Rr. 136 Erstes Blatt. 1900 Gießener Anzeiger General-Wütiger Anrts- und Zlnzeigeblntt für den Ureis Gieszen. SS ^IlkSUj |(i uipagen! he 1 /«/#>* Donnerstag den 14. Juni Nezngspreir vierteljährl. Mk. 2M monatlich 75 Pfg. mit Bringerlohn; durch die AbholcsteL« vierteljährl. Mk. 1,9t monatlich 65 Pfg. Bei Postbezug Mk. 2,40 Vierteljahr«, mit Bestellgeld. Alle Anzeigen'BermittiungSstellen de» In« und Au»laudeA nehmen Anzeigen für den Gießener Anzeiger entgegen. Zeilenpreis: lokal 12 Pfg., auSwärt» 20 Pfg. IhMtte*, Expedition und Druckerei: 5<-»sßr«be Nr. 7. B**eN*e »♦« Anzeigen zu der nachmittags für de« frigend« Log ^scheinenden Nummer bi» vorm. 10 tthr. Abstellungen spätesten» statt» vorher. Ldreffc für Depeschen: Anzeiger Fernsprecher Nr. 5L Gratisbeilagen: Gießener Familienblätter, Der hessische Landwirt, Dlätter für hessksthe Volkskunde. ieht man Farmen liegen, deren herrlichste The Willows ist. Die Ländereien von The Willolvs erstrecken sich bis znmt Pienaar und bergen in der Tiefe silberhaltiges Gestein, dessen Förderung seit etwa 12 Jahren von riesigen Maschinen besorgt wird. 1000 Meter weiter südlich, aber bedeutend höher, am Hange liegejn im Schatten von 150 bis 200 Fuß hohen Eukalypten, aus der grünen Umgebung freundliche hervorleuchtend, die weißen festen Gebäude der Farm. Vor ihrer Front dehnt sich ein großer Obstgarten^ durch Mauern und Stacheldrahtzäune ebenso geschützt, wie die Felder, die sich schier unabsehbar allmählich zur Thalsohle hinabziehen. Die reichen Quellen senden ihre Wasser in drei große fischreick>e Weiher ud ermöglichen die Berieselung umd damit Bestellung des Landes int Winter. Anforstung im großen Stile ist hier ebenfalls betriybeir. worden. Mächtige Kraale mit 1 einviertel Meter hohen Felsmauern dienten vor der Zeit der Rinderpest den Zwecken einer blühenden Viehzucht. Ein Menschenalter und mehr fleißiger und umsichtiger Arbeit schufen auf dem Steppeulande am Pienaar eine kräftige Industrie neben lohnender Landwirtschaft. Zur vorübergehenden Verteidigung der Bahnlinie und der Straße nach Ostchr. eignet sich dieser Abschnitt recht gut, weüngleich eine Umgehung sowohl südlich als auch nördlich wohl ausführbar und wahrscheinlich ist. Artilleriestellungen außerhalb des' Gewehrfeuers der Buren dürften für die Engländer schwer zu finden sein, und ohne solches sind weder die festen hohen. Fabrikmauern noch die Farmgebäude von The WillowZ zu nehmen. Die langen Mauern mit Drahtzäunen stellen wirksame, schon vorhandene Hindernisse dar, die ebenso leicht besetzt wie verstärkt werden können. Der Pienaar ist für größere Truppenkörper, namentlich aber für Artillerie und Kavallerie durchaus nid)t überall passierbar, obgleich der Wasserstand augenblicklich, der Winterzeit entsprechend, niedrig sein wird. Niedriger gehängt zu werden verdient das würdelose Verfahren eines Mannes, der sich H. Luders, Banker, Hamburgh, nennt und zu einer englisch geschriebenen Anpreisung von Losen der Hamburger Staatslotterie an ein deutsches Geschäftshaus auf Sumatra, das er offenbar für ein englisches Unternehmen hält, folgenden Zusatz macht: „Seit ich das Vergnügen hatte, Ihnen mein letztes Anerbieten zu unterbreiten, bin ich entzückt darüber, den großen Erfolg ihrer Waffen in Afrika zu verzeichnen, der zu einem großen Teile durch die Hülfe Ihrer Kolonialtruppen herbeigeführt worden ist. Indem ich Sie zu diesem Erfolge beglückwünsche, hoffe ich, daß dieser Krieg, der dem britischen Reiche aufgezwungen worden ist, damit enden wird, daß die beiden Republiken zur Wohlfahrt für die ganze zivilisierte Welt Teile Großbritanniens werden." Telegramme des Giesteuer Anzeigers. London, 13. Juni. Ein Telegramm aus Kapstadt besagt, Dew et marschiere mit 13000 Mann auf Johannesburg. Ein anderes ebenfalls aus Burenquellen stammendes Telegramm berichtet, Präsident Stein sei mit 7900 Mann in Bloemfontein eingerückt. (Dem widerspricht die Depesche von Kelly Kenny aus Bloemfontein, worin er meldet, daß seit Donnerstag keine Nachrichten von Methuen vorliegen, was beunruhigt, da Methuen nördlich von Vechtkop in ein Gefecht verwickelt war.) Das Kriegsamt hat keine Nachricht darüber, daß bei Ficksberg 1500 Burghers sich ergeben haben. dischen Wachen in Peking angegriffen. Der neue Präsident des Tsung-li-Yamen ist ein mächtiger Gönner der Boxer. Auf der Wiener japanischen Gesandtschaft wird erklärt, daß alle Meldungen von kriegerischen Absichten Japans unbegründet seien. Japan beabsichtige in Betreff Chinas keinen Eingriff und werde die von den anderen Mächten beobachtete Politik einschlagen. frrftetof ugklch Btt Lu»nahme dkS Montag». Die Gießener $4KHle«ir*t(er »erbte dem Anzeiger bi Wechsel mit „Hess K-dtt>irt" >. „©Utter str Hess Volkskunde" PschA. 4 erä beigelegt. Die Wirren in China. Jedermann hat sein Augenmerk auf China gerichtet unb kümmert sich immer weniger und weniger um die Mel« Lungen vom südafrikanischen Kriegsschauplätze. In Peking sollen die Dinge noch beunruhigender anzusehen sein, als aus den Depeschen von dort hervorgeht. Der Kaiser und Lie herrschende Kaiserin-Regentin sind am Samstag wieder in der Hauptstadt eingetroffen, begleitet von Truppen unter Lungfuhsiang. Die Einschüchterung der Christen dauert fort. In Peking sind die meisten Missionshäuser geschlossen lvorden, der telegraphische Verkehr ist nur über Rußland möglich, uud die Fremdenhetze hat einen solchen Punkt erreicht, daß niemand sich sonderlich wundern würde, von einem Ausbruch in der Hauptstadt gegen die Ausländer überhaupt und die Gesandtschaften insbesondere zu vernehmen. Der neueste kaiserliche Erlaß, der die Christen iadelt und die Boxer in Schutz nimmt, scheint die Mächte Mich zur That getrieben zu haben. Es sind im ganzen weitere 1700 Mann europäischer Truppen, Marinesoldaten uvd Kriegsmatrosen, in drei Zügen nach Peking befördert mrben. Im ersten Zug stellten die Engländer das Haupt- tontrngent, und der englische Admiral Sir Edward Seymour Nie der rangälteste amerikanische Offizier waren dabei. dritten Zuge, der 500 Mann beförderte, waren unsere Laiid-sleute mit 350 Seesoldaten und Matrosen vertreten. Dazu kamen aber auch wieder 80 Engländer uud 70 Fran- zoser. Nach einem Gerücht hätte die Kaiserin Wittwe auf btt russischen Gesandtschaft Schutz gesucht. Dazu möge er- vühnt werden, daß man von Schanghai aus mehr als einmal empfohlen hat, wenn den Mächten ernstlich an der Lösung ■ttt heutigen Schwierigkeiten gelegen sei, sich der Person der Herrscherin zu bemächtigen unb sie kurzer Hand abzusetzen. ®ttrn der Kaiser eine zuverlässige machtvolle Persönlichkeit Tttiire, ließe sich dec Gedanke, die Mittelfigur aus dem Mischen Spiel im himmlischen Reiche zu entfernen, viel- ltikht ernstlich in Betracht ziehen; allein wenn das der Fall -märe, hätte die Kaiserin schwerlich mehr die Machtfülle in der Hand, über die sie in jüngster Zeit verfügt hat, und in -solchem Falle wäre ihre Beseitigung also überflüssig. Es scheint, daß die kluge Frau auf dem Throne entweder neuer; Lings nicht mehr auf guten Rat gehört ober sich in ber -Erwartung russischer Unterstützung so sicher gefühlt hat, daß ch iebe Beschränkung ihrer politischen Gelüste überflüssig ^schien. Wenn Lihnngtschang noch ihr Ratgeber wäre, Mrde sie kaum in ihre augenblicklichen Verlegenheiten ge- Aten sein. Die koreanische Regierung schlug vor, bte Audtenz zu verlogen, die ber japanische Gesanbte verlangte, um wegen Ärr Hinrichtung eines bem Schutze Japans unterstehenben Züchtlings vorstellig zu werben. Es verlautet jeboch, Japan pbe in der Antwort die sofortige Bewilligung der Audienz verlangt. Neber die von Deutschland mit Rücksicht auf die. Unruhen in China getroffenen Maßnahmen wird geschrieben: Nachdem außer dem Chef des Kreuzergeschwaders auch ber Merliche Gouverneur von Tsingtau telegraphisch angewiesen worden ist, zur Bekämpfung bes Boxer-Aufstandes in Norb China die erforderlichen Maßregeln zu treffen, nach Lage der Ereignisse angenommen werden, daß bte Äesatzung unserer ostasiatischen Kolonie heute bereits mobil gemacht ist. Zur Aufrechterhaltung der .Lkdnung unb zum Schutze ber Kolonie selbst wird das Gouvernement in Kiautschou den größten Teil ber Besatzung 4 Tsingtaufort belassen müssen; immerhin aber wird es b der Lage sein, auch ein recht starkes Detachement nach h bedrohten Gegenden auf den Weg bringen zu können, ter deutsche Kreuzer „Gefion" ist am 9. b. M. in Tongku cig;etroffen. . Heber bk Unruhen m China werben noch folgenbe talbeiten vom 12. d. Mts. gemelbet: Die Protestanten in Peking bauten eine Barrikabe vor dem Gebäube, wohin -f,, -ck geflüchtet haben, da sie nur eine kleine Wache haben. Vie römischen Katholiken haben sich nördlich von ber MSebrale konzentriert. Peking unb besonders die Tataren- hibi scheinen sicher. Eine teilweise Wiederherstellung der Schn wirb heute erwartet. Die neue Sommerresibenz ter britischen Gesandtschaft m den Bergen wurde lest« Nacht von unbekannten Boxern oder Soldaten total ein aeäschert. Das Gebäude war formell unter den Mnfc der chinesischen Regierung gestellt. Kein Menschen- i wurde eingebüßt. Nach einem Telegramm auS -Zchnghai zirkulieren dort wilde Gerüchte. General Tung- >S5iaug und die Kanfu Truppen hätten die auslän- M bifonfteibaitii itt WM io en hab«, «rkn iert, solche . bei den Wv enchtlllmn W eichen, da M- ißung mehr diejenigen, jen an die geb ,onde sind, mi^ Tagen ro MW* Oft. ißJriU tari 2 Uhr ... «n, 1 Ladenich^' Hs i-ftSS fjfe Der Krieg in Südafrika. „Daily Expreß" meldet nad) Drahtungen aus Burenquellen zwei britische Niederlagen, eine bei Donkerpoort, 10 Metten nördlich von Norvalspont, wo die Engländer angebliche in beträchtlichen V e r l u st gesetzt worden sind, die andere bei V r e d e f o r t, wo die Engländer mit einem Verluste von 750 Toten und Verwundeten sowie 150 Gefangenen zurückgeschlagen worden sind. Die Buren erbeuteten eine große Menge Lyddit-Bomben, die sie zerstörten. — Dewet stieß nach der V e r e e n i g i n g vor. Die Eisenbahnlinie ist zerstört. — Die letztere Niederlage ist wahrscheinlich identisch mit der von Rondeval, wo bekanntlich ein englisches Neomanry-Bataillon in die Gefangenschaft der Buren geriet. General Buller telegraphiert vorn 12. d. M. aus Joubertsfarrn: Ich habe vier Meilen von Volksrust. ein Lager bezogen. Die Buren haben gestern den Laingsneck-Paß und den. Majubahügel geräumt. Die von Jngogo kommende Division Giert) überschreitet jetzt Laingsneck. Ich mußte hier wegen Wassermangels ein Lager beziehen. — Der General meldet weiter, daß er sin der letzten Nackt Charlestown erobert habe. Die Buren leisteten energischen Widerstand, die Verluste der Engländer sind schwer. General Kelly-Kenny meldet aus Bloemfonteiw pom 11. Juni, er habe seit dem 7. Juni keine Mitteilung von Lord Methuen erhalten, der am 6. Juni nördlich voil Vechtkop in ein Gefecht verwickelt gewesen sei. Präsident Steijn befinde sich in der Nähe des Ortes Reitz, östlich von Lindley. Die nach Vrede gebrachten englischen Gefangenen würden gut behandelt. — Ein Telegramm Kelly-Kennys vom 12. Juni aus Bloemfontein besagt, die britischen Truppen, die von Norden her anrückten, hätten Honingspruit erregt und dort ein Gefecht mit den Buren gehabt. Morgen früh würden sie an der Eisenbahn bei Amerika-Station eintreffen. General Knox ßei von Kroonstadt aufgebrochen, um die Buren abzuschneiden. Lord Roberts berichtet, daß 150 englische Offiziere und 3 5 00 M a n n , die in Pretoria gefangen waren, in Freiheit sind, 900 seien von den Buren nach anderen Orten gebracht worden, während sich 200 im Lazarett befinden. Ein Deserteur berichtet, im Bezirke Bethlehem ständen 7000 Buren. Bei dem letzten Gefecht bei Rooi- krantz sei Kommandant Olivier gefallen, Kommandant De Villiers tätlich verwundet. 1500 Buren ergaben sich dem General Brabant — Diese Meldung des Büreaus Reuter bedarf noch sehr der Bestätigung. Ein Telegramm aus Kapstadt von gestern nacht meldet: Ministerpräsident Schreiner stattete nachmittags dem Gouverneur Milner einen Besuch ab und überreichte formell seine Demission. Milner bat Schreiner, vorläufig die Geschäfte fortzuführen. Es heißt, daß Schreiner einwilligte. Die Buren sollen beabsichtigen, auf ihrem Rückzüge von Pretoria nach Osten bei H a t h e r l e y einem weiteren Vorrücken der Engländer Widerstand entgeg-onzusetzen. Hather- ley - Distillery ist auf den meisten KarteU der Südafrikanischen Republik nicht angegeben, es ift auch kein Ort, sondern eine gewerbliche Anlage, „Die erste Fabrik" genannt, welche die Hauptfrucht des Landes, den Mais, daneben aber auch Weizen und Kaffernhirse zu Branntwein verarbeitet. Dazu ist vor etwa zehn Jahren Brauekei- betrieb getreten. Der rege Verkehr nach dem großartig^ Betriebe war «auch wohl Anlaß, daß die Eisenbahn von Pretoria nach der Delagoabai hier vorüber geführt und eine Station angelegt wurde. Wenig bekannt dürfte die That- sache sein, daß man dort auch „Kölnisches Wasser" herstellt, das unter der Marke „Johann Maria Favinia, gegenüber dem Fabriksplatz" — die Aufschrift ist deutsch — in den Handel gebracht wird. Auch die verschiedensten Sorten Feuerwasser vom „Three Star Brandy" bis zum „Gin", das ist Genever, entspringen dieser Quelle. Die Fabrik liegt etwa 13 Kilometer östlich von Pretoria in einem großen Bogen des Pienaarflusses, hart an feinen steil abfallenden Ufern, und ergoß früher alle Rückstände, d. h. die Schlempe, unbenutzt in den Fluß. Jetzt sollen viele hundert Schweine damit gemästet werden. Eine Schleife der großen Straße von Pretoria nach Middelburg führt ebenfalls hier vorüber in einen langgestreckten von West üqch Ost verlaufenden Thalkessel. An den Berghängen Preußischer Landtag. Abgeordnetenhaus. 79. Sitzung vom 12. Juni 1900. 11 Uhr. Am Ministertische: v. Thielen. Tagrsordriung: Interpellation Cahensly-Lieber (Ztr.): Ist die Staatsregieruna im Hinblick auf daö am 17. April dö. I». auf dem Rhein zwischen Rüdesheim und Bingen vorgekommene Unglück bereit, Maßregeln zu ergreifen, dir den durchaus unzulänglichen Trajektoerkehr zwischen Rüdesheim und Dingen den heutigen regen Verkebrsverhältnissm entsprechend gestalten? Abg. Cahensly (Zentrum) schildert die Unzulänglichkeit der heutigen Verhältnisse. An den Abfahrtstellen hrnschtm unerträgliche Verhältniffe. Kälber, Schweine und Menschen kämpften um die rechtzeitige Beförderung. (Heiterkeit.) Minister v. Thielen bemerkt, die Regierung lehne jede Verantwortung für das Unglück ab. Die verunglückten Per- sonen hätten ganz genau gewußt, wie groß die Tragfähigkeit des Fahrzeuges gewesen sei: sie hätten es überfüllt unb dadurch das Unglück verschuldet. Vortellhafter würde eS ja sein, wenn eine feste Bcücke von Bingen nach dem anderen Rheinufer geleitet würbe. Hiergeam würde seitens der Regierung nichts einzuwenden feto, wenn Die Stadt Bingen mit Unterstützung durch die übrigen interessierten Ortschaften die Angelegenheit in die Hand nehme. ES findet Besprechung ber Interpellation statt. Abg. Lotichius (nl) meint, man solle bei Verpachtung »es Trajektverkehrunternehmens darauf halten, daß nur zuverlässigen Leuten die Pachtung übertragen werde. Abg. v. Riepenhausen (kons.) Es scheme, als ob solche Vor- kommniffe keine Zufälligkeiten seien, die sich nicht vermeiden ließen. Stecke vielleicht die Sparsamkeit deS Finanzministers dahinter? Sr bitte den Minister, unter allen Umständen strengste Grundsätze bei der 380 «6 Prüfung der Verkehrssicherheit walten zu lassen, nötigenfalls gegen deu Willen des Finanzministers. Minister v. Thielen erwidert, es gäbe zwischen dem Finanzminister und ihm in Fragen der Betriebssicherheit der Bahnen keine Meinungsverschiedenheit. Die Schiffer am Rhein seien ein ruhiges, Nüchternes und gefälliges Völkchen. Mit der Verstaatlichung des Trajekt- verkehrs würde ein großer Schatz rheinischer Poesie beseitigt werden. Damit ist die Besprechung beendet. Politische Tagesschau. Die Schulkonferenz in Berlin, über die wir in diesen Tagen unsere Leser mehrfach unterrichtet haben, hat zweifellos vorwiegend einen konservativen Charakter getragen. Wer erwartet hatte, daß die Konferenz mit den Unterschieden für die einzelnen Schulgattungen und mit den Schranken und Erfordernissen der einzelnen Zweige des UniversitÜtsstudiums gründlich aufräumen würde, der ist durch das Ergebnis der Beratungen enttäuscht worden. Das ist ja entschieden ein Fortschritt, daß alle drei Arten der höheren Schulen mit neuustufigem Lehrplan die Berechtigung zum Universitätsstudium oder zu dem auf der technischen Hochschule verleihen können, ein Fortschritt, der für sich allein schon die Arbeit der Konferenz wert ist. Wie aber bisher schon die Studierenden der Theologie die Reife im Hebräischen auf der Universität erwerben konnten und mußten, wenn sie sie von der Schule nicht mitbrachten, so wird diese Einrichtung nun auf andere Fächer erweitert. Das mag für die davon Betroffenen anfänglich lästig sein; sie werden dadurch verhindert, sich der zügellosen akademischen Freiheit, die ihr Ideal in mindestens zweisemestrigem Bummelleben erblickt, in vollem Umfange hinzugeben. Bald genug werden sie den Segen dieser Einrichtung erkennen und schätzen und würdigen lernen. Wir halten es nicht einmal für ausgeschloffen, daß von da durch Verallgemeinerung der Vorkurse dann noch eine maßvolle Reform unseres Universitätsstudiums ihren Ausgang nehmen wird. Die Kreuzztg. schreibt: Es ist vielleicht gut, um nicht weitgehende Erwartungen zu erregen, daran zu erinnern, daß es sich doch eigentlich nur um Wünsche handelt, die von der Konferenz dem Kultusministerium übermittelt sind. Wohl darf angenommen werden, daß dieses den angenommenen Beschlüssen mehr oder weniger sympathisch gegenübersteht. Ls wird aber erst sorgfältiger Beratungen und genauer Formulierungen bedürfen, ehe der Kultusminister mit seinen Anträgen an das Staats- ministerium herantreten kann. Die dann erfolgenden Entschließungen Sr. Majestät werden ferner abzuwarten sein. Dem preußischen Landtag werden die doch nicht ganz zu vermeidenden finanziellen Forderungen vorgelegt werden müssen. Schließlich werden auch die verbündeten Regierungen zu den Berechtigungsfragen Stellung nehmen müssen. Es wird daher auch günstigstenfalls noch geraume Zeit vergehen, ehe die definittve Entscheidung fallen kann. Deutsches Keich. Berlin, 12. Juni. Das Kaiserpaar ist heute nachmittag mittels Sonderzuges in E i s l e b e n eingetroffen. Auf dem Marktplatze ritt der Kaiser die Front derBergknappen ab. Der Leipziger Oberbürgermeister a. D. Dr. Georgi hielt eine Ansprache an den Kaiser, in der er, anknüpfend an die Geschichte des Mansfelder Bergbaues, an die großen Söhne Eislebens, vor allem an Luthex, erinnerte. Der Kaiser erwiderte: Im Begriff, diesen, den großen Erinnerungen geweihten Becher auf das? Wohl Meiner Mansfelder Bergknappen zu leeren, möchte auch Ich betonen und Ihnen ans Herz legen: Es gieibt keinen besseren Wahlspruch schwierigen Verhältnissen gegenüber, als das alte „Dennoch!" Dieses soll Ihre Devise sein, wie es Meine ist. Der große Reformator, der Eislebener Häuerssohn hat uns gezeigt und gelehrt, wie man trotz aller Schwierigkeiten die Blicke unbeirrt auf ein großes Ziel heften soll. Dasselbe haben wir gelernt von Gustav Adolf, der sein königliches Blut verspritzt hat für die Sache seines Glaubens, die heilige Sache unseres evangelischen Glaubens, Ich trinke auf das Wohl Meiner Ge>- werkschaft und der Stadt Eisleben. Glückauf! Glückauf! Glückauf? Bei dem Festmahl im Wiesenhaus führte der Handelsminister Brefeld aus, daß es die Leiter der Gewerkschaft verstanden hätten, auch in schweren ZeiteU bei dem Preissturz des Silbers die Kupferwerke hochzuhalten. Jetzt scheine eine glücklichere Zeit gekommen zu sein. Redner lobte die gesunden Arbeitsverhältnisse, das Vertrauen auf der einen, die Fürsorge auf der anderen Seite und gedacht^ anerkennend der Loyalität und Pflichttreue der Arbeiterschaft. Er trank auf eine glückliche Zukunft des Mansfelder Bergbaues. Die Abreise des Kaiserpaares erfolgte um 1 Uhr 5 Min., die Ankunft in Homburg v. d. Höhe um 9 'Utyp 5 Min. Der Kaiser unternimmt morgen einen Ausflug nach der Saalburg und dem Feldberg. — Herwarth v. Bittenfeld, Gen. Lt. und Kommandeur der 17. Div. ist zum kommandierenden General des XV. Armeekorps ernannt, Frhr. v. u. zu Egloff- st e i n, Gen. Major und Kommandeur der 24. Inf. Brig., mit der Führung der 17. Div. beauftragt, Prinz Friedrich Lseopold von Preußen, Gen. Lt. und Kommandeur der 22. Div., unter Belassumg a l. s. des 1. Garde- Regts. zu Fuß und des 1. Leib-Hus. Regts. Nr. 1, zum Inspekteur der 4. Kav. Jnsp. (Potsdam) ernannt, von O i d t m a n, Gen. Lt. und Inspekteur der Kriegsschulen, in Genehmigung seines Abschiedsgesuches mit Pension, von Engelbrecht, Gen. Lt. und Inspekteur der 4. Kav. Jnsp., in Genehmigun'g seines Mschiedsgesuches mit Pension, Frhr. v. Meerscheidt-Hüllessem, Gen. Lt. und kommandierender Gen. des XV. Armeekorps, in Genehmigung seines Abschiedsgesuches mit Pension und dem Charakter als Gen. der Inf., Stieler v. Heydekampf, Gen. Lt. und Kommandant von Rastatt, in Genehmigung seines Abschiedsgesuches mit Pension zur Disposition gestellt worden. — Der Verband Deutscher Po st - und Tele- graphen-Assistenten hielt seinen zehnten Verbands- tüg unter Beteiligung von Beamten aus allen Teilen des Reiches ab, denen jetzt zum Besuch des Verbandstages keine Schwierigkeiten mehr gemacht, sondern sogar Erleichtere ungen gewährt werden. Der Verband zählt mehr als 15 000 Mitglieder. Seit dem letzten Jahre ist er um etwa 900 gewachsen. Die kürzlich ins Leben gerufene Wirtschaftsgenossenschaft hat in ihren 15 verschiedenen Niederlagen in 15 Städten einen Umsatz von 656136 Mk. gehabt. Das Geschäft in Berlin übermittelte den Mitgliedern allein für über 181000 Mk. Waren. Die Einnahmen des letzten Jahres betrugen 314 248 Mk., die Ausgaben 894 546 Mk. Der Verbandsvorsitzende Oberpostassistent Kaßnch eröffnete Pie Verhandlungen mit einem Hoch auf den Kaiser. Oberpostassistent Ehrhardt berichtete über oie vom Ausschüsse gefaßten Beschlüsse. Der alte Vorstand wurde wiederge- wählt. Oberpostassistent Schubert hielt einen Vortrag über die Mission des Verbandes einst und jetzt. Die wirtschaftlichen Forderungen des Verbandes, die zu seiner Begründung führten, seien im wesentlichen erfüllt. Der Zeit der Kämpfe folgte nun eine nüchterne Arbeit. Das wesentlichste der Forderungen sei erreicht, wenn auch noch mairche Wünsche blieben. Geschäftsführer Funk gab seiner Unbe-i friedigung über die Lage des Verbandes Ausdruck. Wenn auch 1970 Mitglieder zugetreten sind, so sei doch die Fahnenflucht von 1200 zu bemerken. Die Ursache zu den Austritten sieht Redner in der ungünstigen Lage des Verbandswarenhauses, die dadurch hervorgerufen sei, daß viele Mitglieder die Waren lässig bezahlen. Die ausstehenden Forderungen belaufen sich auf fast 550000 Mk. — Auch der Redakteur der „Deutschen Postzeitung", Hubrig, war mit den Fortschritten der Auflage der Zeitung nicht zufrieden. Im Anschluß daran folgten zahlreiche Mahnuwgen an die Mitglieder. Bei der weiteren Berichterstattung stimmten die auswärtigen Delegierten in diese Mahnungen ein. — — Vom 19. bis 26. August findet gleichzeitig mit dem internationalen Kongresse der Elektriker eine interna- nationale Zusammenkunft der Post- und Telegraphenbeamten in Paris statt. Aus diesem Grunde hat die französische Pvstverwaltung an die Post- und Telegraphenverwaltungen aller Länder das Ersuchen gerichtet, den Beamten die Reise nach Frankreich, den Besuch per Ausstellung und die Teilnahme an der Zusammeinl- kunft möglichst zu erleichtern. Von der französischen Postverwaltung werden nicht nur die Beamten der Provinz sondern auch die in den Kolonien beschäftigten Beamten! wenn irgend thunlich zum Besuch der Ausstellung rc. beurlaubt. — Die Abhaltung der für heute abend in der „Tonhalle" angesetzten Versammlun g des Wahlvereins der deutsch-sozialen Reformpartei ist, nachdem die polizeiliche Genehmigung bereits erteilt war, in letzter Stunde noch auf Verfügung des Polizeipräsidenten untersagt worden, und zwar, wie die „Staatsbürgerztg." berichtet, aus ordnungs- und sick>erheitspolizeilichen Gründen. Ausland. Loudon, 12. Juni. Sowohl das Reuter'sche Bureau wie eine amtliche Depesche melden, daß der Vormarsch eines Teiles der Entsatztruppe für Kumassi ernstem Widerstande begegnete. Die Kolonne rückte aus Dompousfi vor, wo sich die Aufständischen in starker Stellung befanden. Nach einem Gefecht wurden letztere geworfen, aber wegen der erlittenen Verluste war die Kolonne nicht im stände, weiter vorzurücken. 7 europäische Offiziere wurden verwundet. Die Kolonne kehrte nach Kwisa zurück. Weitere Stämme gingen zu den Rebellen über. Paris, 12. Juni. Im Elyseepalaste fand gestern ein Diner zu Ehren des Königs Oskar von Schweden und Norwegen statt. Präsident Loubet toastete auf den König und die königliche Familie, sowie auf das schwedische und norwegische Volk. Der König erwiderte mit Worten des Dankes und bemerkte, seine französische Abkunft gebe ihm das Recht, als erster Souverän die Weltausstellung zu besuchen. Er danke herzlich für die Aufnahme und trinke aus da« Wohl des Präsidenten und seiner Gemahlin. Madrid, 12. Juni. Die Königin-Regentin unterzeichnete Dekrete, durch die der bisherige Botschafter in Berlin in den Ruhestand versetzt und Ruata zum Nachfolger ernannt wird. Mendez Vigo wurde zum Senator auf Lebenszeit ernannt. — Einstimmig beschloß der Nationalverband, die Steuerverweigerung fortzusetzen. Alle Steuerzahler erklären sich solidarisch und nehmen einen allgemeinen Ladenschluß vor, sobald der Fiskus gegen einen vorgeht. Am 20. d. MtS. beginnt die zwangsweise Eintreibung der Steuern. Die Regierung ist sehr besorgt. Budapest, 12. Juni. Im Abgeordnetenhause sprach der Kultusminister in Beantwortung der Interpellation über die Wappenverstellung im Uni- versitätSgebäude sein tiefstes Bedauern aus, daß diese Angelegenheit dazu benutzt werde, um konfessionelle Unduldsamkeit in die Herzen der Jugend zu träufeln. Im übrigen kündigte der Minister die strenge Bestrasung der Schuldigen an. Konstantinopel, 12. Juni. Der Bali von Ye men, Hussein, wurde von einem entlaffenen Beamten auf offener Straße durch Revolverschüsse schwer verwundet. Aus Stadt und Land. •* Persoualuachrichteu. Der Gerichtsassessor Wolz in Lauterbach ist mit Wahrnehmung der Dienstverrichtungen eines Amtsrichters bei dem Amtsgericht Beerfelden, der Gerichtsasseffor Dr. Goldschmidt mit Wahrnehmung der Dienstverrichtungen eines Amtsrichters beim Amtsgericht Alsfeld beauftragt worden. •* Laudeslotterie. Sicherem Vernehmen nach kommt eine der hiesigen aus mindesteuS je 100 Losen bestehenden Kollekturen der hessischen Landeslotterie zur Erledigung. Da mit einer solchen Kollektur nach Gewinnung der nötigen Stammkundschaft ein gutes Einkommen verbunden ist, wird es vielen erwünscht sein, wenn wir hierauf mit dem Hinzufügen Hinweisen, daß Gesuche um Übertragung einer Kollektur mit einem kurzen Lebenslauf sowie unter Darlegung der Vermögens- und geschäftlichen Verhältnisse auch Angaben über das in Aussicht genommene Absatzgebiet oder die beabsichtigte Vertriebsart der Lose sofort bei der Lotteriedirektion einzureichen sind. Für Bewerber, die bereits früher ein Gesuch eingereicht haben, wird eS sich empfehlen, das Gesuch jetzt zu wiederholen. ** Patentamtlich geschützt unter Nr. 34133596 D. R G. M. ist der Möbelfabrik Brück eine Chaiselongue, sowie eine Sprungfedermatratze mit in jeder Höhenlage verstellbarem Kopfteil, das mit dem Polster zusammen abgenommen werden kann, um ein leichtes Transportieren und Reinigen desselben zu ermöglichen. Unerreicht find die Vorteile des mit einem leichten Handgriff verstellbaren Kopfteils, das je nach Wunsch hoch, niedrig ober ganz flach gestellt werden kann. ** Zur Guteubergfeier. In seiner gestrigen Sitzung beschloß der Ausschuß der Gießener Studentenschaft, daß jede Korporation in dem historischen Fest, zug in Mainz durch eine berittene Fahnenabtei. lung, drei Chargierte und einen Fahnenfuchs, vertreten sein soll. Verein für Handlungs-Kommis von 1858 (Kaufmännischer Verein) in Hamburg. Durch die kostenfreie Stellenvermittelung dieses Vereins wurde am 19. Mai die 80 000. Stelle besetzt. Wenn man berücksichtigt, daß die 50 000, Stelle am 14. November 1894 vermittelt wurde, so ergiebt sich die bemerkenswerte Thatsache, daß innerhalb eines Zeit- raumS von 5i/2 Jahren 30 000 Vereins-Mitgliedern eine neue Stellung verschafft worden ist. Diese wenigen Zahlen beweisen am besten, daß der Verein nach wie vor seinen Hauptzweck in der Stellenvermittelung erblickt, und es ist mit Sicherheit anzunehmen, daß die geplante und teilweise bereits durchgeführte Reorganisation dieser Abteilung eine weitere erhebliche Steigerung der Zahl der durch den 58er Verein jährlich besetzten Stellen zur Folge haben wird. Crainfeld, 12. Juni Vorgestern fand hier der Feuer« wehr tag der vereinten Pflichtfeuerwehren von hier, Bermuthshain, Grebenhain, Ilbeshausen, Vaitshain, Nösberts, Weid-Moos, Bannerod und Nieder-Moos statt. Gegen 1 Uhr mittags erschienen KreiSfeuerwehr-Jnspektor Jockel, Kreisrat Dr. Wallau und der Kreisamtmann. Trotz der tropischen Hitze hatte sich eine nach tausenden zählende Menschenmenge eingefunden. Auch eine Abteilung der freiwilligen Feuerwehr Laubachs war erschienen, sowie einige Mann der Pflichtfeuerwehr Schlechtenwegen. Nachdem die Front abgeschritten war, fanden die Uebungen der Feuerwehren der einzelnen Orte zuerst ohne, dann mit Geräten statt. Dann wurde ein gedachter Brand im hiesigen Orte signalisiert, und gleichzeitig an zwei Häusern und an einer Stallung Uebungen seitens der gesummten Mannschaften vorgenommen. Nach Beendigung derselben sand eine Kraftprobe der Wasierstrahlenstärke der einzelnen Spritzen am Kirchturme statt. Den Schluß bildete der Parademarsch in Sektionen. Dann begab man sich nach dem Festplatz. Bürgermeister Schmalbach eröffnete die Reihe der Toaste mit einem Hoch aus den KreiSrat Dr. Wal lau und den Kreisfeuerwehr-Jnspektor Jockel. Kreisrat Dr. Wallau dankte und brachte das Hoch auf den Kaiser und den Großherzog aus. Auf dem Festplatze konzertierten drei Musik- Kapellen. Der Musikverein Grebenhain, der Musikverein Bermuthshain, und die Kapelle Blum von Nieder-MooS. Gegen 5 Uhr begann die Tanzbelustigung. Man trennte sich erst gegen Mitternacht. i. Laubach, 12. Juni. Vom herrlichsten Wetter begünstigt, fand, wie alljährlich um diese Zeit, das „Ausschuß fest" statt. Auch von außerhalb, von Gießen, Schotten, Friedberg u. s. w. hatten sich zahlreiche Radfahrer eingefunden. Gestern vormittag zog unter Borantritt der Musik ein stattlicher Zug vor das Schloß. Der in diesem Jahre zum Hauptmann der Schützen erwählte Kaufmann Wilhelm Klip stein brachte dort das Hoch aus die gräfliche Familie aus. Der Graf antwortete mit einet längeren Ansprache. Zunächst dankte er für den herzlichen Empfang, mit dem er kürzlich bei seiner Rückkehr au« Italien in seiner Vaterstadt ausgenommen worden sei. Er benutze die Gelegenheit, bei der das Band zwischen feiner Vaterstadt und seinem Hause wieder so sichtlich hervortrete, um an die Entstehung des Ausschußfestes zu erinnern. In grauer Vorzeit sei in diesen Tagen der KreiShauptmanu erschienen, und habe die waffenfähige Mannschaft vom 17. Lebensjahre an einexerziert. Nachdem die Tage des alten Reiches vergangen wären, sei dieses Fest als Erinnerung geblieben. Er glaube aus aller Herzen zu sprechen, wenn er auf das neue Reich, unser deutsches Vaterland sein Hoch ausbringe. Bei Rückweg des Zuges über den Schloß- hos wurde, alter Sitte gemäß, der bekränzte Hammel, die Ehrengabe des Grasen, in Empfang genommen, der, von Knaben geführt, geduldig auf den Feftplatz mittrabte. Dort begann nun ein eifriges Schießen, zu dem auch die Gräfin und der Erbgraf Preise gestiftet hatten. Der hiesige Musik- verein, durch auswärtige Kräfte verstärkt, ließ seine frohen Weisen auf dem im Freien unter den alten Linden angelegten Tanzplatz ertönen. Auch der Graf mit feinen Söhnen war auf dem Festplatze erschienen. Den ersten Preis, den Hammel, errang der Zigarrenarbeiter Högel. Heute folgten noch Jugendspiele, darunter auch das ortsübliche Hahnenschlagen. 4- Darmstadt, 12. Juni. Während die beiden ersten Ziehungen der Großh. hessischen Landeslotterie regelmäßig pünktlich wie vorgeschrieben, vormittags um 8 Uhr ihren Anfang nahmen, wurde die Geduld der am letzten Montag zur dritten Ziehung erschienenen Kollekteure und Interessenten auf eine große Probe gestellt. Als man nämlich wohlvorbereitet zur Ziehung schreiten wollte, fehlte eS an zwei Hauptpersonen. Von den drei bei der Ziehung notwendigen Notaren war nämlich nur einer erschienen. Anfangs zerbrach man sich den Kopf, als aber die Heiß- ersehnten immer noch nicht erschienen, traten daS JJagrra und Telephon in wirksame Thätigkeit, und nach halbstündiger Verspätung konnte die Ziehung beginnen, die vieren Glück, den meisten aber Enttäuschung brachte. Wie oic beiden Herren erklärten, war ihnen keine Ladung falNlne"' - «anders »eS MM»»-, A ser Über vo erbrochen.^ um das Hau. meinten, der borgen, w s heriM tyu gemäß nur mit ter (iinbru- in der Lautem kmnotivsührers doch lag die E Nachschlüssels c ton hier aus: oroentlich durck Schlafzimmer:S Aiau vom ande Heil des Diebe guten Tag" z ilohnen sollte zur Rede gep bringen, gab M einzuschlre strau, eiligst d legenheit dive' volle, in die Junger Mau mit roeiyem 1 ebenso kleine Franksm der Gruppe $ ftanbeltgä Lerbl'nbun würbe die ffn Erzeugnisse Zoll zu mlanj wohl aber ein ländischen $flar । erschwere. Fol ; 3nntrn vorgesc l-nofpen rc. 3M iiju Bindezwecken '"50 M., &yca W M., Mn in Berdindunc Blätter, Grase artigem Mail Knollen 30 30 Psg., mit Winterrnonater Sommermonat für tin Stils c Beförderung d Frachtguts«! M «leine Der Schal 71/i Uhr miv Passieren soll deshalb auf werden. Di, sartgesetzt rot schwere getves m Arzt Plötz! »assen eines 'starken, in d Wen vermocht » . * Ein lat ü nebenan vik ^ttnstlerkot Mbfout F’MIw Mar tz^nstle nut N« Mhel fahren, bt< geäu "Mn hinauj kÄ Verb/ ist H $-£,1; k-L sM AS 'S O1,» n Ä1« »be.nte«ito , !?!“"«& 1 L““ (r«m fr« • ®»i bie 80jj ’ daß die 50 di ^rde, so nM lnerhalb eine« U 7 ^enigeo ZG » ’°k' h ouckt, und es ' ante und teilte 'ser Abteilung i der durch den 5>t -e haben wird, 'dhier der "n von hier, h altshain, Nörbew koos statt, tzezü ir^nspektor ZE itinann. Trotz k tausenden zjtzl^ Abteilung der fit litntn, sowie eiw egen. Nachdem b Übungen der Feie dann wit SeM d iw hiefigev Dnt ufern und a ito unten Nächst» ben fotimtfr^ jelnen Spti^ro ob der Parademarsch nach bau Watz. it Reihe der loch Kallau und btt ‘trat t)r. Äaü« er unb den Vrch erten drei W- der Mtowvi Wo tTiiroi! rlichsten Wetter de> e Zeit, dar ,ius' alb, von Siiftc, sich zahlreiche N' ag zog nntn ior das SchG w r Schützen «=- » dort das fioi antwortete mit er für den hnj-- seiner W*/ men worden fei■ ’ Band zwischen ss , ^lich hervortr^ ts in erinnern, j der LreirhaWo ae Mannsch-s- v°' chdem bitW w 8* •! to ?«!<«»« 7 eutscheS SateM uges über den «U« bem M i Der h»^ ; lj,ß seine ftff **•*■,? cen\ SA.Ä .!'S »«Ä »ÄS ' Kl«” j « 4 b'f>‘ f Ziehung zugegangen. — Im „Darmstädter Hof" waren gestern die Brauereibesitzer von hier und Umgegend versammelt, um durch Zusammenschluß ähnlich dem Vorgehen in anderen Städten Stellung zu nehmen und sich vorzusehen gegen eventuell vorkommende Arbeiterbewegungen, Boy- iott- rc. rc. Mainz, 12. Juni. Wir lesen im „Mainzer Anz.": llnfere gestrige Notiz über einen Einbruch in der Parkus- Ituiifie ist dahin zu berichtigen, daß nicht bei einem Rechts-- anwalte, sondern bei einem Kausmanne, Parkusstraße Ich der über Sonntag verreist war, eingebrochen worden ist, daü dabei nicht ein Kassaschrank, sondern ein Schreibtisch er brodln wurde, und daß dabei keinerlei Geldsummen, sondern einige Schmucksacheu rc. entwendet worden sind. Äas von einer Entdeckung des Diebes durch ein Dienstmädchen umd einem Entfliehen. des, Dieses durch das Fenster gesagt wurde, beruht auf Irrtum. Vielmehr entfernte sich der Dieb auf dem gewöhnlichen Weg durch die erbrochene Korridorthür. Die große Menschenansammlung Im das Haus ist nur dadurch zu erklären, daß die Leute meinten, der oder die Diebe seien noch in dem Hause verborgen, was aber nicht der Fall war. — Dasselbe Blatt berichtet heute wieder eine ähnliche Sache, die wir demgemäß nur mit Vorbehalt wiedergeben: Einraffinierter Einbruch wurde am Sonntag mittag gegen 4 Uhr in der Lauterenstraße, der Wohnung eines Königlichen Lokomotivführers a. D., verübt. Betr. Herr war verreist, doch lag die Ehefrau desselben auf dem Sopha. Mittels Nachschlüssels öffnete der Gauner den Vorplatz und drang von hier aus in das Zimmer ein. Nachdem er dasselbe oro entlief) durchgesucht, stattete er auch dem daranstoßvnden Schlafzimmer Visite ab, was in diesem Momente von der Frau vom andern Zimmer aus bemerkt wurde. Die Frechheit des Diebes gipfelte darin, daß er der Frau einen „guten Tag" zurief und sich nach einem Herrn, der hiqr ivoünen sollte, erkundigte. Darauf von der resoluten Frau zur Rede gestellt, wie er es wagen könnte, hier einzu- brülgen, gab er derselben, nachdem solche Willens war, ihn einzuschließen, einen Stoß und suchte, gefolgt von der Frau, eiligst das Weite. Dem Gauner sind bei dieser Gelegenheit diverse Schmuckgegenstände, darunter sehr wertvolle, in die Hände gefallen. Das Signalement lautet: Junger Mann, Alter ca. 25—27 Jahre, gut gekleidet, mit weißem Strohhut, mattgrünlick)em Anzug, Sandalen, ebenso kleinem Schnurrbärtchen. Frankfurt, 12. Juni. In der gemeinschaftlichen Sitzung -er Gruppe Hessen und Hessen-Nassau der deutschen Handelsgärtner und der hiesigen Handelsgärtner- Berbindung, die am Sonntag hier einberufen war, wurde die Frage eines Schutzzolles auf gärtnerische Erzeugnisse beraten. Man war darin einig, daß kein Zoll zu verlangen sei, der einem Einfuhrverbot gleichkomme, wohl aber ein Zoll, der die Einfuhr der billigeren ausländischen Pflanzen, die Deutschland ebenfalls liefern könne, erschwere. Folgende Zollsätze sollen dem Reichsamt des Zniern vorgeschlagen werden: Frische Blumen, Blüthen, gno spen rc. 3 Mk., frische Blätter, Gräser, Zweige, Früchte rc. zu Bindezwecken (ausgenommen Cyras und Palmwedel) 50 Pfg., Cyraswedel, Palmblätter frisch oder getrocknet 10 Mk., Kränze, Sträuße rc. aus frischen Blumen, auch in Verbindung mit Atlasschleifeu rc. 3 Mk., getrocknete Blätter, Gräser rc. 1,50 Mk., Sträuße, Kränze rc. aus derartigem Material 2 Mk., Blumenzwiebeln, Bollen und InoHen 30 Pfg., Bäume, Sträucher rc. ohne Erdbällen 30 Wfg., mit Erdbällen 16 Pfg., Gemüffe aller Art in den Antermonaten (1. Dezember bis 1. Ium) I Mk., m den Sommermonaten 3 Pfg., Küchenkräuter rc. 30 Pfg. alles für ein Kilo gerechnet. — Der Eisenbahnrnmrster soll um Beförderung aller lebenden Pflanzen als Erl gut zu Frachtguts ätz en ersucht werden. •• Kleine Mitteilungen aus Hessen und den Nachbarstaaten. Der Schah von Persien, der Dienstagvormittag w Uhr mittelst SonderzugS die Strecke Bebra—Frankfurt passieren sollte, erkrankte plötzlich. Der Sonderzug mußte deshalb auf Station Schönfeld vorläufig huiterftellt werden. Die Reise wird, neueren Nachrichten zufolge, doch sarkqesetzt werden, sodaß die Erkrankung scheinbar keine schwere gewesen ist. — In Helmershausen (Rhön) ist dn Arzt plötzlich infolge von Bienenstichen gestorben. Beim Men eines Schwarms haben etwa 6 biS 8 Bienen den starken, in der Vollkraft des Lebens stehenden Mann zu Wien vermocht. Vermischter^ * Ein launiges Wort des Kaisers wird augenblicklich in Friedenau viel besprochen. Dort ist in letzter Zeit eine tünstlerkolo nie entstanden, die sich zusammensetzt aus ben Bildhauern Valentin Casal, Hüttig, W. Haverkamp, Professor Manzel, Götze, Otto Wesche u. a. Die Ateliers dieser Künstler sind infolge des schlechten Zustandes der Straßen nur mit großen Schwierigkeiten zu erreichen. Saiser Wilhelm hat diesen Uebelstand am eigenen Leibe erfahren, als er kürzlich eines der dortigen Ateliers be- fudbte. „Der Weg zur Kunst ist steil", soll er beim rerlaffen des Wagens lachend zu dem ihm empfangenden tüvstler geäußeit haben; „man merkt's, wenn man hierzu Men hinausfährt". , .. ... . * In der Konrtzer Angelegenheit ist, wie die- Nat -Ztq." hört, amtlich im Staatsministerium nichts bnwn bekannt, daß in Könitz der Belagerungszu- skand verhängt oder das Standrecht proklamiert wrtzen ist. Man vermutet, daß es sich nur um eine War- Mng des militärischen Kommandanten handelte Die Ruhe Ist in den letzten Tagen nirgends gestört worden. Am 12 d Mts wurden mehrere Verhaftungen vor- Mommen aus Anlaß der Ruhestörungen vom Sonntag, fas Kompagnien Militär sind hier; die erste Kompagnie frf Alarmzustand. Frau Roß, die Schwiegermutter des -rlleiters Maslow, ist jetzt ebenfalls unter dem Verdacht des-Meineids verhaftet wordeii. • London, 12. Ium. Set den militärischen Ueb- inzgen bei Aldershot erkrankten gestern infolge der großen Hitze 300 Manu und wurden in das Hospital gebracht, wo vier starben. Die Ambulanzen waren die ganze Nacht auf der Suche nach Vermißten. * Der Kardinal Erzbischof von Rouen hat Anstoß daran genommen, daß die berühmte Kathedrale häufig von weiblichen Touristen besucht wurde, die mit kurzen Röcken oder sogar in Hosen, d. h. Radfahrertracht, erschienen. Er ließ daher ein Verbot anschlagen, das allen unweiblich gekleideten Frauen den Eintritt untersagt. Dieses Dekret erregte Entrüstung, da die meisten Radfahrerinnen nicht in der Lage waren, ein anderes Kleid anzuziehen. Es wurde endlich folgender Ausweg gefunden. Der Küster der Kathedrale erhielt die Erlaubnis, eine Garderobe langer Frauenröcke zu halten und diese zum Preise von einem Franken den Radfahrerinnen zu leihen. * Salzwedel, 12. Juni. Die schwarze Pockenseuche greift beunruhigend um sich. Bereits die vier Orte Kemnitz, Ziethwitz, EverSdorf und Osterwohle sind davon ergriffen. Die Bewohner des ganzen Kreises wurden zur Schutzimpfung aufgefordert. Alle öffentlichen Veranstaltungen sind verboten. * Ha, welche Lust, Lehrer zu sein. Die letzte Nummer des Blattes „Der tiroler Wastl" enthält folgendes Geschicht- chen: „Zu was a Gemeindestier oft guat ist, that koa Mensch glab'n. Bor an etlene Tag ist nämlich in Fiß bei Ried a gewisser Sebastian Grüner, der in Aldein, Auer und zuletzt in Fiß, im ganz'n über 63 Jahr Leahrer war, im 91. Jahre seines Lebens g'ftorb'n. Nachdem er sei Lehramt infolge seiner Greisenhaftigkeit hat aufgeb'n müaff'n, hat er von der Gemeinde Aldein 30 kr. und von der in Auer 20 kr. täglich Pension kriagt, also im ganz'n 180 fl. Weil aber dös zum Leb'n z'wianig und zum Sterb'n z'viel g'wesen ist, hat er an den Landtag an Eingab g'macht, a bißl was dazu z'geb'n, und g'moant, er rnüaßt's um so sicherer kriag'n, als er in Kriagszeit'n allemal mit seiner Büchs af'm Buggl pünctlich auSg'ruckt ist für Gott, Kaiser und Vaterland. Der Landtag hat ihm aber was pfiff'n und die bescheidene Bitt' rundweg abg'wies'n. Dös hat den alt'n Grüner teuflisch g'macht, und er hat g'schwind wieder a Bittschrift vom Stapl g'lass'n und 6rinn auf die Thatsach' hing'wies'n, daß a jeder Halbwegs ordentlicher Gemeindestier, der lei oan oanzig'S Jahr lang seine Pflicht pünktlich b'sorgt und die Gemeinde zur allgemeinen Zufriedenheit mit vierfüßig'n Kälbern versorgt, nach Ablauf seiner.einjährigen Dienstpflicht mit a Prämie ausgezeichnet wird, es daher nur recht und billig war, wenn a Lehrer nach 63jähriger Dienstzeit a a bißl was kriaget, und siehe da, die Landtagsmajorität, dö durch die Bitte des Lehrers alloan net hat hearwärtS schau'n woll'n, ist durch den Hinweis auf den Gemeindestier batzwoach wor'n und hat dem alt'n Grüner richtig alle Jahr 100 Gulden zuag'sproch'n. A nette Illustration für das Faffungsver- mög'n der leahrerfreundlich'n Mander in der Landstub'n!" Universität und Hochschule. Bertreterlag der Ainkenschaften zu Wittenberg. Aus Wittenberg wird geschrieben: „Es gährt in der deutschen Studentenschaft. Immer weitere Kreise zieht die finkenschaftliche Reformbewegur.g. Anfangs als eine haltlose Utopie verspottet, steht sie jetzt als ein achtunggebietender Faktor im akademischen Leben da. In der Berliner Lesehalle hat sie beispielsweise den zweiten Borsitz des Direktoriums errungen. Ihre Grundtendenzen sind: Wahrung der individuellen Freiheit jedes Einzelnen, Anerkennung jedes Standpunkts und Ablehnung jedes noch so allgemeinen polittschen Programms. Für den nach Freiheit dürstenden Studenten haben solche Sätze gewiß werbende Kraft. Wie eine Erinnerung aus der Humanifienzeit erklang der Rus nach einer neuen Universitas; Jedermann ist willkommen, der Takt genug besitzt, andere nicht zu verletzen-, Und Bildung genug, sie zu verstehen. — Bon Leipzig ging die Bewegung aus, es folgte Halle, Berlin, Königsberg. Auch auf dm technifchen Hochschulen blühm Finkenschasten und aus der neuen Leipziger Handelshochschule. Und jetzt sind sie alle in Wittenberg zusammengekommen, um an historisch denkwürdiger Stätte die allgemeinen Grundzüge eines Verbandes zu beschließen, der die zersplitterten Kräfte der weitver« zweigten Bewegung zu einem Ganzen zusammensaßt. Aus zwei Sektionen soll dieser Verband bestehm, von denen die eine die Finkenschasten der eigentlichen Universitäten, die andere die der technischen Hochschulen umfaßt Die Handelshochschule wird vorläufig dieser zweiten Sektion sich anschließen, um später vielleicht mit anderen Handelshochschulen eine eigene Sektion zu bilden. Jede Sektion arbeitet ein eigenes Programm aus, und nur das, was allen gemein ist, findet Aufnahme in das allgemeine Programm. Ein in diesem Sinne verfaßter Programmentwurf der Finkenschaft Berlin gelangte teilweise zur Annahme. Nahezu zwölf Stunden dauerte die Redeschlacht Taktvoll wurden hier die schwierigsten Fragen der Gesellschaft diskutiert. Etwas völlig neues in unserer Studentenschaft bedeutet das Resultat dieses ersten deutschen Finkenschaftstages und wohl mag's Zweifler geben, die zu so weitgreifenden Zielen bedenklich den Kopf schütteln." Kunst und Wissenschaft. — In München ist der Schriftsteller und Dichter Dr. Otto Philipp Braun im 76. Lebensjahr gestorben. Otto Braun, in Kaffel geboren, studierte in Bonn, Heidelberg und Marburg Rechtswiflenschaft, Geschichte und neuere Sprachen. 1848 beteiligte er sich als Präsident der Marburger Studentmschaft an den Verhandlungen des deutschen Studentenparlaments in Eisenach. Bon 1860 bis 1692 war er in der Redaktion der „Allgem. Ztg.", von 1869 an als Chefredakteur, thättg. In den letzten Jahren redigierte er den Cotta'schen Musmalmanach. Jagd und Spott. Bei dem Etratzerrrermeir Bordeaux-Paris ging Josef Fischer als erster durchs Ziel. Er legte die 591 Kilometer lange Strecke in 21 Stunden 57 Minuten auf Kontinental-Pneumatik zurück. Gerichtssaal. e. Gießen, 12. Juni 1900. Schöffengericht. Vor dem heutigen Schöffengericht hat sich zunächst ein Viehhändler aus Alsfeld wegen Zuwiderhandlung gegen $ 360, 11 des Strafgesetzbuchs, sowie wegen Uebertretung einer Lokal- Polizeiverordnung, die Aufstellung des Viehs gelegentlich der hiesigen Märtte betreffend, zu verantworten. Mit vielem Eifer aber wenig Glück sucht er den damals amtierenden Schutzmann als den wirklich Schuldigen hinzustellen, sich selbst aber nach Kräften zu entlasten. Die Zeugenvernehmung liefert indessen das entgegengesetzte Ergebnis, und so erhält er wegen Zuwiderhandlung gegen $ 360, 11 eine Geldstrafe von 3 Mk., währender htnsichllich der zweüen Beschuldigung freigesprochen wird, weil die betr. Polizeiverordnung erst am Abend vor dem in Rede flehenden Viehmarkt veröffentticht worden war. — Ferner erhält ein herumstreichender Bäcker aus Langenselbold in anbetracht seiner zahlreichen Vorstrafen wegen Bettelns eine Haststrafe von 4 Wochen — Endlich wird der Einspruch eines hiesigen Agenten gegen einen wider ihn erlassenen Strafbefehl wegen Nichterscheinens deS Einsprucherhebcnden verworfen. Temperatur der Lahn und Luft nach Reaumur gemessen am 13. Juni, zwischen 11 und 12 Uhr mittags: Wasser 18°, Luft 17«. Rübsameu'sche Badeanstalt. Kriefkasien der Redaktion. , A. N. Die bekanntesten Theater-Agenturen sind die von A. Ensch in Berlin N. W. 7, Neue Wtlhelmstraße 1, Felix Bloch Erben in Berlin N. W., Dorotheenstrah« 61, und Rubtnverlag in München. Familien Nachrichten. Verlobter Fräulein Emma Guggenheim mit Herrn Willi M. Bier, Worms-Frankfurt a. M. r , Gestorbenr Frau Medizinalrat Jhrmg, geborene Ellenberger, in Darmstadt. Arbeiterbewegung. Berlin, 12. Juni. Im Ministerzimmcr des Abgeordnetenhauses hat heute nachmittag eine Konferenz stattgefuuden, die sich mrt der^X.age der Straßenbahnangestellten beschäftigte, «n der Konferenz nahmen Tell die Minister von Rheinhaben und von Thielen, Oberbürgermeister Kirschner, sowie Vertreter der Großen Berlmer Straßenbahn» Gesellschaft. Mtt aller Schärfe verwahrten sich die Herren von ver Direktion dagegen, daß sie in den Vereinbarungen, die zu dem otle* ' schluß geführt haben, wortbrüchig geworden wären. Dre Künvlgungen seien einzig und allein von der Notwendigkeit diktiert worden, vap em wirklicher Friede wieder einkehre und erhalten bleibe. Sie erklärten sich mit einer Vermittelung deS Oberbürgermeisters emoerstanven, sodaß dieser Vermittelung zusagte. Berlin, 13. Junt. In dm RSumm deS ZirkuS Renz versammelten sich gestern abend etwa 4000 Str atzen bahn-Angestellte, um zu den neuen Fragm endgilttg Stellung zu nehmm. Die Versammlung drohte anfangs auszufallen, da noch um 12 uyr das elektrische Licht nicht brannte. Um 1 Uhr wurde die Versammlung endlich eröffnet. Der Vorsitzende des Zentral-VerbandeS der Handels-, Verkehrs- und Transport-Arbeiter, Schumann, sprach über die Maßregelung von Beamten selten» der Direktion und schlug schließlich vor, die Arbeit vorläufig nicht ntederzu- legen, eine Einigung auf neuer Grundlage anzubahnen und die strikte Zurücknahme der Maßregelungen zu verlangen. Die Versammlung, die ruhig verlief, nahm diese Dorschlage an- Gent, 13. Juni. Die auSfiändischen Weber haben beschlossen, die Arbeit unter den alten Bedingungen heute wieder auszunehmen, da die Arbeitgeber erst nach Wiederaufnahme der Arbert mtt den Arbeitern verhandeln wollm. . Madrid, 13. Junt. In den Kupferminen oon Rio Tinto sind 10,000 Arbeiter ausständig geworden. Sie verlangen Lohnerhöhung. Die Gendarmerie ist verstärkt. Wenn dte Zustände sich velschlechtern sollten, werdm auch Truppen hingesenver werden. ________________________ zandel und Verkehr. Volkswirtschaft^ Frankfurter Böree vom 18. Juni. Wechsel auf New-York zu 4.201/e*2lVi« Prämien auf Kredit per ult Juni 1.35 °/th uo. per ult. Juli 2.80%, Diskonto-Kommandit per ult. Juni 1.35%, do. per ult. Juli 2.80 %, Lombarden per ul* Juni 0.40%, do. per ult Juli 0.80%, Deutsche Bank per ult. Juni 0.00. Notierungen: Kreditaktien 220.70-00-00, Diskonto Korn man- dit 181.10-20-181.00, Staatsbahn 141.00-00, Gotthard 140.00, Lombarden 27.70-00-00, Ungar. Goldrente 96.76, Italiener 94.70, Bproz. Mexikaner 25.10, Oesterr. Coupons 84, Amerik. Coupons 4.18%, Privat-Diskont 4*'18% l%-2% Uhr: Kreditaktien 221.00-000.00, Diskonto-Kommandit 181.20-181.00, Staatsbahn 141.80-90, Lombarden 27.70, Portugiesen 00.00, Bochumer 00.00. — Der Verband reisender «auslente Deutschlands hielt in Leipzig seine 15. Generalversammlung ab. Aus den Verh and lunger ist folgendes hervorzuheben: Der im Druck vorliegende Jahresbencht wurde genehmigt und dem Vorstand Decharge erteilt. Aus demselben sei hervorgehoben, daß der Verband heute in 72 Sektionen mit 8822 Mitgliedern über ganz Deutschland verbreitet ist und ein Vermögen von rd. 1700000 Mk. aufweist. Im Jahre 1899 sind an 250 Witwen und Waisen 24458 Mk gezahlt worden, während aus dem Altersversorgungsfonds im gleichen Zeitraum 1418,35 Mk. ausgegeben wurden. Die allgemeine Unterstützungskasie gewährte 7076 Mk. für Krankheitsfälle, 7600 Mk. Begräbnisunterstützung und 4130 Mk. Notstandsunterstutzung. Für die Haushaltung pro 1900 werden 69 000 Mk. bewilligt. Markus Bauer Spezial-SeschSst in feiner Lserren-Sarderobe. Anferttgang nach Maß in eigener werkstLttr. Gießen, Kirchenplatz st. 718 .,Mr_ Seidenstoffe, Sammle von Elten & Keussen Vel VelS M«, hxL u|a Keuche Meldungen. Darmstadt, 13. Juni. (Priv.-Tel.-Meld. 12" mittags). Wie aus zuverläsfiger Quelle verlautet, ist nunmehr der vom Förster Sauerwein angedrohte Strafantrag gegen die „Wormser Ztg.", die zuerst die falsche Meldung in der Sache Kuhmichel brachte, von der Staatsbehörde unterstützt bei der Staatsanwaltschaft Mainz eingereicht worden. Rom, 13. Juni. Entgegen dem Dementi wird in Regierungskreisen nach wie vor daran festgehalten, daß der König in Begleitung des Kronprinzen, des Herzogs und der Herzogin von Aosta und mit großem Gefolge sich in den ersten Tagen des nächsten Monats zur Besichtigung der Weltausstellung nach Paris begeben wird, doch wird versichert, daß die Reise durchaus keinen politischen Zweck habe. Wien, 13. Juni. Zum Zwecke der Hebung des österreichischen Export- und Handelsverkehrs leitete die Regierung mit verschiedenen Schifffahrts-Gesellschaften Verhandlungen ein wegen Einführung eines regelmäßigen Schiffsverkehrs zwischen den Adria-Häfen und Ost- und Südafrika. Danksagung. Für die zahlreiche Teilnahme bei dem uns so schmerzlich betroffenen Verluste unseres lieben Sohnes und Bruders Heinrich Wagner sagen wir allen, besonders Herrn Pfarrer Eckstein für dessen trostreiche Grabrede unseren innigsten Dank. Heinrich Wagner IV. und Familie. Allendorf a. Eda., den 12. Juni 1900. 4176 Zu den vier Jahreszeiten GrSnbergerstratze 47. grosses Konzert des Aamen-Hrchestcrs Karmonia. Eintritt frei! 4 9; Eintritt frei! H Veranda-Möbel Triumph-Klappstühle Rollschutzwände etc. bei 4168 Th. llrürk, Zchloßgasst 16. Anerkannt billigste nnd beste Bezugsquelle. Danksagung. Für die vielen Beweise herzlicher Teilnahme während der Krankheit unserer tlebsn Tochter und unvergeßlichen Nichte, für die zahlreichen Blumenspenden, sowie Herrn Pfarrer Dr. Naumann für die trostreichen Worte am Grabe sagt tnnigstm Dank Im Namen der trauernden Hinterbliebenen: 4186 Georg Baum Witwe. Vergebung von Kmmrbeiten. Die für die Abortaulage und die Einfriedigung deS Schul- Hauses zu Laug GöuS nötigen Arbeiten und Lieferungen sollen im Wege schriftlichen Angebots vergeben werden und sind Angebote bis Samstag deu 16. Juni 1. IS., nachmittags 1 Uhr, bei Großherzogl. Bürgermeisterei Lang-Göns, woselbst Voranschlag, Plan und Bedingungen zur Einsicht offen liegen, einzureichen. Die Arbeiten und Lieferungen sind wie folgt veranschlagt: Erd- u. Maurerarbeiten 3466,09 Mk. Steinhauer-Arbeiten 809,89 M Zimmer-Arbeiten 349,01 „ Dachdecker Arbeiten 190,06 „ Spengler-Arbeiten 106,95 „ Schlosser-Arbeiten 735,10 „ Schreiner-Arbeiten 99,78 „ Weißbinder-Arbeiten 169,35 „ Pflaster-Arbeiten 1053,93 7 Eisen- u. Röhrenlieferung 89,60 „ Gießen, den 12. Juni 1900. Der Großh. Kreisbauinspektor 4183]_________Stahl.________ Kelranntmachung. Donnerstag den 14. d. M., nachmittags 3 Uhr, soll Neustadt 55 dahier 1. ein großer Warenfchrank mit GlaSthüren, und ein AmboS, 2. 1 Bett, 1 Sola, 1 Weißzeugschrank, 1 Tisck, 1 Uhr (Regulator), ein Spiegel und 1 Kückenschrank zwangsweise gegen bar versteigert werden. N B. Der Warenschrank und Ambos wird bestimmt versteigert. Gießen, den 13. Juni 1900. 02520 Seipel, Gerichtsvollzieher. Gydkirsbelgn Sützrahmbuter Pfd. 1,10 Mk., la. Lsrrdbntter zum Eiukochen io Pfd. 8 Mk., sst.EmmknIhalttZchWkßttkäs empfiehlt 4173 Hch. Arnold II., _____Markiftrahe 2S 025211 Schönen Kopf- und Pflück- falat. Wilh. Gerhard, Nahrungsberg 3. ZU uerlmiifcn Sine Srubk Wist m verkauft«. 4189 Liebmann Bür, Nordanlage 5. 02514] Krischmelkende Ziege und gute Speifekartoffeln zu verkaufen __________LeufelSlustgLrtchen 14. 02509] Zwei Bettstellen mit Sprungrahmen-Matratzen wegen Raummangel billig zu verkaufen. Weserstr. 4, II. Gvte Lptisekarloffeln abzuqeben. 02155 Bteichstraße 4v, II. 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Heute Mittwoch: Versammlung bei Mitglied Dreher im Pfau, Gartenwirtsckaft.02524 Union, Heute Mittwoch abend: A 02513 Satz auf der Kneipe. verantwortlich für den aSgemeinen teil: P. Bitttet für bte Hin« Beck — Druck ut=D «erk-s der VrühNchm )lni»er«t6t«.®u*. und SteiiNrnckerei (»tatsch Erb««) in »trßen. 3>te heutige Yummer umfaßt 12 Seiten.