Nr. 162 Zweites Matt Samstag den 14. Zuli_____________________moe Kießmer Anzeiger Heneral-An^eiger Amts- und Anzeigeblatt für den ICreis Gietzen 8****T «. «Blätter #r W. Mllunbt* Alle Altzeigm-vermittkmgSstellm de- In- und Äu8(anMt» nehmen Snzeigen für den Gießener Anzeiger ratgegou ZetlenpreiS: lokal 12 Pfg., auswärts 20 Pfg. Gratisbrilagr«: Gießener Familienblätter, Der hestifche Landwirt, Mütter Mr heffrfche Nolkslumde. «dreffe für Depeschen: Aazetger $14*, Fernsprecher Nr. 51. Nezugspreis Vierteljahr!. Mk. 2M monatlich 75 Pfg. ncht Bringerlohn; durch die AbholesteLe» vierteljährl. Mk. l,9i monatlich 65 Pfg. Bei Postbezug Mk. 2,40 vierteljähsL. mit Bestellgeld KrfchtNN Ugft$ Bit LuS«atz«r deS R»nLts. befördert. Dem Gen. Lt. v. Kett- l e r, Inspekteur der 1. Fußart. Jnsp., wurde in Genehmigung seines Abschiedsgesuches /mit Pension der Abschied bewilligt. Bon dem demnächst zu veröffentlichenden deutsch- amerikanischen Handelsabkommen verlautet, daß Amerika nur für einige Positionen die Meistbegünstigung einräumt, und daß die bisherige differentielle Behandlung des deutschen Zuckers davon nicht berührt wird. Es wird tröstend bemerkt, daß wichtiger als die materiellen Vorteile die grundsätzliche Anerkennung der Reziprozität und das politrsch-freundschaftliche Verhältnis sei. — Am Mittwoch sprach im Verein aller Tabakinteressenten für Berl in und Umgegend der Generalsekretär des Vereins Berliner Kaufleute und Industrieller Willner über die am 1. Okt. d. I. in Kraft tretende NeuordnungderGewerbeordnung,die bekanntlich für die Besitzer offener Ladengeschäfte, also auch für die Zigarrenhändler, eine Anzahl wichtiger Veränderungen mit sich bringt In erster Linie besprach Willner die Bestimmungen, die zu Gunsten der in den betreffenden Geschäften angestellten Gehilfen, Lehrlinge und Arbeiter vom Gesetzgeber /getroffen sind, und die darin gipfeln, daß ihnen von Arbeitstag zu Arbeitstag eine mindestens 11 stündige Ruhezeit sowie eine angemessene Mittagspause innerhalb der Arbeitszeit gewährt werde, sofern sie ihre Mahlzeiten beim Prinzipal oder in demselben, Hause, wo sich das Geschäftslokal befindet, einnehmen, wahrend für alle außerhalb der Geschäftsräume Speisenden eine mindestens eineinhalbstündige Mittagspause vorgeschrieben ist. Von Viesen Bestimmungen werden im ganzen 30 Tage ausgenommen, deren Festsetzung der Ortspolizei oder Verwaltungsbehörde obliegt. Weiter tritt am 1 Ott. der allgemeine Ladenschluß um 9 Uhir abends ein, wovon an 40 Abenden des Jahres eine Ausnahme gemacht, d. h. I der Laden bis 10 Uhr abends offen gehalten werden darf. In der Diskussion überwog die Ansicht, daß man die zu Gunsten der Gehilfenschaft und des Ladeninhabers vorgesehenen Ausnahmen von Z0 und 40 Tagen möglichst Zusammenlegen und pieserhalb mit dem Polizeipräsidium in Verhandlungen treten müsse. Bezüglich der Wahl dieser Tage und Abende war man der Ansicht, daß die Tage vor Weihnachten und vor den hohen Festen in erster time in Betracht kommen /müßten. Der Vorstand wurde mit der weiteren Beratung in dieser Angelegenheit betraut. Deutsches Reich. Berlin, 12. Juli. Aus Bergen in Norwegen wird vom heutigen Tage gemeldet: Der Kaiser erledigte hem vormittag Regierungsgeschäfte mit den drei Kabmetts-B tretem und besuchte das norwegische Panzergeschwader Das Diner wurde beim deutschen Konsul eingenommen. Das Wetter ist sehr schön. — Das „Militärwochenblatt" macht bekannt. Frhr. v. Gemmingen, Gen. Lt. und Konimand^ir der 38 Div., wird mit dem 1. Oktober zum PrasidenMendes neu zu errichtenden Reichsmilitarger/ichts ^aannt gleichzeitig foi§ zum 1. Oktober zu den Offizieren von der Armee mit Anweisung seines Wohnsitzes in Berlin versetzt; Behm, Gen. Major und Kommandeur der 87. ^ns. Brig., unter Beförderung zum Gen. Lt., zum Kommandeur der 38. Div. ernannt; Frhr. v. Reitz en stein, Gen. Mcyor Wie», 12. Juli. Wie verlautet, giebt die neue parlamentarische Geschäftsordnung als Pauschalsumme für die Abgeordnetendiäten jährlich 2400 Gulden an. Die Diäten werden jenen Abgeordneten entzogen, die wegen ungebührlichen Benehmens von den Sitzungen auS- aeschloffen werden. . Pori.au.Pri«ce (Haiti), 12. Juli. Mit Hilfe der politischen Festigkeit hat sich die Geschäftslage zurzeit außerordentlich gehoben. ES ist deshalb wahrscheinlich, daß die Umsicht und die Initiative der deutschen Hau de ls- und Gewerbetreibenden in Haiti in Zukunft em bedeutendes Absatzfeld mit großem Nutzen finden wird. Der deutsche Handel in San Domingo hat in den letzten Jahren eine ganz beträchtliche Entwickelung angenommen. Die deutsche Kolonie wird von Tag zu Tag großer. Die hauptsächlichsten Bankhäuser in Port-au-Prmce find bereit, in deutschen Händen. Ausbeutungen von Mmen sind ist kürzlich zwei Deutschen durch die Regierung Hart, gestattet worden. _________________________ zwischen dem jetzigen Kriege in China und dem Burenkriege I bestehe. Sie bedauern, daß es bisher nicht möglich war, Japan ein besonderes Mandat zur Wiederherstellung der I Ordnung zu übertragen. London, 13. Juli. Aus Shanghai wird gemeldet: Nach einer glaubwürdigen Quelle sollen 30,000 Russen I int Begriff stehen, von Norden gegen Peking zu mar- I schieren. — Weiter wird gemeldet, daß die Landung der I eintreffenden Truppen nur mit großen Schwierigkeiten mög- I lich ist.__ Der Krieg tu Südafrika. Wir erhielten heute vormittag folgendes Telegramm I aus London, das wir sofort durch Aushang bekannt I gaben: London, 13. Juli. Lord Roberts berichtet aus Pretoria I von gestern: Rach einem ernstlichen Gefechte, d«S den ganzen Tag I dauerte, bemächtigten sich die Buren Nitralsnek, daS un- I gefähr 18 Meilen von Pretoria entfernt liegt. Die Verluste auf I englischer Sette find ziemlich bedeutend. D!eTruppenabtetlung, I die von den Buren geschlagen und gefangen genommen I wurde, bestand aus einer Schwadron schottischer Reiter und I 5 Kompagnien des Lincoln-Regiments. Die Abteilung hat I sich zweier Kanonen bemächtigt. Die beidm Geschütze, sowie I ein großer Teil der Schwadron gerieten in die Hände der Buren, I weil die Pferde erschossen waren. 90 Soldaten des Lincoln- I Regiments find ebenfalls vom Feinde gefangen genommen I worden. Die Gesamtverlustltste folgt. DaS dürste ein neuer kühner Handstreich des sehr I rührigen Oranjeburen-Führers Christian de Wet sein, I der allerdings das unvermeidliche Ende des Burenkrieges I nicht verhindern, sondern höchstens um einiges verzögern I kann. Die in London gehegte Erwartung, ihn bald einzu- I schließen und zur Uebergabe zu bringen, ist ihrer Verwirklichung also wesentlich ferner gerückt, und die Angabe, daß | die Zahl seiner Leute stetig abnimmt, dürste kaum den That- I fachen entsprechen. Es wird aber doch von Tag zu Tag I schwerer, seinen Heerhausen mit Nahrung und Schießvorrat I zu versehen, und unter dieser Schwierigkeit wird auch früher oder später der Krieg aus der Burenseite zunächst aus diesem Gebiete zusammenbrechen. Hier ist auch der Grund zu suchen, warum man aus englischer Seite soviel Wert darauf gelegt hat, die Burensührer im Oranjestaate von Transvaal abzuschneiden. Lord Roberts hat zu diesem Zwecke aus Transvaal ziemlich beträchtliche Truppenabteilungen j abgegeben und soll sich inzwischen auf seinem Bereich mit Ergänzung der Truppen, Erneuerung der Ausrüstung, Re- Montierung der berittenen Abteilungen und des Train, und sonstigen Vorbereitungen für den möglicherweise notwendigen letzten Vorstoß beschäftigen. Daneben wird übrigens in England auch mit der Möglichkeit gerechnet, daß die Führer der Transvaaler, sobald erst im Oranjestaat der ! Widerstand ganz zusammengebrochen und eingeschlummert | ist, der Hoffnungslosigkeit des weitern Widerstandes und der Kriegsmüdigkeit ihrer Landsleute Rechnung tragen, und I die Waffen strecken würden. Stille Verhandlungen, wobei die Frauen eine namhafte Rolle gespielt haben, sollen mancherlei Anhaltspunkte für die Auffassung geliefert haben. I Vor den Oranjern aber dürften auch die Transvaaler nicht I die Flinte ins Korn werfen. Der Vorsitzende des Haupt-Komites vom Roten Kreuz I empfing einen Bericht des Niederländischen Konsuls in Pre- I toria, daß die Mitglieder der zweiten niederländischen Ambulanz am 11. als Kriegsgefangene nach Pretoria 1 gebracht seien, weil sie Briefe in die Burenlinien besorgten. I Die Namen fehlen. Der niederländische Minister des I Aeußern bat um nähere Nachricht und ersuchte den nieder- I ländischen Gesandten in London, Schritte zur Befreiung der Gefangenen zu thun. 300 Kriegsgefangene verlassen Kap- I stadt in wenigen Tagen und werden nach Ceylon gebracht. Das internationale Friedensbureau in Bern I hatte die französische Regierung um Vermittelung I im südafrikanischen Kriege ersucht. Die französische Re- I gierung beschränkte sich daraus, den Empfang des Gesuches I zu bestätigen. Das Friedensbureau hatte der englischen .Regierung von dem Gesuch Kenntnis gegeben, woraus I diese ihm durch den englischen Gesandten in Bern Mitteilen I ließ, sie bedauere nur, daß Vermittelungsversuche nicht ge- I stellt wurden, ehe die südafrikanischen Staaten von der I kontinentalen Presse ermuntert, das Ultimatum erließen I und englisches Gebiet an sich rissen. Zolltarifs von andere» Seite geschehen wird. Die Gefahren, die daraus für die deutsche Tabakindustrie erwachsen, werden nach Ansicht der genannten Zeitung noch dadurch verstärkt, daß die Beratungen der den Tabak betreffenden Positionen des neuen Zolltarifs auf Grund einer in autoritativer Weise verkündeten, aber nachgewiesenermaßen unwichtigen Produktionsstatistik stattfinden werden. Das Blatt meint nun, daß es vielleicht Pflicht der Handelskammern derjenigen Kreise, in denen besonders Tabakindustrie getrieben wird, sei, ganz energisch gegen die ProduktionSstatistik, wie sie jetzt vorliegt, zu protestiere'n. Mainz, 13. Juli. Wegen der Verproviantierung der nach China gehenden Truppen muß in der Armee-Konservenfabrik Tag und Nacht gearbeitet werden, ^zn- nerhalb kurzer Frist müssen 15 000 Kisten hergestellt sein, die mit Zinkblech« ausgeschlagen werden, und zur direkten Aufnahme der Konserven (die also nicht er)t in Buchsen verpackt werden) dienen. — Zu einer Inspizierung der Festung ist der Inspekteur der Festungen Generalleutnant W a g n e r aus Straßburg hier emgetroffen. Die Besichtigung dauert zwei Tage und bezieht sich auch auf die an der Westfront vorzunehmende Veränderung der dortigen Festungswerke und die durch die Rheinüberbrückung (neue Bahnverbindungslinie) notwendig gewordene Errichtung neuer fortifikatorischer Werke. (M. A.) — Die Wohnungsnot nimmt in Kastel immer größere Dimensionen an. Thatsache ist, daß junge Leute, die sich dort verheiraten, gar keine Wohnungen mehr bekommen können und dieserhalb gezwungen sind, in Mainz oder Kostheim ihren Wohnsitz aufzuschlagen. Nun ist endlich, die Ent- festigungs - Angelegenheit einen bedeutenden Schritt vorwärts gerückt, was auf die letzte Anwesenheit des Kaisers, beziehungsweise dessen Durchfahrt mit dem Wagen von Wiesbaden nach Kastel gelegentlich, der Torpedobootsfahrten zurückzuführen ist. Bisher hatte das Kriegsministerium den Standpunkt eingenommen, daß die Erwerbung des Festungsgeländes nur im Ganzen erfolgen könne und eine teilweise Abgabe unmöglich sei. Das ganze zum Verkaufe stehende Gelände hat einen Flächeninhalt von ca. 800 000 Quadratmeter und umfaßt dabei Teile, die für Kastel und seinen Bebauungsplan vollständig unbrauchbar oder nur schwer veräußerlich gewesen wären. Auf eine Eingabe an den Kaiser seitens der Bürgermeisterei Kastel erfolgte sodann dessen Fahrt nach Kastel, und bald darauf fand sich« auch schon zur Besichtigung des Terrains ein Mitglied des Kriegsministeriums dort ein. Nun wurde neuerdings der Bürgermeisterei vom Kriegsministerium mitgeteilt, daß man dem Gesuche der Stadt nachikommen und einen Teil des Festungsgeländes, ca. 300 000 Quadratmeter abtreten wolle. Die Rheinschanzen und anderes Gelände sollen dabei nach den Wünschen der Kasteler Bürgermeisterei ausscheiden. Auch; von dem früheren Festhalten an dem Durchschneiden des Bebauungsplanes zur Anlage eines Exerzierplatzes ist das Kriegsministerium jetzt abgekommen. Diese Frage soll eine bessere Regelung zu Gunsten Kaftels erfahren. Der Ort kann sich, dann nach! rechts und links, aber ganz besonders gegen Koscheim zu bedeutend ausdehnen. Der Kasteler Gemeinderat hielt gestern unter dem Vorsitze des Herrn Löffelholz und in Anwesenheit des Territorial-Kommissars Geheimrats von Gagern eine Sitzung ab, in der zu dem neuen Angebot des Kriegsministeriums das einstimmige Einverständnis erklärt wurde. Es soll sofort mit dem Kriegsministerium wegen des Preises des Geländes in Unterhändlung getreten werden. Tie Bürgermeisterei und der Gemeinderat sind der Meinung, daß bei günstiger Taxation des Geländes die Erwerbung desselben schon in nächster Zeit erfolgen dürfte. Dann würde, da der Bebauungsplan schon so weit ausgearbeitet ist, auch die Wohnungsnot in Kastel bald ihr Ende erreicht haben. Vermischtes. * Zum Braudunglück in Hoboken. Aus New-Dork wird gemeldet: Die „Saale" ist flott gemacht worden. Es wurden in derselben noch 24 Leichen gefunden. Die Gesamtzahl der Toten beträgt demnach 60. — Aus Bremen liegt folgende Meldung vor: Der Auffichtsrat und der Vorstand des „Nordd. Lloyd" begaben sich am Donnerstag nach Bremerhaven, um den Kapitän, die Offiziere und Mannschaften des Schnelldampfers „Kaiser Wilhelm der Große", sowie ferner die mit diesem Dampfer zurückgekehrten Mannschaften der übrigen an der Brandkatastrophe beteiligten Dampfer zu beglückwünschen. —- Wie „Bösmanns Telegr.-Bureau" erfährt, wurde seitens des Lloyd auch den Hinterbliebenen Witwen und Waisen, unabhängig von den sonstigen Bezügen, der Betrag der Monatsgage des Verstorbenen extra ausgezahlt. * verletzte Gesandten mord in China geschah SPLÄ 1866, der Schauplatz war Rio Frio, ein 2S Wegestunden von der Hauptstadt Mexiko. Im J866 Eam eine b el g is cb.e Gesandtschaft, ge- Barcm d'Huart, um nach dem Tode ^E,^,^br-Konigs Leopold I., des Vaters der Kaiserin Huerprt*' Am ^L^^^gung König Leopolds II. zu noti- ^/bren. Am 24. Marz verließ die Gesandtschaft gegen Mittag Mexiko, vor bem Dcnffe Rio Frio wurden ihre beiden Wagen von einer Bande Guerillas, unter denen sich auch einige pffenbar kostümierte „Indianer" befanden, umschwärmt und aufgehalten; die Reisenden wurden zum Absteigen aufgefordert. Ein belgischer Offizier, der spanischen Sprack>e mächtig, berief sich auf das unverletzliche Recht der Gesandten, ein anderer wiederholte den Protest in englischer Sprache. Die Guerillas schienen sie nicht zu verstehen und gaben eine Salve auf die Wagen ab. Einige der belgischen Offiziere wurden von den Gewehrkugeln verwundet, der Kapitän aber durch einen Schuß in die Brust getötet. Die Guerillas benutzten die Verwirrung nicht zum Raube, sondern sprengten, obwohl eine französische Patrouille sich näherte, unverfolgt von dannen. Eine Version wollte — wenig glaublich — für das Attentat den Chef der französischen Armee, Marschall Bazaine, verantwortlich machen, d.em es sich darum gehandelt habe, die Machtlosigkeit des mexikanischen Kaiserreichs zu demonstrieren, das nicht einmal eine fremde Gesandtschaft wenige Meilen vor der Hauptstadt schützen könne. Sport, Spiel, Jagd. ** Sommerfest deS Turnvereins Gieße«. Verschiedenen Anfragen zufolge sei erwähnt, daß der Eintritt zu den Festlichkeiten im Philosophenwald nur gegen Vorzeigung der Eintrittskarten gestattet ist, bezw. daß diese sichtbar zu tragen sind. An der Kasse beträgt der Eintrittspreis durchweg 40 Pfg. pro Person. Es dürfte sich des voraussichtlich großen Andranges wegen empfohlen, sich frühzeitig in den Besitz von Eintrittskarten zu stellen, die zum Preise von 20 Pfg. bezw. 30 Pfg. in den Borverkaufsstellen zu haben sind. Ararrkfnrt a.M., 13. Juli. Anläßlich der in Frankfurt a. M. stattfindenden Automobil-Ausstellung findet am Sonntag den 22. Juli ein großer Automobil-Blumenkorso statt. Die Ausstellung giebt dazu drei große, erste silberne Ehrenpreise, drei silberne Becher, und außerdem erhält jeder Teilnehmer zur Erinnerung an den ersten Automobil-Blumenkorso in Frankfurt a. M. ein Diplom. Der Frankfurter Automobü-Klub hat zu dieser Blumenfestfahrt bereits achtzehn Voiturrettes und Tourenwagen gemeldet. Meldeschluß ist Mittwoch dm 18. Juli; die Meldungen sind an das Bureau der Automobil- Ausstellung zu richten; ein Einsatz wird nicht bezahlt. Radrundfahrten in Deutschland. Unter diesem Titel erscheint im Verlage von Franz Ebhardt u. C o. in Berlin W. 50, Schaperstraße 5, ein bänderreicher Führer für Radfahrer. Uns liegen die Bändchen „R h e i n, Mosel, Eise l" und „R b e i n, T au n us" vor, die zum Preise von je 1.50 Mk. durch alle Buchhandlungen zu beziehen sind. Die Verfasser legen in erster Linie Wert darauf, daß nicht das Durchsausen größter Entfernungen in kürzester Zeit, sondern verständiges Wanderfahren die wesentlichsten Vorteile des Radelns bildet. Sie schrieben ihre Radrundfahrten nicht für Radler, denen -das Radeln Selbstzweck ist, sondern für solche, die eine Gegend genießen wollen. In dem einen der Führer gehen sie von Köln, in dem anderen von Frankfurt aus, führen vom Rhein zur Mosel durch die Eifel, bezw. vom Main zum Rhein ourch den Taunus an zahllosen Orten vorüber und kehren zum Ausgangspunkte zurück. Die „Rundfahrten" sind so angeordnet, daß sie die irgend sehenswerten Punkte der Gegend verbinden und an jedem beliebigen Punkte, also z. B. auch in Gießen, das in beiden Büchern mit seiner weitesten Umgebung ausführlich behandelt wird, begonnen werden können. Wer sich der Route der „Rundfahrten" anschließt, kann sicher sein, alles landschaftlich rc. Bemerkenswerte gesehen zu haben. Durch „Verbindungswege" ist aber auch für diejenigen gesorgt, denen es an Zeit oder Lust mangelt, die ganze „Rundfahrt" abzufahren, oder die noch weitere Abstecher rc. unternahmen wollen, sowie schließlich für diejenigen, die es vorziehen, sich überhaupt ihre eigene Marschroute zusammenzustellen. Wir halten diese beiden Bänochen, die mit Karten und Illustrationen reich versehen sind, für unentbehrlich für jeden Gießener Tourenfahrer. — Für die weiteren Bändchen und die neuen Auflagen dürfte sich die Beigabe einer Wachsleinwandtasche und eines Bleistifthalters empfehlen. Oerichtssaal. bm. Mainz, 13. Juli. Wegen angeblicher Beleidigung der Postbeamten der Bezirke Mainz und Kaiserslautem stand heute der Redakteur des „Neuesten Anzeigers" vor der als Bemfungsinstanz er» kennendm Strafkammer des hiesigen Landgerichtes. Der Sachverhalt ist kurz folgender: Ein Abonnent des genannten Blattes in Kaiserslautem konnte trotz wiederholter Reklamation auf der dortigen Post in zahlreichen Fällen sein Blatt nicht erhalten und wandte sich deshalb brieflich an die Redaktion. Der Redakteur teilte hierauf dem Reklamanten im Briefkasten der Zeitung mit, daß die Blätter von der Expedition regelmäßig expediert würden, fehlende Nummern fänden gewöhnlich auf der Post Liebhaber. Wegen dieser Briefkastennotiz wurde von der Post- behörde Strafantrag gestellt. Die Klage endete indes sowohl vor dem Schöffengerichte wie auch vor der Bemfungsinstanz mit der Freisprechung des angeklagten Redakteurs. Beide Instanzen entschieden, daß der angeklagte Redakteur in Wahrung berechtigter Interessen gehandelt habe, und legten der Staatskaffe die Kosten zur Last. Leipzig, 12. Juli. Dm zweiten Strafsenat des Reichsgerichts beschäftigte gestern bet große Prozeß gegen den früheren Bankdirektor Erich v. Kriegsheim und den Generalagenten Arthur Wißmann, die beide am 16. Febmar vom Landgerichte I in Berlin nach 15tägiger Verhandlung verurteilt worden sind, Kriegsheim wegen Betrüge» in fünf Fällen, Urkundenfälschung, Untreue und Unterschlagung, sowie wegen Vergehens gegen das Gesetz vom 22. April 1892, Wißmann wegen Betruges in zwei Fällen und Untreue in einem Falle. KriegSheim ist zu 6 Jahrm Gefängnis, 500 Mark Geldstrafe und 5 Jahren Ehrverlust verurteilt worden, Wißmann nur zu 6 Monaten Gefängniß, welche Strafe als durch die Untersuchungshaft verbüßt erachtet wurde. Beide Angeklagte hatten das Urteil im vollen Umfange angefochten. Das Urteil des Reichsgerichts lautete folgendermaßen: DaS Urteil des Landgerichts wird aufgehoben bezüglich des Angeklagten v. Kriegsheim, soweit es betrifft die Fälle Korb, von Jena, Hennings, v. Kanitz und v. Richthofe«, außerdem auch in Betreff der Gesamtstrafe und der Reben^ strafen, ferner bezüglich des Angeklagten Wißmann, soweit der Fall Nowakowski in Frage kommt; im übrigen werden die Revisionen ver- « o rfen. Stetti«, 12. Juli. Im Prozeß gegen die Aufsichtsräte der National-Hypotheken-Kredit-Gesellschaft beanttagte der Staatsanwalt gegen Thym 2 Jahre Gefängnis, 3600 Mk. Geldstrafe und 2168 Mk. wegen Stempelhinterziehung sowie Aberkennung der bürget lichen Ehrenrechte für die Dauer von 3 Jahren, gegen Uhsadel 1 Jahr Gefängnis und 3000 Geldstrafe, gegen den Grafen Arnim 6 Monate Gefängnis (unter Anrechnung der Untersuchungshaft! und 2000 Mk. Geldstrafe, gegen v. Blumenthal 4 Monate Gefängnis, 1700 Mk. Geldstrafe und 2168 Mk. wegen Stempelhinterziehung und Freisprechung für die Angeklagten Hempel und Meyer. Das Urteil wird in 8 Tagen publiziert werdm. Arbeiterbewegung. Hannover, 12. Juli. Die hiesigen Maurer beschloffen mit 1185 gegen 80 Stimman den sofortigen Streik. Die Gesellen verlangm 50 Pfg. gegen bisher 40 Pfg. Stundenlohn. Amsterdam, 12. Juli. Drei große Versammlungen der streikenden Schtffsarbeiter fanden gestern in Rotterdam statt. Auch die Bäcker beabsichtigen, die Arbeit einzustellen. Eine Einigung mit den Schleppern und Fuhrleuten, die sich vom Arbeiterbunde trennen sollen, wurde noch nicht erzielt. Wegen Mangels an Anfuhr mußten einige Garnfabriken m Trente schließen. Kirchliche Nachrichten. Svaagelische Gemeinde. Sonntag den 15. Juli. 6. nach Trinitatis. Gottesdienst. In der Stadtkirche. Bormittags 8 Uhr: Pfarrer Dr. Grein. Zugleich Christenlehre für die Neukonfirmierte« der MarkuS- gemeinbe. Vormittags 9»/i Uhr: Pfarrer Schlosser. Vormittags 11 Uhr: Militärgottesdienst. Näckstkünfligen Sonntag, den 22 Juli, findet im Frühgottesdienst wieder Christenlehre für die Neukonfirmierten auS der Matthäusgemeinde statt. Konstrmandeusaal, Kirchstraste 9» Vormittags 11 Mr: Kinderkirche für die Matthäusgemeinde. Pfarrer Schlosser. (Vorbereitung dazu fällt auS.) In der JohanneSkirche. Vormittags 8 Uhr: Pfarrer Euler. Zugleich Christenlehre für die Neukonfirmierten auS der Lukas- gemeinde. Vormtttags 91/, Uhr: Pfarrer Dr. Naumann. Beichte und heil. Abendmahl für die LnkaS- und die Jo- hanneSgemeinde. Anmeldungen vorher bei dem Pfarrer jeder Gemeinde erbeten. Vormittags ll1/« Uhr: KindergotteSdienft für die JohanneA- gemeinde. Pfarrer Dr. Naumann- Am nächsten Sonntag, dem 22. Juli, wird nach allen Gottesdiensten eine Kollekte erhoben zum Besten der Erbauung einer evangelischen Kirche zu Affolterbach. Es wird wiederhott darauf aufmerksam gemacht, daß der kirchlichen Trauung auch ein kirchliches Aufgebot vorherzugehen hat, und wird dringend gebeten, es rechtzeitig — spätestens eine Woche vor der Trauung — bei dem zuständigen Pfarrer zu bestellen. Katholische Gemeinde. Samstag den 14. Juli Nachmittags um 41/» Uhr und abends um 8 Uhr: Gelegenheit zur heil. Beichte. Sonntag den 15. Juli. 6. Sonntag nach Pfingsten. Vormittags von 6«/, Uhr an: Gelegenheit zur hl. Beicht. , um 7 Uhr: Die erste heil. Messe; vor und in derselben Austeilung der heil. Kommunion. , um 8 Uhr: Die zweite heil. Messe. MUitärgottesdienft mit Predigt. „ um 9Va Uhr: Hochamt mit Predigt. Nachmittags um 2»/, Uhr: Sakramentalische Bruderschaftsandacht. Gottesdienst der israelitischen Keligionsgesellschast. Sabbathfeier am 14. Juli 1900. Freitag abend 7« Uhr, Samstag vormittag 8 Uhr, nachmittags 4 Uhr, SabbathauSgang 9« Uhr. Nachmittag 3n Uhr Schrifterklürung in der Synagoge. Wochengottesdienst morgend 68o Uhr, abends 7*» Uhr. Krieskasten der Redaktion. Anonyme Anfragen können — wir bemerken das wiederholt — aus schwerwiegenden Gründen nicht Beantwortung finden. Temperatur der Lah« und Luft nach Reaumur grmeffen am 13. Juli, zwischen 11 und 12 Uhr mittags: Wasser 16«, Lust 21°. Rübsamen'fche Badeanstalt. Neueste Meldungen. Berlin, 13. Zuli. Die Reichsbank ermäßigte heute den Bankdiskont von 5% auf 5% und den LombardziuSsuß von 6% auf 6e/e. Kunst-Ausstellung. aas Stellung im Turmhaus am Brand ist täglich von 11 bis 1 Uhr mittags mit Ausnahme des Samstags geöffnet, Mittwochs auch noch von 3 bis 5 Uhr nachmittags, an Sonn- und Feiertagen von 11 bis 3 Uhr ununterbrochen. Eintritt für Nichtmitglieder an Werktagen 50 Pfg. an Sonn- und Feiertagen 20 Pfg. Gelcgeidieitskäufe 4221 Staubmäntel kariert, Mark 3.80. Gummimäntel, garantiert wasserdicht, jetzt Mark 21.—, früher Mark 34.—. Lodenmäntel jetzt Gi.80 Mark und 8.50 Mark. früher 12 Mark und 15 Mark. □ CftpeS9 90 bis 100 cm lang, 8 Mark und 8 Mark. früher ] 5 Mark und 18 Mark. 9 Seltersweg 85. Carl Voirach. Seltersweg 85. 4852 Gießen, den 13. Juli 1900. Die Beerdigung findet statt: Samstag nachmittag 4 Uhr von den Neuen Kliniken aus. Todes-Anzeige. Heute morgen 4 Uhr entschlief sanft nach längerem, schwerem Leiden meine liebe Tochter Anna Elisabeth Weissenstein. Die trarrrrudeu Hinterbliebenen. Gießen, den 12. Juli 1900. Die Beerdigung findet Samstag den 14 Juli, abends 6'/, Uhr, vom Sterbehause, Neuenbäue 20, aus statt. 02918 Todes-Anzeige. Gestern mittag 1 Uhr entschlief sanft nach langem Leiden mein lieber Mann Komad Sänger. Um stille Teilnahme bittet Marie Sänger, geb. Bätz. W r bringen hiermit zur gefl. Kenntnis, daß wir den Allein-Verkauf unseres echten Lichtenhainer für die Provinz Hessen-Nassau, sowie füc ganz Güddeutschlaud der Firma Justus Wilh. Berdux, Bikr-GroWndlung, Marburg a. d. Lahn übertragen haben. Lichtenhai« bei Jena, im Juli 1900. Commun-Brauerei, Gebr. Weber. Ich versende das echte Lichtenhainer aus der Commuu-Brauerei in bester Beschaffenheit zum Oliginalpretr zuzüglich Waggonsracht Jena-Marburg frei Bahnhof hier. Marvurg a. d. Laß«, im Juli 1900. 4859 Justus Wilh. Berdux. 2 4730 zu verkaufen. Durch wen? sagt die Exped. d. Bl. Bonn, den 11. 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Auf Antrag des Gemeinderats wird nach Anhörung des Kreis- ausschuffes und mit Genehmigung des Großh- Ministeriums des Innern vom 20. Juni 1900 zu Nc. M. d I 17315 Folgendes bestimmt: S i. Alle neuen Wohngebäude müflen mindestens zweistöckig erbaut werden. § 2. In der Bahnhofstraße darf nur anschließend gebaut werden. § 3. Die in dem am 24-/28. März 1891 genehmigten Ortsbauplan vorgesehene Straße M-L, P-Q fällt aus. § 4. Die Altestraße und Moltkestraße werden zur Bebauung eröffnet, sobald der Umbau bezw. Herstellung dieser Straßen durch die Kreir- straßenverwaltung fertiggestrllt ist. Zwei tüchtige fangen im Alter von 14 bis 17 Jahren in die Kantine gesucht. 4216 Christ. Dttill, neue Kaserne. ■ Kostenfreie Auskunft ertheilt in Giessen: J. M. Schulhof, „ „ Carl Loos, „ Friedberg: Isidor Schulhof, „ Grflnberg: Julius Karl, „ Homberg: Carl Stern. OOQCKXXXXX HMmrsche Ludwigsplatz 3. 02857] Schuhmachergeselle gesucht. Karl Müller, Liebigstraße 64. 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