i»oe M. 163 Drittes Blatt. Sonntag den 15. Juli Alle Anzeigen-BermittlungSstellen M In« und 8u8l«mK nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger entgeh». Zeilenpreis: lokal 12 Pfg., auSwirlS 20 Pfg. Aezugspreis vierteljährl. Mk. SM monatlich 75 Pfg. mit Bringcrlohnr durch die AbholesteS» Vierteljahr!. Mk. IM monatlich 65 Pfg. Bei Postbezug Mk. 2.40 vierteljLhrt. mit Bestellgeld. tzr«»«h«e »n Anzeige« zu der nachmMagS für d« k»tLevdm T«ß «scheinender. Nummer bis vorm. H) tthr. AdbcheLungen spätestens efreeM vorder. -rfcheint LLgNch mit Lu-nahme dcS MoniagS. Die Gießener <»«rdcn dem Anzeiger Wechsel mit „Hefi. Landwirt^ m. „Blätter heff. Sollskunde" Sbchtl. 4 rn«l beigelegt. Gießener Anzeiger General-Un^eiger Amts- mtb Anzeigeblatt für den Ureis Gieren. IMiM, »xpedition und Druckerei: Kchntßraße Ar. 7. Gratisbeilage«: Gießener Familienblätter, Der hessische Landwirt, Glätter für hessische Volkskunde. ? ' ' .V—' 1 1 ......!BT Adresse für Depeschen: Anzeiger $te|mu Fernsprecher Nr. 5L Am Achtitn, des zehrerbesoldMgsrksehks. Man schreibt uns: „Die Gesetzesvorlage ist gefallen!" Wie ein Blitzstrahl aus heiterm Himmel traf die hessische Lehrerschaft diese unglückselige Nachricht, und somit sind chre bangen Hoffnungen und sehnlichsten Wünsche vereitelt. Nachdem die Staatsregierung im Frühjahr einen neuen Gesetzentwurf, die Gehalte der Volksschullehrer betreffend, den Landständen überwiesen hatte, wurde er von den Lehrern mit Freuden und Dankbarkeit als ein bedeutender Schritt Vorwärts begrüßt und ganz besonders der Höchstgehalt von 2800 Mk. als den tatsächlichen Bedürfnissen entsprechend rückhaltlos anerkannt. Leider aber zeigte diese Vorlage den Mangel, daß in den untern und mittleren Jahren die Auf- befferung sehr minimal war, und doch sind gerade in dieser Zeit, in der der Lehrer an die Ausbildung seiner Kinder denken muß, die Ausgaben am größten. Darnach hatte der Obmann des Landeslehrervereins, Landtagsabgeordneter Backes, eine Gehaltsskala ausgearbeitet, und von andern Äammermitgliedern wurden ebenfalls Vorschläge gemacht. Der Antrag Backes hatte vor allen übrigen unstreitig den Vorzug, daß er aus den Lehrerkreisen selbst hervorging, ihre Wünsche enthielt und allein die berechtigten Forderungen des hessischen Lehrerstandes voll und ganz zum Ausdruck brachte. Und wahrlich, diese Forderungen waren eher mäßig als unbescheiden zu nennen. Denn vergleicht man den Antrag Backes mit dem Beamtenbesoldungsgesetz, so werden wir manche Beamtenkategorie finden, die bei etwa gleicher Ävrbildung und Arbeit immer noch höher in ihrer Besoldung stehen als der Volksschullehrer nach dem Antrag Backes gekommen wäre. Mit Annahme dieses Antrages wäre aus Jahrzehnte hinaus Ruhe und Zufriedenheit in die Reihen der Lehrer ringekehrt und daraus ein großer Nutzen für unser gesamtes Bolksschulwesen entstanden. Die Not des Lehrerstandes ist nicht etwa ein bloßes Schlagwort geworden, nein, es ist bittere Wahrheit, daß der Lehrer gegenwärtig nicht imstande ist, von seinem Gehalte allein seine Familie zu ernähren. Seine Besoldung reicht eben nur dazu aus, Dürftigkeit vor den Leuten zu verdecken. In Lehrerfamilien, die mit irdischen Gütern nicht gesegnet sind, herrscht thatsächlich bittere Not und Entbehrung, und es geht ihnen kümmerlich, wie der Abg. Ulrich ganz richtig sagte. Man denkt gewöhnlich, der Lehrer bekommt 2000 Mk. Gehalt, daß er aber diesen Betrag frühestens im 50. Lebensjahr erreicht, wissen nur wenige, und daß gar der definitiv angestellte Lehrer mit 900 Mk. Mindestgehalt ansangen muß, dürste vielen kaum glaublich klingen. Nun ist aus der neuen Gehaltsvorlage nichts geworden, und die Zeit bis zum Herbst oder noch länger wird für den Lehrerstand ein „Hangen und Bangen in schwebender Pein" sein. Fragen wir uns aber einmal: Wer trägt die Schuld daran? Die Antwort hierauf wollen wir nicht sofort geben, sondern versuchen, einen einfachen klaren Beweis zu bringen. Der Lehrerstand ist schon von jeher sehr stiefmütterlich behandelt worden. Eine große Genugthuung war es daher für ihn, als die zweite Kammer einstimmig den Antrag Backes annahm. Viele Ungläubige, die noch der Ansicht waren, der Lehrerstand habe wirklich „keine Freunde", stimmten laut in den Jubel ein. Aber da fiel auch schon ein Trvpfen Wermut in den Freudenbecher: die Regierung stellte diesem einstimmigen Beschluß der Volksvertretung ein kaltes „Niemals" entgegen. Während sonst Die Regierungen bei ihren Vorlagen auf Gehaltserhöhung der Beamten ost schwer kämpfen müssen, um die Abgeordneten von der Notwendigkeit derselben zu überzeugen, lag hier der seltene Fall vor, daß die Volksvertretung über deren Anträge hinausging. Die Lehrer haben „Freunde gewonnen". Die Volksvertretung und das Volk sind den Lehrern Freund geworden, und sie hätten sich auch vor einer „Volksabstimmung" am wenigsten zu fürchten. Wenn Finanzausschuß und Zweite Kammer mit solcher Einmütigkeit eine Forderung bewilligen, so werden sie auch bereit sein, die Mittel zur Verfügung zu stellen. Im Frühjahr war heidenmäßig Geld vorhanden zu Sachen, die nicht besonders eilig und notwendig waren, die Besoldungsvorlage der Lehrer kam zuletzt an die Rsrhe, und siehe da: „die Finanzlage des Staates gestattet nicht, daß der Antrag Backes Gesetz wird". Leider hat die erste Kammer der Regierung zu Liebe für die Regierungsvorlage mit Antrag Molthan gestimmt und nur zwei Mitglieder traten für den Antrag Backes ein. Als nun die nationalliberale Partei der zweiten Kammer sah, daß die Regierung auf den ursprünglichen Antrag Backes keinesfalls eingehen wollte, ließ sie ihn mit schwerem Herzen fallen und brachte einen neuen Antrag Backes ein, der nur noch 55100 Mk. über Molthan hinausging. Wahrlich, jedermann hätte denken müssen, die Regierung würde mit Freude auf dieses Entgegenkommen eingehen, aber „niemals" lautete auch jetzt wieder die Antwort. Was aber bedeutet eine Summe von 55100 Mk. für einen Staat wie Hessen! Werden doch oft größere Betrage für Gegenstände ausgegeben, deren Dringlichkeit zum mindesten bestritten werden kann. Bei der Schlußabstimmung über die Regierungsvorlage mit Antrag Molthan wurde diese von der Volksvertretung mit 18 gegen 22 Stimmen abgelehnt; die Mehrheit hielt diese Skala für zu niedrig. Wir können also mit gutem Gewissen sagen, die Regierung hat das Nichtzustandekommen des Gesetzes herbei- geführt, und, soweit uns bekannt ist, ist das auch die Neberzeugung der Mehrheit der hessischen Lehrerschaft. Eine schwere Verantwortung hat die Regierung dadurch auf sich geladen. Nicht Wohlthaten verlangt der hessische Lehrerstand, sondern Recht und Gerechtigkeit muß ihm widerfahren nach dem Grundsätze: „Gleiche Vorbildung — gleiche Bezahlung". Dem Lehrerstand muß ans seiner Notlage geholfen werden, und zwar ehe ein halbes Jahr vergeht. Möge nun die Regierung darnach handeln! Wir aber bleiben der Ueberzeugung, daß die Regierung mit gutem Gewissen die Mehrforderung von 55100 Mk. hätte be« willigen können. _______________________________________ KrrmiWes. * Potsdam, 11. Juli. Einem raffinierten Gaunerstreiche ist der Hofjuwelier Koblaffa zum Opfer gefallen. Am Dienstag abend erfchiien in dem Geschäfts- lokal des Herrn Koblaffa ein elegant gekleideter, mittelgroßer, etwa 30 Jahre alter Herr mit starkem blonden Schnurrbart, welcher sich unter Ueberreichung einer Visitenkarte als Leutnant von Wedelt von der 7. Kompagnie des 1. Garde-Regiments zu Fuß vorstellte und eine goldene Remontoiruhr nebst Kette zu kaufen wünschte. Er suchte sich die beiden Gegenstände im Werte von 450 Mark ans und bat, diese in seine Wohnung zu schicken. In Potsdam wohnt, wie dem Juwelier bekannt war, seit kurzem ein Leutnant von Wedelt von der 7. Kompagnie; er nahm deshalb keinen Anstand, dem neuen Kunden, dessen persönliche Bekanntschaft er soeben gemacht hatte, die Sachen zu senden. Ein junger Mann brachte die Gegenstände nach Komöurg v. d. K. Wenn man in dem Bahnhof Frankfurt a. M. den D- Zug verläßt, der einen hierhergebracht, und sich in der Riesenhalle einigermaßen an das unheimliche Echo gewöhnt hat, das die Pfiffe der Lokomotive und der den Ventilen entströmende Dampf mit peinlicher Lärmhaftigkeit wieder- giebt, wird das Auge sofort das beinahe internationale, eigentlich aber anglisierte Gepräge wahrnehmen, das sich besonders auf den Perrons entfaltet, an denen die Trains halten, die nach dem modernen Pensionopolis Wiesbaden oder nach dem Weltbade Homburg v. d. Höhe führen. Der mehr impertinent als gentlemanlike auftretende Engländer ist hier |ber Herr der Situation, er stellt das «jröfjte Kontingent der Touristen und Badegäste und er er- Wirbt sich damit (nach seinen Begriffen) die größten Ansprüche auf alles das, was anderen bescheidenen Menschen auch zusteht, aber von diesen selten gefordert wird. (£ouüee§ des Homburg-Cronberger Zuges, der mich m 25 Minuten nach dem fashionabten Homburg vor der Höhe bringen sollte, waren nur schwach besetzt, sie sahen beinahe melancholisch aus, als träumten sie von dem behaglichen Winter, in dem sie so selten Insassen sehen. Kurz vor der Endstation geht das Tempo des Zuges allmählich in ein sanftes Slentando über, der Taunus, der alte Knabe, schickt in das Terrain seine Ausläufer, die zu erklimmen das Dampfroß seine liebe Not hat. Näher und näher rückt das am Ostabhange des Taunusgebirges gruppierte Bad Homburg, umgeben von einem dicht gewundenen Kranz luftiger Villen leuchtet der Höhenzug herüber, anheimelnd grüßen die roten Ziegeldächer des alten Stadtteiles, stolz ragt der schlanke Turm der katholischen Kirche empor, und wie ein Riese auf all die Zwerge blickt der sogenannte „weiße Turm" — auf dem während des letzten Kaisermanövers eine optische Telegraphenstation eingerichtet war — in die Thäler. Er ist das letzte Wahrzeichen, das an die Burg erinnert, die vor Jahrhunderten an Stelle des jetzigen Schlosses stand, das den Landgrafen von Hessen-Homburg als Wohn- und Ruhestätte diente. Langsam fährt der Train in die etwas düstere Halle ein. Em Gang durch die Luisenftraße verrät sofort, daß wir uns "M einem Weltbade befinden. An zahlreichen Fenstern und Häusern lachen uns Schilder entgegen, in denen man mitteilt, daß hier „Appartements a louer". Rechter Hand fesselt uns ein eleganter Häuserkomplex, der die Form eines offenen Vierecks zeigt, das Kurhaus, ein von dem Spielpächter Blanc mit allem Raffinement der damaligen Zeit erbautes Etablissement, in dem seit Aufhebung der Spielbank fein Croupier mehr fein „Faites votre jeu, Messieurs!" ertönen läßt. Die alten Homburger erinnern sich heute noch mit Wehmut, die der nur versteht, der damals die Verhältnisse kannte, dieser goldstückseligen Zeit. Damals waren Franzosen und Russen die Löwen des Bades, heute sind die Engländer vorwiegend, denen kein Feind überflüssige Geldausgaben nachsagen kann. An die Tage der Spielbank erinnerte bis vor wenigen Jahren noch manches Original, das man auf den Straßen sehen konnte. Jahrelang spazierte ein lebendes Ausrufezeichen in den Brunnenanlagen Homburgs umher. Tag aus, Tag ein, Sommer wie Winter konnte man den schlanken Herrn mit dem weißen Schnurrbart und dem schäbigen, grauen Cylinder auf dem Kopfe sehen — ein Opfer der Spielbank. Alles hatte der reiche Baron von K., vom Spielteufel mit unheimlicher Leidenschaft gepackt, am grünen Tisch verloren, Jahrzehnte lebte er dann von der privaten Mild- thätigkeit: „Das ist die Kehrseite von dem Blatt!" ~ Seit 1872 hört man zwar in den mit Gold und Stuckaturen überladenen Sälen das Rollen der Roulettekugel nicht mehr, dafür aber hat sich der Fremdenverkehr, Dank der heilkräftigen Quellen, umsomehr entwickelt; die regelmäßigen Fürstenbesuche (Prinz von Wales) waren außerdem Magnete genug für die internationale Aristokratie, und so hat sich denn, besonders in dem letzten Jahrzehnt, eine mehr und mehr gesteigerte Frequenz in dem wunderbar schön gelegenen Taunusbad bemerkbar gemacht. Heuer ist nun der alten Residenz des ehemaligen Duodezstaates eine ganz besondere Freude durch den Besuch des Kaiserpaares bereitet worden. Und nun ein flüchtiger Streifzug durch die Stadt: Ich klimme von der „Schönen Aussicht" langsam die steile Dorotheenstraße empor. Sie gehört, wenn ich nicht irre, zum Teil schon zu der von dem Landgrafen Friedrich II. angelegten Neustadt. Zehn Minuten marschiere ich, dann stehe ich vor dem ehemaligen landgräflichen Schlosse. Ein hohes, eisernes Gitterthor, vor ihm Füsiliere des hiesigen Bataillons der 80er — hinter ihm ein Stück Schloßgarten mit plätscherndem Springbrunnen, dann ein breites, glasbedachtes Portal, das in den Schloßbau führt: Ein Idyll liegt vor mir! Meine Gedanken dringen hinein in den schlichten Bau, an dem die beiden landgräflichen Wappen auf ein Kapitel aus der Geschichte, aus dem Hefsen-Hom- burgischen landgräflichen Geschlecht Hinweisen; haben sie doch den deutschen Landen manch trefflichen Feldherrn geschenkt. Grüne Fensterläden an den fast kleinen Schloß- fenstern, dort unten der spiegelblanke Schloßteich, umgeben von hohem Schilf, Epheugerank und Tannenduft. In dieser herrlichen Natur, wo die Luft so kräftig und würzig ist, wo von des Taunus Höhen der Blick weithin schweift in die Wetterau und in den Maingau, sucht die kaiserliche Familie Erholung. Die sprudelnden Quellen sollen der Landesmutter die ersehnte Heilung und lebende Stärkung spenden; die besten Wünsche des deutschen Volkes sind ihr nach dem Taunusbade gefolgt. — dann der „Polarstern „Obenbrnff fitzt Andree mtt'n Luftballon." und der „Schwan"---" „hat Lohcnjelb vff'm Rücken — nie sohte mir befragen. „Sodann der „Drache"--" „Na, warten Se man, bet sag' ick Ihre Schwiejel mutter! und nach diesem die „Leyer" —" „Männecken, wrrn 2e blos nich lyrisch!" „Es folgen „Jagdhunde" und der „Löwe" — —" „Fehlt blos noch Freilichjrath: nächtlich durch die Wiese klappert . . .!" nun zurück zum „Herkules" —" . .. „Stad'.bahnhof, Börse, wo w«' erst mal eenen lenepmtien wollen'" (Lach. Jahrhundert.) Humoristisches. Die Berliner Aroschen'Sterrrwarte. „Meine Herren, sehen Sie den großen „Bären", das iS Ttt Fixstern" — „Natürlich, den hat eener da oben anjebunden." „--und da weiter rüber kommt die „Jungfrau" mit den beiden „Zwillingen" —" „Pst! Sie Herr Verkläre;, (affen Sie bat nich ’n Schuhmann Heern!" etwas weiter ber „Fuhrmann" —" „Ick verstehe: „Hentschel" von Jerhart Hauptmann." 187 Gießen, «irchenplatz 4242 Versteigerung. Mittwoch bett 18. b. Mts., nachmittags 2 Zlhr, versteigere ich gegen Barzahlung im Pfandlokal, Settersweg 11: 1 Nähmaschine, mehrere GophaS, Kommode, Kleider - Schränke, 1 Regrrlateur und 1 Aaß Ocker. Gießen, den 10. Juli 1900. 4785 Mulch, Pfandmsrster. Markus Bauer Spezial-Geschäft in feiner Lferren-Garderobe. Anfertigung nach Main eigener werkfiätte. Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. I. 23.: Wolff. Anerkannt gut« Küche. Prompte Bedienung. Reell« Preise. Hochachtungsvoll Hch. Leib Witwe Bekanntmachung, bett.: Die Beaufsichtigung der Hunde in der Provinzialhauptstadt Gießen. Um eine bessere Kontrolle über die gesetzlich vorgeschriebene Anmeldung der Hunde ausüben zu können, haben wir mit Inkrafttreten des abgeänderten Gesetzes, betr.: die Hundesteuer, an Stelle der seither verausgabten (runden) Hundemarken solche in neuer (viereckiger) Form eingeführt, welche während der Büreaustunden im Bürgermeisterägebäude, Zimmer Nr. 14, verabfolgt werden. Die Verabfolgung der neuen Marken geschieht biS zum 16. Juli er. uueutgeltlich; nach diesem Zeitpunkte ist für jede Marke eine Gebühr von IO Pfg. zu entrichten. Im Uebrigen verweisen wir auf die Bestimmungen der §§ 4 und 7 der Lokalreglements vom 20. Januar 1882, nach denen die Besitzer von Hunden bei Meldung von Geldstrafe bis zu 30 Mark dafür zu sorgen haben, daß die Hunde auf der Straße die Marke stets am Halsbande oder am Maulkorb tragen. Hunde, welche auf der Straße nicht die vor- gefchrirbene Marke tragen, werden eingefangen und dem Wasenmeister überliefert. Gießen, den 14. Juni 1900. Mrdingung. Die Wohnhäuser nebst Nebengebäuden der Herren Rüßing und Schlessinqer an der Ladestraße auf Bahnhof Gießen ollen abgebrochen werden. Angebote und Bedingungen, welche gegen porto- und gebührenfreie Einsendung von 0,50.X von unterzeichneter Inspektion bezogen werden können, sind bis zum 28. Jun 1900, morgens 11 Uhr, mit entsprechender Aufschrift hierher einzusenden. 4855 Betriebs-Inspektion 1. Bin täglich von 8 bis 9 Uhr vormittag- in Hießen im Hasthaus zum Löwen zu sprechen. — Gestellungen können zu jeder Zeit daselbst abgegeben werden. Weiterbeförderung erfolgt sofort. Auswärtige Touren werden von Gießen aus berechnet. ^ang-Höns, im Juni 1900. 8879 Dr. Kohler, prak!. Tmarst. seit 1898 2 resp. 0. Italiener 124, italienische Firmen 9, Abnahme seit 1898 17 resp. 0. Japaner 2440, japanische Firmen 195, Zuwachs seit 1898 746 resp. 81. Portugiesen 1423, portugiesische Firmen 10, Zuwachs seit 1898 339, Abnahme der Firmen 10. Koreaner 42, Zuwachs 2. Angehörige außer Vertrag stehender Nationalitäten 29, Zuwachs 2. Aus diesen Zahlen, kann man ersehen, daß Rußland in der Einwohnerzahl und Japan in der Firmenzahl die größten Fortschritte gemacht hat. Auch Frankreich hat auf dem letzteren Gebiete gute Resultate zu verzeichnen. In diese Zahlen sind natürlich nicht die fremdländischen Bewohner der „gepachteten" Landstriche, wie z. B. des deutschen Kiautschou, eingeschlossen. Unter „Engländer" sind auch viele Hindus klassifiziert worden. Der 23er- einigte Staaten - Konsul glaubt übrigens, daß die Zahl der Amerikaner in der Statistik bedeutend unterschätzt worden sei. zählte, keinerlei ländliche Arbeit verrichten, damit ihre I Schönheit keinen Schaden erleide. Wasil Zubkowicz, Bauer I in Krasne, hatte nicht nur das schönste, sondern auch das I reichste Mädchen des benachbarten Dorfes bekommen, em I Mädchen, welches ihm als Mitgift zwei Ochsen, eine Kuh I und 40 Gulden in barem Gelde ins Haus brachte. Die I „Dorfprinzessin" empfand jedoch bereits in den Flitter- I Wochen tätliche Langeweile, die sie sich dadurch zu vertreiben I suchte, daß sie mit dem jungen Dorfschmied ein Verhältnis I einging. Eines Tages wurde sie, vorn Hausherrn überrascht. I Es kam zwischen den Eheleuten zu einem heftigen Auf- I tritte; die „Dorfprinzessin" verließ unter Mitnahme der i beiden Ochsen das Haus ihres Mannes und begab sich zu I ihren Eltern. Das erste, was der betrogene Ehemann I that, war, daß er die von der Frau mitgenommenen Ochsen heimlich „entführen" ließ. Im Besitze der Ochsen, suchte I er seine Frau zur Rückkehr zu bewegen. Er suchte sie rm Hause der Eltern auf. Bei dieser Gelegenheit kam es zwischen Wasil Zubkowicz und seiner Frau, sowie deren Eltern und Bruder zu einer Schlägerei, bei der ersterer I tot am Platze blieb. Anastasia Zubkowicz, sowie deren Eltern Kirylo und Marie Kaninice, sowie ihr Bruder Andreas Kaninice wurden von der Staatsanwaltschaft in I Sambor wegen Mordes angeklagt. Die vor dem Schwur- gericht 'in Sambor stattgehabte Hauptverhandlung hatte folgendes Ergebnis: Kirylo Kaninice wurde von den Geschworenen des räuberischen Totschlages schuldig erkannt, und vom Gerichtshöfe zum Tode durch den Strang ver- urteillt, Andreas Kaninice wurde wegen Verbrechens des einfachen Totschlages zu fünf Jahren, Anastgsia Zubkowicz, die „Dorfprinzessin", wegen Verbrechens der schweren Körperverletzung zu zwei Jahren schweren Kerkers verurteilt, ihre Mutter wurde freigesprochen. Anastasia Zubkowicz nahm die Strafe an, während Kirylo und Andreas Kaninice die Nichtigkeitsbeschwerde an den Kassationshof I ergriffen. Die Beschwerde wurde vom Kassationshofe als 1 unbegründet verworfen". . , * Ein Kraftmensch. In einer Plauderer über starke Menschen erzählt das „Wiener Fremdenblatt" folgendes: Der Herzog von Gramont, der Minister des Aeu- ßern Napoleons III., produzierte in Abendgesellschaften vor den bewundernden Damen des Hofes oft das Kunststück, daß er mit seiner wohlgepflegten Aristokratenhand ern Zwanzigfrankenstück krumm bog. Der vor einigen Jahren verstorbene italienische Schriftsteller Paolo Fambri war wohl unter allen Männern der Feder der kräftigste. In Florenz besorgte er einst in einer stürmischen Versammlung die Räumung des Saales ganz allein, indem er sämtlich^ Teilnehmer, einen nach dem anderen, hinauswarf. In Turin hielt er ein Paar Pferde, die mit einer Equipage durchgingen, mit solcher Gewalt auf, daß die Tiere zu Boden stürzten. Allerdings verrenkte er sich dabei die rechte Hand. Als Student in Padua hob er zum Scherz den Flügel des großen Universitätstores aus den Angeln und als Abgeordneter drückte er in Monte Citorio, da im Parlamentsgebäude Feuer ausbrach, mit der Schulter eine Thüre ein, welche die Feuerwehr mit ihren Aexten nicht einschlagen konnte. Einen Kutscher, der ihm die Fahrt verweigerte, hob er, ohne ein Wort zu sprechen, mit einer I Hand aus den Bork, und ein wohlbewaffneter Strolch, I der ihn auf einer Fußwanderung in Sizilien anfiel, erhielt einen Faustschlag, daß er bewußtlos zusammenstürzte und I an einer Gehirnerschütterung starb. * Eine interessante Fremden-Statistik I Chinas. Das Staatsdepartement in Washington hat vor | kurzem eine von dem Vereinigte Staaten-Konsul in Tschifu am 7. Mai abgesandte interessante Statistik der Fremden- I bevölkerung Chinas erhalten. Diese Statistik umfaßt die I Jahre 1898 und 1899. Es befanden sich in dem erstge- I nannten Jahre 13 421 Ausländer in China und 773 aus- I ländische Firmen, und im Jahre 1899 waren diese Zahlen I aus 17 193 resp. 933 gestiegen. Der Nationalität nach ver- I teilt sich diese Fremdenzahl für 1899 folgendemaßen: Amerikaner 2335, amerikanische Firmen 70, Zuwachs seit 1898 279 resp. 27. Engländer 3562, englische Firmen 401, I Zuwachs seit 1898 414 resp. 32. Deutsche 1134, deutsche Firmen 115, Zuwachs seit 1898 91 resp. 8. Franzosen 1183, französische Firmen 76, Zuwachs seit 1898 263 resp. 39 Holländer 106, holländische Firmen 9, Zuwachs seit 1898 19 resp. 1. Dänen 128, dänisches Firmen 4, Zuwachs: seit 1898 11 resp. 1. Spanier 448, spanische Firmen 9, Zuwachs seit I 1898 33 resp.5. Schweden und Norweger 244, schwedische I und norwegische Firmen 2, Zuwachs seit 1898 44 resp. 2 Russen 1621, russische Firmen 19, Zuwachs seit 1898 1456 I resp. 3. Oesterreicher 90, österreichische Firmen 5, Abnahme Milosophenwald. Acetyleilbeleuchtung im Walde vMiLJubliUm, Vereinen und Gesellschaften zur Abhaltung von Festlichkeiten jeder Art in empfehlende Erinnerung. der auf der Karte angegebenen Wohnung Breitestraße 36 I und traf den Herrn Leutnant auch persönlich an. Als I dieser die quittierte Rechnung sah, erklärte er, daß er erst I in einigen Tagen, nachdem Geld von seinen Eltern ein- । getroffen sei, zahlen könne. Der Bote nahm darauf die I Sachen wieder mit zurück und erstattete Herrn K. Bericht. I In Anbetracht des Umstandes, daß häufig von Offizieren I Waren auf Kredit entnommen werden, sandte der Juwelier I nunmehr die Sachen ohne quittierte Rechnung ab. Dem I Boten erklärte der angebliche Leutnant jetzt, daß er noch I einen Ring brauche. Er kam gleich darauf nochmals in I einem Wagen vor dem Geschäft vorgefahren und suchte I sich einen Ring im Werte von 500 Mark aus. Er bat um I Kredit für einen Monat, und der Juwelier erklärte sich I damit einverstanden. Nachdem der „Herr Leutnant" wieder I per Droschke fortgefahren war, stiegen Herrn K. dock) Be- I denken auf. Er erkundigte sich« bei dem Zahlmeister des I Regiments und erfuhr zu seinem Schreck, daß er einem I abgefeimten Berliner Hochstapler in die Hände gefallen I war. Leutnant v. Wedelt war auf einige Tage nach Berlin I beurlaubt. Hier wurden ihm in einem vornehmen Nestau- I raut die Schlüssel zur Wohnung und die Visitenkartentasche I gestohlen. Der Gauner, der die That vollführte, reifte I sofort nach: Potsdam, wo er die Abwesenheit des Burschen I des Offiziers benutzte, um feinen Tric auszuführen. Es I handelt sich anscheinend um einen längst von der Polizei I gesuchten Hochstapler, der sich an Offiziere herangedrängt I hat und so gewonnene Bekanntschaften für feine Zwecke I ausbeutet. Von der Potsdamer Polizei ist schon festgestellt I worden, daß der Verbrecher gestern abend 8 Uhr wieder I nach Berlin zurückgekehrt ist. * Stilblüten aus ber bayrischen Abgeord- I neten kämme r. Die Aktien der Herren Reaumur und I Celsius erfreuen sich seit den schönen Pfingstfeiertageri einer I steigenden Tendenz. Mag es schon für viele nicht ange- I nehm sein, sich in freier Luft von dem Oberfeuerwerker I Helios bescheinen zu lassen, so haben noch weit mehr Gruich, I die lamentatio Jeremiae prophetae anzustimmen, jene I „Enterbten des Glücks", die da in dem „k. b. Krema- I torium", in dem gegen jeden frischen Luftzug abgeschlosse- I neu Beratungssaal der Abgeordnetenkammer die Erle- I digung des Budgets mit Resignation erwarten müssen. I Es ist kein Wunder, wenn bei einer solchen Temperatur in | den Köpfen so mancher Volksvertreter eine „Gedanken- I schmelze" eintritt, die gar wunderliche Wort- und Ideen- I iombinationen zu Tage fördert. Wir dürfen es darum I einem ländlichen Abgeordneten aus Schwaben auch nicht verargen, wenn er sich zu Pern bescheidenen Ausruf ver- stieg: „Ich. will lieber alles, als gar nichts!" Mit dieser Forderung dürfte er unter seinen Mit-Erdenpilgern auch kaum allein dastehen. Nicht übel ist die Aeußerung eines Zentrumsmannes, der da sagte: „Diese Worte haben mir sehr leid gethan von einem so verehrten Herrn Kollegen, wie mein Herr Vorredner zu sein scheint." Energisch fuhr ein biederer Handwerksmann dazwischen, indem er kate- 1 gorisch forderte, „es solle in das nächste Etat eine höhere Summe eingesetzt werden, die den Beträgen für andere Stände ähnlich gleichkomme". Höchst sinnreich schweißte ein anderer das Ministerium des Innern, dem die Landwirtschaft und deren Nebenbetriebe unterstehen, mit dem für Kirchen- und Schulangelegenheiten zusammen, indem er behauptete: „der Obstbau ist ein eminent wichtiger Kultuszweig !" Finden wir anderswo noch einen ärgeren Sprachbarbaren als den, der verlangte, „es solle den Kultur- ingenieuren noch ein viel mehrerer Einfluß gewährt werden."?! Bei der Beratung des Kapitels „Unterstützung der Pferdezucht" meinte ein bäuerlicher Abgeordneter: „Die Unzufriedenheit wird immer mehr; jetzt wendet man sich an die Hengste und erwartet von ihnen sein Heil". Von Pferdezüchtern, die schlimme Erfahrungen gemacht hatten, konstatierte er, „daß viele von diesen Oekonomen von den breiten Hengsten bekehrt worden sind." Der Gleiche plädierte für die Verlegung eines Gestüts nach einem Orte seines Wahlkreises, damit die Pferdezüchter seines Bezirkes einen neuen Ansporn bekämen. Unglücklich war allerdings die Einkleidung seiner Motivierung: „Wenn das Gestüt nach H. kommen wird, werden die Leute aufgemuntert, das schön/ Beispiel der Hengste nachßuahmen." * Unter dem Titel: „Die Ehe der Dorfprinzessin" veröffentlichen Wiener Blätter das folgende galizisch-bäuerliche Sittenbild: „DieBäuerin Anastasia Zubkowicz, die erst siebzehnjährige Frau des reichen Bauern Wasil Zubkowicz, wurde von den Dorfbewohnern nur die „Prinzessin" genannt. Sie durfte nämlich, auf Weisung ihres Gatten, der bereits fünfzig Jahre Geschlechts-, Maut-, Hals , Nasen- und Ohrenleiden Spezial-Arzt Dr. Holtz, Frankfurt a. M., Zeil 44a, 4710 neben der Hauptpost. MC- Wohnungs - Veränderung. "W 4685 Mhmäschin-nEngr-sGdchLst befinden sich jetzt ™ „ Molttestratze 12, IL ^8 Th. Haubacb Aeiselttteratur. lieber die Pariser Weltausstellung 1900 handelt ein Anhang zur 15. Auflage von Baedekers Paris (Leipzig, Karl Baedeker). Das Buch enthält alle zur Orientierung nötigen Angaben und Bemerkungen, sodann aber die aus der Feder keines Geringeren als des Direktors des Berliner Kunstgewerbe-Museums, Dr. Julius Lessing, geflossenen Betrachtungen und Winke für Ausstel- lungsbesucher. Die ersteren Bemerkungen sowohl wie die Angaben und Urteile des hervorragenden Fachmannes sind aus unmittelbarer Anschauung hervorgegangen. Die Kartenzeichnung und der Druck des Heftes sind klar und präzis und die ganze Einteilung läßt an Uebersichtlichkeit nichts zu wünschen übrig. Ein Witzbold und Kenner von Paris machte jüngst, als er Ankündigungen las, die für einen Beitrag von 150 oder 200 Mark eine Paris-Reise in Aussicht stellten, die Bemerkung, diese Summen sollten wohl sagen, daß man sich extra noch 100 Mk. ins Portefeuille, ferner einen Hundertmarkschein in die Westentasche und für 100 Mk. Kleingeld zu Trinkgeldern u. dgl. einstecken solle. Es ist selbstverständlich, daß der Fremde, mit Pariser Verhältnissen gänzlich unbekannte, zumal wenn er der französischen Sprache nur unvollkommen mächtig ist, bei einer Gelegenheit, wie sie die Weltausstellung bietet, vor Uebervorteilungen nirgends sicher ist. Es sollte sich deshalb jeder, der nach Paris reisen und sich dort vor unnötigem Zeit- und Geldverlust bewahren möchte, so weit über alles Wissenswerte vor Antritt, $ er Reise orientieren, daß er fremder Hilfe in der Millionenstadt so wenig als möglich bedarf. Man braucht dazu nur einen „Führer" genau zu studieren, z. D. Woerls Führer durch Paris und Umgebung (270 Seiten stark. Mit 40 Illustrationen, achtfarbigem' Stadtplan mit Straßenverzeichnis, Karte von Frankreich und Umgebungskärtchen von Paris rc.) der für 1 Mark zuverlässiges bietet. Aus dem reichen Inhalt des trotz seines Umfanges handlichen und bequem in der Rocktasche zu tragenden Bändchens heben wir einzelne Abschnitte! I hervor: Reifewinke, Ankunft und Unterkunft in Paris, Verkehrswesen, Wohnung und Verpflegung (mit näheren gaben über einige hundert Hotels, Pensionen, Restaurants usw.), Sehenswürdigkeiten, Unterhaltung und Vergnügen, Zeiteinteilung, Orientierungsfahrten, Rundaang, Die Katakomben, Die „Egouts", Besuchszeiten und Eintrittsbedmg- ungen der Sammlungen rc., Umgebung von Paris rc. Der Führer ist allen Paris- und Ausstellungsbesuchern bestens, zu empfehlen. ~ Ein in Woerls Verlag erschienener „Führer durch die Weltausstellung 1900 in Paris" (Preis 50 Pfg.) bildet zu diesem Buche eine willkommene Er- I gänzung. _ Ferner sind in demselben Verlage kürzlich recht hübsch ausgestattete Führer durch Frankfurt a. M., durch I Darmstadt und durch Heidelberg zum Preise von I je 50 Pfg. erschienen, die für diesen Preis geradezu e^ staunlich viel, auch illustrativ, bieten. Sie sind sämtlich I mit großen übersichtlichen Stadtplänen versehen und belichten nach jeder Richtung hin erschöpfend über alles an- I nähernd Sehenswerte. ______________________ Wir bringen hiermit zur gefL Kenntnis, daß wir den Allein-Verkauf unserer echten Lichtenhainer füt die Provinz Hessen-Nassau, sowie für ganz Südbentschlaud der Firma Justus Willi. Berdux, Sier-GroßhMlNg, Marburg a. d. Lahn übertragen haben. Lichteu-ai» bei Jena, im Juli 1900. Commun-Brauerei, Gebr. Weber. 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