaiser verlieh bei der Be- (ia;tigung de rneuett Besestigung von Gorgimonl dieser
"^eRe Kronprinz" Gestern vormittag berichtigte der Kaiser den Kriegerverein von Kürzel/ der Kirche mm der Fahne Aufstellung genommen hatte, ?Jie? Zeichnungen von fünf Denkmälern zeigen, welche der Verein auf Kriegergräbern in deri Umgebung errtchtet hat. Heute morgen traf der Kaisen auf dem -”?• k Devant les Ponts ein, besichtigte die ver- Medenen Dombauhütten, tot denen die Ersatzteile für Restaurierungsarbeiten der Kathedrale angefertigt werden, suhr zur Kathedrale, besichtigte das neue Portal, die Krypta und folgte der Einladung des Bezirkspräsidenten von Hammerstein zum Frühstück, an dem noch Bürgermeister v Kramer und Polizeipräsident v. Liebenstein tetlnahmen. Um 3 Uhr 30 Minuten erfolgte die Abreise nach Urville Dte Kaiserin blieb wegen einer geringen Erkältung' und wegen des schlechten Wetters dort. Sie verlängert ihren Aufenthalt bis zum 21. Mai, während der Kaiser morgen vormittag nach Wiesbaden abreist.
~ Ter K a iser richtete an den Oberbürgermeister .Kirschner eine Kabinettsordre aus Urville, worin es heißt Die begeisterte Aufnahme, welche die Hauptstadt dem Kaiser von Oesterreich, meinen treuen Bundesgenossen und Freunde, wie fyen übrigen erlauchten Gästen bereitet hat und die herzliche Anteilnahme der Bürgerschaft an dem bedeutsamen Feste der Großjährigkeit haben mich mit lebhafter Befriedigung erfüllt. Tie Ausschmückung der Feststraßen wie der einzelnen Gebäude, die glänzende Illumination und die freudig bewegten Menschenmengen in den Straßen legten ein beredtes Zeugnis dafür ab, welches nimge Mitgefühl die Ereignisse meines Hauses in den Herzen der Berliner Bevölkerung wecken. Hierdurch auf das Freudigste bewegt, gebe ich Ihnen und den städtischen Behörden sowie der Bürgerschaft Berlins gern volle Anerkennung und warmen Dank zu erkennen. — Der Kron - p r in z richtete ein Schreiben an den Magistrat; und die x v?.^brordneten, in dem er ihnen für ihre treuen, in so künstlerischer Form anläßlich seines Geburtstages ausgesprochenen Wünsche aufrichtig dankt und fortfährt: Nicht minder liegt es mir am Herzen, bei dieser Gelegenheit der gesamten Bevölkerung Berlins für ihre freudige Teilnahme, i mit der sie die jüngst verflossenen Festtage so besonders i glaneznd zu gestalten wußte, innigsten Dank zu sagen. Daß ; gerade öte Stadt Berlin, welche Zeuge meiner glücklichen .Kindheit und Jagend gewesen ist, den Beginn des für mich neuen und wichtigen Lebensabschnittes mit so treuer Teil- geHjan befltettete' meincm Herzen ganz besonders wohl-
n Monats wird der kaiserliche
H o s den Besuch des lapanesischen Prinzen Ka- nin, eines Verwandten des Kaisers von Japan empfangen. Ter Prinz entspricht damit einer Einladung des Prinzen Heinrich, den er während dessen iünaffern Aufenthalte in Tokio auf den Besichtigungen und Ausflügen begleitet hat.
f “A®ie ,,Kreuzzeitung" sagt am Schlüsse einer Besprechung der vorgestrigen Erklärung des Präsidenten Grafen Ballestrem im Reichstage Für die Mehrheitsparteien ist es jetzt Ehrenpflicht,'der drohenden Obstruktion energisch entgegenzutreten und dem Terrorismus der durch Herrn Singer geführten Minder- heitsparteieil die Stirn zu bieten. Ein Appell an die Reichstagsmitglieder, zu diesen Zwecke sich vollzählig einzufinden, wird unserer Ueberzeugung nach nicht vergeblich jein. — Die „Germania" schließt einen längeren Artikel |
Nach einer „Times"-Depesche aus Brandsdrift bricht der Widerstand der Buren zusammen. Das Gelände ist bis Karannaberg abpatrouilliert, die Plänkler machten über 50 Gefangene, darunter den Bruder Steijns. Alle Burenkommandos sind auf dem Rückzüge nach Lindley begriffen.
Weiter wird gemeldet, Kroonstad biete einen schmutzigen Anblick. Die gehetzten Buren verübten mutwilligen Schaden, bevor sie die Stadt verließen. Sie zerstörten die Eisenbahnstation und verbrannten alle Vorräte, die sie nicht mitnehmen konnte. Sie nahmen alle Munition und das gesamte Eisenbahnmaterial mit sich. Die große Brücke in der Nähe Kroonftads ist völlig zerstört. Eine Brücke auf der Südseide ist unversehrt geblieben. Viele Verhaftungen wurden vorgenommen, namentlich unter solchen Leuten, die sich besonders abfällig gegen die Engländer geäußert haben.
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Telegramme des Gietzeuer Anzeigers.
Berlin, 15. Mai. Nach einer Meldung aus London wird unter dem gestrigen Tatum aus Stonehill Farmfield m Natal telegraphiert: Der große Vormarsch des Generals Buller begann am vorigen Donnerstag. Bei Melpmalaar sand ein heftiges Artilleriegesecht statt. Es wurde drei Tage gekämpft. General Bethune, welcher auf der rechten Flanke herumkam, vereinigte sich mit Buller. Die Buren sindvollständiginderFlankeumgangen. ^hre gesamte großartige Stellung bei den Biggarsbergen ist praktisch erobert Die Engländer gehen noch vor.
. 3ür i d), 15. Mai. Englische Maultier Händler
durchziehen den Kanton Wallis, um alle erhältlichen, ~ l..e r e f “ r England aufzukaufen. Sie zahlen pro Stuck 400 bis 600, selbst 1000 Fres. Die Bauern geben ihre Tiere zu solchen Preisen gern her.
S o n b o n, 15. Mai. Aus Pretoria wird vom 14. 1 b. Mts. gemelbet: Heute würbe ein Kriegs-Bulletin fol- i genben Inhalts veröffentlicht: Meldungen aus Natal be- richten, daß die Engländer gegen Helpmakaars Höhen und die Hügel von Condor vorgehen. Die Buren haben Mafe- “n9 Zistern energisch angegriffen. Der Telegraphist von Malokow bemerkte hierüber, daß ein heftiges Geschütz- unb Gewehrseuer währenb sechs Stunben hörbar war. Das t a b t v i e r t e l der Raffern fing Feuer und nach einer.
^tunbe war es vollstän big zerstört. Um 10 Uhr war roieber alles ruhig.
(C. £<5 n kf,n' 15- ^ai. Aus Kronstabt wirb gemelbet: I Eine Proklamation, die diese Woche veröffentlicht! werden soll, wird den Oranje-Freistaat als Ge-I biet der englischen Krone erklären.
deutsche Flotte sowie die Gäste aus. Namens der Gäste dankte Oberleutnant v. Restorp und Stadtverordneter Richard Pennrich, der sein Glas den Damen des Hauses weihte. Nachdem die herrlichen Parkanlagen besichtigt waren, .feierte Kommerzienrat Mey die schönste Stadt am deutschen Rheine mit beredten Worten, dabei der Ueberzeugung Ausdruck gebend, daß die enormen Aufwendungen, die Bingen zurzeit für Hebung von Handel und Verkehr, sowie für Verschönerung mache, ohne Zweifel reiche Frucht bringen würden. Vor der Verabschiedung aus! dem schönen Besitztume nahm Stadtverordneter Racke Veranlassung, im Angesichte des vorbeirauschenden deutschen Stromes und des herübergrüßenden Denkmals deutscher Kraft und Einheit ein Hoch dem geeinten deutschen Vaterlande auszubringen, in das die Anwesenden begeistert, einstimmten. Der Fremdenzuzug nach unserer Stadt war während der Festtage ein ganz gewaltiger. Am Sonntage weilten mindestens 20 000 Fremde in unserer Stadt. Zu Ehren der Gäste war gestern abend die Burg Klopp, die Villa Sachsen und das Hotel Rochusberg festlich beleuchtet und boten einen feenhaften Anblick. Heute vormittag kehrten von Rüdesheim zwei Torpedoboote hierher zurück, um Se. Königl. Hoheit den Großherzog von Hessen- an Bord zu nehmen.' Unter dem Donner der Geschütze und dem Jubel,des zahlreich herbeigeströmten Publikums lief der Sonderzug ein, der unseren jugendlich frischen Landesherrn hierherbrachte. Nach einer kurzen Begrüßung durch Geheimrat Spanier und Bürgermeister Neff begab sich ©e; Königl. Hoheit an Bord, dem Publikum in der gewinnendsten Liebenswürdigkeit dankend. Das Boot hißte alsbald die hessische Flagge und dampfte mit den übrigen Torpedobooten nach Mainz. Der Großherzog geruhte zur hellen Freude der Bewohner unserer Stadt mitzuteilen, daß er mit seiner hohen Gemahlin im Laufe des Sommers seiner schönen Rhein st adtl Bingen einen längeren Besuch zu machen beabsichtige.
In Ergänzung unserer gestrigen telegraphischen Mitteilung schreibt man aus Mainz: Heute früh halb zehn Uhr versammelte sich auf dem durch die Aktiengesellschaft H. A. Disch zur Verfügung gestellten, festlich geschmückten Dampfer „Ludwig IV." eine zahlreiche geladene Gesellschaft, um den Kriegsfahrzengen entgegenzufahren. Auf oiefem Begrüßungsschiff waren u. a. anwesend Oberbürgermeister Dr. Gaßner mit den Beigeordneten und zahl-
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