Freitag den 16 März Zweites Matt 1800 Nr. 63 Bezugspreis Vierteljahr!. Dik 2M monatlich 75 Pfg. mit Brmgerlohn; durch die Abholestellc» merteljährl. Mk. 1.SG monatlich 65 Pfg. Bei Postbezug Mk. 2,40 DiertelüM mit Bestellgeld. Alle Lnzeigen-LermittiungSstellen deS In« und NuSlaaöaU nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger entgeg«. ZeilenpreiS: lokal 12 Pfg., au-wartS 20 Pfg. OrfchMü »ßkich Mit luNM*** des RMtql. Oich-M-r ewrMw dem Anzeiger i**«W **t ,M m. Mäner ü« W »-Mkund«- awM|*< na Anzeigen zu der nachmittag- für den .^-1- «-scheinenden Nummer bis vorm. !♦ Uhr. Mtißklungen spätesten- abend- »archer. Gießener Anzeiger Hmeral-AHeiger Ntk * Äüuf?ntUn88btr011 Vstratze^y, finbet HebttJoQt Lfetbition^^ "Ä1.S ««Ufle 3,1). tiäütt XI «Mt-Mnic fleeignete Angebote, i» Hirsch, Rapnhti» Acker .*91« 6'Wto. W«-'k, MC tfl916.|3.,flb.8Jf illMSto 8. St. ich. 0 dto, (0>‘ M * S-etn*1« tNlaaM'b. Lenvurg. , ülsSpredigtt S- ----------"" }Jlt . erÄfater M /L ftyi IMQt i ft M N !sts Sck. 3 Wien von B. Lhm-ii !eri oxtexu ;x . * Amts« tmb Anzeigeblatt für den "Kreis Gieren. BeHDto*. »kpedNian und Druckerei: A4«tAr«sse Nr. 7. Gratisbeilage«: Gießener ZamMenblätter, Der hesfißche Landwirt, Ktätter für hessische UotKsKnnde. wmn-mnwm -v Adresse für Depeschen: Anzeiger Hiess-»» Fernsprecher Nr. 51. Amtlicher Geil. Bekanntmachung, betreffend: Schießübungen. Es wird hiermit zur öffentlichen Kenntnis gebracht, daß das Inf Regt. „Kaiser Wilhelm" Nr. 116 am 19., 20., 21, 22., 23. und 24. l. Mts, täglich von 7 Uhr vormittags bis 61/» Uhr nachmittags, im Gelände des Wißmar-Bachthals, nordöstlich Wißmar, in der allgemeinen Richtung Wißmar— Bachthal—Schmelz, nördlich Salzböden, Schießübungen mit scharfer Munition abhalten wird. Gefährdet würde sein das Gelände innerhalb der Wege: Chaussee Wißmar—Krumbach bis zum Schnittpunkt mit Chaussee Krofdorf—Forsthaus Waldhaus, Chaussee Krofdorf—Forsthaus Waldhaus von diesem Schnittpunkt bis zum Schnittpunkt der Chaussee nordöstlich Forsthaus Waldhaus, Weg von diesem Schnittpunkt nach Odenhausen, Chaussee Odenhauseu — Wißmar. Alle Wege, die in den vorgenannten gefährdeten Rayon sichren, find während des Schießens gesperrt, auch können im Wald keine Arbeiten wahrend dieser Zeit ausgeführt werden. Das Regiment wird durch Posten das gefährdete Gelände ab- sperren lassen. Die Chaussee Krofdorf—Forsthaus Waldhaus—Schmelz ist für den Verkehr frei, ebenso die Chauffee Wißmar—Oden- Hausen. Gesperrt find für den Verkehr insbesondere die Wege Wißmar—Krumbach und Odenhauseu—KirchverS, sowie alle Wege, welche von Ruttershausen und Wißmar in den Wald fuhren. Gießen, den 13. März 1900. Großherzogliches Kreisamt Gießen, v. Bechtold. Bekanntmachung. Betr.: Feldbereinigung in der Gemarkung Daubringen. Donnerstag, 29. März d. I. vormittags 9 bis 10 Uhr findet im Bürgermeistereibureau zu Daubringen die Entgegennahme der Wünsche bezüglich der Zuteilung des 1. Feldes statt. Die Wünsche sind schriftlich — mindestens auf y2 Bogen — einzureichen, vom Grundstückseigentümer zu unterzeichnen und müssen genau augeben, welche alten (nach Flur und Nummer zu bezeichnenden) Grundstücke zusammengelegt werden sollen und in welche Gewann das neue Grundstück gelegt werden soll. Die Beteiligten werden ferner aufgefordert, in ihren Wunschzetteln sich auch darüber zu erklären, falls sie anstatt Gelände den Bonitätswert ihrer in die Bahnlinie fallenden Grundstücksabschnitte in bar beanspruchen. Wünsche, welche nicht in dem oben genannten Termin vorgebracht werden, finden keine Berücksichtigung. Zur Orientierung der Beteiligten liegt eine UebersichtS- karte über das 1. Feld sowie ein Verzeichnis der in die Bahnlinie fallenden Grundstücke auf dem Bürgermeistereibureau zu Daubringen offen. Friedberg, 12. März 1900. Der Großherzogliche Bereinigungskommissär. Süffert, Regierungsrat. Zum Transvaal-Krieg. Bom Rote» Kreuz. Die Berichte des Marinestabsarztes Dr. Matthio- lus, Leiter der auf den südafrikanischen Kriegsschauplatz entsandten Sanitäts-Abordnungen der deutschen Vereine vom Roten Kreuz, vom 26. und 29. Dezember liegen uns vor, und wenn sie auch neues nicht gerade viel enthalten, so geht doch daraus hervor, daß die Abordnungen von den Buren in der denkbar herzlichsten Weise empfangen worden sind. Das Lazarett befindet sich bekanntlich in Jacobsdaal, am 12. Dezember 1899 sind die drei Aerzte vom Präsidenten Steijn empfangen worden, am 16. Dezember ist die Abordnung in Jacobsdaal eingetroffen und hat das bisher von den freistaatlichen Aerzten versorgte Lazarett übernommen. Die Hauptfronten der vier Lazarett Häuser sind jetzt direkt nach S.-S.-O. gerichtet. Vor denselben stehen einzelne, kaum Schatten spendende Bäume. Die Häuser stehen alle vollkommen frei und sind meist von einem mit einer niedrigen Steinmauer umfriedigten Hofe umgeben. Unmittelbar an die Hinterseite derselben schließt sich die weite Grassteppe an. Es ist somit für genügend frische Luft in der Umgebung der Lazarettgebäude gesorgt, die durch keinerlei gewerbliche Anlagen oder sonstwie verunreinigt wird. Es ist dies sehr vorteilhaft, da die Ventilation in allen Häusern nur die natürliche durch Fenster und Thüren ist. Letztere können aber bei der hier jetzt herrschenden schönen Sonnenwärme (bis 41 Grad im Schatten) fast dauernd offen gehalten werden. An gutem Trink- und Gebrauchswasser hat Jacobsdaal keinen Mangel: da die Arbeit sich an beit Feiertagen etwas cinschränken ließ, ■jo benutzte Dr. Küttner und ich (Matthiolus) den ersten, Dr. Hildebrandt den zweiten Feiertag Nachmittag, um uns über die Verhältnisse im Felde zu orientieren. In zweistündiger Wagenfahrt erreichten wir die Stellungen der Buren, die wir dann ebenso wie das davor nach dem 6,5 Kilometer entfernten englischen Lager zu gelegene Schlachtfeld und die Berge dahinter teils zu Pferde, teils zu Fuß durchstreiften. Zahlreiche überall zerstreut herumliegende Gewehrgeschosse, Shrapnell- und L y d d i t-Gra- natenteile zeugten von dem großen Ernst der letzten Schlacht, zahlreiche Pferdekadaver — die Menschen waren bereits begraben — von der intensiven Wirkung der Geschosse. Beim Annähern an die Stellungen und dem Durchreiten des Vorgeländes mußten wir einige Vorsicht walten lassen, da die Engländer beim Sichtbarwerden einer Staubwolke ihre bereitgehaltenen Geschosse auf dieselbe zu richten pflegen. Jedenfalls war es uns sehr wichtig, uns zur besseren Beurteilung der später in unsere Behandlung kommenden Wunden so genau über die einschlägigen äußeren Verhältnisse durch eigenen Augenschein unterrichten zu können, und wir erreichten diesen Zweck recht gut. Wenn es auch vor der Hand noch zahlreiche, in den eigenartigen Verhältnissen des hiesigen Landes begründete Schwierigkeiten für uns zu bewältigen giebt, so dürfen wir doch hoffen, bei dem uns vielfach entgegengebrachten Vertrauen und der willfährigen Unterstützung von feiten der Regierung und der Annahme von Jacobsdaal mit der Zeit ersprießliches leisten zu können. Als Beispiel des geschenkten Vertrauens will ich nur erwähnen, daß, wie man uns.erzählt, Buren im Lager, nachdem sie hörten, wir deutschen Aerzte hätten jetzt das Lazarett übernommen, sich erhoben haben sollen, um ein dreifaches Hoch auszubringen. Der Gesundheitszustand der Mitglieder der (Spedition ist bisher im allgemeinen gut, abgesehen von bei einzelnen auftretenden Verdauungsstörungen. Dieselben werden unvermeidlich bei der Anpassung an die hiesigen klimatischen Verhältnisse durch das bei der großen Hitze und Trockenheit der Luft durchaus notwendige Trinken von größeren Quantitäten Wasser hervorgerufen. An anderen Getränken ist großer Mangel im Ort, und sind käuflich solche überhaupt hier nicht zu erhalten. Ein Rundschreiben Krügers. Im verlassenen Burenlager vor Ladysmith wurde in einer dem Kommandanten Potgieter gehörenden Tasche ein Zirkular des Präsidenten Krüger vom 17. Januar Feuilleton. Undankbarkeit. (Aus dem Englischen) (Nachdruck verboten.^ Es war in einem dichtgefüllten Pferdebahnwagen in Berlin, ungefähr um V26 an einem Winternachmittag. Mir gegenüber saß eine stämmige Frau mit weißer Schürze, neben ihr ein hageres Mädchen, das die Aale nur mit Mühe im Netz zu halten vermochte. Plötzlich ließ das hagere Mädchen seine Stimme vernehmen : „Wie geht's denn Ihrer Tochter, Frau Schmidt?" Die dicke Frau wandte sich nach ihm um, und sah sie neugierig an. „Fragen Sie nach meiner Tochter?" fragte sie. „Ja, wie geht's ihr denn?" Die Andere zuckte die Achseln. „Sie wissen wie krank sie war?" Das hagere Mädchen nickte. Ihre Gefährtin schien das Nicken nicht bemerkt zu haben, und wiederholte die Frage: „Sie wissen wie krank sie war?" „Ja, gewiß." „Ach, wir hatten den Doktor" .... Sie saß da, die Hände über ihre breiten Knie gespreizt, die runden, schwarzen Augen, ohne etwas zu sehen, aus's Fenster gerichtet. „Er sagte: kräftige Nahrung. Wie meinen Sie? sagte ich. — Er sagte: frisches Fleisch jeden Tag, Brühe, Eier, Milch." Unb sie zählte die verschiedenen Nahrungsmittel mit der linken Hand an der rechten ab, beim kleinen Finger beginnend. Sie machte eine Pause. „Und — ?" dabei zerrte sie das Wort, bis es wie ein ganzer Satz klang. „Als es ihr nicht besser wurde, sagt' ich zum Doktor: Sie scheint sich nicht viel aus dem Zeug zu machen. Er sargte — ?" Sie brach ab und sah langsam und gespannt nach einer aufgeputzten Judenfrau, die in diesem Augenblick einstieg; ihre seidenen Röcke raschelten, und die Diamanten in den Ohrringen glitzerten, als sie sich setzte. Die dicke Frau stieß ihre Nachbarin an, und beide starrten den Ankömm« ling an, indem sie sich vorbeugten, um sie besser zu sehen. „Und was sagte der Doktor, Frau Schmidt?" fragte das hagere Mädchen. „Der Doktor sagte: „Geben Sie Ihrer Tochter, was sie will: Hühnchen, Reis, Fisch, Obst, Kalbfleisch, Rotwein. Und sie bekam alles, was sie wollte: Hühnchen, Reis, Fisch, Kalbfleisch, Obst, Rotwein und — Champagner." Ihre Stimme wurde lauter, nachdrücklicher und zuletzt fast vorwurfsvoll. „Und was thut meine Tochter?" Dabei drehte sie sich ganz herum und blickte ihre Nachbarin an, die Hände noch erhoben, an denen sie die Speisen wieder berechnete, während sie das hagere Mädchen mit offenem Munde erwartungsvoll ansah. „Was thut sie?" wiederholte die stämmige Frau, und sie beantwortete ihre eigene Frage, indem sie sich auf den Schenkel schlug: „Sie stirbt." Anrecht Hut. Neulich abends, als ich gegen 11 Uhr nach Hause fuhr, — es goß wieder zuberweise, und jeder war froh, wenn er sich seinen Platz im Pferdebahnwagen erstritten hatte — siel mir ein kleiner, blonder Junge auf, der sich forsch und keck hinsetzte. Er war recht ärmlich angezogen, nicht schmutzig, aber doch zerlumpt. Die dunkle Hose trug einen helleren Flicklappen, die ehemals schwarze Mütze schimmerte jetzt gräulich, und das hellbraune Jäckchen hatten die Ellenbogen durchgerieben. Aber der Kleine konnte einem wohl gefallen: ein Pausebackengesicht, regelmäßig, doch nicht langweilig, wenig edel, doch keineswegs grob, darin ein Paar matter, blauer Augen, und eine schnippisch aufgeworfene Oberlippe, unter der die Elfenbeinhauerchen hervorglänzten. Dazu ein reiches, blondes Lockengewirr, das sich fast kranzarttg um die Mütze herumlegte. Er saß mir gegenüber und spielte mit einem Groschen, den er in den Händen hin- und hergleiten ließ. Merk« würdig feste, verarbeitete Hände für einen zehnjährigen Knaben — älter war er nicht. Die Hände mußten sicher schon mitschaffen im Kampfe des Lebens, mußten schon selbst einen Teil zum lieben täglichen Brot miterwerben. Ich sah mich im Wagen um, zu wem der Junge gehöre. Er war allein. Das ist in der Großstadt nichts seltenes. Vielleicht war es ein Kegeljunge . . . dann hatte er seinen.Posten heute sogar früh verlassen. „Noch jemand ohne Fahrschein hier?" rief jetzt der Schaffner. Ich hatte bemerkt, wie der Schaffner an dem Kleinen vorbeigegangen war. Der hatte, am Ende noch mit seinen Kegeln in Gedanken beschäftigt, so vor sich hingeträumt. Jetzt bei dem Zuruf horchte er auf. Ein Blick nach dem Schaffner — wie ein Blitz huschte es ihm über'- Gesicht — er kniff die Augen etwas ein — er preßte die Lippen zusammen — die Hände hörten auf zu spielen. Und dann that er, als ob nichts geschehen sei. Keine seiner Bewegungen war mir entgangen. Ob er noch nachträglich zahlen wird? . . . Warum hat er den Groschen unterschlagen? Natürlich um ihn morgen zu vernaschen, sich Süßigkeiten beim Bäcker dafür zu kaufen. Wer weiß? — Vielleicht stand ihm der Sinn schon lang auf eine Schachtel Bleisoldaten, die ihm die Mutter nicht schenken konnte. Vielleicht lag ihm zu Hause ein Schwesterchen krank, dem er morgen Aepfel heimbringen wollte. Inzwischen war ich an meinem Bestimmungsort angelangt. Auch der Kleine stieg aus. Als ich eben meinen Regenschirm aufspannte, lief er an mir vorbei, so rasch er nur laufen konnte. Mit einem Mal hielt er an — ich sah, wie er etwas eifrig im Laternenschein suchte. Kein Zweifel, der Groschen war ihm entfallen. Doch als ich herankam, stürzte er davon um die nächste Ecke, und verschwand im Dunkel der Nacht. gefunden, ui welchem er die Landdroste folgendermaßen apostrophiert: Der Generalkommandant klagt, daß in eine» gen Distrikten nur die Hälfte der Burgher sich unter der Fahne befindet; die übrigen sind in einer Zeit zu Hause geblieben, wo unsere Angelegenheiten sich in so kritischem Stadium befinden. Der Feind wird in einigen Tagen sein Möglichstes thun, den Tuge la zu überschreiten und Ladysmith Mi befreien. Sobald dies geschehen ist, wird unser Fall bedenklich und kritisch. Ich weiß wohl, daß Gott uns nicht verlassen wird, aber wir müssen unsere Pflicht thun. Die Burgher müssen erkennen, daß sie für unsere Unabhängigkeit, unsere nationale Existenz, unsere Nachkommen kämpfen. Es ist ein Kampf auf Leben und Tod, ein Kampf, in welchem sich jeder Mühen und Entbehrungen unterziehen muß. Ich und der ausführende Rat fordern alle Feldkornets auf, sämtliche Burghereinzuziehen und nach Ladysmith zu schicken. Dieesr Befehl muß ohne Verzug ausgeführt werden. Ladysmiths Lage ist äußerst kritisch. Wenn wir alles, was in unserer Macht steht, thun, um den Feind zu besiegen, so glaube ich, daß wir bald auf einen Frieden rechnen können, in dem wir alles erhalten, was uns teuer ist. Sind wir dagegen saumselig und thun nicht unsere Pflicht, so ist es möglich, daß uns schlimme Tage bevorstehen. Seid wachsam, Brüder, und laßt jeden Mann seine Pflicht thun, dann wird uns der Herr segnen! — Nachschrift: Alle Personen, die Urlaub erhielten, müssen ohne Rücksicht darauf, ob dieser abgelauhen ist, zur Truppe zurückkehren. Zur Anwendung von Explosivgeschossen in Südafrika. Za den Hetzereien, mittels deren die Kriegspartei in England die Stimmung gegen die Buren immer weiter zu reizen nnd zu erbittern- sucht, gehören auch die ständigen Klagen über den Mißbrauch der weißen Fahne und über die Anwendung von Explosivgeschossen. In Bezug auf letzteren Punkt veröffentlicht die „Nationalliberale Korresp." daS nachstehende interessante Schreiben: Oberndorf a. Neckar, 9. März 1900. Berehrliche Redaktion der „Nationallib. Korresp."! Wie Sie aus den verschiedensten Blättern ersehen haben werden — u. a. „Berliner Fremdenblatt-, Nr. 52 erstes Blatt vom 3. März S. 2 — machte eine Nachricht aus dem englischen Kriegsministerium Aufsehen, welche besagt, die Buren haben nach einer Mitteilung des Lord Roberts „Mauserpatronen mit hohler Spitze" gebraucht. Auf Grund authentischen Materials kann ich Ihnen die Erklärung abgeben, daß nach Transvaal und Oranje- Freistaat zu den dort in Gebrauch befindlichen Mausergewehren, Kaliber 7 Millimeter, keinerlei Hohlspitzengeschosse oder Halbmantelgeschosse, sondern lediglich Vollmantelpatronen geliefert worden sind. Halb- mantelgeschofie für Pürschbüchsen, welche in wenigen tausend Patronen zu Jagdzwecken geliefert wurden, kommen hier nicht in Frage. Dagegen ist mir aus Berichten von Augenzeugen bekannt, daß die Buren den Engländern abgenommene Munition mit Hohl- oder Halbmantelspitzen aus ebenfalls erbeuteten englischen Militärgewehren auf ihre Feinde verfeuert haben. Indem ich Sie bitte, dies in geeigneter Weise veröffentlichen zu wollen, bin ich mit vorzüglicher ^Hochachtung Ihr ergebener P. Mauser, Kommerzienrat, Mitglied des Reichstags. Auszug aus dem Protokoll der Sihuug Kroßk. Kaudclskammer Kießen, für die Kreise Hießen, Alsfeld und Lauterbach, vom 6. März 1900. Anwesend die Herren: Kommerzienrat Koch, Scheel, Dürbeck, Grünewald, Kommerzienrat Heichelheim, Hoo8, Zhriug, Katz, Moll, Nowack, Ramspeck, Rinn, Schirmer, Steiueck, Wallach. Nach Eröffnung der Sitzung hielt der Vorsitzende nachstehende Ansprache: . „Lassen Sie uns, meine Herren Kollegen, diese erste Tagung unserer erweiterten Handelskammer beginnen, indem wir hohem Ministerium unseren Dank und die Versicherung aufrichtiger Verehrung darbringen für die zeitgemäße Erweiterung unseres Handelskammerbezirks. — Von jeher stand uysere Staatsreyierung dieser Reorganisation mit Wohlwollen gegenüber, manche entgegenstehende Schwierigkeiten sind mit Geschick überwunden worden, und so sehen wir uns heute am erwünschten Ziele. Bekunden Sie mit mir das Gefühl der Verehrung und Anerkennung, welche wir dafür hohem Ministerium entgegenbringen. (Erheben von den Sitzen.) Sodann habe ich die ehrenvolle Mission, im Namen unserer Gießener Mitglieder die neu eingetretenen Herren Kollegen aus dem erweiterten Handelskammerbezirke zu begrüßen und heiße Sie als Mitarbeiter am gleichen Werke von Herzen willkommen. Wenn Sie unserer seitherigen Thätigkeit mit Aufmerksamkeit gefolgt sind, wie nicht anders anzunehmen ist, so müssen Sie den Eindruck gewonnen haben, daß dieselbe in einem zielbewußten Eintreten für jeden wirtschaftlichen Fortschritt bestanden hat. In scharfer Gegnerschaft befanden wir uns, wenn eine Fesselung des Handels drohte, oder gar monopolische Bestrebungen sich kund gaben. Wir können uns ferner das Zeugnis ausstellen, nie Sonderinteressen, unter Verletzung anderer berechtigter Interessen, gehuldigt zu haben, und in diesem Zeichen stehen sämtliche deutsche Schwesterkammern. Eine angenehme Erinnerung ist mir geblieben aus der Beiwohnung einer Sitzung des Deutschen Handelstages in Berlin, welche vor einigen Jahren stattfand, und in welcher dieser Anerkennung von hoher Stelle Ausdruck verliehen wurde. Der Herr Staats- Minister erwähnte in seiner Erwiderung des Dankes, welcher ihm für sein Erscheinen dargebracht worden war: „Er sei stets — so auch heute — gern der Einladung gefolgt, zumal er jedesmal mit wertvollen Belehrungen zugleich die Ueberzeugung mit heim genommen habe, daß diese Vereinigung der deutschen Handelskammern bei der Wahrnehmung der Handelsinteressen auch die auf anderen Erwerbsgebieten liegenden als gleichberechtigt anerkenne und bestrebt sei, die verschiedenen Glieder zu einem harmonischen Ganzen zu vereinigen; er habe nie gefunden, daß gegen diesen allein staatsverhaltenden, das Wohl der Allgemeinheit bedingenden Grundsatz von dem Deutschen Handelstage gefehlt worden sei." — Dieser Grundsatz, meine Herren Kollegen, möge auch die Losung unserer erweiterten Handelskammer bleiben. Wir vertrauen darauf, hierzu in Ihnen tüchtige Mitarbeiter zu finden und durch Sie manche nützliche Anregung zu neuer fruchtbringender Thätigkeit zu empfangen. Unser ferneres gemeinsames Wirken möge zugleich — wie bisher — von dem Geiste echter Kollegialität getragen sein. Dann wird der Erfolg nicht fehlen, und auch wir an unserem Teile beitragen zum ferneren Blühen von Handel und Industrie, welche schon heute den deutschen Namen mit Ruhm in den fernsten Welten verkünden." — 1. Wahl der beiden Vorsitzenden. Durch Zuruf wurden nach Eintritt in die Tagesordnung einstimmig Herr Kommerzienrat Koch zum ersten Vorsitzenden und Herr Richard Scheel zu dessen Stellvertreter wiedergewählt. Die Gewählten nahmen die Wahl dankend an, worauf Herr Kommerzienrat Heichelheim denselben den Dank der Kammer für ihre bisherige Thätigkeit aussprach. 2 Kommisfiousfitzuug des deutschen Haudels- tages. Herr Kommerzienrat Heichelheim erstattete Bericht über eine Kommissionssitzung des deutschen Handelstags, an der er am 1. März l. I. als Delegierter der Kammer teilgenommen hat. Es wurde dort über Einführung eines abgekürzten verdeutschten Wechselformulars, über die Einlösung von Zinsscheinen gekündigter Wertpapiere und über die genaue Veröffentlichung von Einträgen ins Firmenregister beraten. 3. Beisitzer zur Durchsicht deS Handelsregisters. Zu Beisitzern zur Durchsicht des Handelsregisters wurden für die nächsten drei Jahre die Herren Scheel, Heichelheim und Rinn, und zu deren Stellvertretern die Herren Nowack, Balser und Schirmer gewählt. Gleichzeitig beschloß die Kammer in einer Eingabe an Großh. Ministerium der Justiz die B e st e l l u n g von Beisitzern auch für die Amtsgerichte an kleineren Orten in Anregung zu bringen, um eine einheitliche Handhabung der Eintragung ins Handelsregister an sämtlichen Amtsgerichten zu erleichtern. 4. Einfuhr von Rohprodukte» aus Rußland. Der Deutsch^Russische Verein in Berlin teilt mit, daß er sich der Einfuhr von Rohprodukten aus Rußland durch Vermittelung des Berliner Vertreters des Russischen Finanzministers angenommen hat. Beschwerden und Wünsche wegen dieser Einfuhr sollen der hiesigen Handelskammer mitgeteilt werden zur weiteren Beförderung. 6. Versetzung von amerikanischem Faßholz in den Tpezialtaris II. lieber einen dahin gehenden Antrag der Handelskammer Kassel referierte eingehend Herr Wallach (Alsfeld): Während der deutsche Eichenwald für kürzere Faßdauben geeignete Hölzer in Ueberfluß bietet, kann er die hier allein in Betracht kommenden langen Faßdauben nicht liefern. Hier muß das Ausland (Amerika und Slawonien) eintreten. Bei einer Verbilligung der Frachten für die langen Faßdauben wird also das Interesse des deutschen Waldbesitzers nicht geschädigt, und konnte die Kammer daher den vorliegenden Antrag befürworten. 7. Import von österreichischem Petroleum. Es liegt eine Eingabe der Handelskammer Hannover vor, den österreichischen Petroleumraffinerien dieselben billigen Einheitssätze für die Einfuhr nach Deutschland zu bewilligen wie dem russischen Petroleum. Auf Grund eines ausführlichen schriftlichen Referats des Herrn Nowack beschließt die Kammer, der Eingabe zuzustimmen, gleichzeitig aber die maßgebenden Stellen zu bitten, in Erwägung zu ziehen, ob nicht Maßnahmen getroffen werden könnten, daß die den Petroleumraffinerien zu bewilligende Frachtermäßigung, teilweise in Form niedriger Petroleumpreise den deutschen Konsumenten zu gute komme. 8. Erleichterung des Besuchs des Weltausstellung zu Paris. Die Handelskammer Hannover richtet in einer Eingabe an den Minister der öffentlichen Arbeiten die Bitte, für die Dauer der Weltausstellung in Paris Rückfahrkarten mit zwanzig bis dreißigtägiger Dauer und 50 prozentiger Preisermäßigung nach Paris bewilligen zu wollen. — Die Eingabe soll unterstützt werden. 9. Kohleuuot in der Industrie. Die Handelskammer Ludwigshafen a. Rh. beantragt die Herbeiführung eines Ausfuhr-Verbots von Steinkohlen, bis die Gruben wieder in der Lage sind, den inländischen Bedarf der Industrie zu decken. — Demgegenüber beschließt die Kammer nach eingehender Beratung entsprechend ihrer früheren Thätigkeit angesichts der hohen Kohlenpreise und des großen Kohlenmangels auf Aufhebung der billigen Ausnahmetarife nach dem Ausland hinzuwirken, da diese Tarife sich nur um ein geringes über die Selbstkosten der Bahn erheben, und in ihrer Wirkung einer Prämie auf Ausfuhr gleichkommen. IO. Frachtermäßigung sür Musterkoffer. Die Handelskammern Leipzig und Kassel haben an den zuständigen Stellen auf Ersuchen des Verbandes reisender Kaufleute Deutschlands eine Frachtermäßigung für Musterkoffer um 50 Prozent beantragt. — Die Kammer schließt sich dem Antrag an. 11. Neues Zolltarifschema. Es wird wiederholt darauf aufmerksam gemacht, daß das Schema des neuen deutschen Zolltarifs zur Einfichtuahme für alle Interessenten auf dem Sekretariat offeu liegt. Etwaige Wunsche und Erinnerungen find schriftlich bei der Handelskammer vorzubringen. 12. Mitteilungen Über Handel im Ausland. Von berufener Seite sind der Kammer Mitteilungen: zugegangen über: 1) Gewerbliche Unternehmungen im Dongebiet, 2) Verbrauch und Einfuhr von landwirtschaftlichen. Maschinen und Geräten, sowie von Kunstdünger in Argentinien. Interessenten erhalten auf dem Sekretariat Auskunft. * * * Nach der Sitzung fand ein geselliges Zusammensein in den Räumen des Kaufmännischen Vereinshauses statt. Lokales und Provinzielles. (Auonyme Einsendungen, gleichviel welche« Inhaltes, werde« grundsätzlich nicht anfgenommen.) Gießen, 15. März 1900. ** veschichtbkalender. (Nachdruck verboten.) Dor 108 Jahren, am 16. März 1692, wurde Gustav III., König von Schweden, auf einem Maskenball von dem Verschwörer Ankai ström tödlie verwundet. Der unglückliche Monarch, gegen den sich bereits zuvor eine feindselige Stimmung bemerkbar gemacht hatte, well er ohne Befragung der Stände einen kostspieligen Krieg geaen Rußland unternommen hatte, wollte neuerdings die Rettung Ludwigs XVI. erstreben. Um aber nicht einen neuen Gewaltstretch zu erleiden, bildete der tiefgekränkte Adel eine Verschwörung, welcher er zmn Opfer fiel. _______________ ** Auszeichnung. Se. König!. Hoheit der Groß- h erzog haben Allergnädigst geruht, am 25. Februar dem Ortsgerichtsmann Johannes Matthes VI. zu Nieder Modau das Allgemeine Ehrenzeichen mit der Inschrift „Für langjährige treue Dienste" zu verleihen. ** Großh. Hessische Laudeslotterie. In einem in verschiedenen hessischen Zeitungen erschienenen Artikel ist behauptet worden, daß nach der demnächst erscheinenden Ge. schäftsordnung für die Kollekteure das Hausieren mit Losen der Landeslotterie nur in der Stadt verboten, auf dem Lande dagegen erlaubt sei. Wir bemerken, daß schon nach § 56 Ziffer 5 der Gewerbeordnung Lotterielose vom Feilbieten im Ümherziehen ausgeschloffen sind, und daß die Bestimmung des § 5e des Entwurfs der GeschäftSord- nung, wonach es verboten ist, Lose durch Anbieten oder Aufsuchen von Bestellungen von Haus zu HauS oder durch Persönlichen Besuch bei bisher Unbekannten zu vertreiben, auch für das Land gilt. § Von der Welterau, 14. März. Die Gesellschaften und Vereine, besonders auf dem Lande, welche beabsichtigen, in das Vereinsregister sich eintrageu zu laffen, dürften die hierfür zur Erhebung kommenden Gerichts kosten interessieren : Die erstmalige Feststellung der Statuten in Vertrags- oder Beschlußform unterliegt einer Stempeltaxe von 20 Mk., und Satzungsänderungen einer solchen von 10 Mk., während an Gebühren: a) für die erste Ein- tragung des Vereins und für Eintragungen von Statuten« änderungen 20 bis 100 Mk, sowie b) für andere auf Anmeldung hin zu bewirkende Einträge in das Vereinsregister 5 bis 20 Mk. entrichtet werden müffen. Bei gemeinnützigen Vereinen kann das Gericht aber die Gebühr unter a) bis auf 5 Mk. und die Gebühr unter b) bis auf 1 Mk. herabsetzen. Zur Vermeidung von späteren, mit Eintragskosten verbundenen Satzungsänderungen rc. empfiehlt es sich, im Statut nur über die nach dem B. G.-B. nötigen Punkte Bestimmuug zu treffen, und einen möglichst engen Vorstand zu bilden. h. Stockheim, 13. März. Gestern feierte der Büdingen er Missionsverein sein winterliches Jahresfest in hiesiger Kirche. In dem trotz des Werktages von der Gemeinde sowohl, als vielen auswärtigen Festgäften sehr gut besuchte« Gottesdienste predigte Pfarrer Euler-Gießen in lebendiger, packender Weise über Apost. Gesch. 4, 12: „Es ist in keinem anderen Heil" und legte der Missionsgemeinde die ernste Frage zur Beantwortung vor: Ist Christus Dein Heil, das Dich glücklich macht, was thuft Du, damit auch den Heiden eS gebracht werden ka«n? Sodann sprach Missionar Flad aus Frankfurt über die Lage der Frauenwelt in China. Aus seiner langen MissionSthätigkeit dort führte er der Festgemeinde erschütternde Bilder vor, die einen Einblick gewährten in die traurige Lage der Frauen und Mäd- chen in China. Mit großem Interesse folgten die zahlreichen Zuhörer dem fast einstündigen Vortrag des Herrn Missionars. Die am Ähluffe deS Gottesdienstes erhobene Festkollekte betrug 48 Mk. 20 Pfg. und wurde der Missionsanstalt zu Basel überwiesen. Außerdem wurden noch eine große Zahl Missionsschriften an die Festteilnehmer verkauft. Möge daS Fest allen Teilnehmern zum Segen gereichen uni die rechte Liebe, nicht nur zu dem Herrn, sondern auch z« den armen Heiden erwecken, damit auch ihnen das Heil in Christo gepredigt werden kann. Darmstadt, 14. März. Wie der „Darmst. Ztg.- tele- graphisch gemeldet wird, haben Ihre König!. Hoheiten der Großherzog und die Großherzogin gestern von Capri aus eine Fahrt nach Amalfi und Sorrent unternommen, und werden morgen in Neapel eintreffen, wo Allerhöchftdieselben bis zum Sonntag verbleiben. Seine Königl. Hoheit der Großherzog werden von da hierher zurückkehren, während Ihre Königl. Hoheit die Großherzogin Sich wieder nach Capri begeben werden. A Mainz, 14. März. In der nächsten Zeit werden hier bedeutende Kasernen-Neubauten vorgenommen, zu denen schon größtenteils die Mittel vom Reichstage bewilligt sind. Außer der Erweiterung der großen Kavalleriekaserne wird in aller Kürze mit dem Bau der als Ersatz für die von der Stadt käuflich erworbene „Schloßkaserm" dienenden „Barbaroffa-Kaserne" begonnen, und alsdann im kommenden Jahre eine neue Artilleriekaserne, die unmittelbar an die Friedhöfe zu liegen kommt, gebaut werden. Sämtliche neuen Kasernen kommen in die äußere Peripherie der Stadt zu liegen. ___________ A. Frankfurt a. M., 15. März. Ausstellung für Krankenpflege. Die Ausstellung ist jetzt ganz- » »5? Ä# wagen, ^Mnda ,en-Seti und, Wolf die K f£,?Sen Mis tesmnnen bcr ? halNgen . in i MV. 9fI t# ■v-ntaieg611, ' solero rc, Güte überaus st qMeieN', ^.^hen V Hä rKs ■ÄÄy; SS« LrZ froMett lousNMÜ parate, WAS w drezer W unb bte WoWW nsolgreich bei Emv DiesbaderW Pater einen großen Teil tu sindung wohl auch m M auf einschlaM hinten die schönen ausgesMeten Ad< Firmen genannt z PellenbadschaM, zur Ausstellung gk Objekte derselben, mente unb mebicc üeifgimtnaftif, foro die alle zur .»krank dustrie beschäftigen, der Ausstellung gec noch über die Prän nächsten Tagen erfo Das tofdj fjMefen kritische Betrachts Ja Nr. 5 des geb. Lehrnftaad" $d "achgewiesen, daß das Wscheidealter der O -53 Jahre 5 Monate k 'bin ich zurtvohlberechl 76 16 245 2 11B1 19 Vechig Montag iieB Ifcmtl I« R«dh«im, LllgßiMch ' >81 NMWlW ’7 ™ «atoSdMd 1 88 w «NMmte ml W«8 »-mittag, SSS! » Sä ’ ®Noii-s ' »'Wwi ■ *belM;-S U?7 ' io' 12 ' A«-Si°ch 88 i Meifer 12 •*Ä ^chtoib Wichtig für sparsame Hausfrauen. 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Bechtold. 2004 tei,”ngtt ' bem Ätz berechtigt ist, die evangelische Propaganda zu verbietens wie etwa die katholischen Missionspredigten und dergleichen. In Wien finden nach wie vor allmonatlich Ueber- trittSfeiern statt, die dem Protestantismus etwa 30 bisherige Katholiken zuführen. (Letzten Sonntag bei Pfarrer Antonius 20, bei Dr. v. Zimmermann 12 Personen.) lieber* eifrige Bezirkshauptleute, die in jedem Protestanten eineir Staatsverbrecher sehen möchten, haben die Erfahrung gemacht, daß sie durch ihr Verhalten nur die Bewegung fördern. So sind in Langenau seit der Ausweisung des Geistlick)en Lemmer wieder 40 Uebertritte erfolgt, sodaß der Diakon Bathelt aus Duisburg in der dortigen Predigtstation jetzt über 260 Evangelische zählt, bei denen er Bibelstunden abhält. Der evangelische Oberkirchenrat hat, seit der antijesuitische Charakter der Bewegung, die Übrigens in Frankreich noch stärker als in Oesterreich, sich von den deutschradikalen Antrieben immer selbständiger abhebt, seine anfängliche Aengstlichkeit einigermaßen überwunden, und tritt für die Zulassung tüchtiger junger Geistlicher aus Deutschland ein, während die hiesige evangelisck-e Fakultät ihrerseits bemüht ist, ihre Anziehungskraft für die hiesige Jugend durch stärkere Heranziehung allbekannter geistlicher Kanzelredner zu verstärken. Nach einer Ueber- sicht in der „Ostdeutschen Rundschau" sind in Böhmen 16 neue evangelische Vikariate begründet. Zehn Vikare sind schon thätig, drei gewählt, bei dreien wird die Wahl vorbereitet. Steiermark ist mit neun Vikaren ausgestattet worden, von denen schon sieben amtieren, darunter in Stainz bei Graz seit Ende Januar der Vikar Friedrich Hoch- stetter, dem die Marktgemeinde Stainz einstimmig kostenlos behufs Aufnahme in den österreichischen Staatsverband das Heimatsrecht zuaesichert hat, Kärnten mit dreien, von denen zwei bereits in Thätigkeit sind. In Schlesien wählte Bielitz einen Vikar, für Mähren sind vie^Zikariate in Aussicht genommen. In Turn, Dux, Krammel bei Aussig wurde der Bau neuer evangelischer Kirchen mit Legung des Grundsteins begonnen. Bauplätze sind erworben in Karbitz, Klostergrab, Hohenelbe, Stainz, Mürzzuschlag. Die „Ostdeutsche Rundschau" VbrMchnet ferner, daß die evangelische Synode in München - Gladbach den Anfang mit systematischer Fürsorge für junge evangelische Gemeinden Oesterreichs gemacht habe, indem sie eine einzelne junge Gemeinde, nämlich diejenige des an der tschechischen Sprachgrenze gelegenen Städtchens Trebnitz, als „Pflegekind" angenommen. In Oberösterreich sind zur evangelischen Kirche während des letzten Jahres in Linz 85, Wels 24, Steyr 19 Personen übergetreten. Herr v. Schönerer ist bekanntlich aus der katholischen Kirche ausgetreten, hat sich aber bisher nicht förmlich in die evangelische Kirchengemeinschaft aufnehmen lassen. Der Bau einer altkatholischen Kirche wurde in Schönlinde begonnen. In Steiermark wurde als zweiter altkatholischer Pfarrer der Oberösterreicher Rotter, der seit 1895 als altkatholischer Pfarrer in der Schweiz gewirkt hatte, angestellt. Die Zahl der Altkatholiken in Steiermark ist feit Jahresfrist von 30 aus 527 gestiegen. In Amsdorf bei Haide stieg die Zahl der altkatholischen Pfarrgemeinde durch 182 Uebertritte auf 1801 Seelen. In Mährisch-Schönberg hat die politische Behörde den Beschluß der Stadtvertretung, den Altkatholiken die leerstehende Friedhofskirche St. Barbara einzuräumen, aufgehoben, die Gemeinde aber hat Berufung gegen dieses Verbot eingelegt. In Troppau legte der Gemeinderat Verwahrung ein gegen die Bestellung des tschechischen Paters Casimir Rasca zum städtischen Pfarrer. Eier-Abschlag! Ia. frische Eier M Anstrmkk« per Stück 5«/e Pfg. empfiehlt 1284 Heb. Arnold 11. Marktftraße 28. Cid) vollendet, nachdem in den letzten Tagen eine größere Anzahl von Ausstellungsobjekten des 18. Armeekorps ein- getroffen ist, bestehend aus großem Ambulanz und Arznei- n-agen, ausgerüstet mit Operationsapparaten, Instrumenten und Verbandartikeln, ein mächtiges Krankenzelt mit zwölf Betten und kalifornischer Heizung, -Tragbahren und sonstigen für die Kranken und Verwundetenpflege im Feld bestimmten Utensilien. Von den zahlreichen Ausstellern verdienen in der Abteilung Kinderkrankenpflege die eisenhaltigen Eier des Apothekers Aufsberg-Wlesbaden Erwähnung Es ist ein sensationelles Nahrungs-, Arznei- und Kräftigungsmittel, das bereits mit Erfolg zur Anwendung gelangte Erwähnt zu werden verdienen ferner die zahlreichen Kräftigungsmittel wie Mutase, Somatose, Sana- togen, Haematogen, Haemaglobin, Herkules-Haematogen, lorif, Dr. Teinhards Kindernahrung Hygiama, die Rade- mannschen Kindernährmittel, Nährstoff Heyden, Nutrose, Aleuronat, Bolero rc., deren Zulassung zur Ausstellung allein für ihre Güte spricht; denn das wissenschaftliche Komitee hat überaus strenge Zensur geübt und alles zurück- qewiesen, was nicht bereits vor der ernsten wissenschaft- jichen Kritik bestehen konnte. Gerade die strenge Sachlichkeit verleiht der Ausstellung den bedeutenden wissenschaftlichen Wert. Auf dem Gebiet der Wöchnerinnenpfleae ist so ziemlich alles vertreten, was die Neuzeit als gut und zweckmäßig anerkannt hat. Ein neues antiseptisches Operations- mkttel, Xeroform, das gegenüber dem seither gebräud)? lichen Jodoform ganz beträchtliche Vorzüge besitzen soll, erregt hier große Interessen. Xeroform ist ein gelbes, absolut ungiftiges Pulver, geruchlos und wird von ver- fckiedenen Kapazitäten warm empfohlen. Der Xeroform- Therapie wurde auch anerkennend auf den balneologischen Kongreß gedacht. Die Wöchnerinnenpflege veranschaulichen mannigfache mechanische Einrichtungen, besonders für das Trockenheit konstruierte Betten, allerhand chemische Präparate, hygienische Frauentrachten, Bandagen rc. Der Arzt findet in dieser Abteilung noch das Dr. Grafische Byrolin unb die Byrolinpräparate, ebenfalls ein neüer Stoff, der erfolgreich bei Entbindungen angewendet wurde. Die Wiesbader'sche Patent-Matratze nimmt naturgemäß chier einen großen Teil der Ausstellung ein, und ist diese Erfindung wohl auch mit das Bedeutendste, was in der letzten Zeit auf einschlägigem Gebiet geschaffen wurde. Noch verdienen die schönen Badeanlagen, die reich und praktisch ausgestatteten Badezimmer Frankfurter und auswärtiger Firmen genannt zu werden, darunter die Hochhäusersche Mllenbadschaukel, die großen Desinfektionsanlagen, die zur Ausstellung gebracht werden, bilden gleichfalls wichtige Objekte derselben, ebenso die vielen orthopädischen Instrumente und medico - mechanische Apparate der schwedischen Heilgymnastik, sowie die unzähligen kleineren Gegenstände, die alle zur Krankenpflege gehören, und eine große Industrie beschäftigen. Damit wäre ein erschöpfendes Bild der Ausstellung gegeben, unb werden wir unseren Lesern noch über die Prämiierungen Bericht erstatten, die in den nächsten Tagen erfolgen. Das Ausscheidealter der akademisch gebildeten Lehrer in Preußen nud die amtliche Denkschrift. Kritische Betrachtung von Pros. Knöpfel-Worms. In Nr. 5 des „Korrespondenzblattes für den akad. geb. Lehrerstand" Schalke, Kannegießer habe ich kürzlich nachgewiesen, daß das von Prof. Lexis seither angegebene Ausscheidealter der Oberlehrer nicht 52% Jahre, sondern 53 Jahre 5 Monate beträgt. Durch nachträgliche Kenntnis bin ich zur wohlberechtigten Annahme gezwungen, daß diese falsche Zahl nicht durch die Schuld des Prof. Lexis entstanden ist, sondern infolge eines Fehlers in dem von ihm benutzten amtlichen Material. In einem Aufsatz des Prof. Lexis, der im Januar-Hefte der Conrad'schen Jahrbücher für Nationalökonomie 1900 erschien, ist diese falsche Zahl 52% Jahre durch 56%, Jahre ersetzt worden. Ich habe nun ferner nachgewiesen, daß dadurch ein noch größerer Fehler entstanden ist. Denn die Zahl 52% Jahre war berechnet für die in den 2 Jahren 1895 und 1896 durch Tod und Pensionierung ausgeschiedenen Oberlehrer an den staatlichen Anstalten Preußens. Die Zahl 56%, Jahre aber umfaßt den 15jährigen Zeitraum von 1884—98 und zudem die staatlichen und städtischen Anstalten. Vor allem aber war die erstere Zahl nur für die Oberlehrer berechnet, die neue Zahl 56%, Jahre dagegen umfaßt Oberlehrer und Direktoren. Tatsächlich erhöht sich das Ausscheidealter der Lehrer durch Einrechnung der Direktoren um 1 Jahr 4 Monate. Prof. Lexis hat also die falsche Zahl 52% Jahre nicht, wie ich in meiner Kritik, durch die richtige Zahl 53 Jahre 5 Monate ersetzt, sondern durch eine für ganz andere Verhältnisse berechnete, demnach ungleichartige Zahl. Als Ausscheibealter der Land- unb Amtsrichter für bie Jahre 1895 unb 96 gibt Prof. Lexis 59% Jahre an. Berücksichtigt man aber notwenbigerweise, wie ich in meinem Aufsatz ausführlich auseinandergesetzt habe, bie verhältnismäßig große Anzahl ber Richter in höheren Instanzen unb rechnet die Direktoren, Präsidenten rc. ein, so erhöht sich ihr Ausscheibealter auf minbestens 61% Jahre. Dadurch geht bie von LexiS in seinem Aufsatz ausgerechnete Differenz der Ausscheidealters ber Richter unb Lehrer von 2 Jahren 11 Monaten in 5%—7 Jahre über. Vor zwei Tagen erhielt ich nun bie amtliche Denkschrift über bie Altersverhältnisse der Lehrer. WaS ich befürchtet hatte, ist eingetreten. Ich sah auf den ersten Blick, daß sich die Denkschrift in der statistischen Behandlung des Ausscheidealters auf demselben falschen Boden wie bie Lexis'schen Ausführungen bewegt. Denn in der Denkschrift kehren bie Zahlen 59% Jahre unb 52% Jahre wieder, letztere allerdings „berichtigt", nicht durch die richtige Zahl 53 Jahre 5 Monate, sondern durch die oben angegebene ganz ungleichartige Zahl 56%, Jahre. Während nun Prof. Lexis in seinem Aufsatz die Differenz deS Ausscheibealters der Richter und Lehrer, allerdings wiederum durch falsche Subtraktion, zu 2 I. 11 M., statt zu 3 Jahren 5 Mon. angibt, überläßt die Denkschrift diese Subtraktion auffallender Weise dem Leser. Die bösen Folgen dieser, gelinde ausgedrückt, unklaren Wiedergabe der Verhältnisse, sind denn auch nicht ausgeblieben. So hielt mir thatsachlich vor 2 Tagen ein Landtagsabgeordneter, sich auf die Denkschrift stützend, entgegen, daß die Oberlehrer in Preußen ja nur 3Jahre 5Monate früher aus dem Dienste scheiden müßten; die Differenz ist jedoch, wie oben angedeutet, mindestens 5% bis 7 Jahre. Zur Los ■ vo» • Rom • Bewegung. Wien, 12. März. Die Los von Rom-Bewegung voll- I zieht sich gegenwärtig in ruhigeren Bahnen, nachdem das Reichsgericht hinsichtlich evangelischer Vereinigungen entschieden hat, baß bie Regierung ebensowenig Urrlicifirnuiiicii. Kölner Konsum - Anstalt 1958 empfiehlt C. F. Hackenberg Nachfolger. 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