,M. 241 CEes Blatt. Sonntag den 14. Oktober 15V. Jahrgang 1900 Gießener Anzeiger General-Anzeiger Annahme von Anzeigen zu der nachmittag- für de» folgenden Tag erscheinenden Nummer bi- vorm. 10 Uhr. Abbestellungen spätestens abends vorher. Orfchelnt täglich mit Ausnahme des Montags. Die Gießener Mamilierrvtätter werden dem Anzeiger im Wechsel mit „Hess. Landwirt" u. „Blätter für Hess. Volkskunde« wvchtl. 4 mal beigelegt. Alle AnzeigeN'VermittlungSstellen deS In- und Ausland«» nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger entgegen. ZcilenpreiS: lokal 12 Pfg., auswärts 20 Pfg. Bezugspreis vierteljährl. Mk. 2,20 monatlich 75 Pfg. mit Bringerlohn,- durch die Abholest.llea vierteljährl. Mk. 1,90 monatlich 65 Psg. Bei Postbezug Mk. 2,40 vierteljährl. mit Bestellgeld. Amts- unb Anzeigebtatt fflr den "Kreis Gieszen Adresse für Depeschen: Anzeiger Hieße». Fernsprecher Nr. 51. Redaktion, Expedition und Druckerei: Kchntstraße Ar. 7. Gratisbeilagen: Gießener Familienblütter, Der hessische Kandwirt, ____ Mütter für hessische Volkskunde. Amtlicher Heil. Bekanntmachung. Betr.: Die Ausführung des Gesetzes, die Abänderung der Gewerbeordnung betr., vom 30. Juni 1900; hier: die Konzessionspflicht für das Gewerbe der Pfandleiher, Pfandvermittler, Gesindevermieter und Stellenvermittler. Nach § 34 Absatz 1 der Gewerbe Ordnung in seiner vom 1. Oktober l. Js. ab gütigen Fassung ist außer dem Gewerbe der Pfandleiher auch noch dasjenige der Pfaudvermittler, Gesindevermieter und Stellenvermittler konzessionspflichtig geworden. Wir bringen dies mit dem Ansügen zur öffentlichen Kenntnis, daß Gesuche um Erlaubnis zum Betriebe eines der vorgenannten, bisher der Konzessionspflicht nicht unterliegenden Gewerbes von nun ab bei uns schriftlich einzureichen und daß bezüglich des Verfahrens bei Bescheidung solcher Anträge die Vorschriften in den §§ 53 und 54 der Vollzugsordnung zur Gewerbe-Ordnung vom 22. v. MtS. (Reg.Bl. S. 845) in Anwendung kommen. Hierbei weisen wir auf die Vorschriften in § 75a der Gewerbe-Ordnung hin, wonach Gesindevermieter und Stellenvermittler verpflichtet sind, das Verzeichnis der von ihnen für ihre gewerblichen Leistungen aufgestellten Taxen der Ortspolizeibehörde einzuretchen und in ihren Geschäftsräumen an einer in die Augen fallenden Stelle anzuschlagen. Diese Taxen dürfen zwar jederzeit abgeändert werden, bleiben aber solange in Kraft, bis die Abänderung der Polizeibehörde angezeigt und das abgeänderte Verzeichnis in den Geschäftsräumen angeschlagen ist. Die Gesindevermieter und Stellenvermittler sind ferner verpflichtet, dem Stellesuchenden vor Abschluß des Vermittlungsgeschäfts die für ihn zur Anwendung kommende Taxe mitzuteilen. Zuwiderhandlungen gegen diese Bestimmungen werden nach § 148 Abs. 1 Ziffer 8 und § 149 Abs. 1 Ziff. 7a der Gewerbe-Ordnung mit Geldstrafe und im Unvermögensfalle mit Haft bestraft. Gießen, 12. Oktober 1900. Großherzogliches Kreisamt Gießen. v. Bechtold. Gießen, 12. Oktober 1900. Betreffend: Wie oben. Das Grobherzogliche Kreisamt Gießen «u das Grotzh. Polizeiarut Gieherr nub die Großh. Bürgermeistereien der Landgemeinden des Kreises. Sie wollen vorstehende Bekanntmachung ortsüblich veröffentlichen, den Befolg der in § 75a gegebenen Vorschriften überwachen und in Fällen von Zuwiderhandlungen Strafanzeigen erstatten. _______v. Bechtold,__________________ Bekanntmachung. Nachdem durch Händler vom letzten Viehmarkt in Gießen die Maul- und Klauenseuche in mehrere Orte unseres Kreises aufs neue eingefchleppt worden ist, sind wir im Emv-rnehm-n «itGroßh. Sreisoeterinäramt Gi-ß-n genötigf, den für ben am 23. und 24. ds. Mts. in Gießen vorgesehenen Vtehmarkt zu verbieten. Gießen, den 11. Oktober 1900. Großherzogliches Kreisamt Gießen v. B e ch t o l d. Haushaltungsschule in Nieder-Ofleiden. Die Haushaltungsschule in Nieder-Ofleiden eröffnet am 1. November ihren 5 monatlichen Kursus, in welchem jungen Mädchen aus dem Bürger- und Bauernstände Gelegenheit geboten wird, das Kochen, Waschen, Bügeln, Stricken, Nähen, Ausbessern, Anfertigen einfacher Kleidungsstücke und alle Hausarbeit gründlich zu erlernen, um jiir den Beruf als Hausfrau tut eigenen Hause vorgebildet zu sein, oder im fremden Haushalt eine thatkräftige Hilfe sein zu können. Die Haushaltungsschule steht int Zusammenhang mit der Wirtschaftlichen Frauenschule in Nieder-Ofleiden und wird von einer geprüften Lehrerin geleitet. Die Lernzeit ist auf d/'der 10 Monate festgesetzt. Längere Ferien sind nur Awt^chen den einzelnen .Mrfen, und Weihnachten bis zum *• ^anuar. Der Preis für einen 5 monatlichen Kursus beträgt für Schülerinnen, welche in der Schule wohnen 170 Mk., monatlich 34 Mk. voraus zu zahlen. Sic erhalten dafür Unterricht und vollständigen Unterhalt. Für Schülerinnen, welche mir den Tag über in der Schule sind und Unterricht, Mittag- und Abendessen nebst Nachmittagskaffee erhalten, wird der Preis von 100 Mk. für einen Kursus berechnet, monatlich mit 20 Mk. voraus zu bezahlen. Mit zu bringen sind: 1 Sonntagskleid, 2 Arbeitskleider, 4 Hemden, 4 Paar Strümpfe, 2 Nachtjacken, 6 Taschentiicher, 4 Schürzen, 1 Paar Hausschuhe, 1 Paar- derbe Halbschuhe, 1 Paar Stiefel, Unterröcke, 1 Arbeitskasten (mittelgroß), 1 Kammkasten und 1 Zahnbürste. Für die Handarbeitsstunde ist anzuschaffen von der Schule auf Rechnung der Mädchen: Stoff zu 1 Druckkleid, Stoff zu 2 Schürzen, Stoff zu 1 Nachtjacke, Stoff zu 1 Hemd (Mannshemd), Stoff zu 1 Frauenhemd, Stoff zu Nähtuch. Anmeldungen müssen bis zum 15. Oktober gemacht werden; erfolgt nad) der festen Anmeldung der Besuch der Schule nicht, so ist für 2 Monate voller Pensionspreis zu zahlen!. Die Wirtschaftliche Frauen schule zu Nieder-Ofleiden. ______D o r e t t e ^Freifrau Schenck zu Schweinsberg. Der Heldenkampf eines Jahres. Sieben Monate hat es gewährt, bis die gefürchtete Macht des Napoleonischen Frankreichs und die von der Leidenschaft der Verzweiflung zusammengescharten Heeres- massen der Republik zerschmettert am Boden lagen. Heute ist ein ganzes Jahr vergangen seit dem Tage, da der Krieg in Südafrika begann und der Ausbruch der Feindseligkeiten in der Depesche angekündigt wurde, daß die Buren in Natal eingerückt seien. Und noch immer nicht „ruhen Helden und Klingen im Zelt nach geschlagener Schlacht", noch immer kämpfen, trotz aller Manifeste und Prokla- ntationen ruhmrediger Generale, die verachteten Buren gegen die britische Uebermacht, und selbst Chamberlain, der Mann mit der eisernen Stirn, der ein Meister wurde in der Kunst der politischen Lüge, muß sich der Thatsache beugen, daß ein ganzes Jahr nicht hingereicht hat, um ein kleines Volk unter die Macht eines Weltreiches zu zwingen. Es ist ein wundersames, an tiefer Tragik reiches, aber dennoch erhebendes Schauspiel, das sich seit einem Jahre vor unseren Augen aufgerollt hat, seit jenem Tage, da der greise Joubert an die Königin von England die ergreifenden Worte richtete: „In demütiger Bitte zu dem Allmächtigen will ich nimmer glauben, Ew. Majestät würden es zulassen, daß die geheiligten Rechte eines schwachen, friedliebenden Volkes in Ihrem Namen verletzt werden, und daß ganz Südafrika versetzt werde in Kummer und Trauer". Der greise Joubert büßt seinen Irrtum im Grabe, und mit ihm ruhen Tausende und Abertausende in dem Boden von Natal, Transvaal und des Freistaates. Unabsehbares Elend ist über ein friedliches, gottesfürchtiges Volk gekommen, Ruinen erblickt das Ange, wo es sonst auf blühenden Anwesen ruhte: daheim aber, in Sicherheit Londons, da berechnet der Schuldige die Millionen, die er gewann, und ein Volk, das nichts Höheres kennt, als den geschäftlichen Erfolg, blickt bewundernd zu ihm auf. So schauten einst die karthagischen Semiten zu ihrem Götzen auf, in dessen glühenden Rachen sie sinnverwirrt ihre Kinder schleuderten. Hat doch fast jeder neue Tag neue Enthüllungen gebrach! über die Triebfeder, die vor einem Jahre jene ungeheure Maschine in Bewegung setzten, unter derxu vernichtendem Druck jetzt ein Land zermalmt wird. Es ist ein Krieg der Spekulanten, der dort unten geführt wird, wie er um Kuba, wie er um Tonking geführt wurde, und die Aktie ist es, deren Wert das Blut der Männer und die Thränen der Mütter steigern mußten. So ruht im fernen Westen, unter den üppigen Blüten einer schrankenlosen Vegetation, ein ganzes Armeekorps tüchtiger Franzosen, die einst auszogen, den Riesenplan von Panama zu vollenden und die dennoch nicht als Opfer der Wissenschaft starben, die mit ihren Leibern nicht ein hoffnungsreiches Zukunftsfeld düngten, die ihr Leben Hingaben, damit die Taschen der Spekulanten sich füllten. An der Börse vollziehen sich die Geschicke der Nationen und in der Hand der Spekulanten ruht das Nichtschwert des Schicksals. Gewiß, Cham ber'lain und sein Schatten Salisburt), haben mit vollen Tönen das Burenvolk von Transvaal als den Friedensbrecher hingestellt, sie haben versucht, die Ver- , antwortung vor Gott und der Geschichte von ihren ; Schultern abzuwälzen, aber Gott läßt sich nicht irren und unsehlbar und gerecht waltet die Geschichte. Seit der bur lesken Flibustierfahrt Jamcsons, die unter dem heiligen Lachen der Welt in dien Spritzenhäusern von Pretoria endete, war die Bahn per Ereignisse klar gezeichnet, dem ersten Schurkenstreich konnte nur eine Politik der ruchlosen Abenteuer folgen. Als die ersten Wolken des drohenden Wetters her aufzogen, da schon konnte man sich beut Ergebnis der kalten Ueberlegung nicht verschließen, daß die ungeheure wirtschaftliche Ueberlegenheit nach menschlichem Ermessen den Engländern zuletzt p en Sieg sichere, auch die größte Tapferkeit vermöge nichts gegen das ökvnomisck)e Zwangsgesetz. „Aber der Preis des Sieges wird teuer sein", sagte man sich, „teurer als die Volksmassen es träumen mögen, die jetzt die Straßen von London durchziehen und in blinder Leidenschaftlichkeit nach dem Kriege schreien. Und gerade hierin, gerade in der Möglichkeit, daß der Kamps um Transvaal zuerst das riesenhafte Gebäude englischer Weltherrschaft erschüttert, liegt der universale Charakter des heraufziehenden Krieges. Denn der Krieg wird mit niederdeutscher Zähigkeit geführt werden und mit jener nachhaltigen Kraft, die 'jtur das Bewußtsein verleiht, für Haus und Hof und für die nationale Existenz zu streiten. Die Glut der Begeisterung wird die Scharen Krügers beseelen, aber nicht die Truppen der Königin, deren Phantasie vielleicht erhitzt werden mag durch die Diamantfelder und die Goldminen von Transväal, deren Nerven aber nicht das Vertrauen auf sittliche Zwecke stählt". Und Wort für Wort hat sich erfüllt: erfüllt hat sich auch das Wort des grauhaarigen Mannes, der jetzt in Lourenzo Marques weilt: „Wenn die beiden Republiken in Englands Besitz übergehen sollen, so wird hierfür ein Preis gezahlt werden, über den die Menschlichkeit betroffen sein wird". Wir haben nur lückenhafte Berichte über die Verluste, die England zu tragen hatte, wir erfahren nur wenig von dem, was in Wahrheit sich auf der Schaubühne des Krieges abspielt: aber alles Ausweichen und alles Lügen kann dic Thatsache nicht verbergen, daß eilte ganze englische Armee vernichtet worden ist, und daß noch immer die sichere Kugel der Burenflinte ungezählte Opfer fordert. Noch niemals wohl hat die bewußte Lüge so ehnisch den Markt okkupiert, wie jetzt, wo die Wahlpolitik die Entzündung der Leidenschaft des Jingotums erforderte, wo man Depeschensiege gewann, die niemals die Wirklichkeit kannte, wo man von Niederlagen schwieg, die einst die Geschichte ernhaft registrieren wird. Wenn Wepener, Ronxville und Ficksburg wiederum in den Händen der Buren sind, Botha, Dewet und Delareh neue Scharen sammelten, so will es dünken, als erbleiche von neuem die britische Siegessonne, als solle noch einmal dem Rausche die blasse Klage folgen. Die Wahlen sind vollendet: So mögen aus den Archiven der Minister die Depeschen emporsteigen, die von den Niederlagen des „ritterlichen" Roberts erzählen, dann mag die Welt und das englische Volk es erfahren, daß mit papierenen Proklamationen ein Heldenvolk nicht bezwungen und seine Freiheit nicht gemordet wird. Ein Jahr lang flammt jetzt die Fackel des Krieges, und noch immer will ihr blutiger Schein nicht erlöschen. Wir aber stehen zur Seite, stolz auf die Kraft der Stammesbrüder, froh aber auch des Anblicks, der uns geworden. Mag Fichtes Wort, daß immer notwendig die Begeister ung über den siegt, der nicht begeistert ist, daß nicht die Gewalt der Arme, noch die Tüchtigkeit der Waffen, sondern die Kraft des Gemütes es sei, welche Siege erkämpft, — mag dieses Wort des von nationaler Leidenschaft durch- glühten Philosophen auch nicht so sich erfüllen, wie landläufige Banalität es auffassen mag, so hat den Kern des Gedankens doch auch der Burenkrieg erwiesen: Eüi Volk von Hirten und Farmern hat durch ein Jahr der größten Weltmacht widerstanden und noch immer liegt es nicht am Boden. Das ist ein Sieg, glanzvoll und erstaunlich, und es bleibt ein Sieg, auch wenn der letzte Kämpfer siel, wie die Helden von Thermophlae nicht als Besiegte, sondern als Sieger in unserem Gedenken leben. Aus Stadt und Land. Gießen, den 13. Oktober 1900. -t- Großen Linden, 12. Oktober. Vor einigen Tage« wurde einem hiesigen armen Arbeiter in der Nacht eine Gans gestohlen. Als morgens die Frau des Arbeiters die Gänse füttern wollte, bemerkte sie zu ihrem Schrecke», daß eine fehlte. Sie eilte sofort zu ihrem Manne, der in der Nähe arbeitete und teilte ihm die Sache mit. Er verließ nun sofort seine Arbeit, ging zum Bürgermeister und machte von dem Dorgesallenen Anzeige. Bei einer statt- sundenen Haussuchung bei dem Wirt P. sand man de« Kopf der Gans. Am nächsten Tage fand man den Rumpf der Gans in dem Nachbargarten des bestohlenen Arbeiters. Am Hals waren in ein Stück Papier cingewickelt 1,50 Mk. angebunden. -n- Friedberg, 12. Oktober. Heute fand hier die Hauptversammlung der Bezirks Sparkasse „Mathildenstist" statt, aus der die Rechnung für 1898 vorgelesen und der neue Voranschlag beraten und scstgesetzt wurde. Die Rechnung schließt mit einer Einnahmesumme von 3463 679,29 Mk., während sich die Ausgaben auf 3386007.90 Mk. belaufen, so daß ein Einnahme'Ueberschuß von 77 671,39 Mk. erzielt wurde, der zum großen Teil für wohlthätige Zwecke verwendet wird. Das „Mathilden- stift" führt getrennte Kassen für Friedberg und Butzbach und beläuft sich der Einnahme-Ueberschuß für Friedberg auf 52504.18 Mk., für Butzbach auf 25167.21 Mk. An Zinsen gingen bei beiden Kassen ein von Darlehen auf Obligationen 163626.55 Mk., auf Wertpapiere 5442.05 Mk., am Schuldscheine über 500 Mk. 16006.87 Mk., bis 500 Mk. 7498.31 Mk., bis 50 Mk. 14.14 Mk., von Kaufschillingen 84398.29 Mk. Die Einlagen betrugen 1862 907.21 Mk. Lurückempfangen wurden auf Obligationen 400 992 Mk., auf Wertpapiere 178171.50 Mk., auf Schuldscheine über 500 Mk. 158503 Mk., auf solche bis 500 Mk. 58749.26 Mk., auf solche bis 50 Mk. 124 Mk. An Kanfschillingen wurden 351811.62 Mk. zurückempfangen.?,' An Unterstützungen wurden 15 795 Mk. ausgegeben. Die Ausgabe der Einlagezinsen beziffert sich auf 211770.90 Mk., die der zurückbezahlten Einlagen auf 1246016.72 Mk. Neu auSgeliehen wurden auf Obligationen 952456.43 Mk., aus Schuldscheine über 500 Mk. 144390 Mk., unter 500 Mk. 42530 Mk. Die Ausgabe für Kaufschillinge betrug 709582.90 Mk. Dem Gesamtvermögen von 6964 344.73 Mk. stehen 6680 403.04 Mk. Schulden gegenüber. Es verbleibt mithin ein Reservefond von 283941.69 Mk. Dieser wurde im genannten Jahr durch Erhöhung um 16106.83 Mk. auf diese Summe gebracht. Im Voranschlagsentwurf für 1901 sind die Einnahmezinsen mit 4 und 4i/2 pCt., die Ausgabezinsen mit 3*/4 und 4 pCt. berechnet. Darmstadt, 12. Oktober. Die hiesige Handelskammer beschloß in ihrer letzten Sitzung, dem am 21. Oktober in Mainz stattfindenden hessischen Handelskammertag folgende von Fabrikant W. Langenbach vorgeschlagene Resolution zu beantragen: Der Hessische Handelskammertag spricht sich gegen das System eines Maximal- und Minimaltarifes aus. Er richtet an die großherzogliche Staatsregierung das Ersuchen, bei der Neichsregierung dahin zu wirken, daß den Beratungen des Reichstages über Feststellung eines ZolltarifeS der leitende Gedanke zu Grunde gelegt werde: bei den künftigen Verhandlungen mit den Vertragsstaaten Konventionaltarife zu vereinbaren und an Hand derselben langfristige Tarifverträge — gegebenen Falles mit der Klausel der Meistbegünstigung abzuschließen. Mainz, 11. Oktober. Dre vereinigten städtischen Kommissionen beschlossen, den Vertrag mit der S ü d d e u t - Ich en Eisenbahn-Gesellschaft im Jahre 1904 nicht mehr zu erneuern und den Straßenbahnbetrieb von diesem Zeitpunkte ab in städtische Regie zu übernehmen. Ein Antrag der freisinnigen Fraktion, mit allen Mitteln bei der Regierung dahin zu wirken, daß die Konzessionen für die noch nicht gebauten Linien bis zur preußischen Grenze nur der Stadt verliehen werden sollen, wurde ebenfalls angenommen. Die Stadt Darmstadt, die in Bezug aus ihre Dampsstraßenbabn das gleiche Interesse wie Mainz verfolgt, und die Landtagsabgeordneten sollen ersucht werden, bei der Regierung für den Konzessionserwerb einzutreten. In der nächsten Woche soll in Gemeinschaft mit den hiesigen Landtagsabgeordneten nochmals eine Sitzung abgehalten werden. Frankfurt a. M., 12. Oktober. Heute vormittag wurde die internationale Kochkunst-Ausstellung eröffnet. Die Protektorin, Prinzessin Friedrich Karl von Hessen, weilt augenblicklich bei der Kaiserin Friedrich und hatte in letzter Stunde ihr Erscheinen zum Eröffnungsakt absagen lassen. Der erste Vorsitzende des geschäftssührenden Vorstandes, Hotelbesitzer I. W. Ehrenfels, begrüßte die Anwesenden mit einer Ansprache, in der er hervorhob, daß die Veranstaltung ein anschauliches Bild dessen biete, was sich in den gesteckten Grenzen einer Kochkunst-Ausstellung zusammenfassen ließ. Im Namen des Ehrenpräsidiums eröffnete Oberbürgermeister A dickes die Ausstellung. Der Eintritt in die sehr geräumige Ausstellungshalle erfolgt durch ein geschmackvoll ausgesührtes Portal. Dasselbe befindet sich am nördlichen Ende der großen Rodek'schen Halle. Diese ist mit der Restaurationshalle des Ausstellungsplatzes durch einen Zwischenbau verbunden worden und so bildet das Ganze einen Ausstellungsraum von beträchtlicher Ausdehnung, deffen Gesamtfläche rund 20000 Quadratmeter beträgt. Der Gesamteindruck der Ausstellung ist ein recht vorteilhafter. Die Aussteller, unter ihnen namentlich die großen Firmen, haben in der Ausstattung ihrer Stände, Logen und Pavillons gewetteifert, um auch einem verwöhnten Publikum wirklich Neues, Gediegenes, Anziehendes zu bieten. Besonders stark ist die Herd- und Osen- f ab r Nation für Hotelbetrieb vertreten, daneben findet man bedeutende Kollektivausstellungen von Nahrung«-, Genuß- und Würzmitteln, Getränken aller Art und Maschinen für Wirtschasts- und Hausbetrieb. Musikautomaten, Billards und andere Mobilien für Restaurants vervollständigen das Bild. Die kulinarische Abteilung wird durch eine Anzahl von Prunktaseln repräsentiert, bte in ihrer Ausstattung den höchsten Ansprüchen genügen dürften. Allgemein herrschte heute bei der Eröffnung die Meinung vor, daß die heutige Ausstellung ihre Vorgänger weit in den Schatten stelle. Frankfurt a. M., 12. Oktober. Man schreibt der „Franks. Ztg.": Das schwere Eisenbahnunglück bei Heidelberg führt außer den schon mitgeteilten Betrachtungen über die Ursachen des Unfalls und die Verwendung junger ungeübter Fahrdienstbeamter an verantwortungsvollen Posten, die Fahrordnung und Lage der Lokalzüge rc. auch noch zur Erörterung eines weiteren, unseres Erachtens nach sehr wichtigen Punktes: Der Ausflugsverkehr im Umkreis großer Städte wie Frankfurt, Straßburg, Stuttgart, München ist bekanntlich an Sonn- und Feiertagen im Sommer enorm. Während nun die Frequenz im Lause des Vor- und Nachmittags sich mehr verteilt, drängt das Publikum abends in der Zeit von 7 bis 10 Uhr zu den in die Stadt zurück- führenden Zügen, die deshalb in großer Zahl und dichter Folge verkehren muffen. Der Verkehr wird von Jahr zu Jahr gesteigert; nun ist es aber auf den Hauptstrecken mit starkem Schnellzugsverkehr nicht mehr möglich, noch weitere Lokal- oder Vorortzüge einzuschalten. Dieselben müssen deshalb immer größer gestaltet werden, sie erleiden hierdurch Verspätungen, werden von Schnellzügen überholt und oft stehen die Züge lange Zeit vor den Stationen und Blocksignalen, was, wie der letzte Unfall beweist, gerade am gefährlichsten ist. Die Bahnverwaltungen müssen sich angesichts dieser Verhältnisse entschließen, im Umkreis großer Städte den Fremdenverkehr vom Nahverkehr zu trennen und für Lokal- und Vorortzüge eigene Geleise herzustellen, auf denen diese Züge zu befördern find. Nur hierdurch ist eine bessere, raschere und gefahrlosere Abwicklung des Ausflugsverkehrs großer Städte möglich. Oerichtssaal. -l. Gießen, 12. Oktober. (Schöffengericht.) Zwei hiesige Bauunternehmer, die zugleich Ziegeleibesitzer sind, sowie deren drei Geschäftsleiter sind angeklagt, eine größere Anzahl jugendlicher Arbeiter über die gesetzlich zulässige Arbeitszeit hinaus beschäftigt und auch die gesetzlich vorgeschriebenen Ruhepausen gekürzt zu haben. Da jedoch die Besitzer der Ziegeleien ein Verschulden hierbei nicht trifft, so muß mit Rücksicht auf § 151 der Gewerbe- Ordnung deren Freisprechung erfolgen. Die Betriebsleiter hingegen, die ihr Verschulden damit zu rechtfertigen suchen, daß sie für Regentage, an denen sie ihre Leute überhaupt nicht beschäftigen könnten, dennoch den gleichen Lohn zahlen müßten, und deshalb gezwungen wären, das dadurch Versäumte bei gutem Wetter nachzuholen, erhalten eine Geldstrafe von 10 Mk. — Es wird demnächst das Urteil in der Privutbeleidigungsklage eines hiesigen Geschäftsmannes gegen einen seiner früheren Gehilfen und den Redakteur der deutschen Handelswacht verkündet, das auf Freispruch von Strafen und Kosten lautet. In einer Nummer des genannten Blattes war dem betreffenden Kaufmann, der seinen Untergebenen Kost und Logis selbst stellt, vorgeworfen worden, daß die von ihm gelieferte Kost zu wünschen übrig ließe >rnd nicht ausreichte, die Behandlung nicht entsprechend und auch die Reinlichkeit, insoweit sie sich aus Lieferung der Handtücher erstrecke, zu beanstanden sei; auch wurde ihm übermäßige Beschäftigung seines Personals vorgeworfen. Die vernommenen Zeugen, insoweit sie dem weiblichen Personal angehören, klagen wohl über allzu geringe Abwechselung, die das Essen bietet, meinen aber, daß es im ganzen als ausreichend bezeichnet werden könne, wie sie auch meist der Meinung sind, daß das alle 14 Tage gelieferte Handtuch im allgemeinen ausreiche, und über übermäßige Beschäftigung im allgemeinen nicht zu klagen sei. Anderer Meinung sind dagegen die Gehilfen, die mit verschwindenden Ausnahmen Klage führen, daß das Mittagessen in der Regel aus Rindfleisch bestehe und der für das Abendessen gelieferte Käse entschieden zu knapp sei. Als wundesten Punkt bezeichnen die betreffenden Zeugen die Maßnahme seitens ihrer Prinzipalität, daß sich dieselbe Samstags abend von jeder Person 2 Pfennig vergüten ließe, wenn anstatt der üblichen Portion Käse für 10 Pfg. Wurst verlangt wurde. Der juristische Vertreter des Privatklägers hält die seinem Mandanten in dem inkriminierten Artikel gemachten Vorwürfe, in denen er sämtlich eine Beleidigung seines Klienten erblickt, keineswegs als erwiesen, legt aber den Schwerpunkt seiner Anklage auf die Thatsache, daß der fragliche Artikel unter der Spitzmarke „Schwarze Liste" erschienen sei, und daß in dem genannten Blatte, das eine antisemitische Tendenz verfolge, gesagt sei: Inhaber des Geschäftes ist der Jude N. N. Derartige Ausschreitungen gingen entschieden über den Rahmen einer objektiven öffentlichen Kritik. Der Verteidiger dagegen bat, auf Freisprechung zu erkennen, da ihm der Beweis der Wahrheit als erbracht erscheine, und weder in der fragt. Spitzmarke noch in der Bezeichnung Jude eine Beleidigung zu erblicken sei. In diesem Sinne ist denn auch das heute verkündete Urteil frei- sprechend ausgefallen. — Einem Tagelöhner aus Lollar, der in Taubringen ein dienstliches Verhältnis eingegangen war, es aber ohne jeglichen Grund böswillig gelöst hatte, war, nachdem eine Aufforderung zur Rückkehr in seinen alten Dienst erfolglos geblieben war, auf Antrag des geschädigten Dienstherrn mit Rücksicht auf Art. 18 der Gesinde-Ordnung ein Strafbefehl in Höhe von 20 Mk. zugestellt worden. Hiergegen hatte er Einspruch erhoben, der indes heute kostenfällig verworfen wurde. — Die Ehefrau eines Tagelöhners aus Lindenstruth, die in ärmlichen Verhältnissen lebt, hatte, um ihre pekuniäre Lage zu verbessern, einen Handel mit Bettfedern angefangen. Woher sie die Federn bezog, läßt sich durck die heutige Beweisführung nicht feststellen, wohl aber oie Thatsache, daß unter den verschiedentlich gelieferten Federn mehr oder weniger gebrauchte sich befanden. Die Angeklagte wird wegen Vergehens gegen § 263 St.-G.-B. in anbetrachi ihrer seitherigen Unbescholtenheit nur mit einer Geldstrafe von 15 Mk. belegt. Der Amtsanmalt hatte eine Gefängnisstrafe von 1 Mochte gegen die Betrügerin beantragt. — Zum Schlüsse wird in einer Privatbeleidigungsklage, der ein Vorfall, der sich am 29. Juli ds. Js. in der Mihlgasse ereignete, zu Grunde liegt, wegen mangelnden Beweises auf Freisprechung erkannt. , . G. C. Gießen, 12. Oktober. (Strafkammer) Die Strafkammer verhandelte in der heutigen Sitzung zunächst über die Berufung des Hermann Seitz zu Grun- berg in seiner- Privatklagesache gegen Ludwig Z ruß e r Ii. von da wegen Beleidigung. Der Letztere war vom Schöffengerichte Grünberg von der ihm zur Last gelegten Beleidigung der Ehefrau und Tochter des Privatklagers freigesvrochen worden. Nach Eintritt in die Beweisaufnahme beantragt der Verteidiger des Angeklagten Einstellung des Verfahrens, indem er ausfuhrte, daß die Privatklage von dem Ehemann bezw. Vater der Beleidigten kraft eigenen Rechtes erhoben worden sei. Da die Tochter des Privatklägers großjährig sei, habe zunächst nach der durch das Einführungsgesetz zum Bürgerlichen Gesetzbuche bewirkten Aenderung des § 65 Str.-G.-B. der Vater lischt mehr das Recht, selbständig Strafantrag zu stellen, sodann I sei die Ladung des Angeklagten zum Sühneversuch, der 1 gemäß § 420 Pos. L Str.-Pr.-O. der Erhebung der Privatklage vorausgehen mußte, durch die Ehefrau und Tochter- des Privatklägers erfolgt, diese beiden auch auf der Be- schemigung des Bürgermeisters über den fiattgehabte« Suhneversuch als Ladende angegeben, hiernach habe ein Sühneversuch zwischen den Parteien, wie ihn § 420 Str.-Pr.-O. fordere, nicht stattgehabt. Der Ver- treter des Privatklägers widersprach diesem Antrag, indem ™ der Namen der Ehefrau und Tochter des Privatklagers auf dem Sühneprotokoll für ein entschuldbares Versehen des Bürgermeisters erklärte. Das Gericht schloß sich, den Ausführungen des Verteidigers an und erkannte auf Einstellung des Verfahrens. — Der Fuhr- knecht Georg Thomas von Ober-Seibertenrod, dahier bedienstet, ist geständig, am 7. September 1900 dahier mit seinem Fuhrwerk in scharfem Trabe von dem Güterschuppen die Hammstraße heruntergekommen und durch den Viadukt nach der Westanlage eingebogen zu sein, hierbei an der Biegung der Straße den Ludwig Dietz von Großen- Linden, der ihm mit einem Karren entgegen kam, überfahren zu haben, so daß der genannte drei Wochen arbeitsunfähig war. Durch die Beweisaufnahme wurde weiter festgestellt, daß der Angeklagte mit dem Gesichte nach der Längsseite des Wagens auf demselben saß. Das Gericht erachtete den Angeklagten einer fahrlässigen Körperverletzung im Sinne des § 230 Str.-G.-B. für schuldig und verurteilte ihn in eine Geldstrafe von 30 Mk. event. 6 Tage Gefängnis. — Als letzt eSache kam die Anklage gegen Heinrich Baier von Haiger, einen vielfach vorbestraften arbeitsscheuen Menschen, wegen Diebstahls und Betrugs zur Verhandlung. Dur ch'die Beweisaufnahme erachtete das Gericht den Angeklagten der ihm zur Last gelegten Strafthaten für überführt und verurteilte ihn in Berücksichtigung der Vorstrafen unter Einbeziehung einer von der Strafkammer zu Wetzlar ausgesprochenen Zuchthausstrafe von 2 Jahren, in eine Gesamtzuchthausstrafe von 4 Jahren 4 Monaten, sowie ferner für jeden der 3 dem Angeklagten zur Last gelegten Betrugsfälle in eine Geldstrafe von je 150 Mk. event. je weitere 30 Tage Zuchthaus, die Nebenstrafen auf Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte und Zulässigkeit der Stellung unter Polizeiaufsicht, waren bereits durch das Urteil der Straf- kammer Wetzlar ausgesprochen worden. Auszug aus den Standesamtsregistern der Stadt Gießen. Aufgebots. • Oktober 4. Christoph Adolph Banse, Feldwebel dahier mit Lisette Dorothea Emilie Kümmerling in Günthersleben. 6. Johann Zacharias Ernst Haubach, Hotelier dahier mit Marie Gerhard Hierselbst. 9. Fritz Czekay, Schlaffer zu Altendorf mit Karoline Hartmann Hierselbst. Georg Karl Kreuder, Prokurist dahier mit Elisabeth Sophie Raabe Hierselbst. 10. Johann Friedrich Wenzel, Hausbursche dahier mit Marie Keil geb. Hamel, Witwe von Kutscher Johannes Keil dahier. Emil Hambsch, Fabrikant zu Bruchsal mit Johanna Elisabethe Emma Moll Hierselbst. Gheschlietzungen. Oktober 6. Hugo Rudolph Friedrich Julius Engel, Kaufmann dahier mit Marie Elisabeth Sartor von Großen-Linden. Jakob Müller, Fabrikarbeiter dahier mit Christine Pieh von Ilschhausen. 9. Dr. Adam Wendel Heußel, Pfarrer in Flonheim mit Marie Schraub Hierselbst. «edoreue. Oktober 3. Dem Schneider Hermann Fleischer eine Tochter, Marie. 6. Dem Professor Dr. Friedrich Wilhelm Sievers ein Sohn, Hermann Emil Richard Heinrich. Dem Packmeister Johannes Stehling eine Tochter, Elfriede Anna Margarethe Elise. Gestorbene. Oktober 8. Christian Faß, 56 Jahre alt, Bäckermeister dahier. 10. Marie Mandler, 2 Jahre alt, Tochter von Ausläufer Karl Mandler dahier. Philipp Uhl, 68 Jahre alt, Photograph dahier. 6-T 6-15. 4. 4.50—4.5t. 8. 6-12. 14. Mostäpfel . . Tafelbirnen . Kochbtrnen . Zwetschen . . Brennzwetschen Pfirsiche . . Rüffel . . . Handel uud Verkehr. Volkswirtschaft. Frankfurter Börse vom 11. Oktober. Wechsel auf Kew-York zu 0.00-00. Pr&mfen auf Kredit per ult. Okt. 1.60%, do. per ult Novbr. 3.00 %, Diskonto-Kommandit per ult. Okt. 1.50%, do. per ult. Norbr. 3.00%, Lombarden per ul*. Okt. 0.00 %, do. per ult. Novbr. 1.00%. Deutsche Bank 0.00% Kotierungen: Kreditaktien 201.30-50-000.00, Dtakonto- Kommandit 168.90-169.50-000-00, Staatsbahn 137.80-000, Lombarden 24.50-00, Italiener 93 90, Spanier 71.20-00, Spree Merikaner 25.80. Bochumer 168.20-30-20-169 70 bz., Laura 189.0000 bz. G., Harpener 171.70-80-70-172 60-50-172.60 bz., Gelsenkirchen 180.50-80-50 bis 181.70 bz., Privat-Diskont 4%% „ _ _ nzx/x , 1% bl 2% Uhr: Kreditaktien 201.60-90-70.000 bz., Dis- kocto-Kommandit 169.50-170-169.80 bz., Staatshahn 138-137.10 bz. Lombardes 24.50-00.CO b., Laura 000.00, Berliner Handelsgesellschaft 000.00 bz.. 3proz. Mexikaner 00.00 bz , 3proz. Portugiesen 00.00-00 bz., Ottomanbank 107.50 bz , Bochumer 000.60 bz., Deutsche Bank 182.70-8.50 bz., Harpener 172.70 80 bz. ObstdrrrchschuittSpreise vom 8. Okt. 1900 (die Preise verstehen sich bei sofortiger Lieferung): Aepfel, je nach Sorte . . der Eenkier Mk. 7—15. KochSpfel........ • " Frankfurt a. M., dm 8. Oktober 1900. «entralstelle für Obftverweriirrrs. Getreide. . Bei weiter nachgebeudm amerikanischen Forderungen, denen sich übrigens die dec anderen Exportländer nicht int gleichen Maße äuge schloss en habm, verlief das Gctreidegefchäft in ruhiger ^"Utmung. Die Mühlen ,-igi-n nur schwach- Sxufluft, d°» »"den wir, sobald sich nur di-Lag- wi-d-r g.kliirl hat, -in-recht reg« B-darM-ge be° kommen. Rogg-n -benf-lls -twaS billtg-r. Haf-r »i-mlich uu- o-ränd-rt. S-rft- pr-ishalt-nd. M°'s °bu- b° ondereV-rrnd-rnng. Di- h-utig-n Notierungen sind: Kansas. 2 3» L184.b 8.136, Ktb* Winter 2, 135 bis 136, Laplata ^6, Mdruss. Weizen 130 bis 146, ruman Weiten 134 dis 145, ruff. Roggen 105 btS 111, amertk. SSfet lof ruff. Hafer 100 bis 115, Futtrrgerste 103, Mixed Mais 97 per Tonne cif Rotterdam. Laufe der Berichtswoche ging es im Einkäufe ruhig zu, es scheinen sich die Gemüter etwas abgekühlt zu haben. In neuen Tabaken wurden die Orte Schriesheim zu Mk. 22 bis 24, Lampertheim zu Mk so bis 32 auöverkauft. Letzterer Ort, der als Herbstort schon früher reif ist als die Cigarrentabake, weist sehr vielen faulen Tabak auf und ist teilweise noch mit Speckrippen vermischt abgehängr worbe*. SBenn diese Orte faulen Tabak besitzen, ist dies kein gutes Zeichen f*c hie Ciaarettentabake, er wird da jedenfalls in noch größerem Maße Vorkommen alten Tabaken wurden verschiedene Posten Einlage tmo Einlage mit Umblatt zu Mitte Mk. 30 bis 40 umgesetzt. Rach alter, -«trivvter. gutbrennender Einlage ist vermehrte Nachfrage, doch sind outbrennende und «schmeckende Sachen nur noch wenig vorhanden. Die Linwieaung der Haardt- und rheinbayerssch Oberländer Sandblatt findet eben statt fie fallen in Qualität gut aus, aber faule Ware findet sich dock auck darunter. Mit dem Herbstsandblatt ist man weniger zufrieden. Pfälzer Rippen geschäftslos, feine Mk. 9, gebündelte Mk. 10 bis 11. Hopfen. Das Geschäft bewegte sich während der Berichtswoche ebenfalls in sehr mäßigen Grenzen und war hauptsächlich für Exportware etwas vermebrte Nachfrage. Mit Vorliebe entnahm man dem Markte zu diesem Zwecke fränkische Ware und legte hierfür bls zu Mk. 75 an. Bessere und feine Hopfen finden geringere Beachtung trotz nachgebenden Preisen. Die Umsätze sind nicht besonders groß. In Baden fanden während der Berichtswoche ziemlich belangreiche Umsätze ber Ländlern statt es wurden Mk. 80 bis 100 bezahlt. Württemberg verfügt über sehr viel Mittelware, prima erzielte bis Mk. 110, mittel Mk. 60 bis 70. Am Elsaß fanden während der Berichtswoche ziemlich belangreiche Umsätze statt, es wurden Mk. 70 bis 90 erzielt. Biehmürkte. Die Märkte standen auch während der vergangenen Woche unter dem Einflüsse der iSr-elttischen Feiertage; c8 kmwte sich, da bk Ländler nirgends vertreten waren, allenthalben kein Geschäft entwickeln und beschränkten sich die Käufe nur auf daS Notwendigste. Prima Schlachttiere fanden wie immer flotten Absatz bet vorwochtgen Preisen, während mittlere Qualitäten fast gar keine Beachtung fanden. Kälber waren sehr begehrt und fanden gutaemästete Schweine schlanken Absatz. Der Handel in Schafen und Lämmern ist nach wie vor sehr schleppend. Ueberall war großer Uederstand zu verzeichnen, doch hofft man, daß in kommender Woche sich daS Geschäft wieder belebt. Kohlen. ES notieren: Ruhr-Fettnuß Körnung I und II Mk. 270 bis Mk. 280, Nußschmiedekohlen Mk. 250 bis Mk. 260, Deutsche Anthracit-Nußkohlen Mk. 360 biß 370, englische Anthractt-Nußkohlen Mk. 430 biS Mk. 440, Ruhr-Flammnuß Körnung I und II Mk. 260 bis Mk. 270, Rubr - Flammnußkohlen III Mk. 250 bis Mk. 260, Fettschrot Mk. 225 bis Mk. 235, Rubc-BruchcokS Mk. 360 bi« Mk. 380, AussiebgrieS Mk. 170 bis Mk. 180. Alles per 10 To. ad Mannheim. Da der Wasserstand des RheineS andauernd knapp ist, beginnen die Zufuhren nach Mannheim immer spärlicher zu werden, und muß schon seit einiger Zeit der direkte Bahnversandt ab Zech- vermittelnd eingreifen und dt«8 umsomehr, als Schiffsfracht und Schlepplöhne vom Ruhrgebiet hierher die Durchfchnittssracht um zirka 25 Mk. per 10 Tons übersteigen. Ob die preußischen Staats- Etsenbahnrn den Andrang nach direkter Waggonbelieferung werden bewältigen können, oder ob durch Wagenmangel die Situation wieder verschärft werden wird, bleibt adzuwarten. Auf jeden Fall aber übersteigt die Nachfrage noch daS Angebot weitaus. Nie kann der Kranke sich rasch erholen nnd kräftigen? Man setze seinen Speisen „Torll“ zu; wenn der Kranke feste Speisen nickt vertragen kann, bereite man eine kräftige Suppe nur aus ToriL — Die Schmackhaftigkeit des Torll ermöglicht die Aufnahme auch beim appetitlosesten Kanten und wird deffen Appetit in kurzer Zeit gehoben. — Torll ist die leichteste Nahrung, der ganze Nährstoff geht ins Blut über nnd befärdert die Genesung. „Torll“ ist Fleischextrakt aus bestem Ochsenfleisch mit kräftigenden und nahrhaften Substanzen. 4380 BÖ* Man verlange überall „Torll“. *1 Bekanntmachung. Der die Stadtarmen behandelnde Arzt, Herr Dr. Heichelheim, wohnt Alieestrahe 19. Bestellungen für Stadtbesuche Armer werden von 9 Uhr vormittags Lis 1 Uhr mittags in der medizinischen Klinik und außerhalb dieser Zeit in der Wohnung des Herrn Dr. Heichelheim entgegen genommen. Gießen, den 9. Oktober 1900. 6694 Die Armen-Deputation der Stadt Gießen. Wolff. __________ Konkursverfahren. Im Konkursverfahren über da» V-rmögen des Kaufmanns Carl Orbig in Firma Emil Orbig in Gießen habe ich das Verzeichnis der bei der Schlußverteilung zu be- rücksichtigendm Forderungen auf der Gerichtsschreiberei Großh. Amtsgerichts Gießen zur Einsicht der Beteiligten niedergelegt. Die Summe der nicht bevorrechtigten Forderungen beträgt hiernach Mk. 29124.84 Pfg., während die verfügbare Masse sich auf Mk. 3166.73 Pfg. berechnet, sonach 10%% zur Auszahlung kommen. 6745 Gießen, den 12. Oktober 1900. Emil Fischbach, Konkursverwalter. Die Herstellung von etwa 18000 qm Basalt - Reihenpflafter und die Lieferung von rd. 1800 cbm Basaltpflastersteinen 2. Sorte, die Lieferung gegebenenfalls auch geteilt, soll am «amStag dem 80. Oktober 1900, vormittags il Uhr, bei der Unterzeichneten öffentlich vergeben werden. Bedingungen und Angebotmuster können von dort gegen post- und bestellgeldfreie Einsendung von 3 Mark bezogen werden. Angebote sind mit der Aufschrift .Pflasterung auf Bahnhof Gießen" versehen bis zum genannten Termin postfrei einzusenden. 6727 Gießen, den 11 Oktober 1903. Großh.Hess. Eisend -Betriebs-Inspektion 1. Kosuerstag den l8.Molitt 1900, nachmittags 2Vr Uhr, sollen auf dem hiesigen Ortsgericht die der Friedrich Führer Wwe. und Kinder in Gießen gehörigen Immobilien: Flur 1 Nr. 26t>Vio — 129 qm Hofraite auf dem Seltersweg, Flur 1 Nr. 266»/10 — 6 qm Stallgrund daselbst erbverteilungshalber freiwillig unter den bei der Versteigerung bekannt gemacht werdenden Bedingungen versteigert werden. Gießen, 10. Oktober 1900. Großh. Ortsgericht Gießen. ____________I. A.: Bogt.________6705 Mittwoch brn 17. Moder d. I., nachmittags 27- Uhr, w«en bte den Karl Sack I. Eheleute «eben gehörigen Grundstücke: Flur 3 Nr. 181 == 1531 qm Acker auf dem Leufertsröder Weg, " na " 'or = ^31 qm Acker daselbst * 29 " 25 = 1400 qrn Acker auf der Weißerde, * 4 " ~ 1619 Acker am ffii6matet Steg, über dem Schwalbachrschen Acker, w 28 159 = 1069 qm Wiese auf dem Sandkauteiweg und Heegstrauch, 28 „ 160 und 122 = 5581 qm Wiese daselbst, , 28 „ 160a = 600 qm Wiese das., 9 28 „ 190,7 — 894 qm Acker zwischen dem Sandkauter- und Erdkauterweg, , 28 „ 190a = 850 qm Acker das., , 18 „ 47 — 2356 qm Acker am Wetzlarer Weg im Eisenfeld, „ 23 „ 22 — 788 qm Acker am Schlangenzahl, beimZollstock, „ 83 „ 44 — 2219 qm Acker am Heegstrauch, unter den alsdann bekannt gemachtwerden' den Bedingungen nochmals öffentlich freiwillig erbverteilungshalber meistbietend versteigert werden und wird bei annehm- darem Gebot der Zuschlag sofort erteilt. Gießen, den 12, Oktober 1900. Großh. Ortsger'ckt Gießen. Gros. 6722 Uuipfchliiiuini Täglich frisch gekellterten 6615 IrpMiirosl empfiehlt E. Roth II. Wallthorstr. 5. Neues Grünkorn Neue Linsen Neue Heringe Nene Rollmöpse Neues Sauerkraut Neue Essiggurken empfiehlt bestens Robert Stuhl, 6519__________NerrSadt 28._______ Rßk« Traubenmost empfiehlt [6265 F. Schott, Bahnhofstraße. Ist. holl. Vollheringe per Stück 7 Pfennig. Bismarkheringe, Sardinen, Rollmöpse (frisch eingetroffen) Corued-Beef im Ausschnitt per Pfd. Mk. 1.— 6596] empfiehlt PH. Herrmann, Seltersweg 33. Soeben eingetroffen: Berliner Rollmöpse Bismarck-Heringe Marinierte Heringe Rass. Kronsardinen Sardinen in Gel Sardellen 6682 alles in feinst, neuer Ware h. Knlkhof. 66061 Frisch gekelterter Apfelmost. M. Schäfer, Grünbergerslraße 6. CO 03 CO 0 c 0 0 0 0 0 0 0 8 0 0 v ,chl°n Sie für ein Pfund doriüal. 6 Q «-»st" »■ unerreicht« Qualität bei H g Warb! 4,3,3». Schulhof, «ki. 119. » OOOOOQOaOOOQQ für Minderjährige ä 5 Pf., 10 Pf., 15 Pf., 25 Pf. empfiehlt 6598 H. Kühn, Papier- u. Geschäftsbücherhandlung. 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