Nr. 240 Drittes Blatt. Sonntag den 14 October 150. Jahrgang LDOO Gießener Anzeiger General-Anzeiger Erscheint täglich mit Ausnahme des MonlagS. Die Gießener Kamikieußtätter werden dem Anzeiger im Wechsel mit „Hess. Landwirt" u. „Blätter für Hess. Volkskunde" wdchtl. 4 mal beigelegt. Alle Anzeigen-Bermittlungsstelle« des In- und Ausländer nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger entgegen. Zeilenpreis: lokal 12 Pfg., auswärts 20 Pfg. ZLcz«gsj>,eis viertcljährl. Mk. 2,20 monatlich 75 Pfg. mit Bringcrlohn; durch die Abholestellex vierteljährl. Mk. 1,90 monatlich 65 Pfg. Bei Postbezug Mk. 2,40 vierteljährl. mit Bestellgeld. Annahme von Anzeigen zu der nachmittags für den folgenden Tag erscheinenden Nummer bis vorm. 10 Uhr. Abbestellungen spätestens abends vorher. Aints- ttitb Anzeigeblatt für den Areir Gieszen. Redaktion, Expedition und Druckerei: Kchnkstraße Ar. 7. Gratisbeilagen: Gießener Familienblätter, Der hessische Kandwick, Klätter für hessische DalKsKunde. Adresse für Depeschen: Anzeiger Ließen. Fernsprecher Nr. 51. Die englische« Neuwahlen. DaH englische Unterhaus zahlt im ganzen 672 Wlit* glieder. Bon diesen sind bisher 551 gewählt worden. 121 Wahlen stehen mithin noch aus und werden erst bis zum 15. Oktober vollständig erledigt sein. Indessen können diese 121 noch ausstehenden Wahlen an dem Endergebnis umsoweniger etwas ändern, als sie fast ausschließlich in ländlichen Kreisen zu vollziehen sind, und das bisher gewonnene Bild von der Zusammensetzung des neuen Unterhauses nicht im geringsten verschieben werden. Wahrscheinlich werden sogar die Konservativen aus diesen letzten Wahlen noch eine weitere Verstärkung gegenüber der Opposition davontragen. Das bisherige Ergebnis entspricht durchaus den allgemeinen Erwartungen. Zwar lehrt die parlamentarische Geschichte Großbritanniens, daß dort der Ausfall allgemeiner Neuwahlen noch unberechenbarer ist, als in anderen konstitutionellen Staaten, und oft genug schon erstaunliche Ueberraschungen gebracht hat. Es sei nur daran erinnert, daß im Jahre 1880 die Konservativen nach großartigen auswärtigen Erfolgen bei den Neuwahlen eine unerwartete Niederlage erlitten. Noch im Sommer 1878 war Disraeli nach seiner Rückkehr vom Berliner Kon- .greß, auf dem er gegenüber Rußland bedeutende Erfolge errungen hatte, von Königin und Volk wie ein Triumphator empfangen worden. Der von ihm herbeigeführte Krieg gegen Afghanistan war ebenso erfolgreich gewesen und der inzwischen als Earl of Beaconsfield in Die Peerage erhobene Ministerpräsident fühlte sich in seiner Machtstellung so sicher, daß er in der Hoffnung auf eye neue starke Mehrheit im März 1880 das Parlament vorzeitig auflöste. Indessen war inzwischen ein Umschwung in d er Volksstimmung eingetreten. Die auswärtige Politik hat sich in ihrer Größe zugleich als sehr kostspielig erwiesen und die große Mehrheit der damals poch nicht vom imperialistischen Taumel ergriffenen Wähler wandte sich von den Konservativen ab. Die Neuwahlen brachten eine große liberale Mehrheit und Beaconsfield mußte zu- vücktreten. Trotz aller auswärtigen Erfolge hatte ihn das Volk fallen lassen und seinen Gegner Gladstone wieder auf den Schild gehoben. Aeußerlich bot die heutige Lage Großbritanniens eine bedeutende Ähnlichkeit mit der damaligen und deshalb war ja die Möglichkeit nicht schlechthin von der Hand zu weisen, daß auch diesmal, den Machthabern unerwartet, ein Umschwung eingetreten sein könnte. Freilich, wer näher zusah, mußte durchgreifende Unterschiede zwischen damals und heute erkennen. Disraeli hatte gegen den ebenbürtigen Gegner Gladstone zu kämpfen, der entschlossen und ohne Winkelzüge die imperialistische Politik Beaconsfields be- I kämpfte. Chamberlain hatte das Glück, daß ihm kein hervorragender Gegner gegenüberstand. Auch bekämpften die Liberalen diesmal nicht die allgemeine Regierungspolitik, verurteilten sie nicht den Raubkrieg gegen Transvaal, sondern richteten die Opposition nur auf Einzelheiten und bekämpften mehr die Person, als die Politik Chamberlains, der ihnen überdies rechtzeitig auf dem Gebiete der inneren Politik den Wind aus den Segeln genommen hatte. Vor allem aber ist das englische Volk inzwischen in seiner überwiegenden Mehrheit so sehr vom Chauvinismus erfaßt und in den Bann einer rücksichtslos Recht und Menschlichkeit verachtenden, imperialistischjen Raubpolitik gezogen worden, daß schon dadurch das gegenwärtige Kabinett von vornherein gewonnenes Spiel hatte. Wenn vorher noch irgend ein Zweifel in dieser Hinsicht bestanden haben sollte, so steht es nunmehr unzweifelhaft fest, daß die weit überwiegende Mehrheit des englischen Volkes der Chamberlainschen Gewaltpolitik blindlings folgt und zustimmt. Am deutlichsten tritt dies in der Thatsache zu tage, daß gerade diejenigen liberalen Kandidaten, die diese Politik und insbesondere die Annexion der Burenstaaten grundsätzlich verurteilt haben, bei den jetzigen Neuwahlen die meisten und empfindlichsten Niederlagen erleiden mußten. Nur die irischen Nationalisten, welche die gleick)e Stellung einnahmen, haben sich trotzdem siegreich behauptet. Aber in Irland bestehen Ausnahmezustände und jene Ausnahmen bestätigen daher nur die Regel. Das englische Volk hat zuGunsten der von Chamberlain vertretenen Gewaltpolitik entschieden. Das ist eine jetzt bereits unumstößliche Thatsache, m i t d e r man einfach jure^nen hat. Ihr gegenüber verschlagen vorläufig alle Enthüllungen nichts, die Chamberlain blosgestellt haben und zu anderen Zeiten in England auf lange hinaus unmöglich gemacht haben. Der Khakitaumel verschlingt alles andere, auch diese niederschmetternden Enthüllungen. Bezeichnenderweise ist nicht Chamberlain daran zu Grunde gegangen, sondern Stanhope, sein heftigster Gegner, der seinen Landsleuten die Augen darüber zu öffnen suchte, wie der „Gentleman" beschaffen ist, der die Seele des jetzigen englischen Kabinetts sein darf. Seinen Landsleuten.' denn die übrige Welt wußte schon lange, wes Geistes Kind dieser gewissenlose Joe Chamberlain ist. Aber seine englischen Landsleute wollten es nicht wissen und ließen denjenigen, der ihnen diese unwillkommene Wissenschaft beibringen wollte, fallen, während sie Chamberlains Stellung neu befestigten. Die politische Welt wird damit rechnen und sich abzufinden haben, daß in den nächsten sechs oder sieben Jahren die auswärtige Politik Großbritanniens thatsächlich von Chamberlain geleitet werden j werden wird. Die englische Nation, die früher gegen ‘ Unrecht und Gewalt leichter reagierte, liegt heute willenlos dem rücksichtslosesten Vertreter von Gewalt und Unrecht zu Füßen. Sie ist, wie dieser Tage ein alter liberaler Parlamentarier in einer Londoner Wahlversammlung ingrimmig erklärte, vollständig „verchamberlaint". Gewiß wird auch dieses bösartige Fieber, das die große Mehrheit des englischen Volkes seit Jahr und Tag erfaßt hat, mit der Zeit verblassen. Wenn erst eine gewisse Ernüchterung eingetreten, die Rech,nung für Transvaal vorgelegt sein und daneben gehalten werden wird, was Großbritannien durch- diese Raub Politik an Achtung und Ansehen in der ganzen übrigen Welt eingebüßt hat, dann wird sicher eines schönen Tages die Krisis eintreten, die zur Gesundung vom Chamberlainismus führen wird. Bis dahin aber wird man sich mit dieser schlimmen englischen Krankheit abzufinden haben und überall die Augen offen, halten müssen. Welche unliebsamen Ueberraschungen sie auch für andere Nationen bringen kann, hat ja zu Beginn dieses Jahres die Beschlagnahme deutscher Poftdampfer hinlänglich gezeigt. Man wird also Herrn Chamberlain in den nächsten sechs Jahren ganz besonders scharf im Auge behalten müssen. Vermischtes. Coblenz, 11. Oktober. Bei St. Goarshausen wurde vorgestern die Leiche des Johann Baum gelandet, der beim Binger Boots Unglück ertrunken war. Es. fehlen noch zwei Leichen. — Heute ist der Typhus auch beim 28. Infanterie-Regiment ausgebrochen. Vom 68. Re- ment sind heute 18 Soldaten neuerkrankt, insgesamt 106. * Berlin, 9. Oktober. Eine Versammlung aus Transvaal ausgewiesener Deutscher fand am Sonntag Nachmittag in KrammS Restaurant am Humboldt- Hain statt. Von den Versammelten gehören zwölf zu jenen 60 Deutschen, die am 15. Juni ds. Js. in Johannesburg auf Geheiß des englischen Oberbefehlshabers Lord Roberts gefangen genommen wurden. In beredten Worten schilderte einer der Anwesenden, Herr Robert Petersen, die Willkür und Rohheit bei der erwähnten Massenausweisung. Jahrelang in Johannesburg ansässige deutsche, österreichische und italienische Unterthaneu wurden ohne Grund von englischen Soldaten ssstgenommen, von Weib und Kind gerisieu und, ungeachtet ihres Einspruches, auf dem englischen Schiffe „Howerncastle" nach Blisfingen gebracht. Auf der 40 Tage dauernden Reise Warden die Gefangenen rücksichtslos behandelt und bekamen nur Kartoffeln und verdorbenes Fleisch Kerlmer Kries. (Plaudereien aus der Kaiserstadt.) (Nachdruck verboten.) Beim „Schellenkönig". — Das Rätsel des Koffers. — Dramatische Hexenmeister. — Sudermann auf Reisen. — Der „Baron" Hartlebeu und sein Erfolg. Der „Schellenkönig" ist ein Trumpf, den allabendlich Berlins erste Varietebühne, der Wintergarten, ausspielt und damit die Partie entschieden gewinnt. Es handelt sich bei diesem Schellenkönig jedoch nicht um die klingelnden Narrenglöckchen, sondern um solide, aus bestem Stahl geschmiedete Handschellen, wie sie den entgleisten Ueber- menschen, oder wenn Sie wollen, Verbrecl)ern mit mehr Sorgfalt als Liebe um die Gelenke gelegt werden. Mr. Houdini, „der Unfesselbare" beweist dem Publikum lächelnd, daß diese das Gruseln erregenden Sicherheitsvorrichtungen der lieben Polizei für ihn nichts weiter als kleine Scherze sind. Er läßt sich an Händen und Füßen anit den denkbar festesten Schellen, wie sie unsere Polizei für ihre ungeberdigsten Kinder in Gebrauch hat, fesseln, sodaß dabei Arme und Füße durch eine kurze Kette auf dem Rücken zusammen gehalten werden, und kommt nach wenigen Augenblicken lächelnd mit dem zweideutigen Spielzeug in der Hand hinter seinem Vorhang hervor. Das Publikum, das sich vorher üonl der Güte und Echtheit der ominösen Armbänder überzeugt hat, — Sachverständige sind auch für diese Artikel zu haben! —, famt genau beobachten, daß keine fremde Hand bei dem Befreiungswerk im Spiele ist, und da Houdini auch! vor der hochlöblrchen Polizei selbst seinerzeit eine Separat-Vorstellung gegeben hat und dabei auf den pfiffigsten Kommissar-Gesichtern den Ausdruck höchster Verblüffung hervorgezaubert haben soll, so muh diese seine Kunst wohl echt sein. Glücklicherweise verrät der Schellenkönig sein Geheimnis nicht; die ev. Kriminalstudenten, die in den Wintergarten kommen, müssen enttäuscht wieder abziehen! Das wäre mich ein böser Spaß für unsere gute Polizei, wenn diese Kunst allgemein würde, wie das Radfahren oder Klavierspielen! Es gehn ihr so schon genug durch die Lappen, die ein Recht auf Kost und Logis in Plötzensee und ähnlichen idyllischen Orten haben! — Zweifellos beruht der Trik Houdinis auf einer Abnormität seiner Muskeln und Gelenke. Er !muß im stände sein, die Hände derartig zusammenzudrücken, daß sie im Umfang den Unterarm nicht übertreffen, sodaß er schließlich durch jede Fessel hindurchp- zuschlüpfen vermag. Anders steht die Geschichte mit seinem Koffer, in den er sich, verschnürt und in einen Sack versiegelt, einschließen läßt. Aus dem noch obendrein mit Stricken umwundenen Kofferungetüm schlüpft er trotz allem heraus und in dem verschnürten Sack befindet sich seine Gehilfin, die scheinbar eben noch auf der Szene war. Aber der Koffer hat jedenfalls irgendwo ein heimliches Thürchen wie das brave trojanische Pferd seligen Angedenkens, und die hübsche blanke Gehilfin eine Zwillingsschwester. Zwar sagt Houdini, bieder lächelnd: „das sein wirklich eine ganz gewöhnliche Koffer!" Aber er sieht dabei doch so ungewöhnlich verschmitzt aus — und das Mädel erst! — daß man sich seine Gedanken macht! . . . Uebrigens gehören diese Wunderkoffer und ähnliche nette Hokuspokus-Artikel zu den beliebtesten Ausfluchtsmitteln unserer dramatischen Autoren. Es sitzt immer ein anderer im Koffer, als der angeführte Zuschauer denkt! Weiß der Teufel, tote sie's machen, diese Hexenmeister! Da war z. B. in dieser Woche der Premieren ein Schwank von Arthur PserHofer: „Die Butter- feite", die eigentlich eine wahre Kofferkomödie genannt zu werden verdient. Der Koffer ist allerdings ein möbliertes Zimmer, das von dem Freund eines heimlichen Pokerspielers bewohnt wird. Das glaubt das Publikum wenigstens. Nachher aber wohnt ein Fräulein Püringer darin, eines jener glücklichen Geschöpfe, die nie Miete bezahlen, weil das irgend ein älterer, edler Menschenfreund prompt für sie besorgt. Das vermutet wenigsteits das Publikum, das diesmal auf seinen Koffer aufgepaßt hat. Schließlich aber ist's auch die „kleine Püringer" nickst, sondern ein Polizeikommissar! Da haben Sie das Kunstwerk Houdinis gleich doppelt! Leider ist diese gar nicht üble Zimmer-Idee — das beste an dem Wiener Sck)wank — nicht Herrn Pserhofers Erfindung, sondern findet sich in einer der pikanten Erzählungen Heinz Trovota's fix und fertig vor, nur mit noch gesalzeneren Situationen. Auch Sudermanns Koffer hat seine geheime Oeffnung. In seinem am „Lessing-Theater" aufgeführten „JoHannis feuer" sind es die „für den Vater eingelösten Ehrenscheine", die die arme Marikka hinauseskämotieren und Onkels Trude an ihre Stelle bringen. Der Berliner Erfolg war trotz der verstauenden letzten Akte ein ziemlich gewaltiger. Sudermann hat eine große Gemeinde in Berlin Westen, so sehr er auch, zuweilen mit verdüsterter Miene über seine vielen Feinde jammert. Für die Premiere waren mindestens zehnmal so viel Plätze vor bestellt, als überhaupt im Theater vorhanden sind; und da die Sorina das „Johannisfeuer" durch ganz Europa trägt, wird es an Tantiemen auch diesmal nicht fehlen. Bereits ist Sudermann nach der Berliner Aufführung in Dresden gewesen und wird sich darauf die Sorma-Ausführungen in Holland ansehen. Er sammelt die Asche von feinem „Johannisfeuer", sagen die neidischen Kollegen, die auch gerne Millionär werden möchten, aber nicht so viel Talent urtd wohl auch nicht so viel — Feinde wie Hermann Sudermann haben. Einer hat's übrigens diesmal getroffen und wird sich demnächst die ersten Aktien kaufen können. Das ist der vom Figaro-Korrespondenten groß mütig baronisierte Otto Erich Hartleben, der beste Kenner des alten Angelus Silesius sowohl als des echten französischen Kognacs. Der durchschlagende Erfolg seiner Offi zierstragödie „R o s e n m o n t a g" im „D e u t s ch e n T h e ater" war für viele eine Ueberraschung. Denn Otto Erichs Dramen und Novellchen gingen bisher immer ein bischen über das Ziel dessen hinaus, was das liebe Publikum vertragen konnte, ohne sich moralisch, entrüsten zu müssen. Er hat sich ein wenig gemausert, zu seinem Glücke' Der „Rosenmontag" ist nicht nur bühnensicher, sondern auch bühnenfähig und wird den Spielplan auf eine ganze Weile beherrschen. Die unentbehrliche Kofferthür erscheint hier in Gestalt eines schnöde inszenierten Treubruchs, sodaß an die Stelle Traute's plötzlich die reiche Käthe erscheinen kann. Aber der tragische Ausgang, den hart leben zielsicher gewählt hat, hebt sein Stück weit über das unlustig flackernde „Johannesseuer"! .... A R. tfüx Nahruvg. Bor ihrer Abreise hatte« sie vergeblich den Schutz des deutschen Konsuls angerufen. Eine der AuS- gewiesenen erklärte, mit eigenen Augen gesehen zu haben, wie im^Villenviertel von Pretoria am 8. Juni d. I. englische Soldaten die deutsche Flagge herunterriffen und mit Füßen traten. Zehn von den Transvaalern haben bereits i» Berlin Beschäftigung gefunden. Die AuSgewiesenen richteten vor einiger Zeit eine Eingabe an das Auswärtige Amt mit dem Ersuchen, die englische Regierung zu veran-- kaffen, ihnen Schadenersatz zu leisten, und sie aus ihren Wunsch kostenlos nach Transvaal zurückzubefördern. Da Iris jetzt keine Antwort darauf erfolgt ist, beschloß die Versammlung, nochmals beim Auswärtigen Amte vorstellig zu werden und um möglichst schnelle Erledigung der Eiugade zu bitte». vor- * Berli n, 10. Oktober. Eine photographische Borführung eigener Art fand dieser Tage in dein «euen Atelier des Polizei-Präsidiums statt. Es sind nämlich mehrere Beamte der Kriminal-Polizei durch einen Photographen von Beruf in der Aufnahme von Verbrechern u. s. m. ausgebildet worden und diese Schwarzkünstler gaben nun nach beendetem Kursus ihr erstes Debüt vor den Ober-Beamten und den Kriminal-Kom- mrssaren. Ein erläuternder Vortrag ging der praktischen Handhabung der Apparate voraus. Die Moment-Auf- uahme der Verbrecher wurde früher in einem kleinen, Mnklen Zimmer des Erdgeschosses mittels Blitzlichtes Bewirkt, da die photographische Mahnung, „Bi t t e, r echt freundlich", auf die hier zu Fixierenden keinen Eindruck zu machen pflegt, dieselben sich im Gegenteil be- »uhen, möglichst unfreundlich dreinzublicken; ja, das besicht nach Möglichkeit zu verzerren. Unter den älteren * j Verbrecheralbums befinden sich denn «uch Bilder von Personen, an deren Köpfen mehrere Hände es sirrd die Hände der Beamten, welche den Heim Photographieren sich sträubenden Delinquenten festhalten mußten. Das Blitzlicht that hier gute Dienste, denn im Finsteren hielt der Verbrecher jede Verstellung Mr überflüssig, er erwartete die Aufnahme, die dann urplötzlich, ehe er sich dessen versah, geschehen war. In dem neuen Atelier wird nur bei Tageslicht gearbeitet, Uerlrch auch blitzschnell, denn ehe der Aufzunehmende sich Medersetzt, ist schon alles fix und fertig und sein Bild schon auf der Platte, wenn er glaubt, dahAS nun bald „Losgehen" werde. Die von der BeamWüschaft geführten Aufnahmen stellen der Geschicklichkeit der neu Ausgebildeten ein gutes Zeugnis aus: Die Bilder zeich- »eten sich durch große Schärfe und Korrektheit aus. Die neuen Einrichtungen erleichtern auch die schnelle Herstellung vieler 'Kopien, die oft an Hunderte von Polizeibehörden -esandt werden müssen. Die Behörden des Inlands, welche hur ihre Verbrecher-Alben alle hier aufgerwmmenen Pho- wzraphren wünschen, pflegen die Herstellungskosten zu er- Btzen. Vielfach werden im Polizei-Atelier auch $er> A?^'rungen und Verkleinerungen schon vorhandener Vilder hergestellt, und auch sonst wird der photographische Apparat der Kriminalpolizei durch Aufiwhmen von That- »rten, Fuß- und Blutspuren rc., noch gute Dienste leisten. * Eine Ehreu-Uhrmacherm. Marie v. Ebner- Eschenbach ist nicht nur Ehrendoktor, sondern auch Ehren-Uhrmacherin geworden. Sie ist bekannt als Sammlerin von Uhrwerken und hat ihr Interesse für Uhr macherei in der Novelle „Sötte, die Uhrmacherin" litterarisch bekundet. Zum Dank dafür hat die Wiener Uhrmacher- Genoffenschaft sie anläßlich ihres 70. Geburtstages zum Ehrenmitglied ernannt. Die gefeierte Dichterin sagt in ihrem Dankschreiben an die Genossenschaft: „Wenn ich in Ihrem edlen Kunstgewerbe auch nur eine armselige Dilettantin bin, habe ich doch die Fähigkeit, seine schönen Werke innigst bewundern zu können. Mit meinen wärmsten Wünschen begleite ich sein Gedeihen. Sie haben, verehrte Herren, meine große, von Kindheit an gehegte Sympathie für die Uhrmacherkunst belohnen wollen, indem Sie mir die Auszeichnung zuteil werden ließen, auf die ich sehr stolz mn und für die ich Ihnen von Herzen danke." * Einfi del es Gefängnis, „'s aiebt kein schöner «oen, als das Häftlingsleben" — so oder ähnlich muß me Haushymne der Strafanstalt von Fresnes lauten, deren Insassen nach einem viel üppigeren Speisezettel verpflegt werden, als der ist, den kürzlich der Vorsitzende der.An- Hedlungskommission für die Landarbeiter im Osten entworfen hat. Die Verwaltung der Strafanstalt von Fresnes hat, wie der „Voss. Ztg." aus Paris geschrieben wird, soeben die Lieferung ihres Bedarfs an Lebensmitteln für den kommenden Winter ausgeschrieben, und da lieft man mit fröhlichem Erstaunen, daß folgende Waren verlangt werden: 50 000 Kilo Lendenbraten vom Ochsen «nd Hammelkeule, 200 000 frische Eier, 145 000 Liter Rot- »mi, 2000 Kilo Butter, 105 Kilo Karamal (gebrannter tlSSL' Ainere Mengen Dörrpflaumen, getrocknete und Nüsse. Wenn Gefangene, die ihre Strafe K..8nmn? Verbrechen verbüßen, eine Verpflegung er- M°!kenheit man aus dieser Lieser- ungsausschreibung schließen kann, so ist die Zunahme der Mis^etbX?KU verwundern. Wo der Lohn • ?^ißbrot, Lendenbraten, Rothspon Butter reichlicher Nachtisch und leckere Zuckerplätzchen sind da muh die Bevölkerung entweder übernatürlich tugendhaft fetn, datz sie sich diese voriresslichen Dinae fa2fen kann, um nicht der Versuchung zu erliegen Sch durch ern Verbrechen das Recht aus die Ausnabme in Strafhaus von Fresnes zu sichern T m Präsident Krügers zutitnitiaer jflnhn Auf die Zeitungsmeldung, daß ein Schl^ßh^rr ” «nderlecht eme Besitzung dem Prä identen »rüg er zur Verfügung gestellt habe, begab sich dieser rage ^tn Mitarbeiter der „Jndependancc belqe" in die rransvaal-Gesandtschast zu Brüssel, wo der soeben aus zuruckgekehrte Dr, Leyds die Nachricht bestätigte Wenn der Präsident nach Europa kommen sollte, würde er m Triest oder in Marseille landen, um die Seereise so viel wie möglich abzukürzen; er würde während des Winters sicherlich in Brüssel Aufenthalt nehmen, da das feuchte Klima der Niederlande ihm sehr schädlich wäre. Der oben erwähnte Schloßherr ist Herr Oswald Gualtheri d'Aymeries. Er hat sich als Holländer von Geburt für den Heldenkampf der Bure« lebhaft interessiert und, als schlechte Tage für sie kamen, sofort den Entschluß gefaßt, ihrem freiwillig in die Verbannung gehenden Präsidenten ein gastliches Dach anzubieten. Herr d'Aymeries läßt bereits jetzt in einem ganzen Flügel seines Schlosses bedeutende Veränderungen vornehmen, um es wohnlicher zu machen. Er will das Schloß, wenn es nötig sein sollte, seme'm Gaste vollständig zur Verfügung stellen. Da das Schloß aber sehr groß ist, glaubt Sperr d'Aymeries, der es jetzt mit seinem jungen Sohne allein bewohnt, auch nach Krügers Einzug daselbst verbleiben zu können. Das Schloß Anderlecht, das an die Besitzung deS Herrn Vandenpeere- boom grenzt, stammt noch aus der belgischen Feudalzeit. Zuerst besaß es die Familie d'Antoing, dann kam es in den Besitz der Walcourt. Nachdem es dann noch von der Familie d'Aa und von dem Grafen Joseph Gabriel d'Espiennes bewohnt worden war, wurde es Eigentum der Familie d'Aymeries. Damäls befanden sich die Gebäude in einem so schlechten Zustande, daß sie zusammenzustürzen drohten. Oswald Gualtheri d'Aymeries ließ sie im Jahre 1899 restaurieren. Die Räume, im vlämischen Stil, sind mit vornehmem Luxus ausgestattet; besonders bemerkenswert sind die alten eichenen Truhen, die mit Kupfer eingelegt sind. Im ersten Stock befindet sich eine Reihe von großen Zimmern, darunter das sogenannte Leopolo- Zimmer, in dem der erste König der Belgier eine Nacht verbrachte. In diesem Stockwerk soll Präsident Krüger wohnen. Hinter dem Schlosse liegt ein sehr großer Park, keiner von den modernen englischen Parkanlagen, sondern ein Park, der in seinem etwas verwilderten Aussehen noch etwas Malerisches und Romantisches hat. Auf der ganzen Besitzung herrscht ein tiefer Friede, der nur von Zeit zu Zeit durch den Klang der Glocken der Saint Guidon-Ärche unterbrochen wird. A»stkü«»s der kiskiidshii-önrr-illdili!src erster Klaffe. Seit Einführung der Neuordnung der Staatseisenbahn-Verwaltung im Jahre 1895 wurde den Betriebs-Sekretären, welche die Anwartschaft zum Eisenbahnsekretär noch nicht besaßen, zur Darlegung des Befähigungsnachweises eine Frist von zwei Jahren zum nicht geringen Teil unter der* Vergünstigung einer erleichterten Prüfung — bewilligt. Diese Verwaltungsmaßnahme, die in kurzer Zeit die Anwärterzahl auf eine bisher nie erreichte Höhe von über 2000 brachte, mußte für die zum Eisenbahnsekretär geprüften Bureaudiätare eine ganz empfindliche, folgenschwere Schädigung Hervorrufen. Mehr als 700 Diätare 1. Kl. wurden durch die nachträglich zu Eisenbahnsekretären geprüften 1300 Betriebssekretäre in einer Weise in den Hintergrund gedrängt, daß ihre Anstellungsaussichten geradezu verzweifelt werden mußten. Thatsächlich sind in den letzten 6 Jahren von 700 Diätaren 1. Kl. kaum 60 zur etatsmäßigen Anstellung gelangt. Von den durch den Etat für 1900 geschaffenen 204 Eisenbahnsekretärstellen hat kein einziger Diütar eine solche erhalten. Nach Maßgabe der zeitigen Anstellungsgrundsätze fielen die neuen Stellen fast ausschließlich den etatsmäßigen Anwärtern, d. h. den Betriebssekretären zu. Die seit dem Jahre 1895 erfolgte Stellen Vermehrung hat somit den Diätaren 1. Kl. f a st gar keinen Nutzen gebracht, sondern ist hauptsächlich den -etatsmäßigen Betriebssekretären zu gute gekommen. AuS Rechts- und Billigkeitsrücksichten hätte den älteren Diätaren 1. Kl. für den Verlust der Anstellung als Betriebssekretär von vornherein ein angemessener Teil der in Zugang gebrachten Stellen Angewiesen werden sollen. Die mit Wirkung vom 1. Mai o. I. zur Beseitigung der unhaltbaren Zustände getroffene Maßnahme, den Diätaren 1. Kl. von den frei werdenden und sonst neu hinzukommenden Stellen jährlich einen Anteil von ein Drittel zu vergönnen, kam, an den trostlosen Verhältnissen nichts bessern. Dabei ist eine durchgreifende Besserung der Lage der Diätare um so dringender, als die älteren Jahrgänge jetzt schon in einem Lebensalter bis zu 35 Jahren auf eine 10- bis 12jährige Dienstzeit zurückblicken und in die verzweifelte Lage nur durch Verwaltungs-Maßregeln hineingedrängt worden sind. Bei keiner einzigen anderen Beamtenklasse der Eisenbahnverwaltung und der übrigen Staatsverwaltungen überhaupt sind derartige Anstellungsgrundsätze geschaffen, daß bereits etatsmäßige Beamte oen Diätaren die zu besetzenden Stellen streitig machen. Obwohl schon lange in weiten Kreisen, insbesondere auch der Abgeordneten, die Ueberzeugung besteht, daß hier sobald wie möglich Wandel geschaffen werden muß, so sind doch bis jetzt alle Bestrebungen der Eisenbahn-Verwaltung auf Verbesserung der Lage der Diätare an dem beharrlichen Widerstände der Finanzverwaltung gescheitert. Aus finanziellen Gründen wird alljährlich der Einwand des „Mangels eines sachlichen Bedürfnisses" geltend gemacht, um eine größere Zahl von Etatsstellen eiuzubringen. Daß jedoch ein sachliches Bedürfnis in hohem Maße vorhanden, ist durch die That- sache bewiesen, daß seit längerer Zeit über 2000 Eisenbahn- ekretär-Anwärter mit den wichtigeren und schwierigeren Geschäften der Eisenbahnsekretäre betraut sind. Dies wird auch von der preußischen Staatsregierung unumwunden zugegeben (vgl. Erklärung des Regierungsvertreters in der Sitzung des Abgeordnetenhauses vom 10. Juni 1899) und durch den Erlaß des Eisenbahnministers betr. die dienstliche Verwendung der Eisenbahnsekretär-Anwärter in Eisenbahnsekretärstellen betätigt. Das Mißverhältnis zwischen der Zahl der Etats- tellen für Eisenbahnsekretäre und der hierauf Anwart- chaft besitzenden Betriebssekretäre und Büreaudiätare I. Kl. (2800:2000) muß schon aus Rechtsgründen endlich beseitigt werden. Ueberdies ist die Einrichtung des Diä- tariats nur eine Einrichtung der Zweckmäßigkeit, um die Diätare nach der Prüfung noch eine gewisse Probezeit durchmachen zu lassen, die aber nicht durch das jeweilig vorliegende größere oder geringere sachliche Bedürfnis nach Etatsstellen bedingt wird. Nach der Erklärung des Finanzministers in der Sitzung des Abgeordnetenhauses vom 15. Januar 1893 sollen die Diätare, wenn sie eine vierjährige Probe- un d Wartezeit zurückgelegt haben, auch darauf rechnen können, b a l d i n e i u e e 1 a t s m ä ßi g e S t e l l e e i n z u - rücken. Solange jedoch für die älteren Jahrgänge der Diätare I. Kl. noch 1300 Betriebssekretäre als Mitbewerber um die zu besetzenden Eisenbahnsekretärstellen in Frage kommen mußte« sie, wenn leine baldige Aeuderung erfolgen sollte, nicht wie jetzt schon eine Wartezeit vo« 8, eXsvu-!?xaj,u 20 und mehr Jahren vor sich Ä/' S renc dieser langen Zeit müßten sie ohne auf Gehaltszulagen, ohne Wohn- ^S^9bldzu)chuß ohneAnspruch aufPension ^.^/brblrebenen fürs org e bleiben. Alle -e- etÄsrnüßigen Anstellung entbehren zu pm hCfl< ^eren Büreaudiätare I. Kl. um f» t'T<,er/ fte großenteils verheiratet rT genügen Drensteinkommen von höchstens 1800 Mk für sich und ihre Familie zu sorgen haben. Auf Kosten der a teren Diätare I. Kl. ist seit 1895 das prozentuale Verhältnis der etatsmäßigen Stellen zu den diatarischen vollständig verschoben, und sind damit auch die Etatsgrundsätze hinfällig geworden. Da in Den letzten Zähren einige Hundert jüngere Diätare, die die Prüfun-a zum Eisenbahnsekretär nicht abgelegt oder nicht bestände» haben, nach verhältnismäßig kurzer Wartezeit als Be- triebssekretäre bezw. Assistenten angestellt worden sind, ist Die Gesamtzahl der diätarisch beschäftigten Beamten zu Ungunsten der Büreaudiätare I. Kl., Die daher um so langer warten, wesentlich gesunken. Der Einwand de« Eisenbahnverwaltung gegen eine umfangreiche Stellenver- mehruiig, es seien im Verhältnis zu den 2800 Etatsstellen nur 700 Diätare vorhanden, ist offenbar nicht stichhaltig. Nachdem die Zulassung zum Büreaudienst gesperrt in, können doch sicherlich die Büreaudiätare I. Kl. nicht au» dem Grunde noch länger von der etatsmäßigen AnstellunO als Eisenbahnsekretäre ausgeschlossen bleiben, weil narl de« — jetzt unhaltbaren — Anstellungsgrundsätzen eG Fünftel deS Gesamtbüreaupersonals außer- etatsmäßig sein soll. Gegen die mit Recht viel, beklagten, allseits anerkannten Not- und Mißstände giebt es nur, wie die „Rhein.- Westf. Ztg." schreibt, eine wirksame Hilfe: die Durchführung der aus Billigkeitsrücksichten von dem Eiseirbahnministe» einmal für 42 Diätare I. Kl. betätigten Maßnahme z» Gunsten der übrigen 700 Diätare I. Kl., die in gleicht Notlage sind und gleiche BilligkeitsrücksichteM beanspruchen können, die Maßnahme der vorzugsweise n Anstellung bei gleichzeitiger größerer Stellen- vermehrung. UnioersltA und Hochschule. — Wie Berliner Blätter mitteilen, ist Geh.-Rat Robert Koch auf seiner Studienreise zur Erforschung der Malaria, die ihn über Deutsch- Ostafrika, Indien, die Südsee bis nach Deutsch.Neu^Guinea geführt hat, jetzt in Hongkong eingetroffen. Dort gedenkt er einige Tage zu verweilen und dann die Rückreise nach Deutschland anzutreten. — Der Orientalist Geh.-Rat Prof. Dr. Dieterici beging das 50jähr. Jubiläum als Profeffor an der Berliner Universität. Der Jubilar, der fast 80 Jahre alt ist, war der Gegenstand zahlreicher Aufmerksamkeiten von Kollegen, früheren und jetzigen Schülern usw. — Aus Würzburg wird vom 9. ds. geschrieben: Eine Anzahl Profefforen der hiesigen Universität hat sich bereit erklärt, öffentliche Vorträge zu halten, um ein geistiges Bindeglied zwischen Universität und weiteren Kreisen der Bevölkerung herzustellen. In jedem Jahre soll mindestens ein Ciklus von 6 Vor- l^Ungen stattfinden; der heurige beginnt am 24. Oktober. Vorträge halten die Profefforen Wien (Physik), v. Frey (Physiologie), Mayer (Deutsches Recht), Hantzoch (Chemie), Wilcken (Geschichte) und Dr. Dieu- donne (Hygiene). Die Einnahmen fließen der Universitäts-Reliktenkaffe zu. — Wie aus Hannover mitgeteilt wird, beginnt die dortige, iwt Jahr 1b99 unter dem Namen Mädchengymnasium eröffnete gymnasiale Schule des Vereins Frauenbildungsreform nächste Ostern ihren dritten Jahrgang, indem sie den beiden jetzt bestehenden Klaffen Obertertia und Untersekunda die Obersekunda hinzufügt. Anmeldungen werden unter der Adreffe „herein Frauenbildungsreform, Hannover, Laves- straße 67fl entgegengenommen. — Man schreibt aus Freiburg i. Br.: An Stelle des nach Stuttgart gehenden Professors Häcker wurde Dr. Guenther zum Assistenten am Zoologischen Institut der hiesigen Universität ernannt. — Aus Wien wird berichtet: Mit der Vertretung der durch den Tod des Hofrats Prof. Dr. Eduard Albert erledigten ersten chirurgischen Universitätsklinik im Allgemeinen Krankenhause ist der Abteilungsvorstand an der allgemeinen Poliklinik in Wien, Prof. Dr. Julius Hochenegg, einer der Schüler Alberts, betraut worden. — Man schreibt aus der Schweiz: Zum a.-o. Profeffor der Physiologie an der Dominikanerlehranstalt Freiburg (Schweiz) ist an Stelle des au die Universität Lille übersiedelnden Profeffors M. Arthus Dr. med. CH. Dhsrv ernannt worden. — Aus Brüssel wird gemeldet: Als Märtyrer der Wiffenschaft sind die belgischen Gelehrten Ermengen und Voituron nach Brüssel heimgekehrt. Die belgische Regierung hatte sie nach Glasgow entsendet, um dort die Pestfälle zu studieren. Die beiden Herren wollten das Heilblut des Dr. Metschnikow im Pariser Pasteur-Institut erproben. Auf den Rat d-s Gelehrten ließen sie sich das Serum einspritzen und, immun geworden, besuchten die sie verpesteten Quartiere. Beide Aerzte liegen nun aber in Folge der erhaltenen Heilbluteinspritzungen schwer krank danieder._________________ Kmlst und MUenschaft. Der Bereit» deutscher Zahnkünstler eröffnet am 1ö. Oktober in Berlin eine Fachschule, in der sich die Gehilfen von Zahnärzte« und Zahnkünftlern für die selbständige Ausübung des Zahnkünstler- berufes vorbereiten können. Die Schule, deren Einrichtungs- und Unterhaltungskosten sämtliche in Deutschland existierenden Vereinigungen von Zahnkünstlern und Dentisten tragen, ist nach Art der amerikanischen Dental Colleges eingerichtet. An derselben wirken ein Arzt, ein Chemiker und zwei Zahnkünstler als Lehrer. Aufnahmefähig sind nur solche junge Leute, die mindestens 18 Jahre alt sind, und eine dreijährige Lehrzeit bei einem Zahnarzt oder Zahnkünstler absolviert haben. Der Vollkursus dauert 2 Semester, gelehrt wird Anatomie, Chemie, Metalltechnik, Kautschuktechnik und Plombieren. Rach Absolvierung des Vollkursus und nach bestandener Abgangs-Prüfung wird den Schülern ein. Zeugnis einer Prüfungskommission, die von allen deutschen Zahnkünstler- Vereinigungen gewählt ist, ausgehändigt. Die Schule ist nicht mit bereits bestehenden öDschästsunternehmen zu verwechseln, sondern dient lediglich dem Zwecke der Hebung des Zahnkünstlerstandes, weshalb auch von den Angehörigen desselben eine jährliche Subvention von 2000 bi& 3000 Mark geleistet wird. Interessenten wollen sich an den Verwaltungsrat, Berlin, Stralauerstr. 18, wenden. Schrsssnachrichten. Der Pofidampfer „Switzerland^ der „Red Star Linie", in Ant- werpm, ist laut Telegramm am 10. Oktober wohlbehalten in New-York angekommen ZHarfus Bauer Spezial-Geschäft in feiner Herren-Garderobe. Anfertigung nach Maff in eigener werkstätte. Gießen, ttirchenplag u. 5 ISS Bekanntmachung. In Gemäßheit des Art. 23 des Volksschulgesetzes bringen wir hier- durch zur allgemeinen Kenntnis, daß die Fortbildungsschule Montag den 15. Oktober I« I., im TtadtkuabenfchuShanse an der Nordanlage beginnt und von genanntem Tage an wöchentlich zweimal abgehalten wird. Zum Besuche derselben sind alle Knaben verpflichtet, welche während der letzten drei Jahre aus der Volksschule entlasien wurden und sich hier aushalten. Der Unterricht findet von 3 bis 5 Uhr nachmittags, bezw. von 5 bis 7 abends statt. Es haben sich einzufinden: Montag den 15. Oktober, nachmittags 8 Uhr: Alle schulpflichtigen Kaufleute, sowen dieselben nicht die kaufmännische Fachschule besuchen, Schreiber, Schriftsetzer, Buchbinder, Geometer, Photographen, Graveure, Lithographen, Friseure, Sattler, Schneider, Kellner, Ausläufer, Gärtner, Bäcker. Montag den 15. Oktober, nachmittags 5 Uhr: Alle schulpflichtigen Maurer, Steinhauer, Zimmerleute, Dachdecker, Spengler, Schlosser, Schreiner, Glaser, Weißbinder, Lackierer, Tapezierer, Mechaniker und alle sonstigen Bauhandwerker. Dienstag den 16. Oktober, nachmittags 5 Uhr: Alle schulpflichtigen Schuhmacher, Warner, Schmieoe, Fabrikarbeiter und alle übrigen Schulpflichtigen. Unter Hinwris auf Art. 25 des Volksschulgesetzes, wonach Lehr« Herren, Dienstherren und Arbeitgeber ihren Lehrlingen, Dienern und Arbeitern die zum Besuche der Fortbildungsschule nötige Zelt bei Meldung polizeilicher Strafen etnzuräumrn haben, ersuchen wir die Genannten, sowie die beteiligten Eltern, Vormünder rc., den Schulpflichtigen von vorstehender Bekanntmachung rechtzeitig Kenntnis geben zu wollen. Gießen, dm 6. Oktober 1900. 6635 Für dm Schul-Vorstand: Wolff, Hahn, Fuhr, Beigeordneter. Oberlehrer. Tanz-Unterricht. Mein Tanz-Unterricht beginnt wieder Montag den 15. Oktober. Gefällige Anmeldungen erbitte ich vorher in meiner Wohnung: Weiderrgaffe 7. 6120 Fried.. Roese, __________________Univ. Tauz- und Akechtlehrer. Niederlage: Emil Pistot* mit Sicberbeit$=Regulator M'M Beliebteste Dauerbrandheizung. * Solid, sparsam, beqoetn. Q 1 Gesunde Zimmer hrtL moderat Torrn en. ö . \ ' reiche Nuswsbl jeder?rttrNi«t. Durch BÄL Epochemachende. Patente ; verbesserte Systeme «IÄ •raJM! 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