M 2b7 Zweites Blatt Mittwoch den 14 November 150. Jahrgang Aints- und Anzeigeblntt fiw den Uveis Greszen. nmern Kaufzwang. hrchr. ber- ier, id)‘ htt M- iten Alle Anzeigen-BermittlüngSstellen txS In- und Auslandes nchmni Anzügen für den Gießener Anzeiger entgegc». ZeilenpreiS: lokal 12 Pfg., auswärts 20 Pfg. ES Neuoia? Wfbeftian, Expedition und Druckerei: Fchutstraße Ar. 7. . 208__ • ’M.« • 185.90 • 160.— • 151.80 ■ U1.70 • 144.70 • 215.— - 19550 . 186 — OrsÄeittt täglich raü Ausnahme des älkonragS. Die Gießener A«»ikte«0lä11er «erden dem Anzeiger cm Wechsel mit „Hess. Landwirt" u. „Blätter für Hess. Volkskunde" wSchtl. 4 mal beigelegt. Gratisbeilagen: Gießener FamiiienbtäUer, Der hessische Zandwirt, Kälter füir hessische UotKsKunde. Annahme von Anzeigen zu der nachmittags für de« '-»Ißenden Log erscheinenden Nummer bis vorm. 10 Uhr. Abbestellungen spätestens abends vorher. Adreffe für Depeschen: Anzeiger Fernsprecher Nr. 51. !g 68 rste Etage. mmandit Bank . •Bcytflsprd* Diertcljuinl. 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Andere Ideale schieben sich an Stelle des internationalen Revolutionsgedankens, eine positive Politik der Masse verdrängt die Spekulation über den Wechsel zweier Gesellschaftsordnungen, der deutsche gelernte Industriearbeiter wird zum Glied der bürgerlich industriellen Welt, in der er wächst, und sc-ngt an, die Welt mit seinen Schultern zu tragen. Nach der Periode der großen, weltumgestaltenden Träume beginnt eine Periode begrenzten und erfolgreichen Schaffens. Auf diese) praktische Zett schautZ dann das Bild Liebknechts herab, als begriffe er das Leben der Seinen nicht mehr. Das ist aber eben Menschenlos. Er hat mit seinen Kräften seiner Gegenwart gedient. Was in der Zukunft liegt, braucht andere Methoden. Mit Liebknecht'scher Theorie würde die Sozialdemokratie nicht zum Grundstock einer deutschen freiheitlichen und industriellen Volkspolitik werden können, aber je mehr sie bei aller Dankbarkeit sich von den Lehrsätzen Liebknechts losmacht, desto mehr wird sie von den Wolken auf die Erde herniederkommen und aus einer großen Sekte eine politische Rächt werden, eine deutsche, vaterländische Volksmacht. Mehener Anzeiger Heneral-AnMger rrsonen. ?ten* —r. Gießen, 10. November. Als erster Punkt der Tagesordnung kam „der Gewerbe- be trieb der Fabrik feuerfester und säurefester Produkte zu Bad - Nauhei m" zur Verhandlung. Diese Fabrik, mit deren Betrieb sich Verwaltungs- und Gerichtsbehörde aller Instanzen seit Jahren zu beschäftigen Gelegenheit hatten, joll, seit Nauheim sich nach der Main-Weser-Bahn zu ausgedehnt hat, zu einem wahren Kreuz für das Bad geworden ^ein. So haben die Badedirektion, das Ministerium der Finanzen, der Nauheimer Aerzteverein und etwa 30 Häuserbesitzer gelegentlich der Verhandlung über die Kon- zeftiouierung zweier neuer Steiubrennöfen Einwendungen erhoben. Der Kreisausschuß Friedberg hat sich, auch in feinem Erkenntnis vom Frühjahr 1900 auf ihren Standpunkt gestellt und die Konzessionierung abgelehnt. In der heutigen Verhandlung über den Rekurs vertreten Geh. Iustizrat Dr. R e a tz und Generaldirektor Boeing den Standpunkt, daß die neuen — übrigens seit längerer Zeit ohne Erlaubnis betriebenen — Oefen nur mit größeren , Unterbrechungen im Betrieb seien, also weniger Belästigungen mit sich brächten wie die alten Dauerbrandöfen, daß auch die Belästigungen erhebliche im Sinne des § 16 der Gewerbeordnung nicht genannt werden könnten; zudem habe die Fabrik das sogen. „Alter im Felde". Dagegen treten Professor CH elius von der Badedirektion und Dr. W a ch e n f e l d - Bad-Nauheim mit großer Wärme für das Bad, seine Bewohner und die Kranken ein. Ein Bad Prozeß Sternberg. Berlin, 10. November. Unter den Zeugen, die der Vorsitzende, Landgerichtsdirektor Müller bei Beginn der heutigen Sitzung ausruft, befinden sich die zahlreichen neuerdings geladenen Personen. Vor Eintritt in die weitere Beweisaufnahme finden noch einige Erörterungen über eine Aeußerung statt, die nod), einer Mitteilung der Frau Schindler die kleine Woyda einmal gemacht haben soll, als sie noch bei Schindlers war. Als Zeugin wird sodann die 16jährige Ehlert vernommen, der seinerzeit in Kottbus in Strafhaft saß und jetzt im Magdalenenstift untergebracht ist. Sie ist von Freundinnen darauf aufmerksam gemacht worden, daß sie bei der Fischer in der Alexandrinenstraße viel Geld verdienen könne. Dort wohne ein reicher Modellmaler, der Modelle brauche. Sie hat dann die Zahl der jungen Mädchen, die bei der Fischer aus- und eingingen, vermehrt. Als Kriminalkommissar v. Tresckow der Zeugin in Kottbus das Bild des Angeklagten Sternberg vorlegte, soll sie in ihm (d!en Maler wiedererkannt haben. Jetzt erklärt sie, Herrn Sternberg nicht als Maler wieder- zuerkenn^n. Sie muß den Angeklagten recht genau be- track)ten, Sternberg muß mit der Zeugin sprechen. Die Zeugin bleibt aber dabei, daß sie den Angeklagten nicht als den Maler rwiedererkenne. Dieser scheine ihr mehr Haare gehabt und auch einen anderen Dialekt gesprochen zu haben. Die Zeugin giebt zu, in der vorigen Verhandlung gesagt zu haben, sie erkenne Sternberg wieder, sie will aber dazu durch ein Kopfnicken ihrer früheren Gefängniskollegin, Zeugin Schnörwange, dazu bewogen sein. Der Staatsanwalt legt der Zeugin Ehlert eine Reihe von Fragen vor, ob sie von irgend einer Seite beeinflußt worden sei. Die Zeugin erklärt darauf, daß mehrere Herren sich an sie herangedrängt und über dieSternberg-Sachemitihrgesprochen haben. Besonders sei dies ein Mann gewesen, der sich Ebstein nannte, und auch ein Kapitän Wilson. Herr Ebstein habe ihr »gesagt, daß er nach Amerika wolle, obsieviel- leicht mitkommen wolle. Sie wäre ja auch mit gegangen, aber sie würde ja doch nicht haben mitgehen können, weil ihr Vater es verhindert haben würde. Auch andere Herrn haben fick) an sie herangemacht und ihr gesagt, sie solle die Wahrheit sagen, damit nicht ein Unschuldiger verurteilt werde. Sie hätten ihr ferner gesagt, sie würde diesmal vereidigt werden, und wenn sie beschwören würde, daß es Sternberg sei, dann würde sie ins Zuchthaus Tommert. Sie habe von Ebstein 10 Mk., dann 20 Mk. und von den anderen Herren 15 Mk. erhalten. i Wien kann und Haviack , L°bn ju sos. EinUr es etltttwtg »♦_ chetz Lauimüdlben fofot nboffrajt 60/ ir-_ Werden. Nach einer kurzen Mittagspause begann um halb 4 Uhr die Verhandlung über die Reklamation gegen die Bürgermeister Wahl zu Lang-Göns. In Hellen Scharen waren die Langgönser Bewohner erschienen. Ueber •50 Zeugen waren von Partei und Gegenpartei zur Stelle geschafft worden, um die behaupteten „groben Wahlbeeinflussungen" zu beweisen, und zahlreiche Zuhörer erwarteten mit Spannung die nach den Bestimmungen der Kreis- und Provinzialordnung nunmehr endgitige Entscheidung. Der Kreisausschuß Gießen hatte sich seiner- ,’cit in seinem Erkenntnis auf den Standpunkt gestellt, lag die von den Reklamanten gegen die Wahl erhobene Reklamation keine Berücksichtigung finden könne, da ihr bie von mehreren Ministerialentscheidungen geforderte An- flabe näherer Thatsachen und die nötigen Beweismittel ge- ■feliMt haben, aus diesem formalen Grunde nachher an- Wb.otene Beweisführung nicht in Betracht kommen, in ceauarbeiten, fatntß 1 DtchA et oder aiMrtä nter Q 01877 an •’• Blattes erbeten. _ mvuchhaUtt^. iderLigarrrptE :d)t bei bescheidenes 6teöunfliKffl*? eine Beweisaufnahme deshalb auch nicht eingetreten werden könne. Gegen diese Auffassung wendete sich in längerer Rede der Verteidiger der Rekurrenten, Rechtsanwalt Grünewald, indem er u. a. ausführte, daß man unmöglich von rechtsunkundigen Leuten, namentlich von Landwirten verlangen könne, daß sie die Bestimmungen so ganz genau kennen. Härten habe das Gesetz doch unmöglich statuieren wollen. Dem trat Justizrat Hirschhorn als Vertreter des neugewählten Bürgermeisters Rompf entgegen und stellte sich ganz und gar auf den Boden der Entscheidung des Kreisausschusses. Es liege gar keine formelle Reklamation vor, da das von den Reklamanten innerhalb der vorgeschriebenen dreitägigen Frist auf der Bürgermeisterei abgegebene Protokoll nur die Angabe enthalte, daß Unregelmäßigkeiten vorgekommen seien und daß man deshalb um Beanstandung der Wahl bitte. Damit sei zwar für das Kreisamt Gelegenheit gegeben, von sich aus Ermittelungen vorzunehmen, ob Gründe zu einer Nichtbestätigung des Gewählten vorhanden seien, nicht aber habe sich der Kreisausschuß mit dem Vorbringen zu beschäftigen, geschweige denn der Provinzialausschuß. Gegen die Entscheidung des ganz getrennt neben dem verwaltungsgerichtlichen herlaufenden Verfahren des Kreisamts stehe den Beteiligten als alleiniges Rechtsmittel jetzt nur noch Beschwerde an das Großh. Ministerium des Innern zu. Nach vorgängiger Beratung verkündete Provinzialdirektor v. Bechtold als Beschluß des Provinzialausschusses, daß der eingelegte Rekurs unter Verurteilung der Rekurrenten in die Kosten des Verfahrens und zur Zahlung eines Aversionalbetrags von 10 Mk. in die Kreiskasse zu verwerfen sei. In die Beweisaufnahme wurde sonach garnickst eingetreten.. Nachdem nach zwei Gesuche um Konzessionierung von Gewerbebetrieben als noch nicht spruchreif vertagt worden waren, verhandelte man über ein Gesuch des Peter Hambach von Wahlen um Erlaubnis zum Betriebe einer Wirtschaft. Der Kreisausschuß Alsfeld hatte auf Versagung der Konzession erkannt. Der gegen diese Entscheidung eingelegte Rekurs wurde in der heutigen Sitzung nach Anhörung des Bürgermeisters non Wahlen verworfen. Damit schloß der öffentliche Teil der Sitzung. !lw ssWtteS^-^ Von der Bedeutung Nauheims, in dem Herz- und Lungen- lcanke Heilung suchten, könne sich nicht gefallen lassen, laß an vielen Tagen im Monat eine dicke Rauchwolke über der Stadt lagere, die Kranken belästige und in Gestalt Von Ruß und Asche in die Wohnungen eindringe. Nachdem noch mehrere Sachverständige im Verlaufe der mehr als dreistündigen Verhandlung vernommen worden waren, beschloß 'der Provinzialausschuß, die Entscheidung in der Lache auszusetzen und dieselbe gelegentlich der nächsten Litzung zu verkündigen. Geradeso erging es nach vorgängiger Verhandlung iber einer Klagepes Ortsarmenverbandes Frankfurt a. M. pcgen den Ortsarmenverband Wolf, Kreis Büdingen, toegen Unterstützung der Dienstmagd Katharine Köhler, vesgl. einer Klage des Ortsarmenverbandes Hanau gegen den Ortsarmenverband Klein-Linden wegen Ersatz von Ulegekosten für Friedrich Engel. In der Sache betr. besuch des Philipp Erdmann zu Mücke um Erlaubnis , zum Betriebe einer Gastwirtschaft beschloß das Gericht Vertagung. Es sollen noch mehrere Zeugen vernommen ins Besicht sagt: „Frieda, lüge nicht!" Der Zeuge bekundet, daß der Gehilfe, der jetzt nicht mehr in Berlin ist, immer etwas vertraut mit dem Mädchen war und daß die Frieda manchmal. —, auch bei Tisch — einige recht dreiste und unanständige Redewendungen gebrauchte. Frieda Woyda erklärt die Sache schließlich dahin: Frau Schindler habe ihr an dem qu. Tage den Auftrag gegeben, auszupassen, wann der Gehilfe nach Hause käme, und dar- Mif habe sich ihre Bemerkung bezogen. Frau Schindler be st reitet dies. Hierauf wird der Lehrer Delrav, der die Woyda eine Zeit lang unterrichtet hat, vernommen und sagt aus: Frieda Woyda habe einen guten Eindruck auf ihn gemacht. Sie war in den Stunden immer aufmerksam, geweckt, sehr fleißig, und ist auf Lügen nicht ertappt worden. Rach der ersten Verhandlung habe sie einigen Mitschülerinnen manche Gemeinheiten erzählt, so daß er das ernsthaft untersagt habe. Lehrer l e b e, der die Frieda kurze Zeit unterrichtet hat, kann nachteiliges über diese nicht aussagen, insbesondere nicht, daß sie lügenhaft sei. Eine Mitschülerin der Frieda Woyda lhat von dieser einmal gehört, daß sie einem Mater einmal Modell gestanden und sich! dabei ihrer Kleider habe entledigen müssen. Weiteres habe Frieda nicht erzählt. Die Zeugin hat nie bemerkt, daß Frieda krankhaft, lügenhaft oder phantastisch sei und auch unanständige Redensarten gebraucht habe. Die Zeugin kann nicht sagen, wann die Woyda die Modellgeschichte erzählt hat. Eine andere Mitschülerin Hermine hat die Modell- geschichte der Woyda nicht von dieser, sondern von anderen Schülerinnen gehört, namentlich von einer gewissen Krause, die aber immer mit dem Mund etwas voran sei. Rach der ersten Verhandlung habe Frieda Woyda erzählt, Herr Sternberg habe drei in al mit ihr etwas vorgehabt, sie habe [aber keine Schuld, sie habe ihn abgewehrt. Während dieser Aussage weint Frieda Woyda heftig. Sie wird an den Gerichts- tisch herangerufen und bestreitet entschieden, vom Modellstehen etwas erzählt zu haben. „Das ist ja gar nicht wahr!" sagt sie und sie bleibt dabei, obgleich die beiden Mitschülerinnen versichern, daß es tvahr sei. Frieda Woyda behauptet, daß nach ihrer ersten Vernehmung vor der Polizei in der Schule von allerlei gesprochen wurde, daß dann die eine Mitschülerin erzählt habe, ihre Schwester habe auch schon mal Modell gestanden und so sei die ganze Geschichte gekommen. Die Zeuginnen bleiben bei ihrer Behauptung. Eine andere Schülerin, Anna S., sagt aus: Als die Sache zum ersten Male in der Zeitung stand, hat Frieda erzählt, daß ihr dreimal etwas passiert sei, aber'sie hat nicht den Namen des Mannes genannt. Die Einzelheiten dessen, was mit ihr passiert sei, hatte sie schon vorher einer anderen Schülerin erzählt. Auch diese Zeugin hatte von Frieda selbst gehört, daß sie habe Modell stehen müssen. Die Zeugin glaubt sogar, daß Frieda Woyda einmal dabei den Namen Sternberg genannt habe. Justizrat Sello läßt sich von den Zeuginnen bestätigen, daß damals der Name Sternberg bereits in der Zeitung gestanden hatte und bei den Mädchen bekannt war, um welchen Mann es sich handele. Außerdem sei doch festzuhalten, daß die Wovda der erstvernommenen Schülerin nach deren Bekundung über denselben angeblichen Vorfall eine vollständig abtveichende Darstellung gegeben habe. Angekl. Sternberg: Es soll dies also alles zu einer Zeit gewesen sein, als die erste Verhandlung in der Zeitung stand und großes Aufsehen erregte. Da haben dann also die Mitschülerinnen die Woyda befragt, was ihr passiert feint soll. Den drei Zeuginnen wird, von ihrem Lehret ein günstiges Zeugnis ausgestellt. Die Verhandlung wird hierauf abgebrochen und bis Montag 9 einhalb Uhr vertagt. Aus Stadt und Land. Gießen, 13, November. ** Postpersonalnachricht. Der Oberpostdirektor H o l f e l d in Darmstadt wurde zum Mitglied der Kaiser!. Disziplinar- kammer in Frankfurt a. M. ernannt. ** Französische Vortrage. Wiederholt machen wir darauf aufmerksam, daß Lektor Goetschy seine öffentlichen Borträge am Mittwoch um 5 Uhr beginnen wird. Thema des ersten Vortrages ist: De Pinfluence des femmes dang la littSrature fran^aiee. Eintrittskarten sind beim 93er» Walter Stork, in der Rickcr'schen Buchhandlung und in der Buchhandlung von A. Frces zu haben. •* Vorträge für Damen. Im Laufe des Winters wird Prof. Sauer für Damen sechs Pros ektions vorträge über „berühmte Kunstwerke verschiedener Epochen" halten. Die Vorträge finden im Hörsaal 2 des Kouegtengebäudes und zwar, des beschränkten Raumes wegen, jeder zweimal statt; es werden deshalb verschiedene Karten, rote für die Montags-, grüne für die Dienstags- Mittage abgegeben. Der erste Vortrag „Polygnot und die altgriechische Malerei" findet Montag, t^ ^ovember 4 Uhr, bej. Dienstag, 20. November v Uhr statt. ,, " Stadttheater. Aus dem Theaterbureau wird uns geschrieben: Am Mittwoch gelangen a'S 5. BolkSvor- üen“ng Schillers ,RSuber" zur Ausführung. Eintritts- prefie: Loge 1 Mk Saalplatz 40 P,g., Gallerie 20 Pfg. — Die Proben zu Hermann Sudermanns neuem Schau- »SoUtintSfeiet" haben bereits begonnen. Das Stuck gelangt am nächsten Freitag hier zur erstmaligen Aufführung. ö -le- Klein-Linden, 12. November. Im Laufe der vorigen Woche war ein Herr von der Direktion des qe» planten Gießener Elektrizitätswerkes hier und hielt bei Privatleuten Umfrage über den etwaigen Gebrauch an Kerzen u. s. w. Wie wir nun erfahren, sollen besonders die Geschäftsleute bereits soviel gezeichnet haben, daß bei einigem Entgegenkommen seitens des Gemeinderats der Anschluß unseres Ottes an das Gießener Elektrizitätswerk gesichert ist. Die Gemeindevertretung wird sich in den nächsten Tagen mit dieser Frage beschäftigen, und man erwartet allgemein, daß der Vorschlag des Elektrizitätswerkes angenommen wird. Zur Aufklärung der hiesigen Einwohner wäre es von großem Werte, wenn vielleicht einmal ein Herr von der Direktion in unferm Orte einen Vortrag halten würde. Denn da die Sache für die hiesigen Bewohner neu und unbekannt ist, so haben die meisten Leute keine Vorstellung von dem Preise, sowie von oAn Nutzen und Vorteil der elektrischen Beleuchtung. Von vielen hiesigen Bewohnern ist dieser Wunsch bereits geäußert worden. -n- Staufenberg, 11. November. Heute wurde die hiesige Pflichtfeuerwehr durch den KreiS-Feuerwehrinsp'ektor Loos-Gießen einer Inspektion unterzogen. Herr Loos sprach sowohl über die Leistungen als auch über den Pflichteifer jedes einzelnen Mitgliedes seine vollste Zufriedenheit aus. Die Mitglieder waren vollzählig erschienen. -n. Grüningeu, 11. November. Kürzlich kam eine Zigeunerfamilie mit ihren wenigen Habseligkeiten, bestehend in Zelltüchern und Kochgeschirren, die sie mit ihren elf Kindern selbst schleppten, auf einen Oekonomiehof des Vogelsberges und erklärten sich allen Ernstes bereit, von einem 16 Morgen großen Felde die Runkelrüben für den Gutsbesitzer einzuheimsen. Der Vertrag wurde komplett. Für Geld und Naturalienlohn gingen Mann, Weib und Kinder an die Arbeit, die in wenigen Tagen vollständig bewältigt war. In einem Stalle schliefen und bei dem Hose kochten die braunen Söhne der Pußta. b Friedberg, 11. November. Gestern abend, an dem Geburtstage des Reformators, fand wieder wie alljährlich im Saalbau ein Lutherabend statt. Diese Feier erfreut sich bei unserer evangelischen Bevölkerung großer Beliebtheit und ist deshalb stets sehr besucht. Auch an dem gestrigen Abende waren die großen Räumlichkeiten des aalbanes bis auf den letzten Platz besetzt, obwohl zugleich b r Gesangverein „Frohsinn" eine Abendunterhaltung abhielt, und das Abschiedsessen für den Kreisrat Süffert stattfand. Nach einigen Konzertstücken ergriff Pfarrer Lampas das Wort zur Festrede, in der er über das Thema sprach: „Luther und seine Bedeutung für das neue Jahrhundert." Seine Rede wurde mit allgemeinem Beifall aufgenommen. Hieran schloß sich wieder Konzert und mehrere Vorträge christlich religiösen Inhalts. r- Nidda, 12. November. Gestern abend hielt der Gesangverein „Sängerkranz" hier unter Leitung des Lehrers Hotz fein Herbstkonzert mit Ball im Krafts Saalbau ab. Unter den Liedern Patriotischen und heiteren Inhalts, welche präzis vorgetragen wurden, war eins, welches der Veteran des Vereins vor 52 Jahren als Mitglied mitgesungen hatte. Auch jetzt füllte der hohe Siebziger seinen Posten mit Eifer aus. Sehr trug zur Befriedigung des Publikums bei der künstlerische Violinvortrag des Herrn Lehrer Hertel aus „Tannhäuser" von Wagner. Die Tanzmusik wurde von der Feuerwehrkapelle ausgeführt. Bei der Veranstaltung sahen wir wieder, welchen Wert ein großer Saalbau, besonders mit guter Akustik hat. Darmstadt, 10. November. Die systematisch fortgesetzten Beschwichtigungsversuche der preußischen Offiziösen in der Main-Neckarbahn-Frage verfangen hierum so weniger, als die Umstände, unter denen die Konferenz der drei Vertragsstaaten in Bingen stattfand, aus eine sehr „durchgreifend e" Regelung in der Verwaltung der Main-Neckarbahn schließen lassen. Man hat sich nämlich veranlaßt gefühlt, zu dieser Besprechung sehr hohe Ministerialbeamte abzuordnen, deren man zu einer bloßen Vereinfachung und Verbilligung der Verwaltung nicht benötigt hätte. So war von Preußen Ministerialdirektor Kirchhoff, von Baden Geheimrat Zittel und von Hesien Ministerialrat Ewald daran beteiligt. Man schließt daraus hier in Kreisen, die die Verhältnisse recht gut kennen, allerdings aus sehr einschneidende Reorganisationspläne Preußens. Man hofft jedoch, daß Baden sich mit der ihm zugedachten Rolle nicht gutwillig abfinden lassen, und in eine Angliederung der Verwaltung der Main Neckarbahn an die preußisch-hessische Gemeinschaftsverwaltung, bei der Baden lediglich durch einen Kommissar vertreten fein würde, nicht einwilligen würde. Viel eher glaubt man, daß Baden nötigenfalls eine Auflösung des Staatsvertrags von 1843 herbeiführen, und feinen Anteil selbständig verwalten werde. Aus die Widerstandskraft der hessischen Regierung, die ja im Verkehrswesen leider ganz in preußischer Hand ist. vertraut man schon bedeutend weniger, erwartet aber von der hessischen und badischen Volksvertretung ein Veto. Offenbach a M., 10. November. In der Stadtver- ordneten-Sitzung vom Donnerstag wurde folgender Antrag eingereicht: „Die Stadtverordneten-Versammlung möge beschließen : Um der unbemittelten Bevölkerung Offenbachs während dieses Winters, so lange die unerhört hohen Kohlenpreise anhalten, den Bezug des Heizmaterials zu erleichtern, wird die Großh. Bürgermeisterei beauftragt, zwecks der Abgabe an Private in Mengen von 1 bis 5 Zentner Hausbrandkohle sowie Kohlen- Und Braunkohlen- briquetts auf Kosten der Stadt einzukaufen und zum Selbstkostenpreis abzugeben." Die Ausführung dieses Antrags soll bad städtische Gaswerk übernehmen und versprach der Oberbürgermeister, der diesen Antrag als sehr zeitgemäß und zweckmäßig fand, der nächsten Sitzung eine Vorlage zu unterbreiten, die unter Umständen noch über das Gewünschte hinauSgehe. Weiter wurde der Beschluß gefaßt, die Herstellung von Seitenkanälen zu HauS- entwäfferungen in städtische Regie zu nehmen, da es den Anschein hat, als ob die hiesigen Unternehmer sich kartelliert haben und für derartige Arbeiten Preise stellen, die über die übliche Bezahlung weit hinausgehen. Ein ebenfalls sehr bemerkenswerter Beschluß wurde bei einem Ausgabeposten für das städtische Gaswerk gefaßt, indem die bisher für die in demselben beschäftigten Ofenarbeiter bestehende zwölsstündige Arbeitszeit in eine Achtstunden- schicht umgewandelt wurde und ein entsprechender Kostenmehrbetrag nachbewilligt wurde. In der Sitzung wurde auch noch bekannt gegeben, daß die nachgesuchte Konzession für die Errichtung einer städtischen Apotheke dobi Ministerium erteilt wurde und dasselbe sich nur Vorbehalten hat, über .die Sage des Platzes für dieselbe seine Meinung kundzugeben. Die Gewährung uneutgelllicher Hebammen Hilfe ist in größerem Maße in Anspruch genommen worden, als dies im Voranschlag vorgesehen war; es werden deshalb die für die unentgeltliche Bestattung weniger al- vorgesehen gebrauchten Beträge für ersteren Zweck Verwendung finden. Der hier seit einigen Jahren bestehende Ausschuß für Volksvorlesungen stellte den Antrag, zwecks Begründung einer öffentlichen Lesehalle, die in den Stunden von 4 Uhr nachmittags bis 10 Uhr abends geöffnet fein soll, einen entsprechenden Raum zur Verfügung zu stellen und gleichfalls die Heizung und Beleuchtung desselben auf städtische Kosten zu übernehmen. Diesem Anträge wurde einstimmig entsprochen, wie auch für die Zwecke der Volksvorlesungen für das Jahr 1900 noch 1000 Mk. bewilligt wurden. Mainz, 10. November. Die Landtagsabgeordneten Molthan, Dr. Schmitt, Prof. Schlenger und Dr. Frenay haben bekanntlich bei dem Landtag eine Interpellation wegen der Errichtung der Handelshochschule in Mainz eingebracht. Infolge des Antrages der Abgeordneten Schmeck und Genoffen, die Hochschule in Darmstadt zu errichten, haben nunmehr die oben genannten Abgeordneten ihre Interpellation ebenfalls in einen Antrag an die Kammer umgewandelt. — Der Verein Mainzer Weinhändler hat beschlossen, demnächst eine Versammlung von rheinhessischen Weinhändlern nach Mainz zu berufen und ihr den Antrag zu unterbreiten, einen „Rheinhessischen Weinhändlerverband" zu gründen, um den Interessen des gesamten rheinhessischen Weinhandels beffer dienen zu können. — Der städtische juristische Ausschuß hat in seiner gestrigen Sitzung der Erbauung eines Krematoriums auf dem Friedhof durch den hiesigen und Wiesbadener FeuerbestattungS- verein seine Zustimmung erteilt. Marburg, 12. November. Von, der Chauffee nach Cölbe aus, etwa halbwegs zwischen der Eisenbahnüber- führung und den Schießständen des Jägerbataillons wurde Sonntag abend gegen 3/t9 Uhr von einigen Herren ein in westlicher Richtung fliegendes Meteor von ungewöhnlicher Schönheit und Größe beobachtet. Mit der Helligkeit einestarken Blitzes, in reinem weißen Lichte aufleuchtend, erhellte es für einige Sekunden das Lahnthal so, daß an dem gegenüberliegenden Hange der Kirchspitze deutlich die einzelnen Wald» und Feldstücke und Baumgruppen zu erkennen waren, und verschwand scheinbar hinter den Wehrdaer-Steinbrüchen niederfallend. Hanau, 12. November. Anscheinend werden in absehbarer Zeit fast alle Ortschaften unseres Landkreises in elektrischem Lichte erstrahlen. Den Vertrag mit dem „Hessischen Elektrizitätswerke" zu Vilbel, bad Licht und Kraft liefert, haben nunmehr weiter abgeschloffen die Gemeinden Bischofsheim, Niederissiigheim, Ravolzhausen, Gronau und Niederdorfelden, im Ganzen 16 Gemeinden des Landkreises. Weite Abschlüsse stehen bevor. •* Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaates. Fürst und Fürstin Herbert von Bismarck sind in Frankfurt a. M. eingetroffen und haben im „Russischen Hof" Wohnung genommen. Eingesandt. Für Form und Inhalt aller unter dieser Rubrik stehenden Artikel übernimmt die Redaktion keinerlei Verantwortung.) Gießen, 12. November 19C0. Der Herr Einsender in Nr. 265, der die Ueberlastunß einzelner Tage mit Unternehmungen beklagt, hat vollkommen Recht, wenn er auf einen Mittelpunkt hinweist. Dieser Mittelpunkt ist unschwer zu finden, weil er teilweise vorhanden; Konzert-Verein, Theaterverein, Saalbauverein, größere Konzertunternehmen, Kaufmännischer Verein rc. benutzen ausnahmslos das Challier'sche Geschäft als solchen. Dort wird genauer Kalender geführt und nach Möglichkeit dafür gefolgt, Haß ein unliebsames Zusammentreffen vermieden wird. So zum Beispiel war der erste Abend des Theatervereins am 30. Oktober, des Konzert- vereins am 4. November, der Kammer mnfik- ab en d am 9. November. Dann folgt wieder am 13. Wo herüber der T he a ter v er e in , am 23. November die Meininger Hofkapelle, am 4. und 19. Dezember der Konzertverein rc. Wenn die anderen Vereinigungen sich entschließen würden, ihre Unternehmungen bei Challier, kurz nach den Daten vermerkt, anzumelden, würde sicher manches Unliebsame Zusammentreffen zu vermeiden sein. Nachdem die Distrikts-Einnehmerei I nach langem Umherziehen endlich im ehemaligen Rentamtsgebäude ein bleibendes Heim erhalten hat, wäre es doch eigentlich selbstverständlich, daß das Gebäude durch ein in die Augen fallendes S ch i l o kenntlich gemacht würde. Warum diese Heimlichthuerei? An allen Zahltagen kann man beobachten, daß „Zahlungslustige" auf dem Brand umher rennen und die Distriktseinnehmerei suchen. Unsere Fortbildungsschule. Vielfach begegnen wir, insonderheit auf dem Lande, der Ansicht, unsere Fortbildungsschulen seien nicht nötig, man könnte sie entbehren, bedauert ihre Einrichtung, da doch nichts oder doch nicht viel dabei herauskomme. Neuerdings ist diese Ansicht unter der Landbevölkerung wieder vielfach laut geworden. Die jüngste Verordnung der Großh. obersten Schulbehörde über die Einrichtung der Fortbildungsschulen, bezw. Festlegung der Unterrichtszelt auf frühere Tagesstunden hat auf manchen Orten einen gewaltigen Sturm hervorgerufen; und wenn diese Orte auch vereinzelt dastehen mögen, so ist es bod), geschehen. Besonders die Landleute und landwirtschaftlichen Arbeiter kühlten sich geschädigt und zum Teil in ihren späten Herbst- -SG treibet i"1 «Ä» „erbet Äe i Men nnd das Sxs WZ Ds^ürfms ii W* des m . 'WkPklm und G MnWklN ich k Mn 'vH mü -ck Größere ÄchMlei immerhin mit stnanz Unsere für das ü- besorgte Regierung h« getragen durch die l und daß sie den Lck We, ist wohl ein '.fi „er Erkenntnis, t v.VX mch für t deiMzwang einge hijj nur der Schulz' M Einrichtung al M hätte nun a Eilender Landbevölke Gros Trotzt /norden fei: doch de Absicht der Negierui von der Mehrheit b Üem Lehrer wurdei muh was als eine je Hing bedurfte, wurb Die Unterrichts 'den Wnö verlegt. Wen gefamm iche Wahl war, f war, auf die man müde gearbeiteter oit kalter Luft fic mehr im staube, Men, nod) geistü Der Erfolg 1 iilher blieb er riet i'finiener 6 ««ihjJ1 Dr. * M 6973 Klotz. 7388 I Nr. o 7377 7382 Mulch, Pfandmeister. Trapp. 7387 Soeben wieder eingetroffen: 718» 7378 in p fr h hi im en zum Würzen zeichnet v 15547, Garantie. Zurück*- nähme. Schellers preisgekrönter je zwei bis drei Stunden in den wenigen Wintermonlaten derselben widmen und opfern, wenn es mit einer Einbuße von Arbeitslohn verbunden ist. „Das Leben ist schwer, zeitraubend und kostspielig", und es weiß Schreiber dieses auch ein Liedchen davon zu singen; aber nicht einmal eine Stunde Zeit und einige finanzielle Opfer seiner Fortbild- ung widuren, ptas sei ferne, das wäre ein Schnitt ins eigene Fleisch, das wäre das Werk eines Thoren! Es hieße „Eulen nach Athen tragen", wollte ich hier noch auf den Wert einer gesteigerten Bildung für die wirtschaftliche Lage unseres Volkes besonders Hinweisen. Derselbe wird wohl allseitig mit nur wenig Ausnahmen anerkannt. Doch zu diesen Ausnahmen scheinst mir du „Bauer" und rdu „geringer Mann" zu zählen! Warum hast du nicht eine Stunde Zeit für deine Fortbildung und einen Pfennig übrig für dieselbe? — Wenn alle Berufsarten sich organisieren und auf ihre Fortbildung -- was dasselbe ist, wie Fortkommen, — äußerst bedacht sind, warum willst du allein abseits stehen init verschränkten Armen? Deutscher Bauer, erkenne deine Lage, ergreife jede Gelegenheit, deinen Bildungskreis zu erweitern, die dir durch die segensreichen Einrichtungen unserer fürsorglichen Behörde immer mehr geboten wird! Erkenne endlich den Wert einer gut eingerichteten Fortbildungsschule für dich und deine Söhne! Höre nicht auf die Stimmen deiner falschen Freunde, deren innigster Wunsch es ist, daß du auch in Zukunft „recht dicke Kartoffeln ernten mögest," ■ »i.»——■—i ii Tabaksblätter", Bruttogewicht 71 K> Io* gramm, Herkunft Spanisch-Amerika, für kraftlos erklärt worden ist. Gießen, den 8. November 1900. Großherzogliches Amtsgericht. Er wird hiermit gemäß § 1017, 1024 Cioilprozeßordnung und Art. 12 des Ausführungsgesetzes zur Sivil« Prozeßordnung öffentlich bekannt gemacht, daß auf Antrag des Fabrikanten V. Fi eß er dahier nach vorausgegangenem Aufgebotsverfahren durch Urteil des unterzeichneten Ge- richts vom 1. November 1900 der dem Genannten abhanden gekommene Nüderlagefchein folgenden Jl.halts: No. 9, eingelagert am 25.1. 1895 1 Collo in Bastplatten geschnürt mit Baststricken, in Leinen emballiert, ge- FAY’s echte SodenerMineral'Pastillen der Grippen, Saucen, Ragows, Gemüse rc. — wenige Tropfen genügen. — Robert Stahl, Spezereihandlung. Göbelnrod, den 12. November 1900. Großherzogliche Bürgermeisterei Göbelnrod. Damm. Von einer praktischen Hausfrau erfunden! Preis nur noch.4 iv.- (ohne Befestigungsvorrichtg. M 13). Großh.rzogliche Bürgermeisterei Dorf Gill. ______________Kuhl. arbeiten gehemmt. Der industrielle Arbeiter singt wohl dasselbe Lied. Warum das? Zu den Zeiten, da Fortbildungsschulen vom Staate noch nicht errichtet und der Schulzwang zu deren Besuche noch nicht staatlich angeordnet war, ja wo Fortbildunas- jchulen überhaupt noch nicht bestanden, da haben unsere Väter (Schreiber dieses denkt hier besonders an landwirt- fchaft- und gewerbetreibende Bevölkerung) vielfach. — nach ihren Verhältnissen gerechnet, — viel Geld ausgegeben, it)te Kenntnisse auf den ihnen wichtigen Wissensgebieten zu erweitern. Der Lehrer de? Ortes wurde an gegangen, gegen entsprechende Vergütung den gewünschten, für das Leben und das Vorwärtskommen im Leben für nötig und unentbehrlich erachteten Fortbildungsuntcrricht zu erteilen. Wie mancher für das spätere Fortkommen seines i Sohnes besorgte Vater und wie mancher strebsame Jüngling mag wohl damals eine Fehlbitte gethan haben, und mußte bedauern, daß für ihn die Möglichkeit, sich! in den für das bürgerliche Leben nötigen Kenntnissen und Fertigkeiten noch zu vervollkommnen, nicht vorhanden war. Das Bedürfnis nach Befestigung und besonders nach Erweiterung des in her Volksschule oft mit Mühe sich ‘Ungeeigneten und Gelernten, das bei einem großen Prozentsätze ein sehr kleines Schatzkäftlein war, trat immer deutlicher hervor. Die mit Gütern minder Begabten blickten wohl mit Neid auf die, denen ihr Besitztum! es ermöglichte, sich ein höheres Maß von Wissen und eine größere Geschicklichkeit in Fertigkeiten anzueignen, das immerhin mit finanziellen Opfern verbunden war' Unsere für das Wohl auch des gemeinen Mannes stets v besorgte Regierung hat nun diesem Bedürfnisse Rechnung ■' getragen durch die Errichtung der Fortbildungsschulen; und daß sie den Schulzwang auch für diese Schulen einführte, ist wohl ein Zeichen einer fast väterlichen Fürsorge. 3n der Erkenntnis, wie wichtig eine höhere Bildung für das Volk, amch für den GerinAten im Volke, sei, mußte bvr Schulzwang eingeführt werden, ganz abgesehen davon, daß nur der Schulzwang die Garantie für die Dauer dieser Einrichtung abgab. Mau hätte nun annehmen sollen, daß lauter Tank von s.'iteu der Landbevölkerung der Regierung entgegengebracht worben sei; poch dem war nicht so. Die 'wohlwollende Absicht der Regierung wurde nur von wenigen geschätzt, von der Mehrheit dagegen verkannt, ja falsch ausgelegt. Tem Lehrer wurden Schwierigkeiten aller Art gemacht; und was als eine segensreiche Einrichtung der Unterstützung bedurfte, wurde als ein Uebel angesehen. Die Unterrichtszeit, dieses Schmerzenskind, wurde auf den^Abend verlegt. Die Erfahrungen, in einer Reihe von W Jahren gesammelt, lehrten jedoch, daß dies keine glück- iche Wahl war, ja daß es sogar die ungeeignetste Zeit war, auf die man die Unterrichtsstunden legen konnte. Ein milde gearbeiteter Körper, oder sagen wir, ein in frischer oft kalter Luft sich müde gearbeiteter Junge ist wohl nicht mt'hr im stände, in später Abendstunde nahe am nxirmen liefen, noch geistig thätig zu sein. Der Erfolg ließ dann auch viel zu wünschen übrig, sicher blieb er viel hinter den Erwartungen, die man von berufener Seite «darauf setzte, zurück, wenn nicht gar ein nennenswerter Erfolg ganz in Frage gestellt werden mußte. ES konnte so nicht weiter gehen, wenn man dem Fort- büdungsunterrichte unserer Jugend nicht endlich zu dem , Er folge verhelfen wollte, den man von allem Anfänge [5 cm beabsichtigt und mit Recht von dieser Einrichtung erwartet hatte. Nach langen wohlgeprüften Erwägungen ist unsere oberste Schulbehörde zu dem Entschlüsse gekommen, die Unterrichtszeit auf die Nachmittagsstunden zu verlegen, und diese Aenderung hat ihre v o l l e B e r e ch- iigung. Nur ein noch frischer Körper ist in der Lage, noch geistig ühätig zu fein; ein müder Organismus ist .schlaff und matt. Arbeitskraft und Arbeitslust sichern lüein schon einen guten Erfolg; und jeder auf seine weitere Fortbildung ernstlich besorgte junge Mensch wird wohl aud) gern zwei bis drei NackMittage in der Woche von Ztg." in ihrer Nr. vom 6. Oktober durch folgenden Beitrag: „In der Nacht zum 30. September wurde auf der Müller u. Dewers'schen Schamba unweit Dar cS-Salam eine Ziege von einem Leoparden aus einem überdachten Schuppen geholt. Als man daraufhin in der folgenden Nacht eine Falle an dem Diehschuppen aufstellte, hatte sich am nächsten Tage zwar nicht der Leopard, aber eine kräftige Hyäne darin gefangen. Die Löwen machen sich in der letzten Zeit auch wieder bemerkbar. Nachdem Ende vorigen Monats ein und derselbe Löwe in der Umgegend von Kisserawe und Pugu (etwa 20 Km. westlich von Dar-eS Salam an vier aufeinander folgenden Tagen vier Neger, darunter zwei Fraueu, getötet oder aus den betreffenden Hütten geholt hatte, haben vorgestern wiederum in der Nähe des Simbasithales zwei Löwen ein ganzes Negerdorf alarmiert. Glücklicherweise gelang es den Negern, durch ihr Geschrei die auf ihre Beute bereits fahndenden Raubtiere zu verscheuchen." Und in der Nr. vom 13. Oktober berichtet die „Dtsch. Ostafr. Ztg." aus Kilimatinde: „Ein gewiß nicht häusigeS Jagdglück war am 28. August drm Stationschef von Kilimatinde, Leutnant Küster, beschieden. Besagter Herr schoß am Muhesifluß fünf starke Löwen, davon drei Männchen, mit zum Teil starken Mähnen. Vier weitere Löwen wußten sich an genanntem Fluß der Büchse des Jägers durch die Flucht zu entziehen. Wiederum ein Beweis, daß die Löwen im Innern der Kolonie meist in Rudeln jagen." Gerichtssaal. Gießer», 9. November. Strafkammer. (Schluß.) Eine größere Beweisaufnahme verursachte weiter die Strafsache gegen Heinrich Meißner II. zu Hainchen wegen Körperverletzung und Bedrohung. Derselbe war von dem Schöffengerichte Altenstadt freigesprochen worden. Gegen dieses Urteil verfolgte die Staatsanwaltschaft Berufung. Die heutige Beweisaufnahme ergab das folgende: Eine gewiße Anna Loth war am Abend des 21. April l. I. am Hause ihrer damaligen Dienstherrschaft des Hausierers Hans Döppel zu Hainchen von einem Manne mit einem Steine an den Arm geworfen worden. Die Zeugin behauptet, in dem Angeklagten bestimmt den Thäter erkannt zu haben. Ihre Aussage steht aber in vielen Punkten im Widerspruch mit einer Reihe anderer Zeugen. So behauptet die Loth u. a. sofort, als sie geworfen worden war, den Namen des Angeklagten gerufen zu haben, andere Zeugen erklären, sie hätte den Namen des Sohnes beS Angeklagten gerufen. Der fragt. Abend war nach Aussage verschiedener Zeugen so dunkel, daß man auf kurze Entfernung niemand erkennen konnte. Die Loth behauptet, am folgenden Tage infolge der Verletzung arbeitsunfähig gewesen zu sein, eine Reihe anderer Zeugen wollen sie zwischen 8 und 9 Uhr mit zwei Eimer voll Waffer vom Brunnen nach Hause haben gehen sehen. Bei der großen Reihe von Widersprüchen in den Aussagen auch bezüglich der Anschuldigung der Bedrohung — der Angeklagte soll einige Tage vor dem geschilderten Vorfälle wiederholt die Zeugin Loth mit dem Verbrechen des Totschlags bedroht haben — glaubte das Gericht eine Verurteilung des Angeklagten nicht aussprechen zu können und erkannte auf Verwerfung der Berufung. Uermischtes. * Würzburg, 11. November. Der gestrige Nacht- Schnellzug Frankfurt-München, dem vor der Station Karlstadt das Vor« und Einfahrtsignal freie Fahrt und sogar Durchfahrt mit ungeminderter Geschwindigkeit gestattete, stieß in der Nähe des Stationsgebäudes auf einen Wagen, der im Einfahrtgeleise stand. Ein Räder- Paar des zerstörten Wagens zwängte sich unter die Lokomotive des Schnellzuges, der glücklicherweise nicht entgleiste, aber drei Viertelstunden brauchte, bis er die Fahrt fortsetzen konnte. Die Schnellzug-Maschine und das Geleise wurden beschädigt. * Bracht (Kreis Kempen), 12. November. Auf der unvollendeten Strecke Kaldenkirchen-Bracht entgleiste heute früh 7 Uhr ein Arbeiterzug. Sieben Mann waren sofort tot, einer erlitt einen schweren Schädelbruch, drei Personen wurden leicht verwundet. Das Unglück entstand durch falsche Weichenstellung. Von den Toten sind fünf Familienväter. * Mit welchem großen Krach die Pariser Welt- ausftellungs-Unteruehmungen enden werden, beweist die veröffentlichte Bilanz des Schweizerdorfes, eines der besuchtesten Anziehungspunkte der Pariser Ausstellung. Die Einnahmen, die bei der Gründung auf 9,570,000 Fr. angesetzt wurden, beliefen sich nach der Bilanz vom 30. September d. I. auf 1,925,000 Frcs.; die Ausgaben, deren Höhe man anfangs mit 3,492,000 FrcS. bezifferte, betrugen dagegen an jenem Termin über 5 Millionen FrcS. Nimmt man aber selbst an, daß die Einnahmen bis zum Schluß der Ausstellung noch die Höhe der Ausgaben erreichen werden, so bleibt immer noch das ganze Aktienkapital in Höhe von 3 Millionen Francs verloren. Wie bei dem Schweizerdorf sieht es fast bei allen ähnlichen Unternehmungen ans. Nur bei dem Palais du Costume, der Modeausstellung der Jahrhunderte, dürfte das eingezahlte Aktienkapital von 2 Millionen FrcS. den Aktionären wieder zufließen; ein Gewinn wird aber auch kaum erzielt werden. e Das Kapitel der Raubtierplage in Deutsch-Ostafrika bereichert die in Dar-eS-Salam erscheinende „Dtsch.-Ostafr. imhaltend „unb, arbeitete Bekanntmachung. Der Voranschlag der Gemeinde Holzheim für dar Jahr ltol/1902 liegt vom 16. November l. I. an auf dem Bürgermeisterei- küreau zur Einsicht der Interessenten acht Tage lang offen. H-lzheim, den 13. November 1900. Großherzogliche Bürgermeisterei Holzheim. Ausverkauf i von «erbschuttz,, Bcandmaleret- und Laubsägivorlageu, Nagel- arbeiten, Laubsägeholz, «erbschnitz, Werkzeugen re. zu allerbilligsten Preise« wegen Aufgabe deS Artikel-. Louis Lony, Bahnhofstraße 87. Bekanntmachung. ^cVvravschlag Gemeinde Dorf-Gill für das Jahr 1901/1902 hegt vom 16. d. Ms. an auf dem Bürgermetsteret-Büreau pr Einsicht der Interventen acht Tage lang offen. Dorf-Gill, den 13. November 1900. Versteigerung. Die zur Konkursmasse des Maurer- Weisters W. Gnudrum aus Reiskirchen gehörigen Gerüst» bohlen, Gerüststaugen, eiserne Gerüstklammerv, eis. Schub» karren, alte Rinnsteine, Bruch» steine, Stricke, Cemeutsäcke, ein Rollseil re. werden Mitt- Zeugnis! Wiederholt hatte ich die wohltätigen Wirkungen der Sodener Mineral-Pastillen wahrgenommen. Neuerdings war ich stark erkältet und infolgedessen völlig heiser. Nach dem Gebranch schon emer Schachtel war Heiserkeit und Husten völlig geschwunden. Meine Wahrnehmung ist die: dass die Sodener Mineral-Pastillen lösend wirken, Husten und Heiserkeit völlig beseitigen. R., Vorstandsbeamter d. Gräfl. 3. Rentamts in 8. 6350 Preis 85 Pfg. p. Schachtel. Nachahmungen weise man zurück. Bekanntmachung. Der Voranschlag der Gemeinde Göbelnrod für das Jahr 1901/1902 liegt vom 16. d. Mts. an acht Tage lang auf dem Bürger- «kisteret-Büreau zur Einsicht der Interessenten offen. Krhältl.in feineren einschläg. Geschäften; wo nicht, direkt vom alleinigen Fabrikanten R. v. Hünersdortf Nach!., Stuttgart. welcher auch Prospekte u. la. Zeugn. grat. u. freo. versend Wiederverkäufen! lohnender Rabatt. : i nüi ' es r •sr-ta ssxs in */i> 7a» 7« Flaschen, pro Fl. Mk. 1.80, 2.40, 3.—, 4.—, 5.—, 7a nnd 7. Flaschen verhältnismässig. Niederlage bei: Helnr. Gengnagel, Giessen, Neuen-Bäue 10, 38ß Heuchelheimer Konsum - Halle, Inhaber: W. Schmitt, Heuchelheim bei Giessen, Ant. Conr. Müller, Kolonial- und Eisenwarenhdlg. in Lang-Göns, Aug. Seibert in Wieseok. sO° Zelt- u. Krafteraparnia beim Teigr Ohren. Unerreicht prachtvolle Back-Resultate! 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Es wird gebeten, dieselben recht zahlreich und regelmäßig zu besuchen Um Ö“ Äffer der Teilnehmerinnen fefi.iulieüen, weil erst hiernach das Lokal für die Ähultung der Vorträge ausgewählt werden kann, werden die Frauen und Mätoihen, die sich beteiligen wollen, gebeten, ihre Namen in den bei Frau Kauf Sonnenstraße, und in der Alteeschttle offenliegenden Listen d. tum 16. November etnzuzeichnen»oder schriftliche Mitteilung an Sollen gelangen zu lasten. Die Vorträge sind unentgeltlich, rhr Besuch Einerlei Hilfeleistung. Gießen, den 12. November 1900. 7383 DWtttm oem ätstm firtuj. sö-s staltuna ^.bttdt -h«ll, AM A Äa 900 "och 1000 M ^btagsabgeordneik V ’» M-I«, (i *x i« «riijttr EMbntten gnt« \ oie Kammer m ^nhändler hat fc. ^.rhmheW 7° chr den «ntiL 'Nischen Wein .den Interessen verdienen zn fönnc 11 in seiner gestrige totiums aus dv rnFeunbestattim; der Chaussee q der Sisenbahnk gerbataiConS ttoth iflei Herren im in )on ungttofynlityt der Helligkeit tvw! üfleMvoj), Mch die einzc!' a zu erkennen wart ehrdaerMeinbM! \b tverben in M rei Landkreises ' Sertxaft wl k' zu Vilbel s todter adges^M heim, Ravolzhllsir inzcn 16 Cemick n bevor. id btu Achbarfii- ni ß»d <« n MittlfSch de» 14. November I. Is., nachmittags 2 Uhr, werden im Bieker'schen Saale versteigert: 1 Sofa mit 6 Stühlen und 2 Sesseln, mehrere SofaS, 1 Sekretär, 1 Kleiderschrank, 1 Konsol, 1 Kommode, Tische, Spiegel, 1 Nähmaschine, 1 Regulator, eine Ladeneinrichtung, 2 Fässer Wein, 1 Faß Sprit, 1 Damenfahrrad, mehrere Fässer Branntwein, eine Partie Fäster, 2 schwere Zugpferde u. v. a. 7268______Geißler, Gerichtsvollzieher. Versteigerung. Mittwoch den 21. d. M, nachm. 2 Uhr, versteigere ick im Pfandlokal Seltersweg 11 gegen Barzahlung: 1 Pferd, 1 Pianino, 1 Kastasckrank, 1 Schreibtisch, 1 Nähmaschine, Sofas, Kommode, Klsiderschränke, 2 Regulateme u. a. m. Gießen, den 12. November 1900. woch den 14. Nvvewber l. I., nachmittags 2 Uhr, Im Hose des hiesiger, Gas- und Wasser- Werkes meistbietend gegen Bar- „.. » . ,.. , . Zahlung öffentlich versteigert. 7349 Alitt-Fr-swiikiem fnr firanhenpfltßc. | Die Koukursverwaltnu«. e Q Niederlage: Emil *;Pistor Nacht Ludwigsplatz 13 Ludwigsplatz 13 vermieten. 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