215 Zweites Blatt Freitag de« 14. September 150. Jahrgang 1000 Asnts- und Anzeigeblntt für den Kreis Gieren. a*ee|*e W* lepigee zu ter ««chmMig» Mr tee ^teßnid» Sag «Mei»enten Stummer MB Hrm. M Mr. Wk NnzetgttfBermtttkm,-fteL« M In« ttnb »-TIiMM actzmni Zujtigra für bett Gießener Anzeiger rntgif—_ ZetlenpretS: lokal 12 Pfg., au-wLrU 20 Pfß. BrthWe«, und ®ruM monatlich 75 VfO. mit Bringerlohn; durch die AbholesteBte« vierteljährl. Mk. IM monatlich 65 Pfg. Bei Postbezug Mk. 2,40 vierteljätzM mit Bestellgeld. Gießener Anzeiger General-Anzeiger Die Wirren in China. Nach Meldungen aus Peking hatte Prinz Tsching eine Zusammenkunft mit Sir Robert Hart. Das Resultat dieser Zusammenkunft wird geheim gehalten. Der Prinz hat die gleichen Vollmachten wie Prinz Kung vom Jahre 1860. Er überbrachte ein Kaiserliches Dekret mit besonderer Anweisung vom Kaiser an Hart. Die „Köln. Ztg." schreibt zu der Darstellung der Lage in Peking durch den „Times".Korrespondenten Dr. Morrison: Dieselbe beleuchte die durch den russischen Vorschlag geschaffene Lage aus das grellste. Die an dem Pekinger Verbrechen schuldigen Personen würden so deutlich gekennzeichnet, daß die ganze zivilisierte Welt entrüstet aufbegehren würde, wollte man diese ungestraft lassen. Sie laffe jetzt schon erkennen, daß ihre Straflosigkeit in den Augen der Chinesen einer Prämie für weitere Verbrechen gleichkommen würde. Es würde nicht lange dauern, bis ein neuer Ausbruch des Fremdenhasses einen neuen China-Feldzug notwendig machen würde. Das zu verhindern, sei der hervorragendste Programmpunkt aller Mächte. Wie die „Post" von unterrichteter Seite erfährt, bestätigt sich die Meldung, daß die japanische Regierung nicht abgeneigt sei, sich einem Vorschläge der Mächte, dre Gesandtschaften nach Tientsin zu verlegen und die überflüssigen Truppen aus Peking zurück- zuzreh en, anzuschließen. — Dasselbe Blatt sagt weiter: Wenn die Petersburger Meldung, daß die französische Regierung ihre Zustimmung zu dem russischen Räumungsvorschlage gegeben habe, sich bestätigen sollte, so wü den jedenfalls die französischen Truppen erst dann aus Peking zurückgezogen werden, wenn auch die Ruffen nach Berück- fichtigung aller lokalen Interessen sich zur Räumung Pekings entschließen. Aus Paris wird telegraphiert: Die Pekinger Kommandanten jener Kontingente, die seitens ihrer Regierungen autorisiert wurden, einen geeigneten Moment zum Verlassen Pekings abzuwarten, beabsichtigen den Marsch nach Tientsin, sobald die Regenverhältnisse dies gestatten, in genügender Stärke anzutreten, um ansehnliche Abteilungen nach allen Seiten zur Aufsuchung der Boxertrupps abgeben zu können. Das amerikanische Staatsdepartement veröffentlicht eine kaiserlich chinesische Verordnung, die ihm von dem chinesischen Gesandten in Washington übermittelt wurde. Diese Verordnung, datiert vom 24. August, hat folgenden Wortlaut: Wir bewilligen Li-Hung-Tschang eine uneingeschränkte Vollmacht. Er soll, ohne zu zögern, über alle Fragen, die seinem Urteil anheimgestellt sind, entscheiden. Bei der großen Entfernung, in der wir uns von ihm befinden, können wir seine Handlungen nicht kontrollieren. — Die Regierung der Vereinigten Staaten hat geantwortet, sie sei nicht im Stande, den Wert der Vollmachten Li-Hung-Tschangs zu beurteilen. Bevor nicht die Beglaubigungsbriefe geprüft sind, werden keine weiteren Schritte unternommen werden. Man will abwarten, ob Li-Hung-Tschang nicht nur die Verhandlungen beginnen, sondern auch die unverbrüchliche Versicherung geben kann, daß das Leben und Eigentum der amerikanischen Unter- thanen im ganzen chinesischen Reiche fichergestellt wird. Die Ernennung Li Hung-Tschangs zumFriedens- v ermittler gilt in London als ein Triumph der russischen Politik. „Morningleader" meldet aus Shanghai, in dortigen gut unterrichteten Kreisen versichere man, daß Li-Hung- Tschang Frankreich und Deutschland Konzessionen gemacht habe, um sie zur Räumung Pekings zu bestimmen. Die Russen sollen die Mandschurei erhalten; worin die Konzessionen an Deutschland und Frankreich bestehen, wisse man noch nicht. — Dem Ersuchen des chinesischen Gesandten in Washington entsprechend, wird die amerikanische Regierung dem Vizekönig Li-Hung-Tschang das Panzerschiff „Nashville" zur Verfügung stellen, das ihn nach Taku bringen soll. * Eine Truppenmacht der Verbündeten in der Stärke von 4000 Mann (Engländer, Russen, Italiener und Japaner) ist am 8. d. M. von Tientsin nach Tsinghaisien, südwestlich von Tientsin, abmarschiert, von wo aus Boxer den Bezirk von Tientsin bedrohen. Der Vormarsch wird in zwei Kolonnen erfolgen, um die Boxer in den Flanken anzugreifen. General Dorward befehligt auch die Japaner. Die Kolonne führt Belagerungsgeschütze mit und wird von einer starken Abteilung Kavallerie begleitet. Ein deutsches Kavallerie-Regiment und eine Batterie britischer Artillerie sind in Tientsin eingetroffen. Freifrau v. Ketteler ist unter dem Schutz eines von Kapitän Pohl geführten deutschen Matrosen-Detache- ments am 7. ds. aus Peking abgereift und in Tientsin eingetroffen. Für die Weiterbeförderung der Freifrau von Ketteler, die sich zunächst nach Amerika begiebt, von wo sie im November in Münster eintreffen will, hat Admiral Kirchhoff alle Vorkehrungen getroffen. — Nach einer Londoner Blättermeldung soll es nunmehr feststehen, daß Freiherr von Ketteler von einem chinesischen Offizier auf Befehl der Kaiserin-Witwe ermordet worden ist. Ferner sei erwiesen, daß eine Vereinbarung zwischen der Kaiserin und dem Prinzen Tuan bestand zur Ermordung sämtlicher fremden Gesandten für den 30. Juli. — Eine Hungersnot in Peking scheine für den Winter unvermeidlich. Die „Times" berichtet aus Peking, der russische Einfluß wachse täglich. Der japanische Vertreter stehe gänzlich unter dem Regime seines russischen Kollegen. Die russisch-chinesische Bank verließ ihre Pekinger Bureaus und siedelte nach Shanghai über. * * * Infolge des telegraphischen Glückwunsches des deutschen Kaisers ist ein vom 1. September datiertes Dank- Telegramm des ersten Sekretärs der deutschen Gesandtschaft in Peking, von Below, beim auswärtigen Amte eingelaufen. In einem zweiten Telegramm des Legationsrats von Below vom 2. September heißt es der Nordd. Allg. Ztg. zufolge: Dolmetscher Cordes ist wieder hergestellt und das Befinden der übrigen Gesandtschafts-Mitglieder gut, wenn auch durch die Ereignisse der letzten Monate beeinflußt. Den im deutschen Marinehospital zu Aokohama befindlichen verwundeten deutschen Seeoffizieren und Mannschaften geht es den Umständen nach gut, und zuversichtlich erwarten sie unter der sorgsamen Pflege, die ihnen Leiter und Angestellte des Krankenhauses zuteil werden lassen, ihre völlige Wiederherstellung, soweit die Natur ihrer Verwundungen das zuläßt. Kapitän LanS sowohl wie die Herren unter Seymour haben unerschütterliche Zuversicht zu der Leistungsfähigkeit unserer Matrosen. Unter furchtbaren Entbehrungen, die Kommandierende wie Mannschaften in gleicher Weise zu ertragen hatten, bei Hunger und Durst, Schlaflosigkeit und den fortwährenden Angriffen der chinesischen Truppen, die auch nachts im Lager oder auf dem Marsch keine Ruhe ließen, zeigten die deutschen Matrosen und Seesoldaten eine Ausdauer, eine frischfröhliche Kampfeslust und einen so echten Soldatengeist, daß sich ihre Vorgesetzten gar nicht überschwenglich genug darüber ausdrücken können. Selbst als der Mangel an Schießbedarf die Lage recht bedenklich gestaltete und an die Selbstbeherrschung und moralische Kraft jedes einzelnen die größten Anforderungen stellte, versiegte die gute Stimmung der Mannschaft nicht, und ihre Offiziere konnten sich keine beffern Kameraden auf dem Kampfplatz wünschen. Kapitän Lans meinte, die Haltung seiner Unteroffiziere und Mannschaften bei dem Angriff auf die Forts von Taku sei eine völlige Offenbarung für ihn gewesen. Nie habe er bei einer Gefechtsübung im Frieden so wenig einzugreifen brauchen wie bei dem nächtlichen Feuer auf die chinesischen Festungen, die ein wirklich mörderisches- und ein auch nach unfern Begriffen gutgezieltes Feuer aus ihren 24om-Geschützen auf die Schiffe der Verbündeten abgaben. Das Feuer hätte allerdings noch besser sein können, bei wirklich vorzüglichen artilleristischen Leistungen wäre es den Chinesen ein leichtes gewesen, die kleinen Kanonenboote zu zerstören. So blieb glücklicherweise ihre Leistung, wenn sie auch nach den Erfahrungen des japanischen Krieges eine fast unbegreifliche Vervollkommnung aufwies, doch hinter dem höchsten erreichbaren Ziele zurück, und ihre Granaten schlugen ausnahmslos zu hoch ein, sodaß vitale Teile des Schiffes nicht verletzt wurden. Das Oberdeck und der Kommando-Aufbau sahen allerdings auch ohne das grausam genug aus. Die prächtige Ruhe, die alle, Offiziere wie Mannschaften, unter dem furchtbaren Feuer aus den modernsten, 35 Kaliber langen Krupp'schen Geschützen bewahrten, ist neben dem thatsächlich errungenen Erfolge der Einnahme der Forts das schönste Ergebnis des Gefechts, das weit über die augenblickliche Lage hinaus Wert hat als ein unschätzbares Unterpfand für die Leistungsfähigkeit unserer Marine. Von unterrichteter Seite wird folgendes mitgeteilt: Durch einen Teil der Preffe ging in der letzten Zeit die Mitteilung, daß in Bayern eine gewisse Verstimmung bestände wegen der vom Reiche befolgten China-Politik. Daß man es hier wieder einmal mit einer faustdicken Lüge zu thun hat, ist für den Kenner der Verhältnisse von vornherein klar. Noch jeder Schritt, den das Auswärtige Amt in Berlin in der China-Frage gethan hat, hat Bayerns volle Zustimmung gefunden, ja es wurden sogar von München aus mitunter Vorschläge unterbreitet, die wiederum in Berlin entsprechende Beachtung fanden und jene Lage mit herbeiführen halfen, in der sich heute das Reich in der China Angelegenheit befindet. Von einer Mißstimmung Bayerns über die gegenwärtigen Verhältniffe kann aber um so weniger die Rede sein, als sich trotz einzelner Meinungsverschiedenheiten zwischen den Mächten in Bezug auf die Endziele der China Expedition in Deutschland nichts geändert hat und man sowohl in Berlin wie in München nach wie vor vollständig darüber einig ist, daß China in erster Linie für die Ermordung des deutschen Gesandten entsprechende Genugthuung zu geben und für die dauernde Herstellung gesicherter Zustände vollständig Gewähr zu leisten hat. • . * Das russische Schiff „Zar" und das russischerseits gemietete deutsche Schiff „Phra" passierten mit russischen Truppen und Mitgliedern des Roten Kreuzes an Bord auf ihrer Fahrt nach Ostasien den Bosporus. Nach einer Meldung aus Taku trafen die österreichischen Kriegsschiffe „Kaiserin Elisabeth" und „Aspern" dort ein und landeten 14 Offiziere, 168 Mann und zwei Geschütze. Weitere österreichische Truppenlandungen werden nicht erfolgen. Die anfänglichen Kosten für die Entsendung indischer Truppen nach China belaufen sich nach englischen Meldungen auf mehr als 40 Millionen Mark. Bedeutende Reserven und Vorräte werden schnell nachgesandt. * * * Telegramme des Gießener Anzeigers. London, 13. September. Aus Shanghai wird gemeldet Prinz Tsching ist nach Peking zurückgckehrt. Prmz Yunglu befindet sich in der Umgegend bei Stadt. Li-Hung-Tschang meldete seine Abreise nach Taku für den nächsten Freitag in seiner Eigenschaft als Vize- komg der Provinz Petschili an. Er erklärte sich bereit, zu unterhandeln und den Kaiser wieder auf den Thron zu setzen, nicht aber die Bestrafung des Prinzen Tuan und der übrigen hohen Würdenträger zu vermitteln. London, 13. September. Aus Shanghai wird gemeldet: Die Russen griffen Peitang zweimal an, jedoch ohne Resultat. Li-Hung-Tschang ist vom. Prinzen Tsching benachrichtigt worden, eine der Großmächte, bereit Namen er zu nennen sich weigert, habe folgenbe Bedingungen für einen Waffenstillstand gestellt: Neutralisation eines großen Teiles der Küsten-Region, Erlaubnis für die Großmächte, Garnisonen in den Ver- tragshäfen zu unterhalten, Hinrichtung der Führer der Boxer. London, 13. September. Dem New Yorker Korre-. spondenten des „Globe" zufolge hat die amerikanische Regierung den amerikanischen Truppen, welche an der Expedition gegen die Stadt Shanghai-Tientuha teilnehmen sollten, befohlen, sich zu r ü ckz u zie h e n. Marseille, 13. September. Die tonkinesische Post bringt Meldungen über Angriffe der Schwarzflaggen auf französisches Gebiet. Der Kommandant der Grenzwache verfügte, daß die Soldaten neu 'bewaffnet werden. Marseille, 13. Sept. Das Packetboot Australia kam gestern mit 119 europäischen kranken und verwundeten Soldaten aus China hier an. Wien, 13. September, lieber die Beschießun a und Zerstörung der österreichisch-ungarischen Gesandtschaft in Peking veröffentlicht die „Polit. Korresp." folgenden Bericht von einem chinesischen Beamten: Am 14. Llbends kam es zu großen Zusammenrottungen in der Hatamen-Straße und in der bei der österreichisch-ungarischen Gesandtschaft vorbeiführende Sir W bert Hart-Straße. Boxer, unterstützt von hauptstädtiMm Geiindel vollführten ein wüstes Geschrei bis tief in die Nacht. Bon der Gesandtschaft wurde auf die Aufrührer geschossen, von denen einige fielen. Am 19. Juni wurde deutsche Gesandte ermordet. Hierdurch kam es zum vollständigen Bruch mit den fremden Mächten. Die Re- Z^bning glaubte, daß nun nichts mehr zu retten sei, und« beschloß, die Kansu-Truppen zum Angriff auf die Gesandtschaften vorzuschicken. Am 20. Juni 4 Uhr nachmittags? eröffneten diese Truppen ein Gewehr- und Geschützfeuer^ Am 21. Juni bemerkte der Verfasser des Berichtes die Soldaten der Kansu-Truppen auf den Dachfirsten der Nach^ barhäuser sitzen, von mo sie die österreichische Gesandtschaft beschossen. Zwischen 1 und 3 Uhr nachmittags zerstörten die Angreifer diese Gesandtschaft und steckten sie in Brand. * Der Krieg in Südafrika. Lord Robert- meldet an- Pretoria vom I l September: Lord M e t l) u e n trieb Vie Buren bei Malope völlig a»-- einander nnd niaMe 30 zu Gefangenen nnd erbeutete Muuiliou. Buller traf gestern in Mlipgai ein, eüua ans halbem Wege zwifche» Mauchverg nnd Spitzkop, die Buren vor sich her treibend. Dao „Reutersche Bnreau"i Meldet an« Kapstadt: Buller erbeutete aus dem Marsch^ nach Spitzkop eine Kanone und mehrere Tonnen Rahrnng-- mittel. 5ie Buren warfen eine schwere Kanone nnd einige Tonnen Munition sowie 13 Wagen einen Bergabhang hinunter, um deren Erbeutung durch, die Engländer zu ver- hindern. Dao „ReiUerftl^' Bureau" meldet all- Lonreiizo Marqueo. Präsident artiger und mehrere Beamte Tran-vaal- halten sich gegenwärtig bei dem niederländischen Konsul ans. „Dail») Mail" meldet nno Lonreiizo Margiie-, Präsident Stejn sei nach dem Freistaat abgereist. Die Generale Botha und De tuet hätten sich U e v einigt nnd man erwarte in den nächsten ^agen ein größere- Oiesecht an dem Caledon Flusse. Rach diesem Oiesecht wiirden sich dir"Buren wieder trennen. Rach einer Meldung an- Pretoria höbe Oieneral Botha sich dagegen bereit- nach den Bedingungen der Kapitulation erkundigt. Ein Telegramm an- Durban meldet, Oieneral Kreuch kain nach Bab ertön lind befreite dort GO gefangene englische Offiziere. • ch • In M aiuz tras ans der Durchreise und) Mbucheu, seiner Vaterstadt, ein Ziminermeister an- Johannesburg ^Transvaal) ein, den die Engländer gewaltsam au- Tran-oaal fortgeschafft haben. Der Bedanern-lverte lebte seit 22 Jahren in Johannesburg nnd hatte sich dort naturalisieren lassen. Inzwischen hatte er auch eine Ja mtlie gegriiudet und lebte tu guten Verhältnisse». Alder Krieg zwischen den Buren und Engländern an-brach, zog aitdp er in den Kampf nm die Freiheit seine- neuen Vaterlande-. Durch drei Schlisse in da- Bein schwer verlebt, konnte er sich nicht weiter am Kriege beteiligen nnd kehrte zu seiner Familie nach! Iohanue-bnrg znriirk. Die Schiißwuiiden heilten, aber e- blieb eine Lähmung de- Beine- znrlick nnd er konnte sicl) nur mit Znhilse nalnue zweier Stöcke fortbewegen. Vor einigen Wochen klopfte e- nacht- an die Thür seiner Wohnung nnd al- ct um leicht bekleidet, öffnete, nahmen ibn einige eng lijche Soldaten in Empfang. Ohne daß er noch einmal in seine Wohnung hätte zurückkehren könne», schleppte man il)» fort »iid brachte ihn und) Kapstadt auf ei» Schiss. Mit goo andere» Leidensgefährte» wurde er mit dem Schiss »ach England gebracht nnd dort bedeutete mau ihn, daßi er jetzt gehen könne, wohin er wolle, nur nidjl zurück und) Trau-baal. Ium Glück hatte dieser gewaltsam seiner Familie Entrissene, ehe er den Ihn gefangen nehmenden Engländern die Thür seiner Wohnung in Johanne-- barg öffnete, seinen Veibnihlel angezogen, in dem sich en. Hioo Mark befanden (in Transvaal ist es Sitte, dn- bare Geld im Leibgurt nufzubewnhre»), sonst wäre e- ihm so schlimm ergangen, wie den meisten seiner Leidens geführten, die hon den Engländern brutalerweise angewiesen und gewaltsam sortgebracht wurden, so wie sie gingen und standen. Die im Besih von Geldmitteln Befindlichen sammelten ans dem Schiff 000 Mark, die zu Zwecken der Bekauutmaclmng ihrer elende» Lage ver iPe»he, werden sollte». Der Münchener, der setzt i» Bauer» nicht mehr heimalberechttgt ist, weist »id)l, ob noch irgend jemand von seinem Berwaudjeiikrei- lebt. • * ♦ THfflMiiittit btt Wt^tntv Klnz-igerS. L 0 II do», 13. September. Au- Amsterdam wird gemeldet, Dr. Lehd- habe in einem Interview erklärt, durch die A l> reis e K r ü g e r - werde in den Krieg- Opera!i- 'onen n i ch t b i e g e r i n g st e A e n d e r » n g eintreten. -S? nag, 13. September. Die Ankunft de- Präsidenten Krüger in Holland wird hier eine allgemeine Bewegung z» Gunsten der Bure» Hervorrufen. Ma» ist der Ansicht, dast Frankreich die Initiative zu Gunsten der Bure» gegenüber England leite» wird. Lissab o » , 13 September Gestern ist ei» E x p e di, io » - K o r p - »ach: Ost Afrika abgegangen. Pari-, 13. September. Einem hiesige» Blatte zufolge ist die Abreise de- Präsidenten Kruger nach Loureuzo Margue- nur der Anfang einer allgemeinen A n - w a ii d e r n n g d e r B n r e n , welche die Welt ebenso in Erstaunen setzen werde, wie der zähe Widerstand der Buren. Deutsches Keich Berlin, 12. September. Ans Stettin wird gemeldet . Im M a n ö v e r g e l ä n d e verfolgte gestern das 2. Armeekorps das sich znrückzieliende Gardekorps zunächst inil voller Kraft und zog dann feine Division wieder zurück. Las Gardekorps wird heute verstärkt. Die Kavalleriedivision tritt znm Gardekorps über. Der Kaiser führte gestern Rot, heute Blau. Die Prinzen und der Erzherzog begaben sich morgens znm Manöver sei de. Die Kaiserin kehrte heute vormittag ins Reue Palais zurück. Der Kaiser, Erzherzog Franz Ferdinand und die Prinzen kehrten heute nachmittag nach Stettin zurück. Am Abend fand beim Kaiser im Schlosse für die anwesendem Fürstlichkeiten nnd deren Gefolge Tafel statt. Aus dem Manüvergeläude wird weiter gemeldet: Das verstärkte Gardekorps ging nordwestlich vor, das zweite Armeekorps südwestlich Trotz einzelner Erfolge des 2. Armeekorps konnte da- Gardekors*- überall Vordringen. Die Vorposten desselben stehen in der Linie Hvhenbruck Kanzelberg- Schwoctiow. Eine Kanonade grösseren Umfange- und mehrere Kavallerie Attaken sande» statt, zuletzt seile»- des ganze» Kavalleriekorp- auf die abziehende 3. und t Infanterie Division. Während des Biwaks in der Rächt traten Regensalle ein. Durchs den reichen Ertrag des im vorige» Jahre bei Kroll veranstaltete» K ö » igi n Luis e E v i » » c r u ngSs e ft e - ist die Iertigstellnng bev von Prof. Eber lei» für Tilsit modellierte» Denkmal- der Königin er m-glicht worde». Für die dort am d stattfindende EnthüNnna-feier werde» grostartige Vorbereitungen ge tröffe». Wart) der Begrüßung des Kaisers durch die städtische» Behörde» und Ehrenjungfraneii und einer Fahrt durch die 'geschmückten Straßen bi- zu dem im Park Jacob- ruhe befindlichen Deukmal-platz siudet daselbst der Empfang des Kaiser- durch da- Festkomitee statt. Vereinigte Gesang vereine werden unter Orchesterbegleitung einen Festgrust an die Künstler nnd da- niederländische Danlgebet singen. Regierungspräsident Hegel ans Gninbinnen wird alsdann die Festrede halten und nach der Uebevnahme des Denk- mal- durch die Stadt wird ein Gebet vvnwGeneralfuper- tnteudeuten gesprochen werden. Es findet sodann ein histo rischer Festzug von 300 kostümierten Personen statt in dein die Geschichte der Stabt nnd Preustens in sechs Bildern, znr Darstellung gelangen wird. Daran wird sich ein Fest zng der Vereine nnd Innungen anschliesten; insbesonbere werden auch die littauischen Volkstrachten zur Veriveudung kommen. Gelegentlich des K a i s e r b e s u d) e S i n W upper- lhal wird der Monarch an einem noch näher festzusetzen den Tage zivischen dem to. und 13. Oktober der Enthüllung de- Siege-brnunenS in Vohwinkel beiwohnen. Der Kaiser wird gelegentlich seines deinnachstigen Iagdaufenihaltes in Eadinen einen. Abstecher nach der Marienbnrg unternehmen, um sich persönlich von dem Stande der Renovier- nngSarbeiten zu überzeugen. Auch die Stadt will der Monarch besuchen. Als Tag dieses Ausfluges ist vorläufig der 21. ds. in Aussicht genommen. Kurz vor seiner Abreise nach Vein ostasiatischen: Kriegsschauplätze ist bekauntlich Graf Wald er fee, der Höchsttommaudiereude der .vereinigten Truppe», i» Wil helmShöhe i» längerer Audienz vom Kaiser empfangern ivorden. Bei einer Privatnnlerhaltung kam die Rede n. a. auch aus die Sicherheit des Grasen, und der Kaiser sagte: „Mein lieber Gras! Ihr Leben wird von dem Vaterlande nnd Mir s e h r h o ch g e s ch ä tz t. Zum Beweise da für will Ich Ihnen zur ständigen Begleitung zwei M einer L e i b g e ii bar in e n zur Verfügung stellen.!" In der Thal befinden sich in der Begleitung des Feld- marschalls die Vize Wachtmeister Müller nnd Nauer, ersterer von der Kaiserin, letzterer von des Kaisers Leib Gendarmerie. Der Monarch Hal die beiden persönlich ans dem Verbände der Leib.-Genbarmeu ausgesucht und ihnen mit geteilt, dast sie für das Leben des Grafen Walbersee perfönlkl)i haftbar feien. In Ihrer Instruktion befindet sich denn auch ein Passus, dast sie den Grafen Waldersee stet- u nd ständig zu begleiten haben, es sei, wo es ,wolle, nnd zwar mit scharf geladenem Revolver. Tie beiden Wachtmeister erhalten demznsolge ihr Quartier in unmittel barster Nähe e die Liebe und Barmherzigkeit als unsittlich verwirft, herrschen würde, ist zweifellos. Die Sozialdemokraten, die in allen ihren Kundgebungen in Presse, Sitteratur und Ver- sammlimgsredeii auf dem Boden der naturalistischen Weltanschauung stehen, werden lächeln über den Man», der ihnen nachweisen will, daß sie Ehriste» sei» können, und für die Christen wird es ein AergerniS fein, daß ein Mann wie D. Franck, der, wie er in seiner Rede sagt, 40 Jahre im Amte der Landeskirche gestanden hat mit) 10 Jahre Mitglied de- Kirdienregiments gewesen ist, jetzt mit soldien die (Gewissen verwirrenden Reden auftritt!" Ausland. Brüssel, 12. September. Die hiesigen Zeitungen sind durch den Sekretär des Herzogs Karl Theodor bedeutet worden, daß die Hochzeit der Prinzessin Elisabeth mit dem Prinzen Albert in strengster privater Form gefeiert werde. Bon Seiten des belgischen Königshauses wird niemand dazu delegiert werden. Paris, 12. September. Die spanische Staatspolizei verständigte die französischen Behörden von der Verhaftung eines aus Amerika in San Sebastian eingetroffenen Schweizer Anarchisten, bei dem man einen geschriebenen Plan zu Ermordung des Präsidenten Loubet vorfand. — Nach der Zusammenstellung des Finanzministerium» übertreffen in den ersten 8 Monaten des Jahres 1900 die Einnahmen das Budget um 86,820,100 FrkS. Diese Einnahmen sind um 15,012,300 FrkS. größer als in der gleichen Periode des Vorjahres. Nom, 12. September. Der Papst begab sich heute bei bestem Wohlsein in die PetcrSkirche, wo er 15 000 Pilgern den Segen erteilte. Budapest, 12. September. Fürst Ferdinand ist auf der Rückfahrt nach Sofia heute nacht hier durchgereist. Bukarester Meldungen besagen, daß an der bulgarisch- rumänischen Grenze die Streitigkeiten in den letzten Tagen sehr häufig gewesen seien. Am Sonntag wurden von Silistria aus auf das rumänische Kriegsschiff „Siretal" drei Kanonenschüsie abgegeben. Der Kommandant PovercScu antwortete gleicherweise und fuhr rasch tyettcr. Gleichfalls am Sonntag griffen die Bulgaren das rumänische Grcnzwachthaus bei Arab-Tabia in der Dobrutscha an. Die rumänische Regierung ist zur Verhinderung der Aufregung bemüht, die Alarmnachricht zu verheimlichen. Der KriegSministcr General Latorarh hat sich nach der Dobrutscha begeben und aus Sulina vier Kriegsschiffe donauaufwärts beordert. Trotzdem hofft man auf eine friedliche Beilegung des KonfiikteS. Der Minister des Acußern Marghiloman soll dieser Tage in Wien auch mit dem Grafen GoluchowSki zusammcnkommen. Bukarest, 12. Trotz der offiziösen Dementi- der Gerüchte über Mobilisierung und Grenzkonslikt haben diese Gerüchte durch die gestrige Publikation de- MobilisierungSreglcmentS und durch Erschießung einer rumänischen Schildwache an der Donaubrücke durch einen bulgarischen Schiffer neue Nahrung erhalten. Konstantinopel, 12. September. Der Sultan ordnete die strenge Untersuchung des Zwischenfalls von Haifa und die Bestrafung der Schuldigen sowie vc)seren Schutz der dortigen deutschen Kolonie an. Petersburg, 12. September. Ein neues GesetzeSproiekt ist in Bearbeitung, nach dem im Aufs ich" rat und der Direktion von Aktie »gesell schäften Juden und Au S- länder nur in beschränkter Zahl amtieren dürfen. Aus Stadt und Land. Gießen, 13. September 1900. *♦ Von der Anwalt Wammer. Wie wir hören, hat der lauaiäbriüe Borsitzcndc der oberhMchcn SlntoalUfammer, @th luftiirat Batst in Sicßcn, sein »ml als solcher seine- hohen »llcr« wegen nicdergelegt. •» Pkrsonalnachrichleu. Der Schaffner in der Hessisch. Drenbffchcn Eiscnl'ahn Gemcinschasl Johanne« Mahr »» Gicsicn wurde mit Wirkung vom l. Oktober l. I. an in den Ruhestand versetzt. ** Ordens-Berleihuugeu. Den nachbenannten Osfizieren 2C. wurden folgende OrdeuSauSzeichnungen verliehen: der Note Adlerorden 3. Klaffe mit der Schleife: von Dewitz, Oberst und Kommandeur des 2. Großh. Hess. Jnf.-RegtS. Nr. 116, der Rote Adlerorden 4. Klasse: Bachelin, Major im 3. Großh. Hess. Inf. Regt. Nr. 117, Loer- brots, Hauptmann im 2. Großh. Hess. Jnf.-Regt. Nr. 116, Stubenrauch, Hauptmann im 3. Großh. Hess. Jnf.- Regt. Nr. 117, der König!. Kronenorden 2. Klasse: Kutzen, Oberst und Kommandeur des 3. Großh. Hess. Jnf.-Rgt. Nr. 117, der König!. Kronenorden 3. Klasse: Freiherr von Maltzahn, Oberstleutnant beim Stabe des 3. Großh. Hess. Jus.-RegtS. Nr. 117, Graf von Hacke, Major im Generalstabe der Großh. Hess. (25.) Division, der König!. Kronenorden 4. Klasse: Becker, Oberlt. im 2. Großh. Hess. Jnf.-Regt. Nr. 116, Suermondt, Oberlt. im 2. Großh. Hess. Drag.-Regt. Nr. 24, das Allgemeine Ehrenzeichen: Pauly, Feldwebel im 3. Großh. Hess. Jnf.-Regt. Nr. 117. ** Verhaftung. Ein hier in Stellung gewesener Hausbursche, der nach Entwendung einer Uhr und eines Paares Stiefel vorgestern slüchjtig wurde, ist gestern in der Gegend von Krofdorf aufgegriffen und gefänglich hier eingebracht worden. ** Turnerisches. Das Abturnen des Turnvereins (gegr. 1846) fand am Sonntag auf Textors Terrasse statt. Der Besuch seitens der Mitglieder, sowie der Freunde und Gönner der Turnerei war ein recht zahlreicher, sodaß die zur Verfügung stehenden Räumlichkeiten und das Gartenterrain bis auf den letzten Platz besetzt waren. Dank dem vortrefflichen Arrangement des Vorstandes machte sich bald ein buntes Treiben geltend; hier sah man junge Turner sich im ernsten Kampfe edlen Wettturnens streiten, umstanden von Eltern, Verwandten und Bekannten, dort sah man eine schwierige Uebung eines Vorgeschrittenen am Reck oder Barren, und zwischendurch ertönten die lustigen Weisen einer Musikkapelle. So herrschte denn in dem vorwiegend den Turnern überlassenen großen Saal, der seitens des Herrn Bichler besonders zu diesem Zwecke eingerichtet und ausgestattet war, eine stets zunehmende Harmonie und Feststimmung, die noch wuchs, als zum Tanz aufgespielt wurde. Unterdessen waltete der Berechnungsausschuß seines Amtes; kurz nach 8 Uhr konnte zur Preisverteilung geschritten werden. Der Vorsitzende des Turnvereins, Herr L. P i r r, ergriff dazu das Wort, um unter Aeußerung über den Verlaus des letzten Jahres, namentlich über die Erfolge in turnerischer Beziehung Worte des Dankes und des Ansporns an die zurzeit recht zahlreich vorhandenen aktiven Turner und Zöglinge zu richten, ihnen galt denn auch das dreifache „Gut Heil". Hinsichtlich des Preisturnens sei bemerkt, daß es in volkstümlichen Uebungen für solche aktive Turner bestand, die noch kein Wettturnen mitgemacht hatten, während das Geräteturnen für die Zöglinge in Ober- und Unterstufe eingerichtet war. Insgesamt waren zum Wettturnen 56 Turner angetreten. Im Turnen der Aktiven, das aus vier volkstümlichen Uebungen bestand, errang den 1. Preis Louis Adam mit 36 Punkten, den 2. Preis Ernst Jung mit 34 einhalb Punkten, den 3. Preis Emil Kinkel mit 30 einhalb Punkten, den 4. Preis Wilh. Mohr mit 30 Punkten, den 5. Preis Ehr. Savelsberg mit 29 Punkten, den 6. Preis K. Seybicke mit 26 einhalb Punkten. Im Turnen der Zöglinge errang in der O b e r st u f e den Ehrenpreis Aug. Weiß, den 1. Preis Wilh. Rot- hatnel, den 2. Preis Ad. Schmidt, den 3. Preis L Schmalz und Hch. H ü t t e n b e r g e r, den 4. Preis Hch. Huber, den 5. Preis Ehr. Hüttenberger, den 6. Preis Hch Bommersheim, den 7. Preis Frdr. Noll. In der U n 1 e r st u f e den 1. Preis L. Volpert, den 2. Preis W. Wenzel, den 3. Preis L. Hill, den 4. Preis Hch Fischer, den 5. Preis K. Lang, den 6. Preis Hch. Amend, W. Körböcher, I. Verth, den 7. Preis A. Wendel, den 8. Preis E. Krieger, den 9. Preis G u st. S ch m i d t, den 10. Preis K. S ch l i t t und W. Schwan, den 11. Preis Hch. Hoos, den 12. Preis W. Amend und K. Werner. Ohne jede Ueberhebung kann der Turnverein Gießen mit Stolz auf die Errungenschaften des letzten Jahres zurückblicken und der Vorstand sich mit dem Bewußtsein tragen, nicht nur mit den einzelnen Arrangements, sondern mit seinem vollständigen 'Jahres-Programm den edlen Bestrebungen seines Vereins in gerechter Weise gedient, seinen Mitgliedern aber auch Amüsement und frohe Stunden bereitet zu haben. So rüstet er sich bereits aufs neue zu der am 14. k. Mts. in seiner Halle stattfindenden Kreisturner stunde und hofft, daß auch die hierzu bereits im Gange befindlichen Vorbereitungen ihm ein schönes Fest bescheren. -ff- Die technische Hochschule zu Darmstadt beginnt ihr Studienjahr 1900/1901 am 16. Oktober. Ausnahme und Immatrikulationen nehmen am 2. Oktober 1900 für das Wintersemester und am 9. April 1901 für das Sommersemester ihren Anfang. Die Vorlesungen und Uebungen fangen im Wintersemester am 16. Oktober 1900, Schluß zu Weihnachten ist am Mittwoch, den 19. Dezember, Wiederbeginn nach Neujahr am 7. Januar 1901. Zu Fastnacht 1901 am 18., 19. und 20. Februar fallen die Vorlesungen üinb Uebungen aus. Schluß des Wintersemesters ist am 15. März, Beginn des Sommersemesters am Dienstag, den 23. April. Die Pfingstferien beginnen am Freitag, den 24. Mai und endigen mit dem 3. Juni. Schluß des Sommersemesters erfolgt am Freitag, den 26. Juli. Die feierliche Rektoratsübergabe findet am 16. Oktober statt. Das uns vorliegende, im Verlage von G. Ottos Hof- Buchdruckerei in Darmstadt erschienene Programm für 1900/1901 enthält als Einleitung den Jahresbericht für das Studienjahr 1899/1900, ferner genaue Angaben über Einrichtung der Fachschule, Aufnahme, Zeugniffe, Prüfungen, Gebühren über den Personalbestand, sowie über das Großh. technische Prüfungsamt. Daran schließt sich das Verzeichnis der ordentlichen und außerordentlichen Vorlesungen und Uebungen und der Studienpläne für Architektur, für Jngenieurwesen (Bau-Ingenieure und Kultur- Ingenieure), für Maschinenbau, für Elektrotechnik, für Chemie (Chemiker, Elektrotechniker, Pharmaeeuten), ferner Studienpläne der allgemeinen Abteilung (Studierende der Mathematik und Physik, der beschreibenden Naturwissenschaften und für Geometer 1. Klasse), und schließlich für KonsolidationS-Geometer und Kulturtechniker. Dann folgt eine Aufzählung der Lehrmittelsammlungen, der Institute und sonstigen HilfSmütel für den Unterricht, die Preisaufgaben, Stiftungen, Schenkungen und Studiengelderlasse, der Gebühren-Ordnung. Den Schluß bilden Nachrichten über Testate, Zeugniffe und Prüfungen. + Queckboru, 13. September. Während man in manchen benachbarten Gemarkungen noch mit dem Grummetmachen beschäftigt ist, hat man hier schon mit der Kartoffelernte begonnen. Diese fällt mittelmäßig aus; namentlich die Frühkartoffeln haben infolge des anhaltenden Regenwetters durch Fäulnis gelitten. — Das Grummet wurde zum größten Teil gut eingebracht und auch die Getreideernte kann als eine gute Mittelernte bezeichnet werden. Bis zu unserer nächsten Sonntag fiattfindenden Kirchweihe dürfte auch die Kartoffelernte in der Hauptsache beendigt sein. O Grüuberg, 13. September. Wie wir berichteten, beabsichtigte die Eisenbahnbehörde schon mit dem 1. Januar ds. Js. ab die Aufhebung, bezw. Verlegung der Nebenbahn- Bauabteilung. Den Bemühungen des Stadtvorstandes war es zu danken, daß dieser Beschluß noch in letzter Stunde ausgehoben und das Bauamt bis auf weiteres hier belassen wurde. Leider sollte dies nur für kurze Zeit sein. Mit dem 1. Oktober wird die Bauabteilung Grünberg endgiltig aufgelöst. Ihr Vorsteher, Ingenieur Hildenbrand, wurde nach Gießen versetz!, und die übrigen Beamten sind teils schon verzogen, teils werden sie mit dem 1. Oktober unsere Stadt verlassen. Der Bau der Nebenbahnftrccke Londorf—Lollar wird künftighin von Gießen aus geleitet werden. Darmstadt, 12. September. Der Großherzog empfing u. a. den Kreisamtmann Heinrichs von Gießen, zum Vortrag den Staatsminister Rothe, den Präsidenten des Ministeriums der Finanzen Gnauth, den Kabinettsrat Römheld, den Hoftheaterdirektor Werner. L. R. Darmstadt, 12. September. Der Besuch des Großherzogs zur feierlichen Eröffnung der landwirtschaftlichen Landesausstellung am Freitag den 14. September, 12 Uhr mittags ist, wie uns mit- geteilt wird, zugesagt worden. Auch hat unser Landesherr einen sehr wertvollen Ehrenpreis gestiftet, der der Klasse „Provinzialwettbewerb in Simmenthaler Zucht", in der die ausgewählten, felbstgezüchteten Tiere je aus den drei Provinzen des Landes konkurrieren, zugewiesen worden ist. — Die Abreilfe des Großherzogs zu einer mehrtägigen Teilnah me^Än den Manövern des 18. Armeekorps erfolgt am 15. September nach Limburg. Nach mehrtägigem Aufenthalt in Friedberg kehrt der Großherzog am 22. hierher zurück. Mainz, 12. September. In der heutigen Stadt- verordn et en-Versammlung führte Beigeordneter Dr. Schmitt den Vorsitz. Ein Antrag, einige technisch gebildete städtische Arbeiter auf Kosten der Stadt nach der Pariser Aus stell stütz' zu senden, wurde angenommen und dem Finanzausschüsse überwiesen. Zum Vorsitzenden des Gewerbegerichts wurde Finanzrat Amend und zu dessen Stellvertreter Oberbürgermeister Dr. Gaßner, Beigeordneter Dr. Schmitt und Sekretär Schäfer aufs Neue gewählt. — Auf Antrag des Stadtverordneten Fritz Schäfer wurde beschlossen, einen Teil des HospitalguteS in Biedesheim in Bayern zu versteigern, weil bei der letzten Verpachtung des Gutes für einen großen Teil keine Gebote erfolgten. — Für die im Jahre 1903 in Dresden abzuhaltende Städte-Ansstellung wurden für die Beteiligung der Stadt Mainz 600 Mk. bewilligt. — Gestern fuhr der 16 jährige Schiffer Escher mit zwei Freunden im alten Winterhafen Nachen. Sie schaukelten, und der Nachen schlug um. Escher ertrank, seine zwei Freunde konnten sich an das Land retten. — Das Ministerium hat dem Statut der Stadt Mainz über die Bildung einer sozialpolitischen Kommission die Genehmigung erteilt. Bingen, 12. September. Bei der Montierung des zweiten elektrischen Portalkrahns am Rheinhafen ist heute früh durch Umstürzen eines Gerüstes der Monteurgehilfe Zacharias aus Bingerbrück verunglückt. Der junge Mann war auf der Stelle t o t. Frankfurt, 12. September. Die am Sonntag hier einberufene Konferenz christlicher Gewerkschaften zur Gründung eines ch r i st l i ch e n Gewerk- schaftskartclls für Mitteldeutschland war von 26 meist katholischen Gewerkschaftsdelegierten und 8 Arbeitervereinsdelegierten beschickt. Von 22 geladenen katholischen und evangelischen Arbeitervereinen hatten nur sechs der Einladung Folge geleistet. Hauptsächlich wurde bedauert, daß die evangelischen Arbeitervereine so spärlich vertreten waren. Die Debatte ergab, daß verschiedene Redner die Gründung eines Kartells für verfrüht hielten. Für die prinzipielle Notwendigkeit der Gründung eines gewerkschaftlichen Kartells stimmten neunzehn anwesende Vertreter und vier Verbände, die ihre Zustimmung brieflich kundgegeben, mit Vorbehalten oder direkt dagegen sieben Delegierte. Voraussetzung ist die endgilttge Genehmigung der auftraggebenden Verbände und Vereine. Die Ziele des Kartells sollen sein: Die Gründung gewerkschaftlicher Organisationen über ganz Mitteldeutschland zu fördern, die Zentralisation derjenigen Organisationen, dWü die Möglichkeit dazu geboten ist, über ganz Deutschland anzustreben: alle dem Kartell zugehörigen Organisationen bei Lohnbewegungen, Streiks, Aussperrungen u. s. w. pekuniär zu unterstützen und namentlich die dem Kartell beigetretenen Organisationen nach den vom Kongreß beschlossenen Prinzipien zu leiten und zu überwachen; endlich die den Endzweck fördernde Anstellung eines Arbeitersekretärs zu erstreben. Das Kartell soll mit dem 1. Januar 1901 in Kraft treten. Zum Vorsitzenden wurde Schuh-Frankfurt a. M. gewählt. Der zweite Teil der Verhandlung am Nachmittag mußte in Offenbach erledigt werden, da man versäumt hatte, diese zweite Versammlung hier polizeilich anzumelden. Vermischter. * Der Orkan in Texas. Tas Standrecht ist in G a l v e st o n proklamiert und die Miliz zusammenberufen worden. Die Stadt wird scharf patrouilliert. Die Vor bindung ist mangelhaft und nur per Boot möglich Viele Dampfer sind zerstört. Der Schaden wird jetzt auf 4;> Millionen geschätzt. Sammlungen werden im ganzen Land in großem Stil organisiert. Der Sturm hat jetzt Chicago erreicht; er hat alle Drähte zerstört und total abgeschnitten. Es sind 5000 Familien obdachlos. Es herrscht große Not. Tie halbe Stadt ist total zerstört; kein Gebäude ist verschont geblieben. Kein Wasser und kein Licht ist vorhanden. 8000 Tote liegen in Galveston allein. Tie städtischen Behörden lassen manche demolierte Gebäude anzünden, um die Gefahr von Epidemien durch verwesende Leichen abzuwenden. Etwa 50 Diebe wurden standrechtlich erschossen. Ter Dampfer „L a w r e n c e", mit 50 Personen an Bord, ist auf der Fahrt von Milwaukee nach St. Joseph (Michigan) wahrscheinlich während des orkanartigen Sturmes nntergegangen. — In Galveston wurden 700 Leichen in die See versenkt. Von allen Toten sind zwei Drittel Frauen und Kinder. Das Hilfswerk ist im ganzen Lande in Angriff genommen. Manche Ueberlebende wurden nach Houston gebracht. Der deutsche Juriftevtag. i. Bamberg, I1. September. Der Deutsche Juristentag wurde gestern eröffnet. Anwesend sind bis jetzt etwa 300 Mitglieder, darunter Brunner, Gierke, Stenglein, Pfaff u. A. Stößer-Karlsruhe wurde zum Vorsitzenden gewählt. Sodann brachte die Versammlung chrem Semor Wilke Glückwünsche zum fünfzigjährigen Jubiläum dar; dem Jubilar wurde das Ehrendoktor-Diplom der Berliner Fakultät überreicht. Darauf ging der Kongreß zu den Beratungen in den Abteilungen über. In der ersten Abteilung behandelte mau zunächst die Frage: „Welche Stellung ist in dem zu erwartenden Versicherungsgesetz den Versicherungs-Gesellschaften auf Gegenseitigkeit zu gewähren?" Als erster Berichterstatter gab Bankdirektor Dr. Samwer aus Gotha eine im ganzen billigende Kritik des neuen Gesetzentwurfs, der dem Reichstag im nächsten Winter zugeht; die Frage, ob die Generalversammlung obligatorisch als oberstes Organ der Gesellschaft etnzu- sühren sei, verneinte er. Auch der zweite Berichterstatter. Rechtsanwalt Dr. Fuld aus Mainz, äußerte sich über den Entwurf sehr günstlg, bemängelte jedoch, daß die Generalversammlung nicht zu emem oblr- gatorischen Organ der Gesellschaft gemacht sei, das den obersten Willen derselben darstelle. Er betonte weiter, daß die Versicherungsgesellschaften auf Gegenseitigkeit keine Kaufleute seien und daher auch nicht zu der landesgesetzlichen Gewerbesteuer herangezogen werden dürften. Profeffor Ehrenberg aus Göttingen unterscheidet zwischen Lebensversicherung und Schadenverstcherung; bezüglich der ersteren sei der Auffassung Fulos zuzustimmen, bezüglich der letzteren nicht. Folgender Antrag wurde an« genommen: „Der Juristentag erkennt an, daß der Entwurf ernes Re,chS- gesetzes über die privaten Versicherungsunternehmungen die geeignete Grundlage für eine befriedigende Regelung der Stellung der Versicherungsgesellschaften auf Gegenseitigkeit enthält". lieber bve ^rage: Werden durch das Bürgerliche Gesetzbuch die Vorschriften über den Uebergang und die Führung adeliger Namen berührt? berichtet Geheimrat Profeffor Gierke aus Berlin und stellt in Gemeinschaft mit dem zweiten Berichterstatter Geh. Justizrat Wilke folgenden Antrag: „Durch das Bürgerliche Gesetzbuch werden die Vorschriften über den Uebergang und die Führung von Adelszeichen nicht berührt, die höhern Adelstitel wie Frecherr, Graf, Fürst, Herzog sind -bloße Adelszeichen, nicht Namensbestandteile. Ueberwiegende Gründe sprechen dafür, bet adeligen Familiennamen auch das einfache „von" als bloßes Adelszeichen zu betrachten". Schließlich wird der Antrag Gierke angenommen. In der von der Stadt Bamberg herausgegebenen Festschrift führt Frhr. v. Marschall aus der nicht unbedeutenden Zahl der Bamberger Juristen, die teils auf legislatorischem Gebiete sich Namen in der Geschichte der Jurisprudenz erworben, teils als Staatsmänner einfiußreiche Stellen bekleidet haben, unter dem Titel: „Hervorragende Bamberger Juristen der neueren Zeit", ihrer zwölf vor. Uns interessieren nur die beiden ersten: 1. „Johann Michael Franz Birnbaum, großherz. heft. Geheimrat, geb. zu Bamberg als das 2 l. Kind eines fürfib. Tafeldeckers, t 1877. Birnbaum war Profeffor der Rechte an den Universitäten Löwen, Bonn, Freiburg, Utrecht und Gießen. 1844/45 in Gießen Rektor der Universität, wurde Birnbaum zum Kanzler magnificuß der Landesuniversität ernannt und hiedurch Mitglied der Ersten Kammer und des vom Großherzog ernannten dreigliederigen Staatshauses des Erfurter Parlaments. 2. Nikolaus Thaddäus v. Gönner, geb. 1764 zu Bamberg als Sohn eines fürstb. Hofkanzlei Accessisten, t als Rechtslehrer und Staatsmann 1827 zu München. Gönner war 1788 Praktikant beim Reichskammergericht in Wetzlar. Als Rechtslehrer wirkte er an den Universitäten Bamberg (aufgehoben 1803), Ingolstadt, Landshut und München. 1797 erhielt er als fürstb. Bamb. Staatskonferenzrat Mission nach Nürnberg in Begleitung des Geh. Rates Stetnlein, den 170 jährigen Streit zwischen Brandenburg und Bamberg wegen des Kreisdirektoriums und der Rechte auf Fürth durch Vergleich zu schlichten. Die Mission scheiterte indes durch die gleichzeitige Eröffnung des Reichsfriedenskongreffes in Rastatt und den Widerstand einiger für ihre Privilegien besorgten Mitglieder des Domkapitels und der Reichsritterschaft. ' Fürth blieb der preußischen Krone unterthan. Kunst und Wissenschaft. Trier, 11. September. Der Kongreß deS deutschen Vereins für öffentliche Gesundheitspflege wurde heute eröffnet. 200 auswärtige Besucher sind anwesend, darunter die Geheimräte Ptstor-Berlin und Gaffky-Gießen, Lend und Stübben-Köln, Ober- Ingenieur Mayer-Hamburg, Fränkel-Halle, Erißmann-Zürich, Ende- mann-Kassel. In der ersten Sitzung sprach Prof. Dr. Gaffky über Maßregeln zur Abwehr der Pest. — Der Kongreß faßte einstimmig eine Resolution, dm Reichskanzler zu ersuchen, dem Anträge des Reichstages auf obligatorische ärztliche Leichenschau Folge zu geben. Meratur. W-ß.Von der Hof- und Univ.-Buchhandlung Aug. Frees in Gießen liegt heute unsrer gesamten Stadtauflage ein Prospekt für ReclamS „Universum* bei, das jetzt Emtl Peschkau, früher Feuilleton-Redakteur der „Berl. Reuest. Nachrichten", redigiert. Dir Romane erster Autorm, die Kunftbeilegen, die belehrmden Aussätze, die Btlderartikel, der reiche Unterhaltungsstoff und die Weltumschau stehm jedenfalls weit über dem, was ähnliche r euere Berliner Zeit- schrtstm dem Leser bietm. Arbeiterbewegung. Leipzig, 13. September. Ein Teil der großen Firmen des Buchbinderei-Gewerbes, darunter das Bibliographische Jnstttul mit insgesamt 500 Arbeitern, hat gestern die Forderungen der Arbeiter bewilligt. , . Marseille, 12. September. Die Bäckergehtlfen in einer Anzahl von 1200 haben dm Ausstand proklamiert. 200 Milckä, bäcker wurden zu Hilfeleistungen abkommanliert. Es werden un- ruhm befürchtet. Danksagung Awei unmöblierte Zimmer zu vermieten. O 03801 Frankfurterftraße 31, II. Achön möbliertes Zimmer zu vermieten. 03798 Grünbergerstraße S, III, 6055 Cassel, Wörthstraße 12. 6053 Herrn Daniel Christ bringer Belohnung. 6061 sowie für die trostreichen Worte des Herrn Pfarrer Gussmann sagen herzlichen Dank Die trauernden Hinterbliebenen Holzmühle bei Lollar, den 11. September 1900. 03794 6069 6063 Der Vorstand. Procent eben eingetroffen bei 528 31/, Franks. Hyp.-Bk. unk. b. 1906 31/, Frkf. Hyp.Tred.B. unk. b. 1906 4 4 Deutsche Grdsch.-B. unk. b. 1904 98.80 4 »rief 208 05 Darmst. Bk.-Actim eer.ntw.rtli* fir »« U.emnn.n leit: , Bittl.t für ten «nytynteti; H.«, a« _ u.t der e.WW* HebeMM.«. m» «HtOmierd »i