«gen «! b: ifniolö. reine 2 Märchen vom Lach ere Zeil gebient Dal, such i Tparr, Sekaswegss k, Itzaft. lluJt,15 *" 18 S)*IX y* 23. allein Hansl *nW Mon gebucht, ‘jse Caspar. Jwt a. M., <21 irschgraben K ^en^emitlljmAt W&Snfi, ttwigstratz, 94,1. rsüchs^M Wen, welche- todjen Jatbeit vntzeht. Ein, rate Januar. in Marüagr 35, lll. SSSrtgitff,1” irte am 14. d. Mit. nsflug . Januar statt. Der Vorstand. ItÄüei i 14. Zannar 19001 nfl im Abonnement. Jtrlin, iriBt null w Wans in n «•* m Kalisch. 1 von Conradi. !kssnen.' « . Aua- R*y ‘ Wilh. ®'1W- n* Paul iParen. Wald. Eelcirtz. FraM 9W Joseph Eull^ AaneS - Frieda M -vx.n M. EitenM» nalS’ Mld. Erkal dnrtder. g ^eIin 7"'SS ‘ . JfiX» Kmtrou, » Ije gail Walter, igni* $“*$' 6u|n y, -nde u- 9 den 15‘ vc 0»te,\L täüseK 5$^ & gilt. 11 Drittes Blatt. Sonntag otn 4. Xtnuat 1OOO Gießener Anzeiger Heneral-Anzeiger KrcjUl-,sprcis viericljähii. 2,20 monatlich 75 Pfg. mit Biincierlohn; durch die Abholkstellen viertcljährl. Mk. 1,90 monatlich 65 Pfg. 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Vor 10 Jahren, tm 14. Januar 1890, starb der Theologe und Dichter Karl (Sero! in Stuttgart, wo er zu den höchsten Kirchenämtern gelangt war. Seine Kanzelreden verbreiteten zuerst seinen Ruf. Geroks Ruhm aber begründeten die herrlichen geistlichen Poesien „Palmblälter", die man fast in jedem deutschen Hause findet. Der Grundzug seines Wesens, der durch sein Leben und Dichten ging, war durchaus buman. Sein Schwanengesang ist das ergreifende Gedicht auf den Tod der Kaiserin Augusta. Er wurde am 30. Januar 1815 zu Vaihingen geboren. ** Das letzte Vierteljahr der Schulzeit hat für viele Knaben und Mädchen begonnen; noch ein Dutzend Wochen, dann wird der Schultornister zum letztenmale abgeschnallt, und mit der „schönsten Zeit des Lebens" ist es vorbei. Von traurigen Abschiedsgedanken wollen aber Konfirmanden und Konfirmandinnen nichts wissen; sie freuen sich jetzt vielmehr, dem Schulzwange bald entwachsen zu sein, sie glauben auch mitunter, das Lernen jetzt nicht mehr nötig zu haben, weil es mit der Schule doch bald „vorbei" wäre. Doch eine Lässigkeit im letzten Vierteljahre rächt sich oft gar sehr. Die Abgangscensur aus der Schule wird im späteren Leben häufig verlangt werden, und gar mancher junge Bursche hat sich diese schon durch mutwillige Streiche am Schlüsse der Schulzeit verdorben. Die Reue nach Ostern kommt in der Regel zu spät; es dürfte daher das Mahnwort an die Konfirmanden nicht unangebracht sein, gerade jetzt noch alle Kräfte zusammenzunehmen, um die in der Schule erworbenen Kenntnisse und Fähigkeiten zu bereichern und zu befestigen. Gute Schulkenntnisse sind unbezahlbar, zuviel kann man davon nicht bekommen! » * * ** Hausbriefkasten. Bei dem außerordentlichen Umfange, 'den der Briefverkehr seit Jahren angenommen hat, gestaltet sich die Briefbestellung immer schwieriger. Tie Briefträger sind häufig nicht im Stande, die Bestellung in der ihnen zugemessenen knappen Zeit auszuführen. Die Postverwaltung ist dabei nicht in der Lage, Abhilfe zu schaffen, denn mit einer Vermehrung der Zahl der Briefträger allein ist nicht geholfen. Das wirksamste Mittel zur Beschleunigung der Bestellung hat das Publikum selbst in der Hand und dies besteht in der Anbringung von Hausbriefkasten an den Eingängen der Wohnungen, wie sie in England und Belgien bereits vielfach, bei uns aber erst in sehr beschränkter Zahl vorhanden sind. Wenn jeder Besitzer und jeder Mieter an seiner Wohnung einen solchen Briefkasten anbringen läßt, so liegt auf der Hand, daß eine große Beschleunigung der Bestellung zu erzielen ist. Denn nicht tttir das Warten des Briefträgers auf das Leffnen der Thür, das wiederholte Klingeln u. s. w. fällt weg, sondern es sind auch in den Fällen, wo Niemand zu Hause angetroffen wird, fernerhin keine doppelten und dreifachen Gänge zu machen. Also an jede Wohnung bald einen Briefkasten! n. Nieder Florstadt, 11. Januar. Nach langem Suchen fand man gestern einen bejahrten, seit einigen Tagen vermißten alten Mann von hier als Leiche im Wald. Der Trübsinn hat den Unglücklichen in den freiwilligen Tod getrieben. n. Stammhei», 11. Januar. Gestern brach im Hause eines hiesigen Landwirts Feuer aus, das glücklicherweise frühzeitig bemerkt wurde und rasch gelöscht werden konnte, sodaß kein großer Schaden entstand. m. Singlis, Kreis Homberg, 11. Januar. Herr Rittergutsbesitzer Rittmeister Deichmann auf Lembach veranstaltete gestern und heute in hiesiger, Lendorfer, Lembacher, Hebeler, Mühlhäuser, Caßdorfer und Roppersheimer Gemarkung große Treibjagden. Am ersten Tage wurden 370 und heute über 200 Stück Hasen zur Strecke gebracht. Das ist gewiß ein Zeichen guter Wildbestände. — In der letzten Sitzung der Stadtverordneten der Stadt Homberg wurde das neu gewählte Mitglied, Kaufmann Faust, eingeführt und durch Handschlag verpflichtet. Sodann wurde über eine Eingabe des Stadtschreibers beraten, ob derselbe in seiner Eigenschaft als Stadtschreiber verpflichtet sei, das Amt eines Protokollführers bei der StadtverordnetenVer- sammlung von Amts wegen zu übernehmen. Eine Entscheidung hierüber wurde beim Herrn Regierungs-Präsidenten beantragt. Punkt 3 der Tagesordnung betraf die Wahl eines Stadtverordneten-Vorstehers. Gewählt wurde Herr Oberlandmesser C. Wolf und als Stellvertreter Herr Gutsbesitzer Reinhard. Schriftführer wurde der Apotheker Herr Karl Fischer und dessen Stellvertreter Herr Buchbinder Wiegand. Sämtliche Gewählten nahmen die Wahl an. — Darmstadt, den 11. Januar 1900. Der zweite Ausschuß der zweiten Kammer der Stände wird morgen Freitag zu einer Sitzung zusammentreten, um seinen Vorsitzenden zu wählen und einige wichtige Gegenstände zu erledigen. Auch das Bureau des Landtags wird morgen eine Sitzung abhalten, voraussichtlich um den Beginn der Landtagssitzungen definitiv festzulegen. Als Termin ist die Mitte des Februar vorgesehen. — In der heute stattgefundenen sehr lebhaften, sich bis in die Abendstunden hinziehenden Stadtverordneten-Sitzung wurde die Vorlage der Gr. Bürgermeisterei, betr. die Einführung der Beoürfnisfrage bei Konzessionierung von Wirtschaften nach erregter Debatte, in welcher der Oberbürgermeister und die Abgg. Schmehl, Reinemer, K. Th. Müller energisch für und die Abgg. Osann, H. Müller, Schödler und Kahn gegen den Antrag sprachen, mit 20 gegen 18 Stimmen abgelehnt, was im allgemeinen Interesse sehr zu bedauern ist, zudem die meisten deutschen Städte dieses Ortsstatut auch schon eingeführt haben. — Die von uns kürzlich gebrachte Meldung über die Wasser-Kalamität bei dem am 7. d. M. in der Neckarstraße stattgehabten Brande veranlaßte den Oberbürgermeister Morneweg in der heutigen Stadtverordneten- Sitzung zu einer beruhigenden Erklärung. Gleichzeitig teilte er aber mit, daß die Polizeibehörde sofort eine Prüfung der gesamten Hydranten der Stadt, besonders mit Rücksicht auf i(hre Entfernung von einander, sowie auf ihre Lage zu den Schienen der elektrischen Bahn angeordnet habe. Landwirtschaft. O. Aus Oberhessen, 11. Januar. Preisaufschläge für landwirtschaftliche Erzeugnisse. Dieser Tage brachte Ihre Zeitung eine Nachricht von der Bergstraße, wonach eine Preissteigerung sowohl für Milch, als auch für die verschiedenartigsten landwirtschaftlichen Leistungen bezweckt würde. Diese Nachricht wurde auch von der „Darrnst. Ztg." gebracht und dürfte auch von anderen Blättern wiederholt werden. Nach dem Grundsätze: audiatur et altera pars, oder zu deutsch: auch den anderen Teil muß man hören, soll ein wenig über diesen Gegenstand vom Standpunkte des Landwirts geredet werden. Es ist stadt-, land- und weltbekannt, daß die Körnerfrüchte seit einem Vierteljahrhundert so im Preise gesunken sind, daß sie kaum noch die Herstellungskosten decken. In manchen Jahren waren die Preise etwas besser, dann kam die Spekulation und schöpfte den Rahm ab. Di« Preise hoben sich besonders dann, wenn die Bauern nichts mehr zu verkaufen hatten. Die Früchte waren billig, aber das Brod blieb teuer. Woher kommt dies, und wer hatte den Profit davon? darf man fragen. — Baut Handelsgewächsei hieß es dann in den siebziger und achtziger Jahren, und es geschah auch da, wo es der Boden zuließ. Wohl zu merken: man kann überall Handwerke un> Geschäfte treiben, aber man kann nicht überall Handelsgewächse, Obst, Gemüse u. dgl. m bauen. Anfangs ging es mit den Handelsgewächsen befriedigend, heute ist es anders. Die Preise sind auch hier dermaßen gesunken, daß es schwer ist, einen Reinertrag herauszuwirtschaften. Inzwischen sind aber alle Lebensbedürfnisse: Kleider, Schuhe, Strümpfe und alle Wollwaren, Hausgeräte, Eisen- und Stahlwaren, am meisten ab.r die Tag- und Gesindelöhne gestiegen und je teuerer diese Löhne werden, desto mangelhafter sind die Leistungen. Der Schreiber dieser Zeilen kennt die landwirtschaftlichen Verhältnisse seit fünfzig Jahren, er hat sich bemüht, die Augen und Ohren offen zu halten. Doch solche Anforderungen und Ansprüche wie sie jetzt auftreten, sind noch nicht dagewesen. Was mnß der Bauer leisten ? wird vielfach gefragt. Sobald die Feldarbeiten beginnen, schafft er von Sonnenaufgang bis nach Sonnenuntergang. Im Sommer dauert die Arbeit 13 bis 15 Stunden täglich, die städtischen und Fabrikarbeiter würden sich dafür bedanken. Im Winter ruht die Arbeit für den umsichtigen Bauer keineswegs, lind was hat er, wenn das Jahr herum ist? Er dankt Gott wenn er sein bescheidenes Auskommen hat, seine Zinsen, Steuern und Abgaben bezahlen und seine Kinder etwas lernen lassen kann. Wenn nun der Bauer aus Milch, Molkereiprodukten, Obst und Gemüsen etwas herauszuschlagen sucht, heißt es gleich: die Preise sind mit dem Preise der Rohmaterialien nicht zu begründen, oder: Familien, die auf ein streng begrenztes Einkommen angewiesen sind, empfinden den Aufschlag schmerzlich. Ganz recht! Der Bauer ist aber gar nicht so glücklich, ein genau begrenztes Einkommen zu besitzen, er hängt damit an Wind, Wetter und Wolken, er befindet sich in den Händen der Großspekulanten, alle Welt zupft und preßt an ihm, aber keiner will etwas thun? Warum werden die Müller, Bäcker, Metzger, Bierbrauer, Frucht- und Viehhändler reiche Leute und warum bringt es der Bauer, der die Rohmaterialien mit harter Arbeit im Schweiße seines Angesichts baut, zeitlebens zu nichts? Bitte, freundlicher Leser, denke einmal ein bischen über diese Frage nach und du wirst sehr bald zu der Ueberzeugung kommen: der Bauer muß doch auch leben! Es bleibt ihm gar nichts anders übrig, als da einen Reinertrag herauszuwirtschaften, wo es möglich ist; wo es nicht möglich ist, läßt er die Finger davon, sonst werden sie ihm geklemmt. Aus den Molkereierzeugnissen läßt sich noch etwas erzielen, folglich sucht er zum Ziele zu gelangen. Das fordert die Pflicht der Selbsterhaltung und der gesunde Menschenverstand — und was den Handwerkern, Fabrikanten und Kaufleuten in ihren Geschäftsangelegenheiten recht ist, das sollte man doch dem Bauer auch billig sein lassen. Feuilleton. Zwölf Jahre Gefangenschaft in Omdmlnavu. Während aus dem Sudan die Nachricht kommt, daß Kalif Abdullahi bei seinem abermaligen Vorstoß gegen Ehartum nebst seinen Emiren gefallen ist, erscheinen soeben die Erinnerungen*) eines Deutschen, den ein hartes Geschick zwölf Jahre lang die schweren Ketten der „Gläu- iigen" schleppen und die Mißhandlungen eines mit dem Nimbus des Prophetentums bekleideten Despoten erdul- Len ließ. Als Anfang September vorigen Jahres die Engländer bei Kerreri die Truppen des Kalifen mit ihren mörderischen Sprenggeschossen scharenweise niedermähten und damit der langjährigen Herrschaft der Mahdisten ein Ende bereiteten, erschlossen sie dem lebendig begrabenen Karl Neufeld in Omdurman endlich wieder die Kultur- tvelt. Ihm war es nicht geglückt gewesen, sich gleich seinen Mitgefangenen Ohrwalder und Slatin Pascha durch die Flucht zu retten, obwohl es an mehrfachen Bemühungen teilnahmsvoller Personen in dieser Richtung nicht gefehlt hatte. Neufeld giebt in seinem Buch eine spannende Darstellung des ganzen Verlaufs seiner Expedition und Ge- *) In Ketten deS Kalifen. Zwölf Jahre Gefangenschaft in Omdurman von Karl Neufeld. Großoktav, 316 Seiten mit Vollbildern nach photographischen Aufnahmen. Berlin und Stult- gart, Verlag von W. Spemann. Preis 8 Mk., geb. 10 Mk. fangennahme, der Leiden im Kerker, der Zwangsarbeit und der Befreiung. Seine unter wilden Barbaren ungelenk gewordene Hand versteht sich zwar nicht recht auf die Feinheiten der Schreibkunst, dafür spricht aber aus Neufelds natürlicher Darstellungsweise soviel ernste Wahrhaftigkeit, verbunden mit Schärfe der Beobachtung, daß sein Buch nicht nur als hochinteressantes menschliches Dokument, sondern auch als wertvoller Beitrag zur Geschichte des Sudan betrachtet werden muß. Neufeld läßt sich nicht verlocken, in der Rolle des kühnen Abenteurers und großen Dulders zu posieren, er giebt sich ganz schlicht, ohne jede Spur von Pathos, und vermeidet es geradezu, an das Mitleid des Lesers zu appellieren. Nur zum Schluß, wo er an die Widerlegung von allerlei böswilligem Klatsch geht, zittert eine starke persönliche Erregung durch die Zeilen hindurch und er schreibt mit Bitterkeit, „daß er dem wilden Barbarentum des Sudan nur entgangen sei, um der raffinierten Grausamkeit der zivilisierten Welt zum Opfer zu fallen". Seine Leidensgeschichte beginnt mit dem Jahre 1887. Neufeld betrieb damals in Assuan ein Handelsgeschäft und ließ sich durch einen befreunoeten Araber dazu überreden, eine Karawane nach Kordofan auszurüsten, um große Mengen Gummi günstig zu erwerben. Es war ein abenteuerliches Wagestück, denn das ganze Land zwischen Don- gola, Berber, Ehartum und Kordofan befand sich im Besitz fanatischer Mahdisten, und wer in deren Hände geriet, der war verloren. Neufeld vermochte aber der Aussicht aus großen Gewinn ebensowenig zu widerstehen, wie dem Reize des Abenteuerlichen, und so überschritt er am 1. April 1887 bei Wadi Halfa mit 64 Mann und 160 Kameelen den Nil — um erst nach zwölf Jahren bettelarm heimzukehren. Kalif Abdullahi, der Sohn des verstorbenen Mahdi, residierte in den Städten Ehartum und Omdurman, die Gordon mit Aufopferung seines Lebens am 26. Januar 1885 dem Mahdi hatte überliefern müssen. Sein über ganz Aegypten verzweigtes Spionagenetz unterrichtete ihn gut über alle Bewegungen der englischen Truppen und die sonstigen Ereignisse. Auch Neufelds Vorbereitung zur Reise nach Kordofan konnten nicht verborgen bleiben, und lenkten die Aufmerksamkeit auf eine gute Beute, denn Neufeld führte Waffen, Waren und Geld mit sich, außerdem vermutete man in seinem Besitz wichtige Militärpapiere, die er den treu gebliebenen Araberstämmen bringen sollte. Man verstand es, ihm einen Führer beizugesellen, dessen Aufgabe es mar, die Karawane in einen Hinterhalt zu locken. Der Plan gelang nur zu aut. Der verräterische Führer brachte den Zug nach dem Wadai-Terrain, westlich von Dongola, und dort wurde die dem Verschmachten nahe Karawane von einer starken Derwischhorde überfallen und geplündert. Neufelds Begleiter sielen im Kampf oder wurden später hingerichtet, er selbst wurde unter Gewähr für sein Leben gefangen genommen, weil die Derwische Befehl hatten, ihn unversehrt zu überbringen, zunächst nach Dongola, dann vor den Kalifen nach Omdurman. Hier begegnete er Slatin Pascha, der bekanntlich schon 1884 beim Fall von Darfur in die Hände des Mahdi geraten war, aber als Mohammedaner und äußerst kriegstüchtiger Mann von diplomatischem Geschick beim Mahdi sonmhl, wie spater "bei seinem Sohne ein gewisses Maß von Freiheit und Ansehen genoß. Slatins kluger Haltung hat es Neufeld wohl auch hauptsächlich zu verdanken, daß ihn der Kalis nicht kurzer Hand hinrichten ließ, aber der grausame Despot konnte sich und seiner blutgierigen Horde wenigstens den Genuß nicht versagen, seinen armen Gefangenen entsetzlich martern zu lassen. Dann warf man ihn in das Gefängnis, den „Saier", und schmiedete ihm so schwere Ketten an Hals, Händen und Füßen au, daß er sich nur mühselig vorwärts schleppen tonnte. Tie Beschreibung des Saier mutet wie das düsterste Kapitel aus dem Inferno an. Zu Hunderten in den engen Kerker gepfercht, walzen sich des Nachts die kettenbelaoenen Gefangenen, darunter Kranke und Sterbende, im luüften Chaos übereinander, und kämpfen um ein Fleckchen des mit Unrat und Gestank erfüllten Raumes; wird der Lärm der Gequälten zu arg, so öffnet sich die Thür und stumpfsinnige Wärter prügeln mit Nilpferdpeitschen auf das Gewimmel der Köpfe. Erst der Morgen bringt einige Linderung, dann dürfen sich die Gefangenen in den Hof schleppen und die Toten werden in den Nil geworfen. Für die geringste Verfehlung giebt cs unglaubliche Portionen von Peitschenhieben, auch Neufeld wurde zweimal derartig geprügelt, daß er dem Tode nahe war. Außerdem verübte der Kerkermeister an seinen unglücklichen Pfleglingen schamlose Erpressungen. Wenn es in dem grauenhaften Gemälde, das Neufeld von dem Treiben am „Hofe" Abdullahis entwirft, noch einen kleinen Lichtblick giebt, so ist eS ein gewisses Gerechtigkeitsgefühl, von dem der Kalif sich leiten läßt. Die Reize des Saier und der Nilpferdpeitsche stehen jedem seiner Untertanen offen und der höchste Beamte bekommt sie, wenn er Mißgriffe begeht oder sich verdächtig macht, ebensogut und reichlich zu kosten wie der letzte Bettler. Noch gräßlicher wurde die Lage, als eine Hungersnot wütete und die Geschwächten scharenweise hinraffte. Man tötete sich um einen Bissen Brot, und hätte „Nofel" — so sprach der Kalif seinen Namen aus — nicht die treue Hassina zur Seite gehabt, die ihn mit dem Notdürftigsten versorgte, so wäre er gleich tausend anderen in den Nil geworfen worden. Hassina hatte jene verhängnisvolle Karawane als einzige Fran begleitet und war, wie es mit den noch arbeitsfähigen Weibern stets geschieht, geschont worden, dann wurde sie par ordre de Mufti, d. h. auf Wunsch des Kalifen, der unbeweibte Männer nicht gern sah, in summarischem Verfahren Neufeld als Gattin zugewiesen. Sie betrug sich später schlecht, die Ehe wurde geschieden! und Neufeld erhielt nolens volens eine andere bessere Hälfte in Gestalt einer Abessynierin. Höchst interessant sind die aus genauer Beobachtung geschöpften Mitteilungen Neufelds über die sozialen Zustände im Sudan, über religiöses Leben, Heirat, Erziehung, Geldwesen u. s. w., aber ein näheres Eingehen darauf wurde hier zu weit führen. Mit anderen europäischen Gefangenen kam Neufeld nur in den ersten Jahren in Berührung, nut Slatin hatte er nur das eine kurze Gespräch bei seiner Einlieferung, aber mit Pater Ohkwalder fomite er sich öfter heimlich unterhalten, bis diesem die Flucht gelang, dann /brachte >man .eines Tages Zeinen halbidiotischen, böhmischen Musikanten in den Saier, der mit feiner Geige von Kairo aus nilaufwärts „gewalzt" war und in vollständiger Ahnungslosigkeit geglaubt hatte, er könnte am Nil ebenso gemütlich spazieren wie an der Moldau. Der arme Bursche unternahm einen Fluchtversuch und wurde erschlagen in der Wüste aufgefunden. Wie schon gesagt, wurden mehremal von Kairo an-> von Neufelds Freunden Befreiungsversuche unternommen, aber alle blieben erfolglos, entweder weil die mit per Aktion betrauten Araber das mitgegebene Geld für sich verwandten oder weil andere Hindernisse in den Weg traten. Etwas bessere Tage hatte Neufeld, als er mit der Fabrikation von Salpeter beauftragt wurde. Man gab ihm leichtere Ketten und ließ ihn außerhalb des Gesaiig- nisses im ehemaligen Gordonschen Hause arbeiten. -L-latin^ Flucht, die den Kalifen aufs höchste erbitterte, führte Neufeld wieder in den Saier zurück, aber er hatte den glücklichen Einfall, dem geldbedürftigen Despoten naheziilegen, ihn mit dem Prägen von Münzen zu beschäftigen, und verschaffte sich dadurch wieder ein gewisses Maß von Freiheit. , Im Laufe dieser langen zwölf Jckhre blieben die Engländer nicht müßig, sondern bereiteten den großen Schlag gegen den Mahdismus vor. Sie bauten die Eisenbahn von Wadi Halfa nach Berber und drangen teils mit ihr, teils mit Nildampfern unter Lord Kitchener gegen Chartnm vor. Der Kalif, in Sicherheit gewiegt durch seine früheren leichten Siege gab sich einer verhängnisvollen Unterschätzung der britischen Streitkräfte hin und that so gut wie gar nichts, um ihnen wirkungsvoll entgegenzutreteii. Erst als die Engländer bei Kerrerri unterhalb Omdur- mans standen und ihre gepanzerten Dampfer ein verheerendes Feuer auf die ungeschützten Stellungen der Derwische eröffneten, kam ihm der Ernst der Situation recht zum I Bewußtsein Der Verlauf der Schlacht steht noch tu frischer Erinnerung Die Derwische boten mit fanatischer Todesverachtung den Kanonen Trotz und wurden bis auf wenige Tausend vollständig aufgerieben; der Kalis konnte nur fiaftiq kaum mit dem Nötigsten versehen, Chartum und Omdurman in demselben Augenblicke verlassen, als die Engländer in die Städte eindrangen 1 Neufeld lauschte im Kerkerhos mit Entzücken dem Kanonendonner. „Ich lachte und jauchzte und sang und schrie, und warf den über unfern Häuptern dahinsaufenden Todesboten Kußhände zu, ich breitete die Arme aus, als wollte ich die Bombe umfassen, die einige Sekunden später in die Moschee niederfiel und 72 Betende tötete." Bange Stunden entsetzlicher Spannung folgten, denn er war nur auf das Gehör angewiesen, und wußte nicht, welche von den ringenden Mächten Siegerin bleiben würde. Endlich meldete der jetzt gänzlich veränderte Kerkermeister, daß der Sirdar (Lord Kitchener) draußen stände und ihm befohlen habe, Neufeld herauszuführen. „Ich weinte trockenen Auges, sah undeutlich eine bewegte Gruppe vor mir und schrak erst aus meiner Betäubung auf, als ich englisch horte, die ersten europäischen Laute seit langen Jahren. Aus dieser verschwommenen Gruppe, aus dem Dämmerschein, der für mich über allem lag, drang eine Stimme zu mir: „Sind Sie Neufeld? Sind Sie wohl?" Und dann schritt eine stattliche Gestalt auf mich zu und begrüßte mich mit einem herzlichen Händedruck. Es war der Sirdar." Neufeld erzählte dann weiter, wie er nach Kairo zurückkehrte und dort, aller Mittel entblößt — denn fein Geschäft war natürlich inzwischen zu Grunde gegangen —r anfangs eine wenig freundliche Aufnahme fand, weil allerlei Klatsch ihn verdächtigte. Es gelang ihm schließlich, die zu seiner Rettung zusammengebrachte Summe herauszu- bekommen, und die Anträge hervorragender Verleger setzten ihn in den Stand, fitij; wieder eine Existenz in der Kulturwelt zu begründen. Neufeld wird jetzt in Deutschland Vorträge über seine Erlebnisse halten. Aus dem Buche spricht, wie schon oben gesagt, der Geist der Wahrhaftigkeit, und der Leser wird nach Beendigung der spannenden Lektüre dem Schwergeprüften, der so stolz und mannhaft ein hartes Los getragen und selbst den rohen Barbaren Achtung eingeflößt hat, seine herzliche Teilnahme nicht versagen können. Victor Ottmann. < Bekanntmachung. Beide Abteilungen des Umlagekatafters der land- und forstwirtschaftlichen Berufsgeuosfenfchaft, fortgeführt für 1899, liegen zwei Wochen lang, nämlich vom 13. Januar bis zum 27. Januar 1900, auf der Bürgermeisterei zur Einsicht der Beteiligten offen. Etwaige Einsprüche gegen den Inhalt dieser Kataster sind innerhalb einer Frist von 4 Wochen nach Offenlegung bei dem Vorstande der land« und forstwirtschaftlichen Berufsgenoffenschaft in Darmstadt bei Meidung späterer Nicht- berückfichtigung vorzubringen. Gießen, den 11. Januar 1900. Großherzogliche Bürgermeisterei Gießen. 385 Gnauth. Bekanntmachung. Nachdem uns die Haupt-Versammlung wieder die Mittel zur Prämiierung von Dienstboten des Sparkaffeubezirks zur Verfügung gestellt hat, bringen wir dies mit dem Anfügen zur öffentlichen Kenntnis, daß Prämien nur solche Dienstboten im engeren Sinne von 5 zu 5 Jahren erhalten können, welche bei der Herrschaft Kost und Logis haben und sich über gute Führung durch Zeugnisse auszuweisen imstande find. Von Vollendung der 5 Jahre kann nur dann im letzten Dienstjahre abgesehen werden, wenn der Dienstaustritt durch Einberufung zum Militär, dmch Auflösung des Haushaltes der Herrschaft, oder durch Gründung eines eigenen Haushaltes seitens des Dienstboten erfolgt. Es werden hiernach alle diejenigen Dienstboten, welche nach den vorstehenden Bedingungen auf eine Prämie glauben Anspruch erheben zu können, aufgefordert, sich unter Vorlage der Dienstbücher, eines Zeugnisses der Herrschaft über gute Führung und daß Kost und Logis im Haufe gewährt wird, sowie eines etwaigen Sparkaffebuch» bei unserer Kaffe ober der Grobh. Bürgermeisterei des Wohnorts bis zum 15. l. Mts. zu melden. Gießen, den 29. Dezember 1899. 173 Direktion des Spar- und Leihkaffevereins Gießen. Wiener. Bekanntmachung. Nachdem uns auch die diesjährige Hauptversammlung aus den Ueber- fchüffen pro 1898 einen Betrag zur Verfügung gestellt hat, um im nächsten Sommer wieder eine Anzahl armer skrophulöser Kinder in der Kiuderheilauftalt zu Bad-Nauheim unterbunden zu können, fordern wir alle diejenigen Bewohner des Sparkassenbezirk» Gießen, welche solche kranken Kinder haben und nicht selbst in der Lage sind, die Kosten zu bestreiten, auf, sich bei ihrem Pfarramt oder der Bürgermeisterei zu melden. Bei der Anmeldung '.st ein ärztliches Zeugnis abzugeben, in welchem die Rotwendigket einer Badekur bescheinigt fein muß. Es ist nicht ausgeschlossen, daß Kindern, welche bereits auf Kosten der Sparkasse eine Badekur durchgemacht haben, die Kosten für eine weitere Kur bewilligt werden können. — Die Pfarrämter und Bürgermeistereien ersuchen wir. uns die einlaufenden Meldungen mit den ärztlichen Attesten und einer Bescheinigung über die Bedürftigkeit der betreffenden Eltern bis längstens Ende Jauuar 1900 zusenden zu wollen. Wir bemerken noch, daß Kinder unter 3 Jahren und Knaben über 14, Mädchen über 15 Jahre in die Heilanstalt nicht ausgenommen werden können. Gießen, den 29. Dezember 1899. Direktion dcs Spar- und Leihkaffevereins Gießen. ________________________Wiener. _________ 205 ■ ■■ ■ 11 ■ in jeder beliebigen Schriftart und Kartonsorte werdet If löl ■ If T3 ft aa mfts8’ßen Preisen angefertigt in der ■ lySlIlQl lull Brühl'schen Univ.-Druckerei (Pietsch Erben) Schulatram 7. Vergebung von Kauarbeiten. Nachstehende, zur Erbauung eines Amtsgerichtsgebäudes zu Grünberg nötigen Arbeiten nebst Material» lieferungen, nämlich: Schreiner-, Glaser-, Schlosser- und Weist- binderarbeit des inneren Ausbaues, sowie Schlosser-, Pstaster- und Chaussierarbeit für die Einfriedigung vezw. Hofherstellung, werden hierdurch unter Hinweis auf den Ministerialerlaß vom 16 Juni 1893 zur Vergebung auf dem Sab- missionsweg ausgeschrieben. Die Aussührungs ° Bedingungen, Zcichnungen und Arbeitsbeschreib- ungen liegen an den 5 ersten Wochentagen in unserem Amtslokal, Samstags in dem Rathaussaale zu Grün- berg zur Einsicht offen, und können letztere, mit Vordruck zu dem bezüglichen Angebots-Vermerk versehen, daselbst zum Selbstkostenpreis in Empfang genommen werden. Angebote sind bis zum 20. Januar 1900, vormittags 10 Uhr, versiegelt cnd mit entsprechender Aufschrift portofrei an uns abzugebsn. Zuschlagsfrist 4 Wochen. Gießen, den 27. Dezember 1899. Großherzogliches Hochbauamt. __Neuling______212 Verdingung Die Lieferung und das Verlegen von 45 cbm Brückensckwellen und von 895 qm Bohlenbelag aus Eichen oder aus Kiefernholz zu den eisernen Ueberbauten der Neubaustrecke Nieder-Gemünden—Nieder- Ofleiden soll vergeben werden. Die Bedingungen und Zeichnungen liegen bei der unterzeichneten Bauabteil, ung während der Geschäftsstunden zur Einsicht auS, auch können erstere gegen postfreie Einsendung von 50 Pfg. (nicht in Briefmarken) bezogen werden. Angebote sind verschlossen mit ent- Pre*mber Aufschrift versehen postfrei bt8 Mittwoch den 24. Januar, vor- mittags 11 Uhr, zu welcher Zeit die Eröffnung erfolgt, an die Unterzeichnete inzureichen. Zuschlagsfrist 8 Wochen. 317 Grünberg i. H., den 8. Januar 1900 Grokh. Etsenbahn-Bauabteilung, Dienstag den 16. Januar 1900, vor mittags ll Uhr soll im Garnison-Lazarett Gießen die Lieferung der für das Rech uungvjahr 1900 erforderlichen Verpflea- , einschließlich ausschließlich der Fleischwaren, verdungen sicher Zeit ist auch die Abnahme der gewonnenenKüchenabfälle, Brodrefte und Knochen zu vergeben. Die Bedingungen können während der Dienststunden im Geschäftszimmer des Lazaretts elngeschen werden. 310 Großh. Garnison-Lazarett. eeeeeeeeeeeeoeee®®ee®oeee MSiml Im Km-mz 21 Wolsstraße 21. Einem verehrlichen Publikum von Gießen und Umgebung zeige hiermit ergeben^ an, daß ich die renommierte Wirtschaft Zum Kronprinz übernommen habe. 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