»it. 137 Zweites Blatt Freitag de« 15 Juni 1900 Gießener Anzeiger £3ejuflsprei« vierltljahrl. Mk 2/N monatlich 75 Pl«, vieneljährl. Mk 1.9» Mk. 2,40 üierteljöljrt mit Bestellgrld General-^n^eiger Anrts- und Anzeigablutt für den Ureis Gieren. .166. neue BtW: Der Schluß der Reichstagssesfion N monatlich 65 Bri Postbczug mi iL i Lllt Lnzeigen-BermittlungSstellen de» In- und Su-landcs nehmen Antigen für den Gießener Anzeiger entgegen. ZeilcnprriS: lokal 12 Pfg., auswärts 20 Plg. ■e*e|ee Anzeigen zu der ru^mittog» für den senden tt| ^scheinenden Nummer bü »arm. 1V Ah». Addeftelungen i-ätrßen» ob«M6 vorher. R*eMto*, Expedition und Druckerei: >4*rHt*je Ar. 7. Adreßr für Depeschen: Anzeiger chietze»- Fernsprecher Nr. 51. mit Bringerlob: , durch dir Abholrfl^r? Gratisbeilage«: Gießener Famitienblätter, Der hessische Ksndmirl, Klätter für hessische Volkskunde. M17.21 16M.U MM Mi! SW Ick- w 5* »« Bekanntmachung. Betr.: Schießübungen. »ES wird hiermit zur öffentlichen Kenntnis gebracht, daß dal hessische Jäger-Bataillon Nr. 11 zu Marburg am 16., 21. md 23. l. Mts, von 7 Uhr vormittags bis 2 Uhr nachmittags Sestlhlsschießeu mit scharfer Munition südlich Holzhausen mit Micher und südöstlicher Schußrichtung abhalten wird. Zu diesem Zwecke werden die den Forstort „die Seift" durchkreuzenden, von Holzhausen, Roßdorf, Mardorf und Erfurts- hausen in Richtung auf Roßberg, Hönigen und Deckenbach fihreuden Waldwege durch Sicherheitsposten abgesperrt werden, anb darf das vorstehend bezeichnete Gelände während der an- Mbenen Zeit nicht betreten werden. Gießen, den 12. Juni 1900. Großherzogliches Kreisamt Gießen. v. Bechtold. «rfteut »glich Btt Ausnahme des Montag». Die Gießener PaMttienötLtter Verden dem Anzeiger Wechsel mit „Hess. Buibairr m. „Blätter ßr heil. Bolktkunde- Gchtt. 4ewü beigelegt. SW t*• wv Dtt Vorstavd. Wenn die Hundstage herannahen, Pflegen im Reichs- figc die heißesten Tage vorüber zu sein. Man kann es greifen, daß bei der gegenwärtigen, sich- täglich steigern- ivtil Hitze das Verlangen nach dem Abschluß der Tagunh fth bei den Abgeordneten recht lebhaft fühlbar macht. So ist denn am Dienstag mit dem Rest des noch merledigten Arbeitsstoffes aufgeräumt worden. Um das ermöglichen, hat der Reichstag noch am Montag eine gewöhnliche Ausdauer entwickelt in einer Sitzung, die mqezu neun Stunden währte, denn sie began um 12 Uhr mö endete um 8 Uhr 45 Min. Die Dienstagssitzung dauerte Hi 11 bis 6 Uhr. Das bedeutsamste des Tages war die Klärung des greisen Kanzlers, der aus die Entstehung b 5 deutschen Flotte hinwies und des weiteren ausführte, tci die Begeisterung für eine deutsche Flotte immer mit der SwS Kr°? später, am 3. März 1853 zur Welt kam. Kraft seiner Machtvollkommenheit durchbrach Nassir-Ed-din die Jahrhunderte alte persische Gepflogenheit, dem ältesten Sohn den Thron zu hinterlassen, und ernannte den fünfjährigen Musaffer- Ed-din zum Wali-Ahd, zum Kronprinzen. Der älteste Sohih des verstorbenen Schah, Sultan Massud-Schah, dem unmittelbar nach, seiner Geburt der Titel Sill es Sultan, Schatten des Herrschers, verliehen worden war, erhielt die Statthalterschaft der Provinzen Schiras und Jasd. Das Cherchez la femme hat in dieser Angelegenheit keine geringe Rolle gespielt. Der Regent Persiens besitzt neben vier gesetzmäßigen, Frauen, den Akdi, eine unbeschränkte Anzahl von Konkubinen, Ssighe, deren Kinder alle gleichberechtigt mit denen der Hauptsrauen sind. Nachdem nun in Massud dem Schah ein Erbe geboren war, verliebte sich dieser in eine arme Tänzerin niedriger Herkunft. Er nahm sie in den Harem auf und unter dem Titel Furugh es Sultana, Leuchte des Reiches, stieg sie zu den höchsten Ehren auf. Ihre Verwandten erhielten die einflußreichsten Aemter. Ihre Kinder wuvden den Sprößlingen der Akdis in jeder Weise vor- 0 $ Nach, den Berichten soll sie weder jung noch besonders schö-n gewesen sein, als der jugendliche Schah ihr sein Herz schenkte, nichtsdestoweniger war ihr Einfluß auf Nassir-Ed-din schrankenlos. Sie setzte es durch, daß ihr Erstgeborener, Kassim Khan, 1856 zum Thronfolger ernannt wurde. Die russischen und englischen Diplomaten in Teheran ballten ob dieser Rechtsverletzung, aus der unabsehbare Verwicklungen entstehen konnten, die Faust sn der Tasche, wagten aber nicht, ihr Veto dagegen einzulegen, da die Heratfrage zwischen England und Persien brennend geworden war, und oer Schah bei guter Laune erhalten werden mußte. Es war sehr ungemütlich« in Persien, bis der Zankapfel Kassim Khan selbst die Gewitterwolken, die den Frieden des Riesenreiches bedrohten, dessen Flächeninhalt bfem der Staaten Deutschland, Oesterreich-Ungarn und Frankreich «gleichkornrnt, zerstreute. Kassim Khan starb, nach ihm sämtliche anderen Kinder der Furugh es Sultana, und beim Tode aller zeigten sich Erscheinungen, die auf Vergiftung schließen ließen. Ihr Tod dürste jedenfalls verschiedene andere Menschenleben gekostet haben. Ob aber die Schuldtragenden ihr Schicksal ereilte, erscheint fraglich. Schweren Herzens und nach langem Zögern ging num Nassir-Ed-din daran, Musaffer zum Mali Ahd zu erklären., Er hegte keinerlei Zuneigung zu dem Sohne, liebte feine Mutter längst nicht mehr und haßte geradezu ihre Sippe, besonders ihren Vater, Prinz Fath Allah. Ein Teil dieses« Hasses traf naturgemäß auch den Kronprinzen, den Man deshalb von Teheran fernhielt. Man machte ihn zum Statthalter von Aser-Meidschan, der an der russischen und türkischen Grenze gelegenen Provinz, dessen östliche Küsts das Kaspische Meer bespült. In Täbnis residierend und mit seiner schmalen Appanage von 70 000 Toman, etwa 400 000 Mark, auf Sparen angewiesen, konzentrierten sich seine Interessen auf Sport, Jagd und Militärwesen, besonders Artillerie, die er theoretisch und praktisch bei jeder sich darbietenden Gelegenheit zu studieren bemüht war. An sonstiger Bildung steht er seinen Brüdern nach, besonders seinem Halbbruder Sill es Sultan, der die französische, englische, russische und deutsche Sprache notdürftig beherrscht, während ein jüngerer Bruder, Kamran Mirza, französisch und englisch perfekt spricht. Dieser Kamran, der Glückliche, das Kind einer Ssighe, deren Vater Maurerpolier — Maamar Baschi — gewesen, war das Lieblings- kind Nassiri-Ed-dins und wäre von ihm nach dem Tode- Kassims am liebsten zum Nachfolger ausgerufen worden,' wenn er die fremden Mächte nicht gescheut hätte. Schon! im Knabenalter erhielt Kamran den höchsten vom „Schatz in Schah (König der Könige), dessen Banner die Sonne ist, der heilige, erhabene und große Monarch, der unbeschränkte Herrscher und Kaiser aller Staaten von Iran" erteilbarenj Titel Naib es Sultana, Regent des Reiches. Er war beim Tode seines Vaters Statthalter von Teheran und Amir i Kahir, Oberbefehlshaber aller Truppen. Wie ersichtlich, hatte Musaffer-Ed-din-Mirza keinen leichten Stand, als ihn der plötzliche Tod seines Vaters zum Schah machte. Seine natürliche Klugheit und tüchtige, mit europäischen Diplomatie vertraute staatsmännische Berater, die er teils von seinem Vorgänger übernahm, teils selbst zu finden wußte, ließen ihn jedoch alle Hindeünisse beseitigen und seinem Lande den inneren Frieden bewahren. Er erfreute sich größerer Popularität als der oft blutdürstige, rücksichtslose Nassir-Ed-din, wozu auch sein dem Vater wenig! ähnliches sympathisches Aeußere beiträgt. Von Mittelgröße, trägt sein kräftiger Körper einen nach orientalr- fchen Begriffen schönen Kopf, dessen fast arische Züge em Erbteil der schönen Mutter sind. , Während der kurzen Zeit ferner Regierung setzte ev das von seinem Vater begonnene Reformwerk fort, dass durch die jetzige Europareife neue Förderung erfahren wartet glatte Erledigung. Es läßt sich nicht verkennen, daß die Flottenbegeisterung, die bis in die Reihen der freisinnigen Volkspartei hineinwirkte, zumal die Marineschwärmerei eine Art alten liberalen Erbstückes aus der Bewegung von 1848 darstellt, erheblich mit von Einfluß gewesen ist auf die Entschließungen eines Teiles der anfänglich. widerstrebenden Elemente im Reichstage. Dazu kam die Erinnerung an die Tage des Samoa-Konfliktes. Endlich, erfolgte gerade um die Zeit, als die Flottenkämpse im Reichstage ihren Anfang nahmen, die Beschlagnahme deutscher Dampfer durch englische Kriegsschiffe, die vielfach, lebhafte Entrüstung wachrief. Alle diese Umstände trugen dazu bei, daß die wesentlichsten Punkte der Vorlage schließlich« bewilligt wurden, obwohl die Deckungsfrage in etwas eigenartiger Weife gelöst wurde. Hat die Reichstagsmehrheit in der Ablehnung' desGefetzentwurseszumSchutzederArbeits- willigen bewiefen, daß sie für polizeiliche Maßregeln' aus sozialpolitischem Gebiete nicht zu haben fei, so hat! sie andererseits auch ebenso die recht anspruchsvollen Anträge der Sozialdemokratie abgewiesen. Dagegen hat die Reichstagsmajorität den erfreulichen Willen entschiedenen Wirkens auf dem Felde praktischer Sozialpolitik bekundet. Das Deutsche Reich, das in der sozialen Gesetzgebung allen anderen Staaten ohnehin schon weit voraus ist, hat durchs die Arbeit des Reichstages im letzten Winter diesen Vorsprung noch vergrößert. Vor allem ist hier die Reform der Unfallversicherung zu nennen, die ein erhebliches Arbeitspensum darstellte. In Verbindung mit der bereits erledigten Reform der Invalidenversicherung und der in der künftigen Tagung zu erledigenden Kr an ke n versich,e ru n g wird damit ein Riesenbau sozialer Fürsorge vollendet sein, auf den unser Volk mit Recht stolz sein kann. Auch die Novelle zur Gewerbeordnung ist hier zu nennen. Ebenso ist mit Befriedigung hervorzuheben, daß das im Interesse der Volksgesundheit liegende Gesetz zur Bekämpfung gemeingefährlicher Krankheiten noch vor dem Auseinandergehen der Reichsboten erledigt wurde. Auf dem Gebiete der Münzpolitik hat der Reichstag in der letzten Tagung einen entscheidenden Schritt auf dem Wege von der hinkenden zur vollen Goldwährung gethan, indem er das Haupthindernis der reinen Goldwährung, die als vollwertige Zahlmünze bis zu jebehn Betrage geltenden Thaler auf den Aussterbeetat setzte. Auch der Landwirtschaft hat der Reichstag in dem Kompromiß über das Fleischbeschau gesetz eine willkommene Gabe geboten. Konnte die Mehrheit sich auch nicht für die Forderungen einer kleinen Gruppe agrarischer Kreise erwärmen, so hat sie doch ein so weites Entgegenkommen gezeigt, daß die überwiegende Mehrheit der Landwirte durchaus mit dem Gesetze zufrieden sein wird und kann, wie ja denn auch eine erhebliche Anzahl der Konservativen dem Gesetze in der beschlossenen Form beistimmte. Zum Schlüsse sei noch erwähnt, daß die seit Jahren in der Schwebe befindliche sogenannte Lex Heinze nach anfänglichen aufregenden Schwierigkeiten und starken Hindernissen schließlich nach Beseitigung der die .Kunst und die Freiheit des geistigen Lebens bedrohenden Steine des! Anstoßes endlich auch zum Abschlüsse gebracht ist. Der Schah von Perfieu. Der Herrscher eines der größten Reiche Asiens weilte dieser Tage in unserer Nähe. Der Schah von Persien steht int Begriff, in einem französischen Badeorte Wiederherstellung! seiner geschwächten Gesundheit zu suchen und zugleich den Monarchen der Weltmächte seinen Besuch zu machen. In seinem Zustande ist unterwegs eine Verschlimmerung eingetreten. Der Sonderzua mußte auf Station Schönfeld hinterstellt werden. Doch bereits in der Nacht vom 12. zum 13. dieses Monats traf er in Karlsruhe ein und am Morgen des folgenden Tages ist er nach Contrexville bei Mireeourt in den Vogesen abgereist. Der Schah Musaffer-Ed-din Mirza, zu deutsch Sieger des Glaubens, weilt zum ersten Male auf europäischem Boden. Sein Vater, der am 1. Mai 1896 durch die Kugel eines Fanatikers getötete Schah Nassir-Ed-din, war der erste Beherrscher Persiens, der eine Europareise Erachte. Auch dem neuen Schah wurde es nicht leicht gemacht, sein Land zu verlassen. Es galt Vorurteile zu besiegen, Bedenken gewisser konservativer Kreise zum Schweigen zu bringen. Aber die wiederholten großen Reisen seines Vaters hatten bereits den Bann gebrochen, den Aberglauben und Fremdenhaß um die Fürsten des Reiches der Sonne gezogen, der es ihnen verwehrte, Puders als an der Spitze von Heeressäulen in fremdes Gebiet zu kommen. Musaffer-Ed-din folgte seinem Vater auf dem Throne, obgleich« er nicht der älteste Sohn des Schahs war. Ein solcher wurde dem Schah zwei Jahre nach dessen Throne besteigung geboren, während Musaffer-Ed-din drei Jahre »ansbuch Etaeifterung für die deutsche Einheit Hand in Hand ge- uo;iqen fei. Fürst Hohenlohe las, wie man aus Berlin 'Hldet die Rede nick)t ohne Pausen mit leiser Stimme, ' Maß nicht alles, was er fagte, überall verständlich wurde, ■HÄ die Abgeordneten, die sich dicht um feinen Platz .Mart hatten, sich völlig still verhielten. Der Schluß 1 h Session erfolgte in kurzen Worten durch den Präsi- •bfliten Grafen Ballestrem mit einem Hoch auf den Kaiser. Die abgelaufene Session weist eine ungewöhnlich hohe ffüirahl von Sitzungen auf. Kommt das nun freilich in , Ecu Linie auf das Konto des Umstandes, daß der Reichs- tan ihn Vorjahre nicht geschlossen, sondern nur vertagt • tfoe, so ist doch feit dem Wieberzusammentntt im No- ' bAb-er ein erhebliches Stück parlamentarischer Arbeit ge- worden Nicht nur arbeitsvoll, sondern auch sehr nwNrM war die parlamentarische Kampagne des letzten iBinbexd. Beim Beginne der Verhandlungen ließ sich das itaum. vermuten. Zu den ersten Thaten des wieder zu- Sbiwengetretenen Reichstages gehörte die recht schroffe ! Biegung des Gesetz-Entwurfes zum Schutze der ' Irbeiitswilligen, der von der Mehrheit nicht einmal einer 1 kvMiiissionsberatung für wert erachtet wurde. Der schließ- mj: Verlauf der Flottenberatung fand eine uner- 199. Pawha: 4 \ g btt Stti> IM- Amtlicher Teil. Bekanntmachung Vetr.: Die Wahl der Vertreter der GesellenauSschüsse von Handwerkerinnungen zum GesellenauSschuß der Handwerkskammer. Nach Durchführung des in den §§ 7 und 8 der Wahl- erbnnng für den GesellenauSschuß der Handwerkskammer (Reg..Bl. v. 1899, S. 1377 ff.) vorgeschriebenen Verfahrens »irb hiermit zur öffentlichen Kenntnis gebracht, daß Karl Wilhelm Gengnagel, Bäcker zu Gießen, als Mitglied, md Johannes Hahn, Bäcker daselbst, als deffen Ersatz, «ann zum Gesellenausschuß der Handwerkskammer für den 3. Wahlbezirk gewählt worden ist. Gießen, den 11. Juni 1900. Großherzogliches Kreisamt Gießen. v. Bechtold. Gießen, 12. Juni 1900. vetr.: Die Vertilgung der Blutlaus. Das Großherzogliche Kreisamt Gießen au die Grotzh. Bürgermeistereien des KreiseS. Diejenigen von Ihnen, welche unserer Auflage vom 30. April l. IS. (Kreisblatt Nr. 102) noch nicht entsprochen haben, werden an deren Erledigung erinnert. v. Bechtold. Wa artend «Ui-jungji Chinesen l Deuisdte \ l En«L I » Print. I N Jtuhtn- \ 5 ^erStaalfn 6 Bffyir.he 1 JaXrm i tEnqlMd. R.ts, fcxdl Tarif L . m-mtnSwita* Hase, Mechanikus in Gießen, 6. Heinrich EmmeliuS, Fabri- kant in Gießen, 7. Hermann Mettenheimer, Kaufmann in Gießen, 8. Löb Baer, Lederhändler in Gießen, 9. Louis Dern, Kammerrat in Affenheim, 10. Dr. Friedrich Eichbaum, Professor in Gießen, 11. Dr. Karl Fromme, Professor in Gießen, 12. Karl Junker, Baumeister in Orteuberg. Die Verhandlung dauerte, ohne daß eine Mittagspause gemacht wurde, bis abends gegen */,6 Uhr. Die PlaidoyerS nahmen allein vier Stunden in Anspruch. Man erfährt, daß in der Beweisaufnahme alle Angaben, die die Mussotter im Vorverfahren zu ihrer Entlassung gemacht hatte, sich als wahr herausstellten. Ueberaus ungünstig für die Angeklagte lauteten dagegen die Urteile der medizinischen Sachverständigen über den Leichenbefund. Medizinalrat Dr. Lorenz-Friedberg und Dr. Becker-Friedberg er- klärten übereinstimmend, das von der Angeklagten geborene Kind habe — wenn auch nur kurze Zeit — nach der Ge» burt gelebt und müsse nach dem Befund gewaltsam gelötet worden sein. Ueber eine Stunde dauerte die Beratung der Geschworenen. Ihr Wahrspruch, der ebenfalls nicht öffentlich verkündet wurde, lautete auf Nichtschuldig, worauf der Vorsitzende des Gerichtshofes das fr ei sprech ende Urteil verkündete. (Anonyme Ginsendungen, gleichviel welchen Inhalte», werden grundsätzlich nicht ausgenommen.) Gießen, 14. Juni 1900. Perfonalnachrichten. Nikolaus Schäfer zu Heppenheim a. d. B. wurde zum 1. Bureaugehilfen bei der Landes- irrenanstalt Heppenheim a. d. B., Wilhelm Michel aus Darmstadt zum Gehilfen des Telegraphen-BerwalterS bei der MaiU'Neckar-Eiseubahn mit Wirkung vom 1. Januar l. IS. an ernannt. Der GerichtSaffeffor Dr. Heyer in Darmstadt wurde mit Wahrnehmung der Dienstverrichtungen eines Amtsrichters bei dem Amtsgericht Höchst, der Gericht»- affeffor Dähn in Darmstadt mit Wahrnehmung der Dienst- Verrichtungen eines Amtsanwalts bei dem Amtsgericht Darmstadt I, und der GerichtSaffeffor Dr. Goldschmidt in Mainz mit Wahrnehmung solcher bei den Amtsgerichten Alsfeld, Grünberg, Homberg und Laubach beauftragt. •* Das Regierungsblatt Rr. 45 vom 15. Juni hat zum Inhalt: 1) Verordnung, die allgemeinen Staatsprüfungen in dem Finanzfach und in den technischen Fächern betreffend. 2) Bekanntmachung, die Ausführung der Verordnung über die allgemeine Staatsprüfung in dem Finanzfach und den technischen Fächern, hier in dem Finanzfach, vom 29. Marz 1899 betreffend. 3) Bekanntmachung, die Organisation der Lokalverwaltung der Reichssteuern, insbesondere die Steuerämter Lampertheim und Viernheim betreffend. 4) Bekanntmachung, die Instruktion der Feldgeschworenen betreffend. •• Hessischer Goethebund. Die Listen znr Erklärung der Mitgliedschaft zum Hessischen Goethebunde liegen in den hiesigen Buchhandlungen, im Gesellschaftshause, bei Herrn Universitätshausverwalter Stork, im Hotel „Prinz Karl" und in der Expedition des Gießener Anzeigers noch vis Samstagabend aus. Hoffentlich finden sie bis dahin noch Durch den Ausstand der Boxer und das zweifelhafte Verhalten der chinesischen Regierung ist der kaiserliche Hof zu Peking in den Vordergrund des Jntereffes gerückt. Die Stadt Peking, eine der ältesten Städte der Erde, besteht aus drei von einander vollständig abgeschlossenen Teilen: der kaiserlichen Stadt, der Mandschu-Stadt und der Chmesen- Stadt. In der kaiserlichen Stadt wohnen außer der Kaiserin- Witwe und dem Kaiser nur die allerhöchsten Würdenträger. In der Mandschu-Stadt haben die Hof- und Staatsbeamten ihre Wohnungen, hier befinden fich auch die Gesandtschaften. Die Mandschu-Stadt ist von einer 35 Fuß hohen und 60 Fuß breiten Mauer umschloffen, die von nur acht Türmen durchbrochen wird. Im Norden der Stadt liegen Kasernen, die Exerzierplätze und Gärten. In der Chinesenstadt sind die beiden Tempel des Himmels und des Ackerbaues die bemerkenswertesten Gebäude. Die Stadt hat ungefähr 1 Million Einwohner. Schwurgericht. Gießen, 14. Juni. Die gestrige Verhandlung gegen Franziska Mussotter aus Kißlegg in Württemberg, 25 Jahre alt, bisher unbestraft, fand hinter verschlossenen Thüren statt. Die Angeklagte soll in der Nacht vom 29. zum 30. März ihr unehelich geborenes Kind getötet haben. Den Vorsitz sührte Landgerichtsrat Holzapfel; als Beisitzer fungierten die Landgerichtsräte Sandmann und Schmeckenbecher, die Anklage vertrat Oberstaatsanwalt Dr. Güngerich, die Verteidigung führte Rechtsanwalt Mendelsohu. Als Geschworene wurden ausgelofi: 1. Ludwig Kreh, Maurer in Butzbach, 2. Friedrich Heimer, Kaufmann in Gießen, 3. Philipp Frey, Kaufmann in Lang-Göns, 4. Louis Heyligenstaedt, Kommerzienrat in Gießen, 5. Wilhelm Spör- zahlreiche Einzeichnungen. »«- Zu Amerika verstorbene Hessen. Dunkrrk, N.Y.: Katharina Balser aus Hattenrod; Tonawanda, N.-A.: Elisabethe Dietz, 77 Jahre alt, aus Schwabenrod; Fronton, O.: Elisabethe Berger, geb. Teubert, 72 Jahre alt, aus Ulrichstein; Wheeliug, N.-I.: Dietrich Römer, 68 Jahre alt, aus Keffelbach. Pohl GönS, 12. Juni. Noch nicht dagewesen dürfte da» folgende Ereignis sein. Ein hiesiger Einwohner befand sich auf dem Heimwege zwischen Rockenberg und Griedel, als er in der Nähe des Weges an einem großen Strauch emeu Bienenschwarm entdeckte. Da er zufällig Bienenliebhaber ist, aber nichts hatte, worin er den Schwarm fangen konnte, zog er — sein Hemd aus, schüttelte das Volk hinem und trug es in diesem originellen Behälter bis nach Pohl-Göns. Hoffentlich hat es dem Manne und auch dem Bienenvolk nichts geschadet. Ag-), Groh-Karben, 13. Juni. In welcher Werse in alte« Zeiten das Brunnenfest auf dem Selzerbrunnen veranstaltet wurde, giebt ein alter Schriftsteller folgende Beschreibung: „Der Selzerbrunnen wird ordentlich alle Jayr auf den dritten (zweiten) Pfingsttag durch die von dem dasigen Beamten darzu befehligte 12 bis 15junge SÖMnnec und Bursche gefeget, zu welcher feyerlichenBrunne^ ' Reinigung die Leuthe von vielen umliegenden Dorsschanen herzu kommen, um solches mit anzusehen. T« geschiehet aber solche auf folgende Weise: Erstlich führt der Brunne«' meister die Mannschaft mit Musikanten nach dem Brunne«, und muß jeder etwas vom Feggeschirr, als Eimer, Zetter, Roll, Seil rc. tragen, sodann fangen sie an zu lWiicn' bis sich der Eimer nicht mehr vollfüllet, alsdann wird. da» Leitergen in den Brunnen gestellt, die Mannschaft numern , I da dann Numero eins, wann er vorher mit einem I unter den Armen gebunden, deffen Ende oben zwey I drey Mann festhalten, hinuntersteigen, afccr nicht langes I als er den Athem halten kann, verweilen darf, sondern NG I eittgst wieder herauf begeben muß, dann so ihm der Atyem I entgehet, wird er als tob von denen ihn am Seil halt I herauf gezogen, da er dann in die frische LuftjjeJ9e ' I bis er wieder zu sich selbsten kommt, und geschiehet e g oft, daß wohl acht bis zehen Personen solches wiederfahret, I und so bey einander liegen, ohne daß einer von anderen etwa» weiß. Es ist aber dieser Zufall kemem a» I r-iner Gesundheit schädlich." ES folgt nun noch Erzählung SÄ; bannt V seiner Derbheit wegen Nicht “"‘ÄH“- J°m- D-r Saifer ernannte^ Pr-isid-nt-n d-r Großh. DiSziplinarkammer den Großherzogi. Senat-Präsidenten beim DbttlimböBW I Schäfer, auf die Dauer bei von demselben jurjett I kleideten Staatsamtes. dürfte. Der Schah ist wohlvertraut mit allen neuzeitlichem kulturellen Errungenschaften, brldungsbedurfttg und>9 e ' r-ungen sehr zugänglich. Wenn sein großes Reich noch notwendige Einsührnngen entbehren muß, so liegt das. einerseits an dem Volke selbst, das trotz der zahlreichen vom Schah errichteten Schulen in dumpfer Unwissenheit dahinlebt, gelenkt und geleitet von einer fanatischen Priesterschaft, andererseits an den recht dürftigen Finanzen des Landes das in seiner immensen Ausdehnung nur von siebeneinhalb Millionen Menschen bewoht wird, von denen die weitaus größere Uejberzahl kaum imstande ist, dre Mab i Divan, die Grundsteuer, aufzubrmgen. Dieser Mangel an Kapital, zu dem sich noch Mangel an Arbeitskräften! gesellt, sind Hindernisse für die Weiterentwickelung Persiens, die erst der Zuzug Fremder überwinden kann, und gerade diesem widersetzt sich der Vollblut-Perser. Nur die Zeit vermag darin Wandel zu schassen, denn selbst der nr vollem Absolutismus regierende Herrscher vermag nichch die Vorurteile eines ganzen Volkes durch Machtspruche aus der Welt zu schaffen. Ob es Musaffer Ed-din ^eHer lingen wird, als Nassir-Ed-din, wird dre Zukunft lehren. Volilische Tagesschau. Ueber eine freche Beschimpfung deutscher Ao - I lonisten und die loyale Haltung der Regierung von I Paraguay wird der „Welt-Korr." aus Altos in Paraguay vom 5. Mai geschrieben: Am Abend des letzten I Ostersonnabends trug sich bei einer Festlichkeit des hiesigen I deutschen Vereins „Patria" em Zwischenfall zu, der I allgemeine Entrüstung hervorgerusen hat. Ungefähr I zu der für den Beginn der Festlichkeit angesetzten Stunde erschien im Vereinshause der Polizeichef von Alto» Corvalan, und erklärte, indem er sich in beleidigen - I den Reden gegen den deutschen Verein erging, daß die Festlichkeit nicht stattfinden könne, weil der Vorstand die Genehmigung hierzu bei der Behörde nicht nachgesucht habe. Darauf ließ er das Haus, das Eigentum I des Vereins ist, militärisch besetzen, indem er an den- Thüren Posten mit gezogenem Sabel aussteUte, die der zum Feste herbeiströmenden Menge, unter der I sich auch angesehene deutsche Familien aus Asuncion befanden, den Eintritt verwehren sollten. Unterdessen beschloß der Vorstand, die Genehmigung sofort einzuholen. Als die Vorstandsmitglieder vor Corvalan erschienen, entnahm dieser der Schublade seines Tisches einige P a- krönen, mit denen er eigenhändig drei Remingtons lud. Mik «diesen bewaffnete er die anwesenden Wachtleute, daraus j sich selbst mit einem Säbel und nahm nach diesen krieget- I ischen Vorbereitungen das Gesuch der deutschen Herren 1 entgegen. Als Bedingung, um in Verhandlungen em- iu treten, forderte der Polizeichef die Abdankung des gegenwärtigen Vorsitzenden des Vereins. Diesem Verlangen wurde stattgegeben mit Rücksicht auf die Ge- I laden en und die Gäste. Dann wurde die Gebühr für Erteilung der Genehmigung bezahlt, und der Polizeichef hatte I nun die Liebenswürdigkeit, den Eintritt zu gestat^n, ohne iedoch, die Besetzung des Hauses durch die militärische Macht aufzuheben, die Gewehr bei Fuß neben der Thur stebew blieb Lediglich der Besonnenheit und guten Disziplin der deutschen Kolonisten war es zu danken, daß das herausfordernde Betragen des Polizeichefs nicht zu ernsteren Störungen Veranlassung gab, deren voraussichtlicher Umfang firn daran ermessen läßt, daß dem bewaffneten Polizeiaufgebot eine Schar entschlossener Männer gegenüber- stmid, von denen wohl ein Viertelhundert mit Revolvern versehen war. Die zufällige Anwesenheit des deutschen ; Konsuls aus Asuncion, der einer Einladung des Vererns- vorstandes Folge geleistet hatte, trug das ihrige zur Beschwichtigung der erhitzten Gemüter bei. Anerkennung verdient das energische Vorgehen der paraguay- schen Regierung, die noch vor Einreichung erner Beschwerde die nötigen Maßregeln ergriff, die zur sofortigen Absetzung des schuldigen Polizeichefs führten. Der Minister des Aeußeren unseres Freistaates druckte rn Asuncion dem deutschen Konsul sein Bedauern über das Vorgefallene aus und gab die bündigsten Versicher- ungen dahin ab, daß bei Auswahl der Lokalbehörden rn den mit fremden Kolonisten gemischten Distrikten mit der I größten Vorsicht vorgegangen, und den betreffenden Be- I amten die Beobachtung größter Zuruckhaltung und Zu- I Vorkommenheit zur Pflicht gemacht werden wurde um jede Verunglimpfung der fremden, namentlich der I deutschen Bestandteile der Bevölkerung zu vermeiden. I Ein englisches Blatt weiß viel Interessantes über die ..mächtige Frau im Osten", die Kaiserin Witwe von Thina zu erzählen. Die Fran, die augenblicklich die Geschicke I Chinas leitet, hat auf diesen Ramen eigentlich keinen An- I sprach. Nur die anerkannte Gattin eine Kaisers hat em I Recht auf diesen Titel, und die letzte Kaiserin Chinas ist I im Jahre 1881 gestorben. Die augenblickliche Herrscherin des Reiches der Mitte war die zweite Gattin des letzten Kaisers. Als Kind armer Eltern geboren, hat sie es verstanden, sich vom Range einer Sklavin zur Regentin eines unermeßlichen Reiches zu erheben, und lange Jahre mit eiserner Hand das Szepter zu sühren. Wenn auch Europa absolut keinen Grund hat, für die Kaiserin Sympathieen irgend welcher Art zu hegen, so muß man dennoch zugeben, daß sie zweifellos eine der genialsten Frauen ist, die der ferne Osten jemals hervorgebracht hat. Man könnte Tze-Hsiyu (so lautet der abgekürzte Name der Regentin) vielleicht als einen Cromwell in Weiberklei- dern bezeichnen, nur fehlt ihr die moralische Größe, die die hervorragendste Eigenschaft des Protektors von England war. Sie hat keine Hindernisse auf ihrem Wege gekannt, Regierungen, Höflinge, die Kaiserin, der Kaiser — Alles ist vernichtet worden, was jemals ihren Wirkungskreis in irgend einer Weise beeinträchtigen wollte. Als im Jahre 1861 Kaiser Hsien Fung starb, hinterließ er nut einen fünfjährigen Sohn, den Tz--hsi,. ben eine „Slebengattia“ geboren hatte. Für bas untnünbtge Kind übernahmen seine Mutter unb bie Kaiserin Wittwe bie Regentschaft, «ls ber Knabe älter war, übernahm er selber bie Leitung bes Staates unb herrschte zwei Jahre. Dann verkunbete emes Tages ber offiziell- Bericht, baß bet junge Kaiser piotzltch gestorben, unb so „ein Gast beS Himmels- geworben fei. I Die Todesursache ist niemals bekannt geworden, aber gerüchtweise hieß cs, daß die eigene Mutter am Tode des Kindes nicht unschuldig sei. Die Mutter, die ehemalige .Nebengattin", übernahm nun daS Regiment, aber sie war nicht besonders ehrgeizig, und ließ der Kaiserin Witwe volle Freiheit. Seit jener Zeit hat sie eigentlich das Reich mit völliger Willkür beherrscht. Die RegierungS- räte, die ihr nicht gefielen, wurden ohne weiteres bei Sette geschafft, und Jedem, der eine Opposition wagte, waren Kerker oder Tod sicher. m .. <• Eines Morgens hörten die Bewohner von Peking die seltsame Nachricht, ein neuer Kaiser fei Ö^om Er wurde bald formell proklamiert und selbstverständlich Übernahm seine „Tante", bie Kaiserin-Witwe, für baiI «mb bie Regentschaft, «her bie Chinesen stnb daran gewöhnt von ihren Herrschern ab unb zu wunderbare Neuigkeiten zu vernehmen, und so überraschte sie auch die Kunde nicht weiter, der junge Kaiser habe ein Dekret „unterzeichnet , in dem er besehle, daß der Hof drei Jahre lang Trauer um den Tod des letzten Herrschers anlegen solle. Die Kaiserin-Witwe herrschte dann weiter, aU ob nichts geschehen wäre. Nach wie vor erteilte sie Befehle, setzte alte Beamte ab und neue dafür ein, und entdeckte auch den berühmten Li-Hnng-Chang. Li war Gouverneur erner Provinz, als seine königliche Herrin ihn zu sich benes und dem Grand Old Man, dem aufgeklärtesten Bürger semeS Landes, die Pflichten eines Leiters der auswärtigen Angelegenheiten übertrug. Die Frau mit dem eisernen Willen und der alte geniale Staatsmann wurden treue Verbündete, und kem Staatsmann und keine Partei haben eS zu Wege gebracht, Li-Hung-Chang aus seiner Stellung zu verdrängen. 1839 wurde der Kaiser 18 Jahre alt und damit mündig. Er heiratete und versuchte, der Regentin die Regierung aozu- nehmen, war aber der allmächtigen Frau nicht gewachsen. Der Kaiser ist heute ein Mann von ungesähr 30 Jahren, während seine Tante 64 Jahre alt ist. ES ist ^a^derbar, wenn man bedenkt, daß die alte Frau noch heute völlig selbständig ein Reich regiert, gegen das England nur Hem ist, und daß das Alter scheinbar.>teive Spuren bei ihr hinterlassen hat. Sie haßt noch heute, wie m chren ,ungen Tagen, die Europäer als die schlimmsten Feinde ihres i Landes. ___ Ueking. M nb. 3* ' 9;toaIt|QB * echlls niit >" ^ldig, ,14- 3uni 1900, '^s"zvhG Iftn bei bet LiiM llhelm Nichts chu-LunM k ng Dom 1. fior Dr. hey«! r Dienstvrmchk^ höchst, drr S«H °eh«U8g kt t«* vArntSgmcht^ . doldschiit,« !N«mtSßmchillA I beauftragt 'm 15.Juni hül $a itn Qtaattyrtyingn wFächtnMlM )ti ötm-r.'sg llbrr firniß unb bti ifsch, Dom 29. M SikOiWWv» bn rsovdnr bit Sltnn- flenb. 4) Aelmi Doreneu betreffeub. i jnrMrung bn nbt litßtn in da Hause, bei Am otd «Prinz RatP R. DnM, H lonawanba. H Tchwobmo^ 8t» Ceubert, W I,: Dietrich «i»« i, *6*»1 birgalb ^n; .gfdüifSKHW chvni W1 t »ui r°ll 6®”™ T 6il tut) 0#* „i 6« 81#’ ,8'tzd. 8Ü SÄ j8*;8 n durch .MM !***!*»• ^fcketÄniW ,AL»-- L."»»2 * «»al ÄttWjl -K 1*,« SS»e* Darmstadt, 14. Juni. Der Großherzog empfing im 13. Juni den Oberlehrer und Privatdozenten Dr. Korne- aiann von Gießen, den Bildhauer Habich, den Stabsarzt Dr. Schrade, sowie die Leutnants Rickes, Heßler und Goedicke vom Infanterie-Regiment Kaiser Wilhelm (2. Großh. Hess.) Nr. 116. Darmstadt, 13. Juni. Die heute vom Schwurgericht rbgeurteilte, ledige Fabrikarbeiterin Elisabethe Kopp war beschuldigt, ihr uneheliches Kind gleich nach der Geburt vorsätzlich getötet zu haben. Die Angeklagte war in allen Punkten geständig, so daß nur wenige Zeugen vernommen wurden. Nur für einen Teil der Vernehmung der Angeklagten war die Verhandlung auf Antrag der Staatsanwaltschaft nicht öffentlich. Die K. lebte völlig alleinstehend in dürftigen Verhältnissen und war zur Bestreitung ihres Lebensunterhalts auf ihren Lohn von 7 Mk. wöchentlich angewiesen. Sie tötete das Kind sofort dadurch, daß fie :S in die Abtrittsgrube warf. Ihre Thal wurde rasch entdeckt, worauf fie ein volles Geständnis ablegte. Die von drn Geschworenen unter Zubilligung mildernder Umstände schuldig befundene Angeklagte wurde zu einer Gefängnisstrafe von 2 Jahren 6 Monaten abzüglich 3 Monate Untersuchungshaft verurteilt und trat ihre Strafe alsbald an. Darmstadt, 13. Juni. Nach langen Leiden verstarb chier am Montag im Krankenhause der Großh. Hess. Rentamtmann Julius Emil Rieß, Oberleutnant der Reserve a. D. des 2. Großh. Dragoner-Regiments Nr. 24 und Ritter des eisernen Kreuzes. Mit dem verstorbenen wird der letzte Sproß eines altangesessenen Nauheimer Geschlecht« zu Grabe getragen. Der Großvater des Verstorbenen, war Chef-Leutnant des damals auf der Saline Nauheim liegenden Hessischen Militär-KommandoS, zwei Brüder fielen beim Uebergang über die Beresina. Seine Kinder waren Franz Rieß, Salinen-Jnspektor in Sooden a. d. Werra, Auguste Rieß, verheiratet mit Professor Häberlin in Greifswald und Alexander Rieß. Letzterer langjähriger Bürgermeister von Nauheim, war der Vater des Verstorbenen, der 1849 geboren, in Gießen Cameralia studierte und als Einjährig-Freiwilliger den Feldzug mit- grmacht hatte. Er war in kinderloser Ehe verheiratet mit Frl. Kathinka Napp. △ Seligenstadt, 13. Juni. Bei der Aushebung eines Llllers in der Behausung des Messerschmiedes und Fahrradhändlers Peter Haas fand man gestern einige römische Wasserkrüge, sowie ein versteinertes Hirschgeweih und mehrere versteinerte Eber-Hauer. Leider sind die Fundstücke, mehr oder weniger beschädigt. — Auf den Schlitte'schen Anpflanzungen wurdej heuer die Erstlings- Sp argelernte eingeheimst. Sie ergab ein nach Qualität nnb Quantität vorzügliches Resultat. UeberauS wohlschmeckende Spargelstangen im Gewicht bis zu 220 Gramm zählten nicht zu den Seltenheiten._______________________ Vermischter. * Was die Schleppe birgt. In einem wissenschaftlichen Kongreß, der vor kurzem in Rom stattgefunden hat, beschäftigten sich die größten Gelehrten Italiens lange mit der Frauenkleidung. Einstimmig verurteilten fie im Namen der Gesundheitslehre und der Prophylaxis die Mode, die jetzt die Frauen zwingt, lange Röcke zu tragen. Ein Arzt, Dr. Casagrandi, zeigte in überzeugender Weise und durch sehr einfache Versuche die Gefährlichkeit dieser Art Kleidung. Er gab einer Anzahl Damen lange Röcke, deren Schleppe, nachdem die Damen eine Stunde in den Straßen der Stadt spazieren gegangen waren, einer mikrographischen Untersuchung unterworfen wurde. Auf jeder Schleppe entdeckte Dr. Casagrandi ganze Kolonieen von Mikroben und Bazillen. Influenza, Schwindsucht, Typhus, Starrkrampf, das sind so einige von den Krankheiten, deren Keime die Mütter nach jedem Spaziergang an die Wiegen ihrer Kinder bringen. Angesichts dieser Feststellungen zögerten die in Rom versammelten Aerzte keinen Augenblick, die Schleppe in Acht und Bann zu thun._________________ Handel und Verkehr. Volkswirtschaft. Frankfurter Börse vorn 13. Juni. Wechsel auf New-York zu 4J0l/g-21,/e» Prämien auf Kredit per ult Juni 1.25 %, do. per ult Juli 2.75®/g, Diskonto-Kommandit per ult. Juni 1.25%, do. per ult Juli 2.75 Lombarden per ult Juni 0.40®/o» do. per ult Juli 0.80 •/c> Deutsche Bank per ult. Juni 0.00. Notierungen: Kreditaktien 221.10-20-00, Biskonto Komman- dit 181.60-000.00, Staatsbahn 142-142.60-50, Gotthard 140.00, Lombarden 27.60-00-00, Ungar. Goldrente 96.70, Italiener 94.60, Bproz. Mexikaner 25.60, Oesterr. Coupons 84, Amerik. Coupons 4.I8E/4, Privat-Diskont, 5* » 9/q Geld. 11/4-2*/« Uhr: Kreditaktien 221.20-000.00, Diskonto-Kommandit 181.40-60-50 , Staatsbahn 142.40-00 , Lombarden 27.60, Portugiesen 00.00, Bochumer 00.00. Märkte. Simbtrrg a. Lahn, 14. Juni. Fruchtmarkt. Durchschnittspreis pro Malter. Roter Weizen 13.70 Mt.. Weißer Weizen —Mk., Korn 11.90 Mk., Gerste 0.00 Mk., Hafer 7.60 Mk., Srbsen —Mk., Kartoffeln —Mk. Wöchentliche Ueberficht der Todessälle in Gießen. 23. Woche. Vom 3. bis S. Junt 1900. (Einwohnerzahl: angenommen zu 24 800 (incl. 1600 Mann Militär) SttrbltchkeitSztffer: 29,35, nach Abzug der Ortsfremden 16.77°/«. Kinder ES starben an: Zusammen: Erwachsene: im m>m l.LebenSjahr: 2.-15. Jahrr Lungenschwindsucht 3 (2) — — Tuberkulose d. Gehirns 1 (1) 1 (1) — —— Diarrhöe 1 — 1 — Herzleiden 1 1 — — Rückenmarkentzündung 2 (2) 2 (2) — — Bösartige Neubildung 2(1) 1 (1) 1 — Gicht 1 1 —— Blasen entzündung Altersschwäche 1 1 — — 1 1 — — Unbekannte Ursache 1 —— 1 — Summa: 14 (6) 11 (6) 3 — Anm. Die in Klammern gesetzten Ziffern geben an, wie viel der Todesfälle in der betreffenden Krankheit auf von auswärts nach Gießen gebrachte Kranke komm«. Eine der wichtigsten Ausgaben der Ernährung-- lehr? ist eine zweckdienliche und vollwertige Nahrung für den neugeborenen Säugling, dem die Mutter- rzlz | brust versagt ist. Die noch ungenügend entwickelten, zarten VerdauungSorgane können noch keine stärke- mehlhaltigen Nährstoffe verarbeiten. Die Dar- reichung von Mehlbrei, Zwieback und Wecken, giebt Veranlassung zu Diarrhöen und Brechdurchfällen und es erklärt sich hierdurch die große Sterblichkeit der Säuglinge bei der Auffütterung mit Mehlbrei, denn nicht allein, daß daS Kind die Stärke nicht verdaut, es findet auch in dieser Nahrung weder die hinreichende Menge Eiweißstoffe zur Bildung gesunden Blutes und kräftiger Muskelsubstanz, noch die ihm nötige Menge Nährsalze zum Aufbau eines starken Knochengerüstes. In diesem Mangel an genügenden Nährstoffen hat die für daS spätere Gedeihen deS Kindes so verhängnisvolle englische Krankheit (Rhachitis) ihren Keim. — Wenn daher dem Säugling ein Ersatz für die ihm fehlende Muttermilch dargeboten werden soll, so muß er derselben ähnlich und in seiner Wirkung gleich sein. Dieser Anforderung entspricht voll und ganz die Dr. med. Theinhardts lösliche Kindernahrung, welche genau alle Bestandteile der Muttermilch im richtigen Verhältnis enthält und nach dem Urteil erster Kinderärzte von ganz außergewöhnlich günstiger Wirkung für das Gedeihen und die Entwicklung des Kindes ist. Bekanntmachung. Anmelbungen zum Byuge der aus der Ebel-Stiftung für 1900 an arme Kinder zu verabfolgenden Kleidungsstücke find bis znm 30. d. Mts. bei dem Armenamte, Zimmer Nr. 2, vorzubrtngeu. Gießen, am 8. Juni 1900. 4165 Die Armen-Deputation der Stadt Gießen. Wolff. Okffknüiche Vergebung. Da» für 1900/01 im Justizgebäude zu Gießen erforderliche hnzungsmaterial, als 22 rm Tannen- Scheitholz, 4 rm Buchen-Prügel, 60 Ctr. Stückkohlen 1. Qualität, 500 Ctr. Anthracitkohlen 1. Qual., 1450 Ctr. Nußkohlen 1. Qual., soll im Verdingungsweg vergeben werden. Versiegelte Angebote können kostenfrei bi» zum Eröffnungstermin: Freitag, 29. I. Mts., vormittags llVa Uhr, auf der Gerichtsschreiberei Großh. Landgericht» Gießen (Justizgebäude Zimmer Nr. 83) uiedergelegt werden. Die Vergebung erfolgt unter den in Anlage A zu dem Ministerial. erlaß vom 16. Juni 1893, betr. das Beidinguugswesen, enthaltenen allgemeinen und den dahier ausgestellten besonderen Bedingungen, welche auf der Gerichtsschreiberei zur Llnsicht offen liegen, bezw. erhältlich sind. Anbieter, welche diese Bedingungen nicht eingesehen bezw. nicht -erlangt haben, sind von der Vergebung ausgeschloffen. Nähere Auskunft erteilt auch der Sroßh. Hausmeister Keller. Der Zuschlag bleibt 7 Tage vor- sshalten. Gießen, 13. Juni 1900. Der Großh. Landgerichts-Sekretär. __Löwer. 4192 GkasversteigeruMN Dienstag den 19, d. M. 1. Vormittag» 8 Uhr: Weiden- Hausen, Beginn am .Rauhe- häuschen-; 2. vormittags 91/* Uhr: Groß- Rechtenbach, Beginn im „Bubenthal"; 3. vormittag» HVa Uhr: Älein* Rechtenbach, Beginn „hinter dem Hof",- 4. Nachmittags 2 Uhr: Hochelheim, Beginn oben ,im Moor". 'Sroß.Nechtenbach, 12. Juni 1900. 41S3 Der Bürgermeister. Vergebung vsn Kauarbeiten. Die für die Abortaulage unb die Einfriedigung M Schulhauses zu Laug-GöuS nötigen Arbeiten und Lieferungen sollen im Wege schriftlichen Angebots vergeben werden und sind Angebote bis SamS- tag den 16. Juni I. IS., nachmittags 1 Uhr, bei Großherzogl. Bürgermeisterei Lang-Göns, woselbst Voranschlag, Plan und Bedingungen zur Einsicht offen liegen, einzureichen. Die arbeiten und Lieferungen find wie folgt veranschlagt: Erd- u. Maurerarbeiten 3466,09 Mk. Steinhauer-Arbeiten 809,89 „ Zimmer-Arbeiten 349,01 „ Dachdecker-Arbeiten 190,06 n Spengler-Arbeiten 106,95 „ Schloffer-Arbeiten 735,10 „ Schreiner-Arbeiten 99,78 „ Weißbinder-Arbeiten 169,35 „ Pflaster-Arbeiten 1058,93 7 Eisen- u. Röhrenlieferung 89,60 „ Gießen, den 12. Juni 1900. Der Großh. Kreisbauinspektor 4183]________Stahl.________ Verdingung der gesamten Arbeiten zur Ausführung eines EmpfarrgSgedLudeS nedstGüter- schuppen, RebengebSrrderr und einer Rampe auf Bahnhof Hartenrod der Reubaustrecke Weidenhausen—Herborn einschl. Lieferung aller Materialien am 30. Juni 1900, «ittag» 12 Uhr, im Amtszimmer des Vorstandes der Bauabteilung. Zeichnungen, Maffenberechnungen und Verdingungsunterlagen liegen hier zur Einsicht aus. 4195 Die zu den Angeboten zu benutzenden Vordrucke können gegen kostenfreie Einsendung von 1,50 Mk. (in bar) von Herrn Betriebssekretär Welker hier bezogen werden. Zuschlagsfrist 3 Wochen. Herborn (Nassau), den 13. Juni 1900. Königliche Eisenbahn-Bauabteilung. Gute Spkisekartoffeln abzugeben. 02155 Dlcichstratze 40, II. /Gebrauchtes Fahrrad zu verkaufen. 02499________________Brandgafse 5. Gebrauchtes SreaK verkaufen. 4130 Alieestratze 24. 02509) Zwei Bettstellen mit Sprung« rahmen-Matratzen wegen Raummangel billig zu verkaufen. Weferstr. 4, II. 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